Archivradio – Geschichte im Original

SWR
1013
16.10.2026
Beschreibung
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog

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Episoden
  1. Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen Als Konsequenz des NATO-Doppelbeschlusses und der gescheiterten Abrüstungsgespräche mit Moskau werden auch in Deutschland atomare Mittelstreckenraketen stationiert, neben Bitburg ist die Mutlanger Heide bei Schwäbisch Gmünd als Standort für die Raketen ausgewählt. Im September 1983 wird sie zum zentralen Protestort der Friedensbewegung, die die Stationierung verhindern will. Teilnehmer sind unter anderem der Schauspieler Dietmar Schönherr und die Grünen-Politikerin Petra Kelly. Die Blockade beginnt am 1. September – 44 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Friedenscamp dauert länger als geplant Am nächsten Tag geht die Blockade weiter. Bestätigt fühlen sich die Atomwaffengegner durch den Abschuss eines südkoreanischen Flugzeugs durch das sowjetische Militär. Am 3. September endet das Friedenscamp – zumindest ist es so geplant. Doch es kommt anders. Eine Reihe von Demonstranten bleibt noch mehr als eine Woche in Mutlangen, bis das Lager am 12. September 1983 aufgelöst wird. Die Proteste in Mutlangen schweißen die Friedensbewegung zusammen – die Stationierung der Pershingraketen können sie nicht verhindern. Die kommen im November 1983 in Mutlangen an.

  2. Innerhalb der SPD gehörte Erhard Eppler (9.12.1926 bis 19.10.2019) dem linken Flügel an. Im Grunde dem Flügel, der den Ansichten der 1980 gegründeten Partei der Grünen sehr nahestand. Dazu gehörte die Ökologie, dazu gehörte aber auch das Engagement für die Friedensbewegung und gegen die nukleare Aufrüstung. Und so war Erhard Eppler ganz vorne dabei, bei der großen Friedensdemonstration im Bonner Hofgarten am 10. Oktober 1981 gegen den NATO-Doppelbeschluss, also die Stationierung neuer Atomraketen auf deutschem Boden. Hier seine Rede von damals.

  3. Ende der 1970er-Jahre fühlen sich die NATO-Länder in Europa bedroht durch die Stationierung neuer sowjetischer Raketen in Osteuropa. In Deutschland wirbt Außenminister Hans-Dietrich Genscher von der FDP vor dem Bundestag deshalb für den NATO-Doppelbeschluss. Er sieht einerseits vor, Europa mithilfe der USA nachzurüsten. Andererseits sollen neue Verhandlungen mit der Sowjetunion zu einer Entspannung führen. Am 11. Dezember 1979, einen Tag vor der Abstimmung über den NATO-Doppelbeschluss in Brüssel, spricht Genscher zu den Abgeordneten des deutschen Bundestages.

  4. Die Große Koalition beschließt, das Grundgesetz um eine Notstandsverfassung zu ergänzen. Im Fall von Staatskrisen und Katastrophen soll die Regierung die Möglichkeit erhalten, die Grundrechte einzuschränken. Die Außerparlamentarische Opposition der 68er-Bewegung ebenso wie führende Intellektuelle protestieren gegen die Notstandsgesetze. Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger verteidigt sie.

  5. Im Mai 1993 nehmen die Fraktionsvorsitzenden im Bundestag Stellung zur umstrittenen Änderung des Asylrechts. Es äußern sich Wolfgang Schäuble von der CDU/CSU, Hans-Ulrich Klose für die SPD, Hermann Otto Solms von der FDP und Gregor Gysi (PDS).

  6. Grüne sind noch immer gegen die Volkszählung 1987 fand die Volkszählung endlich statt. Die war eigentlich schon für 1983 geplant worden , wurde aber gestoppt, weil das Bundesverfassungsgericht datenschutzrechtliche Bedenken hatte. 1987 ist die Aufregung schon deutlich abgeebbt. Die breite Bevölkerung trägt die Volkszählung mit, doch die Grünen sind nach wie vor dagegen und rufen zum Boykott auf. Dies hat zur Folge, dass einige Parteitage zunächst nicht genehmigt werden. Brandanschlag in Heilbronn Gleichzeitig gibt es im Vorfeld der Volkszählung Angriffe auf Volkszähler. Die anderen Parteien sehen die Verantwortung dafür bei der Boykott-Kampagne der Grünen, zum Beispiel, als es am 15. Mai 1987 zu einem Brandanschlag auf das Büro der Volkszählung in Heilbronn kommt. Bundestag diskutiert über Sabotageakte Eine Woche später, am 21. Mai, diskutiert der Bundestag über den Boykottaufruf der Grünen, über die Sabotageakte in verschiedenen Bundesländern und die Frage, ob es zwischen beidem einen Zusammenhang gibt – ob die Grünen also für die Angriffe auf Volkszähler mitverantwortlich sind. Im Bild: Polizisten im April 1987 vor der Geschäftsstelle der Grünen in Bonn anlässlich der Volkszählung

