1000 Antworten

SWR
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21.10.2026
Beschreibung
Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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Episoden
  1. Der schlechteste Schütze bekommt ein Schwein Bei Schützenfesten gab es früher schöne Preise für den Sieger. Der Zweite und der Dritte bekamen auch noch tolle Preise, Geldpreise zum Beispiel. Derjenige, der der schlechteste Schütze war, bekam auch etwas, nämlich ein Ferkel. Und weil man, obwohl man der Schlechteste war und nichts getroffen hatte, doch etwas bekam, hatte man ja unverdientes Glück gehabt. Das hat man einander dann immer wieder gesagt: "Du, der hat aber Schwein gehabt" und hat darüber eigentlich nur gelacht und gespottet. Aber im Lauf der Zeit hat sich das verselbständigt und man sagte: "Ja, klar, ich hab Schwein gehabt!" Schwein wird zum Glückstier Dann wurden viele Schweinefiguren hergestellt und zu Silvester verschenkt. Und plötzlich war das Schwein zu einem Glückstier geworden. Natürlich auch deswegen, weil es in der landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft des Deutschen Reiches und in vielen anderen Gegenden so weit verbreitet war. Das Schwein war also grundsätzlich etwas eher Positives.

  2. Frühlingspunkt ist ein Ort Es ist tatsächlich so, dass sich der Frühlingspunkt gegenüber den Sternbildern verschiebt. Wobei man aufpassen muss: Der Frühlingspunkt ist ein Ort – nämlich der Punkt auf der Erdumlaufbahn, wo sich die Erde zum Frühlingsbeginn befindet. Dieser Punkt verschiebt sich; dieses Jahr am Frühlingsbeginn steht die Erde also nicht genau am gleichen Punkt in ihrer Erdumlaufbahn wie letztes Jahr, sondern ein kleines bisschen zurückversetzt. Und die Folge ist, dass wir jedes Jahr am Frühlingsbeginn von einem anderen Punkt auf die Sonne schauen und sich somit auch die Sonne scheinbar gegenüber den Sternen am Himmel etwas verschiebt. Was sich nicht verschiebt – wenn man mal die Schaltjahre außer acht lässt – ist das Datum. Das heißt, den astronomischen Frühlingsanfang werden wir jetzt und in Zukunft auch weiterhin im März erleben. Aber was sich verschiebt ist der Punkt, wo sich die Erde an diesem Datum befindet. Das klingt ein bisschen widersprüchlich, denn wir haben ja alle gelernt: In einem Jahr dreht sich die Erde einmal um die Sonne. Das stimmt zwar ungefähr, ist aber in unserem Kalender nicht der springende Punkt. Sondern unser Kalenderjahr ist der Abstand von einem Frühlingsbeginn zum nächsten oder von einem Herbstbeginn zum nächsten. Der Grund für diese Lücke ist die Stellung der Erdachse. Frühlingsbeginn ist die berühmte Tag- und Nachtgleiche, wenn die Tage länger werden als die Nächte. Das ist genau der Moment, in dem die Erdachse, wenn man so will, parallel zur Sonne steht. Erdachse ist 23,5 Grad geneigt Die Erdachse ist geneigt. Die steht nicht senkrecht zur Umlaufebene, sondern ist gekippt. Deswegen gibt es ja überhaupt Frühling, Sommer, Herbst und Winter, weil die Erdachse gekippt ist und es deswegen Zeiten gibt, wo die Tage länger bzw. kürzer werden. Diese Erdachse dreht sich ihrerseits, vergleichbar mit einem Kreisel. Wenn man einen Kreisel schief auf eine Tischplatte stellt, dreht sich nicht nur der Kreisel, sondern die Achse selbst rotiert ebenfalls. Diese Präzessionsbewegung der Erdachse braucht fast 26.000 Jahre. Das ist das sogenannte platonische Jahr: In knapp 26.000 Jahren macht die Erdachse, und mit ihr natürlich die ganze Erde, so eine Kreiselbewegung. Das macht jedes Jahr nur ein kleines bisschen aus, aber deshalb ist auch der Punkt, wo die Achse parallel zur Sonne steht – also der Frühlingsanfang – jedes Jahr ein bisschen verschoben. Das kann man ausrechnen, das macht im Jahr 20 Minuten aus. Das heißt, die Zeitspanne von Frühlingsanfang zu Frühlingsanfang ist 20 Minuten kürzer als eine vollständige Umkreisung der Sonne. Und deshalb blicken wir jedes Jahr am Frühlingspunkt von einer etwas anderen Position auf die Sonne. Das "Zeitalter des Wassermanns" Vor 2.000 Jahren stand die Sonne an der Grenze zwischen Fische und Widder, heute steht sie am Frühlingsbeginn klar im Sternbild Fische. Und wenn wir noch ein paar Jahrzehnte warten, wird sie im Frühling im Sternbild Wassermann stehen – das ist dann das berühmte Zeitalter des Wassermanns, das im Musical "Hair" besungen wird. Das heißt, der räumliche Frühlingspunkt verschiebt sich; das ändert aber nichts daran, dass der Frühling nach unserem Kalender immer am 20. bzw. 21. März beginnt.

