1000 Antworten

SWR
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22.10.2026
Beschreibung
Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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Episoden
  1. Zucker und Kohlensäure verstärken die Wirkung des Alkohols Ja, auf jeden Fall! Das hat verschiedene Gründe. Eine wichtige Rolle spielt, was in einem Getränk außer Alkohol noch drin ist. Zucker verstärkt beispielsweise die Wirkung des Alkohols. Süße alkoholische Getränke steigen bekanntlich schneller in den Kopf. Oder nehmen wir Wein und Sekt. Die haben fast denselben Alkoholgehalt, aber Sekt macht deutlich schneller betrunken. Das liegt an der Kohlensäure. Die sorgt dafür, dass die Schleimhäute stärker durchblutet werden und der Alkohol schneller ins Blut kommt. Hopfen und Melatonin aus Traubenschalen entspannen Bier wiederum enthält neben Alkohol auch Hopfen. Hopfen hat eine entspannende Wirkung; man könnte auch sagen: Er macht müde. Und zwar unabhängig vom Alkohol. Deshalb kann auch alkoholfreies Bier müde machen – das enthält ja ebenfalls Hopfen. Eine ähnliche Wirkung hat Rotwein. Da ist es nicht der Hopfen, der müde macht, sondern eine Substanz, die in den Schalen mancher Traubensorten steckt: das Schlafhormon Melatonin. Kein Wunder also, dass viele abends nach einem Gläschen Rotwein super einschlafen. An der Stelle nur die Warnung: Einschlafen ist nicht Durchschlafen! Insgesamt verschlechtert Alkoholkonsum am Abend den Schlaf – man mag besser einschlafen, wacht aber nicht unbedingt erholter auf. Welche weiteren Faktoren beeinflussen, wie betrunken Alkohol macht? Ein wichtiger Faktor ist der kulturelle Kontext – die teils unbewussten Erwartungen, die wir mit bestimmten Getränken verbinden. Eine Studie aus Cardiff von 2017 zeigt, dass sich viele Leute nach dem Biertrinken selbstbewusster und entspannter fühlen. Bei Weißwein ist das anders, da tritt der Effekt von Entspannung und Selbstbewusstsein deutlich seltener auf. Und dann gibt es noch Hochprozentiges wie Wodka oder Whisky. Das hat oft die stärkste Wirkung: Manche fühlen sich wacher und energiegeladener, andere eher aggressiv oder unruhig. Das hängt aber auch oft davon ab, wo und in welcher Umgebung wir Schnaps trinken. Auf Partys, wo die Stimmung eh schon aufgeheizt ist, wirkt der Schnaps vielleicht anders als bei einem ruhigen Abend zu Hause. Gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern? Frauen sagen häufiger, dass sie beim Alkoholtrinken eine Menge verschiedener Emotionen haben. Sie lachen, sind aufgedreht und manchmal weinen sie. Männer dagegen neigen eher dazu, aggressiv zu werden. Am Ende liegt’s also nicht nur am Alkohol selbst, wie wir uns fühlen. Es spielt auch eine große Rolle, was wir erwarten. Werbung, Filme und die Umgebung beeinflussen, wie wir den Alkohol wahrnehmen und wie bestimmte Getränke konnotiert sind. Das kann auch je nach Kultur variieren. Kurz: Viele Faktoren bestimmen, wie Alkohol auf uns wirkt: Was wir trinken, wie schnell wir trinken und in welchem Umfeld.

  2. Kein Anhaften am Tisch Die Riffel verhindern , dass sich eine Flasche am Tisch quasi "festsaugt". Flaschen haben unten in der Regel keinen ebenen Boden, sondern sind nach innen gewölbt. Im Alltag nehmen wir Getränkeflaschen oft aus dem Kühlschrank. Was passiert, wenn die Flasche dann auf dem Tisch steht? Die kalte Flasche kühlt die Luft in diesem Hohlraum. Kalte Luft zieht sich aber zusammen. Hätte der Boden also keine Riffel, würde zwischen Flasche und Tischplatte ein Unterdruck entstehen, die Flasche würde am Tisch haften. Wenn sich die Luft zwischen Flasche und Tisch abkühlt, kann außerdem Kondenswasser entstehen. So bilden sich auch die Wasserränder auf Tischplatten – das ist Kondenswasser, das sich am kalten Glas bildet. Ohne die Riffel am Boden würde ein regelrechter Wasserfilm entstehen. Den zu verhindern ist auch eine Funktion der Riffel. Sie sorgen nämlich dafür, dass die Kontaktfläche zwischen Glas und Tisch nicht geschlossen ist, sondern es Lücken und somit einen Luftaustausch gibt. Riffel verteilen die Druckbelastung Es gibt noch einen weiteren Grund: Angenommen, der Boden einer Glasflasche hätte keine Riffel. Dann könnte es trotzdem passieren, dass es kleine Unebenheiten gibt oder dass auf dem Tisch ein Sandkorn oder ähnliches liegt. Und auch wenn das Glas einer Flasche an sich hart ist – wenn an einem winzigen, sandkorngroßen Punkt eine mechanische Belastung entsteht, können von diesem kleinen Punkt Spannungsrisse ausgehen, die das Glas instabil werden lassen – auch das will man mit den Riffeln verhindern. Die sorgen von vornherein dafür, dass sich die Druckbelastung gleichmäßig auf viele Punkte verteilt. Parfümflaschen stehen nicht im Kühlschrank Warum aber haben z.B. Parfümflaschen keine Riffel? Der Hauptgrund für die Riffel ist der Kondenswassereffekt bei Flaschen, die man aus dem Kühlschrank holt – und Parfümflaschen stehen in der Regel nicht im Kühlschrank.

