Fleetwood Mac - Von der British-Blues Band zum Mainstream Pop
20.09.2025 · 22 Min.
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"Sex, drugs, and rock‘n roll" - Kaum eine Band verkörpert dieses Lebensmotto mehr als erstaunlicherweise die britische Band "Fleetwood Mac". Gegründet von Peter Green als reine Bluesband in den 1960er Jahren, entwickelte sich die Band zu einer der erfolgreichsten Musikgruppen ihrer Zeit. Ihr neuer Stil, eine Mischung aus Pop - und Rock, macht weltweit Furore. (BR 2025)
Credits
Autor/in dieser Folge: Martin Trauner
Regie: Martin Trauner
Es sprachen: Herbert Schäfer, Caroline Ebner, Heiko Ruprecht
Redaktion: Bernhard Kastner
Im Interview:
- Karl Bruckmaier - Musikjournalist
- Adrian Wiedenmann – Kenner und Fan
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Literatur:
· Mick Fleetwood: „Play on“ – Mick Fleetwoods Autobiografie; Deutsche Ausgabe beim Heyne Verlag
· Donald Brackett: „Fleetwood Mack: 40 years of creative Chaos“
Linktipps:
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Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:
01 Zsp Fleetwood Mac (Adrian Wiedenmann)
Es gibt einfach so Sachen, wo das ganze Album gepasst hat und „Rumours“ war so eines …
SPRECHER
… sagt Adrian Wiedenmann. Und meint das Album „Rumours“ der englischen Band Fleetwood Mac.
MUSIK hoch
02 Zsp Fleetwood Mac (Karl Bruckmaier)
Das erschien Mitte der 70er Jahre: „Rumours“ - und hat, glaube ich, 20 Millionen Stück verkauft. Bis zum Michael Jackson Thriller (…) war es auf jeden Fall das am meisten verkaufte Album. Also, das war so eine Konsensplatte von Leuten, die Rockmusik hören wollten, ohne Rockmusik wirklich zu mögen …
SPRECHER
… meint der Musikkritiker Karl Bruckmaier.
MUSIK kurz hoch
03 Zsp Fleetwood Mac (Adrian Wiedenmann)
Ja, ja, aber das war auch, ich meine, das war zuvor damals, das war geiler „Mainstream“, das kannst du nicht anders sagen, und ich meine, das war richtig schöne, gute Musik …
04 Zsp Fleetwood Mac (Mick Fleetwood - Rechtefrei) –
Fleetwood Mac is a pop band, really. I mean, we play popular music. We're not a jazz band, we're not a full-on, heavy rock and roll band, but sort of. We're more of a rock and roll band than many people think.
Overvoice männlich:
Fleetwood Mac ist eigentlich eine Popband. Ich meine, wir spielen populäre Musik. Wir sind keine Jazzband und auch keine Heavy-Rock-and-Roll-Band, Aber: Wir sind mehr Rock-and-Roll-Band, als viele Leute glauben.
SPRECHER
Mick Fleetwood. Schlagzeuger. Er ist eines der Gründungsmitglieder von Fleetwod Mac.
MUSIK hoch und aus
SPRECHERIN
„Fleetwood Mac“, eine Band aus England. Man glaubt, den Sound zu erkennen, wenn man ihre Musik, ihre Songs hört … Irgendwie hat man die Stücke im Ohr, auch wenn man sich nicht an alle Titel erinnern kann ...
MUSIKMIX aus den Hits von Fleetwood Mac
05 Zsp Fleetwood Mac (Adrian Wiedenmann)
„Go Your Own Way“ ist sicherlich ihr bekanntester Song und er ist ganz großartig, aber auch „Don't Stop“ oder „You Make Love“, „Loving Fun“ und „Oh Daddy“ ist ein wunderbares, ganz langsames getragenes Lied. Die stehen für sich alleine, die sind schon gut.
MUSIKMIX Ende
SPRECHER
Klingt alles irgendwie bekannt.
