1000 Antworten

SWR
736
22.10.2026
Beschreibung
Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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Episoden
  1. 22.02.2025
    3 min

    Kupfer, Nickel, Zink Das Auffallendste an den Euro-Münzen ist ja, dass sie zweifarbig sind – innen sind sie weißlich-silbern, außen haben sie diesen gelblich-goldenen Ring. Tatsächlich handelt es sich jeweils um unterschiedliche Materialien: Der Kern besteht aus einer Kupfer-Nickel-Legierung. Beim "goldenen" Ring dagegen handelt es sich im Wesentlichen um Messing, wobei Messing wiederum eine Legierung aus Kupfer und Zink ist. Beim 2-Euro-Stück ist es übrigens umgekehrt. Da bildet das Kupfernickel den Rand und das Messing den Kern: Der Ring ist weißlich, der Kern ist "golden". Wovon hängt es ab, aus welchem Material Münzen gemacht sind? An Münzen werden ja alle möglichen Anforderungen gestellt: Sie sollen nicht rosten – deshalb scheidet Eisen schon mal aus. Die kleinen Cent-Münzen haben zwar einen Kern aus Eisen, der ist aber mit Kupfer überzogen. Warum Kupfer? Da kommt das nächste Kriterium ins Spiel: Das Metall, aus dem eine Münze besteht, soll nicht teurer sein als der Wert, der auf der Münze draufsteht. Deshalb nimmt man für kleine Cent-Münzen eher das billige Kupfer und hebt sich wertvollere Legierungen für die höherwertigen Münzen auf. Die 10-, 20- und 50-Cent-Münzen sind alle aus "Nordisch Gold" – das ist eine Verbindung aus Kupfer, Zink, Zinn und Aluminium. Also ein Material, bei dem zwar das Kupfer dominiert, das aber schon in Richtung Messing geht. Und bei den 1- und 2- Euro-Münzen haben wir diesen aufwendigen Aufbau aus Kern und Ring – also Messing einerseits, Kupfer-Nickel andererseits. Gegen Nickel sind viele Menschen allergisch. Geht es auch ohne? Das war eine große Diskussion, als der Euro eingeführt wurde. Nickel-Allergien waren ja schon vorher bekannt – frühere Münzen enthielten auch Nickel. Die Zentralbanken halten das Nickel trotzdem für unverzichtbar, denn es ist weitaus beständiger als etwa Kupfer. Vor allem aber erhöht es die Fälschungssicherheit. Nickel ist nämlich auch magnetisch. Die recht komplizierte Art, wie in der Euro-Münze das Nickel mit dem Kupfer verarbeitet ist, sorgt dafür, dass die 1-Euro- und die 2-Euro-Münzen jeweils eine ganz eigene magnetische "Duftmarke" haben. Bei der Euromünze ist der Kern wegen des hohen Nickelanteils magnetisch, der Rand aber nicht. Das spielt zum Beispiel auch bei Automaten eine Rolle – Fahrkartenautomaten beispielsweise prüfen ja nicht nur die Form und das Gewicht der jeweiligen Münze, sondern auch ihre magnetische Prägung. Deswegen hat die EZB gesagt: Ohne Nickel geht es leider nicht.

  2. Ohne Salz könnte der Mensch nicht schwitzen. Und wir brauchen Salz vor allem für den Stoffwechsel und die Verdauung. Was passiert da im Körper? Salz als Transportvehikel für Körperflüssigkeiten Anders als Fett oder Eiweiße ist Salz weder etwas, woraus wir Energie gewinnen noch etwas, was sich im Körper als Masse einlagert. Vielmehr dient das Salz unter anderem als Transportvehikel für Körperflüssigkeiten in den Zellen. Das heißt, wenn in einer bestimmten Stelle im Körper Flüssigkeit, also Wasser, benötigt wird, dann wird nicht primär das Wasser dorthin gepumpt, sondern es wird zuerst die Salzkonzentration erhöht bzw. Salz ausgeschieden. Das Salz zieht dann die Flüssigkeit nach sich – wie bei einer aufgeschnittenen Tomate: Wenn man die von außen salzt, dann tritt Flüssigkeit aus den Zellen von innen nach außen, weil es die Flüssigkeit immer dorthin zieht, wo die Salzkonzentration höher ist. Das Gleiche passiert auch überall dort, wo wir Salz ausscheiden. Die Schweißdrüsen produzieren zunächst kein Wasser, sondern sie sondern Salz ab; das Salz zieht die Flüssigkeit nach sich. – Das gleiche Prinzip passiert übrigens auch in den Tränendrüsen. Der Schweiß ist also salzig, weil es ihn sonst gar nicht geben würde. Wir könnten kein Süßwasser schwitzen, weil der Körper das Salz einfach braucht, um den Schweiß überhaupt erst nach außen zu transportieren. 2 bis 3 Gramm Salz pro Tag genügen Eigentlich bräuchten wir nur 2 bis 3 Gramm frisches Salz pro Tag. In der Regel nehmen wir aber viel mehr Salz auf, als wir ausschwitzen. Das überschüssige Salz scheiden wir wieder aus. Dabei spielt der Schweiß nur eine untergeordnete Rolle. Das meiste überschüssige Salz scheiden wir über den Urin aus.