  3. 19.09.2024
    3 min

    Im Anfang – war alles grün, grün, grün Die wichtigste Funktion der bunten Blätter ist, dass die Pflanzen mit diesen auffallenden Farben Insekten anlocken. Sie brauchen die Insekten zur Befruchtung, also um den Pollen von einer Pflanze zur nächsten zu transportieren. Das ist nicht so selbstverständlich, wie man vielleicht zunächst denkt. Denn wenn man die Evolution, die Geschichte des Lebens betrachtet, ist es noch gar nicht so lange her, dass die Pflanzen bunt geworden sind. Zur Zeit der ersten Dinosaurier zum Beispiel war alles grün, grün, grün. Blätter mit anderen Farben gab es gar nicht. Grün ist ja die Farbe des Chlorophylls, mit dem die Pflanzen ihre Energie erzeugen. Aber Blütenpflanzen mit bunten Blättern, die gab’s damals eben nicht. Fortpflanzung lange Zeit über Sporen und Zapfen Es gab Nadelbäume, Farne und auch Schachtelhalmgewächse. Die haben sich zum Teil über Sporen verbreitet, zum Teil über Zapfen. Dann, zur Zeit der Dinosaurier, hat die Evolution einen völlig neuen Pflanzentyp erfunden, nämlich die sogenannten Bedecktsamer. Dazu gehören praktisch alle Pflanzen, die wir heute essen. Obst, Gemüse, Getreide. Vorteil Bedecktsamer: Schutz vor Trockenheit und Kälte Diese Bedecktsamer hatten gegenüber den älteren Pflanzen eine völlig neue Art der Fortpflanzung: Sie haben ihren Samen besonders gut geschützt. Wenn wir an das typische Obst denken, Apfel oder Nektarine – da ist der Samen in einem Kern und der Kern ist umgeben von Fruchtfleisch. Damit ist er auch gut geschützt gegen Trockenheit und Kälte. Das hat verschiedene Vorteile mit sich: Es geht alles schneller. Die Bedecktsamer – also die Blütenpflanzen – können jedes Jahr neuen Samen produzieren und vor allem kann sich der Pollen schnell recht weit ausbreiten. Das funktioniert nur dann, wenn die Pflanzen ihre Pollen auch loswerden. Hierzu haben sich viele von ihnen mit den Insekten zusammengetan: Sie lassen die Insekten an sich naschen, dafür transportieren die Insekten die Pollen zu anderen Blüten und befruchten sie auf diese Weise. Ein raffinierter Trick. Die Pflanzen müssen also nur einen "Wegweiser" aufstellen, damit die Insekten wissen, wo sie hinfliegen müssen. Duft und Farbe als Wegweiser für Insekten: Hier geht's lang zum süßen Nektar! Am Anfang ging das noch ohne bunte Blätter. Da haben sich die Insekten wohl hauptsächlich am Geruch orientiert. Die ersten Blüten muss man sich also farblich eher blass vorstellen. Geduftet haben sie aber schon, und erst im Laufe der Jahrmillionen wurden die Blüten immer bunter – vielleicht, weil sie mit den Farben die Insekten noch genauer zu den Blüten locken konnten als mit den Duftmolekülen, die sich ja eher diffus im Raum ausbreiten. Wichtig ist natürlich dabei, dass die Blütenblätter eine Farbe haben, die sich vom allgemeinen Pflanzengrün deutlich abheben. Deshalb finden wir in der Natur alle möglichen Blütenfarben, aber so gut wie keine grünen Blütenblätter – die würden zu wenig auffallen.

  4. Nur eineiige Zwillinge sind genetisch identisch Geschwister teilen im Durchschnitt 50 Prozent ihres genetischen Potenzials, um es vereinfacht auszudrücken, und nicht 100 Prozent. Identisch genetisch sind ja nur eineiige Zwillinge. Bei eineiigen Zwillingen findet man eine sehr hohe Übereinstimmung in der Intelligenz. Dagegen findet man bei zweieiigen Zwillingen, die sich ja genetisch so ähnlich sind wie andere Geschwister auch, längst nicht eine so hohe Korrelation, also keinen so hohen Zusammenhang. Wir schließen daraus, dass genetische Unterschiede einen sehr starken Einfluss auf Intelligenzunterschiede haben. Starke Unterschiede sind möglich: Geschwister teilen rund 50 Prozent der Gene Das heißt, dass normale Geschwister, die wie gesagt im Durchschnitt 50 Prozent der Gene teilen, in der Intelligenz nicht identisch sind, sondern sich sogar sehr stark unterscheiden können, weil es davon abhängt, ob sie jeweils die gleichen Gene von den Eltern mitbekommen haben; da gibt es große Variationen. Nur eineiige Zwillinge sind identisch. Daher können also Geschwister, auch was die Intelligenz angeht, im Einzelfall sehr unterschiedlich sein. So kann ein Geschwister sehr intelligent sein und ein anderes sich im Mittelfeld bewegen.

  5. Diese Redewendung geht auf den Drill der preußischen Soldaten zurück, die besonders geübt im Schießen in einer Reihe waren. Die erste Reihe kniete, die zweite war in halber Höhe und die letzte stand. Das hat eine relativ schnelle Schussfolge ermöglicht. Außerdem könnte das Sprichwort auch auf das Zündnadelgewehr zurückgehen, das zum ersten Mal im preußischen Heer im großen Maßstab eingeführt wurde. Bismarck: Nicht so schnell mit der Hand an der Waffe! Noch viel wichtiger ist aber, dass Bismarck immer wieder betont hat: Wir sind zwar eine starke Militärmacht, aber wir sind nicht sofort mit der Hand an der Waffe. Also: So schnell schießen die Preußen nicht. Die Formulierung war erst in der Hochzeit von Bismarck so richtig im Umlauf.

  6. Blechmarke als "Ausweis" für Bedürftige Im Schwäbischen gibt es schon sehr lange den "heiligen Kasten". Das war die Kasse, aus der die Armen bezahlt wurden. Damit die städtischen Armen eines Ortes sich als approbierte bestätigte Bettler ausweisen konnten, bekamen sie eine Blechmarke. Die nannte man auch "heilig’s Blechle". Der Bezug sind also sowohl die Ausweichformel als auch die Einrichtung des späten Mittelalters im Schwäbischen. Die Kirche hat sich damals darum gekümmert, dass die Leute aus dem heiligen Kasten – das war eine Art Almosenbehälter – etwas bekamen, sofern sie sich mit dem "heiligen Blech" ausweisen konnten. Da diesen Zustand der Armut niemand anstrebte und arm werden wollte, passte dies sehr gut zu diesem Ausruf des Erstaunens, der Empörung oder der Verzweiflung.

  7. US-Studie bestätigt Einfluss von Wetterumschwung auf Kopfschmerz Offenbar ja. US-amerikanische Forscher*innen haben das vor einiger Zeit systematisch untersucht. Sie haben über 7 Jahre lang Daten von über 7.000 Patienten gesammelt. Dabei haben sie die Leute nicht einfach befragt, sondern sich besonders schwerwiegende Fälle herausgesucht – nämlich diejenigen Patienten, die sich in die Klinik begeben haben und bei denen die Diagnose Migräne bzw. "unspezifische Kopfschmerzen" gestellt wurde. Dann haben sich die Forscher die Daten der Wetterämter angeschaut: Wie war am Tag der Aufnahme in die Klinik das Wetter? Und in den drei Tagen vorher? Wie waren die Temperaturen? Wie war der Luftdruck? Wie sah es mit Schadstoffen in der Luft aus? Temperaturanstieg kann Kopfschmerz auslösen Diese Daten wurden wiederum mit der Wettersituation an anderen Tagen im gleichen Monat verglichen. Das Ergebnis war: Ein Wetterumschwung spielt eine Rolle – vor allem, wenn die Temperaturen steigen: Ein Anstieg von 5°C innerhalb eines Tages erhöht das Kopfschmerzrisiko um etwa 8 Prozent. Wenn es noch wärmer wird, erhöht sich auch das Risiko entsprechend. Sinkender Luftdruck wirkt ebenfalls als Auslöser Ein Temperatursturz dagegen macht sich nicht bemerkbar, es sei denn, er geht mit fallendem Luftdruck einher. Wenn also der Luftdruck sinkt, begünstigt dies ebenfalls Kopfschmerzen. Keinen Zusammenhang konnten die Wissenschaftler beim Faktor Luftverschmutzung feststellen. Schadstoffe in der Luft sind zwar generell eine Belastung für den Körper, erhöhen aber offenbar nicht das Kopfschmerz-Risiko. Unklar, was genau den Kopfschmerz auslöst Das ist allerdings nur eine Untersuchung über rein statistische Zusammenhänge. Warum steigende Temperaturen Kopfschmerzen bei entsprechend sensiblen Menschen begünstigen, darüber gibt die Studie keinerlei Auskunft. Es gibt zwar verschiedene Erklärungsansätze – etwa, dass die Blutgefäße im Gehirn und die Muskulatur, die diese Blutgefäße umgibt, sich nicht so schnell an den Wetterumschwung anpassen können. Aber richtig geklärt ist das bis heute nicht.

