Archivradio – Geschichte im Original

SWR
1013
16.10.2026
Beschreibung
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog

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Episoden
  1. Am 1. August 1929 beginnt die erste Weltumfahrung mit einem Luftschiff, der LZ 127. Sie dauert etwas mehr einen Monat und führt über Sibirien, Japan und den Pazifik. Hugo Eckener, Nachfolger von Ferdinand Graf von Zeppelin, erzählt am 5. Juli 1938 davon in einem Interview. Er erklärt, warum er sich für die eingeschlagene Route über Sibirien entschieden hat und wie euphorisch er in Japan begrüßt worden sei.

  2. Als Anfang August die LZ4 in Echterdingen abstürzt und verbrennt, beginnt noch am Unglücksort eine große Spendensammlung. In den folgenden drei Wochen kamen über dieses "Crowdfunding" sechs Millionen Reichsmark zusammen. "Damit konnte Zeppelin beginnen, Tochterunternehmen zu gründen, Forschung zu finanzieren und in die Wetterkunde zu investieren", sagt Jürgen Bleibler vom Zeppelinmuseum in Friedrichshafen. Ferdinand Zeppelin – ein ehemaliger General - denkt bei seinen Luftschiffe vor allem an militärische Zwecke. Der damals durchaus übliche nationalistische Unterton ist nicht zu überhören. Seine Ansprache wurde auf einer einseitig bespielten Schellackplatte am 24. August 1908 festgehalten. Aufnahmeort war die Favorite GmbH in Hannover-Linden. Zeppelins Rede im Wortlaut "Ein Wort an das deutsche Volk! Die Fahrten meines Luftschiffes in das Herz der Schweiz und dann den Rhein hinunter nach Mainz und zurück über Stuttgart haben überall den glauben erwachsen lassen, das von mir verheißene sichere Durchfahren des Luftreiches sei der Erfüllung nahe. Die gezwungenen Landungen während der Dauerfahrt und die schließliche Vernichtung des stolzen Fahrzeuges durch Sturmes- und Feuergewalt haben das gewonnene Vertrauen nicht mehr zu erschüttern vermocht. Ganz Deutschland, wie ein Mann entschlossen, die kostbare Errungenschaft festzuhalten, hat sich zu der Tat zusammengetan, durch opferfreudige Gaben mir die Vollendung des begonnenen zu ermöglichen. Wie traurig wäre es, wenn das begeisterte Hoffen zuschanden würde, wenn der herrliche Aufschwung, den das deutsche Volk in dieser Sache genommen, im Sande verlaufen müsste. Gott sei Dank, wir brauchen diese Furcht nicht zu haben. Was Unkenntnis des wahren Sachverhaltes auch an Zweifeln verbreiten mag, die fachmännische Untersuchung und die wissenschaftliche Beurteilung aller Vorkommnisse bei den Fahrten bis zum tragischen Ende haben das Zutreffen meiner alten Annahmen in allen Hauptsachen nur zu bestätigen vermocht. Meine Luftschiffe werden bald zu den betriebssichersten Fahrzeugen zählen, mit welchen weite Reisen bei verhältnismäßig geringster Gefahr für Leib und Leben der Insassen ausführbar sind.Mit froher Zuversicht darf das deutsche Volk demnach annehmen, dass es sich mit seiner hochherzigen Spende einen gangbaren Weg zur wahrhaftigen Eroberung des Luftmeeres aufgetan hat, dass es bald im Besitz von Luftschiffen sein wird, die zur Erhöhung der Wehrkraft und damit zur Erhaltung des Friedens beitragen und in mancherlei Weise dem Verkehr, der Erderforschung und allerlei Aufgaben der Kultur dienen. Wenn mir noch ein paar Jahre des Schaffens geschenkt werden, so werde ich das seltene hohe Glück haben, den vollen Erfolg einer bedeutsamen Erfindung, zu deren Werkzeug ich erkoren war, erleben zu dürfen. Am höchsten aber ist Gott dafür zu preisen, das mein Schaffen mit seinen wechselvollen Schicksalen in der Seele des deutschen Volkes eine allen gemeinsame und darum alles verbindende begeisterte Teilnahme wachgerufen hat. Mein Werk konnte nur wachsen und reifen, weil ich ausreichende Bildung zum Begreifen der mir gestellten Aufgabe und die Lebensstellung sowie die Mittel besaß, um mir das Wissen und das Können, die Geschicklichkeit und die Leistung von Gelehrten, Ingenieuren und von Arbeitern jeder Art vom Feinmechaniker bis zum Tagelöhner dienstbar zu machen. Alle waren unentbehrlich. Aber je weniger Schule, Vorkenntnisse und Fertigkeit die verschiedenen Aufgaben erforderten, desto leichter waren die mit diesem Betrauten zu ersetzen. Nur selten war ein Wechsel notwendig, da das gesteckte Ziel alle ohne Unterschied des Stammes, der Lebensstellung, der religiösen und politischen Anschauung und des Besitzstandes zum stolzen, freudigen Zusammenwirken begeisterte; und alle haben auch – mit Ausnahme bisher des kapitalgebenden Unternehmers – Vorteil und Verdienst dabei gefunden. Nur mit solcher geordneten Verbindung der verschiedenen abgestuften Gaben und Kräfte war das hohe Ziel zu erreichen. So stellt der Erfolg meines Unternehmens ein Bild dar dessen was sich heute einmal wieder in der herzerhebendsten Weise in Deutschland vollzieht: Gleiches Wollen hat alle, Fürsten und Volk, reich und arm, alt und jung, zu gleicher Tat vereint, der die wertvolle Frucht nicht versagt bleibt. Möge die Freude des gesamten deutschen Volkes an seiner Tat stets erneutem einigen Zusammengehen, ohne welches die ihm innewohnende Kraft niemals zur vollen Wirkung kommen kann, anfeuern, zum Nutzen und zum Heile des Vaterlandes."