  3. Wolkenbildung bei mehr als 100 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit Das passiert dann, wenn die Atmosphäre relativ gleichmäßig geschichtet ist. Wolken entstehen vereinfacht gesagt, wenn die relative Luftfeuchtigkeit höher ist als 100 Prozent. Dann nämlich ist die Luft wasserdampfgesättigt. Damit keine Missverständnisse entstehen: Wasserdampf ist unsichtbar. Es ist also eben gerade nicht das, was man sieht, wenn z.B. ein Topf mit heißem Wasser "dampft". Sondern das, was wir umgangssprachlich als "Dampf" bezeichnen, sind in Wirklichkeit flüssige Tröpfchen in der Luft. Aber Wasserdampf ist gasförmig. Wenn Wasser irgendwo verdunstet, kann die Luft eine bestimmte Menge Wasser in Gasform aufnehmen. Wenn diese Menge überschritten ist, fängt das Wasser an zu kondensieren. Vom unsichtbaren Dampf zum sichtbaren Tröpfchen Wenn man von 100 Prozent Luftfeuchtigkeit spricht, ist das genau diese Grenze zwischen einem Zustand, in dem die Luft Wasserdampf nur in Gasform enthält und dem Zustand, in dem sich Tröpfchen und somit Nebel oder Wolken bilden. Jetzt kommt aber der nächste Faktor ins Spiel, nämlich die Temperatur: Je wärmer die Luft ist, desto mehr Wasserdampf kann sie aufnehmen, ohne zu kondensieren. Das macht ganz schön was aus: Hat die Luft eine Temperatur von 0°C, dann kann sie nur 5 Gramm Wasser pro Kubikmeter aufnehmen. Sobald weiterer Wasserdampf dazukommt, bildet sich Nebel – so haben wir etwa an Novembertagen vielerorts Frühnebel. Steigt die Lufttemperatur dagegen auf 20°C, kann sie mehr als die dreifache Menge Wasserdampf speichern. Wolken entstehen, wenn Luft abkühlt Damit wird klar, warum sich Wolken entstehen: Sie bilden sich fast immer dann, wenn Luft abkühlt. Je kühler sie wird, desto weniger ist sie in der Lage, Wasserdampf gasförmig zu halten. An der absoluten Wassermenge in der Luft muss sich dann nämlich gar nichts ändern. Die Abkühlung alleine reicht, damit die Luftmasse den Sättigungspunkt erreicht und sich Tröpfchen bilden. Jetzt zurück zu den Wolken, die scheinbar unten "abgeschnitten" sind. Die kann man relativ einfach erklären: Stellen wir uns vor, die Sonne erwärmt die Luft am Boden. Diese Luft nimmt aus dem Boden eine bestimmte Menge Wasser auf. Weil sie warm ist, steigt sie auf. Und je höher sie aufsteigt, desto mehr kühlt sie ab. Im Schnitt um 1°C pro 100 Meter. In 2.000 Metern Höhe ist sie also um 20°C abgekühlt. Gleichmäßig geschichtete Atmosphäre sorgt für "abgeschnittene" Wolken Je nachdem, wie viel Wasserdampf sie enthält, erreicht sie irgendwo auf dem Weg nach oben den Punkt, wo das Wasser anfängt zu kondensieren. Vielleicht bei 1.800 Metern. Wenn die Luft in einem größeren Gebiet relativ gleichmäßig aufsteigt und gleich feucht ist, dann beginnt auch die Wolkenbildung jeweils in der gleichen Höhe. Die Unterseite der Wolken liegt dann auf einer durchgehenden Ebene – das sieht dann so aus, als wenn die Wolken auf einer Glasplatte aufliegen.

  4. Glutlawinen: heiße Gemische von Asche und Gas Pyroklastische Ströme oder einfacher ausgedrückt Glutlawinen sind Mischungen von heißen Aschepartikeln oder größeren Lapilli und Gasen, die nicht in einem Vulkan viele 100 Meter hochgeschossen werden und durch Einsaugen von Luft in bis zu 30 km Höhe steigen können. Die sind vielmehr so schwer, dass sie als heiße Gemische von Asche und Gas den Hang eines Vulkans herunterfließen. Diese Glutlawinen sind besonders gefährlich, weil sie wie alles, was fließt, in Tälern fließen, wo die Menschen wohnen. Täler sind an Vulkanen daher immer besonders gefährdet. Bimsmassen auf Pompeji, pyroklastische Ströme in Herculaneum Die berühmte Eruption des Vesuvs 79 n. Chr. kann man daher in zwei Teile teilen. Am Nachmittag fielen große Bimsmassen als sogenannter Fallout auf die Stadt Pompeji. Dort starben die Menschen durch einbrechende Dächer und Gase. Um Mitternacht änderte sich das Verhalten des Vulkans: Da flossen mit großer Geschwindigkeit die pyroklastischen Ströme bzw. Glutlawinen über Herculaneum und bedeckten die Stadt. Dort kamen sehr viele Menschen ums Leben; sie hatten sich in den Stunden zuvor in Bootshäusern am Strand gesammelt.

