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Kartoffel - Die nahrhafte Knolle

19.08.2025 · 22 Min.

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Über diese Folge

Die Kartoffel ist eines der wichtigsten Nahrungsmittel, sie wird seit langem kultiviert. Heute sind in Deutschland rund 200 Sorten zugelassen, sie enthalten viele Vitamine und essentielle Aminosäuren. (BR 2014)

Lust bekommen auf Kartoffeln? Ein paar leckere Gerichte gibt es HIER auf BR.de

Noch mehr köstliche Kartoffel-Gerichte gibt es außerdem in diesem Beitrag aus der Dokumentationsreihe "Unter unserem Himmel":
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  • Das Land des grünen Glücks? Bhutan als ökologisches Modellprojekt

    20.08.2025 · 24 Min.

    Der kleine Himalaya-Staat Bhutan zwischen Indien und Tibet mausert sich in seiner Abgeschiedenheit vom Rest der Welt zu einem Muster-Land in Sachen Ökologie. Mehr als die Hälfte des Königsreichs stehen unter Naturschutz, flächendeckende Elektromobilität sind das Ziel der nächsten Jahre. Von Geseko von Lüpke (BR 2024) Credits Autor dieser Folge: Geseko von Lüpke Regie: Kirsten Böttcher Es sprachen: Julia Fischer, Stefan Wilkening, Thomas Birnstiel, Jenny Güzel Technik: Marcus Huber Redaktion: Bernhard Kastner Im Interview: Kurt Nübling (Unternehmer und Bhutan-Reisender); Kinley Dorji (bhutan. Journalist und Herausgeber), Lama Sonam Bumdhen (buddhistischer Mönch), Dhan Gurung (Professor für natürliche Ressourcen an der Universität von Bhutan), Dasho Bharat (Mitglied des Staatsrat von Bhutan), Ketsang Tshomo (Öko-Beraterin des Landwirtschafts-Ministeriums von Bhutan), Julia Kim (Programm-Direktorin am staatlichen ‚Glücks-Zentrum‘), Lyonpo Damcho Dorji (Außenminister Bhutans), Thsering Tobgay (Premierminister Bhutans) Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Naturreligionen. Altes Wissen neu entdeckt. JETZT ENTDECKEN Das Volk der Kogi in Kolumbien. Die Hüter der Erde. JETZT ENTDECKEN Afrikas Ubuntu. Die Philosophie der Menschlichkeit. JETZT ENTDECKEN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Linktipps: Gelephu Mindfullness City (ökologische Modellstadt nach den Plänen des dänischen Architekten Bjarke Ingels) HIER Gross National Happiness Center (Bhutan) HIER Literatur: Niestroy, Ingeborg, Armando García Schmidt, Andreas Esche: Bhutan: Ein Leitbild der Nachhaltigkeitspolitik. In: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Erfolgreiche Strategien für eine nachhaltige Zukunft, Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2013 Tschewang, Ugyen & Jane Gray Morrison: Bionomics in the Dragon Kingdom: Ecology, Economic and Ethics in Bhutan, Springer-Verlag 2018 Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: SPRECHERIN Bhutan! ‚Drug-yul‘ nennt es sich selbst – Land des Donnerdrachens! Das klingt wie ein Märchen-Land hinter den Bergen, zeitlos, weit ab von der geschäftigen Welt. Wie ein verheißungsvolles Geheimnis. Und so spricht man auch von dem Himalaja-Königreich: Glücklich angeblich, irgendwie erleuchtet, gesund, sauber, absolut nachhaltig. Eine moderne grüne Paradies-Version! Als wäre es ‚Shangri-La‘ – das legendäre harmonische Utopia Asiens! Mythos oder Realität? Musik 2: Dreams of… - 59 Sek SPRECHER Bhutan! Ein Zwergenland – nicht größer als die Schweiz – eingezwängt zwischen zwei Riesen – dem von China besetzten Tibet im Norden, und Indien im Süden. Ein paar Hunderttausend Bewohner in einem buddhistischen Königreich zwischen Meeresspiegel und 7.000 Meter hohen Bergen, während sich südlich und nördlich Milliarden Menschen tummeln und um Weltmachtstatus ringen. Bhutan hingegen: Bescheiden, still, ganz anders. Kurt Nübling aus dem Allgäu macht sich seit 1990 immer wieder auf den Weg nach Bhutan, um Kräuter und biologische Rohstoffe im Himalaja zu kaufen. Und erinnert sich noch deutlich daran, wie er vor 34 Jahren das erste Mal das Grenztor zwischen Indien und Bhutan durchschritt. 