
Archivradio – Geschichte im Original
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Doch auch wenn die prominenten Kommunen wie die berühmte K1 mit Rainer Langhans und Uschi Obermaier mit ihrem zur Schau getragenen Drogenkonsum und der freien Liebe die mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sind sie nicht unbedingt repräsentativ. Im Süddeutschen Rundfunk geben Kommunarden Auskunft über ihr Zusammenleben, ihre Beweggründe, auch über ihre Sexualität.
- 23.11.20214 min
Die CDU-Spendenaffäre beginnt im November 1999. CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep wird verhaftet. Der Verdacht: Steuerhinterziehung. Kiep soll 8 Jahre zuvor vom Waffenhändler Karlheinz Schreiber eine Spende über 1 Million D-Mark für die CDU erhalten haben und nicht versteuert haben. Es stellt sich später heraus, dass das Geld ursprünglich von der Thyssen AG stammt. Spekulationen gehen los: War das eine Gefälligkeit dafür, dass die Kohl-Regierung Waffenlieferungen an Saudi-Arabien genehmigte? Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl erklärt, er habe von der Spende nichts gewusst. Doch Walther Leisler Kiep stellt das anders dar. Damit wird die Affäre Kiep zu einer CDU-Spendenaffäre. Es ist der 24. November 1999.
Nach den fremdenfeindlichen Übergriffen von Hoyerswerda im September 1991 wird Deutschland im November 1992 durch ein weiteres rechtsextremes Verbrechen erschüttert. "Zerborstene Fensterscheiben, heruntergefallene Dachziegel, verkohlte Balken" – das sind die Eindrücke eines Reporters vom Tatort: In der Nacht auf den 23. November 1992 verüben Rechtsextremisten einen Brandanschlag auf zwei von türkischen Familien bewohnte Häuser in Mölln. Drei Menschen wurden getötet: die 51-jährige Bahide Arslan, ihre zehnjährige Enkelin Yeliz Arslan sowie deren vierzehnjährige Cousine Ayşe Yılmaz. Augenzeugen sprechen über die Geschehnisse. Es sei unfassbar, dass die Täter nicht gefasst würden, meint eine schockierte Nachbarin am Tag nach dem Anschlag; denn normalerweise würde man in Mölln wissen, wer es ungefähr gewesen sei.
- 20.11.202116 min
Am 20. November 1938 spricht Luftfahrtpionier August Euler über die Zukunft der Luftfahrt aus seiner Sicht. Das Interview fand anlässlich seines 60. Geburtstags auf seinem Alterswohnsitz am Feldberg im Schwarzwald statt. Euler prophezeit den Siegeszug der "mechanischen Vögel", allerdings werde es auf dem Weg dorthin auch Probleme geben. Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv
- 16.11.20216 min
Erst eine charismatische flammende Rede halten, dann gegen den amtierenden Parteichef kandidieren – so hat Oskar Lafontaine innerhalb eines Parteitags Rudolf Scharping vom SPD-Vorsitz verdrängt. Zwei Jahre lang hat Scharping die SPD geführt, und er war ja von der Basis in einer Urwahl gewählt worden! Doch inzwischen ist die Unzufriedenheit ist groß. Und so kommt es in Mannheim zu einer für Rudolf Scharping schmerzhaften Sensation.
