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Verschiedene Varianten von "Tee" gehen aufs Chinesische zurück Das ist ein interessantes Phänomen und erzählt viel über die Kolonialgeschichte. Tee heißt auf Persisch Chai, ähnlich klingt der Name im Arabischen oder im Türkischen – Çay. Aber Chay heißt er auch in Russland, der Ukraine und in den Balkanstaaten. Doch dann gibt es plötzlich eine Sprachgrenze. Auf Deutsch heißt er eben Tee, auf Englisch "tea". Auf Französisch, Spanisch, aber auch auf Schwedisch und Finnisch wird das Getränk zwar unterschiedlich geschrieben, aber überall mehr oder weniger immer als "Tee" ausgesprochen. So lassen sich fast alle Länder der Welt in zwei Schubladen sortieren. In der einen spricht man das Getränk "Te" oder so ähnlich aus. In der anderen ist es eine Variante von Chay, Cay oder Cha. Das ursprüngliche chinesische Wort war aber das gleiche, so erklärt es der Kieler Tee-Historiker Martin Krieger. Tee und Cha – das sind unterschiedliche chinesische Dialekte. Einige Kaufleute lernten Tee als "Tee" kennen, andere als "Tschai" oder "Tscha". Auf diese Weise entwickelten sich diese beiden Bezeichnungen für Tee und gingen um die Welt. Quelle: Prof. Martin Krieger "Chai" kam auf dem Landweg über Indien, Persien und Russland Die Faustregel lautet: Dort, wo man Chai oder Tschai sagt, kam der Tee einst auf dem Landweg über Indien und Persien oder eben Russland an. Denn Cha war eigentlich sogar das gängigere Wort in China. Und als der Tee in Persien ankam, hatte er einen i-Auslaut verpasst bekommen, sodass aus "Cha" dann "Chai" wurde. Auf diesem Weg gelangte der Tee mit Karawanen noch weiter bis in die Türkei, den Balkan und den ganzen arabischen Raum. Deshalb heißt er fast überall dort Chai oder so ähnlich. "Tee" erreichte Westeuropa per Schiff Doch nach Westeuropa kam der Tee nicht auf dem Landweg, sondern über die Kolonialschiffe der Niederländer, Briten und Dänen. Die Niederländer waren die ersten, die Tee in großem Stil importieren, und deren Hauptanlaufstelle war in den Anfängen des Kolonialhandels die chinesische Südküste. Dort wurde die chinesische Sprache Min Nan gesprochen und in dieser Sprache klingt das Getränk eher wie Tee. Das haben dann auch die Briten und Dänen übernommen. Deshalb verrät der Name des Getränks in der Regel, ob ein Land den Tee ursprünglich über den Landweg oder den Seeweg bezogen hat. Hörtipp: SWR2 Wissen - Tee in der Weltgeschichte Gegen die Regel: In Portugal heißt der Tee "Cha" Doch es gibt eine interessante Ausnahme dieser Faustregel. Zwar ist ganz Westeuropa "Tee"-Land, doch ganz im Südwesten Europas, in Portugal, heißt der Tee plötzlich wieder "Cha". Das kommt daher, dass die Portugiesen in der Nachfolge von Vasco da Gama die ersten Europäer, die Schiffe ins ferne Asien schickten, noch vor den Niederländern. Sie beherrschten die asiatischen Meere im 16. Jahrhundert, ihr wichtigster Umschlagsplatz in China war aber Macau, und dort hieß der Tee nun mal "Cha", wie im überwiegenden Teil Chinas. Deshalb ist Portugal auf der europäischen Tee-Landkarte ein sprachlicher Ausreißer. Herbata und arbata: Polen, Litauen und Belarus leiten vom Lateinischen ab Ein anderer findet sich Polen, Litauen und Belarus. Diese Länder passen teemäßig in keine der beiden Schubladen Tee oder Chai, sondern dort heißt der Tee herbata oder arbata. Da steckt das lateinische "Herba" drin – zu Deutsch "Kraut". Und tatsächlich war "Herba Thea" eine frühe botanische Bezeichnung für die Teepflanze. Die gibt es zwar nicht mehr, aber in Polen, Litauen und Belaraus hat sie sich gehalten, nur dass aus Herba Thea eben "Herbata" wurde.
- 20.10.20252 min
Entstehung des Kusses ist unklar Ja, wenn man das so genau wüsste, wer wen als erstes küsste ... Man kann nur spekulieren, denn unsere Vorfahren, die die Küsse erfunden haben, haben ihre Motive ja leider nicht aufgeschrieben. Eine traditionelle Mutmaßung lautet, das es ein Relikt aus archaischen Zeiten sei. Wir kennen ja im Tierreich viele Fälle, wo Mütter ihre Jungen mit dem Schnabel füttern, bei Vögeln zum Beispiel, und dass das Küssen daher rührt. Allerdings ist das wahrscheinlich viel zu sehr um die Ecke gedacht. Denn mit den Vögeln sind wir nicht so eng verwandt, zwischen uns und denen liegt doch evolutionär eine große Lücke. Auch Tiere zeigen Zuneigung durch Berührung Die intensivsten Küsse bei uns Menschen gibt es ja bekanntlich auch nicht zwischen Mutter und Kind, sondern zwischen sich liebenden Partnern. Da findet man natürlich auch im Tierreich ein paar Verhaltensweisen, die zumindest vergleichbar sind: Elefanten wickeln ihre Rüssel umeinander, Pferde beknabbern sich zärtlich, Affen stupsen ihre Nasen aneinander. Da geht es schon um Zuneigung. Generell beschnüffeln sich viele Tiere im Vorfeld eines Sexualkontakts, wobei das dann eher eine asymmetrische Geschichte ist: Da geht also nicht Nase an Nase, sondern Nase an Hinterteil. Den leidenschaftlichen Liebeskuss, mit Mund zu Mund, wie wir Menschen ihn kultiviert und zur Reife gebracht haben, den findet man im Tierreich nicht. Unter den Menschen ist der Kuss nicht überall verbreitet. Man findet ihn zwar auf allen Kontinenten. Aber Anthropologen haben vor ein paar Jahren festgestellt, dass für die Mehrheit der – vor allem indigenen – Kulturen der romantische Kuss unüblich ist. So ist zum Beispiel in den Kulturen südlich der Sahara das Küssen wenig verbreitet. Somit ist es offenbar keine angeborene Verhaltensweise. Gleichzeitig ist es aber doch so weit verbreitet, dass man schon fragen kann, was das Küssen eigentlich soll? Idealer Ausdruck von Intimität Vieles spricht dafür, dass es vor allem eine sexuelle Signalfunktion hat, es bringt ein intimes Verhältnis zum Ausdruck. Denn beim Küssen sind ja vor allem Lippen und Zunge beteiligt. Dort befinden sich unglaublich viele sensorische Rezeptoren – viel mehr als normalerweise auf der Haut. Man merkt das, wenn man etwas zwischen den Zähnen hat oder auf einem Zahn eine Unebenheit spürt. Die fühlt sich mit der Zunge immer wahnsinnig groß an, obwohl die Störung objektiv ganz klein ist. Das liegt auch daran, dass die Dichte der Sensoren auf der Zunge, aber eben auch auf den Lippen, so groß ist. Somit sind Küsse vom Gefühl her sehr intensiv und ideal dafür geeignet, Intimität auszudrücken.