01 - ZUSPIELUNG Plötzlich war eine andere Welt. Wir waren wie verzaubert! Diese Verwurzelung, dass die Natur ein Teil von uns ist, mit dem wir verbunden sind, dass wir ein Teil von dem Ganzen sind. Und das ist in Bhutan noch. Sie sind extrem reich an Natur, an Biodiversität, einem wunderschönen Leben, was einem ins Herz geht, wenn man dort reist. ZUSPIELUNG Atmo 08 (Natur + Fluss, Elefant) SPRECHERIN Auch heute noch ist Bhutan ein Land der Gegensätze und des Staunens. Ein Land der Berge, Wälder und Flüsse. Ein Land, das grenzenlos sauberen Strom verschenkt. Ein wildes Land mit Tigern, Leoparden, Elefanten, Yaks, Wölfen, Pandas, Panzernashörnern, Kobras, Geiern. Einem ‚Hotspot‘ der Biodiversität, der Pflanzenvielfalt und Heilkräuter, weil auf engstem Raum alle Klimazonen der Welt nebeneinander liegen. Musik 3: Phurba's... aus: Sherpa - 1:13 Min SPRECHER Ein Land, in dem die Statistiken Kopf stehen: Während überall der Ausstoß des Klimagases CO2 zunimmt, ist Bhutan völlig klimaneutral, ja nimmt sogar mehr Kohlendioxid auf, als es ausstößt. Ein Land fast ohne Industrie und Umweltzerstörung, das zu einem Drittel aus Naturschutzgebieten besteht, Abholzung per Verfassung verbietet, grünen Strom aus Wasserkraft exportiert. Eigentlich ein Entwicklungsland, moralisch aber eine Großmacht: Während die ganze Welt um Wirtschaftswachstum ringt, winkt Bhutan lässig ab und stellt stattdessen Naturschutz und nicht weniger als das ‚Glück‘ in den Mittelpunkt des staatlichen Tuns. Statt gierig auf das Brutto-Sozial-Produkt zu schielen, spricht man hier gelassen von ‚Gross National Happiness‘ dem, ‚Brutto-National-Glück‘. Kinley Dorji (Kinnläi Dordschi), Begründer und Herausgeber der ersten nationalen Tageszeitung Bhutans erklärt die vier Säulen dieser ungewöhnlichen Politik. 02 - ZUSPIELUNG Wort 2 One of this pillars is 'Good Governance'. …. VO-männlich Eine der Säulen ist eine ‘gute Regierungsführung‘. Wir verstehen darunter, dass sie wirklich den Menschen dient, nicht den Herrschenden. Die anderen Prioritäten sind – neben der Erhaltung unserer einzigartigen Kultur – eine gesunde sozio-ökonomische Entwicklung, die absolut nachhaltig sein muss. Und dann besonders der Schutz der Natur. Angesichts des Klimawandels und der globalen Erwärmung dürfen wir nicht länger den Planeten und seine Schätze konsumieren. Stattdessen müssen wir die gegenseitige Abhängigkeit aller lebendigen Wesen, einschließlich der Pflanzen und Tiere, anerkennen, wenn wir den Planeten erhalten wollen … needs to be understood to preserve the planet. SPRECHER Ein politischer Ansatz, der in Zeiten der Klimakrise fast zu schön klingt, um wahr zu sein. Bhutan entwickelt sich damit zu einem ökologischen Modellprojekt. Es ringt zwar mit großen Herausforderungen, zeigt aber auch, dass Entwicklungsländer den reichen Industriestaaten voraus gehen können. Es ist eine Gradwanderung zwischen visionärer Moderne und uralten Traditionen, die hier probiert wird. Und das auf der Basis einer einzigartigen kulturellen Identität. ZUSPIELUNG Atmo 4 (Langhörner, Tempelfest Paro) SPRECHERIN Es ist wie ein Fenster in eine andere Welt, wenn man vor der gewaltigen Klosterburg von Paro im Westen des Landes steht. Der Ritual-Platz ist in Regenbogenfarben getränkt: Tausende von mit Mantras bedruckte Fähnchen in Gelb, Grün, Rot, Weiß, Blau wehen im steten Wind und tragen Gebete hinauf zu den Siebentausendern, die als Heimat der Götter – und Buddhas – gelten. Vor den weiß getünchten Lehmmauern des 400 Jahre alten Klosters mit kunstvoll geschnitzten Fenstern haben sich tausende Frauen, Männer und Kinder in festlicher und grell bunter Tracht zum ausgelassenen Tempelfest, einem ‚Tsetschu’ versammelt. ZUSPIELUNG Atmo 5 (Pudja in Chimi Lakhang, 20) darüber SPRECHER Alle Augen sind auf die maskierten Tänzer gerichtet, die mit Furcht einflößenden Masken und bunten Kostümen über den nackten Boden wirbeln, in gewagten Sprüngen und winzigen pantomimischen Gesten wortlos Geschichten erzählen von Dämonen, Göttern und Göttinnen, vor allem aber die mythische Gestalt des Heiligen Guru Rinpoche feiern, der den Buddhismus nach Bhutan brachte. Es ist diese Mischung aus uralter Naturverehrung, buddhistischer Spiritualität und nüchterner Anerkennung der globalen ökologischen Krise, welche die Grundlage bildet für ein radikales Alternativ-Modell, sagt der Mönch Lama Sonam Bumdhen: 03 - ZUSPIELUNG The essence of Buddhism is the sacred vision of everything, … VO-männlich Der Kern des Buddhismus ist die Heiligkeit von allem, was ist, ob Berge, Bäume oder unser eigener Körper. All das ist Ausdruck des Göttlichen. Für uns wohnen Gottheiten in eigentlich Allem: Sie durchdringen das ganze Universum, alle Planeten. Wir sehen Gottheiten im Wasser, im Feuer, in der Erde, im Raum, in der Luft. Sie sind nichts anderes als Ausdruck der absoluten Weisheit Buddhas. Wenn wir uns