
Archivradio – Geschichte im Original
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- 20.05.202428 min
Todesurteil für Adolf Eichmann: Am 15.12.1961 ging der Prozess gegen den Mann, der den Holocaust organisiert, sich aber als kleiner Bürokrat inszeniert hatte, unter großem Medieninteresse zu Ende. Lukas Meyer-Blankenburg im Archivradio-Gespräch mit der Philosophin Bettina Stangneth (SWR 2021) | Historische Originalaufnahmen und mehr zur Sendung: http://swr.li/adolf-eichmann | Literatur: Bettina Stangneth: Eichmann vor Jerusalem. Das unbehelligte Leben eines Massenmörders; Avner Werner Less: Lüge! Alles Lüge! Aufzeichnungen des Eichmann-Verhörers. | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: daswissen@swr.de | Folgt uns auf Mastodon: https://ard.social/@DasWissen
- 19.05.20247 min
Gerhard Schröder besucht Grimma in Gummistiefeln August 2002: Hochwasserkatastrophe in Sachsen, der Pegel der Elbe und ihrer Nebenflüsse sind stellenweise so hoch wie nie zuvor gemessen wurde. In Dresden und vielen anderen Städten stehen Straßen unter Wasser. Es ist aber nicht nur Hochwasser, sondern auch Wahlkampf. Am 14. August, als die Wassermassen schon zurückgehen, besucht Bundeskanzler Gerhard Schröder die schwer getroffene Stadt Grimma im Landkreis Leipzig. Er zeigt sich tief erschüttert und verspricht unbürokratische Hilfe, was seine Popularitätswerte vor der Wahl deutlich steigen lässt. Reportage aus Grimma von Sylvia Stadler. Herausforderer Edmund Stoiber besucht Hochwassergebiete in Bayern Schröders Herausforderer Edmund Stoiber (CSU) verpasst die Chance, sich an der Elbe blicken zu lassen. Er besucht lediglich die Hochwassergebiete im eigenen Bundesland Bayern, was ihm aber im Wahlkampf wenig nützt. Der Beitrag von Armin Hering – ebenfalls vom 14. August – zeigt noch deutlicher, wie das Hochwasser den Wahlkampf beeinflusst. So wirbt auch der Grüne Bundesumweltminister Jürgen Trittin angesichts des Hochwassers für mehr grüne Klimapolitik. Tatsächlich geht es im Wahlkampf damals auch um die Einführung einer Ökosteuer auf Kraftstoffe. Und es gab unter den Grünen auch Forderungen, die Steuern auf fossile Brennstoffe Jahr für Jahr noch teurer zu machen. Die Ökosteuer kommt, denn Rot-Grün gewinnt die Wahlen 2002. Gerhard Schröder hat das Hochwasser dabei geholfen. Ob er ihm tatsächlich seine Wiederwahl verdankt, wie später oft gesagt wurde, lässt sich allerdings schwer sagen.
- 17.05.20244 min
20 Jahre lang hat die Tierseuche BSE Europa immer wieder beschäftigt. Die Abkürzung steht für Bovine spongiforme Enzephalopathie; die Seuche kursierte dann aber sehr schnell unter dem Namen Rinderwahnsinn. Die Krankheit war für die Rinder tödlich, und der Verdacht kam auf, dass das Essen von infiziertem Rindfleisch bei Menschen die verwandte Creutzfeld-Jakob-Krankheit auslösen könnte. Erste BSE-Fälle in Großbritannien bereits in den 1980er-Jahren Die ersten BSE-Fälle In Großbritannien wurden schon in den 1980er-Jahren bekannt. Das Gehirn dieser Tiere war durchlöchert wie ein Schwamm. Bis 1992 stiegen die Fallzahlen drastisch an auf über 32.000 Rinder. Ganze Herden wurden notgeschlachtet. Als Auslöser der Krankheit wird schließlich das Tierfutter identifiziert. In Großbritannien wurde den Rindern Tiermehl aus zermahlenen Knochen verfüttert. 1994 diskutiert die EU über ein Einfuhrverbot von britischem Rindfleisch. Da sich das aber hinauszögert, entschließt sich der damalige Bundesgesundheit Horst Seehofer zu einem Alleingang. Seehofer findet dafür auch Zustimmung in der Bevölkerung. EU verhängt 1996 Exportverbot für britisches Rindfleisch Ein halbes Jahr später – als die Bundestagswahlen vorbei sind – wird der Einfuhrstopp erstmal wieder gestrichen. 1996 verhängt schließlich die gesamte EU ein Exportverbot für britisches Rindfleisch. Im selben Jahr verbietet Großbritannien die Verfütterung von Tiermehl. Ausgerottet ist BSE damit nicht. Im Jahr 2000 tritt der erste BSE-Fall in Deutschland auf. Mehr historische Aufnahmen zur Medizingeschichte: http://swr.li/medizingeschichte
- 12.05.202413 min
In der Nacht vom 11. auf den 12. Mai 1949 heben die Sowjets die Blockade auf. Reporterinnen und Reporter berichten im Rundfunk von verschiedenen prominenten Punkten der Stadt aus, wie sich der Alltag langsam zu normalisieren scheint.
