Archivradio – Geschichte im Original

SWR
1013
16.10.2026
Beschreibung
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog

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Episoden
  1. Erhöhung der Arbeitsnorm löst Streik aus Am 15. und 16. Juni 1953 treten in der ganzen DDR Arbeiter und Arbeiterinnen in den Streik und legen Baustellen und Betriebe lahm. Auslöser für ihren Protest ist die geplante Erhöhung der Arbeitsnorm durch die SED-Regierung. Kurz gesagt: Sie sollen mehr arbeiten, kriegen aber nicht mehr Lohn. Immer mehr Menschen solidarisieren sich mit den Streikenden. Am 17. Juni 1953 erreicht der Protest seinen Höhepunkt, Millionen Menschen sind landesweit auf den Straßen. Der Streik wird zum Volksaufstand. Die Volkspolizisten sind überfordert, Moskau schickt Soldaten. Am Mittag des 17. Juni 1953 ist die Lage unübersichtlich. Reporterin Dagmar Späth versucht, sich in Berlin einen Überblick zu verschaffen.

  2. 500.000 Menschen demonstrieren gegen NATO-Doppelbeschluss Unter dem Motto "Aufstehn! Für den Frieden" gehen am 10. Juni 1982 in Bonn eine halbe Millionen Menschen auf die Straße und protestieren gegen den NATO-Doppelbeschluss. Es ist die wohl berühmteste von mehreren großen Friedensdemonstrationen in der Geschichte der Bundesrepublik. Das breite Bündnis fordert eine entmilitarisierte Gesellschaft – darunter etliche Promis wie der Schriftsteller Heinrich Böll oder die Theologin Dorothee Sölle.

  3. Am 10. Juni 1982 demonstriert eine halbe Million Menschen in Bonn gegen den NATO-Doppelbeschluss und für eine neue Sicherheits- und Friedenspolitik. Zeitgleich treffen sich auf der anderen Rheinseite die 16 Regierungschefs der NATO-Mitgliedsstaaten. Gastgeber ist der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt.

  4. Der Wettlauf im Weltraum hielt die Welt in Atem. Erst ein gewaltiger Kraftakt brachte die USA zuerst auf den Mond. Eine Sensation - im deutschen Radio aber getrübt durch eine Panne. Christoph König im Gespräch mit Thomas Hillebrandt. (SWR 2019) | Mehr zur Sendung: http://swr.li/raumfahrt-geschichte | Wenn Ihr euch für den Weltraum interessiert, könnt Ihr direkt in eine neue SWR-Reihe reinhören! Ab dem 7. Juni präsentieren Isabella Hermann und Andreas Brandhorst, wie man sich vor fünfzig Jahren die Zukunft vorgestellt hat. Anhand der SDR-Reihen ‚Science-Fiction als Radiospiel‘ und ‚Phantastik aus Studio 13‘ der 1960er bis 1990er Jahre diskutieren sie, wie aktuell diese Zukunftsvisionen heute sind. Hört „Das war morgen“ in der ARD Audiothek: https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-war-morgen/12701131/ | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: wissen@swr2.de | Folgt uns auf Mastodon: https://ard.social/@SWR2Wissen

  5. Apollo 11 ist gelandet. Zu hören: Armstrongs Worte "That's one small step for a man, one giant leap for mankind." Die deutschen Moderatoren reden leider dazwischen. Erfüllung eines Menschheitstraums Die US-amerikanische Mondmission "Apollo 11" war nicht nur ein Erfolg im Wettlauf des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion, sondern auch die Erfüllung eines Menschheitstraums. Der erste Mann auf dem Mond Um 03.56 Uhr europäischer Zeit am 21.07.1969 betreten Neil Armstrong und nach ihm Edwin Aldrin als erste Menschen den Mond: "That’s one small step for man - one giant leap for mankind" – diese Worte von Armstrong gehen in die Geschichte ein. Schätzungen zufolge verfolgen 500 Millionen Menschen weltweit das amerikanische Abenteuer vor den Fernseh- und Radiogeräten. Houston, wie spät ist es? Kurios ist die Reportage des SWF: Genau zum Zeitpunkt der geschichtsträchtigen Worte Armstrongs vergewissert sich Reporter Franz Meindl in Baden-Baden bei Robert Röntgen in Houston nach der genauen Uhrzeit vor Ort.

