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"Der Hund oder ich!" - Tiere in der Partnerschaft

22.07.2025 · 23 Min.

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Über diese Folge

Haustiere können in Partnerschaften durchaus für Reibereien sorgen: Der Hund schläft im Bett, der neue Partner hingegen im Gästezimmer. Die Katze pinkelt auf die Klamotten des "Nebenbuhlers", der in ihr Revier eingedrungen ist. Ohne viel Geduld und Kompromissbereitschaft läuft dann gar nichts. Von Karin Lamsfuß (BR 2024)

Credits
Autorin dieser Folge: Karin Lamsfuß
Regie: Sabine Kienhöfer
Es sprachen: Julia Fischer, Thomas Birnstiel
Technik: Helge Schwarz
Redaktion: Bernhard Kastner

Im Interview:
Dr. Silke Wechsung, Psychologin
Prof. Andrea Beetz, Psychologin
Eric Hegmann, Paartherapeut
Tanja Brandt, Tierfotografin

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ZUM PODCAST

Literaturtipps:

Silke Wechsung: Mensch und Hund: Beziehungsqualität und Beziehungsverhalten (Schriftenreihe Psychologie der Mensch-Tier-Beziehung) 2008, S. Roderer Verlag

Tanja Brandt: Die Eulenflüsterin. Lübbe Verlag, 2019

Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.

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ARD Audiothek | Radiowissen
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Das vollständige Manuskript gibt es HIER.

Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: O-Ton 1 Silke Wechsung (0‘12“)

Man kommt abends vom Arbeiten und der Hund wird fröhlich begrüßt und dann kommt erst mal lange nichts. Und irgendwann dann sagt man dann vielleicht auch mal der Ehefrau oder dem Ehemann „Hallo“. 

O-Ton 2 Eric Hegmann (0‘10“): 

„Es ist doch ganz normal, dass man sich morgens erst mal küsst und danach den Hund küsst.“ Wer sagt das? Wer sagt, dass das normal ist?

O-Ton 3 Tanja Brandt (0‘05“): 

Für mich sind die Tiere komplett selbstverständlich. Ich denk mir jetzt nicht, dass da jemand Probleme mit haben kann. 

O-Ton 4 Silke Wechsung (0‘07“)

Unabhängig vom Familienstatus ist der Hund für 35 Prozent aller Hundehalter der wichtigste Partner.

O-Ton 5 Tanja Brandt (0‘05“): 

Die Hunde sind schon so ein bisschen Killer. Also ich glaube, die Beziehung wäre harmonischer ohne die Hunde. 

Sprecher: 

Tiere in der Partnerschaft: Sie können die Zweierbeziehung bereichern, beide Partner gleichermaßen erfreuen. Mit einem Haustier zusammenzuleben, kann herzerwärmend sein, berührend, tröstend, verbindend und manchmal auch einfach unglaublich lustig. Gemeinsam für ein Lebewesen zu sorgen, kann beide Partner zusammenschweißen. Muss es aber nicht. 

Musik:  Mysterious animal play (reduced) 0‘54

Erzählerin:

Es geschah während der Corona-Pandemie. Lockdown. Das Leben stand mehr oder weniger still. Die Tierfotografin Tanja Brandt dachte sich: Ein neuer Partner wäre vielleicht nicht schlecht. Sie meldete sich bei einer Dating App an – mit bescheidenen Angaben: Alter, Ort und ein Bild von ihr, gemeinsam mit einer ihrer Eulen. Dass sie zudem mit zwei Steinkäuzen, zwei Habichtskäuzen, einem Wüstenbussard und zwei großen Hunden zusammenlebt, war ihr zunächst keine Erwähnung wert. Dass ein Mann damit Probleme haben könnte, kam ihr nicht in den Sinn, so selbstverständlich sind die Tiere für sie. Doch Chris hatte genau damit Probleme. 

O-Ton 6 Tanja Brandt (0‘33“): 

Irgendwann kam es zu diesem ersten Telefonat, was ja so schrecklich war, wir haben zwei Stunden über Hunde gestritten. Also über Frauen mit Hund. Und da hat er eben gesagt: „Auf gar keinen Fall kommt für ihn ne Frau mit Hund infrage, auf gar keinen Fall mit im Bett, und die Frauen mit Hund, die haben vielleicht psychisch Probleme, und wenn die dann die Hunde auch noch im Bett haben, das sind dann die Hunde, die so gar nicht folgen!“ Und ich hab während dem Telefonat meinen Ingo angeguckt, der so neben mir auf dem Bett lag, gemütlich, und er hat geschlafen, und ich hab gedacht: ‚Was stimmt mit dem Typen nicht?‘

Erzählerin: 

Für den Paartherapeuten Eric Hegmann entscheidet sich oft schon in der Kennenlernphase, ob das Modell ‚neue Liebe plus Haustier‘ überhaupt eine Chance haben kann. Für ein Online-Dating-Portal hat er eine Studie zu Tieren und Partnerschaft begleitet:

O-Ton 7 Eric Hegmann (0‘41“)

Dieser urbane Mythos, nach dem männliche Hundebesitzer bei Frauen besonders gut ankommen, das stimmt tatsächlich. Umgekehrt ist es anders: Männer fühlen sich durch Haustiere von Frauen eher bedroht. Und als besonders bedrohliches Tier ist das Pferd. Und meine Vermutung ist: Je zeitintensiver, je pflegeintensiver das Haustier ist, desto eher nimmt es eine Position ein, die mich als neuen Partner vielleicht auf Platz zwei setzt und das buche ich ja nicht, wenn ich eine Beziehung eingehe. Ich möchte ja Prio eins ein. 

Musik: Discussion points (reduced 2) 0‘14

dann darüber

Erzählerin: 

Tierfotografin Tanja Brand und ihr Internet-Date Chris diskutierten weiter. Nacht für Nacht. Über Frauen und Hunde, und dass das ja gar nicht ginge. 

O-Ton 8 Tanja Brandt (0‘24“): 

Und dann sagt er plötzlich mitten in der Nacht „Ja, jetzt haben wir wieder ne Stunde gestritten, in der Zeit hättest du eigentlich hierherfahren können und nen Kaffee trinken. Und mich muss was gebissen haben, dass ich jetzt noch ne Stunde auf die Autobahn fahre zu nem Idioten und mit dem dann noch irgendwie in seiner Wohnung weiterstreite, den ich nicht mal kenne, ja, ich bin tatsächlich gefahren, und seither sind wir eigentlich zusammen. 

Erzählerin: 

Der Mann, der nie eine Frau mit Hund wollte. Und die Frau, deren Tiere ihr Lebensinhalt sind. Das birgt ordentlich Zündstoff.

Musik: Sparkling curiousity 0‘32

Sprecher: 

Menschen und ihre Haustiere. Oft eine tiefe Liebesgeschichte. Sie öffnen unsere Herzen und gelangen in Bereiche, in die ein Mensch nie vordringen kann. Sie sind warm und weich und hingebungsvoll. Kein Mensch kann einen so bestechend und herzzerreißend ansehen. 34 Millionen Haustiere leben in deutschen Haushalten.

Erzählerin: 

Prof. Andrea Beetz ist Psychologin und erforscht Mensch-Tier-Beziehungen. Sie weiß aus ihren Forschungen: Ein Haustier ist nicht irgendein Wesen, sondern ein wichtiger Sozialpartner. 