  3. 1899 lässt Graf Ferdinand von Zeppelin am Bodensee sein erstes Luftschiff bauen, die LZ 1. Ein Jahr später, am 2. Juli 1900, erhebt es sich zum ersten Mal in die Luft. Ludwig Dürr – Zeppelins langjähriger Chefkonstrukteur – erinnert sich an diesen bedeutenden Moment. Das Interview stammt vom 5. Juli 1938.

  4. 1936 geht das damals größte Luftschiff der Welt "Hindenburg" in Betrieb. Es fährt 63 mal über den Atlantik, sowohl nach Rio de Janeiro als auch nach Lakehurst bei New York. Am 6. Mai 1937 jedoch kommt es zur Katastrophe. Hergang der Hindenburg-Katastrophe Die Fahrt von Frankfurt am Main über den Atlantik war zunächst ruhig verlaufen. 97 Personen sind an Bord. An der amerikanischen Küste gibt es eine Gewitterwarnung, dadurch verzögert sich die Landung. Als der Zeppelin Lakehurst erreicht, entzündet sich der Wasserstoff im hinteren Teil des Luftschiffs, es sinkt zu Boden. Durch die Flammen gerät schließlich auch der Dieselkraftstoff in Brand. 35 Menschen sterben. Die Live-Reportage von Herbert Morrison wurde weltberühmt.

  5. 1919 kreuzte erstmals ein Zeppelin den Atlantik. Zehn Jahre später folgte die erste Weltumfahrung. Historische Tonaufnahmen erinnern an die Ära der Luftschiffe, die mit der Explosion der Hindenburg 1937 jäh endet. Gábor Paál im Gespräch mit Jürgen Bleibler vom Zeppelin-Museum Friedrichshafen (SWR 2019/2023) | Die historischen Aufnahmen in voller Länge stehen im Podcast "Archivradio - Geschichte im Original" sowie hier: http://swr.li/archivradio-luftfahrt Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: wissen@swr2.de | Folgt dem Archivradio auf Mastodon: https://ard.social/@Archivradio

  6. Patriotisches Grußwort von Thomas Alva Edison Der große Erfinder Thomas Alva Edison, dem die Welt die Glühbirne und den ersten Phonographen verdankt, spricht nach Ende des Krieges ein patriotisches Grußwort. Die Aufnahme stammt vom 2. Januar 1919. In der Ansage heißt es, es sei die erste öffentliche Tonaufnahme Edisons. Edison sagt, der Weltkrieg werde für die nächsten hundert Jahre fest im Gedächtnis der Amerikaner bleiben: Edison schließt mit der Bemerkung: Die Nationalhymnen von Frankreich, Großbritannien, Italien und Belgien sollten genauso bekannt sein wie das "Star Spangled Banner" der USA. Im Anschluss an seine Worte sind die französische, die britische und die US-amerikanische Nationalhymne zu hören.

