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- 27.11.201959 min
Robin, Tim und Mara haben sich mal wieder zusammengefunden, um über drei neue Bücher zu sprechen. Nachdem die drei bereits die letzte Folge bestritten haben, kommen sie ohne große Umschweife zum Vorgeplänkel. Dieses Mal dreht sich alles um das Thema Traumata, die durch Bücher verursacht wurden. Ob es das erste Stephen King Buch war, welches man viel zu früh gelesen hat, Schullektüre, die dem Alter definitiv nicht angemessen war oder explizite Inhalte, auf die man vorher nicht eingestellt war – die drei haben viel zu bereden. Mara macht den Anfang mit etwas besonderem, denn sie stellt den neuesten Fall der drei ??? vor – “Die drei ??? und der dunkle Taipan”. Der Roman ist Teil der aktuell laufenden Live-Tour, die sich Mara angesehen hat. Es dreht sich um ein Wiedersehen mit einer alten Bekannten der drei Detektive, die Justus, Peter und Bob darum bittet, auf ihren Hund aufzupassen. Doch natürlich kommt es nicht so wie erwartet, und es entwickelt sich ein mysteriöser und spannender neuer Fall. Mara war begeistert von der Performance und empfiehlt jedem, der die Gelegenheit hat, sich das Spektakel live anzusehen! Anlässlich seines kürzlich erschienenen dritten Soloalbums “Junkies und Scientologen” macht Tim weiter mit dem Debütroman von Musiker Thees Uhlmann, “Sophia, der Tod und Ich”. Der namenlose Erzähler lebt zurückgezogen und alleine, bis es eines Tages bei ihm klingelt und der Tod vor seiner Tür steht. Er muss also sterben, und hat noch nicht mal Zeit, sich zu verabschieden. Allerdings klingelt, sehr zur Verwunderung des Todes erneut, und seine Exfreundin Sophia kommt ins Spiel. Zu dritt unternehmen sie einen Roadtrip in dem Wissen, dass der Erzähler nichts desto trotz bald sterben wird. Eine lustige, zynische, aufrichtige und tragische Geschichte, die darauf hoffen lässt, dass Uhlmann noch viel mehr Bücher schreiben wird. Robin macht den Abschluss mit einem Frühwerk eines der wohl wichtigsten Autoren der Moderne: “Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache” von David Foster Wallace. In der Novelle geht es um metaphorische Beschreibung von Psychosen und folgenden Depressionen, die den Erzähler plagen. Dabei wird in einer eindrücklichen Sprache viel aufgeschlüsselt und auch für Außenstehende nachvollziehbar, als auch visuell präsent projiziert. Vor allem durch das Vorlesen von Lars Eidinger im Hörbuch entfaltet das Ganze eine besondere Wirkung, weshalb Robin das Werk auch uneingeschränkt empfiehlt – gerade wegen nicht einmal einer Stunde Lauflänge. Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS Timecodes: 00:00:00 - Vorgeplänkel: literarische Traumata 00:18:33 - "Die drei ??? und der dunkle Taipan" von Hendrick Buchna 00:37:10 - "Sophia, der Tod und ich" von Thees Uhlmann 00:46:31 - "Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache" von David Foster Wallace Buch-Infos: Titel: Die drei ??? und der dunkle Taipan Autor: Hendrick Buchna Verlag: Kosmos (2019) Preis (Buch/eBook): 9,99 € / 6,99 € Länge: 176 Seiten Genre: Kinder / Jugend, Grusel Form: Hardcover ISBN: 978-3440154960 Links: Verlag | Link zur LIVE-Tour | LChoice (Affiliate) Titel: Sophia, der Tod und ich Autor: Thees Uhlmann Verlag: Kiwi (2015) Preis (Buch/eBook): 18,99 € / 9,99 € Länge: 320 Seiten Genre: Gegenwartsliteratur Form: Hardcover ISBN: 978-3462047936 Links: Verlag | LChoice (Affiliate) Titel: Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache Autor: David Foster Wallace Übersetzung: Ulrich Blumenbach Verlag: Kiwi (2015) Preis (Buch/eBook): 6,00 € / 5,99 € Länge: 112 Seiten Genre: Depression, Kurzgeschichte Form: Taschenbuch ISBN: 978-3462047493 Links: Verlag | LChoice (Affiliate) Der Beitrag Folge 81: Lauschangriff erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 20.11.201961 min
Nach längerer Zeit haben sich Robin, Mara und Tim mal wieder zusammengefunden, um über drei neue Bücher zu sprechen! Passend zu einem der Bücher dieser Folge dreht sich das Vorgeplänkel um Fortsetzungen. Welche Erwartungen hat man, wo wurde man enttäuscht oder sogar überrascht? Dabei unterhalten sich die drei viel über diverse Reihen wie der dunkle Turm oder Harry Potter und erzählen von ihren Erfahrungen. Das erste Buch dieser Folge stellt Tim vor, anlässlich des bald erscheinenden Films zu “Doctor Sleep” von Stephen King. Es handelt sich hierbei um eine Fortsetzung des Klassikers “Shining” und baut somit hohe Erwartungen auf. Nach den Ereignissen in “Shining” dreht sich die Handlung um Danny Torrence, der bereits während der Highschool angefangen hat, viel Alkohol zu trinken. Er kann keinen Job behalten und streift nach dem Tod seiner Mutter durch’s Land, bis er beginnt, sein Leben zu ordnen. Er tritt den Anonymen Alkoholikern bei, hat einen Job als Krankenpfleger, bei dem sein Shining positiv zur Anwendung kommt. Parallel dazu geht es um den “Wahren Knoten”, eine Art Gruppe von Shining-Vampiren. Das Buch schafft es nicht zu enttäuschen und eine eigenständige Geschichte zu erzählen, die sich nicht hinter dem Vorgänger verstecken braucht. Robin stellt das Buch eines Kollegen vor, “Stichling” von Florian Schwarz – den meisten wahrscheinlich besser bekannt als Buchfink auf Instagram, der damit sein Debüt abliefert. Das Buch handelt von einem jungen Soldaten im ersten Weltkrieg, dessen Vorgeschichte, Grundausbildung und schließlich dem Einsatz im Schlachtfeld. Dabei schafft es Schwarz, in starken Bildern alle Sinne zu bespielen und so den Schrecken des Krieges näher zu bringen. Es gibt harte und schonungslose Gewalt, Gerüche und Geräusche werden detailliert beschrieben und erzeugen so ein Gesamtbild, dass einen so schnell nicht loslässt. Eine absolute Empfehlung von Robin! Bei Mara gibt es eine Premiere, denn sie stellt nicht nur zum ersten Mal eine Biografie vor, sondern hat auch zum ersten Mal eine gelesen: “Wie einmal ein Bagger auf mich fiel” von René Marik. Dabei schildert der Komiker seine Kindheit und Jugend, die er in einer Kaserne verbracht hat. Seine Eltern haben dort die Kantine geleitet und er ist mit seinen Geschwistern auf Armeegelände groß geworden. Dabei beschreibt er mit einer Ehrlichkeit die nicht besonders rosigen familiären Verhältnisse, versammelt Anekdoten und absurde Begebenheiten in einer tragikomischen Form, die das Ganze zu einem runden Buch werden lassen. Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS Timecodes: 00:00:00 - Vorgeplänkel: Fortsetzungen 00:21:08 - "Doctor Sleep" von Stephen King 00:35:35 - "Stichling" von Florian Schwarz 00:45:21 - "Wie einmal ein Bagger auf mich fiel: Eine Provinzjugend" von René Marik Buch-Infos: Titel: Doctor Sleep Autor: Stephen King Übersetzung: Bernhard Kleinschmidt Verlag: Heyne (2015) Preis (Buch/eBook): 12,99 € / 9,99 € Länge: 720 Seiten Genre: Horror, Thriller Form: Taschenbuch ISBN: 978-3453438026 Links: Verlag | LChoice (Affiliate) Titel: Stichling Autor: Florian Schwarz Verlag: Buchfink Verlag (2019) Preis (Buch): 22,00 € Länge: 199 Seiten Genre: 1. Weltkrieg, Erinnerung Form: Hardcover ISBN: 978-3948453015 Links: Verlag | LChoice (Affiliate) Titel: Wie einmal ein Bagger auf mich fiel: Eine Provinzjugend Autor: René Marik Verlag: Droemer-Knaur (2019) Preis (Buch/eBook): 14,99 € / 12,99 € Länge: 240 Seiten Genre: Biografie, Coming-of-Age Form: Taschenbuch ISBN: 978-3426302217 Links: Verlag | LChoice (Affiliate) Der Beitrag Folge 80: Düstere Zeiten erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 13.11.201961 min
Robin und Meike kurz vor der Hyperventilation: Podcast-Liebling Sibylle Berg hat den Schweizer Buchpreis gewonnen! Und dann veröffentlichen auch noch die ersten Verlage ihr Frühjahrsprogramm! Was muss man demnächst lesen und warum? Erste Begeisterungsstürme angesichts anstehender Veröffentlichungen (Sibylle Berg plaudert mit Nerds! Dave Eggers kommt mit einer Parabel über eine Parade anmarschiert! James Ellroy im Bann des Verbrechens! Thorsten Nagelschmidt uffe Arbeit, empfohlen von Bela B!) im Vorgeplänkel. Und weil man einfach nicht zu viel Spaß mit zu vielen guten Büchern haben kann, geht’s dann auch gleich weiter mit Ocean Vuongs hochgelobtem Debütroman „Auf Erden sind wir kurz grandios“. In dieser Mischung aus Brief, Roman und Memoir erzählt der Autor, der selbst im Alter von zwei Jahren mit seiner Mutter aus Vietnam in die USA emigriert ist, die Geschichten eines Teenagers mit vietnamesischen Wurzeln, der mit seiner Großmutter und Mutter im ländlichen Amerika lebt. Der Protagonist verliebt sich in Trevor, der von Opioiden abhängig ist. Gleichzeitig erlebt er die Auswirkungen der Traumata, mit denen die Frauen in seiner Familie kämpfen: Die Großmutter musste sich zur Zeit des Vietnam-Krieges prostituieren, die Mutter ist Analphabetin und versucht die Familie mit schlecht bezahlten Jobs über Wasser zu halten. Ein ambitioniertes Buch, das mit einer Sprache, die lyrischer nicht sein könnte, schonungslos Themen wir Gewalt und Diskriminierung beschreibt. Auch Nico Walkers Buch beschäftigt sich unter anderem mit der Opioid-Krise, doch aus einer völlig anderen Perspektive: In