1000 Antworten

SWR
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21.10.2026
Beschreibung
Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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Episoden
  1. Intelligenz – eine Art geistige Flexibilität Intelligenz ist eine allgemeine Fähigkeit, die uns in die Lage versetzt, Schlussfolgerungen zu ziehen – insbesondere, wenn es um akademisches Lernen geht . Das heißt: aus bestehendem Wissen neues erschließen abstrakte Begriffe aus Einzelfällen aufbauen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen bestimmten Begriffen sehen Intelligenz ist also eine Art geistige Flexibilität, die sehr breit angelegt ist. Intelligenz hat auch mit der Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung zu tun. Sie hat zu tun mit der Fähigkeit, irrelevante Informationen zu unterdrücken. Intelligenz ist eher allgemein. Talent und Begabung beziehen sich auf bestimmte Bereiche Talente und Begabungen beziehen sich im Gegensatz zur Intelligenz immer auf etwas: Jemand ist z.B. musikalisch begabt und kann Gitarre spielen. Intelligenz ist allgemein und breit angelegt Intelligenz dagegen ist allgemeiner angelegt; man kann sie verschieden investieren. Wenn man intelligent ist, kann man besser Mathematik lernen – vorausgesetzt, der Unterricht ist gut. Man kann sich sprachlich besser ausdrücken usw. Intelligenz ist eine allgemeine "Kondition" – wenn man es auf das Sportliche bezieht – auf das Geistige bezogen.

  2. Nur Fachleute an den Rücken lassen! Wenn das Einrenken fachlich gut gemacht wird, also wenn derjenige eine chirotherapeutische Ausbildung hat, besteht nur ein geringes Risiko. Bei der Frage, wie häufig es gemacht werden darf, kommt es darauf an, warum in einer bestimmten Region immer wieder Blockierungen auftreten. Blockierungen können eben auch eine Reaktion auf verschiedene Veränderungen sein, beispielweise können entzündliche Veränderungen innerer Organe immer wieder Blockierungen hervorrufen. Dann ist es nicht ausreichend die Blockierung zu lösen, sie zu manipulieren. Man muss der Sache auf den Grund gehen, warum immer wieder diese Blockierungen auftreten. Wiederholte Manipulationen insbesondere im Halswirbelsäulenbereich können durchaus schaden. Diese wiederholten Manipulationen bedeuten Stress für die kleinen Wirbelgelenke; sie können "ausleiern". Unterschiede zwischen Männern und Frauen Zu berücksichtigen ist auch, dass Frauen ein besonders weiches Bindegewebe haben und und in der Regel sehr viel mobiler sind als Männer. Bei besonders mobilen Patienten und Patientinnen kommt es vor, dass immer wieder Blockierungen auftreten. Dann ist es sinnvoll, dass man die Blockierung löst, aber auch die muskuläre Dysbalance behandelt und Ihnen insbesondere eine Muskelkräftigung verordnet. Blockierungen bei Muskelverkürzungen durch langes Sitzen Die Kräftigung der Muskeln erfordert eine spezielle Krankengymnastik. Das ist deshalb wichtig, weil die Schultergürtelmuskulatur die besondere Eigenschaft hat, in Regionen zu verkürzen. Das heißt, durch Schreibtischtätigkeit kommt es zur Muskelverkürzung und in diesen Bereichen verkürzter Muskeln dann gehäuft zu Blockierungen. Daher ist es notwendig, die verkürzten Muskelgruppen zu dehnen. Da man nicht immer zum Krankengymnasten gehen kann, sollte man sich zwei, drei gute Übungen zeigen lassen, die man regelmäßig – im "Hausübungsprogramm" – durchführen kann, damit das Ganze auch einen Hafteffekt hat.

  3. Sauropoden mit langem Schwanz und Hals Richtig groß wurden hauptsächlich die Langhalsdinosaurier, die Sauropoden. Und das Größte an denen waren Schwanz und Hals. Der Rumpf selbst war nicht so wuchtig und massig. Außerdem waren die Knochen zum Teil mit Luft gefüllt; die waren also viel leichter. Vorteil: geringer Energieverbrauch Der Vorteil der Größe liegt darin, dass ein großes Tier viel langsamer auskühlt. Und ein Tier, das keine Energie braucht, um seine Körpertemperatur zu halten, braucht viel weniger zu essen. Die Langhalsdinos standen also rum und haben einfach alles abgefressen, was der Hals erreicht hat. Mit nur einem Schritt erreichten sie wieder dieselbe Menge. Sie waren also sehr sparsam. Diese Gewichte waren für die Knochen ohne Weiteres tragbar, weil die schwersten Teile, nämlich die Wirbelsäule, luftgefüllt waren.

  4. Bei fettem Essen dauert die Verdauung länger Zunächst landen Schnitzel, Pommes und Mayo im Magen. Man würde sich also die Magenverweildauer ansehen. Die ist in der Tat für verschiedene Nahrungsmittel sehr unterschiedlich. Pommes und Mayo sind relativ fett; und je fetter etwas ist, desto länger liegt es im Magen. Es können in diesem Fall durchaus fünf bis sechs Stunden sein, die die Magensäure braucht, um die Vorarbeit zu leisten. Dann würde das Schnitzel mit den Pommes schon im etwas zerlegteren Zustand in den Dünndarm kommen. Im Dünndarm kommen Verdauungsenzyme aus Bauchspeicheldrüse, Leber und Galle dazu. Im Dünndarm können Sie noch mal mit etwa drei bis vier Stunden rechnen. Das ist auch sehr davon abhängig, wie schnell Ihre Darmperistaltik ist und ob es tagsüber passiert oder ob Sie bereits schlafen, denn nachts ist der Darm etwas langsamer. Nach acht bis neun Stunden kommt es wieder raus Insgesamt sind Sie also mit etwa acht bis neun Stunden dabei. Das kann aber durchaus beschleunigt werden, wenn Sie zum Beispiel Reize von außen haben, die den Darm sehr stark stimulieren. Das heißt Aufregung oder auch Infekte oder gewisse Medikamente.

