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Das Paradies - Auf der Suche nach dem Guten

13.03.2024 · 23 Min.

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Über diese Folge

Sehnsuchtsort Paradies - Die Religionen beschreiben das Paradies als einen Ort, wo Überfluss und Reichtum herrschen und es keine Gewalt gibt. Das Paradies ist ein Gegenentwurf zum Leben im Hier und Jetzt. (BR 2020)

Autor/in dieser Folge: Barbara Schneider
Regie: Kirsten Böttcher
Es sprachen: Katja Amberger, Christian Baumann, Andreas Neumann
Technik: Michael Krogmann
Redaktion: Bernhard Kastner

Im Interview:

Bernhard Lang, Theologe und Religionswissenschaftler
Daria Pezzoli-Olgiati, Professorin für Religionswissenschaften


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Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:

Zitator

Die Menschen „lebten wie Götter und hatten das Herz ohne Kummer, ohne Plagen und Jammer. Sogar das klägliche Alter nahte nicht, sondern immer an Füßen und Händen sich gleichend, freuten sie sich am üppigen Mahl und kannten kein Unheil. Wie vom Schlaf überwältigt, starben sie; alles Erwünschte war ihnen eigen.“  (Hesiod)

MUSIK kurz hoch

Sprecherin 

Rund 700 Jahre vor Christus skizziert der Dichter Hesiod, der als Bauer in Griechenland gelebt hat, den Mythos einer vollkommenen, glücklichen Zeit. 

In seinem Lehrgedicht „Werke und Tage“ nennt er diese Zeit das ‚Goldene Zeitalter‘ und meint damit eine perfekte Urwelt, die er ganz zu Anfang der Menschheitsgeschichte verortet. Diesen idealen Urzustand gibt es nicht mehr.  

MUSIK 2: James Horner: „Betrayed“ 

Nach und nach hat sich die Welt vom Guten zum Schlechten gewandelt, auf das Goldene Zeitalter folgten weitere Zeitalter, in denen das Leben für die Menschen immer mühsamer wird und nach und nach Gewalt und Krieg in die Welt kommen. Nunmehr, so sieht es Hesiod, lebt der Mensch im ‚eisernen Zeitalter‘, wo Gewalt herrscht, Recht gebrochen wird, die Menschen körperlich schwer arbeiten müssen und der Alltag von Sorgen begleitet ist. Den Menschen bleibt nur die Hoffnung, dass irgendwann das Goldene Zeitalter zurückkehrt.

Sprecher

Der Mythos vom Goldenen Zeitalter, wie ihn Hesiod aufschrieb, findet weite Verbreitung in der Antike. Andere Schriftsteller greifen diese Vorstellung auf. Aber nicht nur in der antiken Mythologie gibt es die Idee einer vollkommenen, glücklichen, ja paradiesischen Zeit, sagt der katholische Theologe und Religionswissenschaftler Bernhard Lang:

1 OT Bernhard Lang

Eigentlich findet man in sehr vielen Kulturen Vorstellungen von einer idealen Urzeit, von einem goldenen Zeitalter auf das dann ein langsamer Abfall folgt, der dann schließlich in der Gegenwart, im eisernen Zeitalter, endet, also in unserer relativ schlechten Zeit. Und man sehnt sich auf eine große Zeitenwende, die die ganze Geschichte wieder an den Anfang, in das Goldene Zeitalter zurückführt. 

Sprecher 

Die Weltliteratur kennt zahlreiche und unterschiedliche Geschichten von einer idealen Urzeit. Von Orten, an denen Frieden und Harmonie zwischen Gott beziehungsweise Göttern und den Menschen herrscht. Die wohl berühmteste Erzählung findet sich am Anfang der Bibel.

MUSIK 3 Marcus H. Rosenmüller: „Amrita und... aus: Sommer in Orange“ + ATMOS Vogelgezwitscher, Löwe, Affe, Gewitter

Sprecherin

‚Garten Eden‘ nennt die Bibel den Ort, den Gott geschaffen hat. Hier kümmert sich Gott um den Menschen. Er pflanzt Bäume an, von deren Früchten sich der Mensch ernährt. Eine Quelle bewässert das Paradies und sorgt dafür, dass in dem Garten alles wächst und gedeiht. Hier lebt der Mensch in einem Urzustand, in dem es keinen Tod gibt.

Atmo Ende

Sprecherin 

Der Religionswissenschaftler Bernhard Lang beschreibt das biblische Paradies als ‚Wildpark‘. Dabei verweist er auf die Herkunft des Wortes „Paradies“ aus dem Persischen. In der griechischen Übersetzung der biblischen Paradieserzählung wird dieses Wort zum ersten Mal gebraucht. ‚Paradies‘, sagt der Theologe, bezeichnet einen umfriedeten Park, einen Wildpark, wie man ihn in der Antike im persischen Raum fand. So verwendet es der griechische Schriftsteller Xenophon, der als Heerführer im Dienst des persischen Königs Kyros stand:

2 OT Bernhard Lang

Paradies als Stichwort ist ein persisches Wort, von dort ins Griechische gekommen. Um das Jahr 400 vor Christus hat Xenophon einen solchen Wildpark kurz beschrieben. Er gehört dem König Kyros … dort gibt es große Bäume und vor allem wilde Tiere, die der Herrscher erlegt. Also eine Vorstellung, die mit dem Königtum zu tun hat und die besagt, der König bändigt die Natur. Dieser Wildpark ist gebändigte Wildnis und genau das haben wir in der biblischen Paradies-Erzählung als erste fast unsichtbare Grundlage. Das sehen Sie sehr leicht, wenn Sie bedenken, dass Adam, kaum ist er geschaffen, den Tieren vorgestellt wird oder die Tiere ihm und er Namen gibt.… Die ursprüngliche Gestalt der Paradieserzählung machte Adam zu einem Tierpfleger oder Aufseher eben dieses Jagdparks.

Sprecher

Dieser Park ist ein Ort, an dem der Mensch alles hat, was er zum Überleben braucht.  

Sprecherin

Gleichzeitig ist der Urzustand als Wildpark allerdings nur eine Dimension dessen, wie die Bibel das Paradies beschreibt. Denn, sagt der Professor für Altes Testament und Religionswissenschaft, Bernhard Lang, die alte Paradieserzählung wurde durch einen Textzusatz erweitert und damit zu einer Erzählung über einen Liebesgarten umgearbeitet: 

3 OT Bernhard Lang

Den Ursprung eines Liebesgartens kennen wir nicht. Woher die Idee eigentlich kommt, wissen wir nicht. Aber der Liebesbaum in der Mitte des Paradieses ist bekannt: Baum der Erkenntnis, der Baum der Liebe, Baum des Liebesspiels. Und gedacht ist hier an eine Pflanze, die die Liebeslust des Paares befördert. Im Hohelied Salomons in der Bibel kommt auch das Wort Paradies, hebräisch Pardes, vor, also ein Fremdwort im Hebräischen. Und dort wird der Körper der Geliebten als ein Paradiesgarten geschildert: „Ein verschlossener Garten ist meine Schwester Braut ein verschlossener Born, ein versiegelter Quell an deinen 

Wasserrinnen, ein Granatapfel-Paradies mit köstlichen Früchten, Henna-Dolden samt Narden-Blüten, Narden, Krokus, Gewürze und Zimt“. Alle Weihrauchbäume, also alle Wohlgerüche des Orients sind hier in diesem Garten, der mit dem Leib der Geliebten gleichgesetzt wird, versammelt.

