Archivradio – Geschichte im Original

SWR
1013
16.10.2026
Beschreibung
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog

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Episoden
  1. Ein – vermutlich – Stasi-Offizier an der Juristischen Hochschule Potsdam gibt per Diktat verschiedene Anleitungen: Wie man sich als IM dritten Personen annähert. Es werden Prüfungsaufgaben mit ihren Lösungen vorgelesen, ebenso wie Datenblätter zu UKW-Geräten. Die Aufnahme enthält außerdem einen Grundkurs über Fotografie, Belichtungszeit, Bewegungsunschärfe und dergleichen. Die Aufnahme stammt vermutlich aus der Mitte der 1970er Jahre. Das lässt sich aus der erwähnten Funktechnik und der maschinellen Datenverarbeitung schließen. Beschrieben wird zum Beispiel das Gerät USE 600 (siehe Köpenik-Hersteller-Infoblatt) Volltransistorisiert. 12 Volt. Konspirative Antennen. Doch das Tonband selbst ist weder datiert noch sonstwie beschriftet. Unklar ist auch der Sinn dieses über eine Stunde langen Diktats, sicherlich diente es der Schulung, auch in Operativer Psychologie; denn das Tondokument fand sich in der Bezirksverwaltung Cottbus auf Kassetten. Beispiele: "Inwieweit hat die operative Beobachtung Möglichkeiten, bei den Beobachtungsobjekten Gewohnheiten festzustellen? Und worin liegt die Bedeutung solcher Feststellungen? … Freizeitgestaltung in Form von Sport, Gartenarbeit, Hundehaltung, Gaststättenbesuch, kulturelle Betätigung, regelmäßig einkaufen gehen, zelten. … Nachlässigkeit in der Kleidung, Haare aus dem Gesicht streichen usw." "Vermutete Staatsfeinde. Liegt tatsächlich eine Straftat vor? Beweisführung bis zu dringendem Verdacht." Bedeutung von IM: Ein IM kann Vertrauen schaffen und so in die Psyche der Person eindringen.

  2. Ein Psychologe der Universität Marburg arbeitet offenbar als Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi und gibt Hinweise auf mögliche Informanten in der Bundesrepublik. Er beschreibt fünf Personen. Es fallen Worte wie: Ganzkörperbehaarung, Einzelgänger, 172, schmächtig, unregelmäßige Sprachmelodie, wegen seiner Körperkräfte gefürchtet, kein Führertyp. „Man hat ihn immer gern mitgenommen.“ Oder auch: „Kleiner, schmaler, blasser Junge, der jedoch wegen seiner Körperkräfte etwas gefürchtet war. Hat immer Freunde, sehr verbittert …“ Die undatierte Kassette gelangte vermutlich um 1970 herum ins Ministerium für Staatssicherheit. BStU-Signatur: MfS HA II/Tb/311. HA II. Die Hauptabteilung II, war für die Spionageabwehr des Ministeriums für Staatssicherheit zuständig.

  3. Bertrand Russell – Philosoph und Mathematiker Bertrand Russell war einer der populärsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Berühmt wurde er zunächst in der Mathematik durch sein mit Alfred Whitehead verfasstes Standardwerk "Principia Mathematica", in der die beiden die Grundlagen der Mathematik neu herleiteten. Russell befasst sich darin auch eingehend mit logisch-mathematischen Paradoxien wie der "Menge aller Mengen, die sich nicht selbst enthalten". Als der Erste Weltkrieg ausbrach, verschiebt sich Russells Interesse mehr Richtung Politik. Pazifismus, Sozialismus, gesellschaftliche Ordnungen: Das sind die Themen, die ihn fortan beschäftigen. Den Ostblock-Kommunismus lehnt er ab, im Zweiten Weltkrieg relativiert er auch seinen Pazifismus. Er schreibt ein Buch über "Ehe und Moral", für das er 1950 den Literaturnobelpreis bekommt. "Die Welt könnte noch einen Weltkrieg überleben – aber nicht zwei" Zwei Jahre zuvor besucht er Berlin für eine Vorlesungsreihe. Zu diesem Anlass gibt er am 27. Oktober 1948 dem NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk) ein Interview in deutscher Sprache. Bertrand Russell ist zu diesem Zeitpunkt 74 Jahre alt und spricht darüber, wie man seiner Ansicht nach zu einer Weltregierung kommt, über deren Chancen und Risiken. "Ich glaube, die Welt könnte noch einen Weltkrieg überleben, aber nicht zwei", sagt er am Ende des Interviews. Deshalb müsse man dafür sorgen, dass es keinen Weltkrieg mehr gibt, und wenn doch, dass dies dann der letzte ist. Das Interview führt laut Archiveintrag Ernst Bloch – der aber nicht identisch ist mit dem gleichnamigen Philosophen. Quelle: RBB