  8. 04.09.2024
    3 min

    Grundton Blau + Pigment Melanin = verschiedene Augenfarben Klären wir zunächst, wie überhaupt die Farbe in den Augen bzw. der Iris zustande kommt. Spontan denkt man vielleicht, dass verschiedene Farbstoffe die Augenfarbe erzeugen. Dass also der eine blaue Farbstoffe im Auge hat, die andere braune und wieder andere haben grüne oder graue Farbstoffe. Das ist aber nicht so! Der Farbstoff ist immer der gleiche: Melanin. Das ist ein Pigment. Es macht unsere Haut braun. Und es macht auch die Iris tendenziell braun – wenn es vorhanden ist. Wenn es nicht vorhanden ist, sind die Augen blau. Das ist der Grundton. Und je nachdem, wie man veranlagt ist, kommen mehr oder weniger Melanin-Pigmente dazu und ergeben zusammen mit dem Grundton Blau eine Iris, die grünlich oder gräulich schimmert oder eben auch mal tiefbraun. Die Natur greift bei unseren Augen also nicht in verschiedene Farbtöpfe, sondern nimmt immer den gleichen – nur die Dosis variiert. Babys: Einfärbung der Iris erst nach einem Jahr abgeschlossen Die Einfärbung mit den Pigmenten ist oft erst ein Jahr nach der Geburt abgeschlossen. Das ist der Grund, weshalb viele Babys bei der Geburt blaue Augen haben: Da fehlen noch die Pigmente; deshalb sieht man zunächst nur den Grundton, eben dieses Blau. Es stimmt übrigens nicht, dass das bei allen Babys so ist. Es gilt hauptsächlich für hellhäutige Babys mittel- und nordeuropäischer Abstammung. Jede Hebamme wird bestätigen, dass es viele Babys gibt, die keine blauen Augen haben. Und wenn ich an meine eigenen beiden Kinder denke: Die hatten bei der Geburt auch keine blauen Augen. Dennoch stimmt: Viele Babys kommen mit blauen Augen auf die Welt. Blau wie der Himmel Warum nun aber blau? Das liegt am Aufbau der Iris. Die Mischung aus dem Grundton Blau und den Pigmenten geschieht in verschiedenen Schichten der Iris. Die Pigmente bilden sich im vorderen Teil, dem sogenannten Stroma. Der wirkt also wie ein Farbfilter. Für das Blau ist dagegen hauptsächlich der hintere Teil der Iris verantwortlich, denn der ist so aufgebaut, dass das einfallende Licht stark streut. Das heißt, das weiße Licht, das einfällt, wird gestreut und gebrochen. Und wenn weißes Licht gestreut wird, dann wird es in die Regenbogenfarben zerlegt. Dabei wird das blaue, kurzwellige Licht stärker gestreut als die rötlichen Anteile. Das hat zur Folge, dass die blauen Lichtanteile eher wieder aus dem Auge herausgestreut werden. Deshalb scheint das Auge blau. Man kann auch sagen: Im Auge passiert lichtphysikalisch das Gleiche wie im Himmel; der ist ja auch blau.

  9. Augen nehmen ein Drittel der Hirnleistung in Anspruch Sehen ist eine absolute Höchstleistung. Bei den Tieren mit den besten Augen – denken wir an den Adlerblick – kommt das menschliche Auge nicht mit. Wir brauchen mehr als ein Drittel unseres Gehirns, um unsere Augen zu bedienen. Wenn man müde ist, kann man viele Dinge nicht mehr so gut. Das betrifft auch die Hirnleistung, denn die Augen sind langsamer, wenn man erschöpft ist. Menschliches Auge: 120 Megapixel Eine normale Kamera hat zum Beispiel 20 Megapixel. Unsere Augen haben jeweils 120 Megapixel. Es gibt praktisch keine Kamera, die so gut ist wie unser menschliches Auge. Und unsere Augen machen nicht nur einzelne Bilder, sondern machen fortlaufend Filme. Das ist nichts im Vergleich zu HD und 4K. Müdigkeit beeinträchtigt die Leistung des Auges Wenn man müde ist, geht das nicht mehr so gut. Dann ist es manchmal sogar so, dass das Sehen verschwimmt, man ein bisschen doppelt sieht, weil man die Augen nicht mehr auf denselben Punkt ausrichten kann mit den vielen Muskeln, die an dem Auge ziehen müssen. Wenn man erschöpft ist, sieht man also schlechter.

  10. Das hängt mit den ätherischen Ölen im Anis zusammen. Wir wissen aus der Schule: Öl und Wasser mögen sich nicht so – es gibt ölige und wässrige Flüssigkeiten, aber die können sich nicht mischen. Alkohol ist eine Art Zwitterwesen – er ist wasserlöslich, aber das Alkoholmolekül hat auch eine fettliebende Seite, weshalb sich Öle – in kleinen Mengen – in reinem Alkohol lösen. Deshalb lösen sich auch die ätherischen Anis-Öle im Schnaps, sodass der Schnaps klar bleibt. Louche-Effekt sorgt für milchige Trübung Wenn man aber Wasser dazu gibt, ist es damit vorbei. Die Öltröpfchen mischen sich nicht mit dem Wasser, sondern bilden klare Grenzen – wie ein Tropfen Öl im Wasser, nur viel kleiner. Und an dieser Grenzfläche zwischen dem Öltröpfchen und dem Wasser wird das Licht gestreut. In der Physik spricht man vom Louche-Effekt. Das ist im Grunde das Gleiche wie bei Milch – auch da sind es ja die vielen kleinen Fetttröpfchen, die in Verbindung mit Wasser die Milch trüb werden lassen. Und beim verdünnten Ouzo ist es auch so – nur dass es dort eben keine Fetttröpfchen sind, sondern die ätherischen Öle der Anissamen.

