Archivradio – Geschichte im Original

SWR
1013
16.10.2026
Beschreibung
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog

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Episoden
  1. Weil das Band undatiert ist, können die Archivarinnen der BStU nur anhand des relativ selbstsicheren, rüden Tons der Einsatzkräfte vermuten, dass es sich um eine der ersten Demonstrationen in Leipzig handelt, nicht jedoch um die erste. Denn den Funkdialogen nach zu urteilen, ist den Einsatzkräften die Lage auch nicht völlig neu. "Knüppel frei!" Vermutlich fand dieser Einsatz also an einem Montagnachmittag im September 1989 statt. Außer dem Befehl „Knüppel frei“ sind keine weiteren konkreten Übergriffstaktiken zu vernehmen, es ist auch nie von Festnahmen oder Eskalation die Rede. Trotz seiner Emotionalität hat es den Anschein, als ginge dieser Einsatz glimpflich, fast berührungslos vonstatten. Das Band zeigt die Dynamik einer Demonstration aus Sicht der Polizeikräfte. Die Demonstranten sind zwar nur in einigen wenigen Sprechfunkdurchsagen aus dem Hintergrund zu hören, aber indirekt stets präsent. Der Einsatzleiter gibt den Ton an, er koordiniert die Polizisten in Fahrzeugen und zu Fuß durch die Leipziger Innenstadt. Stellenweise hört es sich an wie eine Stadtrundfahrt. Die dramatischsten Situationen spielen sich in den ersten 15 Minuten ab. Später hört man zwar im Hintergrund an einigen Stellen die Demonstranten lauter als zuvor, aber bei 25 Minuten meldet ein Polizist nur noch 200-300 Personen vor der Nikolaikirche. Die Einsatzkräfte sammeln sich dann und fahren in ihre Ausgangspositionen zurück. Einige Zitate aus den Funkdialogen: "Die tätlichen Angriffe der Genossen werden stärker. Wir brauchen dringend Verstärkung." "Sie kommen über Petersstraße rein, und wir drücken sie über Dittrichring ab. Schlagstock frei." "151 zügig, die Bewegung geht Richtung Innenstadt. Den Druck halten jetzt. 153." "Zumachen, zumachen! Petersstraße: In voller Breite entfalten, dass wir über die freie Fläche kommen, und dann wird in Richtung Thomaskirche gedrückt, in Richtung Dittrichring, kommen." "Machen Sie schlagartig auf, und dann im Laufschritt runtergehen. Warum wird denn jetzt aufgemacht, 202? 202 hört. Warum machen Sie denn auf? Zumachen, schnell, so ein Quatsch." "Sie kommen! Sie kommen hier! Links aufpassen, 153!" "Ich hab doch gesagt Thomaskirche. Da war noch ne Kette davor, die muss erst mal weg. Ich mach jetzt die Schulgasse zu, Richtung Innenstadt? Richtig." "Ja, das flößt doch was ein, das hat Wirkung. 212, weiterdrücken, weiterdrücken, unnachgiebig weiter drücken!" "Wir stehen hier noch am Dittrichring und haben eine Sperrkette aufgezogen." "Die nehmen Sie weg, die nehmen Sie weg, Sie ziehen jetzt auf dem Ring im Laufschritt rum, sichert mir die Bosestraße und die Käthe-Kollwitz-Straße." "150, Sie unterstützen die Maßnahmen von Löwe 8 153?" "Wollte mich gerade anbieten, stehe günstig." "Ah, mitgedacht." "Ich hab jetzt hier ne Pufferzelle geschaffen. Die Schaulustigen hab ich weggedrückt, die haben keinen Einblick mehr." "Ich glaub, wir haben’s jetzt im Griff." "Sie machen jetzt die zweite Welle, kehren alle Ecken aus, beachten die Baustellen, die Buden, dass da nichts mehr rumsitzt." Undatiertes Spulentonband Marke ORWO, vermutlich von einer frühen Montagsdemonstration 1989. Band beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, BStU.