  4. Es gab auch Satire im Ersten Weltkrieg und Kritik an der Obrigkeit. "Das ist der Leutnant" heißt dieses Spottlied auf einen deutschen Heeresoffizier. Es wurde komponiert vom Sänger und Komiker Otto Reutter. Spottlied auf einen deutschen Heeresoffizier Komponist und Autor ist der Komiker und Sänger Otto Reutter (1870-1931). Hier singt Ludwig Schmitz, der Pianist ist unbekannt. Schwarze Apollo (Parnassius mnemosyne) Der Leutnant exklusiv […] / Von tadellosem Bau / Format wie’n Großprinz, schlank und schmal / Ne Taille wie ’ne Frau Der Scheitel hier, Monokel dort / Die Haltung straff und zäh / Und dann vor jedem dritten Wort / Ein lang gedehntes: Äh So sah man ihn in Friedenszeit / Man hat ihn voller Heiterkeit / Obgleich ironisiert / Und lächelnd parodiert Donnerwetter, Donnerwetter! Donnerwetter noch einmal, es ist kolossal! Das ist der Leutnant / Der deutsche Leutnant / Der Mann, von dem ein Sprichwort sprach / Den Leutnant, den Leutnant, den macht uns keiner nach Es war der Leutnant oft verkappt / Der uns zum Lachen schien / Wo bliebe unser Vaterland / Im Kriege ohne ihn Er ist mit Leib und Seel’ Soldat / Und seine Schneidigkeit / Die wir verulkt […] / Die ihm den Krieg verleibt Wer führt die Truppen / Mann für Mann / Wer steht im Felde vorne an / Stolz aufrecht wie ein Held / Wenn alles bricht und fällt Donnerwetter, Donnerwetter! Donnerwetter noch einmal, es ist kolossal! Das ist der Leutnant / Der deutsche Leutnant / Der Held, von dem ein Sprichwort sprach / Den Leutnant, den Leutnant, den macht uns keiner nach Hoch lebt der Leutnant ruhmgekrönt / Lasst alle Scherze ruhen / Wer einmal noch den Leutnant höhnt / Der kriegt’s mit mir zu tun Lasst sein Monopol ihm, sein Äh / Mit Schneid und Eleganz / So zieht er in des Feindes Näh’ / Als ging’s zu Spiel und Tanz Da braucht man […] / Die Toten […] / Wer färbt die Erde rot / Rot, rot, und wieder tot Donnerwetter, Donnerwetter! Donnerwetter noch einmal, das ist kolossal! Das ist der Leutnant / Der deutsche Leutnant / Der Held, von dem ein Sprichwort sprach / Den Leutnant, den Leutnant, den macht uns keiner nach Aufnahmedatum: 1916 Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)

  5. Die Saarländer haben sich gegen das Statut ausgesprochen. Die Regierung Hoffmann verkündet ihren Rücktritt. Die Vorsitzenden der Parteien, die gegen das Statut gekämpft hatten, äußern sich zum Ergebnis. Moderator: Peter Weiant, IHK, Generalsekretär des "Deutschen Heimatbundes" Redner: Richard Becker, Präsident der Demokratischen Partei Saar (DPS), Kurt Conrad; 1. Vorsitzender der SPD-Saar; Heinrich Schneider, 1. Vorsitzender der DPS Quelle: Archiv des Saarländischen Rundfunks Im Bild: Die Vorsitzenden der deutschen Saarparteien auf der Pressekonferenz im Landtagsgebäude in Saarbrücken nach der Volksabstimmung zum Saarstatut. v.l.n.r.: Hubert Ney (CDU), Kurt Konrad (SPS), Heinrich Schneider und Richard Becker (beide DPS, Archivfoto vom 24.10.1955)

