Pierre Bourdieu - Denker der feinen Unterschiede
30.07.2025 · 22 Min.
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Italiener oder Imbiss. Puccini oder Punkrock. Die Herkunft prägt den Geschmack ein Leben lang. Davon ist der Franzose Pierre Bourdieu überzeugt. Wer ist der Mann, der die Soziologie als Kampfsport bezeichnet? Autorin: Maike Brzoska (BR 2020)
Autor/in dieser Folge: Maike Brzoska
Regie: Christiane Klenz
Es sprachen: Katja Bürkle, Stefan Merki, Andreas Dirscherl
Technik: Roland Böhm
Redaktion: Nicole Ruchlak
Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.
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Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:
SPRECHERIN
Eine Abendgesellschaft irgendwo in Frankreich. Zahlreiche Gäste sind geladen.
Sie nehmen Platz an einem großen Tisch. Gleich wird das Essen serviert. Schon
an wenigen Details kann man erkennen, wer hier diniert.
SPRECHER
Sitzen die Paare nebeneinander? Dann gehören die Gastgeber vermutlich der
unteren Schicht oder dem Kleinbürgertum an. Sitzen die Paare getrennt
voneinander, gehören sie zur Oberschicht, zur Bourgeoisie.
SPRECHERIN
Auch die Speiseordnung kann die soziale Herkunft verraten.
MUSIK 2
SPRECHER
Suppe, Kartoffeln, Fleisch – bei Angehörigen ärmerer Schichten kommen die
vollen Töpfe und Pfannen mit auf den Tisch. Aufgetragen wird reichlich und mit
großen Schöpfkellen. Die Reihenfolge der Speisen ist zwanglos, Zwänge gibt es
im Alltag schließlich schon genug. Deshalb räumt die Frau zwischendurch auch
ein paar Teller beiseite und holt schon mal die Torte, während andere noch essen.
MUSIK 3
SPRECHERIN
Bei den Wohlhabenden hingegen hält man sich zurück. Erst wenn ein Gang
vollständig abgeräumt ist – inklusive Salzstreuer –, wird das Dessert aufgetragen.
Gegessen wird erst, wenn alle einen Nachtisch haben. Sich nicht zurück zu halten,
wäre respektlos gegenüber den Gastgebern.
SPRECHER
Und wer sich immer noch nicht sicher ist, wer hier feiert, sollte auf Speisen und
Getränke selbst achten.
SPRECHERIN
Gemüse, Fisch, Wasser, Wein – auf den Tisch der Oberschicht kommen leichte
und exquisite Speisen. Schlank ist schließlich schick.
SPRECHER
Bei ärmeren Leuten hingegen gibt es kalorienreiches Essen: Fettes Fleisch,
salzige Beilagen, Bier, Limo, Schnaps. Gefragt ist hier, was satt macht. Ab Montag
wird wieder schwer geschuftet.
SPRECHERIN
Zurückhaltende Askese hier, zwanglose Völlerei dort. Diese Analyse der
Tischsitten stammt von dem Soziologen Pierre Bourdieu. Sein 1979 in Frankreich
erschienenes Buch La distinction, zu deutsch: Die feinen Unterschiede, machte
ihn über Nacht berühmt, auch außerhalb der wissenschaftlichen Welt. Bourdieu
zeigt darin, wie kulturelle Praktiken, ästhetische und kulinarische Vorlieben sich je
nach sozialer Herkunft unterscheiden.
MUSIK 4
SPRECHER
Wobei die Tischsitten nur ein kleines Detail sind aus der Fülle des empirischen
Materials, das er über Jahre hinweg gesammelt hat. Stunden habe er damit
zugebracht, Gesprächen zuzuhören, schreibt Bourdieu in seinem Buch Ein
soziologischer Selbstversuch.
SPRECHERIN
Gelauscht hat er in Cafés, beim Boule, beim Fußball, auf Postämtern. Aber auch
bei Abendgesellschaften, Cocktailpartys und auf Konzerten. Manchmal habe er
unter einem Vorwand ein Gespräch angefangen, nur um mehr über Herkunft und
Beruf seines Gegenübers zu erfahren.
01 O-TON (Schultheis)
Das ist das Besondere bei ihm, seine gesamte Theorie ist empirisch gewonnen.
SPRECHER
Der Soziologe Franz Schultheis. Er ist Professor an der Universität St. Gallen und
hat viele Jahre mit Bourdieu zusammengearbeitet.
