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Die Leitzinserhöhung wirkt sich indirekt aus. Der Leitzins ist ja der Preis, den Banken zahlen müssen, wenn sie sich Geld bei der Europäischen Zentralbank EZB leihen. Braucht eine Bank zum Beispiel 100.000 Euro und der Leitzins liegt bei 3 Prozent, dann kostet das 3.000 Euro Gebühr. Je höher der Leitzins, desto teurer ist es für eine Bank, sich Geld von der EZB zu leihen. Leitzinserhöhung: Kredite werden teurer Banken wollen aber selbst Geld verdienen. Deshalb geben sie die hohen Zinsen an ihre Kundschaft weiter und schlagen bei der Kreditgebühr noch etwas drauf. Wenn die EZB also den Leitzins erhöht, sorgt das dafür, dass Kredite für alle teurer werden. Was macht die Europäische Zentralbank? Firmen werden sich dann gut überlegen, ob sie einen neuen Standort oder eine neue Produktionsanlage planen und bauen. Privatleute werden abwägen, ob sie es sich leisten können, ein neues Auto, eine Wohnung oder ein Haus zu finanzieren. Einige werden ihre Pläne wohl verschieben, sich das Geld nicht leihen und damit auch nicht ausgeben. Die Wirtschaft wird also gebremst, die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen sinkt – und damit auch die Preise. Leitzins darf nicht zu schnell steigen Die EZB muss da allerdings behutsam vorgehen, denn steigt der Leitzins zu schnell, kann das auch dazu führen, dass die Wirtschaft zu heftig abgewürgt wird und die Arbeitslosenquote steigt.
Haut und Gewebe vertrocknen an der Luft Diese Phänomene treten durch die postmortalen Veränderungen auf. Es sieht dann so aus, als würden Haare und Nägel weiterwachsen. Hautzellen überleben tatsächlich noch einige Stunden nach dem Tod, weil sie zu den weniger sauerstoffabhängigen Geweben gehören. Aber es ist nicht so, dass da noch irgendetwas sichtbar wachsen würde. Was aber sehr wohl passiert: Wenn eine Leiche offen liegt und ein Luftzug da ist, kommt es relativ schnell dazu, dass die Haut und die Gewebe zu vertrocknen beginnen. Das betrifft vor allem die Fingerendglieder, aber auch die Nasenspitze oder die Lippen, die vertrocknen. Und wenn die Fingerkuppen schrumpfen, bekommt man den optischen Eindruck, die Nägel würden länger. Oder wenn jemand Bartstoppeln trägt und das Gesicht Flüssigkeit verliert, dann sieht es aus, als ob die Bartstoppeln länger werden. Veränderungen beim Mikrobiom und der Genexpression noch nach dem Tod Nach dem Tod passieren aber auch Dinge, die sehr faszinierend sind. So gibt es zum Beispiel Änderungen des Mikrobioms, also der Gesamtheit der Bakterien nach dem Tod. Und auch die Genexpression in den Zellen funktioniert noch einige Stunden nach dem Tod. Es gibt aktuelle Studien, wonach immer noch genetische Prozesse am Laufen sind. Und es gibt erste Ansätze, diese Veränderungen oder diese Abläufe zu nutzen, um die Todeszeitschätzung zu verbessern.
Bisschen verklemmt: Körpergeheimnisse nicht für Kinderohren bestimmt Früher wollte man kleinen Kindern die wahren Umstände von Zeugung und Geburt nicht auf die Nase binden. Die Vorgänge im und um den Unterleib herum waren ja schließlich nichts für Kinderohren. Trotzdem bleibt die Frage: Warum der Storch? Auch Märchen müssen glaubhaft sein Wenn wir uns aber ein paar Jahrhunderte zurückversetzen: Wer sonst hätte denn als Baby-Lieferant funktionieren können? Elefanten und Kängurus leben hier nicht. Wölfe und Bären war schon negativ besetzt; sie waren böse, haben Kinder verschlungen und nicht gebracht – das ging also auch nicht. Und die meisten anderen Tiere, auch Vögel, waren zu klein. Hätte man den Kindern erzählt, eine Amsel habe sie gebracht, hätte das seltsam geklungen. Der Storch aber war ein heimisches Tier, er war bekannt und er war groß genug. Mythisch: Kinderseelen im Wasser und Frösche als Fruchtbarkeitssymbole Der Storch hält sich viel am Wasser auf, schnäbelt in Tümpeln und anderen flachen Gewässern herum und Experten wie der Mainzer Volkskundler Michael Simon sagen, auch diese Eigenschaft hat dem Storch zu seinem Ruhm als Babybringer verholfen. Denn im Wasser wohnten in den Vorstellungen des alten deutschen Volksglaubens auch die Seelen der Kinder, wie überhaupt das Wasser als Symbol und Ursprung für den Beginn neuen Lebens galt. Möglicherweise war das auch eine Anlehnung an das Fruchtwasser im Mutterleib. Der Storch wiederum hält sich auch deshalb am Wasser auf, weil er dort Frösche fängt – und der Frosch galt im Mittelalter seinerseits als Fruchtbarkeitssymbol. "Klapperstorch" ist eine andere Bezeichnung für den Weißstorch So lassen sich in dieser Storch-Geschichte einige mythologische Motive wiederfinden. Dazu passt auch, dass der Storch früher auch den Spitznamen Adebar hatte. Dieser Name setzt sich zusammen aus dem althochdeutschen "Auda", das bedeutete Glück, und der Endsilbe "bar", die "bringen" oder "tragen" bedeutet. Adebar – also der Glücksbringer.
