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Bayerischer Rundfunk

2197 Folgen · Zuletzt aktualisiert am 06.11.2026


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Die ganze Welt des Wissens, gut recherchiert, spannend erzählt. Interessantes aus Geschichte und Archäologie, Literatur, Architektur, Film und Musik, Beiträge aus Philosophie und Psychologie. Wissenswertes über Natur, Biologie und Umwelt, Hintergründe zu Wirtschaft und Politik. Und immer ein sinnliches Hörerlebnis.

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  1. Es ist AUS, Schluss! Trennung als Herausforderung

    09.08.2024 · 22 Min.

    Eigentlich sollte die Liebe ewig halten, und dann platzt der Traum vom gemeinsamen Leben. Trennungen - egal wie einvernehmlich und friedlich sie verlaufen - tun einfach weh. Aus Angst vor diesem Schmerz verharren manche in freudlosen Beziehungen. Dabei können Trennungen auch heilsam sein. Von Karin Lamsfuß Credits Autorin dieser Folge: Karin Lamsfuß Regie: Irene Schuck Es sprachen: Andreas Neumann, Berenike Beschle Technik: Simon Lobenhofer Redaktion: Bernhard Kastner Im Interview: Bettina von Kleist, Autorin; Stephan Potting, Familientherapeut; Dr. Johanna Müller-Ebert, Dipl. Psychologin; Torsten Geiling, Coach und Autor Peter, Verlassender; Margret und Werner, Verlassene Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch "Wie wir ticken" mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört. ZUM PODCAST Literaturtipps: Torsten Geiling: Ich will mich trennen, Verlag Goldegg, 2024 Bettina von Kleist: Das Jahr danach. Wenn Paare sich trennen. Ch. Links Verlag, Berlin, 2011 Johanna Müller-Ebert: Trennungskompetenz in allen Lebenslagen: Vom Loslassen, Aufhören und neu anfangen, Kösel Verlag, 2007 Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: O-Ton 1 Bettina von Kleist: Ich weiß, wie es ist, wenn die ganze Haut so brennt und man sich selbst auch nicht aushält. So eine Unruhe, weil alles so unklar ist, ich konnte nur Ruhe in der Bewegung finden. Das war wirklich wie ein Loch! Es ist so ein Aufruhr. Es ist erst mal ein ungeheurer Schmerz, ein Schock, ein Aufschrei. Ich denke, es ist Angst. Mittags mach ich manchmal so zehn Minuten Schlaf, und das hab ich nicht gemacht, weil wenn ich aufwachte, war so ein ganz großes Erschrecken: Ich bin allein in der Wohnung! O-Ton 4 Stephan Potting: Diese traumatischen Trennungen haben auch dramatische Auswirkungen auf das physische und psychische Gleichgewicht, Krankheiten drohen, das Immunsystem wird geschwächt etc. und es sollte wirklich eine Hilfestellung gesucht werden, damit man ein bisschen von dem verarbeiten kann, was da einem widerfahren ist. Sprecher: Eine Trennung kann einer Naturkatastrophe gleichen: zerstörerisch wie ein Erdbeben, überflutend wie ein Tsunami, gewaltig wie ein Orkan. So oder so ähnlich beschreiben Paare diesen tiefen Einschnitt in ihrem Leben. Vor allem dann, wenn ihm viele gemeinsame Jahre vorausgegangen sind. Erzählerin: Die Ehe der Autorin Bettina von Kleist endete nach 25 gemeinsamen Jahren. Ihr Mann wandte sich plötzlich von ihr ab und verkündete, er wolle nun eigene Wege gehen. Bettina von Kleist zog es den Boden unter den Füßen weg. O-Ton 5 Bettina von Kleist: Es reißt alles mit sich. Man überzeichnet den Verlust. O-Ton 6 Bettina von Kleist: Und dann hat sich das gelegt, und dann dachte ich: Es ist genug Boden, um einen Schritt zu machen. Und dann plötzlich hab ich gesehen: Es ist genügend Boden um zwei Schritte zu machen. Sprecher: Es gibt Trennungen, die sind erlösend. Etwa wenn die Beziehung von körperlicher oder seelischer Gewalt geprägt war. Doch wenn Partner nach Jahren oder Jahrzehnten guten gemeinsamen Lebens auseinandergehen – aus welchen Gründen auch immer - brauchen sie viel Zeit, um wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen. Und das, so der systemische Coach Torsten Geiling, gilt für beide Partner: O-Ton 7 Torsten Geiling: Beide müssen eben durch den Trauerprozess durch, und das finde ich auch wichtig, dass der, der geht, trauert, und diese Trauerphasen können mehrere Wochen und Monate dauern und sogar mehrere Jahre. Musik 2 "Twin Decks" - Album: Nordheim Transformed - Komponisten und Ausführende: Deathprod & Biosphere - Länge: 0'27 Erzählerin: Sie war seine ganz große Liebe. Peter lernte seine Frau mit Ende 20 kennen. Sie heirateten, bekamen zwei Söhne und waren 25 Ehejahre lang glücklich. Dann schlich sich irgendwann ein Gefühl notorischer Unzufriedenheit ein. Irgendetwas hatte sich aus dem Staub gemacht. Fast unmerklich. O-Ton 8 Peter: Ich habe einen schweren Beruf gehabt, meine Frau hat diesen Beruf mit mir getragen, meine Frau hat die Familie zu Hause gemacht, und irgendwann sind wir vielleicht müde geworden. Das kann sein. Irgendwann ist es so, dass wir nicht mehr so das Gefühl hatten. Meine damalige Frau hat das Gefühl des Grauens gehabt, und ich hab das Gefühl des Grauens auch gehabt. Musik 2 "Twin Decks" - Album: Nordheim Transformed - Komponisten und Ausführende: Deathprod & Biosphere - Länge: 0'21 Sprecher: Laut einer großen Untersuchung aus dem Jahr 2019 sind die häufigsten Trennungsgründe: Erzählerin: „Ich war unglücklich in der Beziehung“ Sprecher: „Ich hatte keine Gefühle mehr für den Partner oder die Partnerin“ Erzählerin: „Wir haben uns auseinandergelebt“ Sprecher: „Es gibt eine andere“ O-Ton 9 Peter: Ich hatte damals das Bild, dass im Vorgarten plötzlich ne Blume wächst. Ne schöne große Blume, die da überhaupt nicht hingehört. Aber die so wunderschön ist, dass man sie auch nicht ausreißen kann. Das heißt: Ich hab mich verliebt! Peng, bum. Erzählerin: Die Frau, in die sich Peter verliebt hatte, war 26 Jahre jünger als er. Gegen diese frisch entfachten und überwältigenden Gefühle konnte – und wollte - er sich damals nicht wehren. Trotzdem fiel ihm dieses Geständnis seiner Frau gegenüber ungeheuer schwer. Im gemeinsamen Urlaub fasste er sich ein Herz und legte alle Karten auf den Tisch: O-Ton 10 Peter: Wir haben beide geweint. Ich sehe die Szene heute noch wie in einem Kino vor mir. Das war eine Urlaubssituation am Strand einer wunderschönen südfranzösischen Stadt, ich habe den Horizont geguckt, das Meer flimmerte, meine Frau lag neben mir, und dann sind wir anschließend auf die Alpen hochgefahren, und im Nebel an einem Rosenstrauch mit Hagebutten haben wir es noch mal durchgesprochen, es gab viele Tränen, und die mittlerweile schwarz gewordenen Hagebutten von dem Strauch liegen immer noch auf meinem Schreibtisch. Musik 3 "Lofi Opium" - Album: Apr 70 - Künstler: Dictaphone - Länge: 1'11 Sprecher: Torsten Geiling hat einen Trennungsratgeber geschrieben. „Ich will mich trennen“, so der Titel. Aus seiner Beratungspraxis weiß er: Obwohl die Scheidungsquote bei knapp 40 Prozent liegt, fällt es Paaren keinesfalls leicht, sich zu trennen. Der Trennung – egal, wer sie initiiert, geht eine lange Phase des Zögerns voraus. O-Ton 11 Torsten Geiling: Viele sagen dann „ah, ich kann gerade nicht, wir haben schon den Urlaub gebucht, danach hat die Schwiegermutter Geburtstag, dann hat die Tochter Abschlussprüfung …“ und dann sag ich auch immer: „Ich kann ja auch sagen: Ich krieg’s gerade noch nicht hin zu gehen, also probiere ich noch mal eine Paartherapie“, und wenn ich feststelle: Die allerletzte Chance Paartherapie hat auch nicht funktioniert, dann geh ich halt erst dann. Sprecher: Bleiben oder gehen? Das ist immer die zentrale Frage, wenn es kriselt. Erzählerin: Peter zögerte: Sollte er wirklich seine Ehefrau, mit der er zwei Söhne hatte, wegen einer Jüngeren verlassen? War es nur die typische Midlife-Crisis? Oder wirklich was Ernstes? Um das zu klären, suchten er und seine Frau einen Paartherapeuten auf: O-Ton 12 Peter: Wir wollten einen Weg finden, zusammen zu sein. Zusammen zu bleiben. Wir hatten uns das ja vorgenommen. Und ich erinnere mich noch, wie wir da auf einem Platz einer nordrhein-westfälischen Großstadt waren, und wir warteten auf den Beginn des Termins und guckten uns ein bisschen fragend an, und ich dachte, ich bin in nem schlechten Film, das kann doch nicht sein! Die Bilanz war, dass der Therapeut gesagt hat, er macht das seit einem Viertel Jahrhundert und er sagt uns etwas, was er weniger als fünf Mal in seinem Therapeuten-Dasein gesagt hat, nämlich er meint, wir müssen uns trennen. Musik 4 "Twin Decks" - Album: Nordheim Transformed - Komponisten und Ausführende: Deathprod & Biosphere - Länge: 0'27 Sprecher: Paare, da sind sich viele Expertinnen und Experten einig, trennen sich nicht aufgrund ihrer Verschiedenartigkeit, ihrer unterschiedlichen Vorstellungen. Sie trennen sich, weil sie unfähig sind, sich darüber wirklich auszutauschen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, so der Familien- und Paartherapeut Stephan Potting: O-Ton 13 Stephan Potting: Es sind eher Geschichten von einer Unfähigkeit, sich auf ein gemeinsames Thema zu einigen, die Unfähigkeit, sich einander geduldig zuzuhören, auch die Sorgen und Nöte anzuhören, man denkt ja immer, einer von den beiden wäre das Opfer und der andere der Täter, aber in Wahrheit ist es für beide ne Katastrophe. Musik 5 "Twin Decks" - Album: Nordheim Transformed - Komponisten und Ausführende: Deathprod & Biosphere - Länge: 0'26 Sprecher: Sprachlosigkeit. Fehlende Kommunikation. Gemeinsam einsam. Das sind häufig die Zutaten, aus denen späte Trennungen werden. In der Gewohnheit langer Beziehungen gibt es immer weniger Anstöße zum Austausch. Fast immer fehlt der Mut zur Konfrontation, zur Wahrhaftigkeit, so der Familientherapeut Stephan Potting: O-Ton 14 Stephan Potting: Wenn man das dem anderen mitteilt und sagt „Hör mal zu, mein Lieber, es ist mir einfach langweilig mit dir! Und ich hab mir unter Partnerschaft was anderes vorgestellt“, dann wird’s doch erst spannend! Dann kann man doch erst anfangen, darüber nachzudenken, was der Eine und der Andere sich denn über Partnerschaft ausgedacht hat und davon erwartet und was er sich wünscht. Das sind ja alles Fragen, die man miteinander abstimmen muss! O-Ton 15 Torsten Geiling: Wir lernen eigentlich nicht in der Beziehung wirklich offen miteinander zu sprechen. Manche können das ganz gut, die können dann relativ lange zusammenbleiben, bei anderen versiegt dieser Kommunikationsstrom relativ bald und das ist auch ein Ratschlag, den ich meinen Klientinnen und Klienten immer wieder gebe: Je eher wir über unsere Wünsche, Sehnsüchte und Grenzen sprechen, umso erfolgversprechender ist auch die Beziehung, die wir führen können. Das ist manchmal schmerzhaft, aber das ist für mich ein Weg in eine erfolgreiche Beziehung. Erzählerin: Peter entschied sich nach Jahren des inneren Kampfes für die junge Frau. Und wurde noch einmal Vater. Für ihn hat ein komplett neues Leben begonnen. Seine erste Frau blieb allein zurück. Musik 6 "Blurred" - Album: Bill Ryan: Towards Daybreak - Ausführender: Billband - Komponist: Bill Ryan - Länge: 0'47 Erzählerin: Die Autorin Bettina von Kleist, die nach 25 gemeinsamen Ehejahren von ihrem Mann verlassen wurde, hat den tiefen Schmerz darüber in einem Buch verarbeitet. Sie führte zahlreiche Gespräche mit Verlassenden und Verlassenen. Und fand einige Gemeinsamkeiten: O-Ton 16 Bettina von Kleist: Besonders Männer trennen sich selten, ohne jemanden im Hintergrund zu haben. Sei es auch nur ein Übergangsobjekt oder irgendeine Liebschaft. Da sind Frauen mutiger. Die trennen sich auch, wenn keiner da ist. O-Ton 17 Bettina Von Kleist: Frauen verlassen oft, weil sie sagen, sie fühlen sich nicht wahrgenommen, (…) viele Frauen (...) verlassen Männer, weil sie das Gefühl hatten, sie konnten sich