dreckiger, kruder Sprache – die angesichts des Inhalts aber umso glaubwürdiger wirkt – erzählt Walker von einem instabilen jungen Mann, der in den Militärdienst eintritt, um seinem Leben eine Richtung zu geben. Als er aus dem Irak zurückkehrt, ist er schwer traumatisiert und sein Drogenkonsum wird immer stärker zu einer Form der fehlgeleiteten Selbstmedikation, bis sein Leben vollkommen außer Kontrolle gerät. Autor Nico Walker war selbst als Sanitäter im Irak und sitzt derzeit eine Gefängnisstrafe ab: Um seine Drogenabhängigkeit zu finanzieren, hat er Banken überfallen. Ein faszinierendes, radikal subjektives Buch mit einem komplexen, widersprüchlichen Protagonisten – und ein echter Pageturner. Und zu guter, nein, zu bester Letzt gibt’s noch the one and only Julian Barnes auf die Ohren! Letzte Woche ist in England sein brandneues Buch „The Man in the Red Coat“ erschienen, und schon –bäm! – gibt’s hier ein paar Infos dazu (na klar haben wir ein Rezensionsexemplar, danke @aaknopf, und na klar haben wirs schon gelesen! ). Hauptthema ist aber Barnes‘ Meisterwerk „Der Lärm der Zeit“, dieses wunderschöne, traurige Buch über ein Künstlerschicksal in der Sowjetunion: Was tut ein Komponist, der angetreten ist, sich in der Musik auszudrücken, um Schönheit und Wahrheit in Noten zu bannen, wenn ihn das Regime vereinnahmen will? Protagonist des Romans ist Dmitri Schostakowitsch, doch was dieser Autor beschreibt, das geht weit über das Leben einer einzelnen Person hinaus. Julian Barnes at his best. Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS Timecodes: 00:05:48 - Vorgeplänkel: Verlagsvorschauen Frühjahr 2020 00:11:39 - "Auf Erden sind wir kurz grandios" von Ocean Vuong 00:24:31 - "Cherry" von Nico Walker (inkl. Auszug) 00:48:03 - "Der Lärm der Zeit" von Julian Barnes Buch-Infos: Titel: Auf Erden sind wir kurz grandios Autor: Ocean Vuong Übersetzung: Anne-Kristin Mittag Verlag: Hanser (2019) Preis (Buch/eBook): 22,00 € / 16,99 € Länge: 240 Seiten Genre: Identität, Familie Form: Hardcover ISBN: 978-3446263895 Links: Verlag | LChoice (Affiliate) Titel: Cherry Autor: Nico Walker Übersetzung: Daniel Müller Verlag: Heyne Hardcore (2019) Preis (Buch/eBook): 22,00 € / 17,99 € Länge: 384 Seiten Genre: Drogen, Krieg, Liebe Form: Hardcover ISBN: 978-3453271975 Links: Verlag | LChoice (Affiliate) Titel: Der Lärm der Zeit Autor: Julian Barnes Übersetzung: Gertraude Krueger Verlag: KiWi (2017) Preis (Buch/eBook): 20,00 € / 9,99 € Länge: 256 Seiten Genre: Oppression, Gefangenschaft Form: Hardcover ISBN: 978-3462048889 Links: Verlag | LChoice (Affiliate) Der Beitrag Folge 79: Die Troublemaker erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 06.11.201945 min
Nach längerer Abwesenheit ist Tim mal wieder mit dabei, und gemeinsam mit Mara und Robin gibt es wieder drei neue Bücher! Im Vorgeplänkel sprechen die drei darüber, was sie mit aussortierten Büchern machen, bzw. wie sie beim Aussortieren vorgehen. Es wird also verschenkt, verkauft oder gespendet – alle sind sich aber einig, dass man sie natürlich nicht wegschmeißen sollte. Außerdem geht es um die Frage, wie man Rezensionsexemplare handhabt und unter welchen Umständen das Aussortieren gerechtfertigt ist. Den Anfang macht Mara mit “Thalamus” von Ursula Poznanski. Das Buch handelt von einem Jungen, der in ein Krankenhaus eingeliefert wird, weil er sich nach einem Motorradunfall nicht mehr wirklich bewegen und artikulieren kann. Nichts desto trotz bekommt er alles um sich herum mit und beobachtet seine Umgebung genau. Sein Bettnachbar, der sich in der gesamten Zeit, in der er da ist, nicht bewegt hat und ein schwerer Pflegefall ist, scheint nachts sein Bett zu verlassen. Er bekommt langsam mit, dass er nicht der einzige ist, der das macht, und dass in der Klinik einige andere merkwürdige Sachen vorfallen. Mara fand das Buch spannend geschrieben, hatte Spaß beim miträtseln und hatte Gefallen an der Unvorhersehbarkeit. Tim macht weiter mit dem Debütroman von Kat Kaufmann, “Superposition”. Das Buch handelt von Izy Lewin, eine Musikerin in ihren zwanzigern, die sich in ihrem Leben verloren und unzugehörig fühlt. Als sie ein Kind war, sind ihre Eltern von Russland nach Deutschland geflüchtet, und seitdem fühlt sie sich drei Seiten gleichzeitig zugehörig: deutsch, russisch und jüdisch. Das Buch verpackt diese Gefühle vor allem in Wut und Liebe, die rauschartig beschrieben werden. Vor allem stilistisch ist Kaufmanns Debüt herausragend und packend, und einen Blick alle Male wert. Robin macht den Abschluss mit “Die Farbe von Milch” von Nell Leyshon, das von Wibke Kuhn übersetzt wurde. Das Buch dreht sich um Mary, die auf dem Bauernhof ihrer Eltern bereits von Anfang an schwer arbeiten muss. Von den beiden bekommt sie wenig Zuneigung. Das ändert sich jedoch, als sie anfängt, bei einem Pfarrer zu arbeiten, dessen Frau sie pflegen soll. Dort wird ihr das erste Mal richtig Aufmerksamkeit geschenkt und ernsthaft mit ihr gesprochen, was sie erst skeptisch werden lässt. Das Buch schafft es, durch kurze Dialoge und kleine Gesten viel über die Charaktere zu sagen und ist stilistisch wie inhaltlich sehr zu empfehlen. Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS Timecodes: 00:00:00 - Vorgeplänkel: Aussortieren von Büchern 00:12:02 - "Thalamus" von Ursula Poznanski 00:25:26 - "Superposition" von Kat Kaufmann 00:34:21 - "Die Farbe von Milch" von Nell Leyshon Buch-Infos: Titel: Thalamus Autorin: Ursula Poznanski Verlag: Loewe (2018) Preis (Buch/eBook): 16,95 € / 12,99 € Länge: 448 Seiten Genre: Jugendbuch, Thriller Form: Taschenbuch ISBN: 978-3785586143 Links: Verlag | LChoice (Affiliate) Titel: Superposition Autorin: Kat Kaufmann Verlag: Ullstein (2017) Preis (Buch/eBook): 10,00 € / 9,99 € Länge: 272 Seiten Genre: Gesellschaft, Integration Form: Taschenbuch ISBN: 978-3548288529 Links: Verlag | LChoice (Affiliate) Titel: Die Farbe von Milch Autorin: Nell Leyshon Übersetzung: Wibke Kuhn Verlag: Heyne (2019) Preis (Buch/eBook): 10,00 € / 9,99 € Länge: 208 Seiten Genre: Rebellion, Heimat Form: Taschenbuch ISBN: 978-3453422544 Links: Verlag | LChoice (Affiliate) Der Beitrag Folge 78: Wind of Change erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 31.10.201978 min
Muaaaa-hahaha: Eure gar schaurigen Podcast-Kürbisköpfe Robin, Mara und Meike melden sich diesmal aus einem dunklen Schacht in einem Spukhaus in Maine, wo die Regierung grausame KI-Experimente an einem Geist ohne Kopf durchführt (oder so)! Doch bevor es um die schaurig-schöne Buch-Auswahl geht, widmen sich die drei Grusel-Connoisseure im Vorgeplänkel den besten Spuk-Gestalten aller Zeiten und stoßen dabei unversehens auf brisante Fragen, die blankes Entsetzen hervorrufen: Wer hat Fräulein Knüppelkuh eigentlich zur Schuldirektorin befördert? Liest Mara heimlich „Twilight“? Und was hat der fiese Schneemann Arktos mit dem „Nackidei“-Barden Rolf Zuckowski zu tun? Nachdem die drei zur Beruhigung mit Graf Zahl ein paar Fledermäuse gezählt haben, steigt der Blutdruck dann gleich wieder: Robin stellt Mark Z. Danielewskis „Das Haus“ vor. Der Indie-Grusel-Klassiker nimmt den Leser mit in ein Spukhaus, in dem sich Gänge und Zimmer befinden, die rein physikalisch gar nicht existieren dürften. In einem Mash-up aus pseudo-wissenschaftlicher Abhandlung und Found Footage-Horrorfilm rennt, stolpert und irrt der Leser mit den Protagonisten durch die Tiefe des nicht vorhandenen Raumes, auf der Suche nach Hinweisen im Text und begleitet von dem unguten Gefühl, dass da verdammt noch mal IRGEND ETWAS hinter ihm her ist…was für ein wahnsinnig schlaues und furchterregendes Buch! Danach geht es ebenso wild und experimentell weiter, es wird aber auch ein bisschen lustiger: In „Frankissstein: Eine Liebesgeschichte“ verbindet Jeanette Winterson die zum großen Teil wahre Entstehungsgeschichte des Grusel-Klassikers „Frankenstein“ von Mary Shelley mit einer Storyline über den größenwahnsinnigen Forscher Dr. Viktor Stein (ha!), der den Tod mit den Mitteln der Künstlichen Intelligenz besiegen will. In diesen halben Dr. Frankenstein verliebt sich Ry (eine halbe „Mary“ Shelley, doppel-ha!) und das Vexierspiel mit klassischen Horror-Motiven nimmt seinen gesellschaftskritischen, aber häufig auch schreiend komischen Lauf. Nehmt Euch in Acht vor der Lord Byron-Parodie Ron Lord, der KI-Sexroboter unters Volk bringen will! Danach geht es weiter mit der allseits beliebten „Gänsehaut“-Reihe, denn was wäre eine Halloween-Folge ohne eine großzügige Prise Horror-Trash? Hier wird aus harmlosen Scherzen von frechen Bälgern furchterregender Ernst, denn „Der Geist ohne Kopf“ versteht keinen Spaß (wie auch, so ohne Kopf?). Und weil Mara gerade so schön in schauriger Fahrt ist, haut sie noch ein paar weitere herrlich absurde Plots aus der Gänsehaut-Reihe raus – die Podcaster sind begeistert, denn auf solch herrlich abstruse Ideen muss man erst Mal kommen! Darauf drei große Bloody Marys! Und zu guter Letzt widmet sich Meike noch einem Papierstau-Liebling, nämlich dem amerikanischen Horror-Großmeister Stephen King, der ganz nebenbei auch noch ein hervorragender Gesellschaftsanalytiker ist. In „Das Institut“ geht es um Luke, einen Jungen mit paranormalen Fähigkeiten, der gekidnapped und in das titelgebenden Institut verschleppt wird. Dort werden an Kindern mit besonderen Begabungen grausame Experimente durchgeführt, bis sie, einer nach dem anderen, für immer im Hinterhaus der Einrichtung verschwinden. Luke freundet sich mit einigen seiner Leidensgenossen an und gemeinsam versuchen die Kids herauszufinden, was mit ihnen geschieht und warum. In einem anderen Teil des Landes kommt derweil Ex-Cop Tim den Machenschaften des Instituts auf die Spur…Ein wahrhaft beängstigender King, durchsetzt mit Verweisen auf gesellschaftliche Realitäten. Also: Werft Euch ein altes Laken über und packt die Gummi-Würmer aus, jetzt gibt’s Halloween auf die Ohren! Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS Timecodes: 00:00:00 - Vorgeplänkel: Top 3 der gruseligsten Charaktere 00:16:47 - "Das Haus. House of Leaves" von Mark Z. Danielewski (inkl. Auszug) 00:41:44 - "Frankissstein" von Jeanette Winterson 00:53:06 - "Das Gespenst ohne Kopf" von R. L. Stine 01:04:30 - "Das Institut" - Stephen King Buch-Infos: Titel: Das Haus. House of Leaves Autor: Mark Z. Danielewski Übersetzung: Christa Schuenke Verlag: Klett-Cotta (2007) Preis (HC/TB): 30,00 € / 18,99 € Länge: 797 Seiten Genre: Horror, Dokumentation Form: Hardcover ISBN: 978-3608937770 Links: Verlag | LChoice (Affiliate) Titel: Frankissstein Autorin: Jeanette Winterson Übersetzung: Brigitte Walitzek, Michaela Grabinger Verlag: Kein&Aber (2019) Preis (Buch/eBook): 24,00 € / 18,99 € Länge: 400 Seiten Genre: Horror, Dystopie, Sci-Fi Form: Hardcover ISBN: 978-3036958101 Links: Verlag | LChoice (Affiliate) Titel: Das Gespenst ohne Kopf Autor: R. L. Stine Übersetzung: Katarina Ganslandt Verlag: cbj (2001) Preis (Buch): 5,00 € Länge: 128 Seiten Genre: Horror, Kinderbuch Form: Taschenbuch ISBN: 978-3570209301 Links: Verlag | LChoice (Affiliate) Titel: Das Institut Autor: Stephen King Übersetzung: Bernhard Kleinschmidt Verlag: Heyne (2019) Preis (Buch/eBook): 26,00 € / 19,99 € Länge: 768 Seiten Genre: Horror, Entführung Form: Hardcover ISBN: 978-3453272378 Links: Verlag | LChoice (Affiliate) Der Beitrag Halloween Special 2019 erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 23.10.201963 min
Der Kafka Franzel hat ja bekanntlich sehr zur Recht gefordert, dass ein Buch die Axt für das gefrorene Meer in uns sein muss, doch Eure drei Podcast-Abenteurer Robin, Mara und Meike packen in dieser Folge erst Mal die Machete aus, um Euch den Weg durch das Bücher-Dickicht zu bahnen – denn wie zum Teufel findet man überhaupt Bücher, die den Kafka’schen Ansprüchen genügen? Genau darum geht’s im Vorgeplänkel: Lese-Listen und –Challenges, wie man sie findet, bewertet, verwaltet und sich durchgräbt, allein oder mit der ganzen Gang. Denn das Leben ist doch viel zu kurz, um einsam, verwirrt und ohne Ziel durch den Bücher-Wald zu irren! Dann geht’s auch schon los mit dem ersten Buch, das Mara auf Herz und Nieren geprüft hat: „Gelöscht“, der erste Teil einer dystopischen Trilogie von Teri Terry. Darin werden die Erinnerungen von Kriminellen ausgelöscht, um sie anschließend ganz von vorne beginnen zu lassen – ihr Wohlverhalten wird dann durch ein Armband kontrolliert, und wer sich nach Einschätzung der Oberen weiter danebenbenimmt, muss sterben. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Kyla, die, trotz Löschung, von diffusen Erinnerungsfetzen gequält wird: Hat sie wirklich unschuldige Kinder bei einem Bombenanschlag getötet oder nutzt die Überwachungsdiktatur, die Menschen ihre Erinnerungen und ihre Identität raubt, ihre Methoden nicht nur bei Kriminellen, sondern auch bei Dissidenten? Ein bisschen „1984“, ein bisschen „A Clockwork Orange“, ein bisschen „H(A)PPY“: Terry stellt Fragen nach Identität, Kontrolle und der Freiheit, selbst zu entscheiden, wer man sein will. Die Podcast-Gang ist fasziniert. Als nächstes widmen sich die wackeren Diskutanten „Kintsugi“ von Miku Sophie Kühmel, einem Debüt-Roman, der gerade den Aspekte Literaturpreis gewonnen hat und auch auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand. Kintsugi ist eine traditionelle japanische Reparaturmethode für Keramik und Porzellan, wobei die Brüche mit Urushi-Lack, gemischt mit Gold oder anderen Metallen, gekittet wird – die Brüche werden also nicht versteckt, sondern als Besonderheit hervorgehoben, das Unvollkommene wird als schön gefeiert. Dieses Prinzip wendet Kühmel auf menschliche Beziehungen an, denn auch die sind nicht unbedingt am wertvollsten, wenn sie neu und ohne wechselhafte Geschichte sind. Im Mittelpunkt des Romans stehen Max und Reik, die in der Uckermark ihr 20-jähriges Beziehungsjubiläum feiern und dort von ihrem alten Freund Tonio und dessen Tochter Pega besucht werden. Ein psychologisches Kammerspiel über Liebesbeziehungen, Freundschaften und familiäre Verbindungen – wie kann ein Buch so leise und gleichzeitig so aufregend sein? Und nach all dem Bücher-Glück berichtet Robin noch von einem Roman, den aus seiner Sicht auch der edelst Urushi-Lack nicht kitten kann: „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink. Darin hat der 15-jährige Protagonist Michael ein Verhältnis mit einer deutlich älteren Frau. Jahre nach dem Ende der Beziehung ist Michael als Jurist bei den Auschwitz-Prozessen dabei, und seine frühere Geliebte stellt sich als ehemalige KZ-Wärterin heraus. Euer geneigter Rezensent fühlte sich von der schwülstigen Sprache an den Rand des Wahnsinns geschwurbelt, und die romantische Darstellung von Kindesmissbrauch durch eine Frau ist eindeutig auch nicht als gute erzählerische Idee zu verbuchen. Der Umgang mit den Tätern des Holocaust in der Bundesrepublik der 60er Jahre ist eindeutig ein wichtiges Thema, aber wie ist ausgerechnet dieses Buch auf die Lehrpläne der Schulen geraten? Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS Timecodes: 00:00:00 - Vorgeplänkel: Leselisten / -challenges 00:14:13 - "Gelöscht" von Terri Terry 00:26:29 - "Kintsugi" von Miku Sophie Kühmel 00:38:17 - "Der Vorleser" von Bernhard Schlink Buch-Infos: Titel: Gelöscht Autorin: Terri Terry Übersetzung: Marion Hertle Verlag: FISCHER (2015) Preis (Buch/eBook): 8,99 € / € Länge: 432 Seiten Genre: Jugend, Dystopie Form: Taschenbuch ISBN: 978-3733500382 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) Titel: Kintsugi Autorin: Miku Sophie Kühmel Verlag: FISCHER (2019) Preis (Buch/eBook): 21,00 € / 18,99 € Länge: 304 Seiten Genre: Beziehungen, Gegenwartsliteratur Form: Hardcover ISBN: 978-3103974591 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) Titel: Der Vorleser Autor: Bernhard Schlink Verlag: Diogenes (1995) Preis (Buch/eBook): 24,00 € / 7,99 € Länge: 224 Seiten Genre: Gegenwartsliteratur, Klassiker Form: Hardcover ISBN: 978-3257070668 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) (Rezensionsexemplar) Der Beitrag Folge 77: Broken Memories erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 16.10.201958 min
In der neuen Episode eures Podcast des Vertrauens haben sich Tim, Meike und Robin mal wieder zu einem gemütlichen Büchertalk zusammengefunden. Doch bevor es ans „Eingemachte“ geht besprechen die Drei den kurz vor der Aufnahme verliehenen Literatur Nobelpreis und den kontroversen Gewinner des diesjährigen Preises: Peter Handke. Es entbrennt eine Hitzige Diskussion über die Verantwortung eines solchen Preises und der Fragen, in wie weit sich das Werk vom Autor trennen lässt. An dieser Stelle möchte das ganze Team noch die Gelegenheit nutzen und Saša Stanišić herzlich zum Gewinn des diesjährigen deutschen Buchpreises gratulieren und jeden aufmerksamen Hörer auf seine tolle und aufschlussreiche Rede hinweisen (Link). Den Anfang dieser fulminanten Episode macht Tim mit einem Podcast-Favoriten und zwar: Haruki Murakami. Mit „Wilde Schafsjagd“ beendet Murakami seine lose „Trilogie der RATTE“, in dem der namenlose Protagonist von einem ominösen Gangster-Boss beauftragt wird ein bestimmtes Schaf zu finden, von dem er lediglich ein Foto besitzt. So muss unser Held mit vagen Hinweisen und murakami-typischen, illusionistischen Situationen fertig werden. Dabei entspinnt sich eine ruhige und zugleich ergreifende Erzählung, die Tim uneingeschränkt empfehlen kann. Weiter geht’s mit Meikes actionreichem Werk, denn sie hat sich keinen Geringeren als Cormac McCarthy und seinen Roman „Kein Land für alte Männer“ vergeknöpft. Den meisten von euch wohl gut bekannt durch den Gebrüder-Coen-Film „No Country for old man“ findet sich der Protagonist und Vietnamveteran Llewelyn Moss eines Abends durch Zufall am Schauplatz eines schief gelaufenen Drogendeals wieder – samt haufenweise Kugeln, toten Gangstern und einem Koffer voll Geld. Den letzten Überlebenden übersehend nimmt sich Llewelyn kurzerhand das Geld und flüchtet vom Tatort. Als er ein paar Stunden später auf Grundlage schlechten Gewissens zurückkehrt, um den Ganoven zu helfen wartet bereits eine ganze Clan-Armee auf ihn – und das Geld. Ein fulminantes, rasantes und gewalttätiges Katz- und Mausspiel, das die Grausamkeit der Menschen in blutbespränkelter Manier zu beleuchten weiß. Meike war von diesem Western/Anti-Western schwer beeindruckt und empfiehlt nicht nur dieses, sondern auch direkt alle Werke von McCarthy. Wenn das mal nichts ist! Robin stellt ein Werk unseres absoluten Podcastlieblings Heinz Strunk vor. In „Nach Notat zu Bett“ vereint sich eine für das „TITANIC“-Magazin verfasste Kolumne öffentlicher Tagebücher, die in 365 einzigartigen Fragmenten das fingierte Leben eines gepeinigten Autors darstellt. Mit dabei: das Hadern mit dem eigenen Talent und des Verkommens von Kreativität zu plumper Arbeit; seltsame und zugleich Liebenswerte Zeitgenossen mit denen sich der Heinz so rumtreibt, sowie eine ordentliche Portion Alkohol. Wie bereits bei anderen Werken spielt Strunk gekonnt mit den Erwartungen des Lesers, betrachtet die Welt durch seine ganz eigene Sicht und zieht damit alle in seinen Bann. Robins Fazit: Heinzer-Profis greifen zu, Strunk-Amateure lesen lieber erst Probe. Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS Timecodes: 00:00:00 - Vorgeplänkel: Literatur Nobelpreis 2019 00:15:20 - "Wilde Schafsjagd" von Haruki Murakami 00:29:32 - "Kein Land für alte Männer" von Cormac McCarthy 00:41:53 - "Nach Notat zu Bett" von Heinz Strunk Buch-Infos: Titel: Wilde Schafsjagd Autor: Haruki Murakami Übersetzung: Annelie Ortmanns Verlag: Dumont (2017) Preis (Buch/eBook): 24,00 € / 8,99 € Länge: 300 Seiten Genre: Gegenwartsliteratur, Erzählung Form: Hardcover ISBN: 978-3832178994 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) Titel: Kein Land für alte Männer Autor: Cormac McCarthy Übersetzung: Nikolaus Stingl Verlag: Rowohlt (2009) Preis (Buch/eBook): 12,00 € / 9,99 € Länge: 288 Seiten Genre: Western, Gewalt, Klassiker Form: Taschenbuch ISBN: 978-3499242885 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) Titel: Nach Notat zu Bett Autor: Heinz Strunk Verlag: Rowohlt (2019) Preis (Buch/eBook): 20,00 € / 14,99 € Länge: 256 Seiten Genre: Tagebuch, Satire Form: Hardcover ISBN: 978-3498001247 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) Der Beitrag Folge 76: Stockholm Syndrom erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 11.10.201936 min
Passend zur vorletzten Folge hat Robin am Dienstag ein Interview mit der zweifach nominierten Erfolgsautorin Angela Lehner geführt. Die beiden unterhalten sich dabei natürlich hauptsächlich über ihren Debütroman „Vater unser“, der im Februar bei Hanser erschienen ist und nicht nur das Feuilleton schwer beeindrucken konnte, sondern auch direkt auf einem der vordersten Plätze unserer Jahreshighlights gelandet ist. Dabei erfahrt ihr wieso der Roman gerade in einer Psychiatrie spielt und ob sich darin vielleicht sogar autobiographische Elemente versteckt halten. Außerdem erfahrt ihr wie und warum Angela die gefürchtetste und zugleich coolste Autorin des Hanser Verlags geworden ist – wenn das mal nichts ist! Viel Spaß mit dem Interview und vielen Dank nochmal an Angela Lehner für das wundervolle Gespräch. Der Beitrag Interview: Angela Lehner erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 09.10.201972 min
Robin, Tim und Meike haben sich mal wieder zusammengesetzt, um über drei neue Bücher zu sprechen! Ein letztes Mal geht es dabei um Kandidaten für den diesjährigen deutschen Buchpreis. Da der Literaturnobelpreis in diesem Jahr zwei Mal verliehen wird, dreht sich das Vorgeplänkel um die Tipps der findigen Vorstadtrezensent*innen, die jeweils zwei abgeben durften. Neben einigen bekannten Leuten werden auch Namen genannt, die vielleicht nicht jeder auf dem Schirm hat. Und wenn es am Ende wirklich eine*r unserer Kandidat*innen werden sollte, wisst ihr natürlich, wo ihr es zuerst gehört habt. Den Anfang macht Tim mit „Das flüssige Land“ von Raphaela Edelbauer, welches sogar auf der Shortlist des Buchpreises steht. Die Protagonistin ist eine theoretische Physikerin, deren Eltern zu Beginn durch einen Autounfall sterben. Sie versucht, deren Heimatort Groß-Einland ausfindig zu machen, um sie dort zu begraben, was sich allerdings als schwierig herausstellt. Sie schafft es trotz dessen in die Stadt, in der viele Dinge anders laufen. Das Buch verbindet eine kafkaeske Narrative mit einer von Symbolen und Metaphern durchströmte Handlung, die das Buch zu einem von Tims bisherigen Highlights des Jahres werden lässt. Meike macht weiter mit einem der wohl ungewöhnlichsten Bücher auf der Shortlist, „Nicht wie ihr“ von Tonio Schachinger. In seinem Debütroman dreht sich das Geschehen um einen Fußballer, der klischeebehafteter nicht sein könnte: er ist stinkreich, hat ein gigantisches Haus und Autos. Als jedoch seine Jugendliebe erneut in sein Leben tritt, ändern sich viele Sachen. Allem voran der Erzählstil mit seinen absurden Metaphern und seltsamen Einblicken in die Gedankenwelt des Protagonisten machen das Buch zu etwas besonderem, selbst wenn man mit der Fußballthematik ansonsten wenig am Hut hat. Zum Schluss stellt Robin ein Buch vor, dass es nicht auf die Shortlist geschafft hat, dafür aber nicht weniger lesenswert ist: „Mobbing Dick“ von Tom Zürcher. Es geht um Dick, der bei seinen Eltern lebt und stets unter dem Druck von hohen Erwartungen steht; vor allem auch durch sein Jurastudium. Um dem zu entkommen, fängt er bei der Schweizer Bankanstalt an – was jedoch (surprise, surprise) wenig ändert. Aus Verzweiflung entwickelt er ein Alter Ego, den titelgebenden Mobbing Dick, um sich an seinen Peinigern zu rächen. Das Buch ist ungewöhnlich und hat einen bitterbösen Humor, der sich langsam zu einer Abwärtsspirale der menschlichen Psyche entwickelt. Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS Timecodes: 00:00:00 - Vorgeplänkel: unsere Kandidaten für den Literatur-Nobelpreis 2019 00:21:24 - "Das flüssige Land" von Raphaela Edelbauer 00:42:00 - "Nicht wie ihr" von Tonio Schachinger 00:51:14 - "Mobbing Dick" von Tom Zürcher Buch-Infos: Titel: Das flüssige Land Autorin: Raphaela Edelbauer Verlag: Klett-Cotta (2019) Preis (Buch/eBook): 22,00 € / 17,99 € Länge: 350 Seiten Genre: Gegenwartsliteratur, Gesellschaft Form: Hardcover ISBN: 978-3608964363 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) (Rezensionsexemplar) Titel: Nicht wie ihr Autor: Tonio Schachinger Verlag: Kremayr & Scheriau (2019) Preis (Buch/eBook): 22,90 € / 14,99 € Länge: 304 Seiten Genre: Fußball, Entwicklungsroman Form: Hardcover ISBN: 978-3218011532 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) Titel: Mobbing Dick Autor: Tom Zürcher Verlag: Salis Verlag (2019) Preis (Buch/eBook): 24,00 € / 14,99 € Länge: 288 Seiten Genre: Satire, Gesellschaft Form: Hardcover ISBN: 978-3906195834 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) (Rezensionsexemplar) Der Beitrag Folge 75: Kafkanismus erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 02.10.201956 min
Robin ist aus seinem Urlaub in Dänemark zurück und hat sich mit Tim und Meike mal wieder zusammengesetzt, um über drei aktuelle Bücher zu sprechen. Im Vorgeplänkel geht es um den alten Streit der “Pop”- und der “Hohen”-Literatur. Dabei diskutieren die drei, ob die Leser*innen einfache Bücher bevorzugen und Preise nur noch eben solche würdigen oder ob es sich vielleicht doch die Waage hält. Sie nehmen Bestsellerlisten als Ausgangspunkt, gehen auf Vorwürfe ein, die dem Buchpreis gemacht werden und sprechen darüber, ob eine Einteilung in diese Kategorien überhaupt noch zeitgemäß ist. Den Anfang der Folge macht Robin mit dem Debütroman “Vater unser” von Angela Lehner, das auf der Longlist des diesjährigen Buchpreises stand. Das Buch spielt in einer psychiatrischen Klinik und die Protagonistin ist Insassin eben jener. Sie behauptet, eine Schulklasse getötet zu haben, was jedoch nicht der Wahrheit entspricht und gibt Pflegern wie Psychologen Rätsel auf. Dabei wird das ganze Geschehen aus ihrer Sicht geschildert und trifft mit zynischen, ironischen und bitter lustigen Kommentaren und Gedanken perfekt sitzende Pointen. Lange ist es her, dass Robin bei einem Buch so laut lachen musste. Große Empfehlung! Meike macht weiter mit “Brüder” von Jackie Thomae, das es auf die Shortlist des Buchpreises geschafft hat. Es geht um zwei Brüder, die getrennt voneinander aufwachsen und sich in unterschiedlichen sozialen Verhältnissen wiederfinden. Dabei wird zuerst die Geschichte des einen Bruders erzählt, bevor es in der Mitte des Buches zu einem Bruch kommt und die des anderen erzählt wird. Dabei hat Meike vor allem die Geschichte des zweiten Bruders zugesagt und fand, dass die spannende erzählerische Ausgangslage gut genutzt und aufgelöst wurde. Tim stellt das zweite Buch von Svenja Gräfen vor, “Freiraum”. Darin geht es um Vela und Maren, die in einer glücklichen Beziehung miteinander leben, in der Großstadt jedoch zunehmend unzufriedener werden. Marens Schwester wohnt bereits seit einigen Jahren mit ihrem Freund und Kind in einem Hausprojekt auf dem Land, das von einem ihrer Freunde initiiert wurde. Eines der Zimmer ist frei geworden, und die beiden nehmen die Chance wahr und ziehen ein. Es entspinnt sich ein interessantes Geflecht an zwischenmenschlichen Beziehungen, mit präzisen Beobachtungen und einem spannenden Handlungsverlauf, der ihrem Debüt in nichts nachsteht. Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS Timecodes: 00:00:00 - Vorgeplänkel: zu viel 'leichte' Literatur? 00:16:25 - "Vater unser" von Angela Lehner 00:29:04 - "Brüder" von Jackie Thomae 00:39:03 - "Freiraum" von Svenja Gräfen Buch-Infos: Titel: Vater unser Autorin: Angela Lehner Verlag: Hanser Berlin (2019) Preis (Buch/eBook): 22,00 € / 16,99 € Länge: 284 Seiten Genre: Tragikomödie, Familie Form: Hardcover ISBN: 978-3446262591 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) (Rezensionsexemplar) Titel: Brüder Autorin: Jackie Thomae Verlag: Hanser Berlin (2019) Preis (Buch/eBook): 23,00 € / 16,99 € Länge: 416 Seiten Genre: Coming-of-Age, Familie Form: Hardcover ISBN: 978-3446264151 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) Titel: Freiraum Autorin: Svenja Gräfen Verlag: Ullstein fünf (2019) Preis (Buch/eBook): 20,00 € / 16,99 € Länge: 304 Seiten Genre: Beziehungen, Drama Form: Hardcover ISBN: 978-3961010370 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) (Rezensionsexemplar) Der Beitrag Folge 74: Family Business erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 27.09.201955 min