  5. Mond hatte wohl Einfluss auf die Weiterentwicklung des Lebens So ganz grundsätzlich kann man die Frage nicht beantworten. Da müsste man ein Gegenexperiment machen, den Mond wegtun und die Erde sich noch mal entwickeln lassen – und dann schauen, was dabei herauskommt. Dieses Experiment können wir nicht machen. Aber die Vorstellung, die wir im Moment haben, ist tatsächlich, dass der Mond einen erheblichen Einfluss zumindest auf die weitere Entwicklung des Lebens gehabt hat. Für die Entwicklung höherer Lebewesen benötigt man Stabilität Stabilität erzeugt der Mond für unsere Erde auf zweierlei Art. Zum einen ist die Erdachse leicht gekippt; dadurch erzeugt man schöne Jahreszeiten. Jetzt ist die Erde aber ein Kreisel, der in gewisser Weise instabil ist. Die anderen Planeten, die zwar sehr weit entfernt sind, haben einen ganz kleinen Einfluss. Das führt im Sinne der Chaostheorie zu enormen Schwankungen über die Milliarden Jahre. Wenn wir den Mond nicht hätten, könnte es also sein, dass sich die Erdachse immer mal wieder auf den Kopf stellen würde, quer liegen, wie auch immer. Das heißt, ein stabiles Klima kann man sich dann überhaupt nicht mehr vorstellen. Unsere Erdachse ist über Milliarden Jahre stabil, weil wir den Mond haben Der Mond ist auch ein Kreisel und der stabilisiert das Gesamtsystem. Das heißt, unsere Erdachse ist über Milliarden Jahre stabil, weil wir den Mond haben. Andererseits hat es auf der Erde tatsächlich über Milliarden Jahre ein stabiles Klima gegeben. Wichtig dabei ist, dass die Erdkruste sich verschieben kann. Die einzelnen Kontinentalplatten können sich gegeneinander verschieben. Das wirkt, mit etwas komplizierteren chemischen Prozessen, wie ein großer Thermostat. Die Erdkruste versinkt im Meer, an bestimmten Zonen kommen durch Vulkane wieder neue Gase aus dem Boden raus. Dieser Regelmechanismus kann nur deshalb funktionieren, weil sich die Erdplatten gegeneinander verschieben können. Und verschieben kann sich nur etwas, wo Lücken sind. Venus als Treibhaushölle ohne Plattentektonik Schauen wir uns den Schwesterplaneten Venus an. Der ist genauso groß wie die Erde. Trotzdem gibt es dort keine Plattentektonik und wahrscheinlich war das sein Verderben. Und zwar in dem Sinne, dass er zu einer Treibhaushölle geworden ist. Dort können sich die Platten nicht gegeneinander verschieben. Bei der Erde sieht die Vorstellung so aus: Die Urerde kollidierte, kurz nach ihrer Entstehung, mit einem marsgroßen anderen Planeten. Der hobelte uns große Teile der Erdkruste weg, die wir heute als Mond im Orbit haben. Dadurch fehlt uns Krustenmaterial – die einzelnen Platten können sich jetzt frei gegeneinander bewegen und können diese Thermostate bilden. Man könnte sagen: Allein die Tatsache, dass der Mond entstanden ist mit dieser Großkatastrophe der Kollision, ist die Ursache dafür, dass unser Planet überhaupt ein stabiles Klima hatte. Und dass der Mond dann da war, stabilisiert uns die Erdachse, und zwar in einer ganz hervorragenden Weise. Die Erde ist einfach – unterm Strich – etwas ganz Besonderes.

  6. Man geht davon aus, dass dieser Ausdruck, der in Berlin um 1900 modern geworden ist, wahrscheinlich aus der Jugend- oder zumindest aus der Umgangssprache kommt. Weil's lustig ist: Erst trampelte man auf dem Geist, dann auf dem Keks Ursprünglich sagte man "das geht mir auf den Geist" oder "der trampelt auf meinen Nerven herum". Letzteres ist ja schrecklich; das muss sehr wehtun. Von den Nerven kam man auf den Geist und fand dann immer neue Varianten. Irgendjemand dachte dann, dass man da ja einfach irgendwas einsetzen könnte und sagte aus Spaß: "Das geht mir auf den Keks." Das fanden andere so lustig, dass es sich unglaublich verbreitet hat. Es hat aber eigentlich keinen rechten Sinn, außer dem, dass es eben sehr lustig ist. Und inzwischen verstehen wir alle, was damit gemeint ist.

  7. Pferde beherrschen Peristaltik nur in einer Richtung "Man hat schon Pferde kotzen sehen" – das klingt natürlich sehr drastisch. Aber wenn man überlegt, dass die Pferde dazu physiologisch gar nicht in der Lage sind, wird ein Schuh daraus. Es ist tatsächlich so, dass Pferde in der Regel die Peristaltik nur in einer Richtung beherrschen – sie können sich nicht übergeben. Wenn also jemand sagt "ich werde mein Abitur garantiert mit 1,0 machen", dann kann der andere sagen "na ja, man hat schon Pferde kotzen sehen". Da man das nicht gesehen hat – Pferde sterben, wenn sie so krank sind, dass sie sich tatsächlich übergeben müssten – wäre das also so gut wie am Sankt Nimmerleinstag. Warum sollten Pferde vor der Apotheke kotzen? Dass sie das vor der Apotheke machen, ist eine Erweiterung. Die kommt daher, dass man gesagt hat, dass die Pferde sich genau da übergeben müssen, wo sie vielleicht ein Mittel kriegen könnten gegen die Übelkeit. Das wäre dann die Apotheke. Mein Vater hat es sogar noch weiter geführt indem er gesagt hat, "man hat schon grüne Pferde vor der Apotheke kotzen sehen". Da wird dann ganz klar, worum es bei der Sache geht und wohin der Hase läuft.

  8. Erdwärme sorgt für hohe Temperaturen Selbst wenn man im tiefsten Winter durch den Gotthardtunnel Richtung Italien fährt, herrschen im Tunnel hochsommerliche Temperaturen. Das ist die Erdwärme! Autos heizen nicht die Tunnel auf Man könnte zunächst glauben, dass es vor allem die Abwärme der Autos ist, die sich im Tunnel staut und die hohen Temperaturen erzeugt. Doch dass das nicht sein kann, kann man sich leicht klar machen: Erstens sind Autos, die in den Tunnel reinfahren, zwar warm, aber auch nicht so warm, dass sie den Tunnel dermaßen aufheizen können. Im Winter schon gar nicht. Wenn sie im Leerlauf stehen, mögen sie eine warme Kühlerhaube haben, die auch Wärme an die Umgebung abgibt. Aber das würde nicht reichen. Denn der Rest des Autos und seiner Karosserie ist kalt. Und die Luft im Tunnel kann durch die Abwärme nicht wärmer werden als die Autos selbst sind. Auch im Eisenbahntunnel ist es warm Das zweite Gegenargument: Nicht nur der Autotunnel ist innen warm, sondern auch der Eisenbahntunnel – wo überhaupt keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren unterwegs sind. Zwar entsteht Abwärme auch im Triebwagen eines Zuges, aber davon spürt man bekanntlich wenig, und so viele Züge fahren auch nicht durch den Tunnel, als dass sich dadurch erklären ließe, warum im Gotthard-Basistunnel oft Temperaturen 40°C und mehr herrschen. Sie wären noch höher, wenn der Tunnel nicht entlüftet und auf diese Weise gekühlt würde. Wärme kommt aus dem Erdinneren Die Temperatur nimmt in der Erdkruste alle 100 Meter um 3°C zu. Beim Gotthard liegen mehr als 1.100 Meter Gebirge über dem Autotunnel – das entspricht also einer Temperaturzunahme gegenüber der Oberfläche von mehr als 30°C. Beim neuen Gotthard-Basistunnel ist das Gebirge mehr als doppelt so mächtig – da sind es mehr als 2.400 Meter – deshalb wird es darin noch wärmer. Gestein über dem Tunnel wirkt als Isolationsschicht Jetzt könnte man denken: "Wieso eigentlich? Nur weil da ein hohes Gebirge drüber liegt, sind die Tunnel deshalb doch noch nicht näher am Erdmittelpunkt." Das stimmt zwar, doch entscheidend ist, dass das Gesteinspaket eine dicke Isolationsschicht darstellt. Von unten kommt immer Wärme nach – je mehr Gestein drüber liegt, desto schlechter wird diese Wärme abgeführt. Deshalb wird es im Tunnel so warm. Das ist übrigens auch eine technische Herausforderung: Im Basistunnel müssen die Gleiskörper und die Strom-Leitungen diese Temperaturen auf Dauer aushalten, genauso wie im Autotunnel der Straßenbelag. Alles machbar – aber die Temperaturen müssen berücksichtigt werden.

