Die Wiener Sezession - Der Kunst ihre Freiheit
08.10.2024 · 25 Min.
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Um 1900 suchen die Wiener Sezessionisten, allen voran Gustav Klimt, Anschluss an die europäische Avantgarde in der bildenden Kunst. Sie rebellieren gegen den rückwärtsgewandten Kunstgeschmack der etablierten Kunstinstitutionen und geben sich ein provokantes Motto: der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit. Von Brigitte Kohn
Credits
Autorin dieser Folge: Brigitte Kohn
Regie: Sabine Kienhöfer
Es sprachen: Katja Amberger, Andreas Neumann
Technik: Simon Lobenhofer
Redaktion: Karin Becker
Im Interview:
Dr. Mona Horncastle, Kunsthistorikerin, Kuratorin, Autorin, Klimt-Biographin
Dr. Thomas Moser, Kunsthistoriker, technische Universität Wien
Margaret Stonborough-Wittgenstein - Mit Geld und Moral JETZT ENTDECKEN
Jugendstil - Natur als Kunst, Schönheit und Revolte JETZT ENTDECKEN
Gustav Klimt - Der Wiener Maler und der Kuss JETZT ENTDECKEN
Die Wiener Werkstätte und die Frauen JETZT ENTDECKEN
Literatur:
Horncastle, Monika, Weidinger, Alfred: Gustav Klimt. Die Biografie. Brandstätter Verlag Wien 2018. Gut lesbare, spannende Biografie über den Jahrhundertkünstler und die Wiener Kunstszene seiner Zeit.
Schulze, Sabine (Hrsg.): Sehnsucht nach Glück. Wiens Aufbruch in die Moderne. Klimt, Kokoschka, Schiele: Verlag Gernd Hatje 1997. Abbildungen, Bildinterpretationen, Essays zu einzelnen Künstlern, Motiven und europäischen Beziehungen der Sezession.
Moser, Thomas: Körper und Objekte. Kraft- und Berührungserfahrungen in Kunst und Wissenschaft um 1900. Dissertation, Fink Verlag München 2022. Wissenschaftliche Arbeit über europäische Kunst um 1900 und die Querverbindungen zwischen Kunst und Wissenschaft. Theoretischer Zugang: sinnesphysiologische Wahrnehmung, Tastsinn
Wunberg, Gotthart: Die Wiener Moderne. Literatur, Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910. Stuttgart Reclam 1981. Originaltexte der Literaten, Philosophen, Psychologen und sezessionsfreundlichen Publizisten (z. B. Hermann Bahr) der Wiener Moderne mit Einführung und Erläuterungen.
Vergo,Peter: Kunst in Wien Klimt-Kokoschka-Schiele. 1898 – 1918. Edel books Neumühlen o. J. Bildband mit viel Text über die im Untertitel genannten Künstler und andere Künstler der Wiener Sezession, inklusive der Architekten und der Wiener Werkstätte
Linktipps: Internetseite von Gesprächspartnerin Dr. Mona Horncastle HIERInternetseite von Gesprächspartner Dr. Thomas Moser HIER
Internetseite zur Ausstellung über die Sezessionen in Wien, München, Berlin HIER
Internetseite Leopold-Museum Wien 1900 HIER
Internetseite Wiener Secession heute HIER
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Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:
ZITATOR BAHR:
„In Europa weiß man von Wien, dass dort immer Sonntag ist, immer am Herd sich der Spieß dreht …, dass es „halt“ die Stadt der Backhendel, der feschen Fiaker und der weltberühmten Gemütlichkeit ist.“
ERZÄHLERIN:
Der österreichische Schriftsteller Hermann Bahr hasst Wien und liebt es zugleich, wie viele seiner fortschrittlichen Zeitgenossen. Am Ende des 19. Jahrhunderts ist die Hauptstadt der österreich-ungarischen Doppelmonarchie einerseits so konservativ-katholisch geprägt wie eh und je und andererseits ein weithin ausstrahlender intellektueller Brennpunkt.
Musik: For Alban Berg 0‘27
Die Wiener Moderne formiert sich. Literaten, bildende Künstler, Musiker und Wissenschaftler treffen sich in den Caféhäusern und führen intensive Debatten. Die Industrialisierung und der Aufschwung von Technik und Naturwissenschaft verändern das Leben und Denken, soziale Reformideen breiten sich aus, und rivalisierende politische Ideologien bekämpfen sich. Sigmund Freud entwickelt in Wien die Psychoanalyse, die auch die Künstler stark beeinflusst: Auch sie wenden sich nun verstärkt dem individuellen inneren Erleben zu. Derweil erbaut die Stadt Wien ihre berühmte Ringstraße ganz im repräsentativen Stil des Historismus. Ein Prachtbau nach dem anderen erinnert entweder an die Antike, die Gotik oder die Renaissance, nur nicht an die Gegenwart. Das stört den Publizisten Hermann Bahr.
Musik: Stück für Klavier h-Moll 0‘25
ZITATOR BAHR:
„Wir sind keine barocken Menschen, wir leben nicht in der Renaissance, warum wollen wir so tun? Das Leben ist anders geworden, (…) da muss auch das Bauen der Menschen anders werden, ihrem neuen Sinn und ihrem neuen Tun gemäß.“
ERZÄHLERIN:
Nicht nur das Bauen, alle Kunst muss anders werden. Aber in den konservativen Wiener Kunstakademien und Künstlervereinigungen schottet man sich ab gegen die europäische Avantgarde, sehr zum Verdruss der jungen Künstlergeneration, die weltoffen sein und gleichzeitig die Eigenheit des Vielvölkerstaates Österreich in die internationale Kunstszene einbringen will. Die Spannungen entladen sich im Jahr 1894 in einem Kunstskandal, wie Wien ihn noch nie erlebt hat. Der aufstrebende Dekorationsmaler Gustav Klimt soll die Aula der neuen Universität mit Allegorien auf die Philosophie, Theologie, Jurisprudenz und Medizin ausstatten. Klimt aber entfernt sich beim Malen seiner Fakultätsbilder stark von den Vorstellungen der Honoratioren; er malt im Stil des modernen Symbolismus. Man sieht einen Totenschädel im Bild der Medizin und einen nackten, alten, verzweifelt grübelnden Mann, umgeben von nackten, verführerischen Frauengestalten, im Bild der Philosophie: Eros und Tod kennzeichnen die Begrenztheit des menschlichen Strebens nach Wissen. Das missfällt den ehrengeachteten Professoren fast noch mehr als Klimts unkonventioneller Umgang mit Nacktheit. Bei ihm sieht man sehr viele lüsterne Blicke und bisweilen sogar das Schamhaar!
Ein Proteststurm bricht los und fegt durch die ganze Stadt. Die Professoren sehen die Moral der studierenden Jugend gefährdet, sagt die Kunsthistorikerin und Klimt-Biographin Mona Horncastle.
01 O-TON DR. MONA HORNCASTLE
Die möchten, dass er Dinge nachbessert, letztendlich zensieren sie ihn. Und Klimt ist erbost. Er rückt die Bilder auch gar nicht raus, zahlt sein Honorar zurück. Und in der Folge nimmt er nie wieder einen Staatsauftrag an.
