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- 10.01.20262 min
Milz-Theorie überzeugt nicht Das ist eine der Fragen, bei der die Wissenschaft heute weniger "schlau" ist als früher. Früher war die Sportmedizin überzeugt, dass die Milz schuld sei. Die Milz spielt eine wichtige Rolle im Blutkreislauf, sie speichert Blut, sie produziert und recycelt weiße Blutkörperchen. Deshalb hieß es früher: Wenn sich untrainierte Menschen verausgaben, brauchen die Muskeln mehr Blut, also quetscht die Milz ihre letzten Reserven aus, zieht sich zusammen – und das verursacht das schmerzende Stechen. Das Problem dieser Erklärung ist: Die Milz liegt links im Bauch, Seitenstechen kann aber auch von rechts kommen; da stimmt also irgendwas nicht. Falsches Atmen: Welche Rolle spielt das Zwerchfell beim Seitenstechen? Inzwischen fällt der Verdacht eher aufs Zwerchfell, aber was genau sollte es zum Stechen bringen? Hier gibt es verschiedene Theorien. Das Zwerchfell ist der wichtigste Atemmuskel und untrainierte Läufer atmen manchmal falsch; sie sind buchstäblich kurzatmig. Sie atmen schnell, achten vor allem aufs Einatmen, zu wenig aufs Ausatmen. Dadurch wird das Zwerchfell schlecht durchblutet, bekommt wenig Sauerstoff und verkrampft – auch das könnte das Seitenstechen verursachen. Zu viel essen oder trinken vor dem Sport beeinflusst ebenfalls das Zwerchfell Oder aber – auch die Theorie gibt es – es tut deshalb weh, weil das Zwerchfell von anderen Organen nach unten gezogen wird. Wer vor dem Sport zu viel isst oder trinkt, belastet unter Umständen die Leber, den Darm oder den Magen. "Belasten" ist in dem Fall wörtlich gemeint: Die Organe bekommen zu tun, werden schwerer. Weil sie aber über Muskelgewebe mit dem Zwerchfell verbunden sind, "reißen" sie es ein wenig nach unten, und auch das könnte Auslöser für das Seitenstechen sein – zumindest bei manchen Leuten.
- 09.01.20264 min
In 50.000 Jahren ist ein Tag eine Sekunde länger als heute Tatsächlich weiß man schon seit Längerem, dass die Erde im Lauf der Jahrmillionen sich immer langsamer um ihre eigene Achse dreht. Das geht allerdings so langsam, dass wir das in einem Menschenleben nicht zu spüren bekommen. Um mal die Größenordnung zu nennen: Innerhalb von 100 Jahren verlangsamt sich eine Erdumdrehung um etwa zwei Tausendstel Sekunden (genau sind es 1,7). Anders ausgedrückt: Wenn es so weitergeht, wird in 50.000 Jahren eine Erdumdrehung, also ein Tag, eine Sekunde länger dauern als heute. Das klingt nach nicht viel, aber es heißt natürlich auch, dass wenn man in Milliarden von Jahren rechnet – und die Erde ist ja fast 5 Milliarden Jahre alt – dass da schon etwas zusammenkommt. Wenn man annimmt, dass die Erdrotation gleichmäßig in dieser Größenordnung immer langsamer wird, käme man zum Ergebnis, dass der Tag in der Frühzeit der Erde nur 21 bis 22 Stunden gehabt hat. Und wahrscheinlich war das tatsächlich so. Geschwabbel an der Erdoberfläche: Einfluss der Gezeitenkräfte Dass sich die Erde immer langsamer dreht, liegt an den Gezeitenkräften. Also daran, dass wir zweimal am Tag Ebbe und Flut haben. Das führt dazu, dass die Erde durch die Anziehungskraft von Mond und Sonne ständig etwas ihre Form verändert. Das heißt, es bilden sich ständig Flutberge und Ebbetäler. Das erzeugt Reibung und ein allgemeines "Geschwabbel" an der Erdoberfläche. Dadurch wird die Rotation der Erde immer ein bisschen gebremst. Das ist der Haupteffekt. Diese Abbremsung erfolgt aber nicht gleichmäßig, denn es kommen andere Kräfte ins Spiel. Zum Beispiel Eiszeiten. Wir hatten ja in den letzten 3 Millionen Jahren mehrere Eiszeiten. Eiszeit heißt immer, dass Wasser aus den Weltmeeren verschwindet und sich in Form von Eis und Gletschern auf die Kontinente niederschlägt, vor allem in den Polarregionen. Das heißt bei jedem Wechsel von Eis- zu Warmzeit wird in großem Umfang Masse auf der Erdobefläche umverteilt; auch so etwas beeinflusst die Eigendrehung. Antike Aufzeichnungen über Sonnenfinsternisse helfen bei Rekonstruktion Heute kann man das mit Atomuhren und genauer Himmelsbeobachtung ermitteln, aber das sagt ja nur etwas über die Veränderungen heute aus. Es gibt aber noch ein paar andere interessante Hinweise. Die Leute früher konnten die Zeit nicht so genau messen. Aber das mussten sie auch gar nicht. Sie haben Aufzeichnungen geführt über Sonnenfinsternisse. Eine Sonnenfinsternis ist ein fantastisches Spektakel. Wir können uns das heute erklären, der Mond schiebt sich vor die Sonne. Aber für die Menschen in der Antike war das ein unglaublicher Vorgang. Vor allem wenn es sich um eine totale Sonnenfinsternis handelt. Solche Ereignisse haben sie in ihren Chroniken festgehalten. Das Schöne ist nun: Die Astronomen können auch heute genau ausrechnen, wann an welcher Stelle der Erde eine totale Sonnenfinsternis stattfinden wird oder stattgefunden hat. Und sie können das mit den alten Aufzeichnungen vergleichen. Es gibt zum Beispiel eine totale Sonnenfinsternis im Jahr 136 v. Christus. Im Kernschatten dieser Sonnenfinsternis lag die Stadt Babylon. Dort gibt es auch Aufzeichnungen darüber. Aber wenn man rein astronomisch rechnet und davon ausgeht, dass die Erdentage heute und damals immer gleich lang gewesen wären, hätte diese Sonnenfinsternis nicht in Babylon zu sehen sein dürfen, sondern in Spanien. War sie aber nicht. Das liegt daran, dass sich die Erdrotation seitdem verlangsamt hat; der Zeitunterschied zwischen Babylon und Spanien beträgt etwa 3 Stunden. Vor 2000 Jahren war der einzelne Tag 4 Hundertstel Sekunden kürzer als heute. Wenn wir 2000 Jahre zurückgehen, dann sind das über 700.000 Tage – und auch wenn jeder dieser Tage nur Bruchteile einer Sekunde kürzer war, dann hat sich über die letzten 2000 Jahre doch vieles aufsummiert. Solche antiken Quellen sind ein Hinweis, dass sich die Rotation verlangsamt hat. Und sie bestätigen auf diese Weise die heutigen astronomischen Messungen.