  3. In der Regel erkennt man sie gar nicht. Gelegentlich erkennt man sie dann, wenn ihre Zeit schon vorbei ist. Wenn die Verschwörung ihr Ziel erreicht oder eben nicht erreicht hat oder wenn Mitglieder der Verschwörung aussteigen und plaudern. Bündnis, Seilschaft oder Komplott: Beispiel "Andenpakt" Echte Verschwörungen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie meist zwei Dimensionen kleiner sind als man sich Verschwörungen so vorstellt. Man könnte sie dann auch einfach als Bündnis, Seilschaft oder Komplott bezeichnen. So was gibt es schon mal. Ein Beispiel aus der Vergangenheit ist der berühmte Andenpakt – ein Bündnis einiger damals aufstrebender CDU-Politiker (es waren ausschließlich Männer), die sich mal bei einer Flasche Whisky im Flugzeug das Versprechen gegeben haben sollen, niemals gegeneinander anzutreten oder den anderen zum Rücktritt aufzufordern. Ihr Ziel, dass einer von ihnen Kanzler wird, haben sie aber nicht erreicht; sie konnten Angela Merkel nicht verhindern. Und irgendwann ist dieser Pakt dann auch in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Solche Bündnisse auf Zeit mit konkreten Zielen und einer überschaubaren Zahl von Akteuren kommen gelegentlich vor. Der Andenpakt musste auch nicht viel vertuschen, niemand musste gekauft oder bestochen werden. Es gibt keinen großen Superschurken, der alle unter Kontrolle hat. Obwohl der Andenpakt ein kleines Männerbündnis war, kam er ans Licht. Irgendwer hat halt doch mal gegenüber der Presse geplaudert, und am Ende haben die einzelnen Politiker ihr eigenes Süppchen gekocht. Gescheitert: Donald Trumps Mini-Verschwörung gegen Joe Biden Ein anderes Beispiel: Donals Trump versucht, einen Pakt mit dem ukrainischen Präsidenten zu schmieden, um seinen Rivalen Joe Biden auszuschalten. Und das fliegt schnell auf. Der mächtigste Präsident der Welt und mindestens Multimillionär schafft es nicht, eine solche Mini-Verschwörung richtig durchzuziehen. Das ist die Wirklichkeit. Wenn es also echte Verschwörungen gibt, sind sie überschaubar, brüchig und alles andere als perfekt. Viel Fantasie: Gerüchte und Verschwörungsmythen Ganz im Gegensatz dazu stehen all die großen Gerüchte und Verschwörungsmythen, die höchstwahrscheinlich auf nichts anderem beruhen als Fantasie. Die erkennt man daran, dass, wenn sie wirklich wahr wären, Hunderte, ja, Tausende von Menschen mit drinsteckten, weil sie von einem Superbösewicht gekauft und bestochen sein müssten – alles willige Marionetten, von denen niemand eigene Interessen verfolgt oder gar ein eigenes Gewissen hat. Zu perfekt, um realistisch zu sein Überlegen Sie mal: Wie viele Menschen bei der NASA hätten mitspielen müssen, um eine fiktive Mondlandung zu inszenieren? Wie viele skrupellose Menschen hätten sich absprechen müssen, um im Auftrag der CIA die Türme des World Trade Centers zum Einsturz zu bringen? Alle halten dicht, niemand, der nein sagt, alles ist perfekt organisiert und streng geheim – aber dann doch nicht perfekt und geheim genug, als dass nicht ein paar Youtuber der Sache auf die Schliche kommen. Logik bei Verschwörungsmythen: Fehlanzeige Die "Verschwörer" nehmen extreme Kosten und Risiken in Kauf für einen überschaubaren Gewinn. Bill Gates spendet angeblich viele Milliarden Dollar – in der Hoffnung, am Ende Impfstoffe an arme Menschen zu verkaufen? Dann wäre er mal besser Chef von Microsoft geblieben. In Verschwörungslegenden sind alle miteinander verstrickt und verfolgen so diffuse Ziele wie Weltherrschaft und Bevölkerungsdezimierung. In den ganz großen Verschwörungsmythen verfolgen die Akteure in Form von Templer-Orden oder Weltjudentum angeblich schon seit Jahrhunderten ihre Ziele, ohne dass irgendeine konkrete Information davon nach außen gedrungen ist. Und diese Verschwörungsgruppen sind einerseits wahnsinnig gerissen und gleichzeitig so blöd, nicht zu merken, dass das mit der Weltherrschaft bisher nicht geklappt hat und sie sich etwas anderes zu überlegen. Echte Verschwörung kommt ohne Weltmacht-Superschurken aus Woran erkennt man also eine echte Verschwörung? Daran, dass sie genau diese Merkmale nicht hat: In einer echten Verschwörung gibt es keinen Welt-Superschurken. Es sind kurze Bündnisse mit wenigen Akteuren, die alle ihre eigenen Interessen verfolgen. Und wenn die Verschwörung wirklich eine ist und gut ist – dann nehmen sie die Verschwörer auch mit ins Grab.

  4. 17.03.2026
    3 min

    Glas ist durchsichtig, weil das Licht kaum mit dem Material reagiert. Denn was ist Materie? Materie ist aus Atomen aufgebaut. Atome bestehen aus einem schweren Kern und den Elektronen in den Außenhüllen. Dazwischen ist auf mikroskopischer Ebene unheimlich viel Platz. So wie zwischen den Planeten und der Sonne unheimlich viel Platz ist. Wenn nun eine Billardkugel durchs Sonnensystem fliegt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf einen Planeten trifft, sehr gering. Analog dazu haben die Lichtteilchen – die Photonen – viel Platz, um zwischen den Elementarteilchen "durchzuflutschen". Ganz so einfach ist es aber doch nicht, denn Lichtteilchen und Elektronen sind eben keine Billardkugeln, die kollidieren oder eben nicht kollidieren, sondern sie sind gleichzeitig auch Wellen, die schwingen, und das in einer bestimmten Weise, mit einer bestimmten Frequenz. Blech: Licht wird schon an der Oberfläche von der Materie geschluckt Wenn z.B. ein Stück Blech das Licht nicht durchlässt, dann liegt das daran, dass die Elektronen und somit die Atome im Blech auf die Schwingung der Lichtwellen reagieren. Sie lassen sich von der Schwingung "mitreißen" und werden "angeregt". Das bedeutet aber auch, dass ein großer Teil der Energie vom Licht auf die Atome übergeht. Praktisch bedeutet das, dass das Licht schon an der Oberfläche von der Materie geschluckt wird. Moleküle in Glas reagieren kaum auf Schwingungen der Lichtwellen Bei Glas ist es anders: Glas besteht hauptsächlich aus Quarzsand, aus Siliziumdioxid. Diese Moleküle sind so beschaffen, dass sie auf die Schwingungen der Lichtwellen kaum reagieren. Deshalb behält das Licht seine Energie und geht weitgehend unbeschadet durch die Materie durch. Ein bisschen Licht wird zwar absorbiert; das macht sich aber bei einer dünnen Glasscheibe nicht bemerkbar. Wenn das Glas aber stärker ist, also 10 cm oder einen Meter dick, dann wird das Licht abgeschwächt – genauso wie im Meer das Sonnenlicht auch nur bis zu einer bestimmten Tiefe eindringt; darunter ist es dann dunkel. Außerdem gilt das, was ich zum Glas gesagt habe, nur für die sichtbaren Anteile des Lichts. Die wiederum bilden ja nur einen kleinen Ausschnitt aus dem gesamten Strahlungsspektrum. Für den größten Teil des ultravioletten Lichts dagegen (vor allem für die aggressive UV-B-Strahlung) ist Glas überhaupt nicht durchlässig – deshalb bekommt man ja hinter einer Glasscheibe in der Regel keinen Sonnenbrand.

