Archivradio – Geschichte im Original

SWR
1013
16.10.2026
Beschreibung
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog

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Episoden
  1. Elisabeth Schwarzhaupt (1901 - 1986) war die erste Bundesministerin der Bundesrepublik. 1961 ernannte Konrad Adenauer die CDU-Frau zum Gesundheitsminister – damals noch in der männlichen Form. Schwarzhaupt war von November 1961 bis November 1966 in ihrem Ministeramt aktiv. Frauen erkämpfen sich Bundesministerium durch Sitzblockade Die zwölf Kanzlerjahre zuvor hatte Adenauer noch ohne Frau im Kabinett regiert. Und für Elisabeth Schwarzhaupt entschied er sich nur, weil Frauen der CDU mit einer Sitzblockade vor dem Kanzleramt für die Ministerin protestiert hatten. Elisabeth Schwarzhaupt berichtet im Interview mit dem Hessischen Rundfunk am 7. Januar 1966 von ihrem Werdegang – und betont, eher zufällig in die Politik geraten zu sein.

  2. Susanne Delitz-Starker war von 1950 bis 1969 Personalchefin beim Südwestfunk und engagiert dabei, den Frauenanteil zu erhöhen, der 1955 bei gerade mal 28 Prozent lag. Frauen im Programm gab es damals nur wenige, und die wurden, wie das Interview vom November 1955 zeigt, vor allem im Frauenfunk beschäftigt.

  3. Marie Juchacz: 1919 erste Rednerin in der Weimarer Nationalversammlung Marie Juchacz, Reichstagsabgeordnete der SPD und Sozialreformerin, war die erste Frau, die in der Weimarer Nationalversammlung eine Rede halten durfte. 1919 war das. Im selben Jahr war Marie Juchacz außerdem Mitbegründerin der Arbeiterwohlfahrt. Forderung 1928: Den Frauen mehr Beachtung schenken Die Rechte der Frauen waren ihr besonders wichtig. Schon früh erkannte sie die volkswirtschaftliche Bedeutung der Frau – als Arbeiterin, als Konsumentin und in der Sorgearbeit. In ihrer Rede vom April 1928, wenige Wochen vor der Reichstagswahl am 20. Mai, fordert sie deshalb die Männer auf, den Frauen mehr Beachtung zu schenken. Als die Nazis an die Regierung kommen, emigriert Marie Juchacz erst ins Saargebiet, dann nach Frankreich und schließlich in die USA. Dort gründet sie die Arbeiterwohlfahrt der USA. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrt Marie Juchacz nach Deutschland zurück. Sie stirbt am 28. Januar 1956 in Düsseldorf. Quelle: W0113459

  4. Christabel Pankhurst (1880 - 1958), in Manchester geboren, war eine britische Suffragette und Tochter von Emmeline Pankhurst (1858 - 1928). Einsatz für Frauenrechte durch Verbalattacken und Hungerstreiks Mit öffentlichen Protesten, Verbalattacken auf ranghohe Politiker oder Hungerstreiks setzte sie sich für Frauenrechte ein. Ihre Aktionen bescherten Christabel Pankhurst mehrere Gefängnisaufenthalte. Christabel Pankhurst – für Gleichberechtigung und Frauenwahlrecht Von ihr stammt die erste Ton-Aufnahme einer Frauenrechtlerin überhaupt. Hier ist Christabel Pankhurst in einer Rede vom 18. Dezember 1908 zu hören – nachdem sie mal wieder aus dem Gefängnis entlassen wurde. Sie fordert vor allem, dass Frauen als gleichberechtigte Staatsbürgerinnen anerkannt werden und das Recht erhalten, zu wählen. Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv DRA