  2. US-Präsident Ronald Reagan ist zum Staatsbesuch in der Bundesrepublik. Er besucht West-Berlin und hält vor dem Brandenburger Tor eine Rede. Am Ende fordert er den sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbartschow auf, die Mauer abzureißen. Die Rede wird simultan übersetzt.

  3. Medien, Alkohol und Raserei: Lady Di, Dody Al-Fayed und ihr Fahrer sterben Ihre Ehe mit Prince Charles war gescheitert, die beiden hatten sich 1992 getrennt, doch die Boulevardpresse interessierte sich weiter für Prinzessin Diana. So sehr, dass Paparazzi sie überall belauerten. Auch bei ihrem Besuch in Paris Ende August 1997, ein Jahr nach der offiziellen Scheidung. Diana und ihr Freund Dodi Al-Fayed versuchen, den Fotografen durch Tricks zu entgehen; es kommt zu einer tödlichen Verfolgungsjagd. Der Fahrer rast in einen Tunnel, verliert die Kontrolle, der Wagen prallt gegen einen Pfeiler. Mohamed Al-Fayed vermutete Auftragsmord durch MI5 Tags drauf stellt sich der Unfall in einem anderen Licht dar. Es stellt sich heraus, dass der Fahrer schwer betrunken war und mehr als 1,7 Promille Alkohol im Blut hatte. Der Vater von Dodi Al Fayed behauptet später, dass es sich bei dem Unfall um einen Auftragsmord des britischen Geheimdienstes gehandelt habe. Doch für diese Version konnten Ermittler keine Anhaltspunkte finden.

  4. U-Boote spielten auch eine Rolle im Ersten Weltkrieg – nicht nur die Militär-U-Boote. Die USA waren noch nicht offiziell in den Krieg eingetreten, sondern deutscher Handelspartner. Die deutschen Schiffe konnten aber wegen der britischen Seeblockade nicht den Atlantik überqueren. So fand der Handel u.a. mit U-Booten statt. Im Sommer 1916 kehrt das Handels-U-Boot "Deutschland" erstmals aus Baltimore zurück. Es hatte Farbstoffe und pharmazeutische Produkte in die USA geliefert und brachte als Rückfracht Kautschuk, Nickel und Zinn mit. Im Anschluss gab U-Boot-Kapitän Paul Leberecht König (1867 - 1933) die folgende Erklärung ab. U-Boot-Kapitän Paul Leberecht König über den Handel "Was der alte unternehmende Hansageist, deutsche Intelligenz und Tatkraft erschaffen, das erste Handelsunterseeboot der Welt "Deutschland", der englischen Blockade zum Trotz nach Amerika und wieder zurück in die Heimat gebracht zu haben, verdanke ich nebst der gütigen Vorsehung dem Pflichtbewusstsein und dem Mut der Besatzung, die mit nie erlöschender Bereitwilligkeit sich allen Strapazen gern unterzog. Dem friedlichen Handel inmitten des Weltkrieges zu dienen und den deutsch-fühlenden Herzen drüben in Amerika ein greifbares Zeugnis zu bringen, davon, dass Deutschland noch stark in ungebrochener Schaffenskraft besteht und aushalten wird für seine Ideale, um die Freiheit der Meere zu kämpfen, war und wird unsere erste Pflicht sein, auch auf den ferneren Fahrten." Quelle: U-Boot-Kapitän Paul Leberecht König Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)