  9. 14.02.2025
    3 min

    Newton machte sich über die Schwerkraft als erster Gedanken Newton war der erste, der sich über die Schwerkraft größere Gedanken gemacht und eine Formel dafür gefunden hat. Für ihn war die Schwerkraft eine ominöse seltsame Fernwirkung, die irgendwoher kam. Einstein fand eine andere Antwort. Er sagte: Es gibt eigentlich gar keine Schwerkraft, sondern der Raum selbst ist verbogen; er wird ein physikalisches Objekt. Ein schwerer Körper wie die Sonne beispielsweise verbiegt den Raum um sich herum so, als ob Sie – stellen wir uns das im Modell vor – ein gespanntes Tischtuch haben und dort eine Kugel einsinken lassen, sodass sich drum herum eine Mulde bildet. Wenn Sie nun eine kleinere Kugel nehmen, sie anschubsen und die größere und schwerere Kugel umfahren lassen, dann stellen Sie fest, dass diese kleine Kugel gar nicht anders kann, als in diesem Trichter quasi auf dem Kreis laufen. Warum bewegen sich die Gegenstände auf der Erde in Richtung Mittelpunkt der Erde? Weil die Erde auch den Raum verbiegt. Die Erde – zumindest nach der Einsteinschen Sprechweise – verbiegt den Raum. Und alle Körper, die sich bewegen wollen, laufen nicht auf geraden Linien, wie man das auf einem Blatt Papier oder einem geraden Tisch hätte, sondern wenn Sie das loslassen, bewegen sie sich in einem Trichter, eigentlich einem Raumtrichter. Wenn Sie einen Stein hochwerfen, fliegt der aus diesem Grund nicht geradeaus, sondern bewegt sich zurück. Was wiederum verbiegt den Raum? Was führt zum Raum) Oder wie für Newton: Was ist die Schwerkraft? Da sind wir an einem ziemlich dicken Brett angekommen, das es zu bohren gilt, das aber eigentlich die ganze Physik nicht beantworten kann. Das "Warum" können wir nicht beantworten, sondern nur das "Wie".

  10. 13.02.2025
    1 min

    Durchschnittlich 4.000 m – an den tiefsten Stellen deutlich tiefer Der tiefste Punkt der Erde liegt im Pazifik, im Marianengraben. Allerdings ist noch immer nicht ganz klar, wie tief der tatsächlich ist. Man würde es gerne ganz genau wissen. Es sind auf jeden Fall über 11.000 m, also viel tiefer, als der höchste Berg der Erde hoch ist. Aber leider ist es sehr schwierig, in dieser Tiefe das Maß auf den Zentimeter genau festzustellen. Außerdem dem Marianengraben gibt es in den Weltmeeren noch mehr solcher Gräben, die über 5.000 oder 6.000 m tief sind. Der Puerto-Rico-Graben ist zum Beispiel über 9.000 m tief. Auch im Mittelmeer gibt es um Rhodos und Kreta herum Tiefseegräben. Im Durchschnitt aller Weltmeere ist die Tiefsee fast 4.000 m tief. Aber die spektakulärsten Tiefen liegen bei 11.000 m.

  11. Stubenhocken fördert Kurzsichtigkeit Wenn beide Eltern kurzsichtig waren, dann ist das Risiko, kurzsichtig zu werden, stark erhöht. Man kennt etwa 40 verschiedene Gene, die kurzsichtig machen können. Doch alle Gene zusammengenommen haben einen geringeren Effekt als die Frage: Wie lange bin ich in die Schule gegangen? Wir sehen in Zeiten, in denen Schulkinder viel weniger draußen sind, dass sie noch kurzsichtiger werden. Gene belasten also einerseits. Aber das, was ich mit den Augen tue, ist noch viel ausschlaggebender. Das Auge verändert sich mit den Anforderungen, so wie unsere Muskeln sich auch verändern, wenn wir Sport machen oder arbeiten.

