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Die Goldjungs und die Herstatt-Bank - Eine spektakuläre Pleite mit Folgen

01.07.2025 · 21 Min.

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Über diese Folge

Die Pleite der Kölner Herstatt Bank war eine der spektakulärsten in der deutschen Geschichte. Tausende Bankkundinnen und Bankkunden verloren Geld. Dabei hatte es so gut angefangen, als die Devisenhändler - intern Goldjungs genannt - begannen, auf Währungen zu wetten. Von Maike Brzoska (BR 2024)

Credits
Autorin dieser Folge: Maike Brzoska
Regie: Sabine Kienhöfer
Es sprachen: Katja Amberger, Friedrich Schuler, Christian Schuler
Technik: Ruth-Maria Ostermann, Lorenz Kersten
Redaktion: Nicole Ruchlak

Im Interview:
Ulrich Klüh, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Darmstadt
Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der Technischen Universität München

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Das vollständige Manuskript gibt es HIER.

Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:

SPRECHERIN

Köln, den 27. Juni 1974. Vor der Haupt-Filiale der Herstatt Bank, unweit des Kölner Doms, finden sich ab acht Uhr in der Früh immer mehr Menschen ein. Sie sind aufgebracht, wütend und rufen:

ZITATOR

Halunken, Gauner, Betrüger 

SPRECHERIN

Einige versuchen in die Schalterhalle der Bank zu gelangen. Mit aller Kraft stemmen sie sich gegen die Glastür. Vergeblich. Erst zwei Stunden später öffnet sich die Tür. Ein Mann kommt raus, mit einem roten Megaphon in der Hand. Es ist der Generalbevollmächtigte der Bank. Er versucht die Menschen zu beruhigen – und weist gleichzeitig jede Verantwortung von sich. Auch er sei von der „Dany-Dattel-Devisen-Show“ überrollt worden. So zitiert ihn das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Dany wer?

01 O-TON (Klüh)

Dany Dattel – das war durchaus eine schillernde Persönlichkeit. 

SPRECHERIN

Sagt der Ökonom Ulrich Klüh. Er ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Darmstadt.

02 O-TON (Klüh)

Er war also der, der mit seinem Team diese spekulativen Währungsgeschäfte betrieben hat. Dieses Team wurde dann auch in Zeitungen als die Goldjungs beschrieben, weil die haben der Bank in den ersten Jahren dieser Geschäfte sehr, sehr viel Geld eingebracht.

Musik: Financial supermarkets 0‘24 

SPRECHERIN

Die Goldjungs waren eine Zeitlang die Stars der Herstatt Bank. Sie wetteten im großen Stil auf Währungen und machten enorme Gewinne. Das war möglich, weil Anfang der 1970er vieles im Umbruch war, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. 

 03 O-TON (Kaserer)

Die 1970er Jahre, also vor allem 71 bis 74, waren eine wirklich schwierige Zeit. Vielleicht in gewisser Weise auch vergleichbar mit dem, was wir heute erleben. 

SPRECHERIN

Sagt der Ökonom Christoph Kaserer. Er ist Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der Technischen Universität München.

04 O-TON (Kaserer)

Wir hatten massive geopolitische Krisen: den Jom Kippur Krieg im Nahen Osten. Wir hatten immer noch den Vietnamkrieg. Der Jom Kippur Krieg war ja dann auch der Auslöser dafür, dass es dann Ende 73 zum Ersten Ölpreisschock kam und damit ausgelöst eben alle negativen wirtschaftlichen Effekte, also Rezession usw.

SPRECHERIN

Damit endete in der Bundesrepublik eine – in wirtschaftlicher Hinsicht – relativ ruhige Phase, in der so etwas wie Bankenpleiten kaum denkbar waren.

05 O-TON (Klüh)

Es hatte nämlich fast drei Jahrzehnte keine Pleitebank mehr gegeben, in Deutschland und sogar weltweit nicht. Und das lag wiederum daran, dass das Finanzsystem seit dem Zweiten Weltkrieg so aufgebaut war, dass es super stabil war.

SPRECHERIN

Super stabil, vor allem weil es feste Wechselkurse gab. 

06 O-TON (Klüh)

Also für eine DM hat man so und so viel Dollar bekommen, für eine Lira hat man so und so viel Franc bekommen.  

SPRECHERIN

Das war das sogenannte System von Bretton Woods. Benannt nach dem Städtchen, wo sich die Regierungen 1944 darauf geeinigt hatten. 

07 O-TON (Kaserer)

Und das ist eben jetzt mit der Ankündigung von Präsident Nixon, die Goldbindung des Dollars aufzugeben, ins Wanken geraten. 

SPRECHERIN

In einer berühmten Fernsehansprache sagte der damalige US-Präsident Richard Nixon:

ZITATOR 2 (Nixon)

Ich habe Finanzminister Conally angewiesen, vorübergehend die Konvertibilität des Dollars in Gold oder andere Reservemittel auszusetzen. 

Musik: Dark deeds (A) 0‘17

SPRECHERIN

Das läutete 1971 das Ende von Bretton Woods ein, zwei Jahre später wurde es dann auch formal abgeschafft. Die Folge war, dass die Wechselkurse von da an sehr stark schwankten. 

08 O-TON (Kaserer)

Der US-Dollar ist allein im Jahr 1973 vom Höchst- zum Tiefstkurs um mehr als 30 Prozent gefallen. Daran kann man sehen, wie groß die Schwankungen in den Währungen waren.

SPRECHERIN

Und genau hier schlug die Stunde der Goldjungs. Das waren sechs sehr junge Devisenhändler, teilweise erst Anfang 20, die für Herstatt Bank arbeiteten.

09 O-TON (Kaserer)

Die Herstatt-Bank ist das, was man als Privatbank bezeichnet und Iwan Herstatt war dann in der fraglichen Zeit der Geschäftsführer der Bank.

SPRECHERIN

Iwan David Herstatt – genannt Iwan der Große, auch wegen seiner Körperlänge von fast zwei Metern. Er war ein rheinisches Urgestein und bestens vernetzt in der Kölner Gesellschaft.  

10 O-TON (Klüh)

Er war so richtig, ich würde sagen, Teil des kölschen Klüngels. Also das ist so ein spannender Seitenaspekt, hat vielleicht auch dazu beigetragen, dass das so spektakulär war. 

Is this together (Quintett) 0‘39

SPRECHERIN

Herstatt war in mehr als 30 Karnevalsgesellschaften und 20 weiteren Vereinen aktiv. Mehr als 20 Jahre lang organisierte er als Schatzmeister die Finanzierung des Kölner Rosenmontagsumzugs. Daneben saß er in zahlreichen Aufsichts- und Beiräten namhafter Unternehmen. Kaum ein Kölner Ereignis fand ohne ihn statt. Sein Netzwerk nutzte er, um Geschäfte zu machen. Von der Stadt Köln über den Kölner Erzbischof bis zum Verleger Alfred Neven-Dumont – sie alle hatten ein Bankkonto beim Iwan dem Großen. 

Übernommen hatte er die Bank 1955, für ihn ein Lebenstraum. Das Geld dafür kam unter anderem von seinem Freund Hans Gerling, Eigentümer des gleichnamigen Versicherungskonzerns. Unter Iwan Herstatt entwickelte sich die Bank zur größten Privatbank Deutschlands, mit starkem Fokus auf Außenhandelsgeschäfte. Diese Geschäfte waren der Grund dafür, dass die Devisenhändler, also die Goldjungs, so wichtig waren für die Bank. Denn wenn Unternehmen im Ausland handeln, sichern sie sich oft gegen schwankende Wechselkurse ab. 

11 O-TON (Kaserer)

Ein ganz einfaches Beispiel kann man sich wie folgt vorstellen: Angenommen, es gibt einen Exporteur, der hat einen Vertrag abgeschlossen über die Lieferung einer Ware. Er weiß, dass diese Ware in einem oder zwei Monaten bezahlt wird. Er fakturiert in, sagen wir US-Dollar, so dass er also heute nicht genau weiß, was werden dann diese US-Dollar dann wert sein, wenn die Bezahlung der Rechnung erfolgt. Und deswegen geht er zur Bank und vereinbart mit der Bank heute einen festen Wechselkurs für die Dollarzahlung, die erst in einem Monat, dann tatsächlich erfolgt. Das nennt man ein Devisentermingeschäft. Und damit hat er das Wechselkursrisiko vom Unternehmen auf die Bank übertragen. Und die Bank muss natürlich ihrerseits dann sich überlegen, ob sie selber dieses Wechselkursrisiko trägt oder ob sie sich wiederum entsprechend dagegen absichert. 

SPRECHERIN

Zum Beispiel indem sie ihrerseits ein Devisentermingeschäft mit einer Bank abschließt. Diese Geschäfte nahmen mit dem Ende von Bretton Woods stark zu, nicht nur bei Herstatt, sondern bei den meisten Banken. Aber die Goldjungs waren dennoch etwas Besonderes. Das lag auch an Dany Dattel, Chef der Devisenabteilung. 

12 O-TON (Klüh)

Er hatte auch ein spannendes Team, und hat mit diesem Team mit modernsten Computern gearbeitet. Das war alles sehr futuristisch und das hat die Leute fasziniert.