Sprecher

Über die Jahrhunderte hinweg hat diese Erzählung den Theologen Rätsel aufgegeben. Exegeten und Interpreten der Bibel stritten heftig darüber, ob Adam und Eva im Paradies miteinander geschlafen hatten. 

Sie entwarfen wilde Theorien davon, wie eine Fortpflanzung ohne Sexualität im Paradies möglich gewesen sein könnte. Für den Theologen Bernhard Lang ist klar: In der Erzählung verbietet Gott den Beischlaf. Dahinter steckt seiner Auffassung nach ein altes mythisches Gedankengut, nach dem die Götter das Geheimnis der Fortpflanzung für sich behalten wollen. 

MUSIK 4 

Sergio Assad: “L'Alba” aus: Yesterday's Tomorrow M0052797101 (26 Sekunden)

Sprecherin

Adam und Eva ist es strikt verboten, von dem Baum der Erkenntnis zu essen. Dass sich das erste Menschenpaar nicht an dieses Verbot hält und sich vom Widersacher Gottes verführen lässt, hat Konsequenzen. Die Menschen entdecken die sexuelle Lust, gleichzeitig setzt die Übertretung des göttlichen Gesetzes, nicht von dem Baum zu essen, dem Aufenthalt im Paradies ein jähes Ende. Gott wirft das erste Menschenpaar aus dem Paradies.

MUSIK 5 Philip Glass: I. In the summer house 

Sprecher 

Das Paradies, wie es die Bibel beschreibt, gibt es nicht mehr. Was bleibt ist die Erzählung von einem idealtypischen Ort. Der Garten Eden wird zum perfekten Ort, der im Gegensatz zur Lebenswelt der Menschen steht: Wo die Menschen hart arbeiten müssen, um sich und ihre Sippen zu ernähren. Wo Hungersnot und Dürre den Alltag bestimmen. Und wo sie mit Kriminalität und Gewalt konfrontiert sind.

 Das Paradies, wie es beispielsweise die Bibel beschreibt, ist ein perfekter Gegenentwurf zur realen Welt und zu den Erfahrungen des Alltags. Religionswissenschaftler haben für diese Vorstellungen den Begriff ‚Gegenwelten‘ geprägt: 

4 OT Pezzoli-Olgiati

Das sind Welten, die man nur durch religiöse Erzählungen oder religiöse Bilder kennenlernen kann, weil sie nicht zur Verfügung stehen für die menschliche Erfahrung. Und ich denke, die Paradiesvorstellungen gehören zu diesen Gegenwelten. Das sind so Entwürfe von Welten, die vermittelt werden, in Religionen durch verschiedene Medien.

Sprecher

Diese Gegenwelten haben eine Funktion. Sie wollen erklären, warum die Welt so ist, wie sie ist, sagt Daria Pezzoli-Olgiati, Professorin für Religionswissenschaften an der LMU München. So gesehen steckt hinter den Gegenweltsentwürfen ein je eigenes Welt-Erklärungsmodell - bei dem ein religiöses Weltbild zum Ausdruck kommt, in dem aber auch die jeweiligen religiösen Grunderfahrungen reflektiert werden: 

5 OT Pezzoli-Olgiati

Die Idee: früher war der Menschen in einer ganz anderen Situation, einer idyllischen Situation, im Paradies vor unsere Schöpfung fast. Und da mussten die Menschen gar nichts tun, einfach nur genießen und da sein. Aber aus dem Gründen, die wir meist kennen: Versuchung, Lust mehr zu wissen, Lust mehr zu können, verschwand dieser Zustand und die Menschen lebten dann so, wie wir es kennen. Also diese Mythologien tendieren dazu den Zustand zu erklären als eine 

Entwicklung einer irrealistischen und stabilen Zeit zu unserer Zeit, und ich denke, Paradies-Mythologien gehören auch dazu. Sie zeigen auf, dass das Leben, dass das Leben, das wir haben, eigentlich fragil, nicht ganz beherrschbar ist und versuchen, das zu kontrastieren mit Welten, die ganz stabil und wunderbar sind.

Sprecher 

Die Welt, in der wir leben, ist fragil und verwundbar. Das ist, wenn man so will, eine menschliche Grunderfahrung mit der sich religiöse Weltbilder auseinandersetzen. Dabei entwerfen sie nicht nur Idealbilder davon, wie die Welt einmal gewesen sein könnte. Viele Kulturen kennen die Zukunftssehnsucht und Hoffnung auf ein Paradies als Ziel- und Endpunkt des Lebens. 

Sprecherin 

In der Mythologie spielt der perfekte Ort im Jenseits immer wieder eine Rolle. In der griechischen Mythologie stellt man sich das Paradies als einen Ort vor, der fernab von der empirisch erfahrbaren Alltagswelt liegt, sagt Bernhard Lang:

6 OT Bernhard Lang

Das ist die Idee des Elysiums der altägyptischen und griechischen Mythologie, also ein idealer Ort ewigen Frühlings und Sommers, manchmal auch in die Unterwelt verlegt, so in der Aeneis des Vergils, manchmal als ferne Inseln aufgefasst, als Aufenthaltsort der Seligen auch der Toten. 

MUSIK 6 James Horner: „First Recognition“  (42 Sek.)

Sprecherin 

Die Literaturgeschichte kennt zahlreiche Werke, die diese mythologischen Erzählungen aufgreifen. Wohl das bekannteste Beispiel ist der italienische Dichter Dante Alighieri. Er wählt im Mittelalter, um 1300 nach Christus, Vergils „Aeneis“ als Vorlage für seine „Göttliche Komödie“. In dem Epos durchwandert Dante als Ich-Erzähler zusammen mit seinem Jenseitsführer Vergil die Hölle, er erklimmt den Berg der Läuterung, wo er selbst Buße tun muss, ehe er endlich die Spitze des Berges und den Eingang zum irdischen Paradies erreicht.

. 

7 OT Bernhard Lang

Wer dort anlangt, der betritt das irdische Paradies, das dem Elysium der griechischen Mythologie entspricht. Dort wird der Wanderer, das ist Dante selbst und sein Führer Vergil von der Freundin oder Geliebten Dantes empfangen. Hier kommt es also zu einer großen emotionalen Begegnung. Diese Idee des Wiedersehens im Jenseits in einer paradiesischen Landschaft kommt aus der antiken Welt und ist bis heute eben sehr weit verbreitet.