  5. Wir hören exemplarisch den ersten Mitschnitt der 6. Wahlperiode, mit dem auch die erste Reichstagssitzung nach der Wahl beginnt. Es ist der 30. August 1932. Die NSDAP ist größte Fraktion. Der Mitschnitt beginnt mit Geräuschen und Atmo aus dem Parlament. Clara Zetkin spricht ab Minute 4. Die Alterspräsidentin Clara Zetkin (KPD) hält eine von keinem Abgeordneten unterbrochene 40-minütige Rede, in der sie vom "zusammenbrechenden Kapitalismus" spricht, auf die "proletarische Revolution" setzt und mit dem Wunsch schließt, trotz ihrer "Invalidität das Glück zu erleben, als Alterspräsidentin den ersten Rätekongress Sowjetdeutschlands zu eröffnen". Dazu kam es nicht mehr, denn Clara Zetkin starb ein Jahr später im Exil in der Sowjetunion. Nach einem großen Applaus werden die Abgeordneten des neuen Reichstags namentlich aufgerufen. Diese Passage ist ausgeblendet. Nicht im Mitschnitt enthalten ist die unmittelbar danach stattfindende Wahl des neuen Parlamentspräsidenten. Wir hören den Schriftführer, den Kommunisten Ernst Torgler, das Abstimmungsergebnis bekanntgeben: Von 587 abgegebenen Stimmen fielen auf Hermann Göring (NSDAP) 367. Göring tritt ans Rednerpult, verspricht, sein Amt "unparteiisch und gerecht" auszuüben und hält den Reichstag wegen der starken NSDAP-Fraktion für durchaus arbeits- und beschlussfähig. Die Redner: Clara Zetkin (KPD) Ernst Torgler (KPD) Hermann Göring (NSDAP)

  6. Nazis, Widerstandskämpfer und Schlüsselszenen verschwinden 1952 Der Filmklassiker "Casablanca" entstand 1942 – eine Romanze vor dem Hintergrund der Ereignisse im Zweiten Weltkrieg. Humphrey Bogart rettet seine ehemalige Geliebte und deren Mann in Marokko vor den Nazis. 10 Jahre später, im August 1952, kommt der Film in die deutschen Kinos – allerdings völlig entstellt. Nazis kamen darin nicht vor. Alle Bezüge zum Zweiten Weltkrieg wurden herausgeschnitten oder durch die Synchronisation unkenntlich gemacht. Viele Schlüsselszenen wie die, in der die Besucher von "Rick's Café" die Deutschen Soldaten mit der Marseillaise übertönen, fehlen. Aus dem tschechoslowakischen Widerstandskämpfer Victor Laszlo wurde der norwegische Atomphysiker Victor Larsen, der eine neue Strahlenart entdeckt hat. In deutsche Kinos kommt "Casablanca" 1952 als belangloser Liebesfilm Geblieben ist ein belangloser, unpolitischer, inhaltlicher wirrer und um eine knappe halbe Stunde gekürzter Liebesfilm. Obwohl Krieg und Nazi-Diktatur schon sieben Jahre zurücklagen, war die Zeit noch nicht reif für einen Film, in dem die Deutschen nicht gut wegkommen. Originalgeschichte in Deutschland erst 1975 zu sehen – im Fernsehen Erst 1975 entstand eine völlig neue Fassung – in der Originallänge, die auch in der Deutschen Synchronisation die Originalgeschichte erzählt. Premiere hatte diese neue Fassung am 5. Oktober 1975 in der ARD. Die Aufmerksamkeit war groß – erst danach wurde der Film auch in Deutschen zum Klassiker. Hier die Besprechung damals im Südwestfunk von Anne Quirin. Im Bild: Deutschsprachiges Filmplakat von 1952

  7. Die zuvor wenig interessierte US-Öffentlichkeit verfolgt nun geschockt die Nachrichten aus dem All. Als sich Korrespondent Werner Baecker mit seinem Bericht in der Mittagssendung des Südwestfunks meldet, ist das Schlimmste aber schon überstanden.

  8. Am 13. April 1970 berichtet Korrespondent Robert Röntgen im Südwestfunk über die Apollo-13-Mission. Der Start scheint geglückt, alles läuft normal. Die Astronauten sind zu Scherzen aufgelegt. Die amerikanische Öffentlichkeit hat sich inzwischen an die Raumfahrtmissionen gewöhnt und so bemerkt Röntgen, eigentlich wünsche sich die NASA mehr Aufregung. Dieser Wunsch geht bald in Erfüllung.

