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Meeresspiegel reichte nicht bis zum Berg Ararat Nein. Der Berg Ararat, der an der türkisch-armenischen Grenze steht, ist über 5.000 Meter hoch. Dort auf geologisch nachvollziehbare Weise einen Meeresspiegel hinzubekommen, ist schlichtweg unmöglich – wenn man davon ausgeht, dass es sich dabei um eine historische Tatsache handelt. Man könnte natürlich auch sagen: "Arche Noah am Ararat gestrandet" muss ja nicht heißen, dass die Arche gleich auf 5.000 Metern Höhe gestrandet ist. Sie könnte ja auch weiter unten gestrandet sein, etwa bei 1.000 oder auch 2.000 Metern. Aber auch das ist geologisch eigentlich völlig ausgeschlossen. Denn selbst wenn man annimmt, dass alles Eis auf der Erde einmal schmelzen würde, dann hätte man noch einen Anstieg von einigen 10 Metern, aber das war es dann auch. Im Vergleich: In der letzten Eiszeit, als sehr viel mehr Eis gebunden war und als es sehr viel mehr Gletscher gab, war der Meeresspiegel 100 bis 120 Meter tiefer als heute. Wenn man das ganze Eis schmelzen lassen würde, wäre er vielleicht noch einmal etwa 80 bis 100 Meter höher. Das würde aber nicht reichen, um eine "Arche Noah" am Ararat stranden zu lassen. Deswegen ist es für mich auch kein Wunder, dass man dort nichts gefunden hat. Man hat Steinbögen gefunden. Da hat man vermutet, dass das fossile bzw. versteinerte Überreste der "Arche Noah" sein könnten. Aber das hat sich alles nicht als Wahrheit oder tatsächliche Sensation herausgestellt. Gigantische Flutung am Schwarzen Meer vor 7.500 Jahren? Es gibt Informationen darüber – das hat mit dem Ararat allerdings weniger zu tun – dass es vor 7.500 Jahren am Schwarzen Meer zu einer gigantischen Flutung gekommen sein könnte. Das heißt, das Schwarze Meer war auch während der Eiszeiten 100 bis 120 Meter tiefer als heute. Das war ein Süßwassersee. Und dann – so die Theorie – ist nach der Eiszeit durch das Schmelzen von Gletschern der Meeresspiegel gestiegen, das Mittelmeer ist gestiegen. Irgendwann hat es dann auch den Bosporus überschwemmt. Und dann kam jede Menge Wasser den Bosporus herunter: 20-mal stärker als der Niagarafall, so heißt es. Dadurch wurde das Schwarze Meer erstens salzig und zweitens ist der Meeresspiegel gestiegen. Aber nicht wesentlich höher als er heute ist. Das ist die andere Theorie, für die es einige Belege gibt, aber da ist noch vieles unsicher. Die Suche am Ararat hat aber mit diesen neueren Erkenntnissen nichts zu tun. Flutung: möglicherweise Einfluss auf das Gilgamesch-Epos Wenn es diese Überschwemmung tatsächlich gegeben hat vor 7.500 Jahren, dann, so eine Überlegung, könnte dieses Ereignis möglicherweise das Gilgameschepos im Zweistromland ausgelöst haben. Aus diesem Epos wäre dann später die Geschichte der "Arche Noah" entstanden. Der Haken: Wenn es die große Sturzflut am Schwarzen Meer wirklich gab, hätte hat das Ereignis 5500 v. Chr. stattgefunden. Das Gilgamesch-Epos selbst ist aber erst 2.000 Jahre später entstanden. Das heißt, diese 2.000 Jahre hätten durch mündliche Überlieferung überbrückt werden müssen. Und ob das so sein kann oder nicht, ist schwer zu beantworten.
Selbst wenn normales Bier isotonisch wäre, dürften die Bierbrauer nicht damit werben, weil alkoholische Getränke generell nicht mit nährstoffbezogenen Hinweisen werben dürfen. Aber normales Vollbier ist auch nicht isotonisch, sondern wegen des zusätzlichen Alkohols hypertonisch. Isotonisch: so viele Nährstoffe und Mineralien wie unser Blut Isotonisch sind Getränke dann, wenn sie genauso viele Nährstoffe und Mineralien bzw. genauso viele gelöste Teilchen enthalten wie unser Blut. Dann nämlich, sagen Ernährungsphysiologen, kann der Körper zumindest bei sportlicher Anstrengung die Flüssigkeit und die Mineralien am besten und schnellsten aufnehmen. Wenn eine Flüssigkeit zu viele Nährstoffe enthält – zum Beispiel ein unverdünnter Fruchtsaft – dann entziehen sie dem Körper eher Flüssigkeit. Ähnlich ist es beim Vollbier. Es ist nicht so nährstoffreich wie zum Beispiel purer Orangensaft. Aber Bier ist im Hinblick auf den Nährstoffgehalt "dicker" als das Blut. Deshalb ist es nicht isotonisch ("iso" bedeutet "gleich"), sondern hypertonisch ("hyper" bedeutet "über"). Mineralien werden beim Alkoholabbau ausgeschieden Gut zu wissen: Mineralien aus dem Bier, die beim Alkoholabbau in der Leber zum Teil gleich wieder ausgeschieden werden, kommen dem Körper nicht zugute. Die Vorstellung, normales Bier und alkoholfreies Bier unterscheiden sich nur darin, dass man sich mit alkoholhaltigem Bier betrinken kann, ist also falsch. Auch beim alkoholfreien Bier gibt es Ausnahmen: Die Stiftung Warentest hat das vor ein paar Jahren untersucht und festgestellt, dass viele alkoholfreie Weizen nicht isotonisch sind, obwohl sie zum Teil dafür werben. Sie sind vielmehr hypotonisch, also "dünner" als Blut. Letztlich aber sind das Unterschiede, um die sich der normale Breitensportler nicht allzu sehr den Kopf zerbrechen sollte – erst bei stundenlangem Ausdauersport, das entspricht der Kategorie "Marathonläufer", wird das interessant. Aber auch dann muss es kein spezieller Fitness-Drink sein – eine Apfelsaftschorle ist genauso isotonisch.
- 13.08.20262 min
Proteine für die Reparatur der Haut Die Haut ist Teil des gesamten Organismus. Daher sollte man bei jeder Hauterkrankung auf die Ernährung achten. Antientzündliche Ernährung ist eine pflanzenbetonte Kost. Wir brauchen aber immer auch genug Proteine, weil die Hautreparatur über Eiweiß gelingt. Wenn jemand eine schuppende Hauterkrankung hat, verliert er eine ganze Menge Eiweiß. Wenn das Immunsystem in Wallung ist, wie bei einer Neurodermitis, braucht es genug Proteine. Außerdem Vitamin D, Zink, Selen, Omega-3-Fettsäuren. Reichlich Ballaststoffe für eine gesunde Darmflora Eins meiner Lieblingsthemen ist außerdem die Darmflora, da gibt es schon viele gute Untersuchungen. Wir brauchen unbedingt 30 Gramm Ballaststoffe am Tag. Das lässt sich mit kostenlosen Apps im Handy tracken. Besonders gut geeignet für eine vielfältige und hautgesundheitsförderliche Darmflora sind zum Beispiel Akazienfasern, aber auch Flohsamenschalen, Leinsamen und viele andere lösliche Ballaststoffquellen, zum Beispiel aus bitteren Salaten und Wurzelgemüsen. Fermentierte Lebensmittel unterstützen Hilfreich ist auch lebendige Nahrung. Es gibt Hersteller, die Pülverchen empfehlen, denen Milchsäurebakterien zugeführt werden, Bifidobakterien. Aber das geht auch zum Beispiel mit frischem Sauerkraut, das man selbst fermentiert hat oder von der Frischetheke kauft. Es darf nicht erhitzt sein, damit die Bakterien leben. Wenn man Milchprodukte verträgt, geht auch Kefir. Auch Kimchi vom Koreaner oder sogenannte effektive Mikroorganismen. Und Salat aus dem Garten. All das reichert die eigene Darmflora an und kann von innen die Anti-Entzündung unterstützen.
