
Spätestens seit den jüngsten Landtagswahlen in Ostdeutschland sind Wähler mit rechten Weltbildern keine Randgruppe mehr. Die Philosophin Jana Glaese hat sich Gedanken darüber gemacht, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt dennoch funktionieren kann.
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Jana Glaese: Mit Rechten leben. Gutkind Verlag 2026
Inhalt Podcast:
06:22 "Und ich hatte den Eindruck, dass das eben, und das war dann auch der Impuls für das Buch, dass das eigentlich deutlich weniger zur Sprache kommt, auch in der Öffentlichkeit. Also dass die Diskussion so war, okay, wie gehen wir miteinander um im Parlament? Sollte man rechte, intellektuelle Politiker auf Podien einladen, aber diese Frage des Alltags, also es wird irgendwie anerkannt, dass es das gibt, aber dann ist meist da die Unterhaltung darüber vorbei oder man redet höchstens noch über den AfD-wählenden Onkel am Weihnachtstisch so. Das ist dann immer so dieses typische Beispiel, was kommt und damit hat es sich eigentlich erledigt und ich fand das eben auch aus soziologischer Sicht unheimlich interessant, das mal genauer aufzudröseln, also diese ganzen Alltagssituationen. Die auch sehr unterschiedlich sind und wie man sich da eigentlich verhält." (Jana Glaese)
12:58 "Ich glaube, aus dieser Perspektive heraus kann man schon durchaus sagen, dass man sich eben auch mit Meinungen, die man für sehr, sehr falsch hält, damit auseinandersetzen müsste, um eben zu so was wie so einer Wahrheit zu kommen. Und selbst wenn man schon, wenn man sich schon ziemlich sicher ist. Also ich glaube, dass es in Deutschland auch gute Gründe gibt, dass wir anders als zum Beispiel in den USA da auch Grenzen setzen. Also wo es eben um üble Nachrede oder auch Hass und so weiter geht. Also das heißt, diese diese Auseinandersetzung ist nicht unbegrenzt, aber dass es an sich eine inhaltliche Auseinandersetzung geben sollte und nicht nur die symbolische oder vorab Abgrenzung, das muss ich mir gar nicht anhören, das halte ich schon für richtig." (Jana Glaese)
23:15 "Dann ist natürlich die Frage, wie man diesen Streit am besten austrägt und bis zu welchem Punkt und was auch die Grundannahmen dafür sind, dass so ein demokratischer Streit funktioniert. Aber mein Eindruck ist, dass sich das da zeigt und damit auch, dass es schon gewisse Grundgegensätze in der Politik braucht und gibt. Und jetzt ist natürlich die Frage, nennt man die rechts-links oder nennt man die progressiv-konservativ. Inwieweit ist die Hauptspannungslinie vielleicht auch das Liberale und das Autoritäre? Ich glaube, da gibt es mehrere. Aber dass es so eine Grundspannung braucht, das finde ich ein sehr überzeugendes Argument." (Jana Glaese)
31:10 "Ich glaube, es ist ziemlich schwer, hier zu entscheiden, was in den letzten Jahren dazu geführt hat, dass die AfD so stark geworden ist. Also einige Personen machen das ja auch fest und sagen, es zeigt ja alles, dass die Brandmauer nichts gewirkt hat. Es gibt so viele Faktoren, dass ich das für ein bisschen schwierig halte. Also die Frage wäre schon, wäre die AfD heute so stark, hätte es nicht 2015 gewesen, hätte es die Kölner Silvesternacht gewesen, hätte das nicht die Corona-Pandemie gegeben. Also all diese Ereignisse haben der Partei ja immer, hat man gesehen, dann ja auch ziemlich Zulauf gegeben. Aber dass es im Grunde, dass man sie stärker inhaltlich stellen sollte, das halte ich auch für richtig." (Jana Glaese)
33:33 "Besonders im Alltag und das ist, denke ich, ein wichtiger Unterschied zum rein politischen Geschäft oder auch zur großen Öffentlichkeit, wo man ja nur miteinander reden kann, weil man über Medien kommuniziert und gar nicht am gleichen Ort ist, würde ich sagen, dass ein wichtiger Unterschied für den Alltag ist, dass man eben nicht nur das Reden hat, sondern dass das Reden eingebettet ist in gemeinsames Tun, in Projekte, die man hat, in den Alltag und daraus ergeben sich dann nochmal andere Möglichkeiten der Kommunikation oder auch andere Hebel in der Kommunikation." (Jana Glaese)