1000 Antworten

SWR
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22.10.2026
Beschreibung
Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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  1. Gibt es eine Narzissmusepidemie? Aus heutiger Sicht lautet die Antwort "Nein". Früher wurde aber das Gegenteil behauptet. Das ging los mit dem Soziologen Christopher Lasch. Der veröffentlichte 1979 einen Bestseller mit dem Titel "Das Zeitalter des Narzissmus". Er spricht in seinem Buch davon, dass Egoismus, Selbstdarstellung und Empathielosigkeit in unserer Gesellschaft immer weiter zunehmen. Als Grund sieht er einen übermäßigen Fokus auf Individualismus, Selbstverwirklichung und Konsum. Allerdings waren das offenbar mehr persönliche Eindrücke, entscheidend sind aber valide Daten. Den ersten großen Versuch einer quantitativen Untersuchung unternahm die Psychologin Jean Twenge: 2008 veröffentlichte sie mit ihrem Team eine Studie, die auf einem psychologischen Fragebogen beruht. Der wurde in den Jahren 1982 bis 2006 von über 16.000 Studierenden an verschiedenen Universitäten ausgefüllt. NPI-Fragebogen bis heute in der Forschung weit verbreitet Bei dem Fragebogen handelte es sich um das "Narcissistic Personality Inventory" kurz "NPI". Er ist bis heute in der Forschung weit verbreitet. Den Test muss man sich so vorstellen: Die Versuchspersonen bekommen immer zwei mehr oder weniger gegensätzliche Aussagen vorgestellt. Beispielsweise die Aussage "Ich habe gern Autorität über andere" und die Aussage "Es macht mir nichts aus, Anordnungen zu befolgen". Die Versuchspersonen müssen 40-mal den Satz wählen, der am ehesten zutrifft – "Forced Choice" nennt sich das. Im Anschluss bilden Psychologen auf Basis aller gewählten Sätze einen Summenscore. Bei dem gilt vereinfacht gesagt: je höher die Zahl, desto narzisstischer. Man kann sich das wie eine hierarchische Pyramide vorstellen. Unten stehen 40 Fragen, in der Mitte 6 Subskalen und oben, an der Spitze, das Konstrukt "Narzissmus". Alle 40 Fragen stehen in einem positiven oder negativen statistischen Zusammenhang zu den 6 Subskalen. Das sind beispielsweise Autoritätsanspruch, Angeberei und Manipulationsneigung. Und die stehen wiederum in einem positiven Zusammenhang zum Narzissmus. Untersuchung von 2008 schien Narzissmusepidemie zu bestätigen Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch: Bei hohen Werten in nur einer von sechs Subskalen wie "Autoritätsanspruch" würde man noch nicht von einem narzisstischen Menschen sprechen. Die Summe aus allen 6 Subskalen ist entscheidend. Genau "die" hat Twenge über viele Jahre untersucht und sie kam zu dem Ergebnis: Die narzisstischen Persönlichkeitsmerkmale nehmen zu. Jede Generation sei narzisstischer als ihre Vorherige. Aber schon kurz nach der Veröffentlichung haben einige die Studie infrage gestellt. Sie würde zu sehr verallgemeinern. Das hat Jean Twenge aber nicht davon abgehalten, die populärwissenschaftlichen Bücher The Narcissism Epidemic und Generation Me zu schreiben. Beide waren Bestseller. So kam die Idee einer angeblichen narzisstischen Epidemie in die Welt. Eine narzisstische Epidemie gibt es wohl nicht – im Gegenteil In der Wissenschaft blieb das aber umstritten. Und im Oktober 2024 erschien eine umfangreiche Metastudie, die für Klarheit sorgte: Eine Forschungsgruppe aus Wien hatte über 1.000 Studien analysiert, in denen der NPI-Fragebogen verwendet wurde. Dabei wertete sie die Daten von knapp 550.000 Menschen aus. Die Forschungsgruppe kam zu dem Schluss, dass es eine narzisstische Epidemie nie gegeben hat – auch nicht in Nordamerika. Zwar sind die Werte dort höher als beispielsweise in Europa oder Asien, aber zwischen 1982 und 2023 konnte kein signifikanter Anstieg festgestellt werden – im Gegenteil, die Werte scheinen sogar rückläufig. Zusammenfassend lässt sich sagen: Auf Grundlage der heute vorliegenden Daten und der verwendeten Messinstrumente zur Erfassung von Narzissmus, lässt sich über die Generationen kein Anstieg feststellen. Quellen und Literatur Oberleiter, S., Stickel, P., & Pietschnig, J. (2024). A Farewell to the Narcissism Epidemic? A Cross‐Temporal Meta‐Analysis of Global NPI Scores (1982–2023). Journal of Personality. https://doi.org/10.1111/jopy.12982 Trzesniewski, K. H., & Donnellan, M. B. (2010). Rethinking “Generation Me”: A study of cohort effects from 1976-2006. Perspectives on psychological science, 5(1), 58-75. https://doi.org/10.1177/1745691609356789 Trzesniewski, K. H., Donnellan, M. B., & Robins, R. W. (2008). Do today's young people really think they are so extraordinary? An examination of secular trends in narcissism and self-enhancement. Psychological Science, 19(2), 181-188. https://doi.org/10.1111/j.1467-9280.2008.02065 Twenge, J. M. & Campbell, W. K. (2009). The narcissism epidemic: Living in the age of entitlement. New York: Free Press Twenge, J. M. & Foster, J. D. (2008). Mapping the scale of the narcissism epidemic: Increases in narcissism 2002–2007 within ethnic groups. Journal of Research in Personality, 42(6), 1619–1622. https://doi.org/10.1016/j.jrp.2008.06.014 Twenge, J. M., Konrath, S., Foster, J. D., Campbell, W. K. & Bushman, B. J. (2008). Egos inflating over time: a cross-temporal meta-analysis of the Narcissistic Personality Inventory. Journal of personality, 76(4), 875–902; discussion 903-28. https://doi.org/10.1111/j.1467-6494.2008.00507.x Twenge, J. M. (2006). Generation Me: Why today's young Americans are more confident, assertive, entitled--and more miserable than ever before. Free Press. Wetzel, E., Brown, A., Hill, P. L., Chung, J. M., Robins, R. W. & Roberts, B. W. (2017). The Narcissism Epidemic Is Dead; Long Live the Narcissism Epidemic. Psychological science, 28(12), 1833–1847. https://doi.org/10.1177/0956797617724208

  2. Hüllformel: auf den Teufel anspielen, ohne ihn direkt zu nennen Man sagt "zum Kuckuck" wie man sagt "zum Geier" oder "zum Henker" oder "zum Teufel". In diesen Fällen geht’s um die Hüllformel. Der Kuckuck und der Geier – die gehören zu den sehr schlecht beleumundeten Tieren, zu den "Teufelstieren". Natürlich auch deswegen, weil der Kuckuck so ein durchtriebener, hinterhältiger Vogel ist, der einem gerne etwas unterjubelt. Man spielt damit also auf den Teufel an, ohne ihn direkt zu nennen. Denn wie man aus anderen Redensarten weiß: "Wenn man den Teufel nennt, dann kommt er gerennt". Deshalb soll man den Teufel "nicht an die Wand malen". Daher ruft man dann lieber "zum Kuckuck" oder zum Geier" und meint eigentlich "zum Teufel", weil man sich wahnsinnig über etwas ärgert.

