#62 Was, wenn die Waage nicht mehr im Mittelpunkt steht?
Adipodcast
18.10.2026
49 min
Beschreibung
Warum wir essen, was wir essen – mit Prof. Dr. Ulrike GischHunger, Gewohnheit, Genuss, Gefühle oder gesellschaftlicher Druck: Unser Essverhalten wird von weit mehr beeinflusst, als uns häufig bewusst ist. Doch welche Rolle spielt die Psychologie bei der Entstehung und Behandlung von Adipositas?In dieser Folge des Adipodcast begrüßen wir Prof. Dr. Ulrike Gisch, Psychologin und Professorin für Ernährungspsychologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen.Gemeinsam mit Prof. Dr. Dr. Marco Bueter, Prof. Dr. med. Andreas Thalheimer und Tariq Abu-Naaj sprechen wir darüber, warum Menschen bestimmte Lebensmittel bevorzugen, wie Essgewohnheiten entstehen und weshalb es häufig nicht ausreicht, einfach mehr über gesunde Ernährung zu wissen.Warum wir essen, was wir essen
Unser Essverhalten ist das Ergebnis zahlreicher Einflüsse. Prof. Gisch berichtet von Forschungsarbeiten, die mehr als 300 mögliche Einflussfaktoren auf unsere Ernährung beschreiben.Dazu gehören biologische und genetische Voraussetzungen ebenso wie persönliche Erfahrungen, psychologische Eigenschaften, die Familie, soziale Beziehungen und die Umgebung, in der wir leben.Wer entscheidet beispielsweise, was zu Hause gekocht wird? Warum greifen wir in bestimmten Situationen zu vertrauten Lebensmitteln? Und wie beeinflussen unsere Persönlichkeit und unsere bisherigen Erfahrungen, ob wir gerne Neues ausprobieren?
Im Gespräch wird deutlich, wie eng Essen mit unserer persönlichen Entwicklung verbunden ist.Wie unsere Kindheit das Essverhalten prägtBereits in den ersten Lebensjahren entstehen grundlegende Erfahrungen mit Hunger, Sättigung und Ernährung.Eltern, Betreuungspersonen und später auch Schule und Freundeskreis prägen den Umgang mit Lebensmitteln. Prof. Gisch erklärt, weshalb es wichtig ist, kindliche Hunger- und Sättigungssignale wahrzunehmen und den eigenen Ernährungsalltag als Erwachsene zu reflektieren.
Dabei geht es auch um scheinbar harmlose Gewohnheiten: Warum belohnen wir Kinder mit Süßigkeiten? Was bewirken Verbote? Und welche Folgen kann es haben, wenn Essen regelmäßig mit Druck, Erwartungen oder Konflikten verbunden ist?Ein wichtiger Aspekt: Ernährungsgewohnheiten sind nicht für immer festgelegt. Auch im Erwachsenenalter können sich Muster verändern.Wenn Essen und Körpergewicht zum ständigen Gedanken werdenViele Menschen mit Adipositas haben bereits zahlreiche Diäten ausprobiert. Häufig stehen hinter diesen Versuchen nicht nur gesundheitliche Motive, sondern auch gesellschaftliche Erwartungen und negative Erfahrungen mit dem eigenen Körper.
Prof. Gisch spricht darüber, wie früh Gewichtsstigmatisierung beginnen kann und welchen Einfluss Schönheitsideale, soziale Medien und Kommentare über den Körper auf unser Selbstwertgefühl haben.Besonders problematisch wird es, wenn Menschen lernen, ihre eigenen Hunger- und Sättigungssignale immer stärker zu ignorieren und stattdessen nach äußeren Regeln zu essen.Welche Folgen können wiederholte Diäten haben? Warum wird das Körpergewicht für manche Menschen zum alles beherrschenden Thema? Und wie lässt sich wieder ein entspannterer Umgang mit Essen entwickeln?Intuitives Essen: Dem eigenen Körper wieder vertrauenEin Forschungsschwerpunkt von Prof. Gisch ist das intuitive Essverhalten.Dabei geht es darum, Hunger und Sättigung bewusster wahrzunehmen, körperliche Bedürfnisse besser zu verstehen und die eigenen Essentscheidungen nicht ausschließlich von Diätregeln oder gesellschaftlichen Vorstellungen abhängig zu machen.Das bedeutet nicht, medizinische Zusammenhänge oder die gesundheitlichen Folgen einer Adipositas auszublenden.
Vielmehr stellt sich die Frage, wie Menschen lernen können, wieder mehr Vertrauen in ihren Körper zu entwickeln und Essen weniger mit Schuldgefühlen, Verboten oder Versagensängsten zu verbinden.Ein neuer Forschungsansatz: Behandlung ohne GewichtsfixierungBesonders spannend wird das Gespräch, als Prof. Gisch ein neues Forschungsprojekt ihrer Arbeitsgruppe vorstellt.In einer Pilotstudie wird ein zwölfwöchiges gewichtsneutrales Interventionsprogramm mit einem klassischen Gewichtsreduktionsprogramm verglichen.
Das neue Programm betrachtet vier zentrale Bereiche:
  • Essverhalten: Intuitives und achtsames Essen, Hunger und Sättigung sowie die persönliche Diätgeschichte.
  • Entstigmatisierung: Negative Erfahrungen mit dem eigenen Gewicht erkennen, einordnen und die eigene Position stärken.
  • Bewegung: Ein positiveres Körpergefühl entwickeln und wieder einen persönlichen Zugang zu Bewegung finden.
  • Körperbild: Den eigenen Körper nicht ausschließlich nach Gewicht und Aussehen bewerten, sondern auch seine Fähigkeiten und Leistungen wahrnehmen.
Das Besondere: Der Erfolg soll nicht allein durch verlorene Kilogramm definiert werden. Im Mittelpunkt stehen Lebensqualität, Selbstakzeptanz und ein besserer Umgang mit dem eigenen Körper.Zum Zeitpunkt des Interviews befindet sich das Projekt in der Pilotphase. Ob und in welchem Umfang der Ansatz wirksam ist, soll erst durch die Forschung untersucht werden.Was bedeutet das für die bariatrische Chirurgie?Auch nach einer erfolgreichen Adipositasoperation kann das Thema Gewicht den Alltag weiterhin stark bestimmen.Vor dem Eingriff beschäftigt viele Betroffene die Frage, ob sie überhaupt abnehmen können. Danach entstehen häufig neue Sorgen: Reicht die Gewichtsabnahme aus? Was bedeutet ein Stillstand? Werde ich wieder zunehmen?Gemeinsam diskutieren wir deshalb, ob psychologische Ansätze, die Selbstakzeptanz und Lebensqualität stärken, eine sinnvolle Ergänzung zu chirurgischen und medikamentösen Behandlungen sein könnten.Dabei geht es nicht darum, verschiedene Therapieformen gegeneinander auszuspielen. Vielmehr steht die Frage im Mittelpunkt, wie Behandlungskonzepte stärker an individuellen Bedürfnissen ausgerichtet werden können.Diese Themen erwarten euch in der Folge
  • Was die Ernährungspsychologie erforscht
  • Warum unser Essverhalten von so vielen Faktoren beeinflusst wird
  • Welche Rolle Persönlichkeit, Kindheit und Familie spielen
  • Wie Hunger- und Sättigungsgefühl geprägt werden
  • Warum gesellschaftliche Schönheitsideale unser Essen beeinflussen
  • Welche Folgen Gewichtsstigmatisierung haben kann
  • Was intuitives Essen bedeutet
  • Warum wiederholte Diäten zur psychischen Belastung werden können
  • Wie gewichtsneutrale Therapieansätze funktionieren sollen
  • Welche Bedeutung Lebensqualität und Körperbild in der Adipositastherapie haben
  • Warum psychologische Begleitung auch nach einer bariatrischen Operation wertvoll sein kann
Über unseren Gast: Frau Prof. Dr. Ulrike GischProf. Dr. Ulrike Gisch ist Psychologin und leitet die Professur für Ernährungspsychologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen.In ihrer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt sie sich unter anderem mit psychologischen Einflussfaktoren auf das Ernährungsverhalten, intuitivem Essen, Gewichtsstigmatisierung, familiären Prägungen und neuen Ansätzen zur Behandlung von Adipositas und Essstörungen.Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Forschung liegt auf der Frage, wie Gesundheit, Selbstakzeptanz und Lebensqualität gefördert werden können, ohne Menschen ausschließlich über ihr Körpergewicht zu definieren.
Weitere Informationen:Prof. Dr. Ulrike Gisch – Justus-Liebig-Universität GießenWissenschaftliche Publikation: Gewichtsneutrale Ansätze zur Behandlung von Adipositas
Über die ViszeraMed AGDie ViszeraMed AG ist eine spezialisierte viszeralchirurgische Praxis in der Schweiz mit besonderem Fokus auf Adipositaschirurgie und Erkrankungen des Verdauungstraktes. Zwei der Hosts des Adipodcast, Prof. Dr. Dr. Marco Bueter und Prof. Dr. med. Andreas Thalheimer, sind Mitbegründer der Praxis und bringen ihre langjährige klinische Erfahrung in die Gespräche des Podcasts ein.Weitere Informationen: www.viszeramed.chÜber den AdipodcastIm Adipodcast sprechen Prof. Dr. Dr. Marco Bueter, Prof. Dr. med. Andreas Thalheimer und Tariq Abu-Naaj mit Fachpersonen, Forschenden und Betroffenen über Adipositas und ihre Behandlungsmöglichkeiten.Unser Ziel ist es, medizinisches Wissen verständlich zu vermitteln, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und zu einem offenen, respektvollen Umgang mit Adipositas beizutragen.
Jetzt reinhören und den Adipodcast abonnieren.Hinweis: Der Podcast dient der Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.

Unsere Ressourcen Über unsere Webseite Adipositas-Zuerich.chUnsere Webseite Adipositas Zürich widmet sich ganz der Aufgabe, Dich umfassend über Adipositas zu informieren – eine Erkrankung, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen für Industrienationen eingestuft wird.Unser Ziel ist es, Dir ein tiefes Verständnis für die Ursachen, Folgen und die zahlreichen Therapiemöglichkeiten dieser komplexen Krankheit zu vermitteln.Wir bei Adipositas Zürich sehen es als unsere Mission, sowohl Betroffene als auch medizinisches Fachpersonal durch qualitativ hochwertige Informationen zu unterstützen.Dabei legen wir großen Wert darauf, die Krankheit Adipositas in all ihrer Komplexität darzustellen und Dir den Weg zu wirksamen Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die Webseite von Adipositas-ZürichAdipositas-Zürich Webseite Der Adipodcast bei Spotify:Adipodcast auf Spotify Der Adipodcast bei Apple Podcast:Adipodcast auf Apple Podcast Diskutiere mit in unserer Facebook Community:Adipositas Zürich auf Facebook Bitte unterstütze unseren Podcast!Wir drei Hosts investieren sehr viel Liebe, Engagement und Zeit in unseren Podcast.Eine kostenlose Möglichkeit, unsere Sendung zu unterstützen, ist, eine Fünf-Sterne-Bewertung und eine Rezension auf Apple Podcasts oder auf Spotify zu hinterlassen. Damit kannst Du uns sagen, was Dir an der Sendung gefällt und anderen helfen, sie auch zu entdecken. So geht es:Auf der Seite unserer Sendung nach unten scrollen, eine Sternebewertung auswählen und auf „Bewerten“ tippen.Deine Rezension wird kurz nach ihrer Veröffentlichung bereitgestellt.Übrigens: Du kannst eine Rezension pro Sendung hinterlassen.Vielen Dank für Deine Unterstützung!