  6. Der Chemiker Emil Fischer (1852 - 1919) erhielt 1902 den Nobelpreis für bahnbrechende Arbeiten auf dem Gebiet der Zuckerchemie. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs war Emil Fischer einer der ersten Unterzeichner des Manifests, welches den völkerrechtswidrigen Einfall deutscher Truppen in Belgien als gerechtfertigt hinstellte. Während des Kriegs gehörte er zu der großen Anzahl deutscher Nobelpreisträger und sonstiger Spitzenforscher, die ihre Tätigkeit weitgehend an den Anforderungen des Militärs ausrichteten. Zu Ende des Krieges machte Fischer allerdings als einer von wenigen Spitzenwissenschaftlern deutlich, dass er die Unterstützung des Aufrufs von 1914 bereute. Der Krieg sei "ein schlechtes Geschäft, das liquidiert werden" müsse. In verschiedenen Schreiben ließ er erkennen, dass er unter der abzusehenden Niederlage Deutschlands und dem befürchteten Niedergang der deutschen Wissenschaft seelisch litt. Emil Fischers Vortrag "Obschon es schwer ist, die zukünftige Entwicklung der Wissenschaften vorauszusehen, so glaube ich doch sagen zu können, dass die Verbindungen der organischen Chemie mit der Biologie viel enger werden und immer reifere Früchte bringen werden. Im besonderen hoffe ich zuversichtlich, dass es durch die Erzeugnisse der organischen Synthese gelingen wird, einen radikalen chemischen Einfluss auf die Entwicklung der Organismen zu gewinnen und Veränderungen hervorzurufen, die alles durch Züchtung Erreichbare weit übertreffen. Die deutsche Naturforschung und die vielfach mit ihr in Wechselwirkung stehende Technik haben mit Ausbruch des Krieges von Seiten des feindlichen Auslandes mancherlei Geringschätzung und Kränkung erfahren. So bedauerlich diese Erscheinung auch sein mag, so sicher wird sie in ruhigerer Zeit wieder verschwinden. Jedenfalls wollen wir uns dadurch nicht irremachen lassen, sondern fortfahren, im Wettstreit mit allen anderen Kulturvölkern den Schatz der Naturerkenntnis zu mehren und durch nützliche Anwendung in Gewerben und Künsten der ganzen Menschheit dienstbar zu machen." Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)