- 12.11.202113 min
Willy Brandt, Regierender Bürgermeister von Berlin, wirbt für das neue Programm, das zwei Tage später verabschiedet wird. In seiner Rede auf dem außerordentlichen Parteitag der SPD in Bad Godesberg geht er intensiv auf die Frage eines vielleicht irgendwann wiedervereinigten Deutschlands ein, denn manche in der SPD argumentieren, man solle mit einem neuen Grundsatzprogramm doch bis zu einer Wiedervereinigung warten. Das war wohlgemerkt 1959. Brandt sieht das anders. Transkript der Rede von Willy Brandt zum "Godesberger Programm" Willy Brandt: "Liebe Genossinnen und Genossen, ich habe zu denen gehört, die ursprünglich Bedenken hatten gegen die Verabschiedung des Programms zu diesem Zeitpunkt. Drei Gründe haben mich veranlasst, zusammen mit dem ganz überwiegenden Teil der Berliner Parteiorganisation für die Verabschiedung auf dieser Grundlage einzutreten. 1. Es ist eine im Ganzen und im Wesentlichen zeitgemäße Aussage, die uns in unserer Arbeit helfen wird und die es unseren Gegnern schwerer machen wird, sich mit einem Zerrbild statt mit der Wirklichkeit der deutschen Sozialdemokratie auseinanderzusetzen. 2. Es ist ein Programm, dass die deutsche Sozialdemokratie nach den bitteren, noch immer nicht abgeschlossenen Erfahrungen mit dem Totalitarismus darstellt als eine kämpferisch demokratische Freiheitsbewegung dieser Zeit. Eine Partei, die den Mut hat und über die Kraft verfügt, als das zu erscheinen, was sie ist. Und 3. Es ist, so meine ich, ein Programm, das noch klarer als bisher – wobei bei uns ja über eine Fülle von Einzelfragen im Laufe der nächsten drei Tage noch unterhalten werden – aber das in seiner Gesamtaussage noch klarer als bisher unseren Standort bestimmt, wo es sich handelt um die entscheidend wichtigen Fragen, unserer Stellung zum Staat und im Staat, einschließlich der bewaffneten Macht, unseres Verhältnisses zu den Kirchen und unserer Beurteilung dessen, was angesichts des Wandlungsprozesses der Wirtschaft erforderlich ist. In diesem Sinne wird uns das Programm zusätzliche Kraft vermitteln in unserer täglichen praktischen Arbeit. In der Debatte der hinter uns liegenden Wochen ist unter anderem auch gesagt worden, ob wir nicht warten sollten, bis wir die Wiederherstellung des staatlichen Einheit Deutschlands erreicht hätten. Erich Ollenhauer hat heute Morgen darauf schon eine Antwort gegeben. Er hat auch bei dieser Gelegenheit ein Wort des Grußes an unsere Freunde in der Zone und an unsere Freunde, für die ich sprechen darf, in Berlin gerichtet. Ich bin ihm dafür dankbar. Ich möchte darauf mit einem Wort des Dankes der Berliner Sozialdemokraten und des Volkes von Berlin erwidern. Des Dankes für all das, was diese große deutsche Sozialdemokratie in den hinter uns liegenden Jahren für den am schwersten bedrängten Teil des freien Deutschland getan hat. Wir wären manchmal vielmehr verlassen gewesen, als wir es gewesen sind, wenn wir nicht gewusst hätten: Es gab immer einen treuen Verbündeten der bedrängten und doch lebenserfüllten deutschen Hauptstadt. Und das war die deutsche Sozialdemokratie Aber liebe Genossinnen und Genossen, ich möchte doch noch Folgendes sagen zu diesem Argument: „Lasst uns warten bis zur Einheit.“ Wenn wir alle anderen Probleme bewältigen, die mit der Einheit Deutschlands verbunden sind, dann werden wir es auch noch schaffen, uns auf ein Programm für die Sozialdemokratie im ganzen Deutschland zu verständigen, und das heutige Programm bei allem Respekt vor ihm, als Zwischendokument zu den Akten, den wichtigen Akten der Partei zu nehmen. Im Übrigen gilt für die Partei wie für das Ganze, was im Programmentwurf selbst drinsteht. Nämlich: Erst in einem wiedervereinigten Deutschland wird das ganze Volk in freier Selbstbestimmung Inhalt und Form von Staat und Gesellschaft gestalten können. Heute können hier in dieser Aussprache keine Einzelfragen der Wiedervereinigungspolitik erörtert werden, obgleich sicherlich in unseren Reihen weitgehende Klarheit besteht darüber, dass wir die Erfahrungen nicht nur der letzten Jahre, sondern gerade auch der letzten Monate werden zu verarbeiten haben, wenn wir unsere weiteren Beiträge zum Ausweg aus einer fast hoffnungslos erscheinenden Situation