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- 03.11.202019 min
Wie es zu den Dermatom-Karten gekommen ist und wie gut Du Dich darauf verlassen kannst Dermatome In unserem heutigen Klinisch Relevant Podcast sprechen wir mit **Prof. Dr. Omid Nikoubashman **über die Dermatome. Dabei erfährst Du, wie die bekannten Dermatom-Karten zu Stande gekommen sind und warum wir nicht aufhören sollten, Dinge kritisch zu hinterfragen. Definitionen Dermatom: Hautareal, welches zu einem bestimmten spinalen Segment korrespondiert Spinales Segment: Hinterwurzel des Spinalnervs (sensibel) Relevanz Dermatome haben eine hohe klinische Relevanz bei der Beurteilung von: Querschnittsymptomen Akute Sensibilitätsausfälle Bandscheibenvorfälle Zoster-Neuralgie Übersichtsarbeit zum Thema Dermatome Lee, M.W.; McPhee, R.W.; Stringer, M.D. An evidence-based approach to human dermatomes. Clin Anat 2008, 21, 363-373, doi:10.1002/ca.20636 Angaben zu den Dermatomen und den korrespondierenden Segmenten variieren je nach Literatur. • Th5 auf der Höhe der Mamillen (Netter et al.) vs. Th4 auf der Höhe der Mamillen (Drislane et al.) • Lateraler Oberschenkel: L4 (Netter), L3 (Hacke et al.), L1+L5 (Drislane) Die Dermatom-Karten beziehen sich im Wesentlichen auf drei Primärquellen, in denen die Dermatome untersucht wurden: • Head and Campbell (1900) • Förster (1933) • Keegan and Garrett (1948) Die drei Primärquellen, auf die sich die Dermatom-Karten stützen Head and Campbell: Haben Zeichnungen verwendet, auf denen Herpes Zoster Infektionen dargestellt waren. Hierfür haben sie sich 450 Herpes Zoster Patienten angeschaut und die Rötungen nachgezeichnet. Sie haben als einzige auch den Rücken kartiert. Förster: Es handelt sich um eine chirurgische Arbeit, bei der Rhizotomien durchgeführt wurden. Das heißt, dass beidseitig eine intradurale Resektion der hinteren Spinalnervenwurzeln erfolgte. Die Anzahl der Operationen, anhand derer die Dermatome beschrieben wurden, variiert bei den einzelnen Dermatomen stark und es liegen keine Daten für den Rücken vor. Keegan and Garrett: Haben die Dermatome mit Hilfe von Patienten mit Bandscheibenvorfällen beschrieben. Für die Region bis Th1 haben sie 165 Patienten untersucht. 1264 Patienten von L3 – S2. Zu diesem Zeitpunkt gab es allerdings noch keine CT/MRT-Bildgebung. Daher kann nicht sicher davon ausgegangen, dass alle Segmente richtig zugeordnet wurden. Interpretation und anatomische Gegebenheiten, die es erschweren Dermatome zu identifizieren Die Arbeiten sind sehr alt, lückenhaft und weisen einige methodische Mängel auf. Man hat die drei Arbeiten genommen und daraus die heutigen Dermatom-Karten zusammengestellt. Die Abbildungen, die heute in den Lehrbüchern zu finden sind, basieren nicht auf wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse. Die Überlappungen Segmentale Anastomosen: Nervenfasern, die von einem Spinalnerven zum drunter oder drüber liegenden Spinalnerv ziehen. Spinalnerven, die sich T-förmig aufspalten und sowohl nach kranial als auch kaudal zu den Foramina ziehen. Bei 60% der cervikalen und 22% der lumbalen Segmente kommen solche T-förmigen Nerven vor. Durch solche anatomischen Besonderheiten, können auch vermeintliche Kennmuskeln nicht den tatsächlichen Segmenten entsprechen. Erkenntnisse aus der Arbeit von Lee et al. Klinisch immer möglichst die Mittellinie nutzen, da dort die Überlappungen der Dermatome am geringsten ausfallen C1 hat kein sensibles Dermatom. Zu C7 gibt es wenig Evidenz. Es gibt große Überlappungen mit C6 (Daumen) und C8 (Kleinfingerseite). C7 kann aber auch den Daumen bzw. die Kleinfingerseite innervieren. Dermatome am Rücken sind schwer zu bestimmen. Für den Rücken liegt nur die Arbeit von Head and Campbell vor. Der große Zeh (dorsal) kann sowohl von L5 als auch L4 innerviert sein. Der laterale Oberschenkel wird von L2 innerviert (laut Lee et al.). Lee, M.W.; McPhee, R.W.; Stringer, M.D. An evidence-based approach to human dermatomes. Clin Anat 2008, 21, 363-373, doi:10.1002/ca.20636
- 27.10.202024 min
Spezifisches Sprach- und Sprechtraining zur Verbesserung von Stimmvolumen und Stimmmodulation beim primären Parkinson-Syndrom Lee Silverman Voice Treatment (LSVT) : logopädische Therapie von Parkinson-Patienten Parkinson Patienten leiden im Verlauf ihrer Erkrankung an einer Reihe von logopädischen Auffälligkeiten bzw. Einschränkungen, die möglichst frühzeitig therapiert werden sollten. Wir sprechen daher heute in unserem Klinisch Relevant Podcast mit Petra Hamacher über die Herkunft, den Aufbau und den Nutzen der logopädischen LSVT-Behandlung für Parkinson-Patienten. Welche logopädischen Auffälligkeiten sind bei Parkinson-Patienten festzustellen? Eingeschränkte Kommunikationsfähigkeiten Dysphagie Verwaschenes Sprechen Leiseres Sprechen Monotoneres Sprechen Deutlich langsameres oder schnelleres Sprechen Besonders die jüngeren Patienten merken früh den Beginn der Einschränkungen, noch bevor ihr Umfeld diese akustisch wahrnehmen kann. Das Sprechen wird für die Patienten zunehmend ein Kraftakt. Daraus resultiert häufig eine abnehmende Teilhabe an sozialen Interaktionen, welche die Patienten zusätzlich belasten könnten (z.B. größere Gruppentreffen, bei denen es mal lauter zugeht). **Woher kommt die LSVT-Therapie? Wofür steht das Akronym? ** USA Benannt nach Lee Silverman. Die Patientin wies eine sehr verwaschene Sprache auf und wurde 1987 mit der, dann nach ihr benannten, Therapie behandelt. Seit 2007 wird die LSVT-Therapie in Workshops in Deutschland gelehrt Die LSVT-Behandlung kann nachweislich den Progress der Sprachsymptomatik bei Patienten mit hoher Compliance verlangsamen bzw. stoppen. Wie ist die LSVT-Therapie aufgebaut? Seit 2013 computerbasiert Vorher wurde mit einem Schallpegelmesser und einer Stoppuhr gearbeitet Die Therapie setzt sich aus 16 Einheiten zusammen. Vier Wochen an vier Tagen der Woche für jeweils 60 Minuten. Kontrolluntersuchungen: Nach 1 Monat + nach 6 Monaten Die Therapie ist nach dem 2. Kontrolltermin beendet Für den Therapieerfolg ist es essentiell, dass die Behandlung in diesen vier Wochen wie beschrieben erfolgt. Die LSVT-Therapie kann prinzipiell in der Praxis wiederholt werden. Allerdings ist für den Therapieerfolg ein eigenverantwortlicher Umgang mit der Technik durch die Patienten notwendig. Die Patienten müssen mehrere Übungen bei jeder Sitzung wiederholen 1. Übung: Initial müssen die Patienten 15x, so laut und so lange wie möglich, den Buchstaben „A“ produzieren. Das Programm nimmt dabei Einfluss auf die Atmung, Mimik, Artikulation und Lautstärke des Patienten. Der Bildschirm zeigt gleichzeitig den Erfolg des Patienten an und motiviert sie zusätzlich. 2. Übung: Bei der 2. Grundübung müssen die Patienten 15 x einen hohen Ton erzeugen. Dabei wird der Ton in der Mitte angestimmt und dann erhöht. 3. Übung: Der Ton wird 15x von der Mitte aus nach unten produziert. Diese drei Übungen bereiten den Patienten zu Beginn häufig die größten Schwierigkeiten, da viele bereits eine sehr monotone Sprache haben. 4. Übung: Im Anschluss werden mit dem Patienten zehn Phrasen überlegt, die sie im Alltag häufig nutzen (z.B. „Wo sind meine Autoschlüssel?