
Archivradio – Geschichte im Original
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- 21.08.20233 min
Der SPD-Politiker Friedrich Ebert wird im Februar 1919 erster Reichspräsident der Weimarer Republik. Er hat maßgeblich den Umbau von der Monarchie zur parlamentarischen Demokratie vorangetrieben. Dazu gehört auch die Weimarer Verfassung. Weimar deshalb, weil die Nationalversammlung wegen der Unruhen in Berlin ihren Plenarsaal ins Nationaltheater Weimar verlegt hatte. Freiheit – das Wesen der Verfassung Am 31. Juli 1919 wird die Verfassung verabschiedet und drei Wochen später, am 21. August, wird Friedrich Ebert auf diese Verfassung vereidigt. Das Wesen dieser Verfassung sei die Freiheit, betont Ebert in seiner Ansprache nach der Vereidigung. Ansprache von Friedrich Ebert im Wortlaut "Herr Präsident, ich danke Ihnen von ganzem Herzen für die freundlichen Worte, die Sie an mich gerichtet haben. Ich danke Ihnen ganz besonders dafür, dass Sie in Ihren Worten Erinnerungen an unsere gemeinsame engere liebe Heimat mitklingen ließen. Meine Damen und Herren, Sie vertreten alle Gaue Deutschlands. Das aber müssen wir uns erhalten, wenn wir unser Vaterland auf Grundlagen aufbauen wollen, die unvergänglich und unzerstörbar sein sollen: die innige Liebe zur Heimat, zum Volksstamm, dem der Einzelne entsprossen ist. Und dazu soll kommen die heilige Arbeit am Ganzen. Das Sich-in-Dienst-stellen in die Interessen des Reichs. Da löst sich der Widerspruch zwischen Gesamtstaat und Einzelstaat. Da in der engeren Heimat liegt die Quelle unserer Kraft. In der weiteren, in der großen Heimat das Ziel und der Kern unserer Arbeit. In diesem Geiste lassen Sie mich zu meinem Teil die Verfassung halten, vertiefen und schützen. Das Wesen unserer Verfassung soll vor allem Freiheit sein. Freiheit für alle Volksgenossen. Aber jede Freiheit, an der mehrere teilnehmen, muss ihre Satzung haben. Diese haben Sie geschaffen. Gemeinsam wollen wir sie festhalten. Aus ihrem Vertrauen bin ich an die erste Stelle im Deutschen Reich bestellt worden. In Ihre Hand habe ich das Gelöbnis abgelegt, die von Ihnen für das deutsche Volk geschaffene Verfassung treu zu wahren. Ihr Vertrauen wird mir die Kraft geben, immer der Erste zu sein, wenn es gilt, Bekenntnis und Zeugnis abzulegen für den neuen Lebensgrundsatz des deutschen Volkes: für Freiheit, Recht und soziale Wohlfahrt."
- 17.08.20239 min
Live-Interviews mit Schwerverbrechern – auch dafür steht das Geiseldrama von Gladbeck. Die Entführer Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner gaben am Abend des zweiten Tages sogar ein Interview in den Tagesthemen und weitere Fernsehinterviews, während denen sie ihrer Geisel medienwirksam die Pistole an den Kopf hielten. Wir werden einige Forderungen stellen und werden die nicht erfüllt, dann knallt es eben. Wir haben abgeschlossen mit dem Leben. Ich habe elf Jahre Knast weg, ich hab 13 gehabt. Ich war von Anfang an im Erziehungsheim und da so einer Scheisse da alles. Ich scheiss auf mein Leben und das meine ich ganz im Ernst. Quelle: Interview mit Hans Jürgen Rösner Die Selbstkritik der Medien setzte rasch ein. Der Chefredakteur des Süddeutschen Rundfunks nahm noch am 18. August 1988 unmittelbar nach dem Ende des Geiseldramas zu den Vorwürfen Stellung.
- 17.08.202317 min
Es begann mit einem Banküberfall in Gladbeck und es folgte eine zweitägige Flucht, in deren Verlauf die Täter, Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner, zwei Geiseln erschossen. Die Ereignisse hatten sich schon am zweiten Tag so zugespitzt, dass der Südwestfunk am dritten Tag eine aktuelle Sondersendung brachte, von 5 Uhr morgens bis zum Zugriff durch die Polizei am frühen Nachmittag. Der Zusammenschnitt der wichtigsten Einblendungen veranschaulicht den Gang der Ereignisse an jenem dritten Tag. Eine Besonderheit war die Rolle der Medien.