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Dipl., Leiter des Haptik-Labors am Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung in Leipzig; Holger Carstens, staatl. gepr. Masseur u. med. Bademeister. Berührungstrainer; Eine Teilnehmerin der Kuschelparty Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 radioWissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnah nimmt Euch „Wie wir ticken“ mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek. ZUM PODCAST Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: O-Ton 1 Szene Kuschelabend „Wir gehen langsam durch den Raum, wir spüren unsere Füße. Und unsere Augen sind nur soweit geöffnet, dass wir uns im Raum orientieren können und wir schauen, dass wir ganz bei uns selber ankommen, in uns hineinspüren, und den Boden wahrnehmen… “ Nach 20 Sekunden mit Text beginnen. Atmo unterm Text stehen lassen! Sprecherin: Es ist ein Sommerabend in München: Ein Dutzend Männer und Frauen schreiten in Strümpfen und bequemer Kleidung durch einen hellen großen Raum. In einer Ecke auf dem Boden liegen Matratzen und Kissen bereit, für den Höhepunkt des Abends, den so genannten Kuschelhaufen. Zunächst sollen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennenlernen und Hemmungen abbauen. 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Wir könnten zwar die Augen schließen und uns die Ohren zuhalten, so betont der Autor, das Tastsinnessystem dagegen sei immer aktiv: O-Ton 10 Martin Grunwald 00:42 „Ohne das Tastsinnessystem könnten wir den Unterschied zwischen äußerer Umwelt und unserem eigenen Körper gar nicht feststellen. Das heißt, wir wüssten ohne das Tastsinnessystem nicht, dass wir eine körperliche Einheit darstellen, und wir könnten uns auch von der äußeren Umwelt nicht unterscheiden. Man könnte sogar so weit gehen, dass das Tastsinnessystem Voraussetzung für die menschliche Bewusstseinstätigkeit ist. Also die Tatsache, dass wir am Leben sind, ziehen wir aus den Informationen, die uns das Tastsinnessystem zur Verfügung stellt.“ MUSIK Cristallisation Sprecherin: Doch wie funktioniert nun die Wahrnehmung einer Berührung? Wie gelangt die Information, dass uns gerade jemand streichelt, von der Haut ins Gehirn? Sprecher: In der Haut sitzen Sensoren, so genannte Rezeptoren, die am ganzen Körper Druck, Dehnung, Vibrationen, Kälte, Wärme, Jucken oder Schmerzen registrieren. Die Rezeptoren haben ungewöhnliche Namen wie Vater-Pacini-Körperchen, Merkel-Rezeptoren oder Meissner-Körperchen und befinden sich millionenfach in der Haut. Sie registrieren jede noch so kleine Veränderung ihrer Umwelt und leiten sie an die Nervenfasern weiter. Sprecherin: Das sind die „Nachrichtenhotlines“ zum Gehirn, wo die ankommenden Signale in speziellen tastsensiblen Bereichen registriert und verarbeitet werden. Körperstellen, an denen sich viele Rezeptoren befinden, beispielsweise Lippen oder Genitalien, nehmen einen entsprechend großen Bereich ein. Sprecher: Eine Berührung ist - rein technisch gesehen - nichts anders als eine Verformung der Haut: O-Ton 11 Martin Grunwald 00:46 „Durch die Verformung der Körperhaut werden eine ganze Reihe von tastsensiblen Rezeptoren erregt und diese Erregungsmuster werden als kleine elektrische Impulse an das Gehirn weitergeleitet. Und das Gehirn produziert dann seinerseits verschiedene Neurotransmitter, wir erleben positive oder negative Emotionen. Und gleichzeitig wird durch die Ausschüttung der Hormone über die Blutbahn der gesamte Organismus verändert. Also die Herzfrequenz wird in der Regel langsamer, die Muskulatur entspannt sich, die Atmung wird flacher. Also Berührungsreize haben immer eine ganzkörperliche Reaktion zur Folge – in Form von Spannungs- oder Entspannungszuständen.“ MUSIK As little as light Srecher: Im Jahr 1999 machten schwedische Forscher eine spannende Entdeckung: Sie fanden eine bis dahin unbekannte Art von Rezeptoren und dazugehörige Nervenleitungen, die so genannten C-taktilen Fasern. Diese sind spezialisiert auf sanfte, rhythmische Berührungen, die mit einer Geschwindigkeit von etwa drei Zentimetern pro Sekunde ausgeführt werden. Ganz klar: Diese trockenen Daten sind der Steckbrief einer Streicheleinheit. MUSIK Assembling Sprecherin: Die Wissenschaftler hatten sozusagen die „Zärtlichkeitsleitung“ gefunden. Eine Nerven-Hotline, die ausschließlich für zärtlichen Input geschaffen ist. Die C-taktilen Fasern befinden sich an allen behaarten Körperstellen. Das heißt, es gibt sie beispielsweise nicht an den Fußsohlen oder an den Handinnenflächen. Vermutlich ist das der Grund, warum uns eine rhythmische Berührung an der Fußsohle eher kitzelt als wohltut. Da liebevolle und sanfte Berührungen für unsere Entwicklung und unser Wohlbefinden existentiell sind, erscheint es evolutionär gesehen logisch, dass es auch auf neuronaler Ebene entsprechende Strukturen gibt. Dennoch galt diese Entdeckung zunächst als Sensation: O-Ton 12 Müller-Oerlinghausen 00:27 „Man könnte sich ja vorstellen, Wohlgefühl entsteht dadurch, dass verschiedene Eindrücke – Druck, Temperatur, Streichen, und so weiter, Berührung eben, im Gehirn irgendwie zusammengesetzt werden, und dass daraus dann ein Wohlgefühl entsteht - quasi auf irgendeiner Ebene. Es ist aber anders, das Wohlgefühl als solches wird eben durch ein eigenes Nervenfasern-Netz quasi hergestellt.“ Sprecherin: Professor Bruno Müller-Oerlinghausen ist klinischer Psychopharmakologe und ein international anerkannter Experte für die Behandlung von Depressionen. An der psychiatrischen Klinik der Freien Universität Berlin leitete er eine Forschungsgruppe und führte dabei körpertherapeutische Methoden ein. Eine spezielle Massagetechnik, die er zusammen mit einer Körpertherapeutin entwickelte und in einer Studie erforschte, zeigte überraschend positive Effekte: Seinen depressiven Patienten ging es deutlich besser. Die so genannten psychoaktiven Massagen zielen nicht in erster Linie auf die Muskeln oder das Bindegewebe ab, sondern auf die Haut. Denn die besitzt laut Bruno Müller-Oerlinghausen eine spezifische Intelligenz: O-Ton 13 Müller-Oerlinghausen 00:35 „Sie entwickelt sich ja in der embryonalen Entwicklung aus dem sogenannten Ektoderm, das ist das äußere von den drei verschiedenen Keimblättern, die es gibt, und das Gehirn entsteht als eine Einstülpung dieses Ektoderms, das heißt, schon in der Entwicklungsgeschichte haben wir eine ganz enge Verbindung zwischen Nervensystem und Haut. Und ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt, der hier bei den Wirkungen von Massage auf die Seele eine Rolle spielt.“ Sprecherin: Einige Depressionsforscher gehen davon aus, dass bei depressiven Menschen die Wahrnehmung ihrer inneren Gefühlswelt und der Außenwelt nicht zusammenpasst. Man spricht von einer gestörten „Kohärenz“. Möglicherweise können Massagen auch deshalb positiv wirken, weil sie das Körpergefühl verbessern. Sprecher: Sicher ist: Berührungen beeinflussen unsere Stimmung, unser Denken und unsere Gefühlswelt auf eine faszinierende Art und Weise: O-Ton 13 Bruno Müller-Oerlinghausen 00:36 „Es gibt Studien, die gezeigt haben, dass eine Massage vor der Operation dazu führen kann, dass die Patienten aus der Narkose besser aufwachen, dass sie weniger strampeln, weniger unruhig sind… Das ist ähnlich wie die Massage bei Schwangeren, wo wir auch Befunde haben, dass eine wiederholte Massage dazu führt, dass Schwangere bei der Entbindung weniger Schmerzen haben, weniger Schmerzmittel brauchen, und vor allem dass das Risiko geringer wird, dass sie nach der Entbindung depressiv werden. MUSIK As little as light Sprecherin: Berührungen spielen eine große Rolle für unser soziales Leben und unsere Beziehungen. Doch immer mehr Menschen leben in Singlehaushalten, und auch die Arbeitswelt reißt Familien auseinander. 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  • Seelenwanderung in den Religionen - Reinkarnation und Wiedergeburt