- 19.10.20254 min
Das Inka-Reich war das größte in Amerika. In der Alten Welt gab es noch das Mongolenreich oder Reich Alexanders des Großen. Das Römische Reich war von seiner Ausdehnung her längst nicht so groß wie das der Inka. Wie konnte es also so groß werden? Die Inka hatten kein großes stehendes Heer und zunächst auch keinen so großen Drang, sich auszudehnen. Als sie in das Tal von Cusco eingewandert sind, mussten sie zunächst einen kleinen Staat aufbauen. Schließlich hatte man ein Reich, das vom heutigen südlichen Kolumbien bis südlich von Santiago de Chile reichte. Diplomatie, Geschenke und geschickte Heiratspolitik Angesichts der Topographie, der hohen Berge, hätte man dieses Gebiet gar nicht mit einem Riesenheer erobern können. Vielmehr hat man das wohl durch Diplomatie erreicht. Man heiratete geschickt. Wenn der Inka-König als der große Herrscher anerkannt war, was durch bestimmte Mechanismen geschah, hatte er mehrere Frauen und entsprechend viele Kinder. Die Frauen wurden vom König „verteilt“ und es wurde geschickte „Geschenkpolitik“ betrieben. Von Bedeutung waren wertvolle Textilien, die von den sogenannten Sonnenjungfrauen in ihren Klöstern hergestellt wurden. Diese Textilien wurden ebenfalls verschenkt und die Gegengabe war die Subordination, also die Unterordnung unter den Häuptling. Ausdehnungsbewegung begann im 14. Jahrhundert Früher nahm man an, dass diese Entwicklung unter dem Vater und Großvater des letzten Königs Atahualpa (der von Francisco Pizarro ermordet wurde) geschah und dass diese drei Generationen es also geschafft haben sollen, das Reich so weit auszudehnen. Das ist jedoch so unwahrscheinlich, dass man als Archäologe feststellen muss, dass das so schnell nicht funktioniert haben kann. Konkret: Die Inka wurden 1532 von den Spaniern erobert. Man war lange davon ausgegangen, dass sie ein Reich hatten, das nicht mal 100 Jahre alt war. Doch inzwischen kann man noch mal 100 Jahre dazurechnen. Im 14. Jahrhundert entstand also die Ausdehnungsbewegung.
- 17.10.20253 min
Gängiges Verfahren: Umkehrosmose Das gängigste Verfahren ist die sogenannte Umkehrosmose. Dazu braucht man eine Membran, die Wassermoleküle durchlässt, aber die Salzbestandteile zurückhält. Im Grunde eine Art physikalisch-chemisches Sieb mit winzig kleinen Löchern im Nanometerbereich. Durch die wird das Wasser gepresst, sodass man auf der einen Seite salzfreies Wasser hat und auf der anderen Seite die übrigbleibende Salzlake. Man kann aber das Wasser nicht ganz durchpressen, weil sich sonst die Konzentration in der Salzlake immer weiter erhöhen würde, und irgendwann würden die Poren in der Membran durch Salzkristalle verstopft. "Umkehrosmose" heißt das deshalb, weil normalerweise solche Membranen dazu führen, dass sich Salzkonzentrationen ausgleichen. Normalerweise – wenn man keinen äußeren Druck ausübt – würde das Wasser sich also in Richtung der höheren Salzkonzentration bewegen. Das kommt in der Natur ständig vor. Wenn wir eine Tomate salzen, geben die Zellen durch die Zellmembran hindurch Wasser ab. Auch viele Vorgänge in unserem Körper beruhen auf dieser Osmose. Bei der Umkehrosmose geht der Prozess in die andere Richtung, indem das Wasser mit viel Druck gegen seine natürliche Richtung durch die Membran gepresst wird. Das ist derzeit noch das am meisten genutzte Verfahren, mit dem Trinkwasser auf Hochseeschiffen gewonnen wird oder auch in den großen Entsalzungsanlagen in Trockengebieten, etwa im Nahen Osten. Weitere Möglichkeit: Destillation Eine andere Möglichkeit besteht darin, das Wasser zu destillieren. Das Meerwasser wird erhitzt, verdampft dabei – und wenn es verdampft, bleibt das Salz zurück; der Wasserdampf ist also nicht salzig. Dieser Wasserdampf wird in Rohren aufgefangen und gekühlt. Durch die Kondensation wird aus dem Wasserdampf wieder flüssiges Wasser, welches frei von Mineralien ist. Auch das ist eine Möglichkeit, Wasser zu entsalzen. Es ist ein Verfahren ähnlich wie beim Brennen von Schnaps, nur eben mit Meerwasser. Das Verfahren ist etwas aufwändiger, mit ein paar Zwischenschritten mehr und natürlich in viel größeren Dimensionen. Aber das physikalische Prinzip ist das gleiche. Wenig Mineralstoffe, viel Energie: Beide Verfahren haben Mängel In beiden Fällen ist das Wasser zwar salzfrei, aber dadurch so mineralarm, dass es auch nicht gut ist. Zum einen ist destilliertes Wasser als Trinkwasser nicht besonders empfehlenswert, zum anderen verstärkt es die Korrosion der Rohre in den Anlagen. Deshalb werden dem entsalzten Wasser hinterher Mineralien in Form von Kalziumkarbonat, sprich Kalk zugesetzt. Der zweite Haken ist der Energieaufwand. Denn egal, ob ich Wasser mit viel Druck durch eine Membran presse oder erhitzen muss, um es verdunsten zu lassen – das braucht viel Energie. Allerdings haben die Regionen, wo man solche Anlagen braucht, meist ein großes Potenzial an erneuerbaren Energien: An den Küsten gibt es viel Wind, im Nahen Osten viel Sonne; diese Energie kann man nutzen. Der Trend geht zunehmend in diese Richtung. Trotzdem arbeitet die Forschung an Verfahren, Meerwasserentsalzungsanlagen zu konstruieren, die mit weniger Energie auskommen.
