Klinisch Relevant Podcast

Dr. med. Kai Gruhn, Dr. med. Dietrich Sturm, Prof. Markus Wübbeler
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22.10.2026
Beschreibung
Klinisch Relevant ist Dein Wissenspartner für das Gesundheitswesen. In unserem Podcast liefern wir Dir 3x/Woche, nämlich dienstags, donnerstags und samstags, Fachwissen in Deinen klinischen Alltag. Damit wollen wir die interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit in der Medizin und damit die Qualität der Patient*innenversorgung verbessern. Du arbeitest in einem medizinischen Fachberuf oder interessierst Dich für medizinische Themen? Dann bist Du hier genau richtig. Mehr Informationen unter https://klinisch-relevant.de Klinisch Relevant Intelligence for healthcare professionals
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Episoden
  1. Welche Auswirkungen kann die genetische Diagnostik bei Tumorerkrankungen auf die Therapie haben? Hereditäre Tumorerkrankungen Herzlich Willkommen zu einer weiteren Podcastfolge von Klinisch Relevant. Wir melden uns nach den Osterfeiertagen zurück und sprechen mit Frau Prof. Dr. med. Möslein, Viszeralchirurgin am Bethesda-Krankenhaus in Duisburg, über hereditäre Tumorerkrankungen. Diese treten vor allem bei jüngeren Patienten auf und werden in bestimmten Fällen, je nach Mutation, unterschiedlich therapiert. Wir haben für euch in Erfahrung gebracht, wie eine genetische Testung abläuft, wieso die genetischen Testungen zunehmend an Bedeutung gewinnen werden und bei welchen Patienten man hellhörig werden sollte. Viel Spaß beim Zuhören! Warum sind spezialisierte Abteilungen wichtig? Erkenntnisgewinn ist rasant und schwer zu überblicken. Es werden nicht nur einzelne Patienten, sondern ganze Familien betreut. Es ist von Vorteil die Krankengeschichte im Ganzen überblicken und ein Vertrauensverhältnis mit den Patienten aufbauen zu können. Wie gelangen die Patienten zu Ihnen? Grundsätzlich werden Patienten überwiesen bzw. eingewiesen. Es melden sich aber auch Patienten selbstständig, die sich für genetische Testungen interessieren. Insbesondere tritt dies dann auf, wenn eine familiäre Belastung bekannt oder der Patient für die Erkrankung außergewöhnlich jung ist. In solchen Fällen melden sich junge Patienten selbstständig oder werden durch die behandelnden Ärzte weitergeleitet. Junge Patienten (<50 Jahre) mit Krebserkrankungen sollten schauen, ob in ihrer Familie diese Erkrankung häufiger vorkommt. Ein genetischer Test wäre auch ohne bekannte Krebserkrankungen in der Familie sinnvoll. Wie sicher ist die Familienanamnese zur Feststellung einer hereditären Tumorerkrankung? Bei zunehmenden Testungen zeigt sich, dass je jünger der Patient mit der Krebserkrankung ist, desto häufiger verbirgt sich hinter der Krebserkrankung eine relevante genetische Veränderung. Bei einer positiven Familienanamnese spielen für den Humangenetiker folgende Punkte eine Rolle: • Welche Krebserkrankung? • Wie viele Fälle sind aufgetreten? • In welchem Alter sind diese aufgetreten? • Mütterlicherseits oder väterlicherseits? Die Familienanamnese ist wichtig, aber das Alter des Patienten ist wichtiger. Welche Tumore sehen Sie häufig? Dickdarmtumore Brusttumore Schilddrüsenkarzinom Dünndarmtumore Magentumore Es kommt natürlich auf die Spezialisierung der Fachabteilung an, welche Krebserkrankungen häufig gesehen werden. Genetische Mutationen müssen nicht immer im selben Organ zu einer Krebserkrankung führen. Wie erfolgt die Durchführung der genetischen Untersuchung? Übernimmt die Krankenkasse die Kosten? Wie kommunizieren Sie die Notwendigkeit der Untersuchung? Eingebettet in einer humangenetischen Beratung Krankenkassenleistung. Die gesetzlichen Krankenversicherungen übernehmen die Kosten. Private Krankenversicherungen sollte man um einen Kostenvoranschlag bitten. Die Kosten werden in der Regel übernommen. Jeder Arzt kann die Aufklärung für einen Gentest übernehmen. Damit das Labor allerdings für die Testung auch bezahlt wird, ist der übliche Ablauf über die Humangenetik notwendig. Die Kosten sind in Deutschland unverhältnismäßig hoch im Vergleich zu anderen Ländern. Die prädiktive Testung erfordert eine sehr gute Aufklärung, da diese eine besonders hohe psychische Belastung mit sich führen kann. Worin liegt der Vorteil der genetischen Diagnostik in der Behandlung von Tumorerkrankungen? Präventionsmöglichkeiten Lynch-Syndrom: Führt häufig zu Dickdarmkrebs und weiteren Tumorerkrankungen wie z.B. Gebärmutterkrebs. Die tägliche Einnahme von ASS kann im Langzeitverlauf die Entwicklung von etwa 50% der Karzinome verhindern. Es gibt den Patienten die Möglichkeit, sich bewusster zu entscheiden. Beispielsweise ob bei einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit für Brustkrebs eine prophylaktische Mastektomie durchgeführt werden soll, oder nicht. Kann sich das Ergebnis der genetischen Testung auf die nicht-chirurgische Therapie auswirken? Welche Bedeutung hat die genetische Testung für die Therapie? Beispiel: Li-Fraumeni-Syndrom. Eine Strahlentherapie führt hier zu mehr Krebserkrankungen. Mikrosatelliteninstabilität: Marker im Tumorgewebe, welcher leicht bestimmt werden kann. 15 – 20% der Dickdarmkarzinome weisen dieses Phänomen der Mikrosatelliteninstabilität auf. Dies führt dazu, dass sie anders auf eine Chemotherapie reagieren. Deshalb ist man hier zurückhaltend mit Chemotherapeutika. Dagegen haben sich Immuntherapien, insbesondere bei Metastasen, als sehr wirksam herausgestellt. Ein Anteil der Tumore mit Mikrosatelliteninstabilität sind erblich und dem bereits erwähnten Lynch-Syndrom (früher HNPCC (hereditäres, nicht polypöses Kolonkarzinom)) zuzuordnen. Es gibt 5 Gene, die zum Lynch-Syndrom führen. Jedes dieser Gene führt allerdings zu einer anderen Ausprägung des Syndroms. MSH6 Gen: Führt zu viel mehr Gebärmutterkrebs als Dickdarmkrebs. Was wird die Zukunft bringen? Die genetische Testung wird zunehmend verfügbar sein. Es könnte sein, dass mit histologischen Biopsien auch direkt genetische Testungen gemacht werden, die Auswirkungen auf die Therapie haben könnten. Beispielsweise könnten sehr strahlensensible Tumore des Enddarms erkannt werden und so eine aufwendige Operation vermieden werden. Die Schnelligkeit und Verfügbarkeit der Testungen werden zunehmen. Das Verständnis darüber, welche Therapien bei welchen Tumoren am besten wirken wird ebenfalls zunehmen. Kontakt: Prof. Dr. med. G. Möslein Leiterin des Zentrums für Hereditäre Tumorerkrankungen Tel.: 0203 6008-3152 g.moeslein@bethesda.de

  2. Seltene aber gefürchtete Komplikation nach endoprothetischen Eingriffen Periprothetische Infektionen In unserem heutigen Klinisch Relevant Podcast widmen wir uns wieder einem orthopädischen Thema und sprechen mit Herrn PD Dr. med. Mustafa Citak über die periprothetischen Infektionen (PPI). Er erklärt uns unter anderem, wie periprothethische Infektionen definiert sind, wie sie sich klinisch präsentieren und wie man sie behandeln kann. Wir wünschen euch reichlich neue Erkenntnisse und natürlich viel Spaß beim Zuhören. Was sind periprothetische Infektionen (PPI)? Periprothetische Infektionen sind eine gefürchtete Komplikation aller endoprothetischen Operationen Es handelt sich um eine Entzündung des Gelenks mit Bakterien. Ganz selten können auch Pilzinfektionen, beispielsweise durch Candida, vorliegen. Inzidenz bei Primäroperationen: 1 – 2 % Inzidenz bei Austauschoperationen deutlich höher. Wird unterschieden in akut und chronisch: • Akut: Eine Infektion, die bis 3 Wochen nach der Operation auftritt. • Chronisch: Tritt verzögert auf Definition PPI anhand von Major- und Minor-Kriterien nach International Consensus Meeting (ICM) Eine Infektion liegt vor bei: • 1 von 2 Major-Kriterien: ​ ▪ Fistel ▪ Identischer Erreger in 2 Gewebeproben/Punktaten • bei über 6 Punkten: ▪ Histologie ▪ Singuläre positive Kultur ▪ Erhöhte Zellzahl (Punktat) ▪ Erhöhter Anteil neutrophiler Granulozyten (Punktat) ▪ CRP – und BSG-Erhöhung ▪ Alpha-Defensin ▪ Leukozytenesterase Welch Symptome haben die Patienten? Akut: Fieber, Schüttelfrost, Überwärmung und Rötung des Gelenks Chronisch: Jedes Gelenk, welches nach einem Jahr noch schmerzt, sollte an eine Infektion denken lassen. Typische Entzündungszeichen liegen nicht vor. Welche weiteren diagnostischen Schritte sind möglich? CRP: War laut einer Studie bei -84% der chronischen periprothetischen Infektionen erhöht. Bei -16% lagen normale Werte vor. Gelenkpunktion ist Mittel der Wahl. • Es werden Kulturen angelegt, die 14 Tage inkubieren müssen. • Die Zellzahl wird bestimmt. > 3000 Zellen sind Zeichen einer Infektion • Alpha-Defensin: Peptid das nachgewiesen werden kann. Der Test ist bei einem Wert ab 0.9 positiv und spricht für eine Infektion. • Leukozytenesterase: Funktioniert ähnlich wie ein Urinstreifentest. Wenn dieser 2 bis 3-fach positiv ist, spricht dies ebenfalls für eine Infektion. D-Dimer: Wurde 2018 in die ICM-Kriterien aufgenommen. PCR-Testung Next-generation-sequencing Bildgebung: Röntgenbilder sind zur Feststellung einer Infektion ungeeignet. Wird allerdings zum Ausschluss weiterer Ursachen angefertigt. Unter besonderen Umständen: • Leukozytenszintigraphie bei Patienten, die bereits eine Osteomyelitis hatten. Prävention von PPIs Beeinflussbare Risikofaktoren: • Schlecht eingestellter Diabetes mellitus • Adipositas; BMI über 40 erhöht das Infektionsrisiko um das 6 bis 7-fache. Gewichtsreduktion anstreben. • Zahnstatus sollte in Ordnung sein. Infektionen an den Zähnen sollten erst saniert werden Gibt es intraoperative Strategien zur Riskoreduktion? Sterilität ist wie bei allen Operationen essentiell OP-Zeit spielt eine Rolle Bisherige Studien, die das Material der Endoprothesen als Risikofaktor untersuchen, sind noch nicht ausgereift. Therapie des PPI Akute Infektion: • Bei septischen oder präseptischen Entzündungsparametern muss unverzüglich operiert werden. • Die mobilen Teile der Prothese müssen ausgetauscht werden. • Mit 6 l Polyhexanid spülen, debridieren, Wunde verschließen • Kalkulierte Antibiose präoperativ. Postoperativ Therapie anpassen. • 3 Monate Antibiose. Initial iv. anschließend per os. • Falls die Erhaltungstherapie nicht erfolgreich ist, wird die Prothese ausgetauscht. Chronische Infektion: • Austauschoperation Einzeitiger bzw. zweizeitiger Wechsel im Rahmen der Austauschoperation. International ist der zweizeitige Wechsel der Goldstandard. Bei der zweizeitigen Operation wird zuerst die Prothese ausgebaut. Das Fremdmaterial wird vollständig entfernt und ein antibiotikabeladener Spacer eingebaut. ▪ Mobile Spacer: Das Gelenk kann bewegt werden ▪ Statische Spacer: Temporäre Arthrodese • Bei der zweiten Operation wird der Spacer aus- und die Endoprothese eingebaut. Nachteil bei dem zweizeitigen Wechsel ist, dass entsprechend zwei Operationen nötig werden und dadurch das Risiko für Komplikationen steigt. • Das Ergebnis der Sanierung ist laut Literatur bei beiden Vorgehensweisen identisch. • Der einzeitige Wechsel wird international zunehmend durchgeführt. Voraussetzung für die einzeitige OP ist u.a. der Keimnachweis. • Beim einzeitigen Wechsel erfolgen alle notwendigen Schritte, von der Sanierung bis zur Implantation einer neuen Endoprothese, in einer OP. Der Keimnachweis ist wichtig, da das richtige Antibiotikum in das Zement gemischt werden muss. • Weitere Voraussetzungen für den einzeitigen Wechsel: ▪ Wunde muss wieder verschlossen werden können. ▪ Eine kleine Fistel ist keine Kontraindikation ▪ Kontraindikation: Weichteilverschluss nicht möglich • Antibiotika Therapie unterscheidet sich von Klinik zu Klinik. • Hinsichtlich der Mobilisation gibt es keine Unterschiede zwischen den beiden Methoden.

