
Archivradio – Geschichte im Original
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- 20.04.202217 min
Letzter Schlagabtausch im Landesparlament von Württemberg-Baden Wenige Tage vor der Volksabstimmung über die Zusammenlegung der drei Länder Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern zu einem gemeinsamen Südweststaat kommt es zu einem letzten Schlagabtausch im Landesparlament von Württemberg-Baden. Hier ist die Kontroverse besonders stark, weil es – wie der Name ja sagt – hier sowohl einen württembergischen als auch einen badischen Landesteil gibt. Beide Seiten tauschen noch einmal ihre Argumente aus – sowohl die Befürworter eines gemeinsamen Südweststaats als auch die Anhänger einer Zwei-Länder-Lösung mit Baden und Württemberg. Zu denen gehört auch der Karlsruher Friederich Werber von der CDU. Er führt aus, warum Baden eigenständig bleiben soll. Nach ihm reden die beiden Karlsruher SPD-Abgeordneten Alex Möller und Hermann Veit. Dann Edmund Kaufmann (CDU), Hanns Schloß (FDP) sowie Karl Mocker von der Partei Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten.
- 20.04.202223 min
Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern für den Südweststaat Für oder gegen einen Südweststaat? Die Stimmung ist unterschiedlich in den südwestdeutschen Ländern. Die Menschen in Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern haben sich in der Volksbefragung im September 1950 mehrheitlich dafür ausgesprochen, einen gemeinsamen Südweststaat zu schaffen. Doch im Land Baden ist die Mehrheit dagegen. Grundgesetz enthält einen Artikel extra für den Südwesten Um zu überlegen, wie sie aus dieser Situation herauskommen, kommen die Landeschefs nach der Volksbefragung mehrmals zusammen. Bei den Treffen spielt ein Kuriosum des damals noch jungen deutschen Grundgesetzes eine Rolle: Ins Grundgesetz wurde nämlich ein Artikel extra für den Südwesten aufgenommen. In diesem Artikel 118 heißt es bis heute: „Die Neugliederung in dem die Länder Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern umfassenden Gebiete kann […] durch Vereinbarung der beteiligten Länder erfolgen.“ Quelle: Artikel 118, Grundgesetz Die Länder können allerdings nichts vereinbaren, weil sie sich nicht einig sind. Aber der Artikel im Grundgesetz geht noch weiter, im nächsten Satz heißt es: „Kommt eine Vereinbarung nicht zustande, so wird die Neugliederung durch Bundesgesetz geregelt, das eine Volksbefragung vorsehen muss.“ Quelle: Artikel 118, Grundgesetz Länder machen der Bundesregierung Gesetzesvorschlag Das ist das Thema dieser Treffen im Herbst 1950, die zum erwartbaren Ergebnis kommen: Die Länder machen der Bundesregierung einen Gesetzesvorschlag, der auch eine Volksabstimmung vorsieht, sodass binnen eines Jahres endlich eine Entscheidung herbeigeführt werden kann. Gebhard Müller federführend aktiv Interessant in dem Zusammenhang: Die diplomatische Federführung in der Entwicklung liegt vor allem bei Gebhard Müller, Staatspräsident des Landes Württemberg-Hohenzoller. Er war derjenige, der sich für den Südwest-Artikel im Grundgesetz stark machte, er hatte die informelle Volksbefragung angeregt und er ist nun derjenige, der bei der Pressekonferenz nach dem letzten Spitzentreffen am 13. November 1950 in Baden-Baden als erster spricht – von sich übrigens in der 3. Person. Wie wird abgestimmt, wie ausgezählt? In diesen Aufnahmen klingt es so, als würden sich die Länder zumindest auf ein gemeinsames Verfahren zur Abstimmung einigen können. Doch die Wirklichkeit sieht bald anders aus. Denn Abstimmungsergebnisse kann man beeinflussen, je nachdem, wie genau abgestimmt und wie ausgezählt wird. Genau darüber wird ab jetzt weiter gestritten – ein Kampf, der ein Jahr später vor dem neu geschaffenen Bundesverfassungsgericht landet.