  6. Die USA schreiben Raumfahrt-Geschichte. Am 16. Juli 1969 hebt die 3.000 Tonnen schwere Saturn-5-Rakete in Richtung Mond ab. Die Mission Apollo 11 hat begonnen. Die Medien sind dabei, als der Countdown startet.

  7. Der junge US-Präsident schwört die Nation auf den Wettlauf zum Mond ein Die Politik hat er bereits überzeugt, als er am 12. September 1962 an der Universität Rice seine berühmte Rede hält, in der er die Bevölkerung noch einmal für die ehrgeizigen Pläne zur Mondlandung gewinnen will. "Einige sagen, warum der Mond?" – sagt Kennedy. "Warum wählen wir ihn als unser Ziel? Und sie könnten genauso gut fragen, warum den höchsten Berg besteigen? Warum vor 35 Jahren den Atlantik überfliegen? Wir haben uns entschlossen, zum Mond zu fliegen. Wir haben uns entschlossen, noch in diesem Jahrzehnt zum Mond zu fliegen – nicht, weil es leicht ist, sondern weil es schwer ist."

  8. Wernher von Braun spricht über Raketentechnik und Politik im Kalten Krieg 1959 hielt er den folgenden Vortrag anlässlich der Internationalen Luftfahrtausstellung in Frankfurt. Zur Erinnerung: Die Sowjetunion hatte bereits ihre ersten Sputnik-Satelliten im All – und damit zu diesem Zeitpunkt im Weltraum die Nase vorn. Wernher von Braun spricht daher nicht nur über die technischen Aspekte der Raumfahrt, sondern auch über die politisch-militärischen in Zeiten des Kalten Kriegs. Das Rückgrat der Astronautik, so von Braun, bilde die Raketentechnik. Der Raketeningenieur nennt zunächst die frühen Pioniere der Raketentechnologie, wie Hermann Oberth und Rudolf Nebel. Für von Braun steht der Raketenbau vor einem "unausweichlichen Konflikt": Die Raketentechnik sei auf der einen Seite segensreich, auf der anderen Seite bringe sie auch den Tod. Es sei jedoch "unfair, Wissenschaftler und Ingenieure für die Gräuel moderner Kriege und die zeitgenössischen Krisen in dieser Welt verantwortlich machen zu wollen." Von Braun verteidigt den Nutzen der Raketenforschung mit den zivilen Errungenschaften, die dadurch möglich werden. Gleichzeitig rechtfertigt er aber auch die militärische Rüstung in Anbetracht des Kalten Krieges: "Sollen wir abwarten bis auf dem Mond die rote Fahne hoch geht? Soll die freie Welt wirklich ihre Bewaffnung veralten lassen, solange keine absolute Gewähr dafür besteht, dass auch jenseits des Eisernen Vorhangs alle Anstrengungen auf dem Gebiet der Entwicklung neuerer noch schlagkräftigerer Waffen eingestellt werden?" Die moralische Bürde, Waffen entwickelt zu haben, sei erst dann von den Wissenschaftlern genommen, meint von Braun, wenn diese auch die zivilen Errungenschaften ihrer Forschung für die Menschheit bewiesen hätten. Der Raketeningenieur denkt dabei an die friedliche Nutzung der Atomenergie und die Raumfahrt. Blick in die Zukunft Raumstationen, so von Braun, werden die Erde umkreisen, Wettersatelliten würden frühzeitig die Vorhersage von Stürmen ermöglichen und so die Menschen auf der Erde zu schützen. Die Genauigkeit der Navigation würde mithilfe der Satelliten vereinfacht. Optische Vermessungen die Karten der Erde verbessern und eine langzeitige Beobachtung der Bewegung der Erdplatten ermöglichen. Am wichtigsten erschien ihm jedoch die Erforschung der Sonnenstrahlung und die weitere Erforschung des Weltalls. Ziel sei es, eines Tages Menschen auf den Mond und den Mars zu bringen. Dadurch, so von Braun, dürfe man "zurecht hoffen, völlig neue Erkenntnisse zu gewinnen, über den Ursprung und die Geschichte unseres Planetensystems und die Entwicklung des Lebens im allgemeinen.“ Man könne "gewiss sein, dass wir vor einer Revolution unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse stehen." Quelle: Südwestfunk. Vortrag zum 50. Jahrestag der ersten Internationalen Luftfahrtausstellung in Frankfurt a. M. Pioniere der Raketentechnik – Wernher von Braun. Mitschnitt vom 6.9.1959.