  5. Großräumige Zirkulation und großräumige Sonneneinstrahlung Das liegt an der Umstellung des Wetters von der Winterzirkulation auf die Sommerzirkulation. Im Winter sind sowohl die See als auch das Land relativ kalt und es herrscht eine gewisse Beständigkeit. Wenn die Sonne im April höher steigt, erwärmt sich das Land stärker, während die Meere noch kalt sind. Es kommt zu einen Luftaufstieg über dem Land und es bildet sich eine neue Zirkulation. Viele Tiefdruckgebiete im April bringen Regen Wir haben dann sehr viele Tiefdruckgebiete, die in rascher Folge über die Region hinwegziehen. Die bringen Regen; dann scheint wieder die Sonne und es ist warm. So kann man gerade im April die gesamte Palette aller Wettererscheinungen beobachten. Gründe sind also die großräumige Zirkulation und die großräumige Sonneneinstrahlung.

  6. 12 Mondzyklen – 12 Monate Hier stellt sich zunächst die Frage: Warum die Zahl 12? Dazu gibt es keine eindeutigen Antworten, aber viele Hinweise. Schon die frühen Astronomen erkannten: Nach 12 Mondzyklen wiederholen sich die Jahreszeiten. Deshalb hat das Jahr 12 Monate. Vielleicht steckte dahinter einfach der Gedanke, diese Zahl auf die Unterteilung des Tages zu übertragen. Die 12 ist außerdem eine unheimlich praktische Zahl. 12 Sachen lassen sich gut in brauchbare Portionen teilen: halbieren, dritteln, vierteln. Symbolträchtige Zahl in den alten Religionen Möglicherweise spielt die Zahl deshalb in den alten Religionen eine so symbolträchtige Rolle: Sowohl die römische als auch die griechische Mythologie kennen jeweils 12 Hauptgötter. Die Bibel erzählt uns von 12 Stämmen Israels und von 12 Aposteln. Der schiitische Zweig des Islams geht von 12 Imamen als Nachfolger Mohammends aus. Wir kennen sogar ein eigenes Wort für eine Menge von 12 Dingen: Das Dutzend. Getrennte Welten: Tag und Nacht Die 12 war also eine wichtige Zahl. Den Tag allerdings teilte man nicht in 12 Stunden ein, sondern in zweimal 12 Stunden. Warum nicht gleich 24? Das kommt aus einer Zeit, als für die Menschen Tag und Nacht noch getrennte Welten waren. Als es nachts wirklich dunkel war ohne künstliches Licht und sich das Leben vor allem tagsüber abspielte. Tagsüber konnte man die Zeit einigermaßen gut messen bzw. den Tag zeitlich strukturieren – nämlich mithilfe von Sonnenuhren. Altes Ägypten: 12 Sterne am Himmel im Verlauf der Nacht Die Menschen fanden aber auch Möglichkeiten, die Nacht zu strukturieren: Vor über 4.000 Jahren haben Astronomen im alten Ägypten die Nacht in Stunden eingeteilt. Dafür haben sie für jede Zeit des Jahres am Nachthimmel 12 Sterne auserkoren, die verlässlich der Reihe nach auf- und untergingen. Ging der nächste Stern auf, brach eine neue "Nachtstunde" an. Die Stundengöttinnen Das war auch religiös-mythologisch aufgeladen: Die Ägypter stellten sich dabei 12 Ruderer vor, die ein Boot mit dem Sonnengott Re durch die Unterwelt ziehen. Er muss 12 Tore passieren, 12 Bereiche durchqueren, 12 Gefahren überwinden. Für jedes dieser Tore stand eine Stundengöttin. Diese Sterne nannte man später Dekan-Sterne (deka = zehn), weil alle zehn Tage eine andere 12er-Gruppe diese Funktion übernahm. Über das Jahr waren es 47 Sternen bzw. Sterngruppen. Deshalb brauchte man aufwändige Tabellen, in denen man gucken konnte, welche Sterne gerade dran waren. Entscheidend ist: Es ging – nur dass das Messsystem nachts mit den Sternen ein komplett anderes war als tagsüber mit Sonnenuhren. Später gab es nicht nur für jede der 12 Nachtstunden eine Göttin, sondern auch 12 für den Tag. Älteste bekannte Sonnenuhr: eingeteilt in 12 Stunden Auf der ältesten bekannten Sonnenuhr erkennt man bereits die Einteilung in 12 Stunden. Sie ist etwa 3.200 Jahre alt und wurde von Forschenden der Uni Basel im Tal der Könige in Ägypten ausgegraben. Der Überlieferung nach hatten die alten Griechen die Sonnenuhr mit den 12 Stunden von den Ägyptern und Babyloniern übernommen. Von dort ist sie dann ins Römische Reich gelangt und hat sich in Westeuropa ausgebreitet. Nun ist es so, dass die Tage im Sommer länger sind als im Winter. Trotzdem gab es am Anfang das Bedürfnis, den Tag analog zur Nacht immer in 12 Stunden einzuteilen. Das hatte zur Folge, dass im Sommer – wenn die Tage länger sind – auch die Stunden länger waren als im Winter. Diese je nach Jahreszeit unterschiedlichen Stunden nennt man auch "temporale Stunden". Damals waren tatsächlich Sonnenuhren in Gebrauch, die diese temporalen Stunden abbilden konnten. Man könnte meinen, das geht nicht: Die Sonne bewegt sich im Winter ja nicht schneller über den Himmel als im Sommer. Und das Gleiche gilt natürlich auch für den Schatten, den zum Beispiel ein Stab wirft, den man in die Erde steckt. Hängt man allerdings eine Sonnenuhr senkrecht an eine Wand, ändert sich der Schattenwinkel mit der Jahreszeit durchaus – und das kann man dann auch berücksichtigen. Also: Die 12 Stunden der Nacht wurden durch die Dekan-Sterne definiert. Die 12 variablen Stunden am Tag durch die temporalen Sonnenuhren. Erste mechanische Uhren im späten Mittelalter in Italien Im späten Mittelalter, im 14. Jahrhundert, kamen in Italien die ersten mechanischen Uhren auf. Die funktionierten natürlich bei Tag und bei Nacht. Diese Uhren hatten noch keine Zeiger, sondern eine Glocke, die bei 1 Uhr einmal schlug, bei 2 Uhr zweimal und so weiter. Aber wo fing man mit dem Zählen an? Die italienische Zählweise, die auch in anderen europäischen Gebieten bis ins 17. Jahrhundert verbreitet war, begann mit Sonnenuntergang und zählte durch bis 24. Das war aber unpraktisch. Zum einen, weil man die Uhrzeit immer an den Sonnenstand anpassen musste. So konnte es passieren, dass im Winter die Mittagssonne um "4 Uhr" am höchsten stand, im Sommer um "8 Uhr". Zum anderen: Wer zählt schon 23 Glockenschläge, ohne sich zu verzählen? Technisch eleganteste Lösung setzt sich durch Schließlich setzte sich die technisch eleganteste Lösung durch: Eine Uhr mit 12 gleich langen Stunden, bei der 12 Uhr mittags bzw. mitternachts ist. Da hängt die Uhrzeit dann nicht mehr von der Tageslänge ab. Weil die Technik einfacher ist, geht sie auch nicht so schnell kaputt. Und die "kleine Uhr" hatte noch einen sehr praktischen Vorteil: Es ist viel leichter, die Uhrzeit am Glockenschlag mitzuzählen, wenn es höchstens 12 mal bimmelt.