O-Ton 9 Andrea Beetz (0‘18“): 

Das basiert darauf, dass in der Mensch-Heimtier-Beziehung die gleichen Mechanismen greifen, die wir auch in anderen engen Beziehungen nutzen. Nämlich das Bindungssystem und das Fürsorgesystem. Und das ist mit ganz vielen Hormonen verbunden, mit Stressregulation, mit der Regulation von Emotionen, sich wohlfühlen, sich sicher fühlen. 

Sprecher: 

Das macht klar, warum ein Konflikt um ein Haustier viel tiefer geht als Streit über den Abwasch oder das neue Auto.

O-Ton 10 Andrea Beetz (0‘25“): 

Gerade wenn die Tiere als junge Tiere zu uns kommen, dann versorgt man sie, man kümmert sich, und irgendwann werden die erwachsen, und dann ist es auch so, dass man selber sagt: Wenn es mir mal nicht so gut geht, geh ich da hin, hab den Kontakt und fühl mich irgendwie unterstützt und wird ruhiger. Und bin auch nicht allein. Und dadurch, dass das die gleichen Systeme sind, ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Beziehungen so eng werden und so emotional wichtig für den Menschen. 

Sprecher: 

Tiere als Seelentröster, als Sozialpartner, für manche sogar die ganz große Liebe. 

Erzählerin: 

Wie wichtig Haustiere für viele Menschen sind, das hat die Psychologin Dr. Silke Wechsung in Bezug auf Hunde an der Uni Bonn erforscht:

O-Ton 11 Silke Wechsung (0‘11“): 

Wir haben die Frage gestellt: Welchen Stellenwert hat der Hund in Ihrem Leben? Und da haben 35 Prozent der Hundehalter gesagt, dass der Hund für Sie der wichtigste, wichtigste Beziehungspartner ist.

Musik: Sandbath 0‘19

dann darüber: 

O-Ton 12 Tanja Brandt (0‘09“): 

Ich liebe meine Tiere! Ich würde für meine Tiere wahrscheinlich so ziemlich alles aufgeben! Ich leb mein komplettes Leben lang mit Tieren zusammen. Komplett! Und ich kenn das gar nicht anders. 

Sprecher: 

Wenn in diese tiefe Liebesbeziehung dann ein neuer Mensch eindringt, kann das eingespielte soziale Gefüge durcheinandergeraten. Denn ob er will oder nicht: Der oder die Neue tritt in Konkurrenz zu einem Lebewesen, das schon lange da ist. Einen festen Platz im Herzen hat und womöglich schon einige Partner kommen und gehen gesehen hat.

Erzählerin: 

Im Fall der Tierfotografin Tanja Brandt verlief das nicht unbedingt reibungslos. 

O-Ton 13 Tanja Brandt (0‘33“): 

Er kam dann irgendwann auch mal zu mir, und da musste ich ihm ja die Tiere direkt vorstellen. Ich hab ihm die ganzen Vögel vorgestellt, die fand er auch spannend, den Hund fand er … mittel.  Jetzt muss man dazusagen: Der Ingo ist halt nicht so begeistert, wenn da ein Typ reinschneit. Der passt halt schon auf mich auf! Und wenn da ne Hand in meine Richtung kommt, dann freut er sich da nicht so drüber. Er war auch nicht begeistert, dass er aus dem Bett ausquartiert wurde und dass er viele Sachen nicht mehr so machen durfte …

Erzählerin: 

Ingo ist ein Malinois, ein belgischer Schäferhund. Mit stark ausgeprägtem Schutztrieb. Er begleitet Tanja Brandt schon seit 12 Jahren überall hin, posiert auf unzähligen ihrer Fotos. 

Musik:  Simple but complex behaviour 0‘17

Atmo Hund

Sprecher: 

Wenn eine Dreiecksbeziehung zwischen Mensch-Mensch und Tier entsteht, entsteht auch eine neue Ordnung. Oft verbunden mit dem Verlust von Privilegien. 

Erzählerin: 

Hund Ingo durfte nicht mehr mit im Bett schlafen. Was er keineswegs klaglos hinnahm. 

O-Ton 14 Tanja Brandt (0‘31“): 

Ich sag mal, so Romantik ist ganz schwierig, da schmeißt sich der Ingo nämlich gegen die Schlafzimmertüre, und wenn ich jetzt fünf Mal sag „Ingo, geh jetzt bitte in dein Körbchen“, dann geht er in sein Körbchen, und dann lässt er das auch, aber ich sag mal, so fünf Minuten später sitzt er dann vor der Schlafzimmertür und macht (ahmt Jaulen nach), das lenkt jetzt irgendwie auch ab, und ja, er kam auch tatsächlich einmal in das Bett gesprungen, mit Karacho, das fand er nicht lustig. Er ist halt so ein Schutzhund so ein bisschen. Beschützer.

O-Ton 15 Silke Wechsung (0‘19“)

Da Hunde eben sehr rang- und statusbewusst sind, werden sie erst mal versuchen, den Rang, den sie sich erarbeitet haben, auch zu erhalten. Das ist ja wie bei uns Menschen. Wenn ich erst mal ein bestimmtes Privileg habe, möchte ich das ja auch nicht ohne Not einfach so schnell wieder abgeben. 

Sprecher: 

Doch wer denkt, dass nur Hunde ihren Unmut über den menschlichen Eindringling missmutig kundtun, der täuscht sich. Katzen stehen dem in nichts nach …

Musik: Animals playing catch 0‘25

dann darüber:

Erzählerin: 

Alex hatte sich gerade frisch verliebt. In eine Frau mit Katze. Die erste gemeinsame Nacht in der Studentenwohnung. Doch die war gleichzeitig Revier des alteingesessenen Katers. Alles endete mit einer Überraschung am nächsten Tag. Beim Aufwachen roch es irgendwie seltsam: 

O-Ton 16 Alex (0‘25“) 

Am nächsten Morgen wachte ich dann auf und dachte so: Mein schönes himbeerfarbenes, vornehmes Hemd zusammengefaltet? Und dann hab ich das ausgefaltet, und was musste ich darin entdecken? Da hatte der Kater einen Haufen da reingemacht. Offensichtlich um mich zu bestrafen für meine Anwesenheit oder um ein deutliches Zeichen seiner Missbilligung zu setzen, das war irre.

Musik:  Animals playing catch 0‘4

Atmo Katze

O-Ton 17 Alex (0‘25“)

Also offenbar hat ihm einfach nicht geschmeckt, dass ich da übernachtet hab, dann hat er sich die Mühe gemacht, da erst mal reinzumachen und das dann auch noch ordentlich zusammenzufalten. Also unglaublich, zu was für Aktionen ein solches Tier dann imstande ist, wir haben natürlich herzlich gelacht, und über die Jahre hinweg hat sich zwischen den Kater und mir dann durchaus eine gute Freundschaft entsponnen – tatsächlich beidseitig.