  3. COVID-19-assoziierte Rhombencephalopathie mit Myocloni als Frühmanifestation CORE-Myoclonus-Syndrom als Frühmanifestation bei COVID-19 Sars-CoV-2 und COVID-19 sind leider ein Jahr nach dem ersten Fall in Deutschland immer noch hochaktuell. Im Zusammenhang mit der Infektion wurden mittlerweile verschiedene Begleitsymptome beschrieben und beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle festgestellt. In diesem Podcast sprechen PD Dr. med. Lars Wojtecki und Dr. med. Dietrich Sturm über das neu beschriebene CORE-Syndrom, welches parainfektiös im Rahmen einer Infektion mit Sars-CoV-2 auftreten kann und sich neurologisch manifestiert. PD Dr. med Lars Wojtecki erklärt, wofür das Akronym steht, welche Symptome zum Syndrom gehören und wie es von anderen neurologischen Erkrankungen abgegrenzt werden kann. Link zur Primärliteratur: https://movementdisorders.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ Was versteht man unter dem CORE-Syndrom? Coronavirus Rhombenzephalopathie (Cerebellum, Pons und Medulla oblongata) Entzündung des Hirnstamms Welche Symptome sind beim CORE-Syndrom feststellbar? Myoklonien: fokal und generalisiert, wobei überwiegend fokal betonte Myoklonien beobachtet wurden Kleinhirnfunktionsstörungen Dystonien Auch eine Bewusstlosigkeit konnte beobachtet werden Ist eine Abgrenzung zu den durch Corona ausgelösten Enzephalopathien möglich? Enzephalopathien sind überwiegend bei schwer erkrankten, intensivpflichtigen COVID-19-Patienten aufgetreten. Das CORE-Syndrom ist dagegen bei Patienten mit einem milden Krankheitsverlauf aufgetreten. Die neurologischen Symptome treten hierbei mit als Erstes auf. Es wurde bereits beschrieben, dass im Rahmen des Post-COVID-Syndroms Myoklonien auftreten können. Der Unterschied besteht darin, dass sich die neurologische Symptomatik beim CORE-Syndrom zu Beginn der Corona-Infektion manifestiert und nicht postinfektiös als Folgeerscheinung auftritt. Kann man ausschließen, dass es sich um epileptische Anfälle handelt? Elektroenzephalographisch gab es keine Anhaltspunkte für eine Epilepsie Die Kombination der Symptome (Dystonien, Myoklonien) sprechen eher für Funktionsstörung der Basalganglien, des Cerebellums und des Hirnstamms. Im Rahmen der COVID-19-Infektion wurde zwar auch von epileptischen Anfällen berichtet, diese seien aber unabhängig vom CORE-Syndrom aufgetreten. Wie könnten sich die autonomen Störungen äußern? Es gab kurze Bewusstseinsverluste mit schneller Reorientierung, die auf eine kurze Funktionsstörung des Hirnstamms zurückgeführt werden. Messungen im autonomen System deuten darauf hin, dass die Hirnstammfunktionsstörung auf die Parainfektion mit dem Coronavirus zurückzuführen ist und sich mit als Erstes Symptom klinisch präsentiert. Publikationen aus Paris und New York beschrieben während der ersten Welle das erhöhte Aufkommen von präsynkopalen Zuständen und Synkopen. Es wird vermutet, dass es im Rahmen der Infektion zu einer autoimmunen Reaktion im Gehirn kommt, die eine Dysregulation autonomer Funktionen zur Folge hat. Wie häufig wurde das CORE-Syndrom bereits beschrieben und wie sollte man diagnostisch vorgehen? Die Gruppe um PD Dr. Wojtecki hatte ca. fünf Fälle. In der Literatur sind zehn solcher Fälle beschrieben. Liquordiagnostik, MRT, Elektrophysiologie (EEG) Die meisten Patienten haben sich von alleine wieder erholt. Es ist ein Fall von parainfektiöser Cerebellitis aufgetreten, der erfolgreich mit Hochdosis-Kortikosteroiden behandelt wurde. Die Myoklonien müssen nicht zwangsläufig behandelt werden, sofern der Leidensdruck der Patienten nicht hoch ist.

  4. Warum Nuklearmedizin keine Strahlentherapie ist und was der Unterschied zwischen einer Szintigrafie und einem PET-Scan ist :-) Das Spektrum der Nuklearmedizin Wir sprechen heute im Klinisch Relevant Podcast mit Dr. Ellen Kozianka, Oberärztin im Marienhospital Herne, über die Nuklearmedizin. Je nach Fachbereich der Medizin ist die Nuklearmedizin mal mehr, mal weniger präsent. Daher möchten wir euch heute die grundlegenden Prinzipien dieser spannenden Facharztrichtung näherbringen und aufzeigen, welche Erkrankungen bzw. Indikationen häufig den Gang zum Nuklearmediziner nötig machen. Außerdem haben wir für euch nachgefragt, welche verschiedenen Techniken genutzt werden und worin sie sich unterscheiden. Viel Spaß wünscht euch euer Klinisch Relevant Team! Welche Untersuchungen werden in der Nuklearmedizin durchgeführt? PET-CT Diagnostik PET-MRT (wird hauptsächlich in der Forschung genutzt) Viel Schilddrüsendiagnostik; Schilddrüsen-Szintigraphie Knochen-Szintigraphie: Metastasensuche, Differentialdiagnostik Arthritis/Arthose, okkulte Frakturen Nieren-Szintigraphie Myokard-Szintigraphie Nebenschilddrüsen-Szintigraphie Entzündungs-Szintigraphie Welches Grundprinzip liegt der Nuklearmedizin zugrunde? Es werden Radiopharmaka für die Diagnostik genutzt. Diese werden (meist) intravenös appliziert um anschließend Aufnahmen mit Hilfe einer Gammakamera bzw. eines Hybridgerätes (Gammakamera und CT) anzufertigen. Die Aufnahmen ermöglichen die Detektion der Anreicherungsorte des Radionuklids im Körper. SPECT-CT: Es werden mit der Gammakamera, wie beim CT, Schnittbilder angefertigt. Die anatomische Zuordnung gelingt durch das CT. Unterschied zur Strahlentherapie: Es wird keine externe Strahlung auf den Körper appliziert. Es können allerdings radioaktive Isotope (z.B. I-131) für die Behandlung von z.B. Schilddrüsenkrebs genutzt werden. Wie läuft eine Untersuchung ab? Beispiel Schilddrüsenuntersuchung: Technitium wird venös appliziert. Nach 15 Minuten kann mit der ca. fünfminütigen Messung begonnen werden. Knochen: Technitium ist an Phosphonat gekoppelt. 3-Phasen-Szintigraphien: Es werden Aufnahmen zu unterschiedlichen Zeitpunkten gemacht. 1.Phase: Direkt nach der intravenösen Gabe der Radiopharmaka. 2. Phase: Aufnahme nach 5 Minuten zeigt die Verteilung im Blut. Bei TEP-Lockerungen würde sich beispielsweise eine erhöhte Durchblutung um die Prothese zeigen. 3. Phase: Nach 2,5 Stunden erfolgt die Aufnahme des Skelettsystems. Dies dauert ca. 40 Minuten. Ist die Untersuchung gefährlich? Ist die Untersuchung gefährlich? Da bekanntermaßen hohe Dosen an Radioaktivität schädlich sind, wird auch von den sehr geringen Dosen, die im Rahmen der Diagnostik genutzt werden, angenommen, dass sie schädlich sein können. Daher gilt das Prinzip: Patienten sollen der Radioaktivität so viel wie nötig und so wenig wie möglich ausgesetzt sein. In der Diagnostik werden deshalb sehr geringe Dosen genutzt. Eine Schilddrüsendiagnostik führt beispielsweise zu einer Strahlungsbelastung von 0,9 mSv. In Deutschland liegt die natürlich vorkommende Strahlenbelastung bei 2,1 mSV jährlich. CT Thorax-Abdomen: ca. 11 mSv Traumaspiralen: ca. 15 - 20 mSv Nieren-Szintigraphie: 0,7 mSv Knochen-Untersuchungen: 2 - 4 mSv Myokard-Szintigraphie: 7 - 8 mSv Was ist ein PET-CT bzw. DaTSCAN? PET (Positronenemissionstomographie): Schnittbilduntersuchung, die die Stoffwechselaktivität von Geweben darstellt. Häufig kommt hierfür das Radionuklid Fluordesoxyglucose (FDG) zur Anwendung. Dies beruht auf der Annahme, dass z.B. Tumorzellen einen erhöhten Stoffwechsel aufweisen und die Radionuklide sich dort anreichern. Häufige Indikation ist das Bronchialkarzinom. DaTSCAN (Dopamin-Transporter-Szintigraphie): Dopamin-Rezeptor-Dichte lässt sich darstellen. Somit können Aussagen darüber getroffen werden, ob die dopaminergen Nervenzellen degeneriert sind oder nicht. Indikation: Basalganglienerkrankungen wie Parkinson. Es kann allerdings nicht zwischen Parkinson und Parkinson-Syndromen unterschieden werden. Rotiert die Gammakamera um den Patienten? Nur bei der SPECT Untersuchung. Es werden meist planare Aufnahmen durchgeführt wie z.B. bei der Schilddrüsenuntersuchung. Bei der Knochen-Szintigraphie wird häufig eine Doppelkopfkamera genutzt, die von ventral und dorsal planare Aufnahmen anfertigen kann. Hier werden beispielsweise bei kleineren Anreicherungen im Wirbelkörper dann SPECT-Aufnahmen ergänzt. Herz-Szintigraphie: Hier beruht das Grundprinzip der Aufnahmen auf die SPECT-Methode. Wie wird die Nieren-Szintigraphie genutzt? Nierengesamtfunktion kann bestimmt werden. Seitengetrennte Nierenfunktion kann dargestellt werden. Ausscheidungsprobleme können erkannt werden. Neurogene Blasenfunktionsstörungen Vorteil: Sehr geringe Strahlenbelastung

  5. Ein Podcast-Interview mit Justus und Nadim vom Katheterkollegen-Podcast **Die Katheterkollegen Justus und Nadim im Klinisch Relevant Podcast" Wenn man mal in den medizinischen deutschen Podcasts stöbert, dann stolpert man ziemlich schnell über den "Katheterkollegen-Podcast" von Nadim und Justus. Die beiden jungen Mediziner haben sich auf einem Treffen der German Society of Residents in Urology GeSRU kennengelernt und ziemlich spontan entschlossen, einen Podcast zu machen. Nadim ist noch Student, hat aber schon viele Kontakte mit der Urologie gehabt und plant auch in dieser Fachrichtung zu arbeiten und lebt in Lübeck. Justus lebt und arbeitet in Bayern und ist auf dem Weg zum Facharzt für Urologie. Da es natürlich auch in der Urologie viele Überschneidungen mit anderen medizinischen Fachgebieten gibt, laden sich Justus und Nadim regelmäßig hochkarätige Gesprächspartner ein und sprechen zum Beispiel über Themen wie Schmerztherapie, Antibiotika-Resistenzen und das Thema Impfen. Von uns aus dem Klinisch Relevant Team eine klare Hörempfehlung! Hört unbedingt mal rein!

