
Archivradio – Geschichte im Original
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- 20.10.20235 min
Keine Pershing-II-Raketen auf der Schwäbischen Alb bei Mutlangen! Unter dem Motto: "Was gilt die Wette? Wir schaffen die Kette!" demonstrieren am 22. Oktober 1983 bundesweit mehr als eine Million Menschen gegen den NATO-Plan, auf der Schwäbischen Alb in Mutlangen amerikanische Pershing-II-Raketen zu stationieren. Unter anderem von Neu-Ulm nach Stuttgart hält eine Menschenkette von 200.000 bis 400.000 Menschen für ein paar Minuten den Verkehr auf. Protest war erfolglos Von dieser am Ende erfolglosen Protestaktion der Friedensbewegung berichtet am 22. Oktober 1983 auch der Südwestfunk.
- 19.10.202358 min
Hinweise konzentrieren sich auf Mühlhausen in Frankreich Die Sendung beginnt um 20 Uhr und endet vor den Mitternachtsnachrichten. Ohne Musik beträgt der Wortanteil eine Stunde. Zu Beginn des Abends gibt es nur Hinweise, dass die Leiche des Arbeitgeberpräsidenten gefunden wurde. Am Ende ist der Beweis da, und die Bundesregierung spricht von der "Stunde der Fahndung", die jetzt angebrochen sei. Die anfänglichen Hinweise konzentrieren sich aufs französische Mühlhausen, 130 km südlich von Straßburg. Der SWF hat dazu kurz nach 18 Uhr von Baden-Baden aus Reporter nach Straßburg, wo die polizeilichen Ermittlungen zusammenlaufen, und nach Mühlhausen geschickt – in "Schnellreportagewagen". Auslöser für die Aktionen war ein Text, der u.a. bei der französischen Zeitungen "Liberation" am Spätnachmittag eingegangen war und den Tod von Schleyer und den Aufenthaltsort der Leiche beschreibt. In der Sendung wird dieser Text eingangs in Ausschnitten zitiert. Hier ist er komplett: Französische Zeitung: Terroristen veröffentlichen Hinweis auf Schleyers Verbleib "Wir haben nach 43 Tagen Hanns Martin Schleyers klägliche und korrupte Existenz beendet. Herr Schmidt, der in seinem Machtkalkül von Anfang an mit Schleyers Tod spekulierte, kann ihn in der Rue Charles Peguy in Mulhouse in einem grünen Audi 100 mit Bad Homburger Kennzeichen abholen. Für unseren Schmerz und unsere Wut über die Massaker von Mogadischu und Stammheim ist sein Tod bedeutungslos. Andreas, Gudrun, Jan, Irmgard und uns überrascht die faschistische Dramaturgie der Imperialisten zur Vernichtung der Befreiungsbewegungen nicht. Wir werden Schmidt und der daran beteiligten Allianz diese Blutbäder nie vergessen. Der Kampf hat erst begonnen! Freiheit durch bewaffneten antiimperialistischen Kampf! Kommando Siegfried Hausner" Information über Hanns Martin Schleyers Tod kommt per "Blitzmeldung" Bereits am Beginn schaltet der SWF seine drei Sender zusammen und muss sich erst einmal sortieren. Auf die Ansage "Wir brechen unser Wunschkonzert ab und melden uns gleich wieder" folgen lange Pausenzeichen des Südwestfunk Baden-Baden. Dann bricht eine "DPA-Blitzmeldung" das Warten. Schleyer sei tot in Mühlhausen aufgefunden worden. Unmittelbar danach die zweite Meldung von DPA: "Leiche im Kofferraum gefunden." Der Reporter aus Straßburg berichtet, das Fahrzeug sei gegen 5 Uhr früh abgestellt worden und habe laut einem Augenzeugen höchstens zwei Stunden da gestanden. Ermittlungsbeamte hätten zunächst die Batterie abgeklemmt und dann den grünen Audi 100 in die Präfektur