  7. Philipp Scheidemanns Rede in Auszügen Auf beiden Seiten werden die leidenden Völker mit Vertröstungen hingehalten / Seit drei Jahren wird gesagt, die Entscheidung stehe bevor / Erdrückende Mehrheit des Volkes lehnt das Eroberungsziel ab / Für einen Frieden der Verständigung / Sozialdemokraten werden sich dem Krieg aufs entschiedenste widersetzen / Alldeutsche verhöhnen diese Haltung als einen Verzichtfrieden / Was soll das heißen, und auf was verzichten wir überhaupt? "Wir verzichten auf die Fortsetzung dieses Krieges, wir verzichten auf hunderttausende Tote, hunderttausende Krüppel, wir verzichten auf tägliche Lasten von Hundertmillionen, wir verzichten auf die weitere Verwüstung Europas, wir verzichten aber auf kein Stück deutschen Landes und kein Stück deutschen Gutes, wir verzichten auf das, was wir gar nicht besitzen, wir verzichten auf die Illusion, dass der Krieg einen Gewinn bringen wird, der uns nicht zusteht, für den wir weitere furchtbare Opfer bringen müssten, und den wir doch nicht erreichen würden. Wir verzichten darauf, andere Völker zu vergewaltigen und zu unterdrücken. Wir verzichten aber nicht darauf, dass das deutsche Volk als ein freies Volk aus diesem entsetzlichen Krieg hervorgeht ..." Philipp Scheidemann: erster Reichskanzler der Weimarer Republik Der Redner Philipp Scheidemann (1865 – 1939) war SPD-Politiker. Mitglied des Reichstags war er 1903-1918 und wieder 1920 bis 1933. Während des Krieges wendet er sich gegen die Kriegszielpropaganda des Alldeutschen Verbands und tritt für einen Verständigungsfrieden ohne Kriegsentschädigungen und Annexionen ein. Scheidemann rief während der Novemberrevolution am 9.11.1918 die Republik aus. Er war erster Reichskanzler der Weimarer Republik von Februar bis Juni 1919. Die Rede in Kurzfassung wurde 1920 nachträglich aufgenommen

  8. 28 Jahre nach der Gründung des Bundeslands Rheinland-Pfalz gibt es im Januar 1975 Volksabstimmungen in einigen Landesteilen. Die Menschen dürfen abstimmen, ob sie weiter Teil des Bundeslands bleiben oder Nordrhein-Westfalen bzw. Hessen angehören wollen. Die Wahlbeteiligung ist niedrig. Die Bevölkerung scheint das anfangs umstrittene Bundesland angenommen zu haben.

  9. Fast 22 Jahre lang war Peter Altmeier Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Am 18. Mai 1969 tritt er zurück und macht damit Platz für einen Jüngeren: Helmut Kohl. Der ist gerade einmal 39 Jahre alt und steht für einen Generationswechsel in der CDU. Landtagspräsident Otto van Volxem gibt Anweisungen zum Procedere der Wahl und trägt danach das Ergebnis vor: 96 Abgeordnete haben sich an der Wahl beteiligt, 57 stimmten für Kohl, 38 gegen ihn. Es gab eine Enthaltung. Anschließend wird Helmut Kohl vereidigt. Erste Rede von Helmut Kohl: Generationenwechsel und Nationalsozialismus In seiner ersten Rede beschreibt Helmut Kohl den Generationswechsel in der Landespolitik und erinnert an die schlimmen Jahre im Dritten Reich und im Zweiten Weltkrieg.

  10. Nach dem Krieg sollten das Saarland und Rheinland-Pfalz ein gemeinsames Bundesland bilden. Das war zumindest der Plan der US-amerikanischen Besatzungsmacht. Es kam anders, als Frankreich die Kontrolle über die linksrheinischen Gebiete übernahm. Zum 10-jährigen Bestehen des Bundeslands Rheinland-Pfalz beleuchtet der Südwestfunk die Entwicklung in einer Chronik. Der wichtigste Zeitzeuge ist Hermann Heimerich. Er war vor dem Krieg Oberbürgermeister von Mannheim und noch einmal von 1949 bis zu 1955. Unmittelbar nach dem Krieg war er von Mai bis Juli 1945 Oberregierungspräsident der Provinzialregierung Mittelrhein-Saar.

