1000 Antworten

SWR
735
20.10.2026
Beschreibung
Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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Episoden
  1. Im Mittelalter aß man mit den Fingern Der Ausdruck kommt aus dem Mittelalter. Damals hat man bekanntlich noch mit den Fingern gegessen. Das Essbesteck, wie wir es heute kennen, hat sich erst allmählich ab dem 17. Jahrhundert durchgesetzt. Im Mittelalter haben auch die besseren Stände mit den Fingern gespeist. Weil diese dabei aber fettig und schmutzig werden, wurden zum Essen auch Wasserschalen gereicht, in denen man die Finger zumindest vom Gröbsten reinigen konnte. Nach dem Essen Wasserschale für die fettigen Finger reichen Der Adel beauftragte mit dieser Reichung des Wassers wiederum seine Tischdiener. Das Reichen einer Wasserschale ist nun einerseits keine besondere anspruchsvolle Tätigkeit. Aber sie verlangt natürlich, dass derjenige an der Tischgesellschaft einigermaßen vorzeigbar ist. Wem man nicht einmal zutraute, seinem Herrn das Wasser zu reichen, war generell zu nicht viel zu gebrauchen. Diese Herkunft ist insofern interessant, weil der Ausdruck "jemandem das Wasser reichen können" heute ja meist in der Bedeutung verwandt wird: Mit jemandem auf Augenhöhe sein bzw. es im Wettstreit mit jemandem aufnehmen können. Wer dir nicht das Wasser reichen kann, ist einfach nicht so gut wie du. Darum ging es aber früher gar nicht. Selbst der Knappe, der seinem Herrn die Wasserschale reichen konnte, war damit mit ihm ja noch lange nicht auf Augenhöhe; er war immer noch Diener seines Herrn. Es war eher ein Unterscheidungsmerkmal innerhalb der Dienerschaft. Wer das Wasser reichen konnte, war höher angesehen als derjenige, der es nicht reichen konnte.

  2. Siedepunkt des Wassers ist in den Bergen niedriger Ja. Wenn Sie auf einer Berghütte Urlaub machen und dort das Wasser für ihre Spaghetti aufsetzen, dann fängt das Wasser schneller an zu kochen, als wenn Sie das in einer Strandwohnung tun – zumindest, wenn sonst gleiche Bedingungen herrschen, also die Umgebung gleich warm ist, das Wasser dieselbe Anfangstemperatur hat und die Herdplatten gleich heiß sind. Der Grund: Der Siedepunkt ist in den Bergen niedriger. Wir haben zwar gelernt: Wasser siedet bei 100°C – doch das gilt nur bei Normaldruck auf Meereshöhe. Die Gesetze der Physik sagen aber: Je niedriger der Außendruck, desto niedriger auch die Siedetemperatur. Und da gilt die Faustregel: Pro 300 Meter Höhe sinkt der Siedepunkt um ein Grad. Auf 1.000 Metern Höhe macht das schon etwas mehr als 3 Grad aus, auf 2.000 Metern Höhe fast 7 Grad. Das Wasser kocht dann schon bei 93°C und nicht erst bei 100°C. Wenn das Wasser schneller kocht, sind die Spaghetti dann früher fertig? Im Gegenteil. Denn die Garzeit hängt vor allem von der Temperatur ab. Das Wasser mag auf meiner Berghütte auf 2.000 Metern Höhe zwar schneller kochen, die Temperatur bleibt aber bei 93°C – heißer wird es nicht, sondern verdunstet nur noch. Und bei 93°C brauchen die Spaghetti eben länger, um genießbar bzw. al dente zu sein, als bei 100°C. Dasselbe bei Eiern. Will man ein klassisches 5-Minuten-Ei, sollte man es in den Bergen lieber zum 6-Minuten-Ei machen.

  3. Disteln, Karden oder ähnliche Pflanzen werden sehr gerne von Distelfinken – wie der Name schon sagt – gefressen. Ich würde grundsätzlich dafür plädieren, über den Winter alles stehen zu lassen. Zumindest alles, was nicht stört. Vögel, Mäuse und Insekten profitieren im Winter von Samenständen Nicht nur Vögel, sondern auch kleine Mäuse holen sich da Sämereien. Außerdem sind die Stängel, die stehen bleiben, ein sehr guter Überwinterungsort für Insekten. Viele überwintern tatsächlich in den Stängeln, zum Beispiel die Keulhornbiene. In hohlen Stängeln verkriecht sie sich, zum Teil überwintern auch die Puppen oder die Eier an den Pflanzenstängeln. Wenn man aber im Herbst alles abschneidet und auf den Kompost wirft, haben diese Tiere keine Chance. Deshalb würde ich immer dafür plädieren, im Herbst nicht alles herunterzuschneiden, sondern so viel wie möglich über den Winter stehen zu lasse.

  4. Willkürliche Festlegung Egal wo Sie hinkommen, Norden ist auf Karten immer oben. Dieser Standard hat sich – natürlich auch im Zuge der Kolonialisierung – weltweit durchgesetzt. Das ist einfach eine Konvention, die den Umgang mit Karten erleichtert. Das hat in dem Fall auch nichts mit kolonialistischem oder "eurozentrischem" Denken zu tun. Letztlich ist es eine willkürliche Festlegung. Es gibt ja – nur aus der Tatsache heraus, dass wir auf der Nordhalbkugel sind und die Sonne im Osten aufgeht – keinen besonderen Grund, der nahelegen würde, dass die Karten nach Norden ausgerichtet sind. Das ist heute zwar selbstverständlich, aber von der Sache her nicht unbedingt "logischer" als es eine Südausrichtung wäre. "Orientieren": sich nach Osten ausrichten Tatsächlich waren Landkarten nicht immer nach Norden ausgerichtet. Bei den alten Griechen zwar schon, aber dann kam im Mittelalter eine Phase, in der auf Weltkarten der Osten oben war. Denn: Im Osten lang die heilige Stadt Jerusalem. Das Wort "orientieren" stammt übrigens genau aus dieser Zeit: Orient ist der Osten. Wer sich orientiert, richtet sich und damit seine innere Landkarte also nach Osten aus. Bei arabischen Karten war es noch komplizierter. Die waren lange Zeit nach Mekka ausgerichtet. Aber je nachdem, in welchem arabischen Land man sich befindet, liegt das immer in einer anderen Richtung. Dass sich dann doch die Nord-Süd-Achse in der Kartographie durchgesetzt hat, kam erst mit den großen Seefahrern und natürlich mit der Einführung des Kompasses. Den haben wir auch den Arabern zu verdanken (die ihn wiederum von den Chinesen haben). An den Polen wird's schwierig Die Kompassnadel, die von Nord nach Süd zeigt, hat wesentlich dazu beigetragen, dass auch die Landkarten danach ausgerichtet werden. Zu den wenigen Ausnahmen gehören die Gegenden, wo das nicht funktioniert, nämlich an den Polen selbst: Eine Landkarte der Arktis oder der Antarktis kann man nicht "nach Norden" ausrichten. Im Fall der Arktis wäre der Nordpol mitten im Bild. Im Fall der Antarktis wäre der gesamte Kartenrand "Norden". Da funktioniert das also nicht. Aber sonst ist Norden weltweit oben.