gebracht. Dort erst sei der Kofferraum geöffnet worden. Von dem Fahrzeug sei ein "sehr intensiver Geruch" ausgegangen. Erste Würdigungen für Hanns Martin Schleyer Später "eine erste Würdigung" von Hanns Martin Schleyer. Der Kommentator beginnt mit den Worten: "Nun ist uns das Fürchterliche doch nicht erspart geblieben." Der Sadismus der Extremisten finde nur im Tod anderer seine primitive tiefe Befriedigung. Das Verbrechen schreie zum Himmel. Man finde sich in einer "totalen Sinnlosigkeit … Wer beantwortet jetzt die Sinnfrage? … Diese Welt ist für diese Menschen zu groß, zu unheimlich geschaffen worden." Der Kommentator würdigt Hanns Martin Schleyer als einen mutigen, ehrlichen und konsequenten, aber "nicht im eigentlichen Sinn … frommen Mann." Der Mord hinterlasse "ein ganzes Volk in Trauer." Der Kommentator schließt mit dem Gedanken: "Wofür wir bestraft werden sollen – wir wissen es nicht." Regierungssprecher Klaus Bölling äußert sich in Pressekonferenz Viel später schaltet die Sendung live in die Pressekonferenz des Regierungssprechers nach Bonn. Klaus Bölling: "Uns erfüllen Erschütterung und Sorge." Die Täter haben gezeigt, dass sie unbelehrbar sind. Diese Verbrecher seien vermutlich für andere Morde (Fahrer, Polizisten, Buback) verantwortlich. Der Staat werde sie verfolgen. sodass sie "nicht mehr zur Ruhe kommen" werden. "Wir werden den Mördern keine Chance lassen." Die Selbstmorde in Stammheim hätten gezeigt, dass die Terroristen sogar die Auslöschung des eigenen Lebens als Mittel des Kampfs einsetzen. "Stunde der Fahndung" Dann leitet Bölling auf die Fahndung über: "Jeder Bürger in unserem Land wird den Sicherheitskräften dabei helfen, die Täter aufzuspüren." Das Bundeskriminalamt habe zusammen mit den Länderpolizeidienststellen eine von der Öffentlichkeit unbemerktes Zusammenarbeit bisher nicht gekannten Ausmaßes begonnen. Man habe auf diese Weise ein "dichtes Netz von Beweisen geknüpft". Bölling bekundet im Namen aller Bundestagsfraktionen der Familie von Hanns Martin Schleyer sein Mitgefühl. Nachgiebigkeit gegen über diesen "verbrecherischen Fanatikern" würde sie nur zu neuen Taten herausfordern. Staat müsse sie also zum Aufgeben zwingen. Der Bundeskanzler verbeuge sich vor dem Leid, das Frau Schleyer und den Söhnen zugefügt worden ist. Der Regierungssprecher schließt mit den Worten, jetzt keine Fragen zu beantworten, denn: "Dies ist die Stunde der Fahndung." Spekulationen über Schleyers Versteck Die Sendung enthält auch einen Rückblick über die Ereignisse und führt immer wieder "nicht bestätigte Informationen" an, die "mit Vorsicht zu genießen" seien: Schleyers Versteck sei in der Nähe von Mühlhausen gewesen, lautet eine solche Information. Sie widerspricht damit einer anderen, wonach der Audi in Ottmarsheim am Rhein von einem Kahn heruntertransportiert worden sein soll. Auch vor den Mitternachtsnachrichten ist noch nicht klar, wie Schleyer ermordet wurde, durch "Schnitt- oder Schussverletzungen". Die Sendung endet mit dem Hinweis, dass das erste Programm des SWF morgen Vormittag um 9 Uhr live aus dem Bundestag berichten wird, wo Bundeskanzler Helmut Schmidt eine Erklärung abgeben wird. Aus der Archivdatenbank Beiträge wurden auf dem 1., 2. und 3. Programm ausgestrahlt. // Meldung: Audi