  5. Sven Hedin – schwedischer Asienforscher Sven Hedin (1865 - 1952) aus Schweden war der bedeutendste europäische Asienforscher. Hedin studierte in Halle und Berlin und wurde in seiner Forschertätigkeit in Deutschland und hier vor allem durch den Verlag F.A. Brockhaus sehr unterstützt. Hedin hat sich daher seit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges in Wort und Schrift für Deutschland und den deutschen Standpunkt und gleichzeitig gegen den Bolschewismus eingesetzt. Er besuchte die Westfront, später die Ostfront und interpretierte den Krieg als "Kampf der Germanen" gegen Russland. Da er Partei für Deutschland ergreift, wird er aus der britischen "Royal Geographical Society" ausgeschlossen. Tibet: Hedin zeichnet idyllisches Bild eines vom Krieg unberührten Landes Hier berichtet Sven Hedin von Tibet und zeichnet vor der Geographischen Gesellschaft in Berlin ein idyllisches Bild eines vom Krieg unberührten Landes. Allerdings habe der Dalai Lama leider England unterstützt. Aber damit sei es jetzt vorbei. Sven Hedins Schlussworte "In feierlicher und majestätischer Ruhe liegt Tibet und träumt innerhalb seiner Mauern der höchsten Bergketten der Erde. Es ist eines der wenigen Länder, die nicht durch den großen Kriege berührt wurden, den fast die ganze Welt seit vier Jahren gegen das tapfere deutsche Volk geführt hat. Zu den friedlichen Zeltlagern der Tibetaner drangen nur unsichere Gerüchte, die erzählten, dass in Gebieten fern von ihren Grenzen Unfrieden herrschte. Die Nomaden wurden dadurch nicht gestört, sie haben wie früher ihre Schafherden auf den […] auf die Weiden getrieben. Die Mönche in den Tempelklöstern des Lamaismus haben in der gleichen Andacht wie ehedem ihren Dienst vor dem Willen Buddhas und […] verrichtet. Wie in den verschlossenen Jahrhunderten haben die Pilger auf den Wegen zu den heiligen Wallfahrtsorten ihr ewiges "Om mani padme hum" gemurmelt. Aber vielleicht haben die Tibetaner beachtet, dass der Friede in ihrem Lande tiefer war als jemals. Keine Europäer haben sie mit ihrer zudringlichen Neugierde gestört. Die halbwilden Jäger, die jährlich durch Streifzüge bis in die nördlichen Teile des Landes ausdehnen, fragen sich vielleicht, wie es kommt, dass sie seit mehreren Jahren keinen europäischen Karawanen mehr begegneten. Da müssen sie sich denken, dass die weißen Völker sicherlich somit anders beschäftigt sind, dass ihnen keine Zeit für die Berge und Täler […] übrig bleibt. Wie früher streifen unübersehbare Herden von wilden Jagden, von wilden Eseln, von Antilopen und Schafen zwischen den schneebedeckten Bergen und den zutiefst blauen Salzseen umher. Mit einem Hintergrund von blau schimmerndem Eis sitzen die Königsadler auf hohen Bergspitzen und warten auf den Sonnenaufgang. Und die Sonne kommt und strahlt ihr Gold über diese unzugängliche Welt. Die höchsten Gipfel vergolden sich zuerst und nachher dringt das Licht des Morgens herab in die Täler. Wer weiß, ob nicht doch binnen kurzem ein Gerücht von dem großen Siege seinen Weg auch zu dem unzugänglichen Tibet finden wird. Nach allen Seiten hin sehnen sich Länder, […], die Mongolei und Indien, die der Reihe nach von Russen, Chinesen und Engländern erobert wurden. Die Tibetaner haben gemerkt, dass die Eroberung wie eine Seuche sich immer näher an die Mauern ihrer gewaltigen Bergfestung herangeschlichen hat. Gerade deshalb haben sie in letzterer Zeit allen Europäern eine wenn auch gutmütige Ungastlichkeit bewiesen. Ihre eroberten Nachbarn, besonders die Russen und Engländer, sind Feinde Deutschlands. Man kann sich daher denken, dass die Botschaft vom Siege Deutschlands auch in Tibet mit Freuden begrüßt wird. Denn dadurch verringert sich die Macht Russlands und Indiens. Und die Nomaden können ungestörter als bisher ihre Herden auf die Weiden treiben und die Lama-Mönche ihre Andacht verrichten. Wenn es wahr ist, dass, wie am Anfang des Krieges behauptet wurde, auch Dalai Lama versprochen hat, England Hilfstruppen zu schicken, […], so dürfte er sich jetzt darüber freuen, dass dieser Entschluss niemals ausgeführt wurde."