  3. Blöd, wenn der Sand an den Zähnen knirscht Tatsächlich gibt es unterschiedliche Gründe. Manche Sachen waschen wir vor allem wegen des groben Drecks: Einfach, weil es blöd ist, wenn es beim Verzehr von Salat oder Kartoffeln zwischen den Zähnen knirscht. Pestizide und andere Schadstoffe entfernen Durch das Abwaschen lassen sich Schadstoffe entfernen. Das funktioniert mit kaltem Wasser schon relativ gut. Für viele ist das auch das Hauptmotiv. Es gibt zum Beispiel Leute, die glauben, sie müssen ihr Obst nicht abwaschen, weil sie es im Bioladen gekauft haben und da keine Pestizide dran seien. Das ist aber zu kurz gedacht: Natürlich sind auch Bioprodukte der Luftverschmutzung ausgesetzt. Und auch sie werden von einer Hand zur anderen gereicht. Warmes Wasser? Nicht nötig. Generell genügt zum Abwaschen kaltes Wasser. Untersuchungen haben ergeben, dass warmes Wasser keinen nennenswerten Mehrwert bietet. Das Abtrocknen mit einem sauberen Tuch entfernt mehr Pestizide und Schadstoffe als eine höhere Wassertemperatur. Natron? Hilft bedingt Den oft gehörten Tipp, Obst mit Natron zu waschen, hat eine US-Studie 2017 getestet. Das Ergebnis: Natron kann zwar helfen, noch einmal deutlich mehr Schadstoffe zu entfernen, allerdings nur, wenn die Früchte eine Viertelstunde in einer (schwachen) Natronlauge gebadet werden. Dafür sollten 1 EL Natron in einem Liter Wasser aufgelöst werden. Vollständig lassen sich Pestizide aber auch damit nicht entfernen, weil ein Teil von ihnen unter der Schale steckt. Krankheitserreger – auch auf Bioprodukten Neben Schmutz und Pestiziden hat das Waschen von Obst und Gemüse noch einen dritten Zweck: Es entfernt mögliche Krankheitserreger. In dem Punkt sind Bioprodukte übrigens nicht unbedingt sauberer als konventionelle. Vor allem Rohkost sollte gewaschen werden Gemüse wird in der Regel gegart und dabei stark genug erhitzt, dass Bakterien absterben. Wegen der Keime müsste man Kartoffeln also nicht unbedingt waschen. Da sie unter der Erde wachsen, hängen an der Schale normalerweise auch nicht viele Pestizide. Was unter Umständen dran hängt, ist Dreck – den kriegt man mit kaltem Wasser, am besten in Kombination mit einer Gemüsebürste, weg. Aber häufig schält man sie ja ohnehin. Ganz anders sieht es bei Äpfeln aus. Da können schon mal Pestizide dran sein und sie werden in der Regel auch nicht gekocht. Außerdem haben sie von Natur aus eine mehr oder weniger starke Wachsschicht. Diese Wachsschicht schützt sie vor Regenwasser und somit vor Fäulnis. Manchmal werden Äpfel aber auch künstlich nachgewachst. In Deutschland ist das zwar verboten, aber importierte gewachste Äpfel dürfen auch bei uns verkauft werden. Dieses Wachs gilt zwar als nicht gesundheitsschädlich, aber es ist auch nicht besonders appetitlich. Sowohl das natürliche als auch das künstliche Wachs kriegt man mit kaltem Wasser kaum weg (schließlich dient es ja gerade dazu, Wasser abperlen zu lassen). Hier empfiehlt sich zusätzlich zum Abwaschen auch ein Abrubbeln mit einem Küchentuch. Pilze nur bürsten Ein drittes Beispiel sind Pilze: Hier wird empfohlen, sie nur mit einer geeigneten Bürste zu putzen und nicht zu waschen, weil durch das Waschen unter Umständen auch Aromastoffe verloren gehen. Schon diese Beispiele zeigen: Es kommt immer darauf an, was man vor sich hat. Grundsätzliche Empfehlungen Wenn möglich, die Früchte lieber in ein Wasserbad tauchen als sie unter dem fließenden Hahn abspülen. Denn der Wasserstrahl erwischt im Zweifel doch nicht jede Stelle an der Oberfläche. Zum anderen übt er einen größeren mechanischen Druck aus – bei empfindlichen Früchten wie Beeren ist das schlecht, ebenso, wenn das Produkt schon angeschnitten ist, denn dann werden auch Vitamine und Mineralien davon gespült. Danke an: Dr. Ernst Tabori

  4. Vorläufer der Pyramide: Mastaba Das hat sich so entwickelt. Man baute zunächst sogenannte Mastabas; das sind kastenförmig Gräber. Die erste große Pyramide ist die Stufenpyramide des Djoser in Sakkara. Die hat mehrere Baustufen durchlaufen. Da kann man ganz deutlich sehen, dass die sich aus einer Mastaba entwickelt hat und dann mehrfach erweitert wurde, eben zu dieser Stufenpyramide. Der nächste Schritt war, dass man richtige Pyramiden gebaut hat. Erheblicher logistischer Aufwand Es muss ein erheblicher logistischer Aufwand gewesen sein, insbesondere da die Bauwerke richtig groß sind. Die Cheops-Pyramide hat eine Grundfläche von ungefähr 220 Metern und ist etwa 146 Meter hoch. Das erforderte eine enorme Anzahl von Blöcken, die behauen und transportiert werden mussten, selbst wenn vieles aus der näheren Umgebung kam. Das waren Unterfangen, die Jahrzehnte gedauert haben.

  5. Empfehlung von Pfarrer Sebastian Kneipp: Nesselpeitschen Die Brennnessel, die ja gemeinhin verschrien ist als lästiges Unkraut, wird seit einiger Zeit von Gartenfreunden wiederentdeckt; gerade weil sie als Heilpflanze wirklich viel Gutes tun kann. Sie ist seit alters her dafür bekannt, dass sie bei ganz unterschiedlichen Beschwerden hilft, speziell auch bei Gelenkerkrankungen. Gerade das Einreiben ist ein bekanntes Mittel, das auch schon der gute alte Pfarrer Kneipp empfohlen hat: Das "Nesselpeitschen". Was aber wirkt da genau? Die Stoffe, die den brennenden Schmerz auslösen, sind offenbar die gleichen, die auch die heilende Wirkung haben. Wenn Sie die Brennnessel berühren, dann brennt das deshalb, weil die Brennnesselhaare auf kleinen Bläschen sitzen, die mit Nesselgift gefüllt sind. Wenn Sie an diese Härchen kommen, dringen die wie winzige Kanülen in die Haut ein und setzen das Nesselgift frei. Nesselgift besteht vor allem aus Histamin, Acetylcholin und Serotonin Das Nesselgift besteht vor allem aus drei Substanzen: Histamin – das ist möglicherweise das, was die Hautrötungen auslöst Acetylcholin Serotonin Die beiden letztgenannten Stoffe könnten insofern die Schmerzen lindern, als sie die Durchblutung in den Gelenken fördern. Acetylcholin und Serotonin kennen wir aus ganz anderen Zusammenhängen: Beides sind wichtige Botenstoffe in unserem Nervensystem. Vor allem das Acetylcholin ist der zentrale Botenstoff überhaupt. Er ist für die Signalübertragung nicht nur zwischen den Nerven verantwortlich, sondern auch für die Reizübertragung von Nerven zu Muskeln; insbesondere auch zu den Muskeln, die unsere Blutgefäße umhüllen. Durchblutung steigt – Giftstoffe werden besser abgebaut Was passiert also, wenn wir die Brennnessel berühren? Das Acetylcholin gelangt unter die Haut und regt dort die Blutgefäße an, sodass die Durchblutung steigt. Das Serotonin wiederum fördert die Durchblutung in der Skelettmuskulatur. Durchblutung ist gut gegen Entzündungen, denn je mehr Blut da ist, desto besser können Giftstoffe und Krankheitserreger, die an den Entzündungsherden lagern, abgebaut werden. Welcher der Stoffe der entscheidende ist, ist noch nicht endgültig geklärt. Aber das sind die plausiblen Erklärungen, warum das Einreiben mit Brennnesseln gegen Gelenkbeschwerden hilft.