  11. Es kommt vor, dass Fische oder Enten von einem Blitz getötet werden. Dass wir das so selten erleben, liegt wohl daran, dass wir bei solchem Wetter selten ein Picknick am See machen. Es passiert aber auch nicht so oft. Warum werden wir bei Gewitter aus dem Schwimmbad gejagt? Weil das Schwimmbad oder der See eine große flache Wasserfläche ist und jeder, der darin schwimmt, herausragt – und Blitze suchen sich ja bekanntlich den höchsten Punkt in der Landschaft. Strom verteilt sich nach Blitzschlag rasch im See und wird "verdünnt" Eine Ente ragt auch aus dem Wasser heraus, und ein Schwan noch weiter, deshalb sind beide gefährdet. Aber generell werden Wasserbewohner tatsächlich nicht so oft von einem Blitz erschlagen. Das liegt zum einen daran, dass sich der Strom im Wasser relativ schnell "verdünnt". Verdünnen nur im übertragenen Sinn: Natürliches Wasser enthält viele gelöste Stoffe und ist deshalb ein sehr guter Stromleiter. Deshalb ist der Föhn in der Badewanne so gefährlich. Aber gerade weil Wasser ein sehr guter Leiter ist, breitet sich der Strom von der Einschlagstelle des Blitzes sofort in alle Richtungen aus – zur Seite und in die Tiefe. So verteilt er sich in alle Richtungen. Dabei nimmt mit zunehmender Entfernung vom Einschlagpunkt die Stromdichte schnell ab. 50 bis 100 Meter neben der Stelle, wo ein Blitz einschlägt, ist die Stromdosis kaum noch gefährlich. Fische "nützen" dem Blitz kaum beim Aufbau der Spannung Die Fische haben noch einen Vorteil: Sie schwimmen im Wasser, nicht an der Wasseroberfläche. An Land hingegen fungieren Menschen und Tiere wie Stromleiter. Das heißt, der Blitz bzw. der Strom sucht sich den Weg im Zweifel durch unsere Körper hindurch, weil auch wir zu zwei Dritteln aus Wasser bestehen und deshalb viel bessere Stromleiter sind als die Luft um uns herum. Wir dienen also dem Blitz als Stromkabel. Die Situation im Wasser ist völlig anders, weil das Wasser selbst ja schon den Strom ziemlich gut leitet. Deshalb ist für den Blitz der Fisch auch kein besonderer Anziehungspunkt, denn der leitet den Strom nicht schneller als das Wasser um ihn herum. Je kleiner ein Tier ist, desto weniger Schaden richtet der Blitz an, weil er im kleinen Körper nicht so große Spannungen aufbauen kann. Trotzdem: Es kommt durchaus vor, dass bei einem Gewitter Fische getroffen werden. Aber für die Fische ist es nicht so gefährlich wie für die Menschen, die groß sind, an der Oberfläche schwimmen und dort einen richtigen Köder für den Blitz darstellen.

  12. Wann und warum kippt ein See bei Hitze um? Vom Umkippen eines Sees spricht man, wenn ein Gewässer durch Sauerstoffmangel in einen katastrophalen Zustand gerät. Dieser Prozess kann durch die Hitze im Sommer angetrieben werden: Durch die warme Wassertemperatur und das üppige Angebot an Licht für die Fotosynthese kommt es zu einer extrem starken Vermehrung von Algen und Wasserpflanzen. Doch die sterben später ab, sinken zu Boden und werden dort zersetzt. Das machen aerobe Bakterien, also Bakterien, die für ihre Arbeit Sauerstoff benötigen. Fallen viele Algen an, die zersetzt werden müssen, dann führt das zu Sauerstoffmangel im Wasser. Und in warmem Wasser befindet sich sowieso schon weniger Sauerstoff als in kaltem. Der Sauerstoffmangel führt dazu, dass fast alle Organismen im Wasser absterben. Ist schließlich so gut wie der ganze Sauerstoff im Wasser verbraucht, dann sterben auch die aeroben Bakterien. Ihren Job übernehmen dann die anaeroben Bakterien, die keinen Sauerstoff für die Zersetzung von abgestorbener Materie brauchen. Ihr Stoffwechsel produziert aber teilweise sehr übelriechende und auch giftige Substanzen: Zum Beispiel Faulgase wie Methan, Schwefelwasserstoff und Ammoniak. Faulgase sind giftig und machen den See zu einem toten Gewässer. Am Boden des Sees sammelt sich Faulschlamm. Das Gewässer ist "umgekippt". Wie könnte man das verhindern? Maßnahmen zum Schutz der Seen vor dem Umkippen gibt es einige. Erstmal sollte man versuchen, die Seen gegen nährstoffreiche Zuflüsse von außen zu dämmen und man kann das Wasser künstlich belüften und so mit Sauerstoff anreichern. Das machen manche Badeseebetreiber bereits. Man könnte auch das Baden im See verbieten – denn Badegäste wirbeln häufig Nährstoffe auf, die sich am Boden abgesetzt haben. Ist der See schon umgekippt, dann hilft es, die Algen abzuschöpfen und Faulschlamm abzubaggern. Warum ist Schwimmen in einem umgekippten See gesundheitsschädlich? Beim Schwimmen oder selbst plantschen in einem umgekippten Gewässer kann es zu Hautreizungen und allergischen Reaktionen kommen. Und wenn man das Wasser dann auch noch schluckt, zu Durchfall und Erkrankungen der Atemwege. Am tückischsten ist es übrigens in Ufernähe. Dort schwimmen zum Beispiel Keime in höchster Konzentration herum. Und das auch bevor ein See komplett umgekippt ist. Deshalb sollten Badeseegäste immer auch auf Trübungen, Verfärbungen oder Algenansammlungen achten, denn die sind ein Warnhinweis: Hier ist das Gleichgewicht des Sees nicht mehr in Ordnung. Auch Wasservögel sind ein Warnhinweis für Badende. Gibt es davon viele am und um den See, dann kann man davon ausgehen, dass Parasiten im Wasser sind, denn sie geraten über den Entenkot in den See.