Musik:  Ballet 0‘45

Atmo Computer

SPRECHERIN

„Raumstation Orion“ nannte man die Handelsräume der Goldjungs, nach der gleichnamigen Science-Fiction-Serie, die damals populär war. Sie telefonierten mit New York, machten Geschäfte mit London, schoben per Knopfdruck Millionen hin und her. Die Kölner Herstatt Bank war Teil der schillernden Finanzwelt und korrespondierte mit der Chase Manhattan genauso wie mit der sowjetischen Narodny Bank. Ein aufregendes Geschäft, das so ganz anders war als die traditionellen Bankgeschäfte, die bald als langweilig, als „boring“ galten. 

13 O-TON (Klüh)

Es ist einfach so, dass bis in die 60er Jahre hinein Banken, vor allem in Deutschland, aber auch weltweit, sich beschränkt haben auf ganz einfache Geschäfte, langweilige Geschäfte. Deswegen Boring Banking. Sie haben die Ersparnisse von Leuten verwaltet auf der einen Seite, und andererseits haben sie Kredite vergeben an die lokale Wirtschaft. Und es war ein relativ einfaches Geschäft, weil die Zinsen auch oft vom Staat festgelegt wurden. 

SPRECHERIN

Ganz anders beim Währungshandel. Hier setzte man zum Beispiel darauf, dass der Dollar steigt oder fällt. Und weil das wegen der starken Schwankungen zunächst große Gewinne abwarf, spekulierten in der Herstatt Bank bald alle mit. 

14 O-TON (Kaserer)

Was dann in der Bank passierte, ist, dass man offensichtlich im ersten Schritt sich nicht mehr vollständig gegen diese Dollargeschäfte, die man mit Kunden gemacht hat, abgesichert hat, aber darüber hinaus wohl dann auch angefangen hat, unabhängig von Kundengeschäften, Eigenhandel zu betreiben und gegen den Dollar sozusagen zu spekulieren. 

SPRECHERIN

Rückblickend läuteten diese neuartigen Finanzgeschäfte eine neue Epoche ein, sagt Ulrich Klüh.

15 O-TON (Klüh)

Mit der Möglichkeit zu spekulieren, ist das Bankwesen ganz anders geworden. Nicht nur das Bankwesen, sondern das Finanzwesen insgesamt. Man kann sogar sagen, dass sich eine ganz neue Art von Kapitalismus entwickelt hat. Dass der Kapitalismus bis Anfang der 70er Jahre ein langweiliger, auf die Realwirtschaft, auf die normalen Unternehmen fokussierter Kapitalismus war, der Kapitalismus seit Anfang der 70er Jahre sich immer mehr zu einem Finanzmarktkapitalismus entwickelt hat. Und damit ist dann auch eine Abkehr vom langweiligen Banking verbunden. Die Banken machen ganz andere Sachen. Sie engagieren sich mit neuen Finanzprodukten, die sehr viel riskanter sind insbesondere. 

Musik: Dry and neutral (reduziert) 0‘45

 Financial supermarkets 0‘8

SPRECHERIN

Wobei es auch damals schon Menschen gab, die vor den hohen Risiken dieser Geschäfte warnten. Zum Beispiel die internen Revisoren der Herstatt Bank. Aber so lange die Goldjungs Gewinne machten, wurden die Warnungen beiseite gewischt. Kritiker galten auf der Raumstation Orion als Spielverderber. Die Währungs-Party war wohl einfach zu schön. Aber irgendwann ging es dann eben schief. Die Goldjungs verspekulierten sich. Sie setzten auf einen steigenden Dollar, aber er fiel – es kam zu großen Verlusten. Wann genau wie viele Schulden aufliefen, ist nicht ganz klar, denn nicht alle Verluste wurden ordnungsgemäß in der Bilanz ausgewiesen. Christoph Kaserer:

16 O-TON (Kaserer)

Von den Jahren 71 bis 73 hat die Devisenabteilung erhebliche Gewinne erwirtschaftet. Wobei im Nachhinein man davon ausgehen muss, dass die Gewinne von 1973 eigentlich keine Gewinne waren, sondern die wurden sozusagen fingiert. Bestimmte Geschäfte sind nicht verbucht worden. Und wären diese Geschäfte ordnungsgemäß verbucht worden, dann wäre vermutlich – weiß man jetzt nicht ganz genau – aber man kann davon ausgehen, dass man wahrscheinlich schon 1973 Verluste erzielt hätte. 

SPRECHERIN

Gerüchte machten die Runde. Denn auch den Währungshändlern der anderen Banken fiel auf, wie hoch der Einsatz der Goldjungs war. Das wurde auch der deutschen Aufsicht zugetragen.

17 O-TON (Klüh)

Die Bundesbank hatte tatsächlich schon relativ früh gesteckt bekommen, und zwar aus London, dass da ihre Kölner Bank ein ziemlich großes Rad dreht und große Risiken eingeht. Aber die Bundesbank und die Bankenaufsicht, die waren nicht in der Lage, diese Informationen zu verwerten und dann einzugreifen.

Musik: Wrong 0‘16

SPRECHERIN

Misstrauen breitete sich in der Bankenbranche aus. Weil nicht klar war, wie es um Herstatt steht, reduzierten andere Banken ihre Geschäfte mit den Kölnern. Dadurch verschlechterte sich deren Lage weiter.

18 O-TON (Kaserer)

Das war letztlich sozusagen der letzte Auslöser für die Pleite –, dass sich die anderen Banken geweigert haben, mit Herstatt so Kursabsicherungsgeschäfte abzuschließen. So dass also Herstatt sich gar nicht mehr von diesen Risiken lösen konnte, weil sie keine Partner mehr gefunden haben, die ihnen diese Devisenrisiken abgenommen haben.

SPRECHERIN

Mitte Juni meldete Herstatt einen Verlust von rund einer halben Milliarde D-Mark – ein Vielfaches des Eigenkapitals der Bank. In den folgenden Tagen versuchte Bundesbank-Chef Karl Klasen eine Rettung zu organisieren. Es gab Gespräche mit Vertretern des Gerling-Konzerns und auch mit den Großbanken, der Dresdner, der Deutschen und der Commerzbank. Ohne Erfolg. 

19 O-TON (Kaserer)

Niemand war dann bereit, diese Bank zu retten. Und auch Gerling konnte das nicht mehr bewerkstelligen. Dann war es zu spät und das war dann der Auslöser dafür, dass es gar keinen anderen Weg mehr gegeben hat, als die Bank zu schließen. 

Musik: Secret proofs red. 0‘43

SPRECHERIN

Am 26. Juni 1974 entzog die damalige Aufsicht, das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen, Herstatt die Banklizenz. Die Bank musste alle Zahlungen einstellen. Wer konnte, brachte vorher noch schnell sein Geld in Sicherheit. Darunter waren viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Herstatt, aber auch andere Banken, die Wind von der Schließung bekommen hatten, wie die Chase Manhattan. Die meisten Sparerinnen und Sparer standen am nächsten Morgen allerdings vor verschlossenen Türen. 

20 O-TON (Kaserer)

Die Privatkunden waren natürlich die letzten, die dann reagiert haben. Dann war es auch schon zu spät.

Musik: Z8037260119 Incorrectness 0‘ 24

Atmo: Menge

SPRECHERIN

Vor mehreren Filialen von Herstatt gab es Tumulte.

21 O-TON (Kaserer)

Zunächst mal gibt es Panik, weil niemand weiß, wie viel Geld kriegt er zurück. Und wenn natürlich die Menschen dann auf der Straße stehen und versuchen in die Bank zu kommen, um ihr Geld in Sicherheit zu bringen, hat das natürlich eine politische Dimension. 

SPRECHERIN

Eine aufgeregte politische Debatte folgte – und natürlich kam die Frage auf: Wer ist schuld an der Pleite? Iwan Herstatt schob auf einer Pressekonferenz Anfang Juli jede Verantwortung von sich. Er habe von den enormen Summen, mit denen spekuliert wurde, nichts gewusst. 

22 O-TON (Iwan Herstatt)

Ich bekam jeden Abend die Tagesmeldung und da interessierte ich mich dafür, wie der Saldo war. Der war niemals höher als 25 Millionen. Das war also alles in Ordnung.

SPRECHERIN

Über viele Monate gab es eine öffentliche Schlammschlacht mit Schuldzuweisungen und Verleumdungen. Dabei ging es auch darum, wer Entschädigungen zahlen muss. Das wurde auch im Bonner Bundestag diskutiert. Dort meinte der Unionspolitiker Rudolf Sprung: 

ZITATOR

In diesem traurigen Fall (…) hat sich keiner der Beteiligten, weder die Bundesbank, noch das Bundesaufsichtsamt, noch die Großbanken, noch die Großgläubiger, mit Ruhm bekleckert. Geradezu als skandalös aber muß das Verhalten, Finassieren und Taktieren des Aufsichtsratsvorsitzenden und Mehrheitsaktionärs des Instituts, Hans Gerling, bezeichnet werden. 

Musik: Serious affair red. 0‘39

SPRECHERIN

Gerling war mit mehr als 80 Prozent der Anteile Hauptaktionär der Herstatt Bank. Allerdings verwies Gerling auf die Verantwortung der Großbanken, die seiner Meinung nach bei der Rettung von Herstatt versagt hätten. Die Großbanken hielten dagegen und meinten, dass Gerling die Sparerinnen und Sparer entschädigen müsse. Jürgen Ponto, damals Vorstandssprecher der Dresdner Bank, ließ sich im „Spiegel“ mit den Worten zitieren:

ZITATOR 2

Zur Not muss Frau Gerling ihren Schmuck verkaufen.