  6. Behandlungsmöglichkeiten der Mucositis zur Verbesserung der Lebensqualität unserer Patienten Orale Mucositis in der Tumortherapie Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflege- und Therapieberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um das Thema der Orale Mucositis durch Tumortherapie, die Risikogruppen, die Therapie und Prophylaxemaßnahmen. S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen Orale Mucositis (OM) ist eine Schädung der Mucosa im Mund- und Rachenbereich, die durch eine Tumortherapie hervorgerufen wird. OM ist gekennzeichnet durch eine Atrophie des Plattenepithels, Schädigung von Gefäßen und Ulzeration. Es besteht eine Interaktion zu Veränderungen im Speichelfluss und der oralen Keimbesiedlung. Besonders in der ulzerativen Phase hat die OM häufig eine Vielzahl klinischer Konsequenzen, dazu gehören: Schmerzen, eingeschränkte orale Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, erhöhtes Infektionsrisiko und in der Folge eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität der Patienten. Die vorliegende Leitlinie hat zum Ziel eine flächendeckende Umsetzung der multidisziplinären, qualitätsgesicherten und sektorenübergreifenden Versorgung des onkologischen Patienten in den Bereichen der Supportiven Therapie sicherzustellen. Link: https://www.onkopedia.com/de/wissensdatenbank/wissensdatenbank/supportive-therapie/LL_Supportiv_Langversion_1.0.pdf Schleimhautentzündungen bei Krebspatienten Mukositis vorbeugen und lindern Krebsbehandlungen, wie Chemotherapie oder Bestrahlung, schädigen unerwünscht häufig auch die sich schnell teilenden Zellen der Schleimhaut. Eine Schleimhautentzündung (Mukositis) kann nicht nur im Mund- und Rachenraum, sondern auch im gesamten Verdauungstrakt auftreten. Sorgfältige und regelmäßige Mundpflege, häufige Mundspülungen sowie frühzeitige und umfassende Zahnkontrolle schützen die Mundschleimhaut. Link: https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/belastende-symptome/mukositis/index.php Als Folge einer Krebsbehandlung mit Medikamenten oder durch eine Bestrahlung im Bereich von Kopf und Hals kann sich die empfindliche Schleimhaut von Mund und Rachen entzünden. Der Fachbegriff dafür lautet „orale Mukositis“. In leichten Fällen ist die Schleimhaut gerötet, fühlt sich pelzig an und schmerzt. Es kann aber auch zu Geschwüren kommen. Zusätzlich kann es leicht passieren, dass Krankheitserreger durch die entzündete Schleimhaut eindringen. Um dies zu verhindern, ist eine tägliche und sorgfälti-ge Mundpflege besonders wichtig. Die vorliegende Patientenleitlinie informiert ausführlich, wie sich folgende Nebenwirkungen vorbeugen und behandeln lassen: • Blutarmut; • Mangel an weißen Blutzellen; • Hautprobleme und Haarausfall; • Beschwerden im Mund; • Übelkeit und Erbrechen; • Darmprobleme; • Folgen für Gehirn und Nerven; • Knochenbeschwerden; • Lungenbeschwerden; • Danebenlaufen der Infusionsflüssigkeit in umliegendes Gewebe. Link: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-054OLp_S3_Supportiv_2018-04.pdf

  7. Warum die psychosomatische Medizin für unsere Patienten besser verfügbar sein sollte! Psychosomatik - mit Alexander Kugelstadt Herzlich Willkommen zu einer weiteren Podcastfolge von Klinisch Relevant. Heute sprechen wir mit Dr. Alexander Kugelstadt, Arzt, Podcaster und SPIEGEL-Bestseller Autor, über die Psychosomatik („Dann ist das wohl psychosomatisch!“ von Dr. Alexander Kugelstadt, erschien 2020 im Mosaik Verlag). Wir werden für euch wichtige und häufig vorkommende Begriffe definieren. Außerdem erfahrt ihr, wie die Therapie üblicherweise aufgebaut ist und wie man das Thema Psychosomatik bei den Patienten ansprechen kann. Wir wünschen euch viele neue Erkenntnisse und viel Spaß beim Podcast. Begriffsdefinitionen Psychosomatisch: Unspezifischer Begriff der häufig in der Umgangssprache genutzt wird. Soll meistens beschreiben, dass Psyche und Körper im Hinblick auf Krankheitssymptome zusammenhängen. Somatoforme Störung: Wird häufig als Diagnose gestellt. Der Patient hat Beschwerden, die sich wie ein somatisches Erkrankungsbild äußern. Es lässt sich jedoch keine körperliche/somatische Ursache hierfür finden. Patienten sind häufig bei vielen verschiedenen Fachärzten, sammeln Befunde und pochen auf eine somatische Ursache der Beschwerden. Die Patienten haben einen hohen Leidensdruck. Symptome sind beispielsweise: Tachykardie, Kreislaufstörungen, Schwindel, Verdauungsstörungen (Diarrhoe). Klinisch kann sich eine Hypochondrie ähnlich äußern. Hierbei steht allerdings nicht die somatische Symptomatik im Vordergrund, sondern die Angst vor einer schweren Diagnose. Voraussetzung für die Diagnose „Somatoforme Störung“ sind Beschwerden, die länger als 6 Monate anhalten. Die Beschwerden können nicht mit Willenskraft überwunden werden. • Bewusstseinsfern: Es gibt aus dem psychischen Binnenraum aufrechterhaltende Faktoren, die allerdings nicht bewusstseinsfähig sind. Für die Betroffenen ist es nicht zu erkennen, dass dies z.B. mit Stressbelastungen, Traumatisierungen oder körperlichen Erkrankungen zusammenhängt. • Bewusstseinsnah: Eher manipulative Krankheitsbilder wie beispielsweise das Münchhausen-Syndrom. Aggravation oder Simulation von Beschwerden. Psychogene Störung: Ein aktuell obsoleter, nicht mehr zeitgemäßer Begriff. Der Begriff suggeriert, dass eine Störung rein psychogen sei, ohne die somatogene Komponente zu berücksichtigen. Somatisierungsstörung: Liegt eine somatoforme Störung länger als zwei Jahre mit wechselnden Organsystemen vor, wird diese als Somatisierungsstörung bezeichnet. Psychosomatisches Behandlungsspektrum: Somatoforme Störungen Somatisierungsstörungen Essstörungen Depressive Erkrankungen Angststörungen Verarbeitung/Compliance somatischer Erkrankungen Wie werden die Patienten z.B. in der Praxis von Alexander behandelt? Initial 20-30 min Anamnesegespräch. Verbaler/nonverbaler Eindruck Befunde werden begutachtet Wenn Patienten schon vermuten, dass es eine psychische Ursache gibt, werden meist zwei bis drei längere diagnostische Termine (50 min) vereinbart. Hier werden die verschiedenen Lebensbereiche betrachtet (Biographie, aktuelle soziale und berufliche Situation, Lebensplanung hinsichtlich Familie und Kinder) um eine erste Hypothese erstellen zu können. Wenn der Patient beispielsweise das Gefühl hat, rheumatologisch noch nicht richtig untersucht worden zu sein, wird dies dann noch empfohlen bzw. parallel durchgeführt. Breitangelegte psychosomatische Diagnostik auf psychodynamischer Grundlage Mögliche unbewusste Faktoren werden mit einbezogen Psychologisches Testing: ICD-10-Symptom-Rating (ISR), HEALTH 49, Screening für somatoforme Störungen (SOMS) um das Syndrom Bild zu erfassen. Beobachtung des Patienten während des Kontaktes Somatoforme Störungen bzw. Somatisierungsstörungen Erkrankungen werden häufig vegetativ/psychoneuroimmunologisch vermittelt. Es handelt sich häufig um Ängste, die nicht als solche wahrgenommen werden, aber sich z.B. in Form von Diarrhoen, Schwitzen und Herzklopfen zeigen. Sie fühlen sich psychisch häufig gut, stören sich aber an den somatischen Beschwerden. Nicht erlebbare Aggressivität, Scham- und Schuldgefühle sind häufige Auslöser. Ca. 1/3 der Patienten gehen im Anschluss in eine Psychotherapie. Was sind Therapiebestandteile? Symptome ausgelöst durch innere abgewehrte Emotionalität: Im Gespräch (z.B. wöchentliche Therapiesitzungen) soll das, was nicht ausgelebt werden kann, zunehmend zugelassen werden. Traumatisierung Strukturbezogene Störungen. Theorie: Jeder Mensch hat psychische Ich-Funktionen zur Regulation von Beziehungen. Diese können durch bestimmte Einflüsse gestört werden. Wenn dann die Kompensationsmechanismen ausfallen, kommt es zu körperlichen Beschwerden. Spontanheilungsrate: 50% nach einigen Monaten. Für die anderen 50% wird eine Therapie erforderlich. Stand der Forschung Sehr komplex und schwierig zusammenzufassen, da sehr viele verschiedene Forschungsfelder (Psychotherapieforschung, Psychoneuroimmunologie, Hirnforschung) beteiligt sind. Psychotherapieforschung: Forschung zur Verbesserung der Symptomatik Psychoneuroimmunologie: Einfluss der Psyche auf das Immunsystem. Gestresste Menschen haben beispielsweise ein fünffach erhöhtes Risiko für eine Infektion mit Erkältungsviren. Hirnforschung: Buchempfehlung „Wie das Gehirn die Seele macht“ von Gerhard Roth. Zwei Therapiephasen: • 1. Phase: Patienten sind froh in Behandlung zu sein. Es kommt zur Oxytocin-Ausschüttung. Dies wirkt dem Stressphänomen entgegen. • 2. Phase: Hier ist entscheidend, wie gut Arzt und Patient an dem Problem arbeiten können, um nachhaltig Umstrukturierungen zu schaffen, die sich auch an den Synapsen bemerkbar machen würden. Erfolgschancen Psychodynamische Psychotherapie: Orientiert sich an den inneren Kräften. Verhaltenstherapie: Besser untersucht. Mehr evidenzbasiert. Goldstandard bei Phobien. Eine Studie von dem Herrn Solms zeigt, dass die Hälfte der Therapien zu einem Rückgang der Symptome führen. Je länger eine Therapie durchgeführt wird, desto nachhaltiger ist das Ergebnis. Die andere Hälfte fühlt sich subjektiv besser. Die Therapie führt zu einem besseren Verständnis der Symptome und hilft diese zu Bewältigen. Für den Behandlungserfolg ist es außerdem wichtig, dass der Therapeut und der Patient „zueinander passen“. Der Patient sollte sich gut aufgehoben fühlen. Wie spricht man das Thema Psychosomatik bei Patienten, die möglicherweise an einer somatoformen Störung leiden, an? Fragen, ob der Patient sich andere Ursachen vorstellen kann. Man sollte Aussagen wie „Wir haben nichts gefunden“ vermeiden. Stattdessen könnte man sagen, dass man mit den Mitteln des Fachbereichs keine Organveränderungen feststellen konnte. Darauf hinweisen, dass es wohl keine Erkrankung aus dem z.B. neurologischen Spektrum sei, aber möglicherweise aus dem Bereich der Psychosomatik. Die verschiedenen Ebenen, die zu einer Erkrankung führen können, aufgreifen (Biopsychosoziales Modell). Parallel durchgeführte Diagnostik (z.B. Bildgebung und psychosomatische Erstvorstellung) führt später zu einer höheren Akzeptanz von psychosomatischen Erkrankungsbildern. Wenn Ihr an psychiatrischen Themen interessiert seid, hört Euch bitte unbedingt den PsychCast von Dr. Alexander Kugelstadt und Dr. Jan Dreher an! Mit Jan Dreher haben wir von Klinisch Relevant bereits einen Podcast zum Thema Alkohol-Folgeerkrankungen veröffentlicht: "Akute und Chronische Alkoholfolgeerkrankungen - mit Dr. Jan Dreher"