  9. Damals kündigt US-Präsident Dwight D. Eisenhower den ersten Satelliten im All an. Die Sowjets ziehen bald darauf nach. 1957 dann der Schock für die westliche Welt, der Sputnik-Schock: Die UdSSR gewinnt die erste Etappe im Space Race mit dem Satelliten Sputnik, dessen Signale im All auch im Westen zu empfangen sind. Der Südwestfunk berichtet am 5. Oktober 1957.

  10. Jürgen W. Möllemann: Bundesminister, Vize-Kanzler – und zum Rücktritt gezwungen Jürgen W. Möllemann hatte eine steile politische Karriere hinter sich. Bundesbildungsminister, Bundeswirtschaftsminister, Vize-Kanzler unter Helmut Kohl. Dann zwingt ihn ein Compliance-Skandal – die sogenannte Briefbogen-Affäre – zum Rücktritt. Möllemann steigt aber wieder auf, wird erfolgreicher FDP-Wahlkämpfer, inszeniert sich medienwirksam als Fallschirmspringer bei Auftritten und bekommt einen großen Einfluss auf die Partei. Antisemitische Äußerungen und Parteispendenaffäre Dann aber zieht er erneut die Kritik auf sich: zum einen mit antisemitischen Äußerungen, zum anderen durch eine Parteispendenaffäre in der nordrhein-westfälischen FDP und mit Schwarzgeldkonten. Auch der Verdacht der Steuerhinterziehung steht im Raum. Zum FDP-Austritt gedrängt, Aufhebung der Immunität, Razzia – und Tod Möllemann wird zum Austritt aus der FDP gedrängt, behält aber sein Bundestagsmandat, einsam in den hinteren Reihen. Am 5. Juni 2003 hebt der Bundestag seine Immunität auf, am selben Tag findet auch bei ihm zu Hause eine Razzia statt. Kurz darauf begibt sich Möllemann wieder einmal auf einen Fallschirmflug. Springt ab – und kommt ums Leben. Die Frage: Suizid oder Unfall hat sich schon an diesem Tag gestellt. SWR1 widmete dem Thema am Abend eine Hintergrundsendung.

  11. Leiter des Rassenpolitischen Amts der NSDAP propagiert Zwangssterilisation "Rassenpolitik im Krieg" – zu diesem Thema hält Walter Groß, Leiter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP (RPA), einen Vortrag auf einer Kundgebung in Linz. Es ist der 14. März 1940, anwesend sind Vertreter der Partei und der Wehrmacht. Groß propagiert die Zwangssterilisation von sogenannten "Erbkranken" und "Asozialen". Deutlich zeigen sich hierbei die rassenhygienischen Vorstellungen der NS-Regierung. Walter Groß fordert gesetzliche Regelung für den Umgang mit "Asozialen" Bereits im Juli 1933 hatte sie das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" verabschiedet und damit die Grundlage für die Zwangssterilisation von vermeintlich "erbkranken" Menschen geschaffen. Ein solches Gesetz fordert Walter Groß in seinem Vortrag auch für sogenannte "Asoziale". Mit dem Begriff bezeichneten die Nazis Menschen, die gegen die Normen der nationalsozialistischen Gesellschaft verstießen. Darunter Obdachlose, Bettler und Prostituierte. Zu dem Zeitpunkt waren die "Euthanasie"-Morde der Nazis bereits im vollen Gange und die als "asozial" stigmatisierte Personen wurden in Konzentrationslager verschleppt, in Anstalten eingewiesen oder zwangssterilisiert – auch ohne eigenes Gesetz. Bei dem Vortrag handelt es sich um eine der wenigen programmatischen Verlautbarungen aus dem engeren Führungskreis zum Vorgehen gegen sogenannte "Asoziale".