  13. Schwarz schluckt, Weiß reflektiert Das lässt sich leicht beantworten, wenn man die Gegenfrage stellt: Wann ist eine Oberfläche schwarz? Sie ist dann schwarz, wenn sie das Licht, das auf sie fällt, vollständig schluckt und mit dem Licht auch die darin enthaltene Energie. Während eine weiße Oberfläche einen Großteil des Lichts reflektiert und damit die Energie wieder abgibt. Eintreffende Lichtstrahlen treten in Wechselwirkung mit den Atomen Wenn eine Oberfläche Licht "schluckt" bedeutet das vor allem, dass die eintreffenden Lichtstrahlen in Wechselwirkung treten mit den Atomen an der betreffenden Oberfläche. Die Physik erlaubt es ja, dass man sich das Licht als Teilchen vorstellt – viele kleine Photonen, die auf die Oberfläche auftreffen. Ist eine Oberfläche hell, bedeutet das, dass ein großer Anteil dieser Photonen an der Oberfläche wieder abprallt. Ist ein Material dagegen dunkel, dann bedeutet das in der Regel, dass die Lichtteilchen die Atome in diesem Material anregen bzw. in Schwingungen versetzen. Das Lichtteilchen gibt also seine Energie ab und fliegt nicht mehr davon. Die Energie bleibt im Material – und das wärmt sich auf diese Weise auf. Braune Haut schützt vor UV-Strahlung Warum aber haben Menschen, die in heißen Gebieten leben wie z.B. in Afrika, dunkle Haut? Die braune Haut schützt nicht vor der Wärme – sondern vor der gefährlichen UV-Strahlung. Die Bräune entsteht durch ein bestimmtes Farbpigment, das Melanin. Dieses Pigment "entschärft" die UV-Strahlung, indem es sie absorbiert und den Strahlen damit ihre gefährliche Energie nimmt – die Energie, die sonst die Zellen schädigen kann. Deshalb wird die Haut auch dunkel. Denn für sie gilt das Gleiche wie für andere Oberflächen: Je mehr Lichtstrahlen sie absorbiert, desto dunkler wird sie.

  14. Milchfett senkt den Schmelzpunkt der Schokolade Vollmilchschokolade zum Beispiel ist weicher, schmilzt früher als Bitterschokolade. Das liegt an den Milchbestandteilen. Vollmilchschokolade enthält immer Milchfett, und das senkt den Schmelzpunkt, sodass die Schokolade schon bei relativ niedrigeren Temperaturen weich wird. Bitterschokolade enthält in der Regel keine Milchbestandteile, dafür umso mehr Kakaomasse – und Kakaomasse ist nichts anders als zermahlene Kakaobohnen, also eine ohnehin "feste" Substanz. Durch den höheren Kakaomasseanteil ist die Mischung der Bitterschokolade bei gleicher Temperatur fester und härter als Milchschokolade. Ab 23°C wird Schokolade weicher, ab 37°C wird sie flüssig Generell besteht Schokolade aus sehr unterschiedlichen Substanzen, deshalb hat Schokolade keinen scharfen Schmelzpunkt. Ab ca. 23°C wird sie zunehmend weicher und oberhalb von 37°C – sprich Körpertemperatur – ist sie flüssig. Es ist bekannt, dass man Schokolade nicht lange ungestraft einfach so in der warmen Hand halten sollte. Gefüllte Schokolade ist besonders empfindlich Besonders empfindlich ist Schokolade mit Füllung. Das liegt daran, dass die Füllungen selbst entweder bereits flüssig sind oder bei Zimmertemperatur schon ziemlich weich sind. Bei der gefüllten Schokolade muss nur noch die schokoladige Ummantelung schmelzen; das geht dann einfach schneller als bei massiver Schokolade.

  15. Von Planeten zu Wochentagen Der Grundgedanke für die Bezeichnung der Wochentage geht auf die Babylonier zurück. Schon 1000 vor Christus haben sie sich mit den Planeten befasst und den Sternenhimmel über Jahrhunderte hinweg systematisch beobachtet. Sie wussten schon, dass es Fixsterne gibt, die immer in der gleichen Anordnung bleiben, aber auch Himmelskörper, die sich relativ zu diesen Sternen bewegen – das, was wir Planeten nennen. Was die Planeten betrifft, kannten die mesopotamischen Gelehrten allerdings lediglich die, die wir heute als Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn bezeichnen. Und sie haben auch Sonne und Mond zu den Planeten gezählt. So kamen sie auf sieben "Planeten". Sieben Wochentage passen zu sieben Planeten Und die Babylonier kannten auch schon die Sieben-Tage-Woche, sie haben sie vermutlich auch erfunden. Auf die sieben Tage kamen sie, weil ein ganzer Mondzyklus - ein "Monat" - ungefähr 28 Tage hat. Dadurch sind es je 7 Tage von einer Mondphase zur anderen. Also: 7 Tage von Vollmond bis Halbmond. 7 weitere von Halbmond bis Neumond und so weiter. Und dann haben sie offenbar beides zusammengebracht: Die sieben "Planeten" und die sieben Wochentage – denn sie waren davon überzeugt, dass es Zusammenhänge zwischen den Gestirnen und Ereignissen auf der Erde gibt. So haben sie jedem Tag der Woche einen "Planeten" zugeordnet. Denn für sie war jeder Tag von einem der Himmelsköper geprägt. Planeten, Götter, Wochentage Diese Idee kam schließlich durch die Römer nach Europa. Die Römer hatten anfangs mit längeren Zeiträumen gearbeitet mit "Wochen" zu je 8 bzw. 9 Tagen ("Nundinum"). Die 7-Tage-Woche hat sich erst nach Christi Geburt allmählich durchgesetzt. Dabei haben die Römer von den Babyloniern eben auch das Prinzip übernommen, die Tage nach Planeten zu benennen. Und die wiederum waren bei ihnen nach Göttern benannt, wie eben: Merkur, Venus, Mars Jupiter und Saturn. In den romanischen Sprachen also beispielsweise Französisch oder Italienisch klingen noch die alten römischen Götter in den Wochentagen durch, z.B. Lundi – französisch für Montag nach der römischen Göttin Luna – oder Mercredi, also Mittwoch wie Merkur. Aber die deutschen Wochentage klingen nicht nach römischen Göttern? Das Prinzip, die Wochentage nach Göttern zu benennen, haben die Germanen von den Römern übernommen. Weil aber im deutschsprachigen Raum germanische und nicht römische Götter etabliert waren, wurden für die Namen von römischen Göttern die germanischen Pendants eingesetzt. Das sieht man zum Beispiel bei den Wochentagen Dienstag, Donnerstag und Freitag Woher kommt der Donnerstag? Der Donnerstag steht für den Planeten Jupiter. Im Deutschen geht die Wortgebung auf den germanischen Gott "Donar" oder "Thor" zurück, also dem Gott des Wetters. Im Englischen heißt der Tag deswegen "Thursday" also eigentlich "Thor’s Day" der Tag des Thors. In der deutschen Sprache wurde es wegen Donar zum Donnerstag. Das Pendant zu Thor ist in der römischen Mythologie der Gott "Jupiter" oder Jovis. Daher kommt in romanischen Sprachen der Name "Jueves" oder "Jeudi". Woher kommt der Freitag? Dem Freitag hingegen wurde der Planet Venus zugeschrieben. Die römische Göttin der Liebe, Venus, ist bis heute die Namensgeberin für den Freitag in romanischen Sprachen. So sagt man zum Beispiel im Französischen vendredi, im und im Spanischen viernes. In den germanischen Sprachen dagegen steht die nordische Göttin der Liebe und Ehe Freya für den Freitag. Daher die Namen Friday und Freitag. In Sonntag und Montag klingen Sonne und Mond durch, aber was ist mit dem Dienstag? Der Dienstag ist dem Planeten Mars gewidmet bzw. nach dem römisch-germanischen Gott Mars Thincsus benannt. In romanischen Sprachen klingt das "Mars" noch durch wie im französischen "Mardi" oder dem spanischen "Martes" . Bei germanischen Sprachen hat man sich allerdings für den zweitenTeil des Namens "Thingsus" entschieden. Und so wurde das "Thing" im Deutschen zum "Dien" in Dienstag. Es gibt keinen Gott namens "Sams". Woher also kommt der Samstag? Eigentlich war der Samstag dem Saturn gewidmet, was man aber fast nur noch im Englischen hört: Da heißt der Tag "Saturday". In den romanischen Sprachen. Im Italienischen und Spanischen dagegen ist es der "Sabato" bzw. "Sabado". Der deutsche "Samstag" hat klanglich dagegen die stärkste Ähnlichkeit mit dem Französischen Samedi. Und das ist kein Zufall. Denn sowohl der deutschen Samstag geht wie auch die romanischen Bezeichnungen auf das griechische Wort "Sabbaton” zurück, das für den Sabbat steht. Also den jüdischen Ruhetag. Im Altdeutschen hieß der Tag noch Sambatztag und hat dem Sabbaton somit noch mehr geähnelt. Mit der Zeit hat sich im Hochdeutschen aber der Samstag etabliert. Der Name Mittwoch ist aber offenbar eine deutsche Erfindung? Ja. In den romanischen Sprachen findet sich auch hier ein Planet: Der französische "Mercredi" kommt vom römischen Gott "Mercurius”. In den deutschen Sprachgebrauch hat sich aber der Mittwoch eingebürgert. In Deutschland galt nämlich bis zum 1976 der Sonntag als erster Tag der Woche. Da hat es noch gestimmt, dass der Mittwoch wirklich die Mitte der Woche war. Heute stimmt die Zählweise zwar nicht mehr, aber der Tagesname ist geblieben! Er stimmt heute nur noch, wenn man ihn auf eine typische heutige Arbeitswoche bezieht, die von Montag bis Freitag geht – nur dann ist der Mittwoch noch in der Mitte der Woche.