in Mühlhausen, vermutlich mit Schleyers Leiche / Meldung: dpa-Zusammenfassung / Meldung: Gefundene Leiche wahrscheinlich Schleyer / Am Telefon Gerd Schneider aus Mühlhausen / Nachruf auf Hanns Martin Schleyer / Am Telefon Gerd Schneider und Ursula Schaffeld aus Straßburg / Nachrichten / Am Telefon Karl Köhler aus Mühlhausen / Reaktionen aus Bonn und Baden-Württemberg / Am Telefon Hans Werner Conen aus Köln / Chronologie der Schleyer-Entführung / Leiche identifiziert / Pressekonferenz Klaus Bölling / Am Telefon Gerd Schneider aus Straßburg / Fahndungsmeldung Moderator: Peter Wien Reporter: Gerd Schneider; Alois Rummel, Ursula Schaffeld; Karl Köhler; Hans Linketscher; Hans Werner Conen; Bernhard Hermann Archiv des SWR
- 15.10.202316 min
Zwei Sternreporter finden die Leiche Uwe Barschels Zwei Reporter des "Stern" finden Uwe Barschel (CDU) tot in der Badewanne seines Zimmers im Genfer Luxus-Hotel "Beau Rivage". Der Fall löst sofort Spekulationen aus. Denn Uwe Barschel war drei Wochen zuvor von seinem Amt als Ministerpräsident wegen der nach ihm benannten "Barschel-Affäre" zurückgetreten. Seine politische Karriere war vorerst am Ende. Und so drängt sich rasch auch in diesen Nachrichten die Vermutung auf, Barschel habe sich das Leben genommen. Doch die Befundlage erweist sich zunehmend als komplex und widersprüchlich. Wurde Engholm ausgespäht? – Die Barschel-Affäre, das Ehrenwort und der Rücktritt Barschels Tod: Mord oder Suizid? Die Ermittlungen nach dem Tod bringen fast täglich neue Erkenntnisse, aber keine echte Antwort. Es wird bekannt: Barschel hatte vor seinem Tod Kontakt mit einem Mann, der sich Robert Roloff nannte. Mit Roloff wollte er sich in Genf treffen, berichtet Barschels Frau. Dieser hatte ihm erklärt, er kenne die Hintermänner, die Barschel die Abhöraffäre gegen Engholm anhängen wollten und er habe entlastendes Material. Die Polizei erklärt wiederum, dass Barschel vor seinem Tod offenbar Medikamente in einer tödlichen Dosis genommen habe. Gerüchte und Mordtheorien Die Ermittlungen ziehen sich über Jahre hin. Gerüchte kommen auf, Barschel sei in Waffengeschäfte verwickelt gewesen und habe bestimmten Waffenhändler oder gar Regierungen mit Enthüllungen gedroht – doch diese Thesen konnten nie erhärtet werden. Bei der Frage: Mord oder Suizid? sind sich die beteiligten Ermittler bis zuletzt nicht einig geworden.
- 14.10.20234 min
1948 – vier Jahre, bevor er die Bildzeitung gründen wird – bewirbt sich der junge Verleger Axel Springer erfolgreich bei der Britischen Militärregierung um die Lizenz zur Herausgabe einer Tageszeitung in Hamburg. Das Hamburger Abendblatt – das so heißt, weil es anders als viele andere Zeitungen schon abends erscheint, denn die einzige Zeitungs-Druckerei in Hamburg hat nur nachmittags noch Kapazitäten frei. Hier eine Reportage vom 14. Oktober, an dem die erste Ausgabe des Hamburger Abendblatts erscheint. Das Hamburger Abendblatt begründet den Aufstieg von Axel Springer, den er sich später mit der Bildzeitung fortsetzt. Das Abendblatt bekommt 1954 auch eine Sonntagsausgabe, aus der zwei Jahre die Bild am Sonntag wurde. Mehr als 30 Jahre später, an seinem 70. Geburtstag 1982 gibt Axel Springer dem Süddeutschen Rundfunk ein Interview – auch das gibt es im SWR2 Archivradio.
