Archivradio – Geschichte im Original

SWR
1013
16.10.2026
Beschreibung
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog

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Episoden
  1. Regierungsbildung schwierig nach Thüringer Landtagswahl 2019 Nach der Landtagswahl in Thüringen im Oktober 2019 gestaltet sich die Regierungsbildung schwierig. Der bis dahin regierende linke Ministerpräsident Bodo Ramelow kommt mit Grünen und SPD auf keine Mehrheit mehr. Die CDU lehnt es ab, Ramelow zu unterstützen, bekommt aber sonst auch keine Mehrheit zustande. Mit der AfD zu regieren – der zweitstärksten Kraft im neuen Parlament – schließen alle aus. Thüringens AfD-Chef Björn Höcke bietet CDU und FDP an, dass sie doch eine Minderheitsregierung bilden könnten, die von der AfD unterstützt wird. Darauf gehen CDU und FDP aber nicht ein. Thomas Kemmerich im 3. Wahlgang dank AfD zum Ministerpräsidenten gewählt Am 5. Februar 2020 kommt es zur Ministerpräsidentenwahl. Grüne und SPD unterstützen Bodo Ramelow von der Linkspartei. Die AfD stellt einen eigenen Kandidaten auf. Erwartungsgemäß bekommt keiner eine absolute Mehrheit. Im dritten Wahlgang, wo die einfache Mehrheit reicht, stellt die FDP zusätzlich ihren Fraktionschef Thomas Kemmerich auf. Dank der AfD bekommt er eine Stimme mehr als Ramelow und wird Ministerpräsident. Die Aufregung ist groß. Bundesweite Empörung: Kemmerich tritt zurück, Bodo Ramelow wird gewählt Tags drauf kündigt Thomas Kemmerich seinen Rücktritt an. Vorausgegangen war bundesweite Empörung, auch innerhalb von Union und FDP. Bundeskanzlerin Merkel nennt den Vorgang unverzeihlich. Wie ging es weiter? Kemmerich bleibt kommissarisch bis zum 4. März 2020 im Amt. Bis dahin einigen sich CDU und FDP zusammen mit Linken, Grünen und SPD auf das weitere Vorgehen. Bodo Ramelow soll eine Minderheitsregierung führen. Auch wenn die CDU ihn nicht wählt, kommt er im dritten Wahlgang auf mehr Stimmen als der von der AfD nun neu aufgestellte Björn Höcke.

  2. Die US-amerikanische TV-Miniserie "Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss" erzählt in vier Episoden die Geschichte zweier Familien in der Zeit des Nationalsozialismus – einer jüdischen und einer nationalsozialistischen. Im Januar 1979 wurde die Serie auch in Westdeutschland ausgestrahlt. Die Aufarbeitung und öffentliche Erinnerungskultur hat damals erst begonnen. Die Resonanz auf die Serie war überwältigend – aber auch gespalten, wie die Zuschauerreaktionen zeigen.

  3. Am 18.1.1979 detonierte ein Sprengsatz am Sender Koblenz des Südwestfunks – an jenem Abend, als die erste Folge von "Holocaust" im Fernsehen lief. Ähnliches passierte beim WDR in Münster. Der Verdacht fiel schnell auf Neonazis, die schon zuvor in Publikationen dazu aufgerufen hatten, die Ausstrahlung der Serie zu verhindern. Der Verdacht bestätigte sich: Ein Nazi aus Wiesbaden wurde schließlich als Täter ermittelt und zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt.