SPRECHERIN
Bourdieus Beobachtungen stammen aus den 1960er und -70er Jahren. Deshalb
ist die Analyse des Festessens auch mit Vorsicht zu genießen. Denn ob es bei
französischen Abendgesellschaften auch heute noch so zugeht, oder ob die
Unterschiede inzwischen mehr Klischee als Realität sind – Bourdieu wäre wohl
der erste, der eine neuerliche Analyse anmahnen würde.
SPRECHER
Aber ganz allgemein lässt sich seine These in Die feinen Unterschiede so
zusammenfassen:
SPRECHERIN
Was ich esse, wie ich mich kleide, welche Musik ich höre, wie ich wohne, was ich
schön finde – all das zeigt, welcher sozialen Gruppe ich angehöre. Bourdieu nennt
das den Habitus eines Menschen. Er verbindet ihn mit Anderen, die einen
ähnlichen Bildungsgrad und eine ähnliche soziale Herkunft haben.
SPRECHER
Gleichzeitig ist das, was in einer sozialen Gruppe als guter oder schlechter
Geschmack gilt, nicht für alle Zeiten festgelegt. Was en vogue ist, resultiert aus
Klassenkonflikten, die immer wieder neu ausgetragen werden. Es ist ein ständiger
Kampf, ein ständiges „Spiel“, wie Bourdieu es nennt, um Anerkennung und Macht.
SPRECHERIN
Soziale Hierarchien sind Bourdieus Lebensthema. Wie unterscheiden sich die
Schichten voneinander? Was trägt das Bildungswesen zu diesen Unterschieden
bei? Warum geben manche Intellektuelle den Ton an? Wie kommt es zur
männlichen Herrschaft? Das sind einige der Themen seiner Feldforschung.
SPRECHER
Und immer schwingt in seinen Analysen auch eine gewisse Kritik mit an den
herrschenden Gruppen, den Eliten.
MUSIK 5
SPRECHERIN
Geboren ist Pierre-Félix Bourdieu 1930 in einem kleinen Dorf am Fuße der
Pyrenäen. Sein Vater Albert war erst Kleinbauer und später Postbeamter. Seine
Mutter Noémie war ebenfalls bäuerlicher Herkunft.
SPRECHER
Vor allem sein Vater habe ihn geprägt, schreibt Bourdieu. Albert war Mitglied einer
Gewerkschaft und habe weit links gewählt, was in der konservativ-ländlichen Welt
immer wieder zu Problemen führte. Er habe seinen Vater nie glücklicher erlebt, als
in Momenten, in denen er Bedürftigen helfen konnte.
Anweisungen, Witwenrenten, Schuldverschreibungen – in blindem Vertrauen
überließen die Leute dem Postbeamten Albert ihre wichtigsten Angelegenheiten,
der immer verantwortungsvoll damit umging. Diese Haltung seines Vaters habe
ihn früh gelehrt, die sogenannten „kleinen Leuten“ zu achten, so Bourdieu
rückblickend.
SPRECHERIN
Nach der Grundschule kommt er ins Internat nach Pau, um dort aufs Gymnasium
zu gehen. Später besucht er noch ein Gymnasium in Paris. Damals etwas
Besonderes für einen Jungen aus der Provinz.
03 O-TON (Schultheis)
Gleichzeitig hat er aber auch die Schattenseiten kennen gelernt als Außenseiter in
diesen Gymnasien, wo er war. Die Anderen waren bürgerlicher Herkunft und er
kam eher aus der Unterschicht, und dadurch hat er ein ambivalentes Verhältnis
entwickelt.
MUSIK 6
SPRECHER
Raufereien, Fausthiebe, Hoffnungslosigkeit – die Jahre im Internat in Pau seien
fürchterlich gewesen, schreibt Bourdieu. Als Musterschüler sei er immer schnell
Zielscheibe von Aggressionen gewesen. Um nicht vollends ausgeschlossen zu
werden, habe er angefangen, mit den anderen Jungs Rugby zu spielen. Es seien
diese permanenten Auseinandersetzungen gewesen, die ihn dazu gebracht
haben, die soziale Welt als andauernden Kampf zu betrachten. Aber trotz dieser
negativen Erfahrungen an der höheren Schule war er dem Bildungssystem
insgesamt gegenüber wohlgesonnen.