- 20.04.202215 min
Volksbefragung am 24. September 1950 Lohnt es sich, Pläne für einen Südweststaat voranzutreiben oder wird es dafür ohnehin keine Mehrheit geben? Um diese Frage transparent zu klären, findet am 24. September 1950 in allen drei südwestdeutschen Ländern ein Stimmungstest im Form einer nicht-bindenden Volksbefragung statt. Badener wünschen sich Grenze zwischen Baden und Württemberg Ergebnis: In Württemberg-Hohenzollern sind mehr als 90 Prozent für den Südweststaat. In Württemberg-Baden immerhin drei Viertel der Bevölkerung. Im Land Baden allerdings wünscht eine Mehrheit eine Landesgrenze zwischen Baden und Württemberg. Das bedeutet, dass es zunächst keine von allen getragene Lösung gibt. Ministerpräsident Reinhold Maier über das Ergebnis Der Ministerpräsident von Württemberg-Baden, Reinhold Maier, bewertet am 29. September 1950 vor dem Landtag das Ergebnis der Volksbefragung.
- 20.04.202212 min
1950 ist das Jahr des Wahlkampfs in der Südweststaatsfrage, denn die Abstimmung steht bevor: Soll es einen Südweststaat geben oder zwei – einen badischen und einen württembergischen? Vor allem in Baden favorisieren viele die zweite Lösung. Sie nennen sich Altbadener, denn sie wollen Baden wieder in den Grenzen von 1933, also von Wertheim am Main im Norden bis Lörrach an der Schweizer Grenze. Altbadische Kundgebung in Karlsruhe Die altbadische Bewegung war vor allem in Südbaden stark. In Karlsruhe – das politisch zu Württemberg-Baden gehörte – war die Stimmung gespalten. Deshalb galt es, hier um Stimmen zu werben und so findet am 1. Mai 1950 in Karlsruhe eine Altbadische Kundgebung statt. Dort sprechen unter anderem der Karlsruher CDU-Abgeordnete Friedrich Werber und vorher der Präsident Badens, Leo Wohleb. Wohleb knöpft sich in seiner Rede auch den schwäbischen Bundespräsidenten Theodor Heuss vor, der eine Woche zuvor in Freiburg aufgetreten war und Sympathien für einen Südweststaat durchblicken ließ.
- 20.04.202210 min
Herbst 1948: Die Besatzungsmächte erlauben den Bundesländern im Südwesten, sich neu zu sortieren, sagen aber nicht, wie. Viele Politiker sprechen sich für einen Zusammenschluss von Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern zu einem vereinigten Südweststaat aus. Leo Wohleb strebt eigenes Land Baden an – in den Grenzen von 1933 Dem Präsidenten von Baden, Leo Wohleb von der Badischen Christlich-Sozialen Volkspartei, schwebt dagegen eine rein badische Wiedervereinigung vor – also ein eigenes Land Baden in den Grenzen von 1933. Um darüber zu verhandeln, trifft er sich mit seinen Amtskollegen von Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern im „schönen Bühl“, wie er es nennt, und nimmt anschließend im Sender Radio Stuttgart Stellung.