  4. Albert Schweitzer: Missionsarzt in Lambaréné Nach seinem Theologiestudium geht Albert Schweitzer (1875 - 1965) 1900 als junger Gemeindepfarrer nach Straßburg. Dort wird er bald Leiter des theologischen Seminars und studiert Medizin. Anschließend arbeitet er in Lambaréné im heutigen Gabun als Missionsarzt. Er gründet ein Krankenhaus mitten im Urwald, wo er vor allem Leprakranke behandelt. Ethik des Friedens und Ehrfurcht vor dem Leben In Europa wird er außerdem berühmt als Philosoph und Theologe, der in seinen Vorträgen für eine Ethik des Friedens und der Ehrfurcht vor dem Leben einsteht. Während der Hochphase des Kalten Kriegs wirbt Albert Schweitzer für eine einseitige atomare Abrüstung. Friedensnobelpreisträger 1952: "Der Geist muss Tat werden" Sein Engagement bringt ihm etliche Ehrungen ein. 1952 erhält er den Friedensnobelpreis, bereits ein Jahr zuvor den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Am 16. September 1951 bedankt sich Albert Schweitzer in der Frankfurter Paulskirche auf seine unaufgeregt nüchterne Art: Seine Rede trägt den programmatischen Titel "Der Geist muss Tat werden".

  5. "Amt Blank" ging dem Bundesverteidigungsministerium voraus 1950 gab Bundeskanzler Konrad Adenauer den Anstoß zum Aufbau einer eigenen Armee. Das geschah zunächst geheim, denn die Alliierten hatten ein Wörtchen mitzureden. Den Auftrag gab er dem CDU-Politiker Theodor Blank. Sein Job war ziemlich verklausuliert, er leitete die "Dienststelle für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen", im allgemeinen Sprachgebrauch einfach "Amt Blank" genannt. Daraus wurde später das Bundesverteidigungsministerium. Ehemalige Generäle der Wehrmacht unter den ersten Bundeswehrsoldaten Die Gründung der Bundeswehr ist offiziell erst möglich, als am 5. Mai 1955 das Besatzungsstatut aufgehoben und die Bundesrepublik ein souveräner Staat wird. Ein halbes Jahr später treten die ersten 101 Soldaten in Bonn ihren Dienst an. Unter ihnen auch ehemalige Generäle der Wehrmacht wie Hans Speidel und Adolf Heusinger. Heusinger kommt im Beitrag auch zu Wort, ebenso wie Theodor Blank, der inzwischen erster Bundesverteidigungsminister ist. 200. Geburtstag des Generals von Scharnhorst wird Gründungstag der Bundeswehr Das Datum, der 12. November 1955, war bewusst gewählt. Es ist der 200. Geburtstag des preußischen Generals Gerhard von Scharnhorst. Scharnhorst hatte Anfang des 19. Jahrhunderts das Heer reformiert, die Adelsprivilegien abgeschafft und die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Auf ihn geht somit das Konzept vom Bürger in Uniform zurück. An seinem Ehrentag also treten die ersten Soldaten ihren Dienst an. Der Name "Bundeswehr" existiert zwar schon, ist aber offenbar noch nicht etabliert ist. WDR-Reporter Hans Jesse spricht von den Deutschen Streitkräften.

  6. Alfred Wegener: Eis vermessen, um Gletscher zu verstehen Von Alfred Wegener stammt nicht nur die Theorie der Kontinentalverschiebung. Er war auch ein leidenschaftlicher Polarforscher. Auf seiner dritten und letzten Expedition nach Grönland im Jahr 1930 wollte Wegener unter anderem das Eis vermessen, um das Verhalten von Gletschern zu verstehen. Zu diesem Zweck sollten die Mächtigkeit des Festlandeises und ganzjährige Wetterverläufe erhoben werden. Seinen Plan konnte Alfred Wegener nicht bis zu Ende führen. Wohl aufgrund körperlicher Überanstrengung kam er während einer Versorgungsfahrt, vermutlich am 16. November, im Alter von 50 Jahren ums Leben. Expeditionsteilnehmer Johannes Georgi berichtet nach der Rückkehr Expeditionsteilnehmer Johannes Georgi berichtete unmittelbar nach der Rückkehr am 29. September 1931 im Rundfunk von der Reise und Wegeners Tod. In einer weiteren Aufnahme vom 7. Januar 1932 schildert Expeditionsteilnehmer Ernst Sorge die Suche nach Wegener und wie sein Grab schließlich gefunden wurde.

