Archivradio – Geschichte im Original

SWR
1013
16.10.2026
Beschreibung
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog

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Episoden
  1. In Geesthacht bei Hamburg geht der bis dahin größte deutsche Kernforschungsreaktor in Betrieb. Die Atomkrafteuphorie ist damals groß. Der neue Reaktor füge sich schön in die Landschaft, schwärmt der Reporter.

  2. Initiative der Opposition: Treffen in der Frankfurter Kongresshalle Parallel zur Bundestagsdebatte über die atomare Aufrüstung im März 1958 findet in der Frankfurter Kongresshalle eine Kundgebung gegen den Atomtod statt. Initiiert von einem Bündnis aus den Oppositionsparteien SPD und FDP, aus Gewerkschaften und Kirchen. Die Kundgebung ist Teil einer großen Kampagne, die sich durch das Frühjahr zieht, mit Mahnwachen und Gottesdiensten und sogenannten Friedensstreiks, die Atomwaffen-Gegner in einigen Unternehmen organisieren. Die Kundgebung gegen den Atomtod fand am 23. März statt, somit am Samstag, bevor der Bundestag am Montag das Thema abschließend diskutierte. Redner*innen Prof. Walter Weizel, Physiker Helene Wessel (SPD) Stefan Andres, Schriftsteller Prof. Heinrich Vogel, Theologe Prof. Eugen Kogon, Publizist Erich Ollenhauer (SPD; im Bild)

  3. Am 12. April 1957 veröffentlicht der Ausschuss Kernphysik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft eine Erklärung, die für Aufsehen sorgt. Die Wissenschaftler sprechen sich in diesem "Göttinger Manifest" gegen eine atomare Aufrüstung und eine Stationierung von Atomwaffen aus. Carl Friedrich von Weizsäcker initiiert Göttinger Manifest Initiiert hat das Ganze Carl Friedrich von Weizsäcker, zu den Mitunterzeichnern gehören die Nobelpreisträger Otto Hahn, Max Born und Werner Heisenberg. Sie hatten im Vorfeld erfolglos versucht, durch Gespräche die Bundesregierung von ihrem Plan abzubringen, die Bundesrepublik mit Atomwaffen auszustatten. So sehr die Physiker Atomwaffen ablehnen, so sehr plädieren sie jedoch im gleichen Atemzug für eine friedliche Nutzung der Kernenergie. Konrad Adenauer und Franz Josef Strauß reagieren verärgert Als die Erklärung veröffentlicht ist, reagieren Konrad Adenauer und sein Verteidigungsminister Franz Josef Strauß ziemlich verärgert und werfen den Physikern politische Ignoranz vor. Die Wissenschaftler schweigen daraufhin erst einmal. Carl Friedrich von Weizsäcker erläutert seinen Standpunkt Nach gut zwei Wochen schließlich erklärt Carl Friedrich von Weizsäcker in einem langen Vortrag in Bonn, welche Überlegungen hinter der Erklärung stehen. Am folgenden Tag fasst er sie in einem Interview zusammen. Im Bild: Carl Friedrich von Weizsäcker (rechts), Otto Hahn (links) und Walther Gerlach (Mitte) treffen am 17. April 1957 im Bonner Palais Schaumburg ein, um mit Bundeskanzler Konrad Adenauer die von ihm scharf kritisierte "Göttinger Erklärung" zu diskutieren