04 O-TON (Schultheis)
Er wurde von diesem Bildungssystem quasi entdeckt und über verschiedene
Stufen bis an eine Eliteuniversität befördert. Und dadurch hatte er eigentlich
gegenüber diesem Bildungssystem immer auch eine sehr positive Einstellung. Es
hat ihn errettet, aus dieser Marginalität.
MUSIK 7
SPRECHERIN
Von der französischen Provinz nach Paris. Als Sohn einfacher Leute auf
die besten Gymnasien des Landes. Bourdieu ist ein Außenseiter in mehrfacher
Hinsicht. Aber erst später habe er die Besonderheiten seines eigenen Habitus
erkannt, schreibt er. Tonfall, Stimme, Gesichtsausdruck – als Junge vom Land
habe er sich in vielem von den hochgeborenen Parisern mit ihrer kühlen
Selbstsicherheit unterschieden. Vielleicht sei er deshalb so oft als aufmüpfig
wahrgenommen worden.
SPRECHER
Ab 1951 studiert Bourdieu Philosophie an der Pariser École Normale Supérieure,
der Kaderschmiede der französischen Intellektuellen, die auch berühmte Denker
wie Jean-Paul Sartre, Michel Foucault und Émil Durkheim besucht haben.
Anfangs ist er beeindruckt von der akademischen Welt mit ihren Diskursen und
illustren Zirkeln. Seine Dissertation will er – wie damals üblich für einen
Philosophie-Studenten – über ein abstraktes Thema schreiben. Aber es kommt
anders.
MUSIK 8
SPRECHERIN
In Algerien brechen zu dieser Zeit bewaffnete Konflikte aus. Das nordafrikanische
Land stand damals unter französischer Kolonialherrschaft und kämpfte für seine
Unabhängigkeit. Das französische Militär schlägt die Aufstände blutig nieder.
Bourdieu, obwohl erklärter Gegner des Krieges, muss ab 1955 seinen Wehrdienst
dort leisten.
05 O-TON (Schultheis)
In Algerien trifft er auf eine Situation, die ihn wachrüttelt, wo er sagt; Ich kann unter
diesen Bedingungen, diesem Kolonialkrieg, dem Elend, was er da zu sehen
bekam, nicht einfach weiter Philosophie betreiben. Ich muss mich dieser Lage
annehmen, kritisch annehmen. Und er schreibt ein Buch Sociologie d Algerie,
Soziologie Algeriens, und mit diesem Buch, so sagte er, wollte ich daheim den
Franzosen überhaupt mal deutlich machen, was Algerien bedeutet. Denn in
Frankreich kennt man Algerien gar nicht. Ich will auch vermitteln, dass auch die
Algerier eine eigene Kultur haben, was eigentlich von den Kolonialherren immer
verneint wird
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- Earl Hamner, Erfinder der Waltons - Sehnsucht nach dem Landleben
31.07.2025 · 23 Min.
Gute Nacht, John-Boy - dieser Satz aus "Die Waltons" ist weltbekannt. Autor Earl Hamner hat mit der Familienserie Fernsehgeschichte geschrieben. Aber auch viele andere Filme, Reihen, Romane Hamners haben das Publikum begeistert auf ihre sehr herzliche, oft humorvolle Hamner-Art. Autorin: Susi Weichselbaumer (BR 2023) Credits Autorin dieser Folge: Susi Weichselbaumer Regie: Susi Weichselbaumer Es sprachen: Berenike Beschle, Herbert Schäfer, Clemens Nicol, Friedrich Schloffer, Rahel Comtesse Technik: Christiane Gerheuser-Kamp Redaktion: Andrea Bräu Literaturtipps: Earl Hamner und Ralph Giffin: Goodnight John-Boy – feinfühlige Einführung zur Serie „Die Waltons“ mit Biografischem zu Hamner und zur Entstehungsgeschichte sowie Episodenguide James E. Person JR., Earl Hamner. From Walton´s Mountain to tomorrow – detailreiche und umfassende Biografie zu Hamner Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: ATMO Graduation 1 Erzählerin Stolz, glücklich, nervös - die Absolventinnen und Absolventen in den schwarzen Roben drängen in die Sporthalle, die bestuhlt ist für diesen Anlass. Sie suchen ihre Plätze in den ersten Reihen vor der Bühne. Omas, Opas, Mamas, Papas, Geschwister, Freunde verteilen sich dahinter. Erzähler Es dauert, bis alle sitzen. 