SPRECHERIN
Doch Fleetwood Mac hat eine musikalische Vergangenheit hinter sich, die mal ganz anders klang ...
SPRECHER
… eine Vergangenheit, die aus dem Blues kommt …
SPRECHERIN
Und die Adrian Wiedenmann seiner Zeit nicht so schätzte …
06 Zsp Fleetwood Mac (Adrian Wiedenmann)
Na, die Bluesband hat mich nicht so interessiert, weil: da habe ich angefangen, einen richtigen Blues zu hören…
SPRECHERIN:
Und dennoch: Fleetwood Mac hat nun mal ihre Ursprünge im britischen Blues, im so genannten „White Blues“.
MUSIK (Fleetwood Mac - Bluesstück)
07 Zsp Fleetwood Mac (Karl Bruckmaier)
Ja, die erste ist die Fleetwood Mac Inkarnation, die man unter British Blues einordnen würde. Ausgehende 60er Jahre …
SPRECHERIN
… so der Musikkritiker Karl Bruckmaier.
SPRECHER
Fleetwood Mac hat mindestens zwei Inkarnationen, also zwei Geburtsstunden hinter sich. Und die erste Geburtsstunde, also Teil eins der Inkarnation dieser Band, wie Karl Bruckmaier es ausdrückt: Na ja: - das ist der Blues… der kommt ja ursprünglich aus Amerika. Der Blues ist die Musik der Afroamerikaner.
MUSIK: Elmore James
SPRECHER
Ende des Zweiten Weltkriegs bringen amerikanische Soldaten den Blues nach England, erzählt Mick Fleetwood. Und er, einer der Namensgeber der Band „Fleetwood Mac, sehe sich in der zweiten Generation der englischen Bluesmusiker.
SPRECHERIN
Schreibt Mick Fleetwood in seiner Autobiografie.
Titel: „Play on“
SPRECHER
„Spiel weiter“…
MUSIK: 1960er Jahre England
SPRECHERIN
Im England der 1960er Jahre existiert eine bunte Musikszene. Vor allem junge Männer, meist noch keine 20 Jahre alt, gründen Bands, lösen die auch bald wieder auf, um dann in anderen Musikgruppen anzuheuern. Oder um dann wieder neue Bands zu formieren ...
SPRECHER
Aber eines bleibt immer gleich: Der Blues…
SPRECHERIN
In diesem Umfeld treibt sich auch Mick Fleetwood herum. Er hat sich, weil er keine Lust auf Schule hatte, autodidaktisch Schlagzeugspielen beigebracht. In der Garage seiner Eltern im Londoner Stadtteil Notting Hill kann er sich austoben. Er übt wie besessen, bis er von einem 20-jährigen Nachbarn angesprochen wird, ob er nicht mal Lust auf einen Gig, auf einen Auftritt hätte.
SPRECHER
Natürlich hat Mick Fleetwood Lust. Und so wird er, gerade mal 17 Jahre alt, Schlagzeuger einer Londoner Band. Mit regelmäßigen Auftritten in den Londoner Clubs.
SPRECHERIN
Und da lernt er, der Fleetwood, den Mac kennen. Genauer gesagt den Bassisten John McVie.
MUSIK: Bluesbreakers
SPRECHER
John McVie ist nur zwei Jahre älter als Mick Fleetwood, er ist aber zu seiner Zeit schon eine kleine Berühmtheit. Spielt er doch bei den damals legendären „Bluesbreakers“. Zusammen mit dem Gitarristen Eric Clapton.
SPRECHERIN
Den kennt man ja heute noch …
MUSIK Bluesbreakers hoch
SPRECHERIN
Fleetwood und Mac. Klingt viel versprechend. Für die künftige Band gibt es jetzt den Schlagzeuger Mick Fleetwood und den Bassisten McVie, aber es braucht noch einen Gitarrenspieler … Dafür fehlt noch der dritte im Bunde. Die treibende Kraft.