Innerhalb Deutschlands ist es eher umgekehrt – wir haben hier ein Süd-Nord-Gefälle. Anders ist es in Italien, wo der Norden reicher ist als der Süden. Ein generelles Nord-Süd-Gefälle gibt es auch innerhalb Europas. Bessere Bedingungen für Landwirtschaft in gemäßigten Breiten Allerdings herrschten vor 2.000 Jahren – zur Zeit des römischen Reiches – umgekehrte Verhältnisse. Man kann also nicht sagen, dass es ein Naturgesetz gäbe, wonach nördliche Regionen immer reicher wären als südliche. Im Einzelfall spielen vielfach historische Entwicklungen eine Rolle. So war früher die Landwirtschaft ein entscheidender Wohlstandsfaktor — hierür herrschen in den gemäßigten Breiten einfach die besseren Bedingungen als in den Tropen. Die Böden und die Niederschlagsverhältnisse sind besser. Wir haben zwar auch immer wieder Trockenperioden, leiden aber längst nicht unter Dürreproblemen wie südlichere Länder das tun. Allerdings war das Mittelmeergebiet in der Antike grüner als heute – bis die Römer ihre Wälder abgeholzt haben, die bis heute nicht nachgewachsen sind. Aber die Frage nach Arm und Reich kann man sicher nicht nur auf solche naturräumlichen Einflüsse zurückführen. Kolonialgeschichte und Industrialisierung spielen eine Rolle Der Unterschied zwischen den reichen Industrieländern und den Entwicklungsländern lässt sich einerseits auf die Kolonialgeschichte zurückführen, andererseits auf die Industrialisierung. Aber auch damit verschiebt man die Suche nach der Ursache nur in die Vergangenheit, denn es bleibt ja die Frage: Warum gingen Kolonialisierung und Industrialisierung vom Norden aus? Warum die Europäer die Welt kolonisieren konnten An dieser Stelle kommt eine Theorie ins Spiel, die von dem US-Geographen Jared Diamond stammt. 1997 erschien sein Buch "Arm und Reich", im Englischen "Guns, germs and steel" – also Waffen, Krankheitserreger und Stahl. Darin stellt er die einfache Frage: Warum haben einst die Europäer den Rest der Welt kolonisiert und nicht umgekehrt? Seine Erklärung geht zurück bis in den Beginn der Landwirtschaft vor 10.000 Jahren in Vorderasien. Dass die Landwirtschaft dort ihren Anfang nahm und nicht sonst wo, hatte klare Gründe, denn dort herrschten Bedingungen wie nirgends sonst auf der Welt: Es gab eine gewisse Anzahl an domestizierbaren Pflanzen – was wir heute als Getreide bezeichnen – und domestizierbaren Tieren. Weil der eurasische Kontinent eine Ost-West-Achse hat, und weil es – anders als in Amerika – in Ost-West-Richtung keine großen Gebirgsbarrieren gibt, verlaufen auch die Klimazonen in Eurasien in Ost-West-Richtung, also konnte sich die Landwirtschaft leicht ausbreiten. Und damit auch alles, was mit ihr zusammenhing, denn die Landwirtschaft hatte ja Folgen: Sie war ja zugleich der Beginn komplexer Gesellschaften, in denen es so etwas wie Arbeitsteilung gab, Spezialisierungen. Und die Landwirtschaft führte zu weiteren technischen Innovationen: Töpfe aus Keramik, Pflüge und andere Spezial-Werkzeuge aus Metall wurden erfunden – und die Metallverarbeitung führte natürlich auch zu effizienten Waffen. Ein anderer, eher unbeabsichtigter Effekt der Landwirtschaft und der Tierhaltung waren die Krankheitserreger, die sich dort entwickeln konnten. Diese Krankheitserreger forderten natürlich viele Todesopfer, aber im Lauf der Jahrtausende wurden die Menschen in Europa dadurch auch gegen viele Erreger immun. Als sie sich dann aber anschickten, in der Frühen Neuzeit den Rest der Welt zu erobern, brachten sie viele Erreger auch in die Neue Welt. Es ist bekannt, dass die Indianer in Amerika nicht nur durch die Waffen der Europäer dezimiert wurden, sondern vor allem durch die Krankheitserreger. Natürlich kann man die Geschichte nicht nur dadurch erklären. Aber zumindest das grobe Muster der Menschheitsgeschichte – das letztlich bis heute nachwirkt. Ein Kollege von Diamond, Laurence Smith, tätig am gleichen Institut in Los Angeles, führt den Gedanken nun fort und sagt: Durch den Klimawandel werden die nördlichen Regionen, die bisher noch etwas abseits des Weltgeschehens standen – Kanada, Skandinavien, der Norden Russlands – in den nächsten Jahrzehnten einen großen Boom erleben, was natürlich den Begriff "reicher Norden" weiter am Leben halten würde.
Im Capsaicin steckt die Schärfe Scharfes Essen kann tatsächlich zu einem leichten Anstieg der Körpertemperatur führen. Die chemische Verbindung, die Chilis und anderen Paprikagewächsen ihre Schärfe verleiht, ist Capsaicin. Schon kleine Mengen machen viel aus: Würde man ein Gramm Capsaicin in 10.000 Liter Wasser verteilen, könnte man die Schärfe immer noch schmecken. Und je mehr drin ist, desto schärfer wird es. Diese Capsaicin-Moleküle docken genau an jene Nervenrezeptoren im Mundraum an, die uns normalerweise melden, wenn wir uns verletzt oder verbrannt haben. Nervenrezeptoren melden "Feuer" Man könnte also sagen: Capsaicin täuscht eine Brandwunde vor, deshalb "brennt" es im Rachen. Der Körper reagiert daraufhin so, wie er auf Wunden reagiert: Er steigert die Durchblutung und erweitert die Blutgefäße. Dadurch steigt die Körpertemperatur – und um den Anstieg in Grenzen zu halten, leitet der Körper gleich die Gegenmaßnahme ein: Er fängt an zu schwitzen. Denn wenn der Schweiß auf der Haut verdunstet, wird dem Körper Wärme entzogen. Scharfe Speisen in tropischen Ländern: schwitzen kühlt! Manchmal wundert man sich ja, dass scharfe Speisen ausgerechnet in tropischen Ländern Tradition haben, wo es doch schon heiß genug ist – Indien, Indonesien, Mexiko. Die Erklärung könnte aber genau darin liegen: Das scharfe Essen wirkt zwar kurzfristig schweißtreibend, hat aber – über den ersten Hitzemoment hinaus – auch eine kühlende Funktion. Aufgrund dieser Zusammenhänge ist es kein Zufall, dass im Englischen das Wort "hot" sowohl "heiß" als auch "scharf" bedeutet. Im Deutschen kennen wir interessanterweise auch "heiß" als Synonym für "scharf" – aber bekanntlich mehr in Zusammenhang mit menschlichem Balzverhalten … Es handelt sich allerdings auch hier jeweils um eine Lehnübersetzung aus dem Englischen "hot", das ebenfalls in diesem Kontext gebraucht wird.
