Archivradio – Geschichte im Original

SWR
1013
16.10.2026
Beschreibung
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog

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Episoden
  1. West-Berlin ist von den Sowjets abgeriegelt September 1948: Seit drei Monaten wird West-Berlin von den Sowjets abgeriegelt. Moskau versuchte auf diese Weise, ganz Berlin unter seine Kontrolle zu bekommen. Die West-Alliierten versorgen daraufhin die Stadt über die sogenannte Luftbrücke. Die West-Berliner sind entschlossen, sich nicht einnehmen zu lassen und demonstrieren ihren Willen am 9. September 1948 auf einer großen Kundgebung vor dem zerstörten Reichstagsgebäude. Ernst Reuter macht den Berlinern Mut 350.000 sind gekommen, wichtigster Redner ist Ernst Reuter – eigentlich gewählter Oberbürgermeister der Stadt, doch die Sowjets erkennen ihn in diesem Amt nicht an. Er spricht deshalb als einfacher Stadtradt. Seine Rede macht nicht nur den Berliner Mut, sondern auch den Alliierten, die Luftbrücke aufrecht zu erhalten.

  2. Alterspräsidenten Paul Löbe eröffnet die Sitzung Auf die ersten Bundestagswahlen im August 1949 folgt am 7. September die erste Bundestagssitzung. Sie wird live im Radio übertragen. Eröffnet wird sie durch den Alterspräsidenten Paul Löbe (SPD). In seiner Rede würdigt er die Bedeutung dieser ersten Sitzung eines frei gewählten Parlaments seit der Machtergreifung Hitlers 1933. Anschließend wird der Bundestagspräsident gewählt – der CDU-Politiker Erich Köhler. Es folgen die Wahl der Stellvertreter sowie weiterer Ämter. Bonn oder Frankfurt am Main als Sitz der Bundesorgane? Ganz am Ende wird es kurz turbulent, als Erich Ollenhauer für die SPD-Fraktion eine Abstimmung darüber fordert, den Sitz der Bundesorgane von Bonn nach Frankfurt am Main zu verlegen. Der Bundestagspräsident sagt zu, diesen Antrag im Ältestenrat zu besprechen. Dies ist der Mitschnitt der Bundestagssitzung, wie er archiviert ist – lediglich zwei längere musikalische Passagen sind herausgeschnitten. Der Bundeskanzler wird in dieser ersten Bundestagssitzung noch nicht gewählt – das passiert erst in der Folgewoche am 14. September 1949. Die Wahl fällt erwartungsgemäß auf den CDU-Politiker Konrad Adenauer.