  11. Als 1947 unter der französischen Besatzung das Land Rheinland-Pfalz entstand, war Mainz schon als Landeshauptstadt vorgesehen. Die Stadt war aber so zerstört, dass keine geeigneten Regierungsgebäude zur Verfügung standen. Deshalb diente zunächst Koblenz als provisorische Hauptstadt. Am 24. Juli 1950 konnte die Regierung dann umziehen. Mainz wurde Landeshauptstadt und das wurde groß gefeiert, wie damals Peter von Hof berichtete. Im Bild: Blick auf das rheinland-pfälzische Regierungsviertel in der Stadt Mainz. Das hohe Gebäude im Hintergrund links ist der Landtag, rechts daneben die neue Staatskanzlei, die kleinen Gebäude davor sind links die Landtagsbibliothek und rechts in der Mitte das Fraktionshaus (Archivbild vom 17.5.1962)

  12. Im Hungerjahr 1946 gibt es wenig Abwechslung auf dem Teller, wenn es denn überhaupt genug zu essen gibt. Im Landfunk gibt es deshalb Rezepte für alle, die ihre Familien satt machen müssen und wenige Zutaten zur Verfügung haben. 1946 stehen Spinat und Kartoffeln auf der Speisekarte.

  13. In seiner ersten Regierungserklärung im Juli 1947 schwört der erste gewählte Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz das Land auf schwierige Aufgaben und Jahre der Entbehrung ein. Im Bild: Die Mitglieder des Kabinetts des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Peter Altmeier (1. Reihe, rechts; Archivfoto vom Juli 1947, Rathaussaal Koblenz). Erste Reihe (von l nach r): Oskar Stübinger (CDU, Landwirtschaft und Ernährung), Dr. Hans Hoffmann (SPD, Finanzen), Fritz Neumayer (LDP, Wirtschaft und Verkehr), Dr. Adolf Süsterhenn (CDU, Justiz und Kultus), Jakob Steffan (SPD, Innenminister), Ministerpräsident Peter Altmeier (CDU). Zweite Reihe (von l nach r): Wilhelm Bökenkrüger (SPD, Arbeit), Willy Feller (KPD, Wiederaufbau), Hans Junglas (CDU, Gesundheit und Wohlfahrt).

  14. Nach dem Hungerwinter 1946/47 herrscht Not in Rheinland-Pfalz. Es gibt zu wenig zu essen. In der ersten Sitzung des neuen Landtags am 4. Juni 1947 geht es daher vor allem um die Ernährungslage. Ein Redakteur des Landfunks kommentiert die Landtagssitzung mehr als zehn Tage später. Er beklagt den Schwarzhandel und dass manche mehr an ihren Profit denken, statt zu helfen, den Hunger zu bekämpfen. Im Bild: Mangel herrschte nach dem Zweiten Weltkrieg in ganz Deutschland. Im Bild ein Schwarzmarkt 1946 in Leipzig.

  15. Bevor Peter Altmeier erster Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz wurde, war er Regierungspräsident von Montabaur und Mitglied der beratenden Landesversammlung Rheinland-Pfalz. Er hatte einen entscheidenden Anteil an der Ausarbeitung der Verfassung des Landes. Im Dezember 1946 äußert er sich für die Christdemokraten zu einer Erklärung der provisorischen Regierung. Er hebt hervor, dass die CDU trotz absoluter Mehrheit angesichts des Lebensmittelnotstands im Land – es mangele sogar an Wein und Tabak! – auch die anderen politischen Kräfte in der Regierung einbindet. In der Gründung von Rheinland-Pfalz sieht er eine "Rückkehr der demokratischen Republik an den Rhein - in die Wiege des Deutschtums"

  16. Kasparow gewinnt einige Spiele – aber "Deep Blue" gewinnt mehr Garri Kasparow gilt bis heute als einer der besten Schachspieler aller Zeiten. 15 Jahre lang durfte er sich Schachweltmeister nennen, doch auf dem Höhepunkt seiner Karriere muss Kasparow erleben, dass auch er nicht unschlagbar ist. Ausgerechnet ein Computer besiegt ihn in einem mehrtägigen Duell in New York. Es ist nicht so, dass Kasparow keine Chance gehabt hätte, Kasparow gewann durchaus ein paar Spiele. Aber der IBM-Rechner "Deep Blue" gewann eben mehr. Am 12. Mai 1997 ist der Kampf entschieden.