  12. Elisabeth II. wird im Beisein ihres Mannes Prinz Philip gekrönt 27 Jahre alt ist Elizabeth II (geboren am 21. April 1926), als sie am 2. Juni 1953 zur Königin gekrönt wird, im Beisein ihres Mannes Prince Philip (1921 - 2021). Den Thron bestieg sie zwar schon am 6. Februar 1952 nach dem Tod ihres Vaters George VI. Aufgrund der traditionellen Trauerzeit und der umfangreichen Planungen der Krönungszeremonie fand die Krönung jedoch erst mehr als ein Jahr später statt. Es war in vielerlei Hinsicht eine besondere Krönung, denn es war die erste, die im Fernsehen übertragen wurde. Es war überhaupt die erste weltweite Live-Berichterstattung von einem Großereignis. Das war nicht selbstverständlich. Premierminister Winston Churchill war dagegen, Elizabeth aber bestand auf die Fernsehkameras. 1956: Queen weiht erstes Atomkraftwerk des Westens ein Fahrt von Buckingham Palace zur Westminster Abbey Im Folgenden hören wir zunächst Ausschnitte der Reportagen im deutschen Radio, die Fahrt vom Buckingham Palace zur Westminster Abbey, die Vereidigung, die Krönung und schließlich die Ansprachen von Winston Churchill und der neuen Königin Elizabeth II einschließlich der damals ebenfalls gesendeten deutschen Übersetzung ihrer Rede. Wie Queen Elizabeth die Königin der Rekorde wurde Einer der Reporter, die an der Krönungszeremonie teilgenommen haben, war Friedrich Sauer. Er erzählte damals, er habe vermutlich weniger mitbekommen als die Zuschauer an den Fernsehgeräten.

  13. Streiks und Studierenden-Proteste legen im Frühjahr 1968 Frankreich lahm. Die Medien berichten von bürgerkriegsähnlichen Ausschreitungen. Die Filmfestspiele in Cannes werden ein Fiasko. Staatspräsident Charles de Gaulle geht auf manche Forderungen der Studierenden ein, um Entgegenkommen zu signalieren. Unter anderem verspricht er, für mehr Arbeitsplätze zu sorgen und das Pensionsalter auf 60 Jahre zu senken. Eine der Hauptfiguren ist der 23-jährige Soziologiestudent Daniel Cohn-Bendit. Während eines Aufenthalts in Deutschland wird er von Frankreich zur unerwünschten Person erklärt, die Wiedereinreise nach Frankreich wird ihm verweigert. Über all das berichtet dieser Hintergrundbericht vom 25. Mai 1968, der am Ende auch auf die zunehmend unruhige Situation an den deutschen Hochschulen eingeht.

  14. Am 29. Mai 1953 standen erstmals zwei Menschen auf dem Gipfel des Mount Everest, der neuseeländische Bergsteiger Edmund Hillary und der nepalesische Sherpa Tenzing Norgay. Die Welt erfährt von diesem Ereignis erst vier Tage später – als die beiden wieder heruntergekehrt waren und der Rest der Expeditionsmannschaft die Nachricht über Boten weitertrug. Edmund Hillary wird von Elizabeth II in den Adelsstand erhoben Da es sich um eine britische Expedition handelt, reisten die Bergsteiger zusammen mit Expeditionsleiter John Hunt zunächst nach London, wo Hillary von der gerade frisch gekrönten Königin Elizabeth in den Ritterstand gehoben wurde. Die drei Bergsteiger geben auch eine Pressekonferenz, auf der sie gefragt werden, was den Erfolg der Expedition ausmachte. Das genaue Aufnahmedatum ist nicht vermerkt. Im August kehrt Sir Hillary wieder zurück nach Neuseeland, wo er noch einmal von Walter Schäuble, einem Mitarbeiter des Südwestfunk interviewt wird. Auch hier nennt der Archiveintrag kein genaues Datum.

  15. Schon vor mehr als hundert Jahren kämpften Frauen um ihre Rechte. Historische Tonaufnahmen belegen: Sie hatten dabei keineswegs nur konservative Männer gegen sich. Lukas Meyer-Blankenburg im Gespräch mit Hedwig Richter (SWR 2023) | Mehr zur Sendung: http://swr.li/frauenbewegung | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: daswissen@swr.de | Folgt uns auf Mastodon: https://ard.social/@DasWissen