  9. Der junge US-Präsident John F. Kennedy schwört die Nation auf den Wettlauf zum Mond ein. Zunächst überzeugt er den Kongress, der die teuren Pläne genehmigen muss, mit seiner Rede vom 25. Mai 1961. Noch in den 1960er-Jahren will Kennedy einen Mann auf den Mond bringen und wieder gesund zurück zur Erde. Er will dazu die geeigneten Raumfahrzeuge und den Treibstoff entwickeln. Die gesamte Nation müsse sich dieser Aufgabe annehmen.

  10. Kurzhörspiel zum Vorstoß deutscher Truppen nach Paris Bei der Aufnahme handelt es sich um ein Kurzhörspiel, damals "Hörbild" genannt, zum Vorstoß deutscher Truppen nach Paris. "Kinder Kopf hoch / Singen wir mal was Lustiges / Ich bin ein lust’ger Grenadier / Jupheidi jupheida". Aufgenommen wurde es am 26. August 1914, also kurz nach Kriegsbeginn. Ensemble Zono-Truppe. Zono-Phon war eine Schallplattenfirma in Berlin. Hörbild Soldatengesang: "Morgenrot"; "Ich bin ein lust'ger Grenadier" / Kriegsgeräusche / Unterhaltung der Soldaten: "Und wieder mit Hindenburg ... Und wir: Jeder Stoß ein Franzos', jeder Schuss ein Russ', jeder Tritt ein Brit'" / Gelächter, Zapfenstreich Die Aufzeichnung enthält neben Musik auch militärische Kommandos und Schlachtengeräusche. Hörbilder waren auf Tonwalzen oder Wachsplatten gespeichert bereits Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Es gab schon Aufnahmen von Spielszenen, kurzen Lesungen oder humoristischen Einlagen. Das im Hörbild zitierte "Jeder Schuss ein Russ, jeder Stoß ein Franzos', jeder Tritt ein Brit', jeder Klaps ein Japs" ist Teil der deutschen Kriegspropaganda und fand sich auf vielen Postkarten und als Aufschrift auf Transportwaggons der deutschen Armee. Deutscher Vormarsch kommt schnell zum Stehen Der schnelle deutsche Vormarsch kam kurz vor Paris in der ersten Septemberwoche 1914 an der Marne zwischen Chantilly und Meaux zum Stehen. Es gelang dem deutschen Generalstab nicht, Kommando- und Nachschubprobleme zu lösen, mit denen die Truppen auf ihrem Vormarsch durch Nordfrankreich zu kämpfen hatten. Als sie die Marne erreichte, war die deutsche Armee ausgebrannt, während die französischen Truppen nach zwei Wochen des Rückzugs den Gegenangriff planen konnten. Ensemble: Zono-Truppe (Zono-Phon war eine Schallplattenfirma in Berlin) Aufnahmedatum: 26.8.1914 Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)

  11. Baikonur, 26. August 1978. Sigmund Jähn aus der DDR startet als erster Deutscher ins Weltall. An Bord der sowjetischen Sojus 31 fliegt er zusammen mit dem Kosmonauten Waleri Bykowski zur sowjetischen Raumstation Saljut 6. Sigmund Jähn ist von seiner Ausbildung her Jagdflieger der Nationalen Volksarmee. Einen Tag nach dem Start meldet er sich zur ersten Bordreportage. Nach Jähns Rückkehr: Empfang bei DDR-Staatschef Honecker

  12. Lieber an die Front als Dienst im Konzentrationslager? Nach der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen befragt BBC-Reporter Patrick Gordon Walker einen 35-jährigen Unterscharführer der SS namens Joachim Wolf. Unterscharführer war der niedrigste Offiziersrang in der SS. Wolf berichtet von seinen Erlebnissen in Auschwitz, Dachau und Bergen-Belsen, wo er erst seit 14 Tagen sei. Er sei entsetzt über den Zustand der Insassen und das, was er dort erleben musste. Am Ende bestätigt Wolf, dass viele in der SS, auch er, sich für einen Fronteinsatz gemeldet hätten, um einem Einsatz im Konzentrationslager zu entkommen. Aus den Unterlagen in Bergen-Belsen ist bekannt, dass Wolf nicht erst 14 Tage, sondern schon etwa vier Monate in Bergen-Belsen war. Nach der Befreiung des Lagers wurde er wie andere SS-Mitarbeiter dafür eingesetzt, die Leichen der Toten in Massengräbern zu beerdigen. Wolf starb kurz darauf, am 30. Mai 1945, an Typhus. Interviewer Patrick Gordon Walker wird später britischer Minister Der Interviewer, Patrick Gordon Walker wiederum wurde später britischer Außen- und Bildungsminister. In einer weiteren Aufnahme im SWR2 Archivradio befragt er zwei Mädchen unmittelbar nach ihrer Befreiung aus Bergen-Belsen.