- 07.01.20261 min
Das kenne ich selbst von meinem Vater, der Seemann war und die ganze Welt umsegelt hat. Und der wusste auch genau dieses Problem. Also auf hoher See, da muss man natürlich immer auf Gott vertrauen, weil man in solcher Gefahr ist. Und das hat man verglichen mit dem Gericht. Der normale Mensch, der ist ja da auch völlig verloren. Der kennt sich nicht aus, fühlt sich in lauter Fallstricke gefangen. Und es gibt ein schönes Sprichwort, das heißt vor Gericht braucht man drei Säcke. Einen mit Papier, einen mit Geld und einen mit Geduld.
Aufzucht der Jungen kostet im Frühjahr viel Energie Auf alle Fälle haben Vögel mehr Hunger, weil sie unter Umständen jetzt Junge betreuen müssen und nicht mehr viel Zeit übrig haben. So ein Weibchen oder auch ein Männchen, je nach Arbeitsteilung, muss den größten Teil des Tages auf dem Gelege zubringen, dem Gelege Wärme spenden, das heißt Energie, von ihren 42°C. Das kostet mehr Energie, das ist klar. Was ist ein guter Ort, um Vögel zu füttern? Ich habe im Winter Meisenknödel rausgehängt, die wurden gar nicht angenommen. Und ich glaube, dass da auch die Umgebung eine Rolle spielt. Das heißt, wenn die frei hängen und frei zugänglich sind für die Meise, aber unter Umständen auch für den Sperber, dann mögen die nicht über längere Strecken dort hin fliegen. Vögel vermeiden solche gefährlichen Flugstrecken, wo sie hin- und herfliegen. Besonders, wenn der Sperber schon ein paar Mal gekommen ist; sie gehen da dann unter Umständen nicht dran. Mehr Deckung und Gebüsch kann helfen. Wenn es irgendwo etwas Tolles gibt mit viel Weichfutter und Haferflocken oder die Nachbarn vielleicht einen Moment früher angefangen haben zu füttern, dann sind die Vögel dahin gebunden, wenn sie leichten Zugang haben.
Katastrophe: verhängnisvolle Sternenkonstellation In beiden Wörtern stecken die Sterne drin, lateinisch Astra. Eine Katastrophe ist ein folgenschweres Unglück, etwas, was nach landläufiger Vorstellung über uns hereinbricht ober aber durch menschliches Versagen ausgelöst wird. Früher wurde die Verantwortung dafür den Sternen zugeschrieben, genauer: den Planeten. Man glaubte, dass sie die Erde umkreisen und dabei manchmal eine verhängnisvolle Konstellation einnehmen, bei der eine bestimmte Umdrehung (griechisch καταστροφή) auf die irdischen Verhältnisse so einwirkt, dass sie sich im Positiven oder Negativen verändern. Schon in der Antike waren die Menschen überzeugt, so wie der Mond Ebbe und Flut auslöst, so würden auch die Planeten den Lauf der Ereignisse bestimmen. Diese Vorstellungen herrschten schon in Mesopotamien und hielten sich bis in die Neuzeit. 1932 gab es ein schweres Erdbeben in Indien. Damals wurde unter Wissenschaftlern noch diskutiert, ob das durch eine bestimmte Sternenkonstellation ausgelöst wurde. Desaster: ein "Unstern" Beim Wort Desaster ist es ganz ähnlich. Auch das hat seinen Ursprung in der frühen Astrologie. Das Wort "disastro" geht auf die Vorstellung zurück, dass eine ungünstige Sternenkonstellation – in der Übersetzung also ein "Unstern", ein "Desaster" – einen negativen Einfluss auf irdische Verhältnisse ausübt.
- 29.12.20252 min
Denaturierung im Fonduetopf Das kann leider immer passieren. Der Käse besteht im Wesentlichen aus Kaseinen; die Kaseine haben eine gewisse Denaturierungstemperatur. Beim Käse oder Rohmilchkäse sind die Kaseine noch nicht denaturiert. Aber sie denaturieren, wenn es ihnen im Fonduetopf zu warm wird. Dann trennt sich das Fett von den Eiweißen. Ein bisschen Schnaps senkt die Temperatur Deswegen geben Sie immer ein bisschen Schnaps dazu, weil der Alkohol bei 78 Grad Celsius verdampft. Das heißt, dass die Temperatur nicht ganz so schnell so hoch steigt. Sie können sich immer helfen, wenn Sie ein bisschen Schnaps nachgießen, weil der Alkohol verdunstet und damit die Temperatur wieder etwas gesenkt wird. Trennung von Fett und Kasein beginnt bei 138 °C Die kritische Temperatur im Fonduekessel liegt bei 138 bis 140 °C. Da beginnt diese Trennung von Fett und Kasein; diese Temperatur sollten Sie nicht erreichen. Allerdings passiert das an der Wand und am Boden sehr schnell. Deswegen müssen Sie gut umrühren und immer wieder mit etwas Alkohol nachhelfen – dann müsste es eigentlich klappen. Ansonsten hilft es, die Temperatur etwas zu reduzieren. Also immer mal das Stövchen niedriger setzen oder den Topf vom Feuer nehmen.
- 28.12.20253 min
Kaminkehrer sorgt für Sicherheit, macht mit rußigem Gesicht aber auch Angst Früher hatten die Leute ein sehr ambivalentes Verhältnis zum Schornsteinfeger. Einerseits bringt er ja faktisch Glück: Er reinigt den Kamin und sorgt dadurch dafür, dass den Hausbewohnern keine Rußbrände, Gasvergiftungen oder Hausbrände drohen. Aber er war halt auch schwarz. Und das muss auf viele Leute furchteinflößend gewirkt haben. Früher glaubten die Leute noch an den Teufel, und da konnte ja schon der Verdacht aufkommen, dieser schwarze Mann könnte mit dem Satan im Bund stecken. Der Schornstein als geheimnisvoller Ort Außerdem war der Schornstein ein geheimnisvoller Ort. Noch heute erzählt man Kindern, dass der Nikolaus durch den Schornstein kommt. Und in Gruselgeschichten gehen die Gespenster durch die Kamine ein- und aus oder hausen dort. Das sind zwar aus heutiger Sicht harmlose Geschichten. Sie gehen aber darauf zurück, dass der Kamin in früheren Zeiten ein dunkler Ort war. Daher war er dafür prädestiniert, dass man dort etwas hineingeheimnissen konnte. Dunklen Ort von Ruß und bösen Geistern reinigen Aus all diesen Gründen war der Schornsteinfeger immer eine Respektsperson. Blöd wäre aber gewesen, wenn die Leute so viel Angst vor diesem schwarzen Mann gehabt hätten, dass sie ihn gar nicht mehr in ihre Wohnungen gelassen hätten. Dann hätten am Ende Häuser gebrannt und Menschen wären in ihren Feuerabgasen erstickt. Insofern hatte das Gerücht, dass Schornsteinfeger Glück bringen, schon Vorteile. Und so erzählten sich die Leute, dass der Schornsteinfeger Glück bringt, weil er in diesen Kamin, diesen dunklen Ort vordringt und ihn von potenziell bösen Geistern reinigt. Und weil er – wenn er wirklich mit dem Teufel in Kontakt steht – mit dessen Hilfe sogar andere Geister bannen könnte. Ob jemand dieses Gerücht absichtlich in die Welt gesetzt hat, um die Leute zu beruhigen und um die Akzeptanz gegenüber dem Schornsteinfeger zu steigern – das ist nicht überliefert. Genauso gut ist möglich, dass das irgendwann einfach mal aufkam und sich dann verselbständigt hat. Schornsteinfeger bringt Glück fürs neue Jahr Der Schornsteinfeger ist auch eine "Neujahrs-Figur": Er taucht zum Jahreswechsel als Kuchen-Dekoration oder aus Marzipan geformt auf. Ein Zusammenhang besteht darin, dass früher der Schornsteinfeger traditionell an Neujahr herum ging und seine Jahresrechnung vorlegte – und bei der Gelegenheit natürlich gleich eine der ersten Personen war, die einem im neuen Jahr begegneten. Insofern war es aus praktischen Gründen gut zu glauben, dass er Glück bringt. Denn hätte er als Unheilsbote gegolten, wäre er als Neujahrsbesucher sicher nicht so willkommen gewesen.