- 12.08.20265 min
Aerosole: Sonneneinstrahlung ist heute geringer als vor 50 Jahren Grundsätzlich ja. Mit globaler Verdunkelung (engl. Global Dimming) ist gemeint, dass im weltweiten Durchschnitt heute ein paar Prozent weniger Sonneneinstrahlung auf der Erde ankommt als etwa 1960. Der Hauptgrund dafür ist die Luftverschmutzung. Beim Verbrennen von Kohle, Öl und Gas, aber auch Holz gelangen kleinste Partikel – sogenannte Aerosole – in die Atmosphäre. Diese Aerosole verdunkeln zum einen selbst den Himmel, zum anderen sind es Kondensationskeime für Wassertröpfchen. Sie führen damit zu einer verstärkten Wolkenbildung. Und Wolken verdunkeln den Himmel ebenfalls. Sie reflektieren Sonnenstrahlen. Warum erwärmt sich die Erde trotz verminderter Sonneneinstrahlung? Wenn heute weniger Sonnenstrahlen auf die Erde kommen als 1960, müsste es doch eigentlich kühler werden – doch alle seriösen Klimaforscher sagen, es wird wärmer. Wie passt das zusammen? Zum einen liegt es daran, dass die globale Erwärmung durch den Treibhauseffekt stärker ist. Beim Treibhauseffekt geht es darum, dass Energie, die über Sonnenstrahlen zur Erde gelangt, stärker als früher in der Atmosphäre bleibt. Dieser Effekt ist unterm Strich stärker als der Verdunkelungseffekt. Viele Klimaforscher vermuten sogar, ohne den Verdunkelungseffekt durch die Luftverschmutzung wäre das Klima heute noch wärmer als es ohnehin schon ist. Außerdem hat die Verschmutzung selbst neben einem kühlenden auch einen wärmenden Effekt. Denn ein Teil der Aerosole liegt in Form von Ruß vor – und Ruß hat wiederum eine Treibhauswirkung, weil er Wärme absorbiert. Noch etwas kommt bei der Betrachtung hinzu: Der Vergleich zwischen der Situation heute und 1960 ist etwas unpräzise, denn die Entwicklung ist längst wieder rückläufig: Seit den 1980er-Jahren geht vor allem in den westlichen Industrieländern die Luftverschmutzung zurück – wohlgemerkt: Damit sind Schmutzpartikel gemeint, nicht der Ausstoß von Treibhausgasen! Die Atmosphäre wird also wieder klarer und der Verdunkelungseffekt lässt inzwischen schon wieder nach. Es ist aber von Region zu Region unterschiedlich: Über Ländern, die erst in den letzten Jahrzehnten industriell aufgeholt haben und auch noch stark auf Kohle setzen – so wie China – ist die Verdunkelung noch stärker ausgeprägt als bei uns, wo der Himmel schon wieder messbar "heller" ist als 1980. Wie passt das Problem der Lichtverschmutzung dazu? Bei der Lichtverschmutzung geht es nicht um Sonnenlicht, sondern um das künstliche Licht. Darum, dass wir vor lauter künstlicher Beleuchtung in den Städten den Himmel nicht mehr sehen. Aber indirekt trägt das auch dazu bei, dass der globalen Verdunkelung über vielen Städten eine lokale Erhellung des Himmels entgegensteht. Denn wenn es bewölkt ist, reflektieren die Wolken die Lichter der Großstadt. Das hat Konsequenzen: Früher war der Himmel in klaren Nächten heller als wenn es bewölkt ist. Bei wolkenverhangenem Himmel war der Nachthimmel pechschwarz, während in klaren Nächten immerhin noch der Mond sowie die Summe der Sterne etwas Licht zur Erde warfen. Heute ist es, vor allem über den großen Städten, umgekehrt: Da reflektieren die Wolken so viel Licht von den Städten, dass der Himmel heller ist als in klaren Nächten. Berliner Forscher haben sogar herausgefunden, dass es bei den verschiedenen Lichtanteilen Unterschiede gibt. Die roten Anteile des Lichts werden von den Wolken besonders stark reflektiert – man könnte übertrieben formulieren: Der Himmel wird zur Rotlichtzone. Es gibt also den Effekt einer Globalen Verdunkelung – bezogen auf das Tageslicht. Aber erstens geht der schon wieder zurück. Und zweitens gibt es gleichzeitig vielerorts den Effekt einer Aufhellung des Himmels nachts.
- 11.08.20262 min
Trockenste Orte befinden sich in der Antarktis Spontan würde man den trockensten Ort der Erde wohl in einer heißen Wüste suchen, doch inzwischen haben Wissenschaftler festgestellt, dass sich die trockensten Orte in einer extrem kalten Gegend befinden, nämlich in der Antarktis. Dort gibt es mehr als 4.000 Meter hohe Gebirge – aber auch Täler, die komplett eisfrei sind, und das offenbar seit Millionen von Jahren. Dort ist es zwar eiskalt – bis zu minus 50 Grad in den Tälern, minus 70 Grad oder noch kälter auf den Bergrücken – aber die Luft ist so trocken, dass man wohl Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte warten kann, bis da mal ein Flöckchen fällt. Bedingungen wie auf dem Mars Seit bekannt ist, wie trocken es in dieser Region der Antarktis ist, interessieren sich zunehmend sowohl die Astronomie als auch Raumfahrtbehörden wie die NASA für diese Gegenden, vor allem für die Bergrücken: Die NASA, weil dort fast schon Bedingungen wie auf dem Mars herrschen – das ist praktisch, um Marsroboter zu testen. Und Astronomen, weil man in solch trockenen Gegenden natürlich toll die Sterne beobachten kann. Sahara: im Vergleich zur Atacama-Wüste ein wahres "Feuchtgebiet" Astronomen suchen für ihre großen Observatorien bewusst möglichst trockene Gegenden. Bisher galt da die chilenische Atacama-Wüste als der optimale Platz. Früher galt sie als der trockenste Ort der Erde. Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt bei 0,1 Millimeter. Im Vergleich dazu ist die Sahara mit im Schnitt 40 Millimetern Jahresniederschlag ein wahres Feuchtgebiet. Die Atacama-Wüste ist also zwei Größenordnungen trockener als die Sahara. Deshalb stehen dort heute schon mehrere große Sternwarten. Antarktis: gute Bedingungen für Teleskope und Observatorien Doch inzwischen gibt es auch Observatorien zumindest in der Antarktis. Auf dem Bergrücken "Ridge A" wurde in mehr als 4.000 Metern Höhe 2012 ein Infrarotteleskop installiert. Es kann Strahlung bestimmter Wellenlängen beobachten, die kaum irgendwo sonst auf der Erde überhaupt den Weg durch die Atmosphäre bis an die Erdoberfläche schaffen.