  7. Live-Sendung startet schon während der Nachrichten Der Mitschnitt dieser Live-Sendung vom Tag des Endes des Geiseldramas und der Selbstmorde in Stammheim beginnt mitten in den 17-Uhr-Südwestfunk-Nachrichten mit Wetterbericht und geht dann in eine einstündige Dokumentation über. Diese besteht aus 13 Elementen, die von Ursula Schaffeld und Bernhard Hermann moderiert werden. In den Nachrichten wird CSU-Chef Franz Joseph Strauß mit der Aussage zitiert, die Stammheimer Selbstmorde könnten nicht ohne Folgen bleiben. In Prag wurden vier Systemkritiker zu Haftstrafen bis zu drei Jahren verurteilt, u.a. [Václav] Havel. Zu Beginn der Dokumentation stellt Moderator Bernhard Hermann fest. "Es jagen sich jetzt noch die Meldungen. Telefone und Fernschreiber stehen nicht still. Viel zu viele Fragen sind noch offen." Die 13 Blöcke der Dokumentation Überblick über die Ereignisse des Vortages mit Ausschnitten aus der Pressekonferenz von Regierungssprecher Klaus Bölling nachts um 1.45 Uhr Rückblick auf die Entführung der "Landshut" Gespräche des Verteidigungsministers von Dubai mit den Insassen der „Landshut“ Chronologie der Ereignisse, Lagebericht aus Bonn, Information über die GSG9 Selbstmord der inhaftierten RAF-Mitglieder in Stammheim. Im O-Ton ein Pressesprecher des Justizministeriums in Stuttgart, der Stammheimer Anstaltsarzt Dr. Henk vor den Toren der Haftanstalt („Ich habe nur Baader am Boden gesehen… Herr Raspe ist tot … Ob das Mundschüsse oder Kopfschüsse sind, kann ich nicht sagen ... Frau Ensslin hing am Fenster.“), Generalstaatsanwalt Schüle. Ankunft der „Landshut“-Geiseln in Frankfurt Gespräch mit den befreiten Geiseln, Meldungen über die Ermordung des Piloten Schumann Statement aus der Pressekonferenz von Innenminister Maihofer Werner Maihofer zur Geiselbefreiung Bericht vom Einsatz der GSG9-Truppe Meldungen über das ungeklärte Schicksal von Schleyer, Pressekonferenz des Baden-Württembergischen Justizministers Traugott Bender zu den Ereignissen in Stammheim Kommentar zum Selbstmord der RAF-Mitglieder in Stammheim Weg der ersten RAF-Generation Entwicklung in Stammheim Die Dokumentation endet vor den Toren Stuttgart-Stammheims. Dort hätten sich, so der Reporter live, bis zu 200 Menschen versammelt, darunter 50 Journalisten. Die Zufahrt zum Gelände sei abgesperrt worden. Zusätzlich sei von der Polizei eine zweite Sperre im Ort Stammheim errichtet worden, mit der Begründung, der Parkplatz vor der Vollzugsanstalt sei völlig überfüllt. Der Reporter streitet das ab. Die Fahrzeuge, die in die Anstalt in den letzten Stunden hineinfuhren, seien "besonders sorgfältig kontrolliert" worden. Vor Kurzem kamen 25 bis 30 Polizisten zu Pferd an, vermutlich für den Fall einer Demonstration von Sympathisanten der toten RAF-Mitglieder. Dazu werde es aber nicht mehr kommen. Es werde schon dunkel. Aus der Archivdatenbank (O-Ton) Pressemitteilung des Justizministeriums in Stuttgart zu den RAF-Selbstmorden in Stammheim / (O-Ton) Henk (Anstaltsarzt Stammheim) / (O-Ton) Schüle (Generalstaatsanwalt) zum ersten Augenschein hinsichtlich der Selbstmorde / (O-Ton) ARD-FS zur Ankunft der befreiten Geiseln in Frankfurt / (O-Ton) Werner Maihofer, Innenminister (PK) zur Geiselbefreiung / (O-Ton) Traugott Bender, Justizminister (PK)

  8. Generalfeldmarschall Erwin Rommel (15. November 1891 bis 14. Oktober 1944), der "Wüstenfuchs", ist tot. Offiziell gestorben bei einem Autounfall in der Folge einer Embolie. In Wahrheit hatte sich Rommel das Leben genommen, unter Druck gesetzt von Hitlers General Ernst Maisel. Rommel war in Ungnade gefallen, nicht nur, weil er als verantwortlicher General die Invasion der Alliierten in der Normandie nicht verhindern konnte, sondern vor allem, weil es Material gab, das ihn in Verbindung brachte mit den Hitlern-Attentätern vom 20. Juli. Rommel wurde vor die Wahl gestellt: Volksgerichtshof – oder Suizid. Rommel nahm die Zyankalikapseln. Weil Rommel aber in der Bevölkerung so beliebt war, wurde darüber nicht gesprochen. Vielmehr schlachtet das NS-Regime Rommels Tod noch einmal propagandistisch aus. So auch beim Staatsakt im Rathaus von Ulm, wo Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt am 18. Oktober die Trauerrede hält.

  9. Paul von Hindenburg (OHL), der zu Beginn des Kriegs Erfolge feierte, spricht im vierten Kriegsjahr nicht mehr siegessicher. Der Kampf sei den Deutschen "aufgezwungen" worden, ist seine neue Einschätzung. Es geht jetzt "um Sein oder Nicht-Sein", wo nur noch der "gerechte Gott" helfe. Paul von Hindenburgs Ansprache "Deutschland steht im vierten Kriegsjahre militärisch und wirtschaftlich unerschüttert. Eine Welt von Feinden hat nicht vermocht, es niederzuringen. Dieses Rätsels Lösung liegt in dem guten Gewissen des deutschen Volkes. Der Kampf ist uns aufgezwungen. Jeder Deutsche weiß, es geht um Sein oder Nicht-Sein. Und so leistet an der Front wie in der Heimat jeder fast Übermenschliches. Der Hieb ist die beste Abwehr. Darum nicht aus Eroberungssucht haben wir überall den Krieg in Feindesland getragen und unser Vaterland vor den Schrecken des Krieges bewahrt. Da Waffen und Hunger Deutschlands Siegeswillen nicht niederzwangen, griff der Feind zur Niedertracht. Er suchte Zwietracht zu säen, das Volk von seinem Kaiser zu trennen. An der deutschen Treue sind seine Giftpfeile aber abgeprallt. So wird die deutsche Eiche allen Stürmen trotzen. Mit ruhiger Zuversicht erwarten wir den Ausgang des Ringens. Der gerechte Gott ist mit uns. Ans Vaterland, ans teure, schließ' Dich an. Das halte fest mit Deinem ganzen Herzen. Hier sind die starken Wurzeln Deiner Kraft." Aufgenommen am 17. Oktober 1917 im Großen Hauptquartier der Heeresleitung in Bad Kreuznach. Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)