  13. DDR-Kommentator Krause bekundet Solidarität mit den arabischen Staaten Auch der DDR-Rundfunk berichtete über die Olympischen Spiele 1972 in München, aber wie bei fast allen Themen mit einem etwas anderen Akzent als die bundesdeutsche Presse. Den Terroranschlag verurteilt Kommentator Udo Krause, aber nicht ohne die Solidarität mit den arabischen Staaten gegenüber der "israelischen Aggression" zu betonen. Soweit der Kommentar von Udo Krause in Radio DDR. Sender berichtet über Aktivitäten von Neonazis während der Spiele in München In einem weiteren Bericht macht der Sender auf die Umtriebe von Neonazis am Rande der Olympischen Spiele aufmerksam und kritisiert die Untätigkeit der bayerischen Behörden. Nicht erwähnt wird – was heute bekannt ist: dass die palästinensischen Terroristen von München Unterstützung aus der Neonazi-Szene hatten. Im Bild: Die israelische Olympiamannschaft gedenkt am 1.9.1972 beim Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau der Opfer des nationalsozialistischen Terrors und legt einen Kranz nieder. Vier Tage später sind die israelischen Sportler selber Opfer eines Terroranschlags.

  14. Alle Geiseln und ein Polizist sterben Die israelischen Geiseln konnten nicht gerettet werden. Sie kamen alle beim Befreiungsversuch der bayerischen Polizei ums Leben. Bruno Merk und Hans-Dietrich Genscher treten vor die Presse Es gab in der Nacht noch eine Pressekonferenz mit Bayerns Innenminister Bruno Merk und Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher – beide hatten sich zusammen mit anderen Verantwortlichen am Vortag vergeblich den Terroristen als Ersatz-Geiseln im Austausch für die israelischen Sportler angeboten. Nun haben sie das Scheitern der Rettungsaktion bekanntgegeben. Das ist der neue Stand, am Morgen des 6. September. Die erste Sendestunde des Südwestfunks zwischen 5 und 6 Uhr besteht im wesentlichen aus einer ständigen Wiederholung der Nachrichten sowie zwischendurch der Stellungnahmen von Merk und Genscher. Diese Folge bringt Auszüge aus der Stunde zwischen 5 und 6 Uhr morgens. Franz Meindl, der am Vorabend bis Mitternacht moderiert hat, ist erneut im Studio.

  15. Palästinensische Terroristen fliehen mit Geiseln nach Fürstenfeldbruck In der Nacht vom 5. zum 6.9.1972 gelangen die palästinensischen Terroristen mit den israelischen Geiseln mit zwei Helikoptern des Bundesgrenzschutzes zum Flughafen Fürstenfeldbruck. Dort wartet eine Boeing 727. Bevor Terroristen und Geiseln ins Flugzeug wechseln können, kommt es zu einem Schusswechsel. Am Flughafengelände haben sich tausende von Schaulustigen und etliche Journalisten versammelt. Chaotische Lage, teils falsche Berichte Die Lage ist unübersichtlich. Die Hörfunkprogramme des Südwestfunks haben sich zusammengeschaltet. In dieser Folge hören Sie Beiträge, die abends zwischen 20 Uhr und Mitternacht gelaufen sind, bevor das ARD-Nachtprogramm beginnt. Die Moderatoren Wolfram Kreiker und Franz Meindl bitten zwischendurch um Verständnis, dass sich die Sendung mal zur Tagesschau schaltet, mal ins ZDF, mal zu den Reportern des Bayerischen Rundfunks in München. Dies sei sicherlich verwirrend, aber man versuche nun mal, die neuesten Informationen zu bekommen. Die sind aber teilweise falsch. So klingt es zwischendurch so, als seien die Geiseln in Sicherheit gebracht worden – wie man heute weiß, konnte davon keine Rede sein.