- 10.08.20262 min
Aminosäuren wichtig für den Aufbau von Kollagen Kollagen ist kein Mittel, mit dem man ein Lifting machen oder Falten ausbügeln kann. Es gibt einzelne Menschen, die nicht immer mit allen Aminosäuren gut versorgt sind. Das sind die Bausteine des Eiweißes, die man braucht, um Kollagen ausreichend aufzubauen. Wir brauchen bestimmte Aminosäuren wie Glycin, Hydroxyprolin und Prolin und auch Lysin, um Kollagen aufzubauen. Eigentlich würden hierfür eiweißreiche Lebensmittel reichen, aber das kommt nicht immer an. Das ist messbar und ich sehe es als Hautärztin jeden Tag. Omas Knochenbrühe – oder Nahrungsergänzungsmittel Diesen Menschen kann es helfen, dass sie Knochenbrühe nach Omas Rezept trinken, bei dem der Rinderknochen 12 Stunden ausgekocht wird. Da kommen dann Kollagen und Hyaluronsäure raus. Dazu frische Petersilie für das Vitamin C, denn ohne Vitamin C gibt es keinen Kollagenaufbau. Wer das nicht machen möchte, kann mit Nahrungsergänzungsmitteln arbeiten. Es gibt Studien, die zeigen, dass es wirkt. Das ist zum Beispiel bei Reibeisenhaut der Fall oder wenn die Leute ihr Haarwachstum stimulieren wollen. Es kann auch bei Gelenkbeschwerden für den Knochen hilfreich sein und ein bisschen für die Durchfeuchtung der Haut. Kollagen ist kein Wundermittel Kollagen ist also kein Wundermittel, aber im Sinne einer Versorgungstherapie kann es ein Helfer sein. Was ich noch nicht sicher sagen kann, denn da ist die Forschung gerade dran: Es gibt die Vermutung, dass besonders kleine Peptide, also Eiweißpartikelchen, im Kollagen vielleicht sogar einen Stimulationseffekt auf die kollagenbildenden Zellen haben. Wie gesagt: Das ist noch nicht sicher; das muss erst noch wissenschaftlich belegt werden. Daher bitte nicht loslaufen und kaufen. Es ist also kein Muss. Aber ich benutze es tatsächlich bei meinen Patienten und ich nehme es auch selbst. Und ich finde, dass es meiner Haut, meinen Haaren und meinen Nägeln sehr guttut.
Indogermanische Sprachfamilien sind in Europa vorherrschend Es klingt verrückt, aber diese Theorie gab es tatsächlich. Es lässt sich auch gut begründen, warum. Ein Grund: In beiden Fällen handelt es sich um nicht-indogermanische Sprachen. Die meisten Sprachen Europas und viele Sprachen Asiens bis nach Indien gehören zur indogermanischen Sprachfamilie. Die germanischen Sprachen gehören dazu, die romanischen Sprachen, die keltischen, die slawischen, aber auch Persisch und Hindi. Nicht-indogermanische Sprachen sind in Europa die Ausnahme Wenn man sich nun eine Landkarte Europas anschaut, dann gibt es nur ein paar Flecken, in denen keine indogermanische Sprache gesprochen wird. Die bekanntesten sind Finnland und Ungarn, die gehören wie das Estnische zu einer ganz eigenen Sprachfamilie. Ebenso das Türkische; das gehört zu den Turksprachen bzw. zur altaischen Sprachfamilie. Das sind die großen nicht-indoeuropäischen Sprachräume im europäischen Umfeld. Außerdem gibt es ein paar kleine Sprachinseln. Dazu gehören sowohl die kaukasischen Sprachen – eine davon ist Tschetschenisch – und es gehört Baskisch dazu. Das Baskische hat absolut nichts zu tun mit Spanisch, Französisch oder was da sonst im Umkreis gesprochen wird; es ist eine völlig eigenständige Sprachfamilie. Insofern ist es eine Überlegung wert, ob die beiden verwandt sein könnten. Vaskonisch als Ursprache Europas? Wenn man von der Verbreitung der heutigen Sprachen ausgeht, liegen das Baskenland und Tschetschenien natürlich weit voneinander entfernt, quasi an den entgegengesetzten Enden Europas. Aber – und das ist das Spannende bei der baskischen Sprache: Es sieht so aus – zumindest gibt es darauf einige Hinweise – dass der Vorläufer des Baskischen viel weiter verbreitet war als nur im Baskenland. Manche Forscher sagen, diese vaskonische Vorläufersprache war sogar so etwas wie die Ursprache Europas. Das heißt, auch in Süddeutschland hätten vor 9.000 Jahren Leute gelebt, die eine Sprache gesprochen haben, die mit dem heutigen Baskisch verwandt ist. Ob das Urbaskische, das Vaskonische wirklich so weit verbreitet war, ist umstritten und eher unwahrscheinlich. Aber klar ist, dass das Indogermanische – von dem Griechisch, Slawisch, Keltisch, Germanisch abstammen – erst viel später nach Europa kam. Nach heutigem Stand geschah das vor gut 5.000 Jahren, und zwar mit einer Einwanderungswelle von den Steppen nördlich des Schwarzen Meers (Jamnaja-Kultur). Aber schon vor dieser Einwanderungswelle lebten Menschen in Europa, die irgendetwas gesprochen haben müssen. Diese Sprachen wurden verdrängt, bis auf kleine Sprachinseln wie eben das Baskenland, in der sich eine der vor-indogermanischen Sprachen gehalten hat. Baskisch und Tschetschenisch haben Ähnlichkeiten in der Grammatik Es ist also nicht abwegig zu fragen, ob die kaukasischen Sprachen Überbleibsel einer solchen Ursprache sind, deren Verbreitungsgebiet sich vom heutigen Spanien bis in den Kaukasus erstreckt hätte. Dazu kommt: Baskisch und Tschetschenisch haben gewisse grammatikalische Ähnlichkeiten. Sie drücken nämlich eine bestimmte grammatische Funktion dadurch aus, dass sie an ein Wort bestimmte Laute und Silben hängen. Wir haben im Deutschen für die verschiedenen Fälle bei Substantiven auch verschiedene Endungen, aber im Baskischen und im Tschetschenischen ist das noch viel extremer; da hängt man auch 3, 4 oder 5 Endungen hintereinander an ein Wort. Es sind beides, wie man sagt, "agglutinierende Sprachen", das ist eine formale Ähnlichkeit. Reichen gewisse Ähnlichkeiten für einen Beleg der Verwandtschaft beider Sprachen? Nein, eben nicht. Es war durchaus berechtigt, diese Hypothese aufzustellen und das zu untersuchen. Aber inzwischen weiß man viel mehr darüber, wie sich Sprachen ausgebreitet haben, und das passt einfach nicht mehr zusammen. Außerdem müsste man nicht nur in der Grammatik, sondern vor allem auch in den Wörtern Ähnlichkeiten finden. Aber die sind sehr schwach, wenn überhaupt vorhanden. In den Sprachwissenschaften geht daher heute niemand mehr von einer Verwandtschaft zwischen Baskisch und Tschetschenisch aus.
