Archivradio – Geschichte im Original

SWR
1013
16.10.2026
Beschreibung
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog

Noch keine Episoden ausgewertet.

Episoden
  1. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wandern viele Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland aus. Im Februar treten für sie neue Einreisebestimmungen in Kraft. Doch die erweisen sich als extrem bürokratisch und stellen die Einwanderer vor große Hindernisse. Eine Reportage vom 28. April 1991. Im Bild: Spielende Kinder eines Wohnheims für ausländische Bürger in Köpenick-Hessenwinkel bei einem Kinderfest im Oktober 1991. Rund 300 jüdische Bürger aus der gesamten UdSSR leben hier. Sie haben Kontingent-Flüchtlingsstatus. (Archivbild 1991)

  2. Nur wenige Wochen nach dem Amoklauf in Winnenden treffen sich die Schützenvereine im April 2009 zum Landesschützentreffen. Der Verband verzichtet diesmal auf den traditionellen Umzug und das Böllerschießen. Dennoch gibt es Kritik aus der Bevölkerung, und an den Schulen im Land sind Hobbyschützen nicht überall gerne gesehen. Die Schützen selbst fühlen sich zu Unrecht unter Generalverdacht. Die Stimmung ist gereizt.

  3. Chefredakteur des "Stern" betont sorgfältige Prüfung der Tagebücher Am 25. April 1983 lädt der "Stern" zu einer internationalen Pressekonferenz und verkündet: Bislang unbekannte Tagebücher Adolf Hitlers seien aufgetaucht und der "Stern" werde sie jetzt veröffentlichen. Die Tagebücher würden bereits 1932, vor Hitlers Machtübernahme, beginnen, die letzten Aufzeichnungen stammten von Mitte April 1945, also kurz vor Hitlers Tod. An diesen Tagebüchern gibt es von Anfang an Zweifel – allerdings nicht beim Chefredakteur des "Stern", Peter Koch, der auf der Pressekonferenz die sorgfältigen Prüfungen durch seine Redaktion betont. Wem "gehören" Hitlers Tagebücher? Noch am Tag der Pressekonferenz wird die Frage aufgeworfen, wem die Tagebücher gehören. Antwort: Dem Freistaat Bayern, ähnlich wie bei Hitlers Buch "Mein Kampf". So erklären es jedenfalls auf einer Pressekonferenz der Sprecher des Bundesinnenministeriums Wikhard Härtel und Regierungssprecher Dieter Stolze. Daher muss Bayern der Veröffentlichung der vermeintlichen Tagebücher zustimmen. Diese Entscheidung fällt am nächsten Tag, dem 26. April 1983: Der "Stern" darf die Texte unter bestimmten Bedingungen veröffentlichen. Der Name des Fälschers wird bekannt: Konrad Kujau Keine zwei Wochen später, am 6. Mai 1983, erklärt das Bundesarchiv in Koblenz die Hitler-Tagebücher für gefälscht. Für den "Stern" ist es ein Debakel. Damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Der verantwortliche Stern-Redakteur Gerd Heidemann wird entlassen und erzählt dem NDR seine Geschichte. Am 11. Mai 1983 taucht nun erstmals auch der Name des eigentlichen Fälschers in den Medien auf, Konrad Kujau. Die Spuren führen nach Stuttgart und Umgebung. Die Chefredaktion des Stern trat nach der Affäre zurück. Die Auflage des Stern brach zumindest für ein paar Monate deutlich ein. Hier zu hören sind Berichte von jenem 25. April bis zum 11. Mai 1983, als nicht nur die Tagebücher als Fälschung entlarvt sind, sondern auch der Name des Fälschers bekannt wird.

  4. Neuordnung im Südwesten: Zusammenschluss oder Wiederherstellung? Nachdem die Besatzungsmächte eine Neuordnung der Länder im Südwesten ins Spiel gebracht haben, ist bald klar, auf welche Möglichkeiten es hinauslaufen würde: entweder auf einen Zusammenschluss – also einen Südweststaat. Oder, wofür sich vor allem das Land Baden stark machte: die Wiederherstellung von Baden in den Grenzen von 1933 – also inklusive Nordbaden. Bundespräsident Theodor Heuss über seine Sympathien Einig war man sich, dass eine Volksabstimmung darüber entscheiden sollte. Uneinigkeit bestand darüber, was genau gefragt und wie am Ende ausgezählt werden soll: nach Ländern getrennt oder alle zusammen? 1950 wird zunächst eine informative Volksbefragung, also eine Art Probeabstimmung durchgeführt. Dieser geht ein heftiger Wahlkampf voraus, in den sich auch Theodor Heuss einschaltet. Eigentlich ist er schon Bundespräsident und sollte über den Dingen stehen, aber in dieser launigen Rede am 25. April 1950 hört man dem Schwaben an, welche Lösung ihm die sympathischste wäre.