  7. Weniger Müll, vor allem weniger Einwegverpackungen, das hat sich die rot-grüne Bundesregierung 2002 für ihre zweite Legislaturperiode vorgenommen. Pfandflaschen gab es schon lange, es war auch akzeptiert, weil die Flaschen ja wiederverwendet werden. Nun setzt Bundesumweltminister Jürgen Trittin von den Grünen auch ein Pfand auf Getränkedosen durch. Gegen den massiven Widerstand der Getränkeindustrie. Es tritt am 1. Januar 2003 in Kraft. Am 2. Januar – dem ersten Werktag im neuen Jahr – zieht SWR4 in einer Hintergrundsendung eine erste Bilanz.

  8. Hörer echauffiert sich über falsche Aussprache Ein Höreranruf beim MDR in Sachsen bringt es im Jahr 2002 zu bundesweiter Bekanntschaft. Bei Leipzig gibt es nämlich ein Altenpflegeheim, den Röschenhof, und "die im Radio" sprechen das "sch" aus wie ein "sch": "Röschen" wie "Flaschen". Bis es ein Hörer nicht mehr aushält, zum Telefon greift und der Redaktion lautstark erklärt, es heiße "Rös'chen" – denn das komme von kleinen Rosen. Der Hörer steigert sich immer weiter hinein und wiederholt die nach seiner Auffassung richtige Aussprache, "Rös'chenhof! Merkt euch das endlich!". Altenheim doch nicht nach den hübschen Blumen benannt? Der MDR lässt diesen Anruf nicht auf sich sitzen. Er versucht, auch über Aufrufe in der Sendung, den anonymen Hörer ausfindig zu machen – ohne Erfolg. Und er setzt seinen Sprachexperten Dirk Hentze auf das Thema an, um die Fakten zu checken: Stimmt das wirklich mit dem "Rös’chenhof"?

  9. Michael Schumacher, siebenfacher Formel 1-Weltmeister, stürzt beim Skilaufen in den französischen Alpen. Wie ernst danach sein Zustand ist, wird erst mit der Zeit deutlich.

  10. 1990 war Wolfgang Schäuble Innenminister. Es ist der 12. Oktober, die Wiedervereinigung liegt gerade eine gute Woche zurück, die ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen stehen im Dezember bevor. Wolfgang Schäuble ist auf einer Wahlkampfveranstaltung in seinem Wahlkreis in der badischen Ortenau, als ein Mann zwei Schüsse auf ihn abfeuert. Schäuble wird lebensgefährlich verletzt. Am nächsten Morgen berichtet der Südwestfunk. Zwei Tage später melden die Ärzte: Schäuble ist außer Lebensgefahr. Und auch Bundeskanzler Helmut Kohl kann ihn besuchen. Wolfgang Schäuble bleibt nach dem Attentat querschnittsgelähmt – nach der Bundestagswahl wird er Fraktionsvorsitzender der CDU, später auch Partei-Vorsitzender, dann erneut Innenminister, Finanzminister und schließlich Bundestagspräsident. Bis zu seinem Tod am 26.12.2023 war er der Bundestagsabgeordnete mit den meisten Dienstjahren.

  11. Nach dem Rücktritt Helmut Kohls nach der verlorenen Bundestagswahl 1998 wurde Wolfgang Schäuble CDU-Parteichef – und er wäre wohl auch Kanzlerkandidat der Union geworden, hätte es nicht die CDU-Spendenaffäre gegeben. Diese hatte auch Schäuble belastet. Das war ihm auch selbst bewusst. Am 20. März 2000 verkündet er, dass Angela Merkel, damals Generalsekretärin, ihn ablösen und neue Parteichefin werden solle. Drei Monate zuvor hatte Angela Merkel in einem Gastbeitrag in der FAZ ihrer Partei nahegelegt, sich von ihrem Ehrenvorsitzenden Helmut Kohl zu emanzipieren.