Lüttich: erste größere Angriffsoperation der deuschen Armee Die Eroberung der belgischen Stadt Lüttich im August 1914 war der erste größere Angriff der deutschen Armee im Ersten Weltkrieg. Lüttich wird – damals eine neue Kriegstechnik – vom Zeppelin aus bombardiert. Dieses aufwändige Hörbild inszeniert den Angriff wie eine spielerische Angelegenheit. Tatsächlich sind Tausende in diesen Kämpfen gestorben. Zwischendurch hört man den bekannten Propaganda-Schlachtruf: "Jeder Schuss ein Russ', jeder Stoß ein Franzos', jeder Tritt ein Brit'." Kämpfe waren härter und für die Deutschen verlustreicher als erwartet Der Chef des Großen Generalstabes Alfred von Schlieffen sah in einer Denkschrift von 1905 vor, einen zukünftigen Krieg gegen Frankreich unter Verletzung der belgischen, luxemburgischen und niederländischen Neutralität zu führen. Helmuth von Moltke lehnte allerdings eine Einbeziehung der Niederlande in den deutschen Aufmarschraum aus militärischen und kriegswirtschaftlichen Gründen ab. Die deutschen Planer veranschlagten die zu erwartende Stärke des Gegners auf etwa 6.000 Mann Feldtruppen und 3.000 Mann Garde Civique. Die Kampfkraft der belgischen Truppen hielt man auf deutscher Seite für gering. Tatsächlich aber betrug die Zahl der Truppen fast 40.000 Mann und die Kämpfe dauerten vom 4. bis zum 16. August 1914. Insgesamt erreichte die deutsche Führung trotz des nach militärischen Kriterien gescheiterten "Handstreichs" die mit der Operation verfolgten Ziele. Allerdings waren der hierfür nötige Aufwand an Kräften und Mitteln sowie die erlittenen Verluste weitaus größer als vorab kalkuliert. Verletzung der Neutralität Belgiens Die Verletzung der belgischen Neutralität hatte die Deutschen in der Weltpresse zu "Monstern" gemacht. US-amerikanische Kriegsanleihen wurden u.a. mit dem Slogan "Remember Belgium" (erinnert Euch daran, was Belgien passiert ist) vermarktet. Quelle: DRA
- 14.08.20234 min
Otto Hahn und Fritz Straßmann haben zunächst Zweifel Zuerst hatten die Chemiker Otto Hahn und Fritz Straßmann Zweifel an ihrer Entdeckung der Kernspaltung. Sie experimentierten 1938 mit Uran, dem schwersten in der Natur vorkommenden Element. Dass das Uran in zwei leichtere Atome zerfallen könnte, damit haben die Forscher nicht gerechnet – aber die Beobachtungen ließen keinen anderen Schluss zu. Lise Meitner und Otto Hahn kommen der Atomspaltung auf die Spur Otto Hahn wurde für diese Entdeckung 1944 der Nobelpreis für Chemie zugesprochen – doch offiziell gab die Schwedische Akademie der Wissenschaften dies erst nach dem Krieg 1945 bekannt. Sie wollte Hahn nicht in die Verlegenheit bringen, den Preis ablehnen zu müssen, wozu er unter der Nazidiktatur gezwungen gewesen wäre. 1947, also zwei Jahre später, schildert Otto Hahn dem Journalisten Jobst Klinkmüller, wie er zusammen mit Lise Meitner der Atomspaltung auf die Spur kam.