  7. Rhein hat sehr geringes Gefälle Steht man in Mannheim am Rhein, fließt der Fluss erstaunlich schnell an einem vorbei – immerhin mit 6 bis 7 km/h: Schneller als ein zügiger Fußgänger! Und das, obwohl es in der Rheinebene kaum wirklich bergab geht: Basel liegt 250 Meter über dem Meeresspiegel, von dort bis zur Rheinmündung sind es 1.000 Kilometer – so ergibt sich ein durchschnittliches Gefälle von 25 cm pro Kilometer. Das entspricht 0,025 Prozent – also fast nichts. Würden wir mit dem Fahrrad auf einer Straße mit so geringer Neigung fahren, würden wir von einem "Gefälle" nichts merken. Wir würden sie als ebene Fläche wahrnehmen und müssten ganz normal treten, um vorwärts zu kommen. Da ist nichts mit "rollen lassen". Reibungswiderstand ist im Wasser gering Warum aber fließt dann der Fluss im Vergleich dazu so schnell? Intuitiv könnte man meinen: weil so viel Wasser von oben nachkommt und das Ganze anschiebt– aber das hat damit überhaupt nichts zu tun. Oder nur insofern, als natürlich, wenn ein Fluss sozusagen an einer Stelle stehen bleiben würde und von oben Wasser nachkommt, sich ein Wasserberg bilden würde. Dazu kommt es gar nicht erst, weil jeder Niveauunterschied an der Oberfläche sofort wieder ausgeglichen wird. Aber das hat nichts mit "Anschieben" zu tun, sondern mit dem geringen Reibungswiderstand im Wasser. Nochmal der Vergleich mit dem Fahrrad: Dass ein Reifen bei 0,025 Prozent Neigung nicht von alleine rollt, hat vor allem mit der Reibung zu tun. Die Reibung zwischen Reifen und Boden wirkt der Gravitation entgegen und verhindert bei sehr flachem Gefälle, dass man das Fahrrad einfach rollen lassen kann. Die Wassermoleküle dagegen üben gegenseitig einen viel geringeren Widerstand aus als ein Reifen auf Asphalt. Deshalb reicht schon eine geringe Neigung, um das Wasser abwärts fließen zu lassen. Trotzdem gibt es durchaus einen Zusammenhang zwischen Gefälle und Fließgeschwindigkeit. In den Alpen hat der Rhein ein starkes Gefälle – auf 400 Meter geht es im Schnitt einen Meter abwärts. Da fließt er schnell. Am Niederrhein dagegen beträgt das Gefälle nur ungefähr 1 Meter auf 8 Kilometer – dort fließt er langsamer. Am Oberrhein ist er an manchen Abschnitten steiler, an manchen flacher. Zum Beispiel hat der Rhein bei Mannheim, aber auch weiter flussabwärts bei Koblenz, ein steileres Gefälle als dazwischen im Rheingau. Und entsprechend schnell oder langsam fließt der Fluss jeweils. Wasser fließt in der Flussmitte schneller Aber wenn man so am Flussufer steht, sieht man auch: Der Fluss bewegt sich in der Mitte schneller vorwärts als am Rand – denn am Ufer wird das Wasser wiederum durch die Reibung und durch Verwirbelungen gebremst. Kurz: Je weiter weg vom Ufer und je tiefer das Flussbett, desto schneller fließt das Wasser. Aus demselben Grund fließt ein Fluss bei Hochwasser auch schneller als bei Niedrigwasser, denn bei Hochwasser liegt das Flussbett noch tiefer. Danke an: Matthias Adler, Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz

  8. 28.03.2025
    3 min

    Darreichungsform "dünner Faden" Weil es sonst keine Spaghetti wären! Spaghetti ist der Plural von Spaghetto. Das wiederum ist eine Verkleinerungsform von Spago, was "dünner Faden" bedeutet. Daneben gibt es für Nudeln viele weitere Darreichungsformen: Rigatoni, Maccheroni, Spinelli, Fettuccine, Farfalle usw. Die lange, fadenförmige Variante hat man Spaghetti genannt. Spaghetti – Inbegriff der Nudel Trotzdem ist es eine berechtigte Frage, warum ausgerechnet diese Variante zum Inbegriff aller Pasta-Speisen geworden ist. Es ist auf jeden Fall die Variante, die Kinder als erstes kennenlernen. Ich kenne kein Kind, das als sein Lieblingsessen Rigatoni nennt. Aber ich habe eine Menge Kinder kennengelernt, die von Spaghetti schwärmen. Warum nun also ausgerechnet Spaghetti? Das hängt sicher damit zusammen, dass die Fadenform bei der Herstellung ziemlich praktisch ist. In dieser langen dünnen Form trocknet der Teig nämlich schnell. Das war früher noch wichtiger als heute, denn den getrockneten Teig konnte man lange aufbewahren – und Spaghetti halten sich bekanntlich lange. Historische Belege aus dem 12. Jahrhundert Die langen Nudeln tauchen bereits ab dem 12. Jahrhundert in historischen Quellen auf, insbesondere in einem Bericht des arabischen Geografen al-Idrisi (um 1100 - 1166). Der hat damals Sizilien bereist und hielt es für berichtenswert, dass in Trabia – einem Ort östlich von Palermo – solche langen getrockneten Nudeln nicht nur hergestellt, sondern auch exportiert wurden. al-Idrisi dokumentierte die Existenz dieser Speise also, noch bevor Marco Polo (1254 - 1324) nach China reiste – und dort ebenfalls mit der langen Nudel konfrontiert wurde. Die Chinesen stellten ja ebenfalls lange Nudeln her, allerdings vermutlich aus Reismehl oder zumindest einem Reis-Weizen-Gemisch. Die waren aus dem gleichen Grund lang und dünn: Man konnte sie mithilfe einer Presse einfach herstellen und schnell trocknen. Insofern haben die langen dünnen Spaghetti einfach Tradition; im Handel gibt es sogar eine extralange Variante. Trotzdem: Tradition rechtfertigt nicht alles, und bei den heutigen Produktionstechniken spielen diese Form-Vorteile der Spaghetti keine große Rolle mehr. Vielleicht ist heute also eher die Lagerung von Bedeutung: Spaghetti lassen sich dichter packen als Rigatoni oder Spinelli und beanspruchen daher weniger Platz im Regal oder im Transporter. Kleckeralarm! Richtig ist: Beim Essen stellen die langen Nudeln eine gewisse Gefahr dar, genauer: Die Nudeln in Kombination mit farbenfrohen Soßen. Doch wären kürzere Spaghetti wirklich praktischer? Die lange Form hat immerhin den Vorteil, dass man sie gut um die Gabel wickeln kann und sie dort auch bleiben. Mit kürzeren – zum Beispiel halbierten oder geviertelten Spaghetti – geht das nicht mehr so leicht; die fallen dann eher mal runter. Insofern ist eine gewisse Mindestlänge schon sinnvoll. Wir halten fest: Andere Pasta-Formen, die sich aufspießen lassen – wie eben Rigatoni – sind für weiße Hemden die sicherere Variante. Aber dann sind es eben keine Spaghetti mehr.

  9. Geburtstag von Judas als Erklärung Für die Scherze am 1. April gibt es unterschiedliche Erklärungen. Die meist genannte ist die, dass im April der Geburtstag des Judas sei. Und weil Judas so unverlässlich gewesen sei und Christus verraten habe, würde man die Leute am 1. April auch täuschen. Ob das eine wirklich stichhaltige Erklärung ist, weiß ich nicht. Monat April: unzuverlässig wie das Aprilwetter Wir schicken die Leute auch nicht zuletzt deswegen in den April, weil der April so ein wenig verlässlicher Monat ist; das Wetter ist überhaupt nicht vorhersehbar. Marzo pazzo: In Italien ist es der verrückte März In Italien übrigens ist die ganze Geschichte rein meteorologisch einen Monat früher. Die Italiener sagen Marzo pazzo dazu. Dort ist der März so wechselhaft, und die Italiener feiern in besonderer Weise den 1. März. Vor allem aber feiert man das zum Beispiel im Engadin. Nicht so, dass man jemanden in den März schickt, sondern man erinnert an den altrömischen Jahresbeginn. Das altrömische Jahr hat nämlich im März begonnen, am 1. März. Der Kriegsgott Mars war ja auch der Schutzpatron Roms; deswegen begann dort das Jahr.

  10. Apotropäische Handlung: sich mit Spucke den Teufel vom Leib halten Man spuckte aus, wenn man Dämonen und ungute Einflüsse abwenden wollte. Und noch besser war es natürlich, wenn man dreimal ausgespuckt hat. Also sagen wir, jemand hat zu jemandem gesagt: "Du, hoffentlich fällst du nicht vom Pferd!“ – Und dann hat der gesagt: "Na, hoffentlich nicht!“ – und hat dreimal ausgespuckt. Onomatopoeia – Lautmalerei Jetzt stellen Sie sich vor, unter Bürgern war sowas natürlich ganz unmöglich, man kann ja nicht dreimal ausspucken. Also hat man etwas gemacht, was mein Vater auch noch tat: Er hat ein Spuckgeräusch gemacht, nämlich: t, t, t. Das klingt fast wie toi, toi, toi. Es handelt sich hierbei um Onomatopoeia, also um einen lautmalerischen Ausdruck. Das "Toi, toi, toi“ ist eine Hüllformel für das Ausspucken. Und das dreimalige Ausspucken soll bedeuten: Kein Unglück! – Und im Umkehrschluss dann eben: Viel Glück wünsche ich Ihnen natürlich auch.

  11. Erste menschliche Sonde landete 1970 erfolgreich auf der Venus Rein vom Abstand her läge die Venus tatsächlich näher. Sie ist 38 Millionen Kilometer entfernt, der Mars dagegen 55 Millionen Kilometer. Da Strecke und Reisezeit ein kritisches Moment in der ganzen Raumfahrt sind – zum Mars dauert es zwei Jahre – würde man natürlich Fahrzeit sparen, wenn der Flug stattdessen zur Venus ginge. Und doch hört man fast nur von Mars-Missionen und Mars-Robotern. Die Venus dagegen steht im Schatten der Aufmerksamkeit. Blickt man in die Vergangenheit, war das nicht immer so. Der erste fremde Planet, auf dem eine menschliche Sonde landete, war 1970 die Venus – nicht der Mars. Und es folgten weitere Missionen, auch erfolgreiche Landungen, bei denen die Sonden sogar Signale von der Oberfläche zur Erde geschickt haben. Das Problem: Das taten sie nie länger als knapp 2 Stunden – dann war es vorbei. Venus ist verdammt heiß und hat sehr mächtige Atmosphäre Der Haken ist nämlich: Auf der Venus ist es verdammt heiß, über 400 °C. Das liegt zum einen daran, dass sie viel näher an der Sonne ist, zum anderen herrscht auf ihr ein enorm hoher Luftdruck. Der Mars dagegen hat eine ziemlich dünne Atmosphäre und es ist eher kalt – im Schnitt -50 °C, auf der sonnenabgewandten Seite können es auch mal -120 °C sein. Diese Kälte stellt hohe Anforderungen an die Astronauten und ihre Geräte. Doch ist es immer noch leichter, sich vor dieser Kälte zu schützen als sich vor Temperaturen von über 400 °C, wie sie auf der Venus herrschen. Während der Mars fast seine ganze Atmosphäre verloren hat, dort also ein extrem niedriger Druck herrscht, ist die Venus das komplette Gegenteil – sie hat eine sehr dichte Atmosphäre und dort herrscht ein 90-mal höherer Druck als auf unserem Heimatplaneten. Der Druck auf der Venus entspricht somit dem Druck in einer irdischen Meerestiefe von 900 Metern. Man kann in solchen Druckverhältnissen irgendwie zurechtkommen. Das hat u.a. auch der Regisseur James Cameron 2012 mit seiner Tiefseefahrt zum Marianengraben bewiesen, der mehr als zehnmal tiefer ist. Trotzdem tun sich Astronauten in der sehr dünnen Marsatmosphäre leichter als in der sehr dichten Venusatmosphäre. Mars ist für Menschen geeigneter als die Venus So ist der Weg zum Mars zwar weiter, aber der Mars ist nicht ganz so unwirtlich. Und wenn man langfristig denkt, geht es nicht nur darum, dort Sonden hinzuschicken, sondern vielleicht auch mal Menschen – für die ist der Mars immer noch wesentlich geeigneter als die Venus.