Auffallend: nur Finger schrumpeln – Rest des Körpers bleibt glatt Auffallend ist ja, was alles nicht schrumpelt: Die Haut am Rest des Körpers – den Armen, den Beinen, dem Rücken – bleibt im Wasser glatt. Aber die Finger und die Zehen schrumpeln, werden wellig. Über die Gründe gibt es verschiedene Ansichten. Die Standard-Lehrmeinung besagt: Das Schrumpeln geschieht passiv: Die Hornhautzellen können viel Wasser aufnehmen und quellen dadurch. Der tiefere Grund ist: Die Hornhautzellen sind zwar biologisch abgestorben, aber sie enthalten noch relativ viele Salze – Wasser strebt, wenn es kann, immer Richtung Salz nach dem Prinzip der Osmose. Also dringt Wasser in die Zellen und die quellen auf. Warum bildet sich ein Wellenmuster – die Haut könnten ja einfach dicker werden? Das liegt unter anderem daran, dass wir praktisch überall dort, wo sich viel Hornhaut bildet, auch Papillarlinien haben – die dünnen Rillen, die unseren Fingerabdruck ausmachen. Die gibt es auch an den Zehen. Überall, wo wir diese Papillarlinien haben, sind die oberen Hautschichten eng mit der Unterhaut verbunden. Sie kann sich somit nicht einfach frei ausdehnen. Deshalb schlägt sie, wenn sie aufquillt, dieses Wellenmuster. Das ist jedenfalls die Standarderklärung. Im Jahr 2011 kamen aber US-Forscher noch mit einer anderen möglichen Erklärung. Sie sagen: Das Schrumpeln ist vielleicht doch ein Vorgang, an dem der Körper aktiv beteiligt ist. Der evolutionäre Sinn könnte sein, dass, wenn die Hände nass sind, ein Gegenstand, den man mit schrumpeligen Fingern hält, nicht so leicht aus der Hand rutscht. Die Furchen im Schrumpelfinger hätten somit die gleiche Funktion wie die Rillen in einem Autoreifen. Wären die Finger nass und trotzdem glatt, wäre immer ein Wasserfilm zwischen Haut und Gegenstand – der würde leicht aus der Hand rutschen. Die Schrumpelfinger dagegen geben der Hand zusätzlich "Profil" und bewirken, dass das überschüssige Wasser abfließen kann – jedenfalls hat der Neurowissenschaftler Mark Changizi diese Möglichkeit ins Spiel gebracht. Belege für die "Rutsch-Stop-Theorie" Mark Changizi belegt seine Theorie mit zwei Indizien. Das eine ist ein uralter wissenschaftlicher Aufsatz, der ihn überhaupt erst auf den Gedanken gebracht hat. Viele Forschungen aus früheren Jahrzehnten geraten ja völlig in Vergessenheit, wenn sie nicht weiter verfolgt werden. Und so hat Changizi einen Artikel aus den 1930ern entdeckt, in dem schon mal jemand festgestellt hat, dass Finger nicht schrumpeln, wenn Nerven, die in die Fingerspitze führen, beschädigt oder durchtrennt sind. Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass das Schrumpeln zumindest auch durch Nervenimpulse ausgelöst wird und nicht nur eine passive Quellreaktion auf das Eindringen von Wasser ist. Zweiter Hinweis: Bei allen Menschen ähnelt sich das Schrumpeln mehr oder weniger. Es entsteht kein wirres zufälliges Muster, wie man es vielleicht bei einem rein passiven physikalischen Vorgang erwarten würde, sondern es entstehen immer relativ gerade Furchen, die von der Fingerspitze wegführen. Genau dieses Muster wäre zur "Entwässerung" der Finger auch besonders effektiv. Auch das wäre also eine interessante Erklärung, auch wenn sie noch nicht bewiesen ist. Vielleicht kommt ja auch beides zusammen, in dem Sinn, dass der Körper das Schrumpeln zwar aktiv steuert, dass aber trotzdem das eindringende Wasser erst die Voraussetzungen schafft, dass er das überhaupt kann.
- 26.12.20252 min
Spiegelneuronen zeigen beim "Betrachten" eines Vorgangs Aktivität Spiegelneuronen sind bestimmte Gehirnstrukturen, die man zumindest bei Affen und Menschen finden kann. Die zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht nur aktiv sind, wenn man selbst eine bestimmte Tätigkeit ausführt, sondern auch wenn man sieht, wie es jemand anderes tut. Mir selbst ging es zum Beispiel als Schüler immer so, wenn wir im Sportunterricht Hochsprung gemacht haben: Immer wenn einer vor mir in der Reihe abgesprungen ist, hat’s auch in meinem Bein gezuckt und ich musste mich beherrschen, dass mein Bein nicht auch abhebt. Als dann diese Spiegelneuronen entdeckt wurden, hatte ich endlich eine Erklärung, warum das so ist. Und auf ähnliche Weise bewirken Spiegelneuronen offenbar, dass wenn wir jemanden Gähnen sehen unser Gehirn sozusagen denkt: "Stimmt eigentlich, danach ist mir auch gerade" – und einen entsprechenden Impuls sendet. Spiegelneuronen bilden Geisteszustände des Gegenübers ab Diese Spiegelneuronen sind ja nicht nur bei Bewegungen aktiv, sondern sie werden heute auch für ein wesentliches Merkmal des menschlichen Geistes verantwortlich gemach: Wir können uns in andere einfühlen und aus Gesichtern lesen. Und wir können Schlüsse ziehen aus der Art, wie jemand spricht, aus der Stimme. Daraus können wir ablesen, wie es anderen geht. Das können wir, weil die Spiegelneuronen die Geisteszustände des Gegenübers in gewisser Weise abbilden. Vor einigen Jahren haben britische Forscher Experimente gemacht. Sie haben zum Beispiel in einen Warteraum Testpersonen gesetzt. Jemand aus dem Forschungsteam setzte sich incognito dazu und hat demonstrativ lange und ausgiebig gegähnt. Die Forscher haben beobachtet, wer anfängt mitzugähnen und wer nicht. Dann haben sie mit den gleichen Testpersonen hinterher einen psychologischen Test gemacht, bei dem die Fähigkeit getestet wurde, wie gut sich jemand in den Gemütszustand eines anderen hinein versetzen kann. Das Ergebnis: Die Leute, die sich vom Gähnen eines Mitmenschen besonders anstecken lassen, haben auch hohe Empathiewerte. Sie besitzen also ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen. Und umgekehrt waren die Leute, die im psychologischen Test ein schlechtes Einfühlungsvermögen gezeigt haben, relativ immun gegen die Gähn-Attacken, ließen sich also nicht anstecken.