zu unterbreiten haben. Worauf es ankommt, ist dies: Es gibt keine absolut ausweglose Situation. Hitler musste nicht an die Macht kommen. Die Spaltung Deutschlands musste nicht versteinert werden. Und in der Bundesrepublik muss sich nicht ein pervertiertes Kaiser-Wilhelm-Denken durchsetzen. Das Thema der Wiedervereinigung. Das Thema unseres Standortes im willkürlich gespaltenen Deutschland wird, und dazu darf ich noch einige Sätze sagen, im Programmentwurf unmissverständlich behandelt. Vielleicht kann die Redaktionskommission noch die eine oder andere Unterstreichung vornehmen und unter anderem noch zusätzlich klarmachen, dass die deutsche Sozialdemokratie auch dort weiterlebt, wo sie gewaltsam unterdrückt wird. Aber ich möchte doch hier im Rahmen der allgemeinen Aussprache feststellen dürfen, welche Grundsätze zur deutschen Frage zum Lebensrecht und zur Selbstbehauptung unseres widernatürlich auseinandergerissenen Volkes im Programm niedergelegt sind. Wir beziehen uns 1. auf das Grundgesetz und stellen fest, dass wir in seinem Sinne die Einheit Deutschlands in gesicherter Freiheit erstreben. Wir sagen 2., dass die Spaltung Deutschlands einerseits den Frieden bedroht, dass zum anderen ihre Überwindung lebensnotwendig ist für das deutsche Volk. Wir müssen diese Aussage, Genossinnen und Genossen, im Zusammenhang sehen mit dem, was in den Abschnitten über die Grundwerte und die Grundforderungen ausgesagt wird, nämlich dass Freiheit und Gerechtigkeit einander bedingen, dass alle Völker sich einer internationalen Rechtsordnung unterwerfen, dass alle Völker die gleiche Chance haben müssen. Das gilt auch für dieses Volk, in dessen missbrauchtem Namen anderen Völkern schreckliches Unrecht zugefügt worden ist. Dem aber auch selbst Unrecht zugefügt wurde. Und wir müssten die Aussage zur Wiedervereinigung dieses Programms im Zusammenhang sehen mit dem, was im Abschnitt über die internationale Gemeinschaft abgehandelt wird. Dort bekennen wir uns, wenn wir dieses Programm annehmen, im Sinne alter, sozialistischer und demokratischer Grundgedanken zum Selbstbestimmungsrecht und zur Gleichberechtigung aller Völker. Und wir setzen uns ein für ein Volksgruppenrecht, das im Einklang steht mit den von den Vereinten Nationen verkündeten Menschenrechten. Mit anderen Worten: Dieses Volk, in dem wir leben und für das wir politisch wirken, hat ein Recht, die Selbstbestimmung auch für sich in Anspruch zu nehmen, hat ein Recht, sich leidenschaftlich dagegen aufzulehnen, dass in diesem Teil der Welt eine neue Art von Kolonialismus errichtet wird, während die Zeit der Kolonialherrschaft in anderen Teilen der Welt zu Ende geht. Um wenn ich dem noch ein Wort hinzufügen darf: Wir dienen unseren heimatvertriebenen Landsleuten nicht mit leichtfertigen Versprechungen und forschen Appellen. Wir treten nicht in Konkurrenz mit den Kräften, die Königsberg und Breslau im innerpolitischen Machtkampf missbrauchen und die erstaunlich schweigsam sind, wenn ihnen befreundete Regierungen anderer Länder über Grenzfragen entscheiden, über die nach internationalen Abkommen erst auf einer Friedenskonferenz entschieden werden kann. Liebe Genossinnen und Genossen, wir bleiben dabei, so meine ich, dass wir 1. alles tun wollen, um die deutschen Menschen dort, wo sie heute leben, zusammenzuführen. Und 2., dass wir jede nur mögliche Anstrengung machen wollen, um zu möglichst gerechten Grenzen zu gelangen, das Heimatrecht und ein demokratisches Volksgruppenrecht zu Bestandteilen der internationalen Rechtsordnung werden zu lassen. Vor allem aber wollen wir, obwohl wir diesmal in Godesberg, das wir alle schätzen, tagen, uns nicht eingraben, geistig und politisch eingraben am linken Ufer des Rheins, auch nicht westlich der Elbe und der Werra. Wir wirken in diesem Teil Deutschlands, aber wir kämpfen für das ganze Deutschland. Wir wollen mit unverbrauchter Energie, über die dieser Flügel der deutschen Politik verfügt, die politische Führung dieses Staates übernehmen, und wir werden sie übernehmen. Und in uns wird lebendig sein und bleiben, was der deutsche Osten uns geistig, was er uns auch menschlich zugeführt hat. Dazu gehört auch ein stolzes Kapitel deutscher Arbeiterbewegung."