  5. Erster Ministerpräsident: Reinhold Maier von den Liberalen Ein knappes halbes Jahr ist vergangen seit der Volksabstimmung für den Südweststaat. Damit er verwirklicht werden kann, wird eine verfassungsgebende Landesversammlung ins Leben gerufen. Auf der vierten Sitzung am 25. April 1952 wird der liberale Reinhold Maier zum Ministerpräsidenten gewählt. Im Anschluss erklärt er offiziell die Vereinigung der drei vorherigen Länder zu einem Südweststaat und ernennt sein Kabinett. CDU landet in der Opposition Die CDU kommt darin nicht vor: Obwohl stärkste Partei, landet sie unerwartet in der Opposition. In der anschließenden turbulenten Aussprache kündigt die CDU schärfsten Widerstand an. Reporter dieses Ereignisses ist der spätere Intendant des Süddeutschen Rundfunks Hans Bausch. Die Regierung unter Reinhold Maier ist eine provisorische. Maier wird bei den Bundestagswahlen im kommenden Jahr abgestraft und muss 1953 den Posten des Ministerpräsidenten für Gebhard Müller (CDU) räumen. "Südweststaat" soll nicht der endgültige Name bleiben Die Arbeit der Verfassunggebenden Versammlung geht weiter. Denn noch hat das neue Bundesland keinen endgültigen Namen. Niemand will, dass es auf Dauer „Südweststaat“ heißt. Aber die endgültige Entscheidung darüber fällt erst anderthalb Jahre später.

  6. Der Südwestfunk befragt den Himalaya-Forscher Prof. Günter Oskar Dyhrenfurth zum mysteriösen Schneemenschen, der später allgemein als Yeti bezeichnet wird. Einige Monate vor dem Interview wurden erneut Spuren dieses mutmaßlichen Wesens gesichtet, das als halb Tier, halb Mensch beschrieben wird. Dyhrenfurth schlägt zur weiteren Erforschung eine Expedition vor, inklusive Jäger. "Eine der Weltsensationen, die die erste Mount Everest Expedition im Jahre 1921 mitbrachte, war ein fantastisch klingender Bericht über wilde Schneemenschen, deren Spuren man oben im Mount Everest Gebiet über 6000 Meter hoch, also weit über der Waldgrenze, und im ewigen Schnee und Eis gefunden habe. Ein englischer Journalist, Mr. Henry Newman, hat damals die Träger, die Eingeborenen, befragt und gab eine genaue Beschreibung dieser wilden Menschen, die von den Eingeborenen gesehen worden sind: Ihre Füße seien einwärts gestellt, um sie besser zum Klettern zu befähigen und ihr Haar sei so lang, dass es ihnen beim Abwärtsgehen über die Augen falle."

  7. Von den chinesischen Besatzern unter massiven Druck gesetzt, flieht der 14. Dalai Lama am 17. März 1959 nach Indien. Einen Monat später kommt er in der Stadt Tezpur im indischen Bundesstaat Assam an und wird feierlich begrüßt. Wir hören den berühmten Bergsteiger Heinrich Harrer, seit seinem Tibet-Aufenthalt ein Freund des Dalai Lama, in einer Live-Reportage. Sie besteht aus zwei Teilen; der Anfang spielt am 18. April 1959 in Tezpur. Von dort fährt der Dalai Lama weiter mit dem Zug nach Siliguri in Westbengalen. Dort setzt sich die Reportage fort.

  8. Interview mit dem Bergsteiger Heinrich Harrer. Harrer hatte damals schon sein Buch "Sieben Jahre in Tibet" geschrieben, das viele heute vor allem durch den gleichnamigen Film mit Brad Pitt kennen. In diesem Gespräch mit Interviewer Helmut Greulich erzählt er die Geschichte.