- 13.08.20237 min
DDR-Bürger loben Maßnahmen der eigenen Regierung Am Tag, als die DDR-Regierung die Sektorengrenze abriegelt – die Vorstufe zum Mauerbau – sendet Radio DDR eine Umfrage unter den eigenen Bürgerinnen und Bürgern. Gesendet werden ausschließlich Stimmen, die die Regierung in Ostberlin für die Maßnahmen loben. Sie „hätten schon viel früher“ kommen müssen. Der Historiker Dr. Stefan Wolle meint dazu in SWR2 Wissen: „Diese Art von Umfragen kann man einfach nicht ernst nehmen. Es wäre niemanden anzuraten gewesen, da eine andere Meinung zu sagen. Denn die Staatsorgane der DDR haben sehr rigoros also jeden Widerstand und jeder, jeder jede abweichende Meinung sofort mit Brachialgewalt gebrochen. Und wenn jemand den Mut gefunden hätte, da was anderes zu sagen, dann hätten sie es eben einfach nicht gesendet.“ In Wahrheit hätten sich die Bürger resigniert und hilflos gefühlt: „Angesichts dieses gewaltigen Aufmarsches an militärischen Machtmitteln, hinter denen ja auch noch die Sowjetarmee stand, bot sich nicht der geringste Raum für die Hoffnung, dass offene Widerstandshandlungen sinnvoll gewesen wären. Obwohl, das wissen wir jetzt erst aus internen Papieren, die sich in den Archiven gefunden hat. Die SED-Führung hat mit offenem Widerstand gerechnet. Sie hat alles vorbereitet, um solche, sagen wir mal Streikmaßnahmen, offene Demonstrationen zu unterdrücken. Es ist dazu nicht gekommen. Die Analysen allerdings der Staatssicherheit der DDR zeigen deutlich, dass der größte Teil der Bevölkerung dagegen gewesen ist.“
- 13.08.202313 min
Stacheldraht und aufgerissene Straßen Der 13. August 1961 gilt als Beginn des Mauerbaus. Eine Mauer ist an dem Tag allerdings noch nicht zu sehen, aber Stacheldraht: Die DDR riegelt die Sektorengrenze ab und reißt stellenweise die Straßen auf. Dass irgendwas passiert, ist unübersehbar. Reporter von SFB und RIAS berichten früh am Morgen über die Ereignisse Schon in den frühen Morgenstunden schicken Sender Freies Berlin (SFB) und RIAS ihre Reporter an die Sektorengrenze. Wir hören zunächst Götz Kronburger vom SFB. Eine Viertelstunde später meldet sich RIAS-Reporter Rainer Höynck vom Potsdamer Platz. Später fährt Erich Nieswandt vom SFB für den Sender Freies Berlin von einem Grenzübergang zum anderen. Wir hören ihn erst am Brandenburger Tor und anschließend an der Bernauer Straße. Bernauer Straße: zugemauerte Fenster und Hauseingänge Die Situation an der Bernauer Straße ist bizarr, denn auf der südlichen Straßenseite verläuft die Sektorengrenze direkt an der Hauswand: Die Häuser gehören zu Ost-, der Bürgersteig zu Westberlin. Später wurden die Hauseingänge zugemauert, die Menschen konnten nur noch über die Hinterhöfe in ihre Wohnungen gelangen. Immer wieder sind aber auch Bewohner in den Westen geflohen, indem sie aus dem Fenster über die Grenze sprangen. Teilweise wurden sie mithilfe von Feuerwehr-Sprungtüchern auf dem Bürgersteig aufgefangen, erklärt der Historiker Stefan Wolle: "Davon gibt es Fotos und eben auch Rundfunkreportagen. Die Bernauer Straße geriet schnell in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit durch die spektakulären Fluchtaktionen. Später wurden dann diese Häuser ganz abgerissen, damit die Posten der DDR freies Schussfeld haben, um auf Flüchtlinge zu schießen.“
Deutschlandsender berichtet über das "Demokratische Berlin" Der Deutschlandsender war das Radioprogramm des Staatlichen Komitees für Rundfunk der DDR. So berichtete es am Tag, als die DDR die Sektorengrenze abriegelte, um zunächst eine Grenze aus Stacheldraht zu ziehen, und schließlich eine Mauer zu bauen. Im Rundfunk der DDR wurde außerdem die Anweisung des Innenministerium verlesen, die die Grundlage für die Grenzmaßnahmen darstellt.
- 10.08.202316 min
Heinz Laubenthal: vom Theater zum Rundfunk Auch Heinz Laubenthal (*15.9.1905 ) gehört zu den früheren Rundfunkpionieren. Und wie Alfred Braun, so kam auch er vom Theater zum Rundfunk. Anfang der 1930er-Jahre war Laubenthal zunächst Sprecher in Hörspielen, dann Ansager und Reporter im späteren Süddeutschen Rundfunk SDR. Im Interview mit Jutta Schmidt erzählt er 1979, wie er sich in das neue Medium einarbeitete und wie Radiomachen Anfang der 1930er-Jahren funktionierte. So musste er als Theatermann zunächst lernen, dass man in ein Mikrofon – anders als auf der Theaterbühne – ganz natürlich sprechen kann und nicht besonders laut sein muss. Und er beschreibt die Kunstfertigkeit von Technikern, wenn sie Reportagen "schneiden" mussten – in einer Zeit, als es noch kein Tonband gab.