Auf die Einführung der D-Mark in den drei Westzonen und Westberlin reagierte die sowjetische Militärregierung heftig. Sie beschloss eine unbefristete Blockade Westberlins. die Stromversorgung wurde gekappt und der komplette Güter- und Personenverkehr in die Stadt. Um Westberlin zu versorgen, organisierte US-Militärgouverneur Lucius D. Clay die berühmte Luftbrücke. Die "Rosinenbomber" flogen bis Mai 1949.
- 09.05.202456 min
Zwischen 1945 und 1947 hält eine Serie von Morden und Überfällen die Pfalz in Atem. 32 Angeklagte stehen schließlich vor Gericht. Der Prozess verrät viel über die Gesellschaft der Nachkriegszeit. Gábor Paál im Archivradio-Gespräch mit dem Historiker Christian Decker, Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde (SWR 2019) | Manuskript und mehr zur Sendung: http://swr.li/neumuehle-bande | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: daswissen@swr.de | Folgt uns auf Mastodon: https://ard.social/@DasWissen
- 08.05.202410 min
Während der Großfahndung erschießt die Polizei einen Mann, den sie für den verurteilten Richard Dehaut hielt – tatsächlich aber handelt es sich um dessen Bruder Ludwig, der die Ausbrecher in ihrem Versteck gerade mit Lebensmitteln versorgen will. Die Ausbrecher entkommen immer wieder. Erst nach etwa einem Monat werden sie gefasst – zur großen Erleichterung der Polizei. Lausbuben oder Schwerverbrecher? Der Reporter interviewt neben dem verantwortlichen Polizisten auch die beiden Ausbrecher und zwar in einem Ton, als handele es sich um zwei Lausbuben, nicht um Schwerverbrecher.
- 08.05.202423 min
Es geht um die Siedlung Neumühle, die jenische Sprache und die mühsame Ergreifung der Täter durch die Polizei. Die Tochter des ermordeten Müllers schildert den Überfall Von dieser Zeit an konnten wir keine Nacht mehr ruhig schlafen. Im Dezember, vom 22. auf 23. Dezember, wurden wir plötzlich durch Schüsse geweckt. Ich war im zweiten Stock, Papa schlief im ersten Stock. Und ich sprang dann vom zweiten Stock schnell runter, weil ich schon dachte, es ist wieder hier was geschehen. Und als ich hier reinkam, da kam mir auch meine alte Großmutter schon entgegen, ganz erschreckend und rief: Mit Papa ist was los, Papa ist zur Erde gefallen. Ich glaubte zuerst, es sei was in der Mühle vorgekommen und dann sagte sie: Nein, nein, hier ist es im Schlafzimmer. Ich sprang ins Schlafzimmer, es war wohl noch alles dunkel, ich war auch die Erste, die das Licht andrehte. Doch als ich ins Schlafzimmer in die Ecke kam, da lag Papa in einer großen Blutlache. Das Blut war auch an der Wand hochgespritzt. Und er war totenbleich, sein Gesicht war schmerzverzerrt und als wollte er sagen: Was macht ihr nur? – Ich rief auf und glaubte, Papa lebt noch, und ich wollte ihn aufheben. Doch in dem Moment, als ich seine Schultern erfasste, da ging der letzte Hauch auf den Weg. Quelle: Bericht der Tochter des erschossenen Müllers Göttel
- 08.05.202413 min