SPRECHERIN

Viele zeigten damals aber auch auf Dany Dattel, schließlich war er der Chef der Goldjungs. 

23 O-TON (Klüh)

Wovor man warnen muss, ist, das zu tun, was dann nach der Krise häufig passiert ist, ihm die ganze Schuld an der Krise zuzuschreiben. Es war nämlich so, dass diese Krise durchaus auch Konsequenz war des Drucks, der von der Geschäftsleitung und von den Eignern der Bank ausging, wirklich viel zu spekulieren und Gewinn zu machen in diesen Bereichen. So eine Krise ist immer ein System-Versagen. Eine Krise ist nie nur die Verantwortung eines Einzelnen. Zum System gehören hier die Chefs vom Dany Dattel, die Eigner der Bank, auch die Aufsicht, die eben nicht genug aufgepasst hat und nicht stark genug interveniert hat.

SPRECHERIN

Weshalb es nach der Herstatt Pleite eine ganze Reihe von rechtlichen und organisatorischen Änderungen in der Bankenbranche gab. Zum Beispiel ist das Kreditwesengesetz verschärft worden. Und auch für die privaten Sparer und Sparerinnen änderte sich etwas Grundlegendes.

24 O-TON (Kaserer)

Das Allerwichtigste ist, dass es dann 1975 zur Einführung einer allgemeinen Einlagensicherung kam, die es ja bis heute noch gibt. Das ist die Einlagensicherung der Privatbanken. 

SPRECHERIN

Bis 100.000 Euro sind heute alle Spar-Guthaben geschützt. Zur Zeit der Herstatt Pleite gab es lediglich den sogenannten Feuerwehrfonds.

25 O-TON (Kaserer)

Das war eine Art freiwillige Einlagenversicherung, die Bankeinlagen bis zu 20.000 D-Mark abgesichert hat. Also bis dorthin gab es gar keine Verluste.

SPRECHERIN

Wer mehr als 20.000 D-Mark bei Herstatt auf dem Sparkonto hatte, musste allerdings Abstriche machen. 

26 O-TON (Kaserer)

Im Großen kann man sagen, dass die Sparer etwas über 80 Prozent ihrer Gelder wiederbekommen haben. Und bei den Banken und Kommunen waren es etwas über 70 Prozent.

Musik:  Obscure intrigue 0‘35

SPRECHERIN

Das Geld, das an die Gläubiger verteilt wurde, stammte aus mehreren Quellen: dem restlichen Vermögen der Herstatt Bank, dem privaten Vermögen von Iwan Herstatt – er war persönlich haftender Gesellschafter – und von Hans Gerling, der dafür – nein, nicht den Schmuck seiner Frau –, sondern 51 Prozent der Anteile seiner Versicherungs-Holding verkaufte. 

Daneben gab es eine Reihe von Gerichtsprozessen. Bis 2006, also 22 Jahre nach der eigentlichen Pleite, zogen sie sich hin. Warum so lange?

27 O-TON (Kaserer)

Ein Grund war auch die Tatsache, dass das die Gläubiger, insbesondere die Sparer, auch noch versucht haben, die Bundesrepublik Deutschland, also die Aufsichtsbehörde letztlich, in die Haftung zu nehmen, was dann eben nicht gelungen ist. Aber schon allein das war ein Gerichtsverfahren, das sich viele Jahre hingezogen hat.

Musik: Still waiting red. 0‘52

SPRECHERIN

Daneben wurde Dany Dattel und Iwan Herstatt persönlich der Prozess gemacht. Wobei Dany Dattel schnell für schuldunfähig erklärt wurde. Er war als Kind im Vernichtungslager Auschwitz und litt seitdem unter dem sogenannten KZ-Syndrom, das mit schweren posttraumatischen Störungen verbunden ist. Iwan Herstatt wurde zunächst zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde allerdings wieder aufgehoben und in zwei Jahre Haft auf Bewährung umgewandelt. Ein Grund für die mildere Strafe war, dass er unter dem sogenannten Pickwick-Syndrom litt. Betroffene dieses Syndroms haben schwerwiegende Probleme mit der Atmung, was unter anderem zur Folge hat, dass sie plötzlich einschlafen. 

Das alles wurde in der damaligen Öffentlichkeit breit diskutiert und kommentiert. Weitgehend ausgeblendet wurde in der Debatte, dass es auch in anderen Ländern Banken-Pleiten gab.

28 O-TON (Klüh)

Wir in Deutschland denken immer, es war die Herstatt-Krise, aber in Wirklichkeit war es die erste globale Bankenkrise. Es war so, dass überall spekuliert wurde auf einmal und überall die Aufsicht darauf nicht vorbereitet waren und überall nicht genug Regulierung war, und eben dieser Switch von der einen Art des Kapitalismus zur neuen Art des Kapitalismus mit einer Krise einherging.

SPRECHERIN

Aber so dramatisch die Herstatt-Pleite damals auch war – aus heutiger Sicht bot sie nur einen Vorgeschmack auf das, was danach kam.

29 O-TON (Klüh)

Ich würde sagen, das sind Vorboten dessen, was dann später in viel größerem Umfang passiert ist. Die ist sozusagen der Beginn einer Entwicklung, wo dann immer mehr dereguliert wird, immer mehr Abkehr vom Boring Banking passiert, immer mehr Finanzmarktkapitalismus gemacht wird. Und insofern ist es so ein Vorbote. Danach, über mehrere Jahrzehnte, wird das weiter intensiviert und das Ganze kulminiert dann, hat seinen Höhepunkt in der Krise von 2008, die dann das Ende erstmal darstellt dieser verrückten Phase des Finanzmarktkapitalismus. Den haben wir zwar immer noch nicht ganz überwunden, aber danach wurde das System wieder stärker reguliert.

Musik:  Media rumors 0‘26

SPRECHERIN

Weshalb man am Ende festhalten kann: Die Pleite der Herstatt-Bank war zwar die erste in der Geschichte der Bundesrepublik – aber noch lange nicht die letzte.