  10. Kuba habe ein Recht auf Selbstverteidigung. Die USA haben mit ihrer Seeblockade gegenüber Kuba die Welt an den Rand eines Atomkriegs gebracht. Am Ende hat sich der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow in seiner weisen Voraussicht nicht von amerikanischen Imperialisten provozieren lassen und hat dem Weltfrieden zuliebe eingelenkt. Das ist die offizielle Lesart der DDR-Regierung zum Ende der Kuba-Krise, wie sie Willi Stoph in einer Rundfunkansprache erklärt. Stoph war zu diesem Zeitpunkt amtierender Ministerpräsident in Stellvertretung des seit längerem erkrankten Otto Grotewohl.

  11. Die Lage spitzt sich zu Am Morgen des 27. Oktober 1962 testen die USA in Cape Canaveral in Florida eine Interkontinentalrakete. Kurz darauf wird ein US-Spionage-Flugzeug über Kuba abgeschossen. Die Briten versetzen ihre atomaren Streitkräfte in Einsatzbereitschaft. Nikita Chruschtschow ist zum Einlenken bereit Am gleichen Tag erklärt sich Nikita Chruschtschow zum Einlenken in der Kuba-Krise bereit. Voraussetzung: Die USA rüsten ihrerseits ab – konkret denkt Chruschtschow an Raketen, die die USA in der Türkei stationiert haben und die wiederum von der Sowjetunion als Bedrohung empfunden würden – zu hören auch im Bericht aus Moskau. USA ziehen Raketen aus der Türkei ab Noch am selben Abend findet ein geheimes Treffen statt zwischen dem Bruder des US-Präsidenten, Robert Kennedy, und dem sowjetischen Botschafter. Darin übermittelt Robert Kennedy das Einverständnis des Präsidenten, Raketen aus der Türkei abzuziehen. Von da an kommt es zu einer deutlichen Deeskalation. Am 2. November 1962 erklärt John F. Kennedy, die neuesten Luftbilder würden bestätigen, dass die sowjetischen Raketenbasen wieder abgebaut würden.

  12. Berlin im Zentrum des Ost-West-Konflikts Die Kuba-Krise warf auch die Frage auf: Was passiert mit Berlin? Willy Brandt hat gute Gründe, sich damit zu befassen, denn bevor die Sowjetunion auf Kuba anfing, Mittelstreckenraketen zu stationieren, stand immer wieder der Status von Berlin im Zentrum des Ost-West-Konflikts. Bau der Berliner Mauer 1961 Der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow hatte vergeblich versucht, der Stadt den Viermächte-Status zu entziehen und Berlin in eine vom Westen unabhängige, entmilitarisierte Stadt zu verwandeln – die freilich von der DDR umgeben gewesen wäre. Als sich der Westen trotz Drohungen nicht darauf einließ, wurde 1961 die Mauer gebaut. Berlin in der Kuba-Krise zwischen Washington und Moskau Kein Wunder also, dass viele Sorgen hatten, dass Berlin auch in der Kuba-Krise erneut zur Verhandlungsmasse zwischen Washington und Moskau werden könnte. Darauf bezieht sich die Rede des Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt vor dem Berliner Abgeordnetenhaus am 25. Oktober 1962. Am 26. Oktober 1962 gibt auch Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Erklärung ab.