  6. England liegt in der ersten Halbzeit in Führung Deutschland gegen England – schon in der Weimarer Republik ein Klassiker. Packend kommentiert Alfred Braun das Spielgeschehen. Zur Halbzeit lag die englische Mannschaft mit 2:1 in Führung. Deutschland schafft in der zweiten Halbzeit den Ausgleich Kurz nach Anpfiff glich Stürmer Richard Hofmann aus. Ein weiterer Treffer Hofmanns ließ in der 60. Minute alles nach einem Sieg für die deutsche Mannschaft aussehen. Doch David Jack schoss kurz vor Spielende aus dem Mittelfeld ein weiteres Tor für England. Das Freundschaftsspiel im Deutschen Stadion zu Berlin endete 3:3.

  7. Mit dem dritten Redner, Gregor Strasser von der NSDAP, beginnt die Tonaufzeichnung. Er streift Themen wie die "sinnlose" Pro-Kopf-Verschuldung weltweit, die Mobilisierung der Arbeitskraft und den sowjetischen "Arbeitszwang", wie ihn angeblich die Kommunisten wollten. Hermann Göring sieht "Danzig von den Polen bedroht" Nach ihm spricht Hermann Göring (NSDAP) der Regierung zum wiederholten Mal das Misstrauen aus. Er meint, Danzig sei von den Polen bedroht, und Frankreich rüste – im Gegensatz zum faschistischen Italien – auf. Das Verbot der SA hält er für eine "moralische Abrüstung des Freiheitswillens durch die Regierung". Seine lange Ansprache gipfelt in der Aussage: "Wir haben die Demokratie nicht geschaffen, wir haben sie nicht gewünscht." Reichswehrminister Groener rechtfertigt das Verbot der SA und löst Protest aus Reichswehrminister Wilhelm Groener rechtfertigt unter lautem Protest der NSDAP-Fraktion das Verbot der SA. Gregor Strasser findet die Rede so empörend, dass er im Namen seiner Fraktion die Verbreitung der Rede über Schallplatten beantragt. In scharfen Worten greift er Groener an. Er wird verwarnt und schließlich des Saales verwiesen. Nach einer Unterbrechung der Sitzung nimmt Parlamentsvizepräsident Thomas Esser den Saalverweis Strassers zurück. Beziehung der Reichsregierung zum Rundfunk Hans Bell (Zentrum) wehrt sich gegen die geforderte Aufhebung des Verbots der NS- und kommunistischen Kampforganisationen. Er spricht anschließend über die Beziehung der Reichsregierung zum Rundfunk und weist die Kritik am Reichspräsidenten Hindenburg zurück, in einer Rundfunkansprache Parteipolitik für das Brüning-Kabinett betrieben zu haben. Bell lehnt eine Auflösung des Parlaments und das Ausrufen von Neuwahlen ab, weil dies den Wählern nach drei Wahlgängen nicht mehr zuzumuten sei. Hans Bells Rede geht noch lange weiter, die Aufnahme aber endet hier. Offizielles Ende der 62. Sitzung war um 19 Uhr 59. Redner: Gregor Strasser (NSDAP) Hermann Göring (NSDAP) Wilhelm Groener (Reichswehrminister) Thomas Esser (Vizepräsident des Reichstages) Hans Bell (Zentrum) 5. Wahlperiode. 1931/32