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ERZÄHLERIN Der Dom zu Köln, entworfen im Mittelalter, gebaut im Stile der Gotik, ein Mythos - ein Monument für die Ewigkeit? MUSIK: „Sederunt principes“ ZITATOR (Helmcken 1899) Der Dom zu Köln — welch heiliger, unergründlicher Zauber liegt in diesem Bilde, in diesem Worte verborgen! Der Dom zu Köln ist für die deutsche Kunst und Kultur, was der Rhein ist für die Herrlichkeit der deutschen Nation. Das Symbol des Rheines ist der Dom! ERZÄHLERIN Schreibt ein Kirchenführer aus dem Jahr 1899. Also: der Kölner Dom, der scheint unvergänglich. Unbezwingbar. Und da gibt es ja noch dieses Bild aus den Kriegszeiten 1945, vom Dom, der alles unbeschadet überstanden habe… 002 ZUSPIELUNG (Mathias Deml) Weswegen dann auch teilweise das Gerücht entstanden ist, der Dom sei ganz bewusst im Krieg verschont worden. - Das stimmt so nicht ganz. MUSIK aus ERZÄHLERIN Sagt Mathias Deml, Kunsthistoriker am Dombauarchiv in Köln. Denn: nicht nur die Alliierten, selbst die deutsche Wehrmacht hat den Dom beschossen. Aber: 003 ZUSPIELUNG (Mathias Deml) Dass der Dom im Vergleich zu den anderen Bauten in Köln noch so gut aussah, ist letzten Endes seiner Konstruktionsweise zu verdanken. Die meisten der Bomben sind durch die Gewölbe oder auch mal durchs Fenster in den Dominnenraum eingeschlagen, dort detoniert. Da der Dom aber in erster Linie aus gewaltigen Fensterflächen und relativ schmalen Pfeilern besteht, konnte ein Großteil der Druckenergie, die entstanden ist, durch die Fenster wieder nach außen gelangen. Das heißt, die Pfeiler wurden durchgeschüttelt. Ein großer Teil der oberen Gewölbe ist eingestürzt. Die Grundsubstanz blieb allerdings stehen. Atmo Glocke ERZÄHLERIN Der Dom hat also den Krieg – obwohl nicht unversehrt - überstanden, und konnte so 1948, drei Jahre nach Kriegsende, ganz besonders gefeiert werden. : 004 ZUSPIELUNG (Mathias Deml) Ja, es gibt tatsächlich 1948 ein großes Jubiläum in Köln. 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Denn sie werden sehen, dass uns dieser Termin sehr auf dem Nacken liegt und dass wir uns sehr anstrengen müssen, um den Dom zur angegebenen Zeit wieder zugänglich zu haben… ERZÄHLERIN Der Reporter freilich ist gerührt von der Erhabenheit dieses Bauwerkes… 008 ZUSPIELUNG (Radioreportage 1948) und dann Orgelmusik aus dem O-Ton (Und) ich glaube, wir können am 15. August, wenn wir hier im feierlichen Rahmen stehen, dann von dem Feste der Auferstehung aus den Trümmern sprechen … MUSIK (Orgel aus dem O-Ton und dann weg) ERZÄHLERIN Der 15. August ist das wohl wichtigste Datum in der Geschichte des Kölner Doms. 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Also nicht so, wie wir heute in Kirchen an Taufbecken kennen, sondern wirklich ein großes Becken für die erwachsenen Taufe, wo man dann zwei Treppenstufen hinab gestiegen ist. (…) Ein ganz sensationeller Fund. ERZÄHLERIN Vermutlich im 9. Jahrhundert errichtet man dann hier eine sehr große karolingische Kirche, den so genannten „Alten Dom“ - Aber warum braucht es dann ein paar hundert Jahre später einen „Neuen Dom“? 011 ZUSPIELUNG (Mathias Deml) Ja, darüber haben wir leider keine Quelle, die uns das ganz genau sagt, aus dem und dem Grund beginnen wir zu bauen. Wir können nur darüber spekulieren und es gibt sicherlich eine Vielzahl von Gründen. ERZÄHLERIN So Mathias Deml. – Ein entscheidender Grund dürfte gewesen sein, dass im Jahr 1164 der damalige Kölner Erzbischof Reinhard von Dassel Gebeine aus Mailand nach Köln gebracht hat – die Gebeine der Heiligen Drei Könige. 012 ZUSPIELUNG (Mathias Deml) Die Mailänder haben die natürlich nicht ganz freiwillig hergegeben. 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MUSIK aus 013 ZUSPIELUNG (Mathias Deml) In Mailand scheinen diese Reliquien relativ unbekannt gewesen zu sein, aber Reinhard von Dassel war ein sehr gewiefter Politiker auch und er reiste nun mit weiten Umwegen nach Köln, unter anderem durchs Burgund, und machte überall, wo er vorbeikam, kräftig Werbung dafür, dass er nun im Besitz der Gebeine der heiligen drei Könige - nach mittelalterlichen Vorstellungen, die Gebeine der ersten christlichen Könige überhaupt - ist. Und als sie in Köln ankamen, wurde Köln zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte des Christentums … ERZÄHLERIN Für die Reliquien der Heiligen Drei Könige baut man gegen Ende des 12. Jahrhunderts einen prunkvollen Schrein, da fehlt also nur noch eine prachtvolle Kirche, um die Gebeine auszustellen, und eine große Kirche auch für die Pilger, die zunehmend in die Stadt kamen. Denn nach Köln zu wallfahren hat sich für viele als doch einfacher erwiesen, als die schwere Reise nach Santiago de Compostela in Spanien anzutreten oder gar das Abenteuer nach Jerusalem zu wagen. Zu den anderen wichtigen Heiligen Stätten der Christenheit. MUSIK: „Tanec“ ERZÄHLERIN In Köln beruft man nun einen Dombaumeister. Der erste in einer sehr langen, aber auch einer sehr langen unterbrochenen Tradition. - Heute kennt man von ihm gerade noch seinen Namen: Meister Gerhard. 014 ZUSPIELUNG (Mathias Deml) Wir wissen, dass er wahrscheinlich in den 1260er -Jahren gestorben ist. Aufgrund der Architektur des Kölner Domes können wir darauf schließen, dass er entweder aus Frankreich kam oder zumindest in Frankreich geschult worden war. Und dort die neuesten großen Kirchenbauunternehmungen sehr gut kannte. ERZÄHLERIN Die neuesten „Kirchenbauunternehmungen“ in Frankreich, das sind etwa die Kathedralen von Amiens oder die von Saint-Denis. Und diese Kathedralen sehen so ganz anders aus als die alten romanischen Kirchen. Die es in Köln zuhauf gibt. Diese neuen Gemäuer streben in die Höhe, der Innenraum ist nicht finster, wie bei den alten Kirchen, sondern Licht durchflutet die riesigen Fenster und erhellt den Chorraum. - Heute übrigens nennt man diesen Stil: „Gotik“. Entstanden in Frankreich… 015 ZUSPIELUNG (Mathias Deml) Der Kölner Dom ist tatsächlich ein erstaunlich französischer Bau, was seine Architektur angeht. Der sich in vielen Dingen etwa im Grundriss an der Kathedrale von Amiens orientiert, im Wandaufbau und in Details, aber auch an der modernsten Pariser Architektur des frühen 13. Jahrhunderts, etwa der Saint-Chapelle in Paris. - Und wie unser ehemaliger Dombaumeister Arnold Wolf immer hervorgehoben hat, neigt der Kölner Dom dazu, die dort gefundenen Formen noch mehr weiter zu entwickeln und zu perfektionieren. Das ist natürlich jetzt schwierig, ohne Bilder, im Radiointerview zu beschreiben… MUSIK: „Eros“ ERZÄHLERIN Der Schauspieler August Wilhelm Iffland hat es 1790 trotzdem versucht. ZITATOR (August Wilhelm Iffland - 1790) Die Pracht des himmelan sich wölbenden Chors hat eine majestätische Einfalt, die alle Vorstellung übertrifft. In ungeheurer Länge stehen die Gruppen schlanker Säulen da, wie die Bäume eines uralten Forstes (…) ERZÄHLERIN August Wilhelm Iffland war hingerissen, als er den Dom betrat. ZITATOR (August Wilhelm Iffland - 1790) Lässt sich auch schon das Unermessliche des Weltalls nicht im beschränkten Raume versinnbildlichen, so liegt gleichwohl in diesem kühnen Emporstreben der Pfeiler und Mauern das Unaufhaltsame, welches die Einbildungskraft so leicht ins Grenzenlose steigert… MUSIK aus ERZÄHLERIN Aber noch einmal zurück ins Mittelalter, als in Köln das Unternehmen „Dombau“ Fahrt aufnimmt. 016 ZUSPIELUNG (Mathias Deml) Und am Anfang hat man auch relativ schnell gebaut, 1322 war der Domchor als wichtigster und bedeutendster Teil des Kölner Domes in voller Höhe fertig gestellt und konnte feierlich eingeweiht werden. ERZÄHLERIN Also schon nach knapp 70 Jahren Bauzeit… Für mittelalterliche Verhältnisse ganz flott… Danach beginnt man mit dem Bau von Langhaus, Querhaus und den Türmen. Zwei sollen es werden. Ein Südturm und ein Nordturm. MUSIK: „Tanec“ ZITATOR (Francesco Petraraca 1333) „Vidi templum urbe media pulcherimum quamvis inexpletum“ – ERZÄHLERIN Im Jahr 1333 soll der italienische Dichter Francesco Petrarca durch Köln gereist sein. ZITATOR (Francesco Petraraca 1333) Ich sah mitten in der Stadt die herrliche Domkirche, die man nicht ohne Grund die allerherrlichste nennt, obwohl … ERZÄHLERIN Petrarca schiebt ein „quamvis“, also ein--- „obwohl“ hinterher. Was das wohl bedeutet? - Ihm ist halt nicht verborgen geblieben: ZITATOR (Francesco Petraraca 1333) Der Dom ist unvollendet… MUSIK aus ERZÄHLERIN Mathias Deml von der Kölner Dombauhütte ergänzt: 017 ZUSPIELUNG (Mathias Deml) Und da merkt man, dass dann der Bauprozess allmählich ins Stocken geraten ist. Und irgendwann zwischen 1520 und 1530, ganz genau wissen wir es nicht, hat man dann die Bauarbeiten tatsächlich für über 300 Jahre unterbrochen. ERZÄHLERIN Warum eigentlich der Dombau zu dieser Zeit eingestellt wurde, weiß man auch nicht genau. Vermutlich war die Zeit der großen Kathedralen nach