Robin genießt seinen Urlaub in Dänemark und Tim, Meike und Mara bestreiten zum ersten Mal eine Folge in der Konstellation. Und es lief überraschend gut! Das Vorgeplänkel dreht sich wieder um den Buchpreis, da vor kurzem die Shortlist mit den fünf Werken veröffentlicht wurde, von denen eins den begehrten Preis gewinnen wird. Sie diskutieren über Liste, besprechen, ob die Aufregung darum wirklich so nötig war und reden darüber hinaus auch über Preise als solche. Meike macht den Anfang mit “Nachts ist unser Blut schwarz” von David Diop. Darin geht es um einen dunkelhäutigen Soldaten im ersten Weltkrieg, der für Frankreich gegen Deutschland kämpft. Das Buch macht klar, wie er behandelt wurden, wie er zur Inszenierung genutzt wurden und was den Protagonisten durchdrehen lässt. Das Buch hat eine an die Nieren gehende Beschreibung von Gewalt und Brutalität, die durch die Sprache einmalig unterstrichen wird. Eine unbedingte Leseempfehlung! Tim macht weiter mit dem Debütroman “Miroloi” von Karen Köhler, der auch auf der Longlist des Buchpreises stand. Das Buch handelt von einer jungen Frau, die auf einer abgeschotteten Insel in einem kleinen Dorf lebt. Sie wird von den Bewohnern geächtet und verflucht, Männern wie Frauen. Dabei zeigt sich, wie die Gesellschaft strukturiert ist, wie sie sich darin fühlt und mit ihrer ersten Liebe beginnt, hinter die Kulissen zu blicken. Der Roman wurde kontrovers aufgenommen, Tim fand ihn – mit einigen Abstrichen – allerdings mehr als gelungen und würde ihn als Jugendroman definitiv weiterempfehlen. Mara macht den Abschluss mit “Achtsam morden” von Karsten Dusse. Protagonist ist ein Anwalt, der auf Anraten seiner Frau ein Achtsamkeitsseminar besucht. Darin lernt er einiges nützliches, vor allem, wie er mit seinem einzigen Klienten umzugehen hat. Dieser ist nämlich der Boss einer Gang und braucht den Anwalt, um ihn und seine Mitglieder auf heiklen Situationen rauszuholen. Der Anwalt entscheidet sich, ihn umzubringen und mach dies auch – und zwar achtsam. Aber natürlich gefällt das den Gangstern ganz und gar nicht. Es entspinnt sich ein lustiges und spannendes Buch, das Mara nur sehr empfehlen kann! Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS Timecodes: 00:00:00 - Vorgeplänkel: Shortlist deutscher Buchpreis 2019 00:14:49 - "Nachts ist unser Blut schwarz" von David Diop 00:25:43 - "Miroloi" von Karen Köhler 00:43:48 - "Achtsam morden" von Karsten Dusse Buch-Infos: Titel: Nachts ist unser Blut schwarz Autor: David Diop Übersetzung: Andreas Jandl Verlag: Aufbau Verlag (2019) Preis (Buch/eBook): 18,00 € / 13,99 € Länge: 160 Seiten Genre: Krieg, Diskriminierung Form: Hardcover ISBN: 978-3351037918 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) Titel: Miroloi Autor: Karen Köhler Verlag: Hanser (2019) Preis (Buch/eBook): 24,00 € / 17,99 € Länge: 464 Seiten Genre: Dystopie, Buchpreis 2019 Form: Hardcover ISBN: 978-3446261716 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) Titel: Achtsam morden Autor: Karsten Dusse Verlag: Heyne (2019) Preis (Buch/eBook): 9,99 € / 4,99 € Länge: 416 Seiten Genre: Thriller, Satire Form: Taschenbuch ISBN: 978-3453439689 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) Der Beitrag Folge 73: Three’s a Crowd erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 18.09.201964 min
Meike hat sich zu Robin und Tim gesellt, damit sie diese Folge mal wieder zu dritt bestreiten können! Im Vorgeplänkel geht es, anlässlich der großen Releaseparty von „Die Zeuginnen“, um die Kommerzialisierung von Büchern. Sie diskutieren, ob Vorwürfe von Leuten á la „es geht ja nur ums Geld!!1!“ gerechtfertigt sind oder ob es der Buchbranche sogar gut tut, eine so große Veranstaltung zu feiern. Schließlich passiert so etwas nicht jeden Tag. Robin macht den Anfang mit dem oben bereits erwähnten neuen Buch von Margret Atwood, „Die Zeuginnen“, der Fortsetzung eines ihrer berühmtesten Romane, „Der Report der Magd“. Darin geht es um die Geschichte von drei verschiedenen Frauen, die unterschiedliche Perspektiven auf den Staat Gilead werfen. Zum einen gibt es eine der Tanten, die mitgeholfen hat, die Rituale und Gesetze des Staates kurz nach der Gründung zu etablieren und ihre Beweggründe dahinter. Zum anderen wird aber auch durch einen Teenager aus Kanada ein spannender Blick von außen auf Gilead geworfen, der die Wahrnehmung des totalitären Regimes zugrunde geht. Atwood hat eine spannende Fortsetzung geschrieben, die zwar viel erklärt und dadurch entmystifiziert, allerdings nicht auf die gute alte Star-Wars-Methode, sondern auf eine interessante Art und Weise. Unbedingte Empfehlung für alle, die den Vorgänger bereits gelesen haben. Tim macht weiter mit dem Debütroman von Svenja Gräfen, “Das Rauschen in unseren Köpfen”. Darin geht es um Lene, eine Studentin in Berlin, und ihren Freund Hendrick. Die beiden haben sich zufällig kennengelernt, haben eine große Anziehung zueinander gespürt und lieben sich. Darüber hinaus geht es um die Beziehungen zu ihrem Bruder und ihrer besten Freundin, die ebenfalls einen wichtigen Teil in ihrem Leben spielen. Dabei schafft es Gräfen, einen hoch realistischen, nicht kitschigen und tragischen Beziehungsroman zu schreiben, der in der Form fast einmalig ist. Eine unbedingte Empfehlung! Meike stellt wieder ein Buch von der Longlist des aktuellen deutschen Buchpreises vor: “Schutzzone” von Nora Bossong. Darin geht es um eine Abgeordnete der Vereinten Nationen, die von Krisengebieten berichtet, mit Vertretern verfeindeter Staaten vermittelt und ihr Leben dazwischen. Dabei schafft es Bossong, detailliert hoch komplexe Sachverhalte zu schildern und macht durch eine Überflutung von Fakten und Faktoren, die man gegeneinander abwägen muss, deutlich, was für ein Job der einer Diplomatin ist. Es wird vermutlich viel anecken, steht aber völlig zurecht auf der Long-List! Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS Timecodes: 00:00:00 - Vorgeplänkel: Kommerzialisierung der Literatur 00:18:31 - "Die Zeuginnen" von Margaret Atwood 00:35:20 - "Das Rauschen in unseren Köpfen" von Svenja Gräfen 00:48:17 - "Schutzzone" von Nora Bossong Buch-Infos: Titel: Die Zeuginnen Autor: Margaret Atwood Übersetzung: Monika Baark Verlag: Berlin Verlag (2019) Preis (Buch/eBook): 25,00 € / 22,99 € Länge: 576 Seiten Genre: Thriller, Dystopie Form: Hardcover ISBN: 978-3827014047 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) Titel: Das Rauschen in unseren Köpfen Autor: Svenja Gräfen Verlag: Ullstein (2017) Preis (Buch/eBook): 16,00 € / 9,99 € Länge: 240 Seiten Genre: Beziehungen, Entwicklungsroman Form: Hardcover ISBN: 978-3961010042 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) Titel: Schutzzone Autor: Nora Bossong Verlag: Suhrkamp (2019) Preis (Buch/eBook): 24,00 € / 21,99 € Länge: 332 Seiten Genre: Politik, Gesellschaft Form: Hardcover ISBN: 978-3518428825 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) Der Beitrag Folge 72: Around the World erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 11.09.201969 min