- 10.08.2023102 min
Ein knappes Jahr nach Gründung der DDR gibt es den ersten Fünfjahresplan zur Entwicklung der Volkswirtschaft. Dafür findet ein feierlicher Staatsakt statt, auf dem dieser Plan offiziell der provisorischen Regierung überreicht wird, und zwar von Walter Ulbricht, der zwei Monate zuvor zum Generalsekretär des Zentralkomitees der SED gewählt worden war. Der Staatsakt für den Fünfjahrplan wird live im Radio der DDR übertragen. Fünfjahrplan ist in rotes Leinen gebunden Am Ende der Übertragung beschreibt der Kommentator das große, "in rotem Leinen gebundene Buch, das den Fünfjahrplan enthält. Auf der ersten Seite stehen die Worte: Fünfjahrplan zur Entwicklung der Volkswirtschaft der Deutschen Demokratischen Republik 1951 bis 1955. Beschlossen auf dem III. Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands am 24. Juli 1950 als Vorschlag an die provisorische Regierung der Deutschen Demokratischen Republik, an die demokratischen Parteien und Massenorganisationen, an das deutsche Volk."
- 09.08.202330 min
Nazi-Deutschland ist besiegt, Japan noch nicht. US-Präsident Harry S. Truman ist gerade von der Alliierten-Konferenz in Potsdam zurückgekehrt. In seiner Rundfunkansprache spricht er über das zerstörte Berlin, dann darüber, wie er sich den Wiederaufbau Deutschlands vorstellt. Ab Minute 21 rechtfertigt er den Einsatz der Atombombe in Hiroshima. Man habe so eine Militärbasis zerstört. Truman deutet auch an, dass es weitere Atomschläge geben werde. Die japanische Zivilbevölkerung sei gut beraten, ihre Industrie- und Militärstädte sofort zu verlassen. Tatsächlich sollte noch am selben Tag dieser Rede die zweite Atombombe auf Nagasaki fallen.
- 07.08.20233 min
Fünf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg an der deutsch-französischen Grenze. Hunderte von Studentinnen und Studenten aus verschiedenen Ländern Westeuropas kommen ins elsässische Wissembourg (Weißenburg) und fordern ein vereintes Europa. Erhalten ist davon diese Aufnahme vom 7. August 1950. Ort und Datum waren vermutlich nicht zufällig gewählt: Wissembourg ist ein historisch bedeutsamer Ort. 80 Jahre vorher, am 4. August 1870, fand dort, zu Beginn des deutsch-französischen Kriegs, die Schlacht bei Weißenburg statt, bei der fast 2.000 Soldaten auf beiden Seiten ums Leben kamen.
- 06.08.20233 min
Die BBC-Nachrichten informieren über den Atombombenabwurf auf Hiroshima. Der Bericht konzentriert sich auf die Bombe als technische Errungenschaft und auf ihre strategische Bedeutung. Ihre direkten Folgen werden mit keiner Silbe erwähnt. Über die Zahl der Todesopfer wird nicht einmal spekuliert. Sie finden keine Erwähnung.
- 04.08.20238 min
Graf Zeppelin muss Leistungsfähigkeit seines Luftschiffs beweisen Graf Zeppelin braucht Geld für die Weiterentwicklung seiner Luftschiffe. Die will die Regierung aber nur bewilligen, wenn er Erfolge zeigt: Er soll beweisen, dass sein Luftschiff 24 Stunden am Stück in der Luft bleiben und an den Ausgangspunkt zurück kehren kann. Notlandung – glücklicherweise ohne Todesopfer So startet am 4. August 1908 die LZ 4 von Friedrichshafen zunächst Richtung Basel, dann durchs Rheintal weiter nach Straßburg und Mainz und erreicht schließlich am nächsten Morgen Stuttgart und Echterdingen. Dort kommt es zu einer Notlandung – zum Glück kommt dabei niemand ums Leben. 1983: Augenzeugen erinnern sich Die Augenzeugen wurden im Jahr 1983 befragt. Die letzte Stimme gehört dem Juristen und Historiker Wilhelm Kohlhaas.