  16. Erinnerung an Nationalversammlung von 1848 in der Frankfurter Paulskirche 1848 und 49 wurde in der Frankfurter Paulskirche die Nationalversammlung abgehalten. Sie schuf eine Verfassung und bildete das vorläufige Parlament des kurzlebigen Deutschen Reichs, das nach der Deutschen Revolution 1848 entstanden war. Nachdem die Nationalversammlung am Widerstand Preußen jedoch scheiterte, wurde das Gebäude zunächst wieder als Kirche genutzt. Im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt, nach dem Krieg wieder aufgebaut 1944, bei einem britischen Luftangriff im Zweiten Weltkrieg brannte die Paulskirche völlig aus. Nach dem Krieg war sie eines der ersten historischen Gebäude, die wieder aufgebaut wurden. Allerdings anders als vorher. Ihrem Innern sieht man seitdem kaum noch an, dass es sich einmal um eine Kirche gehandelt hat. Wiedereröffnung der Paulskirche 1948 Der rasche Wiederaufbau ermöglichte es, dass die Paulskirche zum 100. Jahrestag der Nationalversammlung am 18. Mai 1948 wiedereröffnet werden kann. Viele Rundfunksender übertragen die Feierstunde live. Oberbürgermeister Walter Kolb begrüßt, Dichter Fritz von Unruh hält Festrede Nach der Begrüßungsrede von Frankfurts Oberbürgermeister Walter Kolb hält der Schriftsteller und Maler Fritz von Unruh eine Festansprache. In deren Verlauf erleidet er jedoch einen Schwächeanfall und muss seinen Vortrag unterbrechen. Das Orchester übernimmt (dieser Part ist in der Aufnahme gekürzt). Zur Überraschung der geladenen Gäste tritt Unruh anschließend nochmals ans Rednerpult und führt seinen Vortrag zu Ende.

  17. Die Grünen-Politikerin Annalena Baerbock (*1980) ist die erste Außenministerin Deutschlands und seit Dezember 2021 im Amt. Sie hat immer wieder betont, die Perspektive von Frauen in Gesellschaft und Politik stärker zu beachten – zum Beispiel, wenn es um die Situation speziell von Frauen und Mädchen in Kriegsgebieten geht. Rechte, Ressourcen und Repräsentanz von Frauen und Mädchen stärken Am 1. März 2023 stellt Annalena Baerbock im Auswärtigen Amt ihre Leitlinien für eine feministische Außenpolitik vor. Als Vorreiterin für dieses Konzept gilt die schwedische Außenministerin Margot Wallström, sie prägte die Bezeichnung 2014. Im Wesentlichen geht es darum, Rechte, Ressourcen und Repräsentanz von Frauen und Mädchen weltweit zu stärken und gesellschaftliche Diversität zu fördern.

  18. Hier ein ausführliches Interview mit ihr aus der SDR-Sendung "Von Zehn bis Zwölf". Im Interview mit Rüdiger Becker erzählt sie von ihrer Kindheit in den USA und warum sie sich gegen Atomenergie und gegen die Krankheit Krebs engagierte. In den Grünen sieht Kelly eine revolutionäre Partei, die für Gewalt- und Blockfreiheit steht. Zu dem bereits Erreichten sagt sie: "Dass wir endlich Bereiche wie soziale Verteidigung diskutieren, wie man sich auch nicht-militärisch wehren kann, das sind für mich Erfolge einer programmatischen Diskussion." Und mit einem Seitenhieb auf die eigene Partei fährt die Feministin fort: "Ich hätte mir nur gewünscht, die Grünen hätten das intensiver noch gemacht." Petra Kelly schildert weiter ihre Pläne für die Zukunft: In Osteuropa wolle sie ein Trainingszentrum für soziale Verteidigung gründen und dabei helfen, ein "bescheidenes, ziviles Europa" aufzubauen. Das Leben und Wirken Kellys endete abrupt. 1992 wurde sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Gert Bastian tot in der gemeinsamen Wohnung bei Bonn aufgefunden. Bastian soll seine Lebensgefährtin und sich selbst erschossen haben. Süddeutscher Rundfunk. Sendung: Von Zehn bis Zwölf Moderation: Rüdiger Becker Erstausstrahlung: 21. Juni 1985