französischem Vorbild einfach vorbei… Der Dom bleibt also über viele Jahrhunderte ein Fragment. Trotzdem prägt er das Kölner Stadtbild des Mittelalters, und das, obwohl von den Türmen nicht viel zu sehen gewesen ist. Vom Nordturm stehen nur wenige Mauern, gerade mal fünf Meter groß, aber immerhin, zumindest der Südturm ist etwas über 56 Meter hoch, er hat so ungefähr ein Drittel der heutigen Höhe erreicht. Oben auf dem unvollendeten Südturm sieht man eine verwaiste Baustelle… 018 ZUSPIELUNG (Mathias Deml) (Und) oben auf diesem Turmstumpf stand ein gigantischer hölzerner Baukran, wahrscheinlich eine der größten Baumaschinen des Mittelalters überhaupt, der bis ins 19. Jahrhundert dann das Wahrzeichen von Köln war. ERZÄHLERIN In vielen zeitgenössischen Kupferstichen wird der Dom mit dem Kran abgebildet. Und erstaunlich, obwohl der Dombau ruht, den Kran hält man in Stand, nach einem Blitzeinschlag im frühen 17.Jahrhundert wird er sogar repariert. Der Baukran wird für viele Generationen zum Sinnbild dafür, dass der Dom irgendwann fertig gestellt werden wird… So hofft man das zumindest … 019 ZUSPIELUNG (Mathias Deml) Dieser Baukran war wirklich weltberühmt, sogar in „Moby Dick“, einem amerikanischen Roman von Herman Melville, wird er erwähnt als Symbol dafür, dass die wirklich großartigen Werke der Menschheit viele, viele Generationen brauchen, um vollendet zu werden. MUSIK: „The vikings & Barons“ ERZÄHLERIN Hermann Melville bemüht sich, in einem Kapitel von Moby Dick über alle Erscheinungsformen von Walen zu schreiben. Also: Welche Arten von Walen gibt es? Wie sehen die aus? - In der Fachsprache nennt man dieses Vorhaben eine „Cetologie“ - Ein schwieriges, sogar unmögliches Unterfangen. - ZITATOR (Melville – „Mobby Dick“ - Übersetzung 1922) „Doch nun lasse ich mein cetologisches System im Stich, so unfertig, wie der erhabene Kölner Dom gelassen wurde, mit dem Kran hoch auf der Plattform des unvollendeten Turms. Denn kleine Bauwerke können von dem beendet werden, der sie zuerst geplant hat; die großen, die wahren, sie überlassen es immer der Nachwelt, den Schlussstein einzufügen… MUSIK aus ERZÄHLERIN Über Jahrhunderte ist also nicht viel passiert, an dem Kölner Domrohbau. Der gotische Stil war zunehmend aus der Mode gekommen. Selbst ein Johann Wolfgang von Goethe hält die Gotik lange Zeit für eine Ansammlung von „Zusammengestoppeltem, Aufgeflicktem, Überladenem“. - Doch plötzlich tut sich was in Köln… Denn im späten 18. Jahrhundert findet man die Gotik plötzlich gar nicht mehr ganz so schlecht. Aber nun muss man den Dom erstmal vor einem äuß0eren Feind schützen… 020 ZUSPIELUNG (Mathias Deml) 1794 ist Köln von französischen Revolutionstruppen erobert worden… MUSIK: „Holcane attack“ ERZÄHLERIN Die Mitglieder des Domkapitels fliehen mitsamt dem Dreikönigsschein und der Dombibliothek auf die andere Seite des Rheins nach Osten, genauer gesagt weit in den Kölner Osten, ins Sauerländische Arnsberg. - Und die französischen Soldaten besetzen den Dom. Das Gebäude dient jetzt als Magazin und als Kriegsgefangenenlager. Die französischen Soldaten verheizen alles Holz, das greifbar ist. Erstaunlicherweise verschonen sie das mittelalterliche Chorgestühl – Aber: die letzte Messe im Dom scheint gelesen zu sein… 021 ZUSPIELUNG (Mathias Deml) Und genau in dieser Zeit eigentlich der größten Gefährdung für den Dom gab es nun hier in Köln einige Leute, die den Bau wieder entdeckten. An erster Stelle muss hier Sulpiz-Boisserée, ein Kaufmannsohn aus Köln genannt werden, der nun alles dafür tat, bei seinen Zeitgenossen dafür zu werben, diesen gewaltigen Bau, der sehr, sehr stark auch heruntergekommen war, zu restaurieren und vielleicht dann auch, wie es dann tatsächlich passiert ist, zu vollenden. ERZÄHLERIN Sulpiz-Boisserée ist gerade mal 24 Jahre alt, als er seine Mission beginnt. Die französischen Truppen besetzen immer noch Köln, aber der junge Kaufmannssohn wirbt und wirbt für sein neues Dombauvorhaben. Er kann sogar einen gewissen Johann Wolfgang von Goethe für sich gewinnen, der sich mittlerweile vom Saulus zum Paulus gewandelt hat. Goethe lehnt die Gotik jetzt nicht nur nicht mehr ab, er hält sie für „d i e“ deutsche Baukunst. Natürlich sei die Gotik erfunden worden von einem Genie, so wie er selbst eines ist … 022 (Teil1) ZUSPIELUNG (Mathias Deml) Das Ganze hat sich dann noch vermengt mit nationalen Ideen. Nach den gewonnenen Befreiungskriegen gegen Napoleon hat man lange darüber debattiert, wo man ein großes deutsches Nationaldenkmal errichten könnte. - Und da hat bereits 1814 Josef Görres vorgeschlagen, man könne doch den Kölner Dom, alle Deutschen gemeinsam, egal welcher Konfession, fertig bauen. Görres vertrat die Meinung, die viele seiner Zeitgenossen fälschlicherweise vertraten, die Gotik wäre ein typisch deutscher Baustil. Und in die Diskussion hat sich dann am Ende auch noch der Kronprinz von Preußen eingemengt, der ganz begeistert vom Kölner Dom war. Und nun versprochen hat, wenn ich mal König geworden bin, gebe ich viel Geld dafür aus, den Dom fertig zu bauen. MUSIK: „Sederunt principes“ - ERZÄHLERIN Und dann geht es tatsächlich sehr schnell. Also nicht nur nach mittelalterlichen Maßstäben … Schon 1824 ist eine neue Dombauhütte gegründet worden, die zunächst erst einmal die vielen Schäden des bestehenden Baus beseitigen musste. Und der Kronprinz von Preussen? 022 (Teil2) ZUSPIELUNG (Mathias Deml) Er hat 1842 Wort gehalten und als Friedrich Wilhelm IV. den Grundstein zum Dombau gelegt ERZÄHLERIN Dann geht man den Dominnenraum an. Vollendet das Lang- und das Querhaus. - Und in nur 15 Jahren errichtet die Dombauhütte mit Hilfe neuer Techniken, etwa mit Hilfe der Dampfmaschine, die beiden Türme genauso und in der Gestalt, wie sie ursprünglich, 600 Jahre zuvor, geplant worden sind. 023 ZUSPIELUNG (Mathias Deml) Wir haben aber tatsächlich aus dem Mittelalter einen über vier Meter hohen Pergamentplan. Und der zeigt die beiden Türme bis ins Detail so durchgezeichnet, wie sie mit relativ wenigen Abweichungen tatsächlich dann im 19. Jahrhundert fertig gestellt worden sind. ERZÄHLERIN Mit 157 Metern Höhe ist der Kölner Dom bei seiner Vollendung im Jahre 1880 für einige Jahre das größte Bauwerk der Welt… MUSIK ein wenig pathetisch und dann weg ERZÄHLERIN Und nun hatte man kurz gedacht, nach über 700 Jahren Bauzeit müsste doch jetzt mal Ruhe sein. – Köln hat endlich seinen Dom. Und endlich zu Ende gebaut, aber… 024 (Teil1) ZUSPIELUNG (Mathias Deml) Aber natürlich auch nachdem der Kölner Dom fertig war, 1880, waren die Arbeiten nicht ganz abgeschlossen. Es gab noch Arbeiten im Innenraum, an der Ausstattung, Nachbesserungsarbeiten. Das Ganze hat bis ins frühe 20.Jahrhundert gedauert. Und dann hat der damalige Dombaumeister, der auch die Domvollendung im Amt erlebt hatte, Richard Voigtel, zwei Jahre vor seinem Tod (…) gesagt, die nächsten 100 Jahre müssen wir am Dom nichts mehr machen. ERZÄHLERIN Das war im Jahre 1900. 024 (Teil2) ZUSPIELUNG (Mathias Deml) Und nur zwei Jahre nach seinem Tod (…) fiel ausgerechnet auch noch nach einem sonntäglichen Pontifikalamt im Kölner Dom der Flügel einer Engelfigur direkt über dem Hauptportal herunter. ERZÄHLERIN Aber es bleibt nicht bei dem einen Flügel. Den ersten Weltkrieg überstand der Dom noch unbeschadet. Doch im zweiten Weltkrieg erlitt der Nordturm einen Treffer, die Orgel ging verloren, das Hochschiffgewölbe des Langshauses stürzte ein. - Aber trotz dieser Kriege ist erstaunlich, dass sich im Kölner Dom etwas erhalten hat, das vielen anderen Kirchen nicht vergönnt war: Glocken aus dem Mittelalter… 025 ZUSPIELUNG (Mathias Deml) Der Kölner Dom hatte das große Glück, dass im Ersten Weltkrieg nur eine seiner Glocken eingeschmolzen wurde und da auch erst ganz am Ende des Krieges, die sicherlich gar nicht mehr für Rüstungszwecke verwendet worden, die so genannte Kaiserglocke. - Und im Zweiten Weltkrieg schaffte das Domkapitel durch geschicktes Taktieren tatsächlich zu verhindern, dass überhaupt eine Glocke des Domes eingeschmolzen worden ist, so dass der Kölner Dom ein relativ besonderes Geläut hat, zudem unter anderem auch noch vier mittelalterliche Glocken heute gehören. Atmo: Geläut „Kölner Dom“ ERZÄHLERIN Also, wenn wir heute die Glocken des Doms hören, machen wir vielleicht eine akustische Zeitreise. Denn vor 700 Jahren klang das Geläut, wer weiß es, wohl gar nicht so anders wie heute … 026 ZUSPIELUNG (Mathias Deml) Das sind einmal zwei kleine Glocken aus dem frühen 14. Jahrhundert, die bereits 1322 wahrscheinlich zur Weile des Domchors zu hören war, und zwei Großglocken des 15. Jahrhunderts, die Pretiosa und die Speciosa. ERZÄHLERIN Der Kölner Dom hat über viele Jahrhunderte die deutsche Geschichte überstanden und begleitet Und, na ja, er wird vielleicht wohl auch die Irrungen und Wirrungen der nächsten Jahrhunderte überdauern…