1.800 Flüchtlinge wurden bereits aufgenommen. Am Tag zuvor hat das Bundeskabinett sich dazu entschlossen, unbegrenzt Flüchtlinge aus Ungarn aufzunehmen. So bald wie möglich sollen die größtenteils jungen Flüchtlinge einen Arbeitsplatz bekommen. Da viele Flüchtlinge zwischen 14 und 30 Jahre alt sind, dürfte dies auch kein Problem sein, meint die Reporterin. Unter den Flüchtlingen befinden sich beispielsweise Arbeiter aus der eisenverarbeitenden Industrie oder aus Bergwerken sowie Holzarbeiter. Zwei der Flüchtlinge berichten über ihre Ausbildung.
- 30.10.20214 min
Häufig müssen die neu angekommenen Flüchtlinge in provisorischen Unterkünften oder Durchgangslagern unterkommen. Einige haben jedoch auch Verwandte in Deutschland, bei denen sie vorerst wohnen können. Trotz beengter räumlicher Verhältnisse nimmt Maria Weigel Verwandte auf, die nach der Niederschlagung des Volksaufstandes aus Ungarn geflohen sind. Maria Weigel war bereits 1946 aus Ungarn geflohen. Arbeit haben die Flüchtlinge bereits gefunden. Allerdings macht sich die gesamte Familie große Sorgen um weitere Familienangehörige, die in Ungarn zurückgeblieben sind.
- 30.10.20218 min
Ungarische Flüchtlinge kommen am 5. November 1956 in Jennersdorf an der österreichischen Grenze an. Mehrere Flüchtlinge sprechen über ihre Herkunft und die Umstände ihrer Flucht. In einer provisorischen Unterkunft werden die Flüchtlinge mit warmem Essen versorgt. Auch in Graz sind über 800 Flüchtlinge in einer Industriehalle untergebracht. Ungarischer Volksaufstand Am 23. Oktober 1956 demonstrieren in Ungarn tausende Menschen für mehr Freiheit und Demokratie. Ein Teil des Demonstrationszugs begibt sich zum Rundfunkgebäude. Dort lässt die Regierung in die Menge schießen. Der Konflikt eskaliert. Die Demonstranten holen den als liberal geltenden abgesetzten Ministerpräsidenten Imre Nagy aus seiner Wohnung und bringen ihn zum Parlament. Auf ihren Druck hin übernimmt Nagy erneut die Regierung. Die Sowjetischen Truppen ziehen sich zunächst aus Budapest zurück, Nagy kündigt kurz darauf ein Mehrparteiensystem und freie Wahlen an. Die Führung in Moskau schwankt, wie sie damit umgehen solle. Die sich zeitgleich abzeichnende Niederlage im Suez-Konflikt bewegt Moskau schließlich, Stärke zu demonstrieren. Am 1. November entschließt sich die Sowjetunion, den Aufstand in Budapest niederzuschlagen. Die Panzer rollen wieder nach Budapest, Imre Nagy erklärt daraufhin den Austritt aus dem Warschauer Pakt. Es war seine letzte Amtshandlung. Am 4. November übernimmt János Kádar auf Geheiß Moskaus die Regierung. Die Jagd auf Oppositionelle beginnt. Rund 200.000 Menschen fliehen Richtung Österreich.
