WDR 3 Meisterstücke

Westdeutscher Rundfunk
350
15.10.2026
Beschreibung
Eine unterhaltsame Reise durch das faszinierende Universum der klassischen Musik - für Liebhaber und Neueinsteiger. Michael Lohse und sein Team erzählen die Geschichten hinter den Meisterwerken: Pointen, Fakten, Hintergründe.

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Episoden
  1. Um 1870 suchen Frankreichs Komponisten nach einem neuen Nationalstil. Der junge Fauré leistet dazu seinen Beitrag mit einem Klavierquartett, das für einen Nationalisten ziemlich lässig klingt und in Vielem bereits den Impressionismus vorwegnimmt.

  2. Eine Hymne fürs Stadion hat nicht jeder Komponist zu bieten. Joseph Haydn schon: Nach dem Vorbild von "God save the King"schrieb er 1796 ein Geburtstagsständchen für den österreichischen Kaiser - das heutige Deutschlandlied. Am schönsten klingt die Melodie aber immer noch in Haydns bewegendem Streichquartett Op. 76,3.

  3. 1902 vollendet Debussy seine einzige Oper. Zeitgleich entwickelt Sigmund Freud seine Psychoanalayse. Der Komponist erkundet das Unbewusste mit einer zukunftsweisenden Musik: Sein Klangstrom folgt einer Art Traumlogik und schmiegt sich eng an die Sprache.

  4. Ein Orchesterklang, der süchtig macht. Der magische Anfang seiner Tondichtung frei nach Nietzsches Buch über den persischen Mystiker Zarathustra hätte allein schon gereicht, um Richard Strauss den Weltruhm zu garantieren. Kaum ein Werk der Klassik kam öfter als Filmmusik zum Einsatz.

  5. Domenico Scarlatti schrieb schon als 17-Jähriger seine erste Oper. Seine eigentliche Leistung aber sind seine Sonaten für Cembalo: Luftige, tänzerische Juwelen des Barock wie die Sonate K 380, in der Scarlatti spanische Volksmusik verarbeitet und mit kühnen Harmonien experimentiert.

  6. Mozarts Meisteroper über den gefährlichen Frauenhelden aus Sevilla zählt zu seinen faszinierendsten Vokalwerken: 3 Stunden voller Verwechslungen, Tragik und musikalischer Hochspannung. Zur Premiere in Prag kam auch Giacomo Casanova.

  7. Angeblich im Auftrag Paganinis komponierte Hector Berlioz 1834 ein Werk für Bratsche und Orchster. Das Ergebnis ist Romantik pur: ein faszinierender Zwitter aus Sinfonie und Solokonzert, in dem der Komponist Autobiografisches mit Lord Byrons literarischer Vorlage vermischt.

  8. Schubert kam in seinem Leben nicht viel herum. 1825 gönnte er sich immerhin eine Sommerreise nach Steyr. Ob er in der Enns geangelt hat? Das dort entstandene Forellenquintett ist jedenfalls zum Anbeißen: Leidenschaftliche Kammermusik, die fast wie ein volles Orchester klingt.

  9. Liszt war ein Phänomen: von den Massen bejubelt und von Groupies umschwärmt tourte er quer durch Europa. Die effektvollen Stücke für seine Auftritte komponierte der Virtuose gleich selbst. Ungarische Rhapsodien über die Klänge seiner Kindheit zum Beispiel.

  10. Studierende kennen das von der Diss: sie will einfach nicht fertig werden. So ging es Brahms mit seiner 1. Sinfonie: 14 Jahre plagte er sich, bis selbst der Perfektionist nichts mehr auszusetzen hatte an seinem Geniestreich in Sachen Orchesterklang und Logik der Form.

  11. Ob "Morgenstimmung" oder "In der Halle des Bergkönigs" - Griegs Musik zu Henrik Ibsens Sinnsuche-Drama enthält einige der bekanntesten Melodien der klassischen Musik. Sinnliche Klangzauberei zwischen Orient und der wilden Bergwelt Norwegens.

  12. Lust auf einen musikalischen Kurztrip in die ewige Stadt? Ob Brunnen, Pinien oder rauschende Feste - Ottorino Respighi hat Roms Zauber in drei prägnanten Orchesterwerken eingefangen. Am bekanntesten: die "Pinien von Rom" aus dem Jahr 1924.

  13. In wenigen Tagen skizziert Saint-Saëns 1886 seine "große zoologische Fantasie". Die musikalischen Karikaturen von Schildkröte, Känguru und Co sind ein Riesenspaß bis heute. Dabei hatte der Komponist der Nachwelt weitere Aufführungen streng verboten...

  14. Unter dem Einfluss des italienischen Barock schreibt Johann Sebastian Bach 1735 ein Cembalo-Konzert - allerdings ohne Orchester. Dessen Part übernimmt der Pianist gleich mit. Das virtuose Werk erscheint 1735 zusammen mit seiner Zwillingsschwester: der französischen Ouvertüre.

  15. Béla Bartók verabschiedet sich mit seinem frühen Violinkonzert gleich doppelt: von seiner Geliebten Stefi Geyer, die nichts mehr von ihm wissen will - und von der Spätromantik. In dem 1908 vollendeten Werk kündigt sich ein radikaler stilistischer Wandel an.

  16. "Sex oder Liebe?" lautet verkürzt gesagt die Frage, vor der Wagners Titelheld steht. In der 1845 uraufgeführten Oper über den Minnesänger Tannhäuser, der für seine sexuellen Ausschweifungen büßen muss, dürfte Wagner auch Konflikte mit seiner eigenen Libido verarbeitet haben.

  17. György Ligeti hat auf vielen stilistischen Hochzeiten getanzt. Kaum ein Stück aber wurde so populär wie dieses Frühwerk von 1961 mit seinem elektrisierenden Orchestersound. Stanley Kubrick verwendete die Musik später für "Odyssee im Weltraum".

  18. Bachs begabter Zweitgeborener hatte nicht nur viele Vornamen, sondern mindestens eben so viele Talente: Cembalist, Komponist und Hobby-Psychologe. Jedenfalls illustriert seine effektvolle Triosonate Wq. 161,1 eindrucksvoll die Temperamente von Melancholiker und Sanguiniker.

  19. Ein Jahr vor seinem Tod schrieb Schubert 8 Klavierstücke und nannte sie "Impromptus" - Improvisationen. Heute kommt kein Klavierschüler daran vorbei. Damals verschwanden die meisten erstmal in der Schublade. Ruhm und Vermarktung kamen erst posthum.

  20. Shakespeares Tragödie inspirierte Prokofjew zu seinem wohl bedeutendsten Ballett: plastisch, ausdrucksstark und durchaus volksnah. Doch bis zur St. Petersburger Premiere 1940 ist es im stalinistischen Russland ein langer Weg.