Musik: Stork’s walk 0‘22

Sprecher: 

Das Tier, das eifersüchtig ist auf den Eindringling. Aus tierischer Sicht verständlich: Der neue Partner, die Partnerin sitzt auf dem Lieblingsplatz, bekommt die Aufmerksamkeit, die Zuwendung, die zuvor ausschließlich dem Tier galt. Das, so sagen Tierverhaltenstrainer, löst man am besten mit sehr viel Geduld und vorsichtiger Annäherung. So haben beide die Chance, sich langsam aneinander zu gewöhnen.

Doch Eifersucht gibt es auch auf der anderen Seite: nämlich dann, wenn das Haustier Privilegien genießt, die eigentlich dem Menschen zustünden, so die Psychologin Silke Wechsung. 

O-Ton 18 Silke Wechsung (0‘20“): 

Wenn man sich immer mal damit beschäftigt, wie viele Stunden am Tag sich eben mit dem Tier beschäftigt wird im Vergleich zu dem, wie viele Stunden am Tag sich mit dem Partner oder den Kindern beschäftigt wird, dann fällt doch auf, dass der Hund einfach unheimlich viel Aufmerksamkeit bekommt.

Erzählerin: 

Paartherapeut Eric Hegmann sagt: Unter zahlreichen Konflikten liegen häufig viel tiefere Themen: 

O-Ton 19 Eric Hegmann (0‘29“): 

Es geht bei dem Konflikt um Haustiere häufig um das eigene Bedürfnis nach Anerkennung, nach Gesehenwerden, dieses Gefühl ‚bist du für mich da? Kann ich mich auf dich verlassen?‘ Und wenn ich immer wieder den Eindruck habe: ‚Für dein Haustier machst du alles! Das Tier hustet einmal, und schon sind wir beim Tierarzt. Und du lässt alles stehen und liegen. Ich liege mit Grippe im Bett, und ich bekomme noch nicht mal ne Suppe!‘

Erzählerin: 

In ihrer Forschungsarbeit über die Mensch-Hund-Beziehung ist Silke Wechsung auch auf einige extreme Ausprägungen gestoßen:

O-Ton 20 Silke Wechsung (0‘12“): 

Wo der Hund dann vorne im Auto mitfährt, auf dem Beifahrersitz und die Partnerin hinten im Auto sitzt. Oder Menschen, die dann eben mit dem Hund das Schlafzimmer teilen, während der Partner in einem Nebenraum schläft. 

O-Ton 21 Eric Hegmann (0‘14“): 

Hier würde ich schon fragen „Ist das wirklich eine Rolle, die Sie auf Dauer einnehmen wollen? Kommen Sie damit zurecht? Wie ist das, wenn Sie „Schichtwechsel“ haben: Sie steigen aus dem Bett aus und der Hund kommt da rein. Wie fühlen Sie sich dabei?“

Musik:  In this together 0‘17

dann darüber:

Erzählerin: 

Es vergeht kaum ein Tag, erzählt Tierfotografin Tanja Brandt, an dem sie nicht mit ihrem Partner Chris über den Hund Ingo streitet. 

O-Ton 22 Tanja Brandt (0‘28“): 

Der Chris, der ist auch selbstständig und hat hier so Online-Kurse. Und diese Online-Kurse, die kennt der Ingo ganz genau. Und dann setzt der sich natürlich in dem Nachbarraum an die Wand und macht die ganze Zeit ahmt Bellen nach. Drei Stunden lang. Der Chris sagt dann auch „super, ich war den ganzen Tag mit dieser Winsel-Stute hier alleine!“ und da kriegen wir dann auch Krach. Weil er dann echt gereizt ist. 

Erzählerin: 

Trotz alledem verstehen sich die Tierfotografin und ihr Partner sehr gut, sogar so gut, dass sie sich zusammen ein altes, renovierungsbedürftiges Haus gekauft haben. Dort gibt es klare Regeln.  Die wichtigste: Chris hat sein eigenes Zimmer, zu dem Malinois Ingo keinen Zutritt hat. Doch es kam der Tag, an dem der Hund die Tür irgendwie aufbekommen haben muss. 

O-Ton 23 Tanja Brandt (0‘22“): 

Er hat dahingepullert, an das Sofa. Das würde der nie machen normalerweise. Das ist so Protest bei ihm einfach. Die Aktion die hab ich gar nicht mitbekommen. Weil ich ja geschlafen hab. Die hat mir der Chris ja wutentbrannt am nächsten Morgen erst erzählt. (…) und wenn ich um die Ecke komme, dann liegt der Ingo natürlich irgendwo in seinem Körbchen und guckt ganz unschuldig! 

Musik: Cute rodent (reduced) 0‘10

Erzählerin: 

Mit den Greifvögeln kommt Chris gut klar. Mit dem zweiten Hund, dem Wolfshund Dio auch. Dio verehrt Chris und folgt ihm überall hin. Wenn da nur nicht seine gefühlt Millionen einzelner Haare wären, die wirklich überall rumfliegen. Das Hundehaar-Drama beginnt bereits morgens im Bett, beim Aufstehen: 

O-Ton 24 Tanja Brandt (0‘23“): 

Ja, der hat so zarte Füße! Der Chris hat ganz zarte Füße tatsächlich! Und er geht auch so aus diesem Bett raus: Er schwingt die Füße so seitlich und hält die nach oben. Und dann hat er die Socken parat liegen und die Schuhe, und dann schlüpft der da rein in die Socken und in die Schuhe. Und wenn das sein muss, dann wird dann noch abgefusselt. Damit er ja nicht mit den Füßen auf diesen Boden muss, wo vielleicht Hundehaare sind oder so. Also er läuft hier nicht mit Socken rum. Auf gar keinen Fall. 

Sprecher: 

Zusammenleben mit Haustieren: Das kann ein Traum sein – vor allem, wenn sich beide bestenfalls gemeinsam ein Tier ausgesucht haben. Und es kann zum Albtraum werden. Wenn es ein eingespieltes Mensch-Tier-Team gibt, eine tiefe Bindung, viel Liebe – und oft auch viele Konflikte. Denn die Intensität dieser besonderen Bindung ist nicht zu unterschätzen:

Musik: Sad clown in the rain 0‘48

einbetten:

Sprecher: 

Wenn sie krank sind, kommen wir um vor Sorge. Wenn sie ihren letzten Atemzug machen, dann ist es, als ginge die Welt unter. Auch wenn die Trauer anders ist: In der Tiefe ähnelt sie dem Verlust eines geliebten Menschen, so die Psychologin Andrea Beetz:

O-Ton 25 Andrea Beetz (0‘19“): 

Vor allem wenn wir ein Tier verlieren, im Sinne von es stirbt, dann merken ganz viele, wie eng und wie wichtig dieses Tier ihnen war, und heute wird das viel mehr zugegeben. Das ist heute viel akzeptierter, wenn Sie sagen „ich trauere“. Das war vor 20, 30 Jahren noch nicht so sehr der Fall. Jede dieser Beziehungen ist einzigartig. 