1 ZU Burke 0.21 We brought him… Ov m1 Wir hatten ihn 2004 zu uns auf den Campus eingeladen und ihm einen Preis verliehen für außerordentliche Verdienste um Film und Fernsehen. Erzählerin Erinnert sich Kevin Burke. Er ist Leiter des Studiengangs Medienproduktion an der Universität Cincinnati in Ohio. 2 ZU Burke 0.21 +45.26 And in 2008… Ov m 1 2008 kam er wieder – um einen Ehrendoktortitel anzunehmen. Und er hat die Abschiedsrede gehalten auf der Feier des Abschlussjahrgangs. Tausende bekamen da ihr Zeugnis. Wir haben insgesamt 45.000 Studierende hier jedes Jahr. Und er gab ihnen Weisheiten mit für ihren weiteren Lebensweg. ATMO Graduation 2 Erzähler Earl Hamner. Erzählerin Der freundliche Mann mit dem dunklen welligen Haar und der quadratischen Hornbrille. Erzähler Der renommierte Schriftsteller, erfolgreiche Drehbuchautor – Erzählerin Der selbst Student war an der Universität Cincinnati, Diplom 1948, im damals ganz neuen Kurs „Publizistik“. ATMO ENDE/ MUSIK Thema Waltons CD 924520 041 0.58 Min. Erzähler Der Serien und Filme gemacht hat für die Fernsehewigkeit. Erzählerin Die Mediathek- und Streamingdienstewigkeit. Erzähler Die ewige Ewigkeit. MUSIK hoch und weiter Erzählerin Die Kamera schwenkt über die bewaldeten Gipfel Virginias. Die Sonne scheint. Mama Walton tritt lächelnd aus der Tür des weiß gestrichenen Farmhauses und wischt sich die Hände an der Schürze ab. (Stelle in der Musik: Autohupe) Erzähler Papa Walton fährt mit dem klapprigen Ford Pick Up auf den Hof. Erzählerin Die sieben Kinder laufen fröhlich durch den Vorspann. Erzähler Opa Walton kuschelt Oma Walton. Erzählerin Die wehrt ihn ab. Erzähler Ach was. Erzählerin Der Autor der Serie „Die Waltons“, Earl Hamner, erzählt zu Beginn jeder Episode, um was es diesmal geht. Die kurze Zusammenfassung aus dem Off wird Standard, 9 Jahre und 9 Staffeln lang. Erzähler 221 Folgen, ab 1972, zunächst zu sehen im US-amerikanischen Sendernetzwerk CBS. 50 Millionen Menschen schalten jeden Donnerstagabend ein. 5 ZU Hamner (2.30) The audience made… OVm2 Das Publikum hat uns an die Spitze der Einschaltquoten katapultiert. Das war die beste Antwort auf all die Kritiker, die im Vorfeld meinten: Wen in aller Welt interessiert der Alltag einer Familie in den hinteren Wäldern Virginias während der Wirtschaftskrise? Erzähler Freut sich Hamner in einem Interview später. Da haben ihn „Die Waltons“ bereits weltberühmt gemacht. Angesiedelt im ländlichen Amerika der 1930er Jahren, in der Zeit der Großen Depression, erleben die Familienmitglieder kleine Abenteuer. ATMO Schyler 1/ MUSIK The Waltons CD947590 211 0.34 Min. Erzählerin „Die Waltons“ spielen in etwa da, wo Earl Hamner herkommt. Aus dem überschaubaren Schyler, Nelson County, weit draußen in der waldigen Hügellandschaft des südlichen Virginia. Ein paar Farmhäuser, eine Baptistenkirche, eine Seifenfabrik. Hier wird Earl Hamner Junior am 10. Juli 1923 geboren. Als ältestes von acht Kindern. Der Vater ist Maschinist in der Fabrik, die Mutter kümmert sich um den Haushalt. ATMO Schyler 2 Erzähler Heute ist Schyler Sehnsuchtsort vieler Walton-Fans. Mehrmals im Jahr gibt es in dem 300-Einwohner-Örtchen Festivals, zu denen nach wie vor auch die Stars aus der Serie kommen, Autogramme verteilen und Fragen beantworten. 