  17. In keinem Jahrzehnt gab es in der Bundesrepublik so viele Amokläufe an Schulen und Bildungseinrichtungen wie in den Jahren zwischen 2000 und 2010. 8 solche Vorfälle gab es in dieser Zeit. Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt Einer der ersten und zugleich der folgenreichste ist der Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium von Erfurt am 26. April 2002. Ein 19-jähriger Schüler erschießt 12 Lehrkräfte, eine Sekretärin, zwei Schüler, einen Polizisten und tötet am Ende auch sich selbst. Diskussion um US-amerikanische Verhältnisse und Videospiele Der Fall sorgt für große Diskussion darüber, ob US-amerikanische Verhältnisse jetzt auch in Deutschland Einzug halten, aber auch über die Rolle von Videospielen. So berichtete SWR1 am Abend der Tat.

  18. Heimatbund Badenerland will es noch mal wissen 1956 gab das Bundesverfassungsgericht dem Heimatbund Baden recht. Der hatte eine neue Volksabstimmung im badischen Teil Baden-Württembergs gefordert und bekommt sie – wenn auch erst 14 Jahre später, nämlich am 7. Juni 1970. Die Altbadener wollen weiterhin ein eigenes Bundesland Baden und geben nochmal alles, um ihre Landesleute zu mobilisieren. Sie wecken auch die Hoffnung, dass Baden mit Rheinland-Pfalz fusionieren könne. Doch das hatte der damals rheinland-pfälzische Ministerpräsident Helmut Kohl frühzeitig ausgeschlossen. Sondersendung im Rundfunk Am Abend der Volksabstimmung schließen sich der Süddeutsche Rundfunk und der Südwestfunk zu einer zweieinhalbstündigen Sondersendung zusammen. Hier ein Zusammenschnitt der wichtigsten Momente. Gekürzt haben wir vor allem die Musik sowie einige der immer wiederkehrenden Schalten in die Abstimmungszentrale. Es äußern sich u. a. Günther Klotz, 1952 bis 1970 Oberbürgermeister von Karlsruhe, Ministerpräsident Hans Filbinger (CDU), der stellvertretende Ministerpräsident Hermann Veit (SPD), der Verleger Franz Burda, Reinhold Grund (Vorsitzender Heimatbund Badenerland), Helmut Kohl (Ministerpräsident Rheinland-Pfalz).

  19. In den ersten Monaten des Jahres 1952 machen sich Badener und Württemberger mit dem Gedanken vertraut, dass sie bald in einem gemeinsamen Bundesland leben werden. Kurios: Kollerinsel ist linksrheinische Exklave Es wird zunächst Südweststaat heißen und im Westen vom Rhein begrenzt sein. Doch es gibt eine Ausnahme: ein kleines Fleckchen auf der anderen Rheinseite, die eigentlich zur Pfalz gehört. Das ist die Kollerinsel bei Schwetzingen. Über diese Kuriosität, diese linksrheinische Exklave, berichtet der Süddeutsche Rundfunk am 16. April 1952.

  20. Außer in Südbaden stimmt Mehrheit für Südweststaat Am 9. Dezember 1951 durften die Menschen im Südwesten abstimmen, ob sie für einen gemeinsamen Südweststaat sind. Die Stimmen wurden in Nord- und Süd-Württemberg sowie Nord- und Südbaden jeweils getrennt ausgezählt. Drei Tage später steht das Ergebnis offiziell fest: Außer in Südbaden stimmte überall die Mehrheit für den Südweststaat. Damit ist das gemeinsame Bundesland beschlossen. Badischer Präsident Leo Wohleb will Ergebnis nicht anerkennen Der badische Präsident Leo Wohleb will das Ergebnis noch nicht recht anerkennen. Denn wenn man alle badischen Stimmen zusammenzählt, ergäbe sich dort rechnerisch eine Mehrheit für ein eigenständiges Baden – so erläutert er es in seiner Rundfunkerklärung am 12. Dezember 1951. Gebhard Müller blickt nach vorn Im Gegensatz zu Leo Wohleb aus Baden blickt dessen Amtskollege Gebhard Müller aus Württemberg-Hohenzollern nach vorne und begrüßt die Schaffung des neuen Südweststaats.