  13. Am Tag, nachdem US-Präsident John F. Kennedy die Seeblockade Kubas angekündigt hat, greift auch der DDR-Rundfunk die Kuba-Krise in seinem Programm auf. Radio DDR sendet Rede von Fidel Castro Eine Sondersendung in der Berliner Welle am 23. Oktober1962 trägt laut Archiv die Überschrift "Solidaritätserklärungen für Kuba". Sie besteht vor allem aus Kommentaren eines Moderators sowie einzelnen Korrespondentenberichten, die ebenfalls mehr den Charakter von Meinungsbeiträgen haben und zeigen sollen, wie empört Menschen in aller Welt über die USA sind. Am Ende dieser ersten Sendung wird eine Rede von Fidel Castro übertragen. DDR-Sendungen in Westberlin vom RIAS mitgeschnitten Anschließend folgt eine zweite Sendung, die einen Tag später lief, also am 24. Oktober 1962. Sie trägt den Titel "Solidaritätssendung: Hände weg von Kuba". Die Sendungen wurden in Westberlin vom RIAS Berlin mitgeschnitten. Zu hören sind hier jeweils die Zusammenschnitte ohne die Musik, die zwischen den Wortbeiträgen gelaufen ist.

  14. Angst vor einem dritten Weltkrieg Die Ankündigung John F. Kennedys einer Seeblockade Kubas und die Informationen, dass die Sowjetunion Raketen dort stationiert hat, löst weltweit Besorgnis aus. Von einem möglichen bevorstehenden dritten Weltkrieg ist die Rede. Wir hören Berichte der ARD-Korrespondenten in Washington und Moskau, sowie dazwischen eine Umfrage aus Köln. Der Bericht aus den USA stammt vom 23. Oktober. Korrespondent ist Lothar Loewe. Außerdem eine Straßenumfrage am 24. Oktober in Köln. Und am 25. Oktober 1962 berichtet Moskau-Korrespondent Erwin Behrens über die Reaktionen in der sowjetischen Führung.

  15. USA bemerken: Sowjetunion stationiert Militär auf Kuba Schon im Sommer 1962 bekamen die USA Nachrichten darüber, dass die Sowjetunion angefangen hat, Militär und Raketen auf Kuba zu stationieren. Mitte Oktober verdichteten sie sich. Verteidigungsminister Robert McNamara will Seeblockade Aufklärungsflugzeuge bestätigen US-Präsident John F. Kennedy, dass die Sowjetunion dabei ist, Startrampen für atomare Mittelstreckenraketen auf Kuba zu errichten. In den kommenden Tagen berät er sich intern mit seinem Stab. Mehrere Optionen werden diskutiert: Kuba aus der Luft angreifen? Eine Invasion planen? Verteidigungsminister Robert McNamara schlägt eine Seeblockade vor. Kennedy trifft Außenminister Gromyko – und lässt sich nichts anmerken Wie brisant die Lage ist, bleibt der Öffentlichkeit verborgen, die Beratungen finden vertraulich statt. Selbst beim Treffen mit dem sowjetischen Außenminister Andrei Gromyko am 18. Oktober 1962 lässt Kennedy nicht durchblicken, was er weiß. US-Präsident Kennedy informiert die Bürger mittels Rundfunk Die Situation spitzt sich also eine Woche lang unbemerkt zu, bis Kennedy schließlich am 22. Oktober 1962 eine Rundfunkansprache ankündigt. Um 19 Uhr Washingtoner Zeit informiert er die US-Bürger über die Lage und die bevorstehende Seeblockade. Wir hören zunächst die Originalrede Kennedys, dann, etwa ab Minute 20, die Übersetzung, die der Sender RIAS Berlin am 23. Oktober 1962 ausgestrahlt hat.

  16. Die Öffentlichkeit weiß von der drohenden Kuba-Krise noch nichts, als deutsche Handelsschiffe schon merken, dass die Anspannung in der Karibik wächst. Deutsches Frachtschiff "Westfalen" wird behindert In der NDR-Sendung "Aus der Schifffahrt – Flensburger Reedergespräch" ist davon die Rede, dass ein deutsches Frachtschiff – die "Westfalen" – auf dem Weg vom sowjetischen Leningrad nach Kuba in US-Gewässern an der Weiterfahrt gehindert worden sei. Obwohl das Schiff – wie betont wird – offenbar keine Waffen transportiert habe.