  16. Die "heiteren Spiele" von München enden abrupt 10 Tage lang waren die Olympischen Spiele in München 1972 das, was sie eigentlich sein sollten: Ein friedliches internationales Sportereignis. Am Morgen des 5. September 1972 ändert sich das schlagartig. Terroristen des "Schwarzen September" töten zwei israelische Sportler Palästinensische Terroristen der Organisation "Schwarzer September" dringen ins Quartier der israelischen Mannschaft ein, töten zwei der Sportler, den Ringertrainer Moshe Weinberg sowie den Gewichtheber Josef Romano. Neun weitere nehmen sie als Geiseln. Die ersten Informationen dazu kamen im Radio um kurz nach 7 Uhr vom Sportreporter des BR Hans-Albert Kraeft. Statt Information zunächst skurrile Pressekonferenz mit Mark Spitz Pressesprecher der Olympischen Spiele ist damals Hans Klein, der meist Johnny Klein genannt wird und später einmal Bundesentwicklungsminister werden sollte. Ob es eine Pressekonferenz geben würde, wird er an jenem Morgen gefragt. Er tut erstmal unwissend. Welche Pressekonferenz, fragt er zurück? Die von Mark Spitz? Mark Spitz, der berühmte Schwimm-Weltmeister hat tatsächlich für diesen Tag eine Pressekonferenz angekündigt, zum Ende seiner Karriere. Diese Pressekonferenz findet auch statt, gerät aber angesichts der Umstände etwas bizarr. Schließlich gibt Olympia-Pressechef Hans Klein doch noch eine Erklärung ab zum Stand der Dinge. Israel fordert Abbruch der Spiele Der nächste Bericht: Korrespondent Zwie Schnabel schildert die Reaktionen in Israel. Interview mit Mursi el Shavi, Chefredakteur einer großen arabischen Zeitung. Israel fordert unterdessen den Abbruch der Spiele. 12 Uhr, das Ultimatum verstreicht – doch zunächst passiert nichts weiter. Kurz vor 13 Uhr meldet sich Reporter Michael Korth wieder. Die Bundesregierung trifft sich zu einer Sondersitzung. Regierungssprecher Conrad Ahlers über das Ergebnis. Veranstaltungen für diesen Tag abgesagt: Kanzler Brandt tritt vor die Presse Um 15:38 Uhr erklärt IOC-Präsident Avery Brundage den Abbruch der Spiele. Um 16 Uhr gibt Olympia-Pressesprecher Johnny Klein eine weitere Erklärung ab. Schließlich, kurz vor 20 Uhr, tritt auch Bundeskanzler Willy Brandt vor die Presse. "Verständlicherweise ist auch die Frage aufgetaucht, ob die Olympischen Spiele nicht überhaupt abgebrochen werden sollten. Ich darf dem dafür zuständigen Internationalen Olympischen Komitee nicht vorgreifen, möchte aber mit meiner Meinung nicht hinter dem Berg halten. Ich meine, es darf nicht Schule machen, dass eine Gruppe rücksichtsloser Extremisten darüber bestimmen kann, ob große internationale Veranstaltungen stattfinden können oder nicht. Die heiteren Spiele sind zu Ende. Was das bedeutet, werden viele von uns noch gar nicht ermessen können. In diesen Stunden und Tagen haben wir uns nun neu zu bewähren." Quelle: Bundeskanzler Willy Brandt

  17. Währenddessen haben sich die Gegner vor dem Gebäude zu einer Gegendemonstration versammelt. Einige der Gegner haben es auch in den Saal geschafft und versuchen, die Redner zu stören. Es kommt zu Tumulten. In den Reden begründen die "Ja-Sager" ihre Zustimmung zum Saarstatut und wehren sich gegen den Vorwurf, Separatismus zu betreiben. Sprecher: Peter Zimmer, Präsident des saarländischen Landtags Archiv des Saarländischen Rundfunks