nicht entwickeln, sie waren nur noch Inventar, also die Frau an seiner Seite. Erzählerin: Es ist Dienstagabend. Treffen einer Trennungs-Selbsthilfegruppe. Hier finden sich naturgemäß nicht die Verlassenden wieder, sondern die Verlassenen. Gemeinsam haben sie, dass die Trennung einfach so über sie hereingebrochen ist. Ganz plötzlich. Ohne Ankündigung. Für Werner war der Tag der Trennung der tiefste Einschnitt in seinem Leben. Der 53jährige kehrte aus einem kurzen Bildungsurlaub zurück, freute sich auf zuhause, wollte Frau und Tochter begrüßen …. O-Ton 18 Werner Ich bin nach Hause gekommen und kam in ein leeres Haus, es lag meine Post ungeöffnet da, und obendrauf lag ein Brief „Ich lass mich jetzt scheiden, bitte das und das Geld überweisen, bis dann und dann“ und fertig. Erzählerin: Werner war wie vom Schlag getroffen. Davon, dass in seiner Ehe irgendwas schiefgelaufen sei, davon habe er all die Jahre nichts mitbekommen: O-Ton 19 Werner: Nein, gar nichts. Gar nichts. Mir ging’s ja gut, Mir ging’s ja gut zu dem Zeitpunkt. Ich hab essen gekriegt, Wäsche war gemacht, arbeiten gewesen, wir hatten ja dementsprechend genug. Erzählerin: Nur Gemeinsamkeiten, die gab es nicht, schon lange nicht mehr. Sie machte ihr Ding, er seins, man begegnete sich ab und zu im gemeinsamen Haus. Ansonsten lebten sie auf verschiedenen Etagen. Gespräche gab es so gut wie keine. O-Ton 20 Torsten Geiling: Die Frage ist, ob man es sehen möchte und ob man es hören möchte und ob man es fühlen möchte, dass die Beziehung nicht mehr in Ordnung ist. Auch das erlebe ich immer wieder, dass der Partner oder die Partnerin das einfach wegdrückt. Und das Gespräch wird einfach nicht geführt. Weil man die Augen zumacht. Weil man denkt: Der Partner ist da, und alles andere brauch ich nicht. Aber der kann genauso schnell dann weg sein. O-Ton 21 Werner: Z.B. Sparbücher, 16.000 Euro - weg. Sie hat die Konten auf null gefahren bis zu dem Zeitpunkt, Feierabend. Geld ist weg! Erzählerin: Frau weg, Tochter weg, ein ganzes Leben: weg! Werner blickte auf einen Trümmerhaufen und fiel in ein tiefes Loch. Sein bester Freund war ein Kasten Bier. O-Ton 22 Werner: Man ist nicht rausgegangen, man hat sich abgekapselt, man hat zu nichts mehr Bock gehabt. Dann muss man irgendwie sehen, dass man da rauskommt! Und wenn man das nicht schafft, dann muss man sich Hilfe holen. Sprecher: Die Folgen nach Trennungen sind oft dramatisch: Isolation, schwere Schlafstörungen, Depressionen, innere Unruhe bis hin zu Alkoholexzessen. Erzählerin: Als Werner auch nach Monaten nicht allein aus dem Tief herauskam, fand er Hilfe in einer psychosomatischen Klinik. Sprecher: Das zeigt, wie folgenschwer und tiefgehend eine Trennung sein kann. Erzählerin: Trotzdem plädiert Coach und Autor Tosten Geiling dafür, nicht allein denjenigen, der geht, zum Sündenbock zu erklären. Denn zum Scheitern einer Beziehung gehören immer zwei: O-Ton 23 Torsten Geiling Es wirkt immer so, als wenn derjenige, der geht, der Aktive ist. Das ist er in dem Moment auch. Aber man weiß natürlich nicht im Rückblick, wie sehr derjenige schon in der Beziehung davor gelitten hat und ausgehalten hat. Wenn einer fremdgeht, ist es die Verantwortung von einem, aber wenn eine Beziehung nicht gelingt, da gehören immer zwei dazu, deswegen sollte die, die gehen, im Blick der Öffentlichkeit nicht immer als negativ angesehen werden, da kommt natürlich auch häufig dazu, dass diejenigen, die bleiben, ihre Geschichte erzählen und über den anderen schimpfen und sagen, wie schlecht es ihnen geht, und die, die gehen, ziehen sich meistens zurück und erzählen nicht so viel über das Ganze, und deswegen rutscht dann der Blickwinkel meistens so ein bisschen in den Schatten hinein. Musik 7 "Spindrift" - Album: Shenzou - Komponist: Ausführender: Biosphere - Länge: 1'23 O-Ton 24 Margret: Mein Mann hat mir dann auch noch nen Brief geschrieben, einen Liebesbrief, dass er mit mir alt werden möchte und schöne Reisen noch machen möchte und drei Monate später hat er dann gesagt: er trennt sich Weihnachten. Erzählerin: Margret heißt eigentlich anders. Auch sie findet in der Selbsthilfegruppe ein bisschen Trost. Ihre Stimme bebt immer noch ein wenig, wenn sie an den Tag denkt, an dem ihr Mann ihr eröffnete, er wolle die Ehe beenden. Nach 45 gemeinsamen Jahren. O-Ton 25 Margret: Und da hab ich gesagt warum? Kein Ton. Er hat nichts gesagt. Es war ein Schweigen. Er hat dann nur noch gesagt „such dir ne Wohnung, ich hab schon eine, und die Wohnung wird verkauft“ Geredet? Nein. Nicht geredet. Erzählerin: Als Margret ihren Mann heiratete war sie 21. Er war ihre erste große Liebe. Sie bekamen vier Kinder. Er brachte das Geld nach Hause, sie kümmerte sich um Haushalt und Familie. Fünf Jahre noch, dann hätten sie Goldene Hochzeit gefeiert. O-Ton 26 Margret: Alles! Alles hat er weggeworfen. Das Verhältnis zu seinen Kindern, und ich war wie geschockt, wie gelähmt. Ich hab alles so hingenommen. Mein Mann hat nicht mehr geredet! Und ich bin allein zwischen Weihnachten und Silvester … ich bin nur durch die Gegend gelaufen, ja, ich war ganz traurig. O-Ton 27 Bettina von Kleist Also fast alle Frauen beklagen, dass es kein klärendes Gespräch gab. Sie sagen: Warum gab es keine Ankündigung, warum keine Klärung? Musik 8 "Twin Decks" - Album: Nordheim Transformed - Komponisten und Ausführende: Deathprod & Biosphere - Länge: 0'20 O-Ton 28 Bettina von Kleist Das sagten übrigens viele Frauen, das ist ganz erstaunlich: „Es wäre leichter gewesen, wenn er gestorben wäre“, weil sie hätten dann nicht diese Liebe revidieren müssen, es wäre ihnen nicht so viel Scheußliches widerfahren und sie hätten ihr Selbstbild nicht revidieren müssen. Den Satz hab ich von Männern nicht gehört. Erzählerin: Es gab Phasen, da fühlte sich Margret unglaublich einsam: Verlassen von ihrem Mann, verlassen von ihrer gesamten Verwandtschaft, verlassen von ehemals gemeinsamen Freunden. O-Ton 29 Margret: Ich höre auch nichts. Es ruft auch keiner an „wie geht’s dir?“ und die Bekannten rufen sporadisch mal an. Die haben sich anders orientiert: Nur noch wo Pärchen sind. Also als alleinstehende Frau sind Sie ja nicht mehr willkommen! Erzählerin: Dass auch ihre alten Freunde sich aus dem Staub machen, ist eine doppelte Kränkung. Margret musste ihr ganzes Leben nun noch mal komplett neu sortieren. Das funktioniert erst ganz allmählich. Sprecher: Es trennen sich oft nicht nur zwei Menschen, sondern auch zwei Leben mit allem, was dazu gehört: Kinder, Freunde, Haus, Kredit. Aber auch Träume und Hoffnungen. Das auseinander zu dividieren, braucht Zeit. Musik 9 "Lofi Opium" - Album: Apr 70 - Künstler: Dictaphone - Länge: 1'04 Sprecher: Wenn Trennungen Menschen einerseits so sehr aus der Bahn werfen können, aber andererseits so normal sind und zu jedem Leben dazugehören: Was kann man tun, um besser damit klarzukommen? Gibt es eine Art Prävention gegen den Absturz? Erzählerin: In gewissem Maße ja, meint Johanna Müller-Ebert. Die promovierte Diplom-Psychologin sagt: sich trennen kann man lernen. Und zwar in jedem Lebensbereich. Diese Fähigkeit nennt sie „Trennungskompetenz“: O-Ton 30 Johanna Müller-Ebert: Mit der Trennungskompetenz, wie ich das nenne, also mit dem Lernen von Trennung in kleinen Schritten, die kleinen Dinge des Loslassens im Alltag: die mit mehr Aufmerksamkeit zu betrachten und dann zu sehen: Genauso wie man mit den kleinen Dingen umgeht auch mit den großen Dingen umgeht. Erzählerin: Wer Trennungskompetenz besitzt, ist eher gewappnet, mit dem Auf und Ab, dem Hin und Her und dem ewigen Wechselspiel aus Anfang und Ende umzugehen. O-Ton 31 Johanna Müller-Ebert: Wer sich nicht bindet, kann sich nicht trennen. Und wer sich nicht trennt, kann sich nicht wieder neu binden. Und wir kriegen nicht beigebracht, dass trennen genauso wichtig ist. Sprecher: Aus Angst vor Trennungen verharren Menschen dort, wo es ihnen schon lange nicht mehr gut geht: in lieblosen und leeren Beziehungen. Einfach weil sie den Absprung nicht schaffen. Erzählerin: Beginnen sollte das Trennungs-Training, so die Psychologin, am besten bereits in guten Zeiten. Idealerweise in alltäglichen Lebensbereichen. Also dort, wo das Herz nicht allzu sehr beteiligt ist. O-Ton 32 Johanna Müller-Ebert: Viele unserer Verhaltensweisen sind Gewohnheiten. Weil wir nichts Neues kennen. Und wir gewöhnen uns so dran, dass wir uns stumpf machen für Platz. Wenn Sie Zeitungen horten, alte Bücher horten, die Sie nicht lesen, ist Ihr Raum verstaubt und zu. Und in dem Moment, wo man anfängt, das zu entrümpeln, kommt ein unglaublicher Energieschub. (…) Also dieses Raum-Schaffen gilt dann auch für seelische Räume. Erzählerin: Das kleine Abschiedstraining sei eine Vorbereitung für die großen Abschiede. Doch Johanna Müller-Ebert gibt zu: Es hilft vor allem dann, wenn man selbstbestimmt entscheiden kann, von wem oder was man sich trennt. Es funktioniert nur bedingt, wenn das Schicksal erbarmungslos zuschlägt. O-Ton 33 Johanna Müller-Ebert: Meine Beobachtung ist, dass viele kleine Trennungen die ganz großen Katastrophen mildern. In jedem Trennen ist Trennungsangst enthalten. Entweder Angst, etwas verlassen zu müssen oder verlassen zu werden oder es ist Angst vor dem Neuen. Und möglicherweise auch, was häufig übergangen wird, die Angst vor der Leere. Musik 10 "Never alone" - Album: Gimme Shelter - Komponist: Ólafur Arnalds - Länge: 0'35 Sprecher: Bei allem Schmerz auf beiden Seiten: Trennungen können auch ein Segen sein. Sie können ganz neue Türen öffnen, den Partnern noch einmal ganz neue Erlebnisse bescheren – vielleicht solche, die in den verkrusteten Strukturen einer langjährigen Ehe niemals möglich gewesen wären. Erzählerin: Peter, der späte Vater, ist heute mit seiner damaligen Geliebten verheiratet. Doch bei allem Glück gibt er offen zu, dass auch seine Ex-Frau einen ganz festen Platz in seinem Herzen hat. In seinem Arbeitszimmer hat er ein "Denkmal" für seine erste Ehe: O-Ton 34 Peter: Ich habe in einem kleinen Rahmen eine kleine Skulptur aus Edelmetall, das sieht aus wie ein Burgturm, wo zwei Figuren sind, die nicht zueinander können. Und da drüber ist als Sonne mein alter Ehering. Das ist das Denkmal meiner ersten Ehe. Sprecher: Dem Vergangenen einen guten, würdigen Platz im Leben geben. Wenn das gelingt, weicht der einstige Schmerz vielleicht irgendwann der Dankbarkeit. Erzählerin: Bis dahin, so Familientherapeut Stephan Potting, ist es oft ein langer Weg. O-Ton 35 Stephan Potting: Man hat diesen Menschen sehr geliebt und groß und intensiv geliebt, und jetzt ist die Liebe vorbei und die Traurigkeit nimmt erst mal Platz. Und man muss sich in dieser Traurigkeit erst mal hineinbegeben und sie nicht einfach beiseitelegen. Auch die Wut nimmt Platz, auch die Verzweiflung nimmt Platz. Auch das Akzeptieren kommt irgendwann. Es gibt einfach verschiedene Phasen, die durchlebt werden und die die Möglichkeit bieten, dass man weiterleben kann. Musik 11 "Spindrift" - Album: Shenzou - Komponist: Ausführender: Biosphere - Länge: 0'41 O-Ton 36 Bettina von Kleist: Dass man so sagt, man macht Schluss, das stimmt nicht. Ich hab festgestellt, dass man den anderen fast zeitlebens in sich hat. Der ist wie eingeritzt. Eingebrannt in die Seele. O-Ton 37 Bettina von Kleist: Bis so ne Liebe aus dem Körper geht und aus der Seele – es dauert endlos lange! O-Ton 38 Bettina von Kleist Und es bleibt immer ein Rest. Ich liebe vielleicht meinen geschiedenen Mann nicht mehr, aber da bleibt so etwas Unzerstörbares, darum träum ich auch von ihm – in eigentlich guter Form, ich denke, das, was schön war, ist nicht getrübt durch das, was danach kam.