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Erzählerin Diesen Wunsch hat das Publikum wohl bereits in den turbulenten 1970er Jahren, als die Serie anläuft: Zurück in die 30er, als da bei aller Finanzkrise gefühlt wenigstens noch Geborgenheit und Miteinander herrschten, ein stabiles Wertesystem existierte. Erzähler Mitten hinein in die landesweiten Proteste gegen den Vietnamkrieg erzählt Hamner vom Scheunentanzabend in Waltons Mountain, der ersten Liebe, dem ersten Kuss. Während die Watergate-Affäre über die USA hinaus Schlagzeilen macht, verpasst Hamner den Eltern Walton bei ihrer nachgeholten Hochzeitsreise eine romantische Reifenpanne. Erzählerin Mit dieser Art von Nostalgie begeistert Hamner nicht nur viele Menschen in den USA. 1975 bringt das ZDF die Waltons nach Deutschland. Die Zuschauerzahlen sind so gut, dass mehrere Privatsender die Serie sofort komplett wiederholen. 9 ZU Kevin Burke 14.00 He was very much into familiy programming OVm1 Familienprogramme waren absolut sein Ding. 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Dann kündigte er, weil er endlich genug Zeit haben wollte für ein Romanprojekt. Erzähler Ein großes Romanprojekt, wie es sich für einen richtigen Schriftsteller gehört. Erzählerin So stellt es sich Earl Hamner vor. MUSIK First sight of New York M0021345 000 0.37 Min. Erzähler Deswegen zieht er nach New York. Ins Zentrum von Kunst, Musik und Literatur. Wolkenkratzer im Lichtermeer, Dauerstau auf den Straßen und Gedränge auf den Gehsteigen. In der Stadt, die nie schläft und die den größtmöglichen Kontrast bietet zu Schyler in den einsamen bewaldeten Bergen Virginias – Erzählerin Entsteht 1953 schließlich „Fifty Roads of Town“. Ein Roman, in dem es um eine junge Frau geht – die in den Bergen Virginias lebt. Erzähler Ja. Aber inzwischen schreibt Hamner auch ganz Anderes. Das Fernsehen hat es ihm angetan. Er klappert in New York einen Produzenten nach dem anderen ab. Erzählerin Viele sagen ihm, nein, nur weil er Radiotexte könne… Fernsehen sei so ganz… Erzähler Anderes?!?! MUSIK Dueling Banjos Z8008909 116 0.25 Min. Erzähler Ein Mann gibt ihm eine Chance, Mark Smith, ein befreundeter Redakteur von „The United States Steel Hour“. Die TV-Show adaptiert Bühnenwerke der Weltliteratur, von Shakespeare über Oscar Wilde bis Tennessee Williams. Erzähler Hamner begeistert Redakteur Smith. Der Fuß ist in der Tür. Weitere Aufträge folgen. MUSIK ENDE Erzählerin Ende der 1950er Jahre ist die Goldene Zeit des Fernsehens in New York vorbei. Gameshows, Sitcoms, Musicals, Werbefilmproduktionen – wandern an die Ostküste. Im sonnigen Kalifornien sind die Drehbedingungen besser und billiger. Erzähler Hamner ist mittlerweile Familienvater. Kurzentschlossen packt er seine Frau Jane, Sohn Scott und Tochter Caroline ein, die beiden Cockerspaniels und die Landschildkröte - und zieht nach Hollywood. MUSIK Lazy summer M0017577Z00 0.44 Min. Erzählerin Diese Idee haben allerdings auch andere. Erzähler Viele. Erzählerin Hamner findet nirgendwo Anstellung. Schnell geht das Geld zur Neige. In der winzigen Wohnung ist kein Platz für einen Schreibtisch, also setzt er sich in eine Ecke der Garage. Dort arbeitet er an einem biografischen Roman, wann immer er gerade kein Vorstellungsgespräch hat bei einem Produzenten oder einer Filmfirma. Erzähler In einem brütend heißen kalifornischen Sommer entsteht in der Garage ohne Klimaanlage bei offenem Rolltor „Spencer´s Mountain“. Der deutsche Titel: „Sommer der Erwartung“. Eine Familiengeschichte, angesiedelt irgendwo in den kühl bewaldeten Bergen Virginias. 12 ZU Burke 10.00 It was about familiy and… OVm1 Es geht da um die Familie und ums Aufwachsen in einer vielleicht einfacheren Zeit, in einer Zeit, in der die Menschen in den Vereinigten Staaten, überhaupt auf der Welt, wenig Geld hatten und sie haben sich aufeinander verlassen, um durchzukommen. Erzählerin Erklärt der Professor für Medienproduktion an der Universität Cincinnati, Kevin Burke. MUSIK Americana M0007510 0.19 Min. Erzähler In „Spencer´s Mountain“ steht der Traum des Vaters gegen den des ältesten Sohnes. Der Junior will aufs College gehen. Der Vater möchte ein eigenes Haus bauen für die Mutter und die weiteren acht Geschwister, oben auf dem Berg, auf dem Land, das ihnen gehört. Erzählerin Am Ende verkauft der Vater Haus und Berg für die Zukunft seines Jungen. 