  12. Artikulation im verengten Rachenraum wirkt "verdruckst" Dialekte wirken unterschiedlich, das zeigen Umfragen immer wieder. Mehrere Faktoren scheinen hier eine Rolle spielen. Im Schwäbischen (vor allem rund um Stuttgart) und Sächsischen werden viele Vokale, aber auch manche r-Laute "pharyngalisiert", wie der Linguist sagt. Das heißt, sie werden fast nasal, jedenfalls ziemlich weit hinten im Rachen artikuliert: "I hänn koi K’rzle meh em Kell’r“, stellt der Schwabe kurz vor Advent fest. Auf viele Nicht-Schwaben wirken die schwäbischen R-Laute distanziert, geradezu "verdruckst". Eine mögliche psychologische Erklärung: Wer Laute weit hinten im Mund artikuliert, erweckt buchstäblich der Eindruck: Der rückt nicht raus mit der Sprache, der will was für sich behalten. Im Bayerischen dagegen werden die Vokale weit vorne im Mund artikuliert, das wirkt nachweislich offener, mehr "gradraus". Tatsächlich zählt das Bayerische zu den Dialekten mit den größten Sympathiewerten. Noch ein anderer Fall ist das Hessische: Es kennt fast nur weiche ("waische"), stimmhafte Konsonanten. Das kann einerseits etwas spannungs- und kraftlos wirken, andererseits kann das Hessische dadurch auch etwas Entspanntes, "Gemütlisches" haben. Aber es polarisiert: Die einen mögen es, andere finden es grässlich. Neben dem Klang spielen Assoziationen eine Rolle Neben dem reinen Sound spielen auch Assoziationen eine Rolle, die wir mit bestimmten Dialekten verbinden. Denken wir bei Schwaben an "Kehrwoche", "Sauberkeit" und "Griffelspitzer", beeinflusst das ebenfalls die Sympathiewerte, je nachdem wie man sich selbst mit diesen Tugenden identifiziert. Das Sächsische wiederum war einst der staatstragende Dialekt der ehemaligen DDR, und auch das können manche noch nicht ganz ausblenden. Die gleichen Umfragen, die für das Bayerische hohe Sympathiewerte ergeben, weisen das Sächsische regelmäßig als Schlusslicht in der Beliebtheitsskala aus. Zum Trost: Dieser Effekt verschwindet oft, wenn man sich in der entsprechenden Gegend länger aufhält.

  13. Koffein löst sich nach drei Minuten Immerhin stimmt der erste Teil des Satzes: Schon in den ersten drei Minuten löst sich das Koffein aus den Blättern; und die anregende Wirkung des Koffeins ist gemeinhin bekannt. Allerdings verschwindet das Koffein auch nicht, wenn der Tee länger zieht – und damit bleibt er auch nach fünf Minuten anregend im Sinne von wachhaltend. Gerbstoffe wirken beruhigend auf die Verdauung Je länger der Tee dann zieht, desto mehr Substanzen lösen sich. Nach fünf Minuten insbesondere die Tannine, also die Gerbstoffe. Auf sie vor allem ist das Gerücht von der "beruhigenden" Wirkung zurückzuführen. Denn die Tannine wirken tatsächlich beruhigend – aber weniger auf das Gemüt, sondern viel mehr auf die Verdauung. Das wussten schon die alten Friesen, die, wenn es darauf ankam, sich auch nicht mit einer Ziehdauer von fünf Minuten begnügten. Man litt vor einigen hundert Jahren oft an Durchfallerkrankungen, Typhus, Paratyphus, Skorbut und so weiter. Mancher "verfaulte bei lebendigem Leib", berichtet Teeexperte Ernst Janssen aus Sylt: "Der Tee wurde damals "bis zum bitteren Ende" aufgebrüht. Das bedeutete bis zu zwei Stunden Ziehzeit! Dann haben wir so viel Gerbstoffe im Tee in Form von Tanninen, dass der Durchfall beseitigt ist. Innerhalb von einer halben Stunde ist der weg." Tee gegen Durchfall Von allen gesundheitlichen Wirkungen des Tees ist tatsächlich diese die am längsten bekannte und am besten belegte: Lang gezogener Tee hilft bei Durchfall. Wer aber keine Verdauungsprobleme hat, kann die Ziehdauer getrost dem persönlichen Geschmack anpassen. Manche Menschen können nach dem Genuss von Tee nicht einschlafen. Sie sollten daher abends keinen trinken – egal ob lang oder kurz gezogen, ob grün oder schwarz. Denn entgegen einer weit verbreiteten Annahme enthält auch grüner Tee Koffein.

  14. Calcium, Magnesium, Zink: Hafer enthält wichtige Nährstoffe Ja, denn das verbessert die Nährstoffaufnahme. Viele Nährstoffe, die wir zu uns nehmen, werden im Dünndarm aufgenommen. Das gilt auch für lebenswichtige Mineralien wie Calcium, Magnesium und Zink. Die sind in verhältnismäßig großen Mengen auch im Hafer enthalten. Phytinsäure: Antinährstoff im Hafer verhindert Nährstoffaufnahme Der Hafer enthält aber auch Phytinsäure. Und die bewirkt, dass Mineralien nicht richtig aufgenommen werden können. Mit Zink beispielsweise verbindet sich die Säure zu einem festen chemischen Komplex, der die Darmwand nicht durchdringt und somit nicht vom Körper aufgenommen wird. Solche Stoffe wie Phytinsäure, die die Nährstoffaufnahme verhindern, nennt man deshalb auch Antinährstoffe. Phytinsäuregehalt nimmt durch Einweichen der Haferflocken ab Möchte man also das volle Potenzial der sehr nährstoffreichen Haferflocken ausschöpfen, sollte man sie vorher einweichen. Im Idealfall über Nacht – aber auch schon 30 Minuten sorgen dafür, dass der Phytinsäure-Gehalt abnimmt. Durch das Aufweichen in Wasser oder Milch wird das Enzym Phytase aktiviert. Das baut die Säure ab, und die Mineralien können besser aufgenommen werden. Das mit dem Einweichen gilt auch für diejenigen, die ihre Haferflocken als Porridge zubereiten. Denn durch kurzes Aufkochen allein wird die Phytinsäure nicht zerstört. Und für die, die es sauer mögen noch ein Tipp: Eine Studie zeigt, dass Zitronensaft auf den Haferflocken die Aufnahme von Mineralstoffen ebenfalls verbessern kann. Quellen und Literatur Ekholm, P., Virkki, L., Ylinen, M., & Johansson, L. (2003). The effect of phytic acid and some natural chelating agents on the solubility of mineral elements in oat bran. Food Chemistry, 80(2), 165-170. https://doi.org/10.1016/S0308-8146(02)00249-2 Larsson, M., Rossander-Hulthén, L., Sandström, B., & Sandberg, A. S. (1996). Improved zinc and iron absorption from breakfast meals containing malted oats with reduced phytate content. British Journal of Nutrition, 76(5), 677-688. https://doi.org/10.1079/BJN19960075