Musik: Erinnerung für Klavier 1‘09
ERZÄHLERIN:
Es gibt neben Klimt viele weitere Künstler in Wien, deren Schaffen von den damals modernen Kunstrichtungen geprägt ist. Oft sind sie auf mehreren Gebieten gleichzeitig tätig. Klimts enger Freund Carl Moll malt hauptsächlich Landschaften und Stillleben im Stil des Impressionismus, er ist zugleich ein Meister des Holzfarbschnitts und betätigt sich auch als Kunstschriftsteller. Ernst Stöhr ist Maler, aber auch ein anerkannter Musiker und Dichter. Die Künste zueinander in Beziehung setzen, das wollen alle, die sich am 3. April 1897 in der „Vereinigung der bildenden Künstler Österreichs“, kurz Wiener Secession genannt, zusammenschließen. Neben den bereits Genannten entschließen sich unter anderen auch der von Naturalismus und Realismus geprägte Maler Josef Engelhart, die Architekten Joseph Maria Olbrich, Otto Wagner und Josef Hoffmann und der Kunstgewerbler Koloman Moser für eine Mitgliedschaft.
Die Bauten der sezessionistischen Architekten und Stadtplaner prägen Wien bis heute. Sie umfassen ein breites Spektrum, darunter Heil- und Pflegeanstalten, Villen, Kirchen und Wohnhäuser. Es werden häufig radikal neue Materialien wie Beton, Glas und Eisen verwendet, die widerstandsfähig gegen Umweltverschmutzung und Witterungseinflüsse sind und dem wachsenden Hygienebewusstsein der Moderne Rechnung tragen. Die glasierten Platten an Otto Wagners Majolikahaus sind noch dazu, typisch für den Jugendstil, mit farbenprächtigen floralen Motiven verziert.
Musik: Erinnerung für Klavier 0‘45
ERZÄHLERIN
Aber die künstlerisch überragende Größe unter den Sezessionisten ist Gustav Klimt, und er ist auch der erste Präsident der Sezession. Sezession bedeutet Abspaltung; gemeint ist die Abspaltung von etablierten künstlerischen Traditionen und Institutionen wie den Kunstakademien der Zeit. Sezessionen gibt es auch in München und etwas später auch in Berlin. Die Wiener verzichten auf ein Programm. Jeder Künstler geht seine eigenen Wege und knüpft Kontakte zu unterschiedlichen Kollegen in anderen europäischen Ländern, um sie zur Teilnahme an den geplanten Ausstellungen zu bewegen, sagt der Kunsthistoriker Thomas Moser von der Technischen Universität Wien:
02 O-TON DR. THOMAS MOSER:
Diese sehr starke Vernetzung hat auch zu einem Stilpluralismus geführt. Ein Nebeneinander von sehr unterschiedlichen Stilen hat sich auch in der Sezession niedergeschlagen. Es ist eine sehr vielstimmige Bewegung.
Musik: 2. Satz Tempo di Menuetto 0‘31
ERZÄHLERIN:
Die Zeitschrift der Wiener Sezessionisten, die im Januar 1898 zum ersten Mal erscheint, heißt „Ver sacrum“, übersetzt „heiliger Frühling“. Sie ist graphisch sehr aufwändig im Jugendstil gestaltet: geschwungene Linien, florale Formen. Das Titelblatt schmückt ein Bäumchen, dessen Wurzeln den Pflanztrog sprengen.
03 O-TON DR. THOMAS MOSER:
Der Jugendstil leitet sich sprachlich ab von der Zeitschrift „Die Jugend“, die in München verlegt worden ist. Letzten Endes muss man sagen, dass der Jugendstil eine Art Sammelbegriff ist, in Frankreich sind dann andere Begriffe, eben „Art Nouveau“, die neue Kunst, eher üblich. In Spanien ist es der „Modernismo“, in Italien der „Stile Liberti“.
ERZÄHLERIN:
Ver Sacrum stellt Verbindungslinien zwischen bildender Kunst, Literatur und Musik her. Sie versteht sich als Gesamtkunstwerk und propagiert diese Idee: Alle Künste sollen zusammenwirken, damit sich die von Industrialisierung, von ethnischen Spannungen im Vielvölkerstaat und Umbrüchen im sozialen Gefüge getriebene Epoche positiv in ihnen spiegeln und einer erlösten Zukunft zustreben kann.
04 O-TON DR. MONA HORNCASTLE:
Die Sezessionisten wollten nicht schockieren, sondern sie haben sehr stark auf Vermittlung gesetzt, weil sie die Kunst in den Alltag der Menschen bringen wollten. Die Sezessionisten hatten eine Mission und haben daran geglaubt, dass Kunst politisch ist. Weil sie das Leben ästhetisiert oder verfeinert, wie man damals gesagt hat, und damit das Wertesystem der Gesellschaft. Das hehre Ziel der Sezessionisten war also nichts Geringeres als Weltrettung durch Kunst.
Musik: Poem für Klavier 0‘28
ERZÄHLERIN:
1898 organisieren die Sezessionisten die erste Ausstellung, in den Räumen der Wiener Gartenbaugesellschaft.
Gezeigt werden vor allem Werke ausländischer Künstler, die die Wiener noch nie gesehen haben. Die Räume sind kostbar ausgestattet. Jedes Bild kommt gut zur Geltung und korrespondiert mit seiner Umgebung; diese Sorgfalt ist etwas ganz Neues in dieser Zeit. Die Wiener, die in Scharen herbeiströmen, nehmen ein ganzheitliches ästhetisches Erlebnis mit nach Hause. Selbst Kaiser Franz Joseph lässt sich empfangen, kauft aber nichts, hält also Distanz. Doch viele reiche Wiener Bürger wollen die Bilder haben, und anschließend ist genug Geld in der Kasse, um ein eigenes Ausstellungsgebäude in der Nähe des Karlsplatzes zu bauen.
05 O-TON DR.THOMAS MOSER:
Zunächst ist aber geplant gewesen, den Bau für die Sezession am Opernring noch prestigeträchtiger zu platzieren. Das hat allerdings sowohl im Gemeinderat als auch im Kriegsministerium, das wäre gegenüber gewesen und war Besitzer des Baugrunds, zu heftigen Diskussionen geführt. Das Kriegsministerium hat befürchtet, dass seine Ländereien durch die vermeintlich modernistische Verschandelung an Wert verlieren würden, und enorme Preise aufgerufen, so dass als Kompromiss ein anderer Ort gefunden worden ist.
ERZÄHLERIN:
Der Sezessionsbau gilt mit seinen kubischen Formen und seiner auffälligen Kuppel aus vergoldeten schmiedeeisernen Lorbeerblättern
als programmatische Absage an den Historismus und als Paradebeispiel für den Jugendstil in der Architektur. Er ist in moderner Weise zweckgebunden, widersteht aber mit seinem reichen Dekor und den edlen Materialien der funktionalen Nüchternheit des Industriezeitalters. Unterhalb der Kuppel prangt das Motto der Wiener Sezession in goldenen Buchstaben.
ZITATOR:
Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit.
Musik: Ode an die Freude 0‘49
ERZÄHLERIN:
Im Jahre 1902, anlässlich der 14. Ausstellung, bekommt die Öffentlichkeit Klimts Beethovenfries zu sehen, der noch heute im Sezessionsgebäude betrachtet werden kann.