- 08.08.20261 min
Schlechtere Durchblutung durch Nikotin Rauchen ist ein starker Altersbeschleuniger für die Haut. In den Zigaretten ist Nikotin, und das macht die Gefäße eng. Dadurch ist schon mal die Durchblutung nicht so gut. Polonium, PAK, Teer, Formaldehyd – beim Rauchen wird's toxisch Insgesamt spielen aber sogar mehr als 7.000 chemische Substanzen beim Rauchen eine Rolle, darunter sehr viele toxische. Da sind auch radioaktive Stoffe dabei, etwa Polonium. Außerdem spielen Gifte wie Teer und Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) beim Rauchen eine Rolle. Aber auch Formaldehyd, Benzol, Ammoniak und Schwermetalle. All das ist Gift für die Hautzellen, für den Stoffwechsel. Das ist der Grund, warum Menschen, die rauchen, schnell älter aussehen. Das ist ähnlich wie Schäden durch die Sonne.
Methan wirkt aus Klima 20 Mal stärker als CO2 Es ist bekannt, dass Rinder Methan rülpsen. Methan ist ein sehr starkes Treibhausgas; seine Wirkung aufs Klima ist 20 Mal stärker als die von CO2. Deshalb trägt die intensive Rinderhaltung zur globalen Erwärmung bei. Da ist es eine naheliegende Frage, ob man das ausgerülpste Methan nicht auffangen und unschädlich machen kann. Oder ob man es verbrennen und somit als Biogas verwenden und wenigstens zur Energiegewinnung nutzen kann,– dann entsteht zwar wieder CO2, aber im Vergleich zum Methan wäre es nicht so klimaschädlich und man hat wenigstens etwas davon. Methan auffangen: praktische Umsetzung ist schwierig Überlegungen, das Methan der Rinder aufzufangen, gibt es seit Langem. Doch wie soll das gehen? Man könnte den Rindern eine Art Maske über das Maul zu stülpen, die das ausgerülpste Methan auffängt. Doch eine solche Maske oder gar ein Schlauch, der am oder im Maul befestigt wäre, wären mit dem Tierschutz schwer vereinbar. Außerdem müsste die Maske die ausgerülpste Luft absaugen – das würde den Rindern das Atmen erschweren. Und wie sollen die Tiere mit so einer Maske fressen oder weiden? Aber Kühe sind ja nicht nur auf der Weide, sondern auch im Stall. Deshalb könnte eine Alternative darin bestehen, die Stallluft abzusaugen und das darin enthaltene Methan herauszuholen. Aber auch das sagt sich leicht. Denn in absoluten Mengen gesehen, ist der Methangehalt in der Stallluft sehr gering. Unter 20.000 Molekülen in der Luft, ist im Schnitt ein Methanmolekül – damit kann man biogastechnisch noch nichts anfangen; das brennt nicht (zum Glück für die Rinder). Man müsste also das Methan aus der Stallluft herausfiltern und konzentrieren; das wäre technisch extrem aufwendig und teuer. Man könnte auch überlegen, die Kühe einfach so lange im Stall zu lassen und nicht zu lüften, bis sich das Methan stark angereichert hat. Die Rinder würden in einer solch dicken Luft aber vorher tot umfallen. Methanproblematik über das Futter in den Griff bekommen Die Agrartechniker haben von solchen Überlegungen deshalb weitgehend Abstand genommen und versuchen, das Methanproblem bei der Rinderhaltung auf eine andere Art in den Griff zu bekommen, nämlich über das Futter: Die Methanproduktion ist eine Folge des Wiederkäuens. Die Menge des Methans, das im Pansen der Rinder entsteht, hängt von der Zusammensetzung des Futters ab. Kühe fressen vor allem Getreide. Wenn nun dieses Futter viele gekeimte Körner enthält, stoßen die Kühe weniger Methan aus. Auch ein hoher Fettanteil verringert die Methanproduktion. Trotzdem kann man Rinder natürlich nicht nur mit Fett füttern; sie brauchen Gras und Getreide. Hier wird aber schon viel herumexperimentiert, auch über die Futterzeiten kann man den Methanausstoß beeinflussen. Alles in allem könnte man mit solchen Maßnahmen den Ausstoß um immerhin 20 Prozent reduzieren. Soja und Getreide: Futter für Rinder hat negative Klimabilanz Eins ist jedoch zu beachten: Das Methanrülpsen ist nicht der alleinige Grund für die schlechte Klimabilanz der Rinderhaltung. Ein entscheidender Faktor ist die Art der Haltung. Vor allem für Stallrinder muss das Futter extra angebaut werden – in Form von Soja oder Getreide. Diese Felder müssen gedüngt werden und dabei entsteht Lachgas. Die Treibhauswirkung von Lachgas ist um ein Vielfaches stärker als die von Methan. Außerdem werden für den Anbau von Soja in Südamerika große Regenwaldflächen gerodet – auch das schlägt sich negativ in der Klimabilanz nieder. Weiderinder belasten das Klima weniger als Stallrinder Diese Negativ-Faktoren fallen bei Weiderindern größtenteils weg. Sie sind trotz ihres Methanausstoßes für den Klimawandel also bei Weitem nicht so schädlich wie Stallrinder.
- 06.08.20262 min
Tätowierfarben nicht lückenlos überprüfbar Die Farben werden in die Haut eingebracht und bleiben dort. Sie machen sich aber auch auf den Weg durch die Lymphbahnen und in die Organe. Tätowierfarben werden nicht wie Arzneimittel über Leber und Niere entgiftet. Zu den einzelnen Tattoo-Farben gibt es zu wenig Forschung. Eigentlich bräuchten wir Arzneistudien, um die Farben zu beurteilen. Es gibt allerdings sehr viele unterschiedliche Farben; die Mischungen sind wild. Immerhin gibt es eine Verordnung über Farben, die nicht mehr verwendet werden sollen. Aber es sind bereits Alternativen verfügbar – und die sind nicht überprüft. Von Entzündung bis Hautkrebs – Tattoos sind unnötige Belastung des Körpers Als Hautärztin empfinde ich das Tätowieren als unnötige Belastung des Körpers. Es kommt immer zu einer Entzündung, zu einer Abkapselung. Auch UV-Strahlung kann die Farben unter Umständen ändern und vielleicht giftiger machen. In der Praxis sehe ich auch manchmal Hautkrebs innerhalb der Tattoos – entweder, weil die Farben die Zellen vielleicht schneller mutieren lassen. Oder weil man den Hautkrebs nicht rechtzeitig erkennt. Denn die Vorsorge ist durch die Farbe hindurch nicht so leicht. Manchmal werden Leberflecken überstochen, obwohl Tätowierer darauf achten sollten. Die guten tun das auch. Unerwünscht: Tattoos in 3D Ich habe Patienten gesehen, die durch das Tätowieren eine dicke Schuppenflechte entwickelt haben – da wurde der Drache plötzlich 3D. Oder Patienten, die nach dem Stechen eine Nesselsucht entwickelt haben. Das ist eine Art Quaddelallergie. Außerdem kommt es beim Tätowieren zu Infektionen und Narben. Das Thema Lymphome ist auch in der Diskussion; es wird gerade erforscht. Es geht dabei um die Frage, ob das Immunsystem Krebs entwickeln kann durch die Partikel, die es da bekämpft.