“). Jede Phrase wird 5x wiederholt. Dies hat den Zweck, dass sich das Ohr, der Körper und der Kehlkopf an eine gewisse Lautstärke gewöhnt. Diese Übungen sollen zu Hause wiederholt werden. 5. Übung: Es wird zehn Minuten gelesen. Die Leseübungen werden mit der Zeit zunehmend komplexer. Thematisch sind die Texte sehr vielseitig und abwechslungsreich gestaltet. 6. Übung: Dem Patienten werden Fragen zu den gelesenen Inhalten gestellt, damit der Patient lernt, spontan in der geübten Lautstärke zu antworten. Wie können die Patienten zu Hause üben? Die Patienten können mit einem Schallpegelmesser zu Hause die Übungen durchführen. Viele Patienten geben allerdings das Feedback, dass es ohne visuelle Anweisungen für sie komplizierter sei. Es gibt eine Home-Version des Programmes, welches individuell für die Ziele des Patienten eingestellt werden kann. Es kostet 180€ (incl. Mikrofon) und ist an keine Laufzeit gebunden. **Können niedergelassen Kollegen die logopädische LSVT-Behandlung verordnen? ** Die Krankenkasse übernimmt die Kosten. Es müssen hierfür zwei Verordnungen über 10x SP6 (Störungen der Sprechmotorik) á 60 min ausgestellt werden. Therapeuten, die LSVT anbieten können über folgende Website gesucht werden: https://www.lsvtglobal.com/LSVTFindClinicians Fragen können an die E-Mail info@lsvt.de geschickt werden Welche Unterschiede gibt es zur ergotherapeutischen LSVT-Behandlung? LSVT-Loud: Bei der logopädischen LSVT-Behandlung geht es darum, mit großer Mundöffnung zu reden und mit einer lauten Stimme zu arbeiten. LSVT-Big: Die Behandlungsdauer und -häufigkeit unterscheidet sich nicht von der LSVT-Loud. Bei der ergotherapeutischen Behandlung geht es allerdings darum möglichst große Bewegungen, also mit großer Amplitude, durchzuführen. Wichtig ist, dass die Therapien frühzeitig begonnen werden, da bereits sehr stark fortgeschrittene Einschränkungen nur sehr schwer bzw. kaum rückgängig gemacht werden können. Wird mit der Therapie früh begonnen, ist die Prognose deutlich besser. Wie wird die Dysphagie behandelt? Wird die LSVT-Loud-Behandlung ordnungsgemäß durchgeführt, wird es bei den Patienten zu deutlich weniger Schluckbeschwerden kommen. Zusätzlich kann mit Hilfe eines Ausatmungsgerätes die Atmung trainiert werden. Die Patienten müssen fünfmal am Tag fünfmal kräftig in das Gerät hinein pusten und nach jedem Durchgang 1x husten (5 Wochen). Die Hustenübung ist sehr wichtig, da den Patienten im Verlauf der Erkrankung dieser Schutzreflex fehlt. Masako-Manöver: Die Zunge wird vorne zwischen den Zähnen fixiert und anschließend einmal geschluckt. Die Übung trainiert vor allem den hinteren Teil der Zunge. Kontrollfragen Wofür steht LSVT? A: Logopaedic speech and voice therapy B: Logopädie, Sprache, Verhaltenstherapie C: Logopädische Stimm- und Vokaltherapie D: Lee Silverman Voice Treatment Welche logopädischen Symptome treten bei Parkinson-Patienten auf? A: Sigmatismus B: Stottern C: Monotones Sprechen D: Verwaschenes Sprechen Welche LSVT-Varianten gibt es? A: LSVT-Small B: LSVT-Big C: LSVT-Quiet D: LSVT-Loud Wie ist die Therapie im besten Fall aufgebaut? A: Einmal die Woche, jeweils 30 Minuten, 10 Wochen B: Zweimal die Woche, jeweils 2 Stunden, 2 Monate C: Viermal die Woche, jeweils 40 Minuten, 4 Monate D: Viermal die Woche, jeweils 60 Minuten, 4 Wochen Welche Aussagen sind richtig? A: Die LSVT-Behandlung wird von der Krankenkasse nicht übernommen B: Die LSVT-Behandlung kann vom behandelnden Arzt nicht angeordnet werden C: In Deutschland gibt es die LSVT-Behandlung nur in zwei Städten D: Die LSVT- Behandlung wird von der Krankenkasse übernommen E: Für die LSVT-Behandlung müssen zwei Verordnungen über 10x SP6 (Störungen der Sprechmotorik) á 60 min ausgestellt werden
- 22.10.202043 min
Wie Kommunikation trotz Demenz gelingen kann Kommunikation mit Menschen mit Demenz Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflegeberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es rund um das Thema Kommunikation mit Menschen mit Demenz, die Hintergründe der Erkrankung, die Versorgungsziele und Empfehlungen zur Kommunikation in frühen und späten Phasen der Krankheitsentwicklung. Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz Die mit einer Demenz einhergehenden Veränderungen haben für Betroffene und ihre Angehörigen tiefgreifende und umfassende Folgen. Diese zeigen sich, bedingt durch Veränderungen in der Interaktion und Kommunikation, insbesondere in der Beziehungsgestaltung. Sie beeinträchtigen die Fähigkeit von Menschen mit Demenz sich orientieren, etwas verstehen oder beurteilen zu können und wirken sich auf emotionales und soziales Verhalten aus. Zielgruppe dieses Expertenstandards sind alle Menschen mit einer diagnostizierten Demenzerkrankung sowie Menschen, bei denen sich mit Beginn des pflegerischen Auftrages bzw. im Verlauf der Pflege Anzeichen von Demenz zeigen, ohne dass jedoch eine Demenzdiagnose vorliegt. Link: https://www.dnqp.de/fileadmin/HSOS/Homepages/DNQP/Dateien/Expertenstandards/Demenz/Demenz_AV_Auszug.pdf Validation n. Naomi Feil: Impressionen zur Umsetzung Validation nach Naomi Feil ist eine spezielle, non-direktive Kommunikationsmethode mit desorientierten alten Menschen. Die Videodokumentation gibt einen Einblick in einen Workshop, den Naomi Feil im Juni 2014 in Linz gehalten hat. Produktion: Österreichische Institut für Validation (ÖIV). Link: https://www.youtube.com/watch?v=wT4MDBxqiiE&t=93s Link: https://www.youtube.com/watch?v=ESqfW_kyZq8) Hinweis: Vorstellung des Konzeptes (in englischer Sprache). S3-Leitlinie "Demenzen" Inhalt dieser evidenz- und konsensusbasierten Leitlinie sind Aussagen zu Prävention, Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen sowie zur leichten kognitiven Störung. Die Leitlinie bezieht sich auf die Alzheimer-Demenz, die vaskuläre Demenz, die gemischte Demenz, die frontotemporale Demenz, die Demenz bei Morbus Parkinson und die Lewy-Körperchen-Demenz. Seltene Formen der Demenz bei anderen Erkrankungen des Gehirns und Demenzsyndrome bei z.B. internistischen Erkrankungen sind nicht Thema dieser Leitlinie. Die Leitlinie umfasst Aussagen zu Kernsymptomen der Demenz inklusive psychischen und Verhaltenssymptomen. Ziel ist es, den mit der Behandlung und Betreuung von Demenzkranken befassten Personen eine systematisch entwickelte Hilfe zur Entscheidungsfindung in den Bereichen der Diagnostik, Therapie, Betreuung und Beratung zu bieten. Dazu gehören Ärzte, Psychologen, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Musik-, Kunst- und Tanztherapeuten, Logopäden, Pflegekräfte und Sozialarbeiter. Link: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/038-013l_S3-Demenzen-2016-07.pdf Demenz - Anregungen für Partnerinnen und Partner Dieser Ratgeber bietet Anregungen, wie das Zusammenleben gelingen kann, wenn ein Partner oder eine Partnerin an Demenz erkrankt ist. Pflegende Angehörige sollen damit für den Pflegealltag gestärkt werden. Die Inhalte des Ratgebers beruhen auf aktuellem pflegerischen und medizinischen Fachwissen. Zudem wird Erfahrungswissen pflegender Angehöriger von Menschen mit Demenz dargestellt. Ein Teil der Informationen wurde dazu in Dialogform aufbereitet. Die Gespräche sind eine Zusammenfassung wesentlicher Aspekte aus Gruppendiskussionen. Link: https://www.zqp.de/wp-content/uploads/ZQP-Ratgeber-Demenz.pdf