- 16.10.20253 min
Archäologische Funde: Die ersten Juden kamen mit den Römern Strenggenommen kamen sie nicht "nach Deutschland", sondern sie lebten schon hier, lange bevor es so etwas wie "Deutschland" gab, nämlich im 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus. Damals war das, was heute Süddeutschland ist, Teil des Römischen Reiches. Das heißt, die ersten Juden kamen mit den Römern. Archäologische Zeugnisse aus jener Zeit belegen das: Objekte etwa, die an den traditionellen siebenarmigen Leuchter, die Menora, erinnern. Wir haben viele spätantike Funde aus dem 2. bis 4. Jahrhundert. Öllampen, die das Motiv der Menora tragen; die haben wir aus Trier, aus Augsburg. Wir haben Bleiplomben, auf denen eine solche Menora dargestellt ist. Quelle: Thomas Otten, Jüdische Museum im Archäologischen Quartier Köln MiQua Archäologische Funde aus dieser Zeit gibt es nördlich der Alpen nur in den Gebieten des Römischen Reiches, also innerhalb des Limes. Das legt den Schluss nahe, dass die Juden zusammen mit dem römischen Militär kamen. Das ist plausibel, denn nach der Eroberung Jerusalems durch die Römer, nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 und dem niedergeschlagenen Bar-Kochba-Aufstand verließen die meisten der noch verbliebenen Juden ihre Heimat Judäa oder wurden versklavt. Ihre Nachfahren verteilten sich über Italien auch in den Norden des Römischen Reiches – als Teil der römischen Armee oder als Händler, worauf die besagten Lampen schließen lassen, aber auch Schmuckstücke mit jüdischer Symbolik. Erste schriftliche Erwähnung 321 in einem Erlass von König Konstantin Im Jahr 321 werden Juden erstmals schriftlich erwähnt, und zwar in einem Erlass von Kaiser Konstantin von 321. Das Edikt regelt reichsweit, dass jüdische Bürger in die Räte der Städte berufen werden durften. Was natürlich impliziert, dass es Juden in den Städten gegeben hat. Und zwar nicht nur irgendwelche, sondern auch Juden mit Einfluss und entsprechender sozialer Stellung. Quelle: Thomas Otten, MiQua Denn in den Stadtrat berufen zu werden, war nicht nur eine Ehre, sondern auch mit finanziellen Verpflichtungen verbunden. Da die Städte in den römischen Provinzen immer knapp bei Kasse waren, hofften sie, über jüdische Händler in den Stadträten etwas flüssiger zu werden. Köln wird explizit genannt. Es ist höchstwahrscheinlich so, dass der Rat der Stadt Köln den Kaiser angeschrieben und um eine Regelung gebeten hat. Der Kaiser hat dann eine Regelung getroffen, hat sie aber reichsweit getroffen, also das reichsweit zu regeln und zu erlassen. Quelle: Thomas Otten, MiQua Hierzulande lebten Juden, bevor es "Deutsche" gab Dieses kaiserliche Edikt stammt aus dem Jahr 321 und war der Anlass, dass das Jahr 2021 zum Jubiläumsjahr erklärt wurde. Man spricht von "1700 Jahren jüdischem Leben in Deutschland". Aber das ist zum einen eine Untertreibung, denn Juden lebten schon vorher hier. Und es ist eine Verkürzung, denn weder gab es Deutschland, noch eine deutsche Sprache, noch nicht einmal "deutsch" als Begriff oder Idee. Anders gesagt: Hierzulande lebten Juden, lange bevor es "Deutsche" gab.
An den alten Rittersleuten liegt die Linkshändigkeit nicht Hierzu gab es schon alle möglichen Theorien. Zum Beispiel, dass die Linkshändigkeit ein Überbleibsel aus der Ritterzeit wäre, als die Ritter in der rechten Hand das Schwert führten, während sie mit der linken Hand mit dem Schild ihr Herz schützten. Die Theorie gilt längst als überholt, weil Archäologen anhand prähistorischer Werkzeuge und Faustkeile herausgefunden haben, dass schon unsere Vorfahren vor zwei Millionen Jahren mehr mit der rechten Hand gearbeitet haben. Die hatten aber noch keine Schwerter. Allerdings trugen auch sie das Herz auf der linken Seite Das Mutterherz führt nicht zur Lösung Wegen dieser Position des Herzens gibt es einen weiteren Erklärungsversuch, der weniger mit Rittern als mit Müttern zu tun hat: Möglicherweise haben damals Mütter ihre Säuglinge mehr auf der linken Seite getragen, damit die Babys näher am Herzen sind und sich vom Herzschlag beruhigen lassen. Die Mütter hätten dann die rechte Hand frei gehabt, die sich dann immer mehr als Arbeitshand durchgesetzt hat. Aber auch das ist Spekulation. Auch Hirnforschung steht vor Rätsel Leider hilft auch die Hirnforschung nicht wirklich weiter. Aus der Hirnforschung wissen wir, dass unsere beiden Gehirnhälften jeweils die gegenüberliegenden Organe steuern: Die linke Gehirnhälfte steuert die rechte Hand und den rechten Fuß und umgekehrt. Gleichzeitig befindet sich bei den meisten Menschen in der linken Gehirnhälfte auch das Sprachzentrum sowie generell die Hirnareale, die stärker für rationales, analytisches und logisches Denken verantwortlich sind. Aus dieser Spezialisierung der linken Hirnhälften könnte also die Spezialisierung der rechten Hand folgen. Allerdings stellt sich da die Frage: Warum sollten Sprache und logisches Denken beeinflussen, mit welcher Hand wir lieber einen Ball werfen? Man könnte höchstens eine Verbindung herstellen indem man sagt: Sprache ist Kommunikation und mit den Händen haben unsere Vorfahren auch kommuniziert. Aber ob das als Erklärung reicht? Das zweite Problem mit dieser Erklärung ist, dass es zwar tatsächlich Linkshänder gibt, bei denen die Gehirnhälften andersherum spezialisiert sind, aber das ist eine Minderheit. Zwei Drittel der Linkshänder haben ihr Sprachzentrum genau wie die Rechtshänder auf der linken Seite. Viele Linkshänder im Spitzensport Es ist auch fraglich, ob die Rechtshändigkeit überhaupt mit einem evolutionären Vorteil erklären kann. Denn weder sind die Linkshänder ausgestorben, noch scheinen sie irgendwelche Nachteile im Kampf ums Überleben zu haben. Es gibt sogar unter erfolgreichen Spitzensportlern überdurchschnittlich viele Linkshänder, vor allem bei Zweikampfsportarten. Das wird damit erklärt, dass sich Linkshänder besser in einen rechtshändigen Gegner hineinversetzen können als umgekehrt. Ein Linkshänder und ein Rechtshänder bei eineiigen Zwillingen Obwohl es so ein alltägliches Phänomen ist, hat die Wissenschaft noch keine Ahnung, warum sich die rechte Hand durchgesetzt hat. Und sie weiß noch nicht einmal, wie man überhaupt zum Linkshänder wird. Klar scheint zumindest: Kurz nach der Geburt steht bereits fest, ob jemand Links- oder Rechtshänder ist. Aber es ist bisher kein Linkshänder-Gen identifiziert worden, sondern im Gegenteil kommt es vor, dass von zwei eineiigen Zwillingen einer ein Rechts- und einer ein Linkshänder ist. "... und alle Fragen offen" Andererseits: Wenn beide Eltern Linkshänder sind, ist die Wahrscheinlichkeit zumindest leicht erhöht, dass ihre Kinder es auch sind. Aber die Gene spielen wohl nur eine untergeordnete Rolle. Möglicherweise wird die Händigkeit auch von Hormonen im Mutterleib beeinflusst. Und es scheint einen Zusammenhang mit den Umständen der Geburt zu geben: Frühchen mit einem Geburtsgewicht von unter 1000 Gramm werden überdurchschnittlich häufig zu Linkshändern, ebenso Mehrlingskinder. Und im Sommer werden aus irgendeinem Grund mehr Linkshänder geboren als im Winter. Niemand weiß warum.