  2. Hauskatze mit Nebenwirkungen - Alles Natur

    08.08.2024 · 37 Min.

    Katzen tun den Menschen gut, allein ihre Anwesenheit kann beruhigend wirken. Beim Streicheln sinkt der Blutdruck und sie beim Spiel zu beobachten, soll glücklich machen. Doch das beliebteste Haustier Deutschlands ist auch ein äußerst geschickter Jäger, der maßgeblich zum Artensterben bei Vögeln beiträgt. Iska Schreglmann im Gespräch mit dem Biologen Thassilo Franke. (BR 2024) Autorin dieser Folge: Iska Schreglmann Es sprachen: Iska Schreglmann im Gespräch mit Dr. Thassilo Franke Redaktion: Bernhard Kastner Im Interview: Dr. Thassilo Franke, Biologe am BIOTOPIA Lab in München Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Tiere im Winter – Alles Natur JETZT ANHÖREN Schwarz, schwärzer, am schwärzesten - Die Farbe Schwarz im Tierreich JETZT ANHÖREN Tiere verstehen? - Zwischen Deutung und Forschung JETZT ANHÖREN Mensch und Hund - Eine Erfolgsgeschichte JETZT ANHÖREN Podcasttipp zu Raubkatzen: "Tierisch! – Entdeckungsreise in die wilde Welt der Tiere" - Der erste lustig-leichte, zoologischen Plauderpodcast mit bodenlos wissenschaftlicher Tiefe. Moderiert von Lydia Möcklinghoff und Dr. Frauke Fischer, zwei wildnisverrückten Abenteurerinnen und studierten Zoologinnen. Sie berichten in einer Folge auch über ihre Forschungsabenteuer, die sie bei Großkatzenprojekten in Afrika und Brasilien entdeckt haben: EXTERNER LINK | https://weltwach.de/tierisch/ Linktipps: Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Podcast-Ansage: Katzen gelten als eigenständig, neugierig, verspielt und anschmiegsam. Doch so niedlich und sanftmütig sie auch wirken: Katzen sind geschickte Raubtiere, die in der freien Natur nach Vögeln, Eidechsen und Insekten jagen - und so auch schon zum Aussterben verschiedener Tierarten beigetragen haben. Sollten Katzen also besser im Haus bleiben? Ein kontrovers diskutiertes Thema, über das sich Iska Schreglmann mit dem Biologen Dr. Thassilo Franke von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns unterhalten hat: Dr. Thassilo Franke Nun, Die Katze ist der Inbegriff eines formvollendeten Raubtiers. Man schätzt, dass es ungefähr 600 Millionen Katzen auf der Welt gibt. Eine Katze namens Tibbles hat eine ganze Vogelart auf ihrem Gewissen. Sprecherin Alles Natur! Dr. Thassilo Franke Hauskatze mit Nebenwirkungen. Iska Schreglmann Der Biologe Thassilo Franke und ich sind heute zum Interview bei mir zu Hause und der Gegenstand unseres Gesprächs läuft hier auf vier Pfoten vor uns herum. Das ist unser Kater Lucky. Ja, jetzt lasse ich sie, Herr Dr. Franke, ihn gleich mal beschreiben – sie als Biologe. Ich meine, ich sehe ihn jeden Tag. Dr. Thassilo Franke Jetzt läuft er genau hier unterm Tisch durch, da muss ich mal ein bisschen zurück. Oh, das ist wirklich eine schöne Katze. Also richtig Rabenschwarz. Genau die Katze, die einem eigentlich nicht über den Weg laufen sollte, nach der alten Legende. Iska Schreglmann Da glaubt man natürlich längst nicht mehr dran. Dr. Thassilo Franke Mit leuchtend gelben Augen, ein wunderschönes, vitales, gesundes Tier. Iska Schreglmann Das stimmt. Und Lucky ist jetzt – da muss ich mal kurz rechnen - vier Jahre alt, es sind viereinhalb sogar, und wir haben Lucky vor ein paar Jahren adoptiert. Der hat eine schlimme Geschichte hinter sich, weil er ist nämlich ausgesetzt worden, hieß es, an der Autobahn Raststätte. Irgendwo auf einem Weg in einer verschlossenen Kiste, also ganz schrecklich. Ein kleines Kind ist aufmerksam geworden, weil die Kiste sich bewegt hat und hat zur Mutter offenbar, so wurde es uns erzählt, gesagt, da ist irgendetwas drin. Und dann haben sie ihn gefunden. Dr. Thassilo Franke Also sein Leben begann schon mit einem richtigen Trauma eigentlich. Ein Trauma, das man so vom Hörensagen kennt, dass häufig Katzen auf die Art und Weise ausgesetzt werden und wahrscheinlich auch viele eben nicht gefunden werden und dann verenden. Iska Schreglmann Vor allen Dingen in Schwarze habe ich gelesen. Das sagen ja auch immer die Tierheime. Das, was sie vorhin schon angedeutet haben, dieser Aberglaube, das schwarze Katzen halt kein Glück bringen und deswegen möchten die Leute sie loswerden offenbar. Dr. Thassilo Franke Aber eigentlich ist es ja eine tolle Sache, eine schwarze Katze zu haben. Man nennt so etwas eine melanistische Form, also melanistisch. Melanin ist ja der Farbstoff, der die Haare dunkel macht, auch unsere, wir haben den gleichen Farbstoff, der zum Beispiel auch den berühmten schwarzen Panther schwarz macht. Und vielleicht kann ich mit der Geschichte gleich anfangen, weil ich das unheimlich faszinierend finde. Bei unseren Hauskatzen ist dieses Gen, was dafür verantwortlich ist, rezessiv. Das heißt, alle Nachkommen, die er mit einer gestreiften Katze zeugen würde, deren Eltern beide auch gestreift waren, sind automatisch auch wieder gestreift oder zumindest nicht schwarz. Wenn wir aber zum Beispiel den schwarzen Jaguar anschauen in Südamerika, das ist eine melanistische Form des Jaguars, also eine Großkatze. Da ist es umgekehrt. Da ist das Gen, das für die schwarze Farbe verantwortlich ist, dominant, das heißt ein schwarzer Jaguar-Kater zeugt, auch wenn er sich mit einer gefleckten Jaguar-Dame paart, dann ausschließlich schwarze Jaguar-Kinder. Iska Schreglmann So, und das war jetzt ihr Plädoyer für die schwarzen Tiere, weil es etwas Besonderes ist. Dr. Thassilo Franke Ja, sie sind etwas Besonderes. Man sollte sie eigentlich bewundern und keine Angst vor ihnen haben. Iska Schreglmann Nun weiß ich, dass Sie im Gegensatz zu mir kein Katzenliebhaber per se sind. Zumindest haben sie keine Katze zu Hause. Können Sie die Begeisterung trotzdem nachvollziehen? Weil die Katze ist ja das beliebteste Haustier in Deutschland, über 15 Millionen Tiere. Dr. Thassilo Franke Doch, also, ich würde mich eigentlich schon als Katzenliebhaber definieren, also ich mag Katzen. Ich bewunderte Katzen. Ich finde, die Katze ist eigentlich die evolutive Vollendung eines Raubtiers. „The good as it gets“ würde man sagen - es geht eigentlich nicht besser. Und der Bauplan, allein schon die Erfolgsgeschichte… Seit 20 Millionen Jahren ist dieser Bauplan weitgehend unverändert vorhanden, und zwar in allen Größen. Das müssen Sie sich mal vorstellen. Also in Indien gibt es zum Beispiel die Rostkatze, die so um die zwei Kilo wiegt, eine der kleinsten Wildkatzen überhaupt. Und in Nordostasien, da streift der Sibirische Tiger durch die Wälder, der dann 200 oder noch mehr Kilo auf die Waage bringt. Die Hauskatze liegt natürlich eher Richtung Rostkatze. Aber der Bauplan von den ganz kleinen, den Kleinkatzen, und der der Großkatzen ist eigentlich genau der gleiche. Es gibt nur wenige Ausreißer. Der Gepard passt nicht so in dieses Schema rein. Es gibt zwei Katzenarten, die sich auf Fische spezialisiert haben, als Nahrung. Die haben zum Beispiel auch ein ganz anderes Gebiss. Die fallen ein bisschen aus dem Rahmen und einige baumbewohnende Arten. Aber ansonsten, haben fast alle Katzen, egal, wie groß sie sind, dieses gleiche Erfolgsrezept Katze in ihrem Körper und das ist einfach einzigartig. Und immer, wenn ich so eine Katze sehe, fasziniert mich das auch, muss ich sagen. Iska Schreglmann Mich auch. Und wenn Sie jetzt schon von den Großkatzen erzählen, dann möchte ich etwas machen, was für unseren Podcast eigentlich ziemlich ungewöhnlich ist, nämlich erst einmal auf einen anderen, interessanten Podcast hinweisen. Wer sich nämlich von ihnen für die großen Raubkatzen interessiert, sollte sich mal die neue Folge des Podcasts „Tierisch! - Entdeckungsreise in die wilde Welt der Tiere“ anhören. Da erzählen nämlich zwei waschechte Zoologinnen, Lydia Möcklinghoff und Frauke Fischer, erstaunliche Fakten über diese großen, gefleckten oder auch gestreiften Raubkatzen und die beiden nehmen uns sogar mit zu ihren Forschungsabenteuern, die sie bei Großkatzen-Projekten in Afrika und Brasilien erlebt haben. Wir sagen, sehr spannend und absolut hörenswert. „Tierisch! - Entdeckungsreise in die wilde Welt der Tiere“ gibt es überall, wo es Podcasts gibt, genauso wie es von radioWissen „Alles Natur!“ gibt - überall, wo es Podcasts gibt. Jetzt kehren wir aber trotzdem mal wieder zurück, von den Großkatzen zu den Kleinkatzen. Da gehört ja auch die Hauskatze dazu, weil unser Kater Lucky, der streift schon die ganze Zeit um unsere Beine rum. Der hat tierisch Hunger. Jetzt ist einfach Fressenszeit, und ich würde Ihnen mal zeigen, wie wir das hier so zuhause machen. Das ist ja auch immer eine Glaubens-Frage unter Katzenfans. Was wird gefüttert, wie viel und wann. Da könnte man eine eigene Sendung dazu machen. Dr. Thassilo Franke Da bin ich mal gespannt. Iska Schreglmann Also, hier ist der Schrank, wo er genau weiß, da befindet sich das Katzenfutter drin. Wir haben hier so Breutel zum Beispiel. Ja, komm Lucky, komm. Die liebt er. Ich weiß jetzt allerdings nicht, ob das das beste Futter ist. Weil dazu haben wir noch keine Bewertung gefunden. Bei den anderen haben wir Bewertungen gefunden. Aber wir achten schon darauf, dass nicht so viele Zusatzstoffe da mit drin sind und das hauptsächlich Fleisch enthalten ist. Dr. Thassilo Franke Das riecht auch schon schön nach Cornedbeef. Iska Schreglmann Also hier steht jetzt mit Huhn. Aber was völlig verrückt ist, wo ich jedesmal schmunzeln muss, hier steht drauf „mit natürlichen Fleischstückchen“. Was soll es denn sonst sein? Fleisch aus dem Labor oder wie? Ich mach da immer so ein bisschen Wasser mit drauf, weil die Tierärztin hat uns gesagt, das ist gut, um Nierenschäden vorzubeugen. Und unser Kater, der trinkt auch nicht so gerne. Wenn ich aber sein Lieblingsessen mit ein bisschen lauwarmem Wasser vermische, dann kriegt er das quasi so als Art Eintopf - nenne ich es mal. Dann kriegt er gleich Wasser mit dazu.

  3. Reichsstadt Augsburg - Geschichte eines Aufstiegs

    08.08.2024 · 25 Min.

    Reichsstadt, Handelsmacht, Weltstadt! Vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit war Augsburg ein politisches, wirtschaftliches und geistliches Zentrum des alten Reiches. Wie konnten Macht und Reichtum am Lech so strahlend erblühen - und wieder vergehen? Von Michael Zametzer (BR 2023) Credits Autor dieser Folge: Michael Zametzer Regie: Martin Trauner Es sprachen: Julia Fischer, Jerzy May Technik: Tim Höfer Redaktion: Thomas Morawetz Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Im Interview: Dr. Christof Paulus, Haus der Bayerischen Geschichte Wenn Sie noch mehr über die berühmte Fuggerei hören wollen, empfehlen wir diese hörenswerte Folge von radioWissen: Die Fuggerei in Augsburg - Die älteste Sozialsiedlung der Welt JETZT ANHÖREN Linktipps: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks. DAS KALENDERBLATT Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks. EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Literaturtipp: Christoph Paulus, Bayerns Zeiten. Eine kulturgeschichtliche Ausleuchtung, Pustet Verlag 2021 Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Umbruch - Der Tech-Podcast von BR24 "Umbruch" ist ein Blick in die Glaskugel der digitalen Zukunft. Christian Sachsinger und Christian Schiffer erklären hier technologische Entwicklungen mit ihren Chancen und Risiken - und zwar so, dass es wirklich alle verstehen. ZUM PODCAST Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN

  4. Die Magie der Steine - Mineralien in Kult und Mythologie

    07.08.2024 · 22 Min.

    Mineralien und Steine gehören zu den ältesten Rohstoffen, die sich der Mensch nutzbar gemacht hat. Beim Einsatz für kultische Zwecke spielt die Form der Steine ebenso eine Rolle wie ihre Farbe und die Beschaffenheit. Von Carola Zinner (BR 2019) Credits Autorin dieser Folge: Carola Zinner Regie: RAiner Schaller Redaktion: Bernhard Kastner Im Interview: Dr. Melanie Kaliwoda, Mineralogische Staatssammlung in München; Dr. Ingveld Richardson, Historikerin Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. DAS KALENDERBLATT Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER.

  5. Kunst und Profit - Wie der Kunstmarkt funktioniert

    06.08.2024 · 24 Min.