Grammatik hat Einfluss auf Bilder und Vorstellungen Beim Streit ums Gendern geht es in den meisten Fällen um das sogenannte "generische Maskulinum", also die Frage: Reicht es, von "Schülern" zu sprechen, wenn man Schülerinnen mitmeint. Konservative Gender-Gegner argumentieren oft: Ja, das reicht, das sei ja eine rein grammatische Definition, dass die maskuline Mehrzahl auch die Frauen mitmeint. Man dürfe das grammatische Geschlecht – Fachausdruck: Genus – nicht mit dem natürlichen Geschlecht, dem sogenannten "Sexus" verwechseln. Die Sprachforschung zeigt aber, dass das grammatische Geschlecht sehr wohl einen Einfluss darauf hat, was für Bilder und Vorstellungen erzeugt werden. Ein harmloses Beispiel: Im Deutschen ist es die Sonne und der Mond. Im Spanischen ist es umgekehrt: El sol, la luna. Tatsächlich gibt es Untersuchungen, wonach im spanischen Sprachraum die Sonne eher mit männlichen, sozusagen väterlichen Attributen versehen wird, der Mond mit weiblichen-mütterlichen. Im französischen Sprachraum, wo die Sonne ebenfalls männlich ist, wurde Ludwig XIV passenderweise als "Sonnenkönig" dargestellt. Wir Deutschen dagegen kennen den "Mann im Mond". Auch auf Kinderbildern oder Karikaturen bekommt der Mond im deutschen Sprachraum ein entsprechend männliches Gesicht. Die Grammatik hat also selbst dann einen Einfluss, wenn es um an sich geschlechtslose Objekte geht – auch wenn das Ausmaß dieses Effekts umstritten ist. Geschlechtergerechte Sprache macht Frauen "sichtbarer" Wenn es allerdings um Personen geht, ist inzwischen recht gut belegt, dass wir bei Formulierungen wie "Die Lehrer" tatsächlich eher Männer vor Augen sehen als bei "Lehrerinnen und Lehrer". 2026 erschien dazu eine umfangreiche wissenschaftliche Übersicht über insgesamt 38 empirische Studien zur Wirkung geschlechtergerechter Sprache im deutschen Sprachraum. Sie bestätigt: Frauen werden durch geschlechtergerechte Sprache mental sichtbarer. In einem bekannten Experiment wird Versuchspersonen die Aufgabe gestellt, Prominente aufzuzählen. Zum Beispiel: "Nennen Sie zwei (oder drei, oder fünf) berühmte Politiker (Musiker, Schauspieler ...)". Wird die Frage so gestellt, fallen den Personen signifikant mehr Männer ein, als wenn die Frage geschlechtsneutral formuliert wurde ("... Politikerinnen oder Politiker"). Diese Experimente konnten 2024 in 12 Laboren erfolgreich repliziert werden. Wann Bilder von "Männern" entstehen und wann eher nicht Allerdings kommt es auch auf den Kontext an. Darauf weist auch die Linguistin Carolin Müller-Spitzer vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache im Podcast von Das Wissen hin. Es deutet sich eine Art Faustregel an: Bilder von "Männern" entstehen demnach vor allem dort, wo die Begriffe selbst bildhaft sind und sich auf anschauliche Tätigkeiten beziehen. Wenn wir also Formulierungen hören wie "die Bäcker", "die Ärzte" oder "die Politiker", neigen wir schon dazu, nur Männer vor unserem geistigen Auge sehen. Bei anderen Begriffen besteht diese Gefahr weniger. Etwa wenn "die Stuttgarter auf die Straße gehen", oder wenn "Impfgegner protestieren". Denn die Wörter "Stuttgarter" und "Impfgegner" beschreiben keine anschauliche Tätigkeit. Allerdings: So viel Forschung gibt es dazu noch gar nicht, um aus den Daten eindeutige Schlüsse zu ziehen. Gendersternchen erzeugt nicht zwangsläufig "geschlechtergerechte" Assoziationen Umgekehrt ist es auch ein bisschen Wunschdenken zu glauben, dass man beim Lesen oder Hören eines Gendersternchens sofort an Menschen jeglicher geschlechtlicher Ausprägung denkt. Gerade in gesprochenen Texten hören viele statt der "Patient*innen", mit denen beide Geschlechter gemeint sind, eben doch die "Patientinnen" und wundern sich, warum die Männer nicht genannt werden. Hinzu kommt, dass Formulierungen mit Sternchen oder Doppelnennungen dazu führen, dass die Geschlechtsidentität in gewisser Weise überbetont wird, selbst bei Texten, in denen es überhaupt nicht um Geschlechterfragen geht. Wie viele Geschlechter gibt es? Diese Art zu sprechen ist zwar geschlechtergerecht gemeint, wirkt aber nicht immer so. Wenn ein Text von Politiker*innen spricht, sehen viele eben nicht Männer und Frauen in der Politik vor ihrem geistigen Auge, sondern sind mit ihren Gedanken eher bei dem- oder derjenigen, die diesen Text verfasst hat. Das alles sind keine Argumente, nicht zu gendern, sondern eher dafür, dass es für geschlechtergerechte Sprache kein Patentrezept gibt. Wie man "schön gendert", ohne dass es auffällt
Milch ist nicht bei allen Antibiotika problematisch Das gilt für manche Antibiotika, aber längst nicht für alle. Manche enthalten Wirkstoffe, die sich mit dem Kalzium in der Milch zu größeren molekularen Klumpen verbinden. Diese Klumpen sind zu groß und sperrig, um die Darmwand zu durchdringen und ins Blut zu gelangen. Die antibiotischen Wirkstoffe bleiben dann wirkungslos, weil sie den Darm nicht verlassen können. Aber das gilt nur für ganz bestimmte Antibiotika, allerdings darunter auch das Breitband-Antibiotikum Tetrazyklin, das bei vielen Infektionskrankheiten eingesetzt wird, oder Norfloxacin – da geht es meist um Harnwegsinfektionen. Wer Tetrazyklin oder Norfloxacin nimmt, muss auf Milch verzichten? Nein, selbst da reicht es, wenn man zwischen Milch und Tabletteneinnahme etwa 2 Stunden verstreichen lässt, damit Wirkstoff und Kalzium sich im Bauch nicht gleich über den Weg laufen. Woher weiß ich als Patient, ob sich mein Antibiotikum mit Milch verträgt? Lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker ... Wenn es eine Unverträglichkeit gibt, dann muss das da drin stehen. Wie gesagt, es betrifft nur eine Minderheit von Antibiotika. Aber es gibt auch andere Medikamente, die unerwünschte Wechselwirkungen mit Milch haben: Mittel, die beim Knochenaufbau helfen oder gegen Osteoporose eingesetzt werden. Wenn Medikamente Probleme mit Milch machen, muss das in der Packungsbeilage stehen.