Beide Effekte hängen miteinander zusammen. Viele Leute bekommen kalte Füße, wenn sie einige Tassen Kaffee bzw. schwarzen oder grünen Tee getrunken haben. Das ist gerade im Winter etwas schade, wenn man den Tee zum Aufwärmen trinkt. Das funktioniert zwar erstmal, der Tee wärmt von innen, aber wenn Hände und Füße nach einer Weile kalt werden, ist der schöne Effekt dahin. Und dann muss man meist auch bald schon aufs Klo. Koffein sorgt für Verengung der Blutgefäße Tatsächlich bedingt das eine auch das andere – und das liegt am Koffein. Koffein ist sowohl im Kaffee als auch im schwarzen und grünen Tee enthalten. Und Koffein hat viele Wirkungen. Eine ist, dass sich die Muskelfasern rund um die Blutgefäße zusammenziehen und sich die Blutgefäße dadurch verengen. Damit haben wir schon die Erklärung für die kalten Hände und Füße, denn dort, in den Extremitäten, spüren wir diese Kontraktion der Blutgefäße am schnellsten. Blutdruck steigt und die Nieren werden aktiver Wenn sich aber nun die Blutgefäße zusammenziehen, steigt außerdem der Blutdruck – denn das Blut in den Adern hat dann weniger Platz und steht somit buchstäblich stärker unter Druck. Diese Wirkung ist nur kurzfristig und klingt nach einer halben Stunde wieder ab. Doch der Körper versucht, diesen erhöhten Blutdruck abzubauen. Das geschieht, indem die Nieren aktiver werden. Die Nieren haben die Aufgabe, das Blut zu filtern, holen die Stoffe heraus, die ausgeschieden werden sollen, und mit ihnen Flüssigkeit. Wenn nun die Nieren aktiver werden, produzieren sie mehr Urin – und das sorgt für den verstärkten Harndrang. So hängt alles – die kalten Füße, der erhöhte Blutdruck und die harntreibende Wirkung – miteinander zusammen. Und Auslöser ist das Koffein im Kaffee oder Tee.
- 11.10.20253 min
Hitze bringt Rußteilchen zum Glühen Das Rot-Gelbe, das wir in den Flammen am Kaminfeuer oder in der Kerze sehen, ist nichts anderes als glühender Ruß. Die Farbe kommt also nur von der Hitze, die die Rußteilchen zum Glühen bringt. Sie hat mit dem Verbrennungsprozess als solchem nur insofern zu tun, als die Verbrennung die Hitze liefert. Denn was passiert, wenn wir Holz oder – in einer Kerze Wachs – verbrennen? In beiden Fällen wird der darin enthaltene Kohlenstoff oxidiert, d.h. er verbindet sich mit dem Sauerstoff in der Luft. Dadurch entsteht als Abfallprodukt entweder das berüchtigte Kohlendioxid oder auch Kohlenmonoxid – also Gase. Das ist eine chemische Reaktion. Weil aber in einer normalen Flamme die Sauerstoffzufuhr eingeschränkt ist, erfolgt die Verbrennung immer unvollständig – es bleibt immer eine Menge Kohlenstoff übrig, der nicht oxidiert – das ist der Ruß. Bei der Verbrennung wird aber gleichzeitig Wärme frei. Und so entstehen in der Flamme Temperaturen von 1200 bis 1400 Grad. Bei dieser Hitze fangen die Rußteilchen an zu glühen – das ist das Gelb-Rote, was wir sehen. Warum wird etwas rot, wenn es heiß wird und glüht? Im Regelfall ist das die sogenannte Schwarz-Körper-Strahlung. Das klingt widersprüchlich, weil der Körper ja gerade nicht schwarz ist, sondern rot. Der Ausdruck soll aber sagen, dass diese Strahlung unabhängig ist von der Farbe, die ein Gegenstand sonst hat. Das heißt, bei jeder Temperatur sendet ein Körper eine gewisse Grundstrahlung aus. Meist sehen wir die nicht, weil sie nicht im Bereich des sichtbaren Lichts ist. Aber wenn der Körper heißer wird – also etwa bei 1200 Grad – dann nimmt diese Grundstrahlung eine rot-gelbe Farbe an. Und wenn er noch heißer wird, kommen immer mehr bläuliche Anteile dazu, sodass der Körper insgesamt weißer wird. Und wenn die Flamme blau ist? Blaue Flammen sind eher ein Zeichen dafür, dass der Brennstoff vollständig verbrannt wird und eben kein Ruß entsteht. Manche Stoffe nehmen aber auch eine typische Farbe an, wenn sie verbrennen. Wir kennen das vom Feuerwerkskörper, wo verschiedene Metalle verwendet werden, um am Himmel bestimmte Farben zu erzeugen. Das ist aber dann keine "Glüh-Farbe", sondern da entsteht die Farbe aus einer chemischen Reaktion heraus.
Das hat zum einen historische Gründe, die sich aus der traditionellen Zubereitung beider Heißgetränke herleiten. Kaffee wurde früher aufgekocht. Dabei schäumt er; deshalb die hohe Kaffeekanne. Die bauchigen Teekannen aber kamen mit ihrer Form der früher gängigen Tee-Zubereitungsart entgegen, sagt Teehändler Ernst Janssen: "In einer bauchigen Kanne entwickelte sich der Tee besser, weil er – als Siebe noch nicht gebräuchlich waren – einfach freier schwimmen konnte." Zartes Porzellan – besseres Aroma Die Form der Kannen wiederum wurde zum Teil auf die Tassen übertragen, damit sich ein einheitliches Bild ergibt: Zur bauchigen Teekanne passen eher weite rund geschwungene Tassen. Aber es gibt auch geschmackliche Gründe: Aus einer weiten Tasse getrunken, möglichst mit dünnem Rand, entfaltet sich das Aroma deutlich besser als etwa aus einem typischen Mug – also einer dieser hohen zylinderförmigen Tassen mit dicker Wand, wie sie gerne in Büros stehen. Die sind zwar schön stabil und es passt viel rein – aber für den wahren Teegenuss sind sie weniger empfehlenswert als das klassische Teegeschirr. Tassenhenkel: eine europäische Erfindung Tassen mit Henkel sind übrigens eine Erfindung der Europäer. Als die europäischen Händler im 18. Jahrhundert Tee aus China importierten, brachten sie auch Tassen aus Porzellan mit – die hatten aber noch keine Henkel. Henkel wurden erst in Europa nachträglich "drangebappt". Und erst mit der Zeit stellten sich auch die Chinesen auf diese Vorliebe der Europäer ein und stellten Tassen mit Henkel her. Warnung vor dem Stövchen In der deutschen Teekultur hat sich darüber hinaus ein weiteres Utensil verbreitet, vor dem Ernst Janssen ausdrücklich warnt. Denn etwas sollte man mit Tee nicht tun: ihn aufs Stövchen setzen. Warum? Weil die Hitze durch die Kerze im Stövchen dafür sorgt, dass der Tee "nachzieht". Sie macht ihn dadurch immer bitterer und ungenießbarer.