  5. Seitwärts sind Krabben schneller Weil es schneller geht. Sie tun es auch vor allem dann, wenn sie schnell sein müssen. Wenn sie Zeit haben, dann bewegen sie sich durchaus auch vor und zurück, aber wenn sie schnell fliehen müssen, dann haben sie es seitwärts leichter. Krabbenbeine: wenig Raum für Bewegung nach vorn Warum das so ist, wird klar, wenn man sich eine Krabbe von unten anschaut. Die Krabbe hat acht Beine, und diese Beine liegen auf beiden Körperseiten eng beieinander. Vergleich man sie mit Säugetieren wie etwa einem Hund oder einem Tiger, sieht man: Deren Vorder- und Hinterbeine sind weit auseinander und kommen sich beim Rennen nicht in die Quere. Bei der Krabbe setzt ein Bein hinter dem anderen an; die würden sich beim schnellen Laufen sehr wohl in die Quere kommen. Der seitliche Abstand ist größer, also der Ansatz der jeweils linken und rechten Beine liegt weiter auseinander, insofern können die seitlich schneller laufen. Was auch daran liegt, dass die "Gelenke", wenn man so will, seitwärts zeigen. Unsere Knie zeigen nach vorne, das ist unsere Laufrichtung, die Beine der Krabbe sind aber nach rechts und links orientiert. Machen Sie den Krabbentest! Machen Sie doch mal Folgendes: Spielen Sie mit Ihren beiden Händen auf dem Tisch Krabbe. Legen sie also beide Hände jeweils in entgegengesetzter Richtung auf den Tisch, sodass sich die Handgelenke noch berühren: Die Handinnenflächen zeigen nach unten, die Finger der rechten Hand zeigen nach rechts, die linken Finger nach links. Diese Finger sind jetzt mal ihre Krabbenbeine. So. In welche Richtung könnten Sie sich als Krabbe jetzt leichter bewegen?

  6. Das hat der Gesetzgeber vor allem aus Eigeninteresse so vorgeschrieben. Es gibt für die Vorschrift zwei Gründe: Die Fahrbahn soll geschont werden. Die harten Schneeketten belasten den Fahrbahnbelag viel stärker als ein Gummireifen. Je schneller die Autos fahren, desto mehr Druck und Reibung wird auf die Fahrbahn ausgeübt. Die Fahrsicherheit. Schneeketten kommen dort zum Einsatz, wo es durch Schnee und Eis ohnehin schon besonders rutschig ist. Bei Schnee und Eis ist der Bremsweg, verglichen mit einer trockenen Fahrbahn, um ein Vielfaches höher. Mit Ketten fährt es sich zwar griffiger, aber trotzdem können die Ketten den verlängerten Bremsweg nicht wettmachen. Die Geschwindigkeitsbeschränkung soll also die Verkehrssicherheit erhöhen.

  7. 12.03.2026
    2 min

    Schnee enthält viel Luft Zwei Effekte spielen hier eine Rolle: Frischen Schnee treten Sie ja richtig zusammen. Das heißt, der Schnee enthält ziemlich viel Luft und wenn Sie drauftreten, drücken Sie die Luft raus. Deshalb lässt sich der Schnee ja zusammendrücken, wenn Sie zum Beispiel einen Schneeball formen. Sie drücken dann die Luft heraus und ein Geräusch entsteht. Aber das ist noch nicht das Entscheidende, denn wenn es nur die Luft wäre, dann müsste ja ein normaler Haushaltsschwamm ebenfalls so ein Geräusch machen, wenn Sie auf ihn treten. Das tut er aber nicht. Eiskristalle zerbrechen hörbar Es kommt also noch etwas hinzu: Schneeflocken sind bekanntlich eine Ansammlung von kleinen Eiskristallen, die lose aneinanderhängen. Nun wissen wir, wie diese Eiskristalle aussehen: Das sind wunderschöne 6-strahlige symmetrische Sternchen. Jedes Eiskristall ist dabei einzigartig; es hat nicht nur diese sechs Strahlen oder Äste, sondern von denen gehen weitere kleine Äste ab und so weiter. Der Schnee, über den wir laufen, enthält somit unzählige von diesen Mini-Mini-Eisästchen. Und wenn wir sie zusammentreten, dann brechen sie. Jedes dieser Ästchen ist zwar mikroskopisch klein und fein, aber wenn Millionen davon brechen, dann machen sie dieses wattige, knirschende Geräusch. Das ist auch der Grund, warum der Schnee besonders laut knirscht, wenn er kalt ist. Dann sind nämlich die Eisästchen richtig steif und fest und brechen umso lauter. Wenn es warm ist, dann werden sie etwas beweglicher und krachen nicht mehr so schön.

  8. Erste Federn wohl vor allem Schutz vor Kälte und Nässe Es ist schwer, hier beweisfähige Aussagen zu treffen, weil von den Tieren, bei denen sich die Federn entwickelt haben, nicht mehr viel übrig ist. Klar ist auf jeden Fall: Die ersten Federn dienten mit Sicherheit nicht zum Fliegen, sondern einige Dinosaurier hatten schon Federn. Das ist in den letzten Jahren vor allem bei Ausgrabungen in China deutlich geworden. Die Federn selbst sind nicht mehr erhalten, aber Weichteilstrukturen aus der Haut, aus denen man ableiten kann, dass die Tiere gefiedert waren. Wobei man sich diese Federn nicht so vorstellen darf wie heutige Vogelfedern, sondern das waren eher Büschel, eine Vorstufe von Daunenfedern. Wenn wir an Daunen denken, dann denken wir an warme Federbetten und das nicht ohne Grund: Daunen halten warm. Und so gehen die meisten Forscher heute davon aus, dass diese ersten Federn vor allem als Wärmeschutz gedient haben. Oder auch dazu – wie heute bei den Wasservögeln – die Haut vor Nässe zu schützen. Federn zum Tarnen und Balzen Vielleicht bekamen diese ersten Federn auch noch ein paar zusätzliche Funktionen, die die Entwicklung vorangetrieben haben. Es könnte z.B. sein, dass sie einem Saurier geholfen haben, sich zu tarnen. Oder dass die Entwicklung dadurch einen Schub bekommen hat, dass sich Federn zu einem Attraktivitätsmerkmal beim Balzverhalten entwickelt haben. Beim Balzen hätten sich dann vor allem solche Männchen durchgesetzt und fortgepflanzt, die ein auffälliges und stark entwickeltes Gefieder hatten – diese Funktion gibt es heute noch beim Pfau. Trotzdem erklärt das nicht, warum sich die Federn so perfekt weiterentwickelt haben, dass irgendwann ein Flugsaurier bzw. ein Vogel damit fliegen konnte. Der Weg zur perfekten Feder führt über viele Zwischenstufen, und die müssen auch einen Vorteil geboten haben. Federn von Vorteil beim Hüpfen und Springen Nehmen wir an, so ein kleiner Saurier, der bereits Federn hat, sitzt auf einem Ast oder einer Anhöhe und springt herunter. Ab einer bestimmten Höhe wird es gefährlich. Aber es wird ein bisschen weniger gefährlich, wenn er seine befiederten Vorderextremitäten ausstreckt und somit den Luftwiderstand erhöht, sodass er einfach etwas weniger heftig am Boden auftrifft. Dieses Prinzip könnte sich dann immer mehr verstärken und denjenigen Sauriern einen Vorteil verschafft haben, die mit ihren Federn der Gravitation am meisten Widerstand entgegenzusetzen hatten. Oder aber – das wäre ein anderes Bild: Es hat bei Sauriern angefangen, die schnell gerannt sind und zwischendurch größere Sprünge gemacht haben. Auch da kann man sich vorstellen, dass bestimmte Federformen größere Sprünge ermöglicht haben. Auch so kann man sich einen Fortschritt zu immer flugfreundlicheren Federn vorstellen. Erklärbar ist es also. Aber wie es genau war, wird man vielleicht nie wissen.