  • Sonnenschutz für die Haut - Wie wirken UV-Filter?

    30.06.2025 · 23 Min.

    Sonnenschutzmittel schützen unsere Haut mit UV-Filter. Einige wandeln die UV-Energie in Wärme um, andere wirken wie kleine Spiegel und reflektieren das Sonnenlicht. Inzwischen sind Sonnenschutzmittel eine Wissenschaft für sich. Autorin: Katrin Kellermann (BR 2023) Credits Autorin dieser Folge: Katrin Kellermann Regie: Axel Wostry Es sprachen: Julia Fischer, Hans-Jürgen Stockerl Technik: Susanne Herzig Redaktion: Matthias Eggert Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Im Interview: Carola Berking (Professorin; Dr.; med. Oberärztin, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, LMU München); Heinz Langhals (Professor; Dr.; Organische und makromolekulare Chemie, LMU München); Sebastian Lorenz (Dr.-Ing.; Physiker BfS); Cornelia Baldermann (Dr.; Bundesamt für Strahlenschutz) Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Die Haut - Empfindliche Schutzbarriere JETZT ANHÖREN Hautveränderungen - Muttermal, Altersfleck, Warzen JETZT ANHÖREN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN

  • Hexen - Die Geschichte von Angst, Folter und Mord

    30.06.2025 · 23 Min.