- 10.10.20252 min
Hydrophob und hydrophil: zwei verschiedene Flüssigkeiten im Einsatz In Lavalampen ist natürlich keine echte Lava. Trotzdem sind die Lampen spannend – ein kleines Physik-Experiment im Wohnzimmer. Die hypnotische Bewegung der Blasen in der Flüssigkeit kommt durch die unterschiedliche Dichte der Flüssigkeiten zustande. Die Lampe, die unten im Sockel verbaut ist, ist nämlich nicht nur zum Beleuchten der Glasröhre da, sondern erhitzt auch die "Lava", die in Wahrheit eine zähflüssige Masse ist, ähnlich wie Wachs. Die zweite Flüssigkeit wird Trägerflüssigkeit genannt. Deren Zusammensetzung halten die Hersteller streng geheim. Wichtig für den Effekt ist jedoch, dass sich die beiden Flüssigkeiten nicht mischen, sondern klare Blasen geformt werden können. Das geht, weil die Trägerflüssigkeit hydrophil, also "wasserliebend", ist. Das Wachs dagegen ist eine hydrophobe Flüssigkeit und damit wasserabweisend. Hydrophile und hydrophobe Flüssigkeiten mischen sich nicht. Auch auf die Dichte kommt es an Die Trägerflüssigkeit hat außerdem eine geringere Dichte als das Wachs und schwimmt deshalb oben. Zumindest solange die Lampe ausgeschaltet ist. Schalten wir nun die Lampe ein: Das Wachs ist am Anfang fest und liegt auf dem Boden. Lässt man die Lampe jedoch lang genug brennen, erhitzt sie die beiden Stoffe. Das Wachs verändert seine Dichte pro Temperatureinheit jedoch stärker als die Trägerflüssigkeit. Wenn man beide also gleich erhitzt, dehnt sich das Wachs stärker aus und wird dadurch leichter als die Trägerflüssigkeit. Dadurch steigt die "Lava" in Kugelform so lange auf, wie sie heiß und damit leichter ist. Sobald sie oben an der Flasche abkühlt, erhöht sich ihre Dichte wieder; sie wird somit schwerer als die restliche Flüssigkeit und sinkt ab. Am Boden angekommen, erhitzt sich die "Lava" wieder durch die Lampe. So entsteht ein kontinuierlicher Kreislauf, bis man den Stecker zieht oder die Lampe ausschaltet. Die Strömungen durch die unterschiedliche Dichte in der Lavalampe sind ein anschauliches Beispiel dafür, wie auch in der Natur die großen Strömungen in unseren Meeren und auch in der Luft durch unterschiedliche Dichten und Temperaturen entstehen.
- 08.10.20252 min
Evolutionstechnisch sind Finger- und Zehennägel ein Überbleibsel von entfernten Vorfahren, die noch Krallen zum Klettern hatten. Schon bei den Primaten haben sie sich aber zu abgeflachten Nägeln entwickelt, die wir so ähnlich heute immer noch haben. Auch wenn wir nicht mehr mit ihnen klettern: Ohne sie zu leben würde auch kein Spaß machen. Schutz der empfindlichen Zehen- und Fingerkuppen Sie schützen nämlich immer noch unsere empfindlichen Finger- und Zehenkuppen vor Stößen und Verletzungen. In denen sind nämlich viele empfindliche Nerven- und Sinneszellen, damit wir gut tasten und Berührungen wahrnehmen können. Ohne den Schutz der Nägel wären viele Handgriffe unangenehm. Und immer, wenn wir uns stoßen, würde nicht der Nagel den Stoß abfangen, sondern im ärgerlichsten Fall würden wir direkt die Nerven verletzen. Nägel geben Stabilität und unterstützen die Feinmotorik Außerdem geben die Nägel uns zusätzlich Stabilität, um beim Laufen nicht das Gleichgewicht zu verlieren und Dinge besser greifen zu können. Die uns nahen Menschenaffen nutzen ihre kurzen Nägel zudem für feinmotorische Aufgaben, wie das Festhalten von Ästen oder das Entfernen von Zecken. Ähnlich wie bei unseren Fingernägeln helfen dort die Zehennägel, die Gegenstände besser zu fühlen und festzuhalten. Sie sind also auch Werkzeuge. Amerikanische Forscher haben Skelette von Urprimaten gefunden, die schon vor fast 56 Millionen Jahren Fingernägel hatten. Das ist besonders, weil die Primaten damals noch auf Bäumen lebten. Die Forscher gehen davon aus, dass sich die Nägel gleichzeitig mit den Fingerkuppen entwickelt haben. Die waren im Vergleich zu den Fingern vorher so feinfühlig und gut von den Nägeln geschützt, dass die Urprimaten damit wahrscheinlich Äste sicherer greifen und damit geschickt klettern konnten. Ohne Finger- und Zehennägel könnten wir also weder Dinge gut fühlen, noch sicher gehen und balancieren. Doch auch wenn der Schutz sehr gut ist: Auf beiden Seiten der Fingerkuppe einen Nagel zu haben, würde nicht funktionieren. Denn dann könnten wir gar nichts mehr mit unseren Fingerkuppen fühlen. Runter von den Bäumen – ran an die Nagelscheren! Interessanterweise wachsen unsere Finger- und Zehennägel immer noch ständig weiter, was auch eine Erinnerung an unsere Vorfahren mit Krallen ist. Denn damals wurden die Krallen durch das Klettern so stark abgenutzt, dass ständig neue Krallen produziert werden mussten. Natürlich nutzen wir Menschen unsere Nägel heute nicht mehr so stark ab, weshalb regelmäßig die Nagelschere zum Einsatz kommen muss.