  4. Technischer Wettstreit in Sachen Kernenergie Am 17. Oktober 1956 geht im englischen Lake District das Kernkraftwerk Calder Hall ans Netz. Im Archiv des Südwestfunks ist die Aufnahme mit „Erstes Atomkraftwerk der Welt“ beschriftet, doch tatsächlich ging bereits vier Monate zuvor in der Sowjetunion bereits das Kernkraftwerk Obninsk in Betrieb. Bei der Kernenergie gab es also wie auch in der Raumfahrt einen technischen Wettlauf zwischen Ost und West. Vorreiter im Westen ist Großbritannien. Die junge Königin Elizabeth II höchstpersönlich ist dabei, als das Kraftwerk ans Netz geht. Franz Josef Strauß will unbedingt dabei sein Deutschland ist vertreten durch Franz Josef Strauß (CSU); der ist mittlerweile eigentlich Verteidigungsminister. Seine Amtszeit als Atomminister sollte also schon zu Ende sein. Aber das Spektakel in England wollte er sich nicht entgehen lassen; deshalb hat er seine Ministerurkunde als Atomminister behalten, obwohl sein Nachfolger bereits im Amt ist. Diese Verwicklungen erklärt er recht vergnügt am Schluss des Beitrags selbst. Reporter ist der Wissenschaftskorrespondent des SWF, Ernst von Khuon.

  5. Konferenz "Atom für den Frieden" in Genf Dort, wo sonst der Genfer Automobilsalon stattfindet, treffen sich Fachleute 1955 zu einer Konferenz unter dem Motto „Atom für den Frieden“. Anstoß ist die Atomrede des US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower "Atoms for Peace", in der er die Gründung einer internationalen Atomenergie-Organisation angeregt hat. Unter Federführung der Vereinten Nationen findet die Konferenz vom 8. bis zum 20. August 1955 statt. Südwestfunk-Reporter Ernst von Khuon zeigt sich von dem, was er hört, äußerst beeindruckt. Hier sein Abschlussbericht vom letzten Konferenztag. Quelle: W0255823

  6. US-Luftwaffe: Abwurf der Plutoniumbombe "Fat Man" 1945 auf Nagasaki Drei Tage nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima flogen drei US-Militärflugzeuge Richtung Nagasaki, morgens kurz nach vier Uhr. Eins der Flugzeuge trug eine weitere Bombe, die Plutoniumbombe "Fat Man". Ein zweites enthielt wissenschaftliche Instrumente. Das dritte war ein Begleitflugzeug mit weiteren Soldaten. Unter ihnen der englische Fliegeroberst Leonard Cheshire. Zehntausende Tote beim Angriff auf Nagasaki Cheshire sprach Deutsch. Jahre später, 1959, erzählt er im Rahmen eines Radiofeatures mit dem Titel "Die Drohung" vom Einsatz über Nagasaki. Die Bombe tötete 22.000 Menschen direkt, zehntausende starben innerhalb der nächsten Monate an den Folgen.

  7. 1955 werden Fälle bekannt, in denen die Stasi Journalisten aus West- nach Ostberlin verschleppt oder erpresst. Giftpralinenanschlag auf Lisa Stein scheitert Ende März 1955 etwa versucht der Stasi-Agent Gerhard Beck, die RIAS-Mitarbeiterin Lisa Stein zu entführen. Der RIAS war der Rundfunk im amerikanischen Sektor. Beck kannte Lisa Stein und gab ihr in einem Café eine mit Scopolamin vergiftete Praline, die sie betäuben sollte. Der Anschlag misslang, weil das Gift nicht sofort wirkte. Am 2. April – beim Versuch, einen anderen RIAS-Mitarbeiter zu entführen – wird Gerhard Beck verhaftet. Am 6. April berichtet der RIAS ausführlich über diesen und andere Fälle. Die Sendung beginnt mit einem Appell von RIAS-Programmdirektor Eberhard Schütz . DDR-Rundfunk reagiert Tags darauf erfolgt die Antwort des DDR-Rundfunks – in Form einer Glosse, die die Empörung in Westberlin ins Lächerliche zieht. Der Kommentator greift dabei auch den Fall des erfolgreich von der Stasi entführten Journalisten Karl Wilhelm Fricke auf. Dann geht er auf die anderen Fälle von entführten und erpressten Journalisten ein. Quelle: Deutschlandradio DZ097060