  6. Champanger wird durch Flaschengärung hergestellt Eine kurze Erklärung für die Nicht-Fachleute: Unter moussieren versteht man das Aufsteigen der CO2-Bläschen, also der Kohlensäure. Tatsächlich gibt es Unterschiede zwischen der Tankgärung und der traditionellen Flaschengärung. Champagner wird durch Flaschengärung hergestellt. Dabei gärt der Sekt in der Flasche, in der sich auch Hefe befindet. Im sogenannten Rüttelverfahren rüttelt und schüttelt man die Flaschen, und irgendwann wird die Hefe praktisch "rausgeschossen". Die Hefe fliegt aus der Flasche, dann kommt der Korken gleich wieder drauf und der Champagner ist fast fertig. Sekt wird im Tank vergoren und die Hefe wird herausgefiltert Das andere Verfahren, mit dem der normale Sekt, der sich nicht Champagner nennen darf, hergestellt wird, ist die sogenannte Tankgärung. Dabei wird der Sekt in großen Behältern vergoren. Dann wird er gefiltert und bei diesem Filtern wird sämtliche Hefe aus dem Sekt herausgenommen. Das macht am Schluss den Unterschied aus: Im Champagner sind noch kleine Hefeteilchen drin, während im normalen Sekt, der über die Tankgärung produziert wird, diese Teilchen fehlen. Die Hefeteilchen sind aber die Punkte, an denen die Bläschen entstehen. Die Bläschen brauchen Kulminationspunkte, an denen sie entstehen können. Diese sind wegen der Hefeteilchen im Champagner stärker verbreitet als im normalen Sekt und deshalb sind auch die Bläschen insgesamt feiner verteilt als im normalen Sekt. Der Champagner enthält also nicht unbedingt mehr, dafür aber feiner verteiltes Triebmittel.

  7. Wichtiger Rohstoff: Holz Der Richtbaum wird manchmal durch einen Richtkranz ersetzt. Genau lässt sich die Herkunft dieser Tradition nicht mehr feststellen, aber offenbar gab es den Richtbaum schon, bevor es den Weihnachtsbaum gab. Die ersten urkundlichen Erwähnungen des Christbaums stammen vom Beginn des 16. Jahrhunderts und zu dem Zeitpunkt gab der Braucht, beim Bau eines Hauses einen Baum aufzustellen bereits etabliert. Bäume spielen ja auch bei anderen Festen eine Rolle, der Maibaum ist ein bekanntes Beispiel. Da gibt es offenbar Parallelen. Bäume waren als Rohstoff schon immer sehr wichtig. Aus Holz wurden Häuser nicht nur gebaut, sondern mit Holz wurden die Häuser natürlich auch geheizt. Das ganze Leben hing somit von Bäumen ab. Nadelbaum: standhaft, immergrün und Sinnbild des Lebens Was symbolisiert nun der Baum? Festigkeit, Standhaftigkeit, Langlebigkeit – und das hat man sich sicherlich auch von den neu gebauten Häusern gewünscht. Außerdem werden meist Nadelbäume verwendet. Weil diese immergrün sind, gelten sie auch als ein Sinnbild des Lebens und der Fruchtbarkeit. Insofern war mit dem Richtbaum sicher auch die Hoffnung verbunden, dass er den Bewohnern des Hauses ein gesundes Leben beschert und sie vor Krankheit schützt. Gute (Wald-)Geister sollen weiterleben und das Haus schützen Martin Rieger, Bauingenieur und Zimmermann aus Sigmaringendorf hat, sich mit dieser Frage auch viel beschäftigt und einen weiteren Punkt ins Spiel gebracht: Viele germanische und skandinavische Mythen erzählen davon, dass die Seelen der Menschen von den Bäumen kamen und nach dem Tod die Seelen wieder in den Bäumen aufgehen. Der Wald war also beseelt, dort lebten nach der Vorstellung der Menschen gute und böse Geister. Weil aber nun zum Hausbau Bäume gefällt wurden, wollte man diese Geister möglicherweise durch das symbolische Anbringen eines Baumwipfels milde stimmen und sich bei ihnen "bedanken". Die guten Geister sollten durch das Anbringen des Richtbaumes weiterleben.

  8. 29.01.2025
    1 min

    Wenn Konrad zärtlich Kunze genannt wird Früher trugen viele Leute den Vornamen Konrad. Zur liebevollen Ansprache hängte man hinten einfach ein "z" an. Das machen wir auch heute noch: Friedrich wird zu Fritz, Heinrich wird zu Heinz und so wurde Konrad zu Kunz – allerdings nur in Süddeutschland. In Nord- und Ostdeutschland hängte man neben dem "z" noch ein "e" an: Fritze, Heinze, Kunze. Das ist also der Nachkomme eines Mannes, der Konrad hieß und zärtlich Kunze genannt wurde.

  9. Man kann nur bis zu einer bestimmten Tiefe in die Erde hineingucken. Bis zum Mittelpunkt der Erde sind es 6.000 Kilometer. Die weltweit tiefste Bohrung geht aber nur bis in 12 Kilometer Tiefe. Das ist nur ein Kratzen an der Oberfläche bzw. an der Erdkruste. Erdkruste, Erdmantel und Erdkern Die Unterteilung bezieht sich auf die chemische Zusammensetzung. Ganz grob besteht die Erdkruste eher aus leichteren Elementen, allen voran Aluminium und Silizium. Aus diesen beiden Elementen sind die Gesteine gemacht, die wir so kennen: Granite, Basalte, Schiefer – das ist die Erdkruste. Im Erdmantel finden sich die etwas schwereren Elemente; anstelle von Aluminium findet man dort mehr Eisen und Magnesium. Und der Erdkern besteht zu 70 Prozent aus Eisen plus ziemlich viel Nickel. Im Kern konzentriert sich also das richtig schwere Material. Das ist die Grobunterteilung nach der Chemie. Vulkane und Diamanten liefern Informationen über den Erdmantel Als Informationsquelle über die Beschaffenheit des Erdinneren dienen: Vulkane: Es gibt Vulkane, die ihre Wurzel in mehreren hundert Kilometern Tiefe haben. Das heißt, die spucken Material aus dem Erdmantel aus. Insofern geben sie Informationen über die Chemie des Erdmantels. Diamanten: Die meisten natürlichen Diamanten haben sich im Erdmantel gebildet und sind erst später durch Magmaströme an die Oberfläche gelangt. Wenn man solche Diamanten aufschneidet, findet man immer wieder Einschlüsse von der Umgebung, in der sie ursprünglich entstanden sind – also vom Erdmantel. Magnetfeld und Meteoriten bieten ebenfalls Aufschluss Ein Hinweis hierauf ist das Magnetfeld der Erde. Für ein Magnetfeld braucht man ein Metall, und zwar einen guten elektrischen Leiter. Dass es sich dabei um Eisen handeln muss, wird wiederum von einer weiteren "Informationsquelle" bestätigt: Meteoriten. Meteoriten sind interessant, weil sie sich in unserem Sonnensystem aus der gleichen Staubwolke gebildet haben wie einst die Erde. Ab und zu fällt ja auch mal einer auf die Erde herunter. Diese abgestürzten Meteoriten kann man chemisch gut untersuchen und davon ausgehen, dass deren chemische Gesamtmischung die gleiche ist wie bei der ursprünglichen Erde auch – weil sich ja beide aus der gleichen Staubwolke zusammengesetzt haben. Der Unterschied ist: Auf der Erde hat sich diese Mischung getrennt. Die schweren Elemente sind nach unten ins Erdinnere gesackt, die leichten am Rand, an der Kruste geblieben. Da aber die Chemie der Kruste bekannt ist – das ist der Boden unter unseren Füßen – und man gleichzeitig durch die Meteoriten weiß, wie einmal die Gesamtmischung aussah, kann man daraus ableiten, was es für Metalle und Mineralien im Erdinneren gibt. Seismische Messungen: Rückschlüsse auf Grenzen zwischen den Erdschichten Die Grenze zwischen Erdmantel und Erdkern z. B. verläuft ziemlich genau in halber Tiefe, also in 2.900 Kilometern Tiefe. Das wiederum weiß man vor allem durch seismische Messungen: Wir wissen, dass jedes größere Erdbeben Erschütterungswellen freisetzt, die sich durch den gesamten Erdball fortpflanzen. Diese Wellen haben aber je nach Material unterschiedliche Geschwindigkeiten. Wenn z. B. die Erde in Kalifornien bebt, kann man messen, wann und wie die Erschütterungswellen dieses Bebens in Europa oder in China ankommen. Und so haben die Wissenschaftler nach und nach Informationen darüber bekommen, wie die verschiedenen Schichten beschaffen sind und wo im Erdinneren die Grenzen zwischen den verschiedenen "Schichten" verlaufen.