  9. 2013 gründet sich die Partei "Alternative für Deutschland", kurz AfD. Was die Gründer verbindet, ist ihre Ablehnung des Euro. Hintergrund ist die vorangegangene Finanzkrise und die europäische Unterstützung für Krisenländer wie Griechenland. Die gemeinsame Währung, so die Überzeugung der Parteigründer, habe die Krise nur noch verschärft. Erster Vorsitzender wird der Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke. Weitere prominente Unterstützer findet die Partei im ehemaligen BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel, im ehemaligen FAZ-Herausgeber Konrad Adam oder im aus der hessischen CDU ausgetretenen Politiker Alexander Gauland. Der Gründungsparteitag am 14. April in Berlin ist geprägt von Aufbruchstimmung und dem Bemühen, keinen rechts-nationalistischen Eindruck zu hinterlassen. Man sei weder links noch rechts, man sei vielmehr anders, so die Devise – und man zeigt sich enttäuscht von den etablierten, wie man sie auf dem Parteitag schon nennt: "Altparteien". Parteichef Bernd Lucke bleibt zwei Jahre an der Spitze, 2015 muss dann den Posten für Frauke Petry räumen, die ebenfalls bald gestürzt wird. 2017 zieht die AfD in den Bundestag ein. Ihre haben sich seitdem immer weiter ins rechtsnationalistische Spektrum verschoben. 2021 stuft sie das Bundesamt für Verfassungsschutz als extremistischen Verdachtsfall ein. Vom einstigen Spitzenpersonal haben viele die AfD inzwischen verlassen.

  10. 40 Jahre lang hat das Kernkraftwerk Philippsburg Strom geliefert. Ende 2019 wurde es, wie beschlossen, abgeschaltet. So wird am 14. Mai 2020 der Atomausstieg sichtbar und hörbar: Die sorgar vom Schwarzwald aus sichtbaren Kühltürme werden gesprengt. Quelle: W0916250

  11. Drei Monate nach der Katastrophe in Fukushima beschließt die Bundesregierung den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland bis 2022. In ihrer Regierungserklärung vom 9. Juni 2011 skizziert Bundeskanzlerin Merkel den Weg in ein neues Energiezeitalter.

  12. Die Atomkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011 führt zu einem Kurswechsel. Ursprünglich hat die schwarz-gelbe Koalition unter Angela Merkel den von der rot-grünen Vorgängerregierung beschlossenen Atomausstieg rückgängig gemacht und im Herbst 2010 die Laufzeitverlängerung für die bestehenden Atomkraftwerke beschlossen. Doch drei Tage nach dem Reaktorunglück verkünden Kanzlerin Merkel (CDU) und Vizekanzler Westerwelle (FDP) am 14. März 2011 ein dreimonatiges Moratorium. Es ist der Anfang vom endgültigen Atomausstieg. Angela Merkel und Guido Westerwelle treten vor die Presse Gemeinsam mit Bundesaußenminister Guido Westerwelle tritt Angela Merkel am Montag, den 14. März 2011, vor die Presse. Das Unglück im Kernkraftwerk Fukushima werde nukleare Folgen für die ganze Welt haben, daher können man nicht zur Tagesordnung übergehen, so die Bundeskanzlerin. Eine solch gewaltige Naturkatastrophe wie in Japan sei in Deutschland nicht wahrscheinlich, die deutschen Kernkraftwerke seien sicher und die friedliche Nutzung der Kernenergie werde nach wie vor als Brückentechnologie benötigt. Dennoch gelte es, nach dem Reaktorunglück in Fukushima innezuhalten. Nach dem Reaktorunglück in Fukushima muss die Lage neu analysiert werden "Die Ereignisse in Japan lehrten uns, dass Risiken, die für absolut unwahrscheinlich gehalten wurden, doch nicht vollends unwahrscheinlich sind", sagt Bundeskanzlerin Merkel. Und aus diesem Grund müsse die Lage neu analysiert werden. Moratorium: alle Atomanlagen in Deutschland werden überprüft Für die im Herbst 2010 beschlossene Laufzeitverlängerung kündigt Merkel ein 3-monatiges Moratorium an. In dieser Zeit, so die Kanzlerin, sollten alle Atomanlagen in Deutschland einer umfassenden Sicherheitsprüfung unterzogen werden. Die Sicherheit der Bevölkerung sei dabei oberstes Gebot. Und auch die Menschen in Japan und deren Leid sollten bei der Diskussion um Kernenergie nicht vergessen werden.