- 20.04.20224 min
Heutiges Baden-Württemberg bestand aus drei Ländern Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in der frühen Bundesrepublik auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg drei Länder. Diese orientierten sich an den beiden Besatzungszonen: Die US-amerikanische Besatzungszone wurde zu Württemberg-Baden und umfasste das nördliche Württemberg und das nördliche Baden Die französische Besatzungszone bestand aus zwei Ländern: Baden, das zu der Zeit aus Mittel- und Südbaden bestand, und aus Württemberg-Hohenzollern. Theodor Heuss erläutert die „Londoner Empfehlungen“ Dies konnte nur ein Provisorium sein. 1948 trafen die Besatzungsmächte in London einen weitreichenden Beschluss: Sie gaben den Ländern die Möglichkeit, selbst Vorschläge für eine mögliche Neuordnung zu machen. Am 14. September 1948 erläutert Theodor Heuss die „Londoner Empfehlungen“. Heuss war damals Landtagsabgeordneter in Württemberg-Baden und Vorsitzender der liberalen Parteien in der US-amerikanischen Besatzungszone. Im September 1949 wurde er Bundespräsident. Im Bild: Theodor Heuss als Vorsitzender der Westzonen-FDP bei einer Ansprache auf einer Wahlversammlung in Berlin 1948
- 19.04.202237 min
Nachdem das Ministerium für Staatssicherheit gegründet war, gingen immer wieder Stasi-Beamte der DDR in Betriebe, um sie vor westlicher Spionage zu warnen. Oder damit zu prahlen, wie viele Spione die Stasi schon entdeckt hat. Als Spion verurteilt zu werden, bedeutete in der DDR nicht selten ein Todesurteil. Ernst Wollweber prangert Aktivitäten westlicher Geheimdienste an Dies zur Einordnung der Rede vom 23. August 1954. Ernst Wollweber, Staatssekretär im Ministerium für Staatssicherheit, spricht vor Belegschaftsmitgliedern des Elektronik-Werks für Fernmeldewesen in Berlin-Köpenick. Er schildert die politische Großwetterlage und prangert die feindlichen Aktivitäten westlicher Geheimdienste in der DDR an. Von der Utopie eines friedliebenden sozialistischen Staates Ernst Wollwebers Rede besteht inhaltlich aus zwei Teilen. Im ersten Teil beschwört er das Bild eines verlorenen, in den Hitler-Faschismus und den US-Kapitalismus zurückfallenden Westdeutschlands und eines blühenden, friedliebenden sozialistischen Ostens: „Die Entwicklung des Kapitalismus ist in eine Phase eingetreten, wo das gesamte kapitalistische System erschüttert ist, wo es in einem großen Teil der Welt ein solches kapitalistisches System überhaupt nicht mehr gibt, abgelöst ist durch die sozialistische Gesellschaftsordnung, respektiv durch eine Volksdemokratische Ordnung.“ Wollweber deutet die angeblich massiven Unterwanderungsversuche der DDR und die Werksspionage durch westliche Agenten als Zeichen für den Untergang des West-Systems. Gruppe Gehlen sei scharf auf technische Entwicklungen der DDR Im zweiten Teil seiner Rede macht Stasi-Chef Ernst Wollweber folgende Rechnung auf: Westliche Geheimdienste, vor allem die Gruppe Gehlen (Vorgänger des Bundesnachrichtendienstes), unterwanderten die DDR, seien insbesondere scharf auf die technischen Entwicklungen in den Werke in Ostberlins. Es wimmle von Spionen allein in diesem Werk für Röhrenelektronik. Er habe mit seiner Behörde nun hunderte westlicher Agenten enttarnt und festnehmen lassen; die meisten seien geständig und warteten auf ihre Prozesse. Viele davon, weiß man heute, wurden danach hingerichtet. Ernst Wollweber stand nach dem Volksaufstand von 1953 unter Druck Der Subtext der Veranstaltung war ein rein persönlicher: Wollweber stand unter Druck. Die Arbeiter der jungen DDR hatten mit ihrem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 ihre Unzufriedenheit demonstriert. Der Staatssicherheit war es nicht gelungen, den Aufstand zu verhindern. Man hatte deswegen das Ministerium für Staatssicherheit zum Staatssekretariat für Staatssicherheit degradiert. Mit dem ersten Teil der Rede versuchte sich Wollweber, einen großpolitisch denkenden Anstrich zu geben. Im zweiten Teil stellte er sich dann als führungsstark dar, nämlich als den Mann, der die angeblich massive Bedrohung der DDR durch westliche Geheimdienste mit extremem Durchgreifen unter Kontrolle bekam. Wollweber gelang es zwar im Jahre 1955, aus dem ans Innenministerium angegliederten Sekretariat für Staatssicherheit wieder ein eigenständiges Ministerium zu machen. 1957 wurde er jedoch abgelöst, nämlich von Erich Mielke. Erich Mielke blieb bis zur Wende 1989 Stasi-Chef. Personenschutz: Namen akustisch unkenntlich gemacht Der Mitschnitt beginnt mit einer kurzen Willkommensrede an „den Genossen Staatssekretär“. Darin werden einige Namen von Betriebsmitgliedern am Podium genannt, die die Stasiunterlagen-Behörde BStU in ihrer Audio-Abteilung anonymisieren, also mit akustischen Piepstönen versehen ließ. Grund ist der Schutz des Personenrechts, also der Schutz einzelner Personen, die durch die Kenntlichmachung möglicherweise negative Konsequenzen fürchten müssten. Dieses Problem betrifft den Großteil der Stasi-Mitschnitte, vor allem die Telefon- und Raumüberwachungen, wo das Einverständnis der Beteiligten, aufgenommen zu werden, selbstverständlich nicht eingeholt worden war.