08 Zsp Fleetwood Mac (Karl Bruckmaier)
Und dann kam Peter Green stilbildend mit an Bord, der, ich sage jetzt mal, ein britischer BB King Verschnitt vielleicht war, aber natürlich wie alle anderen jungen Briten in der Zeit, ich zitiere jetzt Keith Richards, gemeint haben, es sei ziemlich gut, wenn man diese langweilige Altmänner der schwarzen Musik ein bisschen auf Speed bringt und einem neuen Publikum erschließt und da hat sich eben dieser Peter Green ganz wunderbar eingereiht …
SPRECHER
Peter Green, eigentlich heißt er Peter Greenbaum, ist der Mastermind der neu zu gründenden Band. Auch er half mal kurzzeitig bei den Bluesbreakers aus, als Ersatz für Eric Clapton. Und dieser Peter Green, der Gitarrist und Sänger gründet 1967 eine neue Band.
09 Zsp Fleetwood Mac (Karl Bruckmaier)
… er war ja jemand, der damals nicht umsonst seine Band Fleetwood Mac genannt hat und nicht: „Green Green Green“. Der ist ungern vorne gestanden, der ist ungern als Aushängeschild der Band aufgetreten.
Ich kenne sonst niemanden, der als Bandnamen die „Rhythm-Section“ Namen verwendet hätte, um daraus einen klingenden und erfolgreichen Namen zu basteln. …
MUSIK „My heart beats like a hammer“
SPRECHER
Die Rhythmusgruppe der neuen Band, das ist: John McVie und Mick Fleetwood. Der „Frontman“ soll der nicht im Vordergrund stehen wollende Peter Green werden. Also beschließt man, noch einen Gitarristen an Bord zu holen: den erst 18 Jahre alten Jeremy Spencer.
SPRECHERIN
Und der wird neben Peter Green zu einem der treibenden und kreativen Köpfe der Band.
SPRECHER
Anfang 1968 nimmt Fleetwood Mac die erste Schallplatte auf. Mit einigen selbst geschriebenen Songs und mit Coverversionen bekannter amerikanischer Bluesstücke …
10 Zsp Fleetwood Mac (Karl Bruckmaier)
… und sie waren ja dann als Rockband mit starken Blues-Anklängen sehr erfolgreich.
SPRECHERIN
So erfolgreich, dass sie in Fernsehshows auftreten. Und sich im selben Jahr auf eine Amerikatour begeben. Es geht bergauf. Bald verkaufen sie mehr Schallplatten als die Beatles oder die Rolling Stones.
SPRECHER
Was soll da also noch schief gehen?
MUSIK: „The world keep on turning“ (1968er Version)
SPRECHERIN
Na ja, so ziemlich alles geht schief…
SPRECHER
Und das liegt ein bisschen an der Hippiezeit und an den Charakteren der beiden Gitarristen … Peter Green und Jeremy Spencer …
11 Zsp Fleetwood Mac (Mick Fleetwood - Rechtefrei) (Karl Bruckmaier)
Und dann ereilte auch wieder so ein typisches spät 60er, früh 70er Phänomen, die Religiosität, die Band, zuerst Peter Green und dann auch den Spencer, die wurden in diverse Sekten aufgenommen und meinten etwas für ihr ganzheitliches Seelenheil tun zu müssen und haben also die Musik erst einmal weitgehend vernachlässigt (…)
MUSIK aus
SPRECHERIN
Wie kommt es dazu?
SPRECHER
Spurensuche: Die Liveauftritte von Fleetwood Mac waren damals sehr skurril, oft provokativ. So hängt Jeremy Spencer an seinen Gitarrenhals mit Bier oder Milch gefüllte Kondome. Mick Fleetwood lässt zwei Holzeier an seinem Gürtel baumeln. Oder es steht auch mal ein 40 Zentimeter großer Dildo auf der Bühne, der im Takt der Bluesrocker mitwippt.