  12. Schwalben sehen mehr Bilder pro Sekunde als Menschen Vögel haben ein anderes Sehsystem als Menschen. Gerade beim Jagen von Mücken aus der Luft haben sie einen entscheidenden Vorteil, auf den mich Wolfgang Fiedler von der Vogelwarte in Radolfzell hingewiesen hat. Schwalben sehen zwar nicht unbedingt schärfer, aber ihr Sehsystem hat eine starke zeitliche Auflösung. Der Mensch kann ungefähr 20 Bilder pro Sekunde verarbeiten, bei Vögeln ist es das Doppelte bis Dreifache. Wenn wir Menschen z.B. Fahrrad fahren, sehen wir die Mücken nicht, weil die so schnell an uns vorbeisausen, dass wir sie nicht bewusst wahrnehmen können. Wir bemerken die Mücken erst, wenn sie beim Radfahren in unseren Augen landen. Schwalben dagegen können, weil ihre Augen mehr Bilder verarbeiten können, auch in der Bewegung kleine Mücken erfassen. Akkomodation und Farbwahrnehmung bringen dem Vogel Vorteile Es gibt noch weitere Unterschiede im Sehsystem. So können Vögel ihre beiden Augen unterschiedlich akkommodieren, d.h. sie können sie auf unterschiedliche Entfernungen einstellen. So kann das linke Auge auf etwas Näheres fokussieren als das rechte. Diese Akkommodation erfolgt sehr schnell. Ein weiterer Unterschied ist die Farbwahrnehmung. In unseren Augen gibt es drei verschiedene Typen von Zapfen – einfach ausgedrückt reagieren die einen auf rotes Licht, die anderen auf grünes und die Dritten auf blau-violettes Licht. Weil wir diese drei Arten von Zapfen haben, können wir jeden Farbton aus einer Mischung dreier Grundfarben erzeugen – man könnte sagen, unser Farbsystem hat drei Dimensionen. Vögel haben aber vier, manche sogar fünf Zapfentypen, d.h. ihr Farbsystem hat entsprechend ein bis zwei Dimensionen mehr. Das ist ein großer Unterschied, und die Dichte dieser Zapfen ist gerade bei Schwalben sehr hoch. Wendige Tiere mit effektiver Flugtechnik Es kommt, sagt Wolfgang Fiedler, aber auch auf die Flugtechnik an. Schwalben sind besonders wendige Tiere, die sehr schnell auf optische Reize – wie z.B. herumfliegende Mücken – reagieren können. Und es gibt noch ein interessantes Phänomen: Stellen wir uns vor, eine Schwalbe fliegt mit 40 oder 50 km/h und reißt plötzlich den Schnabel auf. Dann würde ihr erstens der Fahrtwind den Unterschnabel ausrenken und zweitens verändert sie auch ihre Aerodynamik. Wenn der Schnabel geschlossen ist, fliegt die Schwalbe schön stromlinienförmig durch die Lüfte; wenn sie ihn aufreißt, müsste sie durch den plötzlichen Luftwiderstand ins Trudeln geraten. Deshalb macht sie das auch nicht in dieser Form; allenfalls dann, wenn sie langsam fliegt. Wenn sie aber aus dem schnellen Flug heraus Insekten fängt, dann kommt sie eher von unten, mit einem kleinen abbremsenden Aufwärtsflug – oder mit einer eleganten Schnappbewegung von oben her, wenn die Mücke gerade auf Bauchhöhe ist.