    13.03.2024 · 23 Min.

    Leben wir mehr als einmal? Eine Frage, die Menschen immer schon beschäftigt. Antworten findet man vor allem im Hinduismus und Buddhismus, aber auch in anderen religiösen Vorstellungen. Was genau besagen die Konzepte von Seelenwanderung und Wiedergeburt und welche Konsequenzen können sie für das alltägliche Leben haben? (BR 2022) Autor/in dieser Folge: Sylvia Schopf Regie: Rainer Schaller Es sprachen: Franziska Ball, Christian Jungwirth, Christian Schuler Technik: Daniela Röder Redaktion: Bernhard Kastner Im Interview: Jens-Uwe Hartmann, Professor em. am Institut für Indologie und Tibetologie an der Ludwig-Maximilian-Universität, München Franz Winter, Religionswissenschaftler, Professor an der Karl-Franzens-Universität, Graz Josef-Franz-Thiel, Professor em. der Ethnologie, ehemaliger Direktor des Weltkulturenmuseums, Frankfurt Engin Iktir, Reinkarnationstherapeut und Heilpraktiker für Psychotherapie in Frankfurt/Main radioWissen hat noch weitere hörenswerte Folgen zum Thema: Der Buddhismus - Von Indien in die Welt JETZT ANHÖREN Diwali - Das hinduistische LIchterfest JETZT ANHÖREN Feuer in den Religionen - Erleuchtung, Reinigung, Wandel JETZT ANHÖREN Literaturtipps: Ronald Zürner, Reinkarnation – Einführung in die Wissenschaft der Seelenwanderung, Govinda Verlag, Zürich 2005 Harald Wiesendanger, Wiedergeburt – Herausforderung für das westliche Denken, Fischer Verlag, Frankfurt /Main Jack Hawley (Hrsg.) Bhagavad Gita – Der Gesang Gottes, eine zeitgenössische Version für westliche Leser, Übersetzung, Peter Kobbe, Goldmann Verlag München Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: ATMO: Herzschlag + Atmung (auch dem Folgenden unterlegen) SPRECHERIN Der Mensch atmet. Das Herz schlägt. Kommt beides zum Stillstand, gilt der Mensch als tot. Und dann? ATMO (endet) ZITATOR Das war’s! Aus und vorbei. Mit dem Tod endet alles. SPRECHERIN So die Haltung von Atheisten, für die weder Gott noch Götter oder ein Leben nach dem Tod existiert. Doch gibt es wohl kaum eine Religion, die nicht davon ausgeht, dass es im Menschen eine Lebenskraft, ein Lebensprinzip gibt, das auch „Bewusstsein“, „Höheres Selbst“ oder „Seele“ genannt wird, das beim Tod den Körper verlässt und weiter existiert. Und wie sieht das aus? SPRECHER Sind Körper und Seele auch über den physischen Tod hinaus miteinander verbunden? Oder existieren sie unabhängig voneinander? Durchlebt jede Seele nur ein einziges Leben oder mehrere? MUSIK (m03, Sinfonie Nr.4 G-Dur, Gustav Mahler, 1:05) O-Ton 01 (0’15) Franz Winter Prinzipiell gilt fürs Christentum: Es gibt eine sehr enge Anbindung der Seele an den Körper, was sich vor allem darin spiegelt, dass man die beiden – Körper und Seele - nicht auseinanderdividieren kann; und gemeint ist durchaus, dass am Ende der Zeiten sozusagen Körper und Seele zusammengefügt wird. SPRECHERIN Erklärt der Grazer Religionswissenschaftler und Universitätsprofessor Franz Winter. Nach christlich-jüdischem Verständnis durchläuft also eine Seele in einem Körper ein Leben. Am letzten Tag der Welt, dem sogenannten „Tag des Jüngsten Gerichts“, an dem die Toten wieder auferstehen, vereint sich die Seele dann wieder mit dem einstigen Körper. „Eine Seele - ein Körper – ein Leben“ - dies ist das Konzept von Christentum, Judentum und auch dem Islam. – Aber, könnte es nicht auch anders sein? MUSIK hoch ZITATOR „Ist es denn ausgemacht, dass meine Seele nur einmal Mensch ist?“ 1) SPRECHER Fragt der Dichter, Dramatiker und Philosoph Gotthold Ephraim Lessing und der französische Aufklärungsphilosoph Voltaire formuliert kurz und knapp: ZITATOR „Zweimal geboren zu werden ist nicht erstaunlicher als einmal.“ 2) MUSIK (Z8015897130, Lethargia more red, 1:00) SPRECHERIN Schon die Grabbeigaben vieler Kulturen, die den Toten ins Jenseits begleiten sollen, lassen vermuten, dass die Menschen bereits in früheren Zeiten an so etwas wie „Wiedergeburt“ glaubten. Eine Vorstellung, die möglicherweise aus der Beobachtung der Natur entstand, in der es ein beständiges Werden und Vergehen gibt: Sonne und Mond, die Jahreszeiten, die Pflanzen – alles kommt und geht. Wieder und immer wieder. Warum sollte das nicht auch für den Menschen gelten, der ja Teil dieses Kosmos’ ist? MUSIK hoch SPRECHERIN Viele sogenannte „Ur- oder Naturvölker“ gehen davon aus, dass man mehr als einmal lebt, erzählt Josef-Franz Thiel, Ethnologe, Religionswissenschaftler und ehemaliger Direktor des Weltkulturenmuseums in Frankfurt: O-TON 02 (0’33) JOSEF F. THIEL Die meisten Ethnien haben die Vorstellung von zwei Seelen. Davon gehen sie aus. Da ist zunächst die Lebensseele oder Körperseele wie man sie auch nennt. Wenn der Mensch stirbt, ist auch diese Seele mitgestorben. Die zweite Seele ist die Freiseele. Wenn