Im Herbst 1956 kommt es zu einem Volksaufstand in Ungarn. Menschen aus allen sozialen Schichten, Landwirte, Arbeiterinnen, Intellektuelle, selbst Vertreter von Kirche und Militär gehen auf die Straße. Sie fordern den Sturz der stalinistischen Regierung und wollen die sowjetischen Besatzer dazu bringen, das Land zu verlassen. Doch die Regierung in Moskau schickt Panzer und Truppen nach Budapest. Bis zum 4. November 1956 dauern die Proteste an, ehe sie vom sowjetischen Militär brutal niedergeschlagen werden. Am 31.10.1956 berichtet zum ersten Mal ein deutscher Reporter von den Aufständen in der ungarischen Hauptstadt. Quelle: SWR W0098577
Massaker von Paris Bekannt ist es als Massaker von Paris: Zehntausende Algerier ziehen am Abend des 17. Oktober 1961 durch die Prachtstraßen der französischen Hauptstadt. Es ist die Zeit des Algerienkriegs. Die Demonstranten fordern die Unabhängigkeit Algeriens, das zu dem Zeitpunkt noch französische Kolonie ist. Obwohl der Protestmarsch friedlich verläuft, schlägt die französische Polizei die Demonstration auf brutale Weise nieder. Rund 200 Menschen werden getötet, erschossen, erschlagen oder in der Seine ertränkt. In den französischen Medien wird der Protest weitestgehend verschwiegen. Am 18. Oktober 1961 sendet der Südwestfunk eine Live-Reportage von Georg Stefan Troller aus Paris. Quelle: SWR W0217856
Drei Jahre nach der internationalen Banken- und Finanzkrise 2008 und angestoßen durch die Proteste des Arabischen Frühlings formiert sich in Nordamerika die Occupy-Wall-Street-Bewegung. Im September 2011 besetzen Aktivistinnen und Aktivisten mit Zelten den Zucotti-Park in der Nähe der New Yorker Wall Street, dort hat die New Yorker Stock Exchange ihren Sitz, die größte Wertpapierbörse der Welt. Occupy Wall Street bekommt große Aufmerksamkeit und findet schnell Anhänger auf der ganzen Welt. Die Bewegung fordert, Börsenplätze zu besetzen und so den Druck auf die Politik zu erhöhen, Finanzgeschäfte strenger zu regulieren und die wachsende soziale Ungleichheit zu bekämpfen. Nur ein Jahr später, im Sommer 2012, sind die meisten Protest-Zeltlager aufgelöst. Die Occupy-Wall-Street-Bewegung gilt als gescheitert. Zum offiziellen internationalen Start der Bewegung allerdings, am 15. Oktober 2011, sind die Hoffnungen auf grundlegende Reformen im Finanzsektor groß. Auch in Frankfurt demonstrieren an dem Tag tausende Menschen. Quelle: SWR2 Aktuell; Archiv W0476459
- 24.09.20212 min
September 1990. Seit Wochen stehen Vorwürfe im Raum, dass sechs Minister der nach dem Mauerfall gewählten demokratischen DDR-Regierung Stasi-Spitzel gewesen sein sollen. Abgeordnete der Volkskammer verlangen nun Klarheit, während die Minister selbst über eine Verleumdungsklage nachdenken. Eine solche Schlammschlacht drei Wochen vor der Wiedervereinigung und den anschließend geplanten Neuwahlen – das kommt den Regierungsparteien natürlich ungelegen. DDR-Regierungssprecherin Angela Merkel wendet sich mit einem Appell an die Presse.
- 24.09.202160 min
Angela Merkel wird auf dem CDU-Parteitag am 10. April 2000 zur neuen Parteichefin gewählt. Zuvor hielt sie eine einstündigen Rede, in der sie die damalige rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder und Joschka Fischer massiv angriff. Nebenbei gratuliert sie Helmut Kohl zu seinem 70. Geburtstag.