    Für viele Menschen sind Hexen auch heute real. US-Forscher fanden bei einer Befragung in 95 Ländern heraus, dass mehr als 40 Prozent glauben, dass böse Hexen anderen schaden können. Im frühneuzeitlichen Europa fielen Schätzungen zufolge Zehntausende Frauen den Hexenverfolgungen zum Opfer. Autorin: Claudia Steiner (BR 2024) Credits Autorin dieser Folge: Claudia Steiner Regie: Sabine Kienhöfer Es sprachen: Katja Amberger, Gudrun Skupin Technik: Christine Frey Redaktion: Thomas Morawetz Im Interview: Dr. Stefan Eisenhofer, Kurator im Museum Fünf Kontinente. Gertrude Nkrumah, Historikerin und Gender-Forscherin an der University of Education in Winneba in Ghana. Dr. Sarah Rafajlovic, Ethnologin, Ann-Christine Woehrl, Fotografin. Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Hexer und Heiler - Eine Schattengeschichte der Deutschen Deutschland 1949 - Im Gründungsjahr der Bundesrepublik geschieht Ungeheuerliches: Die Menschen fürchten den Weltuntergang, Zehntausende ziehen Wunderheilern hinterher. Sie glauben an Hexen und Verschwörungen. Eine Reise in die Schattengeschichte der Nachkriegszeit. JETZT ENTDECKEN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Das Verbrechen lauert überall – auch zwischen Mensch und Tier. "Wild Crimes" liefert packende Storys von True Crime im Tierreich. In Staffel eins erzählen wir euch vom "Problembären" Bruno. Der war erst bei uns willkommen, dann wurde er gejagt und getötet. Wie kam es zu dieser dramatischen Wende? Wer hat ihn abgeschossen? Und war es gerechtfertigt, ihn zu töten? JETZT ENDTECKEN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: SPRECHERIN Sie fliegen auf Besen, tanzen um Feuer, haben feuerrote Haare und schwarze Katzen, Kontakt zu Geistern und sogar dem Teufel, dem sie den Hintern küssen, um sich dann mit ihm zu vermählen. MUSIK kurz hochkommen lassen Sie praktizieren magische Rituale, murmeln Zaubersprüche und können mit ihren übernatürlichen Kräften anderen schaden: Hexen. MUSIK hochkommem SPRECHERIN Die meisten denken vermutlich sofort an Hexenverbrennungen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Doch der Glaube an Hexerei und die Angst davor sind kein Phänomen der Vergangenheit. Für viele Menschen sind Hexen real – auch im 21. Jahrhundert. MUSIK: Evil forest 0‘22 The dark lord 0‘52 SPRECHERIN Ein Forschungsteam der American University in Washington befragte mehr als 140.000 Menschen in 95 Ländern. Demnach glauben mehr als 40 Prozent, dass Hexen anderen Leid zufügen können. Die Studie ergab, dass der Glaube an die dunkle Macht von Hexen vor allem in Ländern mit schwachen Institutionen, geringem sozialen Vertrauen und geringer Innovationskraft präsent ist. Besonders verbreitet ist der Hexenglaube zum Beispiel in Marokko, Tunesien, Tansania und Kamerun, Mittel- und Südamerika, dem Nahen Osten und Russland. Auch in Teilen Ghanas werden immer wieder Frauen als Hexen diffamiert, verstoßen, bedroht oder sogar getötet. Die Historikerin und Gender-Forscherin Gertrude Nkrumah unterrichtet an der University of Education in Winneba in Ghana (Aussprache bei "Hexen iXm6011_00003 Gertrude Nkrumah Historikerin und Genderforscherin Ghana" in „Wissen und Forschung“ 0.34 Sek). O-TON 1 (Gertrude, 3, 3.34 The point …. about it, 4.48 Usually … chicken) – Overvoice Was ich betonen möchte, ist, dass es solche Vorkommnisse nur in bestimmten Regionen Ghanas gibt. Die meisten Menschen in Ghana aber wissen darüber kaum etwas. / Normalerweise ist es so, wenn eine Person beschuldigt wird, über Hexenkräfte zu verfügen, dann wird die Person in ihr Dorf gebracht, wo mit besonderen Ritualen versucht wird herauszufinden, ob die Frau eine Hexe ist oder nicht, zum Beispiel indem man ein Huhn schlachtet. MUSIK: Secret proofs red 0‘27 SPRECHERIN Bei dem Ritual wird einem Huhn die Kehle durchschnitten. Die Art, wie der Vogel nach seinem Tod auf der Erde liegt, entscheidet dann darüber, ob es sich bei der beschuldigten Frau um eine Hexe handelt oder nicht. Manchmal findet auch eine Beschau der Eingeweide des Tieres statt. Die deutsch-französische Fotografin Ann-Christine Woehrl porträtierte in der abgeschiedenen Northern Region Frauen, die als Hexen bezichtigt werden. In ihrer Schau mit dem Titel „Witches in Exile“ – also Hexen im Exil – 2023/24 im Museum Fünf Kontinente in München porträtiert sie Frauen, die in sogenannten Witch Camps leben - das sind einfache Dörfer, in denen ausschließlich Frauen leben, die als Hexen stigmatisiert werden. Ann-Christine Woehrl: O-TON 2 (2 Woehrl, 00.48) Alle Frauen tragen natürlich das gleiche Schicksal, dass sie meist lebenslänglich aus ihren Dörfern, also Dorfgemeinschaften und Familien, ausgegrenzt wurden und Zuflucht in einem sogenannten Witch Camp gefunden haben. Und insofern ist natürlich das Schicksal, was sie da tragen, die sind da schon auch sehr gezeichnet davon. SPRECHERIN Manchmal haben die Frauen noch Kontakt zu ihren Familien, oft aber sind sie ganz auf sich alleine gestellt. Sie bestellen ein kleines Feld oder klauben auf Märkten Körner zusammen, die auf den Boden gefallen sind. Andere Menschen fürchten sich vor ihren vermeintlich bösen Kräften und meiden sie. Die Frauen selbst sehen sich nicht als Hexen, sagt Ann-Christine Woehrl: O-TON 3 (2, Woehrl, 01:40) Von den Frauen, die ich dort getroffen hat, hat keine von sich behauptet, dass sie eine Hexe sei, aber grundsätzlich das Phänomen haben sie nicht in Frage gestellt. Ich habe ganz konkret auch die Frage damals gestellt: Siehst du dich als Hexe? Und alle haben gesagt: Nein, ich wurde falsely accused. Aber ich glaube, um die Existenz von Witches, von Hexen, daran wird gar nicht gezweifelt, dass es die gibt, weil eben dieser Glaube so verankert ist. MUSIK: Nocturnal research red. 0‘25 SPRECHERIN Es gibt in Ghana auch den Glauben an Hexer, also Männer, denen magische Kräfte nachgesagt werden. Doch für Männer ist dieses Label meist nicht so gefährlich, sagt Gertrude Nkrumah: O-TON 4 (3, Gertrude, ca 10.48, Mostly … protection) Overvoice Meistens denken Menschen, dass auch Männer über Hexenkräfte verfügen können, aber sie glauben, sie nutzen es für Gutes, anders als Frauen. Meiner Ansicht nach ist das vor allem deshalb so, weil Frauen in einer verletzlicheren Position sind. Es ist leichter, sie zu beschuldigen, besonders wenn sie keinen Schutz haben. SPRECHERIN Oft treffen die Vorwürfe die Schwächsten der Gesellschaft. Je nach Land, Region und gesellschaftlicher Situation werden neben Frauen auch marginalisierte Gruppen wie Waisen, mittellose, junge Männer oder Menschen mit Albinismus an den Pranger gestellt. Doch wie kommt es, dass jemand als Hexer oder Hexe bezichtigt wird? Die Frauen in Ghana erzählen, dass manchmal Neid und Missgunst eine Rolle spielen. Teilweise werden die Frauen auch für Krankheiten, Epidemien, Unfälle, Dürren oder Todesfälle verantwortlich gemacht. Meist sind die Ankläger keine Unbekannten. Die Fotografin Christine Woehrl: O-TON 5 (2, Woehrl, 5.05) Oft sind es aber natürlich auch Familienmitglieder, die diese Frauen anklagen. (…) Also es ist ja oft auch ein Thema in der polygamen Gesellschaftsstruktur, dass natürlich eine Frau auch von einer Rivalin verstoßen wird oder sie eine Traumerscheinungen hat. SPRECHERIN Eine Frau aus dem Witch Camp erzählte Ann-Christine Woehrl zum Beispiel, dass die Zweitfrau ihres Mannes sie beschuldigt habe, für die Krankheit ihres Sohnes verantwortlich zu sein. Die erste Ehefrau wurde daraufhin als Hexe verstoßen und musste das Dorf verlassen. Die Zweitfrau aber stieg dadurch gesellschaftlich auf und wurde zur Hauptfrau. MUSIK: Dark figures 0‘47 SPRECHERIN In der ghanaischen Gesellschaft ist der Glaube an Hexen tief verankert. Die Frauen dienen als Sündenböcke für Probleme. Indem vermeintliche Hexen verstoßen und vertrieben werden, sollen Konflikte zum Beispiel im Dorf gelöst werden. Für die geächteten Außenseiterinnen können die Anschuldigungen fatale Folgen haben: 2020 machte in Ghana die Ermordung von Akua Denteh Schlagzeilen (Aussprache: https://www.youtube.com/watch?v=my8AQYLXyww Aussprache des Namens bei 00.10). Die als Hexe diffamierte 90-Jährige wurde auf der Straße erschlagen – eine Gruppe von Menschen beobachtete die Tat. Videos des Mordes landeten in den sozialen Medien. Dies veranlasste die Regierung dazu, gegen Hexenverfolgung und Hexenanklagen vorzugehen. Die beiden Haupttäterinnen wurden zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Inzwischen gibt es Bestrebungen, die Verfolgung von Hexen als Straftatbestand zu etablieren, sagt Stefan Eisenhofer, Kurator der Ausstellung im Museum Fünf Kontinente. Doch der Weg der ghanaischen Regierung dahin ist nicht einfach: O-TON 6 (4, Eisenhofer, 6.06) Wenn die sagen, wir folgen vielen Menschen der eigenen Bevölkerung, für die Hexerei eine soziale Realität ist und die das als integralen Bestandteil auch vom Gerechtigkeitsempfinden und Strafverfolgung sehen, damit kicken sich die afrikanischen Staaten sozusagen aus der Weltengemeinschaft der anderen Staaten aus. Wenn sie dann aber Hexerei für nicht existent betrachten, dann hat man zum Teil aus der eigenen Bevölkerung Gegenwind, weil die sagen: Ja, ihr folgt wieder europäischen, kolonial-zeitlichen Vorgaben und tretet auf afrikanischem Kulturerbe mit Füßen herum. MUSIK: Deserted and destroyed (reduziert) 0‘38 SPRECHERIN Es gibt afrikanische Länder, in denen die Kolonialgesetzgebung weiter besteht, die Hexerei schlicht als nicht existent betrachtet. Doch Gesetze helfen wenig, wenn es um Angst geht. Erfolgreicher sind zum Beispiel Ansätze von Pfingstkirchen, in denen der Heilige Geist eine große Rolle spielt. Viele der christlichen Gemeinschaften akzeptieren den Glauben an Hexerei, an die Macht des Bösen und die Kräfte des Teufels. Der Ethnologe Stefan Eisenhofer. O-TON 7 (Eisenhofer, 4, 16.02) Und sowohl die Menschen, die sich verhext fühlen, können Zuflucht finden in dieser christlichen Gemeinschaft als auch diejenigen, denen Hexerei vorgeworfen wird, weil dann sozusagen die göttliche Kraft diese Mächte überstrahlt und ja, in den Griff bekommt und aufhebt und ins Positive wenden kann. Also den größten Erfolg haben sozusagen nicht die, die so mit einer europäischen Aufklärungsidee ‚Jetzt müssen die Menschen mal besser gebildet werden, dann erledigt sich das von alleine‘… So einfach ist es offenbar nicht. Oft haben diejenigen größeren Erfolg, die sich so irgendwie in vertrauteren Argumentationsmustern bewegen. MUSIK: Foreboding fate 0‘45 SPRECHERIN In einigen Ländern wie zum Beispiel Kamerun gilt Hexerei als Tatbestand im Strafgesetzbuch. Hexen, die von Hexenfindern identifiziert werden, drohen langjährige Gefängnisstrafen. In Ghana versuchen Menschenrechtsorganisationen die Bevölkerung mit drastischen Plakaten wach zu rütteln. Es sind Zeichnungen von Frauen, die verfolgt oder geschlagen werden. Die Botschaft lautet: „Auch Du könntest an der Stelle dieser Frau sein“ oder „Das könnte auch deine Mutter sein.