  10. Gewitterwolke kann 20 km entfernt oder hinter einem Berg "versteckt" sein Ja, mit gewissen Einschränkungen. Wenn der Himmel strahlend blau ist und kein Wölkchen weit und breit zu sehen, wäre es sehr ungewöhnlich, wenn plötzlich ein Blitz einschlagen würde. Was es aber gibt, sind Blitze, ohne dass im engeren Umkreis eine Gewitterwolke zu sehen wäre. Die Betonung liegt dabei auf "im engeren Umkreis", denn irgendwo in 10 bis 20 Kilometern Entfernung ist sie dann in der Regel doch. Aber sie sticht vielleicht nicht ins Auge, oder ein Berg ist dazwischen, sodass der Blitz wirklich wie aus heiterem Himmel wirkt. Gewitterwolke baut starke Spannung auf Eine Erklärung wurde 2008 in der Zeitschrift Nature Geoscience veröffentlicht: Die Grundlage für solche Blitze sind zunächst dieselben Bedingungen, unter denen auch sonst Gewitter entstehen. In einer Gewitterwolke gibt es starke Aufwinde. Diese Winde transportieren positiv geladene Wasserteilchen bzw. Eiskristalle nach oben. Dadurch wird der obere Teil der Wolke positiv geladen, der untere negativ. Irgendwann baut sich eine so starke Spannung auf, dass sie sich in Form eines Blitzes entlädt. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten: Die normalen Blitze, die wir sehen und die für uns gefährlich sein können, sind Blitze zwischen Wolke und Boden. Hier entlädt sich die Spannung zwischen dem unteren, negativen Teil der Wolke und dem noch einigermaßen neutralen Erdboden. Blitze innerhalb der Wolke Daneben gibt es aber auch Blitze innerhalb der Wolke, nämlich zwischen dem unteren negativen Teil und dem oberen positiven Teil. Und das sind jetzt die für uns interessanten. Denn manchmal passiert es, dass diese Entladung zwischen dem unteren und dem oberen Rand der Wolke nicht vollständig ist, z.B. weil es oben in der Wolke nicht genügend positive Teilchen gibt, um die negative Ladung unten auszugleichen. Dann kann zweierlei passieren. Entweder der Blitz setzt sich über die Wolkengrenze noch weiter nach oben fort. Oder er schlägt über einen Seitenast einen Bogen zur Erdoberfläche – nur eben zehn oder zwanzig Kilometer von der eigentlichen Gewitterwolke entfernt. Und wie beim normalen Blitz kann dann ein Donner hinterherkommen.

  11. Bezug zur Kaufmannssprache? Im Duden-Band über Redewendungen heißt es: Das Wort stammt aus der Kaufmannssprache. Dort steht der Buchstabe f für fein, ff für sehr fein. Früher war es bei Abkürzungen üblich, dass die Steigerung durch eine Verdoppelung der Buchstaben angedeutet wurde. Das kennen wir auch von piano – p oder pianissimo – pp. Das "ff" im Ausdruck "etwas aus dem Effeff können" stünde dann für finissimo – also sehr fein. Dieses Kürzel ist seit dem 17. Jahrhundert belegt. So weit die Duden-Erklärung. Es gibt aber ernst zu nehmende Stimmen, die das anzweifeln: Der Ausdruck "etwas aus dem Effeff können" ist offenbar älter als dieses Kaufmannskürzel. ... oder doch zur Musik? Lutz Röhrich stellt in seinem "Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten" tatsächlich einen Bezug her zum Fortissimo der Musik. Fortissimo heißt ja nicht nur sehr laut, sondern auch "sehr stark". Als Beleg dafür, dass der Ausdruck "aus dem Effeff" daher rühren könnte, führt Röhrich ein paar schwäbische Redensarten an. So soll es im Schwäbischen Ausdrücke geben wie: jemandem aus dem Effeff eine Ohrfeige verpassen. Oder einen Ausdruck wie: Man wird’s dir aus dem ff geigen. Ich muss zugeben, dass mir diese Ausdrücke in meiner Stuttgarter Zeit nie zu Ohren gekommen sind. Aber vielleicht kennt der ein oder andere unserer Hörer diese Redensarten. Fiat: Es geschehe! – Fiat Fiat: Es geschehe ohne Verzögerung! Der Sprachwissenschaftler Christoph Gutknecht hat in seinem Buch "Blühender Unsinn" zwei weitere mögliche Quellen zusammengetragen. Nämlich zum einen ein Kürzel aus der italienischen Stadtverwaltung. Nehmen wir an, dort haben Bürger beim Magistrat etwas beantragt oder eine Petition eingereicht. Diese Petition wurde dann begutachtet und wenn die Beamten fanden, ja, dieses Begehren ist berechtigt, dann schrieben sie auf das Papier ein F. Dieses F stand dann für fiat; lateinisch: Es geschehe. Wenn im Magistrat wiederum wirklich die einhellige Auffassung bestand, dass dem Gesuch stattzugeben sei, hängte man ein weiteres f an, also ff: fiat fiat: Soll heißen: Es geschehe ohne weitere Verzögerung. Der Antrag wurde sozusagen durchgewunken. Wenn nun jemand etwas aus dem Effeff beherrscht, dann muss er ja auch nicht lang nachdenken, sondern winkt sein Wissen sozusagen durch. Noch eine Theorie: Ursprung in der römischen Rechtsgeschichte Nach einer weiteren Erklärungsvariante geht das ff aufs Mittelalter zurück bzw. auf die Rechtswissenschaftler der damaligen Zeit. Diese Juristen haben in ihren gelehrten Schriften immer wieder auf römische Rechtssprüche Bezug genommen – unser Recht geht ja in vielerlei Hinsicht auf das römische Recht zurück. Es gibt eine Sammlung oströmischer Rechtssprüche, die sich Pandekten nannten. Wenn die mittelalterlichen Juristen diese römischen Pandekten zitiert haben, haben sie sie mit einem griechischen Pi abgekürzt – Pi für "Pandekten". Ein Pi, das kennen wir alle aus dem Matheunterricht, besteht aus zwei senkrechten Strichen mit einem flachen Dach drüber. Wenn man das aber schnell mit der Hand schreibt, kann es passieren, dass dieses Dach vom Pi nach unten rutscht, und schon hat man etwas, das aussieht wie ein ff. Nun hatte das römische Recht eine starke Autorität. Das heißt, was aus dem ff abgeleitet werden konnte, das galt als wirklich fundiert. Es gibt eine Reihe von Sprachwissenschaftlern, die halten diese, zugegebenermaßen etwas umständliche Erklärung, für die wahrscheinlichste.