  8. Du arbeitest im Bereich Anästhesiologie, Notfall- oder Intensivmedizin? Dann ist dieser Podcast für Dich genau das richtige!! Young Urban Anesthesiologists - Fort- und Weiterbildung-Podcast für alle, die im Bereich Anästhesie, Notfall- und Intensiv-Medizin arbeiten Ingmar Finkenzeller arbeitet als ärztlicher Kollege in der Klinik für Anästhesiologie der Uniklinik Göttingen und ist dort auch zuständig für alle "digitalen Angelegenheiten" die in so einer großen Abteilung anfallen. In diesem Zusammenhang hat er auch den "Young Urban Anesthesiologists"-Podcast gegründet, der sich der Fort- und Weiterbildung für Ärztinnen und Ärzte im Bereich der Anästhesiologie verschrieben hat. Wenn Du Dir Fortbildungsinhalte im lockeren Ton und im Interview-Format zu Gemüte führen möchtest, die man auch nebenbei beim Sport, Rasenmähen oder auf dem Weg zur Arbeit gemütlich anhören kannst, dann bist Du hier absolut richtig. In diesem Podcast stellen wir Ingmar und seinen Podcast vor und sprechen über das Berufsfeld "Anästhesiologie". Ingmar wird ab sofort regelmäßige Gastauftritte im Klinisch Relevant Podcast haben und Euch auch hier im Bereich Anästhesie, Notfallmedizin und Intensivmedizin fortbilden!! Viel Spaß beim Hören!

  9. Wie Du als Ergotherapeut*in, Logopäd*in, Physiotherapeut*in oder Krankenpfleger*in im Ausland Berufserfahrung sammeln kannst Apex Social: Berufserfahrungen für junge Menschen aus sozialen Berufen in USA und Australien Susan Asay ist eine absolute Power-Frau, die schon viel in Ihrem Leben erlebt und geschafft hat. Angefangen mit einer Maurer-Lehre hat Sie sich in den Finanzsektor vorgearbeitet und ist vor vielen Jahren in die USA ausgewandert. Dort hat sie die gemeinnützige Organisation "Apex Social" aufgebaut, die heute über 30 Vollzeitmitarbeiter hat und die für junge deutsche Menschen aus sozialen Berufen Aufenthalte in Familien in Australien und den USA organisiert. Dabei leben die Teilnehmer in Gastfamilien, betreuen dort Kinder mit besonderem Förder- oder Therapiebedarf und können zudem Beruferfahrungen in der interdisziplinären Arbeit mit dortigen "Professionals" sammeln. Franziska Förster ist Physiotherapeutin aus Dresden und hat über Apex Social 16 Monate in den USA verbracht. Susan und Franziska stellen Dir in diesem Podcast-Interview das Projekt "Apex-Social" vor und erzählen Dir von Ihren Erfahrungen. Am Samstag, 13.03.2021 findet ab 16 Uhr der Apex Social Congress 2021 statt, für den Du Dich kostenlos anmelden kannst. Speaker wie Horst Schulze, Co-Founder der Ritz Carlton Hotel Gruppe, und Claudia Gersdorf, CCO von Viva con Agua, werden Dich hier inspirieren. Alle Infos zu diesem Event und zu dem Angebot von Apex Social findest Du unter www.apex-social.org Viel Spaß beim Hören!

  10. Wie bringen wir unsere Patienten dazu das zu tun, was wir von ihnen wollen😉 Lernen und Motivation Herzlich Willkommen zu einer neuen Podcastfolge von Klinisch Relevant. Heute spricht unser Spezialist aus dem Bereich der Ergotherapie, Andre Eckerkunst, über das spannende Thema Lernen und Motivation. Therapeuten, Lehrer und Eltern kennen das Problem: das Kind oder der Patient sind nicht motiviert Hausaufgaben bzw. Therapiepläne umzusetzen und kommen nicht voran. Andre erklärt, wie Motivation entsteht, welche Faktoren auf sie einwirken und wie sie verstärkt werden kann. Viel Spaß beim Zuhören und viel Erfolg beim Umsetzen der Tipps! Wofür setzen wir unsere Energie ein? Das Gehirn nutzt ca. 1/5 der Energieressourcen im Körper, obwohl es nur 2 % des Körpergewichts ausmacht. 1/4 dieser Energie wird allein im Ruhezustand genutzt. Das Gehirn verbraucht mit seinen 86 Mrd. Neuronen ca. 500 kcal am Tag. Allein die Na+/K+-Pumpe und damit die Wiederherstellung des Membranpotentials verbraucht die Hälfte der Energie. Insbesondere bei Lern- und Denkprozessen wird die Hirnaktivität massiv gesteigert. Hierbei treten sogenannte Gamma-Oszillationen (30-100 Hz) auf, die sehr viel Energie verbrauchen. Der Energiebedarf steigt nach Bedarf und Region im Gehirn und kann regional um bis zu 12 % gesteigert werden. Welchen evolutionären Vorteil bringen diese Prozesse mit sich? William James (US-amerikanischer Psychologe), hat bereits 1879 festgestellt, dass das menschliche Gehirn in der Lage ist, sich Zukunftsszenarien vorzustellen und nötige Anpassungen vorzunehmen. Beispiel: Eine Tasse steht am Tischrand und man kann sich vorstellen, dass ein Ruckeln am Tisch dazu führen könnte, dass die Tasse hinunterfällt. Was treibt uns an und wie können Therapeuten das nutzen? Extrinsische Motivation: Kommt von außen. Man tut Dinge, die einem nicht unbedingt Spaß machen, die aber wegen extrinsischer Motivation (z.B. der Wunsch nach Belohnung, Anerkennung, Vermeidung von Konsequenzen) durchgeführt werden. Intrinsische Motivation: Die Tätigkeit wird um ihrer selbst willen durchgeführt, weil sie Spaß macht, man Lust darauf hat und sie für richtig hält. Situative Ebene Kontextuelle Ebene Persönlichkeitseigenschaften: Intern, extern oder keinen Antrieb wahrnehmend Bedingungen für Flow-Erleben: • Anforderungen und Fähigkeiten passen • Klare Zielsetzung, um die Handlung zu strukturieren • Möglichst sofortiges Feedback Flow-Erleben wird gestört durch: • Unterbrechungen (z.B. Telefonate) • Zeitdruck Flow-Erleben wird gefördert durch: • Neue, ungewöhnliche Aufgabe Motivationale Kompetenzen: • Autonomieerleben • Kompetenzerleben • Selbstwirksamkeit • Selbstregulation Häufig liegt eine Kombination von extrinsischer/intrinsischer Motivation vor. Edward Lee Thorndike (US-amerikanischer Psychologe) leistete wichtige Vorarbeit zum Thema operante Konditionierung. Es wird angenommen, dass operantes konditionieren zu Assoziationen zwischen Reiz, Reaktion und Konsequenz führt. Verstärkerpläne Häufiges Thema in Elterngesprächen oder mit neurologischen Patienten ist die fehlende Motivation Menschen führen immer Kosten-Nutzen-Analysen durch, um festzustellen, ob die Belohnung für einen selbst größer ist als die Energie, die man reinstecken muss. Dies kann sowohl unbewusst als auch bewusst erfolgen. Wenn man das Gefühl hat, dass man etwas (z.B. die Ziele des Therapeuten) nicht schafft (z.B. aufgrund einer neurologischen Erkrankung) ist es immer hilfreich sich gemeinsam mit dem Therapeuten selbst Ziele zu setzen. Die Ziele müssen so gestaltet werden, dass sie für den Patienten messbar, relevant und in einem gewissen Zeitraum zu schaffen sind. Sie müssen ggf. angepasst werden oder in Teilziele (Etappen) aufgeteilt werden, um die Motivation zu steigern. Bei Aufgaben (z.B. Matheaufgaben), bei denen das Kind keine Motivation mehr zeigt, kann es helfen, wenn sich die Aufgaben verändern, in anderer Form dargebracht werden oder das Kind durch die betreuenden Personen (Eltern, Lehrer) für die reine Anstrengung belohnt wird. Eltern und Lehrer haben häufig Schwierigkeiten „Selbstverständlichkeiten“ zu belohnen. Beispiel: Das Kind kommt nach Hause und hängt direkt seine Jacke auf, anstatt sie irgendwohin zu legen. Dies ist etwas, was die Eltern als selbstverständlich wahrnehmen. Das Verhalten wurde von dem Kind allerdings gelernt, indem es z.B. gelobt wurde, als es das getan hat. Bestrafungen führen dagegen dazu, dass Kinder nicht wissen welches Verhalten richtig bzw. wünschenswert wäre, sondern vermeiden nur das unerwünschte aus Angst vor Bestrafung. Eine zielführende Verhaltensweise wird dagegen nicht verstärkt. Hier ist es sinnvoll, auf Punktepläne mit positiven Verstärkern zu setzen. Es werden für klar definierte Verhaltensweisen Punkte gesammelt. Am Anfang sollten das maximal 1-3 Punkte sein. Das Kind wird dieses gewünschte Verhalten lernen und es wird wahrscheinlicher, dass das gewünschte Verhalten auftritt, wenn es glaubhaft (ohne Augenrollen o.ä.) durch die Eltern/Lehrer verstärkt wird. Das Auftreten des gewünschten Verhaltens wird dagegen nicht erhöht, wenn Strafen eingesetzt werden. Ein weiterer Bestandteil des Punkteplans ist es, dass das Kind die Punkte gegen Belohnungen (z.B. ein Ausflug mit den Eltern, ein Spiel usw.) innerhalb einer bestimmten Zeit eintauschen kann. Was ist der Unterschied zwischen Bestechung und Verstärkung? Bestechung: Im Supermarkt weint und schreit das Kind. Das Elternteil sagt: Wenn du jetzt still bist, bekommst du ein Überraschungsei. Das Kind lernt, dass es durch das negative Verhalten am Ende ein Überraschungsei bekommen kann. Dadurch verstärkt man die Verhaltensweise sogar. Anders ist es bei Punkteplänen. Hier wird von vornherein geklärt, welches Verhalten erwünscht ist. Positive Verhaltensweisen werden entsprechend belohnt. Häufig liegt der Wunsch vor, dass das Kind all diese positiven Verhaltensweisen aus einer intrinsischen Motivation heraus aufzeigt. Allerdings muss man sich als erwachsener Mensch fragen, wie es im eigenen Leben aussieht. In vielen Verhaltensweisen, die man selbst an den Tag legt, liegt eine extrinsische Komponente vor. Selbst wenn man beispielsweise ehrenamtlich arbeitet, wird einem z.B. Anerkennung zu Teil oder man sieht lachende Gesichter um einen herum. Dies wirkt als ein extrinsischer Reiz. Natürlich liegt auch aufgrund unserer Werte und persönlichen Einstellung eine intrinsische Komponente vor, die uns motiviert. Dies kann man aber bei Kindern, die ihre eigenen Erfahrungen noch nicht gemacht haben, nicht erwarten. Verschiedene Punktepläne: • Verstärkersysteme: Punkte werden für erwünschtes Verhalten vergeben und nicht wieder weggenommen. • Verstärkerentzugssysteme: Vor allem bei Kindern, die häufig Fehlverhalten zeigen. Das Kind erhält schon von Beginn an Punkte, die nach Vorwarnung weggenommen werden, wenn unerwünschtes Verhalten gezeigt wird. Es ist wichtig, dass Kind dann zu bestärken und zu betonen, dass es ja noch Punkte hat und die Aufgaben sicher schaffen wird. Es macht Sinn mit ausreichend Punkten zu starten, sodass das Kind im Anschluss noch wenigstens die Hälfte der Punkte hat. Diese können dann auch wieder gegen Belohnungen eingetauscht werden. Wichtig ist es auch, dass Eltern und Therapeuten lernen, dass vermeintliche Selbstverständlichkeiten eben nicht für jeden selbstverständlich sind. Wenn man das verinnerlicht hat, kann man sich auch über kleine Erfolge freuen und dies authentisch dem Kind bzw. dem Patienten vermitteln. Beispiel Verstärkerenzugssystem: Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten (THOP) (von Döpfner, Schirmer, Frölich)