    Der Kunstmarkt ist vielen Menschen ein Rätsel: Wer bestimmt den Preis eines Kunstwerks? Wie kommt es zu den regelmäßigen Rekordergebnissen auf Auktionen? Und was macht eigentlich ein Galerist? Julie Metzdorf über die Mechanismen des Kunstmarkts. Von Julie Metzdorf (BR 2022) Credits: Autorin dieser Folge: Julie Metzdorf Regie: Irene Schuck Es sprach: Andreas Neumann Technik: Robin Auld Redaktion: Nicole Ruchlak Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Hier gibt es eine weitere spannende Folge von radioWissen: Andy Warhol - Pop oder Art Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN

  6. Wildtiere erobern die Großstadt - Waschbär, Fuchs und Fledermaus

    01.08.2024 · 23 Min.

    Immer mehr Wildtiere ziehen in die Stadt. Die Menschen betrachten ihre neuen Nachbarn teils mit Freude, teils mit Sorge. Manche Tiere siedeln fast unbemerkt, andere hinterlassen deutliche Spuren. Von Christiane Neukirch (BR 2020)

  7. Koscher und Halal - Speisevorschriften in Judentum und Islam

    01.08.2024 · 23 Min.

    "Koscher" und "halal" - viele kennen diese Begriffe, ohne allerdings zu wissen, dass sie weit über "reine" und damit "erlaubte" Lebensmittel hinausgehen. Sie bilden ein zwingendes Ordnungssystem, das sowohl identitätsstiftend ist für die Menschen der eigenen Religion, als auch abgrenzend zu den anderen. Von Johannes Marchl (BR 2022) Credits: Autor dieser Folge: Johannes Marchl Regie: Martin Trauner Es sprachen: Thomas Birnstiel, Irina Wanka, Friedrich Schloffer Technik: Christiane Gerheuser Kamp Redaktion: Bernhard Kastner Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. radioWissen hat noch weitere interessante Folgen zum Thema: Esskultur 1945 bis heute - Vom Jägerschnitzel zu Sushi JETZT ANHÖREN Gastrosophie - Eine Philosophie des Essens JETZT ANHÖREN Göttlich gut? Essen in den Religionen JETZT ANHÖREN Superfood – Gar nicht super! JETZT ANHÖREN Literaturtipp: Koscher &Co. Über Essen und Religion, Nicolai Verlag im Auftrag des Jüdischen Museums Berlin Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN

  8. Warum treiben Menschen Sport? - Eine Erfolgsgeschichte

    31.07.2024 · 23 Min.

    Die meisten deutschen Breitensportler haben vor allem ein Ziel: fit und gesund bleiben. Anders in früheren Zeiten, als Erziehung und Disziplin wichtig waren - und sich nur der Adel sportlich amüsieren durfte. Autor: Erich Wartusch (BR 2020) Credits Autor dieser Folge: Erich Wartusch Regie: Martin Trauner Es sprachen: Rahel Comtesse, Friedrich Schloffer Technik: Regine Elbers Redaktion: Iska Schreglmann Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Ernährung für Sportler - Was sollen Athleten essen? JETZT ANHÖREN Yoga - Denken mit dem Körper JETZT ANHÖREN Diagnose Sitzen - Krank durch mangelnde Bewegung JETZT ANHÖREN Das Wandern - Vom Zwang zum Luxus JETZT ANHÖREN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN

  9. Man Ray - Künstler und Fotograf

    31.07.2024 · 22 Min.

    Man Ray verlieh der Fotografie den Status ernstzunehmender Kunst. Seine Bilder wurden Ikonen der Fotografie: Seien es seine Künstler-Fotoporträts oder seine Aufnahmen ohne Kamera: die Rayografien. Bis heute gibt es wohl keinen Fotografen, der dem Lichtbild so viele Impulse gegeben hat, wie er. Von Frank Halbach (BR 2022) Credits: Autor und Regisseur dieser Folge: Frank Halbach Es sprachen: Irina Wanka, Christian Baumann, Thomas Albus Technik: Susanne Herzig Redaktion: Andrea Bräu Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Hier gibt es eine weitere hörenswerte Folge von radioWissen: Claude Cahun - Androgyne Selbstinszenierung JETZT ANHÖREN Literaturtipps: Ingried Brugger / Lisa Ortner-Kreil (Hgg.): Man Ray. Kehrer Heidelberg, Berlin 2018. Arthur Lubow: Man Ray: the artist and his shadows. Yale University Press, New Haven 2021. Man Ray: Selbstporträt / eine illustrierte Autobiographie. Aus dem Amerikanischen übertragen von Reinhard Kaiser. Schirmer/Mosel, München 1983. Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. DAS KALENDERBLATT

  10. Männerfreunde - Durch dick und dünn

    30.07.2024 · 23 Min.

    Mittlerweile soll es auch unter Männern "beste Freunde" geben, die sich bei einem Bier über Sorgen, Nöte und andere Intimitäten austauschen. Vermutlich handelt es sich noch um Ausnahmen von der Regel. Autorin: Justina Schreiber (BR 2014)

  11. Selbstliebe - Wie kann man mit sich selbst befreundet sein

    30.07.2024 · 22 Min.