- 20.10.202054 min
Ein Gespräch mit Amboss Co-Founder Sievert Weiss über seine Person, die Mediziner-Plattform Amboss und den ein oder anderen Gründer-Tip Amboss: Wikipedia für Mediziner Amboss ist zu DEM Online-Nachschlagwerk für Mediziner geworden. Mittlerweile ist das Unternehmen auf internationalem Expansions-Kurs und erobert gerade Nordamerika. Sievert Weiss ist einer der Gründer von Amboss und hat die Entwicklung dieses Unternehmens von Anfang an begleitet und hautnah erlebt. Wir wollten dieses Podcast-Interview aus dreierlei Gründen mit Sievert führen: Welche Persönlichkeit steckt hinter einem so erfolgreichen Unternehmen, welchen ungewöhnlichen Weg hat er hinter sich? Wie kann die Plattform Amboss das Leben von uns Mediziner verändern und vereinfachen? Welche Tips kann Sievert anderen ärztlichen Kolleginnen und Kollegen geben, die eine gute Business-Idee haben und Ihr eigenes Unternehmen aufbauen wollen? Entstanden ist ein sehr unterhaltsames Interview mit einem sehr sympathischen und inspirierenden jungen Arzt, der einen unkonventionellen beruflichen Weg eingeschlagen hat. Die Wurzeln von Amboss liegen dabei in den eigenen Erfahrungen, die die 3 Gründer während ihres Medizinstudiums gemacht haben: Das Auswendiglernen, das "Kreuzen", die "Altfragen" haben dazu geführt, zu überlegen, wie man sich besser und gezielter auf die Examensprüfungen vorbereiten könnte. Die Erfahrungen, die Sievert in Indien bei einem medizinischen Hilfsprojekt als Student gesammelt hat, haben dazu geführt, dass er sich auch für Themen wie öffentliche Gesundheit interessiert hat. Die Vision von Amboss ist es heute Ärztinnen und Ärzten das medizinische Wissen zu liefern, dass sie brauchen, um die richtigen diagnostischen und therapeutischen Schritte für Ihre Patienten zu treffen. Um immer auf dem neuesten Stand zu sein, arbeiten mittlerweile mehrere hundert Mitarbeiter und ein großes Netzwerk an ärztlichen Kollegen für und mit Amboss. Auch die Prüfungsvorbereitung für die Staatsexamina gehört weiterhin zum Kerngeschäft. Dabei beschränkt sich das Angebot von Amboss, dass für seine Nutzer kostenpflichtig ist, nicht nur auf den deutschsprachigen Raum. Neben Firmensitzen in Köln und Berlin gibt es mittlerweile auch ein Büro in New York. Auch wenn das Medizinstudium in den USA sicherlich unterschiedlich strukturiert ist, möchte Amboss hier als "Wikipedia" für Mediziner fungieren. Sievert hält es für wichtig, dass eine Business-Idee ein Problem löst und dass derjenige, der dieses Problem löst, bestenfalls auch aus der eigenen Zielgruppe kommt. Amboss ist das klassische Beispiel dafür, dass aus einer kleinen Idee ein internationales Unternehmen werden kann. Viel Spaß beim Hören! Hier findet Ihr noch einen sehr schönen Artikel über die drei Amboss-Gründer aus 2017 in der ZEIT: https://www.zeit.de/campus/2017/01/medizinstudium-software-lern-app-buecher-miamed?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com
- 13.10.202019 min
Diagnose, Klinik und Therapie der NPH Im heutigen Klinisch Relevant Podcast besprechen wir die Ätiologie, Klinik, Diagnostik und Therapie des Normaldruckhydrozephalus (normal pressure hydrocephalus, NPH). Außerdem nennen wir euch wichtige Differentialdiagnosen (DD) und zeigen euch, wie ihr diese vom NPH unterscheiden könnt. Wen betrifft der NPH? Gibt es einen Altergipfel? Der NPH ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters mit einem Altersgipfel in der 6. – 8. Lebensdekade. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Aktuelle Untersuchungen führen außerdem zu der Annahme, dass ca. 6% aller achtzig Jährigen von einem NPH betroffen sind. Welche pathophysiologischen Mechanismen liegen dem NPH zu Grunde? Grundsätzlich ist zunächst die Klassifikation des NPH nötig: Idiopathisch Sekundär Die Ursache des idiopathischen NPH ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollständig aufgeklärt. Eine verbreitete Theorie geht von veränderten hydrodynamischen Verhältnissen in den Liquorräumen bzw. im venösen Blutgefäßsystem aus. Durch eine Arteriosklerose ändert sich die Elastizität und der Druck in den venösen Blutgefäßen. Hierdurch kommt es zu einer gestörten Liquorresorption. Dadurch drückt der nicht resorbierte Liquor gegen die Ventrikelwände und führt zur Liquordiapedese. Ursachen für einen sekundär auftretenden NPH sind beispielsweise subarachnoidale Blutungen (SAB) oder Schädel-Hirn-Traumata (SHT). An welchen klinischen Zeichen ist der NPH zu erkennen? Die wichtigsten klinischen Zeichen werden im Hakim-Trias zusammengefasst: Gangstörung Harninkontinenz Demenz Für die Diagnosestellung sind zwei der drei Zeichen obligat. Das alle drei Zeichen positiv sind kommt bei ca. 50% aller Patienten vor. Gangstörung: Tritt als 1. Symptom auf und ist für die Diagnose obligat. Kleinschrittig und breitbasiger Gang, Füße am Boden „klebend“ (Magnetphänomen) und nach außen rotiert, erhöhte Wendeschrittzahl, es treten Retropulsionen auf Der Oberkörper ist, anders als beim Parkinson (DD), nicht betroffen. Dadurch wirken die relativ lockeren Arme so, als würden die Patienten mit den Armen rudern. Patienten nehmen die Gangstörung häufig als leichte Gangunsicherheit oder Schwindel wahr Demenz: Vigilanzminderung, Apathie, psychomotorische Verlangsamung, Feinmotorikstörung, Störungen des Arbeitsgedächtnisses und der Exekutivfunktionen Es gilt jedoch: Die Differenzierung zu anderen Demenzformen ist schwierig Erinnert stark an vaskuläre Demenzformen (z.B. subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie, SAE wird heute auch Subkortikale vaskuläre Demenz genanntà DD) Zudem liegt eine hohe Komorbidität mit der Alzheimer-Demenz vor Harninkontinenz: Neurogene Harninkontinenz durch autonome Detrusorhyperaktivität und fehlender neuronaler Hemmung Urge-Inkontinenz: Häufiger Harndrang, Nykturie DD bei Männern: Benigne Prostatahyperplasie; Die Vorstellung beim Urologen kann daher sinnvoll sein Wie kann man den NPH diagnostizieren? Die Diagnose erfolgt in Zusammenschau der Anamnese, Klinik, Bildgebung und Liquordiagnostik. Diagnosekriterien: Schleichender Beginn der Symptomatik (>3 Monate, subakut) 2 von 3 Leitsymptomen des Hakim-Trias Pathologischer Bildbefund Wir haben für euch bereits einen Podcast (Nr. 6) mit Lars Kübler (Facharzt für Neurologie) aufgenommen, welcher sich ausführlich mit dem NPH aus radiologischer Sicht beschäftigt. Um mehr zur Bildgebung zu erfahren, könnt ihr sehr gerne dort reinhören. Bildgebung Die Bildgebung sollte, wenn möglich, mit einem MRT erfolgen. Ventrikel erweitert Seiten- und Vorderhörner abgerundet Evans-Index: Verhältnis maximale Ventrikelbreite der Vorderhörner in Bezug auf den Schädeldurchmesser auf gleicher Höhe. Ein Evans-Index > 0,3 spricht für einen NPH. Corpus callosum - Winkel: Wird in koronaren Schichten auf Höhe der Commissura posterior bestimmt. Winkel zwischen 40-90° weisen auf einen NPH hin. Disproportionale Erweiterung der äußeren Liquorräume mit Weitstellung der Subarachnoidalräume im Bereich der Sylvischen Fissur. Parasagittal eher enge Räume Periventrikuläre Hyperdensitäten (erschweren die Differenzierung zur SAE) Fleur void-Phänomen (wenig