  13. Ende der 1970er-Jahre gerät das niedersächsische Gorleben nahe der deutsch-deutschen Grenze in den Fokus von Kernkraftgegnern. Denn dort soll ein Entsorgungszentrum für Atommüll eingerichtet werden, mit angeschlossener Wiederaufbereitungsanlage. Gleichzeitig wird der Salzstock unter Gorleben als mögliches Endlager ins Spiel gebracht – von der Bundesregierung Helmut Schmidt und der niedersächsischen Landesregierung unter Ernst Albrecht. Der Protest gegen diese Pläne findet in Form eines Treckerzugs statt. Er beginnt am 25. März 1979 im Wendland und endet am 31. März mit einer Abschlusskundgebung in Hannover. Zwischen 50.000 und 100.000 Menschen nehmen daran teil. Reaktorunfall in Harrisburg am 28. März 1979 Zusätzlichen Auftrieb bekommt der Protest durch ein Reaktorunglück beim US-amerikanischen Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg / Pennsylvania.

  14. Wyhl: Baubeginn trotz anhängigem Eilantrag gegen die Baugenehmigung Am 17. Februar 1975 beginnen die Bauarbeiten für das Kernkraftwerk Wyhl im Kaiserstuhl – obwohl beim Landgericht Freiburg noch ein Eilantrag gegen die Baugenehmigung anhängig ist. Gegner des Kraftwerks besetzen deshalb tags darauf die Baustelle. Die Ereignisse eskalieren – zum ersten Mal bei einem Kraftwerksbau in der Bundesrepublik. Es folgt ein Polizeieinsatz mit gepanzerten Fahrzeugen, Hundestaffeln und Wasserwerfern. Nach zehn Tagen fasst der Südwestfunk am 27. Februar den Ablauf der Ereignisse in einem Rückblick zusammen. Wyhl wird nicht gebaut In der Zeit nach diesen Ereignissen geht gerichtlich noch ein paar Mal hin und her. Am Ende wird das Kernkraftwerk Wyhl nicht gebaut. Ministerpräsident Lothar Späth legte das Projekt auf Eis. 1994 wird der Bau offiziell eingestellt. Einige Komponenten wurden stattdessen im fast baugleichen Kernkraftwerk Philippsburg eingesetzt.

  15. Schon ein Jahr nach der Probefahrt von Deutschlands erstem atomaren Forschungsschiff zeichnet sich ab: Handelsschiffe mit Nuklearantrieb haben wohl doch keine Zukunft. Ein Mitarbeiter des Arbeitskreises Kernenergie des Bundes und der Küstenländer erklärt, welche ungeahnten Probleme es gibt. Viel Forschung – wenig Fracht Bilaterale Verhandlungen für Anlaufgenehmigungen zogen sich in die Länge oder waren an ungewöhnlich hohe Risikosummen gebunden. So verlangte man beispielsweise für den norwegischen Hafen Narvik eine Deckungssumme von 400 Millionen DM. Als einzige anlaufbare Häfen verblieben Lissabon, Southampton und Rotterdam. Die "Otto Hahn" erwirtschaftete in ihren Jahren als Nuklearfrachter 13,7 Millionen DM. Aus wissenschaftlicher Sicht war dies jedoch kein Misserfolg, Wirtschaftlichkeit erwartete man erst in der nächsten Generation ziviler Nuklearschiffe. Auf ihren Fahrten legte die "Otto Hahn" insgesamt 650.000 Seemeilen zurück und verzeichnete 65.000 Reaktorbetriebsstunden, was der Lebensdauer von Reaktoren an Land nahe kam. Die Erkenntnisse sollten in den Bau des Nachfolgeschiffes, der NCS-80, einfließen. Kein Durchbruch trotz Ölkrise Als 1973 die Ölkrise kam, herrschte für einige Jahre Hochstimmung unter den Befürwortern einer nuklearen Handels- und Fahrgastflotte. Trotzdem kam es nicht zum Durchbruch, die geplanten Nuklear-Containerschiffe NCS 80 und 240 fanden keinen Auftraggeber. Dies hatte neben fehlender Anlaufgenehmigungen auch mit einer gewissen Skepsis gegenüber der Kernenergie zu tun. Zudem waren die Anlagen der "Otto Hahn" noch im Prototyp-Stadium und hätten weitere Investitionen in die Entwicklung notwendig gemacht. Bereits 1974 wurden die Anläufe der "Otto Hahn" spärlicher. 1977 entschied man sich gegen eine dritte Erneuerung des Reaktorkerns. 1979 wurde das Schiff verkauft und bis 1982 dekontaminiert. Bis zur Stilllegung 1979 waren etwa 200 Millionen DM in das Projekt investiert worden. Quelle: Radio Bremen