  8. Streit um Obduktion von Ulrike Meinhof Der Beitrag fängt die ersten Stimmen ein, einen Tag nach dem Selbstmord von Ulrike Meinhof im Gefängnis Stuttgart-Stammheim. Die Staatsanwaltschaft habe, so der Reporter von der Pressekonferenz, inzwischen alle Zettel in der Zelle der Toten untersucht, der Presse aber nicht mitgeteilt, was darin steht. Die Schwester und der Anwalt der Toten seien sehr spät informiert worden, die Leiche ohne deren Einverständnis obduziert. "Die Durchführung der Leichenöffnung", so Justizminister Bender im O-Ton, sei so schnell wie möglich durchzuführen gewesen. Die Leiche stehe jetzt "den Angehörigen zur Verfügung." Die Leiche, so der Reporter, sei jetzt auf einem Stuttgarter Friedhof aufgebahrt. Demonstrationen und Straßenkämpfe in Frankfurt Der Reporter-Kollege aus Frankfurt berichtet telefonisch, seit 16.30 Uhr fänden eine ganze Reihe von gewalttätigen Demonstrationen statt, die gewalttätigsten seit vielen Jahren. Die Demonstranten skandierten, Ulrike Meinhof sei ermordet worden. Ein Streifenwagen sei ausgebrannt, viele Beamte hätten schwere Verbrennungen. Bei den Straßenkämpfen seien Hilferufe von eingekesselten Polizeibeamten zu hören. Sendung: Südfunk aktuell Moderator: Andrea Kunsemüller Reporter: Reinhard Krol (Stuttgart); Ulrich Manz (Frankfurt)

  9. Die Erhöhung der Rundfunkgebühren steht an, aber die Politik zögert noch. Es wird diskutiert, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk wirklich objektiv informiert. Ein besonderer Streitpunkt damals: Die Einführung der Farbfernseh-Gebühr. Der Südwestfunk berichtet.

  10. Angespanntes Verhältnis zur Sowjetunion nach dem Zweiten Weltrkrieg Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen bald die Spannungen zwischen den USA und den westeuropäischen Ländern auf der einen Seite und der Sowjetunion auf der anderen. Mittendrin das zwischen den Siegermächten aufgeteilte Deutschland. Aus ihm waren 1949 zwei eigenständige Staaten entstanden: die Bundesrepublik und die DDR. USA als Schutzmacht für Westeuropa Ereignisse wie die Berlin-Blockade 1948/1949 führten in Westeuropa zu einem verstärkten Gefühl der Bedrohung durch die Sowjetunion und zum Bedürfnis, die militärisch starken USA als dauerhafte Schutzmacht in Anspruch zu nehmen. Dies war die Grundlage für die Gründung der NATO 1949. Anfangs waren es 12 Mitgliedsstaaten. Die Bundesrepublik Deutschland war noch nicht dabei. Adenauer unterzeichnet den Vertrag – 10 Jahre nach der Kapitulation Sie tritt erst 9. Mai 1955 der NATO bei – drei Jahre später als die Türkei und Griechenland. Der NATO-Beitritt ist Bestandteil des sogenannten Pariser Verträge, mit denen das Besatzungsstatut in Westdeutschland beendet wurde. Konrad Adenauer unterzeichnet den NATO-Beitritt in Paris anlässlich der Feierlichkeiten zehn Jahre nach der deutschen Kapitulation. Reporter ist Max Schulze-Vorberg. Quelle: BR

  11. In seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag am 8. Mai 1985 zum 40. Jahrestag der Kapitulation bezeichnet Bundespräsident Richard von Weizsäcker das Kriegsende als einen "Tag der Befreiung". Das war damals eine Sensation, denn so eindeutig wie er hat das kaum ein konservativer Politiker vor ihm formuliert. Er bekommt dafür viel Applaus. Die Rede ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass Weizsäcker als junger Rechtsanwalt nach dem Krieg seinen Vater Ernst von Weizsäcker in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen verteidigt hatte. Ernst von Weizsäcker war Staatssekretär im Auswärtigen Amt unter Hitler und als Brigadeführer der SS für viele Deportationen verantwortlich.