- 26.05.20264 min
Das weiß man nicht! Es ist sogar wahrscheinlich, dass Menschen Dinge tatsächlich unterschiedlich wahrnehmen, selbst Farben. Darauf deuten Phänomene wie Farbenblindheit hin, dass also manche Leute rot und grün nicht unterscheiden können. Dieses Symptom beweist, dass es Unterschiede gibt. Man könnte sagen: Das ist eine Ausnahme. Farbenblindheit ist etwas "Unnormales", diesen Menschen fehlen bestimmte Farbrezeptoren. Aber da sind wir schnell bei der Frage: Was ist "normal"? Selbst im "Normalbereich" gibt es Unterschiede Ein kleiner Test, den jeder selbst machen kann: Dunkeln Sie das Zimmer ab, sodass nur wenig Licht hineinscheint. Dann schließen Sie abwechselnd das linke und das rechte Auge. Bei vielen Menschen ist ein Auge lichtempfindlicher als das andere. Oft kommt es auch vor, dass ein Auge die Welt gerade bei schwachem Licht etwas farbkräftiger wahrnimmt, das andere etwas blasser. Oder die Welt erscheint in einem Auge etwas rotstichiger. Angesichts solcher Phänomene stellt sich die Frage: Wenn es schon zwischen dem linken und dem rechten Auge kleine Unterschiede gibt, wie groß können dann die Unterschiede zwischen zwei Menschen sein? Das erlebe ich auch zu Hause: Wenn meine Frau und ich über einen blaugrünen oder türkis-farbenen Gegenstand reden, kommt es vor, dass sie den Gegenstand eher als blau bezeichnet, während ich ihn gerade noch als grün bezeichnen würde. Kultur prägt Wahrnehmung Was sich bei uns im Kleinen zeigt, haben kulturvergleichende Studien auch im Großen gezeigt, nämlich dass die Zuordnung bestimmter Farbtöne zu Farbwörtern entscheidend ist: Was ist noch Blau? Was ist schon Lila? Wo hört Gelb auf? Wo fängt Orange oder Rot an? Diese Grenzen werden in verschiedenen Kulturen unterschiedlich gezogen. Es gibt sogar Sprachen, die für Blau und Grün überhaupt keine Wörter haben. Daraus kann man folgern, dass die Sprecherinnen und Sprecher diese Farben auch nicht als eigenständige Farbtöne wahrnehmen. Oder denken Sie an das Phänomen der Synästhesie: Manche Menschen sehen Zahlen oder Wörter farbig, obwohl gar keine Farben da sind. Aber ihr Gehirn konstruiert diese Farben zu anderen Sinneswahrnehmungen dazu. Das alles gibt es. Insofern spricht vom Biologischen her vieles dafür, dass Menschen auch Farben sehr unterschiedlich wahrnehmen. Unmittelbare Wahrnehmungseindrücke lassen sich nicht eindeutig beschreiben Zudem hat diese Frage eine erkenntnistheoretische Dimension: Könnte es nicht sein, dass zum Beispiel bei uns die Farben Rot und Grün vertauscht sind? Dass Sie die Farbe Rot so wahrnehmen, wie ich die Farbe Grün wahrnehme und umgekehrt? Dass das aber zu keinen Verwirrungen führt, weil wir ja für die gleichen Gegenstände und ihre Farben nach wie vor die gleichen Wörter benutzen und deshalb nicht merken, dass wir dabei ganz unterschiedliche Dinge sehen? Diese Frage ist philosophisch durchaus berechtigt und sie ist letztlich nicht beantwortbar. Denn wir reden über unmittelbare Wahrnehmungseindrücke, die wir mit Wörtern nicht eindeutig beschreiben können. Und solange aus einer unterschiedlichen sinnlichen Wahrnehmung kein unterschiedliches Handeln folgt, können wir über das Innenleben eines anderen Menschen nichts sagen. Es wäre zwar plausibel anzunehmen, dass die Natur die Menschen so ausgestattet hat, dass wir ähnliche Dinge ähnlich wahrnehmen, aber wissen können wir das nicht. Rein theoretisch könnte es sogar sein, dass außer Ihnen oder mir überhaupt niemand überhaupt irgendetwas wahrnimmt, dass alle anderen Menschen zwar den Eindruck erwecken, als seien es denkende und fühlende Wesen, in Wirklichkeit sind es aber nur Zombies oder von Außerirdischen geschickt programmierte Roboter. Es spricht zwar sehr vieles dagegen, dass es so ist, aber – wer weiß?
- 22.05.20263 min
Marmeladenglas: Temperaturunterschied innen und außen erzeugt Spannung Zunächst muss man fragen, warum das Glas überhaupt zerspringen kann, wenn man heiße Marmelade einfüllt. Es zerspringt, weil Spannungen im Glas entstehen. Die entstehen, weil sich die Innenseite des Glases sehr schnell erhitzt, wenn man heiße Marmelade einfüllt – dann dehnt sich das Glas an der Innenseite aus. Aber an der Außenseite des Glases, wo die Hitze noch nicht angekommen ist, dehnt sich das Glas nicht so aus. Durch diesen Temperaturunterschied zwischen innen und außen entsteht eine Spannung. Diese Spannung kann so groß werden, dass das Glas zerspringt. Silber: sehr guter Wärmeleiter – aber auch andere Faktoren wirken mit Was macht jetzt der Löffel? Die Idee ist, dass der Silberlöffel die Wärme schnell ableitet, wenn man die Marmelade einfüllt. Und zwar sowohl die Wärme von der Marmelade als auch von den Stellen des Glases, die der Silberlöffel berührt. Wenn die Wärme schnell abgeleitet wird, wird das Glas nicht so heiß, und die Spannung ist nicht mehr so groß. Warum ausgerechnet ein Silberlöffel? Silber ist ein hervorragender Wärmeleiter, leitet Wärme fünfmal schneller ab als Eisen und immer noch doppelt so schnell wie Aluminium. Der Effekt ist also bei Silber tatsächlich deutlich größer als bei anderen Metallen oder bei Plastik. Ob dieser Tipp aber wirklich zuverlässig funktioniert, also wirklich garantiert, dass das Glas nicht zerspringt – darüber habe ich keine verlässlichen Informationen gefunden. Ich habe es auch nicht selbst probiert. Es hängt davon ab, wie dick das Glas ist und wie heiß die Marmelade. Gläser vorwärmen: weniger Spannung, mehr Hygiene Allerdings gibt es einen zuverlässigeren Tipp: Wenn man das Marmeladenglas im Ofen auf ca. 70 bis 80 °C erhitzt, bevor man die Marmelade einfüllt, hat man zwei Vorteile: Erstens erwärmt sich das Glas, und zwar überall gleich. Wenn man dann die Marmelade einfüllt, gibt es nicht diesen Hitzeschock auf der Innenseite. Der zweite Effekt ist, dass das Glas gleich ein bisschen desinfiziert wird, was bei Marmelade gut ist. Denn Marmelade ist sehr anfällig für Verunreinigungen und verdirbt leicht. Wenn man vorerhitzt, werden gleich ein paar wichtige Keime abgetötet und die Marmelade hält dann möglicherweise länger.
Eine Faustregel lautet: Bei kleineren Geschwindigkeiten im Ortsverkehr lieber das Fenster aufmachen, bei höherem Tempo lieber die Klimaanlage einschalten. Denn es ist ja so: Am offenen Fenster verwirbelt sich die Luft. Dadurch entsteht ein zusätzlicher Luftwiderstand, und dieser zusätzliche Luftwiderstand wächst exponentiell mit der Geschwindigkeit: Je schneller man fährt, desto schneller verwirbelt sich die Luft und man braucht mehr Energie. Klimaanlage braucht bei höherem Tempo weniger Energie Bei der Klimaanlage ist es umgekehrt: Bei höheren Geschwindigkeiten braucht sie weniger Energie, weil das Auto in Bewegung ist und sich dadurch nicht so stark aufheizt, wie wenn es in der prallen Sonne stehen würde. Die Klimaanlage muss dadurch also nicht so viel runterkühlen. Beim offenen Fenster steigt also der Energiebedarf mit wachsender Geschwindigkeit, und bei der Klimaanlage sinkt der Energiebedarf mit wachsender Geschwindigkeit. Das heißt, dass es irgendwo einen Punkt gibt, an dem das eine besser ist als das andere. Als Richtwert sagt man, dass dieser Punkt etwa bei 70 bis 100 Stundenkilometern liegt. Ungefähr ab da ist die Klimaanlage auf jeden Fall besser. Im Einzelfall hängt das auch von der Bauart der Klimaanlage ab. Es gibt Klimaanlagen, die kaum noch etwas verbrauchen, also maximal vielleicht 0,2 Liter auf 100 km. Vor Fahrtbeginn: Auto durchlüften Und natürlich kommt es auch darauf an, wie weit man die Temperatur herunterkühlen muss. Wenn man es richtig kalt haben will, braucht die Klimaanlage viel mehr Energie. Noch ein Tipp: Wenn man losfahren möchte und das Auto davor in der prallen Sonne stand und entsprechend aufgeheizt ist, sollte man erst mal gut durchlüften und bei leicht offenem Fenster losfahren, bis die ganz heiße Luft draußen ist. Denn es ist für die Klimaanlage wirklich ein Riesenunterschied, ob sie von 45 Grad herunterkühlen muss oder vielleicht nur von 26 oder 27 Grad.