    Freundschaft plus Selbst gleich Selbstfreundschaft? Die Beziehung zwischen beiden gelingt nicht einfach durch Addition. In Freude und Konflikt, in Nähe und Not: gerade mit sich selbst will Freundschaft gelernt und gepflegt werden. Von Frank Schüre (BR 2020) Credits Autor dieser Folge: Frank Schüre Regie: Martin Trauner Es sprach: Irina Wanka Technik: Robin Auld Redaktion: Bernhard Kastner Interviewpartner dieser Folge: Wilhelm Schmid, Philosoph, Berlin Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Der Egoismus - Das Zukunftsmodell? JETZT ANHÖREN Starke Bindung? - Der Anfang von Beziehung JETZT ANHÖREN Symbiose und Autonomie - Zwei Pole in Beziehungen JETZT ANHÖREN Beste Freundinnen - Was Frauenfreundschaften ausmacht JETZT ANHÖREN Identität - Eine philosophische Annäherung JETZT ANHÖREN Freundschaft mit Tieren - Eine uralte Beziehung JETZT ANHÖREN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Atmo / spielende Kinder / Kindheit … 01 OT Wilhelm Schmid Freundschaft gab’s mal zum Nulltarif. Viele Jahrhunderte war das so: Freundschaft war einfach da. Da ist man reingeboren worden. Man blieb ja meistens an dem Ort, an dem man geboren worden war und spielte mit den Kindern von Gegenüber auf der Straße. Und die gingen auch nie weg. Sondern die blieben auch da. Erzählerin Die ersten Freunde und Freundinnen wohnen meist nebenan oder gegenüber. Man spielt zusammen auf dem Bürgersteig und dem Spielplatz. Man geht gemeinsam in den Kindergarten und dann in die Grundschule. 02 OT Wilhelm Schmid Häufig sind die Freundschaften vererbt worden: man hat die Freundschaften des Vaters, der Mutter, mit den Kindern der Freunde selber weiter gepflegt. Und ich glaube, es leben viele heute noch so, als wäre es noch, dass es von selbst geschieht: Freundschaft. Aber diese Zeiten sind vorbei. Erzählerin Die nächsten Freunde wohnen dann schon weiter weg als ‚nebenan‘. Wenn die Eltern umziehen, ein eigenes Haus bauen, wenn man die Schule wechselt …, die alte Heimat für eine Ausbildung verlässt, wenn man neue Freunde finden muss … 03 OT Wilhelm Schmid Freundschaft gibt es nur noch, wenn sie gesucht, gegründet, und gepflegt wird. Und zwar unter verschärften Umständen. Denn mit sehr großer Sicherheit: die Freunde, die ich gewonnen habe in meiner Kindheit, die sind in alle Welt zerstreut. Ich habe nur dann Freundschaft - auch ich nicht mehr mit allen, aber mit einigen - dann und nur dann, wenn ich dahinter her bin - das muss ich nicht vom Freund verlangen, sondern ich bin dahinter her, dass wir uns mal treffen, sehen, sprechen. Atmo / neue Medien Sound… 04 OT Wilhelm Schmid Heute kommt uns eigentlich zugute, die modernen sozialen Medien machen es sehr leicht, Freundschaft zu pflegen, um dann allerdings Sorge dafür tragen zu müssen, dass es nicht nur digital bleibt, und nicht nur am Telefon, sondern dass wir uns wirklich wenigstens einmal im Jahr real sehen. Das Reale wird immer noch mehr Bedeutung gewinnen, je mehr das Digitale an Bedeutung gewinnt. Das wäre wichtig zu verstehen: Freundschaft ist möglich, aber nur, wenn ich ihren Wert erkenne und anerkenne, und sie pflege. Erzählerin: Doch um wirkliche Freundschaften zu anderen aufbauen zu können, sollte man nach Wilhelm Schmid auch eine ganz besondere Freundschaft pflegen: 05 OT Wilhelm Schmid Menschen brauchen eine Beziehung zu sich selbst. Wer mit wem? - Bei einer Freundschaft ist das klar: hier bin ich, und dort ist der Freund. Und ich habe mit dem eine Beziehung. Aber wie ist das mit mir (lacht): ich bin ja schon da? Erzählerin Ich bin da. Ich fühle mich. Ich spreche mit mir. Ich schimpfe mit mir. Mag ich mich? Sind da zwei ‚Iche’ in mir? Wer ist da bitte noch in mir – außer mir? Wer bist Du, wer bin Ich?! Manchmal streite ich mit mir. 06 OT Wilhelm Schmid Das Ich, das denkt, ist nicht immer identisch mit dem Ich, das Hunger hat. Das Ich, das denkt, das zum Beispiel am Computer sitzt, jetzt ‘ne wichtige Arbeit macht, kann sagen: „Schweige Hunger, jetzt bin ich dran.“ Das können wir bis zu ‘nem bestimmten Zeitpunkt so machen - und irgendwann wird der Hunger so übermächtig, dass wir nicht mehr denken können. Erzählerin Eigentlich bin ich gerne mit mir zusammen. Das merke ich so richtig, wenn ich allein bin mit mir. Ich rede und langweile mich dann mit mir, ärgere und freue mich über mich. Und am besten geht’s, wenn wir freundlich miteinander sind … 07 OT Wilhelm Schmid Also kann die Freundschaft mit sich selbst bedeuten: Das Denken befreundet sich mit dem Magen. Und dann geht es wie in jeder guten Freundschaft: ich achte darauf, dass es dem Freund gut geht. Ich versuche ihn nicht überzustrapazieren. Ich darf ihn schon mal fordern, aber nicht so, dass die Freundschaft zerbricht. Das ist kurz und sehr einfach gesagt: ‚Selbstfreundschaft‘. AKZENT – Trenner Erzählerin In Zeiten von ‚So-mobil-wie-möglich, von digitalen Sozialen Netzen und ständig wechselnden Lebenswelten entfernt man sich nicht nur von gewohnten Orten, Plätzen und Straßen, von Nachbarn und Freunden – man entfernt sich auch von sich selbst. Das verunsichert, wie der Philosoph der Selbstfreundschaft betont: 08 OT Wilhelm Schmid Auch das ist neu: das Selbst versteht sich nicht mehr von selbst. Das war auch lange Jahrhunderte so: das Selbst hat sich lange Jahrhunderte nicht aus sich selbst heraus definiert, oder sogar definieren müssen. Es wurde definiert. Es wurde definiert durch die Eltern, Jungs insbesondere durch den Vater: der Vater war Metzger, dann war es sehr wahrscheinlich, dass der Sohn auch Metzger wird. Der Vater war Bauer, dann hatte der Sohn im Grunde auch Bauer zu sein. Und Mädel hatten sowieso Hausfrau und Mutter zu werden - da gab es gar kein Entweichen. Erzählerin Eine Dimension der Freiheit, die das Ich nicht selten vor Probleme stellt: Denn plötzlich ist es für so vieles verantwortlich, was zuvor von anderen geregelt wurde: Beruf, Partnerwahl, Wohnort … Klar ist: 09 OT Wilhelm Schmid Wir müssen mit uns selbst umgehen. Das ist also eine relativ neue Angelegenheit. Sicherlich, wenn ich Aristoteles zitiere, das ist lange her - aber das waren ja Eliten damals - einige wenige Philosophen und sonst wie denkende Menschen, die ein freieres Selbstverhältnis und Verhältnis zu anderen begründen durften. Mittlerweile sind das aber Massenphänomene: das Nicht-mehr-umgehen oder Noch-nicht-umgehen-können mit sich selbst. Erzählerin Ich bin auf mich selbst gestellt. Das ist irgendwie verlockend – und manchmal auch unheimlich. Ich lerne Freundschaft neu, ich frage mich ständig selbst, ob alles klar und richtig und gut so ist. Ich interessiere mich für mich, ich verstehe mich – naja, zumindest oft und dann öfter, ich diskutiere mit mir. Ich merke es vielleicht nicht sofort, ich merke es vielleicht erst viel später, aber Fakt ist: ich lerne mich auf eine neue Weise kennen, ich befreunde mich mit mir, ich werde mein erster und bester Freund in einem ziemlich selbständigen Leben mit mir, das vor allem Fragezeichen bietet. 10 OT Wilhelm Schmid Wir sind noch in dem historischen Zustand, dass viele die Aufgabe noch nicht recht realisieren. Und wir sind auch erst in dem historischen Stadium, dass wir die Instrumente dafür erst finden. Eins der Instrumente ist Therapie, ohne jede Frage. Und eins der Instrumente ist eben auch der Umgang mit sich selbst, ohne unbedingt therapiebedürftig zu ein. Und dafür wollte ich diesen Vorschlag Selbstfreundschaft unterbreiten, mit den Schritten, die wir real praktisch im Alltag tun können, um dem näher zu kommen. Erzählerin Die Beziehung zu sich selbst beeinflusst auch die normalen Beziehungen. Freunde-haben ist zwar gut und normal, aber irgendwann zu wenig. Je besser man mit sich selbst klarkommt, desto mehr erwartet man das auch in der Beziehung mit anderen. Man braucht dann tiefere und erfüllende Freundschaften - wie mit sich selbst! Ganz besonders in Zeiten von Twitter, Instagram und Co. AKZENT 11 OT Wilhelm Schmid Alles, was Sie in der Freundschaft mit ‘nem anderen Menschen beobachten können, gilt ziemlich adäquat in der Freundschaft mit sich selbst. Und Freundschaft mit sich selbst ist im Unterschied zur Selbstliebe nicht dazu da, nur für das Selbst zu leben. Selbstliebe, wie die Liebe zu einem anderen Menschen, tendiert dazu, sich abzuschließen gegenüber der Welt, und nur für sich selbst da zu sein. Die Selbstfreundschaft hat das Ziel, für andere da zu sein. Zum Teil weil’s Freude macht, für andere da zu sein, zum anderen, weil das Leben darin reicher wird, für andere da zu sein. Das Leben wird nicht wirklich reich durch das eigene Selbst, sondern durch das Zusammensein mit anderen. Erzählerin Dieses Zusammensein mit anderen wird auch dadurch anders, dass ich mit mir selbst anders, bewusster und freundlicher umgehe. Je besser ich mich kenne, je mehr ich mich mag – und auch nicht mag in manchen Macken – desto genauer schaue ich mir die anderen an. Ich will auch sie besser kennenlernen, ich will auch sie mögen und verstehen, in ihren Stärken und ihren Schwächen. Die ‚Anderen‘ sind dann eben auch nicht einfach da und definiert. 12 OT Wilhelm Schmid Es ist ein Faktum, dass wir ohne andere nicht leben können. Das kann jeder sich für einen Moment überlegen, für eine gewisse Zeit auch praktizieren: das Haus, in dem ich lebe, habe ich nicht selber gebaut. Die Straßen, die ich benutze, habe nicht ich geteert. Die U-Bahn, die ich benutze, fahre nicht ich - und das sind nur die weiteren anderen. Die näheren anderen - wenn’s irgendwie schwierig wird in meinem Leben, komm ich da selber raus? Ich brauche andere dafür. Wenn ich schöne Dinge im Leben erleben kann - ja, das geht auch mit sich selbst allein - aber wird es nicht viel schöner noch, wenn ich’s mit anderen machen kann? Freunden und geliebten Menschen? Erzählerin Ja, es wird schöner! Es kann aber auch langweiliger werden, je besser man sich selbst kennt und versteht. Dann möchte man mit anderen nicht einfach nur Spaß haben und die Zeit totschlagen. Man möchte dann auch reden, fragen und gemeinsam versuchen, zu verstehen wie es einem selbst geht, wie es dem anderen geht, wie es miteinander gut geht und warum manchmal nicht. Je tiefer man in diese oft unbekannte Freundschaft mit sich selbst hineingerät, desto tiefer sollte dann auch die Freundschaft mit anderen gehen. AKZENT Erzählerin In seinem Buch über Selbstfreundschaft erläutert Wilhelm Schmid, wie man aus dem normalerweise flüchtigen Selbstbekannten einen Selbstfreund oder eine Selbstfreundin fürs Leben macht. Wie aus dem unsteten Gesellen ein treuer Partner wird, sich selber und anderen. Wie man lernt, dem Selbstfreund zu vertrauen. 