  12. Kaum Studien zur Verträglichkeit von Kreidestaub Diese Frage betrifft wohl viele Millionen Lehrer weltweit. Und die Zahl der potenziell betroffenen Schüler ist noch viel größer – allerdings sind die Lehrer naturgemäß stärker exponiert, weil sie oft einen Großteil der Unterrichtszeit mit Kreide etwas an die Tafel schreiben. Doch obwohl so viele Menschen betroffen sind, gibt es doch vergleichsweise wenig Studien zu genau dieser Frage: Ist das Einatmen von Kreidestaub bedenklich? Ein paar Untersuchungen habe ich immerhin gefunden. Eine stammt aus Indien und hat die simple Frage gestellt: Wie viel Kreide ist normalerweise überhaupt in der Luft? – Die typische Situation ist ja: Man schreibt etwas an die Tafel. Der meiste Teil der Kreide bleibt an der Tafel. Ein Teil wird aber beim Schreiben zerrieben und fällt früher oder später zu Boden. Bevor der Staub zu Boden fällt, schwebt er in der Luft. Die Forscher konnten zeigen, dass der Staub sich immerhin lange genug in der Luft hält, dass die Person, die unmittelbar an der Tafel steht, einiges davon einatmet. Vor allem wenn er oder sie zusätzlich beim Schreiben den Mund offen hat. Schulkreide besteht aus Gips "Kreide" ist im geologischen Sinn keine Kreide, wie man sie an den Kreidefelsen von Dover oder Rügen findet – die besteht aus Calcit, also feinem Kalkstein. Schulkreide dagegen besteht in erster Linie aus Gips. Gips ist Kalziumsulfat – ein gesundheitlich unbedenkliches Material. Giftig in dem Sinn, dass es Langzeitschäden verursacht, ist es nicht. In der Regel nimmt man auch nicht solche Mengen auf, dass die Lunge damit nicht fertig wird. Es sei denn, sie ist ohnehin schon angeschlagen, zum Beispiel, weil man eine Erkältung hat oder die Bronchien entzündet sind. Staubfreie Produktion mittels Kasein Um auch das zu vermeiden – und weil der Kreidestaub lästig ist – sind die Kreidehersteller schon vor einiger Zeit dazu übergegangen, Kreide möglichst staubfrei zu produzieren. Um das zu erreichen, wird der Kreide oft ein anderer Stoff beigemischt, nämlich Kasein. Kasein ist ein Milcheiweiß. Eine Studie hat gezeigt, dass dieses Kasein wiederum ein Problem für Allergiker darstellen könnte. Eine Studie mit Schülern unterschiedlichen Alters kam zu dem Ergebnis: Bei Kindern, die eine Milchallergie haben, könnte das Einatmen von Kreidestaub allergische Reaktionen hervorrufen, unter Umständen sogar Asthma begünstigen. Zumindest sind einzelne Fälle belegt. Die Zahl der untersuchten Kinder ist allerdings noch zu gering, um sagen zu können, welche Rolle die Kreide dabei wirklich gespielt hat. Vorsicht bei Milchallergie Trotzdem könnte man daraus den Ratschlag ableiten: Wer eine Milchallergie hat, sollte vielleicht dem Staub möglichst aus dem Weg und beim Schreiben nicht extra nah an die Tafel gehen. Inzwischen gehen ja auch immer mehr Schulen von den klassischen Tafeln zum Whiteboard über – wo sich das Problem nicht mehr stellt.

  13. Übermütig und dumm Manche sagen sogar: "... dann geht er aufs Eis tanzen". Und manche steigern es noch: "... und bricht ein". Das ist typischerweise für übermütige Leute verwendet worden. Es geht darum, dass ein Huftier wie der Esel auf dem Eis natürlich keinen Spaß hat. Denn die harten Hufe finden auf dem Eis keinen Halt – und dann liegt er auf dem Bauch. Er tut also etwas, was widersinnig dumm, gleichzeitig aber typisch für einen Esel ist. Es bedeutet also, dass man nichts tun sollte, was einem überhaupt nicht guttut. Und wenn es jemand doch macht, kommt dieser Spruch.