spezifisch) Liquordiagnostik: Spinal TAP-Test: Es wird eine Gehstrecke definiert. Vor und nach Ablassen von 30 – 50 ml Liquor erfolgt die Untersuchung des Gangbildes (Schrittzahl, Geschwindigkeit, Wendeschrittzahl). Eine Besserung der Gangstörung ist nach ca. 1-2 Stunden zur erwarten. Der größte Effekt stellt sich nach 24-48 Stunden ein. Eine Druckmessung kann einen normalen oder erhöhten Liquordruck anzeigen. Entgegen der Krankheitsbezeichnung würde ein erhöhter Druck eher für einen NPH sprechen. Ein normaler Liquordruck ist eher unspezifisch. In diesem Fall werden bevorzugt traumatische Nadeln mit höherem Durchmesser genutzt, um ein Nachlaufen des Liquors zu ermöglichen. Eine Besserung der Gangstörung um 20% wird als signifikant angesehen. Werte unterhalb einer 20%igen Besserung schließen eine NPH allerdings nicht aus. Der Test kann im Abstand von jeweils einem Tag bis zu zweimal wiederholt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die kontinuierliche Ablassung des Liquors mit Hilfe einer Drainage über 3 Tage. So können täglich 150 – 300ml Liquor abgelassen werden. Wie kann der NPH therapiert werden? Steht die NPH-Diagnose fest, ist die operative Shunt-Anlage indiziert. Hierbei gilt: Je früher der Shunt angelegt wird, desto besser die Prognose. Gangstörungen sprechen gut auf die Anlage eines Shuntes an. Wogegen die Harninkontinenz nur wenig und die Demenz kaum zu beeinflussen sind. Weiterhin ist die intermittierende therapeutische Liquorpunktion eine Alternative zur Operation. Hierfür muss der Patient allerdings ausreichend lange (z.B. >3 Monate) von der Punktion profitieren. Eine medikamentöse Therapie mit Acetazolamid wurde in Studien erprobt. Leider hat die Therapie nicht die gewünschte Wirkung gezeigt. Was sind wichtige Differentialdiagnosen (DD)? Subsklerotische arteriosklerotische Enzephalopathie (SAE) bzw. Subkortikale vaskuläre Demenz: Wenn die Klinik und Bildgebung nicht eindeutig sind, sollte für die Abgrenzung zum NPH eine Liquorpunktion erfolgen. Alzheimer: Der NPH ist häufig mit Alzheimer vergesellschaftet. Eine Liquoruntersuchung mit Bestimmung der Neurodegenerationsmarker kann hier wegweisend sind. Parkinson: Bei Parkinson sind im Gegensatz zum NPH die oberen Extremitäten ebenfalls von der Gangstörung betroffen.
- 09.10.202031 min
Indikationen, Formen, Typen und Management von Drainagesystemen im Pflegealltag Pflegerische Aufgabenfelder bei Drainagen Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflegeberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es rund um das Thema Drainagen, die Indikation, Arten von Drainagen, Fehlerquellen und die Patientenschulung. **Artikel: Indikation der Saug-Spüldrainage und Hygienesicherheit bei Drainagen ** Drainagen stellen als Fremdkörper einen Risikofaktor für postoperative Wundinfektionen dar. Sofern sie nicht geschlossen sind und nicht komplett aseptisch gelegt werden können, erhöht sich das Infektionsrisiko. Im Ergebnis einer klinischen Analyse postoperativer Wundinfektionen nach orthopädisch-traumatologischen sowie Weichteil-chirurgischen Eingriffen betrug der Anteil Drainage-bedingter Infektionen 31%. Daher dürfen Drainagen nicht routinemäßig, sondern nur bei klarer Indikation gelegt werden. Sie sind so kurz wie nötig zu belassen und mit geschlossenen Saugsystemen durchzuführen. Für die Wundheilung sind Unterdruck regulierbare Systeme Hochvakuumsystemen überlegen. Artikel verfügbar unter: https://www.egms.de/static/de/journals/dgkh/2006-1/dgkh000027.shtml Prävention postoperativer Wundinfektionen - Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut Drainagen leiten Sekret ab und sollen damit zur Infektionsprophylaxe beitragen. Das wird primäre nur für geschlossene Drainagensysteme gezeigt. Offene Drainagen sind wegen des Infektionsrisikos nicht zu verwenden. Sofern Drainagen indiziert sind, sollen sie über eine separate Inzision ausgeleitet werden. Artikel verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Kommission/Downloads/Empf_postopWI.pdf?__blob=publicationFile S3-Leitlinie: Diagnostik und Therapie von Spontanpneumothorax und postinterventionellem Pneumothorax Retrospektive Untersuchungen zeigen keinen Unterschied in der Effektivität zwischen kleinlumigen (bis 14 Ch.) und großlumigen Thoraxdrainagen. Es wurde gezeigt, dass kleinlumige Thoraxdrainagen weniger schmerzhaft sind, zu weniger entzündlichen Komplikationen und Blutungen sowie zu kürzerer Verweildauer führten. Vorsicht ist geboten bei hohem Fistelvolumen und kleinen Drainagen. Leitlinie verfügbar unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/010-007l_S3_Spontanpneumothorax-postinterventioneller-Pneumothorax-Diagnostik-Therapie_2018-03_01.pdf
- 06.10.202011 min
Was spricht für einen Schlaganfall und was Du dann konkret tun solltest... Präklinischen Schlaganfall-Management für Nicht-Neurologen Im heutigen Klinisch Relevant Podcast geht es darum, in einem präklinischen Setting die Symptome eines Schlaganfalls richtig zu erkennen. Wir möchten mit unserem Beitrag von Dr. Dietrich Sturm, Facharzt für Neurologie, vor allem "Nicht-Neurologen" bzw. Pflegekräfte ansprechen, da gemäß dem Motto „time is brain“ ein frühzeitiges Erkennen für die weitere Behandlung und Prognose des Patienten essentiell ist. Wie kann sich ein Stroke initial bemerkbar machen? Häufig wird man mit der Anmerkung zum Patienten gerufen, dass dieser heute „komisch“ sei und sich untypisch äußere oder verhalten würde. Diese scheinbare Wesensveränderung sollte eine Untersuchung zur Objektivierung fokal neurologischer Defizite nach sich ziehen. Mögliche Scoresysteme zur Beurteilung eines akuten Schlaganfalls NIHSS (National Institute of Health Stroke Scale): Neurologen nutzen den standardisierten NIHSS zur Beurteilung der Schwere neurologischer Defizite. Der Score (0-42 Punkte) umfasst folgende Funktionsbereiche: Vigilanz, Orientierung, Befolgung von Aufforderungen Blickparese Gesichtsfeld Faziale Parese Armparese Beinparese Extremitätenataxie Hemihypästhesie Aphasie Dysarthrie Neglect FAST (Face, Arms, Speech, Time): Wird meist vom Rettungsdienst genutzt. Wenn eines der drei klinischen Zeichen pathologisch ist, besteht der dringende Verdacht auf einen Schlaganfall. Face: Den Patienten grinsen und die Wangen aufpusten lassen. Liegen Gesichtsasymmetrien vor oder ist das Aufpusten der Wangen nicht möglich, wäre dies als pathologisch zu werten. Arms: Den Patienten die Arme nach oben heben lassen. Die Handflächen zeigen dabei nach oben. Pathologisch wäre das Absinken der Arme und/oder das Eindrehen der Handinnenflächen nach innen. Speech: Den Patienten einen Satz sprechen bzw. nachsprechen lassen. Wenn der Patient die Sätze nicht klar formulieren kann oder eine verwaschene Sprache hat, ist das Zeichen als positiv zu werten. Time: Bei positiven Zeichen im FAST-Schema ist eine zügige Einweisung des Patienten erforderlich! Ein Nachteil des FAST-Scores ist die fehlende Abbildung der vertebrobasilären Strombahn. Daher wurde der Score um zwei weitere klinische Komponenten ergänzt. Der Score wird als BE FAST-Score bezeichnet: Balance: Ist dem Patienten schwindlig? Liegen Gleichgewichtsstörungen oder ist das Gehvermögen kompromittiert? Eyes: Liegen