  12. 1995 rollte der erste Castor-Transport ins Zwischenlager Gorleben. Der Atommüll kam damals vom Kernkraftwerk Philippsburg bei Karlsruhe. Schon gegen diesen ersten Castor-Zug gab es Proteste, sie waren noch vergleichsweise gemäßigt. Bericht von den Ausschreitungen Im Folgejahr änderte sich. Es ist der 8. Mai 1996 – die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl liegt ziemlich genau 10 Jahre zurück. Die Stimmung ist aufgeheizt, als nun die ersten Atommüllbehälter aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague in Gorleben ankommen. 19.000 Polizisten sichern den Transport. Statements von Angela Merkel und Jürgen Trittin Am selben Tag äußern sich in SWF1 in zwei getrennten Telefonaufnahmen Umweltministerin Angela Merkel (CDU) und der Sprecher von Bündnis90/Die Grünen Jürgen Trittin.

  13. Charles Philip Arthur George Windsor war drei Jahre alt, als seine Mutter Elizabeth Königin von England wurde und er damit automatisch zu ihrem Thronfolger aufrückte. Investitur des Prince of Wales in Caernarvon Castle Den Titel "Prince of Wales" bekam er im Alter von 20. Am 1. Juli 1969 fand die dazugehörige Zeremonie statt – auf der 650 Jahre alten Burg in der walisischen Hafenstadt Caernarvon: die Investitur von Charles zum Prinzen von Wales.

  14. Großer Andrang beim Prozess-Beginn in München Anderthalb Jahre hat es gedauert von der Entdeckung, dass hinter mehreren Mordanschlägen in Deutschland die Neozani-Terrorzelle NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) steckt, bis zum Beginn des Strafprozesses in München. Der startet am 6. Mai 2013. Der Andrang ist so groß, dass die Plätze für die Presse ausgelost wurden. Eindrücke und Hintergründe vom Prozessauftakt gegen den NSU SWR Redakteur und ARD-Terrorexperte Holger Schmidt beobachtet den Prozess von Anfang an und schildert am selben Tag seine Eindrücke und erläutert die Hintergründe.

  15. Hintergrund wird klar: "Döner-Morde" und Mord an Michèle Kiesewetter Es war Anfang November 2011, als den deutschen Ermittlern die Augen aufgingen: Es gibt rechtsextremen Terrorismus im eigenen Land, einen "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU). Plötzlich erschienen viele Ereignisse der zurückliegenden Jahre in neuem Licht: die sogenannten "Döner-Morde" in verschiedenen deutschen Städten, der Mord an einer Polizistin in Heilbronn und jede Menge Raubüberfälle. Böhnhardt und Mundlos begehen Selbstmord, Beate Zschäpe kommt vor Gericht Nach dem jüngsten Überfall in Eisenach am 4. November 2011 hatten sich die Täter Uwe Böhnhardt und Uwe Mudnlos das Leben genommen. Nach ihrer Identifizierung durchsuchten die Ermittler zunächst deren Wohnmobil und eine Woche später deren Wohnung in Zwickau. Was sie dort fanden, brachte schließlich den Stein ins Rollen, der später zum jahrelangen Prozess gegen Beate Zschäpe und andere führte. Für die ARD berichtete am 11. November 2011 Michael Reissenberger aus der ARD Rechtsredaktion in Karlsruhe.