- 14.10.20235 min
Am 1. Juli 1996 beschließen die Kultusminister der Bundesländer sowie Vertreterinnen und Vertreter anderer deutschsprachiger Länder, die deutsche Rechtschreibung zu reformieren. Die Zahl der Regeln soll deutlich kleiner werden. Kommasetzen wird etwas leichter, substantivierte Adjektive werden künftig großgeschrieben, also: im Argen liegen, mit großem A. Wortverbindungen werden getrennt, etwa: ruhig bleiben. Und das berühmte Scharf-ß wird, bis auf wenige Ausnahmen, durch ss ersetzt. Frankfurter Erklärung: Lehrer Friedrich Denk fordert Stopp der Reform Gegen die Reform bricht ein Sturm der Entrüstung los. Prominente wie Siegfried Lenz, Elfriede Jelinek oder Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot, unterzeichnen die sogenannte Frankfurter Erklärung. Herausgegeben hat sie Friedrich Denk, ein Gymnasiallehrer, der pünktlich zur Frankfurter Buchmesse im Oktober 1996 fordert, die Reform umgehend zu stoppen. Sie schade dem Ansehen der deutschen Sprache, stifte Verwirrung und ihre Umsetzung koste Milliarden D-Mark. Erfolg werden Denk und seine Mitstreiter nicht haben, die Reform setzt sich durch, auch wenn sich der Initiator im Radiointerview am 14. Oktober 1996 noch kämpferisch gibt. Quelle: SDR1 Aktuell
- 13.10.20237 min
Am 15. Oktober 1950 – mehr als ein Jahr nach der Gründung der DDR – finden die ersten Wahlen zur Volkskammer statt. In der Bundesrepublik gelten sie als Farce. Das ist auch die Sicht von Kurt Schumacher, Vorsitzender der SPD und Oppositionsführer im Bonner Bundestag. Schumacher hat die SPD klar positioniert: Als im Osten SPD und KPD zur SED zwangsfusioniert wurden, lehnte er dies ab. Entsprechend harsch ist seine Ansprache zwei Tage vor den Volkskammer-Wahlen.
- 13.10.202350 min
Nach einer kurzen Rede des Kommunisten Ernst Torgler gibt Reichskanzler Heinrich Brüning eine Regierungserklärung ab. Sie handelt von der Not in Deutschland und stellt fest, dass die Not eine lähmende Wirkung auf den internationalen Handel habe. Deutschland wolle ein solidarisches Mitglied im Bund der Nationen sein. Die Löhne der Arbeiter seien gesenkt worden, ohne dass es zu großen Streiks gekommen war. Brüning erwähnt "die Krise des englischen Pfundes" und kann deren Auswirkung auf die deutsche Währung noch nicht abschätzen. Es drohe, die ganze Welt in Not und Armut zu versinken. Sitzung ohne Nationalsozialisten Die große Fraktion der Nationalsozialisten ist nicht im Saal. Sie hatte aus Protest gegen die Weimarer Demokratie am 10. Februar das Parlament mit großem Tamtam verlassen, kommt aber zur nächsten Sitzung wieder für einige Tage zurück. Brüning hält seine Rede ohne Irritation durch die Zwischenrufe der Kommunisten. Die Sozialdemokraten hören weitgehend ruhig zu. Der Mitschnitt endet mit dem Ende der Sitzung dieses Tags. Redner: Ernst Torgler (KPD) Heinrich Brüning (Reichskanzler) 5. Wahlperiode. 1931/32
- 12.10.20235 min
1990, lange bevor Winfried Kretschmann erster Grüner Ministerpräsident in Baden-Württemberg wird, ärgert er sich über seine Partei. Damals ist er noch einfacher Landtagsabgeordneter, und an der Basis gibt es Stimmen, die seinen Parteiausschluss fordern. Streit um Suche nach Sondermüllverbrennungsanlage Anlass ist der Streit um eine Sondermüllverbrennungsanlage. Kretschmann hatte eine fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe initiiert. Die kam aber zu keinem gemeinsamen Ergebnis. Die CDU hält daran fest, den Sondermüll in Kehl zu verbrennen, SPD und Grüne wollen das nicht. Die Grünen kritisieren Kretschmann dafür, dass er sich überhaupt bei der Suche nach einer Sondermüllverbrennung beteiligt. Kretschmann stinkt das und er droht seinerseits, die Partei zu verlassen und sich zum Beispiel bei SPD oder CDU zu engagieren.