  16. Am 11. Oktober 1968 ist es so weit. Der kernkraftbetriebene Forschungsfrachter "Otto Hahn" sticht in Kiel in See. Hunderte Schaulustige stehen am Ufer der Kieler Förde und sehen zu. Von Bord berichtet Reporter Hermann Rockmann über Seefunk und ist begeistert, wie geräuscharm das Schiff fährt. Ein ambitioniertes Projekt Die "Otto Hahn" war bereits 1964 vom Stapel gelaufen, noch in Anwesenheit Otto Hahns selbst. Der Einbau des Antriebsreaktors dauerte dann noch 4 Jahre und war der mit Abstand aufwendigste Teil der Konstruktion. Insgesamt kostete das Projekt 56 Millionen DM, wovon die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM) 16 Millionen übernahm. Etwa die Hälfte, 27,5 Millionen DM, entfiel allein auf die Konstruktion des Reaktorkerns und die dafür nötigen weiteren Einrichtungen auf dem Schiff. Dazu gehörte unter anderem ein Zwischenlager ("Serviceeinrichtung") für verbrauchte Brennelemente – eine Lagerung an Land war nämlich nicht bewilligt worden. Weitere Komponenten und Dienstleistungen wurden von französischen, niederländischen, luxemburgischen und italienischen Unternehmen geliefert.

  17. Die Vorbereitung für den ersten deutschen Atomfrachter "Otto Hahn" gehen voran. Er entsteht in den Kieler Howaldtswerken, im September 1965 wird der Reaktor eingebaut – samt Auffangbehälter für Brennelemente. Die nuklearen Antriebssysteme versprachen Unabhängigkeit von Diesel- und Schweröl und einen verhältnismäßig stark reduzierten Ressourcenverbrauch. Die Vorbereitung für den ersten deutschen Atom-Frachter "Otto Hahn" gehen voran. Er entsteht in den Kieler Howaldtswerken, im September 1965 wird der Reaktor eingebaut – samt Auffangbehälter für Brennelemente. Fast genau 10 Jahre später, am 11. Oktober 1968, trug dieses Projekt Früchte: Die "Otto Hahn", der erste europäische Atomfrachter, lief zur Probefahrt aus. "Ungewöhnlich geräuscharm und nur unter ganz geringer Vibration", wie es der mitfahrende Reporter beeindruckt formulierte, glitt sie über das Wasser.

  18. Bodo Manstein warnte früh vor den Risiken der Atomenergie Als die ersten Atomkraftwerke ans Netz gingen, herrschte auch in Deutschland eine Kernkraft-Euphorie; eine Anti-Atomkraft-Bewegung gab es noch nicht. Der Mediziner und Wissenschaftspublizist Bodo Manstein gehört zu denen, die schon früh vor den Risiken warnten. 1975 gehörte er zu den Mitgründern des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND. Bodo Manstein hatte allerdings auch eine NS-Vergangenheit. 1930 war er in die NSDAP eingetreten und war Mitglied im „Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebund“. Er arbeitete als Facharzt an der Charité und geriet später in Kriegsgefangenschaft. Als Frauenarzt hatte er lange vor der Pille Bücher geschrieben über Empfängnisverhütung. Er war auch Pazifist und versuchte in den 1950er-Jahren, Proteste gegen die Atombombenversuche im Pazifik zu organisieren. In der Folge konzentrierte er sich immer mehr auf die Atomenergie und ihre Risiken. Am 29. Oktober 1964 gab er dem Südwestfunk dieses Interview. Quelle: Zeitfunk "Aus Forschung und Technik", Archiv des SWR: W0496931 +++ Oben im Bild: Eine der ersten Vorstandssitzungen des "Bund für Umwelt und Naturschutz" (BUND) 1975 mit (v.l.n.r.) Bodo Manstein, Herbert Gruhl, Hubert Weinzierl, Bernhard Grzimek und Helmut Steiniger (Foto: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND))

  19. Mit dem Kernkraftwerk Kahl am Main beginnt auch Deutschland, die Kernenergie für zivile Zwecke nutzen. 25 Jahre lang sollte es Strom liefern, 1985 wurde es stillgelegt. Im Jahr der Inbetriebnahme 1960 besucht Wissenschaftskorrespondent Ernst von Khuon das Kraftwerk und schildert, was es von herkömmlichen Kraftwerken unterscheidet.

  20. Künftig würden Frachtschiffe mit Atomantrieb fahren, erklärt Erich Bagge, leitender Physiker am frisch eingeweihten Forschungsreaktor Geesthacht bei Hamburg. Der neue Reaktor solle den Weg dahin ebnen. Bagge erklärt, wo die Herausforderungen für atombetriebenen Schiffe liegen.