der Mensch nachts träumt, geht sein Leben weiter, aber sie geht auf Wanderschaft. Und wenn er stirbt, stirbt sie nicht. Sie überlebt und wird dann in das Ahnenreich gehen. SPRECHERIN Von dort kann sie auch wiedergeboren werden und zwar als Nachkomme innerhalb ihrer einstigen Familie, dem Clan oder der Sippe. Deshalb versuchte man früher gleich nach der Geburt eines Kindes mittels magischer Praktiken herauszufinden, welcher Ahn in dem Neugeborenen wiederauflebt und entsprechend folgte die Namensgebung. SPRECHER Auch in der europäischen Tradition kennt man diesen Brauch. Kinder werden nach Großvater, Großmutter oder einem anderen Familienangehörigen benannt. Ein Hinweis oder eine Hoffnung, dass in den Enkeln etwas von den Vorfahren fortlebt. MUSIK (M0011691Z00, Sitar masters, 0:15) ZITATOR Wie ein Mensch alte Kleider ablegt und neue anzieht, so gibt die Seele alte und unbrauchbar gewordene Körper auf und nimmt neue physische Körper an. 3) SPRECHER Heißt es in der Bhagavad Gita, einer der zentralen Schriften des Hinduismus. Was es mit der Seele in dieser Religion auf sich hat, erklärt der Indologe Jens-Uwe Hartmann, emeritierter Professor der Ludwig-Maximilian-Universität in München: O-TON 03 (0’27) Im Hinduismus geht man davon aus, dass es eine dauerhafte Einheit gibt, die tatsächlich von einer Existenz in die nächste weiterwandert. Das indische Wort dafür ist Atman. Und das wird bei uns mit Seele übersetzt. Etwas, was uns ausmacht. Etwas Dauerhaftes, nicht Greifbares, das dem Menschen innewohnt und ihn begleitet. MUSIK (C1523050011, Harappa, 0:45) ZITATOR Für die Seele gibt es weder Geburt noch Tod. Sie ist immerwährend, ewig dieselbe, unwandelbar und wird nicht getötet, wenn der Körper getötet wird. Nach dem Tod verlässt sie den Körper; um in einem anderen wiedergeboren zu werden. 4). SPRECHERIN Heißt es in Bhagavad Gita.)) Im Hinduismus kann man also von einer Seelenwanderung sprechen. Denn eine Seele kommt immer wieder in neuen, anderen Körpern in die Welt. Im Buddhismus hingegen gibt es keine dauerhafte, unvergängliche Seele, erzählt der Indologe und Buddhismus-Spezialist Jens-Uwe Hartmann: O-TON 04 (0’34) JENS-UWE HARTMANN Das liegt daran, dass der Buddhismus von der Grundwahrheit ausgeht, dass alles vergänglich ist. Und von dieser Voraussetzung aus, kann es keine dauerhafte Seele geben, die von einer Existenz in die nächste wandern würde. Im Buddhismus nimmt man an, dass so ein Bewusstseinsimpuls von einer Existenz in die nächste weitergeht. Im Todesfall verlässt das Bewusstsein den Körper und dass die Summe der guten und schlechten Verhaltensweisen, gekoppelt an das Bewusstsein, weiterwandert. SPRECHERIN Und was unterscheidet nun die Vorstellung einer ewigen, unveränderlichen Seele vom buddhistischen Konzept des Bewusstseins? O TON 05 (0’17) JENS-UWE HARTMANN Das Bewusstsein ist ein Prozess, der sich ständig ändert. Das ist keine Sekunde lang gleich. Unser Bewusstsein ändert sich in einem Moment durch die ständig neuen Eindrücke, die wir erleben. Es ist wie ein Bankkonto, auf dem Soll und Haben verbucht wird und das man in die nächste Existenz mitnimmt. SPRECHERIN Und diese Eindrücke und Erfahrungen ebenso wie alle Handlungen, Gedanken und Gefühle, die jeder im Verlauf seines Lebens erfährt, haben Auswirkungen auf das aktuelle oder das nächste Leben. Und alles, was dem Menschen im jetzigen Leben widerfährt, hat seine Ursachen in vergangenem Tun - in dieser oder einer früheren Existenz. Das ist die Lehre vom Karma, einem zentralen Prinzip von Buddhismus und Hinduismus. SPRECHER Karma ist das kosmische Gesetz von Ursache und Wirkung. Was immer man tut, denkt und empfindet, hat Konsequenzen in der Zukunft nach dem Motto, das sich auch bei Paulus in der Bibel findet: ZITATOR „Was der Mensch sät, wird er ernten.“ 5) SPRECHER Oder populär ausgedrückt: „Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“ SPRECHERIN Die Karmalehre ist elementar für das Konzept der Wiedergeburt. Denn das Karma – also alles Tun - bestimmt, in welchem Körper, welcher Familie, welchem Land, unter welchen Umständen die Seele bzw. das Bewusstsein wiedergeboren wird. Was das konkret bedeuten kann, erläutert der Indologe Jens-Uwe Hartmann: O-TON 06 (0’30) JENS-UWE HARTMANN Jemand, dem es in diesem Leben schlecht geht, der hat zu einem früheren Zeitpunkt versäumt, bessere ethisch-moralische Grundlagen zu leben, die sein jetziges Leben verbessert hätten. Und das wird als Ansporn genommen. Wenn du willst, dass es dir in der Zukunft bessergeht, musst du jetzt dafür Sorge tragen, dich so zu verhalten, dass du die Grundlagen dafür schaffst. Das ist im Grunde die Quintessenz der ethischen Vorstellungen in allen indischen Religionen. Die Verantwortung des Einzelnen ist zentral.