- 11.10.202334 min
Walser-Rede: Ignatz Bubis spricht von "geistiger Brandstiftung" "Geistige Brandstiftung" – mit diesem Vorwurf reagierte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Ignatz Bubis, zunächst auf die Rede, die Martin Walser am 11. Oktober 1998 in der Frankfurter Paulskirche hielt. An dem Tag hat Martin Walser den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. Bubis saß bei der Veranstaltung in der ersten Reihe, als Walser seine Dankesrede hält. Darin kritisiert er, dass man den Deutschen ihre nationalsozialistische Vergangenheit immerzu vorhalte. Er spricht von einer "Instrumentalisierung unserer Schande zu heutigen Zwecken". "Instrumentalisierung unserer Schande" Das helfe auf Dauer nicht, um die NS-Zeit in kritischer Erinnerung zu behalten, sondern es animiere die Menschen zum Wegschauen. Dadurch bestünde die Gefahr, dass Auschwitz zur simplen "Moralkeule" verkomme und seine tatsächliche Bedeutung verliere. Erst viele Jahre später, 2018, bedauerte Walser seine Rede und bezeichnete sie selbstkritisch als "menschliches Versagen."
- 08.10.202341 min
In seinen jungen Jahren arbeitete Martin Walser (1927 - 2023) als Reporter und Autor für den Süddeutschen Rundfunk. Am 8. Oktober 1950 berichtet er live von der Eröffnung des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe. Hauptredner ist der damalige Bundespräsident Theodor Heuss, gefolgt vom ersten Bundesjustizminister Thomas Dehler, der schließlich auch die Bundesrichter vereidigt.
- 07.10.202315 min
Radio und Telefon werden kombiniert In den Anfangsjahren galt das Radio als Wunderkasten, der Stimmen von weit her über die Luft in die Wohnzimmer zauberte. Anders als das Telefon, das ja eine Leitung voraussetzte. 1932 wurde beides kombiniert: Das erste Ferninterview im Rundfunk mit einem Gesprächspartner, der Tausende von Kilometern entfernt war. Unterhaltung zwischen Berlin und Batavia Hier das erste Rundfunkferngespräch mit dem Luftfahrtpionier Wolfgang von Gronau (1893 - 1977). Eine Unterhaltung zwischen Berlin und Batavia – dem heutigen Jakarta – am 7. Oktober 1932
- 06.10.20234 min
Die DDR beginnt mit den Feiern zu ihrem 40. Jahrestag. Es gibt großes Tamtam mit Militärparade und allem, was dazugehört. Doch die Krise ist unübersehbar, die Demonstrationen laut. "Gorbi, hilf uns!" Der sowjetische Generalsekretär Michail Gorbatschow besucht zum Jubiläum die DDR. Er ist der Hoffnungsträger der Demonstrierenden. "Gorbi, hilf uns!" rufen sie, und noch viel mehr. Gorbatschow selbst hört die Rufe sichtlich gerne. Später wird ihm der Satz in den Mund gelegt: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben." – Das soll er in Bezug auf die Honecker-Regierung gesagt haben. Doch dieser Satz ist nicht im Ton überliefert. Und ob er ihn je gesagt hat, ist fraglich. Michail Gorbatschow spricht vor der Neuen Wache Hier hören wir, was er tatsächlich gesagt hat. Die Szene: Gorbatschow vor der Neuen Wache Unter den Linden. Umringt von Dutzenden Reportern. Er geht auf eines der Mikrofone zu und gibt ein Statement. Da redet er zweimal über die Lehren des Lebens, aber von "zu spät kommen" ist nicht die Rede. Aus seinen späteren Gesprächen mit dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker gibt allerdings noch ein Protokoll. Dort wird Gorbatschow mit den Worten zitiert: "Wenn wir zurückbleiben, bestraft uns das Leben sofort." Zwei Reporter machen daraus die griffige Übersetzung: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben." Gorbatschow erfährt davon später, und ihm gefällt das; er übernimmt den Satz in seiner Autobiografie. Funfact: Im Zusammenhang mit dem Ende der DDR gibt es noch ein zweites berühmtes Zitat, das so nie gesagt und erst nachträglich zum großen Wort hochstilisiert wurde – nämlich den Willy Brandt zugeschriebenen Satz "Es wächst zusammen, was zusammen gehört".