  5. Jakobskreuzkraut: wichtige heimische Wildpflanze Jakobskreuzkraut ist sehr giftig für Weidetiere, vor allem wenn es ins Heu gerät. Frisch auf der Wiese meiden die Tiere es in der Regel. Sobald es aber im Heu landet, können sie es nicht mehr "herausfiltern", fressen es und dann ist es tatsächlich sehr giftig, insbesondere für Pferde. Gleichzeitig ist Jakobskreuzkraut eine heimische Wildpflanze, und ich plädiere sehr dafür, sie nicht überall zu entfernen. Es gibt viele giftige Pflanzen, mit denen wir täglich leben. Ein Beispiel ist der Kirschlorbeer, den gefühlt jeder zweite im Garten hat – der ist ebenfalls giftig. Wir brauchen die heimischen Pflanzen. Beim Jakobskreuzkraut gibt es etwa einen Schmetterling, dessen Raupen darauf angewiesen sind, die Blätter dieser Pflanze zu fressen. Solche Pflanzen sind wichtig für die Artenvielfalt. Deshalb würde ich sagen: An Stellen, wo es wirklich problematisch ist – also auf Heuwiesen und dort, wo Kinder unmittelbaren Kontakt haben könnten – sollte man Jakobskreuzkraut entfernen. An Orten hingegen, wo es nicht stört, darf es ruhig wachsen. Denn es ist eine Pflanze, die hierhergehört und die ihren Wert für die Artenvielfalt hat.

  6. Natternkopf, Kartäusernelke und Glockenblumen Pflanzen kann man auch im Herbst noch sehr vieles. Ich nenne ein paar Pflanzen, die ich besonders gerne mag und auch in meinem eigenen Garten habe. Zum einen den Natternkopf. Er blüht helllila-bläulich und ist ein richtiger Wildbienen-Magnet. Da ist im Sommer richtig was los, daran kann man sich sehr erfreuen. Es gibt auch die spezialisierte Natternkopf-Mauerbiene, die ihren Pollen nur am Natternkopf sammelt. Mit etwas Glück kann man sie dort beobachten. Dann die Kartäusernelke: Sie blüht auch jetzt noch, hat einen sehr langen Blühzeitraum – vom Frühsommer bis in den Herbst hinein. Sie hat filigrane, pinkfarbene Blüten und ich mag sie sehr gerne. Und schließlich die verschiedenen Glockenblumen-Arten. Da gibt es eine große Auswahl, die gut in den Garten passt: die Rundblättrige Glockenblume, die Wiesenglockenblume, die Rapunzel-Glockenblume. Auch hier gibt es viele spezialisierte Wildbienen, die gerne auf Glockenblumen fliegen.

  7. 15.10.2026
    2 min

    Warum klassische Antifaltencremes wenig bringen Antifaltencremes kann man sich meist sparen. Die versprochenen Antifalten-Wirkstoffe, die man teuer bezahlt, können gar nicht dort eindringen, wo sie eigentlich gebraucht würden: Wir bräuchten sie in der Lederhaut, also in der zweiten Hautschicht. Dort befindet sich das Kollagen als Stützgerüst fürs Bindegewebe; das gibt uns Halt. Die elastischen Fasern sorgen für die Rücksprungkraft, damit nichts "baumelt". Und die Hyaluronsäure gibt uns den "Saft". Das können wir nicht an die Haut "hincremen", weil die Hautbarriere das alles draußen hält. Sinnvolle Maßnahmen gegen Hautalterung Was sehr wohl sinnvoll gegen Faltenbildung ist, ist die konsequente Nutzung von Sonnencreme. Das ist eine gute Anti-Aging-Maßnahme. Wenn wir trockene Haut haben oder zu Entzündungen neigen, können wir genau diese Stellen punktuell mit minimalistischen Cremes pflegen – also Cremes, die nicht zu viele Inhaltsstoffe enthalten. Beispielsweise reicht reine Sheabutter, ein kalt gepresstes Fett vom afrikanischen Karitébaum. Wenn das zu fettig, gibt es sehr gute biomimetische Cremes ohne Duftstoffe, Farbstoffe und Konservierungsstoffe. Am Körper darf etwas Harnstoff (Urea) in der Pflege enthalten sein, weil er Feuchtigkeit bindet. Im Gesicht kann ein wenig Hyaluronsäure sinnvoll sein. Wer medizinisch gegen Falten "ancremen" möchte, sollte zum Hautarzt oder Hormonarzt gehen. Gerade für Frauen in der Menopause können Östrogen und Progesteron in eine Creme eingemischt werden. Außerdem kann man mit starkem Vitamin A arbeiten, das jedoch so stark ist, dass es oft nur einmal pro Woche vertragen wird. Sonst drohen Schuppenbildung und Rötungen – und das sieht auch nicht jung aus. Wer also etwas "extravagant" bei der Faltenbehandlung vorgehen möchte, sollte eher zu Arzneimitteln greifen als zu Kosmetik. Zaubern kann aber nichts davon – und teure Antifaltencremes sind definitiv nicht nötig.