SPRECHERIN
Jeremy Spencer gibt zwar abends den Spaßvogel, reißt derbe Sprüche, tagsüber aber liest er zunehmend in der Bibel. Und auch Peter Green fängt an, christliche Texte zu rezitieren …
MUSIK: „Albatross“ (Fleetwood Mac)
SPRECHER
Dazu kommen die Drogen. Begnügte man sich in England mit Haschisch und Alkohol, lernt die Band in den USA „Lysergsäurediethylamid“ kennen. Kurz: LSD. – Um das Bewusstsein zu erweitern. So meint man.
SPRECHERIN
Mick Fleetwood erinnert sich in seiner Autobiografie, soweit das Erinnern da noch möglich war, sie alle hätten zu dieser Zeit LSD genauso regelmäßig konsumiert wie Alkohol und Haschisch. Die beiden Gitarristen und Frontmänner Peter Green und Jeremy Spencer hätten noch ein wenig mehr zugegriffen als die anderen.
MUSIK Albatross frei
SPRECHER
Mit der Single „Albatross“ landet Fleetwood Mac Ende 1968 einen Hit. Aber jetzt klingt der Sound schon ganz anders als bei den früheren Rock and Roll und Bluesnummern. Moderner, berauschter …
MUSIK aus
SPRECHERIN
Mit der nächsten Single aber wird klar: Peter Green plagen dunkle Gedanken. In „Man of the world“ singt er davon …
MUSIK: „Man of the world“ (MUSIK und Text koordinieren)
SPRECHERIN
Shall I tell you about my life
They say I'm a man of the world
SPRECHER
Soll ich Dir von meinem Leben erzählen.
Man sagt, ich sei ein Mann von Welt. (…)
Ich glaube, ich habe alles, was ich brauche.
Ich könnte mir nichts Besseres wünschen.
Und es gibt niemanden, der ich lieber wäre.
Aber ich wünschte nur, ich wäre nie geboren …
SPRECHERIN
Peter Green, der sensible Künstler, beginnt an allem zu zweifeln. An seiner Rolle als Musiker. Er will nicht jeden Abend die gleichen Songs spielen. Er will mit seiner Musik kein Geld verdienen. Er würde gerne das ganze Vermögen, das Fleetwood Mac mittlerweile eingespielt hat, spenden. Und er und die anderen Bandmitglieder sollen fortan als Mönche in Armut leben …
MUSIK aus
SPRECHERIN
Na ja. Doch damit steht er alleine da. Die anderen Bandmitglieder wollen das nicht!
SPRECHER
Endgültig verloren haben sie Peter Green, so erinnert sich Mick Fleetwood, bei einem Konzert in München Anfang 1970.
MUSIK (Rolling Stones She is a Rainbow“ nur instrumental ab 1:35)
SPRECHERIN
Da hätte ihn „eine Gruppe wohlhabender Hippies in die Finger bekommen“, hätten Peter Green in ein großes Haus gelockt, wo er mit den Münchner Hippies tagelang Trips eingeschmissen habe. - Einige dieser Hippies sind bekannt:
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- Der Traum vom Weltfrieden - Der chinesische Utopist Kang Youwei
21.09.2025 · 23 Min.