Nach längerer Zeit gibt es mal wieder eine Folge, die Robin und Tim zu zweit bestreiten. Es gibt außerdem schlechte Neuigkeiten, denn aus zeitlichen Gründen schafft es Kayleigh nicht mehr, festes Mitglied des Podcast zu sein. Das Team wünscht ihr alles Gute für ihre neuen beruflichen Wege und hofft, sie vielleicht trotzdem hin und wieder begrüßen zu dürfen. Im Vorgeplänkel geht es um die baldige Änderung bei der Besteuerung von eBooks. Diese werden bis jetzt (irrsinniger Weise) mit 19% besteuert, während analoge Bücher unter die 7% fallen. Die beiden sprechen über die Möglichkeiten, die sich dadurch eröffnen, wie sinnvoll es ist, dass Hörbücher digital auch mit 19% besteuert werden und was für Vor- und Nachteile das Ganze bietet. Robin stellt mit “Ich bin ein Schicksal” von Rachel Kushner das erste Buch der Folge vor. Die Protagonistin des Romans sitzt mit einer zweimal lebenslänglichen Haftstrafe im Gefängnis. Mit viel Sorgfalt, einem Blick für Details und interessanten gesellschaftlichen Beobachtungen schafft es die Autorin, einen spannenden und kritischen Blick auf die USA zu werfen. Dabei sind alle Figuren nicht einfach gut oder böse, sondern in einer wohl ausschraffierten Mitte, die einen jedes Schicksal empathisch nachfühlen lässt. Eine unbedingte Empfehlung! Tim stellt mit “Der Junge hat doch nichts davongetragen?” den Nachfolger des von ihm und der Presse hoch gelobten Debüts “Oma Martha & Ich” von Marco Göllner vor. Das Buch geht in eine ähnliche Richtung wie sein Vorgänger, indem es hauptsächliche lustige und extrem gut geschriebene Kurzgeschichten aus seiner Kindheit schildert, macht jedoch auch einiges anders. So wird der erweiterte Familienkreis geöffnet und es geht nicht in jeder Geschichte um Oma Martha. Außerdem schlägt das Buch neben den absurden Geschichten auch wirkungsvoll ernste und sehr persönliche Töne an, die das Ganze Emotional breiter aufstellen, als Tim es erwartet hat. Auch hier eine unbedingte Empfehlung! Das letzte Buch der Folge stellt Robin vor, der sich mit “20.000 Meilen unter den Meeren” von Jules Vernes einen echten Klassiker vorgenommen hat. Irgendetwas, wahrscheinlich ein Monster, lässt viele Schiffe der Walfänger Leck laufen. Was der Naturforscher und seine wackeren Begleiter finden übersteigt jedoch ihre Vorstellungskraft. Das Buch ist, gelinde gesagt, nicht so gut gealtert. Die Beschreibungen sind viel zu ausschweifend, die technischen Details zu genau und die Handlung zu konventionell und wenig spannend, als dass es heute noch funktionieren könnte. Zwar war der Gedanke eines U-Boots bahnbrechend, die Handlung drumherum kann jedoch nicht überzeugen. Das war’s für diese Folge, bis zum nächsten Mal – lest was Gutes! Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS Timecodes: 00:00:00 - Vorgeplänkel: eBook-Steuer 00:21:18 - "Ich bin ein Schicksal" von Rachel Kuschner 00:42:05 - "Der Junge hat doch nichts davongetragen?" von Marco Göllner 00:53:42 - "20.000 Meilen unter den Meeren" von Jules Verne Buch-Infos: Titel: Ich bin ein Schicksal Autor: Rachel Kushner Übersetzung: Bettina Abarbanell Verlag: Rowohlt (2019) Preis (Buch/eBook): 24,00 € / 19,00 € Länge: 400 Seiten Genre: Frauengefängnis, Haftstrafe Form: Hardcover ISBN: 978-3498035808 Links: Verlag | LChoice (Affiliate) Titel: Der Junge hat doch nichts davongetragen? Autor: Marco Göllner Verlag: Rowohlt (2019) Preis (Buch/eBook): 12,00 € / 9,99 € Länge: 192 Seiten Genre: Familie, Humor Form: Taschenbuch ISBN: 978-3499000263 Links: Verlag | LChoice (Affiliate) Titel: 20.000 Meilen unter den Meeren Autor: Jules Verne Übersetzung: unbekannt Verlag: Anaconda (2013) Preis (Buch/eBook): 6,95 € / ab 0,99 € Länge: 644 Seiten Genre: Abenteuer, Klassiker Form: Hardcover ISBN: 978-3866479340 Links: Verlag | LChoice (Affiliate) Der Beitrag Folge 71: Abenteuerzeit erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 04.09.201961 min
Robin, Tim und Meike haben sich mal wieder zusammengesetzt, um über drei neue Bücher zu sprechen. Nachdem die letzte Folge durch ein Interview ersetzt wurde und die drei davor ein zusammenhängendes Thema hatten, geht es nun wieder ganz klassisch zu. Doch zuvor gibt es große Neuigkeiten, denn die Longlist für den diesjährigen deutschen Buchpreis ist bekanntgegeben worden. Dabei sind 20 Werke, die einen spannenden Querschnitt durch die aktuelle Literatur geben und breiter aufgestellt kaum sein könnten. Meike war fleißig und hat bereits einige der Nominierten gelesen und auch Robin konnte bereits einen Blick in das ein oder andere Buch werfen. Sie diskutieren die Auswahl, besprechen, was fehlt und die Vor- und Nachteile dieses Preises. Den Anfang der Folge macht Robin mit “Dort dort” von Tommy Orange. Das Buch bietet einen Einblick in das Leben und die Kultur der Cheyenne, einem Stamm von amerikanischen Ureinwohnern in Oakland. Dabei verarbeitet Orange verschiedene unverarbeitete Traumata der Bevölkerung, klärt beispielsweise über Traditionen wie Tänze auf und lässt seine Figuren in einem schicksalhaften Tag zusammenfinden, der in einem unvergleichlichen Finale endet. Für Meike war es DAS Buch des letzten Jahres, und auch Robin ist vollauf begeistert. Eine absolute Empfehlung! Meike stellt eines der nominierten Werke und einen heißen Anwärter für den Buchpreis vor: “HERKUNFT” von Saša Stanišić. Das Buch ist eine in Fragmenten erzählte, autobiografische Aufarbeitung Stanišićs, der als Flüchtling während der Jugoslawienkriege nach Deutschland kam. Er musste einen handschriftlichen Lebenslauf abgeben und fragt sich, was das wirklich über ihn, als Mensch, aussagt. Er berichtet über seinen Alltag mit seinen Eltern, als sie Geflüchtete waren, sammelt Erinnerungen und Gespräche. Das Ganze wird auf eine einmalige Art und Weise geschildert, die traurig und lustig zugleich ist. Ein extrem lesenswertes Buch. Tim macht den Abschluss mit dem neuen Buch von Paul Bokowski, “Bitte nehmen Sie meine Hand da weg”. Wie in den zwei vorangegangenen Bänden handelt es sich hier um eine Sammlung von Kurzgeschichten, die teils absurd, grotesk, aufrichtig – aber immer lustig sind. Mit einem ausgefeilten Erzählstil bringt er hervorragende Pointen, zeigt alltägliche Absurditäten auf und schafft es dabei stets, dass man sich in die Situationen hineinversetzen kann. Wer mal wieder Lust auf etwas lustiges hat, sollte dringend zugreifen. Das war’s mit dieser Folge, bis zum nächsten Mal – lest was Gutes! Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS Timecodes: 00:00:00 - Vorgeplänkel: Deutscher Buchpreis 2019 00:17:36 - "Dort Dort" von Tommy Orange 00:37:21 - "HERKUNFT" von Saša Stanišić 00:51:49 - "Bitte nehmen Sie meine Hand da weg" von Paul Bokowski Buch-Infos: Titel: Dort Dort Autor: Tommy Orange Übersetzung: Hannes Meyer Verlag: Hanser Berlin (2019) Preis (Buch/eBook): 22,00 € / 16,99 € Länge: 298 Seiten Genre: Indianische Kultur, Diskriminierung Form: Hardcover ISBN: 978-3446264137 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) (Rezensionsexemplar) Titel: HERKUNFT Autor: Saša Stanišić Verlag: Luchterhand (2019) Preis (Buch/eBook): 22,00 € / 17,99 € Länge: 368 Seiten Genre: Integration, Heimat Form: Hardcover ISBN: 978-3630874739 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) (Rezensionsexemplar) Titel: Bitte nehmen Sie meine Hand da weg Autor: Paul Bokowski Verlag: Goldmann (2019) Preis (Buch/eBook): 10,00 € / 9,99 € Länge: 192 Seiten Genre: Humor, Kurzgeschichten Form: Taschenbuch ISBN: 978-3442488957 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) (Rezensionsexemplar) Der Beitrag Folge 70: Award Season erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 28.08.201980 min
Aufgrund diverser Erkrankungen, Schwierigkeiten bei der Terminfindung und allem, was sonst so schiefgehen kann, gibt es heute anstatt einer neuen Folge ein Interview. Tim hat vor kurzem mit Friedemann Karig gesprochen, der in Folge 68 gleich zwei Mal Thema war. 2017 erschien sein Sachbuch “Wie wir lieben: Vom Ende der Monogamie” im Aufbau Verlag und hat ob des Themas und des Inhalts hohe Wellen geschlagen. Im Mai 2019 kam sein erster Roman “Dschungel” bei Ullstein raus, bei dem Tim auch mit auf der Bootstour des Verlags war. Gemeinsam sprechen sie über die Entstehung der beiden Bücher, seinen Weg zum Autorendasein und über Thomas Gottschalk. Tjanun. Das Ganze auf einer Länge von 80 Minuten, sogar länger als eine reguläre Folge! Viel Spaß mit dem Interview, die nächste Folge wird hoffentlich wieder wie gewohnt stattfinden. Bis dahin – lest was Gutes! Der Beitrag Interview: Friedemann Karig erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 21.08.201949 min
Robin und Tim haben mal wieder einen neuen Gast! Meike hat sich netterweise bereit erklärt, mit den beiden diese Folge zu bestreiten und zum ersten Mal in einem Podcast über Bücher zu sprechen. Da sie aber eine der Top-Rezensent*Innen auf Goodreads ist und vermutlich so viel liest wie die beiden zusammen, dürfte das keine große Herausforderung darstellen! Das leitende Thema dieser Folge ist Hollywood, im weitesten Sinne. Ausschlaggebend ist die Veröffentlichung von Quentin Tarantinos neuem Film “Once upon a Time in… Hollywood” – und um eben das dreht sich auch das Vorgeplänkel. Sie besprechen über Tarantino als Autor, welcher Film sich am besten als Roman lesen lassen würde und, am allerwichtigsten, wie sein neuer Film geworden ist. Tim konnte es sich nicht nehmen lassen, ihn einen Tag vor Release in der Vorpremiere zu sehen. Das erste Buch der Folge stellt Meike vor, die sich “Die Toten” von Christian Kracht ausgesucht hat. Der Roman spielt in den 1930er Jahren, am Übergang vom Stumm- zum Tonfilm. Die Nazis entdecken Film als Propagandamedium für sich und wollen sich mit Japan zusammenschließen, um große propagandistische Filme zu produzieren, um Hollywood etwas entgegen zu halten. Dabei setzt Kracht viel auf Filmgeschichte, berühmte Persönlichkeiten und eine Geschichte mit vielen Schichten, die es sich lohnt, zu lesen. Tim hat, passend zum neuen Tarantino, das