Plädoyer des Staatsanwalts Das Plädoyer des Staatsanwalts klingt brutal, denn er beschränkt sich keineswegs auf die Fakten und Beweise, was völlig genügt hätte, sondern er argumentiert mit dem Menschenschlag: Er spricht von "Zigeunern", von "animalischen Instinkten" und so weiter. Auch das spiegelt die damalige Zeit, in der solche rassistischen und antiziganistischen Töne weit verbreitet waren. Tatsächlich waren die Bewohner der Neumühle weder Sinti noch Roma, es waren auch keine "Landfahrer", sondern sie hatten sich schon im 18. Jahrhundert niedergelassen. Aber sie entsprachen eben in mancher Hinsicht dem Klischee – weil sie eine geschlossene Gemeinschaft bildeten, recht primitiv gehaust haben und miteinander Jenisch sprachen. Der Ton des Staatsanwalts ähnelt eher dem, was man aus der Zeit vor 1945 kennt. Anschließend folgt das Gerichtsurteil. Von der Verteidigung sind keine Aufnahmen erhalten. Todesstrafe wird mit dem Grundgesetz abgeschafft Die Täter legten Revision ein – jedoch ohne Erfolg. Doch die Hinrichtung blieb den verurteilten Mördern erspart. Denn wenige Wochen nach der Urteilsverkündung trat das Grundgesetz in Kraft und damit war die Todesstrafe abgeschafft. Die Urteile wurden in "lebenslänglich" umgewandelt.
- 08.05.202489 min
Mord, Raub, Diebstahl: Dokumentation eines großen Banden-Prozesses vor dem Landgericht Zweibrücken mit 32 Angeklagten und 126 Straftaten. Die Täter hatten jahrelang Teile der Südwestpfalz in Angst und Schrecken versetzt. Zu Prozessbeginn, im Februar 1949, war das Grundgesetz noch nicht in Kraft und Unprofessionalität herrschte bei Justiz, Polizei – und den Medien. Prozess sorgt für großes Aufsehen Fast alle Angeklagten stammen aus einer Siedlung – Neumühle. Die genießt keinen guten Ruf: Verfeindete Familienbanden bekriegen sich gegenseitig, Außenstehende trauen sich kaum hinein. Der Prozess sorgt für großes Aufsehen. Immer wieder wird ein Vergleich zum "Schinderhannes" gezogen. Es gibt Tumulte, die Presse schreibt von "Wildwestszenen unter den Augen der Richter". Auch der SWF berichtet ausführlich – Tonaufnahmen aus dem Gerichtssaal waren kein Problem. Provisorische Ausstattung, unprofessionelles Vorgehen Der Prozess zeugt von einer Zeit nach dem Krieg, in der alles provisorisch war, die Polizei hilflos und miserabel ausgestattet. Für Gerichtsreportagen gab es noch keine richtigen Regeln – das Prinzip der Unschuldsvermutung hatten die Reporter noch nicht verinnerlicht. Dieser Beitrag enthält die ungekürzten Berichte des Südwestfunks. Der Prozess beginnt am 7. Februar 1949. Verhandlung zweier Mordfälle Die Aufnahmen aus dem Archiv des Südwestfunks sind nicht auf den Tag genau datiert. Zu hören ist im weiteren Verlauf die Verhandlung der beiden schwersten Delikte, nämlich der beiden Mordfälle. Der zweite Mordfall im Neumühler Banden-Prozess ereignete sich auf der Mittelbrunner Mühle – auch hier kommt es im Verlauf des Gerichtsprozessprozesses zu einer Ortsbesichtigung.