- 18.05.20263 min
Salziges Meerwasser durch Mineralieneintrag vom Festlandgestein Das meiste Salz stammt von den Kontinenten. Es sind Mineralien, aus denen die Gesteine des Festlands bestehen. Die Steine verwittern und mit den Flüssen gelangen die Mineralien ins Meer. Dort passiert Folgendes: Das Meerwasser verdunstet wieder – das ist ja der normale Wasserkreislauf – aber beim Verdunsten bleiben die Mineralien zurück. So hat sich im Lauf von Jahrmillionen immer mehr Salz angereichert. Diesen Vorgang kennt man schon seit über 100 Jahren. Früher haben Leute versucht, zurückzurechnen und auf diese Weise das Alter der Erde zu bestimmen. Die haben sich überlegt: Irgendwann war das Meerwasser Süßwasser und heute kommen jährlich soundso viele Tonnen Mineralien ins Meer. Sie haben dann ausgerechnet, wie lange es gedauert haben muss, bis das Wasser so salzig ist wie heute. Dabei kamen sie auf einen Wert von etwa 9 Millionen Jahren. Heute wissen wir, dass die Erde viel älter ist, aber es ist auch klar: Man kann so nicht rechnen. Denn der Mineralieneintrag schwankt und auch andere Prozesse spielen eine Rolle. Salzabscheidungen: So kommt das Salz wieder raus aus dem Meer Interessant ist aber die Frage: Warum ist das Meer nicht noch viel salziger? Die Meeresorganismen, die wir heute kennen, vertragen den Salzgehalt, so wie er heute ist – aber nicht viel darüber hinaus. Wäre das Meer 30 Prozent salziger, würden das die Zellen nicht aushalten. Was umgekehrt vermuten lässt: In den letzten paar hundert Millionen Jahren kann der Salzgehalt nicht viel höher gewesen sein als heute. Die Frage ist also: Wenn immer mehr Salz ins Meer reinkommt, wie kommt es dann wieder raus? Der Hauptmechanismus dabei sind Salzabscheidungen: Immer wieder bilden sich in der Erdgeschichte große Meeresbecken vor allem in heißen Gebieten. Dort schwappt Wasser hinein und verdunstet, bis die verbleibende Lake so salzig ist, dass sich große Salzseen bilden. Das kennen wir heute zum Beispiel aus Salt Lake City oder aus dem Iran – nur in noch größerem Umfang. Diese Salzablagerungen können von anderen Sedimenten überlagert werden, sodass sich Salzstöcke bilden. Die kennen wir von Norddeutschland – bekannt ist der Salzstock bei Gorleben; das war ursprünglich verdunstetes Meerwasser. Das ist die Erklärung, wie ab einer bestimmten Salzkonzentration immer wieder Salz aus dem Meer abgeschieden wird, sodass es über lange Zeiträume gesehen nicht zu viel wird. War das Meer schon immer salzig? Man weiß aber inzwischen auch, dass die Annahme, irgendwann habe es mal mit Frischwasser angefangen, nicht stimmt. Im Gegenteil: Vor über einer Milliarde Jahre – als es nur winzige Mikroben auf der Erde gab – war das Wasser doppelt so salzig wie heute. Das ist auch eine der Erklärungen, warum es in dieser Frühzeit der Erde so lange gedauert hat, bis sich höhere Lebensformen gebildet haben. Denn ab einem bestimmten Salzgehalt kann sich kein Sauerstoff mehr im Wasser lösen. Und weil es damals Leben nur im Meer gab, waren alle Lebensformen, die auf Sauerstoff angewiesen waren, unmöglich.
- 15.05.20263 min
Wärme zu erzeugen ist relativ leicht Um Wasser zu erhitzen, setzen wir es einer Umgebung aus, die noch viel heißer ist: Eine normale Herdplatte zum Beispiel kann 400°C heiß werden und die Herdplatte leitet die Wärme gut. Ähnlich ist es im Wasserkocher. Wenn ich das Wasser dieser großen Hitze aussetze, kann ich es schnell von Zimmertemperatur auf 100°C erhitzen – immerhin ein Temperatursprung von 80°C. Wenn ich das Wasser genauso schnell wieder um 80°C abkühlen wollte, also von 100°C auf 20°C, bräuchte ich bei gleichem Vorgehen eine Umgebung von fast minus 400°C. Das liegt weit unterhalb des absoluten Nullpunkts und das geht natürlich nicht. Es gibt auch keine "kühlende Mikrowelle" Mikrowellen sorgen durch elektromagnetische Felder dafür, dass die Wassermoleküle in Bewegung versetzt werden. Aber umgekehrt gibt es keine Mikrowelle, die die Bewegung der Wassermoleküle bremsen und damit das Wasser abkühlen würde. Grundsätzlich gilt: Wärme zu erzeugen ist leicht. Man muss ein Gas entzünden oder lässt Strom fließen und schon wird es heiß. Dabei wird chemische oder elektrische Energie in Wärme verwandelt. Aber man kann die Wärme praktisch nicht wieder zurückverwandeln. – Wärme ist für die Natur die ungeordnetste und somit "bequemste" Form von Energie. Kühlen ist deshalb viel aufwendiger. Man kann da nicht einfach einen Schalter oder eine Platte anstellen und dann wird es kalt, sondern man bräuchte flüssigen Stickstoff oder Trockeneis, die mit viel Energie hergestellt werden müssten. Die einzige alltagstaugliche Möglichkeit, heißes Wasser abzukühlen, ist zu warten, bis sich die Wärme in der Umgebung verteilt hat. Oder aber man gibt reichlich Eiswürfel dazu.