  16. Innere und äußere Verletzungen Ein Blitzschlag kann zu Verbrennungen führen. Denn wenn ein Blitz einschlägt, dann ist der Mensch für den Blitz so etwas wie ein elektrischer Leiter, der den Strom zum Erdboden abführt. Der größte Teil des Stroms fließt an der Haut entlang. Dabei entsteht – wie in einem Glühdraht – eine große Hitze, die zu Verbrühungen und Verbrennungen führen kann. Zum Teil können aber auch Verbrennungen im Körper entstehen, die von außen nicht so leicht zu erkennen sind, aber durchaus innere Vernarbungen und chronische Schmerzen zur Folge haben können. Der zweite Typ von Verletzungen betrifft alles, was mit dem Nervensystem zu tun hat. Die Signalübertragung in den Nerven funktioniert elektrochemisch. Und je nachdem, welche Stelle im Körper der Blitz genau trifft, kann er das Nervensystem durcheinander bringen. Im glimpflichen Fall leiden die Menschen kurzfristig unter Übelkeit oder Schwindel. Nerven und Gehirn können betroffen sein Blitzschläge können zu Seh- oder Riechstörungen führen. Auch Gedächtnisverlust ist eine mögliche Folge. Wenn das Nervensystem sonstwo im Körper getroffen wird, können – zusammen mit den Verbrennungen – auch Muskeln beeinträchtigt sein. Sie sind dann nicht mehr aktivierbar. Wenn es sich um den Herzmuskel handelt und das Herz aussetzt, ist das lebensgefährlich. Ebenso, wenn der Atemreflex bzw. die Atemmuskulatur nicht mehr funktioniert – auch das kann tödlich sein. Daneben gibt es noch die psychischen Folgen. Zum einen kann es durch Schädigungen im Gehirn zu Persönlichkeitsveränderungen kommen – auch das wurde schon beobachtet. Etwa, dass Menschen ihre Impulse nicht mehr kontrollieren können und schnell aggressiv werden oder beleidigt reagieren. Aber natürlich ist ein Blitzschlag auch eine traumatische Erfahrung mit all den möglichen Folgen, die damit verbunden sind – bis hin zu Depressionen.

  17. Wir müssen uns klar machen, dass unsere Art, die lateinischen Buchstaben auszusprechen, nicht das Maß aller Dinge ist. Jede Sprache hat ihre eigene Art, Schriftzeichen bestimmten Lauten zuzuordnen. Auch wir haben im Deutschen "komische", "unlogische" Buchstabenkombinationen wie ch, ck und sch. Aber es stimmt schon: In manchen Sprachen ist die Schrift näher an der Aussprache als in anderen. Im Spanischen zum Beispiel gibt es kaum Doppeldeutigkeiten. Wenn man die Grundregeln erstmal kennt, kann man auch beim Lesen unbekannter Wörter nicht viel falsch machen. Im Türkischen ist es auch so. Die Türkei hat die lateinische Schrift ja erst 1928 eingeführt, ist deshalb noch recht nah an der Sprache, wie sie heute gesprochen wird. Die Regeln sind zum Teil andere als im Deutschen, aber sie lassen trotzdem wenig Raum für Missverständnisse. Im Französischen dagegen müssen sich alle Schüler mit all diesen scheinbar überflüssigen Buchstaben herumquälen, die geschrieben werden, aber nicht ausgesprochen werden. Oder nehmen Sie das französische Wort für Wasser: Da stehen drei Vokale nebeneinander: e-a-u und gesprochen werden sie als genau der Vokal, der nicht da steht, nämlich als O. Und selbst wenn im Plural ein X dazu kommt – ähnlich wie in Bordeaux – wird das trotzdem nicht gesprochen. Französische Schrift im 9. Jahrhundert festgelegt Am Beispiel des Französischen kann man ein deutlich machen, woher das kommt. Die Französische Schrift wurde in den Grundzügen im 9. Jahrhundert festgelegt. Es war das erste Mal, dass im romanischen Sprachraum die Entscheidung fiel zu sagen: Das, was wir sprechen, ist kein Latein mehr, sondern etwas Neues, was auch nach einer neuen Schreibweise verlangt. Dieses "Altfranzösisch", wie wir heute sagen, war aber noch näher am Lateinischen als das heutige Französisch. Manche der heute "stummen" Buchstaben wurden damals noch ausgesprochen. Seitdem aber hat sich das Französisch deutlich verändert – stärker als die meisten anderen romanischen Sprachen. Die Schreibreformen dagegen blieben, vor allem seit Einführung der Académie française im 17. Jahrhundert, ziemlich konservativ. Das Französische war ja auch die Lingua franca in Diplomatie und Handel – auch deshalb hat man sich mit tiefgreifenden Reformen eher schwergetan. Wir haben das aber auch in der Diskussion um die deutsche Rechtschreibreform erlebt: Die Schrift soll nicht nur die Aussprache abbilden, sondern sie soll auch auf die Abstammung eines Wortes verweisen. Deshalb schreiben wir und die Franzosen noch immer viele Wörter, die aus dem Griechischen stammen, mit ph – anders als die Schweden und Spanier, die sich konsequent für das f entschieden haben. Man muss allerdings dem Französischen zugutehalten: Trotz der vielen "überflüssigen" Buchstaben gibt es dennoch klare Regeln, wann und wie ein bestimmter Buchstabe ausgesprochen wird – im Gegensatz zum Englischen. Englisch ist extrem Da kann man sich auf Ausspracheregeln kaum verlassen. Da liest man l-e-a-d und je nachdem kann das LIED ausgesprochen und "führen" bedeuten oder LÄDD – "Blei". Das Problem mit dem Englischen: Dessen Schreibweise wurde – anders als die aller anderen genannten Sprachen – nie wirklich reformiert. Und nachdem das Englische heute die mit Abstand wichtigste Weltsprache ist, sind die Chancen für eine wirklich substantielle Schreibreform denkbar gering. Insofern werden wir mit diesen Problemen weiter leben müssen. Wenn man sie aus der Welt schaffen wollte, gäbe es nur eine Lösung: Wir müssten die bisherige Rechtschreibung in allen Sprachen durch die internationale Lautschrift ersetzen. Aber das wäre wohl kaum durchsetzbar und würde andere Probleme schaffen.