07 O-TON DR. MONA HORNCASTLE:
Beethoven um 1900 – das war ein Superstar. Klimt malt sich an seinem Fries an der 9. Sinfonie entlang. Die hat Richard Wagner als Erster als Gesamtkunstwerk bezeichnet. Das verarbeitet Klimt, und natürlich verarbeitet er auch Schillers Ode an die Freude. Die ist bei ihm im Bild aber nicht nur ein Triumphgesang, sondern das war Beethovens Gassenhauer zu der Zeit. Die Melodie hatte echt jeder im Ohr. Und so hat es Klimt geschafft, ein synästhetisches Gesamtkunstwerk zu schaffen in seinem Fries, und da packt er dann noch ganz viel Zeitgeist rein, weil: Was Klimt da malt, das ist musikalisch, das ist eine kultische Verehrung Beethovens als Genie, und das ist ein existentieller Fiebertraum.
ERZÄHLERIN:
Der Fries, eine zusammenhängende Bilderfolge, zeigt den Menschen, so schildert es Klimts Biografin Mona Horncastle, in seinem Ringen mit Krankheit, Wahnsinn und Tod, mit seiner Sehnsucht nach Glück und Erfüllung, und alles strebt auf das eine triumphale Ziel hin: Freude schöner Götterfunken, die Ode an die Freude. Zwischendrin zeigt auch ein Affe seine Zähne. Möglicherweise erinnert er an die Macht der sexuellen Triebe, die Sigmund Freud aus der Tabuzone geholt hat, möglicherweise auch an Darwins Evolutionstheorie, die im 19. Jahrhundert das Menschenbild und das Naturverhältnis revolutioniert. Die konservativen Wiener Bürger wollen aber durchaus nicht vom Affen abstammen und ärgern sich auch und zum wiederholten Male über Klimts nackte Frauen, weil diese eben nicht so züchtig aussehen wie die nackten Liebesgöttinnen der Kunstgeschichte.
Die Wiener hätten sich mit Klimts nackten Frauen vielleicht ganz gern arrangiert, wenn er sie ausschließlich im Glanz der Jugend dargestellt hätte …
09 O-TON DR. MONA HORNCASTLE:
Aber Klimt zeigt sie eben in allen Lebensphasen. Er zeigt sie jung und alt und schwanger und krank und gebrechlich. Das macht er in seinen symbolistischen Gemälden wie eben auch in dem Beethovenfries immer, weil er das Leben nicht beschönigen möchte und weil das ganz existentiell ist für sein Verständnis des Gesamtkunstwerkes. Na ja, was seine Kritiker aber sehen, ist vor allem das Skandalöse.
ERZÄHLERIN:
Dabei kann Klimt noch ganz anders. Seine Aktzeichnungen hält er zu Lebzeiten sorgfältig unter Verschluss. Mit Frauen, die sich selbst befriedigen, wäre die Öffentlichkeit heillos überfordert gewesen. Es reicht schon, dass Klimt niemals heiratet, aber Liebesverhältnisse mit einigen seiner Modelle unterhält und einige uneheliche Kinder hat.
10 O-TON HORNCASTLE:
Klimt legt diese Zeichnungen immer als Serie an, mit bis zu 15 Blättern, und auf diesen Blättern sehen wir alle Stadien der weiblichen Selbstliebe. Klimt setzt in ihnen der Lust der Frau ein Denkmal und gesteht den Frauen zu, was seine Geschlechtsgenossen ihnen absprechen. Nämlich sexuelle Selbstbestimmung und damit Macht.
Musik: 4. Satz Adagietto 0‘51
ERZÄHLERIN:
Klimt setzt die Frauen auch in seiner Porträtkunst machtvoll in Szene, allerdings ganz anders. Vom Körper sind nur Gesicht und Hände sichtbar, der Rest verschwindet unter ornamentreichen Gewändern, die, flächig gestaltet, mit dem ebenso ornamental gestalteten Hintergrund verschmelzen. Betrachtet man Gesicht und Hände, so findet man einen Zugang zum Seelenleben der dargestellten Frau, man kann sich ihren einzigartigen Charakter vorstellen; während die prachtvolle Ornamentik die allgemeine kulturelle Bedeutung von Weiblichkeit für das Kunstschaffen in Szene setzt und den repräsentativen Charakter des Gemäldes betont.
Diese Porträts sind regelmäßiger Teil der Ausstellungen und Klimts Haupteinnahmequelle. Die Auftraggeber stammen meist aus dem jüdischen Großbürgertum. Natürlich sind nicht alle Wiener Juden reich, es strömen auch zahllose bitterarme Juden gerade aus dem Osten in die Hauptstadt des Kaiserreiches; aber wenn sie reich und gebildet sind, so haben sie oft einen unkonventionelleren Kunstgeschmack, als das katholische Bürgertum, und unterstützen vor allem Klimt, aber auch andere Sezessionisten großzügig mit Aufträgen und ihrer Sammlertätigkeit. Klimt kann sich seine Kunden aussuchen.
12 O-TON DR. MONA HORNCASTLE:
Wenn ihn eine Frau ihn nicht interessiert, dann porträtiert er sie nicht. Das war übrigens nicht ganz günstig. Ein Porträt von Klimt hat so ungefähr 10 000 Kronen gekostet, das entspricht knapp siebzigtausend Euro.
MUSIK: 4 Stücke für Klarinette und Klavier, Nr.3 sehr rasch 0‘38
ERZÄHLERIN:
Um 1900 gibt es Spannungen im Geschlechterverhältnis, denn immer mehr Frauen wollen sich der männlichen Dominanz entziehen und auf eigenen Beinen stehen. Warum wendet die Frau in Klimts berühmtem Bild „Der Kuss“ ihr Gesicht ab und bietet dem Mann nur die Wange dar? Hält sie die Hand des Mannes auf ihrer Schulter fest, um ihn von gewagteren Erkundungen abzuhalten? Will sie Abhängigkeit vermeiden, ihre Souveränität behaupten, bei aller im wörtlichen Sinne kniefälligen Hingabe an den bewunderten Geliebten? Manche Experten erkennen im Antlitz der Frau Klimts enge Gefährtin Emilie Flöge, die als selbstständige Designerin arbeitet. Unter anderem entwirft sie locker fallende, modern gemusterte Reformkleider, um die Frauen von Korsett und Mieder zu befreien, sagt Mona Horncastle.
13 O-TON MONA HORNCASTLE
Die beiden, die Starken, als Liebespaar, haben eine Affäre. Die beendet Emilie aber, weil Klimt notorisch untreu ist. Aber sie bleiben, trotz allem, enge Vertraute, und sie teilen sich auch ihre Auftraggeberinnen. Ihr Atelier lässt sich Emilie Flöge übrigens von der Wiener Werkstätte einrichten, und wenn man eine Tapete der Wiener Werkstätte mit einem Stoffmuster von Emilie Flöge vergleicht, dann sieht man sofort die geistige und auch die ästhetische Nähe.
ERZÄHLERIN:
1903 wird diese Wiener Werkstätte im Umfeld der Sezession gegründet. Sie verbindet die elaborierten Techniken des traditionsreichen österreichischen Kunsthandwerks mit dem Formenreichtum des neuen Jugendstildesigns. Ausgewählte Arbeiten wie zum Beispiel Möbelstücke werden regelmäßig auch auf den Ausstellungen gezeigt. Schließlich hat schon die erste Ausgabe der Zeitschrift Ver sacrum ihren Lesern versprochen, dass die Kunst auch den Alltag der Menschen erhellen solle:
Musik: Sonate für Klavier op 1 0‘32
ZITATOR VER SACRUM:
„Wenn du keine Bilder magst, so wollen wir dir deine Wände mit herrlichen Tapeten schmücken. … Oder willst du ein köstliches Geschmeide, ein seltsam Gewebe, um dein Weib oder deine Geliebte damit zu schmücken? … Wir wollen dir beweisen, dass du eine neue Welt kennen lernst, dass du ein Mitdenker und ein Mitbesitzer von Dingen bist, deren Schönheit du nicht ahnst, deren Süße du noch nie gekostet hast!"