  13. 19.03.2025
    5 min

    Nicht jeder verspürt bei Liebeskummer tatsächliche Herzschmerzen. Für viele ist "Herzschmerz" nur eine emotionale Reaktion ohne körperliche Folgen. Doch intensiver emotionaler Stress, wie bei Liebeskummer oder dem Verlust eines geliebten Menschen, kann den Körper und das Herz tatsächlich belasten. Der Körper im Drogenentzug Wenn man verliebt ist, erlebt der Körper einen regelrechten Serotonin- und Dopaminrausch. Wir empfinden starke Glücksgefühle und sind auf Wolke sieben. Doch wenn dann die Trennung und der damit einhergehende Liebeskummer kommt, sinkt die Dopaminausschüttung und es wird vermehrt Adrenalin freigesetzt. Diese Kombination – Dopaminentzug plus Adrenalin – kann zu echten Entzugserscheinungen führen und den Herzmuskel zusätzlich belasten. Adrenalin versetzt unseren Körper in den "Kampf-oder-Flucht"-Modus und bereitet uns auf Gefahrensituationen vor: Unser Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, was zu Druckgefühlen oder Brustschmerzen führen kann. Man fühlt den Schmerz dann tatsächlich eher mittig-links, weil das Herz dort sitzt – und nicht, wie viele fälschlicherweise denken, auf der linken Seite der Brust. Dazu kommt, dass unsere Atmung schneller wird, um mehr Sauerstoff fürs Gehirn bereitzustellen. Das kann Atemnot verursachen und den Kreislauf belasten. Manche sind sogar der Ohnmacht nah. All das sind auch Symptome eines Herzinfarktes. In extremen Fällen von emotionalem Stress kann sich Herzschmerz also ganz ähnlich anfühlen. Broken-Heart-Syndrom – eine medizinische Erkrankung Der Unterschied zum echten Herzinfarkt ist, dass beim Broken-Heart-Syndrom nicht die Blutgefäße blockiert sind, sondern der Herzmuskel durch die extreme Stressreaktion vorübergehend schwächer wird. Wie schlimm das Syndrom wird, ist individuell unterschiedlich. Manche müssen stationär und mit Medikamenten behandelt werden, bis die Herzschwäche vorübergeht. Das passiert meistens innerhalb von drei Wochen. Natürlich kann hinter solchen Symptomen auch immer eine echte Herzerkrankung liegen, wie beispielsweise der Herzinfarkt oder eine Durchblutungsstörung im Herz. Daher ist es in jedem Fall sinnvoll, eine ärztliche Praxis aufzusuchen. Hat Herzschmerz eine Funktion? Diese Ansicht gibt es tatsächlich in der Wissenschaft. Schmerzen haben ja grundsätzlich eine Funktion: Sie lenken unsere Aufmerksamkeit dorthin, wo wir verletzt sind und wo wir uns schützen müssen. Und so könnte es im übertragenen Sinn auch beim Herzschmerz sein. In früheren Zeiten, als wir noch in kleinen Gruppen als Jäger und Sammler gelebt haben, war es überlebenswichtig, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Denn ohne Gruppe gab es auch keine Versorgung, wenn man mal krank war oder Hilfe gebraucht hat. Emotionalen Schmerz erleben wir nicht nur bei Liebeskummer, sondern auch, wenn wir einen geliebten Menschen verlieren oder von anderen abgelehnt oder ausgeschlossen werden. Wenn das Herz schmerzt, ist das ein Signal, dass wir uns von der Gruppe, die uns eigentlich schützt, entfernen oder sogar entfremden. Das Signal könnte uns darauf hinweisen, dass es wichtig ist, etwas gegen diese Isolation zu tun und wieder Nähe zu suchen. Was hilft gegen Herzschmerz? Wie man es vielleicht ganz klassisch aus Filmen kennt: Wenn man traurig ist, greift man dann doch direkt zur Schokolade oder dem Eisbecher als Seelentröster. Studien zeigen tatsächlich, dass uns Essen über sozialen Schmerz wie Herzschmerz hinweghelfen kann. Doch Essen als Ersatz fördert auch emotionale Essattacken bis hin zu Essstörungen. Ist also keine echte Dauerlösung. Was auch kurzfristig helfen kann, sind tatsächlich Schmerzmittel: Denn interessanterweise wird sozialer Schmerz im Gehirn fast genauso wahrgenommen wie körperlicher Schmerz, so dass sie auch ähnlich mit Medikamenten gelindert werden können. Studien haben gezeigt, dass Schmerzmittel wie Paracetamol und Ibuprofen auch sozialen Schmerz, wie Trauer oder Ausgrenzung, verringern können. Zusammengefasst: Herzschmerz ist nicht nur emotional ist, sondern er hat auch eine echte physische Grundlage. Quellen und Literatur Brenton Boyd: Takotsubo cardiomyopathy – Review of broken heart syndrome. Journal of the American Academy of Physician Assistants 33(3), März 2020 | https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32039951/ Mary F. Dallman, Norman C. Pecoraro, Susanne E. la Fleur: Chronic stress and comfort foods: self-medication and abdominal obesity - PubMed | Brain, Behavior, and Immunity | Volume 19, Issue 4, July 2005, Pages 275-280 | https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0889159104001527?via%3Dihub How the Brain Feels the Hurt of Heartbreak: Examining the Neurobiological Overlap Between Social and Physical Pain | Request PDF | https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/B9780123970251001445?via%3Dihub C. Nathan DeWall, Geoff MacDonald, Gregory D. Webster, Carrie L. Masten, Roy F. Baumeister, Caitlin Powell, David Combs, David R. Schurtz, Tyler F. Stillman, Dianne M. Tice, Naomi I. Eisenberger: Acetaminophen Reduces Social Pain: Behavioral and Neural Evidence. 2010 | https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0956797610374741 Attachment figures activate a safety signal-related neural region and reduce pain experience | PNAS | https://www.pnas.org/doi/full/10.1073/pnas.1108239108

  14. Augen immer feucht halten Fische schlafen mit offenen Augen und genau das führt zu einer ersten Erklärung. Denn was ist der Unterschied zwischen den Fischen und uns? Sie leben im Wasser. Wir nicht. Das merken wir auch tagsüber: Wir müssen regelmäßig blinzeln, um unsere Hornhaut zu befeuchten, sodass sie nicht austrocknet und sich entzündet. Fische müssen das logischerweise nicht, denn deren Augen sind ja die ganze Zeit feucht. Das Gleiche gilt natürlich nachts: Würden wir Menschen mit offenen Augen schlafen, müssten wir im Schlaf weiterhin ständig blinzeln. Das wäre ziemlich lästig. Theoretisch hätte die Natur das nun aber doch so einrichten können, dass das Blinzeln genau wie tagsüber automatisch weitergeht – so wie wir ja auch weiter atmen und das Herz weiter schlägt. Es gibt also wohl noch weitere Gründe, weshalb wir die Augen schließen. Der Schlafmediziner Jürgen Zulley – der auch schon bei 1000 Antworten von SWR2 zu Gast war – hat mir drei weitere Gründe genannt: Keine Ruhe: Mit offenen Augen reagieren wir automatisch auf Reize Solange wir die Augen offen halten, reagieren wir auch automatisch auf äußere Reize. Wenn sich etwas in unserem Blickfeld bewegt, gucken wir hin und können nicht abschalten. ... das kennen wir ja vom nächtlichen Zappen vor dem Fernseher ... Genau. Beim Fernsehzappen bleibt man immer viel länger wach, als wenn man sich einfach hinlegen würde, denn ständig bewegt sich was, ständig gibt es neue Reize. Wenn wir dagegen die Augen schließen, schalten wir all diese optischen Reize ab. Geschlossene Augen schützen im Schlaf vor Fremdkörpern Außerdem schützen wir unsere Augen im Schlaf vor Fremdkörpern, wenn wir sie mit den Augenlidern verdecken. Es ist ja tagsüber so: Wenn uns etwas in die Augen zu fliegen droht, schließen wir sie auch automatisch; das ist ein ganz wichtiger Reflex. Dieser Lidreflex funktioniert aber nachts nicht, deshalb schützen wir die Augen nachts, indem wir sie gleich auf Dauer schließen. Unsere frühen Vorfahren haben ja noch nicht in gemütlichen Zimmern geschlafen, sondern irgendwo draußen. Da weht der Wind, da fliegen Sand und Staub und anderes Zeug herum, was in die Augen gelangen kann – auch davor schützen Augenlider. Schlafhormon Melatonin wird im Dunkeln gebildet Und dann gibt es noch eine weitere Erklärung: Wir brauchen vor allem für den Tiefschlaf ein bestimmtes Hormon, nämlich das Melatonin. Dieses Melatonin wird vor allem in der Zirbeldrüse, aber auch in der Netzhaut des Auges gebildet, und zwar dann, wenn es dunkel ist. Wenn es hell ist, wird die Ausschüttung von Melatonin unterdrückt. Licht ist einfach der wichtigste Störreiz beim Schlafen. Und wenn wir die Augen schließen, dann kann der Körper in Ruhe sein Schlafhormon produzieren. 4 Gründe, warum wir die Augen schließen Wir halten die Hornhaut feucht Wir schützen sie vor Fremdkörpern Wir schalten äußere Reize ab Wir sorgen dafür, dass sich Melatonin bildet