Sehstörungen vor? z.B. einseitiger Visusverlust, Gesichtsfeldstörung Wie kann das weitere Vorgehen optimiert werden? Für den behandelnden Arzt ist es eine große Hilfe, wenn feststeht, wann die Symptome erstmals aufgetreten sind. Ist ein exakter Zeitpunkt bekannt, an dem die Symptome aufgetreten sind? Wann wurde der Patient zuletzt ohne Symptome gesehen? (Last seen well) Beispielsweise vor dem Schlafengehen? Wenn der exakte Symptombeginn nicht feststellbar ist, orientiert man sich für das weitere therapeutische Vorgehen am „last seen well“. Die Zeit ist ein wichtiger Parameter, um geeignete Patienten für eine systemische Thrombolyse oder interventionelle Schlaganfalltherapie zu identifizieren. Liegen weitere Begleitsymptome wie Kopfschmerzen oder Hirndruckzeichen vor? Sind die Symptome dynamisch/stabil, verschlechtern sich zunehmend oder werden besser? Was noch wichtig ist: Vitalparameter wie Blutdruck und Puls erfassen Blutzuckerkonzentration und Temperatur des Patienten messen Wenn zeitlich möglich (z.B. vor einer Verlegung), ein 12-Kanal-EKG schreiben, um kardiale Ursachen (Vorhofflimmern) auszuschließen -Informationen zur medizinischen Vorgeschichte erheben: Kürzlich stattgefundene Operationen Vorerkrankungen (Krebserkrankungen, Neurodegenerative Erkrankungen, Magen- und Darmblutungen) Medikamentenliste (nimmt der Patient Thrombozytenaggregationshemmer oder orale Antikoagulanzien? Wann war die letzte Einnahme?) Prämorbider Status: Ist der Patient bettlägerig, pflegebedürftig oder selbstständig? Patienten in der Stroke Unit ankündigen Welche Maßnahmen können bzw. sollten durchgeführt werden? Blutdrücke bis 200 mmHg sind zu tolerieren. Hier liegt kein Korrekturbedarf vor. Ein entgleister Blutzucker muss dagegen korrigiert werden. Auf ausreichende Oxygenierung des Patienten achten. Falls der Patient in einer Einrichtung ohne CT liegt bzw. die Bildgebung nicht unmittelbar stattfinden kann, muss die Verlegung in eine geeignete neurologische Klinik forciert werden! Unbedingt die Telefonnummer der Verwandtschaft, Pflegeeinrichtung oder Klinik notieren! Es ist essenziell, dass der behandelnde Neurologe sich für Rückfragen bezüglich der Krankengeschichte etc. bei der entsprechenden Einrichtung/Person melden kann. Kontrollfragen Welcher Score sollte initial von einem Laien bzw. Nicht-Neurologen genutzt werden, um einen Schlaganfall festzustellen? a) qSOFA-Score b) FAST-Score c) NIHSS d) CHA2DS2-VASc-Score e) BE FAST-Score Wofür stehen die Buchstaben „BE“ im BE FAST Score? a) B: Beinparese; E: EKG b) B: Bettlägerig; E: Eyes c) B: Balance; E: Eis-Test d) B: Balance; E: Eyes Wofür steht das T im BE FAST Score? Wieso ist das T wichtig? a) T: Test Das T steht für Test, weil die Bereiche Balance, Eyes, Face, Arms und Speech getestet werden b) T: Thrombozytenaggregationshemmer Die Thrombozytenaggregationshemmer müssen abgesetzt werden c) T: Tilidin Schmerzmedikation ist das, worauf man am meisten achten muss d) T: Time Die unverzügliche Einweisung von Schlaganfallpatienten in eine geeignete neurologische Klinik ist essentiell. „time is brain“! Welche Aussagen sind richtig? a) Blutdrücke im Bereich 180-200 mmHg müssen bei Stroke-Patienten unverzüglich korrigiert werden b) Den Blutzucker misst man heutzutage nicht mehr c) Mit der Einweisung des Patienten kann man sich Zeit lassen, da die Patienten klinisch stabil sind und eine Verschlechterung der Symptomatik sehr selten vorkommt d) Blutdrücke bis 200 mmHg sind tolerierbar e) den Blutzucker sollte man bei akut neurologisch auffälligen Patienten immer bestimmen Welche Informationen hinsichtlich der Zeit sind für den Arzt wichtig? a) Primär wäre es von Vorteil, wenn ein exakter Zeitpunkt für den Symptombeginn angegeben werden kann b) Primär geht man davon aus, dass der Schlaganfall im Schlaf aufgetreten ist c) Wenn der genaue Zeitpunkt des Symptombeginns nicht klar ist, gilt das Prinzip „last seen well“ d) Für den Arzt spielt es keine Rolle wann die Symptome erstmalig aufgetreten sind
- 29.09.202032 min
Der Präsident der Berliner Ärztekammer im Gespräch über evidence-based medicine, value-based medicine und die Zukunft des Gesundheitssystems Warum bist Du Arzt geworden? Warum gehst Du Morgens zur Arbeit? Schafft das aktuelle Gesundheitssystem die Voraussetzungen dafür, dass wir unsere Patienten optimal versorgen können? Diese und weitere Fragen besprechen wir in Teil 2 des Interviews mit Dr. Günther Jonitz, dem langjährigen Präsidenten der Berliner Ärztekammer. Bitte hör Dir zunächst den 1 Teil an, falls Du es noch nicht getan hast: Hier findest Du den entsprechenden Podcast In den dortigen Shownotes findest Du auch interessante Links und Literatur-Tips Rund um die Themen evidence-based medicine und value-based medicine. Günther Jonitz würde sich sehr über Kommentare und Anmerkungen freuen: Nehmt gerne Kontakt mit ihm auf: g.jonitz@aekb.de Twitter: #gjonitz Und denkt an unseren neuen Telegramm-Kanal: https://t.me/klinischrelevant
- 27.09.202036 min
Bedeutung, Ziele und Funktionsweisen von Pflegediagnosen Shownotes: Pflegediagnosen Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflegeberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es rund um das Thema Pflegediagnosen, die Bedeutung für den Pflegeberuf, die Ziele, Funktionsweise und Arten von Pflegediagnosen. NANDA International Eine Pflegediagnose „ist eine klinische Beurteilung (clinical judgement) einer menschlichen Reaktion auf Gesundheitszustände/Lebensprozesse oder einer Vulnerabilität für diese Reaktion eines Individuums, einer Familie, Gruppe oder Gemeinschaft. Eine Pflegediagnose stellt die Grundlage für die Auswahl der Pflegeinterventionen zur Erzielung von Outcomes dar, für die die Pflegefachpersonen verantwortlich sind." Die Seiten der NANDA Organisation bieten weitere Informationen über Pflegeklassifikationssysteme und ihre Methodik: https://nanda.org/ Buchempfehlung: Pflegediagnosen und Pflegemaßnahmen Das praktische Handbuch zum Pflegeprozess hilft Pflegenden, Merkmale und Ursachen von Pflegediagnosen zu erkennen, Daten des Pflegeassessments zu ordnen und Pflegediagnosen mit einheitlichen Begriffen zu benennen. Es bietet begründete Pflegeziele, Pflegemaßnahmen und -interventionen und gibt Hinweise zur Patientenedukation und Entlassungsplanung. Marilynn E. Doenges, Mary Frances Moorhouse, Alice C. Murr (Autoren) Maria Müller Staub, Jürgen Georg, Claudia Leoni–Scheiber (Herausgeber) Buch | 2018 | 6., vollst. überarb. u. erw. Aufl. Hogrefe (Verlag) 978-3-456-85831-9 (ISBN)
- 22.09.202027 min