  3. 28 Jahre lang war Berlin eine geteilte Stadt. Am frühen Abend des 9. November 1989 tritt eine neue Reiseregelung für die Bürger Ost-Berlins in Kraft – kurz darauf strömen Tausende zu den Grenzübergängen und nach West-Berlin. Kundgebung vor dem Schöneberger Rathaus Einen Tag nach Öffnung der Mauer findet vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin eine Kundgebung mit westdeutschen Spitzenpolitikern statt. Walter Momper, Willy Brandt, Hans-Dietrich Genscher und der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl sprechen vor mehreren Zehntausend Berlinerinnen und Berlinern. Auf dem Weg zur Kundgebung gibt der ehemalige Regierender Bürgermeister von Berlin und ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt ein Interview. Dort fällt auch der berühmte Satz: Jetzt sind wir in einer Situation, in der wieder zusammenwächst, was zusammengehört. Quelle: Willy Brandt, 10.11.1989 Willy Brandt äußert sich nur sehr vorsichtig zur Frage einer möglichen Wiedervereinigung. Das könnten die beiden deutschen Staaten nicht alleine entscheiden. Entscheidend sei jetzt erst einmal, dass die Menschen im gespaltenen Deutschland wieder zusammenkommen – an dieser Stelle bricht Brandt die Stimme, ihm kommen die Tränen. Kein Wort über eine Wiedervereinigung Auf der Kundgebung selbst spricht keiner der Redner von einer möglichen Wiedervereinigung oder einem gemeinsamen Staat. Brandt spricht vom "Zusammenrücken" beider Staaten. Nur Kohl benutzt an einer Stelle das Wort "Einheit", ohne das aber genauer auszuführen. Hintergrund: Dieser Kundgebung war hinter den Kulissen ein ziemliches Gezänk vorausgegangen. Vor allem im Berliner Abgeordnetenhaus stritten sich die Parteien, wer auf der Kundgebung sprechen soll und worüber. Und gerade der Begriff "Einheit", für Alternative Liste, aber auch Teile der SPD ein rotes Tuch, war dabei heiß umstritten. So umstritten, dass die CDU kurz überlegte, eine eigene, getrennte Kundgebung zu veranstalten. Diesen Streit hat man den Rednern aber nicht mehr angemerkt, als sie auf dem John-F.-Kennedy-Platz standen. Wo fiel "Es wächst zusammen, was zusammengehört"? Von der Rede Willy Brandts ist der Satz überliefert: "Es wächst jetzt zusammen, was zusammengehört." Doch hört man Brandts Auftritt, fällt dieser Satz nicht. Nur eben im Interview zuvor. Später lässt er ihn noch einmal in einem Zeitungsinterview fallen. Nachträglich lässt er ihn auch in die Berliner Rede hineingeschreiben, als diese in einer Reden-Sammlung veröffentlicht wurde. Pfeifkonzert für Helmut Kohl Während Momper, Brandt und Genscher jubelnde Zustimmung erhalten, wird Bundeskanzler Helmut Kohl von den Anhängern des rot-grünen West-Berliner Senats gnadenlos ausgepfiffen. Kohl spricht in seiner Ansprache von einem "historischen Augenblick für Berlin und für Deutschland", mahnt aber zugleich zu Besonnenheit und klugem Handeln. Mit Pathos bekräftigt Helmut Kohl, dass der "Geist der Freiheit" an diesem historischen Tag ganz Europa erfasse, es gehe um Einigkeit und Recht und Freiheit für ganz Deutschland.

  4. Verpflichtend für die gesamte Bevölkerung Es handelte sich um eine Untersuchung des Brustkorbs auf Anzeichen von Tuberkulose und andere Erkrankungen. Sie war über viele Jahre verpflichtend für die gesamte Bevölkerung ab dem Schulalter. Die erste Gemeinde, die die Reihenuntersuchung konsequent in der gesamten Bevölkerung durchführte, war Friedrichstal in Baden. Der Mediziner Hellmuth Ulrici, Chefarzt des Tuberkulosekrankenhauses in Sommerfeld in Brandenburg, erläutert im Rundfunk Ende 1939, wie wichtig die neue Reihenuntersuchung sei. Bundesländer schaffen Reihenuntersuchung wieder ab Als mit den Jahrzehnten dann die Tuberkulose erfolgreich bekämpft wird und die Erkrankungsrate sinkt, findet ein Umdenken statt. Die mit der Untersuchung noch entdeckten unbekannten Tuberkulosefälle sind so gering, dass dieser Vorteil in keinem Verhältnis mehr steht zum Risiko der Röntgenbestrahlung an sich. Daraufhin schaffen die Bundesländer die Untersuchung nach und nach wieder ab, Baden-Württemberg sogar erst 1983. Mehr historische Aufnahmen zur Medizingeschichte: http://swr.li/medizingeschichte

  5. Deutschland hat Polen angegriffen und zahlreiche Städte bombardiert. Großbritannien und Frankreich haben eine Generalmobilmachung angeordnet. Abends werde das Parlament in London zusammenkommen. Auch "Herr Hitler" wird mit einigen Äußerungen zitiert.