13 ZU Burke 10.40 OVm1 Das ist einer der Gründe, warum Hamners Arbeit bei so einem breiten Publikum über alle Altersstufen hinweg derart gut ankam in den USA. Die Menschen konnten sich einfühlen, kannten das aus eigenen Erfahrungen. Erzählerin Der Roman kommt 1961 heraus und landet sofort auf der Bestseller-Liste der New York Times. Erzähler Die Rezensionen sind hymnisch. Erzählerin Präsident John F. Kennedy wählt das Buch aus als Gastgeschenk für andere Regierungschefs, weil es – so der Präsident – das beste amerikanische Leben präsentiere. MUSIK Grab your partner M0021336 000 0.37 Min. Erzähler Und Warner Brother´s machen den Film dazu. In buntem Technicolor. Pompös beworben in langen Trailern. Und in Starbesetzung. Erzählerin Henry Fonda. Erzähler Und Maureen O´Hara – Erzählerin Als Mama – Erzähler Und Papa von neun Kindern. Erzählerin Finanziell ist das endlich ein Durchbruch für Hamner. Allerdings beteiligt ihn die Warner nicht am Drehbuch, das schreiben andere. MUSIK ENDE Erzähler Hamner ist das alles zu groß und zu bunt und zu effektheischend. Also mischt er sich ein. Dass Hamner für seine Figuren und Konzepte kämpft, imponiert den Studiobossen. Seine Art zu schreiben, kommt beim Publikum an. Aufträge flattern ins Haus. Drehbücher für Fernsehserien, Kurzgeschichten für Sammelbände, Romanideen – die Palette an Themen ist breit. Und bisweilen überraschend. MUSIK The twilight Zone Z8038688 221 0.53 Min Erzählerin Ein früherer Kollege beim Radio in Cincinnati, Rod Serling, ist mittlerweile Produzent und Gastgeber der legendären „Twilight Zone“. Unwahrscheinliche Geschichten, unbekannte Dimensionen – in 25 Minuten pro Folge entspinnen sich unglaubliche Begebenheiten. Gruselig, psychologisch doppelbödig, mitunter makaber. Hamner liegt dieses Fernsehformat mit Fokus auf grotesken zwischenmenschlichen Details. Erzähler Er erzählt von einer verliebten jungen Frau, die sich einer alten Hexe in den Bergwäldern anvertraut. Doch obsessive Liebe und obskure Kräuterkunde führten noch nie zum Guten. Erzählerin In einer anderen Folge lässt Hamner ein junges Paar in Pappkulissen aufwachen. Es stellt sich erst langsam heraus: Sie wurden von der Erde entführt und dienen jetzt dem Kind eines Außerirdischen als Spielzeuge im Puppenhaus. MUSIK Bergpanorama Alphorn C1482290008 m 0.50 Min. Erzählerin 1968 fragt eine Produktion an, ob Hamner das Skript ausdenken möchte für die deutsch-US-amerikanische Produktion „Heidi kehrt heim“. In der Hauptrolle als Alm-Öhi Maximilian Schell. Erzähler Statt die Berge Virginias durchstreift Hamner jetzt die Schweizer Alpen nahe St. Moritz. Er ist gerne am Drehort dabei, feilt mit den Darstellern bis kurz vor Kamera an den Dialogen. Die Romanvorlage von Johanna Spyri dichtet er um, mehr Drama, aber auch mehr Liebe. Aus der strengen Gouvernante Fräulein Rottenmeier wird diesmal eine reizende neue Mama Sesemann für Klara. Erzählerin Anspruchsvolle Unterhaltung im Stil deutscher Heimatfilme, loben die hiesigen Filmkritiken. MUSIK ENDE Erzähler In den USA gerät die Erstausstrahlung am 17. November 1968 zum Desaster. Aus rechtlichen Gründen muss der Sender NBC den Film Punkt 19 Uhr starten und beendet deshalb die Übertragung des Footballspiels Oakland Raiders gegen New York Jets eine Minute vor Schluss. Dass die Raiders die verloren geglaubte Partie in dieser letzten Minute doch noch drehen konnten – verpassen die Fans. Wegen des Alm-Öhi. Erzählerin Heute ist „Heidi-Gate“ Fernsehgeschichte. Die Verfilmung längst auch in den USA ein Klassiker. 