  18. Wagon Wheel Illusion: Film und Realität unterscheiden Wissenschaftler sprechen hier von der "Wagon Wheel Illusion", also der Wagenrad-Illusion. Dabei muss man zwei Situationen unterscheiden: Film und Realität. Fangen wir mit dem ersten Fall an, da ist die Erklärung ein bisschen klarer. Im Film sehen wir in Wahrheit keine fließende Bewegung, sondern eine schnelle Abfolge von unbewegten Einzelbildern. Pro Sekunde sind das 25 Bilder, die so schnell hintereinander folgen, dass das Auge die einzelnen Bilder nicht mehr unterscheiden kann und das Gehirn aus den Einzelbildern eine Bewegung konstruiert. Jetzt stellen wir uns eine Szene aus einem klassischen Western vor. Dort tritt diese Wagenrad-Illusion besonders häufig auf. In dem Western wird eine Kutsche mit großen Rädern gezeigt. Wir konzentrieren uns auf ein einzelnes Rad und tun so, als hätte dieses Rad nur eine einzige Speiche. Dieses Rad würde sich im Uhrzeigersinn drehen. Nun sehen wir also 25 Bilder pro Sekunde. Beim ersten Bild steht die Speiche senkrecht nach oben, praktisch auf 12 Uhr. Das zweite Bild zeigt das gleiche Rad 1/25 Sekunde später. Jetzt könnte es passieren, dass das Rad in dieser 1/25 Sekunde genau eine volle Umdrehung vollzogen hat. Die Speiche stünde dann auf dem zweiten Bild wieder auf der 12-Uhr-Position. Beim dritten Bild ebenfalls und so weiter. Für den Zuschauer würde es dann so aussehen, als stünde das Rad still – denn die Speiche bewegt sich scheinbar nicht von der Stelle. Nun stellen wir uns vor, dass das Rad in 1/25 Sekunde keine volle Umdrehung macht, sondern ein bisschen langsamer ist. Die Speiche hat also nach der ersten 1/25 Sekunde noch nicht wieder die 12-Uhr-Position erreicht, sondern hat es nur bis zur 11-Uhr-Position geschafft. Auf dem dritten Bild ist es in der 10 Uhr-Position usw. Wenn wir diese Bildabfolge nun schnell hintereinander sehen, dann dreht sich das Rad scheinbar langsam rückwärts, also linksherum – 12 Uhr, 11 Uhr, 10 Uhr. Warum? Weil das Gehirn darauf programmiert ist, möglichst einfach und in kurzen Wegen zu denken: Wenn wir zwei Bilder sehen und auf dem einen die Speiche in der 12-Uhr-Position steht und auf dem nächsten auf der 11-Uhr-Position, dann konstruiert das Gehirn daraus eine kurze Bewegung linksherum von 12 nach 11. Den langen Weg rechtsherum zieht es gar nicht erst in Betracht. Wenn die Wahrnehmung es zulässt, geht das Gehirn also immer davon aus, dass sich Dinge langsam bewegen. Wagenräder haben bekanntlich mehr als eine Speiche. Das Beispiel sollte nur helfen, sich das Prinzip zu verdeutlichen. Das normale Kutschrad hat meist 12 Speichen. Da funktioniert das genauso. Sogar noch eher, weil für den Zuschauer ja eine Speiche aussieht wie die andere. Das heißt, um diesen langsamen Rückwärtseffekt zu erzeugen, muss gar nicht die einzelne Speiche eine voll bzw. fast volle Umdrehung machen, sondern es genügt, wenn nach 1/25 Sekunde die nachfolgende Speiche eine Position in der Nähe der ersten Position erreicht. Das Auge des Zuschauers unterscheidet die Speichen nicht, sondern glaubt, dass es sich um die gleiche Speiche handelt wie gerade eben, und sie sich nur etwas gegen den Uhrzeigersinn bewegt hat. Gibt es diesen Effekt nur beim Betrachten von Filmen? Oder auch in der Wirklichkeit? Die Antwort auf diese Frage ist umstritten. Das bestätigt auch Karl Gegenfurtner, Professor für Wahrnehmungspsychologie an der Universität Gießen. Er selbst meint, dass es diese Wagenrad-Illusion nur im Film gibt. Es gibt aber Leute wie den britischen Forscher Dale Purves, der überzeugt ist, dass der Effekt auch in der Realität auftreten kann. Was darauf hindeuten würde, dass unser Auge normalerweise keine kontinuierlichen Bewegungen wahrnimmt, sondern auch hier Bewegung wie eine kurze, schnell hintereinandergeschaltete Sequenz von Einzelbildern verarbeitet. Wie wenn wir einen Film gucken – und eben nicht in einem zeitlich kontinuierlichen Strom. Das ist aber noch nicht einhellig geklärt. Unter Umständen kann der Effekt auch bei elektrischem Licht auftreten. Normale Glühbirnen, die mit Wechselstrom betrieben werden, erzeugen ja in Wahrheit kein Dauerlicht, sondern flackern sehr schnell. Das heißt, die Lichtintensität schwankt 50-mal in der Sekunde. Das Auge nimmt das normalerweise nicht wahr, aber dieses Flackern könnte einen ähnlichen Effekt haben wie die schnelle Bildabfolge beim Film.