  15. Gertrud von Neville – Schutzheilige vor Mäusen und Ratten Das geht zurück auf einen Heiligentag, und zwar hat die Heilige Gertrud von Neville am 17. März ihren heiligen Tag. Das war für die bäuerliche Landwirtschaft ein sehr wichtiger Termin, denn da hörte die Winterarbeit auf und die Sommerarbeit begann. Die Heilige Gertrud war auch die Schutzheilige vor Mäusen und Ratten und wird deswegen auch immer mit einer Maus dargestellt. Gertrudentag: Spinnen endete, Sommerarbeit begann Die Winterarbeit bestand hauptsächlich aus Spinnen. Die Maus, die mit der Gertrud abgebildet wurde, biss sozusagen am 17. März den Faden ab: Man hörte auf mit dem Spinnen, man ging hinaus aufs Feld. Als man das nicht mehr so richtig verstanden hat, wandelte sich die Redewendung etwas. Man hat es nun so gesehen, dass nicht einmal an einem Faden eine Maus etwas abbeißt. Das heißt, die Sache ist so; es wird nichts mehr daran geändert.

  16. Symmetrie vor allem äußerlich Die Symmetrie im Körperbau von Tieren ist vor allem eine äußerliche. Die inneren Organe – auch die des Menschen – sind nicht symmetrisch angeordnet. Das Herz liegt mehr links, die Leber mehr rechts. Der Darm schlängelt sich auch bar jeder geometrischen Ordnung durch den Bauch. Das Äußere dagegen – die "Verpackung" – ist zwar nicht perfekt, aber im Prinzip symmetrisch gebaut. Dafür gibt es, evolutionär gesehen, drei Gründe. Stabilität der Fortbewegung: Ein asymmetrischer Körper könnte sich nicht so elegant bewegen und käme leicht aus dem Gleichgewicht. Deshalb ist es von Vorteil, wenn die Beine rechts und links gleich lang sind und das Gewicht in der rechten und linken Körperhälfte gleich verteilt ist. Auch Vögel könnten mit verschieden großen Flügeln schlecht fliegen. Eine reibungslose Motorik ist also ein guter Grund für einen symmetrischen Körperbau. Sensorik: Von den wichtigsten Sinnesorganen haben wir zwei symmetrisch angeordnete Exemplare: Zwei Augen, zwei Ohren – auch zwei Nasenlöcher. Diese paarweise Anordnung liefert uns wichtige Informationen: Mithilfe der beiden Augen sehen wir dreidimensional: Beide Augen empfangen optische Reize – und aus dem Vergleich beider Informationen errechnet das Gehirn die Tiefeninformation. Das geht am besten, wenn beide Augen spiegelbildlich zur Körperachse angeordnet und gleich groß sind. Dasselbe mit den Ohren – wir haben zwei Ohren, damit wir Geräusche besser orten können. Auch das geht am besten, wenn die Informationen in beiden Ohren auf gleiche Art verarbeitet werden. Partnerwahl: Bei den meisten Tieren wählen die Weibchen die Partner auch nach dem Körperbau aus; Männchen mit stark symmetrischem Körperbau werden bevorzugt. Symmetrie ist dabei nämlich ein Indikator für Gesundheit bzw. "Fitness". Das lässt sich evolutionspsychologisch nachvollziehen: Wenn ein Körper motorisch umso besser funktioniert, je symmetrischer er ist, und wenn auch die Wahrnehmungsleistung umso besser ist, je symmetrischer die Sinnesorgane angeordnet sind – dann haben symmetrisch gebaute Tiere bessere Überlebenschancen. Damit setzt sich aber nicht nur das Merkmal Symmetrie in der Evolution durch, sondern auch die Vorliebe der Weibchen für symmetrisch gebaute Männchen. Denn ein symmetrischer Körperbau signalisiert den Weibchen: Dieses Männchen hat offenbar gute Gene, mit dem kann ich mit hoher Wahrscheinlichkeit gesunde Nachkommen zeugen. – Über lange Zeiträume hat das in der Evolution dazu geführt, dass symmetrisch gebaute Männchen häufiger als Sexualpartner ausgewählt wurden, sich dadurch mehr fortpflanzten und sich das Merkmal Symmetrie auch deshalb durchgesetzt hat. Es gibt aber auch Ausnahmen: Bei vielen Krebsen und Krabben zum Beispiel sind die Scheren links und rechts verschieden groß. Asymmetrisch sind auch die Gehäuse von Schnecken – sie winden sich spiralförmig nach oben.

  17. Samenstand entfernen und Blätter nicht zu früh abschneiden Das kann zwei Ursachen haben. Wenn eine Tulpe verblüht ist, sollten Sie den Samenstand entfernen – einfach oben an der Pflanze rausbrechen. Und die Blätter sollten Sie nicht abschneiden. Die müssen komplett einziehen, auch wenn es aussieht wie Pergamentpapier. In dem Moment erst, wenn’s aussieht wie Pergamentpapier und Sie Blätter abstreifen können, hat die Zwiebel wieder genug aufgenommen, um im nächsten Jahr eine Blüte auszutreiben. Denn alles, was an Inhaltsstoffen in den Blättern ist, zieht zurück in die Zwiebel. Die braucht das, um Blüten zu bilden. Wenn Sie die Blätter zu früh abschneiden und oben den Samenstand dran lassen, würden sich normalerweise die Tulpen aussäen. Unsere Zuchtformen machen das aber nicht mehr.