- 17.04.20223 min
Propellerbetriebene Flugzeuge hatten Anfang der 1930er Jahre noch keine große Reichweite – der Zeppelin schon. Übrigens: Im Jahr der Aufnahme wurde Hugo Eckener, der Kopf der Zeppelin-Luftfahrt, auch als Kandidat für das Amt des Reichspräsidenten gehandelt. Er zog seine Bewerbung aber dann zugunsten Hindenburgs zurück.
- 08.04.202225 min
Der Vortrag wurde im Süddeutschen Rundfunk zwei Tage vor dem Attentat auf Rudi Dutschke ausgestrahlt. Günter Grass geht dabei auch auf die Ereignisse in der Tschechoslowakei ein. Bemerkenswert: Bevor Grass spricht, verteidigt der Intendant des Süddeutschen Rundfunks, Hans Bausch, höchstpersönlich die Sendung. Und ebenso erlaubt er sich am Ende ein kommentierendes Nachwort.
- 07.04.202214 min
Mord an Siegfried Buback und seinem Fahrer Wolfgang Göbel Der erste Bericht in dieser Ausgabe der Tagesschau beginnt mit dem Worten: "Die Schüsse fielen heute Morgen 9 Uhr 15 auf dieser Kreuzung. Der Fahrer, tödlich getroffen, stürzte aus dem Dienstwagen auf die Straße. Das führerlose Auto rollte noch etwa 10 Meter weiter. Hier zogen Passanten Generalbundesanwalt Buback aus dem Wagen. Er war ebenfalls tot." Später äußert Hans-Dietrich Genscher als Vizekanzler sein Mitgefühl für die Familie. Die CDU verlangt eine Verschärfung der Anti-Terrorgesetze. Die Haftbedingungen für Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe wurden bereits verschärft. Die Häftlinge befinden sich seit 8 Tagen im Hungerstreik. Die Anwälte halten die gesundheitliche Situation inzwischen für "lebensgefährlich". In seinem Nachruf auf Siegfried Buback kommentiert Emil Obermann: "Buback wollte kein Leben unter einer Schutzglocke aus Panzerglas." Weitere Themen der ARD Tagesschau Ostberlin – Fluchthilfe kann mit lebenslanger Strafe geahndet werden. Todesstrafe in der DDR per Gesetz abgeschafft. US-Präsident will Kernkraft reduzieren. Schwere Kämpfe im Südlibanon zwischen palästinensischen Gruppen und Christen. Schley: Bundesregierung wird weiterhin Befreiungsbewegungen in Afrika unterstützen. Steigende Zahl von Drogentoten. Osterreiseverkehr gerät ins Stocken, am Übergang (in die DDR) Herleshausen gibt es Wartezeiten bis 5 Stunden. Verstärkter Reiseverkehr auch über die Transitstrecken von Berlin. Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach hat eine "Rechenmaschine in Reserve, falls der Computer streiken sollte". Aprilwetter. Aus der Archivdatenbank (O-Ton) ARD-Tagesschau: Meldungen über die Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seinem Fahrer und die beginnenden Ermittlungen; Bitte um Zeugenmeldungen / (O-Ton) dpa-Redakteur über eingegangenes Bekennertelefonat der Aktionsgemeinschaft Ulrike Meinhof / Meldungen über Fahndung und Grenzkontrollen / übersprochener (O-Ton) Siegfried Buback auf einer Pressekonferenz vom 4.4.1977 in Karlsruhe / (O-Ton) Karl Schieß, Innenminister BW: Buback gehörte zu den gefährdeten Personen; lehnte ständigen Begleitschutz aber ab / Beitrag Hansjürgen Rosebauer zu verstärkten Sicherheitsmaßnahmen / (O-Ton) Hans-Dietrich Genscher: "Unser ganzes Mitgefühl gehört den Familien der Ermordeten. In dieser Stunde sollte sich jeder bewußt sein, daß es sich bei den Akteuren der Anarchisten- und Terroristenszene nicht um fehlgeleitete Idealisten handelt, sondern um Täter, die vor keiner Gewalttat zurückschrecken. Hier handelt es sich um kalten und heimtückischen Mord ..." / Meldungen: Reaktionen von Politikern auf das Attentat; Verschärfung der Haftbedingungen für die einsitzenden RAF-Mitglieder / Kommentar von Emil Obermann (SDR) / Rest-Tagesschau mit anderen Beiträgen und Wetterbericht
- 04.04.20223 min
Die Alliierten dringen immer weiter vor. In den von ihnen eroberten Gebieten haben sie teilweise Ausgangssperren verhängt. Der nationalsozialistische Sender „Werwolf“ ruft zum Widerstand auf. Reichsführer SS Heinrich Himmler (im Bild) hatte die Aufstellung der Untergrundorganisation „Werwolf“ gegen Ende des Zweiten Weltkriegs befohlen. Sie sollte durch Sabotageakte hinter den auf Berlin vorrückenden Frontlinien Terror verbreiten und die Bevölkerung von der Zusammenarbeit mit den Alliierten abhalten.