  16. Im Februar 1978 erschienen in einem Vorabdruck Auszüge eines neuen Romans des Schriftstellers Rolf Hochhuth, Titel "Eine Liebe in Deutschland". Darin bezeichnet Hochhuth den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger als "Hitlers Marinerichter, der sogar noch in britischer Gefangenschaft nach Hitlers Tod einen deutschen Matrosen mit Nazi-Gesetzen verfolgt hat". Hochhuth nennt Filbinger einen furchtbaren Juristen, der auf freiem Fuß sei "nur dank des Schweigens derer, die ihn kannten". Rolf Hochhuth legt nach Am 4. Mai 1978 legt Hochhuth zusammen mit der Wochenzeitschrift "Die Zeit" nach und präsentiert den Fall Walter Gröger: Ein Matrose der Kriegsmarine, den Filbinger im März 1945 wegen Fahnenflucht hinrichten ließ. Daraufhin äußert sich Filbinger selbst zum Fall und erklärt, er habe Rolf Hochhuth verklagen lassen. Die Vorwürfe selbst weist er zurück: Er habe praktisch keinen Spielraum gehabt, Fahnenflucht sei damals weltweit mit der Todesstrafe geahndet worden. Er habe dem Nationalismus in Wahrheit Widerstand geleistet, wo er konnte. Quelle: Hans-Georg Joepgen

  17. Ernst Haeckel (1834 - 1919) war einer der einflussreichsten Naturphilosophen des 19. Jahrhunderts. Er war Mediziner, Zoologe, Philosoph und ein großer Unterstützer von Charles Darwins Evolutionstheorie. Er konnte auch ziemlich gut zeichnen. In seinem Sammelband "Kunstformen der Natur" hat er wunderbare, hochästhetische Zeichnungen von Organismen aller Art hinterlassen. Allerdings vertrat er auch die Ideologie der Rassenhygiene und der Eugenik, die später von den Nazis bereitwillig aufgenommen wurden. Ernst Haeckel – Grenzgänger zwischen Wissenschaft und Philosophie Haeckel bewegte sich oft an der Grenze zwischen Wissenschaft und Philosophie. Er formulierte etwa die sogenannte biogenetische Grundregel, die im Kern besagt, dass jeder Organismus in seiner Embryonalentwicklung noch einmal die gesamte Evolution seiner Art rekapituliert. Platt gesagt: Ein menschlicher Fötus im Mutterleib durchläuft im frühen Stadium noch einmal etwa eine Fisch- und eine Amphibienphase. Eine interessante Theorie, die aber so nicht mehr haltbar ist. Ein wenig esoterisch klingt auch ein Vortrag aus dem Jahr 1918 zum Thema "Kristallseelen". Haeckel liest aus seinem gleichnamigen Buch, das ein Jahr zuvor erschienen war. Darin wirbt er zunächst für die Idee von der Einheit der Natur – eine Ansicht, die auch der modernen Naturwissenschaft nicht fremd ist. Sie besagt im Wesentlichen, dass alle Erkenntnisse etwa über das Leben auf der Erde am Ende mit physikalischen Gesetzen im Einklang stehen müssen. Haeckel dreht dabei aber den Spieß um und erklärt, dass sich das Konzept der Seele auch auf tote Materie – wie eben Kristalle – übertragen lasse. Dabei nimmt er Bezug auf mehrere Bücher aus dem Jahr 1904, in denen andere Autoren ähnliches behaupten. Transkript des Vortrags von Ernst Haeckel "Durch so großartige Fortschritte unserer tieferen Naturerkenntnis, deren weitreichende Bedeutung noch heute den meisten Naturforschern und Philosophen nicht zum Bewusstsein gekommen ist, wurde das Jahr 1904 zu einem hervorragenden Markstein in der Geschichte der Naturphilosophie. Als wichtigste Errungenschaft desselben betrachten wir die fundamentale Überzeugung von der Einheit aller Naturerscheinungen, die im Begriffe des 'Monismus' ihren einfachsten und klarsten Ausdruck findet. Es fielen jetzt mit einem Schlage die künstlichen Grenzen, die man bisher zwischen anorganischer und organischer Natur, zwischen Tod und Leben, zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft errichtet hatte. Alle Substanz besitzt Leben, anorganische ebenso wie organische; alle Dinge sind beseelt, Kristalle so gut wie Organismen. Unerschütterlich erhebt sich aufs neue die alte Überzeugung von dem inneren einheitlichen Zusammenhang alles Geschehens, von der unbegrenzten Herrschaft allgemeingültiger Naturgesetze: 'Nach ewigen, ehernen, großen Gesetzen müssen wir alle unseres Daseins Kreise vollenden!' Was Goethe vor hundert Jahren mit seinem wunderbarsten Naturverständnis geahnt und mit unvergleichlichen Dichterworten in Weimar und Jena prophetisch ausgesprochen hatte, das ist heute zum strahlenden Sonnenlichte wissenschaftlicher Erkenntnis und Wahrheit geworden." Ausschnitt aus "Kristallseelen", Leipzig 1917, Vorwort Tonaufnahme aus der Sammlung Doegen Ernst Haeckel starb 1919 in Jena, ein Jahr nach dieser Aufnahme. Die Aufnahme stammt aus der Sammlung Doegen.