  7. Wir verdanken ihm die Theorie von der Kontinentalverschiebung, doch zu seinen Lebzeiten war Alfred Wegener vor allem als Polarforscher bekannt. Auf seiner dritten großen Grönlandexpedition kam er im Alter von 50 Jahren ums Leben. Expeditionsteilnehmer Ernst Sorge schildert am 7. Januar 1932 die Suche nach Wegener und wie sein Grab schließlich gefunden wurde. "Offene Augen, freundlichen Blick, wie stets im Leben. Die Gesichtszüge ruhig, entspannt, ohne jedes Anzeichen von Krampf. (...) Nach allen genannten Kennzeichen muss Wegener im Zelt, aber wohl nicht im Schlaf, schmerzlos gestorben sein. (...) Wegener hat die Verwirklichung seiner Pläne nicht mehr erlebt. Sein Werk aber lebt, solange Wissenschaft betrieben wird und solange Forschungsreisen hoch geschätzt werden." Im Bild: Alfred Wegener

  8. Wegener hatte die Theorie 1912 vorgestellt, allerdings waren seine Belege noch schwach. 1930 kam er bei einer Grönlandexpedition ums Leben – deshalb gibt es von Wegener selbst kaum Tonaufnahmen. Obwohl im von den Nazis kontrollierten Reichsrundfunk ausgestrahlt, handelt es sich um eine völlig undogmatische Sendung. Und nebenbei zeigt sie, wie Schulfunk damals klang. In den 1950er Jahren wurde dank neuer Entdeckungen die Hypothese der Kontinentalverschiebung zur Theorie der Plattentektonik weiterentwickelt. Sie ist heute die Grundlage, um Vulkanismus, Erdbeben und viele andere Prozesse an der Erdoberfläche und in der Tiefe zu verstehen.

  9. Am 31. Dezember 2019 wurde die Weltgesundheitsorganisation WHO über eine Reihe ungewöhnlicher Fälle von Lungenentzündung in der chinesischen Stadt Wuhan informiert. Am 7. Januar 2020 geben die chinesischen Behörden bekannt, dass es sich offenbar um ein neuartiges Coronavirus handelt. Hier der erste Hörfunkbericht zum Thema im deutschen Radio von China-Korrespondent Steffen Wurzel.

  10. Franz Oehlecker (1874 - 1957) gilt als Pionier der modernen Bluttransfusion. Als Hamburger Chirurg am Krankenhaus Barmbek sammelte er Erfahrungen mit der Verträglichkeit und der Hygiene bei der Übertragung von Spenderblut. 1933 erschien sein Buch "Bluttransfusion". In diesem Vortrag der Reichsrundfunkanstalt vom Januar 1932 erklärt Franz Oehlecker den Stand der Wissenschaft und wendet sich gegen das verbreitete Vorurteil, bei der Transfusion übertrügen sich auch Charaktereigenschaften des Spenders. Nein, sagt der Chirurg, "es ist das Zentralnervensystem und Gehirn, nicht das Blut." Er spricht von "köstlichen neuen Blutstoffen", die das Gehirn besser ernährten. Nach der Blutübertragung werde der Kranke "auch im Triebleben lebhafter", bekomme zudem mehr geistige Spannkraft. Nie jedoch ändere sich das Denken, Fühlen, Wollen des Empfängers in eine ganz andere Richtung. Das Blut sei nur vorübergehend neu und werde durch Eigenblut ersetzt. "Von den roten Blutkörperchen wissen wir, dass sie nur 2 bis 3 Wochen leben." Franz Oehlecker war einer der ersten bekannten deutschen Chirurgen, der 1933 das "Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler" unterzeichnete. Mehr historische Aufnahmen zur Medizingeschichte: http://swr.li/medizingeschichte