- 25.12.20253 min
Dicht am Geschehen: Gänsehaut durch Nahaufnahmen und wörtliche Rede Mindestens die Hälfte der Menschen kennt Gänsehaut, wenn sie bestimmte Musik hört. Häufig setzt die Gänsehaut ein, wenn der Refrain beginnt oder die Musik auf einen Höhepunkt zusteuert. Aber Menschen bekommen auch Gänsehaut bei Filmen. Und zwar bei ganz bestimmten Stellen, sagt Eugen Wassiliwizky. Er erforscht solche Gänsehautmomente am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt: "Wenn Sie eine Gänsehaut haben in einem Film, dann wird in diesen Momenten überproportional häufig ein Close-up verwendet, also eine nahe Distanz von der Kamera zum Gesicht des Schauspielers. Das kann man objektiv messen." Menschen bekommen Gänsehaut sogar bei Gedichten, und auch da sind es wieder ganz bestimmte Momente. Eugen Wassiliwizky: "Was wir erkennen ist, dass die Gänsehautmomente sich häufen zum Ende von Zeilen, zum Ende von Strophen und zum Ende des ganzen Gedichts." In manchen Gedichten, etwa bei Balladen, kommt auch wörtliche Rede vor. Auch diese Stellen gehören zu den typischen Gänsehaut-Momenten. Eugen Wassiliwizky: "Wenn in einer Ballade eine Person zu einer anderen spricht, ist es viel wahrscheinlicher, dass Sie in diesen wörtlichen Redeabschnitten Gänsehaut erleben werden als in den narrativen-deskriptiven Teilen der Ballade." Gänsehaut als Schutzmechanismus Doch warum bekommen Menschen bei Musik, Gedichten oder Filmen überhaupt Gänsehaut? Eigentlich hat Gänsehaut ja eine Schutzfunktion: Sie bewahrt uns vor Kälte, indem sie die kleinen Muskeln an den Haaransätzen aktiviert und gleichzeitig dafür sorgt, dass sich die Haare aufstellen und ein isolierendes Luftpolster bilden. Aber warum bei Musik, bei Gedichten, bei emotionalen Momenten? Eugen Wassiliwizky: "Eine Idee ist, dass es ein bestimmter Schutzmechanismus ist. Es ist ja ein Schutzmechanismus für den Körper. Der Körper aktiviert ihn, auch wenn er sich bedroht fühlt emotional. Deswegen auch unser Credo, dass bei der Gänsehaut irgendeine Art von negativer Emotion enthalten sein muss, damit sie in Gang gesetzt wird." Bedrohung oder Abschied vom Gewohnten Anders gesagt: Gänsehautmomente entstehen auch bei Filmen, Musik oder Gedichten an Stellen, die sich durch eine besondere Spannung auszeichnen, wo eben nicht alles schön und gut ist, sondern wo auch negative Emotionen mit hineinspielen, die dann besonders bewegend sind. Vielleicht eine Bedrohung oder ein Konflikt oder ein großer Moment, in dem etwas Neues beginnt, was aber mit dem Abschied von etwas Altem verbunden ist. Auch wenn solche Momente schön sind, kann es diese negativen Begleitemotionen geben, auf die der Körper dann mit Gänsehaut reagiert, so die Vermutung. Doch so ganz ist das Phänomen bis heute nicht verstanden.
- 24.12.20255 min
Kein Volk bezeichnete sich als "Germanen" Das Bild von den "alten Germanen" als den Ur-Deutschen ist aus mehreren Gründen schief. Erstmal gab es nie ein Volk, das sich selbst als "die Germanen" bezeichnet hat. Das Wort war eine Fremdbezeichnung der Römer für verschiedene Stämme in dem Gebiet nördlich der Alpen und östlich des Rheins, erklärt der Frankfurter Historiker Andreas Fahrmeir: Die Germanen waren es aus der Wahrnehmung der Römer, die sich allerdings auch bewusst sind, dass es ganz viele verschiedene Gruppen gibt, die in dem, was sie Germanien nennen, siedelten. Es gibt aber nicht eine einheitliche Volksgruppe, die sich als Germanen verstehen würde. Quelle: Andreas Fahrmeir, Historiker Mit den "Germanen" verhält es sich also ein wenig wie mit den "Indianern" – beides sind kollektive Fremdbezeichnungen, die von außen auf Völker übergestülpt werden, die sich selbst nicht gar als eine gemeinsame Einheit betrachtet haben. Gründungsmythos Varusschlacht Das, was die Römer Germanien nannte, hätte Kaiser Augustus sich gerne einverleibt, doch seine Legionen wurden im Jahr 9 n. Chr. in der berühmten Varusschlacht von dem Cherusker Arminius und seinen Verbündeten geschlagen. Sehr viel später wurde dieses Ereignis zu einer Art deutschem Gründungsmythos verklärt. Auch das zu Unrecht, denn das war kein gesamtgermanischer Befreiungsschlag gegen die Römer, sondern ein regional begrenzter Aufstand. Arminius, im Deutschen auch Hermann genannt, kämpfte nicht für die Germanen, die es in ihrer Gesamtheit ja gar nicht gab, sondern nur als Cherusker; das war einer von vielen Stämmen. "Germania" – Schrift des römischen Geschichtsschreibers Tacitus Es war der römische Historiker Tacitus, der dieses Ereignis festgehalten und auch ein Buch mit dem Titel "Germania" geschrieben hat. – Dieses Buch ist, allerdings erst Jahrhunderte später, der Anlass, die Germanen als die ursprünglichen Deutschen zu betrachten. "Die Vorstellung kommt im 15. Jahrhundert auf", sagt Fahrmeir – also fast anderthalb tausend Jahre nach der der Varusschlacht – "als Tacitus' Text wiederentdeckt wird und in der Diskussion über den Wert von Kulturen in Europa die Germanen als Stellvertreter für die Deutschen aufkommen und in der Konkurrenz zu Italien und Frankreich diskutiert werden." Völkerwanderung: Teil der Stämme sucht sich neue Heimat Die Gleichsetzung der alten germanischen Stämme mit den späteren Deutschen scheitert noch aus einem anderen Grund: Denn nach dem Zerfall des römischen Reichs gab es noch die sogenannte Völkerwanderung. Und mindestens ein Teil der Stämme, die zwischen Alpen und Nord- und Ostsee lebten, haben sich eine neue Heimat gesucht. Franken zogen nach