  6. Herbert Hoover war zwar seit 1933 nicht mehr Präsident der Vereinigten Staaten, aber immer noch außenpolitisch aktiv. Er traf sich diplomatisch mit Adolf Hitler und Hermann Göring. Als Hitler wieder anfing, über die Juden herzuziehen, soll Hoover ihn zum Schweigen aufgefordert haben. Hoover hatte nicht erwartet, dass Hitler Polen tatsächlich angreifen würde. Er spricht in seiner Rundfunkansprache von einer der traurigsten Wochen seit hundert Jahren. Dieser Krieg werde lange dauern; er sähe keine Möglichkeit, ihn schnell zu beenden. Gleichzeitig spricht er sich dafür aus, dass die USA sich aus diesem Krieg heraushalten. Sie könnten nicht die Probleme Europas lösen.

  7. Bei seiner Reichstagsrede zum Kriegsbeginn am 1. September 1939 donnert Adolf Hitler immer wieder frenetischer Applaus entgegen. Er rechtfertigt den Überfall auf Polen mit einem angeblichen polnischen Angriff auf den Sender Gleiwitz in Schlesien. Jetzt schieße man eben "zurück". Tatsächlich aber hatte die deutsche SS den Angriff auf den Sender inszeniert, um den Grund für den Überfall auf Polen zu liefern, der schon seit längerem geplant war. In seiner Rede kommt Hitler wieder auf sein Dauerthema zu sprechen: die Schmach der Kapitulation nach dem Ersten Weltkrieg und den Versailler Vertrag. So etwas wie damals werde sich nie wiederholen. Hitler verkündet in der Rede auch den eine Woche zuvor mit Josef Stalin geschlossenen Pakt. Da Sowjetrussland seine Doktrin nicht nach Deutschland zu exportieren gedenke, gäbe es keinen Grund mehr für einen Konflikt. Beide Seiten seien sich klar geworden: Jeder Kampf gegeneinander würde nur anderen nützen. Am Anfang der Aufnahme begrüßt Reichstagspräsident Hermann Göring die Abgeordneten.

  8. Schlacht bei Tannenberg Am 31. August 1914 schlägt die 8. Armee des Deutschen Kaiserreichs bei Tannenberg die russische Armee. Ein siegessicher-gelassen sprechender Oberbefehlshaber Paul von Hindenburg gibt seinen Kämpfern ein paar Tage Urlaub. Paul von Hindenburgs Dank an die Soldaten "Soldaten der 8. Armee! Die vieltägigen heißen Kämpfe auf den weiten Gefilden zwischen Allenstein und Neidenburg sind beendet. Ihr habt einen vernichtenden Sieg über fünf Armeekorps und drei Kavalleriedivisionen errungen. Mehr als 90.000 Gefangene, ungezählte Geschütze und Maschinengewehre, mehrere Fahnen und Ziele sonstiger Kriegsbeute sind in unseren Händen. Die geringen, der Einschließung entronnenen Trümmer der russischen Narew-Armee fliehen nach Süden über die Grenze. Die russische Wilna-Armee hat von Königsberg her den Rückzug angetreten. Nächst Gott dem Herrn ist dieser glänzende Erfolg Eurer Opferfreudigkeit, Euren unübertrefflichen Marschleistungen und Eurer hervorragenden Tapferkeit zu danken. Ich hoffe, Euch jetzt einige Tage wohlverdienter Ruhe lassen zu können. Dann aber geht es mit frischen Kräften wieder vorwärts mit Gott für Kaiser, König und Vaterland, bis der letzte Russe unsere teure, schwergeprüfte Heimatprovinz verlassen hat und wir unsere sieggewohnten Fahnen ins Feindesland hineingetragen haben. Es lebe Seine Majestät der Kaiser und König – Hurra!" Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA) Nachgesprochen und aufgezeichnet drei Jahre später, im Oktober 1917