  15. Dauerbelastung des Rückens vermeiden Es gibt hierzu unterschiedliche Angaben, aber es sollte im Kindesalter nicht mehr als 5 bis 7 Kilogramm sein. Für Erwachsene sind 10 Kilogramm auch schon sehr viel. Kurzzeitig ist das sicherlich okay, aber es sollte auch für Erwachsene keine Dauerbelastung sein. Teufelskreis von Druckschmerz und Verspannung kann entstehen Wenn man die Schultern zu stark belastet, reagiert die Muskulatur darauf – in der Regel mit Verspannungen, aber auch mit Druckschmerzen. Die entstehen durch die Belastung der Träger; die rufen Druckstellen hervor. Die Verspannungen sind schmerzhaft und es kann zu einem Teufelskreis kommen: lokaler Schmerz, Verspannung, noch mehr Schmerz und weitere Verspannung – dann auch in anderen Regionen des Körpers.

  16. Junge Erwachsene sind narzisstischer als Ältere Stark verkürzt lautet die Antwort: Ja. In einer groß angelegten Studie wurden Fragebögen von 270.000 Menschen ausgewertet. Das Ergebnis: junge Erwachsene sind narzisstischer als Ältere. Woran liegt das? Möglicher Grund: unterschiedliche Lebenssituationen Es könnte mit den allgemeinen Lebenssituationen zusammenhängen. Vermeintlich sind junge Erwachsene bestrebt, viele neue Menschen kennenzulernen und sich materielle und immaterielle Ressourcen aktiv zu erarbeiten. Hierfür könnte ein erhöhter Narzissmus von Vorteil sein. Bei älteren Menschen hingegen liegt der Fokus häufig auf dem Erhalt des bereits erreichtem. Oft legen diese Menschen Wert auf wenige enge Beziehungen. Eine starke narzisstische Ausprägung wäre hierbei ein Hindernis. Das hat aber eben mit dem Alter zu tun und nicht mit der Generation. Beim Narzissmus gibt es auch einen Geschlechterunterschied. Männer scheinen durchschnittlich narzisstischer zu sein als Frauen. Aber auch das sind nur Mittelwerte – individuell gibt es große Unterschiede. Es gibt sehr bescheidene junge Männer, ebenso wie sehr narzisstische ältere Frauen. Was ist Narzissmus? Narzissten sind Menschen mit einer starken Ich-Bezogenheit und einem übertriebenen Bedürfnis nach Anerkennung. Sie neigen dazu, sich selbst als besonders wichtig oder einzigartig wahrzunehmen. Zudem erwarten sie, dass andere sie ständig bewundern. Zeitgleich ist Narzissmus häufig mit wenig Empathie für die Gefühle anderer verbunden. Bekommen narzisstische Menschen nicht die Aufmerksamkeit, die sie sich wünschen, sind sie schnell gekränkt. Dann kann es passieren, dass sie über das Ziel hinausschießen, andere Entwerten und beleidigend werden. Bei alldem sollte aber berücksichtigt werden: Es gibt unterschiedliche Arten des Narzissmus. Zum einen ist da die narzisstische Persönlichkeitsstörung. Sie wird häufig als klinischer Narzissmus bezeichnet. Das ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die häufig mit einem hohen Leidensdruck der Mitmenschen einhergeht. Auf der anderen Seite gibt es den subklinischen Narzissmus – das heißt, einen nicht pathologischen Narzissmus. In der Persönlichkeitsforschung wird der subklinische Narzissmus als ein Persönlichkeitsmerkmal von vielen verstanden. Narzisstische Ausprägungen sind demnach in jedem Menschen vorhanden und können wie alle anderen Persönlichkeitsmerkmale mehr oder weniger stark ausgeprägt sein. Ein gewisses Maß an Ich-Bezogenheit wird dabei sogar mit positiven Eigenschaften verbunden, die im Gegensatz zum klinischen Narzissmus als durchaus funktional angesehen werden. Quellen und Literatur Miller, J. D., Back, M. D., Lynam, D. R. & Wright, A. G. C. (2021). Narcissism Today: What We Know and What We Need to Learn. Current Directions in Psychological Science, 30(6), 519–525. https://doi.org/10.1177/09637214211044109 Weidmann, R., Chopik, W. J., Ackerman, R. A., Allroggen, M., Bianchi, E. C., Brecheen, C., ... & Back, M. D. (2023). Age and gender differences in narcissism: A comprehensive study across eight measures and over 250,000 participants. Journal of personality and social psychology, 124(6), 1277. https://doi.org/10.1037/pspp0000463