- 05.10.202315 min
Besatzungsmächte verordneten Kultur im Radio In der Nachkriegszeit hatten die deutschen Radiosender jeweils nur ein Programm, und das endete spätestens um Mitternacht. Die Besatzungsmächte verordneten 1948, also schon vor Gründung der Bundesrepublik, den Sendern für die letzten Abendstunden ein gehobenes Programm. Für eigenständige Kulturwellen im deutschen Radio war zwar noch zu früh, aber wenigstens am Abend sollte es geistige Seelennahrung geben. Schriftsteller Alfred Andersch lädt prominente Kollegen in Studio ein Dafür wurde unter anderem der Schriftsteller Alfred Andersch (1914 - 1980) in die Sender geholt. Der, wie er erzählt, dort machen konnte, was er wollte. Er bereicherte das Programm, indem er von Theodor Adorno bis Wolfgang Koeppen die damalige Kulturprominenz in die Studios einlud. Und er erfand das Genre des Radio-Essays – heute: SWR2 Essay. Vorbild BBC Wenn er im folgenden Interview sagt, er habe überall "dritte Programme" gegründet, meint er damit nicht eigenständige Radioprogramme, sondern Sendungen, die vom Anspruch her dem dritten Programm der BBC, also dem britischen Kulturprogramm, entsprachen. Die Sendungen von Alfred Andersch liefen bis Mitternacht, wurden aber damals als Nachtprogramme bezeichnet. Hier ein Ausschnitt aus der Sendereihe "Zeitgenossen" vom 4. Februar 1979. Alfred Andersch erzählt im Gespräch mit Paul Assall und Klaus Figge von seinen Zeiten als Rundfunkredakteur. Vorläufer der Kulturprogramme und der ARD-Nachtprogramme Die von Alfred Andersch und seinen Kollegen verantworteten Sendungen endeten in der Regel um Mitternacht. Sie waren somit Vorläufer sowohl der Kulturprogramme, die ab 1950 eingeführt wurden, als auch der ARD-Nachtprogramme, die in der Bundesrepublik 1959 starteten.
- 05.10.202341 min
Alfred Braun (1888 - 1978) war Rundfunkpionier in vielerlei Hinsicht. Er war einer der frühen Ansager, von ihm stammen die ältesten erhaltenen Radioreportagen und er hat auch die Fußballreportagen ins Radio gebracht – einiges davon ist hier im Archivradio zu hören. Alfred Braun war gelernter Schauspieler. Deshalb hatte er sich stark dafür engagiert, die Hörspielkunst voranzutreiben. Nach dem Krieg arbeitete er für die amerikanische Besatzung bei Radio Stuttgart, bevor er Programmdirektor und Gründungsintendant des neugeschaffenen "Sender Freies Berlin" wurde. In diesem Interview im Süddeutschen Rundfunk 1969 erzählt er in der Sendung "Damals und heute" vom frühen Rundfunk: von seiner Begegnung mit Albert Einstein, über die frühen Fußballreportagen und Hörspiele und nicht zuletzt über den Hasen von Staaken, den er 1929 erfunden hat, um eine Reportage über einen landenden Zeppelin nicht zu langweilig werden zu lassen. Das Interview führte Rosemarie Eick. Die Zwischenmusiken haben wir aus der Aufnahme herausgekürzt.