erfolgreichste True-Crime-Buch aller Zeiten gelesen: “Helter Skelter” von Vincent Bugliosi und Curt Gentry. Das Buch schildert die Morde der Manson-Family an Sharon Tate und ihren Freund*Innen in der Nacht vom 09. August 1969, von den ersten Untersuchungen bis zum Gerichtsprozess. Dabei spielt vor allem Bugliosi eine tragende Rolle, denn der Autor war als Staatanwalt leitender Ermittler in den Fällen um die Manson-Family. Er bietet einen umfangreichen Blick auf den Fall, die Ermittlungen und den Prozess, ohne dabei reißerisch oder polemisch zu sein. In großer Detailarbeit wird auf jede Kleinigkeit eingegangen, die mit dem Fall zu tun hat. Ein sehr lesenswertes, wenn auch sperrig lesen lassendes Buch. Den Abschluss macht Robin mit “Der Metropolist”, dem Debütroman von Seth Fried. Es geht um einen Beamten, der im Ministerium für Infrastruktur arbeitet und pedantischer nicht sein kann. Im Amt sorgt die KI OWEN dafür, dass alles reibungslos abläuft, bis das Ministerium gehackt wird und OWEN beginnt, sich komisch zu verhalten. Parallel dazu wurde die Tochter des Bürgermeisters von Metropolis entführt, und es ist nun an dem überkorrekten Beamten und der KI, die sich durch den Angriff wie ein Spinner verhält, die Tochter zu finden. Das Buch wird beworben mit “Pulp Fiction meets Science-Fiction” und vergleiche zu Tarantino lassen die Erwartungen in die Höhe schnellen. Robin hat das Buch nicht enttäuscht, und mit der Genremischung, dem Humor und der Geschichte überzeugt. Das war’s für diese Folge, bis zum nächsten Mal – lest was Gutes! Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS Timecodes: 00:00:00 - Vorgeplänkel: Tarantino als Autor 00:10:28 - "Die Toten" von Christian Kracht 00:22:17 - "Helter Skelter" von Vincent Bugliosi 00:34:08 - "Der Metropolist" von Seth Fried Buch-Infos: Titel: Die Toten Autor: Christian Kracht Verlag: FISCHER (2019) Preis (Buch/eBook): 12,00 € / 10,99 € Länge: 208 Seiten Genre: Nationalsozialismus, Propaganda Form: Hardcover ISBN: 978-3596522057 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) Titel: Helter Skelter: Die wahre Geschichte des Serienmörders Charles Manson Autor: Vincent Bugliosi Mitwirkung: Curt Gentry Verlag: Riva (2017) Preis (Buch/eBook): 16,99 € Länge: 788 Seiten Genre: Mordserie, Dokumentation Form: Taschenbuch ISBN: 978-3742302496 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) Titel: Der Metropolist Autor: Seth Fried Übersetzung: Astrid Finke Verlag: Heyne (2019) Preis (Buch/eBook): 12,99 € / 9,99 € Länge: 320 Seiten Genre: Science-Fiction, Buddy Movie Form: Taschenbuch ISBN: 978-3453320147 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) (Rezensionsexemplar) Der Beitrag Folge 69: Hollywood-Madness erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 14.08.201970 min
Robin, Tim und Mara haben sich, nachdem es eine ganze Reihe von Specials gab (und noch geben wird), mal wieder zu einer normalen Folge zusammengesetzt, um über drei Bücher zu sprechen. Da sie schon ahnten, dass es mit einigen Büchern in der Folge Potential für längere Diskussionen geben wird, haben sie das Vorgeplänkel geskipped und sich stattdessen länger über die Bücher ausgetauscht. Da Robin krank war hat es sich ergeben, dass er und Mara nur ein Buch gelesen haben, während Tim sich mit allen drei Büchern dieser Folge beschäftigt hat. So ist das erste Buch der Folge auch gleichzeitig der erste Roman: “Dschungel” von Friedemann Karig. In seinem Debüt geht es um einen namenlosen Erzähler, der auf der Suche nach Felix, seinem besten Freund ist. Dieser ist in Kambodscha verschollen, und nachdem die Polizei nichts zu machen scheint, bittet dessen Mutter nun den Erzähler darum, ihm nachzureisen und zu suchen. Die beiden kennen sich seit ihrer Kindheit und in Rückblenden werden Ereignisse aus ihrer Kindheit und Jugend geschildert. Für ein Erstlingswerk schafft Karig einen bereits ausgeschliffenen, wiedererkennbaren Stil an den Tag zu legen, der einen Flow erzeugt, dass man förmlich durch die Seiten fliegt. Die kleineren Längen im Mittelteil sind dank des guten Anfangs und der hervorragenden Auflösung verzeihbar, was es insgesamt zu einem der besten Debütromane des Jahres macht. Beim nächsten Buch handelt es sich um das erste Buch von Friedemann Karig, der mit “Wie wir lieben: Das Ende der Monogamie” ein Sachbuch über Polygamie und Polyamorie geschrieben hat. Dabei beschreibt er zum einen die gesellschaftliche Tragweite, die historische Entwicklung und Stigmata und Vorurteile gegen Menschen in offenen Beziehungen. Zum anderen führt er Interviews mit mehreren Paaren, die in einer polyamoren Beziehung leben, wobei ein möglichst breites Spektrum genommen wurde. Einige Paare haben Kinder, bei einigen funktioniert es gut, bei einigen wiederum nicht. Das Buch zeichnet einen breiten Schnitt, zweifelt das aktuell vorherrschende Beziehungsmodell an und bietet gleichzeitig eine tiefe Betrachtung zwischenmenschlicher Beziehungen, die sich sehen lassen kann. Ein beeindruckendes Erstlingswerk. Den Abschluss und den größten Teil der Folge bildet “Untenrum frei” von Margarete Stokowski. Nachdem bereits ihre Kolumnen- und Essaysammlung “Die letzten Tage des Patriarchats” Thema im Podcast war, befassen sich die drei nun mit ihrem ersten Buch. Darin beschreibt sie, anhand ihrer eigenen Geschichte von der Kindheit bis heute, gesellschaftliche Missstände, Gleichberechtigung, Feminismus und vieles mehr. Mit ihrem brillanten, pointierten Stil gelingt es ihr, sich selbst und sein Handeln zu hinterfragen, ohne dabei mit gebieterisch zu wirken oder den erhobenen Zeigefinger zu zeigen. Ein Buch, dass jeder und jede gelesen haben sollte. Das war’s mit dieser Folge, bis zum nächsten Mal – lest was Gutes! Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS Timecodes: 00:00:00 - "Dschungel" von Friedemann Karig 00:16:06 - "Wie wir lieben: Vom Ende der Monogamie" von Friedemann Karig 00:29:38 - "Untenrum frei" von Margarete Stokowski Buch-Infos: Titel: Dschungel Autor: Friedemann Karig Verlag: Ullstein (2019) Preis (Buch/eBook): 22,00 € / 18,99 € Länge: 384 Seiten Genre: Freundschaft, Reise Form: Hardcover ISBN: 978-3550200137 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) (Rezensionsexemplar) Titel: Wie wir lieben: Vom Ende der Monogamie Autor: Friedemann Karig Verlag: Aufbau (2018) Preis (Buch/eBook): 12,00 € / 8,99 € Länge: 304 Seiten Genre: Beziehungen, Sexualität Form: Taschenbuch ISBN: 978-3746634562 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) (Rezensionsexemplar) Titel: Untenrum frei Autor: Margarete Stokowski Verlag: Rowohlt (2016) Preis (Buch/eBook): 20,00 € / 9,99 € Länge: 256 Seiten Genre: Feminismus, Selbstbestimmung Form: Hardcover ISBN: 978-3498064396 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) (Rezensionsexemplar) Der Beitrag Folge 68: Poesie des ‚F**k you!‘ erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 07.08.201983 min
Dieses Special widmet sich zum ersten Mal in der Papierstau-Podcast-Geschichte nicht einem/einer Autor*in oder einer Reihe, sondern einer ganzen Epoche, und zwar dreht es sich um die Literatur in der DDR. Zumindest wird es mit drei Büchern versucht. Robin und Tim freuen sich sehr, zu diesem Thema Dr. Franziska Thiel begrüßen zu dürfen, die derzeit Dozentin an der Universität Leipzig ist. Anstelle des Vorgeplänkels gibt Franziska einen kleinen Überblick über die Epoche, erzählt von den verschiedenen Strömungen und vom Literaturbetrieb. Außerdem geht es um die ersten Kontakte, welche die drei mit Büchern aus der DDR hatten, wobei sich Franziska durch ihre Eltern bereits seit ihrer Kindheit damit beschäftigt hat, Tim durch die Schule und die Uni dazu gekommen ist, sich mehr damit auseinanderzusetzen und Robin bis zu dieser Folge noch gar keinen bewussten Kontakt damit hatte. Eine spannende Konstellation! Den Anfang macht Robin mit einem der wohl auch international bekanntesten Werke, die aus der DDR hervorgegangen sind – “Jakob der Lügner” von Jurek Becker. Das Buch schildert die Erlebnisse des Jungen Jakob, der in einem nicht näher benannten Ghetto zur Zeit des zweiten Weltkriegs ist. Weil für Juden ab einer bestimmten Zeit Ausgangsverbot herrscht, wird Jakob von einem Polizisten aufgegriffen, der ihm sagt, dass er nicht mehr draußen sein darf und sich deshalb beim Vorsteher melden soll. Weil sich viele Gerüchte um diesen Ort, von dem wohl keine Menschen mehr zurückkehren ranken, hat Jakob fürchterliche Angst davor, geht aber trotzdem hinein. Es stellt sich heraus, dass sich der Polizist einen Spaß erlaubt hat, denn er war gar nicht nach der Ausgangssperre draußen, und er wird laufen gelassen. Auf seinem Weg nach draußen, hört er im Radio, dass die Russen möglicherweise an den Grenzen stehen und dem Krieg ein Ende machen könnten. Er muss diese Information mit den anderen Teilen, sagt ihnen aber, dass er das in einem Radio gehört habe. Die Leute erwarten von da an stets neue Nachrichten von ihm, und da er keins hat, muss er sich welche ausdenken. Beck ist es gelungen, Schrecken, Hoffnung, Humor und Ernst in einem Buch zu vereinen, das vollkommen zurecht als Klassiker