  17. Der Bürgerrechtler Martin Luther King gehört sicherlich zu den Friedensnobelpreisträgern, die die Auszeichnung auch im Rückblick wirklich verdient haben. 1964 war es so weit – ein Jahr nach dem großen Marsch auf Washington, auf dem Martin Luther King auch seine berühmte Rede hielt: „I have a dream“. Das Wort, mit dem damals Afro-Amerikaner bezeichnet wurden – und das auch der Korrespondent des SWF verwendet hat – gilt heute als rassistisch. Martin Luther King hat in seiner Dankesrede für den Nobelpreis selbst noch das Wort „Negro“ verwendet. Stellungnahme nach Bekanntwerden der Preisverleihung. Archiv des SWR. W0480570

  18. Als Graf Zeppelin die nach ihm benannten Luftschiffe erfand, dachte er vor allem an eine militärische Verwendung. Doch im Ersten Weltkrieg haben sich die Zeppeline als relativ untauglich für militärische Einsätze erwiesen, deshalb rückt nach dem Krieg zunehmend der zivile Einsatz in den Mittelpunkt. Schon im Jahr 1919 überquert erstmals ein Luftschiff den Atlantik von Schottland aus. Von dieser Fahrt gibt es jedoch keine Aufnahmen. Wohl aber von der zweiten Atlantik-Überquerung fünf Jahre später am 12. Oktober 1924. Die LZ 126 fährt von Friedrichshafen nach Lakehurst bei New York unter der Leitung von Hugo Eckener, dem Nachfolger des 1917 verstorbenen Graf Zeppelin. Hugo Eckener war, wie zu hören, ein großer PR-Profi, der es gut verstand, die Öffentlichkeit für die Luftschiffe zu begeistern. Knapp ein Jahr nach dem erfolgreichen Fahrt, am 7. September 1925, schildert er die Einzelheiten.

  19. NATO und Russland rücken in den 1990ern näher zusammen In den 1990er-Jahren haben sich die NATO und Russland immer mehr angenähert. 1997 vereinbarten sie eine engere Partnerschaft. Islamistischer Terror: gemeinsame Bedrohung Sie wird noch enger, als beide Seiten Anfang der 2000er-Jahre den islamistischen Terrorismus als immer stärkere gemeinsame Bedrohung wahrnehmen. Nach den Terroranschlägen von 11. September 2001 geht die NATO deshalb einen weiteren Schritt auf Russland zu und vereinbart die Gründung eines NATO-Russland-Rates. Russland solle bei Entscheidungen auf Augenhöhe eingebunden werden. Großer außenpolitischer Erfolg für Präsident Wladimir Putin Am 28. Mai 2002 wird der Vertrag in Rom unterzeichnet. Für Russlands Präsident Wladimir Putin, der erst zwei Jahre im Amt ist, ein großer außenpolitischer Erfolg. Viele andere Beteiligte äußern die Ansicht, dass damit der Kalte Krieg offiziell besiegelt sei. Sogar über eine künftige EU- oder gar NATO-Mitgliedschaft Russlands wird in diesen Tagen gelegentlich spekuliert. Reporter ist ARD-Korrespondent Gerhard Irmler.

  20. Putin – Jelzins Wunschkandidat Im August 1999 erklärt Russlands Präsident Boris Jelzin, dass er sich Geheimdienstchef Wladimir Putin als seinen Nachfolger wünscht. Putin wird zunächst Ministerpräsident. Amnestie für Boris Jelzin Am 31. Dezember 1999 tritt Jelzin zurück und Putin übernimmt die Präsidentschaft kommissarisch. Als erste Amtshandlung erlässt er eine Amnestie gegenüber seinem Vorgänger; Jelzin wird somit wegen der schwelenden Korruptionsvorwürfe nicht weiter belangt. Gleich nach Amtsantritt fliegt Putin nach Tschetschenien, um die dort kämpfenden russischen Soldaten zu ehren. Putin mit 52,9 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt Ansonsten ist er die nächsten Wochen damit beschäftigt, die Präsidentschaftswahl am 26. März 2000 zu organisieren sowie seinen eigenen Wahlkampf. Mit Erfolg. Am nächsten Tag wird bekannt: Der 47-jährige Putin ist schon im ersten Wahlgang mit einer knappen absoluten Mehrheit von 52,9 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt worden. Jürgen Döschner leitet damals das ARD-Studio Moskau und schildert Putin in diesem Porträt.