  • Surf Rock - Als Musik die Welle machte

    12.03.2024 · 23 Min.

    Surf-Rock ist Musik, die so klingt wie die Wellen des Ozeans. Rau, kraftvoll und verspielt. Sie begeistert seit den 60er Jahren Musikfans rund um die Welt. Autor: Christian Schaaf (BR 2021) Credits Autor dieser Folge: Christian Schaaf Regie: Sabine Kienhöfer Es sprachen: Andreas Neumann, Katja Bürkle, Johannes Hitzelberger Technik: Daniela Röder Redaktion: Andrea Bräu, Susanne Poelchau Im Interview: Michael Koltan, Archivar; Martin Schmidt, Musikjournalist Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: 50 States - Der Amerika-Podcast mit Dirk Rohrbach Auf der schönsten Küstenstraße der Welt durch Washington, Oregon und Kalifornien: Dirk Rohrbach fährt mit dem Gravelbike einmal die komplette Westküste runter, 3000 Kilometer auf Amerikas Traumstraße am Pazifik. Von der Grenze zu Kanada im Norden bis zur mexikanischen Grenze südlich von San Diego. Dabei trifft er Häuptlinge, Müllkünstlerinnen, Austernzüchter, Seetangsammlerinnen, Chicanos und natürlich Surfer. ZUM PODCAST Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Einspielung: Musik: Dick Dale. Misirlou 1‘00 Sprecher: Es beginnt wie ein Knall. Die Gitarre drischt sich überschlagende Tonfolgen in den Raum, steigert den Schalldruck bis fast ins Unerträgliche. Dann bricht die Klangwelle in einer Gischt aus verwehtem Echo und flirrenden Klängen bis der Sog der nächsten Welle einsetzt. Sprecherin: Der Gitarrist Dick Dale beschreibt hier 1962 mit seiner Band the Del-Tones eindrücklich die rohe Gewalt der Natur und des Ozeans. Eigentlich ist der Song Misirlou eine Neuinterpretation eines alten griechischen Volksliedes. Doch der Sound, den der Linkshänder Dale aus seiner E-Gitarre holt, ist neu. Und er trifft damit einen Nerv seiner Generation. Einspielung: Musik: Dick Dale. Misirlou Musik: The Pyramids. Penetration 1‘10 Sprecher: Surfmusik ist Anfang der 1960er Jahre der Soundtrack einer Teenagerbewegung in Südkalifornien. Deren Ideal ist ein sorgloses Leben am Strand mit Surfbrett, Strohhut und Hawaii-Hemd. Gedanken um Geld, Beruf und Zukunft existieren nicht. Der Blick geht nach Vorn. Zum Horizont. Auf der Suche nach der perfekten Welle. Sprecherin: Aufbruch und Neuanfang liegen in der Luft. Die Zeit der großen Krisen scheint nach den beiden Weltkriegen und dem Korea-Krieg vorbei zu sein. Wissenschaft und Technik weisen den Weg nach vorne. Und der eben gewählte junge US-Präsident John F. Kennedy will, dass nicht einmal mehr der Himmel die Grenze der Möglichkeiten ist: Die USA sollen schon ihn zehn Jahren zum Mond fliegen. Sprecher: Teenager zu sein in diesen Jahren bedeutet: take it easy. Zeit, sich auszuprobieren. Und an der Küste Südkaliforniens ist Wellenreiten die Garantie für Abenteuer, Sport und Spaß. (Musik weg) Geräusch: Lautes Wellen-Rauschen 1‘20 Sprecherin: Der Surfsport ist über tausend Jahre alt. Seine Ursprünge liegen wohl in Polynesien und auf Hawaii. Hier war es lange Zeit üblich, dass Frauen, Kinder und Männer, nackt auf einem Holzbrett stehend, die Wellendünung hinunterglitten. Sogar der hawaiianische König Kamehameha soll diesen Sport betrieben haben. Der erste Europäer, der davon berichtet, ist 1778 der Leutnant James King, der zusammen mit dem Entdecker James Cook auf die Insel gekommen war. Als er einen Wellenreiter vor Hawaii beobachtet, schreibt er fast schon neidisch in sein Tagebuch: Zitator: „Ich konnte daraus nur schließen, dass dieser Mensch höchsten Genuss dabei empfand, so schnell und sanft vom Meer vorangetrieben zu werden.“ Sprecher: Das wirklich überraschende für den Europäer ist dabei offenbar, dass die Einheimischen das Surfen nur zum Spaß betreiben. Denn das Wellenreiten dient erkennbar nicht der Jagd auf Fische. Auch werden durch das Surfen keine zum Überleben wichtige Fertigkeiten trainiert. Sprecherin: Die europäischen calvinistischen Missionare, die im 19. Jahrhundert nach Hawaii kommen, schieben dem unbeschwerten Wellenreiten einen Riegel vor. Sie erachten diesen Freizeitspaß als frivol und gotteslästerlich. Von nun an müssen die Einwohner des Inselstaats stets Kleidung tragen, hart arbeiten und regelmäßig in die Kirche gehen. Musik: Makalapua Hawaii-Musik 0‘50 Sprecher: Trotz- oder vielleicht gerade aufgrund der Einschränkungen verschwindet das Surfen auf Hawaii nicht. Und so kann auch der Reiseschriftsteller Mark Twain um 1866 von den Menschen auf Hawaii berichten, die nur zum Spaß auf Brettern stehen und damit Wellenrücken hinuntergleiten. Er schreibt staunend über die Wellenreiter: Zitator: „wie Geschosse kommen sie angezischt“. Sprecher: Twain ist derart begeistert, dass er versucht, selbst zu surfen. Doch am Ende seiner Hawaii-Reise muss er resigniert notieren, dass er Zitator: „mit ein paar Fässern Wasser im Bauch“ Sprecher: kläglich gescheitert ist. Sprecherin: Als der Schriftsteller Jack London rund vierzig Jahre später, im Jahr 1907, nach Hawaii reist, ist er, wie zuvor Mark Twain, von dem Volkssport des Wellenreitens tief beeindruckt. Ob er selbst ein Surfbrett bestiegen hat, ist leider nicht überliefert. Geradezu ehrfürchtig schreibt London in seinem Reisetagebuch: Atmo Wellen: 1‘15 Zitator: „Wo einen Moment zuvor nur grenzenlose Verlassenheit und unerschütterliches Wogengebrüll war, steht nun ein Mensch, aufrecht, in voller Statur, der nicht verzweifelt kämpft in dem reißenden Strom, der nicht begraben und zerstampft und umhergeschleudert wird von diesen mächtigen Monstern, sondern der über ihnen allen steht; ruhig und erhaben schwebt er über dem taumelnden Gipfel, während seine Füße von der strudelnden Gischt umschlossen sind, Salzdampf an seinen Knien emporkriecht, und alles Übrige von ihm in freier Luft und blitzendem Sonnenlicht ist, und er fliegt vorwärts ebenso schnell wie die Woge unter ihm; er ist ein Merkur.“ Sprecher: Es mag an solchen Schilderungen wie denen des viel gelesenen Jack London liegen, dass sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch außerhalb von Hawaii Menschen mit dem Wellenreiten beschäftigen und versuchen, selbst diesen Sport auszuüben. Sprecherin: Einen wesentlichen Beitrag zur Verbreitung des Sports leistet der 1890 in Honolulu geborene Duke Kahanamoku (sprich wie geschrieben). 