gilt. Tim macht mit einem Buch weiter, das in der DDR nicht veröffentlicht werden durfte und daher erst im Jahr 2000 erschien: “Die Stadt der tausend Augen” von Klaus Frühauf. In dem Science-Fiction Roman geht es um Aaron Munch, ein junger Mann, der für das Amt für Stabilität als Observierer arbeitet und Leute abhört. Seine Freundin hat wegen dieses Jobs mit ihm Schluss gemacht und er wacht zu spät auf. Er beeilt sich, und im Fahrstuhl trifft er eine Frau, in die er sich schlagartig verliebt. Sie ist jedoch eine Kategorie unter ihm angesiedelt, was ihn verwundert, da sie sich einen Transporter nehmen kann – ein Privileg, dass eigentlich nur höhergestellten vorbehalten ist. Auf Arbeit angekommen findet er auch schnell heraus, wer sie ist. Allerdings schaltet sich sein Chef ein, der ihn darauf hinweist, dass er sich lieber auf seine Arbeit konzentrieren soll, da sie eine Nummer zu groß für ihn sei. Er beginnt nach und nach, das System zu hinterfragen. Das Buch bietet offensichtliche Parallelen zur Stasi, zur Mauer und Machtmissbrauch und übt starke Kritik am Regime der DDR. Trotz eines mitreißenden Anfangs und einem wirklich gelungenen Ende, gab es im Mittelteil der Handlung einige Längen, die der ansonsten gelungenen Buch nicht zu einer 100%igen Empfehlungen bringen. Franziska macht den Abschluss mit einer der DDR Autorinnen und einer der wahrscheinlich wichtigsten Autorin des 20. Jahrhundert: “Der geteilte Himmel” von Christa Wolf. Die Protagonistin des Romans hat sich versucht, umzubringen, und in Rückblenden wird nach und nach ihre Geschichte aufgeklärt. Das Buch spielt in Halle zu der Zeit, in der gerade angefangen wurde, die Mauer zu bauen. Ihr Geliebter will in den Westen, während sie daran glaubt, mit der DDR einen sozialen Staat aufbauen zu können. Die Geschichte wird packend und poetisch erzählt, und hat nach Erscheinen großen Anklang gefunden und liest sich, vor allem sprachlich, heute noch genau so gut wie damals. Das war’s für diese Folge. Großen Dank an Franziska, die das alles mitgemacht hat! Bis zum nächsten Mal – lest was Gutes! Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS Timecodes: 00:00:00 - Überblick DDR-Literatur 00:19:54 - "Jakob der Lügner" von Jurek Becker 00:37:30 - "Die Stadt der tausend Augen" von Klaus Frühauf 01:04:40 - "Der geteilte Himmel" von Christa Wolf Buch-Infos: Titel: Jakob der Lügner Autor: Jurek Becker Verlag: Suhrkamp (1969) Preis (Buch/eBook): 9,00 € / 8,99 € Länge: 288 Seiten Genre: Nationalsozialismus, Holocaust Form: Taschenbuch ISBN: 978-3518372746 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) Titel: Die Stadt der tausend Augen Autor: Klaus Frühauf Verlag: H & F Verlag (2000) Preis (Buch/eBook): nicht erhältlich Länge: — Genre: Science-Fiction, Dystopie Form: Taschenbuch ISBN: 978-3933625304 Links: Amazon Titel: Der geteilte Himmel Autor: Christa Wolf Verlag: dtv (1973) Preis (Buch): 9,99 € Länge: 240 Seiten Genre: Politik, DDR Form: Taschenbuch ISBN: 978-3423009157 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) Der Beitrag Special: DDR-Literatur erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 31.07.201984 min
Nachdem sie ihn bereits im Interview hatten, widmen sich Robin, Tim und Kay in diesem Special Joey Goebel und seinem satirischen Werk. Im Vorgeplänkel geht es – passend zu “Vincent” – um die Frage, ob die Leute wirklich anspruchsloser werden: im Kino laufen nur noch Fortsetzungen, bei Büchern wird auf Nummer sicher gesetzt und wenn man einmal das Radio anmacht, braucht man die Musik auch nicht weiter zu erwähnen. Oder ist vielleicht doch nicht alles so schlimm? Es kommt zu einer spannenden Diskussion. Das erste Buch, und auch gleichzeitig sein Debütroman, “Freaks” stellt Kayleigh vor. Nachdem es mit der Karriere als Drehbuchautor für Goebel aussichtslos war, hat er beschlossen, sein letztes Drehbuch als Roman umzuschreiben und dabei ist dieses Buch rausgekommen. Es geht um fünf Außenseiter, die sich in einer Bar treffen und unterschiedlicher nicht sein können: eine 80 Jahre alte Dame, die es nochmal wissen will, eine junge Frau im Rollstuhl, ein frühreifes Mädchen, ein Iraker und ein Schwarzer, die alle ihr eigenes Päckchen zu tragen; ihre eigene Hintergrundgeschichte haben. Sie beschließen, eine Band zu gründen, “The Freaks”. Was daraus folgt, ist ein liebevolles, lustiges, unvorhersehbares Spiel dieser Figuren und in seinem präzisen Schreibstil schafft es Goebel, jeden dieser Charaktere liebenswert zu machen. Tim macht mit seinem zweiten, aber in Deutschland als ersten veröffentlichten Roman weiter, “Vincent”. In dem Buch geht es um “New Renaissance”, einer Organisation, die es sich zum Ziel gemacht hat, eine neue Generation von Künstlern zu kreieren, die wieder anspruchsvolle Unterhaltung erschaffen soll. Vincent ist einer dieser Kandidaten. Schon als Kind ist er kreativ, sensibel und talentiert im Schreiben, was ihn zum idealen Schüler machen würde. Aber, ein Künstler kann nur großes schaffen, wenn er großes Leid erfährt. So zieht die Organisation im Hintergrund die Strippen und trägt dafür Sorge, dass sein Leben alles andere als glatt verläuft. Heraus kommt ein zu Beginn satirischer, lustiger, böser Teil, der gegen Ende zunehmend ernster und tragischer wird. Eine unbedingte Leseempfehlung! Robin macht mit Goebels drittem Buch “Heartland” den Abschluss der Folge. Protagonist ist ein White-Trash-Dude, wie er im Buche steht: Blue Gene. Er lebt in einer Wohnwagensiedlung, Vokuhila, Schnurri und patriotische Tattoos zeichnen sein Äußeres. Dabei ist er Teil einer der wohlhabendsten Familien im Bundesstaat, von denen er sich aber abgekapselt hat. Eines Tages möchte sein Bruder allerdings als Kongressabgeordneter kandidieren, und damit er auch die einfachen Leute abholt, bittet er Blue Gene darum, bei seinen Wahlkampfveranstaltungen teilzunehmen. Dabei entspinnt sich ein tiefes Bild der amerikanischen Gesellschaft und macht sich, anders, als man vielleicht vermuten mag, nicht über Leute lustig, sondern will sie verstehen. Auch hier eine unbedingte Empfehlung! In der nächsten Folge erwartet euch etwas Besonderes, was wir zuvor noch nie im Podcast gemacht haben. Ihr dürft also gespannt sein – Und bis dahin, lest was Gutes! Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS Timecodes: 00:00:00 - Vorgeplänkel: stirbt die Kunst langsam aus? 00:24:16 - "Freaks" von Joey Goebel 00:43:19 - "Vincent" von Joey Goebel 00:57:07 - "Heartland" von Joey Goebel Buch-Infos: Titel: Freaks Autor: Joey Goebel Übersetzung: Hans M. Herzog Verlag: Diogenes (2007) Preis (Buch/eBook): 10,00 € / 7,99 € Länge: 208 Seiten Genre: Musik, Außenseiter Form: Taschenbuch ISBN: 978-3257236620 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) (Rezensionsexemplar) Titel: Vincent Autor: Joey Goebel Übersetzung: Hans M. Herzog, Michael Jendis Verlag: Diogenes (2007) Preis (Buch/eBook): 13,00 € / 10,99 € Länge: 448 Seiten Genre: Künstler, Gesellschaftskritik Form: Taschenbuch ISBN: 978-3257236477 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) (Rezensionsexemplar) Titel: Heartland Autor: Joey Goebel Übersetzung: Hans M. Herzog Verlag: Diogenes (2010) Preis (Buch/eBook): 13,00 € / 10,99 € Länge: 720 Seiten Genre: Amerika, Politik, Familie Form: Taschenbuch ISBN: 978-3257240375 Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate) Der Beitrag Special: Joey Goebel erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
- 24.07.201973 min
Premiere! Zum ersten Mal in der langen, 9-folgigen Geschichte des Nachtgeflüsters haben Robin und Tim einen Gast: Mara beehrt die beiden, um mit ihnen über drei Serie zu sprechen, die allesamt auf Netflix starten. Zuerst geht es um die vierteilige Miniserie “When they see Us”, die unter der Feder und Regie von Ava DuVernay entstanden ist. Darin geht es um den Fall der Central-Park-Fives, in dem fünf unschuldige Jungen im Alter zwischen 14-17 Jahren beschuldigt werden, eine Frau vergewaltigt zu haben. Die Serie schafft es dabei mit geschickten Stilmitteln und Bezügen zu aktuellen Themen einen Fall nahe zu bringen, der traurigerweise wenig an Aktualität eingebüßt hat. Eine unbedingte Empfehlung. Als zweites Sprechen sie über die fünfte Staffel von “Black Mirror”, in der Charlie Brooker drei neue Folgen zum Besten gibt. Dabei finden die drei vor Allem die erste Folge am spannendsten, während der Rest der Staffel eher seicht dahinplätschert. Etwas enttäuschend, gerade im Vergleich zu den anderen Staffeln. Zum Schluss geht es um die deutsche Serie “How to sell Drugs online (fast)”, die in den letzten Wochen ziemlich hohe Wellen geschlagen und positive Kritiken bekommen hat. Dem können die drei nur zustimmen und schwärmen von den sechs Folgen. Nächste Woche gibt es ein Special zu Joey Goebel, den wir vor kurzem im Interview hatten. Bis dahin – lest/zockt/schaut was Gutes! Abonnieren: Spotify | iTunes | Android | RSS Timecodes: 00:01:21 - When They See Us 00:27:28 - Black Mirror Staffel 5 00:49:54 - How to Sell Drugs Online (Fast) 01:10:59 - Verabschiedung Der Beitrag Nachtgeflüster #9 erschien zuerst auf Papierstau Podcast.



