Musik weg

Sprecher: 

So einzigartig, dass manch ein Tierhalter behauptet: Tiere seien die besseren Menschen. Ja, eigentlich mehr noch: Die idealen Partner: Sie sind treu, immer da, enttäuschen nie. Das Tier als Partnerersatz anzusehen, so Paartherapeut Eric Hegmann, sei jedoch ein Trugschluss:

O-Ton 26 Eric Hegmann (0‘24“): 

Wo gesagt wird „Die bedingungslose Liebe, die ich von meinem Haustier erlebe, die erlebe ich niemals mit einem Menschen. (…) ‚Bedingungslose Liebe‘, das ist ein spannender Gedanke. Der kommt aber auch mit der Frage: Steht vielleicht bedingungslose Liebe für dieses tiefe menschliche Bedürfnis nach Sicherheit in der Liebe? Aber bedingungslose Liebe von Tieren hat in der Realität auch ganz viel mit Abhängigkeit zu tun. 

Musik:  Healing process  0‘31

Sprecher: 

Die fast kindliche Sehnsucht nach der bedingungslosen Liebe, nach der totalen Akzeptanz. In erwachsenen, ebenbürtigen Beziehungen kaum zu finden. All diese Sehnsüchte in das Tier zu projizieren und es zum Partnerersatz zu machen, mag verlockend sein. Doch die Konflikte sind dann vorprogrammiert. Und wie löst man die?

Erzählerin: 

Paartherapeut Eric Hegmann sagt: Mit Mut. Und Offenheit. Und der Bereitschaft, über die wirklich relevanten Fragen zu sprechen: 

O-Ton 28 Eric Hegmann (0‘37“): 

Das Thema Haustier, das steht natürlich noch für ganz andere Sachen: für Selbstwert. Für meine Vorstellung von Beziehungs-Dynamik. Für meinen Wunsch nach Aufmerksamkeit. Für meinen Wert, wie viel gemeinsame Zeit ich mit meiner Partnerin, mit meinem Partner verbringen möchte. Das sind letztlich die Gesprächsangebote, die Partner einander machen können und sollten, wenn es um Konflikte geht. „Erzähl mir mehr, warum dir das so wichtig ist. Ich erleb das anders. Ich erleb das bedrohlich. Ich erlebe da Schmerzen.“

Erzählerin: 

Und: Konflikte über Haustiere sind manchmal nur stellvertretend für tieferliegende Partnerschafts-Themen:

O-Ton 29 Eric Hegmann (0‘28“): 

Das kommt daher, weil eben das Haustier zum Teil einer Beziehungsdynamik werden kann, wenn beide Partner es lassen. Es ist nicht das Haustier. Das wird schnell zum Gegner. Sondern wie gehen wir damit um, dass ich dieses Bedürfnis, das ich habe: morgens in den Arm genommen zu werden, dass ich das nicht bekomme von dir. Und stattdessen sehe ich: Das bekommt der Hund! Wie gehen wir damit um?

Sprecher: 

Sich diesen Konflikten zu stellen, kann bereichernd für die Beziehung sein, so Eric Hegmann. 

Musik: Good results 0‘19

darin einbetten

Erzählerin: 

Tierfotografin Tanja Brandt, ihr Freund Chris und ihre vielen Tiere haben sich nach all den Jahren irgendwie arrangiert. Eine Art Burgfrieden geschlossen. Weitgehend. 

O-Ton 31 Tanja Brandt (0‘14“): 

Also sie versuchen sich zu akzeptieren. Der Ingo weniger, aber der Chris versucht ihn zu akzeptieren. Also der Chris weiß halt, dass mein Hund mir wichtig ist. Und der weiß auch, wie viel ich mit ihm erlebt habe. Und klar: Der würde natürlich nie sagen „Dieser Hund muss weg!“ 

Erzählerin: 

Natürlich wäre es perfekt, wenn Chris die Hunde und die Vögel genauso lieben würde, wie Tanja Brandt es tut. Aber was ist schon perfekt?

O-Ton 32 Tanja Brandt (0‘16“): 

Wir haben wirklich gemeinsam sehr viel zu lachen, sehr viel Humor, ich mach ihm auch schon viel Geschenke und Überraschungen und koch für ihn, ich mach schon viel für ihn. Ich versuche schon, ihm viel angenehm zu machen. Ich weiß das auch total zu schätzen. Und ich versuche, ihm das schon zurückzugeben! 

Musik: Feeling good 0‘23

Sprecher: 

Bei allen Eifersüchteleien, Revierkämpfen, Machtspielchen, die in einer Mensch-Tier WG entstehen können, darf eins nicht vergessen werden: Das Zusammenleben mit Tieren kann auch eine ganz große Bereicherung sein und sich positiv auf die Beziehungsqualität auswirken:

O-Ton 33 Silke Wechsung (0‘31“)

Da ist das Tier sogar eher Beziehungskatalysator, weil man ja, wenn beide Beziehungspartner tierlieb sind und da Spaß haben, natürlich auch ein gemeinsames Hobby haben, gemeinsamen Gesprächsstoff haben, letztlich ein Tier haben, für das sie gemeinsam sorgen können, mit dem sich gemeinsam beschäftigen können. Also das heißt, das gibt es sehr, sehr oft, dass Tiere eher beziehungsförderlich sind. Voraussetzung ist aber: Beide haben Spaß daran.

Erzählerin: 

Und wer weiß: Vielleicht entdecken Chris und Hund Ingo ja eines Tages ihre Liebe füreinander. Nicht sehr wahrscheinlich, aber auch nicht ausgeschlossen…

Musik:  Cute rodent (reduced) 0‘30

O-Ton 34 Eric Hegmann (0‘27“): 

Und da habe ich die Erfahrung gemacht: Wenn das Paar eine gute Lösung gefunden hat, mit der beide Partner zufrieden sind, dann geht es auch dem Tier besser, weil es nicht zum Spielball wird zwischen den Partnern. Dann wäre mein Ratschlag: Versuchen Sie, einen guten Weg zu finden, wie Sie beide glücklich werden mit dem Tier, dann wird auch das Tier glücklich sein!