  19. Im März 1983 ziehen die Grünen erstmals in den Bundestag ein und setzen für damalige Verhältnisse völlig neue Akzente – sowohl äußerlich als auch in den Themen, die sie ansprechen. Grüne Abgeordnete prangert patriarchalische Strukturen an Besonders deutlich wird das am 5. Mai 1983 in der Aussprache nach der Regierungserklärung von Bundeskanzler Helmut Kohl. Die niedersächsische Abgeordnete Waltraud Schoppe spricht in ihrer ersten Bundestagsrede zum Abtreibungsrecht und in dem Zusammenhang ganz allgemein über die patriarchalischen Strukturen in der deutschen Gesellschaft sowie speziell im Bundestag. CDU/CSU und FDP reagieren mit Hohn und Spott Auf den Bänken der Union aber auch der FDP erntet sie dabei höhnisches Gelächter, so wie am Vortag schon ihre Parteifreundin Petra Kelly und deren Lebensgefährte Gert Bastian verspottet wurden. Darauf bezieht sich Schoppes erste Bemerkung. Ihre Rede gilt heute als wichtiger Moment innerhalb der Frauenbewegung.

  20. Originalton des Fernsehbeitrags "Im Jahr der Frau sind die Männer hoffentlich etwas ritterlicher geworden. Wenn eine Frau bei einer Autopanne auf männliche Hilfe hofft, ist es unangebracht, Witze über die Frau am Steuer zu reißen, die nichts von Motor und Technik versteht. Oft zu beobachten: Ist die Dame jung und hübsch, kommt die Hilfe meist schnell. Leider lässt sich manchmal auf sich warten, wenn die Figur nicht mehr ganz so makellos ist. Es kommt oft vor, dass Männer durch Alkoholgenuss fahruntüchtig und auf die Hilfe der Damen angewiesen sind, obwohl diese ungern abends oder nachts fahren. Frauen fahren meist vorsichtiger als Männer, weil ihnen die Übung fehlt. Sie behindern dann den fließenden Verkehr. Viele Frauen scheuen das Anlegen des Sicherheitsgurts, weil sie Angst um ihren Busen haben. Diese Sorge ist unnötig, sagen Mediziner, wenn der Gurt richtig sitzt. Selten sieht man bei Frauen gefährliches Fahrverhalten. Männer gehen schon eher ein hohes Risiko ein, wie hier beim Überholen einer Kolonne. Frauen rasen auch nicht, wie manche Männer, so durch eine Kurve. Es sei denn, sie jagen als Rennfahrerinnen wie hier Hannelore Werner über die Piste. Dort beweisen sie hohes fahrerisches Können. Wie auch zunehmend im Berufsverkehr, ob nun als Busfahrerinnen oder als Taxifahrerinnen. Leider ist diese Dame auch nicht angeschnallt, wie übrigens die meisten männlichen Kollegen. Und auch im Führerstand der Straßenbahn stehen sie ihren Mann. Es gibt jedoch falsche Verhaltensweisen, die besonders häufig bei Frauen beobachtet werden, zum Beispiel Nichtbeachten der Vorfahrt. Man erzählt sich zahlreiche Witze über Frauen, die sich bei dem Versuch, mit ihrem Wagen vorwärts oder rückwärts in eine Parklücke einzubiegen, rettungslos festgefahren haben. Endlich am Ziel und schon unvorsichtig. Bei Frauen überdurchschnittlich viele Unfälle beim Öffnen der Türen. Wenn Frauen am Steuer mit ihrem Wagen zu Verkehrshindernissen werden, so liegt dies meist am mangelnden technischen Verständnis und fehlender Übung. Die geübte Fahrerin fährt flott. Die meisten Frauen haben eine sachliche Einstellung zum Auto und eine ruhige Fahrweise. Das machen Frauen selten. Sie nötigen niemandem und überholen nicht rechts. Und das machen Frauen überhaupt nicht. Witze reißen könnte man auch über den Hut-und-Hosenträger-Fahrer, der mit der Zigarre auf dem Zahn gemächlich über die Straßen zuckelt. Und dann noch stur links fährt, obwohl die rechte Fahrbahn frei ist. Frauen sind auch keine Kurvenschneider. Vorsicht! Kinder auf dem Rücksitz! Wenn Mütter ihre Kinder zum Kindergarten oder zur Schule fahren, werden sie leicht abgelenkt. Dann mit solchem Fehlverhalten rechnen … Man sollte die Frau öfter ans Steuer lassen, damit sie Erfahrung und Routine bekommt. Aber dann nicht dauernd über ihre Fahrweise nörgeln. Männer fühlen sich oft den Frauen am Steuer gegenüber stark und überlegen. Sehen Sie selbst, wie leicht sie schwach werden können."