“ Ab und an gelingt es durch Verhandlungen mit Dorfgemeinschaften, dass Frauen aus den Witch Camps wieder zu ihren Familien zurückkehren können. Doch manche müssen erneut in das Witch Camp flüchten, weil sie neuen Anschuldigungen oder Verfolgungen ausgesetzt sind. Stefan Eisenhofer betont, dass der Glaube an Hexen in vielen Regionen unabhängig vom Bildungsniveau verbreitet ist. O-TON 8 (Eisenhofer, 4, 2.04) Ein anderer wichtiger Punkt ist für mich: Das ist kein Phänomen irgendwelcher rückständiger Gebiete ist (…), sondern dass Hexenglauben auch für viele großstädtische, gebildete Menschen einfach soziale Realität ist. Und das betrifft auch Diaspora-Kreise. Wenn wir jetzt zum Beispiel diese Bilder hier sehen, dann ist es für uns in Mitteleuropa sozialisierte Menschen, erwirkt das ja eher Mitleid, Sympathie, Empathie. Aber es gibt eben auch Menschen, die den Bildern vielleicht skeptischer gegenüberstehen und denken: Na ja, so ganz von ungefähr werden die schon nicht in diesem Hexenlager sein. Und das ist tatsächlich (…) für mich als Ethnologe immer so eine Gratwanderung, weil ich halt vor allem auch vermeiden will, mit dem mitteleuropäischen, urbanen, deutschen Zeigefinger zu zeigen: Wir haben wieder die Weisheit mit Löffeln gefressen. Und jetzt bringen wir dann mal ein bisschen Bildung und unsere Werte und unsere Weltsicht in andere Weltenteile und dann wird alles gut. MUSIK: Main title from The name oft he rose 1‘07 SPRECHERIN In Europa dauerte es lange, bis Hetzjagden auf vermeintliche Hexen ein Ende fanden. In Deutschland zum Beispiel wurde 1775 die letzte angebliche Hexe umgebracht, in der Schweiz 1782. In den Jahrhunderten zuvor wurden infolge der Inquisition – der kirchlichen Verfolgung – aber auch durch Urteile weltlicher Schöffengerichte Zehntausende Menschen – überwiegend Frauen - qualvoll getötet. Sie starben durch Folter, bei Hexenprüfungen oder auf dem Scheiterhaufen. MUSIK kurz hoch SPRECHERIN Die Kirche spielte in dem dunklen Kapitel der europäischen Geschichte eine wichtige Rolle: Der im 13. Jahrhundert lebende Kirchentheoretiker Thomas von Aquin ging davon aus, dass Hexerei wie die Tierverwandlung, Hexenflüge oder Unwetterzauber mit Hilfe des Teufels ausgeführt werden kann. Die römische Kurie ernannte Inquisitoren, die durch Bistümer zogen, um Hexenverfolgungen zu organisieren - so auch der Dominikanermönch Heinrich Kramer. Grundlage vieler Hexenprozesse war sein Werk, ein fast 700 Seiten umfassendes Buch mit dem Namen „Hexenhammer“. Das 1487 erschienene Buch diente als Anleitung zur Überführung und Verurteilung von vermeintlichen Hexen. Die Münchner Ethnologin Sarah Rafajlovic (Aussprache - "Hexen Sarah Rafajlovic iXm6127_00001" bei 0.28 Sek.): O-TON 10 (Sarah Rafajlovic, 8.03 /11.37) Der Hexenhammer liefert ein ganzes Spektrum an Dingen, wie man herausfinden kann, ob jemand eine Hexe ist. Da ist auch klar definiert, was Hexe bedeutet und Anweisungen für den Inquisitor sind vorhanden. / Er wurde alleine zwischen dem 16. und dem 17. Jahrhundert 16-mal neu aufgelegt. Das ist für eine Zeit, in der der Buchdruck und das Lesen noch gar nicht so verbreitet waren, richtig viel. Und das hat es auch ermöglicht, dass dieser Glaube zum Beispiel nach Nordamerika exportiert wurde und dass dort auch Hexenpogrome stattfinden konnten. MUSIK: Dark activities 0‘20 Atmo Pesttrommel 0‘15 SPRECHERIN Die Hexenverfolgung in Europa fiel in die sogenannte „kleine Eiszeit“, eine Kältewelle mit langen Wintern, schlechten Ernten und Hunger. Auch die Pest wütete. Ihren Höhepunkt erreichten die Hexenprozesse während des Dreißigjährigen Kriegs. Die Frauen dienten als Sündenböcke für Missernten, Schäden, Krankheiten und den Tod. Ihnen wurde vorgeworfen, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben und mit ihm zu buhlen. Überführt wurden sie unter anderem mit der sogenannten „peinlichen Befragung“, gemeint ist Folter, unter der die Beschuldigten Schadenzauber oder Tanzorgien mit dem Teufel gestanden und oft auch weitere Menschen als Hexen beschuldigten, die dann ebenfalls ermordet wurden. Manchmal dienten auch Muttermale dazu, um eine angebliche Hexe zu identifizieren – teilweise in Kombination mit der Nadelprobe, bei der in ein Muttermal gestochen wurde. Floss kein Blut, war die Verdächtige als Hexe entlarvt. Teilweise spielte aber auch nur die Form oder die Körperstelle, an der sich ein Muttermal befand, eine Rolle. Sarah Rafajlovic: O-TON 11 (Sarah Rafajlovic, 10.05) Das kann alles sein, das kann auch ein Leberfleck irgendwie in einer seltsamen Form am Rücken oder auf dem Hintern sein, was der Inquisitor quasi als solches definiert. Es gibt verschiedene Dinge, die durch den Hexenhammer als Zeichen einer Hexe gesehen wurden. MUSIK: Howling moon 0‘42 SPRECHERIN Eine andere Methode, um herauszufinden, ob es sich bei einer Frau um eine Hexe handelte, war die Wasserprobe. Dafür wurden die vermeintlichen Hexen in ein fließendes Gewässer geworfen, teilweise wurden Steine an sie gebunden. Gingen die Frauen unter, war ihre Seele rein, der Vorwurf falsch. Viele Frauen überlebten die Probe aber nicht und ertranken. Wenn die Frauen aber an der Oberfläche trieben, war für die Inquisitoren klar, dass sie mit übernatürlichen Mächten im Bunde standen – diese Frauen landeten auf dem Scheiterhaufen. Sarah Rafajlovic: O-TON 12 (Sarah Rafajlovic, 8.50) Man muss sich vorstellen, dass Frauen zu der Zeit mehrere Unterröcke auch anhatten, wo sich Luftpolster bilden konnten, was die logische, rationale Erklärung dafür ist, warum Frauen nicht untergegangen sind. Ich habe in meiner Forschung diese Wasserprobe auch in Südosteuropa gefunden, wo der Magieglaube ambivalent geprägt ist - also weder gut noch böse, sowohl schädlich als auch nützlich. Und da hat man diese Frauen an einem Seil ins Wasser geworfen und hat beide Frauen wieder rausgezogen und beide Frauen haben überlebt - mit dem Unterschied, dass diejenige, der der Hexereivorwurf gemacht wurde, der negativen Magie abschwören musste. Sie durfte aber weiterhin als Heilerin in die Gesellschaft tätig sein. MUSIK: Healing process 0‘42 SPRECHERIN Als die Schulmedizin in Serbien noch nicht etabliert war - hatten dort Heilerinnen die Funktion von Ärztinnen. Sie kannten sich mit Kräutern aus, wussten, welche Pflanzen bei verschiedenen Beschwerden helfen. Anders als in vielen europäischen Ländern schaffte es die orthodoxe Kirche nicht, die Heilerinnen als Hexen zu diffamieren, sagt Sarah Rafajlovic, die über Frauen, Magie und das Okkulte im post-sozialistischen Serbien promovierte. O-TON 13 (1, Rafajlovic, 20.54) Es gab nie ein so großes Erstarken der eigenen Kirche, dass diese Kirche das Bedürfnis gesehen hätte, das irgendwie (…) zu vertreiben. Im Gegenteil - die Regierung hat im 19. Jahrhundert proklamiert, dass Leute, die andere Leute als Hexen diffamieren, vor Gericht gestellt werden. (…) Und das hat dazu beigetragen, dass die traditionelle Magie immer noch vorhanden ist. SPRECHERIN Noch heute gibt es vor allem in ländlichen Regionen sogenannte Babas, denen magische Kräfte nachgesagt werden. Baba bedeutet Großmutter. Hilfesuchende finden die Frauen durch Mund zu Mund-Propaganda. Aufgesucht werden sie bei verschiedensten Problemen und Sorgen, sagt Sarah Rafajlovic: O-TON 14 (1, Sarah, 21.50) Auch wenn man glaubt, jemand hätte den bösen Blick über einen gebracht. (…) Der häufigste Grund sind Bettnässen bei Kindern zum Beispiel oder wenn ein Kind viel weint, oder wenn man Eheprobleme hat, dann ist das auch ein Anlaufpunkt oder auch Angst, also grundsätzlich Depressionen und Angstzustände. SPRECHERIN In serbischen Städten wiederum gibt es heutzutage Frauen, die sich selbst als Heilerinnen bezeichnen und die auf Basis der traditionellen Magie ein neues Magieverständnis entwickeln, oft angereichert durch esoterische Elemente. Einen ähnlichen Trend gibt es auch in Deutschland. Hier geben selbst ernannte Hexen zum Beispiel auf dem Videoportal TikTok ihr Wissen weiter. Sie posten kurze Clips mit Kerzen, Kristallen und Tarotkarten, erklären Rituale und Sprüche, die gegen Liebeskummer oder auch bei Geldproblemen helfen sollen. Die Frauen sehen sich als gute Hexen, die einen Missstand beheben und ein Problem zum Positiven wenden wollen. MUSIK: Die kleine Hexe 0‘38 SPRECHERIN Ende des 19. Jahrhunderts machte „Faust“ von Johann Wolfgang von Goethe die Walpurgisnacht populär. Faust und Mephisto machten sich in dem Werk auf den Weg zum Brocken und trafen unterwegs auf eine Hexe. Die Sagen rund um Hexen nutzt inzwischen der örtliche Tourismusverband. In der Nacht zum 1. Mai strömen viele Menschen – auch wenn sie nicht wirklich an Hexen glauben - auf den „Blocksberg“, den Brocken im Harz, um die Walpurgisnacht zu feiern. Mit Hilfe von gruseligen Masken und Feuern werden böse Geister vertrieben. Benannt ist die Walpurgisnacht übrigens nach der angelsächsischen Benediktinerin Walburga, die im 8. Jahrhundert nach Deutschland kam. Der 1. Mai ist der Tag ihrer Heiligsprechung – mit dem Hexenreigen hat die Ordensfrau nichts zu tun, vielmehr gilt sie als Schutzpatronin gegen schlechte Ernten, Seuchen und böse Geister. MUSIK: Waldgebirge 0‘46 SPRECHERIN Das Bild von Hexen war auch lange nach dem Ende der Hexenverfolgung in Europa noch lange negativ geprägt. In vielen Märchen der Gebrüder Grimm, die im 18. Jahrhundert entstanden sind, kommt eine böse Hexe vor. In „Brüderchen und Schwesterchen“ ist zum Beispiel die böse Stiefmutter eine Hexe. Im „Froschkönig“ verwandelt eine Hexe einen Prinzen in einen hässlichen Frosch. Und in „Hänsel und Gretel“ sperrt die Hexe im dunklen Wald Hänsel in einen Käfig ein, weil sie ihn mästen und verspeisen möchte. Sarah Rafajlovic: O-TON 15 (1, Rafajlovic, 32.44) Das fußt immer noch auf der inquisitorischen Hexen-Vorstellung. Das habe ich so auch in der Sagen- oder Märchenwelt in Südosteuropa gefunden. Da gibt es eine Hexe, in Russland heißt die Baba Jaga, in Südosteuropa ist es die Baba Roga, die im Wald in einem Haus wohnt, das auf Hühnerbeinen steht, umzäunt von Menschen-Gebeinen und die quasi auch verirrte Wanderer verspeist oder ihr Unwesen im Wald treibt. MUSIK: Ein neuer Tag 0‘36 SPRECHERIN Es hat einige Zeit gedauert, bis Hexen in Geschichten auch gut sein konnten. Mit der „Kleinen Hexe“ im Kinderbuch von Otfried Preußler hat der Leser eher Mitleid, denn sie wird mit ihren 127 Jahren von den anderen, viel älteren Hexen nicht für voll genommen und ausgeschlossen. Auch verbreitet sie keine böse, schwarze Magie, sondern hilft armen Frauen, die im Wald Klaubholz sammeln, rettet einen Ochsen vor dem Schlachter und lässt an Fastnacht zur Freude der Kinder Krapfen regnen. Sarah Rafajlovic: O-TON NEU 16 (1, Sarah, 33.25) Es hat sich riesig was verändert, wenn wir gerade Harry Potter anschauen und dann die Entwicklung (…) wie 80er und 90er-Jahre, (…) was so für ‚Coming of age‘ steht, (…) Übergang von der Kindheit und Pubertät, der auch so ein bisschen magisch konnotiert ist, (…) wo das Thema ganz gut passt. Aber das ist (…) nur dadurch möglich, dass dieses Bild romantisiert wurde und dann auch in den 70er und 80er-Jahren positiv umgedeutet wurde. MUSIK: Dark vision 0‘39 SPRECHERIN Der Glaube an Hexen, Zauberer und Zwischenwesen zieht sich durch alle Kulturkreise und Zeiten. Er prägt Sagen und Erzählungen, oft aber auch den Alltag vieler Menschen, für die Hexen real sind. Der Glaube an Hexen lässt sich nicht einfach verbieten. Denn selbst wenn es entsprechende Gesetze gibt - die Angst von dunklen Mächten ist in vielen Kulturen dennoch tief verwurzelt.

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