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Erzählerin In den Essais meldet sich also einer zu Wort, der das Leben als Jurist und Parlamentsrat von Bordeaux, als Familienvater und wacher Beobachter des Zeitgeschehens in vielen Facetten kennengelernt hat, der sich nun aber schreibend und denkend auf sich selbst besinnen möchte. In einer Zeit politischer Zerrissenheit und konfessioneller Spaltung erprobt er die Weisheit der Klassiker an sich, seinem eigenen Leben und seiner Zeit. So werden die Essais zu einem Werk der Selbstbehauptung - und zelebrieren zugleich die Lust an der eigenen geistigen Beweglichkeit. Auffallend ist, dass Montaigne in den Jahrhunderten nach seinem Tod bei Schriftstellern und Sprachwissenschaftlern mindestens ebenso viel Resonanz gefunden hat wie bei Philosophen. Und unter den Philosophen schätzten ihn vor allem solche, die - wie Montaigne selbst - mit der systematischen Unabgeschlossenheit ihrer Gedanken gut leben konnten und denen - wie Montaigne - an prägnanter Formulierung ebenso gelegen war wie an gedanklicher Schärfe: Brillante Stilisten also wie Voltaire, Diderot - oder auch Friedrich Nietzsche, der die vielleicht schönste und berühmteste Huldigung an Montaigne formuliert hat: Zitator 2 „Dass ein solcher Mensch geschrieben hat, dadurch ist wahrlich die Lust, auf dieser Erde zu leben, vermehrt worden ... Mit ihm würde ich es halten, wenn die Aufgabe gestellt wäre, es sich auf Erden heimisch zu machen.“ Musik: "Aurora lucis rutilat" - Orlando di Lasso SC006440011 1'11 Erzählerin Michel de Montaignes Kindheit und Jugend fallen in die Amtszeit von König Franz I., der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts aus Frankreich eine absolutistische Monarchie machte. Franz war es auch, der damit begann, die Institutionen der Macht in Paris zu bündeln, auf Kosten weitgehend selbständiger Regionen wie etwa der Guyenne und ihres Zentrums Bordeaux. Es gab Unruhen und Aufstände, die blutig niedergeschlagen wurden. Zeitweise wurden Bordeaux die Stadtrechte aberkannt. Montaignes Vater, Pierre Eyquem, hatte den König auf verschiedenen Feldzügen begleitet, zugleich aber hatte er hohe Ämter in Bordeaux inne, als Jurist und später als Bürgermeister. Es gelang ihm, eine vermittelnde Position zwischen König und Stadt einzunehmen und für Bordeaux, bei aller Loyalität zum König, die Stadtrechte zurückzugewinnen. Diese ausgleichende und diplomatische Haltung, der alles radikale Eiferertum verhasst war, sollte sich auf seinen Sohn vererben. Zitator 1 „Man sieht sehr gewöhnlich, dass gute Absichten, wenn sie ohne Mäßigung durchgesetzt werden, die Menschen zu sehr fehlerhaften Handlungen verleiten.“ Erzählerin Michel Eyquem wurde – wie sein Vater - Jurist und später Bürgermeister von Bordeaux. Auch seine Lebenszeit war gekennzeichnet von Kriegen und Bürgerkriegen, vor allem konfessioneller Art. Und wie sein Vater blieb Montaigne königstreu und katholisch, verabscheute jedoch jede Art des Fanatismus: Zitator 1: „In dem Streit, durch welchen Frankreich jetzt durch den bürgerlichen Krieg beunruhigt wird, ist die beste und sicherste Partei ohne Zweifel diejenige, welche die alte Religion und alte Verfassung des Landes verficht. Gleichwohl sieht man unter den redlichen Leuten, welche daran hängen ... viele, welche durch Leidenschaft die Grenzen der Billigkeit überschreiten und zuweilen ungerechte, gewalttätige und dabei unüberlegte Entschlüsse fassen.“

  • Lady Chatterleys Liebhaber - Erotik, Sex, Ehebruch

    21.07.2025 · 23 Min.