- 17.03.202220 min
"Schlechtes Mannschaftsspiel" Er war gleichzeitig SPD-Chef und Bundesfinanzminister unter Kanzler Gerhard Schröder. Am 11. März 1999 tritt Oskar Lafontaine von allen politischen Ämtern zurück. Vier Tage später beklagt er das "schlechte Mannschaftsspiel" und erklärt: "Das Herz hat einen Standort – es schlägt links". Am Tag des Rücktritts selbst hat er gar nichts gesagt, nur einen kurzen Brief geschrieben und damit eine lange SPD-Karriere mit einem Schlag beendet. Er war Saarländischer Ministerpräsident und 1990 SPD-Kanzlerkandidat. In diesem Jahr wurde er auch Opfer eines Attentats. 1995 verdrängt Lafontaine den glücklosen Rudolf Scharping vom Parteivorsitz. Zwar muss er die Kanzlerkandidatur 1998 dem – was ihn natürlich wurmt – populäreren Gerhard Schröder überlassen, tut aber alles, damit dieser die Wahl auch gewinnt. Lafontaine schweißt die damals zerstrittene SPD wieder zusammen und sorgt für Geschlossenheit. Als die rot-grüne Regierung nach dem Wahlsieg 1998 aber konkrete Politik machen musste, traten die Differenzen zwischen beiden Politikern zum Vorschein. Rund zwei Stunden nach Bekanntwerden des Rücktritts sendet SWR1 diese Hintergrundsendung. Gerhard Schröder übernimmt den SPD-Parteivorsitz Nach dem Rücktritt Lafontaines übernimmt Bundeskanzler Gerhard Schröder selbst den Parteivorsitz. Finanzminister wird Hans Eichel. Doch Lafontaine kehrt in die Politik zurück. 2007 wird er zusammen mit Lothar Bisky Gründungsvorsitzender der neuen Partei "Die Linke".