  9. Abgeklemmt – Signalübertragung unterbrochen Das Einschlafen von Händen oder Füßen beruht in den meisten Fällen darauf, dass ein Nerv abgeklemmt ist. Dann nämlich ist die Signalübertragung unterbrochen. Die Reize aus der Hand oder dem Fuß kommen nicht mehr im Gehirn an. Oder sie kommen nur bruchstückhaft an. Dann spürt man dieses unangenehme Kribbeln – aber natürlich kribbelt da nichts wirklich, es fühlt sich nur so an. Das ist analog dem Rauschen bei einer schlechten Handy-Verbindung – da rauscht es ja auch nicht wirklich am Ende der Leitung, aber durch die gestörte Verbindung kommt es so an. Wie können Nerven abgeklemmt werden? Das kann verschiedene Gründe haben; wenn zum Beispiel das entsprechende Gelenk abgeknickt ist. Sitzt man längere Zeit im Schneidersitz, tritt das häufiger auf. Bei manchen Leuten passiert das auch, wenn sie zu enge Schuhe tragen. Da hilft dann im Zweifel, die Schnürsenkel zu lösen oder die Schuhe auszuziehen. Häufig kommt so etwas auch von Deformationen an der Wirbelsäule. Zum Beispiel von einem Bandscheibenvorfall. Wenn die Bandscheibe zwischen den Wirbeln herausgestülpt ist, drückt sie auf die Nervenbahnen, die hinter dem Wirbel verlaufen und die Verbindung vom Bein oder vom Arm zum Gehirn darstellen. Das heißt: Ein taubes Gefühl in den Füßen kann auf einen Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich zurückgehen. Bei einem tauben Gefühl in Schultern und Armen wiederum ist die Ursache eher im Hals- und Brustwirbelbereich zu suchen. Ist das auch auf schlechte Durchblutung zurückzuführen? Das kann indirekt auch mal sein. Denn die Nervenzellen werden ja auch von den Blutgefäßen versorgt. An vielen Stellen des Körpers verlaufen Nervenbahnen und Blutgefäße parallel – so ähnlich wie man in einem Haus für Telefonkabel und Stromkabel die gleichen Leerrohre nutzt. Wenn aber Adern und Nerven parallel verlaufen, kann es passieren, dass wenn der Nervenstrang abgeklemmt ist, die benachbarten Blutgefäße gleich mit abgedrückt werden. Das führt dann dazu, dass die Nervenbahnen noch schlechter mit Blut versorgt sind und dann erst recht nicht mehr funktionieren. So was erkennt man dann daran, dass die entsprechenden Gliedmaßen ganz weiß und schlecht durchblutet sind. Im Extremfall ist es dann so – das haben manche Leute in der Nacht – dass man zum Beispiel die Hand nicht nur nicht spürt, sondern auch nicht mehr bewegen kann, weil auch die motorischen Nerven betroffen sind.

  10. Wind: Summe aus "wahrem Wind" und Flugwind Ein Flugzeug, das sich mit 800 km/h und mehr durch die Lüfte bewegt, erfährt einen entsprechenden Flugwind. Wie kann ein Fühler am Flugzeug da die äußere Windgeschwindigkeit – den "wahren Wind" messen, der ja viel kleiner ist? Tatsächlich misst ein Windsensor immer nur den "scheinbaren Wind" – die Summe aus "wahrem Wind" und Fahrtwind. Um diesen "scheinbaren Wind" zu messen, sind an der Flugzeugnase sogenannte Staudruckrohre angebracht – das sind Rohre mit Messfühlern am Ende, die den Druck messen, der beim Fliegen auf das Flugzeug wirkt. Dieser Druck verrät die Kraft des scheinbaren Windes. Fluggeschwindigkeit wird mithilfe von GPS ermittelt Auch ein Messfühler, den man am Flugzeug anbringt, kann immer nur den scheinbaren Wind messen, und der wird im Flugzeug vor allem durch den Flugwind von z.B. 800 km/h bestimmt. Trotzdem bekommt man im Flugzeug zum Beispiel mitgeteilt: "Flughöhe: 10.000 Meter, Windgeschwindigkeit: 50 km/h". Dieser Wert lässt sich nur über Umwege errechnen. Und zwar, indem man genau umgekehrt vorgeht: Man ermittelt den scheinbaren Wind und zieht von dem wiederum die Fluggeschwindigkeit ab. Die Differenz zwischen relativer Bewegung durch die Luft und absoluter Bewegung über Grund (auch wieder nach dem Prinzip des Kräfteparallelogramms, nur umgekehrt) entspricht dem Wind, der am Ort des Geschehens tatsächlich weht. Hinter einer scheinbar lapidaren Anzeige “Windgeschwindigkeit 50 km/h” steckt also eine ziemlich aufwändige Rechnerei.

  11. 04.03.2026
    1 min

    Das Wort ist eigentlich eine Täuschung, denn anatomisch gesehen bricht gar nichts. Es geht auch nichts kaputt, es reißt nichts. Das Einzige, was bricht, ist der Klang. Je länger die Saite, desto tiefer der Ton Was aber passiert nun beim Stimmbruch? Das sind vor allem zwei Dinge: Der Kehlkopf wird in der Pubertät länger und die Stimmlippen wachsen. Die Stimmlippen, das ist das, was schwingt, was den Ton erzeugt. Die wachsen und gehen bei den Jungs auf die doppelte Länge. Und da gelten die gleichen physikalischen Gesetze wie bei einer Gitarren-Saite: Je länger die Saite, bzw. der schwingende Teil der Saite, desto tiefer der Ton. Und wenn die Saite doppelt so lang wird, dann sinkt der Ton um eine Oktave. Das in etwa passiert bei den Jungs. Stimmlippen wachsen nicht gleichmäßig Dummerweise wachsen die beiden Stimmlippen meist nicht gleichmäßig und nicht gleichzeitig. Dadurch kommt es manchmal zu diesem Krächzen oder den plötzlichen Tonwechseln zwischen piepender Kinderstimme und mehr oder weniger sonorer Jugendstimme. Bei den Mädchen übrigens werden die Stimmlippen auch länger, aber nur um etwa 30 Prozent – und deshalb sinkt die Stimme im Schnitt auch nur um eine Terz.