  8. Hitzeresistenter Garten: Pflanzenauswahl und richtiges Gießen Das Wichtigste ist tatsächlich, zum Gießen möglichst Regenwasser zu verwenden, das man gesammelt hat. Außerdem macht die Pflanzenauswahl einen sehr großen Unterschied. Sie wollen natürlich nicht alle Pflanzen ersetzen. Aber grundsätzlich kann man darauf achten, dass man Pflanzen auswählt, die an einen trockenen, warmen Standort angepasst sind. Es gibt sehr viele heimische Pflanzen, die sich dafür eignen und die man praktisch gar nicht gießen muss. Meine Empfehlung: Wenn Sie gießen, dann gießen Sie lieber nicht so oft, dafür aber sehr viel auf einmal. Das führt dazu, dass die Wurzeln mehr in die Tiefe wachsen, weil sich das Wasser nicht nur in den oberen Bodenschichten hält, sondern nach unten sickert. Die Wurzeln folgen dann dem Wasser. So kann man die Pflanzen "erziehen", damit sie langfristig weniger Wasser brauchen.

  9. Im Kühlschrank arbeitet ein Kompressor Ein Kühlschrank wird dadurch kühl gehalten, dass ständig Wärme abgeführt wird. Das geschieht über ein Kältemittel, das in der Wand des Kühlschranks zirkuliert. Das Besondere an diesem Kältemittel: Es hat einen so niedrigen Siedepunkt, dass es bei Kühlschranktemperatur schon verdampft, also in den gasförmigen Zustand übergeht. Dieses Verdampfen verbraucht Wärme – die sich das Kältemittel aus dem Inneren des Kühlschranks holt und ihn dadurch abkühlt. Das jetzt gasförmige Kältemittel zirkuliert weiter und gelangt in einen Kompressor. Das ist das, was brummt! Der Kompressor drückt das Gas zusammen. Dadurch wird es wieder flüssig. Dabei wiederum wird Wärmeenergie frei – nur wird sie diesmal nach außen abgeführt. Die Pumpe im Kühlschrank transportiert also mithilfe des Kältemittels, das Wärme aufnehmen und abgeben kann, Energie von innen nach außen; dadurch bleibt der Kühlschrank kalt. Das passiert aber nicht ständig, sondern die Pumpe bzw. der Kompressor schaltet sich dann ein, wenn es nötig ist – wenn also die Temperatur im Inneren über einen kritischen Schwellenwert steigt. Wohl nicht mehr ganz dicht: wenn das Brummen lauter wird Wenn Kühlschränke altern, kann es passieren, dass das Brummen häufiger und lauter wird. Das kann mehrere Gründe haben, z.B. dass das Gerät schneller Wärme verliert, weil das Dichtungsgummi in der Kühlschranktür nicht mehr richtig abdichtet. Eine andere Möglichkeit ist, dass sich im Kühlschrank oder im Gefrierfach Eis gebildet hat. Ein vereister Kühlschrank verbraucht ebenfalls mehr Energie; auch dann schaltet sich der Kompressor häufiger an. Um das zu vermeiden, sollte man den Kühlschrank deshalb von Zeit zu Zeit abtauen. Vielleicht hat der Kühlschrank eine Schraube locker Wenn der Kompressor aber nicht nur häufiger brummt, sondern auch lauter ist als früher, hat das vermutlich andere Gründe. Es kann sein, dass an der Pumpe oder am Kompressor irgendwelche Schrauben nicht mehr fest sitzen, sodass – wenn der Kompressor anspringt – weitere Teile vibrieren. Manchmal bringen die Vibrationen der Pumpe auch irgendwas im Kühlschrank selbst zum Klappern – Fächer oder Behälter, die nebeneinanderstehen. Um das zu überprüfen, sollte man den Kühlschrank ausräumen und schauen, ob er dann immer noch so laut brummt. Vor dem Einräumen kann man mithilfe einer Wasserwaage sicherstellen, dass er auch wirklich waagerecht steht.

  10. Gegen Fraßdruck: Carnivorie aus Abwehrmechanismen entwickelt Vermutlich hat sich die Carnivorie – also die Fähigkeit von Pflanzen, Fleisch zu fressen und zu verdauen – aus Abwehrmechanismen entwickelt. Die Pflanzen haben demnach nicht das "Jagen" neu erlernt als Innovation, sondern sie haben gelernt, ihre Feinde zu fressen. Pflanzen stehen immer unter Fraßdruck: Da sind Blattläuse, die an ihnen rumsaugen, Raupen, die an ihnen fressen. Pflanzen können das detektieren und zum Beispiel Reize losschicken, Hormonbotschaften senden, Abwehrmechanismen in Gang setzen und Enzyme ausschütten. All das kann helfen, Fraßfeinde abzuwehren. Auf nährstoffarmen Böden, wo also Nährstoffmangel herrscht, hat sich im Lauf der Evolution diese Kaskade an Prozessen, Strukturen und Mechanismen dahingehend gewandelt, dass die Pflanzen Tiere anlocken, töten, verdauen und die Nährstoffe aufnehmen können. Das ist aktuell der Stand des Wissens. Gibt es Fossilien, die diese Entwicklung belegen? Das ist schwierig. Idealerweise gäbe es Fossilien, die solche Zwischenstufen zeigen. Aber fleischfressende Pflanzen sind mit ein paar Ausnahmen oft krautig. Das heißt, sie haben keine hölzernen Strukturen und der Fossilbeleg ist mau, um es nett zu sagen. Es gibt einige in Bernstein eingeschlossene Inklusen, die ein paar frühe Carnivoren zeigen. Uns fehlen jedoch die wirklichen Bilder, die uns zeigen, wie das ausgesehen haben könnte. Aber man kennt natürlich diese Mechanismen und weiß, dass die auch schon früher stattgefunden haben müssen. Carnivorie ist übrigens etwas, was wir in der Biologie als konvergente Erscheinung bezeichnen. Sie ist mehrfach unabhängig im Pflanzenreich entstanden. Diese Pflanzen sind auch gar nicht näher miteinander verwandt. Es gibt zum Beispiel Pflanzen, die mit Gleitfallen arbeiten, wo Tiere ausrutschen und hineinfallen. Die sind gleich mehrfach unabhängig im Pflanzenreich entstanden. Schnappfallen nur einmal, Klebefallen mehrfach, Saugfallen nur einfach. Man kann sich verschiedenste evolutionäre Ursprünge und Prozesse vorstellen, wie das passiert sein könnte. Es ist nicht einfach, die Evolution da nachzuvollziehen.