Westen, Angeln und Sachsen auf die britischen Inseln, Westgoten nach Spanien, Ostgoten Richtung Schwarzes Meer. Wobei es heute eher als fraglich gilt, dass wirklich ganze Völker gewandert sind: Wie groß diese Gruppen sind, ist in der Forschung nicht so klar. Das heißt, es kann sein, dass nur ganz wenige Personen wirklich wandern, aber dass das zur Veränderung von Ortsnamen, zur Veränderung von Sprachen, zur Veränderung von kulturellen Gewohnheiten führt, die dann in der rückblickenden Erklärung als Wanderung eines ganz großen Bevölkerungszuges gedeutet werden. Quelle: Andreas Fahrmeir, Historiker Wort "deutsch" kommt in der Zeit des Heiligen Römischen Reichs auf Das Wort "deutsch" kommt erst Jahrhunderte später auf, in der Zeit des Heiligen Römischen Reichs. Ursprünglich hieß es "theodiscus", was so viel bedeutete wie "volkstümlich" oder "zum Volk gehörig". Der Begriff tauchte zur Zeit Karls des Großen auf, also um das Jahr 800, ohne schon konkret eine deutsche Sprache zu meinen. Er bedeutet aber einfach nur: Eine Sprache des Volks, nicht: Die Sprache deutsch, sondern einfach eine Sprache, die nicht Latein ist. Quelle: Andreas Fahrmeir, Historiker Erst nachdem das Reich Karls des Großen zerfiel, wurde "deutsch" zur Bezeichnung für die Art von Sprache, die das Volk eben im Ostfränkischen Reich vor allem sprach – und das war ja nur eine von vielen germanischen Sprachen, eben eine westgermanische Sprache im Unterschied etwa zu den nordgermanischen, wie sie in Skandinavien gesprochen werden. Doch das Reich hieß noch immer "Heiliges Römisches Reich". Die Bewohner lebten noch lange nicht im Bewusstsein, dass sie "Deutsche" wären. Bis überhaupt das Heilige Römische Reich den Zusatz "Deutscher Nation" bekam, dauert es bis Ende des 15. Jahrhunderts. Es bedeutet nicht, dass das Reich auf Deutsch verwaltet würde, die Verwaltungssprache bleibt lange Latein. Große Teile des östlichen Frankreichs gehören damals auch zu diesem Reich – Burgund etwa, Norditalien. – Insofern ist das Reich von der Konzeption her alles andere als deutsch. Quelle: Andreas Fahrmeir, Historiker Ab dem 19. Jahrhundert: Nation und Identität Bis zum Selbstverständnis einer gemeinsamen deutschen Identität vergingen noch Jahrhunderte. Erst im 19. Jahrhundert mit dem "Deutschen Bund" und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 wurde Deutsch-Sein wirklich zu einem prägenden Teil des Identitätsgefühls seiner Bewohner.
- 24.12.20251 min
Borborygmus ist normal Das Magenknurren – medizinisch auch Borborygmus genannt – ist etwas ganz Normales. Denn der Magen arbeitet "blind" – er weiß nicht, ob er gerade etwas zu verdauen hat oder ob er leer ist, er schafft einfach immer weiter, das heißt, er zieht sich ständig zusammen und versucht, Nahrung in den Darm zu schieben. Luft wird in den Darm gedrückt Solange der Magen gut gefüllt ist, gibt es auch keine Geräusche. Sobald aber der Magen seine Mahlzeit bewältigt hat, ist er leer. Weil er aber weiter arbeitet und kein Essen mehr hat, was er umherschieben kann, wirbelt er nur noch Luft herum, Luft in Verbindung mit Magensäften. Das eigentliche Geräusch entsteht am Ende des Magens, am Übergang zum Darm. Das ist nur eine enge Öffnung. Wenn da der Magen versucht, Luft hineinzupressen, passiert ähnliches wie bei einem Dudelsack oder wie bei einem Luftballon, wenn man die Luft langsam herauslässt: Es gibt ein Geräusch. Und das hören wir von außen als Knurren.
- 23.12.20253 min
Goldene Äpfel vom Nikolaus Weihnachten war ursprünglich kein primäres Schenkfest. Die Hauptgeschenke wurden in unseren Regionen am Nikolaustag gemacht. Nikolaus ist der klassische Schenkheilige. Über ihn gibt es eine sehr frühe Legende, wonach er drei Jungfrauen beschenkt hat, die nicht standesgemäß heiraten konnten. Er hat ihnen daher drei goldene Äpfel, Goldklumpen, geschenkt. Damit waren sie "saniert" und die große Not war abgewendet. Martin Luther und der Heilige Christ Martin Luther sagte dann, dass nicht der Heilige Nikolaus im Vordergrund stehen sollte, sondern Christus selbst. Daher hat er in Konkurrenz dazu den "Heiligen Christ" betont, der dann auch seine Geschenke gebracht hat. So haben wir heute zwei Schenktermine und beschenken uns sowohl an Nikolaus als auch an Weihnachten. Dezember oder Januar, morgens oder abends: Geschenke werden gern gesehen In Südeuropa schenkt man erst an Dreikönig. In Italien z.B. kommt die Befana, eine gutmütige Hexengestalt, und bringt die Geschenke nach der Jahreswende, am 6. Januar. In Deutschland ist die Bescherung am 24. Dezember gegen 17 oder 18 Uhr. In anderen Ländern am Morgen des 25. Dezember. Nikolaus schenkt abends, weil die Legende besagt, dass er nachts gekommen sei und heimlich, als die drei Jungfrauen schliefen, seine Geschenke aufs Bett gelegt habe. Deshalb kommt der Nikolaus bis heute bei Eintritt der Dunkelheit. In manchen Gegenden Europas tritt er dagegen gar nicht wirklich in Erscheinung, sondern wirft seine Gaben in den Kamin oder legt sie in die Schuhe. Das übertrug sich später auf das Christkind. Das kommt auch erst am Abend. Tradition am Vorabend großer Feste: Vigil Dahinter steckt aber noch eine andere Tradition, nämlich dass man bei großen Festen eine Vigil gefeiert hat, einen Vorabend. So haben wir das in der Osternacht, aber auch in der Heiligen Nacht. Und am Vigiltermin hat man bereits geschenkt. Wo man diese Vigil nicht so wörtlich nimmt, wird am Tag selbst geschenkt – in diesem Fall also am Morgen des 25. Dezember.