Eine Weltgemeinschaft in Frieden und Gerechtigkeit, ohne Diskriminierung und Ausbeutung, ohne Hierarchien und Grenzen. Diese Utopie hat der Philosoph und Reformer Kang Youwei um 1900 in China niedergeschrieben. Seiner Zeit weit voraus schuf er eine Philosophie, die zum Weltfrieden führen sollte. Autor: Thomas Grasberger (BR 2021) Credits Autor dieser Folge: Thomas Grasberger Regie: Sabine Kienhöfer Es sprachen: Hemma Michel, Christian Baumann, Friedrich Schloffer Technik: Regine Elbers Redaktion: Bernhard Kastner Im Interview: Thomas Heberer (Professor für Politik und Gesellschaft Chinas an der Universität Duisburg-Essen) Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Frieden - Persönliche Sehnsucht - Politische Utopie JETZT ANHÖREN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? 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In seiner Rede appellierte Steinmeier an die Studierenden: Zitator „Nutzen Sie das, wofür Generationen gekämpft haben – eine globale Ordnung, die Frieden und Zusammenarbeit erst möglich macht!“ Erzähler In einer Zeit, in der nationale Egoismen und Konflikte weltweit auf dem Vormarsch sind, erinnert der deutsche Bundespräsident also an das Gemeinsame. Und zitiert einen chinesischen Gelehrten namens Kang Youwei, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine bedeutende Schrift verfasst hat. Das „Datongshu“, die Utopie einer „Großen Gemeinschaft“, Zitator „die die Grenzen von Nation, Rasse, Geschlecht und Hierarchie überwindet.“ Erzählerin: Den Studierenden der Sichuan-Universität dürfte der Name Kang Youwei geläufig gewesen sein. Schließlich gilt er als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des modernen China. Manche sehen in ihm gar den „Martin Luther der konfuzianischen Lehre“. Und Chinas Parteichef Xi Jinping lobt Kang immer wieder als einen fortschrittlichen Denker. ZSP 1 aktuell in China 0,20 In China ist Kang Youwei und sein Begriff des "Datong" Gegenstand der permanenten Auseinandersetzung über ein neues Wertesystem, ein innerchinesisches Wertesystem, aber auch ein globales Wertesystem. Nur bei uns spielt diese Debatte in China keine Rolle, weil sie auch gar nicht bekannt ist. Erzähler: Deshalb hat Thomas Heberer, Professor für Politik und Gesellschaft Chinas an der Universität Duisburg-Essen, die Schrift von Kang Youwei neu herausgegeben: „Datongshu“ - „Das Buch von der Großen Gemeinschaft“ sucht Antworten auf höchst aktuelle Fragen. Erzählerin: Wie werden wir in Zukunft zusammenleben? In Frieden und Gerechtigkeit? Oder im Chaos? Musik: CD603340003 Waves 0‘25 Die Menschheit ist zur Schicksalsgemeinschaft geworden. Größere Konflikte könnten schnell unsere letzten sein. Die globalen Probleme gemeinsam zu lösen, ist heute also eine Überlebensfrage. Erzähler: Kang Youwei hat das bereits vor mehr als 100 Jahren erkannt. 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Auch wenn manches in heutigen Ohren seltsam klingt, etwa, wenn Kang zur Überwindung des Rassismus vorschlägt, die Weltbevölkerung durch Vermischung praktisch zu Weißen zu machen. ZSP 7 Rassen 0,32 Und dass man vielleicht nachdenken kann, ob man nicht durch ständige Vermischung die Rassen soweit angleicht, dass es keine Diskriminierung mehr gibt. Das ist ein gewagtes Vorhaben, weil das kann auch sehr leicht in Totalitarismus umschlagen. Heute würde man sagen, ja warum kann man das nicht, indem man die ganze Diskriminierung beseitigt und die Menschen aufklärt, dass Schwarze, Weiße, Gelbe, Braune gleichberechtigt sind. Und dass es