15 ZU Kevin Burke (16.19) I am not a big… OVm1 Ganz ehrlich bin ich jetzt kein großer Waltons-Fan, aber er hat einen Pilotfilm geschrieben für die Serie. „The Homecoming“, eine Weihnachtsgeschichte, 1971, und der wurde nominiert für drei Emmys und Hamner selbst wurde nominiert für herausragende Leistungen im Bereich Drehbuch. Erzählerin Erinnert sich Kevin Burke. Tatsächlich plant Hamner „The Homecoming“ zunächst als Romanfortsetzung von „Spencer´s Mountain“. MUSIK Dancing snow flakes Z80347 68 137 0.25 Min. Erzählerin Darin sind die Kinder etwas älter geworden. Es ist Weihnachtsabend und man wartet im festlich geschmückten Farmhaus darauf, dass der Vater endlich zurück kommt von der Arbeit in der Fabrik in der Nachbarstadt. Doch draußen tobt ein gewaltiger Schneesturm. Vom Vater fehlt jede Spur. Der älteste Sohn zieht los, sucht ihn in der Poolhalle, beim Krämer, klappert die Nachbarn ab. Vergeblich. MUSIK Snow scene M0017516 000 0.20 Min. Erzähler Schließlich steht der Vater vor der Tür mit einem Sack voller Geschenke. Er hatte den Bus verpasst und musste im Sturm nach Hause trampen. Erzählerin Die Firma CBS kauft das Buch an. Erzähler Der Pilotfilm übertrifft sämtliche Erwartungen. Earl Hamner bekommt sein erstes ganz eigenes Projekt. 16 ZU Hamner 1.17 OVm2 Wegen des Erfolgs von „The Homecoming“ erhielt ich den Auftrag von CBS eine Serie daraus zu entwickeln, daraus und aus dem Roman davor, „Spencer´s Mountain“. Der großartige Will Geer war der erste Schauspieler, den wir gecastet hatten als Opa Walton. Und als wir sie alle zusammen hatten, wussten wir, dass wir da eine wunderbare Gruppe hatten, jede und jeder passte einzigartig in seine Rolle. MUSIK The Waltons CD 924520 041 1.01 Min. Erzählerin Ralph Waite, der zig andere Jobs gemacht hatte, bevor er zur Schauspielerei kam und dessen Privatleben eben den Bach runtergeht, wird Papa John Walton. Später sagt er: Die Rolle habe ihm gezeigt, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen und ein guter Vater zu sein. Erzähler Theaterschauspielerin Michael Learned, mitten in der Scheidung, alleinerziehend mit drei Jungs, braucht eine Zusage schon wegen des Geldes. Sie kommt komplett verkatert zum Casting – und kriegt den Part der Mama, Olivia Walton. Damit habe ein neues Leben begonnen, erzählt sie in Interviews bis heute. Erzählerin John und Olivia werden ein Traumpaar vor der Kamera. Erzähler Hinter der Kamera auch. Erzählerin Sie verzichten auf eine Liebesbeziehung in echt. Erzähler Die Ehe der Waltons ist ihnen zu wichtig. Dass sie die sehr ernst nehmen, zeigt sich auch in Gesprächen mit dem Autor Earl Hamner. Erzählerin Michael Learned mag ihn sehr, beschwert sich aber oft: Sie möchte mehr als Olivia erleben dürfen, als nur Kaffee kochen und die Küche auf Waltons Mountain fegen. Erzähler Also lässt Hamner Mama Walton schwere Krankheiten durchleben, einen Verehrer finden, den sie nicht erhöht, zum Geburtstag darf sie sogar abheben per Postflugzeug. Erzählerin Hamner ist durchaus selbstkritisch. Oma Esther Walton alias Ellen Corby macht es ihm auch nicht leicht. 