    In seinem Roman "Lady Chatterley's Lover" erzählt D.H. Lawrence die Liebesgeschichte einer englischen Lady und eines Mannes aus der Arbeiterklasse. Das Buch sorgt für einen der größten Skandale der Literaturgeschichte. Es ist ein Plädoyer für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, die die Sexualität ganz explizit miteinschließt. (BR 2023) Autor: Frank Halbach Credits Autor dieser Folge: Frank Halbach Regie: Frank Halbach Es sprachen: Christiane Roßbach, Christoph Jablonka, Ines Hollinger Technik: Ursula Kirstein Redaktion: Susanne Poelchau Im Interview: Prof. Dr. Stephan Karschay, Professor für Britische Literatur- und Kulturwissenschaft mit Forschungsschwerpunkt Skandal und Zensur Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Das Kamasutra - Leitfaden für Liebe, Erotik und Lebensweise JETZT ANHÖREN Burlesque - Von der Komik zur Erotik JETZT ANHÖREN Anais Nin - den Traum leben JETZT ANHÖREN Literaturtipps: D.H. Lawrence: Lady Chatterley, Reinbek bei Hamburg 1973. Sybille Bedford: The trial of Lady Chatterley's lover, London 2016. David Bradshaw / Rachel Potter (Hgg.): Prudes on the Prowl: Fiction and Obscenity in England, 1850 to the Present Day, Oxford 2013. Stephan Karschay: Scandals in British Culture. In: Jürgen Kramer / Bernd Lenz (Hgg): How to Do Cultural Studies: Approaches, Ideas, Scenarios, S. 191-220, Würzburg 2019. Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: MUSIK 1 „A Zed and Two Noughts“ auf Schluss; ZEIT: 02:49 ERZÄHLERIN (bewundernd) Einer der bedeutsamsten Romane des 20. Jahrhunderts... SPRECHER (gereizt) Das obszönste Buch in englischer Sprache! ERZÄHLERIN (gelassen) Ein klassisches erotisches Meisterwerk. ZITATORIN (lustvoll) „Lady Chatterley’s Lover” ERZÄHLERIN D. H. Lawrence’s „Lady Chatterley“ gilt als eines der ersten seriösen Werke der Literaturgeschichte, das Sexualität detailliert und explizit schildert. Es geht um Liebe, Ehebruch und weibliche Lust. ZITATORIN Eine Frau konnte sich einem Mann hingeben, ohne zugleich auch ihr inneres freies Wesen hinzugeben. Das schienen die Dichter und alle, die über den Sexus schwatzten, nicht genügend bedacht zu haben. SPRECHER (ablehnend) Ein aufrührerisches, skandalöses und vulgäres Buch! ERZÄHLERIN D. H. Lawrence löste damit einen der größten Skandale der Literaturgeschichte aus: Nicht nur dass eine junge Lady ihren Stand verrät und sich über Klassenschranken hinwegsetzt, sondern sie wagt es auch noch nach einer erfüllten Sexualität zu suchen und sie sogar zu finden. Das puritanische England fühlte sich in seinen Grundfesten erschüttert. Der Roman aus dem Jahr 1928 war über 30 Jahre lang verboten. Der Skandal um die Publikation des Buches würdigte den Namen Chatterley zum Synonym für Schlüpfriges und Pornografisches herab. ZITATORIN Ein Jammer, dass die Männer in dieser Hinsicht so weit hinter den Frauen herhinkten. Gierig wie die Hunde waren sie auf das Sexuelle aus. Und eine Frau hatte nachzugeben. SPRECHER (aburteilend) Die anrüchige Geschichte eines Ehebruchs zwischen einer ebenso frustrierten wie wollüstigen Aristokratin und einem (verachtend) Proletarier. ERZÄHLERIN Der Bruch mit den Moral- und Gesellschaftsnormen seiner Zeit, die Darstellung befreiter weiblicher Sexualität und die scharfe Kritik im Roman des englischen Schriftstellers D.H. Lawrence an der britischen Gesellschaft, kulminierten 1960 in einem aufsehenerregenden Gerichtsverfahren… SPRECHER (sich ereifernd) Ein Obszönitätsprozess! ERZÄHLERIN An dessen Ende die Aufhebung etlicher Zensurbestimmungen stand, und der „Lady Chatterley’s Lover“ zum Vorreiter der „Sexuellen Revolution“ werden ließ, eine Flamme, die in den 1960er Jahren Großbritannien und schließlich ganz Europa erfasste - trotz oder gerade wegen seiner expliziten Sprache. ZITATORIN (lustvoll melancholisch) Wir haben eine Flamme ins Sein gefickt. Und wenn der wirkliche Frühling kommt, dann können wir die kleine Flamme zu strahlender gelber Helle ficken. MUSIK ENDE O-Ton 1 Karschay (03:33) Also „Lady Chatterley's Lover“ ist mit Sicherheit ungewöhnlich für seine explizite Darstellung von Sexualität. Denn dieser Bereich ist im Liebesroman, in diesem Genre, nicht vorgesehen und gehört eigentlich in den Bereich der Pornografie, also in den Untergrund. ERZÄHLERIN Erläutert Dr. Stephan Karschay, Professor für Britische Literatur- und Kulturwissenschaft. Einer seiner Forschungsschwerpunkte: die Beschäftigung mit Skandalen und Zensur in der britischen Kulturgeschichte. O-Ton 2 Karschay (03:47) Und selbst ein so wichtiger und ja auch im neunzehnten Jahrhundert schon zensierter Roman wie Gustave Flauberts „Madame Bovary“ beispielsweise muss die Darstellungen des körperlichen Ehebruchs zwischen Emma Bovary und Léon ausblenden. Das ist etwas, was völlig der Fantasie der Leser überlassen wird. (…) Und das macht Lawrence anders. Wir sind hier ganz nah mit dabei. Und das ist ungewöhnlich für einen Roman, und das hat letztlich auch dazu geführt, dass dieser Roman zu Lebzeiten Lawrence‘ nicht veröffentlicht werden konnte und tatsächlich erst 30 Jahre nach seinem Tod, also 1960, in der unbereinigten Form veröffentlicht wurde. ERZÄHLERIN Was oft zu sehr in den Hintergrund rückt: Der Roman von D. H. Lawrence bricht nicht nur hinsichtlich der Darstellung und Thematisierung von Sexualität Tabus. „Lady Chatterley“ schlägt auch deshalb ein wie eine Bombe weil Lawrence die Orientierungslosigkeit einer Gesellschaft, den Niedergang des guten alten England, nach dem Ersten Weltkrieg thematisiert. MUSIK 2 „Drowning by Numbers“; ZEIT: 00:56 ZITATORIN Die Katastrophe ist hereingebrochen, wir stehen zwischen den Trümmern, wir fangen an, neue kleine Gewohnheiten zu bilden, neue kleine Hoffnungen zu hegen. Es ist ein hartes Stück Arbeit: Kein ebener Weg führt in die Zukunft; wir umgehen die Hindernisse jedoch oder klettern über sie hinweg. Wir müssen leben – einerlei, wie viele Himmel eingestürzt sind. Ungefähr in dieser Situation befand sich Constance Chatterley. ERZÄHLERIN Großbritannien befand sich nach dem Ersten Weltkrieg in einer wirtschaftlichen Krise. Viele Arbeiter hatten mit zunehmender Verarmung zu kämpfen. Impulse, Orientierung durch die Upper class? Fehlanzeige. Und dann dieser Roman. MUSIK ENDE SPRECHER (voller Verachtung) Eine Frau von Adel, die ihren kriegsversehrten Mann verlässt zugunsten eines Wildhüters aus der Arbeiterklasse! O-Ton 3 Karschay (05:42) Ich glaube, was die Verstöße gegen die Moralvorstellungen der Zeit angeht, muss man unterscheiden zwischen den Normverstößen der Protagonistin Constance Chatterley, also auf der Ebene der Handlung und den Normverstößen des Autors D. H. Lawrence auf einer ästhetischen Ebene. Was Lady Chatterley angeht, ist es so, dass sie sich gegen die Normen der gesellschaftlichen Oberschicht stellt. Denn was sie eingeht, ist letztlich eine Mesalliance mit dem Wildhüter Oliver Mellors. Und sie führt dadurch auch im Roman gewissermaßen einen Klassenkampf vor. Denn Lady Chatterley's Lover ist auch ein Roman, der die Klassenstruktur der britischen Zwischenkriegsgesellschaft in Frage stellt. ERZÄHLERIN Zugleich stellt der Roman im Kern eine Emanzipationsgeschichte dar. O-Ton 4 Karschay (16:38) Denn die Protagonistin Constance Chatterley emanzipiert sich und die weibliche Sexualität von den verkrusteten sozialen Normen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Man kann schon sagen, dass sie von vorneherein als außergewöhnliche Figur charakterisiert ist. Denn sie wächst als Jugendliche zunächst in einem quasi freidenkerischen Umfeld auf und macht dann auch recht früh als 18-Jährige ihre ersten sexuellen Erfahrungen. MUSIK 3 „Drowning by Numbers“; ZEIT: 01:03 ERZÄHLERIN 1917 heiratet Constance, Sir Clifford Chatterley. Kurz nach den Flitterwochen zieht Clifford als Offizier in den Ersten Weltkrieg. SPRECHER Schwer verwundet, gelähmt und impotent kehrt Clifford aus dem Krieg zurück zu Connie. ZITATORIN Nichts hatte Substanz – weder sie noch irgendetwas… keine Fühlung, keine Nähe. Nur dies Leben mit Clifford, dies endlose Spinnen von Geweben aus Worten und kleinen Einzelheiten des Bewusstseins. MUSIK ENDE O-Ton 5 Karschay (17:17) Und auch eine erste Affäre mit dem irischen Dramatiker Michaelis ändert daran überhaupt nichts. Das heißt, das Problem ist nicht nur ein Mangel an Sexualität, sondern das Problem besteht vielmehr in der Unfähigkeit der Männer des Romans, für eine erfüllte und letztlich gleichberechtigte Sexualität Sorge zu tragen. ERZÄHLERIN In einer abgeschiedenen Hütte im Wald trifft Connie unversehens auf den Wildhüter der Chatterleys – der sich gerade wäscht MUSIK 4 „A Zed and Two Noughts“ auf Schluss; ZEIT: 02:33 ZITATORIN Sie hatte gesehen, wie die plumpe Hose niederglitt über die reinen, schmalen, weißen Hüften, an denen ein wenig die Knochen hervortraten, und das Gefühl der Einsamkeit hier, das Gefühl ein Geschöpf in reiner, tiefer Einsamkeit vor sich zu haben, überwältigte sie. Die warme weiße Flamme eines Einzellebens, das sich in Konturen offenbarte, die man berühren konnte; ein Leib! SPRECHER Im Laufe der Handlung beginnt Connie mit Mellors ein zutiefst unanständiges Liebesverhältnis, das im Roman ausführlich und anstoßerregend geschildert wird. ERZÄHLERIN Weite Teile des Romans schildern Connies seelische Entwicklung. Schließlich eröffnet sie ihrem Mann: ZITATORIN Ich habe mich in einen anderen Mann verliebt, und ich hoffe sehr, du wirst mich freigeben. SPRECHER Ich für meinen Teil, ziehe vor – da du nun mal meine Frau bist -, dass du in Würde und Ruhe weiterlebst unter meinem Dach. Ganz abgesehen von persönlichen Empfindungen – und ich versichere dir, was mich betrifft, sehe ich von einer ganzen Menge ab -, ist es verdammt hart für mich, mir meine Lebensordnung hier auf Wragby und den geregelten Ablauf des täglichen Lebens kaputtmachen zu lassen, einfach wegen irgendeiner Laune von dir. ZITATORIN Ich kann es nicht ändern. Ich muss gehen. Ich bekomme wahrscheinlich ein Kind. SPRECHER Du gehörst zu diesen halb irrsinnigen, perversen Frauen, die ihrer Verworfenheit nachrennen müssen. Du kannst gehen, wohin du willst, aber ich werde mich nicht von dir scheiden lassen. ERZÄHLERIN Noch in derselben Nacht packt Connie ihre Sachen und verlässt Wragby für immer. Der entlassene Wildhüter Mellors schreibt ihr in einem Brief, wie gern er später mit ihr zusammenleben würde und dass er im Grunde nur für sie lebe. Der Brief endet mit den Worten: ZITATORIN Mit hoffnungsvollem Herzen. ERZÄHLERIN Und so endet auch der Roman von D.H. Lawrence. Vielfach interpretiert als Protest gegen die Verteufelung von Sinneslust und ein Plädoyer für emanzipierte weibliche Sexualität. MUSIK ENDE So äußert beispielsweise die Autorin Catherine Millet, die mit ihrer Autobiografie „Das sexuelle Leben der Catherine M.