keine Unterschiede, Rassenunterschiede gibt, sondern nur im Kopf, und nicht in der Realität. Musik: C1454340013 Mandarin 0‘15 Zitator: Das Recht des Menschen auf Unabhängigkeit ist ihm vom Himmel übertragen worden, und auch den Frauen stehen gleiche Rechte zu. Erzählerin: Man beachte das Jahr, in dem Kang Youwei das postuliert hat. 1902 war die völlige Gleichstellung der Frau durchaus noch eine revolutionäre Idee, nicht nur in China. Und auch heute ist diese Forderung nur in den allerwenigsten Weltgegenden tatsächlich verwirklicht. Die Schranken zwischen den Geschlechtern müssen abgeschafft werden, schreibt Kang. Ebenso die traditionelle Form der Ehe. Der Gelehrte fordert stattdessen eine Art Versuchs-Ehe auf Zeit. Wenn einer der Partner nach einem Jahr erkenne, dass man nicht zusammenpasst, könne man sich wieder trennen. Ohne Scheidung und großes Trara! Erzähler Noch moderner erscheint Kangs Haltung zu sexuellen Beziehungen. Auch da war er seiner Zeit weit voraus. Die Akzeptanz von Homosexualität etwa erschien ihm als eine natürliche Selbstverständlichkeit. Zitator: „Was hat es für einen Sinn, Gebote und Verbote auf geschlechtlichem Gebiet zu erlassen? Wälle und Deiche werden doch durchbrochen, wenn sich die Natur ihr Recht verschafft und die Flut hereinbricht.” Erzähler: Ist erst einmal das Zeitalter der Großen Gemeinschaft angebrochen, schreibt Kang, brauche die Gesellschaft ohnehin keine Strafen und Gerichte mehr. In jenem Zeitalter werde dann auch sexuelle Freizügigkeit herrschen. Zumindest für Erwachsene ab dem 20. Lebensjahr. Musik: Faces of Asia 2 C1454340030 0‘10 Zitator: Wie man familiäre Schranken abschafft und wie die Menschheit ein „Volk des Himmels“ wird Erzähler: Auch das ein revolutionärer Gedanke! Denn in China war das Korsett der traditionellen Familie zu Kangs Zeiten noch besonders eng. Ganz oben thronte der Patriarch, der Älteste der Sippe, der alles bestimmte. Männer, die es sich leisten konnten, durften sogar mehrere Ehefrauen haben. Ganz am unteren Ende der Hierarchie standen die Schwiegertöchter. Absoluter Gehorsam gegenüber den Höheren und Älteren war gefordert. Ein starres System also, zu dessen entschiedenen Kritikern Kang Youwei zählte. Musik: C1454340031 Faces of Asia 3 0‘11 Zitator: Wie man durch eine gemeinschaftliche Regelung der Erwerbsverhältnisse einen einheitlichen Lebensstandard schafft Erzähler: Kang Youweis Vision der weltweiten „Großen Gemeinschaft“ basiert auf konkreten ökonomischen Vorstellungen. Wobei im Wirtschaftsteil seiner Utopie ganz deutlich Ideen von Karl Marx durchscheinen. Die Industrieproduktion vergesellschaften, das Privateigentum an Produktionsmitteln abschaffen – und stattdessen Planwirtschaft! Dass diese im 20. Jahrhundert im Systemvergleich krachend scheitern würde, konnte Kang noch nicht wissen. Erzählerin: Eines aber war ihm klar: Herrschen weiterhin Ungleichheit und Unterernährung, wird ein friedliches Zusammenleben der Menschen langfristig nicht möglich sein. Daher Kangs Forderung nach gemeinschaftlicher Agrarwirtschaft und gemeinsamen Bodenbesitz. Eine Idee, die in China in den vergangenen 2.500 Jahren immer wieder auftauchte, sagt Thomas Heberer: ZSP 8 Bodenreform 0,24 Weil man gesehen hat, immer wenn der Boden wieder in Privateigentum übergeht, dann verarmt ein großer Teil der Landbevölkerung, es gibt Aufstände, Rebellion. Und jede neue Dynastie hat den Boden neu an die Bauern verteilt, gleichmäßig. Und diese Idee wollte Kang auch in China wieder realisieren: Gemeineigentum an Boden und jeder