17 ZU Hamner (2.09) Ellen was dure and unfriendlly... OVm2 Ellen hat das manchmal so hart, fast unfreundlich gespielt. Da habe ich ihr gesagt, ich möchte mehr von meiner eigenen Großmutter in der Rolle sehen, sie war die süßeste Person. Ellen schnitt mir das Wort ab: Junger Mann! Ich gebe der Großmutter ein paar Ecken und Kanten. Sie haben so viele nette Menschen in dieser zuckersüßen Show, das Publikum wird sterben an Diabetes. Ich habe sie daraufhin nie wieder kritisiert. Erzählerin Am 14. September 1972 läuft die erste Folge der Waltons. Bis 1981 werden es 221 sein. Dazu kommen sechs später produzierte Fernsehfilme, die die Geschichte der Familie jeweils ein Stückchen weiterdrehen. Das Ende jeder Episode wird zum geflügelten Wort. 19 ZU Trailer Ende: Good night, John Boy! Erzähler 1972 und 1973 wird Hamner für seine Waltons wieder für den Emmy nominiert. Erzählerin Er ist eine Hausnummer in Hollywood. Erzähler Eine sichere Bank. MUSIK Falcon Crest (Theme) Z8091424 217 0.52 Min. Erzählerin Als 1981 die Serie „Falcon Crest“ ins US-amerikanische Fernsehen kommt, weiß man – Erzähler Wo Earl Hamner draufsteht – Erzählerin Sind sicher wieder über 200 Folgen drin. Gemeinsam mit „Dallas“, dem „Denver Clan“ und „Unter der Sonne Kaliforniens“ wird „Falcon Crest“ in den 1980er Jahren eine der erfolgreichsten Soaps weltweit. Weingutbesitzerin Angela Channing ist die unumstrittene Clanchefin und despotische Herrscherin von Falcon Crest. Ihr soll einmal das ganze Tal gehören. Also schmiedet sie finstere Intrigen gegen die anderen Weinbauern in der Umgebung. Doch auch in der eigenen Familie gibt es Konkurrenz. 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Die mochten ihn alle und ich denke, das gefiel ihm. Er wollte ihnen erklären, was er weiß übers Geschichtenerzählen und welche Art von Geschichten man wie erzählen kann. Und dass man von seinen eigenen Erfahrungen zehrt, um Geschichten zu erzählen. MUSIK The Waltons CD947590 211 0.17 Min. Erzählerin So wie er selber seine Erfahrungen eingebracht hat in seine bekannteste Geschichte bis heute. Erzähler Die Waltons. Erzählerin Earl Hamner – Erzähler Alias John Boy Walton. 22 ZU Good night, Mary Ellen. Good night, Mama. Good night, John Boy. Good night, everybody. ENDE
- Geschichte der Sklaverei - Wenn der Mensch zum Werkzeug wird
30.07.2025 · 22 Min.
Seit wann gibt es die Sklaverei? Auf jeden Fall, seit es Gesetzestexte gibt, von der Frühgeschichte bis in die Neuzeit. Es ist noch gar nicht so lange her, dass sie weltweit verboten wurde. Autor: Johannes Munzinger
- Wilhelm Reich - Soziologe, Sexualforscher, Psychoanalytiker
29.07.2025 · 23 Min.
Für die 68er-Bewegung hatte das Werk Wilhelm Reichs Kultstatus. Der Wiener Psychoanalytiker hielt nämlich die sexuelle Befreiung für politisch notwendig. Später, im amerikanischen Exil, forschte er dann zu einer universellen Lebensenergie namens Orgon. Er war ein höchst umstrittener, radikaler Denker. Autorin: Justina Schreiber (BR 2022) Autor/in dieser Folge: Justina Schreiber Regie: Irene Schuck Es sprachen: Berenike Beschle und Andreas Neumann Technik: Regina Staerke Redaktion: Nicole Ruchlak Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN Hier gibt es eine weitere spannende Folge von radioWissen: Freuds Psychoanalyse - Die relativierte Revolution JETZT ANHÖREN Literaturtipps Fallend, Karl und Nitzschke, Bernd (Hrsg), Der „Fall“ Wilhelm Reich, Beiträge zum Verhältnis von Psychoanalyse und Politik, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1997 Laska, Bernd A., Wilhelm Reich in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, rororo Bildmonographien, Rowohlt Taschenbuchverlag Reinbek bei Hamburg, 1981 Majewska, Magda, Lust und Limit. Der postmoderne Roman und die sexuelle Befreiungsbewegung in den USA, transcript Verlag, Bielefeld 2019 Mitchell, Juliet, Psychoanalyse und Feminismus, Freud, Reich, Laing und die Frauenbewegung, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1985