  11. Echte und selbsternannte Computerexperten hatten gewarnt, was um 0:00 Uhr des Jahres 2000 alles drohen würde: Börsencrash, Flugabstürze, nukleare Fehlfunktionen, defekte Geräte, Weltwirtschaftskrise. Vom "Millenium-Bug" war die Rede, vom "Jahr-2000-Problem", kurz auch "Y2K" genannt. Hintergrund war: In alten Programmen und Computersystemen wurden Jahreszahlen – um Speicherplatz zu sparen – nur mit zwei Ziffern abgebildet. In den 1960ern und 1970ern dachte niemand soweit voraus, dass auch mal irgendwann ein neues Jahrhundert oder gar Jahrtausend anbrechen würde. Die Befürchtung war nun: Die alten und immer nur weiterentwickelten Programme verstehen nicht, dass mit den Ziffern 00 die Zeit nicht zurückgedreht wird, sondern normal weiter läuft. Und weil niemand einen Überblick hat, in welchen Programmen das Problem noch schlummert, könnte Menschheit am 1.1.2000 eine böse Überraschung erwarten. Doch zur Überraschung vieler blieb die böse Überraschung aus. Es war das Top-Thema von SWR3 am 1. Januar 2000.

  12. Nachdem Bergwerksbesitzer Adolf Rechenberg seiner Frau zu Weihnachten einen Edison-Phonographen geschenkt hat, beeindruckt er damit schon eine Woche später die Gäste seiner Silvesterfeier. Er hält um kurz vor Mitternacht eine kleine Ansprache, die er auch auf dem neuen Gerät festhält. So entsteht die älteste erhaltene Silvesteransprache der Welt. Und zugleich: Neujahrsansprache – denn am Ende begrüßt er das Jahr 1900. Transkript der Ansprache von Adolf Rechenberg "Hört, hört, hört diese Stimme aus diesem wesenlosen Apparat zu euch erschallen [...] Hochverehrte Anwesende! Ein langes, langes Jahr und doch in der Ewigkeit nur ein Blitz liegt soeben in den letzten Zügen. In wenigen Minuten ist es dahin. Die Jugend freut sich, sie ist mannbarer geworden, das Alter grauer, ist der Ewigkeit näher gerückt. Nicht alle wird es und kann es befriedigt haben, aber uns doch insofern, als wir vom ersten bis zum letzten Tage gesund und froh hier versammelt sind. Darum in der letzten Minute einen stillen Dankbarkeitsschoppen auch dem scheidenden geweiht! Nun aber, nachdem das alte Jahr auf Nimmerwiedersehen in die Ewigkeit zurückgetaucht, frisch aufgeschaut auf das jungfräuliche [...] Jahr! Und wir blicken dem (ersten) Jahr des zwanzigsten Jahrhunderts vertrauensvoll entgegen. Grüßen wir es mit dreifachem Hurra! Das neue Jahr: Hurra! Hurra!"

  13. Erster Deutscher mit Flugschein Ausgestellt wurde das Patent vom Deutschen Luftschifferverband. Seit 1908 betrieb Euler Flughäfen bei Darmstadt und später bei Frankfurt, auf dem er selbst Motorflugzeuge konstruierte, baute und erprobte und zugleich eine Fliegerschule leitete. Die Anfänge der Luftfahrt Da Anfang des 20. Jahrhunderts der Luftraum über einem Grundstück noch seinem Besitzer gehörte, musste man spezielle Genehmigungen haben. Nachdem der Flugschüler Prinz Heinrich von Preußen, Bruder des Kaisers Wilhelm II., bei einem Probeflug so nah an ein Ulanen-Regiment herangeflogen war, dass er einem der Reiter die Waffe mit dem Flügel aus der Hand riss, musste sich Euler einen neuen Flugplatz suchen. Ruhestand im Schwarzwald Nach seinem Ruhestand im Jahr 1922 ließ Euler sich auf dem Feldberg im Schwarzwald nieder, im sogenannten "Euler-Haus", wo er am 1. Juli 1957 starb. Das Interview stammt von Silvester 1934. Euler spricht über die Anfänge der Luftfahrt und singt ein selbst komponiertes Lied: "Ihr könnt mich mal". Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv

  14. Weihnachten 1899 beglückt Bergwerksbesitzer Adolf Rechenberg aus der Niederlausitz seine Frau Anneliese mit dem neuesten Hightech-Spielzeug: Einem Edison-Phonographen. Und er hat die originelle Idee, sich selbst bei der Geschenkübergabe aufzunehmen. Zunächst mahnt er seine Kinder mit einem "Silentium" zur Ruhe und weist ihnen ihren jeweiligen Platz auf dem Sofa zu. Anschließend spricht er zu seinem "lieben, guten Weib". Transkript der Aufnahme von Adolf Rechenberg "Silentium! Ruhig, Kinder! Joachim, setze dich auf das kleine Sofa. Annemarie da rechts, links zur Seite auf den Sessel Walter, rechts Egon, sodann Anne-Dorothee und Anneliese links dahinter, rechts Adolf und Karl, in der Mitte aber Mutter. Und nun hört, was Vater zu Mutter sagen wird: Mein liebes, gutes Weib! Weil du doch selten dich zu trennen vermagst von deinen lieben Kindern in treuster mütterlicher Besorgnis und somit auf viele Genüsse der Welt verzichten musst, so schenke ich dir heute am heiligen Weihnachtsfeste des Jahres 1899 diesen wunderbaren Apparat, der dir zu jeder Zeit auf deinen Wunsch auch in dem trauten Heim erzählen und vortragen wird, wie es in der Welt zugeht, was in den Konzerten gespielt, was in den Theatern gesungen wird. Und so, wie ich heute, liebe Anna, zu dir spreche, aus diesem geheimnisvollen Dunkel, so werde ich zu dir sprechen jederzeit, sobald du mich rufst, auch dann, wenn ich längst von dir gegangen sein werde in die Ewigkeit. Und so grüße ich dich, mein heißgeliebtes, treues Weib, viele, viele tausend Mal. Adolf Rechenberg." (Edison-Walze) Auch wenn Adolf Rechenberg den Phonographen seiner Frau geschenkt hat, hat er vielleicht auch ein bisschen an sich selbst gedacht. Eine Woche später jedenfalls hält er mit diesem Phonographen eine Ansprache an seine Silvestergäste fest. Es ist die älteste erhaltene Silvesteransprache überhaupt.

  15. GITEWS-Bojen sollen Veränderungen der Meereshöhe registrieren Vier Jahre nach der Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean geht das deutsch-indonesische Tsunami-Frühwarnsystem (GITEWS) offiziell in Betrieb. Neun deutsche Forschungsinstitute sind daran beteiligt, unter anderem das Geoforschungszentrum in Potsdam und das Geomar in Kiel. Das Frühwarnsystem besteht aus Bojen, die auffallende Veränderungen in der Meereshöhe registrieren, in Verbindung mit seismischen Messungen. Mit den Bojen gibt es allerdings immer wieder Probleme. Auch das wir schon im folgenden Hintergrundbeitrag angesprochen. 2011 wird das Frühwarnsystem ganz an Indonesien übergeben.

  16. Katastrophe an den Küsten des Indischen Ozeans Um die Jahrtausendwende konnte man den Eindruck gewinnen, nach Weihnachten kommen immer die großen Katastrophen: 1999 der Orkan Lothar, 2003 das große Erdbeben im Iran, 2004 schließlich die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean. Viele Deutsche haben damals das Wort "Tsunami" überhaupt erst gelernt. Der Tsunami ist verheerend – mehr als 200.000 Menschen, darunter viele internationale Urlauber, kommen an den Küsten des Indischen Ozeans ums Leben, weil sie sich nicht rechtzeitig retten können. Sumatra besonders betroffen Besonders betroffen ist die indonesische Insel Sumatra. Aber die Wellen, die das Seebeben im indischen Ozean ausgelöst haben, erreichen auch Thailand, Sri Lanka, Indien und nach sechs Stunden schließlich auch das ostafrikanische Somalia, wo ebenfalls 300 Menschen sterben. Schon am ersten Tag wird diskutiert: Hätte sich diese Katastrophe nicht verhindern lassen? SWR1 sendet am Abend des 27.12.2004 diese Schwerpunktsendung.