kriegt eben sein eigenes Stück Land, das er bewirtschaften kann, für die Verbesserung der Lebensbedingungen. Erzähler: Wie aber wird ein Weltstaat eines Tages aussehen, der nach den Prinzipien Frieden und Gleichheit regiert wird? Es muss in jedem Fall eine einheitliche Weltsprache geben, schreibt Kang Youwei. Und ein einheitliches und gerechtes Verwaltungssystem. Dazu wird die Welt in Planquadrate eingeteilt. Zitator: „Jedes Planquadrat wird ein gemeinschaftliches Selbstverwaltungsgebiet; es richtet Gemeinschaftsinstitutionen ein und verwaltet die Landwirtschaft, die Industrie und den Handel in öffentlicher Regie." Erzähler Die alltäglichen Probleme werden also nicht von oben, von der Weltregierung gelöst, sondern von den Menschen vor Ort. ZSP 9 unten nach oben 0,28 Das kann nur auf der lokalen Ebene entschieden werden und deswegen war die Idee grundsätzlich erstmal im Allgemeinen gut zu sagen: Unten gibt es starke Autonomie, Selbstverwaltung. Aber es gibt eine Weltregierung, die eben die globalen Probleme lösen muss. Und die sollen sich auch nicht ins Gehege kommen, dafür gibt es Parlamente, die stufenweise nach oben gehen, und wo immer Vertreter der einzelnen Planquadrate dann der Großregion und so weiter sitzen, die mitentscheiden, wie die Weltregierung agieren soll. Erzähler: Ein föderaler, demokratischer Weltstaat, der dauerhaft Frieden und Gleichheit bringt. Diese menschenfreundliche Vision ist vermutlich ein Projekt für die fernere Zukunft! Aber der Utopist Kang Youwei geht sogar noch weiter. Er fordert eine Ausdehnung der allumfassenden Güte und Liebe - auf alle Lebewesen. Tiere zu schlachten und zu essen? Für Kang ist das ein Zeichen von ethischer Rückständigkeit. Und in Zukunft nicht mehr denkbar. Zitator: "Die Menschen werden einmal den Fleischgenuss verabscheuen, wie sie auch das Schlachten von Haustieren abgeschafft haben. Die Haustiere werden dann als Dienerschaft betrachtet; man wird sie nutzbringend einsetzen, aber auch pflegen und Zuneigung zu ihnen gewinnen." Musik: C1454340013 Mandarin 0‘30 Erzähler: Die Fesseln des Leidens abzustreifen, und den Menschen materiell und sozial zu einer höheren Glücksstufe zu verhelfen, im Einklang mit allen Lebewesen! Erzählerin: Es ist ein großes Projekt, das Kang Youwei da skizziert. Trotz vieler Details ist seine Utopie aber keine konkrete Handlungsanweisung, meint Herausgeber Thomas Heberer. Das „Datongshu“ ist mehr als Impuls gedacht – als Denkanstoß. ZSP 10 Anregung 0,30 Ihm war auch klar, dass man das nicht eins zu eins umsetzen kann. Und dass es zu seinen Lebzeiten sowieso nicht mehr geht, sondern dass es einen Diskurs mit dem Westen auslösen sollte, dass man überhaupt die Fragen mal diskutiert. Dass er vielleicht Anregungen geben wollte. Man legt ein Programm vor und sagt: So, jetzt sagt mal bitte, was ihr dazu meint. Und ihr könnt andere Ideen einbringen. So entwickeln wir das weiter. Ich glaube, als Anregung gedacht und nicht als ein Ziel, das alle jetzt gemeinsam Schritt für Schritt erreichen müssen. Erzähler Als Kang Youwei 1927 im ostchinesischen Qingdao stirbt, hat er das Manuskript seines Buches längst fertiggestellt, aber nicht veröffentlicht. Erst 1935 wird das Datongshu der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Erzählerin: Zur Zeit der Kulturrevolution in den 1960er und 70er Jahre war Kang als reaktionärer Konfuzianer verpönt. Sein Grab wurde zerstört, seine Schriften verboten. Erst seit den 1980er Jahren sind Texte wie das „Datongshu“ in Chinas Buchläden wieder