1912 nimmt er als Schwimmer an den Olympischen Spielen in Stockholm teil und gewinnt dort Gold über 100 Meter Freistil, nicht zuletzt wegen seiner neuen Kraultechnik, die er entwickelt hatte, um auf dem Surfbrett gegen die Brandung auf den Ozean hinaus zu paddeln. Dreimal wird er Olympiasieger, reist um die ganze Welt und führt überall, wo es die Wellen und Küsten erlauben, so auch in Australien und Kalifornien, seine Anhänger in das Wellenreiten ein. Kleine Surf-Sport-Klubs entstehen, in denen Surfbretter gebaut und verkauft werden und Interessierte Unterricht nehmen können. Musik: The Trashmen: Walk don´t run 1‘30 Sprecher: Ab den 50er Jahren verhelfen Materialen und Techniken aus dem Flugzeugbau dem Sport zu einem großen Fortschritt: Die bis zu drei Meter langen Surfbretter sind nun nicht mehr aus massivem Holz geschnitzt, sondern aus leichterem Balsa-Holz und Fiberglas geformt. Das macht es vor allem Anfängern leichter, auf dem Brett stehen zu bleiben, wenn direkt darunter der Ozean tobt. Sprecherin: Das Erlebnis, im Wasser auf einer Welle zu „reiten“, ist an Land nur schwer zu vermitteln. Die echten Surfer sind zunächst ein eingeschworener Zirkel – zu dem aber immer mehr junge Menschen gehören wollen. Ab Ende der 50er Jahre gehen die Verkaufszahlen von Surfbrettern in Kalifornien steil in die Höhe. An den Wochenenden bevölkern tausende Teenager die Pazifik-Strände und werfen sich mutig in die Wellen. Surfen wird In. Sprecher: 1959 wird Hawaii als 50. Bundesstaat in die USA integriert. Die Nation endet nun nicht mehr am Sunset-Strip in Los Angeles oder an der Golden Gate Bridge in San Francisco. Der Pazifische Ozean und seine Wellen sind von nun an Bestandteil der Vereinigten Staaten. Das Meer ist nicht mehr die Grenze – sondern ein Teil der unbegrenzten Möglichkeiten. Musik: The Belairs: Mr. Moto 1‘00 Sprecher: Anfang der 60er Jahre gehört in Südkalifornien das Surfen zum Life-Style der Jugendlichen. Bands wie die the Belairs liefern den Sound dazu. Sprecherin: Das Instrumentalstück „Mr. Moto“ von the Belairs gilt als die erste Surf-Aufnahme überhaupt. Die Single erscheint 1961. Die Band besteht aus fünf Teenagern, die auf High-School-Tanzparties spielten und Rock-n-Roll-Songs coverten. Bis auf die Tatsache, dass sie die erste Surf Single aufnahmen, ist tatsächlich wenig über The Belairs zu berichten. Sie wollten weder rebellisch sein, noch ein neues Genre begründen. Sie wollten in erster Linie die Melodien in ihren Köpfen in tanzbare Musik umsetzen. Typisch für ihre Zeit, findet der Archivar und Surf-Musik-Spezialist Thomas Koltan aus Freiburg. Einspielung: Koltan 1: „Eigentlich ist das eine sehr optimistische Musik. Eine Aufbruchsmusik. Zumindest die erste Welle, die Anfang der 60er Jahre entstanden ist. Man muss sich vorstellen, das war damals die Zeit als mit John F. Kennedy ein jugendlicher Präsident – das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen – die Regierungsgeschäfte führte. Das war einfach eine Aufbruchsstimmung. Und Surfmusik passte da einfach hervorragend rein, um diesen Aufbruch zu symbolisieren und dieses Lebensgefühl in Musik zu fassen.“ Musik: The lively ones. Surfrider 0‘27 Sprecherin: Kurz zuvor, also Ende der 50er Jahre, hatte sich der Sound der Jugend noch rauer und schmutziger und ein Stück rebellischer angehört. Musik: Chuck Berry. Johnny B. Good 0‘35 Sprecher: Der Musikjournalist und Gitarrist Martin Schmidt beschäftigt sich schon lange mit der Musik dieser Zeit. Einspielung: Schmidt 1: „Der Rock and Roll der 50er Jahre ist noch sehr vom Blues beeinflusst – also man hat dann wirklich noch sehr oft das 12-taktige Blues-Schema. Es ist eigentlich immer mit Gesang. Die Themen sind typische Teenager-Themen. Im Rock and Roll ging es eigentlich immer um Liebe oder um Arbeit, die man nicht machen wollte oder um Unverstandenheit. So ein typisches Teenager-Ding. Bei Surf-Musik ist die Melodik einfach ein bisschen anders. Es ist nicht so Blues- oder Country-bezogen, sondern einfach ein bisschen breiter gefächert, vielleicht auch ein bisschen romantischer, mehr in Moll geschrieben, so würde ich das beschreiben.“ Musik: The Centurians. Bullwinkle Part 2 1‘00 Sprecherin: Bei der Surfmusik spielt die Gitarre die Hauptrolle, da es in den meisten Surf-Songs keinen Gesang gibt. Der legendäre Radio-DJ Phil Dirt ist eine der wenigen Autoritäten der Surf-Bewegung. Er nennt als drei essenzielle Elemente des Surf-Sounds: Echo, Glissando, also das Herauf- und Heruntergleiten der Töne und Double-Picking, der Doppelschlag der Gitarristen auf einem Ton. Auch der Musikjournalist und Musiker Martin Schmidt nennt ein paar eindeutige Merkmale des Surf-Sounds: Einspielung: Schmidt 2: „Also wenn man es sehr klischeehaft machen will, dann gibt es da zwei, drei Sachen mit denen man das in sehr kurzer Zeit hinbekommen kann. Da ist einfach erst mal ein ganz typischer Drum-Beat. Umm-Ba-Ba. Umm-Ba-Ba. Umm-Ba-Ba. Der ist auf fast allen Surf-Musik-Songs zu hören. Dann eben der Gitarren-Sound mit viel Hall. Eben recht weit hinten am Steg angeschlagen, dass man eben diesen Twang hinkriegt. Und dann bedient sich Surf-Musik immer so harmonischer Klischees. Also entweder ist das noch so an den Rock´n Roll, an das Blues-Schema angedockt oder man nimmt halt so ein bisschen was von orientalischer oder spanischer Musik. Aber alles sehr amerikanisch gespielt, also nicht wirklich tief in diese Folkloremusik reingegangen.“ Musik: Dick Dale: Hava Nagila 1‘35 Sprecher: Der Gitarrist Dick Dale, der hier mit seiner Band the Del-Tones zu hören ist, gilt als „the King of Surf-Guitar“. Der 1937 geborene Musiker hat mit seinem halsbrecherisch schnellen und kraftvollen Gitarrenspiel wie kein anderer den Surf-Sound geprägt. Dick Dale ist der Musiker, der das Genre um orientalische Klänge und Flamenco-Rhythmen bereichert. Als einer der wenigen Surf-Musiker gelingt es ihm, einen gut dotierten Plattenvertrag zu ergattern und mit seinen Aufnahmen in den Charts zu landen. Musik: The Surfaris. Wipe out 0‘45 Sprecherin: Die kommerziell erfolgreichste Surf-Band werden die The Surfaris – Eine Band aus High-School-Kids, die 1963 mit der Single „Wipe-Out“ die US-Charts bis hinauf auf den zweiten Platz stürmen. Sprecher: Ohne Dick Dale und the Surfaris wäre Surf-Musik vermutlich nicht über die Grenzen von Kalifornien hinaus bekannt geworden. Überall auf der Welt, in Europa und Japan, erscheinen nun Surf-Singles in den Charts und inspirieren Musiker. Sogar hinter dem Eisernen Vorhang, in der Pazifik-fernen DDR, beginnen Bands wie das Franke-Echo-Quintett, Surf-Musik-Titel einzuspielen. Musik: Franke-Echo-Quintett. Melodie für Barbara 0‘25 Atmo Beatleskonzert 0‘15– kreischende Fans – Musik: The Beatles. I want to hold your hand 1‘00 Sprecherin: August 1964 – Die Beatles starten ihre USA-Tour in Kalifornien – dem Heimatstaat der Surf-Musik. Von hier aus lassen sie eine Welle der Pop-Begeisterung über das Land rollen. In den US-Charts scheinen die Vier aus Liverpool von nun an ein Abonnement auf die ersten Plätze zu haben. Amerikanische Pop-Musik muss sich von nun an hintenanstellen – und instrumentale Surfmusik scheint niemanden mehr zu interessieren. Sprecher: Das musikalische Erdbeben, das der Musikimport aus Großbritannien in den USA auslöst, wird von einigen Beobachtern als „British Invasion“ bezeichnet und somit mit einer feindlichen Übernahme oder einer Eroberung verglichen. Sprecherin: Gleichzeitig hat sich die Welt der Jugendlichen in den USA drastisch verändert. Im November 1963 wird US-Präsident John F. Kennedy erschossen. Der Traum von einer friedlichen Zukunft ist geplatzt. Im Frühjahr 1965 lässt Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson Vietnam das erste Mal bombardieren. Die fröhliche Aufbruchsstimmung, die noch zu Beginn der 60er Jahre geherrscht hatte, ist damit endgültig verflogen. Die USA sind wieder ein Land im Krieg. Sprecher: Surfen und Surfmusik gelten nun als Klischee. Bands wie die Beachboys halten den Kalifornien-Sound zwar weiter am Leben. Doch erfolgreich sind Surf-Songs nur noch, wenn in ihnen, nach Beatles-Vorbild, mehrstimmig gesungen wird. Musik: Beach-Boys. I get around 0‘35 schon bei „Bands wie die Beach Boys“ einsetzen Sprecherin: Aber ist das noch Surf oder schon die kommerzielle Ausschlachtung einer Jugendkultur? Der Surf-Musik-Spezialist Michael Koltan sieht hier eindeutig eine Grenze überschritten. Einspielung. Koltan 2: „Die Beachboys haben großartige Musik gemacht. Ich würde sie nicht unbedingt als Surfmusik – im Sinne dieses Aufbruchs der 60er Jahre sehen. Das war was anderes. Und es ist auch im musikalischen Sinn was anderes. Das eine ist harmonischer Akkord-Gesang und das andere ist schnelle Gitarrenmusik, die mit unwahrscheinlichen Drive nach vorne gespielt wird. Aber mit dieser instrumentalen Surf-Musik hat das nichts zu tun.“ Musik: Paul Johnson & the Packards, Mr. Moto 1‘10 Sprecher: Echte Instrumentale Surf-Musik kommt erst gute 15 Jahre später - zu Beginn der 80er Jahre, wieder an die Oberfläche. Der Gitarrist Paul Johnson, der mit seiner Schülerband the Belairs 1961 den ersten Surf-Song überhaupt eingespielt hatte, nimmt mit einigen Freunden, die sich zur Band the Packards zusammengeschlossen haben, wieder ein paar Surf-Stücke im Studio auf. Über seine Gründe das zu tun, verrät er in einem Interview Folgendes: Zitator: Paul Johnson: „Surfmusik und instrumentale Rockmusik generell sind definitiv die instrumentale Grundlage von Rock ´n Roll. Sie waren für 15 Jahre völlig verschwunden – in den späten 60er und dann in den 70er Jahren – weil jeder dachte, Musik müsste wichtiger und beschäftigter und komplizierter und so weiter sein. Und irgendwann beschlossen die Leute, dass es nicht so sein muss. So kam ich auch wieder darauf zurück.“ Sprecherin: Zu der Zeit, als Johnson mit den Packards den Surf wiederentdeckt und erste, wenn auch bescheidene Erfolge mit seinen Platten hat, erobern gerade die letzten Ausläufer der Punk-Bewegung und die ersten New-Wave Hits die Hitparaden. Instrumental-Musik scheint da auf den ersten Blick wenig hinein zu passen. Doch schon bald klingt Punk, so wie bei der Band Agent Orange aus Kalifornien, auch so: Musik: Agent Orange. Mr. Moto 0‘40 Sprecher: Surf-Musik Experten wie Michael Koltan sind sich sicher, Punk und Surf sind musikgeschichtliche Geschwister. Einspielung: Koltan 3: „Phil Dirt, der große Surf-Musik-DJ, hat behauptet - und ich glaube er hat recht - dass Surf die erste Punk-Bewegung war. Nicht im Sinne von Aggressivität und No Future. Sondern in dem Sinn, dass Jugendliche einfach komplett ihr eigenes Ding durchziehen. Unbeeindruckt von dem, was sonst als Standard gilt. Das sich selbst eine eigene Jugendbewegung erschaffen – das war Punk dann auch wieder.“ Musik: Dick Dale and the Del-Tones. Misirlou 0‘45 Sprecherin: Gute 10 Jahre später: Hollywood Regisseur Quentin Tarantino eröffnet 1994 seinen Erfolgsfilm Film Pulp-Fiction mit dem Surf-Klassiker Misirlou von Dick Dale. Damit macht er ein Millionen-Publikum auf die bis dahin schon wieder vergessene Instrumental-Musik aus den 60er Jahren aufmerksam. Der Film tritt damit die dritte Welle der Surf-Musik-Begeisterung los. Sprecher: Mit einem Mal gibt es wieder Surf-Bands, die vor großem Publikum spielen. Darunter sind auch etliche Musiker, wie z.B. Dick Dale, die ihre Laufbahn während der ersten Surf-Musik-Welle, zu Beginn der 60er Jahre, gestartet haben. Aber es gründen sich auch ebenso viele neue Bands, die den Surf-Sound perfektionieren, wie z.B. Messer-Chups aus Russland. Eine hohe Chart-Platzierung gelingt allerdings keiner Surf-Kapelle mehr. Musik: Messer Chups. Twin Peaks-Twist 0‘25 Sprecherin: Und heute? Über 25 Jahre nach Pulp Fiction und der letzten großen Surf-Welle? Die Musik wird noch immer gespielt und auf Festivals gefeiert. Wie die deutsche Band The Razor-Blades. Musik: The Razor-Blades. Punk-Rock Summer 1‘30 Sprecher: Die Surf-Szene ist vor allem per Internet eng vernetzt. Fast alle Surf-Musiker Europas kennen sich. Idealismus und der Spaß an der Musik stehen eindeutig im Vordergrund – ganz weit vor dem Traum, mit der Musik das große Geld zu machen. Ob Surf-Musik einmal wieder aus diesem gepflegten Biotop, aus seiner Nische herauskommen wird? The Razor-Blade-Musiker und Journalist Martin Schmidt hat da so seine Zweifel: Schmidt 3: „Ich würde jetzt mal ohne Garantie die Nische vorhersagen. Aber in der heutigen Zeit ist es ja immer so, dass der Erfolg von Musik gar nicht mehr so von der Musik selber abhängt, sondern von der Art und Weise, wie sie eingesetzt wird. Wenn es jetzt also einen Film gibt, oder ein Videospiel, oder eine Werbung wo Surf-Musik drin vorkommt, dann ist es wahrscheinlich für viele Leute wieder präsent. Und wenn es das nicht gibt dann sind es eher die Leute, die sich für die Musik interessieren. Dann wird´s klein bleiben. Das ist schwer vorhersehbar. Ich hoffe auf einen Film, der das Ganze wieder nach vorne bringt.“ Atmo Wellen: 0‘15 Sprecherin: Und so schauen Surf-Musik-Begeisterte wie einst die Wellenreiter auf den Horizont – Auf der Suche nach der nächsten, perfekten Welle.

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