“ einen eigenen Literaturskandal provoziert hat: „Lesen Sie mal „Lady Chatterley“. Dort gibt es Stellen, in denen er den weiblichen Orgasmus mit einer Präzision beschreibt, die unglaublich ist. Ich hätte das gern selbst so gekonnt.“ Lawrence ließ sich für seine Schilderungen von seiner Frau Frieda von Richthofen die Empfindungen einer Frau beim Orgasmus präzise beschreiben, erinnert sich Frieda in ihren Memorien. MUSIK 5 „Drowning by Numbers“; ZEIT: 01:06 ZITATORIN Dann, als er sich zu bewegen begann, in der plötzlichen Hilflosigkeit des Orgasmus, erwachten in ihrem Innern ganz neue, fremde, sie durchflutende Schauer. Sie kamen Welle auf Welle, wie das flackernde Überlappen sanfter Flammen, sanft wie Federn, sie liefen aus in leuchtenden Spitzen, köstlich, so köstlich, und ihr Inneres schmolz dahin, zerfloss. Es war wie Glockengeläut, das sich höher und höher bis zum Höhepunkt aufschwang. MUSIK wegblenden ERZÄHLERIN Lawrence spricht sich vehement für eine freie Entfaltung der Persönlichkeit aus - das schließt die Sexualität mit ein und: Es schließt Frauen mit ein. Connie emanzipiert sich in einer männlich-kapitalistisch geprägten Gesellschaft. Das hat Lawrence nicht davor bewahrt von feministischer Seite kritisiert zu werden. O-Ton 6 Karschay (15:18) Manche sahen in ihm eben ein Plädoyer für ein erfülltes, gleichberechtigtes Sexualleben zwischen den Geschlechtern, aber manch feministische Stimmen, besonders die amerikanische Literaturwissenschaftlerin Kate Millett hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Sexual Politics“, in dem sie Lawrence vielmehr als einen chauvinistischen Vertreter einer patriarchalen Kultur sah, der den Phallus zum dominanten Symbol einer männlichen Sexualität machte. ZITATORIN So stolz und so gebieterisch. Jetzt weiß ich, warum Männer so anmaßend sind. Aber er ist herrlich, wirklich! Wie ein anderes Wesen! Ein bisschen zum Fürchten. Aber so schön, wirklich! Und er kommt zu mir! ERZÄHLERIN Huldigt Connie Mellors‘ Phallus. Lawrence löst mit „Lady Chatterley“ nicht nur durch die Themen eine Kontroverse aus, sondern auch besonders durch seinen Stil. So vermeidet er in seiner Sprachwahl der Lüsternheit einer bigotten Leserschaft scheinheilig zu entsprechen. Lawrence schildert offen und präzise. Dazu gebraucht er auch Ausdrücke, die ein Mann aus dem Volk wie Mellors verwenden würde. ZITATORIN Fuck! SPRECHER Vulgär einerseits, in pathetischen Beischlafszenen schwülstig und kitschig andererseits. Lächerlich! MUSIK 6 „Drowning by Numbers“; ZEIT: 00:52 ZITATORIN Und ihr war, als sei sie wie das Meer, nichts als dunkles steigendes und fallendes Gewoge, von einem Strom getragen, und langsam geriet ihre ganze Dunkelheit in Bewegung, und diese war das Weltmeer, das in seiner dunklen Schwere dahinrollte. Und auf dem Grund ihres Inneren teilten sich die Tiefen und wogten auseinander von dem Mittelpunkt sanften Eindringens aus, als der Taucher tiefer eindrang, immer tiefer, (ab hier Text + MUSIK wegblenden) [tiefer wurde sie bloßgelegt und machtvoller rollten die Wogen ihres Seins dahin, einem fremden Ufer zu und deckten sie auf…] (darüber) O-Ton 7 Karschay (19:48) Es ist in der Tat so, dass Lawrence‘ Schreibstil manchmal unangenehm, pathetisch und vielleicht heute, wenn man ihn liest, ungewollt komisch wirkt. Aber man muss ihn auch an seinen eigenen Maßstäben messen. Es bringt also nichts ihn für seine insistierenden Wiederholungen und seine schiefen Bilder zu kritisieren, denn diese stammen letztlich aus einer künstlerischen Überzeugung das Verhältnis des Menschen zu seiner Sexualität, aber auch zur nicht-menschlichen Natur neu und eben emphatisch, mit Nachdruck, zu konzipieren. Und er sah in diesem sehr geordneten, überintellektualisieren und in der asketischen Geistesarbeit letztlich Zivilisationskrankheiten, die zur Unterdrückung der sexuellen Natur des Menschen führen. Und für Lawrence war die Sexualität fast etwas mythisch heiliges, ja, fast eine Religion der Sexualität. ERZÄHLERIN Lawrence kritisiert die Entfremdung des Menschen von sich selbst durch die Allmacht des Kapitalismus. Sir Clifford repräsentiert die zerstörerische und zugleich nicht zeugungsfähige Kraft der Industrialisierung. Bei einem Waldausflug mit Connie zum Beispiel zermalmt er zahllose blühende Blumen unter den Rädern seines Rollstuhls und hinterlässt in der vorher unberührten Natur eine Spur der Verwüstung. SPRECHER Seine Fans haben Lawrence später gar zu einem Vorreiter der Umweltschutzbewegung erklärt. ERZÄHLERIN Davon, dass man ihn zur Ikone von Umweltschutz, Arbeiterklasse und sexueller Revolution erhob, bekam Lawrence freilich nicht mehr mit. Als er seine Arbeit an „Lady Chatterley“ begann, war er bereits schwer krank. Ende November 1926 schloss er die erste Fassung des Romans ab. Zwei weitere sollten folgen. Erfahrungen mit der Zensur wegen zu expliziter Darstellung von Erotik hatte Lawrence schon mit seinem Roman „The Rainbow – Der Regenbogen“ von 1915 gemacht. SPRECHER (pikiert) Er umging daher bei „Lady Chatterley“ die von der Zensur vorgegebenen Grenzen von Sitte und Moral mit einer privaten Erstveröffentlichung von 200 Exemplaren der unbereinigten Fassung in Florenz. Raubkopien davon geraten in Umlauf. O-Ton 8 Karschay (24:13) Und dann gab es eine zweite Fassung, die erst später in den 70er-Jahren in englischer Sprache erschien, als „John Thomas an Lady Jane“. Und hier ist zum ersten Mal erkennbar, wenn man das zurückverfolgt, dass Lawrence in diesem Text vor allen Dingen seine Auseinander-setzung mit der Industrialisierung ausgebreitet hat. (…) Und die Endfassung, die über die wir eigentlich heute sprechen, das ist die von 1928. Und hier haben wir dann eben die zunehmend explizite Darstellung von Sexualität. ERZÄHLERIN Die unzensierte 3. Fassung erschien in Großbritannien erst wieder 1960. Der Taschenbuchverlag Penguin Books, stellte sich damit offen gegen den im Jahr zuvor in Kraft getretenen „Obscene Publications Act“. SPRECHER Ein vom britischen Parlament verabschiedetes Gesetz das die Veröffentlichung von pornographischer Literatur zu verhüten suchte. ERZÄHLERIN Um ein Gerichtsverfahren zu erzwingen, zeigte sich Penguin Books gleichzeitig mit der Veröffentlichung selbst an. Stephan Karschay: O-Ton 9 Karschay (09:34) Die Anklage in diesem Prozess hatte eine ganz klare Agenda: Sie versuchte zu zeigen, dass der Roman geeignet sei, bestimmte Leser*Innen zu korrumpieren. (…) Und dabei spielte auch die Veröffentlichung als billiges Taschenbuch eine Rolle also, dass der Verlag Penguin in Großbritannien diesen Text nicht nur veröffentlichen und einer Leserschaft zur Verfügung stellen wollte, sondern dass auch in einem Format tun wollte, das sich durchaus ein breites Publikum leisten konnte. MUSIK 7 „The Draughtsman's Contract“ auf Schluss; ZEIT: 02:35 SPRECHER Der Prozessendete am 2. November 1960. ERZÄHLERIN Mit einem Freispruch. Das Exemplar der „Lady Chatterley“ das der Richter Sir Lawrence Byrne im Prozess verwendet hatte, erzielte 2018 bei Sotheby’s in London einen Auktionsrekord. ZITATORIN (amüsiert) 56.250 Pfund für das anstößigste Buch der Welt. ERZÄHLERIN Die Frau des Richters hatte ihrem Gatten darin die anzüglichsten Passagen angestrichen und dem Exemplar eine graue Tasche aus Damast genäht – um zu verhindern, dass Pressefotografen ihren Mann mit dem Buch ablichteten. Im Anschluss an den aufsehenerregenden Londoner Prozess wurde der Roman 1960 als Taschenbuch in Deutschland veröffentlicht – vom Rowohlt Verlag, aus dessen Übersetzung in dieser Sendung zitiert wird. Ganz England stürzte sich nach dem Prozess auf die erstmalig unzensierte Fassung von „Lady Chatterley“. Die Folge des Prozesses waren aber nicht nur enorme Verkaufszahlen, sondern vor allem die Aufhebung von Zensurbestimmungen in Großbritannien und auf dem Fuße folgend: eine sexuelle Revolution, die nicht auf die britischen Inseln beschränkt bleiben sollte. SPRECHER (unbehaglich) Ein Wandel der öffentlichen Sexualmoral im Sinne einer Enttabuisierung sexueller Themen. ERZÄHLERIN Der Prozess um Lady Chatterley gewann damit nicht nur eine juristische, sondern eine kulturelle Bedeutung. Die Gesellschaft der westlichen Welt wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine andere. SPRECHER (naserümpfend) Man adaptierte das Buch als Film – als Softporno mit Sylvia Kristel 1981. ERZÄHLERIN Als BBC-Vierteiler 1993, als preisgekrönte Erweckungsgeschichte der französischen Regisseurin Pascale Ferran oder aufwendige Netflix-Produktion mit Emma Corrin in der Hauptrolle. SPRECHER (aburteilend) Nicht wenigen Kritikern wie etwa James Joyce gilt Lawrence’ Werk als trivial. ERZÄHLERIN Mit „Lady Chatterley“ hat eine der imponierendsten Frauengestalten der Literaturgeschichte geschaffen. ZITATORIN Eine Frau muss ihr Leben leben oder leben, um zu bereuen, dass sie es nicht gelebt hat. SPRECHER Selbst Feministinnen kritisieren Lawrence als Chauvinisten, der über die heilige Kraft des Phallus schwadroniert! MUSIK ENDE O-Ton 10 Karschay (28:12) Lawrence ist ein sich selbst widersprechender Schriftsteller, für den die Literatur immer ein Experimentierfeld darstellte. Und Lawrence verdient es auch heute noch kritisch gelesen zu werden. Selbst wenn man dann am Ende zu dem Schluss kommen sollte, dass seine Texte ambivalent und zutiefst widersprüchlich bleiben. Vielleicht ist gerade, dass ihr besonderer Reiz. Man wird dem Roman auch nicht gerecht, wenn man ihn ausschließlich für seine erotischen Passagen liest, dann würde man den gleichen Fehler begehen wie die Zensoren von Literatur vor 1959. Nur wenn man sich auf den Roman letztlich als Ganzes einlässt, erhält man einen Eindruck von D. H. Lawrence als einem der wichtigsten Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts, der uns auch heute besonders in unserem Verhältnis zur nicht-menschlichen Natur, vieles zu sagen hat. MUSIK 8 M0025854 W03 „Drowning by Numbers“; ZEIT: 00:50 ZITATORIN Und immer weiter rollten die Wogen ihres Seins fort von ihr, ließen sie zurück, bis jäh, in sanftem, schauerndem Erbeben, der Kern all ihres Plasmas getroffen wurde – sie sich getroffen wusste – und die Vollendung über sie kam und sie verging. Sie verging, sie war nicht mehr, sie wurde geboren… MUSIK ENDE