Leben ohne Sauerstoff ist möglich Das ist eine spannende Frage, die auch viele Wissenschaftler beschäftigt. Die Antwort, die sie im Moment geben, lautet: Ja, vermutlich ist ein Leben denkbar, das völlig anders funktioniert als das, das wir kennen. Fangen wir beim Sauerstoff an. Da ist klar, dass es Lebensformen gibt, die ohne Sauerstoff auskommen. Die gibt es heute, nämlich überall dort, wo kein Sauerstoff hinkommt, in Feuchtgebieten oder in tieferen Seen zum Beispiel, wo das Wasser still steht. Da ist ab einer bestimmten Tiefe kein Sauerstoff mehr, aber es gibt dort Bakterien, die ohne Sauerstoff auskommen. Und man darf nicht vergessen: Die ersten Lebewesen auf der Erde hatten weder grüne Blätter, noch brauchten sie Sauerstoff – im Gegenteil, der Sauerstoff war ein Abfallprodukt und wie ein Gift für sie. Die Pflanzen, aber auch wir Menschen und Tiere, die den Sauerstoff nutzen, kamen erst viel später. Also Leben ohne Sauerstoff und Grün: keine Frage; das gibt es. Wasser ist essenziell für das Leben, das wir kennen Wie ist es aber mit dem Wasser? Die große Frage bei den Marsmissionen war immer: Gibt es da flüssiges Wasser? Man weiß heute zumindest, dass es früher welches gab. Und da stellt sich natürlich die Frage: Wenn es Wasser gab, gab es dann dort auch Leben? Für das Leben, wie wir es kennen, ist Wasser absolut essenziell. Es ist das Lebens-Medium schlechthin, es transportiert Nährstoffe in die Organismen und Giftstoffe aus ihnen hinaus. Die Frage ist: Gibt es einen anderen Stoff, der das genauso könnte? Vielleicht irgendwo, wo es viel kälter ist als bei uns, wo es definitiv kein flüssiges Wasser gibt. Zum Beispiel hat der Planet Saturn einen Mond, der heißt Titan. Da ist es eiskalt, dort gibt es mit Sicherheit kein flüssiges Wasser. Aber es könnte Seen aus flüssigem Methan geben. Gut möglich, dass es da Lebensformen gibt, bei denen die Quelle des Lebens nicht Wasser, sondern Methan ist. Lebenswelt auf Basis von Silizium statt Kohlenstoff denkbar Es geht sogar noch weiter: Der Grundbaustein des Lebens auf der Erde ist der Kohlenstoff. Alles Organische – Eiweiße, Kohlenhydrate, Fette bis hin zu unserem Erbmaterial, der DNA – ist, zumindest das Grundgerüst, aus Kohlenstoffatomen aufgebaut. Kohlenstoff gehört nämlich zu den wenigen Elementen, die so vielseitig sind, dass sie viele hoch komplizierte Gerüste und Strukturen aufbauen können. Es gibt ein weiteres Element, das das theoretisch auch könnte: Silizium. Deshalb halten es manche Biologen für möglich, dass auch eine Lebenswelt auf Siliziumbasis zumindest denkbar ist. Und das in erster Linie auf anderen Planeten. Es gibt aber auch ernst zu nehmende Forscher, die sagen: Rein theoretisch könnte es diese Lebensformen sogar auf der Erde geben, vielleicht sogar in unserem Körper, nur dass wir sie noch nicht entdeckt haben. Gemeint sind keine grünen Männchen, sondern das könnten Kleinstlebewesen sein, die sich äußerlich kaum von Bakterien unterscheiden lassen. Wenn die aber völlig anders funktionieren würden als das Leben, das wir kennen, wäre es gar nicht so leicht, die unter all den anderen Organismen ausfindig zu machen.
- 08.05.20262 min
Mond: zentraler Leuchtkörper am Nachthimmel Wir lernen schon als Kinder, dass tagsüber die Sonne scheint und nachts der Mond. Das setzt sich fort bis zu den Symbolen im Alltag. Bei der Heizung zum Beispiel bedeutet "Sonne" Tagesheizung und eine Mondsichel steht für die Nachtabsenkung. So sind wir das gewohnt. Klar ist: Nachts sieht man den Mond besser, da ist er der zentrale Leuchtkörper am Himmel. Allerdings ist er das nicht jede Nacht. Bei Neumond etwa sehen wir ihn nachts nicht. Das liegt nicht nur daran, dass der Mond bei Neumond von der Sonne nicht angestrahlt wird, sondern dass der Neumond nachts so gut wie überhaupt nicht am Himmel steht. Neumond steht tagsüber am Himmel Wenn man sich die drei Himmelskörper Sonne, Mond und Erde vorstellt, steht der Mond bei Neumond in der gleichen Richtung wie die Sonne. Das heißt, die Sonne strahlt ihn, von uns aus gesehen, von hinten an, nicht von vorne. Die Seite des Mondes, die wir sehen, wird nicht angestrahlt, weil der Mond irgendwo zwischen Erde und Sonne steht. Das bedeutet aber auch, dass, wenn der Neumond am Himmel steht, es dann Tag ist – der Mond befindet sich ja grob in Richtung der Sonne, also geht er von uns aus gesehen mit der Sonne auf und unter. Manchmal steht er sogar genau auf einer Linie mit der Sonne, dann haben wir eine Sonnenfinsternis. Eine Sonnenfinsternis kann es deshalb nur bei Neumond geben. Bei Vollmond ist es genau umgekehrt Bei Vollmond steht der Mond auf der Nachtseite der Erde, also auf der Seite der Erde, die gerade der Sonne abgewandt ist. In dieser Situation strahlt die Sonne sozusagen an der Erde vorbei direkt auf die volle Vorderseite des Mondes. Deswegen sehen wir den Vollmond. Dieser Vollmond ist deshalb auch ein Nachtmond; er geht abends auf und morgens unter. Das sind die beiden Extremsituationen: Neumond und Vollmond. Bei Halbmond erreicht er zum Beispiel seinen höchsten Punkt am Himmel morgens bzw. abends. Das bedeutet, er ist dann auch schon vormittags bzw. nachmittags zu sehen. Sichelmond ist überwiegend ein Tagesmond Man kann also sagen: Je voller der Mond, desto mehr ist er in der Nacht zu sehen. Wenn aber der Mond eine Sichel ist, ist er ja schon recht nahe beim Neumond. Das heißt, der Sichelmond ist in der überwiegenden Zeit seines Daseins ein Tagesmond, er ist kein ausgewiesener Nachtmond. Insofern ist – ganz streng genommen – die Mondsichel als Symbol der Nacht nicht ganz richtig.