  11. Wie Du Deinen Patienten mit Akupunktur ergänzend zur Schulmedizin z.B. gegen Schmerzen helfen kannst.. Traditionelle chinesische Medizin Herzlich Willkommen zu einer neuen Podcastfolge von Klinisch Relevant. Wir möchten euch heute zu einem spannenden Thema fernab von Leitlinien und der klassischen Schulmedizin informieren. Wir sprechen mit Dr. Thay Joe Tan, der selbst Human- und Zahnmedizin studiert hat, über die traditionelle chinesische Medizin (TCM) und hier insbesondere über die Akupunktur. Dr. Thay Joe Tan erzählt uns, wie er selbst zur TCM gefunden hat, was die Idee hinter der TCM ist und welche verschiedenen Akupunktur-Verfahren es gibt. Grundelemente der traditionellen chinesischen Medizin: 5 Therapiemodalitäten (von non-invasiv zu invasiv): • Ernährung: z.B. Ingwer, Zimt • Chinesische Heilkräutertherapie: Darunter fallen auch Minerale oder tierische Bestandteile. Ca. 80% sind allerdings pflanzlich (Wurzel, Wurzelstock, Blatt, Rinde usw.). • Qi Gong: Qi (Lebensenergie) Gong (arbeiten, üben). Beschreibt, dass mit dem Qi gearbeitet wird. Aktive (durch den Patienten durchgeführt) oder passive (durch den Therapeuten durchgeführt) Therapien sind möglich. • Tuina (übersetzt: Tui = schieben, Na = greifen): Chinesische Manualtherapie. • Akupunktur Wie alt ist die Akupunktur? Und auf welchen Grundprinzipien beruht die TCM? Je nach Quelle, mehrere tausend Jahre. Laut TCM ist der Mensch gesund, wenn: • er ausreichend Qi, also Lebensenergie, hat. • die Lebensenergie im Körper frei fließen kann und nicht blockiert wird. • die Lebensenergie in die richtige Richtung fließt. Beispiel für eine falsche Flussrichtung: Sodbrennen, Erbrechen, Husten • alles im Gleichgewicht ist. Akupunktur basiert auf das Einführen von Nadeln an bestimmten Punkten am Körper, entlang derer, laut TCM, die Leitbahnen (Meridianen) des Qi verlaufen. Durch die Nadeln soll der Fluss des Qi verbessert werden. Je nach Punkt kann die Akupunktur verschiedene Wirkungen haben, sodass in Abhängigkeit von der Erkrankung die richtigen Punkte behandelt werden. Gibt es verschiedene Qi-Formen? Es gibt keine verschiedenen Qi-Formen, sondern Bezeichnungen für den Qi. Es gibt verschiedene Meridiane (ordentlich und außerordentlich). 12 ordentliche Meridiane z.B. Lunge, Dickdarm, Milz, Magen Entsprechend der Organe gibt es z.B. ein Lungen-Qi, Nieren-Qi Es gibt außerdem einen Atem-Qi und Nahrungs-Qi Wie erfolgsversprechend sind die Behandlungen? TCM Klinik Bad Kötzting war die erste Klinik in Deutschland die sich der TCM gewidmet hat. Durchschnittlich dauerte die stationäre Behandlung 4 Wochen (hochdosierte chinesische Kräuter, 3 x die Woche Akupunktur, 2 x die Woche Tuina Therapie oder Qi-Gong-Therapie, Ernährung, Beratung usw.) Mit diesem Konzept konnten bei 2/3 bzw. 3/4 der Patienten sehr gute Besserungen erreicht werden. Der Erfolg hing dabei auch von der Diagnose ab. Die Patienten waren aus schulmedizinischer Sicht austherapiert. Ca. 1-2% ging es schlechter. Bei 10-20% konnte keine positive Wirkung erzielt werden. Gibt es verschieden Formen der Akupunktur? Es gibt viele verschiedene Akupunktur-Methoden. Es gibt welche, die beziehen sich beispielsweise nur auf das Ohr oder das Schlüsselbein. Klassisch ist die Körperakupunktur Akupunktur kann dort eingesetzt werden, wo es wehtut. Distal Needling Acupuncture (DNA): Die Nadeln werden nicht am Ort der Beschwerden gesetzt. Körpernadeln: 0,2 – 0,3 mm Durchmesser, Länge: 2,5 – 4 (8) cm Handnadeln Gesichtnadeln: Kosmetische Akupunktur Ohrnadeln Dauernadeln: Bleiben 7 – 10 Tage im Körper und werden mit einem Pflaster abgeklebt. Permanentnadeln: Gibt es seit 7 Jahren. Hauptsächlich für das Ohr. Welche Punkte würde man bei Kopfschmerzen behandeln? Es kommt auf die Akupunktur-Technik an Bei der Turbo-Akupunktur kommt es stark auf die Lokalisation an. Es muss genau differenziert werden. z.B. okzipitale Spannungskopfschmerzen: • Punkte an der Hand • Dünndarm 1 (radial am kleinen Finger) • Dreifach-Erwärmer 1 (radial am Ringfinger) • Innerhalb von Sekunden erfahren die Patienten eine Schmerzlinderung Kontaktdaten Dr. Thay Joe Tan: dr.tan@turboakupunktur.de 0176 477 196 47 www.turboakupunktur.de Dr. Tan bietet regelmäßig Online- und Offline-Kurse zum Thema „Turboakupunktur“ an!

  12. Die konservative Therapie der Achillessehnen-Tendinopathie aus physiotherapeutischer Sicht Shownotes Tendinopathie Die Tendinopathie beschreibt eine komplexe, vielschichtige Pathologie der Sehne, die durch Schmerzen, Funktionseinbußen und verminderte Belastungstoleranz gekennzeichnet ist. Die häufigsten Überlastungs-Tendinopathien betreffen die Sehne der Rotatorenmanschette, die medialen und lateralen Epikondylen des Ellenbogens, die Patellasehne, die Gesäßsehnen und die Achillessehne. Zu den auffälligen histologischen und molekularen Merkmalen der Tendinopathie gehören • eine Desorganisation der Kollagenfasern, • eine Zunahme der Mikrovaskularisation und der sensorischen Nerveninnervation, • eine dysregulierte Homöostase der extrazellulären Matrix, • eine Zunahme von Immunzellen und Entzündungsmediatoren , • sowie eine erhöhte zelluläre Apoptose. Obwohl die Diagnose meist anhand der klinischen Symptome gestellt wird, können in einigen Fällen zusätzliche schmerzauslösende Tests und Bildgebung wie z.B. die Sonographie oder MRT erforderlich sein. Die Behandlung besteht aus verschiedenen Übungs- und Belastungsprogrammen, therapeutischen Modalitäten und chirurgischen Eingriffen; Im Podcast fokussieren wir uns auf die konservative Behandlung. Tendinopathie der Achillessehne: Die Achillessehnen-Tendinopathie (d. h. Achillessehnenentzündung) ist eine schmerzhafte Überlastungsverletzung der Achillessehne. Diese Verletzung ist bei Sportlern weit verbreitet, insbesondere bei Laufsportlern oder die, die vielfach explosive Sprungbewegungen durchführen. Leichtathleten gaben 43 % an, dass sie entweder über aktuelle oder frühere Symptome einer Achillessehnen-Tendinopathie, mit die höchste Prävalenz (83 %) bei Mittelstreckenläufern. Zwei Drittel der Athleten gaben außerdem an, dass die Sehnenschmerzen ihre Leistung negativ beeinflussten. Allerdings ist die Achillessehnen-Tendinopathie i keine reins sportliche Verletzung, da 65% der in einer Allgemeinpraxis diagnostizierten Verletzungen nicht sportbezogen sind. Trotz unseres verbesserten Verständnisses der Verletzungsart, kann es zu lebensqualitätseinschränkenden Folgen führen, die oftmals langsam fortschreiten. Symptomatische ist vielfach das Sportler weiter Sport treiben, obwohl die Leistung oft beeinträchtigt ist und die Verletzung sich verschlimmert, wenn sie ignoriert wird. Die Kernaussagen des Podcasts sind: Die Achillessehnen-Tendinopathie ist eine klinische Diagnose, die auf lokalisierten Sehnenschmerzen und -schwellungen sowie Schmerzen bei Aktivitäten basiert. Übungen, die eine mechanische Belastung der Achillessehne bewirken, sind die Behandlung mit dem höchsten Evidenzgrad. Die Behandlung sollte sich auf eine Modifikation der Aktivität und progressive Übungen zur Belastung der Sehne konzentrieren. Eine vollständige Heilung der Symptome garantiert nicht die vollständige Wiederherstellung der Funktion oder der Sehnenstruktur. Die beste Vorbeugung besteht darin, frühe ''leichte'' Symptome zu erkennen und mit Belastungskontrolle zu behandeln. Literatur: Millar, N., Silbernagel, K, Thorborg, K., Kirwan, P., Galatz, L., Abrams, G., Murell, G., McInnes, I. (2021) Tendinopathy NATURE REVIEWS | DISEASE PRIMERS I D: (2021) 7:1 http://rdcu.be/cdgxf Silbernagel, K, Hanlon, S, Sprague, A. Current Clinical Concepts: Conservative Management of Achilles Tendinopathy, Journal of Athletic Training 2020;55(5):

  13. Wie Medizin, Kite-Surfen und Skifahren zusammenhängen können... Mindbody Medizin Sabine Egger ist nicht nur Anästhesistin, sondern auch leidenschaftliche Kite-Surferin, Skifahrerin und Podcasterin. Gründe genug, um mit Ihr ein Podcast-Interview zu führen und sie über das Thema Body-Mind-Medizin auszufragen. Mit diesem Thema beschäftigt sich Sabine aktuell nämlich besonders. Kennenlernen durfte ich Sabine auf der Mindful-Doctor Konferenz im September 2020 in Berlin, als wir in einem Podcast-Workshop bei dem "Business-Doc" Oliver Neumann zusammensaßen. Auf dem Weg durch eine Lebenskrise ist sie auf die Body Mind Medizin gestoßen, hat sich in dieser Fachrichtung ausbilden lassen und führt heute Coachings mit diesem Schwerpunkt durch. Im Podcast teilt sie Ihr Wissen und Ihre Erfahrungen mit Dir. Die Mind-Body-Medizin konzentriert sich auf das Zusammenspiel von Körper, Geist, Psyche und Verhalten. Dabei spielen die Faktoren Achtsamkeit Ernährung Bewegung / Sport Atmung Entspannung Selbsthilfe eine wichtige Rolle und Beeinflussen unsere Gesundheit. In der schematischen Darstellung des "Tempels der Gesundheit" sind die Grundprinzipien der Mindbody-Medizin zusammengefasst. Es handelt sich also um eine ganzheitliche Sichtweise auf Krankheit und Gesundheit, dessen Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen ist und die in Kliniken wie den Evangelischen Kliniken Essen-Mitte in Steele angewandt wird. Weitere Informationen zu Sabine und Ihrer Arbeit findest Du auf Ihrer website: www.drsabineegger.com Sabines Podcast "Mind Body Podcast" findest Du z.B. hier: Mind Body Podcast viel Spaß beim Hören!