- 24.09.202125 min
Am 22. Mai 2005, nach der verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, hat Bundeskanzler Gerhard Schröder vorgezogene Neuwahlen angekündigt. 2002 war er noch gegen Edmund Stoiber angetreten. Jetzt wird CDU-Chefin Angela Merkel neue Kanzlerkandidatin der Union. Auf der gemeinsamen Pressekonferenz am 30. Mai spricht zunächst Stoiber, dann Merkel. "Ich will Deutschland dienen", erklärt sie dort, und auch damals schon: "Wir werden das schaffen".
Bericht über die Ausschreitungen am 22. September 1991 In der sächsischen Kreisstadt Hoyerswerda werden am 17. September 1991 auf dem Markt vietnamesische Händler angegriffen. Das ist der Anfang von fünf Tagen mit rechtsextremen Ausschreitungen in der Stadt. Neonazis werfen Brandsätze auf ein Asylbewerberheim, hunderte Anwohnerinnen und Anwohner, darunter auch Familien mit ihren Kindern, applaudieren, die Polizei kapituliert. Später geben örtliche Behörden und Politiker den vietnamesischen und mosambikanischen Arbeitern die Schuld an der Gewalt. Sie hätten ihre Wohnheime vermüllt und im Einkaufszentrum gestohlen. Die Ereignisse in Hoyerswerda werden Vorbild für Neonazis in weiteren Städten, wie Eisenhüttenstadt oder Rostock-Lichtenhagen, wo es in der Folge zu ähnlichen Ausschreitungen kommt. Quelle: DRA / 2029622 Bundestagsdebatte am 25. September 1991 über die Ausschreitungen Am 25. September 1991 diskutiert der Bundestag über die Ausschreitungen in Hoyerswerda. Es geht um die Asylpolitik und Ausländerfeindlichkeit in der frisch vereinigten Bundesrepublik, aber auch schon zu diesem Zeitpunkt um mögliche Versäumnisse bei der deutschen Wiedervereinigung. Unter den Rednern Wolfgang Schäuble von der CDU und die FDP-Politikerin Cornelia Schmalz-Jacobsen. Quelle: DRA / 201333
- 17.09.202117 min
Ehemaliger Häftling berichtet: Ärzte waren bei den Vergasungen dabei In diesem Ausschnitt vom 8. Oktober 1964 erzählt der ehemalige Auschwitz-Häftling Filip Müller von seinen Beobachtungen. Er schildert, wie Ärzte im Umfeld der Gaskammern und Verbrennungsöfen agierten. Der Richter fragt: „Waren Ärzte bei der Vergasung dabei?“ – „Ja.“ – „Trugen sie Gasmasken?“ Der Slowake Müller, übersetzt von seinem Dolmetscher, berichtet, dass sich die Ärzte die Masken allenfalls manchmal beim Öffnen der Gaskammer aufsetzten, um hineinzusehen und zu prüfen, ob alle tot waren. Der Richter will wissen, ob Zahnärzte den Toten die Zähne herauszogen. Müller verneint: Diese Arbeit hätten Häftlinge, nicht Zahnärzte erledigt. Er befand sich in Block 13, als zwei neue Häftlinge ankamen, der eine davon ein Zahntechniker aus der Slowakei. Die beiden rückten am nächsten Tag ins Krematorium I und II aus, Müller folgte ihnen einige Stunden später und beobachtete, wie sie in einen leeren Raum ein Bett und einen Schrank trugen. Er erläutert den Zusammenhang nicht; möglicherweise war der Raum dafür vorgesehen, das Zahngold herauszulösen. Denn Filip Müller erzählt weiter, einige Tage später sei ein Auto vom Roten Kreuz in einen Teil des Krematoriums II hineingefahren, ein SS-Offizier stieg aus. Er forderte ihn auf, einiges aus dem Auto auszuladen: einige Schamottringe, Behälter mit Alkohol/Benzin, weißes Pulver. In einer Flasche war eine Säure. Außerdem gab es einen Koffer mit Pinzetten und anderen Instrumenten. Anschließend musste er den Raum verlassen. Otto Molls Verbrechen an Kindern Der Richter fragt, ob Müller beobachtet hätte, dass häufig Kinder nach dem Vergasen bewusstlos aus den Kammern gezogen wurden und das Herz noch schlug. Müller bestätigt das: Das wurde gemeldet, die Kinder wurden anschließend erschossen. „Gab es andere Arten, Kinder zu töten?