  12. Königs Wusterhausen sendet 1920 erstes Rundfunkkonzert Ein wichtiges Datum der frühen Rundfunkgeschichte ist der 22. Dezember 1920. Erstmals wird ein Rundfunkkonzert gesendet, von der Station Königs Wusterhausen südöstlich von Berlin. Initiator war der Techniker Erich Schwarzkopf, der bei diesem Konzert auch Geige spielt und das Programm ansagt. Rundfunkbetrieb begann offiziell erst 1923 Diese Ansage ist eine Nachaufnahme, die Erich Schwarzkopf später noch einmal eingesprochen hat. Es war auch noch kein regulärer, offizieller Rundfunkbetrieb; der begann erst im Oktober 1923. Aber es war schon eine Radiosendung. Geschichte der Station Königs Wusterhausen In Königs Wusterhausen entstand noch vor dem Ersten Weltkrieg eine Militärfunkstation der Obersten Heeresleitung (OHL). Der Bau begann 1913, in Betrieb ging sie 1915. Nach dem Krieg 1919 machen die Alliierten die Station zum Eigentum der Reichspost unter Ministerialdirektor Hans Bredow. Die Station wird vor allem dazu genutzt, Pressemeldungen zu telegrafieren, an Schiffe und ins Ausland. Gefunkt wurden also Morsezeichen, die in den rund 80 Empfangsstationen erstmal wieder in Texte umgewandelt werden mussten. Hans Bredow gab den Auftrag, das zu ändern. Aus der Funktelegrafie soll Funktelefonie werden – Sprache soll also direkt übertragen werden. Erich Schwarzkopf erzählt 1952, wie es zum ersten Rundfunkkonzert kam In der Station gab es einen Lichtbogensender, mit dem die Beamten in Königs Wusterhausen 1920 herumexperimentierten. Und hier setzt auch das Interview an, das Erich Schwarzkopf am 21. März 1952 gibt und in dem er erzählt, wie es zum ersten Rundfunkkonzert kam. Im deutschen Reich war es nicht erlaubt, ohne Genehmigung Rundfunk zu empfangen. Begeisterte Resonanz kam deshalb vor allem aus dem Ausland. Auch nach dem offiziellen Start des Rundfunks 1923 sendet Erich Schwarzkopf weiter Konzerte von Königs Wusterhausen. Doch kam es – so stellte er es später dar – zunehmend zu Unstimmigkeiten mit dem Postministerium. Die Folge: Am 24. Januar 1926 wurde das letzte derartige Konzert gesendet – mit folgender Absage: "... Zum Schluss darf auch ich mich als Sprecher von Königs Wusterhausen verabschieden. Lange Zeit durfte ich von dieser Stelle aus zu Ihnen sprechen, sechs Jahre sind es gewesen. Zunächst nur hin und wieder an den großen Festtagen, die letzten drei Jahre an jedem Sonn- und Feiertag. Am vergangenen Sonntag hab ich Ihnen das letzte "Auf wiedersehen!" zurufen dürfen. Bewahren Sie auch fernerhin der Welle 1300 m die Treue. Ich grüße Sie zum letzten Mal mit treudeutschem Gruß: Deutschland über alles". Quelle: Erich Schwarzkopf, Techniker und Sprecher in Königs Wusterhausen "Treudeutscher Gruß" und "Deutschland über alles" Der "treudeutsche Gruß" am Ende der Absage war damals eine durchaus gängige Formel. Und "Deutschland über alles" – die Zeile aus der ersten Strophe des Deutschlandliedes – war in der Weimarer Republik noch Bestandteil der Nationalhymne.

  13. "Auf dem Felde der Ehre" Weihnachtslied: "Vom Himmel hoch da komm ich her" "Und es waren Hirten auf dem Felde, die hüteten des Nachts ihre Herde. Auch wir hüten auf dem Felde, hüten und verteidigen unser Vaterland auf dem Felde der Ehre. Fern von unseren Lieben, die daheim nun um den leuchtenden Weihnachtsbaum versammelt sind, wissen wir, dass sie unserer Gedenken, dass sie ihre Wünsche sich mit den unsrigen sich vereinen und ausklingen in der Hoffnung auf den endgültigen Sieg unserer Fahnen. Und wir, die wir diese Wünsche in unsere Herzen aufnehmen, werden unser Letztes hingeben, um unser geliebtes Vaterland zu erhalten für alle Zeiten und ihm die Verheißung zu erfüllen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden" Weihnachtslied: "Oh du fröhliche" Sprecher: Gustav Schönwald (1868 - 1919), Ensemble: Schönwald-Ensemble Schönwald war ein deutscher Schauspieler und Vortragskünstler. Er trat auch als "Medienpionier" hervor, besonders der "Phonographischen" Industrie. Er nahm als "Spezial-Humorist für die Sprechmaschine" heitere und ernste Texte auf. Schönwald wurde Aufnahmeleiter bei den "Mephisto" Phonographen-Werken und gehörte 1904 neben Heinrich Bumb und Carl König zu den Begründern der Schallplattenfirma BEKA. Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA) Hörbilder Hörbilder entstanden, auf Tonwalzen oder Wachsplatten gespeichert, bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Es gab schon Aufnahmen von Spielszenen, kurzen Lesungen oder humoristischen Einlagen.