- 05.05.20262 min
In Norddeutschland gibt es das Zwischenahner Meer, das Steinhuder Meer und das Engelsmeer – keine Meere, sondern Binnenseen. Und die Nordsee heißt "See" und nicht "Meer". Warum ist das so? Dieses Phänomen gilt nicht nur für das Niederdeutsche, sondern auch für das damit eng verwandte Niederländische. Ganz deutlich wird das beim berühmten Ijsselmeer in Holland. Das heißt nämlich erst Ijsselmeer, seit es ein Binnengewässer ist. Als es zuvor noch eine große Meeresbucht war, hieß es Zuider-Zee – also "Südsee", im Gegensatz zur Nordsee. Woher kommt das? Hat irgendwann irgendwer in grauer Vorzeit gesagt: Wir machen jetzt alles andersrum? Wir spielen verkehrte Welt. Was bisher Meer hieß, nennen wir See und umgekehrt. – Aber so war es wohl nicht. Meer und See: im Gegensatz zum Fluss "stehende" Gewässer Eine Antwort habe ich mal vom Sprachwissenschaftler Thomas Becker aus Bamberg bekommen und finde sie auch ganz einleuchtend. Demnach hatten beide Wörter, Meer und See, ursprünglich die gleiche Bedeutung, nämlich "stehendes Gewässer" – im Gegensatz zum Fluss. Die Bedeutung hat sich erst später ausdifferenziert; dies aber in den Ländern, die an der Küste liegen, anders als bei denen, die sich im Binnenland befinden. In Norddeutschland, den Niederlanden, aber auch im Englischen wurde mit dem Begriff "See" irgendwann nur noch das offene Meer bezeichnet, während in den küstenferneren Gegenden, also auch in Süddeutschland, der Begriff "See" nur noch für Binnengewässer benutzt wurde – vielleicht weil der Binnensee im Süddeutschen wichtiger war als das ferne Meer. Ergänzend könnte auch eine Rolle gespielt haben, dass der süddeutsche Raum näher am lateinischen bzw. romanischen Sprachraum ist, und im Lateinischen bedeutet "mare" nun mal auch Meer.
- 30.04.20262 min
Höhenrekorde kosten unnötig Kraft und Energie Bis in welche Höhe Fliegen in der Natur fliegen, ist offenbar noch nicht systematisch erforscht und es gibt ja auch sehr viele Arten von Fliegen. Aber die Frage, wie hoch Fliegen fliegen können, stellt sich in der Natur gar nicht, weil Fliegen keinen Anlass haben, die Extreme auszuprobieren. Für eine Fliege besteht kein Anlass, hoch hinaus zu fliegen, was soll sie dort? Es kostet nur unnötig Kraft und Energie, und da oben gibt es nichts zu fressen. Da besteht nur die Gefahr, dass sie selbst von Vögeln oder nachts von Fledermäusen gefressen werden. Deshalb halten sich Fliegen, wie die meisten Insekten, eher dicht über dem Boden auf, wo sie sich auch orientieren. Und wenn sie Strecke fliegen, behalten sie meist einen gewissen Abstand zum Boden. Fliegen oder sich wehen lassen: Unterschiede im Reich der Insekten Ich habe den Insektenkundler Lars Krogmann gefragt, wie es sich mit dem Fliegen in die Höhe bei Insekten verhält. Er unterscheidet zwischen dem aktiven Hoch-Fliegen und dem passiven "Sich-Hochwehen-Lassen". Ganz kleine Insekten – die man auch Luftplankton nennt – können noch in 8.000 Metern gefunden werden und z.T. überleben. Aber sie fliegen dort nicht gezielt hin, sondern werden von entsprechenden Winden erfasst. Anders ist es bei wandernden Insekten; Wanderheuschrecken zum Beispiel. Die nutzen diese Winde gezielt aus und lassen sich dadurch schon mehrere hundert Meter hochziehen. Hummeln am Mount Everest Zu den wenigen Insekten, zu denen es wirklich systematische Untersuchungen bezüglich der Flughöhe gibt, gehören Hummeln. Man hat in China Hummelnester noch in 4.400 Metern gefunden. Und man hat Hummeln am Mount Everest in 5.600 Metern Höhe fliegen sehen. Es gibt Laborversuche, wo man die Bedingungen in großen Höhen simuliert hat – also eine künstliche Atmosphäre hergestellt hat mit entsprechend wenig Sauerstoff und niedrigem Luftdruck. Da haben die Hummeln noch Bedingungen ausgehalten, die denen von 9.000 Metern Höhe entsprechen – und sie haben das nicht nur überlebt, sondern konnten in dieser künstlichen Atmosphäre auch aktiv fliegen.
- 28.04.20264 min
Das Kitzeln ist offenbar ein soziales Phänomen, aber es ist auch eine der Fragen, auf die die Wissenschaft zwar ein paar Erklärungsmodelle gefunden hat, aber keine eindeutige Antwort. Was uns ja oft gar nicht klar ist: Kitzeln ist nicht gleich Kitzeln. Da haben Psychologen schon im 19. Jahrhundert zwei Formen unterschieden, nämlich: Knismesis und Gargalesis. Knismesis: unangenehmer Reiz Knismesis ist das Kitzeln, wenn einem z. B. eine Fliege über die Haut krabbelt. Manche kennen es auch, wenn sie mit einer elektrischen Zahnbürste das Zahnfleisch massieren und dann die Lippen so vibrieren, dass es unangenehm kitzelt. Das ist Knismesis: Ein Kitzeln, das eindeutig unangenehm ist und bei dem man auch überhaupt nicht in die Versuchung kommt zu lachen. Dieses "Kitzligsein" zu erklären ist an sich nicht so schwer: Es ist praktisch eine Vorstufe zum Schmerz: Wir spüren einen Reiz, der unangenehm ist, aber da vom Reiz keine wirkliche Bedrohung ausgeht, verbucht ihn unser Gehirn nicht als Schmerz, aber doch als lästig. Gargalesis: ambivalente Gefühle Demgegenüber bezeichnet Gargalesis jenes Kitzeln, bei dem wir dieses ambivalente Gefühl haben. Jemand kitzelt uns, wir versuchen einerseits auszuweichen, andererseits müssen wir schon ein bisschen lachen. Es gibt auch bestimmte Körperstellen, an denen wir besonders kitzlig sind. Da ist die Erklärung schon kniffliger. Was soll das? Wenn Wissenschaftler das erklären wollen, fragen sie zunächst: Was macht das Phänomen des Kitzelns aus? Da fallen ein paar Besonderheiten auf: Schon kleine Babys reagieren aufs Kitzeln, indem sie lachen. Das weist darauf hin, dass es eine sehr tief in uns verankerte Form der Kommunikation ist. Das wiederum legt die Vermutung nahe, dass über das Kitzeln auch eine starke emotionale Bindung kommuniziert wird. Es fällt auf und legt den gleichen Schluss nah: Auch Affen und andere Tiere sind kitzlig; und auch bei Affen kann man eine Reaktion beobachten, die dem Lachen sehr nahekommt. Kitzeln: "Angriff" ohne Gefahr In welchen Situationen lachen wir sonst? Zum Beispiel, wenn wir einen Witz hören. Da wird das Lachen durch einen Überraschungseffekt ausgelöst, durch etwas Unerwartetes, was einer Situation eine neue Wendung, einen neuen Kontext gibt. Und das passiert auch beim Kitzeln: Ich löse bei jemandem einen Reiz aus, der zunächst unangenehm ist, ich dringe in gewisser Weise in die Intimsphäre ein. Gleichzeitig ist durch den gesamten Kontext der Beziehung klar: Das ist kein Angriff, sondern liebevoll gemeint. So lässt sich vermutlich das Lachen deuten. Vermutung der Evolutionspsychologie: erst das Kitzeln, dann das Witzeln Weil nun aber Affen und Babys nicht sprechen können, hegen manche Forscher sogar die weitergehende Vermutung, dass dieses Lachen, mit dem wir auf das Gekitzelt-werden reagieren, ein evolutionärer Vorläufer des "humorigen" Lachens ist. Affen können sich keine Witze erzählen, sie können nur miteinander spielen. Wenn wir also heute über Witze lachen, dann hat sich dieses Lachen möglicherweise aus dem Kitzel-Lachen heraus entwickelt. Kurz: Erst das Kitzeln, dann das Witzeln. Aber das ist, wie so vieles in der Evolutionspsychologie, bisher nur eine unbewiesene Vermutung.