13 OT Wilhelm Schmid Das ist eine der ältesten Angelegenheiten der Menschheit. Das Modell geht zurück auf Aristoteles, 400, 300 v. Chr. Der sprach zum ersten Mal auf Griechisch von phil-autia - philia, die Freundschaft, autos, das Selbst, also Selbstfreundschaft. Von da hab ich das wiederaufgenommen, und mir lag an diesem Begriff: Selbstfreundschaft, um ihn zu unterscheiden von der heute übermäßig populär gewordenen Selbstliebe. Die scheint mir langsam aber sicher problematisch zu werden. Denn bei der Liebe sind Menschen versucht, keine Differenz in sich selbst mehr wahrzunehmen. Die aber nötig ist, um sich selbst zu sehen, wie von außen zu sehen, wie ein Freund einen anderen von außen sieht, und auch mal ironische Distanz zu sich selber zu haben. Auch mal über sich selbst lachen zu können. Erzählerin Für diese Selbstentfaltung bietet der Experte für Lebenskunst sechs Anregungen. Nummer Eins lautet: Selbstfreundschaft ist nicht Selbstliebe! 14 OT Wilhelm Schmid In der Liebe neigen Menschen dazu, den anderen zu idealisieren. In der Selbstliebe geschieht dasselbe: das Selbst wird jetzt idealisiert. Und wenn das Selbst dann nicht ideal ist, dann wird die Beziehung sozusagen gekündigt. So wie das auch in der Liebe zu anderen Menschen allzu häufig der Fall ist. Freundschaft heißt, nachsichtig mit sich zu sein. Anzuerkennen, dass das halt kein Idealbild sein kann, weder das Selbst noch der Freund. Anzuerkennen, dass es Konflikte gibt. Die gibt’s in der Freundschaft mit einem anderen Menschen genauso wie in der Freundschaft mit sich selbst. Erzählerin Der Selbstfreund ist aufmerksam auf sich, so die zweite Anregung von Wilhelm Schmid. Ein interner Moderator entdeckt, integriert und vernetzt viele Teil-Ichs. Das gelingt, weil der Selbstfreund aufmerksam ist und sich zuwendet und immer einfühlender wird mit sich selbst - und dann auch mit den anderen Menschen. Befreunden geht dann nach innen und außen. Die Selbstfreundin sorgt für sich und für ihre Freunde. Sie entfaltet aus der ängstlichen eine kluge Sorge, und darin eine so notwendige wie erfreuliche Selbstsorge. So die dritte Anregung, aus der sich die vierte ergibt: befreunde dich auch mit deinem Körper, denn sinnliche Fülle geht einher mit sinnvollem Erleben. Ernähre dich gut, beachte Schmerz und Lust, sei freundlich mit deinen körperlichen Zuständen. Aber Vorsicht mit dem Gefühl der Liebe … 15 OT Wilhelm Schmid Liebe kann so aussehen, dass Sie mit dem anderen eins sein wollen. Und Liebe kann so aussehen, dass Sie mit dem anderen gelegentlich eins sein wollen und vielleicht auch können, ab er auch Distanz zu ihm haben können. Das sind zwei unterschiedliche Erfahrungen von Liebe. Die romantische Liebe zielt auf Einssein, und akzeptiert zum Beispiel überhaupt nicht den Alltag. Der nicht aus Einssein besteht, sondern aus Zweisein und manchmal (lacht) sehr deutlich Zweisein. Also die Liebe, die zur Distanz in der Lage ist, das auszuhalten, und vielleicht dann auch die Erfahrung zu machen: wow, aus der Distanz heraus können wir wunderbar zusammenkommen und eins sein, dann wird’s erst wieder richtig spannend. Ansonsten wird das Einssein zum Gefängnis, zum goldenen Gefängnis. Erzählerin Die Seele – Kraftwerk des Selbst – unentwegt steigen Gefühle darin auf und vergehen. Der Selbstfreund kennt und akzeptiert das. Wilhelm Schmid regt eine „Muschelkompetenz der Seele“ an, die sich öffnen und schließen lernt gemäß innerer Verfassung und äußeren Umständen. Derart kompetente Selbstfreunde und Moderatoren des eigenen Gefühlsreichtums vermögen aus dem Bauch heraus zu entscheiden. So Anregung Nr. Fünf. Aber, warnt der Experte, gerate bei dem Befreunden mit dir selbst nicht in eine Nabelschau: 16 OT Wilhelm Schmid Sich selbst kennenzulernen, dient dazu, sich reif zu machen, für andere da zu sein. Das ist bei der Nabelschau immer übersehen worden. Die Menschen sind bei sich stehengeblieben. Und dann wird’s irgendwann unerträglich - für das eigene Selbst - denn Sie können Nabelschau betreiben bis ans Ende der Welt und werden sich nicht genügend erkannt haben. Und es wurde unerfreulich für andere, denn da waren ja nur noch Menschen, die sich mit sich selber beschäftigt haben, und gar kein Interesse mehr hatten, auf andere zuzugehen, sich reif zu machen für andere. Das ist der Unterschied: betreibe ich die Nabelschau nur um meiner selbst willen, oder betreibe ich die Nabelschau, um reif zu werden, auf andere wieder zuzugehen und für andere da zu sein, bis zu dem Punkt, in der Liebe und der Freundschaft, mich selbst auch mal zu vergessen?! Erzählerin Die sechste Anregung des Selbst-Freund-Philosophen bringt das Denken ins Spiel. Denn so sehr und oft wir uns wünschen, diesen ständigen Unruhestifter Denken einfach abschalten zu können – der Experte empfiehlt Nachdenken: denn gerade Nicht-Gedachtes oder nur An-Gedachtes stiftet Unruhe. Freundliches Nachdenken führt zu innerer Ausgeglichenheit und erfüllten Beziehungen. Besonders das freundliche Nachdenken über mich selbst. AKZENT 17 OT Wilhelm Schmid Es gab in der Geschichte unterschiedliche Umgangsweisen mit dem eigenen Selbst. Der eine hieß Selbstbeherrschung. Selbstbeherrschung ist nicht Selbstfreundschaft. Sondern da übernimmt ein Teil die Herrschaft. Und Herrschaft heißt, ich unterwerfe mir die anderen Teile. Meistens war es die Herrschaft des Geistes über den Körper. Der Körper hatte zu schweigen und zu tun, was der Geist befohlen hat. Das ist ein Modell, mit dem ein Mensch sich selbst ausbeuten kann. Bis er zusammenbricht. Burnout oder Rückenschmerzen sind sehr beliebt. Der Körper meldet sich schon irgendwann zu Wort. Der lässt sich lange unterwerfen, aber nicht dauerhaft. Erzählerin Freundschaft – es kann schon ein Weilchen dauern, bis man versteht, wie wichtig sie ist und wie tief sie geht. Und das Selbst – das ist auch ein Brocken. Je weiter und tiefer man sich einlässt auf diese beiden Dimensionen und ihre Verbindung, desto anspruchsvoller wird deren Beziehung. Obwohl der aktuelle Zeitgeist den eigenen Körper immer mehr entdeckt und immer wichtiger nimmt, ist das wirkliche Befreunden mit den körperlichen Bedürfnissen doch leichter gewollt als verwirklicht. Wilhelm Schmid erinnert an schwierige Zeiten für Selbst- und Körper-Freunde, die weiterhin hineinwirken in den Aufbau einer Freundschaft mit sich selbst: 18 OT Wilhelm Schmid Das andere Modell, nach dem sehr viele vorgegangen sind, war, sich selbst zu verachten. Keine Beziehung zu sich selbst, die in irgendeiner Weise förderlich ist. Sondern im Grunde sollte es das Selbst gar nicht geben. Zugunsten des Nächsten. Liebe deinen Nächsten - der Halbsatz, der folgte, wurde viele Jahrhunderte in der europäischen, in der abendländischen Geschichte, ausgelöscht. Also nicht wie dich selbst, sondern überhaupt nicht dich selbst. Weder lieben noch sonst irgendwas, nur dem Nächsten zugewandt zu sein. Erzählerin Sich selbst beherrschen und verachten – ist das vorbei? Es ist zumindest in Frage gestellt und freundlich angesprochen von einem sensibleren Umgang mit sich und dann auch anderen Menschen. Die aktuell aufbrausende Wut und Verachtung gegenüber Andersdenkenden und Andersgläubigen erwächst wahrscheinlich aus einem mindestens rigiden Verhältnis zu sich selbst. Es fehlt ein erfüllender Körperkontakt, glaubt Klaus Theweleit, Kulturwissenschaftler und Autor der legendären Studie Männer-Phantasien. Wenn wir nicht erfahren und lernen, wirklich freundlich mit uns selbst umzugehen, bilde sich nicht nur in Männern eine gewalttätige und rassistische Haltung aus. Der Experte des Selbstfreundlichen sieht daher im geduldigen und einfühlsamen Bemühen um sich selbst, und dann um andere Menschen, die wichtigste Aufgabe in Beziehungen. 19 OT Wilhelm Schmid Von beiden Seiten kommen die Probleme des Umgangs mit sich selbst: wenn ich mich selbst komplett ignoriere, meine Bedürfnisse ignoriere, dann kann ich nicht mehr für andere da sein, denn ich habe gar nicht die Kraft dafür. Selbstfreundschaft ist dafür da, die Kraft zu gewinnen, für andere da zu sein. Aber der Anfangspunkt liegt bei mir. Selbstfreundschaft ist der Versuch, nicht sich selbst zu unterwerfen. Sondern mit sich selbst so gedeihlich zu leben, wie das in der Freundschaft üblich ist, und ja wunderbare Resultate zeitigt. Freunde können sehr viel im Leben gemeinsam bestehen. Erzählerin Freundschaft beginnt mit mir. Es ist ein langer Weg bis zu dieser Einsicht. Und dann auch zu dieser hier: Freundschaft ist eine Haltung und eine Praxis. Das kann man lernen und üben: freundlich sein. Das kann ein Durchbruch werden in vielen Beziehungen. Denn je freundlicher man ist, desto offener werden Vorbehalte und Widerstände, desto klarer und zugänglicher werden auch schwierige und getrennte Beziehungen.! AKZENT Erzählerin Die schwierigste Einsicht als Praktizierende des Freundlichen lautet: ich bin unsicher. Die längste Zeit seines Lebens hofft man doch: erwachsen werden, das bedeutet immer größer und stärker und damit total selbstsicher werden. Was für eine Enttäuschung! Der Philosoph des Freundlichen empfiehlt Selbstbewusstsein – aber in seiner guten alten Form: 20 OT Wilhelm Schmid Selbstbewusstsein hat zweierlei Bedeutung. Die erste Bedeutung ist, sich seiner selbst bewusst zu werden. Also ich nehme wahr, ich habe Augen, ich hab‘ ‘ne Nase, ich hab Gedanken, ich habe Gefühle. Und zwar immer schön in der Polarität, ich hab‘ nicht nur gute Gefühle, ich hab auch schlechte Gedanken, ich hab nicht nur ‘ne schöne Nase, ich hab vielleicht auch ‘ne krumme Nase, usw. – bewusst werden, was ist. Erzählerin Unsicher sein dürfen - auch das ist eine schwierige und eine gute Nachricht. Der schwierige Teil erwächst aus einer zwanghaft behaupteten Sicherheit, warnt der Verfechter der Selbstfreundschaft: 21 OT Wilhelm Schmid Leider hat Selbstbewusstsein in den vergangenen Jahrzehnten ‘ne andere Bedeutung angenommen, nämlich ich trumpfe auf mit meinem Selbstbewusstsein. Eine Selbstfreundin weiß, dass es keinen Grund gibt aufzutrumpfen. Und eine Selbstfreundin weiß: Leben ist so wie es ist, und mit dem wie es ist, müssen wir zurechtkommen. Wir können uns nicht ein Leben stricken, wie wir es haben wollen. Erzählerin Unsicher sein – so geht es allen, wenn sie ehrlich sind – so geht das Leben, wenn es lebendig ist. Ja, es ist unheimlich, dieses Unsichere. Aber auch unheimlich belebend. Probieren Sie es aus, am besten freundlich. Am besten mit Ihrem besten Freund oder Ihrer besten Freundin – sich selbst.