  11. Der Boden spielt im Naturgarten eine wichtige Rolle. Im Naturgarten möchte man am liebsten einen Boden, der nicht so nährstoffreich ist – anders, als man es vielleicht sonst denkt. Oft geht man davon aus, dass viele Nährstoffe gut seien für alle Pflanzen. Viele unserer Wildpflanzen mögen aber eher einen nährstoffarmen Boden, weil sie sich dort besser durchsetzen können. Weniger Nährstoffe, mehr Artenvielfalt Wenn der Boden sehr nährstoffreich ist, setzen sich andere Pflanzen durch. Dann ist alles schnell zugewachsen So haben viele Wildstauden, die nicht so konkurrenzstark sind, keine Chance. Das heißt: In einem Naturgarten würde ich nicht stark düngen oder mulchen, sondern im Zweifel einen etwas nährstoffärmeren Boden anstreben.

  12. Solche Fälle sind dokumentiert, fast immer war dabei Hypnose im Spiel. Das Prinzip: Dem hypnotisierten Menschen wird ein kalter Gegenstand auf die Haut gedrückt, zum Beispiel eine Münze oder einfach ein Finger. Gleichzeitig wird ihm gesagt, dass es sich um etwas sehr Heißes handele, eine glimmende Zigarette zum Beispiel. Dann entwickelt die Versuchsperson an der Stelle eine Brandblase, und dies oft erst, nachdem sie längst aus der Hypnose aufgewacht ist. In anderen Variationen wird nichts auf die Haut gedrückt, sondern nur über Sprache suggeriert, dass sich die Haut verbrennt. Beliebtes Experiment im 19. Jahrhundert, aber schlecht dokumentiert Solche Experimente gab es in verschiedenen Variationen schon im 19. Jahrhundert. Allerdings sind viele dieser alten Berichte nicht so sorgfältig dokumentiert, dass man sie als wissenschaftlich sehen könnte. Ich habe eine Studie aus den 1960er-Jahren gefunden, die alle Berichte von solchen Experimenten, die es bis dahin gab, gründlich untersucht hat. Fast ein Drittel dieser Experimente konnten wissenschaftlich nicht verwendet werden, entweder weil der Versuchsaufbau nicht dokumentiert war oder weil der Hypnotiseur das Experiment allein durchgeführt hat und es keine Zeugen gab. Bei einigen weiteren Versuchen wiederum war nicht ganz klar, ob die vermeintlichen Brandblasen wirklich durch Suggestion entstanden sind, oder ob es sich nicht um ganz normale Hautirritationen gehandelt hat, die einfach durch intensive Reibung oder auch durch eine Kontaktallergie entstanden sind. Es funktioniert bei manchen, aber längst nicht bei allen Menschen Was sich ebenfalls herausstellte: Diejenigen Versuchspersonen, bei denen das Ergebnis weitgehend unstrittig ist, hatten fast alle psychische Auffälligkeiten. Sie wurden im damaligen psychologischen Vokabular als "hysterische" Persönlichkeiten dargestellt. Heute benutzt die Psychologie ein etwas differenzierteres Vokabular, aber zumindest lässt das darauf schließen, dass diese Versuchspersonen, bei denen es geklappt hat, besonders empfänglich für suggestive Botschaften waren. Zum Beispiel ist der Fall eines Patienten dokumentiert, der im Krieg schwere Verletzungen durch Granatsplitter davongetragen hat. Er sollte nun unter Hypnose dieses schreckliche Geschehen noch einmal durchleben. Dabei wurde ihm unter anderem suggeriert, er sei wieder von einem geschmolzenen Metallstück getroffen worden. Gleichzeitig hat der Hypnotiseur mit einer kleinen metallischen Feile die Haut berührt. Auch bei diesem Patienten fing die Haut zunächst an, sich zu röten. Die Hypnose wurde abgebrochen, aber im Verlauf der weiteren Stunde entwickelte sich an der entsprechenden Stelle wieder eine typische Brandblase. Kurz – und das hat sich auch in späteren Experimenten bestätigt – es funktioniert bei manchen, aber längst nicht bei allen Menschen. Bei all diesen Versuchen ging es wirklich immer nur um solche Brandblasen bzw. – um es noch vorsichtiger zu sagen – brandblasenähnliche Hautirritationen. Es wäre falsch, diese Experimente als Beispiel für alle möglichen wundersamen Manipulationen zu nehmen, also zu glauben, man könnte auf die gleiche Weise bei Menschen durch Suggestion Messerschnitte erzeugen oder spontan einen Finger brechen oder ähnliches. Gibt es eine Erklärung, wie das bei den Brandblasen funktioniert? Es gibt eine gewisse Vorstellung, die aber in keinem konkreten Fall bewiesen wurde. Natürlich ist es ein ungewöhnliches und unerwartetes Phänomen. Ein "Wunder" in dem Sinn wäre es aber nur dann, wenn man Körper und Geist als zwei völlig getrennte Wesenheiten betrachtet. Aber das sind sie ja nicht. Gerade die psychosomatische Medizin hat gezeigt, wie eng manchmal geistig-psychische Phänomene und körperliche Vorgänge zusammenhängen. Und zwar gilt das in besonderem Maße einerseits für neurologische und immunologische Vorgänge, also für alles, was mit unseren Nerven einerseits und der Immunabwehr andererseits zu tun hat. Und eine Brandblase ist letzten Endes auch so ein Vorgang. Eine Brandblase ist ja im Grunde schon eine Heilungsreaktion, die der Körper selbst in Gang setzt, um die durch die Hitze zerstörten Zellen abzustoßen und zu erneuern. Das Experiment zeigt, dass es möglich ist – zumindest bei manchen Personen – über den Umweg des Geistes dem Körper zu suggerieren, dass es an der Haut etwas zu reparieren gibt.