aber der Wahrheit stellen, sehen wir zugleich riesige Umweltschäden, die durch keinen anderen ausgelöst wurden als uns selbst. Wenn wir dieses riesige Chaos wirklich anerkennen, müssen wir es stoppen, die Menschen und die ganze Welt erziehen ….., we need to educate the world. Musik 4: New old land – 1:31 Min SPRECHER Das ist ein großer Anspruch für das kleine Land, das hoch und heilig auf dem Dach der Welt thront. Und tatsächlich hat sich Bhutan in den letzten 20 Jahren zu einem ernstzunehmenden Modell nachhaltiger Entwicklung gemausert. Bis in die 1960er war es ein völlig abgeschirmtes Land, ohne Straßen, Elektrik und Technik, versteckt in den Bergen, um zu überleben. Als es sich in den 80er und 90er Jahren vorsichtig öffnete, hatte es bereits aus den Fehlern zahlreicher anderer Entwicklungsländer gelernt, die in zu schneller Modernisierung ihre Identität verloren hatten, ihre Umwelt gefährdeten, und in Armut und Abhängigkeit geraten waren, während Korruption und Gewalt zugenommen hatten. SPRECHERIN Der weitsichtige König hatte daraufhin erkannt, dass die Entwicklung in die Moderne nicht um jeden Preis gesucht werden dürfe. Statt sich nur wirtschaftlich und quantitativ zu modernisieren, wollte er als höheres Ziel eine qualitative Entwicklung von Mensch, Kultur und allen Lebensformen – und führte das Brutto-National-Glück als Maßstab aller Politik ein. Damit sollten Fehlentwicklungen vermieden werden und Bhutan zugleich als einmaliges Modell stark und unverkennbar werden. Die kulturelle Identität wurde zur Garantie des Überlebens, erklärt der Journalist Kinley Dorji … 04 - ZUSPIELUNG Wort 4 We are a small country of half a million people between India and China, … VO-männlich Wir sind als kleines Land zwischen den beiden bevölkerungsreichsten Nationen der Welt sehr verletzbar. Eine halbe Million Menschen können da schnell geschluckt werden. Ohne jemals eine Militärmacht oder eine Wirtschaftsmacht werden zu können, muss unsere Stärke in unserer Identität liegen. Wir müssen als ‘besonders’ wahrgenommen werden und unsere ganz eigenen Werte haben, um als unverzichtbar von der Welt gesehen werden, was uns hilft zu überleben. … and therefore helps us survive. ZUSPIELUNG Atmo 2 (Thimpu ) kurz frei & weg SPRECHER So wurde das Brutto-National-Glück nach Außen zum Sympathieträger und unverwechselbaren Markenzeichen, zugleich nach Innen zum Kultur- und Naturschützenden Staatziel. Es galt zu bewahren, was da war und ökologisch zu entwickeln, was möglich war. ZUSPIELUNG Atmo 8 (Natur) unter Sprecherin SPRECHERIN Aus einer traditionellen Agrar-Gesellschaft konnte Bhutan fast unmittelbar zum ökologischen Modell werden, mit folgenden Leitgedanken: die natürlichen Reichtümer der riesigen Artenvielfalt wertzuschätzen und unter strengen Schutz zu stellen! Die unbestiegenen Siebentausender für die Bergsteigerei zu sperren und den alten Göttern ihre Ruhe zu lassen! Mehr als ein Viertel der ohnehin kaum besiedelten Landesfläche zu strikten Naturschutzgebieten zu erklären! Jede Brandrodung zu verbieten. Und per Verfassung festzulegen, dass die Wälder erhalten bleiben, erzählt Dhan Gurung, Professor für natürliche Ressourcen an der Königlichen Universität von Bhutan: 05 - ZUSPIELUNG Wort 5 When it comes to environmental conservation Bhutan will do quite a pretty job …. VO-männlich Bei der Erhaltung der Umwelt macht unser Land einen guten Job. Zurzeit sind 72 Prozent des Land bewaldet. Und in unserer Verfassung steht, dass mindestens 60 Prozent der Landesfläche für immer von Wald bedeckt sein müssen. Die Erhaltung der Wälder schützt die enorme Biodiversität – und diese versorgt wiederum die traditionelle Medizin Bhutans mit reichen Ressourcen an Heilkräutern, Mineralien und tierischen Substanzen. Auch die Landwirtschaft ist abhängig von der Biodiversität der Wälder: Wir sammeln die Blätter und benutzen sie als Dünger. Und die Rinder grasen in den Wäldern. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit dem Schutz der Wälder für die hohe Qualität des Wassers und seiner Kreisläufe sorgen. Denn das ist unsere ökonomische Basis. Und wir schauen darauf, dass sie nachhaltig ist. It still can be sustainable. That's the area that we are looking at. USPIELUNG Atmo 9 (Wasserrauschen Bhutan A23/24) SPRECHER Tatsächlich lebt Bhutans Wirtschaft primär von der grünen Wasserkraft. Das extreme Gefälle von 7.000 Höhenmetern auf unter 100 Meter von Nord nach Süd, macht die ungezählten Flüsse zu Wasserkraft-Goldgruben. Bhutan nutzt bislang nur 6,2 Prozent dieses natürlichen Potentials, das auf unglaubliche 26.000 Megawatt jährlich geschätzt wird – so viel wie rund zwanzig Atomkraftwerke der Marke Grundremmingen. SPRECHERIN Sauberer Strom ist dann auch das primäre Exportgut Bhutans und versorgt die Industrie Nordindiens mit grüner Energie. Schon träumt man im Himalaja-Land davon, in wenigen Jahren keine Tanklaster mehr aus Indien zu brauchen, die Öl und Benzin über die Pässe bringen, sondern nur E-Autos zu nutzen und die gesamte Infrastruktur zu elektrifizieren, berichtet Dasho Bharat, der lange den Ausbau der Wasserkraft leitete und heute im dreiköpfigen Staatsrat den König berät. 06 - ZUSPIELUNG Wort We are blessed by nature. We have high altitude mountain areas. VO-männlich Wir sind mit Natur und den hohen Bergen gesegnet. Das ist ein Riesenvorteil. Wir können in Zukunft 95 Prozent der Energie exportieren. Bhutans Zukunft ist das Wasser. Es ist das finanzielle Potential für die Entwicklung des Landes. Heute exportieren wir 75 Prozent des Stroms, um Geld zu verdienen und verbrauchen das restliche Viertel selbst. Diese Wasserkraft ist sauber und grün und wir schwimmen auf ihr in eine gute Zukunft, weg von der schmutzigen kohlenstoff-basierten Wirtschaft. Aus diesem Potential wollen wir saubere, grüne und nachhaltige Technologien entwickeln. Vielleicht werden unsere Enkel genießen, was wir da heute machen – ob es dann die saubere Umwelt, die Produktion von ökologischen Nahrungsmitteln oder gesunde Medizin ist. Wir wollen wirklich den grünen Weg gehen. … We would like to go the green way. Musik 5: Dreams of… - siehe vorn – 32 Sek SPRECHER Bhutan könnte sogar bald das erste Land sein, in dem 100 Prozent Bio-Landbau betrieben wird. Gentechnik ist grundsätzlich verboten. Kleine Familienbetriebe bestimmen das grüne Bild der Landschaft, die zu 95 Prozent ökologisch bebaut wird. In Deutschland sind es mit gerade mal 9,5 Prozent, also zehnmal weniger. ZUSPIELUNG Atmo 10 (Gesamg beim Ernten) SPRECHERIN Da wird die scheinbare Rückständigkeit zum Vorteil. Auf den meisten Betrieben ist chemische Düngung nie angekommen und war den Landwirten immer suspekt. Sie waren deshalb nie anders als ökologisch. Was im globalen Norden als ‚Permakultur‘ und Agroforst zunehmend als Zukunftslösung propagiert wird, ist in Bhutan seit langem Standard, berichtet Ketsang Tshomo, Öko-Beraterin des Landwirtschafts-ministeriums: 07 - ZUSPIELUNG Wort 7 Our traditional farming is basically based on permaculture …. VO-weiblich Unsere traditionelle Landwirtschaft basiert auf den Prinzipien der Permakultur. Wenn man sich den Agroforst mit Tierhaltung, die Agrarkultur, den Gartenbau anschaut, dann ist eigentlich jede Farm hierzulande so ein integriertes Ökosystem. Hinzu kommt die tiefe spirituelle Verbundenheit mit dem Land, der Anspruch weder Tier noch Pflanzen irgendwie Schaden zuzufügen. Alles in allem sind das die perfekten Voraussetzungen für eine organische Landwirtschaft, die zum Lebensstil jeden Farmers und Konsumenten werden soll. Deshalb setzen wir, wo immer es möglich ist, auf biologische Landwirtschaft. Was wir allerdings importieren, stammt oft aus konventioneller Landwirtschaft. Aber wir brauchen es, um die Versorgungslücke zu schließen. that needs to be imported to close the gap. SPRECHER Auf dem Dach der Welt ist es ein Fluch der Globalisierung, dass schwer beladene 40-Tonner pestizid-belastete gen-manipulierte Nahrungsmittel aus der subventionierten indischen Landwirtschaft über die Himalaja-Pässe bringen und auf den Bauernmärkten Bhutans billig verscherbeln. Wer wenig Geld hat, versorgt sich auch im Land des grünen Glücks mit billigen belasteten Lebensmitteln. SPRECHERIN Dem Traum vom grünen Paradies ‚Shangri-La‘ steht also oft noch eine bittere Realität entgegen. Bhutans Idee des Glücks für Mensch und Natur mag ein idealer Maßstab für eine schönere Welt sein, sagt der Journalist und Regierungsberater Kinley Dorji. Solange die Außenwelt nicht mitmacht, bleibt es aber ein Traum: 08 - ZUSPIELUNG Wort 8 Bhutans reputation in the world is larger then life, so to speak …. VO-männlich Bhutans Ruf ist besser als die Realität. Aber die Menschen sind romantisch. Sie lieben die Idee einer kleinen, exotischen glücklichen Nation. Und wir müssen uns darüber klar sein: Wir haben all das