  • Der Grönlandhai - Das langlebigste bekannte Wirbeltier der Welt

    21.07.2025 · 23 Min.

    Grönlandhaie werden bis zu 600 Jahre alt und sind damit die ältesten bekannten Wirbeltiere. Sie sind auch sehr langsam, sie schaffen nur rund drei Stundenkilometer. Ob sie gefährdet sind, weiß man nicht. Mit der Eisschmelze in der Arktis nimmt aber die Fischerei und damit die Bedrohung ihres Lebensraums zu. Von Brigitte Kramer (BR 2023) Credits Autorin dieser Folge: Brigitte Kramer Regie: Kirsten Böttcher Es sprachen: Irina Wanka Technik: Monika Gsaenger Redaktion: Bernhard Kastner Interviewpartner/innen: Jürgen Kriwet, Paläobiologe, Universität Wien; Matthias Schaber, Biologe, Ozeanograph, Thünen-Institut (Institut für Seefischerei), Bremerhaven Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Pottwale - Tauchmeister der Tiefsee JETZT ANHÖREN Artenwandel im Anthropozän - Der Einfluss des Menschen auf die Evolution JETZT ANHÖREN Wale - Faszinierende Wanderer der Ozeane JETZT ANHÖREN Der Narwal - Einhorn des arktischen Ozeans JETZT ANHÖREN Das Walross - Dickhäutiger Koloss der Arktis JETZT ANHÖREN Eisschmelze - Verlorene Lebensräume für viele Tiere JETZT ANHÖREN Literaturtipps: Katherine Rundell: The golden mole and other living treasure. Faber & Faber Ltd, 2022 Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

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