Warschauer Pakt – unter Kontrolle der Sowjetunion Eine Woche nach dem NATO-Beitritt der Bundesrepublik schließen in Warschau die Staaten Osteuropas mit der Sowjetunion ebenfalls ein Bündnis, den "Warschauer Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand", im Westen kurz Warschauer Pakt genannt. Anders als bei der NATO, in der die Mitglieder sich als gleichberechtigte Partner verstanden, war das Kommando des Warschauer Pakts unter Kontrolle der Sowjetunion. Es sorgte auch dafür, dass die einzelnen Staaten kommunistisch und moskautreu blieben. Der DDR-Rundfunk hebt bei der Vertragsunterzeichnung vor allem hervor, dass der Warschauer Vertrag einen Beitrag zum Frieden in Europa leiste und die beiden deutschen Staaten der Wiedervereinigung einen Schritt näher brächte. Otto Grotewohl hält nach der Rückkehr Ansprache in Ost-Berlin Am 15. Mai 1955 kehrt die DDR-Delegation aus Warschau zurück, dabei auch Ministerpräsident Otto Grotewohl. Er hat das Dokument für die DDR unterzeichnet und hält beim Empfang am Berliner Ostbahnhof eine Ansprache: "Zur Verwirklichung der Ziele der Warschauer Konferenz vereinen die acht am Vertrag beteiligten Staaten ihre Kräfte und sind darum in der Lage, gemeinsam und wirksam der Situation in Europa zu begegnen, die durch das Inkrafttreten der Pariser Verträge eingetreten ist. Mächtige Freunde stehen uns in diesem Kampf zur Seite. Der Vertreter des großen chinesischen Volkes erklärte auf der Warschauer Konferenz: Falls es zu einem Krieg in Europa kommt, werden die 600 Millionen Chinesen auf der Seite der Sowjetunion und ihrer Verbündeten kämpfen. Beifall Diese Erklärung kann von den imperialistischen Aggressoren nicht übersehen werden. Wir sind überzeugt, dass die Mitwirkung der chinesischen Volksrepublik dazu beitragen wird, jene Kreise in West-Deutschland und in der ganzen Welt zu ernüchtern, die Revanche-Geist und Aggressionspläne züchten. Sie werden sich nach der Warschauer Konferenz überlegen, ob noch die geringste Aussicht besteht, ihre abenteuerliche Kriegspolitik mit Aussicht auf Erfolg fortzusetzen." Monitor-Aufnahme des RIAS Bei der Aufnahme handelt es sich um einen sogenannten Monitor-Mitschnitt, das heißt der in Westberlin angesiedelte Sender RIAS hat die Sendung im DDR-Rundfunk aufgenommen und archiviert. Quelle: Deutschlandradio
- 04.03.202231 min
Atlantropa: Europa und Afrika sollen zusammenwachsen Kaum eine Idee zeugt so von der Technikverliebtheit der Nachkriegszeit wie der Atlantropa-Plan des deutschen Architekten Hermann Sörgel. Seine Idee: Das Mittelmeer vom Atlantik abriegeln, die Straße von Gibraltar dicht machen, ebenso die Verbindung zum Schwarzen Meer. Die Folge: Mit der Zeit würde der Wasserspiegel immer weiter sinken. Europa und Afrika würden zusammenwachsen. Viel mehr Landflächen stünden zur Verfügung. Und außerdem würden die Staudämme am Meeresrand gigantische Energiemengen liefern. Mittelmeer schrumpfen und neues Meer in Afrika "erschaffen" Am 5. März 1952 erklärt Herman Sörgel seinen Plan im Gespräch mit SWF-Wissenschaftskorrespondent Ernst von Khuon. Die beiden deklinieren alles durch: Was wird aus den Küstenstädten von Marseille bis Venedig? Wie kommen Schiffe künftig vom Atlantik ins Mittelmeer? Brauchen die Kontinente dann neue Namen? Unterhaltung nach Drehbuch Am Ende erklärt Herman Sörgel, dass er nicht nur das Mittelmeer schrumpfen, sondern in der Mitte Afrikas dafür ein neues Meer erschaffen will. Das Gespräch ist hörbar geskriptet, die beiden unterhalten sich offenbar nach einem vorgefassten Drehbuch. Quelle: SWR W0193297
- 01.03.202233 min