Warum Evidenz-basierte Medizin und das Outcome unserer Patienten unbedingt in die Bewertung von ärztlichen Interventionen einbezogen werden müssen Günther Jonitz ist bereits seit 1999 Präsident der Berliner Ärztekammer und ein Querdenker, wie er selber sagt. Er ist zudem im Vorstand der Bundesärztekammer und des Marburger Bundes tätig und hat bereits das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen bekommen. Im Zentrum seiner politischen Arbeit stehen die Themen "Evidenz-basierte Medizin" und "Value-based Healthcare" Im Interview mit Ihm sprechen wir genau über diese Themen und warum Günther Jonitz denkt, dass unser aktuelles Gesundheitssystem tot ist und dringend verändert werden muss. Entstanden ist ein wahnsinnig spannendes und inspirierendes Interview, das mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Offensichtlich nehmen viele Kolleginnen und Kollegen das System in sie arbeiten als gegeben und unveränderbar hin. Aufgrund der Dauer des Gesprächs haben wir das Podcast-Interview in zwei Teile geteilt. Hier hörst Du heute den ersten Teil! Hier noch ein paar Links zum Nachlesen: 1. Rückkehr zum Kern ärztlichen Handels- ist Value-Based Healthcare ein Weg? 2. Shifting to triple value healthcare: Reflections from England 3. Wert und Nutzen für den Patienten im Fokus Zum Schluss noch eine Buchempfehlung: Bessere Ärzte, bessere Patienten, bessere Medizin; herausgegeben von Gerd Gigerenzer und J.A. Muir Gray
- 15.09.20209 min
Wie Du Raumforderungen der Nebenniere anhand von radiologischen Untersuchungstechniken einordnen kannst! Zufällige Nebennierenraumforderungen In ca. 1-4% der Abdomen-CTs findet sich eine kleine Nebennierenläsion. Grund genug sich einmal mit den radiologischen Differenzierungs-möglichkeiten auseinanderzusetzen. Stephan Schwarz ist Facharzt für Radiologie und arbeitet als Oberarzt im Klinikum Dortmund und führt Dich durch diesen Fortbildungsbeitrag. Zufällige Nebennierenraumforderungen oder Inzidentalome sind Raumforderungen der Nebenniere, deren Ätiologie wir nicht kennen und daher weiter abgeklärt werden müssen. Abhängig von der Größe der Raumforderung kann man Aussagen zu der Wahrscheinlichkeit der Malignität machen: unter 4 cm Größe: Risiko eines Nebennierenrinden-CA unter 2 % 4-6 cm Größe: ca. 6 % Risiko > 6cm: ca. 25% Läsionen unter 4 cm Größe sind überwiegend gutartige Nebennierenadenome, davon sind ca. 70% fettreich. Im CT sind 3 Methoden zur Abschätzung, ob es sich um eine Adenom-typische Veränderung handelt verfügbar: ROI-Messung Histogramm-Analyse Wash Out In der MRT kann man das sog. **Chemical Shift Imaging **benutzen. Falls es sich um einen Adenom-untypsichen Befund handelt kommen folgende Differential-Diagnosen in Betracht: Phäochromozytome Metastasen Nebennierenrinden-Carcinome Zysten Myelolipome Viel Spaß beim Hören! Empfohlen seien Dir auch 2 weitere Podcasts, die Stephan bereits mitgestaltet hat und die im Klinisch Relevant Podcast veröffentlicht worden sind: Podcast #44: COVID-19: Radiologische Veränderungen der Lunge 2. Podcast #52: Idiomatische intracranielle Hypertension: seltene Kopfschmerzursache
- 11.09.202032 min
Pflegekammer: Stärkung der Interessen der Pflegeberufe oder bürokratisches Monster? Berufsständische Vertretung – Die Pflegekammer Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflegeberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es rund um das Thema der Pflegekammer, die Aufgaben einer Pflegekammer, Kritikpunkte, internationale Vergleiche und die wichtigsten Fragen an die berufsständische Vertretung der Pflege. Zum Wohle der Gesellschaft? Ein internationaler Vergleich von Ausgestaltung und Wirkung der berufsständischen Selbstverwaltung von Pflegekräften Sie haben eifrige Verfechter, aber auch vehemente Gegner: Pflegekammern. Die einen versprechen sich davon die Stärkung des Pflegeberufs, die anderen befürchten ein bürokratisches Monster. Was Pflegekammern leisten können und was nicht, beleuchtet die Autorin Dr. Antje Schwinger – auch mit Blick ins europäische Ausland. Kurzversion: https://www.gg-digital.de/2019/03/pflegekammer-als-starke-klammer/index.html Doktorarbeit zum Thema: https://media.suub.uni-bremen.de/handle/elib/1177 Stimmen zur Pflegekammer: Was kann eine Pflegekammer für den Pflegeberuf erreichen? Was kann eine Pflegekammer für Pflegende erreichen, was ohne eine Kammer nicht möglich wäre? Die Vizepräsidentin der rheinland-pfälzischen Pflegekammer, Sandra Postel, hat auf der 40. Fortbildung für Pflegende die Antworten dazu. Interview mit Sandra Postel: https://www.youtube.com/watch?v=GLeHxPpzvnc Erste Pflegekammer in Deutschland: Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz ist die erste berufsständische Vertretung für Pflegende in Deutschland. In unseren Gremien arbeiten beruflich Pflegende aus der Praxis, aus der Wissenschaft und aus der Pädagogik zusammen daran, den Pflegeberuf weiterzuentwickeln. Link: https://www.pflegekammer-rlp.de/index.php/startseite.html Streit um Pflegekammern: Bericht des NDR Niedersachsens Pflegekräfte diskutieren: Was bringt die Pflegekammer? Stärkt sie ihre Interessen oder handelt es sich um ein teures, "bürokratisches Monster"? Ein Bericht der NDR Sendung Panorama 3. Beitrag unter: https://www.youtube.com/watch?v=Y0LhEym1HlQ
- 08.09.202027 min
Warum Ärzte so wenig auf Ihre eigene Gesundheit achten und was Du dagegen tun kannst Healthy Docs Dr. Christina Petersen arbeitet als Allgemeinmedizinerin in einer hausärztlichen Praxis, praktiziert auch nach traditionell chinesischen Aspekten und coacht Ärzte. Darüber hinaus hat Sie das Buch "Intuitiv gesund" geschrieben und spricht in Ihrem Podcast "Healthy Docs" über die Themen Arztgesundheit, ganzheitliche Medizin und Prävention. Im Interview mit Tina sprechen wir darüber, warum Ärztinnen und Ärzte sich häufig selbst "vernachlässigen" und sich für Ihre Patienten aufopfern, ohne auf die Folgen für sich selbst zu achten. Sie erzählt von Ihren eigenen Erfahrungen mit dem Medizinstudium und dem Beruf als Ärztin, der Ihr oft alles abverlangt hat. Nach einer Auszeit von mehreren Monaten, begann Tina sich selbst und Ihre Bedürfnisse besser kennen zu lernen und damit änderte sich auch Ihr Berufsleben. Heute ist es Ihre Mission auf das Thema Arztgesundheit aufmerksam zu machen und Ihre Erfahrungen und Tips an betroffene Kollegen weiterzugeben. Alle weiteren Informationen zu Tina findest Du auf Ihrer Internet-Seite www.intuitiv-gesund.de Viel Spaß beim Hören!
- 01.09.202021 min
Wie schafft man wieder gute und attraktive Arbeitsbedingungen für Ärzte? Viantro: eine Job-Vermittlungs-Plattform, die sich dem "well beeing" von Ärzten verschrieben hat Im heutigen Interview sprechen wir mit Kim Kernbichler, dem Gründer von Viantro, einer Karriereplattform für Ärzte. Job-Vermittlungsplattformen gibt es viele - Viantro möchte sich daher von anderen Mitbewerbern abheben, in dem besonders großen Wert auf gute Arbeitsverhältnisse und das "well beeing" der Kunden gelegt wird. Kim ist schon seit seiner Jugend unternehmerisch tätig und hat mehrere Start Ups gegründet. Er hat aber auch selbst als Arzt klinisch gearbeitet und kennt das "System" also von innen. Wir sprechen im Interview nicht nur über das Gründen von Unternehmen und das Schauen über den Tellerrand der klassischen Mediziner-Karriere, sondern auch über die typischen Probleme im Arbeits-Alltag eines Arztes: Überstunden, zu wenig Zeit für Patienten, zu wenig Zeit für die Familie, Nacht- und Wochenenddienst, Bürokratie und so weiter... Wir sprechen vor allem aber auch über mögliche Lösungen. Das Wohl unserer Patienten ist untrennbar mit dem Wohl der Behandler verknüpft, so Kims Meinung. Wer Kim sprechen hört, der spürt, dass er etwas verändern möchte und dass sein Unternehmen für eine Verbesserung der Arbeitsverhältnisse von Ärzten sorgen soll. Alles weitere zu Viantro findet Ihr auf der Website.