  8. Fördert der Comic-Schund das Analphabetentum? Comics sind Schund, gefährden die sittliche Entwicklung von Jugendlichen und fördern das Analphabetentum! Das war in den 1950er-Jahren die vorherrschende Auffassung unter Erziehungsfachleuten. Müssen sie also verboten werden? Bundesgerichtshof fällt Urteil über "Bildstreifenhefte" Der Streit darüber eskaliert bis zum Bundesgerichtshof. Dieser kommt zu einem Urteil, das – wie es in der folgenden Sendung heißt – von "Eltern und Jugenderziehern noch lebhaft erörtert werden wird". Demnach sind "Bildstreifenhefte" nicht per se und nicht "offensichtlich" jugendgefährdend, vielmehr komme es auf den Inhalt an! Aus der Residenz des Rechts "Aus der Residenz des Rechts" heißt diese traditionsreiche Sendung, die der Süddeutsche Rundfunk jahrzehntelang im Programm hatte und in der immer wieder – wie hier – Bundesrichter ihre Urteile im Radio erläuterten.

  9. Am 31.3.1946 startet das Programm des Südwestfunks. So klangen die ersten Nachrichten. Sie sind im Original nicht mehr erhalten, sondern wurden später nachgesprochen. Thema sind Lebensmittelknappheit und Ausgangsbeschränkungen. Im Bild: Der Südwestfunk 1946 im Hotel Kaiserin Elisabeth in Baden-Baden

  10. Die Gastgeber verlieren zwar mit 1:3, aber das Spiel stärkt das Selbstbewusstsein der Saarländer und geht als Meilenstein in die Regionalgeschichte ein. Reporter: Charly Scholz und Rudi Michel Archiv des Saarländischen Rundfunks

  11. Diese Nord-Süd-Verbindung verkürzt nicht nur den Weg von Dortmund nach Frankfurt um eine ganze Stunde, sondern bildet eine neue transkontinentale Achse im europäischen Fernstraßennetz. Bundesverkehrsminister Leber umriss ihre Bedeutung so:

  12. Regeln für legale Zuwanderung schaffen Am Ende ihrer ersten Amtszeit wollte die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder im Jahr 2002 noch ein großes Vorhaben durchbringen, nämlich das von ihr lange geplante Zuwanderungsgesetz. Bis dahin gab es Menschen von außerhalb der EU kaum legale Möglichkeiten, in Deutschland Fuß zu fassen – außer über einen Status als Geflüchtete. Die Wirtschaft wiederum klagt damals stark über einen Fachkräftemangel, vor allem im IT-Sektor. Das neue Zuwanderungsgesetz soll nun qualifizierten ausländischen Fachkräften den Weg nach Deutschland erleichtern und überhaupt Regeln für eine legale Zuwanderung schaffen. SPD denkt sich verfassungswidrigen Verfahrenstrick aus Im Bundestag hat Rot-Grün eine Mehrheit, im Bundesrat allerdings nicht. Das entscheidende Bundesland ist Brandenburg. Dort gibt es eine Landesregierung aus SPD und CDU. Der eine Koalitionspartner dafür, der andere dagegen – das läuft normalerweise auf eine Enthaltung hinaus. Damit würde das Gesetz aber scheitern. Also denkt sich die SPD einen – wie das Verfassungsgericht später feststellen wird – verfassungswidrigen Verfahrenstrick aus. Dieser sorgt im ersten Schritt für erhebliche Unruhe im Bundesrat und im zweiten für eine interessante Diskussion über Schauspielerei und Inszenierungen in der Politik. Zunächst der Bericht vom 22. März 2002. "Kalkulierte Ausbrüche": Peter Müller philosophiert über Politik als "legitimes Theater" Tatsächlich: Einer der CDU-Politiker, der Saarländische Ministerpräsident Peter Müller, räumte zwei Tage später ein, dass die zur Schau getragene Empörung seiner Parteifreunde nicht spontan kam, sondern verabredet war. Den Anlass für diese offenen Worte gibt ihm eine Veranstaltung im Saarbrücker Staatstheater. Dort ist er eingeladen, über das Thema Politik und Theater zu reden. Hier die entscheidende Passage aus jener Rede, in der Peter Müller auf die Bundesratsabstimmung Bezug nimmt und erzählt, wie die Union ihren Auftritt vorbereitet hat. Die neuen Zuwanderungsregeln waren auch im Bundestagswahlkampf nochmal ein großes Wahlkampfthema, doch entgegen der Hoffnung der Union wurde die Schröder-Regierung dafür nicht abgestraft, sondern wiedergewählt. Zuwanderungsgesetz nach Verfahrenstrick erneut eingebracht: 2005 tritt es in Kraft Allerdings konnte das Zuwanderungsgesetz nicht, wie geplant, zum 1. Januar 2003 in Kraft treten. Das Bundesverfassungsgericht erklärte das Gesetz für nichtig – weil das Verfahren im Bundesrat nach seiner Auffassung verfassungswidrig war. Die Stimmen aus Brandenburg hätten eben nicht als Zustimmung gewertet werden dürfen. Also blieb der rot-grünen Regierung nichts anderes übrig, als das Gesetz 2003 noch einmal einzubringen. Inzwischen hatten sich die Mehrheitsverhältnisse in den Ländern wieder verschoben. So konnte das Zuwanderungsgesetz mit zwei Jahren Verspätung 2005 in Kraft treten. Peter Müller wechselte 2011 nach 12 Jahren als Ministerpräsident des Saarlands als Richter ans Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.