  18. Rudolf Eucken (1846 - 1926) war ein deutscher Philosoph. Er erhielt 1908 den Nobelpreis für Literatur. Eucken unterzeichnete 1914 das "Manifest der 93" (Aufruf an die Kulturwelt), welches die Vorwürfe der Kriegsgegner Deutschlands zurückweist. Während des Ersten Weltkriegs hält er Vorträge und versucht sich so für eine Vertiefung und Stärkung des nationalen Anliegens einzusetzen. "Wenn wir an der Hand unserer großen Dichter und Denker die Aufgaben der Gegenwart und des deutschen Vaterlandes in großen Zusammenhängen sehen, so wird unser Leben eine Vertiefung, unsere Kraft eine Steigerung, unser Schmerz eine Heiligung erfahren." Rede von Rudolf Eucken (Auszüge) "Durch unsere Zeit geht ein starkes Verlangen nach mehr Innerlichkeit / Wenn nun aber die alte Art der Innerlichkeit zu schwach und matt geworden ist, so gilt es eine weitere und kräftigere Innerlichkeit zu gewinnen / Die heutige Kultur erscheint uns oft als zu verwickelt und zu künstlich, wir ersehnen mehr Einfalt und Ursprünglichkeit / Nur der Aufstieg zu einer Welt selbstständiger Innerlichkeit kann sie uns bereiten / Wenn wir an der Hand unserer großen Dichter und Denker die Aufgaben der Gegenwart und des deutschen Vaterlandes in großen Zusammenhängen sehen, so wird unser Leben eine Vertiefung, unsere Kraft eine Steigerung, unser Schmerz eine Heiligung erfahren / Auch, was äußerlich untergeht, kann dann für eine ewige Ordnung der Dinge nicht verloren sein / Und auch der schwerste Verlust kann uns nicht zur Verzweiflung treiben, wenn in ihm eine seelische Veredlung erfolgt / In solcher Denkweise werden wir aufrichtige Ehrfurcht den Helden, aber vielleicht noch größere Ehrfurcht denen zollen, welche im Leide sich tapfer zeigen und ihren Glauben wahren, denn sie fördern damit unser aller Leben" Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)

  19. Axel Cäsar Springer war der mächtigste Zeitungsgründer und -verleger der alten Bundesrepublik. Er erfand die Rundfunkzeitschrift "Hör zu", das "Hamburger Abendblatt" sowie im Alter von 40 Jahren das mit Abstand erfolgreichste deutsche Boulevardblatt: die Bildzeitung und Bild am Sonntag. Am 2. Mai 1982 – Springers 70. Geburtstag führte Dietmar Riemer im Süddeutschen Rundfunk mit ihm das folgende Interview.

  20. Einen Tag nach dem Attentat auf Rudi Dutschke protestieren Studenten vor dem Hochhaus des Axel-Springer-Verlags. Die Demonstranten behindern die Auslieferung der Springer-Zeitungen. Sie werfen dem Springer-Verlag eine Mitschuld am Attentat auf Dutschke vor. Die Springer-Zeitungen hätten durch ihre Berichterstattung den Hass auf Dutschke geschürt.