- 05.10.202332 min
1923 nahm mit der Funkstunde AG Berlin die erste Rundfunkgesellschaft in Deutschland ihren Betrieb auf. Heinrich Brunswig war Rundfunktechniker dieser frühen Phase. Im Interview mit Detlef Clas erzählt er 1978, wie in den Anfangsjahren Radio gemacht wurde.
- 05.10.20239 min
Radiohören nur mit Prüfung und Genehmigung Wer in den Anfängen des Rundfunks Radio hören wollte, brauchte eine Genehmigung. Um diese Genehmigung zu bekommen, war eine Prüfung erforderlich. Der Architekt Alexander Geist aus Pforzheim gehörte zu denen, die eine solche Prüfung schon 1924 absolvierten. Später hat er bei anderen die Prüfungen abgenommen. Aber schon vorher, im ersten Rundfunkjahr 1923, hat er sein eigenes Empfangsgerät gebaut. In einem Interview vom 26. November 1958 erinnert er sich an diese Zeit.
Auch eine Revolution im Jahr 1989: Die Einführung des sogenannten Dienstleistungsabends, auch "langer Donnerstag" genannt. Bis zu diesem 5. Oktober 1989 durften Geschäfte montags bis freitags grundsätzlich nur bis 18:30 Uhr geöffnet haben – eine Ladenschluss-Zeit, die noch aus dem Nationalsozialismus stammte. Einmal pro Woche einkaufen bis 20:30 Uhr Einmal die Woche sollte einkaufen nun bis 20:30 Uhr möglich sein – und nicht nur Einkaufen: Der "lange Donnerstag" galt auch für Behörden. Deshalb: Dienstleistungsabend. Die Neuregelung war zunächst als Experiment gedacht und warf Fragen auf, denn es bedeutete ja auch, dass Menschen in Geschäften und auf Ämtern einmal die Woche bis 20:30 Uhr arbeiten mussten. So klangen die Reaktionen: Wir hören zunächst die Nachrichten, dann eine Reportage aus Baden-Baden und schließlich die Erfahrungen der Stadtverwaltung in Trier. Insgesamt war die Resonanz auf den "langen Donnerstag" gut, sodass sich mit der Zeit immer mehr Betriebe beteiligten. 1996 wurde er wieder abgeschafft – Geschäfte durften nun an allen Werktagen von 6:00 bis 20:00 öffnen. Heute gibt es in vielen Bundesländern werktags gar keine verbindlichen Ladenschlusszeiten mehr.
- 03.10.202355 min
Seit es die Bundesrepublik gibt, ist sie Ziel von Flüchtlingen. Historische Tonaufnahmen zeigen: Schon nach dem Zweiten Weltkrieg wurden ähnliche Debatten geführt wie heute. Gábor Paál im Gespräch mit Ulrich Herbert (SWR 2016) | Mehr zur Sendung und viele historische O-Töne: http://swr.li/fluchtpunkt-deutschland | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: wissen@swr2.de | Mehr über uns: http://archivradio.de/ | Folgt uns gerne auf Mastodon: https://ard.social/@Archivradio
- 02.10.20236 min
Die erschöpften, aber glücklichen Flüchtlinge berichten über die Umstände ihrer Flucht und über die zum Teil schwierige Lage in der Prager Botschaft. Dass der Zug auf seiner Fahrt von Prag nach Hof durch Staatsgebiet der DDR gefahren ist, hat bei den Flüchtlingen für ein ungutes Gefühl gesorgt.
- 02.10.20235 min
Am 4. Oktober versammeln sich zahlreiche DDR-Bürger nachts am Dresdner Bahnhof, um auf den Zug aus Prag in Richtung Westen aufzuspringen – darunter auch viele Familien mit Babys und Kleinkindern. Es herrschen chaotische Zustände am Bahnhof. Allerdings kommt vorerst kein einziger Zug. Stattdessen riegelt die Volkspolizei den Bahnhof ab und es kommt zu Festnahmen, wie ein Korrespondent berichtet.



