  13. Deutschland erhebt keine Ansprüche mehr auf Elsass-Lothringen Nach dem Ersten Weltkrieg sollte das Rheinland eigentlich bis 1935 von den Alliierten besetzt bleiben. Doch Außenminister Gustav Stresemann erzielt im Vertrag von Locarno einen Kompromiss. Deutschland erkennt die Westgrenze zu Frankreich und Belgien an – erhebt also auch keine Ansprüche mehr auf Elsass-Lothringen. Dafür endet die Besatzung früher. Die erste Besatzungszone wird 1926 geräumt. In ihr lag auch Köln. Empfang der Stadt Köln In der Nacht zum 1. Februar findet dort die erste einer ganzen Reihe von Befreiungsfeiern statt, die auch im Rundfunk übertragen wurden. Sie ist allerdings nicht erhalten. Es existiert aber eine Rede von Reichspräsident Paul von Hindenburg. Er hat sie einige Wochen später am 21. März bei einem Empfang der Stadt Köln gehalten. Im Bild: Reichspräsident Paul von Hindenburg in Köln am 21. März 1926; rechts mit Zylinder der Oberbürgermeister von Köln, Konrad Adenauer

  14. Von US-Soldaten aufgespürt: Iraks Diktator hatte sich in Erdloch verschanzt Nach der Eroberung Bagdads und dem Sturz Saddam Husseins durch US-amerikanische und britische Truppen versteckte sich der irakische Diktator im Untergrund. Erst neun Monate später, am 13. Dezember 2003, wird er in der Nähe seiner Heimatstadt Tikrit gefunden. Nach Darstellung der Ermittler hatte er sich in einem gemauerten Erdloch verschanzt, hatte 750.000 US-Dollar in bar und ergab sich den US-Soldaten kampflos. Der erste der folgenden beiden Beiträge schildert die Situation im Irak, der zweite die Reaktion von US-Präsident George W. Bush. Ein halbes Jahr später wird Saddam Hussein der irakischen Justiz übergeben. Ein weiteres Jahr später beginnt der Prozess gegen ihn. Nach einem Jahr wird Saddam Hussein zum Tod durch den Strang verurteilt und am 5. November 2006 hingerichtet.