- 05.08.20263 min
Dass der Regenbogen rund ist, kann man darauf zurückführen, dass Wassertropfen rund sind. Ein Regenbogen entsteht, wenn die Luft leicht neblig ist. Dann sind Wassertropfen in der Luft. Um den Regenbogen sehen zu können, muss man die Sonne im Rücken haben. Dann passiert Folgendes: Die Sonne strahlt auf die Wassertröpfchen. Das Sonnenlicht trifft dabei meist schräg auf die Oberfläche des Tropfens, wird dabei gebrochen und in seine Farbbestandteile aufgespalten. Dadurch entstehen die Regenbogenfarben. Wassertropfen wirken wie ein Prisma Schauen wir den Weg des einzelnen Sonnenstrahls an: Der Strahl trifft vorne auf den Tropfen, wird gebrochen, geht durch den Tropfen durch und wird an der hinteren Seite des Tropfens, der Rückwand, zurückgeworfen. Er geht also zurück durch den Tropfen, verlässt ihn und erreicht schließlich das Auge des Betrachters. Da aber der Strahl in seine Farb-Bestandteile aufgebrochen wurde, wird nur ein bestimmter Ausschnitt des Farbspektrums in das Auge gelenkt. Welche Farbe das ist, hängt von dem Winkel ab. Man kann eine Verbindung ziehen von der Sonne zum Tropfen und von da wieder zum Auge des Betrachters. Dieser Winkel entscheidet darüber, welche Farbe der Betrachter zu sehen bekommt – grün, rot, blau, was auch immer. Beim Regenbogen sprechen wir aber nicht nur über einen einzelnen Tropfen, sondern über Tausende oder Millionen Tropfen. Jeder dieser Tropfen bildet mit dem Betrachter und der Sonne einen anderen Winkel. Wenn ich mir also vorstelle, dass ich einen bestimmten Tropfen anschaue, dann sehe ich in diesem Tropfen die roten Lichtanteile. Das orange oder gelbe Licht kommt dagegen von einem anderen Tropfen, der vielleicht etwas weiter rechts ist und einen anderen Winkel bildet. Regenbogen: Betrachter sieht vom Boden aus ein Kreissegment Machen wir ein Gedankenexperiment: Stellen Sie sich einen riesigen Zirkel vor. Die Spitze des Zirkels stechen wir an die Stelle, an der wir als Betrachter stehen. Jetzt ziehen wir aber mit dem Zirkel keinen Kreis auf den Erdboden, sondern halten ihn etwas schräg – der Kopf würde dabei in die Richtung der Sonne zeigen. Der Zirkel ist in einem bestimmten Winkel geöffnet. Jetzt stellen wir uns vor, mit diesem Zirkel würden wir einen Halbkreis in die Luft zeichnen. Diese Linie verbindet dann alle Punkte – in unserem Fall also: alle Tropfen, die mit Sonne und Beobachter denselben Winkel bilden. Alle Tropfen, von denen violettes Licht zu uns gelangt, bilden dabei einen Bogen. Alle, von denen grünes, gelbes und rotes Licht zu uns gelangt, bilden auch jeweils einen Bogen. Und all diese einzelnen Bögen zusammen bilden dann den Regenbogen.
- 03.08.20261 min
Für Sonnencreme gilt: viel hilft viel! Beim Thema Sonnencreme gilt: Viel hilft viel. Das heißt konkret: Fürs Gesicht zwei Fingerlängen Sonnencreme. Wer in Badehose oder Bikini rausgeht, sollte anderthalb bis zwei Schnapsgläser voll Sonnencreme auf dem Körper verteilen. Das ist eine gute Orientierung. Ohren, Scheitel, Glatze: "Sonnenterrassen" nicht vergessen Wichtig ist, vor dem Sonnenbad an die Areale zu denken, die man leicht vergisst: die Stellen hinter den Ohren, evtl. Scheitel oder Glatze – je nach Frisur. Die "Sonnenterrassen" sind besonders gefährdet: das Ohr oben, der Nasenrücken, die Jochbeine und je nach Anatomie die Oberlippe oder die Unterlippe – der Teil des Mundes, der hervorsteht. Wichtig ist also: Vor dem Sonnenbad bewusst eincremen. Und wichtig ist auch, nachzucremen, wenn man geschwitzt hat oder baden war. Motto: meiden, kleiden, cremen Noch besser ist es, wenn man nach folgendem Motto handelt: meiden, kleiden, cremen. Das heißt: Man sollte sich nicht in die pralle Sonne hauen, sondern in den Schatten gehen. Man sollte die Mittagssonne meiden. Und man sollte an die Kleidung denken. Die sollte dicht gewebt, aber locker sein. UV-Schutzkleidung für Kinder sollte dem Standard 801 entsprechen. Die Schutzkleidung darf im Wasser nicht durchsichtig werden, denn sonst bekommt man auch durch ein helles T-Shirt einen Sonnenbrand.
- 03.08.20263 min
New York City – lebendig und verführerisch Zur Herkunft der Bezeichnung "Big Apple" für New York könnte man alle möglichen Spekulationen anstellen: War die Stadt einst berühmt für ihre Apfelbäume? Nein. Mit der Computerfirma von Steve Jobs kann es auch nichts zu tun haben, denn die kam erst später und ist an der Westküste angesiedelt. Schon Anfang der 1970er-Jahre gab es eine große Werbekampagne, um Touristen anzuziehen. Da wurde das zum Slogan des Stadtmarketings. "Big Apple" sollte sich einprägen, der Apfel in den Prospekten zum wiedererkennbaren Logo werden. Der rote, knackige, saftige Apfel sollte stehen für eine vor Leben strotzende, vielleicht auch verführerische Stadt – und das hat sich eingeprägt. Früheste Quelle mit Verweis auf den Apfel: Buch von 1909 Allerdings haben sich das die Marketingleute nicht einfach so ausgedacht; der Ausdruck "Big Apple" war schon vorher da. Die erste Erwähnung findet sich im Jahr 1909. Damals erschien ein Buch des Schriftstellers Edward S. Martin – er war unter anderem Herausgeber des Life Magazines. Das Buch hieß "The wayfarer". Darin findet sich ein Zitat über die Leute aus dem Mittleren Westen, aus Kansas, die New York als eine gierige Stadt betrachten und finden, dass "der große Apfel" – eben New York, "einen unangemessen großen Anteil des nationalen Saftes abbekommt". Das ist die früheste Quelle, in der New York als Big Apple bezeichnet wird. Pferdesport und Jazz greifen Ausdruck "Big Apple" auf Der Ausdruck "Big Apple“ war also wohl schon gängig, wurde von verschiedenen Seiten am Leben gehalten. Da war zum einen der Pferderennsport der 1920er-Jahre. Pferderennen waren in New York sehr beliebt. Und die Preise für die Sieger waren entsprechend hoch. Und wer da gewonnen hat, von dem hat man gesagt, er habe den Big Apple gewonnen. Das allein hätte sich aber vielleicht noch nicht so in den Köpfen festgesetzt, wenn es nicht einen Sportjournalisten beim New York Morning Telegraph geben hätte: John Fitz Gerald benannte nach diesem Umstand seine regelmäßige Pferdesport-Kolumne: "Around the Big Apple". Er sagt, er hätte das in New Orleans aufgeschnappt, wo die Pferderennen etwas niedriger dotiert waren und wo die Reiter und ihre Stallknechte neiderfüllt von New York als der Stadt sprachen, wo man ordentlich abkassieren konnte – wo es den Big Apple zu gewinnen gab. Da dachte man wohl auch an die Pferde, die sich beim Rennen einen großen Apfel verdient haben, aber gemeint war natürlich das große Geld, das ihre Reiter mit nach Hause getragen haben. Später haben dann Jazzmusiker den Ausdruck aufgegriffen. Es gibt viele Jazz-Stücke der 1930er-Jahre, wo New York als Big Apple bezeichnet wird. Der Begriff hat sich also offenbar schon früh eingebürgert – bevor er dann in den 1970er-Jahren von der Stadt aktiv fürs Marketing benutzt wurde.