  13. Naturgarten: beste Pflanzzeit startet im September Tatsächlich startet im September die beste Pflanzzeit. Im Herbst ist inzwischen die Zeit, in der man am besten pflanzen kann. Im Frühjahr sind die Böden teilweise schon zu trocken. Das heißt: Sobald es ein bisschen nasser wird, öfter regnet und nicht mehr ganz so heiß ist, kann man anfangen, sich Gedanken zu machen: Was möchte ich pflanzen? Welche Wildpflanzen können meinen Garten im besten Fall ergänzen? Diese Pflanzen kann man dann sehr gut im Herbst in die Erde bringen. Das geht sogar bis in den November hinein. Solange kein Schnee liegt und der Boden nicht gefroren ist, kann man Wildpflanzen auf jeden Fall pflanzen. Man kann im Herbst auch Blumenzwiebeln stecken, damit man im nächsten Frühjahr schon für die ersten früh fliegenden Insekten, zum Beispiel die ersten Erdhummeln, die unterwegs sind, etwas im Angebot hat. Die haben dann schon Hunger und freuen sich über ein paar Krokusse oder Traubenhyazinthen, die bereits blühen. Im Oktober beginnt die Zeit, in der man Gehölze zurückschneiden kann. Wir sollten ja zwischen Anfang März und Ende September wegen der Vogelbrutzeit nicht schneiden oder zumindest nur sehr eingeschränkt. Das heißt: Wenn man noch etwas schneiden will, kann man damit im Oktober beginnen. Wie "radikal" kann man den Naturgarten im Herbst aufräumen? Im Prinzip muss das Aufräumen fast gar nicht sein, aber man darf natürlich auch in einem Naturgarten im Herbst etwas tun. Wenn man Gehölze zurückschneiden will, kann man das auf jeden Fall machen. Wenn Laub liegt, gerade auf dem Rasen, kann man es gerne zu einem Haufen zusammenrechen oder unter die Sträucher legen. Das kann ein guter Überwinterungsort für Insekten und Igel sein; die freuen sich darüber. Man sollte nicht alles in die Biotonne werfen, sondern auch etwas im Garten lassen. Das ist ein guter Mulch für die Pflanzen. Das heißt: Man kann schon ein bisschen aufräumen, aber man sollte es nicht übertreiben.

  14. Der Rock im heutigen Sinn kam im 15. Jahrhundert auf Röcke wurden nicht immer vor allem von Frauen getragen. Auch der Kilt – der Schottenrock – blickt auf eine lange Tradition zurück. Im Mittelalter waren Röcke gängig, sowohl bei den Bauern als auch bei den Rittern. Streng genommen waren diese Waffenröcke aber eher in der Taille geschnürte Kleider bzw. überlange Hemden. Der Rock im heutigen Sinn, der erst in der Taille anfängt, kam etwa im 15. Jahrhundert auf. Hose vor allem bei den Reitervölkern verbreitet Da wegen der Einfachheit der Herstellung der Rock scheinbar selbstverständlicher ist – im einfachsten Fall ist es ein um den Leib gewickeltes Tuch – wäre es interessanter zu fragen, wie und warum die Hose ins Spiel kam. Die ist ja viel komplizierter und aufwändiger. Das allerdings weiß man nicht genau, aber sie war offenbar von Anfang an ein eher männliches Kleidungsstück. Woher das kommt – daher kann man spekulieren. Verbreitet waren Hosen offenbar vor allem bei Reitervölkern – das könnte ein Hinweis sein. In der Tat sind Hosen beim Reiten praktischer als Röcke. Und weil vermutlich die Männer bei all diesen Völkern – Skythen, Mongolen usw. – mehr auf Pferden unterwegs waren, würde dies erklären, warum es zu einem männlich assoziierten Kleidungsstück wurde. Römer hielten Hosen für unziemliche Barbarenkleidung Das heißt nicht, dass die Hose in der Geschichte immer ein Statussymbol bzw. die Kleidung der Mächtigen war. Schlagen wir nach bei Asterix: Da sind es die imperialen Römer, die die Röcke tragen, während die scheinbar so provinziellen Gallier in Hosen herumlaufen. Und so war das wirklich: Für die Römer waren Hosen letztlich unziemliche Barbarenkleidung. Daran sieht man: Das Image der Kleidungsstücke ändert sich mit der Zeit. Lange verpönt: Hosen für Frauen Wenn wir heute überlegen, warum Röcke "typisch Frau" sind, hätten wir vor fünfzig Jahren auch umgekehrt fragen können: Warum tragen nur Männer Hosen? Hosentragende Frauen galten lange Zeit als unschicklich. Noch 1970 mussten weibliche Bundestagsabgeordnete, die mit Hose oder Hosenanzug den Plenarsaal betraten, damit rechnen, aus dem Saal verwiesen zu werden. Männer in Röcken sind heute noch immer eher selten Die Frauen haben sich emanzipiert, dürfen jetzt beides tragen – bei den Männern ist es noch ungewöhnlich. Modeexperten sagen zwar, das ändere sich ein wenig, auch bei Männern kämen Röcke zunehmend in Mode – aber eine Massenerscheinung ist es offensichtlich noch nicht.

  15. Efeu ist eine tolle heimische Pflanze, die sehr spät blüht. Das ist sehr wertvoll für Insekten, die im Spätsommer noch fliegen, weil sonst einfach nicht mehr so viel blüht. Es gibt sogar eine spezialisierte Efeu-Seidenbiene. Rückschnitt an der Fassade: brütende Vögel nicht stören Gerade an Fassaden sollte man den Efeu nicht im Sommer schneiden, weil die Gefahr besteht, dass dort Vögel brüten und man die stört. Deswegen würde ich das eher auf den Herbst verlegen, ein bisschen nach der Blüte. Der Efeu wird dann zwar nur wenige oder gar keine Beeren in dem Jahr tragen, was schade ist für die Vögel. Aber wenn die Pflanze zurückgeschnitten werden muss, dann ist das eben so. Der September ist zum Zurückschneiden noch etwas zu früh, da würde ich noch warten. Die Vögel sind da zwar nicht mehr so aktiv, was die Brutzeit angeht. Aber wenn der Efeu im Spätsommer anfängt zu blühen, würde ich warten und diese Blüten den Insekten überlassen. Im Oktober kann man den Efeu dann herunterschneiden.