  12. Olympia-Hymnen - Musikalisches Olympia-Branding

    30.07.2024 · 23 Min.

    Die Hymne der olympischen Bewegung, Nationalhymnen und kommerzielle Pathos-Songs reihen sich bei Olympia aneinander. Doch was macht eine Hymne eigentlich zur Hymne? Und warum sind sie für die Rituale sportlicher Events inzwischen unerlässlich? Von Martin Schramm (BR 2022) Autor dieser Folge: Martin Schramm Regie: Frank Halbach Es sprachen: Andreas Neumann, Rahel Comtesse, Andreas Discherl Technik: Monika Gsaenger Redaktion: Andrea Bräu Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Wir empfehlen außerdem: DIE OLYMPIAPROTOKOLLE (Folge 1-4) auf Alles Geschichte: Bis heute sind noch viele Fragen zum Olympiaattentat am 5.9.1972 offen. Eva Deinert und Yvonne Maier durchforsten monatelang im Münchner Staatsarchiv zehntausende Akten, Einsatztagebücher, Berichte, Fotos, Briefe, Telegramme. Und stellen fest: Eine Spur haben die Behörden möglicherweise bis heute übersehen. DIE OLYMPIA-PROTOKOLLE - Folge 1: Die heiteren Spiele DIE OLYMPIA-PROTOKOLLE - Folge 2: Die Geiselnahme DIE OLYMPIA-PROTOKOLLE - Folge 3: Der Befreiungsversuch DIE OLYMPIA-PROTOKOLLE - Folge 4: Die unbekannte Frau in den Akten RadioWissen hat noch weitere spannende Folgen zum Thema: Sprint zu den Olympischen Spielen - München wird moderner JETZT ANHÖREN Olympische Dörfer in aller Welt - Was wurde aus den Unterkünften? JETZT ANHÖREN Auch ein weiterer Podcast von Bayern 2 befasst sich mit dem Attentat von 1972: In „Himmelfahrtskommando“ erzählt Patricia Schlosser die Geschichte ihres Vaters, der 1972 als Polizist beim Olympia-Attentat eingesetzt war und sich seitdem fragt, ob er Mitschuld am tödlichen Ausgang hat. BR PODCAST | Himmelfahrtskommando - Mein Vater und das Olympia-Attentat

  13. Tattoos - Vom Seefahrerkult zum Massenphänomen

    30.07.2024 · 23 Min.