  12. Weiße Eier haben keine Pigmente Das ist eigentlich ganz einfach: Braune Eier haben verschiedene Pigmente, weiße Eier haben keine Pigmente. Eierschalen bestehen hauptsächlich aus Kalk. Kalk ist weiß – das ist die Grundfarbe der Eier. Ob ein Huhn weiße oder pigmentierte Eier legt, ist ausschließlich eine Frage der Gene und damit eine Frage der Hühnerrasse. Faustregel: braune Hühner legen braune Eier, weiße Hühner weiße Eier Als Faustregel stimmt tatsächlich das, was man oft hört, nämlich dass braune Hühner braune Eier und weiße Hühner weiße Eier legen. Es ist nicht durchgehend so; es gibt auch braune Hühner, die weiße Eier legen und umgekehrt. Aber als Faustregel kann man das so stehen lassen. "Wildhuhn" legte gelblich-braune Eier All diese Rassen wiederum sind Zuchtrassen. Das ursprüngliche „Wildhuhn“ hat wie viele Vögel leicht gelblich-braune Eier. Im Lauf der Haustierhaltung wurden dann die Hühner wahlweise auf weiße oder braune Eier hin gezüchtet. Wenn Sie also ein weißes Ei haben, stammt das wahrscheinlich von einem Leghorn-Huhn. Das ist eine Züchtung, die ursprünglich aus Italien kommt. Wenn Sie ein braunes Ei haben, stammt das in der Regel von einer anderen Rasse – da gibt’s verschiedene, die braun pigmentierte Eier legen. Die Eier bekommen ihre Farbe dabei erst sehr spät: Die Entstehung eines Eis im Hühnerleib dauert etwa 24 Stunden, aber erst in den letzten 5 Stunden vor der Ablage bekommt es die Pigmente. Braune Eier sind nicht gesünder Braune Eier sind nicht gesünder und schmecken auch nicht anders. Es ist ein reiner Farbunterschied. Nur sind die braunen Eierschalen etwas dicker und härter. Und sie werden gern verkauft, denn eine Zeit lang, bis in die 1970er-/1980er-Jahre, gab es auf dem Markt fast nur weiße Eier. Etwa zeitgleich mit dem Aufkommen der Bio-Bewegung kamen dann die braunen Eier in Mode. Deswegen ist noch heute bei vielen Verbrauchern die Assoziation da: braun = natürlich = Bio. Aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

  13. Physikalisch ist ein Körper geladen, wenn er, vereinfacht gesagt, mehr positive Ladung als negative Ladung hat – oder umgekehrt. Normalerweise sind Atome elektrisch neutral, sie haben genauso viele Protonen – also positive Teilchen – wie Elektronen. Die Protonen sind im Inneren des Atoms, die Elektronen in der Hülle. Warum wir gerade im Winter oft elektrisch aufgeladen sind Nehmen wir aber jetzt an, Sie haben im Auto einen Kunststoffbezug, auf dem Sie die ganze Zeit reiben. Oder ein anderes Beispiel: Sie kämmen Ihre Haare mit einem Plastikkamm. Oder, was im Winter oft passiert: Beim Anziehen eines Fleece-Pullovers oder einer Fleece-Jacke sind die Haare auch elektrisch aufgeladen. Dabei passiert Folgendes: Durch die Reibung werden an der Oberfläche der Haare Elektronen weggerieben und heften sich an die Kunstfasern der Stoffe. An den Haaren bleiben nur die positiven Teilchen zurückbleiben – damit sind wir positiv aufgeladen. Und wenn wir dann zum Beispiel aus dem Auto aussteigen und den Türgriff anfassen, kommt es zu einer plötzlichen Entladung. Wir spüren das in Form eines kleinen Stromschlags. Warum die Haare zu Berge stehen Wenn sich wiederum die Haare aufladen, stehen sie "zu Berge". Denn: Es ist dann jedes einzelne Haar positiv aufgeladen. Und positive Ladungen stoßen einander ab. Das heißt, jedes Haar sucht von seinem Nachbarn den größtmöglichen Abstand. Der ist dann erreicht, wenn sich die Haare weitestmöglich von der Kopfhaut wegstrecken. Schädlich ist das nicht Es ist nicht schädlich. Aber wenn Sie wissen wollen, was man dagegen machen könnte: Beim Auto zum Beispiel gibt es einen Trick: Bevor Sie die Tür aufmachen, sollten Sie zuerst etwas Metallisches anfassen und dann erst den Fuß auf den Boden setzen. Das soll helfen.

  14. Guckt man ins Internet, dann findet man etliche Nutzer, die davon berichten, dass Spinnen wieder aus dem Staubsauger rausgekrabbelt sind. Andere behaupten, das könne gar nicht sein, weil es die Tiere im Staubsaugerschlauch zerreißt bzw. sie spätestens im Staubsaugerbeutel ersticken, weil der viele Staub dort die Atemwege der Spinnen – die Tracheen – verstopft. Mit 100 km/h gegen die Wand Das sind natürlich alles Mutmaßungen von Internetnutzern. Ich habe deswegen bei führenden Staubsaugerherstellern angerufen. Die Antwort war: Im Regelfall werden die Spinnen tatsächlich beim Einsaugen getötet, und zwar vor allem aufgrund der hohen Geschwindigkeiten. Beim normalen Staubsaugen, also mit 1.000 bis 2.000 Watt, fliegen die Tiere mit einer Geschwindigkeit von 100 bis 140 Stundenkilometer durch den Schlauch. Der Schlauch ist gekrümmt und hört irgendwo auf. Das heißt, die Tiere prallen mit einer Geschwindigkeit von über 100 km/h an eine Wand, und das dürften sie kaum überleben. Es sei denn, man saugt vielleicht mal mit ganz kleiner Leistung einen Vorhang ab, an dem eine Spinne dranhängt. Aber bei den normalen Leistungen stehen die Chancen für die Spinnen eher schlecht. Hygieneventil vereitelt jede Chance für die Spinne Neuere Staubsauger haben heute ein Hygieneventil am Ende des Schlauchs. Das heißt, selbst wenn die Spinne oder das Insekt lebend in den Staubsaugerbeutel hineinkommt, kommt sie nicht wieder raus.