noch nicht erreicht. Wir sind hier nicht pausenlos glücklich. Wir haben unsere Probleme, wir sind ein Entwicklungsland. Aber es ist wichtig, ein gutes Ziel zu haben! Wir brauchen auch hier eine starke Transformation. Wir müssen uns von der Idee verabschieden, dass der Mensch das wichtigste Lebewesen ist. Im großen Bild ist er vielleicht sogar ziemlich unwichtig. Und wenn man diesen Respekt vor dem Leben hat, dann will man es automatisch erhalten. …. if you have this respect, you naturally preserve. Musik 6: The inner road – siehe vorn – 30 Sek SPRECHER Aber Bhutan kann sich nicht von den Krisen der Welt abschotten. Realität ist: Auch in Bhutan nehmen die Depressionen langsam zu, die Selbstmordraten steigen, Drogenkonsum und Gewalt ebenso. Internet und Fernsehen bringen westliche Konsumideale neuerdings in jedes Dorf und wecken schnell unerfüllbare Bedürfnisse. SPRECHERIN Doch die Regierung hält dagegen, setzt trotz Öffnung zur Welt auf den Erhalt der traditionellen Kultur, versucht hartnäckig die Quadratur des Kreises. Alle drei Jahre schwärmen in ihrem Auftrag tausende Studenten aus und stellen der Bevölkerung 208 Fragen nach ihrem subjektiven Glücksgefühl, um daraus die aktuelle Politik zu entwickeln, erzählt Julia Kim, Programm-Direktorin am staatlichen ‚Glücks-Zentrum‘: 09 - ZUSPIELUNG Wort 9 The GNH index measures these things and shapes policy …. Diese VO-weiblich Die ganze Welt redet schon lange über die Herausforderungen nachhaltiger Entwicklung, den Klimawandel und die soziale Ungleichheit. Was Bhutan hier ergänzt, ist die Einsicht, dass die Lösungen erst aus einer Balance zwischen äußerem materiellen und innerem spirituellen Wohlergehen entstehen. Zugleich wissen wir, dass wir unsere Kultur nicht so rein erhalten können wie eine Juwelenkette, die wir im Schmuckkästchen verstecken. Kulturen verändern sich ständig, aber Werte können stark bleiben. Wir müssen diese traditionellen Werte, ihren Sinn und ihre Schönheit erhalten und mit einer modernen Technologie so kombinieren, dass die Umwelt so wenig wie möglich geschädigt wird. … that reduces the impact on the environment. SPRECHERIN Damit ist Bhutan fraglos zu einem kleinen einzigartigen Modell für den Rest der Welt geworden. Doch darauf kann es sich nicht ausruhen. Das gesegnete Land auf dem Dach der Welt schrammt seit Jahren an einer Identitätskrise entlang. Während die Landbevölkerung den alten Werten folgt, orientiert sich die städtische Jugend an den Vorgaben aus Hollywood und Bollywood, nutzt Tik-Tok und will ‚hip‘ sein, wie der Rest der Welt. ZUSPIELUNG Atmo 11b (Fernsehen Bhutan) kurz frei und weg SPRECHER Sie tragen Jeans und T-Shirt statt der traditionellen Tracht. Wollen Karriere machen und den Reichtum, den die sozialen Medien, Fernsehen und Internet vorgaukeln. Die Zutaten des inneren Glücks – Bescheidenheit, Genügsamkeit, Dankbarkeit – nehmen ab. Die Jugend wandert ab, nach Indien, Japan, in die USA, wo statt dem ‚grünen Glück‘ Rupien, Yen und Dollars leuchten. Lyonpo Damcho Dorji, der Außenminister Bhutans, beschreibt die riesige Herausforderung für die Zukunft: 10 - ZUSPIELUNG Wort 10 We are aware… VO-männlich Wir spüren den Druck der westlichen Welt, des Fernsehens und Internets. Zugleich wollen wir unsere eigene vitale Kultur leben und in der Jugend das Bewusstsein für die Einzigartigkeit Bhutans schärfen. Sodass sie sich in der modernen Technologie engagiert, aber im Hinterkopf präsent hat, dass wir ein souveränes Land sind, was dabei auf seine eigene Kultur und Tradition bauen muss. Wir müssen unsere Kultur so leben, dass sie den Veränderungen standhält. Sonst kann sie einfach ausgelöscht werden. … otherwise it can be simply wiped out. SPRECHER Dieser Schritt steht nun bevor. Bhutans Regierung versucht eine Glückspolitik 2.0! Der vierte König der Wangchuk-Dynastie hatte 2008 abgedankt, nachdem er seinem Reich die Verfassung mit dem Brutto-Nationalglück und ein demokratisches Regierungssystem beschert hatte. Sein zum 5. Drachenkönig gekrönter Sohn Jigme Khesar Wangchuk hat nun 2023 eine neue große Vision für das Bhutan der Zukunft vorgestellt, um alt und neu zu vereinen, die Abwanderung junger Menschen zu stoppen und das kleine Himalaja-Land zum internationalen Modell für die Balance zwischen Mensch und Natur zu machen. Musik 7: Warp seven – 58 sek SPRECHERIN Die flachen Ebenen im Süden des Landes an der Grenze zu Assam in Indien