  14. "Rassen" gibt es nur bei gezüchteten Haustieren Auf die Frage nach den Rassen gibt es mehrere Antworten. Die erste ist: Auch Tierrassen gibt es in dem Sinn nur bei Haustieren – also etwa bei Hunden, Rindern oder Pferden. Das hat nichts mit natürlicher Evolution zu tun, sondern diese Tiere wurden vom Menschen gezielt auf bestimmte Eigenschaften hin gezüchtet. Bei Wildtieren gibt es das praktisch nicht. Es gibt keine Rassen bei Bären, Wölfen, Thunfischen oder Rotkehlchen. Arten sind keine Rassen Was es gibt, sind Arten: Beispielsweise gibt es den Indischen und den Afrikanischen Elefanten. Und für die Abgrenzung von Arten gibt es klare Kriterien: Tiere zweier Arten können keine zeugungsfähigen Kinder bekommen. Es gibt aber nur eine Menschenart: Homo sapiens. Und es gibt kein sinnvolles Kriterium, um zwischen Unterarten oder eben Rassen zu unterscheiden. Der Vergleich mit der Tierwelt geht also schon mal ins Leere. An der Stelle kommt gelegentlich der Einwand: Und was ist mit Homo sapiens und Neandertalern? Oder mit Braunbären und Eisbären? Das sind tatsächlich Sonderfälle. Eis- und Braunbären werden aufgrund ihrer starken genetischen Unterschiede als verschiedene Arten betrachtet, obwohl sie gemeinsam fruchtbare Nachkommen zeugen können. Und auch die Erkenntnis, dass sich Vorfahren des heutigen Menschen mit dem Neandertaler gepaart haben, wirft die Frage auf, ob es sich bei ihnen wirklich um zwei verschiedene Arten handelt - und wenn nicht, worum dann? Es gibt begrifflich derzeit zwei Wege, mit solchen Fällen umzugehen. Die eine ist zu sagen: In diesen Fällen ist die Artbildung "nicht abgeschlossen". Es sind zwar Arten, weil sie sich in räumlicher Isolation auseinander entwickelt haben, aber noch nicht weit genug, als dass es nicht einen "Genfluss" oder eine "Hybridisierung" geben kann. Folgt man dieser Lesart, muss die strenge Art-Definition also etwas aufgeweicht werden. Die Alternative ist, in solchen Fällen von "Unterarten" zu sprechen - oder schlicht von unterschiedlichen "Populationen" innerhalb einer Art. Entscheidend ist aber: Das hat nichts zu tun mit dem Konzept der "Rasse", das auf gezielten Züchtungen beruht, die sich an einigen wenigen Merkmalen orientieren. In den genannten Fällen dagegen lebten Neandertaler und Homo sapiens jahrhunderttausende, im Fall der Bären mehr als eine Million Jahre, isoliert voneinander. Das war bei Homo sapiens nie der Fall. Dass Vorfahren des Homo sapiens aus Afrika ausgewandert sind, ist keine 100.000 Jahre her - und es gab danach keine klar abgrenzbaren "Populationen", die sich über einen längeren Zeitraum auseinander entwickelt hätten. Unterschiede? Ja! – Rassen? Nein! Das zweite Gegenargument zu angeblichen Menschenrassen liefert die Genetik. Die alte Rassenlehre vor 100 Jahren konzentrierte sich auf willkürlich herausgegriffene, ins Auge stechende Merkmale wie Hautfarbe, Haarstruktur oder Schädelform. Und sie bildete daraus, ebenso willkürlich, verschiedene Gruppen. Nun weiß aber jeder, der mal ein bisschen durch die Welt gereist ist, dass die Hautfarben der Bevölkerung nicht an irgendeiner Grenze plötzlich umschlagen. Sondern zwischen hellhäutig und dunkelhäutig gibt es unendlich viele Schattierungen, zwischen glatten und lockigen Haaren ebenfalls. Das ist bei vielen anderen Merkmalen ebenso. Es ergibt keinen Sinn, bei einem bestimmten Dunkelwert der Haut eine Linie zu ziehen und zu sagen: Alle Menschen, die dunkler sind, bilden eine eigene Rasse. Genetik widerlegt Rassenlehre Die Genetik bestätigt genau das: Natürlich gibt es genetische Unterschiede zwischen den Durchschnitts-Europäern und Durchschnitts-Afrikanern. Aber wir haben ja nicht nur Gene für Haut und Haare, sondern auch Gene, die beeinflussen, wie groß wir werden, ob wir anfällig sind für Fettleibigkeit, Herzinfarkte oder Depressionen und viele andere Erbanlagen. Unterm Strich unterscheiden sich die Menschen innerhalb Europas genetisch viel stärker als sie sich insgesamt etwa von den Menschen in Afrika unterscheiden. Auch deshalb ergibt es keinen Sinn, von Rassen zu sprechen. Übrigens sind nirgendwo die genetischen Unterschiede so groß wie innerhalb Afrikas. Einfach, weil unsere Vorfahren bis vor etwa 80.000 Jahren dort gelebt haben. Man kann ja über Gene durchaus Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Bevölkerungsgruppen ermitteln. Dann zeigt sich, dass weiße Europäer mit Ostafrikanern wesentlich enger verwandt sind, als Ostafrikaner mit indigenen Südafrikanern. Also: Alle Afrikaner in einen Topf zu werfen – auf die Idee kann nur jemand Weißes kommen. Rassismus führte zu Rassenlehre – nicht umgekehrt Und genauso war es auch: Der Rassismus ist nicht etwa Ergebnis einer wissenschaftlichen Rassenlehre, sondern es war umgekehrt. Die Rassentheorie ist ein Produkt des Kolonialismus, entstanden aus dem Bedürfnis, eine Begründung zu liefern, um zwischen angeblich höher- und niederwertigen Menschen zu unterscheiden. So steht es auch in der Jenaer Erklärung, die Zoologen und Evolutionsforscher 2019 veröffentlicht haben. Dort heißt es über die Idee der Menschenrassen: Es gibt hierfür keine biologische Begründung und tatsächlich hat es diese auch nie gegeben. Quelle: Aus der "Jenaer Erklärung", 2019 Wenn es keine Rassen bei Menschen gibt, kann es dann "Rassismus" geben? Selbstverständlich. Solche Wörter auf "-ismus" beschreiben ja immer das Weltbild der jeweiligen Person. Ein "Animist" glaubt an die Beseeltheit der gesamten Welt, ein "Monotheist" an genau einen Gott, ein "Atheist" an keinen. Genauso ist es mit Buddhismus, Kapitalismus, Kommunismus. Das, was vor dem "-ismus" steht, sagt also nichts darüber, was wirklich ist, sondern nur, woran die Menschen, die diese "Lehre" vertreten, glauben. Jemand, der – wissenschaftswidrig – glaubt, dass es sinnvoll ist, Menschen nach äußeren Merkmalen in Schubladen stecken zu können, kann deshalb weiter als "Rassist" bezeichnet werden.

  15. Rechtliche Gleichstellung der Juden durch Emanzipationsgesetze In Mitteleuropa haben die Juden erst sehr spät Familiennamen angenommen. Das hängt mit den sogenannten Emanzipationsgesetzen zusammen: Sie wurden rechtlich gleichgestellt, mussten dieselben Pflichten übernehmen und dazu gehörte das Führen eines festen Familiennamens. Die Juden durften ihre Familiennamen selbst wählen. In Preußen hat der Freiherr vom Stein den Juden empfohlen, ganz unauffällige deutsche Namen wie Müller, Schmidt, Weber usw. anzunehmen, damit man nicht merkt, dass sie Juden sind. Im Land Baden sagten sehr viele: Wir nehmen Ortsnamen – Offenburger, Karlsruher usw. In Frankfurt, auch ein berühmter Fall, nannten sie sich gerne nach ihren Häusern: das Haus zum roten Schild – da nannte sich die Familie entsprechend Rothschild. Zeit der Romantik Es war die Zeit der Romantik, der Naturentdeckung, der Naturschwärmerei. So entschlossen sich viele Juden, einen schönen, blumigen Naturnamen anzunehmen: Lilienthal, Blumenfeld, Rosenthal. Das sind romantische Namen, die wunderbar in die Zeit passten. Naturschwärmerei prägt auch jüdische Familiennamen in Schweden In Schweden gab es einen Parallelvorgang. Auch in Schweden nahmen viele Juden in dieser Zeit ihre Namen an und nannten sich Sjöstrand – Seestrand bzw. Meeresufer usw. Dahinter steckt die gleiche Naturschwärmerei, die zu diesen Familiennamen führte.

  16. Früher hat man versucht, am Schädel beziehungsweise am Gesicht eines Menschen sein Wesen zu erkennen. Sie kennen das vielleicht von der Physiognomie, dass man also an der Art, wie jemandes Nase oder Mund ist, zu erkennen versucht, was für ein Charakter er ist. Phrenologie: der Versuch, den Charakter am Schädel abzulesen Es gab aber auch eine richtige Schädelforschung, die Phrenologie. Die glaubte, dass man an ganz vielen Dingen des Kopfes rausfinden könnte, wes Geistes Kind jemand wäre. Volksglaube im Spiel Dazu gehört der alte Volksglaube, dass man hinter den Ohren so eine Art Verdickung haben könnte. Und wenn man die erfühlt, dann merkte man: Das ist jemand, der den Schalk im Nacken hat; das ist ein Schelm. Der muss nicht böse sein, aber er ist durchtrieben. Deswegen hat man tatsächlich, etwa beim Tanzen, wie von ungefähr mal das Ohr gekrault und gefühlt: "Na, ist da was?" Und wenn da eine Verdickung war, dann wusste man: "Oh, der hat’s faustdick hinter den Ohren, da muss ich ein bisschen aufpassen. Das kann ein ganz toller Schieber sein, aber vielleicht ist mit ihm nicht so gut Kirschen essen."