  15. Wenn man keine Motoren und keine elektrischen Pumpen hat, braucht man, um eine Fontäne anzulegen, vor allem eines: ein ordentliches Gefälle, also eine Höhendifferenz, sodass das Wasser von irgendwo oben runterrauscht. Und man braucht die entsprechenden Rohre, mit denen das Wasser kanalisiert und unter Druck gesetzt werden kann, sodass es mit ordentlicher Power aus dem Fontänenrohr spritzt. Wilhelmshöhe: Wasser in Höhenlagen in Becken sammeln Das zu lösende Hauptproblem ist also: Wie bekomme ich das Wasser in die Höhe? Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: In ersten Fall ist das Wasser schon oben und man muss es nur runterplätschern lassen – das kann man sehr schön im Schlosspark Wilhelmshöhe in Kassel sehen mit der großen Fontäne. Die Fontäne ist 52 Meter hoch, die höchste natürliche Fontäne Europas, angelegt im 18. Jahrhundert. Wie funktioniert’s? – Der ganze Schlosspark ist an den Hängen des Habichtswalds angelegt. Oben, auf den Höhen des Habichtswalds, befinden sich große Sammelbecken. Dort wird das Wasser über speziell angelegte Kanäle hingeleitet. Die Sammelbecken fassen 40.000 Kubikmeter Wasser. Zu bestimmten Zeiten wird das Wasser ins Tal gelassen – über die Wasserspiele bis zum Fontänenteich. Versailles: Wasserkraft nutzen und Wasser in die Höhe pumpen Wenn man allerdings kein natürliches Gefälle hat wie in Kassel, muss man zur zweiten Variante greifen und das Wasser zunächst auf eine Höhe pumpen. Auch das geht ohne Strom, die Techniken dafür gab’s schon bei den alten Römern. Man kann mithilfe von Wasserkraft Wasserräder betreiben, die das Wasser in die entsprechende Höhe pumpen. Das eindrücklichste Beispiel hierfür wiederum ist Versailles. Da hat sich der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. einen Mordsaufwand geleistet – und das im Jahr 1682. Er hat an der Seine ein wasserkraftbetriebenes Wasserhebewerk errichtet, bestehend aus 14 großen Wasserrädern, die das Wasser über mehrere Stufen auf eine Höhe von 160 Metern befördert haben. Das war ein gigantischer Aufwand, Wälder wurden gerodet, tausende von Kilometern Rohre verbaut. Fast 2.000 Arbeiter haben fünf Jahre lang daran gearbeitet. Und das alles, damit vor Schloss Versailles das Wasser in die Höhe schießt.

  16. Verschwörungstheorie, die sich seit Jahren hält Nein, stimmt nicht. Es ist eine Verschwörungstheorie, die sich seit Jahren hält: Die "bösen Amerikaner" sprühen, damit sie an ihrer Klimapolitik nichts ändern müssen, stattdessen Metalle in die Atmosphäre, sodass die die Sonnenstrahlen reflektieren und sich das Klima auf diese Weise wieder abkühlt ... Man kann mehrere Wege gehen, um das zu überprüfen. Zunächst kann man fragen: Wenn sie das tatsächlich seit Jahren tun würden: Hat es was gebracht? Die Antwort lautet ganz klar: nein! Es kommt heute eher mehr Sonnenstrahlung auf der Erde an als vor zehn Jahren. Man kann außerdem Messungen vornehmen – also die Zusammensetzung der Luft hinter Flugzeugen messen. So was wird standardmäßig immer wieder gemacht. Auch da hat noch niemand erhöhte Aluminium-Konzentrationen nachweisen können. Man kann Experten fragen, die sich damit beschäftigen. Alle sagen – ob Umweltbundesamt, das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt oder der deutsche Wetterdienst: Das ist Blödsinn. Die Kondensstreifen sehen heute noch genauso aus wie vor 30 Jahren. Zwar sehr unterschiedlich, mal kurz und schmal, mal breit und ausfransend, aber das hängt immer von der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und den Windverhältnissen ab. Es kommen aber im Prinzip heute keine Varianten vor, die es früher nicht auch schon gegeben hätte. Urban legend Es ist also eine Verschwörungstheorie. Verschwörungstheoretiker nehmen irgendwelche Halbwahrheiten, die sie aufschnappen, und rühren sich damit ihren eigenen Brei. Wetter kurzfristig beeinflussen – um etwa schweren Hagel zu verhindern Das einzige, was es tatsächlich gibt, aber überhaupt nicht geheim ist, sind Aktionen, um kurzfristig das Wetter zu beeinflussen. Also nicht das langfristige Klima, sondern nur das Wetter. So was machen zum einen die Russen und die Chinesen gern bei Großereignissen – bei der Eröffnung der Olympischen Spiele etwa. Da sind vorher Flieger unterwegs, die künstlichen Regen herbeiführen, damit der Himmel zum Ereignis schön blau ist. Die versprühen aber kein Barium oder Aluminium, sondern Silberjodid, um damit die Kondensation in den Wolken zu beschleunigen. Das gilt in der ausgebrachten Menge als gesundheitlich unbedenklich und hat auch nichts mit Klimaveränderung zu tun, sondern beeinflusst – wenn überhaupt, denn schon das ist wenig belegt – lediglich das kurzfristige Wetter. So was wird auch z.T. bei uns in Südwestdeutschland gemacht, im Stuttgarter Raum mit den sogenannten Hagelfliegern. Die sollen nicht für schönes Wetter sorgen, sondern vor allem größere Hagelschäden verhindern. Das ist überhaupt nicht geheim, sondern läuft ganz offiziell; wir haben darüber auch schon berichtet. Verwschwörungsmythen auf Realisierbarkeit und Plausibilität prüfen Bei solchen Verschwörungsgerüchten denke ich immer als erstes: Wie viele Leute müssten da eigentlich Bescheid wissen und vor allem dann auch dicht halten? Wenn man sich anschaut, welche Skandale bei uns auffliegen, in die vielleicht nur 5 bis 10 Menschen eingeweiht sind, weil irgendjemand doch Skrupel bekommt und was ausplaudert. Wenn man sich dann überlegt – wer müsste bei einer solchen Geheimoperation alles Bescheid wissen? Die komplette US-Regierung, die Spitze des Geheimdienstes, die Spezialabteilungen der Geheimdienste und all die Leute, die die Aktionen praktisch durchführen, die Piloten und Transporteure. Da kommt doch einiges zusammen.