ERZÄHLERIN:
Einer der Gründer der Wiener Werkstätte ist der äußerst vielseitig begabte Koloman Moser, der als Graphiker, Ausstellungsgestalter und Möbel- und Stoffdesigner arbeitet. Moser bereichert den hauptsächlich floral geprägten Wiener Jugendstil um geometrische Formen und lässt sich auch von japanischer Kunst inspirieren. Die Produkte der Wiener Werkstätte sind meist kostbar und teuer.
14 O-TON DR. THOMAS MOSER:
Grundsätzlich ist es so, dass die Idee des Gesamtkunstwerks, die Verschränkung zwischen Kunst und Leben, bis heute ein wichtiges künstlerisches Thema geblieben ist. Man muss aber schon feststellen, dass das Vorhaben, Kunst zu demokratisieren, letztlich als gescheitert zu bewerten ist, weil es sich eben doch um Elitenphänomene gehandelt hat.
ERZÄHLERIN:
Bald werfen große Fabrikanten preiswerte Kopien auf den Markt, und der Jugendstil wird zur Modeerscheinung. Der wachsende Erfolg und die unvermeidliche Kommerzialisierung führen dazu, dass unterschiedliche Kunstauffassungen innerhalb der Künstlervereinigung nicht mehr wie früher integriert werden können, sondern zu heftigen Streitigkeiten führen. Soll man das Kunstgewerbe nicht lieber lassen und sich ganz auf die Malerei konzentrieren, soll man Klimts innovativem Wagemut folgen oder sich doch mehr auf impressionistische und naturalistische Malweisen konzentrieren, die zu dieser Zeit für viele Mitglieder modern genug waren? Vor allem Josef Engelhart, ein damals berühmter Maler und einflussreich im Kreis der Sezessionisten, opponiert gegen Klimts Hang zu Ornament, Ästhetizismus und Abstraktion, und seine Anhänger stimmen ihm zu. Fronten bilden sich, und schließlich treten Gustav Klimt, Koloman Moser, Carl Moll und andere aus der Sezession aus. Diese besteht, mit Unterbrechung durch ein Verbot durch die Nationalsozialisten, bis heute fort und widmet sich der Förderung avantgardistischer Kunst der Gegenwart. Noch heute betont sie ihre Unabhängigkeit, genau wie ihre fest in den Kanon der Kunstgeschichte eingegangenen Gründerväter um 1900. Thomas Moser sagt,
15 O-TON THOMAS MOSER:
„… dass die Sezession als Teil einer sehr viel größeren, auch länger andauernden gesamteuropäischen Entwicklung zu verstehen ist, die Kritik an den etablierten Einrichtungen des Kunstbetriebs geübt hat und eine vehemente Kritik am Kunstmarkt. Das wäre später, soweit kann man sich vielleicht aus dem Fenster lehnen, nicht denkbar gewesen, hätten nicht unter anderem die Wiener Sezessionisten diese Pionierarbeit geleistet.
Musik: Abend auf dem Lande für Klavier 1‘09
ERZÄHLERIN:
Nach 1905 haben die verbliebenen Sezessionisten mit dem Problem zu kämpfen, dass nicht sie selbst, sondern die Abtrünnigen um Klimt die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Klimts Ruhm strahlt inzwischen so hell, dass er keine Gruppe mehr braucht. Klimt ist es auch, der die nachfolgende Künstlergeneration großzügig fördert, Egon Schiele und Oskar Kokoschka vor allem. Ohne das große Vorbild Klimt ist Egon Schieles Werk nicht zu denken, wenn auch Schieles Erkundung von Körper und Seele des verstörten modernen Menschen mit allem Ornamentalen bricht und viel radikaler wirkt. Dazu mag auch der 1. Weltkrieg beigetragen haben, der das Vertrauen in das große Versprechen der sezessionistischen Kunst, die Welt zu einem schöneren und besseren Ort zu machen, nachhaltig erschüttert hat. Der Expressionismus bricht sich Bahn – und mit ihm wird ein neues Kapitel der Kunstgeschichte aufgeschlagen.
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09.10.2024 · 23 Min.
Die Landschaft der Hallertau wird geprägt von Hopfengärten mit ihren acht Meter hohen Rankgerüsten. Es ist vielen Innovationen und dem technischen Geschick der Hopfenbauern zu verdanken, dass die Hallertau heute das größte Hopfenanbaugebiet der Welt ist. Von Renate Ell Credits Autorin dieser Folge: Renate Ell Regie: Anja Scheifinger Es sprachen: Caroline Ebner, Frank Heilbach Redaktion: Thomas Morawetz Im Interview: Dr. Christoph Pinzl, Direktor des Deutschen Hopfenmuseums, Wolnzach Walter König, Geschäftsführer des Bayeri-schen Brauerbundes und der Gesellschaft für Hopfenforschung Hans Schreier, Hopfenpflanzer, Pfaffenhofen an der Ilm Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Wein in Altbayern - Eine fast verschwundene Tradition HIER Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Linktipps: Hopfen aus der Hallertau - Film von 1964 in der ARD-Mediathek (alpha retro) Bitterstoff - Blog des Deutschen Hopfenmuseums in Wolnzach Publikationen des Deutschen Hopfenmuseums, u.a. "Die Hopfenregion. Hopfenanbau in der Hallertau - Eine Kulturgeschichte" von Christoph Pinzl Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: ERZÄHLERIN So ein Hopfengerüst ist ein massives Bauwerk: Viele mächtige Holzsäulen. In sieben Metern Höhe: waagerechte Drähte. Und von dort nach unten: senkrechte Drähte, um die sich die Hopfenranken winden. Sie sprießen jedes Jahr aufs Neue aus ihren Wurzelstöcken, die bis zu 50 Jahre alt werden. Im zeitigen Frühjahr hat der Hopfenpflanzer Hans Schreier in Pfaffenhofen an der Ilm die Wurzelstöcke beschnitten, um das Wachstum anzuregen. Und dann geht es ganz schnell. (1. ZUSP.) HANS SCHREIER In dem Augenblick, wo wir Temperaturen um die 20 Grad oder auch 25 Grad bekommen, dann kann der ganz viel und teilweise pro Tag 20, 30 Zentimeter Wachstum vorlegen, und dann hast Du innerhalb weniger Tage eine Pflanze, die dann eigentlich unbedingt Hilfe braucht – das sind dann mehrere Triebe, die man dann an die Drähte anleitet. ERZÄHLERIN Deshalb gehen im April Helferinnen und Helfer von Pflanze zu Pflanze und winden ausgewählte Ranken um die Drähte. (2. ZUSP.) HANS SCHREIER Wenn man das versäumt, oder das Personal nicht zur Verfügung steht, dann hat man Mehrarbeit, weil er dann eigentlich schon zu weit ist, und dann muss man das mit viel mehr