- 28.08.202030 min
Wie Du Konflikte um die Dienstplangestaltung durch eine systematische Herangehensweise verhindern kannst Gute Dienstplangestaltung Der Klinisch Relevant Podcast liefert Ärztinnen und Ärzten, sowie Angehörigen der Pflegeberufe kostenlose und unabhängige medizinische Fortbildungsinhalte, die Du jederzeit und überall anhören kannst und die für Dich von ärztlichen und pflegerischen Kollegen konzipiert werden. Im heutigen Beitrag geht es um das Thema Dienstplangestaltung in Pflege, die grundlegenden rechtlichen Aspekte, Erkennung eines potenziellen Handlungsbedarfes und Methoden der guten Dienstplangestaltung. **Ausgewogene Arbeitszeit und Dienstplangestaltung – Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben fördern ** Die Hinweise und Empfehlungen sind für alle Pflegesettings geeignet! Die Broschüre „Ausgewogene Arbeitszeit und Dienstplangestaltung in der Altenpflege – Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben fördern“ möchte für die Umsetzung einer guten Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben werben und auf die Notwendigkeit einer gesundheitsfördernden Arbeitszeitplanung aufmerksam machen. In den Kapiteln 2 bis 3 wird zunächst auf die Argumente eingegangen, die dringend eine ausgewogene oder balanceorientierte Dienstplanung (Kapitel 2) empfehlen. Dabei legen sowohl gesetzliche Vorgaben als auch arbeitsmedizinische Belange (Kapitel 3) das Fundament. Dass eine ausgewogene Dienstplanung nicht ohne eine entsprechende Arbeitsorganisation zu erreichen ist, zeigt Kapitel 4 auf. Kapitel 5 und 6 schließen mit Beispielen zu Schichtmodellen an und gehen auf die konkrete Erstellung eines Dienstplans ein. In Kapitel 7 wird für ein systematisches Management von Fehlzeiten geworben und entsprechende Anregungen gegeben. In Kapitel 8 werden mögliche Verfahrens- und Vorgehensweisen beschrieben, wie betriebliche Innovationen im Betrieb partizipativ vorangebracht werden können. Link: https://msgiv.brandenburg.de/msgiv/de/service/publikationen/detail/~09-12-2018-zeit-planen-ausgewogene-arbeitszeit-und-dienstplangestaltung-in-der-altenpflege Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Pflege fördern Das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewinnt mehr und mehr an Bedeutung: Deutschland befindet sich in einem demografischen Wandel, der den Arbeitsmarkt und die betriebliche Personalpolitik, aber auch die Sozial- und Gesellschaftspolitik in den nächsten Jahren massiv beeinflussen wird. Die Broschüre der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigt Möglichkeiten auf, Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Pflege im Betrieb zu verankern. Sie will Betriebe im Gesundheitswesen dazu anregen, rechtzeitig geeignete Maßnahmen in die Wege zu leiten. Link: https://d-nb.info/992714508/34 **Abläufe optimieren – Beschäftigte stärken: BGW Arbeitsorganisation Pflege für Einrichtungen der Altenpflege ** In einigen Einrichtungen wird die Vision einer qualitativ hochwertigen und menschlichen Pflege Wirklichkeit. Der Arbeitsalltag in vielen Einrichtungen der stationären Altenpflege sieht dagegen anders aus: Steigende Anforderungen an die Pflegekräfte hinsichtlich der Versorgung der Bewohner und Bewohnerinnen und knappe personelle Ressourcen haben die Situation in der Altenpflege erheblich verschärft. Die Belastungen der Pflegekräfte nehmen zu und gleichzeitig steigt die Zahl der Erkrankungen und Berufsausstiege. Die Broschüre der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) zeigt Wege auf wie eine mitarbeiterzentrierte Arbeitsorganisation umgesetzt werden kann und vermittelt Ansprechpartner für Einrichtungen die ihre Arbeitsorganisation verbessern möchten. Link: https://www.bgw-online.de/DE/Medien-Service/Medien-Center/Medientypen/BGW-Broschueren/BGW04-06-110_Ablaeufe-optimieren-Beschaeftigte-staerken.html
- 25.08.202042 min
Eine Co-Produktion von Dr. Jan Dreher vom PsychCast und Dr. Kai Gruhn vom Klinisch Relevant Podcast zum Thema Alkoholentzugsdelir, Korsakow-Syndrom und Wernicke-Enzephalopathie Akute und chronische Alkoholfolgeerkrankungen aus psychiatrischer Sicht Alkoholintoxikationen spielen in Notfall-Ambulanzen eine große Rolle. Chronische Alkoholfolge-Erkrankungen wie das vielbekannte Korsakow-Syndrom, die Wernicke-Enzephalopathie und die äthyltoxische Polyneuropathie sind ebenfalls jedem klinisch tätigen Kollegen bekannt und haben große sozioökonomische Auswirkungen für die Gesellschaft. Dr. Jan Dreher ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Chefarzt der Klinik Königshof in Krefeld. Darüber hinaus ist er aber auch Host des "Psychcast" und des "Psychiatrie to go"-Blogs, um nur 2 seiner Projekte zu erwähnen. In dieser Podcaster-Co-Produktion von PsychCast und dem Klinisch Relevant Podcast haben Jan und Kai anhand eines fiktiven alkoholisierten Patienten, der in unsere Klinik kommt die wichtigsten akuten und chronischen Alkoholassoziierten Erkrankungen besprochen. Ein paar wichtige Fakten haben wir Dir hier noch einmal zusammengestellt: Alkoholentzugsdelir der regelmäßige Konsum von Alkohol führt zur Aktivierung von GABA- und Benzodiazepin-Rezeptoren und somit zu einer Hemmung von noradregenen Zielgruppen (v.a. im Lotus coeruleus des ZNS) das plötzliche Ende der andauernden Inhibition durch einen Alkoholentzug führt zu einem "Noradrenalin-Sturm" und somit zu einer Überaktivität des Sympathikus bei gleichzeitig hochregulierten Noradrenalin-Rezeptoren Folge Symptome können daher im Alkoholentzugsdelir durch die exitatorischen Mechanismen der Katecholamine auftreten: Tremor Tachykardie Hypertonie Mydriasis Hyperhidrosis Insomnie Halluzinationen Grand mal Anfälle Desorientiertet Desorieniertheit gesteigerte Suggestibilität Therapie: intensivmedizinische Überwachung bei vegetativer Entgleisung Vitamin B1 100mg 1-1-1 i.v. Clonidin oder Dexmedetomidin zur Behandlung der vegetativen Symptome Diazepam oder Clomethiazol in absteigender Dosierung Haloperidol oder atypische Neuroleptika bei psychotischen Symptomen Thiamin = Vitamin B1 lebenswichtiges, wasserlösliches Vitamin vor allem in Getreide, Nüssen, Bohnen, Leber, Nieren, Schweinefleisch wird durch Hitze zerstört kann nur in phosphorylierter Form (Thiaminpyrophosphat) im Körper verwertet werden TPP ist ein wichtiges Co-Enzym für oxidative Decarboxylierungsprozesse und hat daher wichtige Funktionen im Bereich der Glucose-und Kohlehydratverwertung Alkohol vermindert die Resorption von Thiamin im Jejunum durch Na/K-ATPase intrazellulär hemmt Alkohol zudem die Aktivierung von Thiamin durch die kompetitive Hemmung der zytosolischen Pyrophosphokinase Thiaminmangel führt in erster Linie zur Schädigung von hypoglycämieempfindlichen Hirnregionen (v.a. Thalamus, Corpora mamillaria, Mittelhirnstrukturen), die sich auch MR-tomografisch nachweisbar sein können Astrozyten sind im ZNS insbesondere von einem Thiamin-Mangel betroffen, weil dort alle Enzyme des Zitratzyklus besonders stark vertreten sind Wernicke-Enzephalopathie Prävalenz von 0,3-0,8% in Deutschland neurodegenerative Erkrankung, die durch Vitamin B1-Mangel hervorgerufen wird Ursachen: V.a. Alkohol-Konsum und fehlende Resorption von Vitamin B1 nach GI-OPs Symptomtrias: 1. Augenbewegungsstörungen (INO, horizontale Blickparesen, vertikaler oder horizontaler Blickrichtungsnystagmus), 2. Bewusstseinsstörung, 3. Ataxie Mortalität liegt bei 17% Korsakow-Syndrom chronische Verlaufsform der Wernicke-Enzephalopathie Kernsymptome: Desorientiertheit, situative Verkennung, Gedächtnisstörungen, Konfabulation oft irreversibel Andere Alkoholfolgeerkrankungen Äthyltoxische PNP Alkohol-Myopathie zerebelläre/zerebrale Atrophie zentrale pontine Myelinolyse