  17. Die Weihnachtstage gingen zu Ende, da kam am Sonntag, den 26. Dezember 1999, ein Orkan, der es in sich hatte. Lothar kam von Frankreich nach Süddeutschland und stürmte mit Geschwindigkeiten von mehr als 270 Stundenkilometern. Mehr als 100 Menschen starben in Frankreich, Deutschland und der Schweiz, die meisten durch umfallende Bäume. Der Verkehr stand still, Autobahnen waren gesperrt. Waldflächen in den Bergen wurden einfach umgeknickt. Baden-Württemberg hat es besonders getroffen. Kein anderer Sturm in Europa hat so hohen Schäden verursacht. Die SWR1-Sendung "Thema heute" fasst am 27. Dezember 1999 die Ereignisse zusammen. Nachdem der Orkan Lothar eine Schneise der Verwüstung durch Süddeutschland gezogen hat, stellen sich kritische Fragen: Warum hat der Deutsche Wetterdienst den Orkan Lothar nicht rechtzeitig erkannt und davor gewarnt? SWR1 fragt nach.

  18. 1989 gibt es noch keine ICEs. Bahnfahrten dauern entsprechend länger. Um den werten, effizienzorientierten Kundinnen und Kunden dennoch eine Zeitersparnis zu bieten, führt die Deutsche Bundesbahn einen neuen Service ein: den rollenden Friseursalon – Bahnfahren mit inklusivem Haareschneiden. Darüber berichtet der Süddeutsche Rundfunk am 2. Mai.1989. Doch das neue Angebot erweist sich als unrentabel und wird bald wieder eingestellt.

  19. Die DDR feiert den 200. Geburtstag von Ludwig van Beethoven mit einem Festakt in der Deutschen Staatsoper, unweit der Berliner Mauer. Ministerpräsident Willi Stoph spricht vor der versammelten SED-Prominenz und erklärt, warum die DDR stolz auf Beethoven ist.

  20. NSDAP organisiert sich Die Jahre vor 1933 bezeichneten die Nazis, nachdem sie an die Macht gekommen waren, rückblickend gerne als "Kampfzeit“. Diejenigen, die sich in den 1920ern als Aktivisten betätigt haben, werden "alte Kämpfer“ genannt. Denn lange schien der Aufstieg der NSDAP unwahrscheinlich zu sein. Die Partei war nicht mehr als eine Splitterpartei, die mit schrillen Parolen lautstark und krawallbereit auf sich aufmerksam zu machen versuchte. Im Nachhinein betonten führende Funktionäre der Hitler-Partei die Entbehrungen dieser Phase, in der allerdings bereits eine stabile Organisation im Hintergrund vorhanden war. Reichsschatzmeister kümmert sich um Aufbau einer Geschäftsstelle Eines der besten Beispiele für einen Nazi der ersten Stunde, der hinter den Kulissen wirkt, ist Franz Xaver Schwarz. Hitler ernennt ihn 1925 zum Reichsschatzmeister der NSDAP. Schwarz bringt die Parteifinanzen ins Lot und kümmert sich um den Aufbau einer funktionierenden Geschäftsstelle. In dieser Ansprache vom 3. November 1935 blickt Schwarz auf diese Anfänge zurück. Es ist das Richtfest der sogenannten "Parteibauten“ in der Nähe des Münchner Königsplatzes: eine Gelegenheit von hohem Symbolwert für die Nazis.