Aufwand bewältigen. ERZÄHLERIN Auch heute verlangt der Hopfen noch viel Handarbeit. Bis Maschinen wenigstens die schwersten Arbeiten übernehmen, bis Drahtgerüste die Hallertauer Landschaft prägen: Das ist eine Geschichte von Krisen und Innovationen. MUSIK ELECTROCHEMICAL (LÄNGE: 0´28´´) UNTER: ERZÄHLERIN Seit Bier gebraut wird, braucht man dafür Hopfen – zunächst vor allem um es frisch zu halten, denn Hopfen wirkt anti-bakteriell. Und seit dem Reinheitsgebot von 1516 ist Hopfen auch das einzig erlaubte Gewürz. Ursprünglich wird Hopfen praktisch überall auf kleinen Flächen für den lokalen Brauerei-Bedarf angebaut, sagt Christoph Pinzl, Direktor des Deutschen Hopfenmuseums in Wolnzach. (3. ZUSP.) CHRISTOPH PINZL Es gibt ein paar so Inseln, die etwas mehr machen, ein bisschen über-regionaler arbeiten, die Hallertau ist bis ins achtzehnte Jahrhundert auf alle Fälle kein Hopfenanbaugebiet. Es gibt Hopfen, vielleicht gibt es auch ein bisschen mehr als anderswo, aber als Anbaugebiet, da wäre ich sehr vorsichtig. MUSIK M MASSIVE_1193_008_THE TICK-TOCK OF TIME_LARS KURZ (LÄNGE: 0´42´´) UNTER: ERZÄHLERIN Im 19. Jahrhundert ändert sich Entscheidendes. Der kleinräumige Anbau für den lokalen Bedarf war das Metier von Großgrundbesitzern und dem Bürgertum, ein Nebenverdienst für Ärzte und Lehrer. Einfache Bauern hingegen sind zur so genannten Dreifelderwirtschaft verpflichtet, dem Wechsel einjähriger Kulturen auf den Äckern – die sie auch nur gepachtet haben. Erst als sie ab etwa Mitte des 19. Jahrhunderts ihren eigenen Grund nach eigenen Plänen bewirtschaften können, wird der Hopfen für sie interessant. Weil sie ohne den Zwang der Dreifelderwirtschaft eine mehrjährige Kultur anbauen können. Und weil sie selbst Zugang zum Markt bekommen. [[(4. ZUSP.) CHRISTOPH PINZL Hopfen esse ich nicht selber auf. Das bringt mir direkt gar nichts, ich brauche einen Markt, und diesen Markt muss ich beliefern dürfen, so wie ich das meine.]] M MASSIVE_1193_006_THE TICK-TOCK OF TIME_LARS KURZ (LÄNGE: 0´55´´) UNTER: ERZÄHLERIN Der Markt ist da: Die Bevölkerung nimmt zu, in Bayern von 1816 bis 1870 um mehr als ein Drittel. Und immer mehr Menschen wollen Bier trinken. Damit ist der Weg geebnet für den lukrativen, großflächigen Anbau. Aber kaum kommt der in Schwung, gibt es auch schon die erste Krise: Hölzerne Hopfenstangen, die ursprüngliche Rankhilfe, werden knapp und entsprechend teuer. Zwar gibt es schon lange Ideen für Gerüste mit Schnur oder Draht als Rankhilfe. Aber die Bauern sind zunächst skeptisch gegenüber diesen Experimenten von Großgrundbesitzern und Gelehrten. Die Hallertauer Hopfenbauern entwickeln lieber ihr eigenes, so genanntes Bock-Gerüst. Dafür brauchen sie zwar auch viel Holz. Die nötigen Bauteile können sie aber, anders als die extralangen Hopfenstangen, aus dem eigenen Wald holen und selbst zusammennageln. Statt teure Baumaterialien einzukaufen. (5. ZUSP.) CHRISTOPH PINZL Eigentlich zwar schon ein modernes Gerüst, auf der anderen Seite relativ unpraktisch, weil es mit sehr viel Querstangen aufgebaut hat werden müssen, und gerade die alten Hopfenbauern haben mir immer beschrieben, wie gefährlich das auch war. ERZÄHLERIN Bauern stürzen beim Zusammenbau von der hohen Leiter, verletzen sich schwer, sogar tödlich. Querstangen fallen herunter und erschlagen Erntehelfer. (6. ZUSP.) CHRISTOPH PINZL Aber man hat so versucht, da den richtigen Durchschlupf zu finden. Man war modern, aber nicht ganz modern. Ich behauptet, das ist auch mit ein Geheim¬nis der Hallertau. So ein bissel diese Eigensinnigkeit, diese Eigenständigkeit schon bewahren, aber irgendwo merken: Ab einem gewissen Punkt muss ich jetzt mitmachen. [[ERZÄHLERIN TEILKÜRZUNGEN MÖGLICH, VORLETZTE KÜRZUNG Ein wichtiges Vorbild ist ein Hof, den eine englische Hopfen-Handelsfirma in den 1860er-Jahren kauft und dort mit modernsten Techniken arbeitet. (7. ZUSP.) CHRISTOPH PINZL Wir wissen auch, dass die Leute da in Scharen hin gepilgert sind und sich das anschauen. [[ERZÄHLERIN So stehen in der Hallertau bis 1930 überall Drahtgerüste. Fränkische Hopfenbauern verwenden noch in den 1950er-Jahren Hopfenstangen – ihr Anbaugebiet wird dann immer kleiner.]] MUSIK MASSIVE_1182_009_FORCED FLOATATION_MANUEL LOOS; LARS KURZ (LÄNGE: 1´03´´) UNTER: ERZÄHLERIN Parallel zu den Gerüsten werden auch die Werkzeuge nach und nach moderner. Vor allem das Frühjahr ist ursprünglich geprägt von schwerster Handarbeit. Erst befreit man die Hopfenstöcke mit einer primitiven „Hopfenhaue“ vom Frostschutz aus Erde – da werden Tonnenlasten bewegt. Auch von Frauen. Mit dem Aufkommen der Gerüste stehen die Stöcke weiter auseinander, und Hallertauer Schmiede entwickeln extra schmale Pflüge, sodass Ochsen oder Pferde die Last übernehmen können. Solche lokalen Innovationen sind im Hopfenbau die einzige Möglichkeit zur Modernisierung, denn der Markt dieser speziellen Kultur ist viel zu klein für überregionale Firmen. Manche Bauern tüfteln auch selbst, bauen sich eigene Werkzeuge, um sich ihre harte Arbeit zu erleichtern. Dem stehen aber nicht selten Traditionen entgegen. Davon erzählt einer der alten Hopfenbauern, geboren 1919, die Christoph Pinzl für sein Buch „Die Hopfenregion“ interviewt hat: M ZITATE: DRAMEDY EN MINIATURE (E) (LÄNGE: 0´40´´) UNTER: (8. ZUSP.) ZITATOR (Pinzl: Die Hopfenregion, S. 144) Die meisten Bauern haben gesagt, der Hopfenstock darf nicht geschnitten werden, der verblutet. Jetzt hast‘ alles mit den Händen auszupfen müssen. Da hast‘ arbeiten müssen wie ein Verrückter, damit du beim Ausputzen mitkommst. […] Hände haben wir gehabt wie von Teer. Kohlrabenschwarz. Das hat Monate gedauert, bis du das Zeug wieder weggebracht hast. […] Also, der Hopfenstock ist ja behandelt worden, als wie ein Diamant. ERZÄHLERIN Moderne Drahtanlagen, neue Geräte, bald auch erste, extra schmale Schlepper – der Hopfenanbau wird