- 01.08.20235 min
Hans Bredow prägt den Begriff "Rundfunk" Ein Jahr nach dem Beginn des Rundfunks in Deutschland zieht Hans Bredow (26.11.1879 - 9.1.1959) im Dezember 1924 eine erste Bilanz. Bredow hatte den Rundfunk vorangetrieben, auch das Wort Rundfunk geht auf ihn zurück. Seit 1921 amtierte er als Staatssekretär für das Telegrafen-, Fernsprech- und Funkwesen – Reichsrundfunkkommissar wurde er auch genannt. Bredow vergleicht Rundfunk mit dem Buchdruck In dieser Weihnachtsansprache "an das amerikanische Volk" vergleicht er die Revolution des Rundfunks mit der des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg und ist überzeugt, dass das Radio der Völkerverständigung dienen wird. Die Aufnahme datiert vom 9. Dezember 1924. Transkript der Rede von Hans Bredow "Unsere Generation lebt in einem Zeitalter von Erfindungen, die tief in die Gestaltung des menschlichen Lebens eingreifen. Der uralte Menschheitskampf gegen die Schranken von Raum und Zeit ist in ein neues Stadium getreten. Während noch vor wenigen Jahrzehnten eine Reise nach Amerika Wochen in Anspruch nahm, haben wir jetzt die überwältigende Tatsache einer Überquerung des Ozeans in 70 Stunden durch den Zeppelin erlebt. Aber eine noch viel gewaltigere Verschiebung der Zeitbegriffe ist im Nachrichtenverkehr vor sich gegangen: Ist es doch mithilfe des Radios möglich geworden, Nachrichten in dem Bruchteil einer Sekunde über die ganze Erde zu verbreiten. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass wir heute die Welt als gemeinsamen Sprechsaal annehmen können, ganz gleich, ob wir Nachbarn sind oder Antipoden. Und die ethischen Aufgaben des Radios krönt als Leitsatz das hohe Ziel: Schafft dem Menschengeist neue Wege! Radio ist in Deutschland gerade in einer Zeit der tiefsten seelischen und wirtschaftlichen Not wie ein befreiendes Wunder begrüßt worden und wird hier als ein Kulturfaktor betrachtet, dessen Auswirkungen auf das kulturelle, politische und wirtschaftliche Leben nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Zum ersten Mal seit der Erfindung der Buchdruckerkunst durch den Deutschen Gutenberg ist eine neue Möglichkeit geschaffen, geistige Güter gleichzeitig Ungezählten zu übermitteln. Und es ist verständlich, dass der nach geistiger Nahrung hungernde Teil der Menschheit sich in Massen zum Radio drängt. Radio will in Deutschland keine Sensation sein. Nicht den schlechten Instinkten schmeicheln, sondern das Gute und Edle im Menschen wecken und seine Sehnsucht zur inneren Vervollkommnung stillen. Als besonders wichtig wird es für die Volksbildung betrachtet. Alle diejenigen, die bisher aus sozialen Gründen oder weil sie weitab von Kulturstätten lebten, den geistigen Dingen des Lebens ferner standen, wird durch Vorträge auf allen Gebieten von Kunst, Technik und Wissenschaft vorwärts geholfen. Jedes Land wird durch Radio zu einem großen Hörsaal, in dem jeder – arm und reich, jung und alt – das hören kann, was ihm Freude macht oder Vorteil bringt. Und dann die Kranken, die Krüppel und Blinden, die vom Leben so hart angefasst sind! Ihnen erschließt sich wieder neues Leben. Sie stehen wieder mitten in der Welt der Geschehnisse, denen sie so lange entrückt waren. Licht und Wärme kommen wieder zu ihnen. Ein liebes Familienmitglied ist Radio Millionen von Menschen geworden, denn es verbreitet Freude und Anregung um sich. Es wird zum Mittelpunkt neuer Interessen."
- 01.08.20235 min
Nach den Ereignissen um den Schah-Besuch folgen weitere Studentendemonstrationen – gegen den Vietnamkrieg, gegen den Springer-Verlag, gegen die verkrusteten Strukturen an den Universitäten. Das gefällt nicht jedem: Nur 40 Prozent der westdeutschen Bevölkerung finden es im Jahr 1967 in Ordnung, dass Studierende auch für politische Ziele demonstrieren. Gegen den Vietnam-Krieg, gegen den Springer-Verlag, gegen die verkrusteten Strukturen an den Universitäten. Das gefällt nicht jedem. Nur 40 Prozent der westdeutschen Bevölkerung finden es in Ordnung, dass Studierende auch für politische Ziele demonstrieren. 30 Prozent sprechen Studenten das Demonstrationsrecht ab, 17 Prozent finden, es hänge von der Sache ab. Doch was steckt hinter diesen Haltungen? Dazu hat der Südwestfunk am 1. August 1967 eine Straßenumfrage durchgeführt.