waren bislang faszinierende subtropische Naturschutzgebiete, durchzogen von Flüssen, belebt von unzähligen Arten, Korridore für wilde Elefanten, Leoparden und Tiger nach Süden. All das soll bleiben. (hier Musik:) Doch über das geschützte Paradies soll in den nächsten Jahrzehnten auf Brücken und Hügeln auf über 1.000 Quadratkilometern mit internationalen Investitionen eine futuristische Öko-Stadt der Zukunft entstehen. Nicht mit Hochhäusern aus Stahl und Beton, sondern aus Holz, mit nachhaltiger Architektur, autofreier Infrastruktur, grüner Energie. Einem Flughafen auf Stelzen, einem Zentrum digitaler Technik, KI und Programmierung, zugleich aber soll es eine Metropole von Spiritualität, Meditation und nachhaltigem Lebensstil bleiben. Bhutans Premier Thsering Tobgay stellte das Projekt bei einem Besuch in Indien im März 2023 vor: 11 -ZUSPIELUNG Wort 11 How would you immagine a city that is built on gross national happiness … VO-männlich Wie könnte eine Stadt des wirklichen Brutto-National-Glücks im 21. Jahrhundert aussehen. Visualisieren Sie diese erste kohlestoff-negative Stadt der Welt, die unser König ‚Galifu – Stadt der Achtsamkeit‘ genannt hat. Eine Stadt, wo Menschen miteinander und mit der Natur leben, wo Innovation und Wissen mit Nachhaltigkeit und Spiritualität harmonieren. Ein Geschenk an Bhutan, ein Geschenk für unsere Zukunft, ein Geschenk an die Welt … and a gift to the world. Musik 8: Siebenfache Anrufung des Guru Padma-sambhawa - 49 Sek SPRECHER Eine sehr große Vision, die Tradition und Zukunft, Natur und Mensch verbinden will. Faszinierend, unglaublich, ermutigend. Oder: Nur eine weitere Utopie vom Dach der Welt? ZUSPIELUNG Atmo 11 (Tempelhörner, Paro) SPRECHERIN Das kleine Land gibt nicht auf, an eine gute Zukunft zu glauben. Mit seiner Politik des Brutto-National-Glücks und als ‚grünes Modell‘ ist es für die Welt längst ein ‚Projekt der Hoffnung‘ geworden. Und nur die Zukunft wird zeigen, ob Bhutan, das Land des Donnerdrachens auf dem Dach der Welt, ein weiteres Mal ganz selbstverständlich und beharrlich ein schönes Märchen einfach wahr macht.

  • Letzte Hilfe – Unterstützung am Lebensende

    18.08.2025 · 24 Min.

    Einen sterbenden Menschen auf seinem letzten Weg gut zu begleiten - viele wünschen sich das. Nur wenige trauen es sich zu. Vor allem, weil sie nicht wissen, was sie erwartet. Doch all das kann man lernen. Sinnvoll ist, sich mit dem schwierigen Thema schon in guten Zeiten zu beschäftigen. Denn ein friedlicher Abschied kann tröstlich sein: für die Sterbenden und die nahen Begleiter. Autorin: Karin Lamsfuß (BR 2025) Credits Autor/in dieser Folge: Karin Lamsfuß Regie: Sabine Kienhöfer Es sprachen: Rahel Comtesse, Christian Baumann, Redaktion: Bernhard Kastner Im Interview: Dr. Georg Bollig, Palliativmediziner und Erfinder der „Letzte Hilfe-Kurse“ Ulrike Lenhart, Palliativkrankenschwester, Kursleiterin „Letzte Hilfe-Kurse“ Anke Gerstein, Sterbeamme Monika Müller, Pädagogin, Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin Dr. Astrid Lueg, SAPV-Ärztin; Teilnehmende des „Letzte Hilfe-Kurses“ Psychologie: Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch "Wie wir ticken" mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört. Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast Linktipps: Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Erzählerin: Ein sonniger Samstagmorgen. Draußen auf dem Rasen spielen Kinder, und drinnen im Saal geht es in den nächsten vier Stunden um den Tod. Im „Letzte Hilfe Kurs“, veranstaltet vom örtlichen Hospizverein. Diese Kurse gibt es in ganz Deutschland. Vermittelt wird darin, wie eine gute Begleitung in der letzten Lebensphase aussehen kann. In der Mitte des hellen Raums steht ein farbenfroher Blumenstrauß auf dem Boden. Drapiert in eine orangefarbene Samtdecke. Ein Stück Fröhlichkeit. Und ein Gegenpol zu dem schweren Thema dieses Vormittags. Atmo 2 Begrüßung Erzählerin: 16 Frauen und zwei Männer betreten zaghaft den Raum. Zwei Bestatter sind dabei und eine Ärztin. Die anderen sind privat betroffen. Manche kämpfen mit den Tränen, als sie ihre Situation schildern. 