  17. Es kommt darauf an, ob es sich um Süß- oder Salzwasserfische handelt. Wir wissen von uns selbst: Wenn wir Salzwasser trinken, können wir damit keinen Durst löschen und auch unseren Wasserbedarf nicht stillen, weil wir das ganze Salz wieder rausschwemmen müssen und allein dafür das ganze Wasser schon wieder aufbrauchen. Wie ist das nun mit den Fischen? Maul, Haut, Kiemen, Schleimhäute: Fisch tauscht ständig Wasser aus Ganz banal: Der große Unterschied zwischen uns und den Fischen ist, dass sie im Wasser leben. Das hat zur Folge, dass sie das Wasser nicht nur trinken können, sondern auch auf anderen Wegen aufnehmen. Das heißt, der Fisch als Organismus ist kein abgeschlossener Körper – wie eine Glasflasche, die wasserdicht im Wasser treibt – sondern der Fisch tauscht mit seiner Umgebung ständig Wasser aus. Zum Teil über die Haut, zum Teil über die Kiemen und Schleimhäute und zum Teil durch den Mund, indem er trinkt. Osmose: Wasser drängt zum Salz Aber genau da gibt’s einen Riesenunterschied zwischen Süßwasserfisch und Salzwasserfisch: Der Salzwasserfisch ist von Wasser umgeben, das salziger ist als seine eigene Körperflüssigkeit. Da passiert das Gleiche wie bei einer aufgeschnittenen Tomate, wenn man sie salzt: Sie verliert Wasser. Sie kennen vielleicht den Ausdruck Osmose, genau das passiert da. Osmose heißt: Es gibt eine dünne Membran, die nur Wasser durchlässt, aber keine Salze, weil die Salzmoleküle einfach zu groß sind. Wenn auf beiden Seiten dieser Membran Flüssigkeit ist – auf der einen Salzwasser, auf der anderen Süßwasser – dann drängt das Wasser in dieser Flüssigkeit zum Salz hin. Beim Meerwasserfisch bedeutet das, dass das Wasser vom Gewebe des Fischs ins Meer drängt. Das ist Osmose – ein komplizierter Prozess, aber wenn man an die gesalzene Tomate denkt, ist es das gleiche Prinzip: Das Wasser drängt zum Salz. Der Fisch würde also ständig Wasser verlieren. Mit anderen Worten: Würde er kein Wasser zu sich nehmen, würde er mitten im Meer austrocknen. Deshalb muss er trinken, trinken, trinken, um das ganze Wasser auszugleichen, das er verliert. Salzwasserfisch: Kiemen als Meerwasserentsalzungsanlage Aber das alleine reicht noch nicht, denn er braucht ja auch Wasser, um einen normalen Stoffwechsel in seinen Zellen aufrechtzuerhalten. Deshalb nimmt er zusätzlich Wasser über die Kiemen auf, denn seine Kiemen bestehen auch aus so einer Membran, also einer dünnen Haut, die nur Wasser durchlässt, aber keine Salze. Das heißt, über seine Kiemen atmet er nicht nur; die Kiemen sind gleichzeitig eine kleine Meerwasserentsalzungsanlage. Was über die Kiemen im Fisch ankommt, ist Süßwasser. So funktioniert der Salzwasserfisch. Es gibt ein paar Ausnahmen, aber das ist das grobe Prinzip. Süßwasserfisch muss nicht trinken Beim Süßwasserfisch ist es genau umgekehrt. Nehmen wir eine Forelle im Fluss: Da ist die Salzkonzentration im Fisch größer als die in der Umgebung. Wir erinnern uns: Das Wasser drängt immer dahin, wo es salziger ist – da drängt ständig Wasser aus dem Fluss oder dem See über die Haut in den Fisch hinein. Der Süßwasserfisch muss deshalb gar nichts mehr trinken – er trinkt tatsächlich nicht! Sondern er ist die ganze Zeit damit beschäftigt, das viele Wasser, das von allen Seiten über die Haut in ihn hineindrängt, auszuscheiden. Mit anderen Worten: Der Salzwasserfisch ist ein großer Trinker, der Süßwasserfisch ist ein großer Pinkler.

  18. Polyphenole und Sauerstoff reagieren an der beschädigten Stelle miteinander Wir kennen das: Wenn der Apfel ein bisschen braun wird, dann schmeckt der auch süß. Aber das Braune hat mit der Süße nichts zu tun. Das sind vielmehr zwei unterschiedliche Prozessen die hier eine Rolle spielen. Das habe ich mir erklären lassen von Reinhold Kahle von der Uni Hohenheim. Wenn der Apfel runterfällt, wird er beschädigt und die Zellen gehen kaputt. Dabei passiert Folgendes: In den Zellen sind bestimmte Substanzen, die heißen Polyphenole. Und in den Zwischenräumen zwischen den Zellen ist Sauerstoff drin. Das merkt man auch daran, dass ein Apfel schwimmt, wenn man ihn ins Wasser legt. Das liegt am Sauerstoff, der zwischen den Zellen eingelagert ist. Wenn diese Zellen kaputtgehen, reagieren die Polyphenole und der Sauerstoff miteinander. Dadurch sollen Schaderreger abgewehrt werden, die die Zellen befallen können. Und das, was Polyphenolen und dem Sauerstoff entsteht, oxidiert. Dadurch werden die Früchte an der Stelle braun. Gleicher Effekt: angeschnittener Apfel wird braun Auch ein angeschnittener Apfel wird braun. Allerdings kann es auch vorkommen, dass der Apfel innen braun wird, obwohl man außen nichts sieht und die Schale unbeschädigt ist. Süße entsteht durch eine Art Stressreaktion Das Süße ist eine Art Stressreaktion, im Grunde wie eine Wundheilungsreaktion. Der Apfel fängt an, mehr zu atmen. Beim Atmen wird Apfelsäure verbraucht, so wie bei unseren Zellen Zitronensäure. Wir kennen den Zitronensäurezyklus – das funktioniert beim Apfel durch die Apfelsäure. Wenn diese Fruchtsäure aufgebraucht wird, ist sozusagen die Mischung weniger sauer. Sprich: Sie ist mehr süß. Dadurch schmeckt der Apfel an dieser Stelle süßer. Es ist aber nicht mehr Zucker drin, sondern nur das Saure ist weg – und dadurch bleibt mehr Süße übrig.