Ich versuche es mal mit Wasser zu vergleichen und dabei auch den Unterschied zu Wasser zu verdeutlichen. Beide Stoffe – Wasser und Wachs – sind im flüssigen Zustand transparent (reines Wasser natürlich noch ein bisschen mehr als vergleichsweise trübes Wachs). Im festen Zustand gibt es Unterschiede. Wenn Wasser friert, ist das Eis im Idealfall immer noch transparent, wie die Eisschicht auf einer zugefrorenen Pfütze. Sehr oft aber ist das Eis undurchsichtig. Das liegt dann meist an Lufteinschlüssen im Eis. Eis besteht aus gitterförmig angeordneten Wassermolekülen Und man kann es sich etwas vereinfacht so vorstellen: Wenn das Wasser sauber ist, dann geht das Licht durch dieses Gitter durch. Aber dieses regelmäßige Gitter wird oft durch Lufteinschlüsse gestört, und dann wird das Licht an diesen Lufteinschlüssen in die verschiedensten Richtungen reflektiert. Dadurch wird Eis dann undurchsichtig. Wenn Wachs abkühlt und fest wird, wird es auch undurchsichtig. Aber das liegt dann nicht an Lufteinschlüssen, sondern daran dass das Wachs selbst schon ein Stoffgemisch ist. Von Wasser gibt es nur eine Molekülsorte, nämlich H2O. Aber Wachs besteht aus einer ganzen Menge von – zwar ähnlichen – aber unterschiedlich großen Molekülen. Und wenn das Wachs abkühlt, dann entsteht eben kein schönes regelmäßiges Gitter, sondern eine amorphe – d.h. strukturlose – Masse aus ganz unterschiedlich großen Wachskristallen, großen, kleinen, mittleren, die sich in alle möglichen Richtungen ausrichten. Und somit können die Lichtstrahlen eben nicht störungsfrei durchgehen, sondern treffen schon gleich an der Oberfläche auf Moleküle, an denen sie reflektiert oder gestreut werden. Und damit wird das Wachs undurchsichtig. Ein Unterschied zu Wasser ist, dass Wachs bei bestimmten Temperaturen weder richtig flüssig noch richtig fest ist, sondern zähflüssig. Hängt das auch mit dieser Struktur zusammen? Das liegt genau daran, dass die einzelnen Wachsmoleküle unterschiedlich groß sind. Je größer die Moleküle, desto höher ist auch der Schmelzpunkt. Wenn man Wachs abkühlt, verfestigen sich erstmal die großen Moleküle, und dieses Gemisch aus verfestigten und den kleinen noch immer flüssigen Molekülen macht dann in der Summe eine zähflüssige Masse. Je mehr sie abkühlt, desto höher ist der Anteil der verfestigten Wachskristalle, aber dieses Verfestigen ist eben ein kontinuierlicher Prozess, und geschieht nicht, wie beim Wasser, ganz plötzlich.
Ich denke, es gab den Auszug; die Frage ist, in welcher Form der stattfand. Die Texte entstanden in der Zeit um 600 bis 650 v. Chr., also mit rund 600 Jahren Abstand zu den geschilderten Ereignissen. Es sind also eher fiktive Texte darüber, wie man sich die Frühgeschichte Israels vorgestellt hat. Die hat man sich so vorgestellt, wie man das durch die Assyrer in dieser Zeit erlebt hat, nämlich als kriegerische Landnahme. Historische Fakten zum Auszug aus Ägypten In der Zeit des 14., 13. Jahrhunderts gab es einen völligen Zusammenbruch der damaligen Gesellschaft. Das hat mehrere Gründe. Es gab eine Klimakatastrophe und zeitweise sehr geringe Niederschläge. Der Wasserspiegel des Toten Meeres ist in dieser Zeit so extrem gesunken wie noch nie. Die Klimakatastrophe führte dazu, dass viele Städte aufgegeben werden mussten. Dazu kamen innere Unruhen. Das ist verständlich, denn wenn Menschen keine ausreichenden Verdienste mehr haben, überfallen sie Händler. Das führt mittelfristig zum Zusammenbruch des Handels und zur weiteren Entvölkerung der Städte. Es sind damals viele Leute nach Ägypten abgewandert, das können wir anhand semitischer Personennamen in ägyptischen Texten nachweisen. Die Ramsesstadt, die in Exodus 1 erwähnt wird, ist in dieser Zeit von Pharao Ramses II. groß aufgebaut worden. Da waren sicher auch Arbeitskräfte – Gastarbeiter – aus Palästina bzw. dem späteren Israel dabei. Aus Stadtstaaten wird allmählich ein Flächenstaat Die Leute kehrten aber wieder zurück und wir können feststellen, dass es in dieser Zeit um 1200 eine völlige Neustrukturierung gab. Vorher hatten wir lauter weitgehend autarke Stadtstaaten. Die sind zusammengebrochen und stattdessen entstand im Verlauf von 200 Jahren ein Flächenstaat. Es entstand ein lockeres Bündnis verbündeter Stämme. Es fand kein organisierter Auszug statt Es handelte sich also nicht um einen organisierten Auszug. Das ist bereits eine sehr alte Erkenntnis: Wenn man sich die Zahlen anschaut, die im Numeri-Buch stehen, und sich vorstellt, die Leute wären in Fünferreihen ausmarschiert, dann sind die ersten schon in Palästina, während die letzten sich noch in Ägypten befinden. Das funktioniert nicht.
Was ist der Unterschied zwischen einem absoluten und einem relativen Gehör? Absolutes Gehör bedeutet, dass ich zu jemandem sagen kann "Sing mal ein G!" – und die Person trifft dann genau den richtigen Ton. Das ist eine besondere musikalische Gabe. Selbst die meisten Musikprofis verfügen nur über ein relatives Gehör. Das heißt: Wenn man ihnen die Note C vorspielt, können sie daraus andere Töne ableiten. Sie können dann zum Beispiel problemlos ein E singen, denn sie wissen, dass zwischen einem C und einem E eine Terz liegt. Menschen mit einem absoluten Gehör brauchen diesen Bezugston nicht; sie können auf Anhieb ein A oder ein C anstimmen. Was ist bei Menschen mit einem absoluten Gehör anders? Es ist noch nicht hinreichend geklärt, was im Gehör und im Gehirn von Absoluthörern anders abläuft. Aber es ist belegt, dass es Unterschiede gibt. Eine Studie der York University in Toronto von 2019 weist darauf hin, dass bei Absoluthörern Teile des Hörzentrums im Gehirn um die Hälfte größer sind als bei Personen ohne absolutes Gehör. Das Hörzentrum ist für die Verarbeitung von Tonhöhen und Lautstärken zuständig. In der Studie hat bei Menschen mit absolutem Gehör ein deutlich größerer Hirnbereich auf die Tonfolgen reagiert. Außerdem schalten sich bei ihnen auch Hirnzellen benachbarter Hirnareale ein, wenn sie einen Ton hören. Diesen Vorteil scheinen Absoluthörern zu nutzen, um gehörte Töne sehr schnell und präzise bestimmen zu können. Ist ein absolutes Gehör angeboren oder ist es auch erlernbar? Die meisten Forscher und Forscherinnen gehen davon aus, dass ein absolutes Gehör durch eine Kombination von Veranlagung und Training zustande kommt. Es gibt eine Langzeitstudie mit Kindern ab 6 Jahren. Über Jahre hinweg hat man immer wieder Hirnscans der Kinder gemacht. Dabei stellte sich heraus: Es gibt im Gehirn tatsächlich anatomische Marker für das absolute Gehör, und diese Marker sind genetisch veranlagt. Eine andere, kalifornische Studie von 2006 kam zu dem Ergebnis, dass diejenigen Studienteilnehmenden, die schon mit vier bis fünf Jahren ihren ersten musikalischen Unterricht hatten, wenn sie älter sind auch zu denen gehören, die beim Absoluthören die Bestwerte erreichen. Mit dem absoluten Gehör ist es also ein bisschen wie mit der Fähigkeit, eine neue Sprache ohne Akzent zu sprechen. Erwachsenen gelingt das meist nicht mehr. Und die meisten Forscher gehen davon aus, dass Erwachsene auch kein absolutes Gehör erlernen können. Die andere Frage ist: Kann jedes Kind mit dem richtigen Training ein absolutes Gehör bekommen? Hier gehen die Meinungen auseinander. Die einen glauben, das geht. Andere vermuten, dass das nur Menschen mit einer bestimmten genetischen Veranlagung können. Und manche Forscher gehen noch weiter, sie sagen: Nur spezifisch veranlagte Menschen sind in einer begrenzten frühkindlichen Phase in der Lage, ein absolutes Gehör zu entwickeln. Wie viele Menschen besitzen ein absolutes Gehör? Experten schätzen die Zahl der Absoluthörer in Europa und Nordamerika auf 1 von 10.000 Menschen. In Asien dagegen gibt es Regionen, in denen fast jeder Zweite ein absolutes Gehör hat. Und da sieht man wieder den Einfluss der Kindheit, denn das wird auf die jeweilige Muttersprache zurückgeführt. Mandarin ist eine sogenannte Tonsprache. Bei ihr hängt die Bedeutung der Wörter von der Tonhöhe ab. Wer also mit dieser Sprache aufwächst, schult sein Ohr darin, Klänge genau zu unterscheiden. So kann das Wort "ma", je nach Tonverlauf, "Mutter", "Hanf", "schimpfen" oder "Pferd" heißen. Das ist ein weiteres Indiz dafür, dass wir ein absolutes Gehör nicht ohne Hörtraining entwickeln können.