  18. Sie protestieren gegen eine Veranstaltung der Befürworter des Saarstatuts, wonach das Saarland eine europäische Region werden soll. Die Stimmung ist angespannt. Parolen aus den 1930er-Jahren werden angestimmt. Mit "der Dicke" war Ministerpräsident Johannes Hoffmann von der Christlichen Volkspartei (CVP) gemeint, der aus Sicht der Demonstranten dem Beitritt zur Bundesrepublik entgegenstand. Quelle: Archiv des Saarländischen Rundfunks

  19. Fernverkehr nach Paris betroffen Die ersten Meldungen klangen noch wie eine zwar ärgerliche, aber auch nicht ganz ungewöhnliche Bahnpanne an einem sommerlichen Ferienwochenende. Am 12. August 207 gegen 11 Uhr haben sich Bahngleise bei Rastatt abgesenkt. Denn unterhalb der Strecke wird gerade der neue Fernbahntunnel gebaut und an dieser Stelle nähert sich die Tunnelröhre schon der Oberfläche. Als Sensoren die Absenkung der Gleise melden, wird der Zugverkehr sicherheitshalber eingestellt. Um 18 Uhr rechnet die Bahn noch damit, dass die Störung nur für das Wochenende ist. Doch schon an diesem 12. August 2017 konnte man einen Vorgeschmack davon bekommen, was Bahnreisende die nächsten zwei Monate erwarten sollte. Eine Vollsperrung auf der für den Fernverkehr zwischen Karlsruhe und Freiburg/Basel bzw. Straßburg/Paris so wichtigen Rheintalbahn. Die Bahn lässt zwischen Karlsruhe und Baden-Baden Busse fahren. Pendler verlieren täglich 2 Stunden Zeit Am folgenden Tag ist schon deutlich: So schnell lässt sich der Schaden nicht beheben. Das Gleis hat sich um bis zu einem halben Meter abgesenkt. Die neue Tunnelröhre verläuft hier gerade mal in fünf Metern Tiefe, gebohrt von einer Vortriebsmaschine, die nun im Tunnel feststeckt, während die Reisenden in Baden-Baden viel Geduld brauchen. Wieder einen Tag später, am Montag, richtet die Bahn einen Schienenersatzverkehr in Form von Shuttle-Bussen zwischen Rastatt und Baden-Baden ein. Die Busse fahren im 6-Minuten-Takt. Für tausende Pendler bedeutet das trotzdem eine Stunde mehr Fahrtzeit – morgens und abends. Homeoffice war damals noch nicht so üblich und technisch auch meist nicht möglich. Risiken des Tunnelbaus bei Rastatt waren der Deutschen Bahn bekannt An diesem Tag wird auch deutlich: Die Bahn kannte die Risiken bei diesem komplizierten Tunnelbau in Rastatt, wie SWR Wissenschaftsredakteur Gábor Pal recherchierte. Eine Woche vergeht. Immer deutlicher wird: Die Tunnelvortriebsmaschine ist wohl nicht zu retten. Die eingebrochene Tunnelröhre wird mit Beton verfüllt. Die Bahn muss völlig umplanen. Am 21. August – 9 Tage nach der Gleisabsenkung – lädt sie die Presse zum Unglücksort ein. Dabei auch SWR Reporter Patrick Neumann. Erst Anfang Oktober ist die Strecke wieder frei Fast zwei Monate müssen täglich 30.000 Menschen die Strecke zwischen Baden-Baden und Rastatt mit dem Bus überbrücken – oder steigen in der Zeit aufs Auto um. Erst Anfang Oktober 2017 wird die Strecke wieder freigegeben.

  20. Hans Filbinger gerät zunehmend unter Druck. Am 7. August 1978 verkündet er auf einer Pressekonferenz seinen Rücktritt als Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Er sieht sich als Opfer einer Rufmordkampagne.