  15. USA greifen den Irak an – die Begründungen erweisen sich als falsch Am 20. März 2003 greifen die USA unter Präsident George W. Bush den Irak an. Großbritannien wird sich kurz darauf anschließen. Die offiziellen Begründungen lauten: Der Irak unterstütze den internationalen Terrorismus und das Terrornetzwerk al-Qaida. Und der Irak habe Massenvernichtungswaffen. Beides hielten die meisten unabhängigen Fachleute damals schon für falsch, was sich später auch bestätigen sollte. Deutschland, Frankreich und Russland lehnen den Krieg ab Die Bundesregierung lehnte den Krieg zusammen mit Frankreich und Russland ab. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte damit im vorangegangenen Bundestagswahlkampf auch Punkte in der Bevölkerung gemacht. Das Verhältnis zum US-Präsidenten hatte darunter ziemlich gelitten, doch die USA hat es nicht vom Krieg abgehalten. Sondersendungen am Tag des Angriffs In vielen Radiosendern laufen an jenem Tag Sondersendungen mit Berichten aus aller Welt. Wir hören Berichte über die Reden von US-Präsident Bush, von Iraks Diktator Saddam Hussein und US-Verteidungsminister Donald Rumsfeld. Und wir hören die kritische Stellungnahme von Bundeskanzler Gerhard Schröder und noch kritischere Reaktionen aus der deutschen Bevölkerung. Los geht es mit einem ersten Live-Gespräch um 4:30 Uhr mit ARD-Reporter Stephan Kloss, der die Situation in der Hauptstadt Bagdad schildert.

  16. Juventus Turin, Inter Mailand, FC Bayern München – Giovanni Trapattoni hat in seiner Karriere viele Spitzenvereine trainiert. "Was erlaube Strunz?!" – Trapattonis Wutrede nach Niederlage gegen Schalke In Erinnerung geblieben ist er jedoch vor allem wegen eines Ausrasters am 10. März 1998, dessen Sätze immer wieder gerne zitiert werden: "Spieler schwach wie eine Flasche leer." – "Was erlaube Strunz?!" – "Ich habe fertig!". Vorausgegangen war eine 0:1-Niederlage der Bayern gegen Schalke 04.

  17. Friedensvertrag von Brest-Litowsk 1918 Am 3. März 1918 kommt es zum Friedensschluss mit Russland. Der Präsident des Preußischen Abgeordnetenhauses Hans von Schwerin-Löwitz erklärt, man könne sich nun auf die Westfront konzentrieren. Er spricht vom „Endsieg“ und verliest ein Glückwunschtelegramm an den Kaiser. Hans von Schwerin-Löwitz spricht im Abgeordnetenhaus Am 3. März 1918 ist der Friedensvertrag zwischen dem Reich mit seinen Verbündeten und der russischen Regierung unterzeichnet worden. "Dass er eine weittragende weltgeschichtliche Bedeutung, ganz besonders für das Königreich Preußen, besitzt, darüber kann ein Zweifel wohl nicht bestehen". Der Vertrag bedeute einen strategischen Vorteil, weil man sich jetzt auf die Westfront konzentrieren könne und die gefährdeten Ostgrenzen des Königreiches Preußen gesichert seien. Hans von Schwerin-Löwitz verliest sein Glückwunschtelegramm an den Kaiser: "Aus Anlass des gestern an unserer Ostgrenze vollzogenen siegreichen Friedensschlusses mit Russland, den wir in erster Linie den unvergänglichen Ruhmestaten unseres Heeres und seiner großen Führer verdanken, wollen Eure Majestät auch die ehrerbietigsten Glückwünsche des preußischen Abgeordnetenhauses zu dieser neuen Sicherung unserer Ostgrenzen, der neuen Wahrung des Deutschtums in den benachbarten deutschen Ordensländern, huldvoll entgegennehmen. Gott der Herr wolle Eurer Majestät vergönnt sein lassen, unserem Volke zu diesem Teilfrieden bald einen gleich siegreichen allgemeinen deutschen Frieden mit allen unseren Feinden bereiten zu können." Er gedenkt der unvergleichlichen Heldentaten der deutschen Truppen als weitere Etappe zum Frieden. Den Waffen an der Westfront "wird mit Gottes Hilfe der volle Endsieg bald nicht mehr fehlen". Aufnahmedatum: 8.3.1918 (Nachaufnahme der Rede) Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)