effizienter, und belegt immer mehr Fläche in der Hallertau. Es geht voran MUSIK SOFDU UNGA (LÄNGE: 0´30´´) UNTER: – und dann kommt die fast vernichtende Krise der 1920er-Jahre: Hopfenpflanzen verfärben sich rötlich, werden welk, sterben ab. Die Ursache ist ein Pilz namens „Peronospora“. Der Ertrag sinkt auf ein Viertel der üblichen Menge. Brauerbund und Hopfenhandels-Verband gründen 1926 in Wolnzach die Gesellschaft für Hopfenforschung; Walter König ist heute ihr Geschäftsführer. (9. ZUSP.) WALTER KÖNIG Die Gründung der Gesellschaft führt darauf zurück, dass die Brauwirtschaft, weil sie ans Reinheitsgebot gebunden ist, Angst hatte keinen Hopfen mehr zu bekommen. ERZÄHLERIN Man erprobt Gegenmaßnahmen und berät die Bauern, die jetzt erstmals mit Pflanzenschutzmitteln hantieren. (10. ZUSP.) WALTER KÖNIG [[Man damals, wenn man Bilder heute betrachtet von früher, überhaupt nicht auf Schutzmaßnahmen der Person geachtet,]] die sind da drin gestanden mit der kurzen Hose ohne Atem-Maske und haben zwar den Hopfen gespritzt, aber sich selber sicherlich auch mit geschädigt. ERZÄHLERIN Christoph Pinzl zitiert in seinem Buch die Erinnerung eines Hopfenbauern an die ersten Erfahrungen mit der Chemie: M ZITATE: DRAMEDY EN MINIATURE (E) (LÄNGE: 0´15´´) UNTER: (11. ZUSP.) ZITATOR (Pinzl: Die Hopfenregion, S. 160) Gespritzt hat man mit Kupferkalk Wacker und mit Kupfervitriol. Das war sauber giftig. Wenn du das länger als eine Stunde in einem Kübel gehabt hast, dann war der durch. Das hast du nur im Holzfass machen dürfen. ERZÄHLERIN Der Pflanzenschutz fordert auch Investitionen. Kleine tragbare „Buckel-Spritzen“ oder „Schubkarren-Spritzen“ bringen nur mit Mühe genug Druck auf, um die Spritzbrühe mehrere Meter hoch an die Hopfenreben zu befördern. Also braucht man eine Maschine. (12. ZUSP.) CHRISTOPH PINZL Und wenn du eine vernünftige gekauft hast, dann waren das schon wieder 2000 Mark. Das ist extrem viel Geld in der Zeit - ERZÄHLERIN In der Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg, mit beginnender Wirtschaftskrise. MUSIK ELECTROCHEMICAL (LÄNGE: 1´06´´) UNTER: Doch nun ist die Hopfenversorgung wieder gesichert, und im Sommer leuchten die Blüten hellgrün zwischen dem dunklen Laub. Dolden werden sie genannt, was botanisch nicht korrekt ist. Sie erinnern an winzige Tannenzapfen, drei, vier Zentimeter lang, mit versetzt übereinanderliegenden Blättchen. Sie verbergen die Quelle für den aromatischen Duft reifer Hopfendolden. (13. ZUSP.) WALTER KÖNIG Das ist das Lupulin, das sind goldgelbe, kleine Kristallkügelchen, die beinhalten eben die wichtigen Stoffe, das ist die Bittersäure, die das Bier bitter macht, und es sind die Hopfenöle, die dieses markante florale Hopfenaroma ins Bier bringen, was in diesen Lupulin-Körnern drin ist. ERZÄHLERIN Von der sieben Meter hoch rankenden Pflanze mit ihrem dichten Blattwerk braucht man also nur den allerkleinsten Teil: dieses Pulver in den Hopfendolden, das Lupulin. Und deshalb ist die Ernte so aufwändig: Die Dolden müssen vom Rest getrennt werden. M LUISE (LÄNGE: 0´35´´) UNTER: Mit der zunehmenden Anbaufläche sind die Landwirte seit Ende des 19. Jahrhunderts für dieses „Hopfen-Zupfen“ auf Hilfe von außen angewiesen. Für drei Wochen ab Mitte August herrscht Ausnahmezustand: In Spitzenzeiten kommen bis zu 150.000 Erntehelfer in die Hallertau – mehr als dort wohnen. Es sind Wanderarbeiter, die anderswo bei der Getreide- oder Kartoffelernte helfen. Oder Menschen aus dem Bayerischen Wald, die einen Zuverdienst gut brauchen können. (14. ZUSP.) CHRISTOPH PINZL Wir haben schon die Schilderungen gerade auch noch um die Jahrhundert¬wende, bis zum Ersten Weltkrieg, da ging es schon auch rund, also nicht nur immer lustig rund, sondern auch viele Streitereien bis hin zu Mord und Totschlag, M LUISE (LÄNGE: 0´56´´) UNTER: ERZÄHLERIN Denn es kommen sehr viele Menschen auf sehr engem Raum zusammen, schlafen in Wirtshaussälen oder Scheunen. Legendär sind allerdings eher die Erzählungen von fröhlichem Beisammensein am Abend – (das folgende leicht anzüglich betonen) und manchmal auch in der Nacht. Die Helfer brauchen einen Ausgleich für die Akkordarbeit: Tag für Tag die Dolden von den rauen Pflanzen zupfen, ohne Handschuhe, die die Fingerfertigkeit behindern würden, ohne helfende Gerätschaften. Am Abend gibt es vielleicht Schweinefett für die geschundenen Finger. Und dann: kommt der letzte Tag der Ernte. (15. Zusp.) Christoph Pinzl Da ist sozusagen Abschlussfeier, das Hopfenmahl, da kann jeder essen und trinken, was er will, [[und essen und trinken war sehr wichtig lange Zeit für alle Beteiligten,]] das Geld wird ausbezahlt, [[ich habe jetzt sozusagen knapp drei Wochen gearbeitet, jetzt kriege ich erst Geld, und kriege richtig Geld auf die Hand,]] alle sind glücklich, alle zufrieden, und das nehmen die mit nach Hause. ERZÄHLERIN In den schwierigen 1920er-Jahren kommen auch Arbeitslose aus den Gro߬städten, während des Zweiten Weltkriegs werden Schüler und Mitglieder der Hitlerjugend oder des Bundes Deutscher Mädel zwangsverpflichtet – sie schaffen aber nicht so viel wie geübte Hopfen-Zupfer. Nach Kriegsende helfen Flüchtlinge bei der Ernte. Viele Frauen bringen ihre Kinder mit, es herrscht eine freundlich-familiäre Stimmung. Aber bald ist kaum noch jemand auf den Lohn für drei Wochen mühselige Arbeit wirklich angewiesen. Und schließlich ist auch der Zuverdienst kein ausreichender Anreiz mehr. Die nächste Krise in der Hallertau: Die Hopfendolden sind reif, aber kaum jemand ist da, um sie zu ernten. Und diesmal ist die Lösung eine in jeder Hinsicht gewaltige Innovation: 1955 kommt die erste Hopfen-Pflückmaschine in die Hallertau, aus England. Jetzt reißen Finger aus Metall die Dolden ab – nur ein paar Helfer müssen dem furchteinflößenden stählernen Monstrum die Hopfenreben zuführen. 