  16. Was bedeutet "neutral"? Es wird manche überraschen, aber das steht so nirgends. Wir bekommen immer wieder Publikumspost, in der uns eine Hörerin oder ein Zuschauer vorwirft, wir würden unsere Neutralitätspflicht verletzen – wenn etwa ein journalistischer Beitrag über gesellschaftlich strittiges Thema einen bestimmten Tenor hat oder zu einem Ergebnis kommt, das manchen nicht gefällt. Dann heißt es, wir seien nicht "neutral". Liest man sich aber die juristischen Grundlagen für die Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch, dann taucht das Wort "neutral" gar nicht auf. Aus guten Gründen, weil das Wort "neutral" auch ein wenig nebulös ist. Die "Neutralität" der Schweiz meint etwas anderes als die "Neutralität" des Schiedsrichters. "Neutral" kommt aus dem Lateinischen "Ne utrum", auf Deutsch: "keins von beidem". Aber was bedeutet das konkret? Versteht man unter Neutralität, dass man keine Position bezieht? Oder noch schärfer, dass man sich aus Auseinandersetzungen komplett heraushält? Oder bedeutet es nur, dass man keine Partei ergreift? Darüber kann man lang philosophieren, muss man aber in dem Fall gar nicht, weil die Rechtsgrundlagen, die den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks definieren, genauere Begriffe verwenden als "Neutralität" . Kurz, welche sind das? Das ist zum einen der Medienstaatsvertrag, der zwischen allen Bundesländern geschlossen wurde. Daneben gibt es Staatsverträge bzw. Gesetze für die einzelnen Rundfunkanstalten. Zum Beispiel gibt es für den Südwestrundfunk, den SWR, einen Staatsvertrag zwischen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Wie muss der ÖRR berichten? Da steht nichts von Neutralität, aber dort stehen andere Begriffe, die präziser sind. Beispielsweise steht im Medienstaatsvertrag, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zur Gewährleistung einer "unabhängigen, sachlichen, wahrheitsgemäßen und umfassenden Information und Berichterstattung" verpflichtet sind. Sie sollen die "Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit" achten. Und "in ihren Angeboten eine möglichst breite Themen- und Meinungsvielfalt ausgewogen darstellen." Staatsvertrag des SWR führt die Pflichten weiter aus Ähnliche Begriffe finden sich im Staatsvertrag des SWR. Dort heißt es, Berichterstattung und Informationssendungen sind "gewissenhaft zu recherchieren und müssen wahrheitsgetreu und sachlich sein." Und es heißt: "Die Redakteurinnen und Redakteure sind bei der Auswahl und Sendung der Nachrichten zur Objektivität und Überparteilichkeit verpflichtet." Pflicht zur Unabhängigkeit und Überparteilichkeit der Berichterstattung Und diese Begriffe sagen ja eigentlich viel klarer, worum es geht. Wenn wir es aufdröseln, fordert der Auftrag somit also zunächst Unabhängigkeit und Überparteilichkeit. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll nicht abhängig sein vom Staat, von einer Regierung, von Parteien oder anderer Interessengruppen. Niemand soll durch großzügige Spenden oder umgekehrt politischer Einflussnahme die Berichterstattung beeinflussen dürfen. Einfacher gesagt: Der Auftrag fordert nicht Neutralität, sondern zunächst vor allem Unabhängigkeit der Berichterstattung. Das bedeutet aber nicht, dass die, die dort arbeiten, einfach machen können, was sie wollen und ihre eigenen Interessen propagieren, denn – und das war ja das andere Begriffscluster – die Berichte sollen wahrheitsgetreu, sachlich und objektiv sein. Wenn man also schon mit "neutral" kommt, entspricht die gebotene Neutralität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eher der der Schiedsrichters - unabhängig, unparteiisch, aber gleichzeitig beauftragt, zu "sagen, wie es wirklich ist". Schiedsrichter werden oft auch als die "Unparteiischen" bezeichnet - so gut wie nie aber als "die Neutralen". Aus guten Gründen - den gleichen Gründen, weshalb der Begriff auch im Zusammenhang mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk missverständlich sein könnte. Warum Schiedsrichter nur bedingt "neutral" sind Neutralität könnte ja so verstanden werden, dass die Berichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks keine Position beziehen und zu keinem Ergebnis kommen dürften, das etwa einer Partei besser gefällt als einer anderen. Das dürfen sie aber sehr wohl, vorausgesetzt, die Berichte sind wahrheitsgetreu und objektiv. Wenn der ehemalige US-Präsident Donald Trump behauptet, er habe die Wahl 2020 gewonnen, dann darf ich als öffentlich-rechtlicher Journalist sagen, dass er dafür noch keine Belege vorgelegt hat. Ich berichte dann zwar nicht "neutral" in dem Sinn, denn ich nehme ja sehr wohl eine inhaltliche Bewertung von Trumps Behauptung vor. Das tue ich aber unabhängig und wahrheitsgetreu. Und das ist auch in Ordnung. Wann ist Berichterstattung "ausgewogen"? Oder: Wenn Politikerin X behauptet, es gibt keinen menschengemachten Klimawandel und Politiker Y behauptet das Gegenteil, wenn sich die überwältigende Mehrheit in der Wissenschaft einig ist, dann ist der Auftrag, dass wir uns an der Wissenschaft orientieren und nicht aus falsch verstandener "Neutralität" beide Positionen als gleichberechtigt darstellen. Denn das wäre false balance – eben: falsche Ausgewogenheit. Da bin ich beim nächsten Schlüsselbegriff. Ausgewogenheit steht tatsächlich auch im Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Und wenn da sonst nichts weiter stehen würde, könnte man "Ausgewogenheit" so verstehen, als müssten alle Beiträge immer alle erdenklichen Meinungen wiedergeben. Dass das aber nicht gemeint ist, wird deutlich, wenn man sich die Passagen genauer anschaut. Im Medienstaatsvertrag heißt es, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sollen in ihren Angeboten eine möglichst breite Themen- und Meinungsvielfalt ausgewogen darstellen. Hier bezieht sich die Ausgewogenheit erstmal auf die Themenauswahl. Es gibt viele Themen, die interessant und wichtig sind, die soll der öffentlich-rechtliche Rundfunk ausgewogen abbilden. Und es gibt zu diesen Themen jeweils verschiedene Meinungen, die ebenfalls ausgewogen abgebildet werden müssen. Was heißt das nun wieder? Ausgewogenheit im Gesamtangebot, nicht in jedem einzelnen Beitrag Im Staatsvertrag für den Südwestrundfunk heißt es: "In allen Angelegenheiten von öffentlichem Interesse sind die verschiedenen Auffassungen im Gesamtangebot ausgewogen und angemessen zu berücksichtigen." Wichtig ist dabei das Wort Gesamtangebot: Das heißt, nicht jeder einzelne Beitrag muss alle Auffassungen zu Wort kommen lassen, sondern die Forderung richtet sich an die Summe der Beiträge. Deshalb darf der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch sehr pointierte Kommentare senden, also ausgewiesene Meinungsbeiträge, die für sich genommen vielleicht als einseitig erscheinen können – entscheidend ist aber eben das Gesamtangebot. Und es steht ja nicht nur "ausgewogen" da, sondern auch "angemessen". Mit anderen Worten: Nicht jede Auffassung muss im gleichen Maße abgebildet werden. Die Einzelmeinung eines politischen Hinterbänklers verdient deshalb nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie die einer Ministerin oder eines Fraktionschefs der Opposition, die ja als Teil einer Regierung sprechen oder eben die Haltung ihrer Partei wiedergeben. Und genauso ist es "angemessen", dass Positionen, die sich auf Fakten und auf Wissenschaft stützen, im Programm berücksichtigt werden und eine unbelegte Verschwörungserzählung gar nicht. Das mag, je nach Sichtweise, nicht "neutral" sein, aber es ist wahrheitsgetreu, sachlich, objektiv, und es ist trotzdem ausgewogen und angemessen.