  17. 08.02.2025
    2 min

    Februar als letzter Monat bekam die "Resttage" In den Namen "September", "Oktober", "November", "Dezember" stecken die römischen Zahlen für 7, 8, 9 und 10 drin. Und wenn man beim März anfing zu zählen, war das so richtig. Der Februar war also der letzte Monat und somit auch derjenige, der nehmen musste, was bei der Aufteilung der Monate an Tagen übrig blieb. Das war schon vor Julius Cäsar so, im alten römischen Kalender. Da hatte der Februar ebenfalls nur 28 Tage, aber da war der Abstand zu den anderen Monaten noch nicht so groß. Es gab viele Monate mit nur 29 Tagen. Julianischer Kalender wird eingeführt Im Jahr 45 v. Christus kam die berühmte Kalenderreform von Julius Cäsar. Er hat den Kalender in die Struktur gebracht, die wir heute haben. Cäsar hat zwar ein paar der alten Monate, die nur 29 Tage hatten, verlängert, sodass sich jetzt Monate mit 30 bzw. 31 Tage einigermaßen abwechseln. Nur den Februar – der vorher schon der kürzeste Monat war – hat er dabei unangetastet gelassen. Dafür hat er im Februar den Schalttag eingeführt, den es vorher nicht gab. Und so ist es bis heute geblieben. Nur ein Gerücht: Augustus hat dem Februar nichts weggenommen! Man liest gelegentlich eine Legende, wonach wir den kurzen Februar der Eitelkeit des römischen Kaisers Augustus zu verdanken haben. Augustus wollte, dass ein Monat nach ihm benannt wird. Also wurde aus dem einstigen Sextilis der heutige August. So weit ist die Geschichte richtig. Die Geschichte besagt weiter, dass beim Amtsantritt von Augustus der Sextilis, also der spätere August, nur 30 Tage gehabt haben soll, dafür aber der Februar einen Tag mehr. Das, so die Legende, konnte Augustus aber nicht verknusen: dass sein Monat weniger Tage hat als der Julius! Also hat er dem August einen Tag geschenkt, und deshalb hat der jetzt auch 31 Tage. Diesen zusätzlichen Tag hat er beim Februar wieder abgezogen, sodass der heute im normalen Jahr nur 28 Tage hat. Diese Geschichte hat sich bis heute hartnäckig gehalten, ist aber falsch. Die Quellen sind da eindeutig: Der Sextilis hatte schon zu Cäsars Zeiten 31 Tage und insofern hatte Augustus keinen Grund, dem Februar etwas wegzunehmen.

  18. In Indien erfunden Wo die Null erfunden wurde ist klar: in Indien. Und wann ungefähr ist auch klar: Im fünften, sechsten, siebten Jahrhundert nach Christus ungefähr. Es gibt ein Dokument, wo schon in völlig selbstverständlicher Weise die Null benutzt wird, sogar an zwei Stellen. Vielleicht die wichtigste Zahl überhaupt Die Null ist eine ganz wichtige Erfindung in der Mathematik, denn die braucht man, um das Dezimalsystem zu machen. Da ist die Null notwendig, denn sonst würden wir, wenn wir die Zahl 102 schreiben müssten, eine Lücke lassen. So wurde es auch früher gemacht bei den Babyloniern: Es wurde nicht die Null geschrieben, sondern nur ein bisschen Platz gelassen, also ein Hunderter, keine Zehner und zwei Einer. Man kann sich vorstellen, dass es da alle möglichen Auseinandersetzungen gab, denn wenn ich jemandem 102 Euro schulden würde und ich würde einfach lesen 1 2, dann würde ich sagen: "Na ja, die hat halt eine etwas große Lücke gelassen, in Wirklichkeit sind das nur zwölf." Und es gibt tatsächlich Dokumente über viele juristische Auseinandersetzungen. Die Null ist also eine ganz wichtige Zahl. Vielleicht die wichtigste Zahl überhaupt. Kalender: Zählung unabhängig von der Kultur Dass es das Jahr Null nicht gibt im Kalender hat nichts mit der jeweiligen Kultur zu tun. Es ist völlig klar – das würde wahrscheinlich jede Kultur sagen – dass das erste Jahr, mit dem man beginnt, nicht das Jahr Null ist, sondern das Jahr Eins. Deswegen geht das vom Jahr "minus eins", also eins vor Christus, direkt zum Jahr "plus eins", dem Jahr Eins, über.

  19. Das Wegwerfen von Bananenschalen ist eine Ordnungswidrigkeit – es handelt sich um eine unerlaubte Abfallentsorgung und kann mit einem Bußgeld bestraft werden. Das vorweg. Im Fall der Bananenschalen gibt es dafür auch gute Gründe, denn sie verrotten tatsächlich extrem langsam – das kann fünf Jahre dauern. Zwar verändert sich die Bananenschale bereits zu Beginn dieses Prozesses – sie schrumpft etwas, wird schwarz und bekommt eine ledrige Konsistenz – aber so bleibt sie dann eben auch eine ganze Weile. Optisches Problem, störend in der Natur In erster Linie handelt es sich zunächst um ein optisches Problem. Eine einzelne Bananenschale richtet keinen wirklichen ökologischen Schaden an; die Tiere im Wald lassen die Bananenschalen in der Regel liegen. Aber es sieht nicht schön aus, und wenn viele Menschen viele Bananenschalen einfach wegwerfen würden und die Schalen den Boden bedecken, stört das auch die Natur. Tropische Früchte verrotten langsamer als einheimische Man hört oft als Gerücht, dass sich auf den Schalen so viel Chemie, Pestizide usw. befinden, dass sie nicht mehr verrotten. Das langsame Verrotten hat aber nichts damit zu tun, dass die Schalen chemisch besonders behandelt wären – auch Biobananen verrotten langsam. Vielmehr gilt die Faustregel, dass gerade die Schalen von tropischen oder subtropischen Früchten langsamer verrotten als andere. Orangen und Zitronenschalen, Ananas, Kiwi, Bananen und Mangos zersetzen sich in unseren Breiten relativ schlecht. Das hat damit zu tun, dass die Früchte in wärmeren Gegenden beheimatet sind. Der biologische Abbau hängt sehr stark von der Temperatur ab. Man kennt das vom Komposthaufen: Im Winter passiert da fast nichts, der biologische Abbau ruht – im Sommer dagegen verrotten Speisereste sehr schnell, weil einfach alles – Bakterien, Pilze usw. – bei Wärme viel aktiver sind. Deshalb legen wir Gemüse in den Kühlschrank – es hält dort länger. Natürlicher Schutz vor Schädlingsbefall und Verrottung Umgekehrt heißt das: Tropenfrüchte sind von Natur aus an ein warmes, oft auch feuchtes Klima angepasst, in dem es vor Mikroben und Parasiten nur so wimmelt. Deshalb sind sie besonders geschützt und haben auf der Schale Abwehrstoffe, die sie vor Schädlingsbefall bewahren. Die gleichen Abwehrstoffe sind es dann, die später, wenn die Frucht abgefallen ist, den Verrottungsprozess hemmen. Und wenn es so kalt ist wie bei uns, geht das eben besonders langsam. Man kann das mit der Situation beim Tropenholz vergleichen – das wird deshalb so gerne für Gartenmöbel verwendet, weil es recht witterungsresistent ist. Und so ähnlich ist es mit den Schalen von tropischen Früchten.