60-tausend Mark kostet die Maschine, so viel wie zwei Einfamilienhäuser in München. Dazu braucht man eine Halle – die Maschine ist 25 Meter lang, acht Meter hoch. Einer der Hopfenbauern, die Christoph Pinzl interviewt hat, erinnert sich: M ZITATE: DRAMEDY EN MINIATURE (C) (LÄNGE: 0´12´´) UNTER: (16. ZUSP.) ZITATOR (Pinzl: Die Hopfenregion; S. 234) Seitdem, dass die Hopfenzupfmaschine auf dem Hof ist, kommst Du aus den Schulden nicht mehr raus. Weil die Rösser sind früher immer nachgewachsen. ERZÄHLERIN Die unvermeidliche Investition in neue Technik lohnt sich nur für größere Mengen, deshalb geben kleinere Höfe den Anbau auf. Ende der 50er-Jahre gab es knapp 8000 [[Hopfen-Betriebe]] in der Hallertau, zur Jahrtausendwende noch knapp 1600 – derzeit gut 800. MUSIK ELEKTROCHEMICAL (LÄNGE: 1´36´´) UNTER: ERZÄHLERIN Auf das Hopfenzupfen folgt der diffizilste Arbeitsschritt des Hopfenanbaus: Die frisch gezupften Hopfendolden müssen getrocknet werden. Ursprünglich einfach auf Dachböden oder auch in der Sonne – aber das tut dem Lupulin nicht gut. Also entstehen so genannte Hopfen-Darren – hohe Gebäude, an denen man einen Hopfen-Hof bis heute erkennt. Nirgendwo entwickelt sich die Trockentechnik so schnell wie in der Hallertau. Weil man sich die neuen Gebäude leisten kann. Und auch weil ein Wolnzacher Zimmerer-Meister ab 1896 die so genannte Hallertauer Darre baut. Das Prinzip ist, in zeitgemäßer Form, bis heute aktuell: Unten steht ein Ofen, heiße Luft wird durch Metallrohe nach oben geleitet. Auf mehreren Ebenen liegen die Hopfendolden in flachen Kästen, so genannte Horden, anfangs auch auf Leintuch. Die frischen Dolden liegen zunächst ganz oben, werden nach einer Weile auf die nächst-tiefere Ebene umgeschüttet und kommen schließlich perfekt getrocknet unten an. [[Wenn nichts schief geht – noch heute gehen jedes Jahr in der Hallertau zwei, drei Hopfendarren samt Ernte in Flammen auf; früher, mit Holz- oder Brikettfeuerung, passierte das noch häufiger.]] Weil der Wassergehalt entscheidend ist für die Qualität des Hopfens, überwacht der Hopfenbauer persönlich den Trockenvorgang. Aber mit der Hopfenzupf-Maschine gerät der gewohnte Ablauf der Ernte aus den Fugen. (17. ZUSP.) CHRISTOPH PINZL Diese Pflückmaschine macht natürlich in ein paar Stunden das, was vorher die Hopfenzupfer in drei Wochen gemacht haben. Tagsüber schafft es die Darre gar nicht, die ist viel zu klein ERZÄHLERIN Also wird rund um die Uhr getrocknet – und die Bauern müssen ständig ihre Darre überwachen. Einer von ihnen erzählte Christoph Pinzl im Interview, dass er einmal in 15 Tagen nur elf Stunden geschlafen habe. Ein anderer erinnert sich an einen Trick seines Schwiegervaters: M ZITATE: DRAMEDY EN MINIATURE (D) (LÄNGE: 0´12´´) UNTER: (18. ZUSP.) ZITATOR (Pinzl: Die Hopfenregion; S. 252) Der hat ein Holzscheit genommen und ein Brett, hat das Holzscheit hingestellt und das Brett drauf, und da hat er sich draufgesetzt. Und wenn er eingeschlafen ist, dann ist er runtergefallen. ERZÄHLERIN Heute sind die Hopfendarren groß genug, und elektronische Messfühler registrieren den Wassergehalt. Aber für den Hopfenpflanzer Hans Schreier aus Pfaffenhofen gilt bis heute: (19. ZUSP.) HANS SCHREIER Die letzte Entscheidung treffe auch ich immer noch durch visuelles Begutachten von den Hopfendolden und auch mit den Fingern. Weil: Die ganze Technik, gutes Hilfsmittel, kann einen aber auch täuschen, und dann hast‘ ein Problem. ERZÄHLERIN Erfahrung und Geschick sind auch entscheidend für den letzten Schritt im Hopfenanbau: den Verkauf. Es beginnt das „Hopfen-Roulette“. (20. ZUSP.) CHRISTOPH PINZL LEZTE KÜRZUNG Du hast da deine Ernte, alles bestens, aber du weißt überhaupt nicht, was du dafür bekommst. [[Und das entscheidet sich auf irgendeinem anonymen, eigentlich Weltmarkt mit diesen Händlern mit den Bierbrauern, und alle versuchen, ein gutes Geschäft zu machen, und zum Teil haben sie enorme Geschäfte machen können, aber auch alles verlieren können.]] Das ist auf der einen Seite sehr belastend. Aber faszinierend, ein bisschen wie Glücksspiel halt. ERZÄHLERIN Schlage ich zu früh ein, warte ich zu lange? Beides ist riskant. M FRICTION 8 (LÄNGE: 0´45´´) UNTER: Um stets über die Marktpreise auf dem Laufenden zu sein, nutzen Hopfenbauern schon im 19. Jahrhundert die modernsten Informationstechnologien. In Geisenfeld mit seinen damals rund 2000 Einwohnern sollen im Jahr 1879 von September bis Dezember rund 2200 Telegramme das örtliche Telegrafenamt durchlaufen haben. Wenn nicht gerade jemand die Telegrafenleitungen durchgeschnitten hatte – angeblich im Auftrag von Hopfenhändlern. Und schon wenige Jahre nachdem in Berlin die ersten Telefonate geführt wurden, gibt es in der Hallertau sehr viel mehr Telefone als in anderen ländlichen Gegenden. MUSIK WEG ERZÄHLERIN Der Hopfen verlässt den Hof, die Hallertau, Bayern – im Lauf des 20. Jahrhunderts auch zunehmend Deutschland und Europa. Seit 1967 ist die Hallertau das größte Hopfenanbaugebiet der Welt, mit kleinen Unterbrechungen, berichtet Walter König, Geschäftsführer der Gesellschaft für Hopfenforschung. Rund 80 Prozent der Ernte wird exportiert. (21. ZUSP.) WALTER KÖNIG Wir produzieren hier gut ein Drittel der Welt-Hopfen-Bedarfsmenge; in den USA sind jetzt aufgrund des Abflauens des Craft-Bier Marktes über 2000 Hektar Hopfen aus der Produktion genommen worden, es ist immer so ein kleines Kopf-an-Kopf-Rennen. Jetzt hat die Hallertau wieder den Kopf vorne. ERZÄHLERIN Mit mehr als 17-tausend Hektar Anbaufläche. Craft-Bier, also: handwerklich gebrautes Bier, kommt ab den 1970er-Jahren in den USA auf. [[Als Gegenpol zu den Standard-Biersorten der wenigen großen Brauereien, die die Prohibition der 1920er-Jahre überlebt hatten. Tausende kleine Brauereien entstehen dort – und die Craft-Bier-Welle schwappt auch nach Europa.]] Mit der Beliebtheit des neuen Bier-Stils steigt der