- 18.08.202024 min
Lohnt es sich noch als Hausarzt zu arbeiten? Der Beruf des Hausarztes hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt und steht mittlerweile vor einem Image- und Nachwuchsproblem. Insbesondere in ländlichen Gebieten gibt es in Deutschland immer wieder hausärztliche Versorgungslücken. Von Seiten der Politik und den Kassenärztlichen Vereinigungen wird versucht dem Nachwuchsmangel mit Förderungsprogrammen zu begegnen. **Dr. Ulrich Kozianka **ist Hausarzt mit Herz und Seele und führt eine Praxis im Herzen des Ruhrgebietes, die bereits sein Vater aufgebaut hat. Falls Du nach Alternativen zum Klinikalltag mit all seinen Vor- und Nachteilen suchst oder falls Du schon einmal über eine Niederlassung als Hausarzt nachgedacht haben solltest, dann wirst Du hier viele spannende Details erfahren. Wir sprechen über den Berufs-Alltag, die Arbeitszeiten, die finanziellen Möglichkeiten und die Vorteile, die Ulrich in einer eigenen Praxis sieht. Auch sprechen wir über die Auswirkungen der Digitalisierung für die Arbeit in der Niederlassung und Lösungsvorschläge für typische Schnittstellenprobleme zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor. Viel Spaß beim Hören
- 15.08.202046 min
Lokaltherapie chronischer Wunden bei Patienten mit den Risiken periphere arterielle Verschlusskrankheit, Diabetes mellitus, chronische venöse Insuffizienz Wundmanagement bei chronischen Wunden Lokaltherapie chronischer Wunden bei Patienten mit den Risiken periphere arterielle Verschlusskrankheit, Diabetes mellitus, chronische venöse Insuffizienz Die Leitlinie „Lokaltherapie chronischer Wunden bei Patienten mit den Risiken periphere arterielle Verschlusskrankheit, Diabetes mellitus, chronische venöse Insuffizienz“, Entwicklungsstufe S3, wurde initiiert von der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e.V. (DGfW). Sie wurde unter Einbeziehung der Mandatsträger aller für das Thema relevanten wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften (siehe Mitglieder der Steuergruppe) und den am Behandlungsprozess beteiligten Berufsgruppen entwickelt. Hinweis: Leitlinie befindet sich in Überarbeitung! Link: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/091-001l_S3_Lokaltherapie_chronischer_Wunden_2012-ungueltig.pdf Expertenstandard: Pflege von Menschen mit chronischen Wunden Durch Anleitung und Beratung der Patienten/Bewohner und ihrer Angehörigen zu alltagsorientierten Maßnahmen im Umgang mit der Wunde und den wund- und therapiebedingten Auswirkungen können die Fähigkeiten zum gesundheitsbezogenen Selbstmanagement so verbessert werden, dass sich positive Effekte für Wundheilung und Lebensqualität ergeben. Der Expertenstandard beschreibt den pflegerischen Beitrag zur Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden. Der Expertenstandard richtet sich an Pflegefachkräfte in der ambulanten Pflege, der stationären Altenhilfe und im Krankenhaus. Erhältlich unter https://www.dnqp.de/expertenstandards-und-auditinstrumente/#c18466 Visitrak Digital: Digital-Pad Das tragbare digitale Pad ist einfach in der Handhabung und liefert eine schnelle und genaue Wundgrößenmessung. Durch ein akustisches Signal wird angezeigt, wenn die Datenübertragung durch Nachzeichnen der Wundränder abgeschlossen ist. Das direkt angezeigte Ergebnis ist die Größe der Wundfläche. Es können ebenso der Prozentsatz eines nekrotischen Gewebes oder die Länge / Breite der Wunde berechnet werden. https://www.smith-nephew.com/osterreiche/produkte/infektionsbek-mpfung-prophylaxe/visitrak-/ DRACO® Wundversorgungshilfe Mit der DRACO® Wundversorgungshilfe können Sie mit Ihrem Smartphone oder Tablet Empfehlungen für geeignete Wundauflagen erhalten. Geben Sie dazu einfach die erforderlichen Angaben zu Wundgrund, Exsudationsmenge, Wundtiefe, Infektion und Wundumgebungshaut an. Darüber hinaus hast du die Möglichkeit, direkt eine Musterbestellung aufzugeben, um die Produkte selbst zu testen. Achtung: Herstellerabhängig! https://www.draco.de/wundversorgungshilfe-app/
- 11.08.202031 min
Digitalisierung, Rolle des Arztes und Zukunft der Medizin am Beispiel der Uniklinik Essen Smart Hospital - Digitalisierung einer Uniklinik Prof. Jochen Werner ist ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Uniklinik Essen und treibende Kraft hinter dem "Smart Hospital"-Projekt, bei dem es um die Digitalisierung, Modernisierung und Optimierung der Abläufe in der Klinik geht. In diesem Podcast-Interview erklärt Professor Werner, um was es bei diesen Veränderungen eigentlich geht: Ärzte und medizinisches Personal sollen wieder mehr Zeit für Ihre eigentlichen Kompetenzen haben, nämlich die Arbeit am Patienten. Das hört sich gut an, ist in der Realität nicht einfach durchzusetzen, weil viele Hürden und Widerstände in unseren Köpfen genommen werden müssen. Informationen zum Smart-Hospital findest Du hier verlinkt: Artikel über das Smart-Hospital auf der Internet-Seite des Bundesverbandes Deutscher Chirurgen Hier findest Du einen Link zu dem Buch "Smart Hospital" u.a. von Prof. Werner: Smart-Hospital: Digitale und emphatische Zukunftsmedizin Weitere Informationen zu Prof. Werner findest Du aus seiner Internetseite www.medical-influencer.de
- 04.08.202042 min
Was ist das SEIPS-Modell und was können wir aus dem Fall Dr. Bawa-Garpa lernen? Human Factors: Der Faktor Mensch in der Medizin Johanna Ludwig arbeitet als Unfallchirurgin in einer Klinik in Berlin und hat zusätzlich in Oxford Surgical Science and Practice studiert. In diesem Zusammenhang ist sie auch mit dem Thema "Human factors" und dem SEIPS-Modell in Berührung gekommen. Johanna erklärt diese Begriffe anhand der Ereignisse um Dr. Bawa-Garba im Jahr 2011 in England, die zunächst der fahrlässigen Tötung eines ihrer Patienten für schuldig gesprochen worden war. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit darf sie wieder praktizieren. Auch wenn man in Deutschland nur relativ wenig über diesen Fall gehört hat, veranschaulicht er doch sehr eindrücklich, welche unterschiedlichen Faktoren in einer Klinik vor allem in einer Notfallsituation zusammenkommen und das Schicksal unserer Patienten beeinflussen können. So gibt es eine eigene Wissenschaft, die sich mit der Interaktion von Menschen mit Elementen eines Systems auseinandersetzt und hier versucht den "Faktor Mensch" besonders zu berücksichtigen. Daraus entstanden ist das sog. SEIPS-Modell (Systems Engineering Initiative for Patient Safety) Hier findet Ihr noch weitere interessante Links zum Thema SEIPS und Human Factors und den Kontakt zu Johanna: https://journals.lww.com/jhqonline/Abstract/2018/03000/Proactive_Safety_Management_in_Trauma_Care_.4.aspx 2. https://ieeexplore.ieee.org/document/1403981 https://implementationscience.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13012-015-0317-y mail@johannaludwig.com