- 03.10.20253 min
Kas: eine kompakte essbare Masse Darüber hat sich schon mancher gewundert ... und zu Recht, denn das Wort hat weder etwas mit Leber zu tun noch mit Käse. Fangen wir hinten an, beim Kas oder Käs. Ein Kas ist im Bayrischen der Name für eine kompakte essbare Masse. So gibt es dort auch einen Quittenkas, eine marmeladenähnliche Süßspeise aus Quitten. Das hat nichts mit Käse zu tun. Mannheim meets München Komplizierter wird es beim ersten Wortbestandteil: Warum "Leber"? Da gibt es verschiedene Erklärungen, aber am plausibelsten erscheint mir die, wonach das Wort auf das schöne deutsche Wort "Laib" zurückgeht. Der Leberkäs erinnert ja an die kompakte Form eines Brot-Laibs. Jetzt geht die Geschichte in verschiedenen Varianten weiter. Einer Variante zufolge wurde aus dem Laib-Kas im Bayrischen so etwas wie "Loabi-Kas", woraus dann in einer Pseudo-Verhochdeutschung der Leberkäse wurde. Vielleicht muss man aber auch gar nicht den Umweg über das Bayrische gehen, denn der Erfinder des Leberkäs soll vor etwas mehr als 200 Jahren ein Metzger aus Mannheim gewesen sein, den es zusammen mit seinem Kurfürsten Karl Theodor nach München verschlagen hatte. Stellen wir uns nun einen Metzger in München vor, der nach wie vor seinen Mannheimer Dialekt spricht. Da kann dann aus dem "Laib Kas" schnell der "Lääb Käs" werden. Von da ist es dann nur noch ein kleiner Schritt zum Leberkäs. Bayrischer Leberkäs darf keine Leber enthalten Und nun wird es besonders skurril. Denn heute heißt das Zeug nun mal Leberkäse, und unsere Behörden scheren sich nicht darum, dass der Name mit Leber gar nichts zu tun hat, sondern sie sagen, wo "Leberkäs" drauf steht, da muss auch Leber drin sein. Wenn Sie etwa beim Metzger "Stuttgarter Leberkäse" kaufen, muss der mindestens 5 Prozent Leber enthalten. Aber – um die Skurrilität noch zu toppen – es gibt auch eine Ausnahme: Wenn Sie original bayerischen Leberkäs kaufen, ist es genau umgekehrt: Der darf wiederum gar keine Leber enthalten. Alle anderen dagegen müssen – oder sie werden unter der neutralen Bezeichnung Fleischkäse verkauft. Das ist viel gut gemeinter Verbraucherschutz – und das alles wegen eines Worts, das mit Leber ursprünglich überhaupt nichts zu tun hatte. Abgesehen davon, dass, selbst wenn Leber drin ist, sie den Geschmack ja nun nicht wirklich entscheidend prägt.
- 02.10.20254 min
Alles Notwendige ist völkerrechtlich geregelt Vor allem in rechtsextremen Kreisen wird oft behauptet: Da es nach dem Krieg keinen offiziellen Friedensvertrag gab, bestünde das Deutsche Reich in den Grenzen von vor dem Krieg weiter – also mit großen Teilen vom heutigen Polen und Tschechien. Doch das ist nicht so, sagt zum Beispiel der Völkerrechtsexperte Claus Kreß von der Universität Köln. Einen Friedensvertrag – zwar nicht dem Wort, aber der Sache nach – gibt es, wenn auch mit großem zeitlichem Abstand. Quelle: Prof. Claus Kreß, Universität Köln Richtig ist: Am Ende des Zweiten Weltkrieges hat Deutschland zwar kapituliert, aber keinen Friedensvertrag abgeschlossen. Das lag daran, dass es in der Nachkriegszeit zunächst keine deutsche Regierung mehr gab, die einen solchen Vertrag hätte abschließen können. Zwei deutsche Staaten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Ab 1949 gab es zwei deutsche Staaten, auch dann war aber noch eine Weile umstritten, ob das deutsche Reich in diesen Staaten (oder wenigstens in der Bundesrepublik) völkerrechtlich gesehen weiterexistiert, ob also die Bundesrepublik überhaupt in der Lage wäre, einen Friedensvertrag für das Deutsche Reich abzuschließen. Im Völkerrecht war man sich dann irgendwann einig: Ja, das würde gehen. Aber dann kam das Problem hinzu: Wenn die Bundesrepublik einen Friedensvertrag geschlossen hätte, hätte die DDR ihn nicht akzeptiert. Die DDR pochte anfangs zwar auch auf einen Friedensvertrag – aber mit zwei deutschen Staaten, was wiederum für die Bundesrepublik nicht akzeptabel war. Wiedervereinigung und Zwei-plus-vier-Vertrag Deshalb wurde dieser völkerrechtliche Schlussstrich erst viel später nachgeholt, nämlich nach dem Fall der Mauer, als 1990 beide deutsche Staaten mit den ehemaligen alliierten Siegermächten die Wiedervereinigung im sogenannten Zwei-plus-vier-Vertrag geregelt haben. Im Zuge der Wiedervereinigung 1990 kam es mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag zu einer Regelung von Fragen, die seit dem Zweiten Weltkrieg noch offen waren. Insbesondere gaben die vier Mächte ihre noch bestehenden Rechte im Hinblick auf Deutschland als Ganzes auf. Quelle: Prof. Claus Kreß, Universität Köln Zwei-plus-vier-Vertrag regelt Festlegung der Grenzen Im Zwei-plus-vier-Vertrag steht alles drin, was in einem Friedensvertrag auch geregelt ist: Insbesondere die Grenzen des jetzt wiedervereinigten Deutschlands. Mit der Festlegung der Grenzen verzichtete das neue Deutschland endgültig auf die ehemaligen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie. Durfte Deutschland das? Claus Kreß sagt ganz klar: ja! "Zu der Frage, wie es sich mit Grenzveränderungen verhält, sagt das Völkerrecht, dass staatliche Grenzen zwar völkerrechtlich ein hohes Gut und als solches geschützt sind, insbesondere gegen Gewaltanwendung. Aber es gibt dem Grundsatz nach kein völkerrechtliches Verbot für einen Staat, im Rahmen einer friedensvertraglichen Regelung Gebiete, die früher zu ihm gehörten, abzutreten. Völkerrechtlich spricht man bei einer solchen Abtretung von einer Zession. Der entscheidende Punkt ist, dass der Gebietsübergang einvernehmlich geschieht. Dann ist eine solche Gebietsregelung möglich. Einvernehmlich bedeutet: Einvernehmlich zwischen dem das Gebiet abtretenden Staat und demjenigen Staat, zu dem dieses Gebiet nun gehören soll." (Claus Kreß) Da Polen und Tschechien auch einverstanden waren, war das somit in Ordnung. Insofern: Der Zwei-plus-vier-Vertrag ist kein Friedensvertrag – aber regelt alles Notwendige. Ein weiteres Papier, auf dem fett "Friedensvertrag" steht, in dem aber letztlich nur das Gleiche nochmal steht, ist deshalb nicht nötig.