  17. Biologie: Definition des Geschlechts über die Rolle bei der Fortpflanzung Die Frage, wie viele Geschlechter es gibt, hängt davon ab, wie man Geschlecht definiert. Die Biologie ist da sehr klar. Sie macht das Geschlecht an der Rolle in der Fortpflanzung fest. Bei der geschlechtlichen Fortpflanzung treffen immer kleine Samenzellen auf wesentlich größere Eizellen. Diejenigen Lebewesen, die die kleinen Samenzellen produzieren, heißen männlich. Und die, die die großen Eizellen produzieren, heißen weiblich. Dabei ist es völlig egal, ob sie den Nachwuchs im Bauch tragen, im Ei ausbrüten oder, wie bei Pflanzen, aus einer Blüte eine Frucht entsteht. Das ist die biologische Definition – nach der gibt es diese zwei Geschlechter und sonst keins. Zwitter sind in der Biologie kein drittes Geschlecht Lebewesen, die keine Ei- oder Samenzellen produzieren, haben nach dieser Definition kein drittes, sondern gar kein Geschlecht. Lebewesen wiederum, die beides produzieren – die gibt es vor allem im Reich der Pflanzen – heißen Zwitter. Aber auch sie definieren kein drittes Geschlecht. X- und Y-Chromosomen sind wichtig, definieren aber nicht das Geschlecht Mit diesem biologischen Geschlecht gehen bei vielen Tieren und speziell auch beim Menschen in der Regel andere Merkmale einher. Die Männer haben Penisse und Hoden und bekommen Bärte. Die Frauen haben eine Gebärmutter, eine Vagina und bekommen Brüste. Diese Merkmale sind wiederum in der Regel darauf zurückzuführen, dass die Körperzellen der Männer ein Y-Chromosom haben, die der Frauen dagegen nicht; die haben dafür ein zweites X-Chromosom. Allerdings gilt das nur für Säugetiere – bei anderen Tieren sieht das mit den Chromosomen wieder anders aus. Wichtig ist deshalb: Die Chromosomen bestimmen zwar in der Regel das Geschlecht, aber sie definieren es nicht. Intersexualität hat die verschiedensten Ausprägungen Nun hab ich bereits in drei Sätzen hintereinander den Ausdruck "in der Regel" verwendet – denn es gibt da auch viele Ausnahmen. Es gibt Menschen mit einem Y-Chromosom, die trotzdem weibliche Genitalien haben, weil ihnen ein bestimmter Rezeptor fehlt und ihre Zellen auf die männlichen Hormone nicht reagieren. Es gibt Menschen, die gleichzeitig Eierstock- und Hodengewebe haben. Das sind nur zwei von vielen Beispielen für intersexuelle Menschen, bei denen der Satz: "Männer haben …" oder "Frauen haben …" so nicht zutrifft. Ob man für jede Art von Intersexualität ein eigenes physiologisches Geschlecht definiert oder sagt, das sind Ausprägungen, die sich irgendwo zwischen den zwei Geschlechtern bewegt, ist letztlich eine begriffliche Frage, keine wissenschaftliche. Sex und Gender: Es kommt nicht nur auf das biologische Geschlecht an Vor allem aber: Die biologischen Begriffe sind nicht die einzigen, auf die es ankommt. Biologisch gibt es zwei Geschlechter – männlich und weiblich. Das ist oft, aber eben nicht zwingend identisch mit dem, was wir als "Mann" oder "Frau" bezeichnen. Die biologische Definition hängt nur von der Keimzellenproduktion ab – produziere ich Ei- oder Samenzellen? Wenn wir im Alltag aber von Männern oder Frauen reden, meinen wir viel mehr damit. Es fängt an bei: Welche Chromosomen hat die Person? Welche Genitalien sind bei ihr ausgeprägt? Hat sie einen Penis oder eine Klitoris? Sobald wir diese Fragen heranziehen, um zu sagen, ob jemand ein "Mann" oder eine "Frau" ist, haben wir uns schon von der biologischen Lehrbuchdefinition entfernt. Wenn wir dann noch fragen: Wie verhält sich die Person? Oder eben: Als was fühlt sie sich selbst? – dann reden wir nicht mehr über das biologische Geschlecht – englisch: Sex – sondern über Geschlechter im sozial-kulturellen Kontext, kurz: Gender. Wie viele Geschlechter es im Sinne von "Gender" gibt – darüber zu diskutieren ist ziemlich müßig, weil es sich kaum an eindeutigen objektiven Merkmalen festmachen lässt. Biologische Definition hilft beim Umgang mit Transidentität nicht weiter Anders gesagt: Festzustellen, dass es nur zwei biologische Geschlechter gibt, hilft überhaupt nicht weiter, um politisch-gesellschaftliche Entscheidungen zu treffen, etwa wie wir mit den verschiedenen Formen von Transidentität umgehen, also mit Menschen, die bei der Geburt als "weiblich" erkannt wurden, sich selbst aber als Junge oder Mann fühlen. Ab welchem Alter und unter welchen Voraussetzungen sollen junge Menschen das Recht haben dürfen, auch körperlich ein anderes Geschlecht anzunehmen als das, das ihnen zugeschrieben wurde? Welche Freiheiten sollte jemand haben, offiziell seinen Geschlechtseintrag bei den Behörden zu ändern? Chancen und Risiken durch die Zuordnung zu einem bestimmten Geschlecht Bei den Antworten auf diese Fragen kommt es nicht darauf an, wie die Biologie Geschlecht definiert und ob jemand Ei- oder Samenzellen produziert, sondern auf ganz andere Fragen – etwa um das Abwägen von Risiken und Chancen für die jeweilige Person. Nehmen wir die Diskussion um den Geschlechtseintrag: Warum genau definieren wir bei der Geburt, ob jemand männlich oder weiblich ist? Früher war das recht klar: Männer durften wählen, Frauen nicht. Männer mussten zum Bund, Frauen nicht. Wozu aber dient der Geschlechtereintrag heute? Der Statistik? Um zu klären, auf welches Klo die Person später geht? Um zu entscheiden, ob jemand in einer Frauenmannschaft mitspielen darf? Oder auf Platz 1 oder 2 der Grünen Landesliste stehen darf? Je nachdem, worum es geht, könnten unterschiedliche Geschlechterdefinition maßgeblich sein. Die Behörden kennen aber nur eine: männlich, weiblich und "divers" – für alle, die sich nicht eindeutig zuordnen können oder wollen. Biologische Definition beantwortet nicht die gesellschaftlichen Fragen Dass es zwei Geschlechter gibt, ist eine biologische Definition. Definitionen lassen sich aber wissenschaftlich nicht "beweisen" – denn in der Natur gibt es keine Begriffe. Definitionen sind immer Konventionen – und nur dann sinnvoll, wenn aus ihnen etwas Sinnvolles folgt. Die biologische Definition hat ihre Berechtigung in bestimmten Zusammenhängen – etwa um geschlechtliche Fortpflanzung in der Natur zu beschreiben. In anderen hilft sie dagegen nicht weiter.