- 07.05.202417 min
Parallelen und Unterschiede zur Corona-Pandemie Hört man die Hintergrundsendung vom 7. Mai 2003, zeigen sich Ähnlichkeiten, aber auch große Unterschiede zur Situation im Jahr 2020. An jenem Tag erschien eine neue Studie über die Gefährlichkeit des Virus. Schon damals hieß es: Die Bundesregierung strebe ein "europaweit einheitliches Vorgehen" an. Eltern drohen in Hessen mit Schulstreik Schulschließungen gab es damals in Europa keine. Aber in einer hessischen Schule wurde eine Lehrerin für zehn Tage vom Schuldienst suspendiert. Nicht weil sie infiziert war, sondern weil Eltern andernfalls mit "Schulstreik" drohten. Die Lehrerin hatte die Osterferien in China verbracht. Zwar in einer unbedenklichen Region, aber das spielte für die Eltern keine Rolle. Auch davon ist in der Sendung die Rede. SARS Ende 2002 erstmals in China aufgetaucht Ende 2002 taucht das Schwere Akute Atemwegssyndrom (SARS) in der Provinz Guandong auf. Doch China hält die Gefahr unterm Deckel, erst im Februar 2003 informiert das Land die WHO. Das Virus breitet sich aus, vor allem nach Singapur und Taiwan. Über eine Kanadierin, die sich in Hongkong infiziert, gelangt das Virus nach Toronto. Dadurch wird Kanada das am stärksten betroffene Gebiet außerhalb Asiens. Im Mai 2003 – ein halbes Jahr nach Ausbruch der Pandemie sind mehr als 700 Menschen gestorben. Inzwischen wächst auch in Deutschland die Alarmstimmung. Doch es bleibt bei Empfehlungen, es gibt keine Reisebeschränkungen. Am Ende kommt Deutschland bei der SARS-Pandemie 2003 mit dem Schrecken davon. Neun Infizierte wurden gemeldet, alle überlebten. Ohne SARS 2003 wäre die Situation 2020 wohl eine andere gewesen Die Erfahrungen von 2003 führten schließlich 2005 zum ersten Nationalen Pandemieplan in Deutschland. Und sie sorgten dafür, dass sich die Fachwelt intensiver mit SARS-Corona-Viren auseinandersetzten. SARS 1 war weniger ansteckend. Zum einen weil die Inkubationszeit deutlich kürzer war als beim neuen SARS-Corona-Virus 2020. Zum anderen, weil sich das Virus damals vor allem in der Lunge festsetzte, während das neue Virus lange im Rachenraum bleibt und sich so über die Luftwege weiter verbreitet. Der junge Christian Drosten entwickelt SARS-Test Während der SARS-Pandemie macht auch der damals 30-jährige Virologe Christian Drosten Schlagzeilen, der früh mit Kollegen den Erreger identifiziert und einen Schnelltest entwickelt. In der Corona-Krise 2020 war sein Rat erneut sehr gefragt. Bekannt wurde er auch durch den Podcast "Das Coronavirus-Update" vom NDR. Hier ein Bericht über Christian Drosten von 2003. Mehr historische Aufnahmen zur Medizingeschichte: http://swr.li/medizingeschichte
- 06.05.202428 min
Große Aufregung um enttarnte Spione? Alles schon mal da gewesen, 1974 nah beim Kanzler, medial noch gewürzt mit Bettgeschichten: Der Fall Günter Guillaume aus dem Jahr 1974 zeigt, wie Spionageabwehr nicht laufen sollte. Lukas Meyer-Blankenburg im Gespräch mit der Historikerin Daniela Münkel (SWR 2024) Die Affäre Guillaume im Bundesarchiv: https://www.bundesarchiv.de/themen-entdecken/online-entdecken/themenbeitraege/die-affaere-guillaume/ Historische Tonaufnahmen und mehr zur Sendung: http://swr.li/guillaume-brandt Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: daswissen@swr.de Folgt uns auf Mastodon: https://ard.social/@DasWissen
- 30.04.20246 min
Günter Guillaume kam 1956 als angeblicher DDR-Flüchtling Als angeblicher DDR-Flüchtling war Günter Guillaume mit seiner Frau Christel 1956 nach Westdeutschland gekommen. Nach einigen Jahren Partei-Arbeit in der SPD schaffte er es schließlich bis ins Kanzleramt von Willy Brandt. Seine Enttarnung löste den größten Spionage-Skandal der Bundesrepublik aus, in dessen Folge Willy Brandt als Kanzler zurücktrat. Nachdem Guillaume einen Teil seiner Haftstrafe wegen Landesverrats abgesessen hatte, durfte er bei einem Gefangenen-Austausch 1981 in die DDR zurückreisen. Am 8. Dezember 1990 erläutert der nunmehr arbeitslose Ex-Agent im Interview sein Bedauern über den Rücktritt Willy Brandts.
- 30.04.20246 min
Helmut Schmidt wird nach Willy Brandts Rücktritt neuer Kanzler Nachdem Willy Brandt im Zuge der Guillaume-Affäre um einen DDR-Spion im Kanzleramt am 6. Mai 1974 seinen Rücktritt erklärt hat, wird zehn Tage später im Bonner Bundestag sein Nachfolger gewählt. Helmut Schmidt, der laut eigener Aussage Brandt den Rücktritt noch ausreden wollte, übernimmt am 16. Mai 1974 die Regierungsgeschäfte. Er ist dabei ziemlich nervös, wie im folgenden Beitrag zu hören ist, während sein Vorgänger Brandt den Bundestag allein und schweigsam verlässt.
- 30.04.20243 min
Willy Brandt tritt wegen Guillaume-Affäre als Kanzler zurück Weil im Zuge der Guillaume-Affäre um den verhafteten DDR-Spion im Bonner Kanzleramt der politische Druck auf Bundeskanzler Willy Brandt zunimmt und ihm die eigene SPD-Parteiführung die Rückendeckung verweigert, reicht Brandt am Abend des 6. Mai 1974 Bundespräsident Gustav Heinemann seinen Rücktritt ein. In einer kurzen Ansprache im Rundfunk erklärt er zwei Tage später, am 8. Mai 1974, seine Beweggründe. – Noch Jahre später wird Willy Brandt mit der Entscheidung, zurückgetreten zu sein, hadern. Schon damals hielten viele diesen Schritt nicht für nötig.
- 30.04.20244 min
Spekulationen um Affären und weitere Spione im Kanzleramt Der enttarnte DDR-Spion Günter Guillaume wird nach seiner Verhaftung am 24. April 1974 immer mehr zum Problem für Bundeskanzler Willy Brandt. Nicht, weil brisante Geheimdokumente auftauchen, sondern weil in den Medien über Affären von Guillaume zu Bonner Sekretärinnen und über mögliche weitere Spione rund ums Kanzleramt gemunkelt wird. Ein bisschen James Bond in Bonn – die männlichen Journalisten, aber auch Bonner Politiker ergehen sich hörbar süffisant in ihren Spekulationen.
- 30.04.20248 min
Ein Spion im Bundeskanzleramt Am 24. April 1974 wird der DDR-Agent Günter Guillaume verhaftet, zusammen mit seiner Ehefrau Christel. Er ist zu dem Zeitpunkt Referent im Bundeskanzleramt von Willy Brandt. Wie nah stand Günter Guillaume Willy Brandt? Die Nachricht von Guillaumes-Verhaftung ist an dem Tag Gesprächsthema Nummer eins in den Medien und natürlich auch im Bundestag in Bonn. Es wird spekuliert, was Günter Guillaume im Auftrag der DDR ausspioniert haben könnte, wie nah er dem Kanzler stand und welche politische Tragweite der Fall besitzt. In den folgenden Tagen verlagert sich das Interesse von Medien und Politik immer weiter weg vom DDR-Spion Günter Guillaume und hin zu Bundeskanzler Willy Brandt. Zwei Wochen nach der Verhaftung von Guillaume, am 6. Mai 1974, erklärt Willy Brandt seinen Rücktritt.
- 29.04.20242 min
Aids: neue Krankheit betrifft vor allem Homosexuelle – und wird unterschätzt Anfang der 1980er-Jahren kamen aus den USA Nachrichten von einer bis dahin unbekannten, ansteckenden und tödlichen Immunschwächekrankheit: Aids. Die meisten Betroffenen sind homosexuell, was dazu führt, dass die Gefährlichkeit der Krankheit in der breiten Öffentlichkeit zunächst unterschätzt wird. In den Archiven der ARD datieren die ersten spärlichen Berichte zum Stichwort Aids aus dem Jahr 1983. In jenem Jahr kamen Wissenschaftler auch erstmals dem verantwortlichen Virus auf die Spur. Im Folgejahr, am 29. April 1984, gab es dann Gewissheit: US-Gesundheitsministerin Margaret Heckler präsentiert Robert Gallo als Entdecker des Aidsvirus. Gleichzeitig kündigt sie an: Einen Impfstoff werde es "frühestens in zwei Jahren geben". Das war optimistisch: Einen Impfstoff gegen Aids gibt es bis heute nicht. Gallo geht leer aus: Medizin-Nobelpreis 2008 an Barré-Sinoussi und Montagnier Der Virologe Robert Gallo, auf dessen Forschung sie sich berief, ging leer aus, als es einen Nobelpreis für die Entdeckung des Aidsvirus gab. Den bekamen 2008 Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier aus Frankreich. Denn die hatten das Virus vor dem US-Amerikaner Gallo isoliert. Mehr historische Aufnahmen zur Medizingeschichte: http://swr.li/medizingeschichte
- 14.04.20246 min
Kurt Gödel bewies ein Jahr später in seinem berühmten Unvollständigkeitssatz, dass David Hilbert daneben lag. Hilbert war zum Zeitpunkt des Radiovortrags 68 Jahre alt. Gegen das "Ignorabimus" Hilbert, der Mathematik in Göttingen lehrte, wollte sein Fach streng systematisieren. Er verlangte, dass selbst scheinbare mathematische Banalitäten nicht einfach hingenommen werden und sich beweisen lassen müssen, aus einfachen Axiomen, also Grundannahmen. Und er wollte klare Kriterien, was als Beweis anzuerkennen ist und was nicht. Vor allem aber war er überzeugt, dass sich alle mathematischen Probleme so lösen lassen. Platt gesagt, alle Wahrheiten, jedenfalls alle mathematischen, lassen sich auch irgendwie beweisen. Gödels Unvollständigkeitssatz zeigte Irrtum Hilberts Diese Auffassung brachte er auch am 8. September 1930 in einer berühmten Radioansprache zum Ausdruck. Auch wenn sich später herausstellten sollte, dass Hilbert daneben lag, ist dies der historisch wohl bedeutendste Radiovortrag eines deutschsprachigen Mathematikers überhaupt. Hilbert war zu diesem Zeitpunkt 68 Jahre alt. Ein Jahr nach diesem Vortrag, im Dezember 1931, veröffentlichte Hilberts österreichischer Kollege Kurt Gödel einen Aufsatz, der zeigte, dass Hilbert sich geirrt hatte. Gödel zeigte in seinem berühmten Unvollständigkeitssatz, dass es kein vollständiges mathematisches Wissen gibt. Dass es Wahrheiten gibt, die sich schlicht nicht beweisen lassen. Damit muss sich die Mathematik bis heute abfinden.
- 14.04.202416 min
Hintergrund: Iraks Überfall auf Kuwait Im August 1990 überfällt Irak sein Nachbarland Kuwait. Der UN-Sicherheitsrat verurteilt den Angriff und verlangt den Rückzug Iraks. Iraks Diktator Saddam Hussein, denkt nicht daran. Deshalb formiert sich unter der Führung der USA eine Koalition gegen den Irak. Der Zweite Golfkrieg Am 17. Januar 1991 greift die Koalition den Irak mit massiven Luftangriffen an. Auch dieser Angriff ist von einer UN-Resolution gedeckt. Damit beginnt der erste Irakkrieg, auch Zweiter Golfkrieg genannt. Der Irak hatte schon vorher angedroht, in einem solchen Fall als erstes Israel anzugreifen – obwohl Israel gar nicht Teil der Koalition ist. Schon am 18. Januar macht er seine Drohung war und greift Israel mit Scud-Raketen an. Israel verteilt Gasmasken und installiert Patriot Israel hält sich mit einer Reaktion zurück. Es verteilt Gasmasken in der Bevölkerung – aus Angst, der Irak könnte auch mit Giftgas angreifen. Und bekommt sehr rasch von den USA das Raketenabwehrsystem Patriot geliefert und installiert. Es ist der 20. Januar 1991, zwei Tage nach dem ersten Angriff aus dem Irak. Einen weiteren Tag später schildert Korrespondent Herbert Mair den Ausnahmezustand in Israels Alltag. Irak setzt seine Angriffe fort. Am 23. Januar berät die israelische Regierung erneut über eine Reaktion. Und entscheidet sich auch diesmal, "mit dem Verstand, und nicht mit dem Herzen zu reagieren", so schildert es Korrespondent Martin Wagner. Keine Vergeltung – Israel verzichtet auf Gegenschlag Daran ändert sich auch nichts nach dem fünften Bombardement am 25. Januar 1991. Der Bericht von jenem Tag macht auch deutlich: Die israelische Bevölkerung steht hinter der Politik der Zurückhaltung. Der Armee gelingt es, diese Zurückhaltung als Ausdruck der Stärke zu vermitteln. Israels Gegenschlag bleibt aus. Durch diesen Verzicht auf Vergeltung gelingt es auch, die Koalition gegen den Irak zusammenzuhalten. Denn ihr gehören damals viele arabische Staaten an.

