  14. Ziel: Verantwortliche von Auschwitz zur Rechenschaft ziehen Am 20. Dezember 1963 beginnt der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess. Initiiert wurden die Prozesse vom Hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer. Sein Ziel war es, die Verantwortlichen im Vernichtungslager Auschwitz zur Rechenschaft zu ziehen. Späte juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen Der Prozess hatte auch eine starke politische Bedeutung: 1961 fand in Jerusalem der Prozess gegen den ehemaligen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann statt, im Frühjahr 1963 hatte die DDR Bundeskanzleramtschef Hans Globke wegen seiner Nazivergangenheit verurteilt. Die Bundesrepublik war in der juristischen Aufarbeitung der NS-Verbrechen somit ein Nachzügler. Gleichzeitig stand die Öffentlichkeit den Prozessen gespalten gegenüber. Es gab ein großes Bedürfnis, nicht an die die NS-Zeit erinnert zu werden. Ein öffentlicher Prozess, der die Vergangenheit wieder aufwühlen würde, würde dem Ansehen Deutschlands schaden, so eine weit verbreitete Meinung. Prozesseröffnung im Frankfurter Römer Diesen Zwiespalt spiegelt der Kommentar von Werner Ernenputsch im zweiten Teil dieser Aufnahme. Zunächst zu hören ist aber die Live-Reportage vom Hessischen Rundfunk von der Prozesseröffnung im Frankfurter Römer. Im Sitzungssaal des Frankfurter Stadtparlaments beginnt der Prozess gegen 22 Angeklagte. Vor Saalgeräuschen im Hintergrund eröffnet Richter Hans Hofmeyer den Prozess. Es werden Angaben zur Person der Angeklagten und der Geschworenen gemacht und Einzelheiten des Gerichtssaals beschrieben. Von den Verhandlungstagen ab 1964 existieren zahlreiche Aufnahmen – einzelne davon im Archivradio, die meisten aber auf den Seiten des Fritz-Bauer-Instituts.

  15. Sturm, Schnee und Hagel auf der Fahrt in die USA Ende November 1978 startete die "München" mit 28 Mann an Bord in Bremerhaven nach Savannah im US-Bundesstaat Georgia; sie sollte Maschinenteile in die USA bringen. Doch die Bedingungen auf dem Atlantik sind hart: Windstärke 11, Schneeschauer und Hagel, 15 Meter hohe Wellen. Funker meldet Schaden Am 12. Dezember 1978, kurz nach Mitternacht, meldet der Funker einen Schaden an der Brücke und eingeschlagene Bullaugen. Drei Stunden später funkt er noch ein SOS, dann reißt der Kontakt ab. Die Reederei startet eine Suchaktion. Am 13. Dezember berichtet der NDR über den Stand und interviewt dazu den Pressesprecher der Hapag-Lloyd, Gerhard Simonsen. Hapag-Lloyd gibt die Suche nach Überlebenden auf Immer wieder berichten die Sender über den Stand der Dinge, bis am 22. Dezember 1978 Hapag-Lloyd bekannt gibt, dass die Suche nach der "München" eingestellt ist. Es gäbe keine Hoffnung mehr, das Schiff oder überlebende Besatzungsmitglieder zu finden.

  16. Bundesverfassungsgericht begründet Stopp der Volkszählung Im April 1983 hätte es nach langer Zeit wieder mal eine Volkszählung geben sollen, doch das Bundesverfassungsgericht hat das Vorhaben gestoppt, zunächst per einstweiliger Anordnung, dann, im Dezember 1983, auch mit einer ausführlichen Begründung: Eine Volkszählung an sich sei in Ordnung – aber der Staat dürfe auch nicht beliebig Daten sammeln. Volkszählung muss neu organisiert werden Das Urteil ist wegweisend, denn erstmals erklärt das Verfassungsgericht die informationelle Selbstbestimmung zu einem Grundrecht. Dies leiten die Richter aus dem zweiten Artikel des Grundgesetzes ab, das die freie Entfaltung der Persönlichkeit garantiert. Die Volkszählung musste nach der Entscheidung aus Karlsruhe neu organisiert werden und fand dann erst 1987 statt.

  17. "Meine Schuld ist mein Gehorsam": Eichmann vor der Urteilsverkündung Vor der Urteilsverkündung äußert sich Adolf Eichmann vor dem Gericht in Jerusalem in seinem Schlusswort. Es ist der 13. Dezember 1961. Zwei Tage später, am 15. Dezember 1961, verkündet das Gericht schließlich das Todesurteil, vollstreckt im darauffolgenden Jahr: Adolf Eichmann wurde in der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni 1962 durch Hängen hingerichtet.

  18. Schröder wechselt nach verlorener Bundestagswahl zu russischem Konzern Am 18. September 2005 hat Bundeskanzler Gerhard Schröder die Bundestagswahl verloren. Am 22. November übergibt er das Amt an Angela Merkel. Keine drei Wochen später, am 9. Dezember 2005, wird bekannt, dass er in den Dienst des russischen Erdgaskonzerns Gazprom wechselt und Aufsichtsratschef des gerade erst gegründeten Konsortiums für die damals neu geplante Ostseepipeline für russisches Erdgas wird. Diesem Konsortium gehören neben Gazprom auch die deutschen Unternehmen E.ON und Wintershall an. Kanzler Schröder hatte Pläne für Ostseepipeline vorangetrieben Pikant ist Schröders neuer Job auch deshalb, weil er als Bundeskanzler die Pläne für die Pipeline vorangetrieben hat. Entsprechend harsch fällt die Kritik aus – zunächst bei den politischen Gegnern, aber nach einigen Tagen, am 12. Dezember 2005, zeigen auch immer mehr SPD-Politiker ihr Unverständnis. An diesem Tag macht SWR3 die Geschichte zum Topthema. Erster heftiger Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine In den folgenden Tagen und Wochen sieht Russland seine Position auch gegenüber der Ukraine gestärkt und erhöht den Gaspreis für die Ukraine. Es kommt zum ersten heftigen Gasstreit zwischen beiden Ländern.

  19. Paris, 10. Dezember 1948: Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wird verkündet. Die Frau des Tages ist Eleanor Roosevelt. Sie, die ehemalige First Lady der USA, wurde nach der Amtszeit von Präsident Franklin D. Roosevelt Botschafterin bei den Vereinten Nationen und hat die zuständige Kommission geleitet. Der folgende Ausschnitt ihrer Rede und die Verlesung des Anfangs der Charta setzen sich aus verschiedenen Tonquellen zusammen, deshalb die unterschiedliche Klangqualität.

  20. Ideologische Schulungen in der Kaderschmiede der NSDAP Die NS-Ordensburg Vogelsang in der Eifel war eine der Kaderschmieden der NSDAP. Die als "Junker" bezeichneten Lehrgangsteilnehmer sollten für hochrangige Regierungs- und Verwaltungsämter vorbereitet werden. Teil der Ausbildung waren tägliche Vorlesungen, die der ideologischen Schulung dienten. Kommandeur Hans Dietel fabuliert über "Rassenmerkmale" Hans Dietel war Kommandeur der Ordensburg Vogelsang und Hauptlehrer für "Erblehre und Rassenkunde". Er hält am 9. Dezember 1937 eine Vorlesung, in der er über die Vererbbarkeit von angeblichen "Rassenmerkmalen" und "Nerven- und Geisteskrankheiten" fabuliert. Gleichzeitig greift er die Fürsorgepolitik der Kirche heftig an. Sie sei Stütze und Förderer "der Entwicklung alles schwachen und kranken Lebens". Die Aufnahme des Vortrags ist lückenhaft und Hans Dietel verlässt mehrfach das Mikrofon. Mit Kriegsbeginn, im September 1939, wurde der Schulungsbetrieb ausgesetzt und die "Junker" eingezogen. Als fanatische Anhänger beteiligten sich einige in den "Reichskommissariaten Ostland und Ukraine" an schweren Kriegsverbrechen.