  18. Trend: Tee in Kunststoffbeuteln Seit Jahren wird Tee verstärkt in Kunststoffbeuteln angeboten. Die neuen Kunststoff-Teebeutel sind meist pyramidenförmig. Einer der Gründe für ihre Einführung: Tee, der in diesen Beuteln aufgebrüht wird, entfaltet ein besseres Aroma als Tee aus Papierfaserbeuteln. Es handelt sich bei dem Material nicht, wie viele glauben, um Nylon, sondern um Polylactid – chemisch gesehen sind das polymerisierte, also verkettete Milchsäuremoleküle. Das gilt zumindest in Europa. Dieses Material wird aus Maisstärke hergestellt, ist also auch kein Erdölprodukt. Weichmacher (Phtalate), wie man sie von manch anderen Kunststoffen kennt, sind auch keine drin, vielmehr werden diese Polyactide bei höheren Temperaturen und im heißen Wasser von sich aus weich. Teebeutel aus Kunststoff geben Mikro- und Nanoplastik ins Wasser ab Doch auch wenn der Ausgangsstoff Maisstärke ist, bleibt es ein Kunststoff. Deshalb verrotten diese Teebeutel auch nicht im normalen Kompost und in der Umwelt, sondern nur unter höheren Temperaturen, wie sie in Industriekompostanlagen entstehen. Und, was sich inzwischen auch herausgestellt hat: Die Kunststoff-Teebeutel geben Mikro- bzw. Nanoplastik ins Wasser ab. Da kommen Studien auf Millionen Teilchen pro Beutel, die in der Kanne bzw. Tasse landen. Um das mal einzuordnen: Mikroplastik ist heute ja in vielen Lebensmitteln – in Fisch, in Kochsalz und auch im Mineralwasser. Trotzdem: Selbst Mineralwasser aus Einweg-Plastikflaschen enthält nicht so viel Mikroplastik wie eine Tasse Tee, in der der Tee im Plastikbeutel aufgebrüht wurde. Bei den Teebeuteln aus Polylactid sind die Plastikteilchen im Tee besonders klein, es ist eigentlich vor allem Nano-Plastik. Ob das dem Körper schadet, ist noch kaum geklärt, den Zellen schadet der offenbar nicht, aber die Nanoteilchen können sehr wohl die Darmwand durchdringen und so im Körper bleiben – was immer das dann ausmacht. Und wenn sie nicht im Körper bleiben, dann scheiden wir sie wieder aus – wodurch Mikroplastik in der Umwelt landet. Das ist natürlich auch nicht so gut. Zellulosebeutel enthalten ebenfalls Plastik Sollte man also besser Tee aus Zellulosebeuteln trinken? Da muss man genauer hinschauen. Denn auch sie enthalten häufig Plastikanteile, entweder in der Naht oder zum Verkleben des Tütchens. In der Regel sollten auch diese Teebeutel deshalb nicht im Kompost landen. Aber es gibt ein paar Faustregeln: Teebeutel, die an einer Schnur hängen, enthalten meist kein Plastik. Auch Teebeutel, die man an den Tassenrand klemmt, haben den Vorteil, dass nur der Zelluloseanteil im Wasser hängt – die anderen Materialien, mit denen der Beutel verschlossen ist, befinden sich außerhalb des Wassers und geben somit auch nichts ab. Vorsicht auch bei Polypropylen Und dann gibt es noch Teebeutel aus Polypropylen – übrigens auch solche zum Selberfüllen. Das ist ebenfalls ein Kunststoff, auch wenn die Beutel für Laien oft so aussehen, als bestünden sie aus natürlichem Zellstoff. Auch diese Beutel geben Mikroplastik ins Wasser – noch viel mehr als die Beutel aus dem Maisstärke-Kunststoff Polylactid. Im Zweifel zu losem Tee greifen und den richtigen Filter verwenden Von der Ökobilanz am besten ist aber ohne Zweifel loser Tee – ohne Beutel, aufgebrüht in einem wiederverwendbaren Sieb oder Filter – oder eben in einem wirklich umweltfreundlichen, echten Zellulosebeutel, den man selbst befüllt. Bei Tee-Sieben aus Plastik dagegen stellen sich die gleichen Probleme wie bei den Plastik-Teebeuteln. Auch sie geben Mikroplastik ab.

  19. Vom Färberwaid und den Färbergesellen Blaumachen ist ein sehr umstrittenes Terrain, denn es gibt für den Ausdruck unterschiedliche Erklärungen. Die schönste ist die von den Färbergesellen, die beim Färben mit Färberwaid warten mussten, bis die Tuche, die durch Oxidation erst mal gelb werden, sich blau färbten. Dann erst können sie weiterverarbeitet werden. Diese freie Wartezeit hätten sich die Gesellen dann unter anderem mit Trinken vertrieben. Und so habe sich dann der "blaue Montag" herausgebildet. Feiernde Gesellen am freien Montag im blauen Gewand Es gibt noch einen älteren Ausdruck: der "gute Montag". Dabei handelt es sich um einen Tag, der den Gesellen von den Meistern zugestanden werden sollte zur Fortbildung, aber auch, um sich um eigene Dinge kümmern zu können. Angeblich jedoch – jedenfalls haben das viele Stadtobere behauptet – hätten Gesellen das ausgenutzt, um zu trinken und zu feiern, und sie haben so den Werktag zu einem Feiertag gemacht. Die Feiertagskleidung war im Gegensatz zu dem braunen oder grauen Alltagskleid das blaue Kleid.

  20. Stresshormone treten auf den Plan Einen Blackout hat man häufig in Situationen, die man als stressbehaftet erlebt. Dabei werden enorme Mengen von Glukokortikoiden, dazu gehört zum Beispiel das Cortisol, ausgeschüttet. So wird dem Gehirn und der Muskulatur viel Energie zur Verfügung gestellt. Daneben wirkt es aber auch aufs Gehirn, unter anderem auf den Hippocampus. Der Hippocampus ist eine der Strukturen, die wir für das Abspeichern von Informationen brauchen, aber auch um Erinnerungen zum Leben zu erwecken. Wenn der Hippocampus offline geht Der Hippocampus reagiert zunächst mit einer Leistungssteigerung, wenn wenig von diesen Glukokortikoiden, diesen Stresshormonen im Blut sind. Steigt der Level aber stark an, ist es zellschädigend. Das heißt, Zellen im Hippocampus sterben ab, werden irreversibel geschädigt. Um das zu verhindern, schaltet sich der Hippocampus komplett aus. Man kann richtig sehen, wie der offline geht. Die Nervenzellen reagieren überhaupt nicht mehr, leiten keine Informationen mehr weiter, rufen auch keine ab. Und dies ist genau die Blackout-Situation. Wenn die assoziative Kraft des Hippocampus nicht mehr funktioniert ist es extrem schwierig, sich noch an Informationen zu erinnern. Erinnerung zurückspulen, atmen und entspannen Was man in einer solchen Situation tun kann, ist zum einen ein Stück selber wieder zurückzuspulen – bis zu einer Erinnerung, was man erzählen wollte, was man schreiben wollte, was man rechnen wollte, um dort wieder anzufangen. Das nächste ist, dass man sich noch mal klar macht: Ich kann die Situation beeinflussen, ich bin einer Situation nicht ausgeliefert, ich kann etwa Atemtechniken machen. Manchmal ist es ein simpler Yogatrick, der darin besteht, dass man unter Anspannung die Zunge nach oben gegen den Gaumen drückt. Und dass man sich beim Atmen richtig Zeit nimmt, die Zunge wieder nach unten zu bewegen. Schon eine solche Übung erleben das Gehirn und der Körper eines Menschen als Entspannung. Das kann bereits helfen, den Level der Stresshormone, der sich im Blut befindet, wieder zu reduzieren, sodass der Hippocampus eben wieder normal arbeiten und dabei helfen kann, die gewünschte Information wieder zu finden.