erhältlich. Erzähler Heute gibt es nicht nur ein Kang-Youwei-Museum in Qingdao, sondern vor allem eine höchst lebendige Diskussion der Ideen des großen Reformers und Philosophen. Bis hinauf in die obersten Etagen der Partei- und Staatsführung. Erzählerin: Was aber kann der Rest der Welt von Kang-Youwei und seiner Utopie heute lernen? Zum einen, meint Thomas Heberer, sind viele Forderungen Kangs immer noch unerfüllt. Etwa die Gleichberechtigung der Frau, die Abschaffung von Hunger und Krieg. Und zum anderen zeige das Beispiel Kang Youweis, dass nicht nur der Westen aufgeklärte Geister hervorbringt. ZSP 11 chinesische Aufklärung 0,19 Es entsteht immer der Eindruck, die Chinesen sind ein homogenes Konglomerat, oben entscheidet der Führer. Und sonst sind sie keine Querdenker, keine Freidenker, sondern machen, was der Staat sagt. Und das ist so nicht richtig. Denn es gibt eine lebhafte Diskussion in China und es gab die schon immer in der chinesischen Geschichte. Musik: CD433040112 Desert Cappriccio 0‘56 Erzähler: Diese Ideen-Geschichte und ihre Denker gilt es zu entdecken. Für einen Dialog der Kulturen auf Augenhöhe. Damit wir künftig nicht nur über machtpolitische Gegensätze und ökonomische Bedrohungen sprechen, sondern über gemeinsame Werte und Ziele der gesamten Menschheit. Erzählerin: Höchstwahrscheinlich hatte Bundespräsident Steinmeier dieses globale Miteinander im Sinn, als er im Dezember 2018 den großen Philosophen Kang Youwei zitierte und an die Studierenden der Sichuan-Universität appellierte: Zitator: „Die Zukunft, die vor Ihnen liegt, wird kein Einzelner, kein Volk, keine Nation für sich allein gewinnen. Die Zukunft wird nicht im Kampf Jeder gegen Jeden liegen.“
- Zivilcourage - Der Mut des Bürgers
19.09.2025 · 22 Min.
Zivilcourage - klingt gut, fällt aber vielen nicht leicht. Es kostet Überwindung, ohne Rücksicht auf eigene Nachteile für andere und deren Unversehrtheit einzutreten. Dabei ist das Plädoyer danach ziemlich alt. (BR 2017) Autorin: Daniela Remus Credits Autor/in dieser Folge: Daniela Remus Regie: Frank Halbach Es sprachen: Hemma Michel, Jerzy May, Silke v. Walkhoff Technik: Cordula Wanschura Redaktion: Nicole Ruchlak Im Interview: Prof. Simone Dietz, Philosophin, Düsseldorf; Prof. Gerd Meyer, Historiker, Tübingen; Prof. Michael Wolffsohn, Historiker, München; PD, Nils Zurawski, Kriminologe Hamburg Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Retterinnen ohne Ruhm - Zivilcourage im Nationalsozialismus JETZT ANHÖREN Der Zuschauer-Effekt - Warum wir oft gaffen, aber nicht helfen JETZT ANHÖREN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 radioWissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnah nimmt Euch „Wie wir ticken“ mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek. WIE WIR TICKEN - EUER PSYCHOLOGIE-PODCAST Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.
- Leo von Klenze - Der Mann, der Münchens Bild prägte
19.09.2025 · 22 Min.
Er hat das Stadtbild Münchens geprägt wie kein Zweiter: Leo von Klenze. Er war der Star unter den Architekten seiner Zeit, getrieben vom Traum einer modernen Wiedergeburt griechischer Kunst. Autorin: Brigitte Kohn (BR 2013) Credits Autor/in dieser Folge: Brigitte Kohn Regie: Eva Demmelhuber Redaktion: Brigitte Reimer Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: Alles Geschichte – Der History-Podcast Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung: BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG Linktipps: Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER.