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- 19.01.202126 min
Versorgung von psychiatrischen Notfällen in interdisziplinären Notfallambulanzen: ist das die Zukunft? Psychiatrischer Notfall Herzlich Willkommen zu einem neuen Podcast von Klinisch Relevant! Heute sprechen wir mit Dr. Heribert Kirchner, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, über psychiatrische Notfälle. Wir haben für euch nachgefragt, was ein psychiatrischer Notfall überhaupt ist, welche Patienten am häufigsten betroffen sind und was man unter dem Begriff Medical Clearance versteht. Wie definiert man den psychiatrischen Notfall? Ein psychiatrischer Notfall liegt vor, wenn ein akutes Auftreten oder die Exazerbation einer bestehenden psychiatrischen Störung zu einer unmittelbaren Gefährdung der Gesundheit und des Lebens des Betroffenen bzw. seiner Mitmenschen führt. Daraus resultiert die Notwendigkeit einer unmittelbaren Diagnostik und Einleitung einer Therapie. Wo ist es am wahrscheinlichsten, auf einen psychiatrischen Notfall zu treffen? Der psychiatrische Notfall ist meistens nicht in der psychiatrischen Abteilung bzw. Klinik vorzufinden, sondern eher im Bereich der Notfallversorgung im präklinischen Setting, in den Notaufnahmen oder in der Hausarztpraxis. Was sind häufige Krankheitsbilder, die zu einem psychiatrischen Notfall führen können? Die häufigen Krankheitsbilder, die zu einem psychiatrischen Notfall führen sind vor allem: Intoxikationen: Alkoholintoxikation, Mischintoxikation Suizidalität Erregungszustand, bedingt durch eine psychische Störung bzw. Erkrankung Der psychiatrische Notfall scheint in den letzten zehn Jahren zugenommen zu haben. Allerdings ist zurzeit noch nicht klar, ob es sich tatsächlich um Fälle handelt, die definitionsgemäß die Kriterien eines psychiatrischen Notfalls erfüllen. In ersten Untersuchungen scheint es Hinweise dafür zu geben, dass Patienten, analog zur häufig beschriebenen Situation in internistischen Notaufnahmen, vermehrt mit nicht dringlichen Zustandsbildern vorstellig werden. Epidemiologie Durchschnittliches Alter der Patienten: 40 Jahre Geschlechterverteilung: Keine großen Unterschiede. Unterschiede gibt es hinsichtlich der Diagnosen und der Häufigkeit der Wiedervorstellung (high utilizer): • Intoxikation: Männer > Frauen • Häufige Wiedervorstellung: Männer > Frauen. Fast ausschließlich Männer mit bestimmten Diagnosen wie Persönlichkeitsstörungen oder alkoholassoziierten Notfallvorstellungen. Häufigkeit der Diagnosen hängt vom Alter ab (Datenlage aktuell noch sehr dünn): • Bei jüngeren Patienten liegt der Anteil der Frauen um ca. 20 – 25 % höher. • Patienten > 60 J. haben ein anderes Diagnosespektrum. Die Patienten haben vor allem Hirnorganische Diagnosen wie z.B. ein Delir bzw. eine Demenz. • Bei den jüngeren Patienten liegt, außer im Fall der Suizidalität, meist kein klassischer psychiatrischer Notfall vor, sondern eine Lebensveränderungskrise, mit der sie vorstellig werden. Welche Faktoren spielen in der Versorgungsstruktur in Deutschland eine Rolle? Es gibt verschiedene Faktoren, die für den Trend der zunehmenden Vorstellungen in den allgemeinen Notaufnahmen ursächlich sein können. Pull (institutionelle Angebote) - und Push (gesellschaftliche Veränderungen) -Faktoren: • Notaufnahme steht 24/7 zur Verfügung und bietet viele Möglichkeiten zur Diagnostik und wird daher vermehrt als erste Anlaufstelle genutzt • Hohe Akzeptanz der Notaufnahmen bei den jüngeren Generationen • Gesellschaftliche Änderungen: Mehrgenerationenhaus vs. Single-Haushalte. Patienten mit Lebensveränderungskrisen (Auszug aus dem Elternhaus, Berufsstart usw.) wurden früher durch ein größeres soziales Gefüge (Mehrgenerationenhaus, Großfamilie) aufgefangen. In den letzten 40-50 Jahren hat sich dies deutlich verändert. Dadurch wird vermehrt institutionelle Hilfe in Anspruch genommen. Wie grenzt man den psychiatrischen Notfall von der psychosozialen Krise ab? Die Lebensveränderungskrise (z.B. Ablösung vom Elternhaus, Eintritt in das Berufsleben) entsteht, wenn jemand das Gefühl hat, mit den gelernten sozialen Fertigkeiten die Krise bzw. die Situation nicht bewältigen zu können. Die Patienten haben Anpassungsstörungen mit einem depressiven Syndrom und/oder haben Angst. Traumatische Krisen sind z.B. die Erfahrung körperlicher Gewalt oder ein Verkehrsunfall mit Toten. Es handelt sich um Situationen, die über das normale Maß einer Lebensveränderungskrise hinaus gehen. Aus dieser traumatischen Krise können posttraumatische Belastungsstörungen entstehen. Meist resultiert daraus die akute Belastungsreaktion. Medical Clearance Der Begriff Medical Clearance beschreibt, dass im Notfall der Patient mit psychiatrischen Symptomen solange als nicht-psychiatrisch geführt wird, bis eine organische Ursache mittels Basisdiagnostik ausgeschlossen wurde. Klassischerweise gehört zum Begriff Medical Clearance im Kontext der Psychiatrie die Erhebung des psychopathologischen Befundes, die Verhaltensbeobachtung, Laborbasisdiagnostik, EKG, körperliche Untersuchung und die Erhebung des neurologischen Status. Sollte die Basisdiagnostik nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen, kann die apparative Diagnostik (z.B. kranielle Bildgebung) hinzugezogen werden. Was sind die wichtigsten bzw. häufigsten psychiatrischen Notfälle? Suizidalität: Versuch, Planung Hochgradige Erregungszustand im Rahmen einer psychischen Erkrankung Schwere Intoxikation: Schnittstelle zwischen der somatischen und psychiatrischen Versorgung Delir Alkoholentzugsdelir Aggressivität und Gewalttätigkeit im Rahmen von psychischen Erkrankungen Der psychiatrische Notfall offenbart beispielsweise bei einem Patienten, der aufgrund eines suizidalen Syndroms in Behandlung ist, dass die Suizidalität sich als Akutphase einer psychiatrischen Erkrankung (z.B. Depression) äußert. Daher ist wichtig daran zu denken, dass unter einem Notfall-Syndrom häufig nur die Akutphase einer psychiatrischen Erkrankung liegt. Wie häufig sind psychiatrische Notfälle? Es wird geschätzt, dass Notärzte jährlich 500.000-mal allein aufgrund eines psychiatrischen Notfalls ausrücken müssen. Diese stellen die dritt- oder vierthäufigste Indikation für einen Notarzteinsatz dar. In der Notaufnahme werden jährlich schätzungsweise 1,5 Millionen psychiatrische Notfälle, bei insgesamt ca. 20 Millionen Fällen in den Notaufnahmen, behandelt. Die psychiatrischen Notfälle machen 5 – 10 % aller Behandlungen aus. Wenn Du die Impfkampagne gegen Corona unterstützen möchtest und Ärztin oder Arzt, bzw. examinierte Pflegekraft bist, dann kannst Du Dich hier registrieren: https://www.behoerdenarzt.de/impfzentren/
- 14.01.202130 min
Alles zum Thema medizinische Kompressionstherapie: Arten, Einflussfaktoren und Praxistipps zur korrekten Anwendung Kompressionstherapie der Extremitäten Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflegeberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um das Thema Kompressionstherapie, Indikationen, Arten, Einflussfaktoren und Praxistipps zur korrekten Anwendung. Leitlinie: Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten mit Medizinischem Kompressions-strumpf (MKS), Phlebologischem Kompressionsverband (PKV) und Medizinischen adaptiven Kompressionssystemen (MAK) Die vorliegende Leitlinie fasst die relevanten Aspekte zur Anwendung der Kompressionstherapie mit Medizinischen Kompressionsstrümpfen (MKS), Phlebologischen Kompressionsverbänden (PKV) und Medizinischen adaptiven Kompressionssystemen (MAK) nach einer ausgedehnten Literaturrecherche auf dem Boden wissenschaftlicher Erkenntnisse mit Stand bis Dezember 2018 zusammen. Link: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/037-005l_S3k_Medizinische-Kompressionstherapie-MKS-PKV_2019-05.pdf Phlebology.de - Deutsche Gesellschaft für Phlebologie Das Prinzip der Kompressionstherapie besteht darin, von außen kontrolliert Druck auf das Gewebe und das darin liegende Venensystem auszuüben. Dadurch wird der Durchmesser der Venen verringert. Das wirkt sich dann über mehrere Mechanismen positiv auf die bei fast allen phlebologischen Krankheitsbildern beeinträchtigte Blutzirkulation aus. Die Inter-netressourcen der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie e.V. (DGP) liefern einen erweiterten Überblick zum Thema. Link: https://www.phlebology.de/ Lehrbuch der Entstauungstherapie: Manuelle Lymphdrainage, Kompressionstherapie, Muskel- und Gelenkpumpeffekte und andere Verfahren Das Fachgebiet der Lymphologie ist interdisziplinär, vielseitig, komplex, natürlich praxisrelevant und patientenorientiert. Das Lehrbuch beschreibt die klassischen Grundlagen von Ödemen, diskutiert Behandlungskonzepte der mit Ödemen verbundenen Krankheitsbilder und deren praktische Umsetzung. Quelle: Bringezu, G., & Schreiner, O. (2020). Lehrbuch der Entstauungstherapie: Manuelle Lymph-drainage, Kompressionstherapie, Muskel- und Gelenkpumpeffekte und andere Verfahren (5th ed. 2020.). Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg.
- 12.01.202138 min
Welches Medikamente stehen Dir zur Migräne-Prophylaxe zur Verfügung? Welche Vor- und Nachteile bieten diese? Medikamentöse Migräne Prophylaxe - mit Cem Thunstedt Herzlich Willkommen zu einer neuen Podcastfolge von Klinisch Relevant! Heute sprechen wir mit Cem Thunstedt über die verschiedenen Möglichkeiten der Migräneprophylaxe. Wir fragen für euch: Welche Medikamente stehen uns zur Verfügung? Wie und wann erfolgt die Behandlung mit Botulinumtoxin? Welche Therapien sind vielversprechend und welche stehen in der Pipeline? Die spannenden Antworten zu diesen und weiteren Fragen gibt es für euch im Podcast! First line Medikamente: Betablocker (Metoprolol, Propanolol) Topiramat (Antikonvulsivum, Antiepileptikum) Amitriptylin (Trizyklisches Antidepressivum) Flunarizin (Calciumkanalblocker) Senken die Anzahl der Migräneattacken und reduzieren die Schmerzen. Die Wahl der Prophylaxe hängt unter anderem von Begleiterkrankungen ab: Patienten mit einer Depression oder Angststörung könnten primär von Amitriptylin profitieren. Hier würde man Topiramat oder Flunarizin nicht einsetzen. Betablocker wären in diesem Fall, nach Amitriptylin, die 2. Wahl. Metoprolol (100 mg, Retardpräparat): • Wird langsam über mehrere Wochen aufdosiert. • Kontraindikationen: Bradykarde Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffuzienz, Asthma, COPD, Diabetes, Psoriasis? • Nebenwirkungen (NW): Schwindel, Unwohlsein, Benommenheitsgefühl, Schlafstörungen Flunarizin: • Bewegungsstörungen und Depressionen können ausgelöst bzw. verstärkt werden • Abends: 5mg initial und dann auf 10mg steigern • NW: Unwohlsein, Benommenheit Topiramat: • Kann Depressionen deutlich verstärken • Deutliche Gewichtsabnahme möglich • Schwindel • Übelkeit • Sehstörungen (Vorsicht bei Engwinkelglaukom) • Kontrazeption sollte erfolgen Amitriptylin: • Gewichtszunahme möglich • Harnretention; Vorsichtige Gabe bei Prostatahyperplasie • Bradykarde Herzrhythmusstörungen • Kalium im Verlauf kontrollieren Die first line Medikamente sind ähnlich von der Wirksamkeit. Hinsichtlich des Nebenwirkungsprofils ist die Gabe von Metoprolol oder Amitriptylin zu bevorzugen. Indikation für eine Prophylaxe 3-4 Migräneattacken pro Monat Kompliziert verlaufende Auren z.B. Hemiplegische Migräne, Anhaltende Auren Migränöser Infarkt Ungenügendes Ansprechen der Akuttherapie Wunsch des Patienten Definition: Chronische Migräne > 15 Migräneattacken/Monat über einen Zeitraum von drei Monaten Von den 15 Attacken sollten mindestens 8 migräneartig sein. Von den 15 Migräneattacken sind nicht alle gleich intensiv. Wann und wie wird mit Botulinumtoxin A (Botox) behandelt? Zugelassen für die chronische Migräne seit 2011 Versagen von 2-3 oralen, klassischen Prophylaktika • Unwirksamkeit in therapeutischer Dosis nach 12-wöchiger Behandlungsdauer • Unverträglich • Kontraindikationen für andere Prophylaktika Gute Evidenz zur Prophylaxe der chronischen Migräne in Kombination mit Topiramat Botox-Injektionsschema: • Injektionen an 31 Punkten (M. frontalis, M. corrugator, M. procerus, M. temporalis, M. occipitalis, Zervikale und paravertebrale Muskulatur, M. trapezius) • 155 oder 195 Einheiten Botox wird vermutlich retrograd in Neurone aufgenommen und hemmt die Sezernierung von (Neuro)peptiden (Substanz P, Glutamat, Neurokinin, CGRP) welche an der Entstehung und Wahrnehmung von Schmerzen beteiligt sind. Injektionen erfolgen subkutan, alle 3 Monate. Es lassen sich end-of-dose-Effekte beobachten. Die Zeiträume können bei erhaltener Wirksamkeit ausgeweitet werden (z.B. auf 4 Monate). Wünschenswert ist die Modulation der Migräne und ein Therapieeffekt nach Beendigung der Botox-Injektionen. -Initial werden 155 Einheiten gespritzt. Die Therapie schlägt an, wenn die Patienten eine subjektive Besserung der Kopfschmerzattacken oder -intensität von 50 % angeben. Die Therapie würde 4-5 Mal, alle 3 Monate, wiederholt werden. Bei guter Wirksamkeit würde anschließend eine Intervallverlängerung erfolgen. Das bedeutet, dass die Injektionen alle 4 Monate gegeben werden. Bei guter Wirksamkeit wird anschließend ein Auslassversuch durchgeführt. Setzt eine Verschlimmerung der Symptomatik ein, kann erneut ein Therapiezyklus gestartet werden. Bei Patienten, bei denen die Therapie nur eine 30-50%ige Besserung ergibt, kann die Dosis auf 195 Einheiten erhöht werden. Follow the pain Prinzip: Injektionen in besonders schmerzhafter und verspannter Muskulatur. Wann sind Botox-Injektionen kontraindiziert? Patienten mit Muskelerkrankungen: • Muskeldystonie • Myasthenia gravis Schwangere Patientinnen Patienten mit Blutungsneigung Antikoagulierte Patienten Nebenwirkungen Schmerzen an der Einstichstelle Rötungen Infektionen Ptosis (temporär) Atrophie der behandelten Muskulatur Monitoring Analoges Kopfschmerztagebuch eher bei älteren Patienten beliebt Apps (DMKG-App) häufig von jüngeren Patienten genutzt Welche Antikörper-Präparate sind verfügbar? Erenumab: • Bindet an den CGRP-Rezeptor und blockiert diesen. • Dosis: 70 oder 140mg/Monat subkutan Fremanezumab: • Ligandenantikörper binden an CGRP. • Dosis: 1 x 225 mg s.c. pro Monat oder 1 x 675 mg alle 3 Monate Galcanezumab: • Ligandenantikörper binden an CGRP • Dosis: Loading dose mit 240 mg bei der ersten Gabe, dann 120 mg pro Monat Die drei Antikörper sind sowohl für die episodische als auch chronische Migräne zugelassen Nebenwirkungen: • Rötungen, Infektionen, Schmerzen an der Injektionsstelle • Systemische Nebenwirkungen sind aufgrund des sehr spezifischen Wirkmechanismus selten • Obstipation und Ileus (sehr selten) • Da die Antikörper noch sehr neu sind, muss in den nächsten Jahren beobachtetet werden, ob noch weitere Nebenwirkungen auf die Medikamente zurückgeführt werden können. Wirksamkeit: • Man erhofft sich eine 50%ige Reduktion der Migräneattacken • In Einzelfällen kommt es zu einer drastischen Reduktion der Migräneattacken. (z.B. 30 vor vs. 2 Attacken nach Therapie) • Teilweise bleibt die Anzahl der Attacken gleich und nur die Schwere der Attacken nimmt ab. • Die Therapien kosten jährlich ca. 8500 € **Welche Medikamente sind noch in der Pipeline? ** Lasmiditan: • Wirken als Agonist auf den 5-HT1F-Rezeptor • Akuttherapie • Kann man trotz kardiovaskulärer Risikofaktoren geben Ubro- und Atogepant: • Orale Gabe • CRGP-Antagonisten Kontrollfragen Wann sollte eine Migräneprophylaxe erfolgen? a) Die Prophylaxe sollte generell bei jedem Patienten erfolgen. b) Die Prophylaxe sollte nur bei der chronischen Migräne erfolgen. c) Ab 3-4 Migräneattacken sollte eine Prophylaxe erfolgen. d) Wenn kompliziert verlaufende Auren auftreten, sollte eine Prophylaxe erfolgen. Welche Medikamente gehören zu den Prophylaxe-Medikamenten? a) Citalopram b) Fluoxetin c) Flunarizin d) Topiramat e) Metoprolol Welche Aussagen sind korrekt? a) Botox-Injektionen sollten erst nach Versagen von 2-3 Prophylaktika gegeben werden. b) Botox wirkt wahrscheinlich über die Hemmung der Reizweiterleitung an den Axonen c) Botox wird retrograd aufgenommen und hemmt die Sezernierung verschiedener Neuropeptide wie z.B. CGRP d) Patienten mit Muskelerkrankungen profitieren besonders von den Botox-Injektionen Welche Antikörper sind zur Behandlung der Migräne zugelassen (Stand 12.2020)? a) Rituximab b) Galcanezumab c) Infliximab d) Erenumab e) Fremanezumab Mögliche Nebenwirkungen der Botox-Injektionen sind: a) Rötungen an der Injektionsstelle b) Atrophie der Muskulatur c) Infektionen der Injektionsstelle d) Ptosis Disclaimer Bei den Podcasts von Klinisch Relevant handelt es sich um Fortbildungsinhalte für Ärzte und medizinisches Personal und keinesfalls um individuelle Therapievorschläge. Sie ersetzen also keineswegs einen Arztkontakt, wenn es um die Behandlung von Erkrankungen geht. Dabei spiegeln die Beiträge den Kenntnisstand unserer medizinischen Partner und Experten wider, den sie nach besten Wissen und Gewissen mit Dir teilen. Häufig handelt es sich dabei auch um persönliche Erfahrungen und subjektive Meinungen. Wir übernehmen für mögliche Nachteile oder Schäden, die aus den im Podcast gegebenen Hinweisen resultieren, keinerlei Haftung. Bei gesundheitlichen Beschwerden muss immer ein Arzt konsultiert werden! Weitere Informationen findest Du auf unserer Website: www.klinisch-relevant.de
- 08.01.202134 min
Frailty: was bedeutet dieses geriatrische Syndrom für unsere Patienten? Wie kann es diagnostiziert, quantifiziert und günstig beeinflusst werden? "Frailty"- ein Podcast-Beitrag von Prof. Christian Grüneberg Stand: 06.01.2021 Jeder fünfte ältere Mensch in Deutschland ist von Frailty betroffen, einem geriatrischen Syndrom, das mit einem erhöhten Risiko für negative Gesundheitsereignisse assoziiert ist. Im Podcast beschreibe ich, wie Frailty nach aktuellen Leitlinien erhoben, quantifiziert und behandelt werden kann. Körperliches Training gilt dabei als Kernkomponente einer multimodalen Behandlung im interdisziplinären Team. Einführung Einem gängigen Konzept zufolge befindet sich ein älterer Mensch auf einem sogenannten Fitness-Frailty-Kontinuum zwischen den beiden Extremen fit /Fitness (körperlich und geistig leistungsfähig) und frail /Frailty (gebrechlich). Das Fitness-Frailty-Kontinuum ermöglicht vermutlich eine bessere Risikoeinstufung als das chronologische Alter. Frailty ist definiert als ein physiologisches Syndrom, das durch eine reduzierte Reserve und eine verminderte Abwehrfähigkeit von Stressoren charakterisiert ist. Menschen mit Frailty haben gegenüber nicht gebrechlichen Menschen ein erhöhtes Risiko, negative Gesundheitsereignisse zu erleiden. Zu diesen Ereignissen gehören unter anderem Stürze, Krankenhauseinweisungen, Aktivitäts¬einschränkungen und Mortalität. Laut einer Meta-Analyse ist bei Menschen mit Frailty das Risiko zu stürzen um 84 Prozent beziehungsweise 24 Prozent erhöht. Das Mortalitätsrisiko ist doppelt so hoch. Abhängig von Erhebungsmethode, Population und Nationalität liegt die Frailty-Prävalenz bei 14 bis 24 Prozent in der Bevölke-rungsgruppe der über 65-Jährigen. Diese steigt mit zunehmendem Alter an und ist bei Frauen höher als bei Männern. Clegg et al. beschreiben die pathophysiologischen Prozesse der Frailty und gehen dabei grundsätzlich von einem kumulativen Schaden an mehreren physiologischen Systemen und Organen aus. Die Autoren schreiben aber auch der körperlichen Inaktivität und einem ungünstigen Ernährungsverhalten eine zentrale Rolle zu. Zur Entstehung von Frailty trägt in diesem Zusammenhang auch die Sarkopenie bei, eine über¬mäßige Atrophie der Skelettmuskulatur einherge-hend mit Kraftverlust und /oder funktionellen Einschränkungen. **Zwei konzeptionelle Frailty-Modelle ** Die zwei gängigsten konzeptuellen Modelle der Frailty sind der Frailty-Phänotyp und das Defizit-Akkumulations-Modell. Der Phä¬notyp wird auch als „physische Frailty“ oder „Fried-Modell“ bezeichnet und geht von einem physiologischen Syndrom aus (biologisches Modell: Veränderungen von Energieaufnahme und -umsatz ursächlich für funktionellen Niedergang). Das Defizit-Akkumulations-Modell oder „Rockwood-Modell“ basiert auf der Annahme, dass eine Ansammlung von Einschränkungen physischer, sozialer, kognitiver und anderer Funktionen ursäch¬lich für die Entwicklung des Frailty-Syndroms ist. Die Ausprägung der Frailty wird anhand eines sogenannten Frailty Index (FI) bemessen. Beide Frailty-Modelle sind klinisch gut operationalisierbar und weisen eine gute prognostische Validität bezüglich relevanter Ergebnisse wie Überlebensrate, Pflegebedürf-tigkeit und Stürze auf. Je nach Modell kommen unterschiedliche Messinstrumente zum Einsatz. Erhebung des physischen Frailty- Phänotyps Zur Erhebung des physischen Frailty-Phänotyps werden fünf Parameter herangezogen: Erschöpfung, Gewichtsverlust, geringe körperliche Aktivität, Mobili¬tät (langsame Gehgeschwindigkeit) und Muskelkraft (geringe Handkraft). Je nach Ausprägung werden die untersuchten Personen als robust (kein Kriterium erfüllt), pre-frail /intermediär (ein oder zwei Kriterien erfüllt) oder als frail (drei oder mehr Kriterien erfüllt) eingestuft. **Erhebung von Frailty als Akkumulation von Defiziten mittels FI ** Anhand des Defizit-Akkumulations-Modells kann Frailty als Index ausgedrückt werden. Dabei werden mindestens 30 verschiedene Variablen mit bestimmten Kriterien erfasst. Hierzu eignen sich unter anderem Krankheitssymptome (zum Beispiel Stimmung), Krankheitszeichen, abnormale Laborwerte, radiologische Untersuchungen und Funktionseinschränkungen. Der FI ist eine einfache Berechnung der Erfüllung oder Nichterfüllung der einzelnen Kriterien als Pro¬portion zur Gesamtsumme. So errechnet sich für eine Person, bei der zehn von 50 Defiziten vorliegen, ein FI von 10 /50 = 0,20. Der FI kann so theoretisch einen Wert zwischen null und eins annehmen. Beim Defizit-Akkumulations-Modell wird davon ausge¬gangen, dass Personen entlang des Fitness-Frailty-Kontinuums umso fragiler sind, je höher der FI ist. Der empirisch ermittelte Grenzwert, ab dem eine Person vom robusten Stadium in ein Frailty-Stadium übertritt, liegt bei ≥ 0,25. Assessments und Screening Wenngleich Frailty progressiv verläuft, sind Veränderungen des Frailty-Status möglich. Best-Practice-Leitlinien zur Behandlung von Frailty empfeh¬len folgendes Vorgehen: Bei Verdacht auf Frailty erfolgt eine eingehende Diagnos¬tik mittels Geriatrischem Assessment, das physische, emotionale, psycho-logisch-kognitive und soziale Ressourcen und Einschränkungen erfasst. Das Geri¬atrische Assessment sollte die fünf Para¬meter des Frailty-Phänotyps enthalten und kann als Grundlage für die Berech¬nung eines FI dienen. Einschränkun¬gen sollten gezielt mit interdisziplinär abgestimmten Maßnahmen behandelt werden, die an die Ziele, Belastbarkeit und Kontextfaktoren der betroffenen Personen angepasst sind. Angehörige, Betreuer und Pflegende sollten intensiv und frühzeitig eingebunden werden. Dent et al. publizierten sieben Handlungsempfehlungen bei Patienten mit Frailty. Um betroffene Patienten gezielt zu versorgen oder rechtzeitig auf risikoreiche Interventionen (z. B. chirurgischen Eingriffen) vorzubereiten gilt es, Frailty frühzeitig zu erkennen. Die Notwendigkeit, Frailty in der medizinischen Versorgung aller älteren Menschenroutinemäßig zu berücksichtigen, wird zurzeit kontroversdiskutiert. Eine internationale Konsensusgruppe empfiehlt ein Screening auf physische Frailty bei • Personen ≥70 Jahren und • Personen, die im letzten Jahr ≥5% ihres Gewichtes verloren haben Hierzu stehen kurze Fragebogen, wie PRISMA-7 oder die FRAIL-Scale, sowie einfache Tests der Mobilität zur Verfügung. Leitliniengestützte Versorgung Best-Practice-Leitlinien zur Behandlung von Frailty empfehlen bei Verdacht auf Frailty eine eingehende Diagnostik mittels Geriatrischem Assessment, das physische, emotionale, psychologisch-kognitive und soziale Ressourcen und Einschränkungen erfasst. Das Geriatrische Assessment sollte die fünf Parameter des Frailty-Phänotyps enthalten und kann als Grundlage für die Berechnung eines FI dienen. Einschränkungen sollten gezielt mit interdisziplinär abgestimmten Maßnahmen behandelt werden, die an die Ziele, Belastbarkeit und Kontextfaktoren der betroffenen Personen angepasst sind (18). Angehörige, Betreuer und Pflegende sollten intensiv und frühzeitig eingebunden werden. **Auswahl der Maßnahmen ** Neben den Ergebnissen des geriatrischen Assessments kann der Frailty-Phänotyp genutzt werden, um die Interventionen auszuwählen, zu priorisieren und zu steuern. Folgende Interventionen gelten–alleine oder in Kombination–als grundsätzlich wirksam: • Trainingsinterventionen zur Verbesserung von Kraft und zum Muskelaufbau • Körperliches Training und körperliche Aktivität • Ernährungstherapie und -supplementierung • kognitives Training • Überprüfung der Medikamente und Reduktion der Polypharmazie, • interprofessionelle Betreuung Körperliches Training Körperliches Training wirkt sich auf alle Teilsysteme des Körpers aus, deren Funktion bei Frailty beeinträchtigt sein kann. Neben Skelettmuskulatur, Nerven- und Herz-Kreislauf-System zählen dazu auch das Hormon- und Immunsystem. Trainingsinterventionen sollten vor allem Muskelkraft, Ausdauer und Gleichgewicht verbessern, sowie die körperliche Funktion bei Aktivitäten des täglichen Lebens. Erprobte Programme werden eingangs von geschulten Therapeuten angeleitet und sollten dann von den betroffenen Personen zunehmend selbstständig im Umfang von >2h/Woche durchgeführt werden. Sie sind auf längere Zeit (≥6 Monate) angelegt. Körperliche Aktivität Über das strukturierte, geplante Training hinaus sollten ältere Menschen ermutigt und befähigt werden, sich regelmäßig körperlich zu betätigen. Dabei hilft der Abbau von Barrieren, wie beispielsweise muskuloskelettalen Schmerzen, Depressionen und finanziellen Einschränkungen. Die körperliche Aktivität sollte angenehm, bedeutsam, sicher und realistisch sein. Empfohlen werden 150-180 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche. Ernährung Unter- und Mangelernährung beeinträchtigen die Muskelmasse und -funktion und damit zwei wichtige Konstituenten der Sarkopenie und physischen Frailty. Die Evidenz für die Effekte solitärer Ernährungsintervention auf das Frailty-Syndrom ist unklar. Spezifische und individualisierte Ernährungsinterventionen können jedoch zu einer verbesserten Muskelmasse und –funktion führen, insbesondere in Kombination mit körperlichem Training. Proteinbedarf Der zum Erhalt der Muskelmasse nötige Proteinbedarf liegt bei älteren Menschen zwischen 1,0 und 1,2g/kg Körpergewicht pro Tag. Er steigt auf bis zu 1,5 g/kg Körpergewicht bei Menschen mit Frailty und bei körperlichem Training. Ausblick Multimodale Konzepte Die komplexe Gesundheitssituation älterer, multifaktoriell betroffener, multimorbiderund mitunter auch kognitiv beeinträchtigter Patienten erfordert ein professionelles Management. Die monomodale Therapie einer (Einweisungs-)Diagnose wird zunehmend einer interprofessionellen Versorgung weichen, die individuelle Ressourcen und Risikofaktoren berücksichtigt und sich auf Selbstständigkeit und Lebensqualität der Patienten konzentriert. Heterogene Personengruppe Das Risiko älterer Menschen alleine aufgrund des kalendarischen Alters einzustufen, ist aufgrund der großen Heterogenität in dieser Bevölkerungsgruppe hinsichtlich der funktionellen Leistungsfähigkeit und des individuellen Gesundheitszustandes nicht empfehlenswert. Perspektivwechsel nötig Der Umgang mit Patienten mit Frailty erfordert, die klinische Perspektive zu verändern, weg von einem stellenweise immer noch subjektiven, emotional besetzen und unscharfen Verständnis hin zu einem quantifizierbaren Syndrom. Die Sicherung der Versorgungsqualität, Neu- und Weiterentwicklung, Evidenzbasierung und Kommunikation diagnostischer und therapeutischer Konzepte stellt hohe Anforderungen an die multimodalen Konzepte und die Kooperation der Experten aus unterschiedlichen Berufsgruppen. Zusammenfassende Kernaussagen Frailty ist ein physiologisches Syndrom, charakterisiert durch eine reduzierte Reserve, verminderte Abwehrfähigkeit gegenüber Stressoren und Anfälligkeit für negative Gesundheitsereignisse. Frailty entsteht aus einem kumulierenden Niedergang multipler physiologischer Systeme. Der Frailty-Phänotyp ist ein diagnostisches Instrument, welches die physische Frailty älterer Personen anhand von drei Graduierungen („fit“,„pre-frail“,„frail“) beurteilt. Vor präventiven und therapeutischen Maßnahmen sollte ein geriatrisches Assessment erfolgen. Die Versorgung älterer Menschen mit Frailty ist komplex und aufwändig. Die Hauptkomponenten gegen Frailty sind ein bedarfsgerechtes und individuelles körperliches Training und Ernährungsinterventionen. Literatur: • Braun T, Thiel C, Schulz R-J, Grüneberg C. 2017. Diagnostik und Behandlung physischer Frailty. Dtsch. Med. Wochenschr. 142, 2:117–22 • Fried LP, Tangen CM, Walston J, Newman AB, Hirsch C, et al. 2001. Frailty in older adults: evidence for a phenotype. J. Gerontol. A. Biol. Sci. Med. Sci. 56, 3:146–56 • Clegg A, Rogers L, Young J. 2015. Diagnostic test accuracy of simple instruments for identifying frailty in communi¬ty-dwelling older people: a systematic review. Age Ageing 44, 1:148–52 • De Vries NM, Staal JB, van Ravensberg CD, Hobbelen JSM, Olde Rikkert MGM, et al. 2011. Outcome instruments to mea¬sure frailty: a systematic review. Ageing Res. Rev. 10, 1:104 • Grüneberg C, Braun T, Bahns C, Thiel C. 2018. Diagnostik und Intervention bei älteren Menschen mit Frailty Ein Fallbericht (2018). pt Zeitschrift für Physiotherapeuten, 33-43 • Mitnitski AB, Mogilner AJ, Rockwood K. 2001. Accumulation of deficits as a proxy measure of aging. Scientific World Jour¬nal 1:323–36 • Morley J, Abbatecola A, Argiles J, Baracos V, Bauer J, et al. 2011. Sarcopenia with limited mobility: an international con¬sensus. J. Am. Med. Dir. Assoc. 12, 6:403–9 • Romero-Ortuno R, O’Shea D. 2013. Fitness and frailty: oppo¬site ends of a challenging continuum! Will the end of age discrimination make frailty assessments an imperative? Age Ageing 42, 3:279–80 • Rockwood K, Mitnitski A. 2007. Frailty in relation to the accumulation of deficits. J. Gerontol. A. Biol. Sci. Med. Sci. 62, 7:722–7 • Rockwood K, Song X, MacKnight C, Bergman H, Hogan DB, et al. 2005. A global clinical measure of fitness and frailty in elderly people. CMAJ 173, 5:489–95 ––– Prof. Dr. Christian Grüneberg Leiter Studienbereich Physiotherapie| Head of the Physiotherapy Division P +49 234 77727 - 620 · F +49 234 77727 - 820 christian.grueneberg@hs-gesundheit.de 2nd Floor, Room B-2433 ––– hsg Bochum · Hochschule für Gesundheit University of Applied Sciences Gesundheitscampus 6 – 8 · 44801 Bochum | Germany www.hs-gesundheit.de · hsg-magazin
- 05.01.202135 min
Zur Feier des Tages hörst Du heute die Outtakes aus 100 Folgen Klinisch Relevant Podcast, sowie eine Auswahl der wichtigsten Aussagen unserer Audio-Fortbildungen! Herzlich Willkommen zu Folge # 100!! Heute steht mal nicht die Vermittlung von medizinischem Wissen im Vordergrund, sondern heute darf auch mal ein bisschen gefeiert werden: Neben Glückwünschen von Günther Jonitz (Präsident der Berliner Ärztekammer), Johanna Ludwig (Mitgründerin von Luujuu und Mitererfinderin des Spiels "Asystole", Caroline Buff (MedPower Podcast), Alvar Molik (Mindful Doctor) und Oliver Neumann (Business Doc Podcast) hörst Du heute auch einen Zusammenschnitt der besten Outtakes aus den letzten 100 Folgen (Zusammengestellt von Matthias Ubert aus Augsburg, unserem Podcast-Cutter) Du kannst heute auch etwas gewinnen: Unter allen, die uns vom 05.01.- 12.01.2021 einen Glückwunsch auf unseren Social-Media-Kanälen (Instagram, Facebook, LinkedIn) oder per mail (kontakt@klinisch-relevant.de) hinterlassen, verlosen wir eine von insgesamt 5 "Asystole" Kartenspielen. Wir möchten uns an dieser Stelle noch mal ganz herzlich bei unseren Referenten bedanken, die Ihre kostbare Zeit opfern und Ihr Wissen kostenlos mit Euch teilen!
- 30.12.202067 min
Interview mit Christine Donner, Geschäftsführerin des BED zu den anstehenden berufspolitischen Veränderungen in der Ergotherapie Andre Eckerkunst führt in dieser Ausgabe des** Klinisch Relevant Podcasts** zur Ergotherapie ein Interview mit Christine Donner, der Geschäftsführerin des BED e.V. (Bundesverband für Ergotherapeuten in Deutschland), zu aktuellen berufspolitischen Themen. Welche Aufgaben hat Frau Donner? Frau Donner ist Diplom-Betriebswirtin und freie selbstständige Unternehmensberaterin spezialisiert auf den Bereich Heilmittel/ Ergotherapie. Sie führt derzeit mit dem BED e.V. und in Zusammenarbeit mit anderen Heilmittelverbänden die Verhandlungen über die Vergütung der Behandlungspositionen der Heilmittelerbringer in Deutschland. Ihre Aufgaben sind derzeit die Vertretung und Repräsentation des Verbandes nach Außen, Öffentlichkeits- und Pressearbeit, Aufklärungsarbeit über Ergotherapie, Ihre Wirkungsweise und Bedeutung bei Krankenkassen, kassenärztlichen Vereinigungen, Ärzten sowie potentiellen Patienten. Auf welche Veränderungen in der Branche blicken wir zurück? Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit in der Vergangenheit und ein großer berufspolitischer Erfolg war das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG). Patientinnen und Patienten sollen durch dieses Gesetz schneller Arzttermine bekommen, die Leistungen der Krankenkasse und die Versorgung soll verbessert werden. Mit aufgenommen wurden auch die Heilmittelerbringer. Die Preise für die Leistungen der Therapeuten wurden zum 1. Juli 2019 bundesweit auf dem höchsten Niveau angeglichen. Die Honorarentwicklung wurde von der Grundlohnsumme abgekoppelt und ermöglicht nun stärkere Honorarsteigerungen als bisher. Außerdem gibt es nun bundesweit einheitliche Verträge. Die Zugangsbedingungen der Therapeuten zur Versorgung werden verbessert und die Therapeuten können in Zukunft unabhängiger über die Behandlung der Patienten entscheiden (sog. „Blankoverordnung“). Aufgrund der Pandemie und anderer Umstände gab es hier einige Verzögerungen. Welche Veränderungen werden in den kommenden Monaten folgen? Frau Donner berichtet über aktuelle Entwicklungen und informiert auch über die neuen Heilmittelrichtlinien im Jahr 2021 sowie den neuen Verordnungsvordruck und Regelungen die Ausstellung ergotherapeutischer Verordnungen. Hier soll es einige Vereinfachungen geben, aber was ändert sich nun konkret für den Patienten, den Therapeuten sowie den behandelnden, ausstellenden Arzt? Es gibt nur noch einen Vordruck für alle Heilmittelerbringer. Eine neue Verordnung eines neuen Arztes löst auch bei identischer Diagnose einen neuen Verordnungsfall aus. Erst- und Folgeverordnung sowie Verordnungen außerhalb des Regelfalls entfallen. Der Therapiebeginn muss innerhalb von 28 Tagen (statt bisher 14 Tage) ab Ausstellung der Verordnung erfolgen. Die neue orientierende Behandlungsmenge entspricht der bisherigen Höchstverordnungsmenge im Regelfall. Künftig wird es nur noch einen Versorgungsfall und daran angeknüpft die orientierende Behandlungsmenge geben. Nach einer Pause von 6 Monaten entsteht ein neuer Verordnungsfall. Das Genehmigungsverfahren wird es nicht mehr geben. Bisher unterlagen Verordnungen außerhalb des Regelfalls einer Genehmigungspflicht. Therapeuten müssen in Zukunft nicht mehr prüfen, ob das verordnete Heilmittel zur Leitsymptomatik passt. Es ist nur noch zu prüfen, ob das Heilmittel in der jeweiligen Diagnosegruppe verordnungsfähig ist. Link zum BED e.V. : https://www.bed-ev.de/
- 22.12.202042 min
Alles was Du zu Videosprechstunden wissen musst: Rahmenbedingungen, Kosten, Anbieter, Nutzen etc. Telemedizin und Videosprechstunden Herzlich Willkommen zum heutigen Klinisch Relevant Podcast mit Dr. med. Alice Martin zum Thema Telemedizin! Unser Gast ist Mitgründerin der beiden Start-Ups Dermanostic und Medilogin, hat in Düsseldorf Humanmedizin studiert und befindet sich in der Facharztausbildung zur Dermatologin. Alice erklärt Dir alles, was Du zum Thema Telemedizin und Videosprechstunde wissen musst. Aufgrund der aktuellen Pandemie ist diese Thematik ja mit einem mal hochaktuell geworden! Wie wird die Telemedizin genutzt? Videosprechstunden: Synchrone Arzt-Konsultationen Bild-Text-Verfahren: Ein Arzt erhält z.B. ein Foto von einem Hautbefund oder erhält Röntgen-Bilder und bearbeitet den Fall asynchron. In der Dermatologie ist es so möglich, im Vergleich zur Videosprechstunde, deutlich effizienter zu arbeiten Welchen rechtlichen Rahmen gibt es für die Telemedizin? Telemedizin: Eine Konsultation, die räumlich und/oder zeitlich getrennt stattfinden kann. Erstmals schon 1980 angewendet. Ursprünglich in Form von Telefonaten. Die technischen Möglichkeiten der heutigen Telemedizin sind schon länger vorhanden. Es hat allerdings einige Zeit gedauert, bis die Telemedizin abrechnungsfähig war. Anzahl der erlaubten Videosprechstunden war auf 20% aller Behandlungsfälle des Arztes begrenzt. Aktuell sind aufgrund der Corona-Pandemie Videosprechstunden bis zum 31.03.2021 unbegrenzt möglich. (Stand: 19.12.2020) Seitdem die Begrenzung aufgehoben wurde, setzt sich die Telemedizin vermehrt durch. Die für die Telemedizin genutzten Programme sind hinsichtlich des Datenschutzes geprüft und zertifiziert. Digitales Versorgungsgesetz regelt unter anderem: • Art der Telemedizin • Abrechnung der Telemedizin bzw. der verschriebenen digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) • Zertifizierung und Sicherheit Wer darf Videosprechstunden für wen anbieten? Jeder Arzt darf Videosprechstunden anbieten Es gibt Plattformen, die auf Videosprechstunden spezialisiert sind. Das heißt, sie bieten dem Arzt und den Patienten eine sichere, zertifizierte Datenverbindung an. Der niedergelassene Arzt muss für diese Plattform eine Gebühr bezahlen. Nachteil der Videosprechstunde: • Der Zeitfaktor: Der Termin erfolgt synchron • Gegebenenfalls sind weitere Untersuchungen nötig. Der Patient müsste dann nochmals vorstellig werden. Aufgrund der Corona-Pandemie dürfen aktuell reine Video-Konsultationen stattfinden, ohne den Patienten vorher physisch gesehen zu haben. Aktuell ist außerdem eine Krankschreibung nach einer der Video-Konsultation möglich. Die gesetzlichen Bestimmungen zur Telemedizin sind Ländersache. Welche großen Anbieter gibt es für die Plattformen? Die Plattformen benötigen keine Informationen von den Patienten, sondern dienen als reine Kontaktvermittlung zwischen Arzt und Patient. Der Anbieter muss zertifiziert sein und eine Selbstauskunft bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband vorgelegt haben. Erst dann darf die Plattform von den Ärzten genutzt werden. Weiterhin muss eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vorliegen. Beispiele für Anbieter: • Kry • TeleClinic • Doctolib • Arztkonsultation24 • Samedi Die Patienten könnten entweder gezielt ihre Ärzte nach der genutzten Plattform fragen und diese dann nutzen, oder online nach Videosprechstunden suchen und auf einer Plattform auf einen unbekannten Arzt treffen. Mit welchen Kosten müssen Ärzte rechnen? Wie wird vergütet? Kosten: Es wird meist eine Grundgebühr (ca. 50-100€) von der Plattform erhoben. Manche Plattformen rechnen den einzelnen Patienten zusätzlich ab. Die Preise auf den Plattformen variieren zwischen ca. 20-40€. Davon werden die behandelnden Ärzte bezahlt. Es gibt zusätzliche Gebühren für Behandlungen am Wochenende. Diese Zuschläge werden dem Patienten nicht erstattet. Der Arzt bekommt pro Konsultation ca. 18-20€. Privatärztlich gibt es einen größeren Spielraum hinsichtlich der Abrechnung. Ausgehend von dem Betrag, den die gesetzlichen Kassen zahlen, werden Faktoren in bestimmter Höhe (z.B. 2,7-facher Satz) geltend gemacht. Ganz wichtig ist die sorgfältige Dokumentation in den Videosprechstunden. Beispielsweise können auch Untersuchungen wie die Neurologische Untersuchung abgerechnet werden. Allerdings muss im Streitfall die Dokumentation nachgewiesen werden können. Zukunftsperspektiven Es muss in Zukunft genau evaluiert werden, welche Systeme sich langfristig durchsetzen können. In der Dermatologie haben sich Videosprechstunden im Vergleich zu Bild-Text-Verfahren als ungünstig erwiesen. Es muss geklärt werden, wo beispielsweise Bilder aus Videosprechstunden gespeichert werden können und wie das Patienteneinverständnis dokumentiert wird. Es wird wahrscheinlich zunehmend Tele-Praxen geben. Diese werden ergänzend zu den niedergelassenen Ärzten eine eigene Domäne bilden. Es wird aktuell viel an Künstlicher Intelligenz (KI) geforscht. Perspektivisch werden diese sicherlich als ergänzendes Tool in Kliniken und Praxen genutzt. Was ist Dermanostic? Bei Dermanostic senden Patienten drei Bilder von ihrem Hautbefund und einen ausgefüllten Anamnesebogen an die fachärztlichen Kollegen von Dermanostic. Sie erhalten dann innerhalb von 24 Stunden eine Diagnose und, wenn nötig, ein Rezept. Es reicht fast immer das Foto des Befundes. Zusätzlich gibt es einen Fragebogen mit 10 Fragen, den man in der App beantworten muss. Laut einer Studie von 2007 können mit bestimmten Fragen fast alle Befunde aufgeklärt werden. Typische Fragen: • Wie lange bestehen die Hautveränderungen? • Schmerzen? • Juckreiz? • Haben im Umfeld weitere Personen diese Beschwerden? (Stichwort: Infektionen, parasitäre Erkrankungen) • Allergien? • Haustiere? • Medikamente? Wie viele Kollegen arbeiten bei Dermanostic? 4 Gründungsmitglieder 6 Ärzte sind auf der Website gelistet. Es sind allerdings noch weitere Ärzte für Dermanostic tätig. Alles weitere zu Alice findest Du hier bei LinkedIn
- 17.12.202026 min
Warum das Bobath-Konzept von der Physiotherapie auf die Krankenpflege übergegangen ist! Das Bobath-Konzept mit Michaela Friedhoff Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflegeberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um das Thema Bobath, konzeptionelle Einsatzgebiete, wesentliche Elemente und Praxistipps zur Umsetzung des Bobath-Mobilitätskonzepts. Bobath-Konzept-Deutschland In vielen Regionen Deutschlands treffen sich Bobath-Therapeuten um Erfahrungen auszutauschen, Schulungen anzubieten, sich fortzubilden, sich regional zu vernetzen oder einfach nur um sich kennen zu lernen. Wer mehr über die Verbandsstrukturen erfahren möchte, kann sich auf den folgenden Seiten über Angebote informieren. Link: https://www.bobath-konzept-deutschland.de/bobath-konzept.html Praxis des Bobath-Konzepts: Grundlagen - Handlings - Fallbeispiele Das Buch illustriert die Grundlagen und Techniken des Bobath Konzeptes. Hierbei wird mithilfe von Fallbeispielen, alles rund um Pflege und Rehabilitation von Menschen mit neurologischen Störungen thematisiert. Link: https://www.thieme.de/de/pflege/Praxis-des-Bobath-Konzepts-58123.htm S3-Leitlinie „Rehabilitative Therapie bei Armparese nach Schlaganfall“ der DGNR - Langversion Die S3-Leitlinie nimmt Bezug auf den Einsatz des Bobath Konzeptes bei rehabilitativen Therapien und beschäftigt sich mit der Frage: Führt bei Patienten mit einem Schlaganfall und einer Armparese die rehabilitative Therapie (z.B. Physiotherapie, Ergotherapie, Akupunktur, Elektrostimulation, Robot-assistierte DGNR-LL Armrehabilitation (Biofeedback-Therapie, Medikation) in unterschiedlicher „Dosierung“ (z.B. unterschiedliche Therapiedauer) oder bei unterschiedlichen Inhalten zu einer (differenten) Reduktion der Parese, einer Verbesserung der aktiven Bewegungsfähigkeit und Kraft sowie der Armaktivitäten Link: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/080-001l_S3_Rehabilitative_Therapie_bei_Armparese_nach_Schlaganfall_2020-07.pdf
- 15.12.202028 min
Wie Du Polyneuropathien ätiologisch eingrenzen kannst! Polyneuropathien (PNP) Willkommen zu einer neuen Klinisch Relevant Podcastfolge! Wir sprechen heute mit Dr. Jeremias Motte vom St. Josef Hospital in Bochum über Polyneuropathien. Es soll hierbei unter anderen um die häufigsten Symptome, verschiedene PNP-Arten und natürlich die Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten gehen. Wie macht sich die die PNP inital bemerkbar? Was sollte untersucht werden? Kribbeln in den Füßen Gefühl als würde man auf Watte laufen Füße schlafen ein Missempfindungen strumpf- oder handschuhförmig (distal symmetrische PNP) Häufig zuerst nur sensible und noch keine motorischen Einschränkungen Reflexniveau sollte untersucht werden: • ASR fällt initial aus • PSR häufig noch vorhanden Motorische Beteiligung sind an Muskelatrophien zu erkennen. Patienten haben schlanke Füße. Thermorezeption reduziert Pallhypästhesien (Stimmgabeltest am Innenknöchel oder Großzehengrundgelenk) Gradient der Pallhypästhesien vorhanden? Stimmgabeltest wird an der Tibiavorderkante und der Spina iliaca anterior superior wiederholt. Falls kein Gradient vorliegt, könnte eine Spinalkanalstenose vorliegen (Differentialdiagnose) Distal symmetrische PNP (30% idiopathisch) Metabolische PNP: • Diabetische PNP • Alkoholtoxische PNP Immunvermittelte PNP Weitere Symptome: • Offene bzw. schlecht verheilende Wunden • Störungen der Sudomotorik • Schweißnasse Füße Red Flags Rasch progredienter Verlauf Proximale Mitbeteiligung (Hinweis auf radikuläre Beteiligung, typisch für immunvermittelte Neuropathien) Starke, plötzlich auftretende, neuropathische Schmerzen in den Extremitäten (distalbetont). Hinweis für eine Vaskulitis oder ein paraneoplastisches Syndrom. Diagnostik bei einer immunvermittelten PNP Anamnese (Zeitlicher Verlauf, Begleiterkrankungen wie z.B. Rheumatoide Arthritis oder Psoriasis) Ausführliche klinische Untersuchung Elektrophysiologische Untersuchung EFNS-Kriterien (2010) als Standard für Klinik und Studien • U.a. der elektrophysiologische Nachweis einer Demyelinisierung **Chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyradikuloneuropathie (CIDP), weitere immunvermittelte Polyneuropathien und Therapien ** Typisch: CIDP: symmetrisch, distal und proximal, chronisch (> 8 Wochen) Atypisch: • Lewis-Sumner-Syndrom (MADSAM): asymmetrisch, multifokal, motorisch > sensibel Multifokale motorische Neuropathie mit persistierenden Leitungsblocks (MMN): keine Form der CIDP, asymmetrisch, multifokal, rein motorisch Paranodopathien: Antikörper gegen Paranodien, elektrophysiologisch Zeichen einer Demyelinisierung (verminderte Leitgeschwindigkeit, Leitungsblock, fehlende F-Wellen). Pathophysiologisch kommt es jedoch zu keiner Demyeliniserung, sondern zu einer Schädigung der Strukturen zwischen Myelin und Axon. Akuter Beginn: Guillain- Barré-Syndrom (GBS) (< 8 Wochen) Prinzipiell sind die immunvermittelten PNPs behandelbar: • Immunglobuline (i.v. und s.c.) • Glukokortikoide • Plasmapherese Diagnostik-Spezial: Nerven-Sonographie, Liquorpunktion und Suralis-Biopsie Hoher Stellenwert Ergänzend zu den Befunden der Elektrophysiologie, kann die Sonographie zusätzliche Informationen zu inflammatorischen Vorgängen (z.B. Anschwellen von Nerven bei der CIDP) liefern • Ein fulminanter Schub der CIDP lässt sich mit Hilfe der Sonographie schon vor Ablauf der charakteristischen 8 Wochen von einem GBS unterscheiden. Etablierter Standard in der Diagnostik und im Monitoring von immunvermittelten PNP Nachteil: Nicht jede neurologische Klinik hat die Nerven-Sonographie zur Verfügung Liquorpunktion hat einen supportiven Charakter in den EFNS-Kriterien Eiweißerhöhung im Liquor spricht von eine Schrankenstörung, die immunvermittelt sein könnte Zytoalbuminäre Dissoziation beim GBS Diabetische oder Alkoholinduzierte PNPs, sowie rein sensible und langsam fortschreitende PNPs müssen nicht punktiert werden Suralis-Biopsie: • Begründeter Verdacht auf eine Vaskulitis • Bei der CIDP nicht zwingend erforderlich, hilfreich bei nicht eindeutigen Fällen **Monitoring der Patienten ** Es wird weiterhin nach Biomarkern gesucht sNFL (Serum neurofilament light chain): Neuer vielversprechender, jedoch unspezifischer, Marker für axonale Schäden. Wird aktuell als Biomarker für die Multiple Sklerose intensiv erprobt und könnte auch eine Rolle bei den PNPs spielen. CCM (Corneal confocal microscopy): Korneale Nervenfasern werden als potenzielle Biomarker untersucht. Ambulante Versorgung: Regelmäßige Untersuchungen empfehlenswert, um neue Schübe und Progredienz zu erkennen. Physiotherapie und Ergotherapie: Wichtige Bausteine in der Behandlung der Patienten. Jedoch gibt es hierfür leider nur wenig Evidenz. Ausdauersport empfehlenswert Ernährungsempfehlungen: Mediterrane Kost, Alkohol meiden Kontrollfragen Welche Symptome kommen am häufigsten bei Patienten mit Polyneuropathien vor? A) Charakteristisch sind Schmerzen im lumbosakralen Bereich B) Zunehmende Parästhesien C) Füße schlafen ein D) Gefühl als würde man auf Watte laufen Welche Aussage ist richtig? A) Multifokale motorische Neuropathie mit persistierenden Leitungsblocks ist die häufigste PNP-Form B) 30% der distal symmetrischen PNP sind idiopathisch C) Die immunvermittelten PNPs sind nicht behandelbar D) GBS und CIDP sind Bezeichnungen für dieselbe Erkrankung Welche Aussagen sind falsch? A) Red Flags: Rasch progredienter Verlauf B) Red Flags: Plötzlich einsetzende neuropathische Schmerzen in den distalen Extremitäten C) Red Flags: proximale Mitbeteiligung D) Red Flags: Strumpf- bzw. handschuhförmige Parästhesien Welche Therapien kommen bei immunvermittelten PNPs zum Einsatz? A) Immunglobuline B) Glukokortikoide C) Plasmapherese D) Rituximab Disclaimer: Bei den Podcasts von Klinisch Relevant handelt es sich um Fortbildungsinhalte für Ärzte und medizinisches Personal und keinesfalls um individuelle Therapievorschläge. Sie ersetzen also keineswegs einen Arztkontakt, wenn es um die Behandlung von Erkrankungen geht. Dabei spiegeln die Beiträge den Kenntnisstand unserer medizinischen Partner und Experten wider, den sie nach besten Wissen und Gewissen mit Dir teilen. Häufig handelt es sich dabei auch um persönliche Erfahrungen und subjektive Meinungen. Wir übernehmen für mögliche Nachteile oder Schäden, die aus den im Podcast gegebenen Hinweisen resultieren, keinerlei Haftung. Bei gesundheitlichen Beschwerden muss immer ein Arzt konsultiert werden! Weitere Informationen findest Du auf unserer Website: www.klinisch-relevant.de
- 10.12.202058 min
Betätigung Vs. Beschäftigung Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, Angehörigen der Pflegeberufe sowie Heilmittelerbringern wie Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen sowie Heilmittelerbringern konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um die die Gedanken eines Ergotherapeuten zum ungefähren Ablauf einer ergotherapeutischen Behandlung. Die Begriffe Beschäftigung und Betätigung haben im ergotherapeutischen Prozess eine besondere Bedeutung. An diese Begriffe tasten wir uns langsam heran. Im zweiten Teil wird das Thema durch einen anderen Bereich der Ergotherapie im Interview mit einer Kollegin abgerundet und vertieft. Sie arbeitet sowohl in einer ergotherapeutischen Praxis als auch in einer Wohn- und Begegnungsstätte. Sie erzählt uns etwas aus Ihrem Alltag und schildert Ihre Sicht auf den Themenbereich. Sinnvolle Betätigung In der Ergotherapie geschieht seit Jahren ein Wandel: Stand früher noch der Einsatz funktioneller Behandlungsmethoden im Mittelpunkt, richtet sich die Therapie heute eher an betätigungsorientierten Fragestellungen aus. Die Analyse individueller Betätigung sowie die Entscheidungen über die Ziele der Therapie muss heute immer eindeutig gemeinsam mit dem Klienten festgelegt werden. Ziele sind hierbei immer S.M.A.R.T. zu formulieren, Nah- und Fernziele der Therapie werden definiert. Ressourcen werden berücksichtigt. S.M.A.R.T. ist ein englisches Akronym und steht für Specific, Measurable, Achievable, Reasonable oder Realistic und Timed. Die Einheit im Denken und Handeln in der Ergotherapie ist dabei leider nicht immer so offensichtlich. Zum wenig einheitlichen Bild tragen die verschiedenen Behandlungsmethoden innerhalb der Ergotherapie bei. In der seit 1999 offiziellen Berufsbezeichnung „Ergotherapie“ steckt ein zentraler Punkt ergotherapeutischer Überzeugung. ergon. Bedeutung: Etwas, das durch Arbeit geschaffen wurde: Werk, Arbeit. etwas, das vollbracht wurde: Tat, Handlung, Betätigung. Wird die Teilnahme des Einzelnen an der Betätigung behindert, also seine Handlungsfähigkeit eingeschränkt, ist damit auch seine Gesundheit und somit seine Partizipation gefährdet. Ergotherapie trägt dazu bei, dem Einzelnen die Teilhabe an seinen Betätigungen zu ermöglichen bzw. zu erhalten. Mehrere Dinge sind entscheidend für eine sinnvolle Betätigung: Ihr alltäglicher und dem Einzelnen vertrauter Charakter, ihre individuelle Bedeutung für den Ausführenden und ihr gesellschaftlicher Wert. Ist sie für den Klienten von individueller Bedeutung für sein Selbstbild und für sein Leben? Ist sie im sozialen Kontext, in welchem der Klient lebt, nützlich? Betätigung ist nicht der einzige Aspekt, welcher die Gesundheit und Partizipation des Klienten beeinflusst. Eine ausgewogene Tagesstruktur ist ein weiterer wichtiger ergotherapeutischer Ansatzpunkt. Ergotherapeuten müssen sich in den Alltag ihrer Klienten hineindenken und Bogen zur Lebenswelt des zu Behandelnden schlagen. Das ist eine der größten Herausforderungen für die ergotherapeutische Profession. Sei es in ambulanten Praxen oder anderen medizinischen/ psychiatrischen Einrichtungen.
- 08.12.202024 min
Der MedPower-Podcast von Caroline Buff: Inspirierende Interviews mit Persönlichkeiten, die in der Medizin einen besonderen Karriereweg eingeschlagen haben MedPower-Podcast: Inspirierende Interviews mit Persönlichkeiten aus der Medizin Caroline Buff ist Ärztin und arbeitet in der Anästhesie. Gleichzeitig ist sie die Initiatorin hinter dem MedPower-Podcast. Nach dem Medizinstudium war Caroline auf der Suche nach alternativen Karrierewegen, die sich von der klassischen Weggabelung "Klinik" oder "Praxis" abheben. So ist Sie auf spannende Persönlichkeiten aus allen Bereichen der Medizin gestoßen und hat begonnen diese in Ihrem Podcast zu interviewen. So hat sie z.B. Professor Sprotte, Erfinder der gleichnamigen Kanüle, interviewt. Oder Dr. Sebastian Darr, der von Deutschland nach Kanada gegangen ist und für ResearchGate arbeitet. Besonders am Herzen liegt ihr auch die Rolle der Frau in der Medizin. Welche Möglichkeiten gibt es für Frauen aus den typischen Rollenkonflikten zu entkommen? Darum geht es z.B. in den "WomenPower"-Folgen. Mittlerweile besteht der Podcast schon seit über 1 Jahr und die fast 50 Episoden sind überall da verfügbar, wo es Podcasts gibt. Alle 2 Wochen Donnerstags gibt es eine neue Folge. Weitere Informationen zu Caroline und Ihrem Podcast findest Du hier: www.medpower-podcast.com Viel Spaß beim Hören!
- 03.12.202037 min
Wie man es erfolgreich schafft, neue Arbeitsabläufe in der Pflegepraxis zu etablieren **Evidence-based Nursing – Veränderung der Pflegepraxis ** Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflegeberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um das Thema Evidence-based Nursing und das Thema Veränderung der Pflegepraxis. Implementierungswissenschaft für Pflege und Gerontologie: Grundlagen, Forschung und Anwendung - Ein Handbuch Evidenzbasierte Neuerungen in pflegerischen und gerontologischen Praxissettings einzuführen ist eine komplexe Herausforderung. Insbesondere im deutschen Sprachraum ist dieses Thema bisher wissenschaftlich noch wenig bearbeitet worden. Das Buch gibt erstmals in deutscher Sprache einen Gesamteinblick in Konzepte, Theorien und empirische Befunde der internationalen Implementie-rungsforschung. Die Befunde werden vor dem Hintergrund der Pflege und Gerontologie diskutiert und mit zahlreichen Implementierungsbeispielen aus den beiden Disziplinen flankiert. Link: https://ebookcentral.proquest.com/lib/hsg-bib/detail.action?docID=4352311 **Evidence based Nursing and Caring ** Evidence-based Nursing and Caring (EBN) ist eine Pflegepraxis, die pflegerische Entscheidungen auf wissenschaftlich geprüfte Erfahrungen Dritter („externe Evidence“) und die individuellen Bedürfnisse und Erfahrungen der Pflegebedürftigen und Pflegenden („interne Evidence“) stützt. Sie tut dies aus Respekt vor der Einzigartigkeit des Pflegebedürftigen und schließt die Unterstützung, Förderung und Sorge für pflegebedürftige Menschen (Caring) mit ein. Link: https://elibrary.hogrefe.com/book/99.110005/9783456954639 Evidenzbasierte Pflegepraxis—Diskussionsbeitrag zum Status quo Wie ist es um die Etablierung einer evidenzbasierten Pflegepraxis (EBP) in Deutschland bestellt? Was wissen Pflegende über EBP und wie ist ihre Bereitschaft, sichdamit auseinander zu setzen? Welche Barrieren der EBP bestehen und wie können diese über-wunden werden? Diese und weitere Fragen wirft der vorliegende Diskussionsbeitrag auf, umabschließend die Voraussetzungen zur nachhaltigen Implementierung von EBP zu skizzieren. Link: https://zefq-journal.com/article/S1865-9217(12)00356-X/pdf
- 01.12.202030 min
Ein interdisziplinärer Blick auf die Riesenzellarteriitis und die Polymyalgia rheumatica als Großgefäßvaskulitis Willkommen zum Klinisch Relevant Podcast zum Thema Riesenzellarteriitis (ehemals: Arteriitis temporalis) mit Dr. Philipp Severin. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, die nicht so leicht zu diagnostizieren ist und sich an der Schnittstelle zwischen der Rheumatologie und Neurologie befindet. Wir möchten euch vermitteln, welche Symptome euch hellhörig werden lassen sollten, woran ihr labordiagnostisch denken müsst und welche bildgebenden Verfahren aktuell am sensitivsten sind. Weiterhin wird es natürlich um die neuen therapeutischen Möglichkeiten und mögliche Fallstricke bei der Therapie mit Glucocorticoiden gehen. Viel Spaß! Welche Symptome haben die Patienten? Riesenzellarteriitis: Kopfschmerzen Claudicatio masticatoria (Schmerzen beim Kauen) Amaurosis fugax Visusstörungen Symptome im Grenzbereich zur Polymyalgia rheumatica (PMR) Proximal betonte Schmerzen der oberen Extremität • Insbesondere im Schultergürtel und Oberarm • Beckengürtel und Oberschenkel Einschränkungen im Alltag werden häufig beschrieben. Beispielsweise beim Entnehmen von Gegenständen aus Regalen. Labor: BSG erhöht (Sturzsenkung) CRP erhöht Procalcitonin niedrig oder im Normbereich Pathophysiologie – Sind die proximalen Extremitätenschmerzen auf eine Entzündung der proximalen Arterien zurückzuführen? Welche neuen Erkenntnisse gibt es? Isolierte Arteriitis temporalis vergleichsweise selten Bei der Anwendung sensitiver Bildgebungsverfahren sind bei fast allen Patienten weitere Manifestationen feststellbar Häufig sind die proximale Aorta oder auch die Aorta abdominalis bzw. die Iliakalgefäße betroffen. Entzündungen können weiterhin von der A. subclavia bis in die A. axillaris reichen Vereinzelt wurde auch von Entzündungen in der A. brachialis berichtet. Carotiden sind häufig betroffen Proximale Myalgien sind nicht nur auf die Arteriitiden zurückzuführen Typisch sind bei der PMR Bursitiden (insbesondere im Schultergürtel) Die Bursitis wurde als Kriterium für die Diagnose aufgenommen Insgesamt scheint das Immunsystem in seiner Aktivität hochreguliert zu sein, sodass es zu einer Betroffenheit der Arterien oder des Bewegungsapparates kommt. Eine Proliferation der Synovia, wie sie bei der Rheumatoiden Arthitis (RA) oder Psoriasisarthitis vorkommt, liegt allerdings nicht vor. Bei der late onset RA liegt als Symptom ebenfalls eine Polymyalgie vor Diagnostik Riesenzellarteriitis ist im Wesentlichen eine Ausschlussdiagnose Es müssen andere Ursachen wie z.B. eine infektiöse Genese ausgeschlossen werden Ursprünglich wurde die Arteriitis temporalis mit einer Biopsie gesichert. Aktuell wird diese allerdings kaum noch durchgeführt. • Die Biopsie ist häufig nicht zeitnah und schnell durchzuführen • Muss beidseits durchgeführt werden (min. 1 cm lang). Die Patienten haben dadurch einen relevanten Defekt an den Arterien. • Die Biopsie ist schwierig zu befunden. Das Ergebnis der Befundung hängt somit in uneindeutigen Fällen sehr stark vom Pathologen ab. • Weiterhin ist die bildgebende Technik immer besser geworden und ist leichter bzw. schneller durchzuführen. Die Diagnostik soll die Einleitung der Therapie nicht verzögern! Dies gilt insbesondere bei Patienten mit ophthalmologischen Symptomen! Arterien, die mit dem Ultraschall untersucht werden: • A. temporalis • A. carotis interna/externa • A. subclavia • A. axillaris • A. brachialis (proximal) • Aorta abdominalis • Inguinalgefäße Typische sonographische Befunde: • Halozeichen: Echoarme, konzentrische Wandverdickung, aufgrund der kreisrunden Infiltration der Gefäßwand Häufig liegt eine PMR vor, bei der festgestellt werden muss, ob zusätzlich eine Riesenzellarteriitis vorliegt. In Abhängigkeit davon, sind weitere Therapieentscheidungen zu treffen (siehe unten). Weitere Diagnostik: • PET-CET extrakraniell (sehr sensitiv): Insbesondere für die Aorta ascendens bzw. Aorta thoracica • MR-Angio: Insbesondere für Halsgefäße gut geeignet. Nicht immer zeitnah verfügbar. Nachteil: Abgrenzung Gefäßwand und Lumen schlecht möglich. Spezielle Techniken wie die black blood MRT ermöglichen die bessere Darstellung der Gefäßwand. Therapie Für die PMR reichen in der Regel 20 mg an Glucocorticoiden mit einem entsprechendem Reduktionsplan Riesenzellarteriitis: 1 mg/kgKG; Bei ophthalmologischer Beteiligung: NOTFALL à Stoßtherapie mit 500 – 1000 mg Prednisolon i.v. für 3 - 5 Tage Reduktionsplan: Es gibt keine einheitlichen Empfehlungen. Es gibt einen Reduktionsplan (52 Wochen), der in einer Studie zu deutlich weniger Rezidiven geführt hat als ein Plan mit 24 Wochen. Hierbei wird dennoch angestrebt möglichst früh unter 25 bzw. 30 mg/d an Kortison (= 7,5 mg Prednisolon/Tag als Cushingschwelle) zu kommen. Neben der eigentlichen Grunderkrankung sind auch die Nebenwirkungen einer Langzeit-Glucocorticoidtherapie schädlich für die Patienten. Exkurs: Neben klassischen Chemotherapien konnte man bis jetzt nur bei Glucocorticoiden (>10mg/d) einen Zusammenhang zwischen Immunsuppressivum und Schwere der COVID-19 Infektion feststellen. Steroidsparende Komedikationen wie z.B. mit Methotrexat werden selten genutzt, da es hierfür keine Evidenz gibt. Nur wenige Patienten profitieren davon. Bei einigen Patienten, die zusätzlich eine Rheumatoide Arthritis entwickeln, macht eine Kombination sicherlich Sinn. Therapie mit Interleukin-6 Antagonisten sind allen anderen Therapien deutlich überlegen. Thrombozytenaggregationshemmer: Es gibt hierzu kaum klinische Studien. In den hochinflammatorischen Phasen zur Thromboseprophylaxe kann z.B. ASS gegeben werden. Therapie mit Interleukin-6 Antagonisten sind allen anderen Therapien deutlich überlegen. Beide Medikamente sind für die RA zugelassen. • Tocilizumab (monoklonaler Antikörper): Zugelassen für Riesenzellarteriitis, s.c.-Injektion, 1/Woche; Nach einem Jahr (52 Wochen) kann gemeinsam mit dem Patienten überlegt werden, das Injektionsintervall zu strecken (z.B. auf zweiwöchentliche Injektionen) • Sarilumab (monoklonaler Antikörper) Biomarker/Surrogatparameter: Leider konnten aktuell noch keine Surrogatparameter festgestellt werden. Woran erkennt man einen Relapse: Ein CRP-Anstieg und klinische Symptomatik im Rahmen der Glucocorticoidtherapiereduktion sprechen für einen Schub der Erkrankung. Unter einer IL6-Antagonisten-Therapie steigt das CRP selbst bei einer Infektion nicht mehr an! Schübe/Relapses: • Es gibt keinen serologischen Parameter, der bei der Schubdiagnostik hilft. • 60-80% der Therapieabsetzer bekommen wieder einen Schub. • Es soll keine dauerhafte Glucocorticoidtherapie erfolgen! • Sehr lange galt der Grundsatz, die Therapie unter der Cushingschwelle ist tolerabel. Neue Studien zeigen jedoch, dass selbst geringe Mengen an Glucocorticoiden (z.B. 2 mg bei einer Cushingschwelle von 7,5 mg) zu signifikant mehr schweren Infektionen, die stationär behandelt werden müssen, führen. Kontrollfragen Welche Symptome sind bei der Riesenzellarteriitis am häufigsten vorzufinden? a) Hemiparesen b) Schwindel c) Kopfschmerzen d) Claudicatio masticatoria Welche Aussagen sind richtig? a) BSG und CRP spielen bei der Diagnostik nur eine untergeordnete Rolle b) Das CRP ist ein Surrogatmarker c) BSG und CRP spielen in der Labordiagnostik eine große Rolle d) Es ist immer nur die A. temporalis betroffen Welche neuen Therapien sind für die Riesenzellarteriitis zugelassen? a) B-Zell-depletierende Antikörper (Anti CD20-AK) b) Jak-Inhibitoren c) TNF-Blocker d) IL6-Antagonisten Wie erfolgt die Therapie der Amaurosis fugax? a) 500 – 1000 mg Prednisolon Stoßtherapie über 3-5 Tage b) 100 mg Prednisolon Stoßtherapie über 7 Tage c) 50 – 100 mg Prednisolon Stoßtherapie über 3-5 Tage d) IL-6-Antagonisten In welchen Arterien kommt es im Rahmen der Riesenzellarteriitis zu Entzündungen? a) A. temporalis b) A. subclavia c) A. brachialis (proximal) d) Aorta ascendens Disclaimer: Bei den Podcasts von Klinisch Relevant handelt es sich um Fortbildungsinhalte für Ärzte und medizinisches Personal und keinesfalls um individuelle Therapievorschläge. Sie ersetzen also keineswegs einen Arztkontakt, wenn es um die Behandlung von Erkrankungen geht. Dabei spiegeln die Beiträge den Kenntnisstand unserer medizinischen Partner und Experten wider, den sie nach besten Wissen und Gewissen mit Dir teilen. Häufig handelt es sich dabei auch um persönliche Erfahrungen und subjektive Meinungen. Wir übernehmen für mögliche Nachteile oder Schäden, die aus den im Podcast gegebenen Hinweisen resultieren, keinerlei Haftung. Bei gesundheitlichen Beschwerden muss immer ein Arzt konsultiert werden! Weitere Informationen findest Du auf unserer Website: www.klinisch-relevant.de
- 25.11.202038 min
Beiträge aus dem Fachbereich der Physiotherapie findest Du ab sofort regelmäßig im Podcast von Klinisch Relevant Physiotherapie Fortbildungs-Inhalte: ab sofort mit Prof. Christian Grüneberg Mit dem heutigen Tag erweitern wir unser medizinisches Fortbildungs-Spektrum um den Fachbereich** Physiotherapie**. Das heißt, dass Du nun neben den ärztlichen Fortbildungen auch spannende Beiträge aus den Bereichen Ergo- und Physiotherapie, sowie Pflegewissenschaften finden wirst. Christian Grüneberg, Lehrstuhlinhaber für Physiotherapie an der Hochschule für Gesundheit in Bochum wird die Fortbildungs-Podcasts aus diesem Bereich gestalten. Im heutigen Podcast-Interview geht es darum, Euch Christian vorzustellen, das Fach Physiotherapie zu umreißen und einen Ausblick auf die kommenden Beiträge zu geben. Viel Spaß beim Zuhören!
- 24.11.202027 min
Alles zur medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapie der Volkskrankheit #1! Arterielle Hypertonie (AHT) mit Dr. Barsuhn Im heutigen Klinisch Relevant Podcast sprechen wir mit Dr. Andreas Barsuhn über die arterielle Hypertonie (AHT). Bei der AHT handelt es sich um eine Volkskrankheit, von der viele unserer Patienten betroffen sind. Daher ist es sinnvoll, auch als Nicht-Internist das Wissen zu dieser weit verbreiteten Erkrankung aufzufrischen. Im Podcast wird es um die überarbeiteten Leitlinien, die daraus resultierenden Therapieempfehlungen und den möglichen Ursaschen einer sekundären Hypertonie gehen. Epidemiologie Vermutlich gibt es 20 – 30 Millionen Deutsche mit AHT Ein großer Anteil davon hat die AHT, ohne es zu wissen Großer Anteil der Patienten, die bereits mit AHT diagnostiziert sind, erhalten eine optimale Therapie Leitlinien zu den Behandlungsempfehlungen Gemeinsame Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Hypertonie (ESH) und Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) von 2018: o Grundlage der Empfehlungen der Deutschen Hochdruckliga American Heart Association und das American College of Cardiology haben 2017 gemeinsam mit amerikanischen Gesellschaften eine eigene Leitlinie verfasst, die sich von unseren europäischen Leitlinien teilweise deutlich unterscheidet. In Europa ist die Definition der Hypertonie gleichgeblieben: o Hypertonie ab >140/90mmHg bzw. 160/90mmHg bei >80-Jährigen Amerikanische Leitlinie: o Hypertonie ab 130/80mmHg Interventionsgrenzen und Zielwerte wurden in den aktuellen Leitlinien von 2018 neu festgelegt Ab welchen Blutdruckwerten wird eine Behandlung notwendig? Wie wird der Blutdruck richtig gemessen? Die Blutdruckmessung in der häuslichen Umgebung hat einen hohen Stellenwert für die Diagnose des Blutdruckes Die richtige Anwendung der Geräte wird auf der Homepage der Deutschen Hochdruckliga erklärt: https://www.hochdruckliga.de Auswahl des Gerätes wichtig Maßnahmen die vor einer Messung getroffen werden müssen: o Ruhephase vor der Messung o Messung in sitzender Position o Richtige Manschettengröße und richtiges Anlegen der Manschette Leitlinien empfehlen eine Behandlung von Blutdrücken über 140/90mmHg (Grad 1) 160/100 – 179/109 mmHg (Grad 2) 180/110 mmHg (Grad 3) Ganz wichtig: Zunächst sollten, in Abhängigkeit der Schwere der AHT, nicht-medikamentöse Behandlungen ausgeschöpft werden Laut Leitlinie: Bei 140/90mmHg sollten zunächst Lifestylemodifikationen durchgeführt werden. o Z.B. Gewichtsreduktion o Strukturierte Sportprogramme o Entspannungstechniken Bei Grad 2 + 3 wird eine medikamentöse Behandlung empfohlen Bei sehr hohem kardiovaskulärem Risiko (z.B. Hyperlipoproteinämie, Diabetes mellitus) kann bereits ab 135/85mmHg eine medikamentöse Therapie erwogen werden. Bereits eine Senkung um 5mmHg bewirkt statistisch eine Senkung des kardiovaskulären Risikos Zielwerte nach einem Myokardinfarkt: <130/80mmHg Zusammenhang Nikotin und AHT: o Einstellung des Nikotinkonsums gehört zu den empfohlenen Lifestylemodifikationen und kann einen positiven Effekt auf die Einstellung des Blutdruckes haben Geräte zur Blutdruckmessung am Handgelenk: o Auf CE Prüfsiegel achten o Die Möglichkeit der Selbstkontrolle hat für die Patienten einen hohen Stellenwert und trägt zum Behandlungserfolg bei. Pharmakotherapie Neue Empfehlung der Leitlinie: Start der Behandlung mit einer Kombinationstherapie o Beispielsweise: ACE-Hemmer oder AT1- Rezeptorblocker mit einem Calciumantagonisten bzw. Diuretikum kombinieren o Beginn einer Monotherapie als Initialtherapie nach Diagnosestellung nur noch bei sehr alten und gebrechlichen Patienten oder bei niedrig Risiko Patienten mit AHT Grad 1. Eskalationsschritt bei einer unzureichenden Einstellung: o ACE-Hemmer oder AT1-Rezeptorblocker + Calciumantagonist + Diuretikum Problem: Teilweise sind Fixkombinationen nicht als solche zugelassen und teuer Wenn die Dreifach-Kombination nicht hilft, handelt es sich um eine Therapierefraktäre arterielle Hypertonie. In diesem Fall wird zusätzlich ein Aldosteron-Antagonist wie Spironolacton gegeben. Hier muss eine engmaschige Kontrolle der Retentionsparameter und Elektrolyte erfolgen. Der Beta-Blocker hat keinen Stellenwert in der Initialtherapie. Nur wenn kardiale Komorbiditäten (z.B. Herzinsuffizienz oder Myokardinfarkt) vorliegen, wird auf den Beta-Blocker zurückgegriffen. Vor und während einer Schwangerschaft wird ebenfalls auf den Beta-Blocker zurückgegriffen. Hydrochlorothiazid (HCT): Ob ein kausaler Zusammenhang zwischen HCT und Hautkrebs besteht, ist noch nicht klar. Bei langfristiger Einnahme von HCT werden laut Leitlinie Hautchecks empfohlen. Es sind weitere Studien nötig, um die Thematik abschließend beurteilen zu können. Therapeutische Alternativen zu HCT wären Chlortalidon oder Indapamid. Eskalationstherapie (teilweise Kombinationen mit 5-6 Antihypertensiva): Zentrale Alpha2-Rezeptor-Agonisten (z.B. Moxonidin), Vasodilatatoren (Minoxidil), Urapidil (Ebrantil), mehrfach Diuretika-Therapie Welche Blutdruckwerte streben wir an? Primäres Ziel für alle Patienten ist ein Blutdruck <140/90mmHg Ob niedrigere Werte (<130/80mmHg) angestrebt werden sollten hängt zum einen von der Therapieverträglichkeit und zum anderen vom Alter der Patienten ab. Bei Patienten <65-Jährigen kann das Anstreben von Werten unter 130/80mmHg durchaus sinnvoll sein. Bei älteren Patienten ist es eine individuelle Entscheidung. Es gilt nicht: Je niedriger der Blutdruck, desto besser. Es wird empfohlen, den Blutdruck nicht unter 120mmHg systolisch zu senken. Der diastolische Wert sollte nicht unter 70mmHg liegen. Welchen Stellenwert haben Langzeit-Blutdruckmessungen? Die aktuellen Leitlinien heben die Stellung von Langzeit-Blutdruckmessungen deutlich hervor. Goldstandard der Messung Punktuelle Messungen unterliegen verschiedenen Störeinflüssen und Fehlinterpretationen. o Weißkittelhypertonie: Höhere Werte als im Alltag o Maskierten arteriellen Hypertonie: Niedrigere Werte als im Alltag Welche sekundären Hypertonie Erkrankungen gibt es? Ca. 10-20% der Hypertoniker haben vermutlich eine sekundäre Hypertonie Wann sollte man an eine sekundäre Hypertonie denken? o Alter der Patienten <30-Jährigen o Plötzlicher Beginn der AHT o Plötzliche Verschlechterung der AHT trotz adäquater Therapie o Non-dipper: Patienten, die nachts keine nächtliche Blutdrucksenkung vorweisen. o Rezidivierende hypertensive Krisen o Hypertonien, die trotz einer Mehrfachkombination therapierefraktär sind. o Elektrolytstörungen (Hypokaliämie) Häufige Erkrankung: Obstruktive Schlafapnoe o Gut behandelbar o Empfehlenswert, bei jedem Hypertoniker nach der Schlafqualität (Tagesmüdigkeit, Schnarchen, Atempausen) zu fragen. Insbesondere bei Hypertonikern, die auf Mehrfachkombinationen nicht gut ansprechen. Nierenerkrankungen können zu einer AHT führen. o Renoparenchymatöse Erkrankungen o Nierenarterienstenosen o Schrumpfnieren o Zystnieren Daher die renale Situation bei Erstdiagnosen und im Verlauf im Blick behalten. Endokrine Störungen o Hyperaldosteronismus o Hyperkortisolismus o Hyperthyreose o Phäochromozytom Kontrollfragen Ab welchem Blutdruckwert liegt eine Grad 1 Hypertonie vor? A) 135/85mmHg B) 130/90mmHg C) 145/90mmHg D) 140/90mmHg Welche Aussagen sind richtig? A) Die Leitlinien der USA und die der EU unterscheiden sich bezüglich der Hypertonie Klassifizierung nicht. B) Grad 1 Hypertonien werden immer medikamentös behandelt. C) Grad 2 Hypertonien werden zunächst mit Lifestylemodifikationen therapiert. D) Bei einem Blutdruckwert <140/85mmHg wird nie eine medikamentöse Therapie durchgeführt. E) Beta-Blocker werden vornehmlich bei kardialen Komorbiditäten oder vor bzw. während einer Schwangerschaft empfohlen. Welche Maßnahmen gehören zu den Lifestylemodifikationen? A) Gewichtsreduktion B) Entspannungstechniken C) Nikotinkarenz D) Alkoholkonsum reduzieren E) Bewegung Welche Therapien sind laut aktueller Leitlinie empfehlenswert? A) Initial ausschließlich Monotherapien unabhängig vom Alter B) Initial ausschließlich Kombinationstherapien unabhängig vom Alter C) Kombination: ACE-Hemmer und AT1-Rezeptorblocker D) Kombination: ACE-Hemmer und Calciumantagonist E) Kombination: AT1-Rezeptorblocker und Diuretikum Welche Aussagen sind richtig? A) Ca. 10-20% der Hypertoniker haben einen primären Hypertonus B) Bei Patienten <30 Jahren sollte an eine sekundäre Hypertonie gedacht werden C) Non-dipper sind Patienten, die nur nachts eine Blutdrucksenkung vorweisen D) Die obstruktive Schlafapnoe führt häufig zur sekundären Hypertonie E) Bei Erstdiagnosen sollten die Retentionswerte überprüft werden Disclaimer: Bei den Podcasts von Klinisch Relevant handelt es sich um Fortbildungsinhalte für Ärzte und medizinisches Personal und keinesfalls um individuelle Therapievorschläge. Sie ersetzen also keineswegs einen Arztkontakt, wenn es um die Behandlung von Erkrankungen geht. Dabei spiegeln die Beiträge den Kenntnisstand unserer medizinischen Partner und Experten wider, den sie nach besten Wissen und Gewissen mit Dir teilen. Häufig handelt es sich dabei auch um persönliche Erfahrungen und subjektive Meinungen. Wir übernehmen für mögliche Nachteile oder Schäden, die aus den im Podcast gegebenen Hinweisen resultieren, keinerlei Haftung. Bei gesundheitlichen Beschwerden muss immer ein Arzt konsultiert werden! Weitere Informationen findest Du auf unserer Website: www.klinisch-relevant.de
- 19.11.202031 min
Wie Du delirante Zustandsbilder im klinischen Alltag erkennst und Ihnen erfolgreich begegnest Delir und Delirmanagement Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflegeberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um das Thema Delir und Delirmanagement. Folgende links führen zu den Leitlinien und weiterführender Literatur: Leitlinie Analgesie, Sedierung und Delirmanagement in der Intensivmedizin (z Zt in Überarbeitung): Die 2010 publizierte S3-Leitlinie „Analgesie, Sedierung und Delirmanagement in der Intensivmedizin“ wurde interdisziplinär von Mandatsträgern aus 12 Fachgesellschaftenkonsentiert. Die S3-Leitlinie soll als Leitfaden zur symptomorientierten Prävention, Diagnostik und Therapie von Delir, Angst, Stress und der protokollbasierten Analgesie, Sedierung und dem Schlafmanagement in der Intensivmedizin für Erwachsene und Kinder dienen. Link: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/001-012.html The 2018 Clinical Practice Guidelines for the Prevention and Management of Pain, Agitation/Sedation, Delirium, Immobility, and Sleep Disruption in Adult Patients in the ICU [Die PADIS-Richtlinien 2018 enthalten neue Empfehlungen in Bezug auf Rehabilitation, Mobilität und Schlaf.] Link: https://www.sccm.org/ICULiberation/Guidelines UK 2010/2019 Guideline Delirium: prevention, diagnosis and management. [Diese Leitlinie befasst sich mit der Diagnose und Behandlung des Delirs bei Patienten im Krankenhaus und in der Langzeitpflege. Sie befasst sich auch mit der Risikoidentifizierung und der Delirprävention.] Link: https://www.nice.org.uk/guidance/cg103
- 17.11.202028 min
Klinische Symptomatik der Hüft-Arthrose und Ihre invasiven und nicht-invasiven Therapiemöglichkeiten Hüft-Totalendoprothese (Hüft-TEP) Herzlich Willkommen zu einer neuen Podcastfolge von Klinisch Relevant. Heute sprechen wir mit PD. Dr. med. Mustafa Citak über die typischen Symptome einer Coxarthrose und der daraus möglicherweise resultierenden Hüft-TEP. Es wird dabei unter anderem um die verschiedenen Prothesenarten, Zugangswege und möglichen postoperativen Komplikationen gehen. Symptome einer Coxarthrose Schmerzen: Äußern sich je nach Stadium zunächst mit einem Anlaufschmerz nach längerem Sitzen. Im Verlauf kommen Belastungsschmerzen, Ruheschmerzen und Nachtschmerzen hinzu. Der Schmerz macht sich in der Leiste oder im Gesäß bemerkbar, kann aber auch bis in das Knie ausstrahlen. Bewegungseinschränkungen: Einschränkungen bei Dreh- und Spreizbewegungen Hinkendes Gangbild Beinverkürzung Diagnostik - Anamnese Klinische Untersuchung Radiologische Untersuchung: Röntgen als Beckenübersichtsaufnahme und als axiale Aufnahme. Im Röntgen wird auf die typischen Arthrosezeichen und weiteren Zeichen geachtet: o Gelenkspaltverschmälerung o Subchondrale Geröllzysten o Osteophyten o Subchondrale Sklerose o Weitere Zeichen: z.B Gelenkkopfnekrosen in fortgeschrittenen Stadien Schnittbildgebung: Vor allem wenn die Coxarthose als Ursache der Beschwerden unwahrscheinlich ist, z.B. bei jungen Patienten, wird eine MRT durchgeführt. Kriterien für eine OP: o Ausmaß der Beschwerden und hoher Leidensdruck der Patienten trotz konservativer Therapie o Einschränkungen der Lebensqualität o Starke Schmerzen Kriterien für eine konservative Therapie: o Initialstadium (z.B. Beschwerden seit wenigen Wochen) o Risikofaktoren minimieren: Übergewicht reduzieren, Schuhwerk anpassen (Schuhe mit weichen Sohlen) o Physiotherapeutische Maßnahmen o Infiltrationstherapien: Hyaluronsäure (allerdings nur im Anfangsstadium) o Schmerztherapie zum Hinauszögern der OP: NSAR (Ibuprofen usw.) Hüft-Totalendoprothese (Hüft-TEP) Fixierung: Zementiert, unzementiert, Hybrid-Fixierung mit zementiertem Schaft und zementfreier Pfanne o Frauen: Häufig Hybrid-Variante aufgrund der geringeren Knochenqualität bei Frauen >70 Jahre. Bei ca. 1% der Frauen ist die zusätzliche Einzementierung der Pfanne notwendig. o Männer: Männer über 75 Jahre bekommen ebenfalls eine Hybrid-Fixierung. o Bei allen anderen Patienten würde man, vorausgesetzt es liegt keine Osteoporose vor, eine zementfreie Fixierung anstreben. Gleitpaarungen (Kontaktflächen Gelenkkopf und -pfanne) o Polyethylen- Keramik-Gleitpaarung: Polyethylen-Inlay der Pfanne und Keramikkopf o Polyethylen-Metall-Gleitpaarung: Patienten >80 Jahre o Keramik-Keramik-Gleitpaarung: Eher bei jüngeren Patienten. Wird seltener genutzt, da es zu Keramikbrüchen kommen kann und diese nur schwer zu beseitigen sind. Außerdem kann es bei Keramik-Keramik-Gleitpaarungen eine Geräuschentwicklung (Quietschen) beim Gehen geben. Letztlich müsste in diesem Fall eine Revisions-OP stattfinden, um das Keramik- gegen ein Polyethylen-Inlay auszutauschen. Zugangswege und Dauer einer OP Dorsaler Zugang: o Patient in Seitenlage o Bogenförmiger Hautschnitt über Trochanter major zum Gesäß. o Präparation in die Tiefe durch Auseinanderdrängen der M. gluteus maximus-Fasern o Unter Innenrotation Darstellung und Durchtrennung der kurzen Außenrotatoren (werden später refixiert) o Eröffnung des Gelenkes o Hüftluxation o Durchtrennung des Hüftkopfes. Trochanter minor als Orientierungsstruktur anhand der präoperativen digitalen Planung o Pfanne darstellen, in aufsteigender Größe die Pfanne fräsen bis die Sklerosierung durchbrochen ist. o Mit Probepfanne Passgenauigkeit prüfen und anschließend die gewünschte Pfanne in der richtigen Position einschlagen. Die Pfanne darf nicht zu steil positioniert werden, da das Luxationsrisiko dadurch erheblich steigen würde. o Inlay wird in der Pfanne positioniert. o Falls Osteophyten vorhanden sind, werden diese entfernt. o Präparation des Femurschaftes. Auch hier in aufsteigender Größe bis die passende Größe erreicht wird. o Aufsetzen eines Probekopfes und Reposition des Gelenks. o Beweglichkeit und Position der Komponenten zueinander prüfen und schauen, ob eine Luxation möglich ist und ggf. Korrekturen durchführen. o Reluxation und Implantation des gewünschten Schaftes (zementiert oder unzementiert) und Kopfes. o Pfanne spülen (es sollten sich auf keinen Fall Zement- oder Knochenrückstände in der Pfanne befinden) und Hüftkopf reponieren. o Kapsel fixieren, Hüfte verschließen Bikini-Zugang (ventraler Zugang) Lateraler Zugang Minimal-invasiver-Zugang: o Nicht für alle Patienten geeignet. Für kräftige Männer mit ausgeprägter Muskulatur sind kleine Schnitte weniger geeignet, da durch den kleinen Schnitt mehr Druck auf die Haken ausgeübt wird und es zu Traktionsschäden der Nerven kommen kann. OP-Dauer: o Zementfrei: 30-45 min o Zementiert: 45 – 60 min Postoperatives Management Erwartungen an einer OP mit dem Patienten kommunizieren Bestimmte Bewegungen müssen nach der OP vermieden werden o Z.B. keine Hüftbeugung >90° o Nicht die Beine übereinanderschlagen, sich selbst die Socken anziehen oder zu tief sitzen o Die Maßnahmen müssen 3 – 6 Monate befolgt werden Patientenschulungen durchführen Reha: o Aufnahme 1 Tag prä-OP o 4 Tage stationärer Aufenthalt o 1. Tag post-OP: Die Patienten dürfen aufstehen und schmerzadaptiert, unter der Zuhilfenahme von zwei Unterarmgehstützen, vollbelasten o 2. Tag post-OP: Auf Station mit Physiotherapeuten o 3. Tag post-OP: Treppensteigen o 4. Tag post-OP: Entlassung nach Hause oder direkt in eine Reha-Klinik (3 Wochen) Häufige Fehler 98% der Patienten sind mit ihrer Hüft-TEP zufrieden Luxation des Gelenks z.B. aufgrund von Bewegungen die vermieden werden sollen. Bei zweimaligem Vorkommen einer Luxation wird ggf. chirurgisch interveniert, in dem z.B. die Pfanne repositioniert oder ausgetauscht wird. Beinlängendifferenz Periprothetische Infektion (Risiko ca. 1%): Gefürchtete Komplikation, da bei einer chronischen Infektion ein kompletter Wechsel der Prothese notwendig wird. Femoralis- oder Ischiadicusaffektionen treten eher bei minimal-invasiven OPs auf und sind in der Regel Traktionsschäden. Kontrollfragen Welche Aussagen sind richtig? A) Ob die Prothese zementiert oder unzementiert eingesetzt wird hängt nur von der Klinik ab. B) Unzementierte Prothesen werden vor allem bei älteren Patieten >70 J. genutzt. C) Polyethylen-Metall-Gleitpaarung können quietschen. D) Bei älteren Patienten (Männer: >75J; Frauen: >70J) werden in der Regel Hybrid-Varianten verbaut. E) Keramik-Keramik-Gleitpaarungen können quietschen. Welches sind typische Arthrosezeichen im Röntgen (Mehrfachauswahl): A) Gelenkspaltvergrößerung B) Osteophyten C) Intraartikuläre Flüssigkeit D) Subchondrale Sklerose Welche drei Kriterien spielen für die OP-Entscheidung eine Rolle? A) Leidensdruck der Patienten B) Ausschließlich Wunsch des Patienten C) Einschränkungen im Alltag D) Alter: Hüft-TEP nur bei älteren Patienten. Junge werden konservativ behandelt. E) Starke Schmerzen Postoperatives Management: Welche Aussage/n ist/sind richtig? A) Patienten können in der Regel einen Monat postoperativ alle Bewegungen wieder durchführen. B) Patienten sollten zwei Wochen post-OP das Hüftgelenk maximal bewegen, um eine Versteifung zu vermeiden. C) Patienten sollen 3-6 Monate keine Hüftbeugung >90° durchführen D) Alltägliche Bewegungen, wie z.B. Socken anziehen, können nach Entlassung unproblematisch durchgeführt werden. Zu den Frühzeichen bzw. Spätzeichen einer Coxarthose gehören: A) Anlaufschmerzen B) Belastungsschmerzen C) Bewegungseinschränkungen D) Beinverkürzung E) Schmerzen im Knie
- 11.11.202032 min
Warum Ergotherapie für unsere Patienten wichtig und hilfreich ist Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, Angehörigen der Pflegeberufe sowie Heilmittelerbringern kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um die Vorstellung unseres neuen Teammitglieds für den Bereich Ergotherapie. Andre Eckerkunst ist seit 2007 Ergotherapeut, in leitender Position seit 2010 und in eigener Praxis tätig seit 2014. In seiner Praxis in Erkrath bei Düsseldorf behandelt er mit neurologischen und pädiatrischen Schwerpunkt die unterschiedlichsten Störungsbilder. Im Gespräch mit Kai Gruhn gibt er einen kurzen Überblick über den Begriff und die Geschichte der Ergotherapie, den Eintritt in die Behandlung sowie die Verordnungsmöglichkeiten für verschreibende Ärzte. Ergotherapie Ergotherapie (griechisch: ergon, deutsch: Werk, Arbeit) ist ein Heilmittel, die sich mit der Ausführung bedeutungsvoller, konkreter Betätigung und dessen Auswirkung auf den Menschen und dessen Umwelt und somit seiner Partizipation befasst. Der deutsche Verband der Ergotherapeuten (DVE) findet hier folgende Definition: „Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen jedes Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind. Ziel ist, sie bei der Durchführung für sie bedeutungsvoller Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer persönlichen Umwelt zu stärken. Hierbei dienen spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung dazu, dem Menschen Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung seiner Lebensqualität zu ermöglichen.“ In den kommenden Ausgaben werden die einzelnen Therapiemethoden sowie Arbeitsbereiche der behandelnden Ergotherapeuten einzeln beleuchtet. Für den verschreibenden Arzt wird dieses Heilmittel so greifbarer. Die gezielte Verordnung von spezifischen Maßnahmen sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit wird so erleichtert.
- 10.11.202023 min
Indikation, Durchführung, Komplikationen der transfemoralen Implantation einer Aortenklappe TAVI: eine elegante Form des Aortenklappenersatzes TAVI steht für "Transcatheter Aortic Valve Implantation" und ist mittlerweile ein Art Modewort geworden. Dr. Christian Giebels ist Kardiochirurg an der Universitätsklinik des Saarlandes in Homburg und kennt sich bestens mit diesem Verfahren aus. In diesem Podcast-Interview erklärt er alles, was Du zu diesem Thema wissen musst: Indikation, geeignete Patienten, Durchführung, prä- und postoperatives Management, typische Komplikationen und alternative Therapieverfahren. Das TAVI-Verfahren ist insbesondere für Patienten mit hochgradiger Aortenklappenstenose geeignet, die älter als 75 Jahre sind und ein höheres intraoperatives Risiko haben, z.B. aufgrund von Multimorbidität. Bei älteren und gesünderen Patienten wird weiterhin prinzipiell der "offene" Aortenklappen-Ersatz angestrebt, bei dem das Sternum durchtrennt und der Brustkorb eröffnet wird. Bei dem Eingriff, der bei unkompliziertem Verlauf 30-45 Minuten dauert, wird meistens im Bereich der Femoralis-Arterie über ein Schleusen-System eine biologische Klappenkonstruktion (Schweine- oder Kälber-Perikard, dass auf ein Gerüst aus unterschiedlichen Materialien aufgezogen und zusammengeklappt auf ein Kathetersystem aufgebracht wird) in Aorten-Position vorgeschoben und dann ausgebreitet. Dabei wird die neue Klappe mit Druck in den verkalkten Aortenring gepresst. Voraussetzung dafür ist, dass die Becken-Bein-Strombahn frei ist. Bei Patienten mit schwerer Arteriosklerose in den Leistenarterien ist allerdings auch ein Zugang über die Arteria axillaris oder die Arteria subclavia möglich. Präoperativ wird das Ausmaß der Stenose mittels tranthorakaler Echokardiografie bestimmt. Die Größe des benötigten Aortenklappen-Ersatzes kann am besten mit Hilfe des Cardio-CTs bestimmt werden. Postoperativ werden die Patienten in der Regel mit einer dualen Thrombozytenaggregations-Hemmung behandelt; nach ca. 1 Woche kann die Klinik in Richtung stationäre Rehabilitation verlassen werden. Typische Komplikationen, die beim TAVI-Verfahren auftreten können, sind die üblichen Katheter-Komplikationen (Hämatom, Dissektion), aber auch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen. Da die neue Klappe in den Aortenring gepresst wird, kann auch Kalkmaterial in den Bereich des AV-Knotens gedrückt werden und einen AV-Block auslösen. Teilweise ist dann die Implantation eines Schrittmachers erforderlich. Umfangreiche Langzeit-Ergebnisse zur "Lebensdauer" von Herklappen im TAVI-Verfahren existieren noch nicht. Man geht hier von 7-10 Jahren aus. Viel Spaß beim Hören! Disclaimer: Bei den Podcasts von Klinisch Relevant handelt es sich um Fortbildungsinhalte für Ärzte und medizinisches Personal und keinesfalls um individuelle Therapievorschläge. Sie ersetzen also keineswegs einen Arztkontakt, wenn es um die Behandlung von Erkrankungen geht. Dabei spiegeln die Beiträge den Kenntnisstand unserer medizinischen Partner und Experten wider, den sie nach besten Wissen und Gewissen mit Dir teilen. Häufig handelt es sich dabei auch um persönliche Erfahrungen und subjektive Meinungen. Wir übernehmen für mögliche Nachteile oder Schäden, die aus den im Podcast gegebenen Hinweisen resultieren, keinerlei Haftung. Bei gesundheitlichen Beschwerden muss immer ein Arzt konsultiert werden! Weitere Informationen findest Du auf unserer Website: www.klinisch-relevant.de
- 05.11.202043 min
Wie Du Konflikte richtig führst und zu einem guten Ende bringst Umgang mit Konflikten Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten sowie Angehörigen der Pflegeberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um den Umgang mit Konflikten und darüber, wo sie im Gesundheitswesen auftreten, wie man sie analysieren kann und welche Techniken und Handlungsoptionen zur Verfügung stehen. Persönlichkeitstest: Die „Big Five“-Persönlichkeitsfaktoren zur Reflexion des eigenen Verhaltens im Kontext von Konflikten. Häufig fragen wir uns im Anschluss an einen Konflikt, warum dieser uns so mitgenommen hat, warum wir so emotional reagiert haben oder warum wir vielelicht so rücksichtlos vorgegangen sind. Dies kann durchaus situative Ursachen haben, aber auch mit unserer Persönlichkeitsstruktur zusammenhängen. Die so genannten „Big Five“-Persönlichkeitsfaktoren wurden von verschiedenen unabhängigen Forschergruppen über mehrere Jahrzehnte hinweg entwickelt und sie gelten heute als das am besten wissenschaftlich validierte und zuverlässigste Modell zur Beschreibung bzw. „Messung“ von Persönlichkeitsstrukturen. Cave: Natürlich treffen Typologien nie 100%ig zu und vereinfachen die Realität, um sie greifbar und schnell verstehbar zu machen. Nichtsdestotrotz können ein Test und die entsprechende Auswertung viele hilfreiche Hinweise auf das eigene Verhalten in Konflikten geben. Link: https://www.123test.com/de/Pers%C3%B6nlichkeitstest/ Konflikteskalation: Die 9 Stufen nach Friedrich Glasl Konflikte zu analysieren, von denen man selber betroffen ist, ist nicht immer einfach, da vieles emotional aufgeladen ist oder auch einfach die Begrifflichkeiten fehlen, um bestimmte Umstände zu beschreiben. Ist ein Konflikt jetzt schon dramatisch oder übertreibe ich in meiner Interpretation der Wahrnehmung? Die Konflikteskalationsskala von Friedrich Glasl ist eines der meistgenutzten Instrumente im Bereich Konfliktmanagement. Es führt klare Begrifflichkeiten und eine übersichtliche Struktur zusammen und gibt darüber hinaus mit den Kategorien „Win-Win“, „Win-Lose“ und „Lose-Lose“ erste Handlungsempfehlungen an die Hand, ob ein Konflikt noch zu klären ist, wen man dafür als Schiedsrichter braucht oder ob ggf. eine Exit-Option in Betracht gezogen werden sollte. Erklärvideo unter: https://www.youtube.com/watch?v=PI1xiMW6etk Das Eisbergmodell – Die unterschätzte Macht der nicht-sichtbaren Kommunikationsanteile Vom Eisbergmodell haben viele schon in unterschiedlichen Kontexten gehört. Das ursprünglich auf Freud zurückgehende Modell macht auf gut verständliche Weise klar, welchen Einfluss Emotionen und Werthaltungen auf unsere Kommunikation haben und wie sie die ausgetauschten Sachinhalte oder Fakten beeinflussen. Gerade längere Konflikte werden vielleicht oberflächlich über Argumente ausgetragen, finden aber letztlich zum Großteil auf der Beziehungs- und Gefühlsebene statt. Dass sie sich dort verankern, aber bei Klärungsgesprächen oft nicht entsprechend adressiert werden, macht sie so gefährlich und führt häufig zu gefühlsbetonten Kommunikationsschleifen, die den Konflikt weiter eskalieren lassen. Erklärvideo unter: https://www.youtube.com/watch?v=8UVSY20zXv0