    Vor ein paar Jahrzehnten waren Tätowierungen noch verpönt und nur unter Seefahrern oder Häftlingen verbreitet. Inzwischen ist die Jahrtausende alte Körperkunst ein Massenphänomen. Dabei ist die Körperkunst sehr alt: Einer der ältesten Menschen mit Hautkunst, der bisher gefunden wurde, ist die Gletscher-Mumie Ötzi. Von Claudia Steiner (BR 2022) Credits: Autorin dieser Folge: Claudia Steiner Regie: Matthias Eggert Es sprachen: Ruth Geiersberger, Peter Veit Technik: Christiane Gerheuser-Kamp Redaktion: Thomas Morawetz Das Manuskript zur Folge finden Sie HIER. In der BR Mediathek finden Sie einen interessanten Beitrag von ARD alpha: Stiche unter die Haut - Jugendtrend Tattoo JETZT ANSEHEN (Online bis 08.02.2027, 18:31 Uhr) Außerdem lohnt sich ein Blick in die Fotogalerie auf BR Wissen: Tätowierungen - Tattoos mit Geschichte ZUM BEITRAG Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN

  14. Ebenholz - Ein Holzkern voller Geschichten

    29.07.2024 · 23 Min.

    Schwarz wie Ebenholz - jedes Kind kann sich die Farbe von Schneewittchens Haaren vorstellen. Aber welcher Erwachsene weiß, wie ein Baum ausschaut, der Ebenholz liefert? Immerhin eines der kostbarsten Edelhölzer der Erde. Von Anja Mösing (BR 2022) Credits: Autorin dieser Folge: Anja Mösing Regie: Sabine Kienhöfer Es sprachen: Rahel Comtesse, Diana Gaul Technik: Christiane Gerheuser-Kamp Redaktion: Matthias Eggert Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Literaturtipps: Dieser Aufsatz bietet eine detailreiche Übersicht zur Verwendung von Ebenholz seit altägyptischer Zeit in mitteleuropäischem Kontext und zahlreiche Beispiele für kunsthandwerkliche Stücke aus sakralem, repräsentativem Bereich, auch zu Musikinstrumenten: Ebenholz, Bethe-Kränzner, Alice, In: Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, Bd. 4, Sp. 639-650, Hrsg: Otto Schmitt, Stuttgart 1958 Ein Informativer Klassiker zur Kulturgeschichte von Wald- und Holznutzung: Holz – Ein Naturstoff in der Technikgeschichte, Radkau, Joachim und Schäfer, Ingrid, Rowohlt, Reinbeck b. Hamburg 1987

  15. Das Jahr 1000 - Als die Globalisierung begann

    26.07.2024 · 21 Min.

    Große Veränderungen passierten um das Jahr 1000: Die Wikinger kamen in Neufundland an, der Welthandel begann sich vor allem in Asien und Afrika zu entwickeln, in Europa brachten mildes Klima und Erfindungen Agrarüberschuss, die Städte wuchsen. Die Epoche war aber auch von Endzeitstimmung geprägt. Von Brigitte Kramer (BR 2022) Credits: Autorin dieser Folge: Brigitte Kramer Regie: Frank Halbach Es sprachen: Hemma Michel, Christian Baumann Technik: Roland Böhm Redaktion: Thomas Morawetz Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Hier gibt es eine weitere hörenswerte Folge von radioWissen: Das Ziel der Geschichte - Wie sieht's aus im letzten Akt? JETZT ANHÖREN Literaturtipps: Hansen, Valerie: Das Jahr 1000, als die Globalisierung begann. C.H.Beck Verlag Ariès, Philippe / Duby, Georges (Hg.): Geschichte des privaten Lebens, 1.Band: Vom Römischen Imperium zum Byzantinischen Reich. Bechtermünz / Weltbild Verlag (Nur mehr antiquarisch zu bekommen.) Focillon, Henri: Das Jahr Tausend. Grundzüge der Kulturgeschichte des Mittelalters. WBG, Darmstadt. Linktipps: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks. DAS KALENDERBLATT Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks. EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte

  16. Sie haben Post! Briefkultur, tot oder lebendig?

    25.07.2024 · 23 Min.

    Dem Brief wird nicht erst seit der Digitalisierung der Tod vorausgesagt: "Seine eigentliche Geschichte liegt hinter uns" schreibt Georg Steinhausen schon 1889. Den Todesrufen zum Trotz empfangen wir bis heute private, berufliche, amtliche Briefe. Eine Suche nach Reiz und Resilienz der Briefform. Von Marie Schoeß (BR 2022) Autorin dieser Folge: Marie Schoeß Regie: Kirsten Böttcher Es sprachen: Xenia Tiling, Marlen Reichert Technik: Michael Krogmann Redaktion: Nicole Ruchlak Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Hier gibt es eine weitere spannende Folge von radioWissen: Die Erfindung der Schrift - Vom Bild zum Symbol JETZT ANHÖREN

  17. Otl Aicher - Gestaltung mit Haltung

    24.07.2024 · 23 Min.

    Otl Aicher war einer der wichtigsten deutschen Gestalter des 20. Jahrhunderts. Mit seinen Schriften, Plakaten, Logos und dem visuellen Konzept für die Olympischen Spiele 1972 in München prägte er das Erscheinungsbild der Bundesrepublik. Äußere Form und innere Haltung gehörten dabei immer zusammen. Von Julie Metzdorf (BR 2022) Credits: Autorin dieser Folge: Julie Metzdorf Regie: Martin Trauner Es sprachen: Thomas Birnstiel, Beate Himmelstoß Technik: Gerhard Wicho Redaktion: Susanne Poelchau Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Hier gibt es eine weitere spannende Folge von radioWissen: Wilhelm von Ockham – Scharfsinniger Streiter für die Wahrheit JETZT ANHÖREN Die BR KulturBühne hat einen interessanten Beitrag mit einer faszinierenden Bildergalerie zum Designer: Otl Aicher - "ES BLEIBT SEINE ENORME LEISTUNG ALS DESIGNER" ZUM ARTIKEL Außerdem empfehlen wir folgende Aufsatzsammlung: Otl Aicher: analog und digital. Verlag Ernst & Sohn, Berlin 1991. Weiterführende Literatur: Eva Moser: Otl Aicher: Gestalter. Eine Biografie. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2011 Otl Aicher. Designer. Typograf. Denker. Prachtband mit 250 Abbildungen, hrsg. von Winfried Nerdinger und Wilhelm Vossenkuhl, Prestel 2022. Otl Aicher - Die Regenbogenspiele. Das visuelle Erscheinungsbild der XX. Olympischen Spiele München 1972. Katalog zur Ausstellung in Ulm und Isny 2012. Otl Aicher: Die Küche zum Kochen. Callwey 1982. Otl Aicher: innenseiten des kriegs. S. Fischer 1985. Otl Aicher: typographie, Ernst & Sohn 1989. Otl Aicher: analog und digital. Ernst & Sohn 1991. Otl Aicher: die welt als entwurf, Ernst & Sohn 1991.

  18. Adelheid Duvanel - Schweizer Schriftstellerin im Schatten

    23.07.2024 · 22 Min.

    Die Schweizer Autorin Adelheid Duvanel (1936 - 1996) widmet sich in ihren oft bizarren Texten verkrachten oder gefährdeten Existenzen. Sie gibt Trinkern, Drogensüchtigen, behinderten Menschen, einsamen Männern und verprügelten Frauen, kurz: all den Gestalten am Rand einer Gesellschaft ein ganz besonderes Gesicht. Von Justina Schreiber (BR 2022) Credits Autorin dieser Folge: Justina Schreiber Regie: Irene Schuck Es sprach: Beate Himmelstoß Technik: Monika Gsaenger Redaktion: Susanne Poelchau Im Interview: Prof. Dr. Elsbeth Dangel-Pelloquin, Literaturwissenschaftlerin, und Friederike Kretzen, Schriftstellerin Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER.

  19. Stühle, Sessel, Schemel - Wie wir sitzen

    23.07.2024 · 24 Min.

    Ob am Schreibtisch, im Bus, beim Essen oder im Kino: Wir verbringen den größten Teil unserer Tage im Sitzen. Und wie man sitzt, so wird man gesehen! Von Julie Metzdorf (BR 2022) Credits: Autorin dieser Folge: Julie Metzdorf Regie: Irene Schuck Es sprachen: Katja Amberger, Andreas Neumann Technik: Monika Gsaenger Redaktion: Susanne Poelchau Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

  20. Von rauchenden Schloten zum Klimagesetz - Die Geschichte der deutschen Umweltpolitik

    22.07.2024 · 24 Min.

    1971 ist eine Art Gründungsjahr der Umweltpolitik in Deutschland, doch im Osten wird der Elan schnell gebremst. Im Westen treiben Umweltverschmutzung und wissenschaftliche Erkenntnisse die Umweltpolitik voran. Der Klimawandel bringt neue Herausforderungen: Politik für künftige Generationen. Von Renate Ell (BR 2021) Credits Autorin dieser Folge: Renate Ell Regie: Christiane Klenz Es sprachen: Ditte Ferrigan, Carsten Fabian Technik: Christine Frey Redaktion: Bernhard Kastner Im Interview: Martin Jänicke (Professor em. Dr., Freie Universität Berlin) Tobias Huff (Dr. an der Universität Mainz (Dissertation zur Umweltpolitik der DDR)) Kai Hünemörder (Dr. ELBCAMPUS (Dissertation zur frühen Umweltpolitik der Bundesrepublik)) Willy Brandt (Kanzlerkandidat 1961) Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER.