
Eine Lücke wird in der neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ von Dr. Laura Dalhaus geschlossen: Diesmal spricht sie mit Dr. Robert Weindl, einem ambulant tätigen Chirurgen.
Denn auch das ambulante Operieren steht massiv unter Druck. Dabei wird politisch ständig darüber gesprochen, Medizin stärker zu ambulantisieren und mehr Eingriffe aus dem stationären in den ambulanten Bereich zu verlagern.
Nur ganz so einfach ist das nicht.
Ein Grund dafür sind die unterschiedlichen Abrechnungssysteme, darunter der EBM. Seit drei Jahren gibt es zusätzlich die Hybrid-DRGs, über die bestimmte Eingriffe aus dem stationären in den ambulanten Bereich überführt werden.
Bei der Vergütung liegen Hybrid-DRGs zwischen der stationären Vergütung und der Vergütung nach EBM.
Für Krankenhäuser bringt das allerdings Probleme mit sich. Durch die Vorhaltepauschalen können sie bestimmte OPs wirtschaftlich kaum noch durchführen – entsprechend wenig attraktiv sind diese Eingriffe für sie.
Laura sagt deshalb ganz pragmatisch: Dann könnten diese Operationen eben von ambulant tätigen Mediziner übernommen werden. Gleichzeitig gibt es politisch den Willen, eine ambulante Parallelstruktur aufzubauen. Bestimmte Leistungen können dann nur noch stationär abgerechnet werden, wenn Patient tatsächlich eine Nacht im Krankenhaus verbringen.
Laura und Robert diskutieren die Vor- und Nachteile ambulanter Operationen. Robert operiert auch ältere Patient:innen. Entscheidend ist dabei für ihn, dass das Umfeld stimmt und die Versorgung nach dem Eingriff zuverlässig sichergestellt ist.
Er arbeitet in einem Zentrum mit eigenem OP. Auch dort spielt Wirtschaftlichkeit natürlich eine Rolle. Kurze Wege und effiziente Abläufe sind deshalb wichtig.
Gleichzeitig wird politisch über eine Budgetierung der Hybrid-DRGs diskutiert. Für Robert ergibt das keinen Sinn – und kann am Ende sogar zusätzliche Kosten verursachen.
Hinzu kommt die Nachsorge. Nach Operationen im Krankenhaus landet diese häufig bei ambulanten Zentren wie dem von Robert oder bei Hausärzt:innen. Die Vergütung dafür ist allerdings unterirdisch.
Besonders problematisch ist auch die Vergütung von Eingriffen bei Kindern, etwa im HNO-Bereich. Operationen an Rachenmandeln oder Polypen sind teilweise nicht kostendeckend. Trotzdem wird von Ärzt:innen erwartet, dass sie diese Eingriffe irgendwie „mitmachen“.
Parallel steigt die Morbiditätslast in der Gesellschaft, während Facharzttermine immer knapper werden.
Eine Möglichkeit ist das Kostenerstattungsverfahren. Patient:innen können darüber Privatpraxen aufsuchen, wenn sie keinen regulären Termin bekommen. Allerdings akzeptieren nicht alle Krankenkassen dieses Verfahren.
Für Robert geht in seinen Augen zunehmend die Lust an der Versorgung durch die Kolleg:innen verloren.
Er wünscht sich, dass sich Krankenhäuser stärker auf die Aufgaben konzentrieren, in denen sie wirklich gut sind. Dafür braucht es vor allem eine sinnvolle Steuerung.
Auch die ärztliche Weiterbildung ist Thema. Im ambulanten Bereich wird bislang vergleichsweise wenig ausgebildet. Das liegt unter anderem daran, dass ambulante Medizin für viele Ärzt:innen in Weiterbildung bisher keine naheliegende Option ist.
Dabei bietet sie einen entscheidenden Vorteil: Der Patient:innendurchlauf ist sehr hoch. Für die Ausbildung ist das extrem wertvoll.
Robert hält die Hybrid-DRGs grundsätzlich für ein sehr gutes Instrument. Eine Abschaffung wäre für ihn ein klarer Rückschritt.
Was ihm vor allem fehlt, ist Verlässlichkeit. Denn ohne verlässliche Rahmenbedingungen lässt sich ambulante Versorgung kaum langfristig planen.
Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus
Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Zur Website von Robert: https://www.cgp-sg.de