“ fragt der Richter. „Soll ich das wirklich schildern?“ Und Müller berichtet von 1944: Der Leiter der Verbrennungsanlage Otto Moll sei ein Mensch, der häufig Kinder von Müttern wegnahm. Vor Krematorium IV habe es zwei große Gruben mit dem kochenden Fett der Verbrannten gegeben, in die er die Kinder dann lebend hineinwarf. Anschließend ging Moll zu seinem Kalfaktor (Diener) und sagte: „Es ist möglich, mich satt zu essen; meine Pflicht habe ich erfüllt.“ Zeuge Filip Müller schildert weitere Grausamkeiten Ebenfalls 1944 traf Filip Müller auf zwei neu angekommene ungarische Häftlinge, von Beruf Patholgen, einer davon Dr. Miklos Nyiszli. Die beiden hatten schon mehrere medizinische Experimente unternommen, offenbar von Josef Mengele, dem Lagerarzt, angeleitet. Am Krematorium IV beobachtete Müller, wie die beiden Pathologen zusammen mit einem weiteren Häftling einen buckligen Mann in ein Fass drückten und mit Säuren und Salzen übergossen, „um sein Skelett zu gewinnen“. Außerdem habe er beobachtet, wie zwei SS-Leute auf dem Motorrad mit Beiwagen von Erschossenen Schenkelfleisch herausschnitten, in Eimern taten und damit wegfuhren. Quelle: Fritz-Bauer-Institut
Protestaktion auf der Wesermündung gegen Dünnsäureverklappung Im Jugendmagazins "Point" des Süddeutschen Rundfunks vom 12. April 1984 berichtet die Reporterin Ursula Barthold von der spektakulären Greenpeace-Aktion. Sie fand im Februar 1984 statt und richtete sich gegen die Dünnsäureverklappung des Chemieunternehmens Kronos Titan. Jeden Tag, so die Reporterin, ließen die Tanker von Kronos Titan 1.200 Tonnen Abfall aus der Titandioxid-Produktion in die Weser ab. Nordseefischer berichten von deformierten Schollen und epidemieartigen Krankheiten. Gemeinsam mit Greenpeace übten sie nun Protest. Die Umweltorganisation, so die Reporterin, manage die Aktion fast perfekt: Ein Pressekontakter stehe jederzeit zur Verfügung, Greenpeace-Schlauchboote flitzten, mit Walkie-Talkies ausgerüstet, auf der Weser zwischen den Kuttern umher und koordinierten die Aktion. Verklappungsgenehmigung nur für ein Jahr verlängert Ingrid Jütting, Greenpeace-Koordinatorin für Chemie und Nordsee aus dem Hamburger Hauptquartier, erläuterte die Ziele der Aktion über Bordlautsprecher: "Wir fordern eine sofortige Verlegung des Verklappungsgebietes, weil das bisherige Verklappungsgebiet eine weitere Belastung nicht mehr aushalten kann. Der Nordsee geht der Atem aus. Und es ist höchste Zeit, dass das Verklappungsgebiet wenigstens aus diesem Gebiet weggezogen wird. Wir würden uns einverstanden erklären mit einer übergangsweisen – übergangsweisen – Verlagerung des Gebietes in den Atlantik hinein. Wir fordern weiterhin, dass die Recyclinganlage, deren technisches Know-how kein Problem mehr darstellt, sofort gebaut wird.” Greenpeace, so die Reporterin, beendete die Aktion, nachdem Mitarbeiter von Kronos Titan darum gebeten hätten. Sie fürchteten um ihre Arbeitsplätze, das Unternehmen habe Kurzarbeit angekündigt. Die Umweltschützer hätten jedoch einen Teilsieg errungen: Die