  18. Der Berliner Pfarrer Heinrich Albertz am 3. März 1975 kurz vor Abflug in der offenen Tür eines Flugzeugs. Neben ihm Gabriele Kröcher-Tiedemann, eine der fünf für den CDU-Politiker Peter Lorenz freigepressten Terroristen. Lorenz wurde später von seinen Entführern freigelassen und Albertz kehrte wohlbehalten zurück. Pressekonferenz von Peter Lorenz im Schöneberger Rathaus, Raum 195. Der von Mitgliedern der RAF einführte Vizepräsident im Berliner Abgeordnetenhaus ist erst seit 13 Stunden in Freiheit, 150 Journalisten warten auf ihn. Als Lorenz eintritt, empfängt ihn die Presse mit Applaus. Ein Kameragewitter bricht los. Lorenz bittet die knappe Zeit zu entschuldigen. Er habe nur drei Stunden geschlafen und in den Tagen zuvor "wie Sie sich denken, nicht regelmäßig." Der Spitzenkandidat der CDU im Landtag war drei Tage vor der Wahl entführt worden. Diese Aktualität und seine Prominenz waren laut Lorenz für die Entführer entscheidend, ihn auszuwählen. Er warnt davor, dass sich das jederzeit mit anderen Personen an anderen Orten wiederholen könne. Nach sieben Minuten beginnen die Fragen der Journalisten. Übernahme vermutlich von ARD Tagesschau Reporter: Hans-Dieter Jenne Archiv des Deutschlandradio

  19. Peter Lorenz, CDU-Spitzenkandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters Peter Lorenz, Spitzenkandidat der CDU für das Amt des Regierenden Bürgermeisters in Berlin, war von Mitgliedern der RAF entführt worden. Die "Bewegung 2. Juni" forderte die Freilassung von RAF-Häftlingen. Alle vier Partien kamen binnen weniger Tage zum Konsens, darauf einzugehen. Innenminister Werner Maihofer: Man habe einvernehmlich "die Rettung des Lebens von Peter Lorenz über Gesichtspunkte der Staatsraison gestellt". Diese Entscheidung sei nicht Ausdruck einer Schwäche des Rechtsstaates. Bundesjustizminister Vogel schildert die Rechtslage so: "Die Erpresser haben die Freilassung von Straf- bzw. Untersuchungsgefangenen verlangt. Das ist eine strafbare Handlung." Der Austausch der Gefangenen gegen den Entführten Peter Lorenz sei nur deswegen rechtlich möglich, weil hier das geschützte Interesse (das Leben der Geisel) das beeinträchtige Interesse (der Strafanspruch des Staates und die Integrität des Rechtsanspruchs) eindeutig überwiege. Entgegen kursierenden Gerüchten gebe es keine Grundentscheidung für alle ähnlich gelagerten Fälle der Zukunft. Der Krisenstab, den Maihofer leitet, knüpfe augenblicklich Regierungskontakte mit Ländern, die bereit sein könnten, die Häftlinge aufzunehmen. Die SPD wehrt sich dagegen, in die Nähe von Terroristen gerückt zu werden. Freilassung von Peter Lorenz Am 5.3.1975 kommt Peter Lorenz frei und gibt umgehend eine Pressekonferenz. "Bewegung 2. Juni": Todestag von Benno Ohnesorg Der Name der "Bewegung 2. Juni" bezieht sich auf das Datum des Todes von von Benno Ohnesorg. Er war am 2. Juni 1967 bei einer Demonstration in West-Berlin von einem Polizisten erschossen worden.

  20. Hermann Flohns Hinweis auf menschengemachten Klimawandel 1941 Hermann Flohn (1912 - 1997) gehörte auf dem Gebiet zu den Pionieren. Er hat die Möglichkeit eines menschengemachten Klimawandels bereits in seiner Habilitation 1941 beschrieben, in seinem Aufsatz "Die Tätigkeit des Menschen als Klimafaktor" für die Zeitschrift für Erdkunde. Doch bis das Thema in der Politik Gehör fand, war es ein weiter Weg.