- 30.07.20239 min
Zeppelin LZ 127 startet im Juli 1931 in Richtung Nordpolarmeer Nach der Weltumfahrung 1929 startet am 24. Juli 1931 eine große Forschungsexpedition Richtung Nordpolarmeer – wieder mit der LZ 127. Mit diesen spektakulären Fahrten will Hugo Eckener – Nachfolger von Ferdinand Graf Zeppelin – die Leistungsfähigkeit der Luftschiffe unter Beweis stellen. Das Interesse für die Arktis ist damals groß. In die Zeit fällt auch Alfred Wegeners letzte Grönlandexpedition. Schriftsteller Arthur Koestler mit an Bord der LZ 127 Mit an Bord der LZ 127 ist Arthur Koestler – der später als Schriftsteller weltberühmt werden sollte. Koestler berichtete später aus dem Spanischen Bürgerkrieg, wurde von den Nazis verfolgt und schrieb den berühmten Roman "Sonnenfinsternis" über die Kommunistischen Schauprozesse. In seinen jungen Jahren arbeitete Arthur Koestler als Journalist beim Berliner Ullstein Verlag und hatte die Gelegenheit, die Arktis-Fahrt der Graf Zeppelin zu begleiten. Als das Luftschiff am 30. Juli nach Berlin zurückkehrte, war Koestler einer der Gästen beim großen Empfang auf dem Tempelhofer Flughafen. Nach ihm hören wir Hugo Eckener sowie den russischen Polarforscher Rudolf Samoilowitsch, der ebenfalls an Bord war.
- 28.07.20233 min
Martin Walsers (1927 - 2023) Rede im Oktober 1998, in der er von der "Moralkeule Auschwitz" gesprochen hatte, löste eine wochenlange Debatte aus. Ignatz Bubis, damals der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, warf Walser "geistige Brandstiftung" vor. Auf Einladung von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher trafen sich Walser und Bubis am 13. Dezember 1998 zu einer Aussprache. Anschließend traten beide vor die Kamera und erklärten, ihren Streit beigelegt zu haben.
- 28.07.202329 min
Martin Walser stellt sich Fragen nach Motivation und politischer Haltung In der SDR-Schulfunk-Sendung "Wortwechsel" vom 26. April 1974 stellt sich der Autor Martin Walser (1927 - 2023) den Fragen von Schülerinnen und Schülern. Es geht um seine Motivation, um die gesellschaftliche Aufgabe des Schriftstellers, um die Frage, ob er ein "bürgerlicher" Autor ist und um politische Haltungen. Martin Walser verteidigt klassische Texte im Literaturkanon Martin Walser äußert sich auch zum Lektürekanon im Deutschunterricht. Die Schüler wünschen sich im Unterricht mehr zeitgenössische Literatur statt klassischer Texte, Martin Walser hält dagegen – und verweist interessanterweise auf seine Prägungen durch den Religionsunterricht.
- 28.07.20236 min
Rechtschreibreform löst Debatten und Protest aus "Schifffahrt" mit drei F und "Schluss" mit zwei s hinten statt einem scharfen ß – was heute für die meisten selbstverständlich ist, war in den 1990ern eine Revolution und sorgte für zahllose Debatten. 1996 wird die Rechtschreibreform beschlossen, als offizieller Einführungstermin ist der 1. August 1998 vorgesehen. Volksentscheid in Schleswig-Holstein wird aufgehoben Doch es gibt Widerstand: In Schleswig-Holstein initiieren die Gegner einen Volksentscheid, ein Lübecker Ehepaar ruft sogar das Bundesverfassungsgericht (BVerfGE) an: Die Reform verstoße gegen das Grundgesetz. Das sorgt für Spannung, denn die Entscheidung aus Karlsruhe kommt erst am 24. Juli – wenige Tage vor der geplanten Einführung. In Schleswig-Holstein geht es noch spannender zu: Der Volksentscheid kommt und am 27. September 1998 entscheiden sich die Schleswig-Holsteiner für die Wiedereinführung der alten Rechtschreibung. Doch die Regierungsparteien unter Ministerpräsidentin Heide Simonis heben den Volksentscheid per Landtagsmehrheit wieder auf, sodass bundesweit einheitliche Regeln gelten.



