Schwimmblase wird mit Muskelkraft gehalten Grundsätzlich bereitet der Wasserdruck keine Probleme; er ist innen so hoch wie außen. Probleme entstehen erst dann, wenn man die Tiefe ändert, also wenn man auf- und wieder absteigt. Speziell Tiefseefische, die in den oberen Bereichen zwischen 1.000 und 2.000 Metern leben und in der Nacht an die Oberfläche kommen, haben Probleme, diesen Druckunterschied auszugleichen. Die Schwimmblase der Fische läuft Gefahr, beim Aufsteigen zu zerplatzen. Sie wird deshalb mit Muskelkraft zusammengehalten. Mit Sauerstoff gefüllte Schwimmblase hilft durch sauerstoffarme Zonen Gleichzeitig müssen diese Tiefseefische noch durch eine Zone mit sehr wenig Sauerstoff. Die liegt meistens zwischen 500 und 800 Metern. Die Fische lösen das, indem sie vorher Sauerstoff in ihre Fischblase hineingeben und ihn wieder ausatmen, während sie durch die sauerstoffarme Zone schwimmen.
- 29.09.20251 min
Poröse Aschepartikel speichern Wasser Das hat mehrere Gründe: Vulkanasche besteht meistens aus sehr porösen Partikeln, z. B. kleine Stücke von Bims – also Glasgehäuse, in denen sich Löcher befinden. Dort, wo es nicht so viel regnet, z. B. auf den östlichen Kanarischen Inseln, kann sich die Feuchtigkeit über Nacht aus den Wolken am Boden niederschlagen und wird tagsüber in diesen porösen Partikeln gespeichert. So steht das Wasser den Pflanzen tagsüber sehr viel länger zur Verfügung als wenn es auf polierte Sandkörner träfe; da würde die Feuchtigkeit schnell versickern. Silikatschmelze setzt Nährstoffe für die Pflanzen frei Asche, also Partikel unter 2 Millimetern oder auch größere Partikel, die wir Lapilli nennen, besteht vor allem aus Glas. Das ist abgeschrecktes Magma, abgeschreckte Silikatschmelze. Das ist nicht sehr stabil und wird durch das Grundwasser leicht "angelöst", um es vereinfacht auszudrücken. Dabei werden sehr viele für das Wachstum von Pflanzen wichtige Elemente frei.
- 27.09.20251 min
Teuflisch: rot, schwarz, flink Der weit verbreitete Spruch hängt damit zusammen, dass das Eichhörnchen immer schon im Aberglauben negativ besetzt war. Denn zwei Faktoren verbinden es mit dem Teufel: Die Farbe – rot oder schwarz – und die Geschwindigkeit. Die Geschwindigkeit ist ganz typisch für den Teufel und wird ihm immer wieder zugesprochen. Es gibt sehr viele Jagdgeschichten, Jägerlatein zum Teil, wo jemand auf ein Eichhörnchen zielt und dann immer daneben schießt. Und plötzlich ist das Tier ganz wo anders – mit teuflischer Geschwindigkeit, wie man früher gesagt hat. Das hat dazu geführt, dass man sagte "der Teufel ist ein Eichhörnchen"; er kann sich ganz schnell ändern. Es kann aber auch heißen "du kannst dich täuschen". Und man hat es auch verwendet, um Leute, die abergläubisch sind, auf den Arm zu nehmen. Dann sagte man "der glaubt, dass der Teufel ein Eichhörnchen ist".
Licht und Temperatur beeinflussen die Bäume Jeder Laubbaum hat einen individuellen inneren Jahresrhythmus, nach dem er austreibt und seine Blätter abwirft. Wann ein Baum das tut, hängt dabei zuerst von der Tageslänge ab, d.h., von der Anzahl der Stunden pro Tag, in denen er Licht ausgesetzt ist. Viele Pflanzen können die Tageslänge exakt messen und steuern mithilfe dieser "physiologischen Uhr", wann und wie schnell sie wachsen, wann sie Ruhephasen oder die Samenkeimung einleiten. Da innerhalb des Jahres die gleiche Tageslänge – mit Ausnahme des kürzesten und des längsten Tages – zweimal auftritt, müssen die Bäume zwischen zu- und abnehmender Tageslänge unterscheiden können. Denn Ende Februar sind die Tage ungefähr so lang, wie sie Ende Oktober waren. Dabei hilft den Bäumen die Temperatur. Würden sich die Bäume allerdings nur nach ihr richten, würden sie schon an einem warmen, sonnigen Wintertag austreiben und die jungen Triebe müssten erfrieren Wachstums- und Entwicklungsstörungen bei versetzten Pflanzen Versetzt man Pflanzen in Klimagebiete mit abweichender geografischer Breite, führt das häufig zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen. Die Blüten- oder Triebbildung wird manchmal zu spät ausgelöst, die Samenreife bleibt aus. Ihren inneren jahreszeitlichen Rhythmus behalten die Pflanzen allerdings bei, wobei er aber dem Umfeld angepasst wird. Bei Samen, die englische Siedler im 19. Jahrhundert mit nach Neuseeland genommen hatten, kam es zu Verzögerungen im Entwicklungsablauf. Sie trieben nicht im englischen Frühling aus, sondern dann, als es in Neuseeland wärmer wurde. Ein sommergrüner Baum aus Mitteleuropa verliert also überall irgendwann sein Laub, selbst im Gewächshaus bei gleichbleibender Beleuchtung und Temperatur. Allerdings könnte sich die Vegetationsperiode verlängern, sodass die Blätter einige Wochen länger grün blieben. Äquator ist zu heiß für mitteleuropäische Laubbäume Am Äquator jedoch stellt sich die Laubfrage gar nicht erst: Unseren an ein mitteleuropäisches Klima gewöhnten Laubbäumen ist es dort viel zu heiß. Sie würden sehr schnell absterben. Danke an Prof. Stefan Ruge von der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg



