- 23.12.20254 min
Menschen wurden musikalisch, als sie in Gruppen lebten Ich tanze, um dem Weibe näherzukommen. Quelle: Helmut Kohl Auch losgelöst von Altkanzler Kohl ist die Evolution des Tanzens ein interessantes Phänomen. Dass wir uns zu Rhythmen, mit denen wir beschallt werden, passend bewegen – das ist etwas zutiefst Menschliches: Kein Tier macht das! Und es führt zu der Frage, warum der Mensch überhaupt Musik macht. Wenn man das in der Evolution zurückverfolgt, spricht vieles dafür, dass die frühen Menschen in dem Moment musikalisch wurden, als sie angefangen haben, in Gruppen zu leben. Das war vor ungefähr zwei Millionen Jahren. Erst der Rhythmus, dann die Melodie Musik und Tanz stellen zunächst eine Form der Kommunikation dar. Nicht in dem Sinn, dass man jemandem etwas mitteilt, sondern gemeinsames Musizieren und Tanzen ist etwas, was Menschen verbindet – auf einer sehr tiefen, nicht-sprachlichen Ebene. Nun kann man vielleicht vor 2 Millionen Jahren noch nicht von Musizieren sprechen, denn damals gab es noch keine Musikinstrumente, höchstens haben die Leute Stöcke gegeneinander geschlagen. Sie haben also vermutlich Rhythmen erzeugt, bevor sie in der Lage waren – abgesehen von der Stimme – Melodien zu produzieren. Die gemeinsamen rhythmischen Bewegungen haben das Gemeinschaftsgefühl betont. Hat das Tanzen mit dem Leben in der Gruppe zu tun und dient nicht der Annäherung an das andere Geschlecht? Doch, das ist auch möglich; dazu gibt es eine etwas speziellere Theorie. Die sagt: Das Tanzen und das Rhythmusgefühl haben sich als Qualitätsmerkmal in der sexuellen Selektion entwickelt. Nicht in dem Sinn, dass das Tanzen dazu dient, einen Partner oder eine Partnerin anzubaggern, sondern die Theorie sagt: Gute Tänzer demonstrieren über ihre Körperkontrolle und ihr Rhythmusgefühl ihre körperliche Gesundheit. Um diese Theorie zu untermauern, gab es eine Untersuchung bei Jugendlichen auf Jamaika. 183 Teenager wurden beim Tanzen gefilmt. Anschließend sollten sie anonymisiert gegenseitig ihre Tanzqualitäten beurteilen. Es stellte sich heraus, dass vor allem diejenigen Jungs, die von den Mädchen als die besten Tänzer beurteilt wurden, auch den symmetrischsten Körperbau hatten. Symmetrischer Körperbau als Zeichen für Gesundheit? Aus anderen Studien weiß man, dass Menschen mit symmetrischem Körperbau allgemein als gesünder und auch als attraktiver wahrgenommen werden. So haben damals die Wissenschaftler geschlussfolgert: Beim Tanzen können die Männer den Frauen zeigen, dass sie gesund und somit in der Lage sind, gesunde Nachkommen zu zeugen und für sie zu sorgen. Das mag alles plausibel klingen, aber diese Zusammenhänge lassen sich nur schwer beweisen. Also: Tanz und Musik haben auf jeden Fall zunächst ein Kommunikationsbedürfnis gestillt. Ob das primär die Kommunikation in der großen Gruppe war oder bei der Partnersuche, lässt sich heute schwer sagen, vielleicht war’s auch schon immer beides. Es kommt ja auch ein bisschen auf die Musik an ...
- 15.12.20253 min
Eulen nach Athen tragen Historisch lässt sich das klar auf die griechische Mythologie zurückführen. Die Eule war das Begleittier der Göttin Athene. Athene war nicht nur Schutzgöttin der Stadt Athen, sondern auch die Göttin der Weisheit. Auf den alten griechischen Silbermünzen war deshalb auf der einen Seite ein Bild der Athene eingeprägt, auf der anderen das einer Eule. Und von diesen Münzen waren in Athen ziemlich viele in Umlauf. Daher die Redewendung "Eulen nach Athen tragen" als Ausdruck für einen überflüssigen Vorgang – weil es in Athen schon so viele Eulen in Form von Münzen und Statuen gab. Ruhiges Tier mit melancholisch-abgeklärtem Blick Trotzdem stellt natürlich die Frage, warum die Eule – und nicht ein Esel oder eine Eidechse? Etwas muss die Eule an sich gehabt haben, was es nahelegte, ausgerechnet sie mit der Weisheitsgöttin in Verbindung zu bringen. Vermutlich war dieses Tier eine gute Projektionsfläche: Die Eule mit ihrem ruhigen, beobachtenden, melancholisch-abgeklärten Blick wirkt nun mal weiser als eine Möwe oder ein Moorhuhn. Homer beschreibt Göttin Athene als "eulenäugig" Hinzu kam, dass die Göttin Athene von Homer als "eulenäugig" beschrieben wird, wobei sich die Gelehrten nicht ganz einig sind, was Homer damit sagen wollte: ob Athene einfach schöne große Augen hat? Oder ob sie Dinge sieht, die sich im Dunklen abspielen? Auch das hat ja im übertragenen Sinn etwas mit Weisheit zu tun: Dinge sehen, die andere nicht sehen, weil sie sich im Dunklen, im Verborgenen abspielen. Komischer Kauz: Eulen gelten nicht überall auf der Welt als weise Eulen mit Weisheit in Verbindung zu bringen, ist eine griechische Besonderheit. Denken wir nur an unsere eigene Sprache. Zu den Eulen gehört ja auch der Kauz. Die Eulenart, die mit der Athene in Verbindung gebracht wird, ist streng genommen der Steinkauz. Im Deutschen bezeichnet man als Kauz aber eher einen etwas eigenwilligen spinnerten Sonderling – nicht gerade der Inbegriff der Weisheit. Euro: noch immer werden "Eulen nach Athen" getragen Letztlich sind das ohnehin alles Projektionen, denn rein zoologisch betrachtet sind Eulen auch nicht intelligenter als die meisten anderen Vögel. Aber Mythen sind ja recht langlebig. Als der Euro eingeführt wurde, haben die Griechen ihre 1-Euro-Münzen wie in der Antike mit dem alten Motiv der Eule versehen. Der finanz- und haushaltspolitischen Weisheit hat das, wie wir wissen, nichts genützt. Deshalb – Ironie der Geschichte – tragen wir ja heute "Euro nach Athen", und damit indirekt auch wieder Eulen; zumindest wenn es sich um griechische Euro-Münzen handelt.