  9. Magnetzünder – Schlüsselprodukt für die Automobilindustrie Robert Bosch ist 25 Jahre alt, als er 1886 in Stuttgart eine Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik eröffnet. Ein Jahr später entwickelt er das Produkt, dass seinem Betrieb ein riesiges Wachstum beschert: einen Magnetzünder für Verbrennungsmotoren – buchstäblich das Schlüsselprodukt für die aufkommende Automobilindustrie. Die Firma expandiert, 1913 hat sie Niederlassungen auf allen Kontinenten. Aus der Werkstätte für Feinmechanik wird die bis heute bestehenden Robert Bosch GmbH. Robert Bosch: bekennender Sozialdemokrat Robert Bosch war ein bekennender Sozialdemokrat und nahm für sich auch eine soziale Betriebskultur in Anspruch. Er stiftete in Stuttgart ein Krankenhaus und verfügte in seinem Testament, dass die Erträge des Unternehmens gemeinnützigen Zwecken zugeführt werden sollen. Das war die Voraussetzung für die Gründung der heutigen Robert Bosch Stiftung. Robert Bosch starb 1942. Ein halbes Jahr vor seinem Tod gibt er am 23. September 1941, seinem 80. Geburtstag, dieses Radiointerview. Er spricht darin über seine berufliche Laufbahn und sein Selbstverständnis als Unternehmer. Wie bei vielen Interviews in den Anfängen des Radios lesen die Beteiligten ihre Sätze hörbar von einem vorgefertigten Manuskript ab.

  10. Ein Foto war in den Anfängen der Fotografie eine aufwändige Angelegenheit. Familienfotos entstanden nur bei seltenen Anlässen. Profi-Fotografen mussten engagiert, das Setting für das Bild genau arrangiert werden. Im Lauf der Zeit wurden Fotoapparate auch für Privatleute erschwinglich und einfach bedienbar, man nahm sie mit in den Urlaub. Damit veränderten sich die Ansprüche an die Bildgestaltung – platt gesagt: Sie war vielen egal. Bitte nicht "Tante Auguste vor dem Schloss" Das wiederum beklagten diejenigen Profi- und Amateur-Fotografen, die das Fotografieren mit einem künstlerischen Anspruch verfolgten. So in diesem Interview von 1953. Es gab noch keine KI, auch das Wort "Selfie" war noch nicht erfunden. Und doch beklagt der Vorsitzende der Südwestdeutschen Amateur-Fotografen Carl Bosch (nicht identisch mit dem gleichnamigen Industriellen) einen Technik-"Fetischismus" und dass die Leute immer nur sich selbst vor irgendwelchen Sehenswürdigkeiten fotografieren würden.

  11. Felix H. Man war in den späten 1920ern und frühen 1930ern einer der Pioniere der Pressefotografie. Geboren wurde er am 30. November 1893 in Freiburg unter dem Namen Felix Sigismund Baumann; er starb am 30. Januar 1985 in London. Dokumentarfotografie während der Ersten Weltkriegs Bereits während des Ersten Weltkriegs produzierte er mehrere Reportagebilderreihen wie "Ruhe an der Westfront" oder "Vom Schwein bis zur Wurst", später dann die berühmte Serie "Ein Tag im Leben Mussolinis". Seine Bildberichte in der "Münchner Illustrierten Presse" pflegte er mit dem Pseudonym "MAN" zu zeichnen. 1934 emigrierte er nach England, da er "mit der Hitlerei" nichts zu tun haben wollte. In diesem Interview von 1983 berichtet er von den frühen Jahren. Quelle: Deutschlandradio

  12. Im Lauf des Jahres 1989 fliehen immer mehr DDR-Bürger in die Bundesrepublik. Bis zu 60.000 sind es laut inoffiziellen Zahlen schon bis Mitte August. Doch dann kommt es nochmal zu einer kleinen Massenflucht über Ungarn. Gelegenheit dazu bietet ein "paneuropäisches Picknick", zu dem die ungarische Regierung nach Sopron eingeladen hat, nahe der österreichischen Grenze. Viele DDR-Bürger kommen – mit dem alleinigen Ziel, von Sopron über die Grenze nach Österreich zu fliehen. Die Bundesrepublik wird später Ungarn dafür immer wieder seinen Dank aussprechen, denn diese kleine Massenflucht gilt als einer der vielen kleinen Meilensteine 1989 auf dem Weg zur Wiedervereinigung. Die ersten fliehen schon am 20. August, am 23. August zeigt sich das ganze Ausmaß. Aus Österreich berichtet Korrespondent Thomas Gerlach.

  13. Peter Stockinger über die Erfolgsgeschichte einer Popwelle Zu den Meilensteinen der deutschen Radiogeschichte gehört SWF3. SWF3 war die erste echte Popwelle in Deutschland und wurde nach der Gründung 1975 bald das reichweitenstärkste Radioprogramm. Anfang der 1980er-Jahre hatte es über acht Millionen Hörer täglich. SWF3 wurde bei weitem nicht nur im Sendegebiet des Südwestfunks gehört, sondern von der Schweiz bis in die sogenannte Kölner Bucht. Das Programm stand für gute, auch neue Popmusik, Information, die sich wirklich am Hörerinteresse orientierte, authentische ungestelzte Moderatorinnen und Moderatoren und Humor. SWF3 brachte viele Innovationen in die Radiolandschaft: Jingles, Radiocomedy und vieles mehr. SWF3 sendete bis 1998, dann wurde im Zusammenhang mit der Senderfusion aus SWF3 und SDR3 das heutige SWR3. Peter Stockinger war von der ersten Stunde an dabei und bis zur letzten Sendeminute 1998 Programmchef von SWF3. Privates Podcast-Projekt bringt viele SWF3ler noch mal vors Mikrofon In dieser Aufnahme von 2024 spricht er über die SWF3-Ära. Der ehemalige SWF3-Mitarbeiter Gregor Glöckner hat das Gespräch dem Archivradio zur Verfügung gestellt. Es ist Teil eines privaten nicht-kommerziellen Podcast-Projekts "SWF3 – Das Phänomen". Gregor Glöckner hat dafür mit vielen ehemaligen SWF3lern gesprochen – darunter auch manche, die später beim Fernsehen Karriere gemacht haben: Anke Engelke, Elke Heidenreich oder Frank Plasberg. Dies ist eine gekürzte Fassung des Gesprächs mit Peter Stockinger. Das Gespräch in voller Länge findet sich im Podcast "SWF3 – Das Phänomen". Dort spricht Peter Stockinger auch über seine Erinnerungen an viele ehemalige programmprägende Stimmen wie Frank Laufenberg, Bernd Mohrhoff, Gunnar Schultz-Burkel, Michael Bollinger, Judith Kaufmann, Evi Seibert und über Elmar Hörig.

  14. CDU-Politiker Konrad Adenauer ist Kanzlerkandidat Am 14. August 1949 dürften die Westdeutschen erstmals den Bundestag wählen. Dass der seinen Sitz in Bonn haben wird, das war drei Monate zuvor schon entschieden. Auch der CDU-Politiker Konrad Adenauer hatte als Präsident des Parlamentarischen Rats seinen Einfluss für Bonn geltend gemacht. Jetzt ist Konrad Adenauer Kanzlerkandidat der CDU. Ihm werden auch die besten Chancen eingeräumt. Erste freie Wahl nach der Zeit des Nationalsozialismus Noch ist das Ergebnis nicht da. In diesen Nachkriegsjahren gibt es noch keine Wahlsondersendungen, die um Punkt 18 Uhr die ersten Prognosen senden. Konrad Adenauer wartet bei sich zu Hause in Rhöndorf auf das Ergebnis, zusammen mit Reporter Werner Labriga, und sinniert über die Bedeutung dieser ersten freien Wahl nach der Zeit des Nationalsozialismus.

  15. Kurt Schumacher betont die Signalwirkung dieser Wahlen, schließlich finden sie gemeinsam in allen drei Westzonen statt – was den Willen zu einer deutschen Einheit unterstreiche. Gleichzeitig seien die Wahlen auch von großer Bedeutung für das deutsch-französische Verhältnis. Die SPD erzielte bei der Bundestagswahl 1949 29,2 Prozent der Stimmen.

  16. Auffallend an der Wahlrede von Carlo Schmid ist, wie vehement sich der SPD-Politiker gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie ausspricht – Breslau und Stettin seien deutsche Städte. Die Aufnahme stammt vom 25. Juli 1949.

  17. Theodor Heuss hatte sich auch im Parlamentarischen Rat für das Grundgesetz engagiert – ein Punkt, den er nutzt, um sich in seinem Wahlaufruf am 10. August 1949 von anderen Parteien wie der CSU abzugrenzen. Die FDP holte bei der Bundestagswahl 11,2 Prozent der Stimmen und wurde Koalitionspartner der Union. Die Koalitionsparteien machten schließlich Theodor Heuss zum Bundespräsidenten.

  18. Einbruch, Wanzen, Schweigegeld: US-Präsident Nixon in Skandal verwickelt Zwei Jahre lang gärt die Watergate-Affäre: Bei der gegnerischen Partei einbrechen, Mikrofone anbringen, den Einbrechern Schweigegeld zahlen – 1973 kommt nach und nach heraus, wie sehr das Weiße Haus unter Präsident Richard Nixon in den Skandal involviert ist. Vizepräsident Gerald Ford wird neuer US-Präsident Als dann noch neue Tonbandaufnahmen auftauchen, die den Präsidenten belasten und ein Impeachment-Verfahren droht, erklärt Richard Nixon seinen Rücktritt. Die Amtsgeschäfte übergibt er seinem Vizepräsidenten Gerald Ford. RIAS-Korrespondent Jürgen Koar berichtet darüber. Nixons Rücktritt ist der erste eines US-Präsidenten überhaupt. Strafrechtlich musste sich Nixon nicht verantworten – weder für die Watergate-Affäre noch für andere Vergehen. Denn Gerald Ford begnadigte ihn.

  19. Am 17. Juni 1972 dringen fünf Einbrecher ins Watergate-Gebäude in Washington ein – ins Hauptquartier der Demokratischen Partei. Sie bringen dort Wanzen an, mitten im Wahlkampf. Schon bald spekuliert die Washington Post darüber, ob das Weiße Haus in diesen Einbruch involviert ist. Doch das bleiben kleine Meldungen, die Nixon zunächst nicht schaden. Er wird im Herbst 1972 mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt. Erst im Frühjahr 1973 kocht die Sache wieder hoch. Auch die deutschen Medien intensivieren die Berichterstattung. Watergate-Affäre wird zum stehenden Begriff Die "Watergate-Affäre" wird zum stehenden Begriff. Ein Schlüsselmoment bei der Aufdeckung des Skandals ist die Vernehmung eines der Einbrecher, James McCord. Es ist schon bekannt, dass er auch für das Komitee zur Wiederwahl des Präsidenten gearbeitet hat. Vor Gericht sagt er aus, dass hochrangige Mitarbeiter Präsident Nixons über Einbruchsplänen zumindest Bescheid wussten. Am 9. April 1973 berichtet darüber USA-Korrespondentin Margot Mertens im RIAS Berlin. Nach und nach kommen weitere Details ans Licht. Am Ende wird klar, dass auch Nixon selbst früh über den Einbruch informiert war und versuchte, die Verbindungen ins Weiße Haus zu vertuschen. Doch diese Enthüllungen ziehen sich über Monate hin. Im Sommer 1974 droht dem Präsidenten ein Impeachment-Verfahren; dem kommt er durch seinen Rücktritt am 9. August 1974 zuvor.

  20. Der Soldat heißt Alfons Baffrey, er kommt aus Wien. Er muss gleich in der ersten Kriegswoche in den Landsturm einrücken und hinterlässt seinen Angehörigen einen Abschiedsgruß auf einer Wachswalze. Diese ist stark beschädigt, die Aufnahme daher schwer verständlich. Er richtet sich an seine "lieben Kinder" und sein "liebes Weiberl". Er bittet seine Frau, auf Gott zu vertrauen und auf ihre Gesundheit zu achten. Alles andere "wird dann recht werden". Abschiedsgrüße auf der Edison-Walze Die Aufnahme wurde auf einer "Edison-Walze", einer Wachswalze (Wachszylinder) aufgezeichnet. Phonographen, die Walzen aufnehmen und abspielen konnten, gab es auch in privaten, wohlhabenderen Haushalten. Aufgenommen am 3.8.1914 in Wien Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)