  14. Bedeutung der Selbsthilfe als weitere Säule der Krankheitsbewältigung: Aufgaben, Einsatzgebiete und Funktionsweisen Die Selbsthilfe - Klinisch Relevant? Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflege- und Therapieberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um das Thema der Selbsthilfe, die Aufgaben, Einsatzgebiete und Funktionsweise der Selbsthilfe in Deutschland. Selbsthilfe-Kontaktstelle Bochum Die Selbsthilfe-Kontaktstelle Bochum ist eine Beratungsstelle zum Thema Selbsthilfe. Dort werden Personen beraten und Kontakte zu Selbsthilfegruppen vermittelt. Darüber hinaus unterstützt die Kontaktstelle bestehende Gruppen und berät bei Neugründungen. Link: https://www.selbsthilfe-bochum.de/content/ Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen Die NAKOS ist die zentrale bundesweite Anlaufstelle in Deutschland rund um das Thema Selbsthilfe. Als Knotenpunkt vernetzt NAKOS die relevanten Akteure. Interessierte, Betroffene und Angehörige finden hier alle notwendigen Informationen. Dabei zeigt NAKOS die Vielfalt und Möglichkeiten gemeinschaftlicher Selbsthilfe auf und fördert und vertritt sie gegenüber Politik und Gesellschaft. Link: https://www.nakos.de/ Wie finde ich Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen? In Deutschland gibt es auch über Praxen und Kliniken hinaus ein breites Angebot zur persönlichen Beratung und Unterstützung im Krankheitsfall. Viele dieser Angebote sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert und nicht immer direkt zu finden. Wir haben deshalb eine Liste von Anlaufstellen zusammengestellt, die helfen, Angebote vor Ort zu finden und zu nutzen. Link: https://www.gesundheitsinformation.de/wie-finde-ich-selbsthilfegruppen-und-beratungsstellen.html Wirksamkeit der Selbsthilfe: S3-Leitlinie - Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen Der Selbsthilfe kommt eine erhebliche Bedeutung in der Behandlung von Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen zu. Der Nutzen von Selbsthilfe ist mittlerweile unumstritten. Dabei existiert kaum ein einheitliches Verständnis von Selbsthilfe. Die Vielfalt von Handlungsformen und Akteuren sowie unterschiedliche Konzeptionen führten zu einer breiten Fächerung des Begriffes. Link: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/038-020l_S3_Psychosoziale_Therapien_bei_schweren_psychischen_Erkrankungen_2019-07.pdf

  15. Wie die Corona-Krise die Digitalisierung in der Medizin massiv beschleunigt hat, wo das deutsche Gesundheitssystem diesbezüglich herkommt und wohin wir steuern.. Digitalisierung der Medizin Prof. Dr. David Matusiewicz ist Dekan der FOM, einer privaten deutschen Hochschule und Professor für Medizinmanagement. Gleichzeitig ist er Experte im Bereich der Digitalisierungsvorgänge in der Medizin und sehr aktiv in den sozialen Medien und hat Einblicke in viele Start-Up Unternehmen aus diesem Feld. Viele Gründe für uns Prof. Matusiewicz für ein Interview für den Klinisch Relevant Podcast zu gewinnen. In diesem Podcast sprechen wir über folgende Themen: Aktuelle Herausforderungen in der Medizin Folgen der Digitalisierung für Behandler und Patienten: wie kann man alle Beteiligten bei dem Entwicklungsprozess mitnehmen Chancen und Risiken der Digitalisierung Ökonomische Aspekte der Digitalisierung, z.B. im Hinblick auf die immer stärkere Personalisierung von Therapien Welche Lehren können wir aus der aktuellen Corona-Pandemie ziehen? Wie steht Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern im Hinblick auf die Digitalisierung da? Wie wird sich in Zukunft das Verhältnis zwischen Arzt und Patient ändern. Weitere Informationen zur Person von Prof. Matusiewicz finden sich auf seiner Website: www.david-matusiewicz.com Viel Spaß beim Hören!

  16. Ab sofort vervollständigen wir unser Podcast-Fortbildungsangebot um regelmäßige Inhalte aus dem Bereich der Logopädie! Logopädie Herzlich Willkommen zu einer neuen Podcastfolge von Klinisch Relevant zum Thema Logopädie. Wir sprechen heute mit Frau Britta Münzer, die als Diplom- Sprachheiltherapeutin sehr viel Expertise auf diesem Gebiet mitbringt, über die verschiedenen Möglichkeiten der Ausbildung zum Sprachtherapeuten. Außerdem bekommen wir interessante Informationen zur Niederlassung bzw. Praxisgründung, zu verschiedenen Störungsbildern in der Logopädie und zur therapeutischen Herangehensweise bei Kindern. Viel Spaß und viele neue Erkenntnisse wünscht euch das Team von Klinisch Relevant! Welche Voraussetzungen müssen für die Niederlassung bzw. Praxisgründung erfüllt werden? Fachliche Kompetenz: In Form einer staatlich anerkannten, schulischen Ausbildung oder eines Studiums, das zur Sprachtherapie befähigt. Vorgaben: Es gibt gewisse Vorgaben z.B. bezüglich der Raumgröße und Ausstattung Wie kann man sich zum Sprachtherapeuten ausbilden lassen? Schulische Ausbildung (staatlich anerkannt): 3 Jahre, mit Abitur oder mittlerer Reife (bzw. gleichwertige Abschlüsse) Duale Ausbildung (Bachelor): Kombination der schulischen und universitären Ausbildung Universitäre Ausbildung: Der ehemalige Diplomstudiengang in Köln wurde nun zum Bachelorstudiengang. In weiteren Städten (München, Hamburg, Hannover usw.) sind äquivalente Studiengänge vorhanden, die einen zur Sprachtherapie befähigen. **Wie unterscheiden sich Linguisten von den genannten Ausbildungen/Studiengängen? ** Der Schwerpunkt liegt bei klinischen Linguisten auf der Sprachwissenschaft Sprachtherapeuten lernen häufig eine Kombination von Themen aus der Medizin, Psychologie, Pädagogik, Linguistik und Soziologie Klinische Linguisten können ebenfalls als Sprachtherapeuten tätig sein **Welche Ausbildung ist am häufigsten vertreten? Gibt es einen Trend hin zur Akademisierung der Ausbildung? ** Am häufigsten sind die Logopäden mit der schulischen Ausbildung vertreten. Eine zunehmende Akademisierung ist definitiv zu beobachten. Mit der Akademisierung würde sich in Deutschland allmählich etwas durchsetzen, was in anderen europäischen Ländern bereits Standard ist. Schwerpunkte, die in der Logopädie behandelt werden: Sprachstörungen Sprechstörungen Schluckstörungen Stimmstörungen Lese- und Schreibstörungen Im Alltag, insbesondere im niedergelassenen Bereich, sind für die Patientenversorgung die Therapeuten hinsichtlich der Therapiebereiche breit aufgestellt. Es gibt allerdings die zunehmende Tendenz hin zur Spezialisierung in bestimmten Bereichen der Logopädie. Insbesondere in Fortbildungen wird zunehmend ein bestimmter Schwerpunkt behandelt. **Welche Störungsbilder sind typisch? ** Kinder: Machen einen großen Anteil der Patienten aus, da die Sprachentwicklung in jungen Jahren stattfindet. Vorschulalter Verzögerungen oder Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung o Laute werden nicht erlernt und durch andere ersetzt z.B. „T“ statt „K“ o Es können mehrere Laute betroffen sein, die dann zu Defiziten in der Grammatik führen können o Häufige Kombination mit einem kleinen Wortschatz o Es ist nicht nur die Sprachproduktion betroffen, sondern auch das Verständnis der gehörten Sprache Erwachsene: Meist neurologische Symptomatik nach Schlaganfällen o Beeinträchtigte Motorik o Zentrale Sprachstörungen: z.B. Verständnisstörungen und Wortfindungsstörungen, Degenerative Erkrankungen: o Parkinson o ALS o Chorea Huntington Die Zahl der Patienten, die wegen einer Demenz logopädisch behandelt werden, hat in den letzten Jahren zugenommen Heiserkeit Gibt es Geräte, die im Rahmen der Therapie genutzt werden? Training der Zunge mit Widerständen (z.B. nach Schlaganfall) Reize die gesetzt werden, um beispielsweise die Lage der Zunge besser wahrzunehmen Inwieweit wird FEES (Flexible Endoskopische Evaluation des Schluckens) in der Logopädie genutzt? Ist noch kein Standard in der Diagnostik der Schluckstörung Insbesondere in den Einrichtungen (z.B. Seniorenheimen) wird es nicht umgesetzt Häufig eine teilstationäre Aufnahme notwendig Patienten müssen einigermaßen mobil sein oder stationär aufgenommen werden Wird von den Ärzten zurückhaltend verschrieben

  17. Behandlungsmethoden mit Hilfe der Manuellen Therapie, Osteopathie, Chirotherapie und Chiropraktik Dr. Matthias Meier ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, sowie Facharzt für Rehabilitative Medizin. Nach seinem Studium der Humanmedizin in Mainz und einem Forschungsjahr in New York, arbeitete Matthias zunächst in der Unfallchirurgie der Uniklinik Köln, danach in Basel, in Villingen-Schwenningen und zuletzt als leitender Oberarzt in einer Reha-Klinik in Ulm. Dort hat er begonnen sich intensiv mit manueller Therapie, Osteopathie, Chirotherapie und Chiropraktik auseinanderzusetzen. Seine positiven Erfahrungen mit diesen Themengebieten haben dazu geführt, dass er sich vor ca. 1,5 Jahren in einer Privatpraxis in Ulm mit diesen Schwerpunkten niedergelassen hat. Hier behandelt Matthias überwiegend Patienten mit Rückenschmerzen und Arthrose; darüber hinaus aber auch mit Symptomen wie Schwindel, Sehstörungen, Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen und Parkinson. Dabei versucht er einen anderen Blickwinkel auf die Symptomatik zu werfen. Kern des Therapiekonzeptes ist es, sich die Nervenstrukturen, die zum Beispiel eine schmerzende Körperpartie versorgen, vor Augen zu führen und im Bereich der Wirbelsäule nach Fehlstellungen zu suchen, die mit diesen Nervenstrukturen im Zusammenhang stehen. Diese Fehlstellungen werden dann nach den Prinzipien der Osteopathie, der manuellen Medizin oder der Chiropraktik behandelt, damit es zu einer "Besserung" der Nervenimpulse und somit der Symptome kommen kann. Der 1. Teil der Behandlung umfasst eine "Symmetrisierung" des Bewegungsapparates, soweit dies möglich ist. Matthias behandelt dabei den Kopf, die HWS, BWS, LWS und das Becken und versucht zudem muskuläre Spannungen zu lösen. Im Anschluss wird die Beinlänge im Sitzen und im Liegen gemessen. Teil der Diagnostik ist auch ein sog. "Scan" des vegetativen Nervensystems. Hier wird z.B. die Herzfrequenzvarianzanalyse durchgeführt. Mehr zu der Arbeit von Matthias findest Du hier: www.impulse-hm-medizin.de Facebook und YouTube: Impulse- Health Management Instagram: impulse_hm Das Buch „Der Mensch: Zu schlau zum Überleben“ von Matthias kannst Du hier beim Verlag bestellen: https://www.novumverlag.com/onlineshop/ratgeber-sachbuch/alltag-lebensfuehrung/der-mensch-zu-schlau-zum-ueberleben.html