- 24.04.20263 min
Augenbrauen verhindern, dass Schweiß in die Augen kommt Es gibt zwei mögliche Gründe: Zum einen verhindern Augenbrauen, dass einem der Schweiß von der Stirn direkt ins Auge läuft. Das ist wohl die wichtigste Funktion. Für unsere Vorfahren in Afrika, die in der Hitze der Savanne viel herumgerannt sind oder gekämpft haben, war das wichtig. Denn wenn einem der Schweiß in die Augen tropft, ist das hinderlich. Und wenn man sich im falschen Moment den Schweiß aus den Augen wischt, kann es tödlich sein. Augenbrauen: Die Stelle, wo der Mensch Haare dazubekommen hat Tatsächlich scheinen sich Augenbrauen erst entwickelt zu haben, als der Mensch die afrikanische Savanne erobert hat, denn unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen, haben über dem Auge keine ausgeprägte Behaarung. Und das fällt auf: Eigentlich sind weniger behaart als Schimpansen, nur über dem Auge sind Haare dazugekommen. Der Schimpanse hat dafür etwas anderes, was die Menschen kaum noch besitzen, nämlich sogenannte Überaugenwülste. Dort, wo wir die Augenbrauen haben, stehen beim Affen – und das war auch noch beim Neandertaler so – die Knochen ein wenig heraus, sodass über den Augen die Stirn ein bisschen vorspringt. Sind Augenbrauen Ersatz für die Überaugenwülste? Damit ergibt sich eine zweite mögliche Erklärung: In der menschlichen Kommunikation spielt Mimik eine große Rolle. Wir drücken über die Augenbrauen viele Gefühle aus. Wenn wir mürrisch sind, ziehen wir sie zusammen; sind wir freudig überrascht, ziehen wir die Brauen hoch. Und ganz ähnlich kommunizieren Affen mit ihren Überaugenwülsten. Der frühe Mensch hat diese markanten Wülste über den Augen verloren, weil das Gesicht im Lauf der Menschwerdung immer flacher geworden ist. Möglicherweise sind also Augenbrauchen ein Ersatz für die Überaugenwülste beim Affen bzw. beim Neandertaler. Sie tragen gewissermaßen dazu bei, dass die Mimik besser erkennbar ist. Aber das sind alles Vermutungen – beweisen lassen sie sich kaum.
- 23.04.20262 min
Luftdruck: Ergebnis von Luftbewegungen Der Luftdruck ist im Wesentlichen ein Ergebnis von Luftbewegungen. Dabei kommt es vor allem darauf an, ob ich mich an einer Stelle befinde, wo Luft absinkt, oder an einer Stelle, wo Luft aufsteigt. Über uns ist ja eine kilometerdicke Luftsäule. Wenn ich an einem Ort bin, wo die Luft absinkt, dann drückt die gesamte Atmosphäre über mir mit ihrem ganzen Gewicht nach unten. Dadurch ist der Luftdruck dann hoch. Steigt die Luft dagegen auf, führt das zu niedrigem Druck – die aufsteigende Luft wirkt wie eine Entlastung. Das heißt, Hoch- oder Tiefdruck ist vor allem eine Frage von aufsteigenden oder sinkenden Luftmassen. Tiefdruckgebiete am Äquator Dort dort, wo die Luft aufsteigt, regnet es eher. Nehmen wir als extremes Beispiel die Äquatorgegend. Was passiert da? Dort steht die Sonne im Zenit, hat also die stärkste Strahlkraft. Wenn sie vormittags runterbrezelt, heizt sie erst mal die bodennahen Luftschichten auf. Nun steigt warme Luft bekanntlich auf. Aufsteigende Luft bedeutet Tiefdruck – deshalb haben wir am Äquator ein ständiges Tiefdruckgebiet. Dann geht die Geschichte weiter: Die Luft steigt auf und kühlt dabei ab. Irgendwann schließlich erreicht sie eine Höhe, wo es so kühl ist, dass die Feuchtigkeit in der Luft kondensiert und sich Wolken bilden. Dann kommt es zu den starken Regenfällen, die wir aus den Tropen kennen. Das ist der Zusammenhang: Tiefdruck = Luft steigt auf, Feuchtigkeit kondensiert, es regnet. Sahara: ständiges Hochdruckgebiet Da ist es genau umgekehrt, da sinken die Luftmassen. Je tiefer sie sinken, desto mehr erwärmen sie sich. Und je mehr sie sich erwärmen, desto trockener werden sie – deshalb heißt Hochdruck in der Konsequenz: Trockene Luft, wenig Wolken, viel Sonne. Das Extrembeispiel sind die natürlichen Wüstengegenden der Erde – also etwa die Sahara – das ist im Grunde ein ständiges Hochdruckgebiet. Wir hier in Mitteleuropa dagegen sind in einer Gegend, wo wir beides in schöner Abwechslung haben: mal Hoch, mal Tief. Eigentlich ja ganz lustig, denn ohne diesen Zusammenhang gäbe es das Wort Stimmungsbarometer auch gar nicht. Aber so ist es tatsächlich: Zeigt das Barometer Hochdruck an, ist Sonne zu erwarten – und damit steigt tendenziell auch die Stimmung.