01 Zsp. Sterben Collage Vorstellungsrunde: Sonja: Ich bin betroffen, weil mein Mann unheilbar an Krebs erkrankt ist, es ist der Wunsch meines Mannes, es ist mein Wunsch, ihn zu begleiten, ich mach das, so lange ich kann… Caroline: Mein Name ist Caroline und meine Mutter ist schwer erkrankt, hat aber den Wunsch, zu Hause zu sterben, und deswegen würde ich gerne schauen, ob ich mir das zutraue. Inge: Mein Name ist Inge, ich hab nen sehr kranken Mann zuhause und versuche, hier ein bisschen Hilfe zu bekommen. Lenhart: Danke schön! Ganz unterschiedliche Motivationen, die Sie hierhergeführt haben, und: Ja, ich geh’s jetzt einfach mit Ihnen an! Musik: Foreboding fate Sprecher: Es ist kein schönes Thema. Und trotzdem verschont es niemanden. Irgendwann kommt der Tod ins Leben: sei es bei geliebten Menschen oder bei einem selbst. Das macht Angst. Je größer die Unsicherheit, desto mehr wächst die Angst. Zu viele Bilder sind präsent: von Schwerkranken, die hilflos und ohnmächtig an Schläuchen und Maschinen hängen. Alles über sich ergehen lassen. Die Schmerzen… und Atemnot haben. Doch all das muss nicht unbedingt sein. Die letzte Lebensphase kann durchaus selbstbestimmt gestaltet werden. Voraussetzung ist, eins der größten Tabus zu brechen. 02 Zsp. Sterben Anke Gerstein: Ich glaube, sterben ist einfacher für die Menschen, die sich damit schon befasst haben. Wenn das so ein Wabber-Ding ist oder ich lass mich überraschen, und ich bin dann auf einmal im Sterbeprozess und es überkommt mich alles, dann ist es schlimm. Erzählerin: Sagt die Sterbeamme Anke Gerstein (Aussprache: Gehr-stein). „Sterbeammen“ sehen sich als Pendant zu Hebammen. Sie begleiten nicht ins Leben, sondern aus dem Leben heraus. Anke Gerstein sieht sich als seelische und spirituelle Begleiterin für Sterbende und deren Angehörige auf dem letzten Lebensweg und in der Zeit der Trauer. 03 Zsp. Sterben Monika Müller: Wenn ich an alte Bilder denke, die ich als junges Mädchen hatte von dem so genannten „Badezimmersterben“, wo Menschen in ein Badezimmer geräumt wurden, als sie noch lebten und da ihrem Sterben entgegensahen. Also das sind Schreckensbilder, die im Kontext von Hospizarbeit und Palliativmedizin nicht mehr zutreffen. Erzählerin: Monika Müller, eine der Pionierinnen der Hospizarbeit in Deutschland. Sprecher: Ausgeliefert sein. Und ohnmächtig zuschauen. An Profis delegieren. Ohne selbst Entscheidungen zu treffen. Viele wollen das nicht mehr. Und so haben weltweit in den letzten zehn Jahren weltweit über 100.000 Menschen an den Letzte-Hilfe-Kursen teilgenommen. 04 Zsp. Sterben Georg Bollig: Die Zeit ist reif. Ich glaube, es ist einfach so, dass die Menschen in letzten Jahrzehnten verlernt haben, andern beim Sterben beizustehen. Erzählerin: Sagt Dr. Georg Bollig, Palliativmediziner und Gründer der „Letzte Hilfe-Kurse“. 05 Zsp. Sterben Georg Bollig: Mögliche Ursache ist vielleicht auch die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg, weil man so viel Tod und Sterben gesehen hatte, dass das institutionalisiert worden ist, also in Pflegeheim nur noch stattfindet oder in Krankenhäusern. Und wenn die heutigen Menschen angucke, die Generation, die jetzt 40, 50 oder älter sind, und die haben noch nie nen toten Menschen gesehen und haben dann natürlich auch Berührungsängste und wissen auch nicht, wie verhalte ich mich im Sterben gegenüber? Musik: Secret proofs red Sprecher: Zuhause sterben. Das wünschen sich nach Umfragen neun von zehn Menschen. Doch tatsächlich verbringen 80 Prozent ihre letzten Stunden in Einrichtungen: Altenheim, Pflegeheim, Krankenhaus oder Hospiz. Das hat viele Gründe. Einer davon ist, dass das Wissen über Sterbephasen und Sterbephänomene zwar durchaus für jeden verfügbar ist, aber die meisten Menschen lieber einen großen Bogen um das Thema machen. Musikzäsur, Kreublende in Atmo 3 Letzte Hilfe Kurs Darüber Erzählerin: Der erste Baustein im Letzte-Hilfe-Kurs nennt sich „Sterben als Teil des Lebens“. Palliativkrankenschwester und Kursleiterin Ulrike Lenhart erklärt, dass Sterben selten ein plötzliches Ereignis ist, sondern meist ein Prozess mit vielen Vorboten. 