  19. Kyrillisches Alphabet: auf dem Balkan für slawische Sprachen entwickelt Das kyrillische Alphabet ist bis auf ein paar Ausnahmen die Schrift, in der slawische Sprachen geschrieben werden – von Montenegro bis Russland. Sie wurde extra für diese Sprachen mit ihren Besonderheiten entwickelt, und sie hat ihre Wurzeln auf dem Balkan. Es ist unverkennbar, dass das kyrillische Alphabet Ähnlichkeiten mit dem griechischen hat, aber doch ganz anders ist. Es sind auch ein paar hebräische Schriftzeichen mit eingeflossen und dann gibt es für uns, die wir die lateinische Schrift gewohnt sind, so merkwürdige Buchstaben wie das kyrillische Я (gesprochen ähnlich wie ein deutsches j), das wie ein spiegelverkehrtes R aussieht. Kyrill von Saloniki ging auf Besonderheiten der slawischen Sprachen ein Im Namen "Kyrillisches Alphabet" steckt der Name Kyrill drin: Gemeint ist Kyrill von Saloniki. Das war im 9. Jahrhundert ein bedeutender Missionar. Geboren ist er in Thessaloniki, das heute zu Griechenland gehört. Damals war die Stadt die zweitgrößte im Byzantinischen Reich nach Konstantinopel. Kyrills Muttersprache war Griechisch, er studierte die klassischen Wissenschaften, aber auch viele weitere Sprachen wie Lateinisch, Gotisch und Hebräisch. Er hatte einen Bruder, Method. Die beiden Brüder reisten viel und missionierten. Sie trugen maßgeblich dazu bei, dass die slawischen Völker den christlichen Glauben annahmen; das war das Christentum in seiner griechisch-byzantinischen, also orthodoxen Prägung. In Cherson lernte Kyrill Hebräisch Eine seiner Reisen führte Kyrill ins Reich der Chasaren, dessen Oberschicht zum Judentum konvertiert war. Denn das Chasarenreich erstreckte sich über ein großes Gebiet nordöstlich des Schwarzen Meers, das heute teils zur Ukraine, teils zu Russland gehört. Geographisch war es in einer Zangenposition: Im Westen die byzantinischen Christen, im Süden der expandierende Islam, die Übernahme des Judentums war somit gleichbedeutend mit einem Neutralitätsstatus. Um sich auf seine Mission bei den jüdischen Chasaren vorzubereiten, begab sich Kyrill für mehrere Monate nach Cherson nördlich der Halbinsel Krim (eine der im Ukraine-Krieg 2022 am heftigsten umkämpften Städte) und lernte dort Hebräisch. Arbeit an einer neuen "slawischen" Schrift Nach seiner Rückkehr von den Chasaren (die er nicht bekehren konnte) kehrte er nach Konstantinopel zurück und widmete sich wieder verstärkt der Sprachwissenschaft. Kyrill erkannte, dass die slawischen Sprachen ein paar Eigentümlichkeiten haben, denen weder die griechische noch die lateinische Schrift gerecht wird. So erfand er eine neue. Er wollte aber auch den slawischen Völkern eine eigene Schrift schenken, um deren Besonderheit herauszustellen. Glagolitische Schrift war Vorläufer des kyrillischen Alphabets Diese Schrift war noch nicht das kyrillische Alphabet, wie es heute verwendet wird, sondern ein Vorläufer, die glagolitische Schrift. Die war sehr umfangreich, mit über 40 Buchstaben, teilweise recht verschnörkelt. Diese Schrift wurde zunächst in Teilen des Balkans verwendet bis hin nach Mähren, also ins heutige Tschechien und die Slowakei. Für die Entwicklung der glagolitischen Schrift verwendete Kyrill vor allem griechische Buchstaben. Wo er aber bei den slawischen Lauten nicht weiterkam, mischte er hebräische hinzu sowie einige aus den kaukasischen Schriftsystemen, dem georgischen und armenischen. Die glagolitische Schrift war die Grundlage für die eigentliche kyrillische Schrift, die nach heutigem Stand erst hundert Jahre später entstanden ist, lange nach Kyrills Tod, aber ebenfalls auf dem Balkan, vermutlich in Bulgarien. Das kyrillische Alphabet hat mehr griechische Buchstaben übernommen, aber auch eine ganze Reihe von Buchstaben aus dem glagolitischen Alphabet. Unter dem russischen Kaiser Peter dem Großen wurde die Schrift noch einmal reformiert und etwas vereinfacht. Und einzelne Länder haben dann auch ihrerseits eigene Varianten entwickelt. Diese Geschichte erklärt, warum das Alphabet so aussieht, wie es aussieht, warum es ans griechische erinnert, aber doch ganz anders ist, und warum sich bis heute in der kyrillischen Schrift Buchstaben finden, die aus dem hebräischen Alphabet stammen: nämlich das "Ze" (ц), das aus dem hebräischen "Zade" (צ) stammt oder das "Scha" (ш), das auf das hebräische Schin (ש) zurückgeht. Scheinbar "spiegelverkehrte" Buchstaben sind Zufall Als Westeuropäer fragt man sich auch manchmal, warum manche Buchstaben scheinbar spiegelverkehrt geschrieben werden. Aber das sind Zufälle. Zum Beispiel sieht das russische и (i) aus wie ein umgedrehtes N. Tatsächlich ist es aber im Grunde das alte griechische Eta (H), bei dem der Mittelbalken gekippt wurde. Und das Я, das wie ein spiegelverkehrtes großes R aussieht, hat mit unserem R überhaupt nichts zu tun. Es entstand vielmehr aus zwei altkyrillischen Buchstaben, bei denen ein I und ein A überlagert waren – sozusagen ein A mit drei Beinen. Diesen Buchstaben hat Peter der Große bei seiner Schriftreform vereinfacht zu dem Buchstaben, der für uns aussieht wie ein umgedrehtes R.

  20. Das ist eine ebenso alte wie scheinbar knifflige Frage. Früher kam auch noch der liebe Gott ins Spiel: Hat der erst ein Ei erschaffen, aus dem ein Huhn schlüpft? Oder erst ein Huhn, das ein Ei legt? Heute wissen wir, dass sich das Leben auf der Erde allmählich entwickelt hat, und Hühner sind ein Ergebnis der Evolution. Hühner sind Vögel, die Vögel wiederum haben sich aus den Dinosauriern entwickelt, die stammen von den Reptilien ab, die von den Amphibien und die wiederum von den Fischen. Eier gab es, bevor es Hühner gab Insofern könnte ich mir die Antwort leicht machen und sagen: Eier gab es in der Evolution schon viel früher als es Hühner gab. Denn schließlich haben auch die Dinosaurier schon Eier gelegt und vor ihnen die ersten Amphibien, sogar Fische legen ja Eier – wenn die auch keine feste Schale haben. Die Antwort ist einfach: Eier gab es lange, bevor es Hühner gab, nur waren das keine Hühnereier. Aber bei unserer Frage geht es ums Hünerei. Was also war zuerst da: Huhn oder Hühnerei? Auch hier lautet die Antwort: Das Ei. Das wird klarer, wenn ich die Frage umformuliere: Wer hat das Ei gelegt, aus dem das erste Huhn geschlüpft ist? Und dann sind wir doch wieder beim Huhn! Eben nicht! Wenn wir von "Hühnern" sprechen, ist das nur ein Name, den wir Menschen einer bestimmten Gruppe von Vögeln gegeben haben, die so und so aussehen und sich von anderen Vögeln unterscheiden. Hühnerähnliche Vorfahren: Wann ist ein Huhn ein Huhn? In Wirklichkeit haben die sich langsam entwickelt, es gab in diesem Sinne nie ein eindeutig erstes "Huhn", sondern das ist eine willkürliche Bezeichnung. Es gab Vorfahren, die den Hühnern schon ähnelten, aber noch etwas anders aussahen. Aber diese Ur-Hühner haben Kinder bekommen, diese Kinder haben wieder Kinder gezeugt und irgendwann, vor Urzeiten, hat eine Vogelmama mit einem Vogelpapa ein Küken gezeugt, das den heutigen Hühnern so ähnlich war, dass wir oder ein Vogelexperte vielleicht gesagt hätte: Ah, das ist jetzt das erste richtige Huhn! Mutter des ersten Huhns war noch kein Huhn Nun ist dieses erste Huhn logischerweise aus einem Ei geschlüpft, das seine Mutter gelegt hat, die gerade noch kein Huhn war. Jetzt ist die große Frage: War das nun ein Hühnerei oder nicht? Klare Antwort: Es war ein Hühnerei, denn dieses Ei entstand ja dadurch, dass das Vogelmännchen die Eizelle vom Vogelweibchen befruchtet hat. Im Ei reift ja schon das werdende Küken heran, und dieses Küken trägt bereits ein Hühnererbgut. Dieses Ei gehört, wenn man so will, zum Frühstadium des werdenden Huhns, also ist es ein Hühnerei. Und dieses erste Hühnerei existierte, bevor es das erste Huhn gab.