Diese Frage ist mit einem interessanten Phänomen verbunden: Wir haben schon im Kindesalter relativ schnell gelernt, intuitiv Obst und Gemüse zu unterscheiden – und trotzdem wissen die meisten Erwachsen gar nicht,was genau der Unterschied ist. "Intuitive Biologie": Suche nach Ordnung in der belebten Natur Dies passt zu einem Befund in der Kognitionswissenschaft, wonach unser Gehirn über eine "intuitive Biologie" verfügt. Wir sind darauf programmiert, in der belebten Natur eine Ordnung zu suchen. Zu den ersten Dingen, die kleine Kinder lernen und an denen sie Spaß haben, zählen die Geräusche von Tieren. Die Kuh macht Muh, der Esel I-Ah und so weiter. Das lernen sie mit Begeisterung, obwohl für die meisten Stadtkinder Kühe und Esel überhaupt nicht zu ihrem Alltag gehören. Kinder lernen auch ganz früh biologische Kategorien: Es gibt Fische, es gibt Vögel, und innerhalb der Vögel gibt es Tauben, Raben, Enten, usw. Obst und Gemüse sind keine Pflanzengattungen Das Besondere ist, dass diese Unterscheidung nichts mit biologischer Taxonomie zu tun hat. Denn Obst und Gemüse sind keine Gattungsbegriffe für bestimmte Pflanzenarten. Wenn man darüber nachdenkt, was der Unterschied sein könnte, fällt einem ein: Obst wird roh gegessen, Gemüse meist gekocht. Das hat nichts mit Biologie zu tun, sondern ist eine Unterscheidung nach dem Kriterium, was man in der Küche damit anfangen kann. Dabei fallen auch sofort Ausnahmen ins Auge: Tomaten, Paprika, Kohlrabi werden oft auch roh gegessen, Gurken werden fast immer roh gegessen. Äpfel wiederum werden, gerade bei Wintergerichten, gerne auch mal mitgekocht. Das kann’s also nicht sein. Was aber dann? Vielleicht, dass es sich bei Obst meist um Früchte handelt, während man unter Gemüse oft die Blätter und Wurzeln der Pflanzen versteht. Aber auch da gelten die gleichen Ausnahmen: Tomaten, Gurken, Paprika, Zucchini würden wir als Gemüse bezeichnen, obwohl es auch Früchte sind. Dieses Kriterium funktioniert also auch nicht so eindeutig. Klare Definition ist schwierig Könnte man sagen, Obst ist süß und Gemüse nicht? Das trifft zwar fast immer zu, aber Karotten zum Beispiel können auch süßlich schmecken, man kann Saft daraus machen. Die haben zwar einen deutlich geringeren Zuckergehalt als Äpfel oder Orangen, aber so ein richtig befriedigendes Kriterium ist das auch nicht. Denn dann müsste man einen bestimmten Zuckergehalt als Grenzwert festlegen und sagen: alles, was drüber liegt, läuft als Obst, alles andere als Gemüse. Das wäre dann ein eher willkürliches quantitatives Kriterium. Gemüse ist häufig einjährig, Obst mehrjährig Es gibt aber noch ein Merkmal, an das die wenigsten Menschen denken: Gemüse sind fast immer einjährige Pflanzen; die halten eine Saison, dann muss neu gesät oder gepflanzt werden. Obst dagegen wächst an Bäumen oder Sträuchern, die mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte lang leben. Auch da gibt es Ausnahmen, aber es sind schon viel weniger: Spargel zum Beispiel wäre ein solches mehrjähriges Gemüse, ebenso Artischocken. Mischdefinition: Entscheidung von Fall zu Fall Tatsächlich benutzen wir in unserem Kopf wohl eher eine Mischdefinition. Wir haben mehrere Kriterien zur Hand und wenn sich mehrere Kriterien widersprechen, dann wägen wir intuitiv ab und entscheiden von Fall zu Fall, was am besten passt. Also: Spargel ist zwar mehrjährig, aber er ist nicht süß und wir essen auch nicht die Früchte, sondern den Trieb – also zählen wir ihn zum Gemüse. Rhabarber ist auch mehrjährig, wir essen den Trieb und kochen ihn sogar – aber er wird süß gegessen, also zählen wir ihn meist als Obst.
Felsenbein schützt das Innenohr Es ist ein ziemlich kleiner Knochen, der an einer Stelle sitzt, die man von außen gar nicht sieht, nämlich am Innenohr. Es ist das sogenannte Felsenbein. Es schützt das Innenohr und damit auch das Gleichgewichtsorgan und die Hörnerven. Gerade weil dieser Knochen so klein ist, ist er auch so hart. Denn angenommen, wir stoßen uns den Schädel oder uns haut jemand aufs Ohr, dann soll sich dieser Knochen, der auf engem Raum ganz wichtige Nerven schützt, nicht deformiert werden, da sonst die Nerven abgeklemmt werden – mit allen negativen Folgen für das Gehör oder unser Gleichgewicht. Oberschenkel und Schienbein: weniger hart und damit weniger spröde Es ist ein Trugschluss zu denken, dass die großen, starken Knochen auch die besonders harten sind – Oberschenkel oder Schienbein. Die müssen zwar viel aushalten, aber das tun sie durch Masse. Hinzu kommt: Die Härte eines Materials sagt noch nichts aus über seine Festigkeit. Härte ist die Fähigkeit, einer Verformung standzuhalten, wenn Kräfte von außen einwirken. Und da verhält es sich sogar eher so: Besonders harte Materialien sind gleichzeitig meist auch spröde. Das heißt, sie halten zwar viel aus, aber sie sind dadurch auch unbeweglich. Wenn also doch mal eine starke Kraft einwirkt, brechen sie schneller als weichere Materialien, die dem Druck etwas nachgeben können. Bei Knochen wie dem Oberschenkel oder dem Schienbein wäre es gar nicht so gut, wenn die extrem hart wären, denn dann würden sie bei stärkerer Belastung unter Umständen schneller brechen.
- 23.03.20262 min
In den Annalen der Skateboard-Geschichte gibt es niemanden, den man als den einen Erfinder des Skateboards benennen könnte. Interessanter als der Name des Erfinders sind die Hintergründe der Entwicklung: Kalifornien um 1950: Wellensurfen auf der Straße Das Skateboard ist viel älter als ich bisher dachte, denn vor meinen Recherchen hatte ich es Ende der 1970er-, Anfang der 1980er-Jahre verortet. Tatsächlich kam aber die erste Welle bereits in den 1950er-Jahren. Und Welle ist dabei auch das richtige Wort, denn Ausgangspunkt war Kalifornien: Die Idee war, das Wellensurfen auf die Straße zu verlagern. Die ersten Skateboards waren dann auch recht primitiv: Man nahm ein Brett oder eine Holzkiste und montierte darunter die Rollen von Rollschuhen. Das hat funktioniert, aber es gab anfangs doch viele Unfälle. Zweite Skateboard-Welle in den 1970ern Um 1965 kam das Skateboard völlig aus der Mode und verschwand von der Bildfläche. Erst in den 1970er-Jahren kam dann die zweite Welle und damit der eigentliche Durchbruch auch bei uns in Deutschland. Rollen aus Polyurethan und bessere Achsen für das coole Fahrerlebnis Diese zweite Welle hing mit einer technischen Innovation aus der Materialtechnik zusammen. Das Stichwort heißt: Polyurethan. Das ist eine besondere Kunststoffgruppe, von der vor allem in den 1950er-Jahren immer neue Varianten entwickelt wurden – unter anderem das künstliche Hartgummi, aus dem die Skateboard-Rollen bestehen. Dieses Rollenmaterial zusammen mit den entsprechenden Achsen, die auch eine gewisse Beweglichkeit erlauben, machten das coole gleitende Skateboard-Fahren mit all den Manövern, die wir heute kennen, erst möglich. Damit begann dann die zweite große Hochphase des Skateboards in den 1970er-Jahren, die, mit einigen Aufs- und Abs, bis heute anhält.



