Verklappungsgenehmigung sei nur für ein weiteres Jahr verlängert worden. Nicht, wie geplant, für zwei. Greenpeace: weltweit bekannteste Umweltorganisation Greenpeace ist bis heute die weltweit bekannteste Umweltorganisation. Sie war zwar nicht die erste, aber diejenige, die am besten wusste, wie man Aufmerksamkeit erregt. Die spektakulärsten Schlachten hat Greenpeace auf dem Meer ausgetragen, wo sich die Aktivisten in den 1980ern mit Schlauchbooten in gefährlichen Manövern den Walfangbooten in den Weg stellen oder, wie hier im Audio, den Schiffen der Firma „Kronos Titan“. Die kippte damals noch regelmäßig giftige verdünnte Schwefelsäure, sogenannte Dünnsäure, ins Meer. Nicht zuletzt zum Ärger der Nordsee-Fischer, die sich damals mit Greenpeace solidarisierten. Quelle: Süddeutscher Rundfunk. Sendung: Point. Moderation: Stefan Siller. Erstausstrahlung: 12. April 1984
- 19.08.20214 min
Vietcong nehmen die südvietnamesische Hauptstadt Saigon ein Am 29. April 1975 nehmen die kommunistischen Vietcong die südvietnamesische Hauptstadt Saigon ein. Damit endet der Vietnamkrieg nach fast zwei Jahrzehnten, in denen mehr Bomben fallen als im Zweiten Weltkrieg und schätzungsweise zwei bis vier Millionen Menschen sterben. Evakuierung per Hubschrauber: "Operation Frequent Wind" Nach der Kapitulation von Südvietnam bricht in den letzten Apriltagen 1975 in Saigon Panik aus. Tausende wollen vor den kommunistischen Truppen fliehen. Bilder zeigen Menschen, die verzweifelt versuchen, in einen US-Hubschrauber zu gelangen und von Marines zurückgestoßen werden. Die Evakuierung von Saigon geht als „Operation Frequent Wind“ in die Geschichte ein. Die letzten Tage der bis dahin größten militärischen Niederlage der USA erlebt der Korrespondent Dietrich Mummendey vor Ort. Hier sein letzter Bericht aus Saigon vom 29. April 1975.
- 15.08.202119 min
Rundfunklandschaft im Südwesten: von Nachkriegszeit geprägt Bis in die 1990er-Jahre hinein wird die Rundfunklandschaft in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz von der Nachkriegs-Logik der Besatzungszonen geprägt. Es gibt den Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart, der für die nördliche Hälfte Baden-Württembergs zuständig ist, und den Südwestfunk, der für das südliche Baden-Württemberg einerseits und Rheinland-Pfalz andererseits sendet, und der seinen Sitz in Baden-Baden hat – fern jeder Großstadt. Aber in Baden-Baden ist nun mal das Hauptquartier der französischen Besatzungsstreitkräfte. Diskussion über Alternativen Dass sich das überholt hat, darüber sind sich in den 1990er-Jahren alle einig. Allerdings nicht darüber, wie eine Alternative aussehen soll, der beide Bundesländer zustimmen können. Verschiedene Modelle werden immer wieder diskutiert von einem reinen Landessender in Baden-Württemberg bis hin zu einem Großsender, der dann auch den Saarländischen Rundfunk mit übernehmen würde. Hermann Fünfgeld und Peter Voß machen gemeinsamen Vorschlag Am 15. August 1996, ein paar Monate nach den letzten Landtagswahlen, machen schließlich die Intendanten von SDR und SWF, Hermann Fünfgeld und Peter Voß, einen gemeinsamen Vorschlag, der in den Grundzügen später auch umgesetzt wird, als beide Länder 1998 zum Südwestrundfunk (SWR) fusionieren, wobei SDR-Intendant Fünfgeld 1996 noch nicht den Begriff "Fusion" verwenden will.



