  18. Das ist schon fast zu spät, denn die Trauben, vor allem Tafeltrauben, schneidet man früher. Sie können es jetzt noch machen, sind dann aber wirklich an der Grenze, bevor die Trauben richtig treiben. Dann fangen sie nämlich an zu tropfen und verlieren Feuchtigkeit. Spalier bauen Wenn Sie in den nächsten Tage drangehen, bevor sie wirklich ausgetrieben haben, dann sollten Sie sie noch zurückschneiden. Bauen Sie einen Stamm auf. Und wenn Sie ganz wirre Ästchen bzw. Triebe haben, dann schneiden Sie die zurück. Sie brauchen nicht so viel, bauen Sie sich ein Spalier aus einem Leitast, einem Mittelast und zwei oder drei Äste nach rechts oder links, und dann haben Sie eine ganz tolle Qualität. Normalerweise beginnt man mit dem Schneiden, wenn die Pflanze die Blätter abgeworfen hat. März 2015

  19. Halloween – ein karnevalesker Brauch Halloween ist ein Beispiel dafür, wie man es mit der Kontinuität eigentlich nicht machen sollte. Halloween ist ein fast karnevalesker Brauch, bei dem die Menschen allerlei Unsinn machen. Man hat sehr viele Bräuche, auch die Fastnacht, von den "alten Germanen" hergeleitet, aus heidnischer, aus grauer Vorzeit. Das war aber immer auch ein Legitimationstrick. Im 19. Jahrhundert war das der Fall; auch das "Dritte Reich" hat sehr daran mitgearbeitet. In der Zwischenzeit weiß man, dass man die Germanen nicht mehr bemühen sollte. Bei Halloween sind es die Kelten; manche sprechen von den Kelten als den "entnazifizierten Germanen" – dies jedoch nur als heitere Zwischenbemerkung. Mit solch großen Kontinuitäten sind wir in der Wissenschaft grundsätzlich vorsichtig. Linien, die sich tatsächlich über 2000 Jahre gehalten haben, sind immer schwer auszumachen. Dennoch gibt es solche Phänomene. Römisches Jahr hatte ursprünglich nur 10 Monate Das römische Jahr hatte ursprünglich zehn Monate und begann am 1. März. Später hat man hinten noch zwei Monate angehängt – den Januar und den Februar. Die wiederum sind dann vorne ans Jahr gerückt – und seither stimmt unsere Zählung nicht mehr: Der September – also der Siebte – ist heute der neunte Monat im Jahr und so geht das bis zum Dezember weiter, der nicht mehr der zehnte, sondern der zwölfte Monat ist. Der 1. März war nun also der römische Jahresbeginn. Im Engadin in der Schweiz gibt es den Brauch Chalandamarz. Damit wird der März begrüßt; so eine Art Frühlingswecken. Chalandamarz sind die "Kalenden des März"; da bildet sich also etwas vom römischen Kalender ab. Dasselbe gilt auch für die osteuropäischen Staaten wie Rumänien oder Bulgarien. Vor allem in Bulgarien wird der 1. März wie ein Jahresanfang gefeiert. Rumänien und Bulgarien – Dakien – waren ja römische Zentralprovinzen; dort hat sich diese Tradition noch gehalten. Es gibt also einzelne Verbindungslinien wo man sagen kann, dass Brauchreste sehr weit in die Vergangenheit reichen können. Zeiteinteilung nach Mondphasen Ein anders Beispiel ist der "Bauernwinter". Am 11. November, also am Martinstag, hörte man auf den Höfen auf zu arbeiten; das Gesinde wurde entlassen. Am 2. Februar, an Mariä Lichtmess, nahm man dann die Arbeit wieder auf. Diese beiden Termine gehen tatsächlich in prähistorische Zeiten zurück. Wenn man von der heutigen Wintersonnwende ausgeht (die liegt fest und hängt nicht von der Kalenderkonstruktion ab, sondern von der Astronomie); sie fällt auf den 21. oder 22. Dezember, und 42 Tage zurückrechnet, kommt man auf den 11. November. Wenn man 42 Tage vorgeht, kommt man auf den 2. Februar. Diese zweimal 42 Tage sind insgesamt 84 Tage. Geteilt durch drei sind das 28 Tage – genau drei Mondphasen. Man weiß heute, dass schon ungefähr 3000 vor Christus Menschen ihre Zeit nach Mondphasen eingeteilt haben. Die Zeiteinteilungen haben sie aber von den realen Mondphasen gelöst und im Sonnenjahr festgemacht.

  20. Katzen: gemacht für überschaubare Räume Nicholas Dodman, ein emerierter Professor der Tufts Universität in der Nähe von Boston erklärt das so: Katzen sind gemacht für kleine überschaubare Räume. Das zieht sich durch ihr ganzes Leben. Schon nach der Geburt liegen die Kätzchen mit ihren Geschwistern eng aneinander gekuschelt, wie in einem Nest – das prägt sie. Dodman vermutet, dass eine kuschelige Umgebung, wenn sie Berührung erleben, bei Katzen Endorphine freisetzt: Substanzen im Gehirn, die Glücksgefühle auslösen. Die Liebe zu kleinen abgeschlossenen Räumen führt auch dazu, dass sich Katzen in Pappkartons sauwohl fühlen. Man hat festgestellt, dass Katzen sich an eine neue Umgebung schneller gewöhnen, wenn ihnen eine solche Kiste zur Verfügung gestellt wird. Sie fühlen sich geborgen und geschützt. Katzen ohne Kisten fremdeln länger mit einer Umgebung. Die Liebe zu abgegrenzten Räumen gehört also zu ihrem Verhaltensrepertoire. Und aus diesem Grund machen sie es sich dann auch in einem aufgeklebten Viereck auf dem Boden gemütlich. Das ist zwar kein Pappkarton, höchstens ein schlechter Ersatz – aber immerhin ein Ersatz.