Die Studie „Grenzen des Wachstums“, die der Club of Rome 1972 erstellen ließ, geht zurück auf eine Initiative von Eduard Pestel (1914 – 1988). Er gehörte 1968 nicht nur zu den Gründungsmitgliedern des Clubs, sondern saß auch im Kuratorium der Stiftung Volkswagenwerk, die die Studie mit einer Million D-Mark finanzierte. Den Auftrag bekommt der Ökonom Dennis Meadows am MIT in Boston. In dem Bericht „Grenzen des Wachstums“ legt er dar, dass es zu einem weltweiten Kollaps kommen kann, wenn die Weltbevölkerung weiter wächst und die Ressourcenausbeutung fortschreitet. Dankesrede von Initiator Eduard Pestel Der Bericht findet weltweit große Beachtung. Der Club of Rome wird am 14. Oktober 1973 dafür mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Bis heute das einzige Mal, dass der Preis an eine Institution vergeben wird, nicht an eine Einzelperson. In seiner Dankesrede im Namen des Club of Rome schildert Eduard Pestel, wie die Studie zustande kam. Im Bild: Pressekonferenz am 13. Oktober 1974 anlässlich der viertägigen Jahrestagung des Club of Rome in Berlin. V. l. n. r: Brigitte Freyh (Kuratorium Stiftung Entwicklungsländer), Prof. Eduard Pestel (TU Hannover), Dr. Aurelio Peccei (Italien, Club-Vorsitzender) und Prof. Mihajlo Mesarovic (USA)
- 26.02.20229 min
Im Herbst 2021 lässt Belarus Tausende von Flüchtlingen an die Grenze zu Polen bringen – die zugleich Außengrenze der EU ist. Aus Sicht der EU benutzt Belarus die Flüchtlinge, um Druck auf die Europäische Union auszuüben. Die nämlich erkennt den belarusischen Machthaber Lukaschenko nicht als Staatschef an und hat nach der Niederschlagung der Opposition Sanktionen gegen ihn verhängt. Während die Geflüchteten – die meisten aus Syrien und Afghanistan – in den Wäldern campieren und immer wieder versuchen, mit belarusischer Hilfe über die Grenze zu kommen, verstärkt Polen den Grenzschutz und erklärt den Ausnahmezustand im Grenzgebiet. Auch die Presse darf dort nicht mehr hin. Polen-Korrespondent Jan Pallokat nahm deshalb über Social Media und Telefon Kontakt zu dort lebenden Menschen auf. Die Zahl der Flüchtlinge nimmt anschließend weiter zu. Sie kommen verstärkt auch in größeren Gruppen von teilweise mehreren hundert Personen. Polen versetzt zusätzlich zu Armee und Grenzschutz sogenannte „Territorialverteidigungsgruppen“ – eine Art Freiwilligenarmee – in Alarmbereitschaft.
- 10.02.202231 min
Er streckt erst eine, dann beide Fäuste in die Luft. „Ich stehe hier nicht als Prophet, sondern als euer bescheidener Diener.“ So beginnt er seine Rede. Die Apartheid habe keine Zukunft, erklärt er und appelliert an die weißen Mitbürger, sich am Aufbau eines neuen Südafrikas zu beteiligen. Doch bevor er seine Rede beginnen kann, wird er zunächst zwei Minuten lang begeisternd begrüßt.
5 Jahre nach dem Krieg schafft die DDR ein "Ministerium für Staatssicherheit". Das beschließt die provisorische Volkskammer am 8. Februar 1950. DDR-Innenminister Karl Steinhoff begründet die Gründung der – wie sie bald heißen wird – Stasi mit vorausgegangenen Sabotageakten gegen volkseigene Betriebe.
- 27.01.202255 min
Frank Lynder war ein deutscher Journalist, geboren 1916 in Bremen. 1938 wanderte Lynder nach London aus. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er für britische Geheimsender, deutschsprachige Radiopropaganda wie den Kurzwellensender Atlantik oder den Sender Gustav Siegfried I. Mit dem Radioprogramm wollten Lynder und seine Kollegen, darunter der berühmte BBC-Kommentator Sefton Delmer (im Bild oben), aktiv das Nazi-Regime in Deutschland schwächen. Sie informierten Wehrmachtsoldaten über die Stärke der alliierten Streitkräfte und streuten Gerüchte, die das Vertrauen der Deutschen in ihre Führung schwächen sollten. Im Interview 1979 erklärt Frank Lynder, wie die Arbeit bei den britischen Geheimsendern funktionierte. Quelle: DRA Frankfurt, Archiv-Nr. 5900044 Im Bild: Sefton Delmer
- 27.01.20226 min
Das britische Kriegsministerium betrieb von einer Station im Südosten Englands aus vom 5. Februar 1943 bis Kriegsende 1945 den antideutschen Propagandasender "Deutscher Kurzwellensender Atlantik". Mit dem deutschsprachigen Radioprogramm sollte die Kampfmoral der deutschen Armee, vor allem der Marine, geschwächt werden. Das Programm war eine Mischung aus Berichten über die Fronterfolge der Alliierten, Falschnachrichten und vor allem Unterhaltung mit Swing-Musik. Aus urheberrechtlichen Gründen haben wir die Musik aus dieser Sendung vom 29. April 1945 herausgeschnitten.



