  17. Die erste Frage dazu ist: Wie dicht gedrängt würden die Menschen stehen? Standardmäßig rechnen Behörden, zum Beispiel bei Pop-Konzerten oder auch in der U-Bahn, mit 2 bis 4 Menschen pro Quadratmeter. Bei sehr dichtem Gedränge – zum Beispiel in einer Gondel im Skigebiet oder im Bus morgens zur Hauptverkehrszeit – können bis zu 8 Menschen auf einem Quadratmeter Platz haben. 4 Personen pro Quadratmeter: Erddurchmesser von 25 km würde genügen Rechnen wir etwas komfortabler mit vier Personen pro Quadratmeter – das ist immer noch gedrängt genug. Auf der Welt leben heute rund 8 Milliarden Menschen – die würden dann eine Fläche von 2 Milliarden Quadratmetern beanspruchen. Das klingt riesig – aber wie groß ist nun die dazugehörige Kugel? Das lässt sich leicht ausrechnen. Denn wenn r der Radius einer Kugel ist, dann beträgt die Oberfläche 4πr². Wenn man nun die Fläche kennt, kann man die Formel entsprechend umstellen und die Größe der Kugel errechnen. Heraus kommt: Sie hätte einen Durchmesser von etwa 25 km. Dort gäbe es zwar nichts zu essen und zu trinken und für die Entsorgung der Notdurft müsste man sich auch etwas einfallen lassen, aber rein vom Platz her ginge das. Anderseits: Die reale Erde mit ihren 12.000 Kilometern Durchmesser ist bis auf Weiteres vielleicht doch etwas gemütlicher.

  18. Von der Schallwelle zum Nervensignal Hinter einem Tinnitus steckt meist eine Störung im Innenohr. Aber fangen wir von vorne an: Wie funktioniert Hören? Von außen gelangen Schallwellen in unser Ohr. Im Gehirn kommen aber keine Schallwellen an, sondern elektrische Nervensignale. Irgendwo müssen also die Schallwellen in Nervensignale übersetzt werden. Das passiert im Innenohr. Dafür sind die Hörsinneszellen zuständig: Sie verwandeln akustischen Schall – also Luftbewegungen – in ein elektrisches Signal. So wie ein Telefonhörer: Der verwandelt auch Schallwellen in elektrische Wellen, um sie dann durch die Telefonleitung weiterzuleiten. Am anderen Ende der Leitung werden diese elektrischen Wellen rückübersetzt in Schallwellen. Tinnitus: Wenn Nervenzellen grundlos "feuern" Auch wenn es im Ohr anders aussieht als in einem Telefonhörer – das Prinzip ist ähnlich. Bei dieser Übersetzung kann es aber zu Fehlern kommen. Das heißt, wenn es an dieser Schnittstelle zwischen Schall und "Elektrik" auch nur zu kleinen Störungen kommt, kann es passieren, dass sich die Signale verselbständigen. Dann feuern die Nervenzellen, ohne dass es ein akustisches Eingangssignal gab. Es gibt aber neben dem Innenohr noch eine zweite Schnittstelle, nämlich im Gehirn selbst. Um einen Höreindruck zu bekommen, muss das Gehirn auch die eingehenden elektrischen Nervensignale interpretieren, das heißt, einen bestimmten Wahrnehmungseindruck erzeugen: "Wenn die und die Hörnerven feuern, dann interpretiere ich das für mich als Klingeln, Rasseln, Summen oder Rauschen." – Auch an dieser zweiten Schnittstelle kann es Störungen geben, sodass das Gehirn eingehende Signale überinterpretiert und einen Höreindruck aus dem Nichts erzeugt. Mögliche Ursachen: Hörschäden durch laute Musik Ein Grund für einen Tinnitus kann ein Hörschaden sein. Ein Beispiel: Jemand hat zu laut Musik gehört und damit seine Hörsinneszellen geschädigt. Das Gehirn merkt nun: "Bestimmte Töne oder Frequenzen kommen offenbar nicht mehr bei mir an – oder nur viel schwächer als sonst." – Das Gehirn versucht dann, das auszugleichen und interpretiert in die schwachen Signale etwas hinein, was gar nicht da ist. Es dreht seinen "inneren Verstärker" auf und lässt Höreindrücke entstehen, die keinen Bezug haben zu irgendwelchen äußeren Schallquellen. Das ist der seltenere Fall, aber der unangenehmere. Denn wenn das Gehirn selbst diese Störungen erzeugt, handelt es sich meist um einen chronischen Tinnitus. Die Störungen im Innenohr dagegen – bei der Übersetzung von Schall in Nervenimpulse – gehen meist nach einer Weile wieder weg.

  19. Klima: langjähriges Mittel der meteorologischen Verhältnisse Eine beliebte Frage, die uns gerade von "Klimaskeptikern" immer wieder gestellt wird, oft verbunden mit dem Hinweis, dass der Klimawandel doch ein Hirngespinst sei – schon allein, weil er sich wissenschaftlich gar nicht sauber "definieren" lasse. Das stimmt aber nicht. Richtig ist: Es gibt keine "Formel" und keinen "Schwellenwert" in dem Sinn, dass man etwa sagen würde: "Ab 0,5°C Erwärmung liegt Klimawandel vor". Das hängt damit zusammen, dass sich Klimawandel nicht so leicht messen lässt wie Blutdruck oder Fieber. Es ist ja eine abstrakte Größe. Klima ist definiert als das langjährige Mittel der meteorologischen Verhältnisse – in einer Region oder weltweit. Die wichtigsten Faktoren sind dabei Temperatur und Niederschlag (man kann auch noch den Wind dazunehmen) – und wie sie sich jeweils übers Jahr verteilen. Das ist wichtig: In zwei Orten A und B kann übers Jahr genauso viel Regen fallen – aber in Ort A verteilt sich der Regen gleichmäßig übers Jahr, im anderen geht alles innerhalb eines Monats runter. Dann handelt es sich um zwei unterschiedliche Klimate. Was heißt "langjährig" genau? Der Weltklimarat legt sich hier nicht genau fest, sondern spricht von mehreren Jahrzehnten oder länger. Denn wenn mal ein Jahr wärmer ist als das vorherige, ist das noch kein "Klimawandel". Ein üblicher Zeitraum, mit dem man oft rechnet, sind 30 Jahre. Wenn ich also feststelle, in den letzten 30 Jahren hat es in Mallorca weniger geregnet als in den 30 Jahren zuvor, dann kann ich von einem Klimawandel auf Mallorca sprechen. Aber die 30 Jahre sind auch nicht in Stein gemeißelt; je nach Fragestellung kann es sinnvoll sein, auch kürzere oder längere Zeiträume zu betrachten. Man muss es dann nur jeweils offen sagen, wie man rechnet. Es ist auch nicht so, dass es definierte 30-Jahres-"Perioden" gibt. Die Klimaforscher haben vielmehr statistische Methoden, um auch aus einer Reihe von Jahreswerten die langfristigen Trends herauszulesen. Klimawandel: statistisch nachweisbare dauerhafte Änderung Wenn man das alles zusammenfasst, dann erhält man die Definition für Klimawandel, die auch der Weltklimarat verwendet. Demnach liegt Klimawandel dann vor, wenn sich die Durchschnittswerte und die Schwankungsbreite der genannten Größen – Temperatur, Niederschlag, Wind statistisch nachweisbar und dauerhaft ändern. Diese Definition des Klimawandels sagt übrigens noch nichts über die Ursachen aus – also ob ein Klimawandel natürlich oder vom Menschen gemacht ist. Vieles spricht dafür, dass der Mensch einen starken Anteil hat an der Erwärmung. Aber das ist nicht Teil dieser Definition. Wird durch die Uneindeutigkeit der Definition die These vom Klimawandel angreifbar? Nein. Es gibt viele Begriffe, die wissenschaftlich nicht eindeutig und scharf definiert sind: "Pubertät" ist so ein Wort, aber auch für einen Begriff wie "Sommeranfang" gibt es bekanntlich mehrere Definitionen. Für die Astronomen beginnt der Sommer am 21. Juni. Für die Meteorologen aber schon am 1. Juni. Und dann gibt es noch den phänologischen Sommeranfang, der sich von Jahr zu Jahr ändert, je nachdem, wie weit die Natur wetterbedingt ist. Nun kommt aber niemand auf die Idee zu sagen: Pubertät und Sommer wären Hirngespinste, nur weil es verschiedene Definitionen gibt. Genauso kann man sinnvoll über Klimawandel sprechen und zum Beispiel zeigen, dass es im langjährigen Mittel heute auf der Erde ungefähr 1 Grad wärmer ist als in einem entsprechenden Zeitraum vor 200 Jahren.

  20. Rotkohl enthält den Farbstoff Cyanidin. Diese Substanz kommt in sehr vielen Pflanzen vor, vor allem in roten und blauen: Himbeeren, Heidelbeeren, Hibiskus, Johannisbeeren, Kirschen, Trauben. Also alles, was lila oder auch dunkelrote Flecken erzeugt, enthält Cyanidin. Und eben auch Rotkohl. Farbe hängt vom Säuregrad der Umgebung ab Bei dieser Aufzählung fällt aber auf: Derselbe Farbstoff ist offenbar mal für das Rot der Himbeeren, mal für das Blau der Blaubeeren verantwortlich. Wie ist das möglich? Die Antwort ist, dass dieser Farbstoff seine Farbe je nach dem Säuregrad der Umgebung verändert. Fast alle Farben des Regenbogens sind möglich Chemisch neutraler Rotkohlsaft ist blauviolett. Gibt man Säure dazu, färbt er sich rötlich. Und zwar umso rötlicher, je saurer die Mischung wird. Gibt man ordentlich Essig dazu, wird der Saft leuchtend rot. Umgekehrt gilt: Versetzt man ihn mit alkalischen Lösungen, etwa mit Seifenwasser, Backpulver oder Natronlauge, wird aus dem Blau erst ein Grün und dann ein Gelb. So kann man aus Rotkohlsaft fast alle wesentlichen Farben des Regenbogens erzeugen. Chemisch gesehen entsteht der Farbwechsel durch winzige Verschiebungen im molekularen Aufbau des Farbstoffs. Cyanidin ist ein komplexes organisches Molekül mit 15 Kohlenstoffatomen, an denen wiederum verschiedene Wasserstoff- und Sauerstoffatome dranhängen. Die Farbänderung entsteht dadurch, dass in einer sauren Umgebung das Molekül einen zusätzlichen Wasserstoffkern – also ein Proton – an sich bindet. Umgekehrt gibt in einer basischen Umgebung der Farbstoff ein Proton an die Umgebung ab. Und schon durch eine solch kleine Änderung verändert sich die Farbe. Selbst ohne Essig kann Rotkohl farblich variieren. Das hängt nämlich auch vom Boden ab. Ein eher rötlicher Rotkohl weist darauf hin, dass der Kohl auf einem eher sauren, also zum Beispiel auf einem sandigen Boden gewachsen ist. Sind die Blätter eher bläulich, stammt er möglicherweise von einem kalkhaltigen Boden, denn solche Böden sind basischer. Und so kommt es, dass dasselbe Gemüse mal Rotkohl und mal Blaukraut heißt – und trotzdem alle recht haben.