
Ein Nacktbild per Snapchat, anzügliche Nachrichten bei WhatsApp, eine unangenehme Situation auf der Schultoilette oder Übergriffe auf Partys: Sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen passiert häufiger, als viele denken und Täter und Täterinnen sind manchmal eben auch Mitschüler:innen, Freund:innen oder andere Jugendliche aus dem Sportverein oder dem Jugendclub.
Das beobachtet auch Oliver Dierssen in seiner Praxis im Raum Hannover. Seit vielen Jahren arbeitet er mit Kindern und Jugendlichen. Betroffen seien meistens Mädchen, während Jungen häufiger Täter sind.
Zu ihm kommen Mädchen, die vorher psychisch stabil waren und plötzlich Ängste entwickeln, schlecht schlafen oder depressive Symptome zeigen. Im Laufe der Gespräche wird dann manchmal klar, dass sie sexualisierte Gewalt erlebt haben und das teilweise eben auch durch andere Minderjährige, durch ihre Peers. Dierssen sagt, dass übergriffiges Verhalten schon früh entstehen könne. Viele Jugendliche hätten kaum Orientierung darin, wie ein angemessener Umgang mit Nähe, Grenzen oder Sexualität überhaupt aussieht. Gleichzeitig beobachtet er aber auch, dass das Thema sichtbarer geworden ist. Jugendliche seien heute stärker sensibilisiert und würden häufiger über erlebte Übergriffe sprechen als noch vor einigen Jahren. Wie er mit Jugendlichen arbeitet, die sexuelle Gewalt durch Gleichaltrige erlebt haben, erzählt er bei einbiszwei.
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