Hopfen-Bedarf. (22. ZUSP.) WALTER KÖNIG Die Brauer nutzen natürlich den Hopfen sehr gut aus, man nennt das die Hopfenausbeute, Hopfen ist teuer. Für ein Helles oder Pils, wie wir es hier kennen, werden ungefähr 120 bis 200 Gramm Hopfen für hundert Liter eingesetzt, in der Craft-Bier-Szene verwendet man in der Regel acht- bis zehnmal so viel Hopfen, da wird schon mal mit einem Kilo oder mehr pro hundert Liter gearbeitet. MUSIK ELEKTROCHEMICAL (LÄNGE: 0´26´´) UNTER: ERZÄHLERIN Weil Aromahopfen deutlich weniger Bitterstoffe enthält, die jedes Bier braucht. Mit dem Craft-Bier-Boom nimmt auch die Vielfalt der Hopfen-Sorten zu. Ursprünglich gibt es einerseits Bitterhopfen, dessen Lupulin-Körner vor allem Bitterstoffe enthalten, andererseits Aromahopfen, bei dem das Hopfen-Öl die Hauptrolle spielt. (23. ZUSP.) WALTER KÖNIG Und mittlerweile gibt es auch eine dritte Kategorie das sind die speziellen Aromasorten, die man im Laufe der Craft-Bier-Bewegung gezüchtet hat, und die Aroma-Varianten nach Zitrus, tropischen Früchten, schwarze Johannisbeere und so weiter ins Bier bringen, wenn man sie im Brauprozess dementsprechend einsetzt. ERZÄHLERIN Nach dem Craft-Bier mit seiner besonderen Wertschätzung des Hopfens ist die jüngste Entwicklung wieder eine Krise – die aber nicht nur den Hopfenanbau trifft. In immer mehr Hopfengärten sind Kästen mit Steuerungsgeräten installiert, und am Boden liegen Schläuche. Auch bei Hans Schreier. In regelmäßigen Abständen breitet sich ein feuchter Fleck auf dem Boden aus. (24. ZUSP.) HANS SCHREIER Wir dürfen über die Tropfbewässerung, über die Schläuche pro Jahr 1000 Kubikmeter Wasser ausbringen, also man kann 100 Liter Niederschlag ersetzen. Wenn man bedenkt, dass man bei uns in der Gegend einen Jahresniederschlag von 700 Liter, 750 Liter idealerweise hätte, dann ist 100 gar nicht so viel. ERZÄHLERIN Entscheidend ist die Versorgung im Juni, Juli und August. Mit der Tropf-Bewässerung landet das Wasser direkt an den so genannten Sommerwurzeln: Feine weiße Fäden in den obersten Zentimetern des Bodens. Noch dazu ist das Wasser in den Schläuchen mit Nährstoffen angereichert. (25. ZUSP.) HANS SCHREIER Das ist, wie wenn ein Mensch eine Infusion kriegt, man kann dann ohne Verluste sehr gezielt die Pflanze, sage ich mal, füttern, und somit auch zum guten Ergebnis beitragen. MUSIK SOFDU UNGA (LÄNGE: 0´34´´) UNTER: ERZÄHLERIN In Dürrejahren wie 2018, 2019 ist der Klimawandel existenzbedrohend – für Betriebe, die keine Bewässerungsanlage haben. Der Hallertauer Hopfenpflanzer-Verband möchte deshalb Wasser aus der Donau ableiten, wenn die Pegel hoch sind, und für den Sommer speichern, damit noch mehr Hopfengärten bewässert werden können; derzeit reichen die Genehmigungen nur für 20 Prozent. Gleichzeitig werden auch klima-stabile Sorten gezüchtet, mit besonders vielen, tief reichenden Wurzeln. ERZÄHLERIN Es ist wie immer in der Geschichte des Hallertauer Hopfenanbaus: wieder eine Krise, wieder wird sie bewältigt: Mit Innovationen und Investitionen. Mit neuer Technik und mit Tüftelei. Der Hopfenanbau ist so speziell, der Umfang im Vergleich zur restlichen Landwirtschaft so klein, dass die Hopfenpflanzer auf sich selbst gestellt sind, um Krisen zu bewältigen – unterstützt von der Brauwirtschaft. Denn die ist auf den Hopfen angewiesen. Deshalb werden die sieben Meter hohen Rank-Gerüste auch weiter die Landschaft der Hallertau prägen, dem größten Hopfenanbau-Gebiet der Welt.
- Das Volk der Yanomami - Ihr Kampf ums Überleben
07.10.2024 · 23 Min.
Das Volk der Yanomamis im Amazonas ist bedroht: Von den Folgen des Klimawandels, aber auch von gelegten Waldbränden, rücksichtslosen Goldsuchern, einer machtvollen Agrarindustrie, Zivilisationskrankheiten. Doch der Indianerstamm kämpft um sein Überleben. (BR 2021) Autor/in dieser Folge: Geseko von Lüpke Regie: Sabine Kienhöfer Es sprachen: Irina Wanka, Thomas Birnstiel, Jennifer Güzel Technik: Andreas Lucke Redaktion: Matthias Eggert Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Das weiße Gold - Kautschuksammeln im Amazonas JETZT ANHÖREN Der tropische Regenwald - Bedrohter Klimapuffer JETZT ANHÖREN Interviewpartner/innen dieser Folge: Davi Kopenawa Yanomami, Autor, Schamane und Sprecher der Yanomami, Alternativer Nobelpreisträger; Dario Kopenawa, Leiter der Yanomami- Vertretung 'Hutukara'; Bruce Albert, franz. Ethnologe; Gabriele Herzog-Schröder, deutsche Ethnologin, LMU München; Martin v. Hildbrandt, Aktivist, Alternativer Nobelpreisträger, Kolumbien; Christina Haferkamp, Aktivistin für indigene Völker Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
- Tipping Points in der Klimakrise - Es gibt kein zurück
07.10.2024 · 23 Min.
Sie gelten als eine der großen Gefahren der Klimaerwärmung, sogenannte Kippelemente. Das sind Teile des Klimasystems, die sensibel auf eine Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur reagieren und sich an einem bestimmten Punkt irreversibel verändern. Was sind das für Elemente und welche Folgen hätte ihr Kippen? (BR 2022) Autorin dieser Folge: Roana Brogsitter Regie: Kirsten Böttcher Es sprachen: Katja Amberger und Carsten Fabian Technik: Susanne Herzig Redaktion: Matthias Eggert Das Manuskript zur Sendung finden Sie HIER Weitere interessante Beiträge zum Thema von radioWissen: Kampf gegen den Klimawandel – Warum tut sich der Mensch so schwer? HIER ANHÖREN Antarktis im Wandel – die Klimakrise und ihre Folgen HIER ANHÖREN Infotexte zu den Kippelementen: Potsdam-Institut für Klimafolgenforsschung: EXTERNER LINK | https://www.pik-potsdam.de/de/produkte/infothek/kippelemente/kippelemente Helmholtz Klima Initiative: EXTERNER LINK | https://helmholtz-klima.de/aktuelles/kippelemente-im-klimasystem The Intergovernmental Panel on Climate Change: EXTERNER LINK | https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg1/downloads/report/IPCC_AR6_WGI_Chapter04.pdf