  20. Zusätzliches CO2 hat "Düngeeffekt" Diese These wird von Klimawandel-Skeptikern immer wieder bemüht. Sie findet sich auch im Wahlprogramm der AfD. Dort steht: Im Gegenteil erweist sich CO₂ als Treiber eines verstärkten globalen Pflanzenwachstums und begünstigt damit die Welternährung. Quelle: Programm der Alternative für Deutschland für die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag Das klingt auf den ersten Blick plausibel: Pflanzen betreiben Photosynthese, sie verwandeln mithilfe von Sonnenlicht CO2 und Wasser zu Biomasse. Man kann also sagen: CO2 ist die "Hauptnahrung" von Pflanzen – je mehr CO2 in der Luft, desto besser müssten sie also wachsen. Im Labor stimmt das auch, und dieser Effekt wird sogar genutzt. In Gewächshäusern reichert man manchmal die Luft mit CO2 an, sodass die Tomaten besser wachsen. Zusätzliches CO2 hat insofern tatsächlich einen "Düngeeffekt". Es gibt auch eine vielbeachtete Studie, die 2016 zum Ergebnis kam: Der Globus ist insgesamt grüner geworden – die grünen Flächen haben weltweit zugenommen, und die Ursachen dafür liegen zu etwa zwei Dritteln in der erhöhten CO2-Konzentration der Atmosphäre. Auch das klingt wie ein Beweis für die "Dünge-Theorie". Doch die Natur ist etwas komplizierter. "Düngeeffekt" im Freiland schwächer als im Labor Der CO2-Düngeeffekt wurde wissenschaftlich recht intensiv erforscht. Die wichtigsten Ergebnisse sind: Im Freiland ist er schon sehr viel schwächer als im Labor. Und es kommt sehr auf die Pflanze an. Bestimmte Pflanzen wie Mais oder Hirse können das zusätzliche CO2 gar nicht verarbeiten. Sie wachsen kein bisschen schneller. Andere Pflanzen wie Soja oder Weizen sehr wohl . Aber – auch das wurde gezeigt – das geht dann zulasten der Qualität, der schneller wachsende Weizen enthält weniger Eiweiß. Ernährungsphysiologisch ist das schlecht. Insofern hat mehr CO2, anders als die AfD schreibt, nicht unbedingt eine "positive Wirkung auf die Welternährung". Kontraproduktiv im Regenwald: Lianen verdrängen Bäume Aber es geht noch weiter: In tropischen Wäldern hat man festgestellt, dass bei einer erhöhten CO2-Konzentration Lianen schneller wachsen und dann andere Pflanzen verdrängen – Bäume zum Beispiel. Bäume sind aber wichtige Kohlenstoffspeicher. Und das zeigt schon, wie schwierig es ist, einfach zu sagen "Die grünen Flächen nehmen zu". Wenn im Regenwald die Bilanz ist: Mehr Lianen, weniger Bäume, dann ist das kontraproduktiv, denn – obwohl ein lianenreicher Wald mehr grüne Blätter haben mag, speichert er dann trotzdem weniger Kohlenstoff. Erhöhter Umsatz, aber stagnierender Gewinn Bei Bäumen hat man aber noch etwas ganz anderes beobachtet. Es gab Experimente, etwa in der Schweiz, da hat man natürliche Wälder einer erhöhten CO2 -Konzentration ausgesetzt, indem man durch die Kronen perforierte Schläuche gelegt hat, durch die CO2 austritt. Und das über Jahre. Das Ergebnis war: Der Stoffwechsel der Bäume hat sich zwar beschleunigt, sie sind aber trotzdem nicht schneller gewachsen. Die Erklärung war: Die Bäume haben zwar mehr Photosynthese betrieben, konnten also aus dem zusätzlichen CO2 mehr Zucker und Stärke bauen. Aber daraus wurde keine Pflanzenmasse, sondern die Stärke landete im Boden und wurde dort wieder von Mikroorganismen abgebaut. Anders gesagt: Wäre der Wald ein Unternehmen, könnte man sagen: Der Umsatz hat sich durch das zusätzliche CO2 zwar erhöht, der Gewinn dagegen stagnierte. Pflanzen leben nicht von CO2 allein Und man darf eins nicht vergessen: Keine Pflanze lebt nur von CO2 alleine. Sie kann es nur dann verarbeiten, wenn auch andere Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff ausreichend vorhanden sind. Das ist aber oft nicht der Fall. Der Klimawandel führt in vielen Regionen auch zu verstärkter Trockenheit, und ohne Wasser nützt das zusätzliche CO2 den Pflanzen gar nichts. Im Gegenteil, sie geraten durch den Wassermangel noch eher in Stress. Fazit Ja, es gibt einen Düngeeffekt durch CO2. Der ist aber kleiner als gedacht und führt insgesamt eher zu einer veränderten Vegetationszusammensetzung. Und was die Welternährung betrifft: Hier werden die möglichen Wachstums-"Gewinne" durch das zusätzliche CO2 durch die anderen Folgen des Klimawandels – unberechenbarere Wetterlagen, mehr Stürme, in vielen Regionen mehr Trockenheit usw. – mehr als zunichte gemacht.