  19. Windräder haben Einfluss aufs lokale Mikroklima Windräder beeinflussen das Mikroklima dadurch, dass sie die Luft durchmischen. Wenn sich ein Windrad dreht, schaufelt es gleichzeitig immer etwas Luft von unten nach oben und umgekehrt. Das kann sich auf die Temperatur in Bodennähe auswirken. Wenn keine Sonne scheint, also z.B. frühmorgens vor Sonnenaufgang, ist die Luft unmittelbar über dem Erdboden noch relativ kalt. Kalte Luft ist schwerer als warme Luft und sammelt sich am Boden. Wenn sich nun in einer gewissen Höhe über dem Boden die Windräder drehen, wirbeln sie die kalte Luft nach oben und die warme nach unten. Das führt in der Nähe der Bodenoberfläche zu einem Termperaturanstieg. Das lässt sich messen. Man kann also sagen, dass sich das lokale Mikroklima im Windpark erwärmt. Vorteile oder Nachteile für die Landwirtschaft – je nach Standort Wenn die Windräder auf Ackerland stehen, kann das Vor- und Nachteile haben: Ein positiver Effekt könnte sein, dass die Windräder, indem sie etwas wärmere Luft zum Boden wirbeln, die Zahl der Tage mit Bodenfrost verringern bzw. überhaupt die Gefahr von Bodenfrost reduzieren. In anderen Gegenden kann es aber einen negativen Effekt haben, wenn dort durch Luftzufuhr vom Windrad der Boden schneller austrocknet. Es kommt also auf den Standort an. Man muss aber fair sein: Wenn man über die Auswirkungen von Windrädern spricht, muss man sie mit anderen Eingriffen in die Landschaft vergleichen. Städte, Hochhäuser, neue Siedlungen, aber auch herkömmliche Kraftwerke, die viel Wärme in die Umgebung abstrahlen, beeinflussen das Mikroklima in ihrer Umgebung in der Regel wesentlich stärker als das bei Windrädern der Fall ist. Haben Windräder einen Einfluss auf das Wetter? Dafür gibt es kaum Hinweise. Aber die Frage nach den Klimaauswirkungen ist berechtigt, denn Windräder entziehen der Atmosphäre Energie. Dafür sind sie da: Sie sollen Windenergie in Strom umwandeln. Wenn der Wind durch einen Windkraftpark weht, wird er etwas gebremst. Die Frage ist, wie viel dieses Abbremsen des Windes ausmacht. Manche Leute sagen, dass das heute noch nicht viel ausmacht. Aber wenn man weltweit die Windenergie massiv ausbauen würde – also wenn es irgendwann hundertmal so viel Windräder geben würde wie heute – dann würde das die Gesamtwindmenge auf der Erde verringern, weil der Wind ja überall gebremst würde. Wind ist aber wichtig fürs Klima, denn der Wind bringt Wärme aus warmen in kalte Gegenden, er nimmt Feuchtigkeit aus den Meeren auf und sorgt somit für Niederschlag. Wenn weltweit der Wind durch Windräder gebremst würde, hätte das Auswirkungen auf all diese Vorgänge. Allerdings sind das bisher nur Modellrechnungen, die auch sehr umstritten sind. Denn – und jetzt kommt wieder die Gesamtbetrachtung – es ist zwar richtig, dass Windräder zunächst Energie aus der Atmosphäre "herausholen". Aber diese Energie wird genutzt, um Strom zu erzeugen – um Straßen zu beleuchten oder Maschinen zu betreiben. Irgendwann, am Ende dieser Nutzungskette, endet die Energie wieder als Wärme bzw. Abwärme in der Atmosphäre. Das heißt, die Energie, die das Windrad an einer Stelle aus der Atmosphäre herausholt, fließt anderswo wieder in die Atmosphäre zurück. Das ist ein Kreislauf – anders als wenn z.B. fossile Kohle verbrannt wird. Insofern erwarten die meisten Wissenschaftler nicht, dass Windenergienutzung im großen Stil das Weltklima beeinflusst – und wenn, dann positiv dadurch, dass mithilfe von Windenergie weniger Kohle und Gas verbrannt werden muss.

  20. Das hört man oft, ist aber nicht einmal eine Halbwahrheit. Das Prinzip des Döner Kebab stammt eindeutig aus der Türkei und ist schon Anfang des 19. Jahrhunderts in der westanatolischen Stadt Bursa belegt. Was bedeutet "Döner"? "Döner" heißt "rotierend", "Kebab" ist Grillfleisch (auch das auf dem Balkan verbreitete "Ćevapčići" leitet sich daraus ab) "Döner Kebab" entsprechend: "Rotierendes Grillfleisch". Dieses Verfahren: Fleisch ggf. verschiedener Sorten – anfangs primär Rind oder Kalb, Hammel oder Lamm – aufzuspießen, rotieren zu lassen, dabei zu grillen und dann immer den äußeren Rand abzuschneiden – das gab’s damals in Bursa auch schon. Vielleicht war es sogar damals bereits weiter verbreitet, aber für Bursa ist es auf jeden Fall belegt. Dort lebte in auch ein Koch namens Iskender, dem die berühmte nach ihm benannte Variante des Iskender Kebab etabliert hat: Döner-Fleisch mit Jogurt, gegrillten Paprika und Tomaten. Woher kommt die Behauptung, Döner sei eine deutsche Erfindung? Und doch hört man immer wieder, der Döner sei 1972 in Berlin erfunden worden. Woher stammt diese Erzählung? Tatsächlich gab es damals einen Gastarbeiter aus der Türkei, Kadir Nurman, der war schon 1960 erst nach Stuttgart gekommen und zog 1966 nach Berlin. Er arbeitete erst als Kaufmann, dann als Monteur und hatte schließlich eine Idee. Er kannte Döner Kebab aus seiner türkischen Heimat. Allerdings war das dort ein normale Mahlzeit, die man, oft in guten Restaurants, auf Tellern servierte, mit Reis oder anderen Beilagen. Deutsch am Döner ist vor allem das Brot Er dagegen hatte den Eindruck, dass es im betriebsamen Deutschland einen Markt geben könnte für schnelle Mahlzeiten. Das Konzept "Imbiss" gab es damals eigentlich nur in Form von Brat- oder Currywurst. Und so machte Kadir Nurman aus dem einstigen Tellergericht "Döner Kebab" eine Imbiss-Mahlzeit, steckte das vom Spieß abgeschnittene Fleisch in ein Fladenbrot (Pide) mit ein paar Zwiebeln dazu, und so gab es Döner auf die Hand. Das war noch sehr schlicht, ohne viel Soße, nicht „mit allem und scharf“, das kam erst später. Aber Kadir Nurman war der Begründer einer eigenen deutsche Döner-Imbiss-Kultur, die sich von Berlin aus in die übrige Bundesrepublik ausbreitete und die längst weltweit kopiert wird. Insofern kann man sagen: Kadir Nurman hat den Döner in Deutschland eingeführt, die Fladenbrot- und damit Imbiss-Variante erfunden und somit, das, was der Deutsche landläufig unter einem "Döner" versteht - aber das Gericht „Döner Kebab“ gab es schon mindestens 150 Jahre vorher in der Türkei.