- 02.08.20263 min
Im Dorf nicht übertreiben mit dem Prozessionseifer Warum man "die Kirche im Dorf lassen" soll – dazu gibt es zwei halbwegs plausible Erklärungen. Die eine geht so: Der Ausdruck geht auf die Zeit zurück, in der die katholische Kirche noch viele Prozessionen auf dem Land durchführte. Dummerweise haben Dörfer aber die Eigenschaft, dass sie klein sind. Eine Prozession, die von einem Ende des Dorfes zum anderen geht, wäre also schnell zu Ende und machte nicht viel her. Und wenn weitere Gläubige aus der Umgebung teilnehmen würden, platzte das Dorf schnell aus allen Nähten. Also gab es Bestrebungen, die Prozessionen außerhalb der Dörfer auszutragen, sodass die Kirche – gemeint war nicht das Kirchhaus, sondern die Kirchengemeinde – sich aus dem Dorf herausbegeben musste. Das stieß jedoch auf Widerstand. Viele meinten: Nein, die Kirche – das Kirchenleben – gehört ins Dorf. Da soll man es doch belassen, auch wenn die Prozession dann eben kleiner ausfallen mag. – Das passt auch zur heutigen Bedeutung des Ausdrucks "Die Kirche im Dorf lassen" im Sinne von: Lasst es uns nicht übertreiben, es geht auch eine Nummer kleiner. Eine Frage der Macht: Als Dorfkirchen über Stadtkirchen regierten Eine weiter mögliche Erklärung führt den Ausdruck auf das späte Mittelalter zurück. Dort wurde der Ausdruck zum ersten Mal nachgewiesen, auch in Frankreich. Bis ins späte Mittelalter hinein wurden neue Siedlungen in enger Zusammenarbeit mit der Kirche gegründet. Die Kirche war im Dorf verwurzelt; sie war Kristallisationskern neuer Siedlungen. Diese Dorfkirchen regierten anfangs auch über viele Stadtkirchen. Beispiel Ulm: Bevor das Ulmer Münster gebaut wurde, lag die für Ulm zuständige Pfarrkirche außerhalb der Stadt. Verwaltet wurde sie auch nicht von Ulm, sondern vom Kloster Reichenau. So war es in vielen Städten. Die Städte hatten über ihre Kirchen wenig zu sagen, denn die wurden organisatorisch von Pfarrkirchen auf dem Land verwaltet. Das änderte sich im späten Mittelalter, als die Kathedralen gebaut wurden. Da wurden die Stadtgemeinden nach und nach so groß und mächtig, dass sie sich nicht mehr von den Dorfpfarreien regieren lassen wollten und sich von ihnen abkapselten. Das wiederum passte den Dorfpfarreien nicht. Denn die fürchteten, an Bedeutung zu verlieren, wenn sich die Städte alle von ihnen loslösten. Deshalb gaben sie die Parole aus: Man möge doch die Kirche im Dorf lassen, also da, wo sie traditionell gewachsen ist. Der Vorteil dieser Erklärung ist: Sie passt ein bisschen besser zu den historischen Quellen. Der Nachteil ist: Der Bezug zur heutigen Verwendung dieses Ausdrucks ist weniger deutlich.
Warum wir uns verlieben, ist eine der großen Fragen nicht nur der Wissenschaft, sondern überhaupt des Lebens … Was passiert im Gehirn, wenn wir verliebt sind? Die Hirnforschung hat hierzu in den vergangenen Jahren ein paar Erkenntnisse hervorgebracht. Insbesondere die US-amerikanische Anthropologin Helen Fisher (1945 – 2024) war sehr aktiv. Inzwischen erforschen aber auch viele andere Wissenschaftler die neurologischen Grundlagen des Liebesverhaltens. Unter Drogen: Im Gehirn von Verliebten wird Dopamin ausgeschüttet Oberflächlich betrachtet ähnelt Verliebtsein einem Suchtverhalten. Wenn wir glücklich verliebt sind – wir also unsere "Droge" bekommen – wird im Gehirn Dopamin ausgeschüttet und das Belohnungssystem aktiviert. Wenn sich dagegen der oder die Angebetete rarmacht, bekommen wir so etwas wie Entzugserscheinungen. Es gibt tatsächlich erstaunlich viele Parallelen zur Sucht, allerdings mit einer wesentlichen Einschränkung: Eine Drogensucht hört normalerweise nicht von allein auf. Sich das Rauchen abzugewöhnen, ist schwer. Unterschied zwischen Verliebtsein und Liebe im Gehirn nachweisbar Das erste Verliebtsein dagegen endet fast immer irgendwann – entweder es erlischt oder geht in Liebe über. Helen Fisher hat gezeigt, dass Verliebtsein und Liebe hirnphysiologisch völlig unterschiedliche Prozesse sind. Das Verliebtsein spielt sich mehr in den älteren archaischen Hirnregionen ab. Bei der Liebe dagegen sind mehr Bereiche des Cortex, also der Großhirnrinde, beteiligt. Dort werden auch bewusste Erinnerungen verarbeitet. Bei der Liebe wirken Bindungshormone wie Oxytocin Ein weiterer Unterschied: Beim Verliebtsein ist viel Dopamin im Spiel, bei der dauerhaften Liebe sind es eher die Bindungshormone wie Oxytocin. Diese Unterschiede entsprechen auch der Alltagserfahrung. Grob gesagt: Liebe beruht auf Vertrautheit. Es ist das Gefühl einer starken Verbundenheit zu jemandem, den wir kennen, mit all seinen Eigentümlichkeiten und Schrullen. Liebe ist ein Gefühl der Zugehörigkeit zwischen zwei Menschen. Verliebtheit ist eine Stufe davor. Es ist der dringende Wunsch, jemandem nahe zu sein, näherzukommen, selbst wenn wir ihn oder sie noch nicht so gut kennen. Das ist aber vereinfacht und zugespitzt. Letztlich sind "Liebe" und "Verliebtsein" Begriffskonstrukte, von denen jeder eine bestimmte Vorstellung hat, bei denen es aber sehr viele verschiedene Schattierungen gibt, gerade in Bezug auf den Begriff "Liebe". Verliebtsein überwindet die intuitive Distanz zu anderen Die zweite Ebene, die evolutionäre, gibt Hinweise darauf, warum wie uns überhaupt verlieben. Gerade durch den Unterschied zwischen Liebe und Verliebtsein wird das deutlich. Lieben – diese starke Verbundenheit fühlen – setzt eine Vertrautheit, ein Kennen voraus. Dazu müssen wir aber erst mal jemanden gut kennenlernen. Da wir aber in einer sozialen Gemeinschaft leben und nicht jeden so nah an uns heranlassen können und wollen, weil wir nicht wissen, wem wir wie weit vertrauen können, halten wir zu den meisten Menschen intuitiv einen gewissen Abstand. Um aber eine Familie zu gründen und eine Liebesbeziehung einzugehen, müssen wir diesen Abstand überwinden. Dazu dient vermutlich das Verliebtsein: Es erzeugt einen so starken Wunsch nach Nähe zu einer ganz bestimmten Person, dass wir die gewöhnlichen Schranken durchbrechen und zu einem bis dahin noch fremden Menschen eine vertraute und irgendwann intime Beziehung eingehen, die dann in Liebe übergehen kann. Verliebtheit und Liebe – mehr als Sex und Fortpflanzung Wenn es nur darum ginge, sich fortzupflanzen, müssten wir nicht unbedingt verliebt sein – der reine Spaß am Sex würde völlig reichen. Die meisten Tiere pflanzen ich fort, ohne in romantischen Gefühlen zu schmachten. Babys brauchen viel Schutz und Fürsorge Das besondere beim Menschen ist allerdings, dass Babys in einer sehr frühen Phase ihrer Entwicklung auf die Welt kommen. Sie sind daher noch lange auf elterliche Betreuung angewiesen. Für das Überleben ist es von Vorteil, wenn die Mutter, die das Baby zur Welt bringt, einen Partner hat, der sich für das Kind mitverantwortlich fühlt. Das geht über die Liebe. Die Liebe ist der Kitt, der ein Elternpaar zusammenhält. Aber das Vehikel, dass es erst einmal zusammenfindet, scheint das Verliebtsein zu sein.
- 31.07.20263 min
Rekord: 1.357,6 km/h Rekordhalter ist der österreichische Extremsportler Felix Baumgartner (1969 - 2025). Er hat im Oktober 2012 im freien Fall eine Geschwindigkeit von 1357,6 km/h erreicht und damit als bisher einziger Mensch die Schallmauer durchbrochen. Das ist die empirische Antwort auf die Frage. Man kann sich hier aber auch physikalisch nähern. Wirkung von Gravitationskraft und Luftwiderstand Zwei Faktoren sind für die Fallgeschwindigkeit entscheidend: Die Gravitationskraft der Erde und der Luftwiderstand. Die Erdanziehung wirkt auf alles, was herunterfällt, gleich: Ein Mensch wird genauso stark beschleunigt wie ein herunterfallendes Blatt oder ein Regentropfen, nämlich mit der sogenannten Erdbeschleunigung von 9,81 m/s². Das bedeutet: Ohne Luftwiderstand würden wir im freien Fall pro Sekunde 9,81 m/s – das sind umgerechnet 35 km/h – schneller: Nach zwei Sekunden fallen wir mit 70 km/h, nach 3 Sekunden mit 105 km/h und so weiter. Nach einer Minute hätten wir dann schon eine Geschwindigkeit von 2.100 Stundenkilometern – hätten also längst die Schallmauer durchbrochen. Dass es so weit nicht kommt, liegt am Luftwiderstand. Dieser nimmt mit der Geschwindigkeit überproportional zu und irgendwann gleicht sich das aus: Der Mensch wird dann durch die Anziehungskraft der Erde genauso stark beschleunigt, wie er gleichzeitig durch den Luftwiderstand wieder gebremst wird. Und dann wird er nicht mehr schneller. Fallschirmspringer erreichen etwa 200 km/h Beim normalen Fallschirmspringer passiert das schon nach 6 bis 7 Sekunden. Ein Fallschirmspringer erreicht also meist eine Geschwindigkeit von ungefähr 200 km/h – und irgendwann öffnet sich dann hoffentlich der Fallschirm. Allerdings nehmen Fallschirmspringer eine besondere Position ein: Sie machen sich breit, fliegen auf dem Bauch liegend und strecken die Arme und Beine schräg von sich. Das erhöht den Luftwiderstand. Wenn man stattdessen mit den Füßen nach unten springen würde – so wie die meisten im Schwimmbad vom 5-Meter-Brett springen – kann man deutlich schneller werden. Und noch windschnittiger wird man, wenn man mit dem Kopf nach unten springt. Wie man die Schallmauer durchbrechen kann Baumgartner gelang es, die Schallmauer zu durchbrechen, weil er von sehr weit oben gestartet ist. Er ist mit einem Heliumballon bis in eine Höhe von 39 km aufgestiegen. Also fast viermal so hoch wie ein normales Passagierflugzeug. In dieser Höhe ist die Luft so dünn und damit der Luftwiderstand so gering, dass er zumindest in der ersten Minute noch kaum abgebremst wird. Deshalb hat er nach einer halben Minute die Schallmauer durchbrochen. Aus so einer Höhe springt man natürlich nicht so einfach runter: Felix Baumgartner hatte einen Druckanzug an und hat sich jahrelang auf den Sprung vorbereitet. Beraten wurde er dabei von Joseph Kittinger. Kittinger war der letzte, der vor ihm ähnliches gewagt hatte: Der US-Kampfpilot und Extrem-Ballon-Fahrer ist 1960 aus 30 Kilometer Höhe abgesprungen und hat 988 km/h erreicht.
- 30.07.20262 min
Das klingt wie ein Widerspruch: Silber ist ja ein Edelmetall. Und Edelmetalle heißen deshalb so, weil sie beständig sind und zum Beispiel nicht rosten, also nicht oxidieren. Schwefelwasserstoff greift das Silber an Obwohl Silber ein Edelmetall ist, läuft es an. Dieses Anlaufen ist auch eine Form von Oxidation. Unter Oxidation verstehen wir meist, dass sich ein Stoff mit Sauerstoff verbindet. Allerdings kann es in der Chemie auch andere Formen der Oxidation geben, etwa mit Schwefel. Genau das passiert mit dem Silber unter bestimmten Bedingungen. Vor allem Schwefelwasserstoff kann das Silber angreifen – Schwefelwasserstoff, chemisch H2S, gibt es in Spuren überall in der Luft. Eier und Fisch lassen Silberbesteck anlaufen Wenn die Konzentration von Schwefelwasserstoff stärker ist, kann man das riechen: Das ist der berühmte Faule-Eier-Geruch. Der heißt deshalb so, weil Eier diese Schwefelwasserstoffverbindungen verstärkt enthalten. Genauso wie Fisch. Deshalb läuft Silberbesteck vorzugsweise dann an, wenn wir damit Eier oder Fisch essen. In dieser Konstellation passiert dann bei einem Silberlöffel Folgendes: Die Oberfläche des Silbers nimmt aus dem Schwefelwasserstoff den Schwefel weg und wird zu "Schwefelsilber", also: Silbersulfid. Das hat diesen bräunlich-schwarzen Farbton, den wir als "angelaufen" bezeichnen. Das sieht nicht schön aus, ist aber nicht giftig.
- 29.07.20263 min
Erste Räderuhren um 1300 in Italien Als die Uhren mit Zeiger erfunden wurden, wäre es egal gewesen, ob die Zeiger sich links- oder rechtsherum drehen. Beides wäre möglich gewesen. Aber schon früh, als die ersten Uhren aufkamen, gab es das Bedürfnis nach Einheitlichkeit. Die ersten Räderuhren, bei denen sich Zeiger drehten, hingen an Kirchtürmen und Rathäusern in Europa, genauer in Italien. Das war um 1300 herum. Es wäre für die Menschen verwirrend gewesen, wenn sich die eine Uhr links-, die andere rechtsherum dreht. Deshalb gab es ein Bedürfnis, das festzulegen. Mir ist keine Quelle bekannt, aus der hervorgeht, warum sich die rechtsdrehende Uhr durchgesetzt hat. Die gängige Vermutung ist, dass die frühen Uhrenbauer sich an dem orientiert haben, was sie schon kannten – und das war die Sonnenuhr. Das Prinzip kennt jeder: Ein Stab ragt aus einer ebenen Fläche heraus und wirft einen Schatten; dieser Schatten bewegt sich mit der Sonne. In Europa bewegt sich die Sonne im Tagesverlauf rechtsherum: Von Osten über den Süden nach Westen – entsprechend bewegt sich der Schatten einer Sonnenuhr. Da die mechanischen Uhren in Europa erfunden wurden, wurden sie so gebaut, dass der Stundenzeiger sich analog dazu in die gleiche Richtung dreht: rechtsherum. Das bedeutet auch: Wäre die Uhr auf der Südhalbkugel erfunden worden, würden sich die Zeiger heute vielleicht andersherum drehen. Denn von dort aus schaut man in der entgegengesetzten Richtung auf die Sonne. Somit bewegt sie sich dort im Tagesverlauf linksherum. Ist der Stundenzeiger eine Anlehnung an den Schatten der Sonnenuhr? Fast. Der Unterschied ist, dass sich der Stundenzeiger bei den gängigen Uhren doppelt so schnell dreht. Der Schatten einer Sonnenuhr nimmt jede Position nur einmal am Tag ein. Der Stundenzeiger einer Uhr dagegen macht zwei volle Umdrehungen pro Tag an. Er dreht sich auf dem Ziffernblatt zweimal von 12 bis wieder 12, zeigt also zweimal pro Tag die gleiche Zeit an. Es gibt aber Ausnahmen – eine bekannte ist der Uhrturm von San Marco in Venedig. Auch da dreht sich der Zeiger rechtsherum, aber das Zifferblatt ist in 24 Stunden unterteilt. Der Stundenzeiger bewegt sich somit vom Rhythmus analog zur Sonne. Aber die Regel ist bis heute das 12-Stunden-Zifferblatt. Gegen die Theorie, dass die Sonnenuhr als Vorbild gedient hat, gibt es allerdings auch einen berechtigten Einwand: Der Schatten einer Sonnenuhr dreht sich nämlich nur dann rechtsherum, wenn man von einem Stab ausgeht, der im Boden steckt. Es gab allerdings schon früh – bereits im Alten Ägypten – Sonnenuhren, die an Wänden angebracht waren. Und da ist es genau umgekehrt. Durch die veränderte Situation wandert der Schatten hier linksherum. Wir wissen, dass die ersten mechanischen Uhren ebenfalls an Wänden angebracht waren, eben an Rathäusern und Kirchtürmen. Insofern wäre es für die Uhrenbauer fast noch naheliegender gewesen, sich an diesen Wand-Sonnenuhren zu orientieren und die Uhren linksherum laufen zu lassen. Und doch hat sich die Rechtsdrehung durchgesetzt. Wie gesagt, die gängige Annahme ist, dass es mit der primitiven Sonnenuhr am Boden zu tun hat. Aber ich kenne keine historische Quelle, die zeigt, dass die frühen Uhrenbauer so argumentiert haben. SWR 2011 / 2026
- 28.07.20262 min
Papageien passen sich Artgenossen an Papageien plappern nicht nur Menschen nach – dieses Phänomen entsteht eher als Nebeneffekt einer viel grundlegenderen Eigenschaft: Papageien passen sich anderen Papageien an. Die Heimat des Papageien ist der Regenwald, dort leben sie in Gruppen. Innerhalb dieser Gruppen gibt es – wie in sozialen Gruppen bei Menschen auch – oft einen vorherrschenden Klang, einen Slang, an dem sich die Mitglieder der Gruppe gegenseitig erkennen und von anderen abgrenzen. Diesen Slang können sich Papageien aneignen. Andere Vögel machen das in gewissen Grenzen auch, nur anders. Singvögel singen. Papageien haben bekanntlich keine besonders schönen Singstimmen – da hat das Plappern die Rolle übernommen, die bei anderen Vögeln das Singen hat. Dicke Papageien-Zunge bringt viele Laute hervor Bei den Papageien wird auch geplappert, wenn ein Männchen einem Weibchen imponieren will: Die Nachtigall- und Blaumeisenmännchen singen, der Papagei plappert – weil er dafür von der Natur ausgestattet ist. Der Stimmapparat der Papageien ist primitiver als der der meisten anderen Vögel, dafür haben sie eine dicke Zunge, mit der sie sehr viele verschiedene Laute hervorbringen können. Papagei und Mensch: nachahmen, aber nicht verstehen Eigentlich nutzen die Vögel ihre Fähigkeit zur Kommunikation und Anpassung in ihrer Papageiengruppe. Wenn sie aber bei Menschen aufwachsen, wird der Mensch zu ihrer Bezugsperson und so ahmen sie ihn nach. Sie können auch lernen, "Wörter" bestimmten Situationen oder Kontexten zuzuordnen und entsprechend dann zu "sagen". Dies bedeutet aber nicht, dass Parageien die Bedeutung der einzelnen Wörter wirklich verstehen.
- 24.07.20262 min
Früher Hinweis auf das "Daumendrücken" bereits bei Plinius dem Älteren Den Ausdruck kannten offenbar schon die alten Römer, für die das Daumendrücken zu tun hatte mit "jemandem Glück wünschen", "jemanden in Gedanken unterstützen". Belegt wird das durch ein Zitat des römischen Naturforschers Plinius des Älteren. Der hat im ersten Jahrhundert nach Christus das gesammelte naturkundliche Wissen der damaligen Zeit zusammengetragen. In dieser Art Enzyklopädie gibt es ein Kapitel über Heilmittel. Dort findet sich der Satz: Pollices, cum faveamus, premere etiam proverbio iubemur: "Schon das Sprichwort fordert uns auf, die Daumen zu drücken, wenn wir jemandem geneigt sind". Dieser Satz lässt darauf schließen, dass es schon damals ein entsprechendes Sprichwort bzw. eine Redensart gegeben hat. Daumen-Geste bei Gladiatorenkämpfen im alten Rom Das Drücken des Daumens war offenbar auch eine übliche Geste bei Gladiatorenkämpfen. Oft hört man, dass das Publikum bei diesen Kämpfen auch mit dem Daumen über das Schicksal von Gladiatoren abgestimmt hat, wobei sehr umstritten ist, ob es wirklich so war, wie es oft dargestellt wird: Also ob das berühmte "Daumen hoch" den Wunsch nach Gnade ausdrückte und "Daumen runter" ein Todesurteil zum Ausdruck bringen sollte – das ist historisch nicht klar überliefert und manches spricht dafür, dass es umgekehrt war. Aber mit dem gedrückten Daumen brachte das Publikum offenbar seine Sympathie für einen Gladiator zum Ausdruck und somit auch seinen Wunsch, dass dieser Gladiator am Leben bleibt. Aus dieser Zeit hat sich das Daumendrücken übers Mittelalter bis in die heutige Zeit gerettet. Auch die Geste des "Stinkefingers" geht auf die alten Römer zurück.



