- 14.12.20253 min
Man hat ein Gefäß mit warmem Wasser und ein Gefäß mit der gleichen Menge kälteren Wassers, stellt das im Winter auf die Terrasse und siehe da: Das Wasser, das am Anfang wärmer war, gefriert schneller. Das klingt verwirrend, weil man ja denkt: Dem warmen Wasser muss doch mehr Energie entzogen werden, es hat auf dem Weg zum Gefrierpunkt sozusagen einen längeren Weg vor sich als das kalte. Wie kann das sein? Der wichtigste Effekt ist die Verdunstung Wenn wir ein Glas mit kaltem Wasser und eins mit warmem Wasser ins Kalte stellen, sieht man über dem warmen viel mehr Dampf als über dem kalten. Also noch mal die Situation: Man hat zwei Gefäße, eins mit wärmerem und eins mit kälterem Wasser. Wenn die auf der Terrasse stehen, ist nach einer Weile aus dem warmen Gefäß mehr Wasser verdampft als aus dem kalten. Das heißt, wir haben nach einer Weile immer noch zwei Gefäße, nur dass vom warmen Wasser weniger übrig ist. Wenn aber vom warmen Wasser weniger übrig ist, ist damit ja auch weniger Wasser da, das abgekühlt werden muss. Folglich geht das schneller. Auf diese Weise kann sozusagen das warme Wasser das kalte Wasser beim Abkühlen "überholen". Mpemba-Effekt wird bei der Herstellung von Speiseeis eingesetzt Es gibt noch ein paar andere Effekte, die mit reinspielen können, die Verdunstung ist aber der wichtigste. Man sieht aber auch: Es hängt an den Ausgangsbedingungen. Es kommt also darauf an, bei welchen Temperaturen der Versuch startet, wie viel Wasser in den Gefäßen ist, wie groß die Verdunstungsfläche im Verhältnis zum Volumen ist, wie groß die Außentemperatur ist. Es sind nur ganz spezielle Bedingungen, bei denen dieser Effekt eintritt. Dieser Effekt heißt übrigens Mpemba-Effekt – benannt nach dem tansanischen Wissenschaftler Erasto Mpemba, der den Effekt 1963 entdeckt und bei der Herstellung von Speiseeis eingesetzt hat.
Unverhofft kommt oft Über diese Redewendung wundern sich nicht nur junge Menschen, sondern auch solche ohne christliche Erziehung. Sie heißt soviel wie "Unverhofft kommt oft" oder "etwas ohne sein Zutun bekommen". Viel diskutierte Theorie: Befruchtung durchs Ohr Die übliche Art, wie die Jungfrau zum Kind kommt, ist hier nicht gemeint, eher schon eine überraschende Art, beispielsweise die Befruchtung durchs Ohr. Tatsächlich gehörte diese Idee zu den viel diskutierten Theorien scholastischer Theologen vor etwa 1.000 Jahren. Sie versuchten damit, die geheimnisvolle Menschwerdung Christi zu erklären. Denn es geht in der Redensart nicht um irgendeine Jungfrau, sondern um die Mutter Jesu. Die Jungfrau, die noch mit keinem Mann zusammen gewesen war, nennt man medizinisch eine virgo intacta. Aber Maria musste, so dachten die Theologen, doch irgendwie den göttlichen Samen in ihre Gebärmutter bekommen haben. Die Scholastiker kamen unter anderem durch den Text des Johannes-Evangeliums "Das Wort ward Fleisch" auf eine Vermutung: Es waren die Ohren Mariens, durch welche die göttlichen Worte des Engels gekommen waren – und damit waren sie auch die Eingangspforte für die Befruchtung. Wie auch immer es technisch möglich wurde: Maria konnte im Brustton der Überzeugung sagen: "Das war wohl der Heilige Geist". Die Redensart hat heute eine ganz andere Bedeutung, nämlich eine vorwurfsvolle. Maria damals aber kam unschuldig, ohne Bemühung, ohne Erwartung und vollkommen überraschend zum Heiland: eben wie die Jungfrau zum Kinde. Jungfrauengeburt auch aus anderen Mythen bekannt Die Jungfrauengeburt kommt übrigens nicht nur im Christentum vor, sondern auch in anderen Mythen. Im Alltag dagegen bedeutete es oft großes Unglück, wenn eine Jungfrau plötzlich schwanger wurde. Ein beliebtes Sprichwort warnte trotzdem vor zu strikter Behütung: "Jungfrauen soll man nicht als Heiligtum einschließen, sonst tun sie Wunderzeichen, die man nicht gern verkündet."
Fette sind hydrophob In der Chemie würde man nicht von einer "Lösung" sprechen, denn anders als z.B. ein Salz, das sich im Wasser richtig auflöst, kann sich Fett nicht in Wasser lösen. Fette sind "hydrophob", das heißt, sie können mit Wasser keine Verbindung eingehen. Aber natürlich können sie sich vermischen. Man spricht dann von einer Emulsion. Emulsion: Energie beschleunigt den Prozess Tatsächlich geht das bei höheren Temperaturen leichter als bei niedrigen, weil dieser Vorgang, das Emulgieren, Energie braucht: Je höher die Temperatur, desto mehr Energie steht zur Verfügung, und desto schneller und effizienter läuft der Prozess ab. Eine Faustregel aus der Alltagschemie sagt: Steigt die Temperatur um 10 Grad Celsius, dann beschleunigt sich der chemische Prozess um mindestens das Doppelte. Man kann sich also ausrechnen, was es für einen Unterschied macht, ob man 15 Grad warmes Wasser nimmt oder 50 Grad warmes Wasser. Was wir als Temperatur fühlen, ist die Geschwindigkeit der Moleküle Man kann sich gut vorstellen, warum das so ist: Was wir als Temperatur fühlen, ist in Wirklichkeit die Geschwindigkeit der beteiligten Moleküle. Das heißt: Bei niedrigen Temperaturen bewegen sich die Moleküle langsam, bei hohen Temperaturen bewegen sie sich schnell. Und je schneller sich alle Moleküle bewegen, desto schneller vermischen sie sich auch. Das kann man sich wie einen Billardtisch vorstellen: Auf der einen Seite des Tisches liegen lauter schwarze Kugeln, auf der anderen Seite lauter weiße Kugeln. Die schwarzen sollen das Fett sein, die weißen das Wasser. Wenn ich jetzt anfange, am Tisch zu rütteln, vermischen sich die Kugeln irgendwie. Und je schneller ich rüttele, je schneller die sich also bewegen, desto schneller vermischen sie sich. Und so ist es auch auf der Molekülebene: Je schneller sich die Moleküle bewegen, desto eher vermischen sie sich. Fettmoleküle ziehen sich gegenseitig an Man kann die Analogie noch weiter treiben und sich vorstellen, dass die schwarzen Kugeln durch eine Art Magnetkraft zusammengehalten werden. Das heißt, sie ziehen sich gegenseitig an. So wie die Fettmoleküle auch. Dann haben es die weißen Kugeln relativ schwer, dazwischenzugehen, um die schwarzen Kugeln zu trennen; da brauchen sie schon eine bestimmte Mindestgeschwindigkeit. Übertragen auf die Butter kann man sich also vorstellen, dass das Wasser eine bestimmte Mindesttemperatur braucht, um sich zwischen die einzelnen Fett-Teilchen zu drängeln und sie davonzuspülen.



