06 Zsp. Sterben Ulrike Lenhart: Also das Interesse an vielen Dingen schwindet immer mehr, Essen und Trinken spielt keine Rolle mehr, das nimmt immer weiter ab, bis hin, dass jemand sagt „Ich will nicht mehr essen, ich will nicht mehr trinken. (geht weiter) Darüber Erzählerin: Nahrung und Flüssigkeit zu verweigern, erklärt die Kursleiterin, ist ein ganz normaler Bestandteil des Sterbeprozesses. Und kein Notfall! Trotzdem ist der Griff zum Telefon, zur 112, dabei fast schon ein Reflex der Angehörigen. Einmal in der Klinik ist schnell die Magensonde gelegt oder der Venenzugang zur Flüssigkeitszufuhr. Georg Bollig, der Erfinder der Kurse, arbeitet selbst in einem Krankenhaus und sieht diese Überversorgung sehr kritisch: 07 Zsp. Sterben Georg Bollig: Für uns Ärzte ist es so, dass wir ‚Leben retten‘ im Kopf haben, das ist für uns ne ganz wichtige Sache, und das macht’s manchen meiner Berufskollegen auch schwierig, Dinge sein zu lassen. Musik: Complex questions Erzählerin: Er wünscht sich, dass das Thema „Sterben und Tod“ in die Kliniken einzieht. Nicht als eine Katastrophe oder das Ergebnis ärztlichen Versagens, sondern als eine Selbstverständlichkeit. Musik hoch Erzählerin: Die ausgebildete Sterbeamme Anke Gerstein arbeitet seit vielen Jahren als Krankenschwester in einem Hospiz. Und stellt immer wieder fest: Auch wenn jeder Sterbeprozess anders ist, ähnelt sich vieles. Wie etwa die psychischen Reaktionen auf eine schwere Diagnose: 08 Zsp. Sterben Anke Gerstein Nicht wahrhaben wollen, hadern damit, verhandeln, wütend sein und dann annehmen. Und die Angehörigen machen parallel diese Phasen auch durch. Wichtig ist, dass die Angehörigen über diese Phasen Bescheid wissen, weil wenn die Sterbenden so wütend sind, dann sind die oft sehr ungerecht. Sprecher: Einem Sterbendem beizustehen, ist kein Spaziergang. Und trotzdem: Wissen über das, was kommt, was kommen kann, gibt ein kleines Stück mehr Sicherheit bei dieser höchst anspruchsvollen Lebensaufgabe. Erzählerin: Zu diesem Wissen gehört auch, so erklärt Monika Müller, Expertin für Hospizarbeit, dass es manchmal nicht wirklich etwas zu tun gibt. Oft heißt begleiten einfach nur: Still da sein und aushalten: 09 Zsp. Sterben Monika Müller Es gibt keinen verbalen Trost, Sie können alle Weisheitsbücher der Welt auswendig gelernt haben, es gibt nichts, was dem anderen die Trauer nimmt, den Schmerz nimmt, und vielleicht wäre es sogar ein Verbrechen, das zu wollen, weil, die Auseinandersetzung mit dem Leid gehört dazu. Erzählerin: Nicht nur die Psyche, auch der Körper durchläuft verschiedene Sterbephasen. Für diese Phänomene gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Sowohl biologische, als auch spirituelle. Musik: C1461890020 New values: Ein Ansatz ist – neben anderen – im tibetischen Totenbuch zu finden. Gemäß dieser buddhistischen Auffassung verlaufen die Sterbephasen analog zu den vier Elementen. Sprecher: Zunächst beginnt sich das Element Erde aufzulösen: Das Gehen fällt schwer, die Knochen werden brüchig. Im Element Wasser kann der Körper den Flüssigkeitshaushalt nicht mehr regulieren: Wasseransammlungen und Inkontinenz sind mögliche Folgen. Beim Element Feuer schafft der Körper es nicht mehr, die Temperatur zu regulieren: Fieber kann auftreten, aber auch kalte Arme oder Beine. Und das letzte Element ist die Luft: 10 Zsp. Sterben Anke Gerstein: Das ist dann die letzte Phase: dass derjenige Atempausen bekommt oder eben dieses finale Rasseln, was den Angehörigen so viel Angst macht. Man denkt: ‚Der leidet so, aber das ist für den Sterbenden nicht so schlimm wie für den Angehörigen, der daneben sitzt. Ich bin eigentlich dazu da, um den Angehörigen die Sicherheit zu geben, dass das alles normal ist. Dass das alles dazu gehört. Atmo 3 Letzte Hilfe Kurs: Darüber Erzählerin: All das ist normal und kein Grund, den Notarzt zu rufen. Das lernen auch die Teilnehmenden im „Letzte Hilfe-Kurs“. Nach der Kaffeepause erklärt Ulrike Lenhart, was im Körper eines sterbenden Menschen vor sich geht. 11 Zsp. Sterben Ulrike Lenhart: Im Körper reduziert sich im Sterbeprozess alles mehr auf Herz, Lunge, Hirn. Die Durchblutung ist im Sterbeprozess nicht mehr so intensiv… (geht weiter)

  • Die Zecke - Kleiner Parasit mit großem Risiko

    18.08.2025 · 23 Min.

    Zecken sitzen auf Gräsern und warten auf einen Wirt. Warum? Die Parasiten brauchen Blut. Für Menschen ist der Stich an sich zwar nicht gefährlich, wohl aber die Krankheitserreger, die übertragen werden können. Von Claudia Steiner (BR 2020) Autorin dieser Folge: Claudia Steiner Regie: Christiane Klenz Es sprachen: Caroline Ebner, Shenja Lacher Technik: Robin Auld Redaktion: Bernhard Kastner BR Fernsehen hat einen weiteren spannenden Beitrag zum Thema: Von Jagd-Zecken, Tigermücken und Fledermäusen - Klimakrise befördert Ausbreitung neuer Erreger ZUM BEITRAG Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER.

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