  18. Wie verhältst Du Dich richtig, wenn ein Patient oder eine Patientin Dich unangemessen behandelt? Sexuelle Belästigung im Pflegeberuf Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflege- und Therapieberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um das Thema der sexuellen Übergriffe im Berufsbild der Pflege - Arten, Einflussfaktoren und Praxistipps zur Vermeidung, sowie der Umgang im Team. Die Schwester Der Pfleger: Sexuelle Übergriffe und Belästigungen „Stopp! Ich möchte das nicht!" Unerwünschte Annäherungsversuche sind in der Pflege häufig. Sie können zu Scham, Angst und Depressionen führen. Aber: Wie verhalte ich mich richtig, wenn ein Patient oder eine Patientin sich mir in unangemessener Form nähert? Und welche Rolle spielt das Team? Link: https://www.bibliomed-pflege.de/sp/artikel/24000-stopp-ich-moechte-das-nicht Report zur sexuellen Belästigung unter Ärzten, Pflegepersonal und Patienten: Was passiert in Kliniken und Sprechzimmern? In den vergangenen drei Jahren haben fast 15 Prozent der Ärztinnen und Ärzte einer Umfrage zufolge sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz beobachtet. Sieben Prozent der Mediziner seien selbst von Kollegen belästigt worden, heißt es in einem heute veröffentlichten Medscape-Report zum Thema „Sexuelle Belästigung unter Ärzten, Pflegepersonal und Patienten“. Link: https://deutsch.medscape.com/diashow/49000691#1 Schwester, verstehen Sie keinen „Spaß“? Sexuelle Übergriffe von Patienten - Eine scheinbar beiläufige Berührung während der Körperpflege, ein anzüglicher Spruch, ungeniertes Anstarren – die meisten Pflegekräfte kennen das und stecken es nur zu oft weg. Sexuelle Belästigung ist ein Thema, auf das Auszubildende noch immer unzureichend vorbereitet werden. Und später im pflegerischen Alltag wird es immer schwieriger, ein Tabu zu brechen. Link: https://link.springer.com/article/10.1007/s00058-010-1162-1 Sexualstrafrecht in Medizin und Pflege - Grundlagen für die Pflegeausbildung Dieses Buch liefert eine Orientierungshilfe zum Thema Sexualstrafrecht für Menschen in Pflegeberufen in der Aus-, Fort- und Weiterbildung. Der Autor liefert eine kompakte Übersicht über Erkenntnismerkmale, Definitionen und Beispiele sowie Verhaltensweisen im Umgang mit Opfern (sexueller) Gewalt. Der Autor erläutert wesentliche Aspekte des Sexualstrafrechts in Deutschland und bereitet diese als Praxistipps für Menschen in Pflegeberufen auf. https://www.springer.com/de/book/9783658189686

  19. Warum bei geriatrischen Patienten im Hinblick auf die Pharmakotherapie besondere Vorsicht geboten ist! Polypharmazie bei geriatrischen Patienten In unserer heutigen Klinisch Relevant Podcastfolge sprechen wir mit Prof. Sebastian Baum über die Pharmakotherapie bei geriatrischen Patienten. Prof. Baum gibt uns hierbei einen Einblick in die Arbeit eines Stationsapothekers und erklärt uns, warum die medikamentöse Therapie von multimorbiden Patienten so anspruchsvoll ist. Er nennt häufig vorkommende Fehler in Medikationsplänen, gibt Tipps zu verschiedenen Medikamenten und nennt mögliche Entscheidungshilfen für den klinischen oder ambulanten Alltag. Warum muss insbesondere bei geriatrischen Patienten auf eine korrekte Medikation geachtet werden? Ab 75 spricht man von „älteren“ Patienten Das chronologische Alter ist nicht ausschlaggebend, um einen Patienten als geriatrisch zu kategorisieren. Es hängt viel mehr vom Status eines Patienten, also einer geriatrietypischen Multimorbidität oder Frailty (Gebrechlichkeit), ab, ob diese als geriatrische Patienten gelten. Multimorbide, gebrechliche und polypharmazierte Patienten sind entsprechend anfälliger für Komplikationen oder einer Verschlechterung des körperlichen Zustandes. Die Lebenserwartung ist dadurch verringert. Es muss in Abhängigkeit vom Zustand des geriatrischen Patienten ein Therapieziel definiert werden, wobei die maximal mögliche Verlängerung der Lebenserwartung nicht im Vordergrund steht. „Surprise Question“: Wären Sie überrascht, wenn Ihr Patient innerhalb der nächsten 6-12 Monate versterben würde? Surprise Question stellen und Therapieziele definieren. Es wird insbesondere Wert auf die Erhaltung des Selbsthilfestatus und der Lebensqualität gelegt. Je multimorbider der Patient ist, desto schwieriger ist es jedes seiner Leiden mit einer leitliniengerechten Therapie zu behandeln. Dies liegt sowohl an den Dosierungen und Nebenwirkungen als auch an den potenziellen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Jedes Leiden leitliniengerecht zu behandeln würde das Ziel, so wenig Medikamente wie möglich zu nutzen, unmöglich machen. Daher erfolgt die Priorisierung der Medikamente. Es muss für jeden Patienten individuell geprüft werden, ob eine potenziell inadäquate Medikation (PIM) vorliegt. Wie gehen Sie im Rahmen Ihrer praktischen Arbeit vor? Mit Assistenzärzten macht es durchaus Sinn sich einzelne Kurven vorzunehmen und die Pharmakologie ausführlich zu besprechen. Im Rahmen von Chef- oder Oberarztvisiten wird dann gemeinsam, in Abhängigkeit vom Therapieziel, die Medikation unmittelbar beim Patienten angepasst. Welche Fehler sind auf den Medikamentenplänen häufig vorzufinden? Mögliche Wechselwirkungen machen zwar einen großen Teil aus, sind aber nicht die häufigsten Fehler. Der Hauptarbeitsschwerpunkt liegt auf der Anpassung von Dosierungen. Insbesondere während oder nach eines akuten Nierenversagens müssen die entsprechenden Dosierungen angepasst werden. Hier gilt es Intoxikationen bei Nierenversagen bzw. eine Unterdosierung nach akutem Nierenversagen zu vermeiden. Dies gilt häufig für die oralen Antikoagulanzien oder Antidiabetika (Metformin, DPP-4-Hemmer, Glifozine). Ein angepasstes Arzneimittelportfolio ermöglicht es die Medikamente mit den wenigsten Wechselwirkungen parat zu haben. Der GFR-Wert muss immer wöchentlich bestimmt und bei den Medikamenten dokumentiert werden, um die Dosierungen entsprechend der Nierenfunktion anpassen zu können. Allein diese Maßnahme erhöht die Arzneimitteltherapiesicherheit deutlich. Kontraindikationen müssen geprüft werden. Was verstehen Sie unter einem "guten" bzw. "schlechten" Betablocker? Es stehen verschiedene Betablocker zur Verfügung und man muss sich überlegen, welche in dem konkreten Fall besser geeignet sind. Beispiel: Atenolol o Wird zu 100% renal eliminiert und daher häufig ungünstig bei geriatrischen Patienten. o Bei einer Verschlechterung der Nierenfunktion würde es zu Nebenwirkungen (z.B. Bradykardien) von Atenolol kommen. o Wirkt etwas anticholinerg. Diese Wirkung ist jedoch unerwünscht. Daher werden geriatrische Patienten, die Atenolol bekommen, umgestellt auf Bisprolol. Vorteile von Bisoprolol: o Keine anticholinerge Potenz o Kleine Tabletten o Können gemörsert werden o Können geteilt werden o Kein CYP-Enzym Induktor Metoprolol: o Anticholinerge Potenz o CYP-Enzym Interaktionen o Große Tablette o Nicht mörserbar Welche weiteren Organsysteme spielen eine Rolle? Im Alter muss, wie bereits erwähnt, die Nierenfunktion anhand der Nierenwerte geprüft werden. Die Leberfunktion ist im hohen Alter ebenfalls häufig eingeschränkt. Die Einschränkung lässt sich, anders als bei der Niere, nicht anhand der Zu- oder Abnahme bestimmter Werte ableiten. Der Metabolismus ist häufig deutlich reduziert. Dies führt zur Akkumulation von Medikamenten, die über die Leber bzw. CYP-Enzyme verstoffwechselt werden. Man muss daran denken, dass daraus eine Akkumulation mit verlängerter Wirkdauer (Hangover) resultieren kann. Bei den Opioiden kann man beispielsweise Medikamente raussuchen, die weder über die Niere ausgeschieden, noch durch CYP-Enzyme verstoffwechselt werden (z.B. Hydromorphon, Tapentadol). Der Gastrointestinaltrakt ist ein weiteres Organsystem, welches z.B. bei Parkinson-Patienten beeinträchtigt sein kann. Die Resorption kann durch die Erkrankung oder durch die Parkinson-Medikamente beeinträchtigt sein. Beispiel: Nachtmedikation o Wenn Schlafmedikation in Form von niederpotenten Neuroleptika (Melperon, Pipamperon) verabreicht werden soll, müssen diese schon einige Stunden vor dem gewünschten Wirkeintritt verabreicht werden, da die Wirkung erst sehr spät einsetzt. o 1/3 der Dosis um 17 Uhr und den Rest dann um 19 bzw. 20 Uhr geben, damit eine Wirkanflutung gegen 21/22 Uhr erfolgt. o Gibt man die Medikation zu spät, setzt die Wirkung entsprechend später ein und hält häufig bis zum späten Vormittag an. Bei welchen Medikamenten mit anticholinerger Wirkung muss man aufpassen? Trizyklische Antidepressiva (Amitriptylin, Trimipramin, Doxepin): Werden noch relativ häufig verschrieben. Insgesamt ist der Einsatz jedoch deutlich zurückgegangen, was auf die Einführung von selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren (SSRI), selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Inhibitoren (SSNRI) und Mirtazapin zurückzuführen ist. Urologika: o Oxybutenin o Darifenacin Alternativen ohne zentrale anticholinerge Wirkung: Spasmex, Trospiumchlorid Welche Entscheidungshilfen gibt es für klinisch tätige Kollegen? - Priscus-Liste: o Übersichtsliste zu den PIMs o Teilweise ungewöhnliche Therapievorschläge o Teilweise sind Medikamente nicht aufgeführt von denen man weiß, dass sie durchaus zu Komplikationen führen können (z.B. Digitoxin). o Liste ist über 10 Jahre alt o Neue Antikoagulanzien usw. sind entsprechend nicht berücksichtigt FORTA-Liste: o 3. Version von 2019 o Geben Entscheidungshilfen o Keine rein negative Liste o Klassifiziert Medikamente o Nachteil: Es wird nicht erklärt, weswegen ein Medikament eher oder weniger geeignet ist. o Die FORTA-Liste ist frei verfügbar Am sinnvollsten ist es, beide Listen zu verknüpfen Der Link zur FORTA-Liste: https://www.umm.uni-heidelberg.de/klinische-pharmakologie/forschung/forta-projekt-deutsch/ Gibt es Entscheidungshilfen für die niedergelassenen Kollegen? Im niedergelassenen Bereich ist es sehr schwierig den Überblick über alle Medikamente, die von verschiedenen Fachärzten verschrieben werden, zu behalten. In der Regel führen Apotheken den Wechselwirkungs-Check durch. Voraussetzung ist allerdings eine vollständige Medikationsliste. Allerdings sehen sie nicht die Diagnose, die Laborwerte oder das Krankheitsbild und sind auch nicht in der Lage diese zu beurteilen. Das Problem ist, dass nicht jede Fachrichtung den Überblick über alle Medikamente halten kann. Es fehlt eine Instanz, die Priorisierungen durchführt. Es ist empfehlenswert, ggf. einen weiteren Kollegen oder Apotheker zu Rate zu ziehen. Es gibt Software, die man nutzen kann, um Interaktionschecks durchzuführen. Die Medscape App (Englisch) bietet die Möglichkeit Interaktionsschecks durchzuführen. https://itunes.apple.com/us/app/medscape/id321367289?mt=8 Disclaimer: Bei den Podcasts von Klinisch Relevant handelt es sich um Fortbildungsinhalte für Ärzte und medizinisches Personal und keinesfalls um individuelle Therapievorschläge. Sie ersetzen also keineswegs einen Arztkontakt, wenn es um die Behandlung von Erkrankungen geht. Dabei spiegeln die Beiträge den Kenntnisstand unserer medizinischen Partner und Experten wider, den sie nach besten Wissen und Gewissen mit Dir teilen. Häufig handelt es sich dabei auch um persönliche Erfahrungen und subjektive Meinungen. Wir übernehmen für mögliche Nachteile oder Schäden, die aus den im Podcast gegebenen Hinweisen resultieren, keinerlei Haftung. Bei gesundheitlichen Beschwerden muss immer ein Arzt konsultiert werden! Weitere Informationen findest Du auf unserer Website: www.klinisch-relevant.de

  20. Externe Hirnstimulation als ergänzende Therapieoption für Patienten mit depressiven Störungen, Morbus Parkinson, Schlaganfälle und Alzheimer Demenz Externe Hirnstimulation Im heutigen Podcast sprechen wir mit PD. Dr. med. Lars Wojtecki über die verschiedenen Verfahren der Hirnstimulation. Unseren Fokus legen wir auf die nichtinvasiven Stimulationsverfahren, bei denen mit Gleich- oder Wechselstrom, Magnetstimulation oder Pulswellen die Hirnaktivität beeinflusst wird. Wir erfahren unter anderem etwas zur geschichtlichen Entwicklung der Methodik, zur Wirkung auf zellulärer Ebene und dem Nutzen für die Patienten. **Am 27.01.2021 um 19 Uhr findet eine Q+A-Session mit Lars Wojtecki auf Clubhouse statt: https://www.joinclubhouse.com/event/ePr1E56m Wir freuen uns Euch dort kennenzulernen!** Was ist die Hirnstimulation und welche Formen gibt es? Die Gehirnaktivität wird durch die Hirnstimulation moduliert. Es gibt 2 Arten der Stimulation: • Invasiv: Elektroden werden in das Gehirn implantiert und können dauerhaft dort verbleiben. Wird auch als Hirnschrittmacher bezeichnet. • Nichtinvasiv: Keine Operation notwendig. Von außen soll die Hirnfunktion beeinflusst werden. Es gibt hier verschiedene Möglichkeiten der Modulation. Beispielsweise wird mit Hilfe von Stromelektroden (Wechsel- oder Gleichstrom), die auf den Kopf geklebt werden, das Gehirn moduliert. Eine weitere Möglichkeit bieten Magnetspulen, die ein Magnetfeld erzeugen und dadurch die Hirnaktivität beeinflussen. Weitere relativ neue Methoden nutzen Ultraschall bzw. Pulswellen. Wie ist man auf die Idee gekommen, solche Stimulationsverfahren zu nutzen? Seit der „Entdeckung“ und Nutzung des Stroms haben Menschen dessen Einfluss auf das Gehirn und die Muskeln untersucht. Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden zunehmend systematischer Versuche durchgeführt. Bei Versuchen zur Verödung bestimmter Hirnbereiche wurde festgestellt, dass sich in Abhängigkeit von der Frequenz Hirnbereiche ausschalten lassen. Unter anderem hat man im Rahmen einer Verödung am Thalamus festgestellt, dass sich der Tremor des Patienten aufgrund des Eingriffes gebessert hat. Viel hat sich dann durch „try and error“ ergeben. Bei der nichtinvasiven Stimulation hat man angefangen systematischer die Wirkung von Magnetfeldern und Elektroden zu untersuchen. Was passiert im Rahmen der Hirnstimulation auf zellulärer Ebene? Aktuell ist noch nicht vollständig geklärt, wie genau die Stimulation Einfluss auf die Gehirnaktivität nimmt. Man geht davon aus, dass Neuronen-Cluster aktiviert und moduliert werden. Hierbei werden indirekt weitere Neuronen-Cluster moduliert, die nicht am unmittelbaren Ort der Stimulation liegen, aber durch Fasertrakte mit dem Stimulationsort in Verbindung stehen. Bei der Magnetstimulation können Aktionspotentiale ausgelöst werden und damit die neuronale Aktivität steigern bzw. hemmen kann. Durch die Stromstimulation von außen wird wahrscheinlich die Erregbarkeitsneigung und die Therapieempfänglichkeit (z.B. Physiotherapie) größerer Hirnareale beeinflusst. Wo wird die nichtinvasive Hirnstimulation angewendet? Die transkranielle Magnetstimulation (TMS) ist relativ gut untersucht (Placebokontrollierte Studien) und wird in den USA vor allem für psychiatrische Erkrankungen, beispielsweise zur Behandlung von Depressionen, genutzt. In Deutschland hat sich die Methode bislang noch nicht durchgesetzt. Sie wird außerdem im Bereich der Schmerzmedizin sowie bei Bewegungserkrankungen (Parkinson) und Demenzen (Alzheimer) eingesetzt. Die Wirksamkeit ist allerdings noch nicht so gut untersucht wie bei den psychiatrischen Erkrankungen. Die Stromstimulation könnte in Zukunft, in Kombination mit Trainingsverfahren, eine Rolle bei der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten spielen. Aktuell sind verschiedene Geräte für die Verfahren zugelassen. Allerdings ist die Studienlage für die meisten Indikationen noch nicht eindeutig. Gut belegt ist eine Wirksamkeit bei der Depression. Wie kann man sich die Anwendung der Hirnstimulation vorstellen? Deep TMS: Helmsystem, welches die Stimulation verschiedener Hirnregionen ermöglicht. Die Parkinson Patienten haben diese Haube für 20 min auf dem Kopf und können sich darunter frei bewegen. Das Verfahren wird Patienten angeboten, die trotz der Goldstandard Therapie noch Beschwerden haben oder unter den Nebenwirkungen der Therapie leiden und für eine invasive Hirnstimulation nicht geeignet sind. Transkranielle Pulsstimulation für Alzheimer: Das Gerät nutzt auf Ultraschall basierte Pulsstimulation mit Stosswellen. Es wird auf die entsprechenden Stellen am Kopf des Patienten aufgesetzt. Das Gerät wird in Verbindung mit MRT und Neuronavigation bedient, sodass für den Behandler ersichtlich ist, welche Bereiche bereits stimuliert wurden. Stromstimulation: Aktuell läuft in Kooperation mit der Universität Greifswald eine Studie zur Behandlung von Schlaganfall Patienten mit Aphasie. Bei dieser Methode wird Gleichstrom über angefeuchtete Elektroden auf den Kopf des Patienten angelegt. Werden mit dem Helmsystem (Deep TMS) bestimmte Areale des Gehirns anvisiert? Man möchte mit dieser Methode nur bestimmte Hirnareale stimulieren. Ein Aspekt der Methode ist hierbei, dass die Wirkung tiefer in das Gehirn reicht und durch die Helmform mehrere Areale gleichzeitig stimuliert werden können. Man vermutet, dass eine gleichzeitige Stimulation beider Hirnhälften insbesondere bei Parkinson von Vorteil ist. Welche Effekte konnte man bei Parkinson und Alzheimer beobachten? Die beste Evidenz gibt es aktuell noch in der Psychiatrie. Hier wurde bei der Depression die Wirkung der Stimulationen ausgiebig untersucht. Beim Parkinson werden wie bei der Depression die frontalen Areale stimuliert. In zwei Studien wurde beobachtet, dass sich bei Parkinson-Patienten neben der motorischen Komponente auch die Stimmung und die Kognition gebessert haben. Aktuell stellt sich noch die Frage, ob sich die Ergebnisse in deutlich größer angelegten, multizentrischen und placebokontrollierten Studien reproduzieren lassen. Experten in diesem Bereich stufen die Wirksamkeit als „wahrscheinlich“ ein. Außerdem muss untersucht werden, ob die Wirkung, die beobachtet wurde, auch längere Zeit bei den Patienten anhält und die Methode damit eine langfristige Lösung für die Beschwerden sein kann. Bei welchen Patienten wird die Deep TMS eingesetzt? Bei Patienten, die trotz oder wegen ihrer Medikation noch therapiebedürftige Beschwerden haben. Beispiel: Ein Patient, dessen Beweglichkeit nur mit höheren Dosen von L-Dopa zufriedenstellend verbessert werden konnte, entwickelte unter der Therapie Kreislaufregulationsstörungen. Diese konnten medikamentös nicht gut eingestellt werden. Durch die Deep TMS verbesserte sich die Beweglichkeit des Patienten, sodass die L-Dopa Medikation reduziert werden konnte. Daraufhin besserten sich auch die Kreislaufregulationsstörungen. Die Deep TMS wird immer als Add-on-Therapie eingesetzt. Wie regelmäßig wird die Behandlung durchgeführt? Es gibt verschiedene Schemata. Ein Schema gibt beispielsweise 12 Stimulationen (3 x die Woche, 4 Wochen lang) vor. Dies bewirkt vermutlich durch Plastizitätsveränderungen im Gehirn eine länger anhaltende Wirkung. Dann wird einmal monatlich nachbehandelt, um die Wirkung aufrechtzuerhalten. Für Patienten mit einer Depression gibt es in den USA bereits Do-it-Yourself-Devices, die eine Anwendung der Stimulationen zu Hause ermöglichen. Dies geschieht nach einer Einweisung durch den Arzt und über eine Video-Chat Anleitung bei der Nutzung. Ist die Anwendung schmerzhaft für die Patienten? Die Magnetstimulation ist nicht schmerzhaft für die Patienten. Sie führt allerdings zu Muskelzuckungen. Diese Muskelzuckungen nutzt man im Rahmen der Therapie, um sich bezüglich der Stimulationsstärke zu orientieren. Hierfür sucht man sich den motorischen Kortex und beobachtet, ob Muskelzuckungen auftreten. Die Stimulationsstärke wird dann entsprechend angepasst. Dies kann für den Patienten ein ungewohntes bzw. unangenehmes Gefühl darstellen. Als Nebenwirkung kann z.B. ein Druckgefühl im Kopf entstehen. Die zu behandelnden Patienten sollten nicht an Epilepsie leiden, da einige wenige Fälle beschrieben worden sind, bei denen Anfälle aufgetreten sind. Bei der Gleichstromstimulation kann es zu Sensationen auf der Kopfhaut kommen. Bei der Pulswellenstimulation haben 5-10% ein Druckgefühl und einige wenige Schmerzen auf der Oberfläche des Kopfes. In solchen Fällen kann die Stimulationsstärke gesenkt oder die Behandlung abgebrochen werden. Es sind keine irreversiblen Schäden bekannt. Welche Entwicklungen kann man in Zukunft erwarten? Die Closed-Loop-Stimulation könnte eine gezieltere Behandlung bieten. Bei dieser invasiven Methode wird die Hirnaktivität gemessen und auf krankhaft veränderte Aktivitäten durch gezielte Stimulationen reagiert. Aktuell sind Geräte vorhanden, die die Hirnaktivität auslesen können. Der nächste Schritt wäre die Fähigkeit, auf die Hirnaktivität automatisch reagieren zu können. Die Hirnwellen zu lesen und im richtigen Moment zu stimulieren wird auch im Kontext der nichtinvasiven Magnetstimulation erforscht.