1000 Antworten

SWR
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21.10.2026
Beschreibung
Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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Episoden
  1. Herrscher und deren Heldentaten preisen – gegen Geld Wenn man sich in die Zeit zurückversetzt, in der es Minnesänger gab oder in die Zeit des bürgerlichen Oswald von Wolkenstein – die waren so etwas wie feile Federn. Die hatten selten eine feste Anstellung und mussten von Hof zu Hof ziehen. Dort hat man Lieder gesungen. Das waren nicht "Alle meine Entchen“, sondern sehr oft handelte es sich um richtige Gesänge, die einen Herrscher, einen Grafen, einen Fürsten priesen und Geschichten von seinen Heldentaten erzählten. Der Sänger musste den Ruhm dieses Adligen in seinen Liedern verewigen und dafür bekam er dann etwas Geld, eine Unterkunft, eine Ehrengabe, vielleicht auch einen schönen Ring oder so etwas. Das hat sich übertragen, sodass man gesagt hat: Wes Brot ich ess ... – am Hofe eines Herzog von Württemberg zum Beispiel – dann sing ich lieber nichts Schlechtes über diesen, sondern etwas Positives. Denn würde ich den kritisieren, kriegte ich natürlich nichts zu essen.

  2. Okay – international weit verbreitet Interessant ist, dass es wohl kein anderes Wort gibt, das international so verbreitet ist. Denn "okay" hört man nicht nur in den USA, sondern weltweit: in Südamerika, in der arabischen Welt und in Asien. Es ist damit eines der weltweit am häufigsten verwendeten Wörter überhaupt, und trotzdem weiß niemand genau, warum und wie der Ausdruck entstanden ist. Das macht das Wort so interessant, dass ein US-amerikanischer Sprachwissenschaftler, Allen Metcalf, darüber ein 200-seitiges Buch geschrieben hat "OK – The improbable story of Americas Greatest Word". Erster eindeutiger Beleg aus dem Jahr 1839 Der Frage sind aber Wissenschaftler schon früher nachgegangen. Die heute noch gängige Erklärung wurde in einem Aufsatz von 1941 veröffentlicht. Demnach stammt der älteste eindeutige Beleg für diesen Ausdruck aus dem Jahr 1839. Da taucht das Kürzel o.k. in der Boston Morning Post auf, und zwar als Abkürzung für "all correct". Nun beginnt, wie alle Englischlehrer wissen, das Wort "all" mit einem "a" und "correct" mit "c", also müsste man "all correct" ja eigentlich mit "a.c." abkürzen. Aber es gab wohl damals an der US-amerikanischen Ostküste die Mode, Abkürzungen zu benutzen, die orthographisch betont falsch sind. So gab es das Kürzel "ky" für "know yuse" statt "no use". Und so setzte der Redakteur der Boston Morning Post eben o.k. für all correct. Und das hat er nicht nur einmal gemacht, sondern immer wieder. Hinweise auf früheres Insiderkürzel, aber kaum Belege War das also nur die Marotte eines einzelnen Redakteurs? Manches spricht dafür, dass es schon vorher ein Insiderkürzel war, so wie heute jeder SMS-Schreiber weiß, was ein LG am Ende einer Meldung bedeutet – nämlich "Liebe Grüße". Und so könnte es sein, dass "o.k." damals schon stärker in Gebrauch war. Man weiß es aber nicht, denn es gibt nur wenige schriftliche Belege. Teil einer US-Präsidentschafts-Wahlkampagne Bekannt ist aber, dass der Ausdruck ein Jahr später in einer Wahlkampagne verwendet wurde. Der amtierende US-Präsident Martin van Buren trat 1841 zur Wiederwahl an. Van Buren stammte aus einer Stadt namens Kinderhook. Er hatte den Spitznamen "Old Kinderhook" und kokettierte damit. Wie man nun mit einem gewissen Scharfsinn sofort bemerkt, lässt sich "Old Kinderhook" ebenfalls mit "O.K." abkürzen. Und das hat er sich dann in seiner Wahlkampagne zu eigen gemacht: "Old Kinderhook is OK" – das war die Botschaft seiner Wahlkampfstrategen, was zumindest dafür spricht, dass damals jeder mit diesem Kürzel etwas anfangen konnte. Van Buren verlor die Wiederwahl, wurde dann zwar doch nicht Präsident, aber zumindest hat die Kampagne geholfen, den Ausdruck weiterzuverbreiten. Parallel zu diesem Wahlkampf wurde damals die unbewiesene Geschichte verbreitet, dass schon sein Vorgänger, US-Präsident, Andrew Jackson, "o.k." als Abkürzung für "all correct" verwendet hat. Und diese Geschichte, egal ob wahr oder erfunden, soll die Mode dann noch weiter verstärkt haben. Kürzel in der Telegrafie üblich und hilfreich Wie auch immer: Die weltweite Karriere des Ausdrucks kam vor allem durch die Telegrafie. So wie heute das SMS-Schreiben eine Fülle von Abkürzungen in die deutsche Sprache gebracht hat, war es auch beim Telegrafieren hilfreich, zumindest für häufig verwendete Botschaften Kürzel zu verwenden. Und "o.k." für alles klar, alles verstanden, war da natürlich sehr praktisch. Weitere Theorien Und es gibt noch weitere Theorien. Manche sagen, das "O.K." bei den Telegrafen bedeutete eigentlich open key – also so viel wie "empfangsbereit", und hatte mit dem anderen okay – all correct – gar nichts zu tun. Außerdem gibt es die Theorie, das Wort stamme aus der Sprache der Choctaw-Indianer, wo okeh so viel bedeutet wie "jawohl!", "so ist es!". Darüber hinaus gibt es allerlei Legenden von einem angeblichen deutschen Qualitätskontrolleur namens Otto Krüger, Oskar Keller, Otto Krause – diese Geschichte gibt es in verschiedenen Varianten. Das soll ein gründlicher Deutscher gewesen sein, der bei Ford oder bei anderen Firmen gearbeitet hat. Und wenn er etwas geprüft und für gut befunden hat, soll er das mit seinen Initialen "O.K." abgezeichnet haben. Diese Geschichte hat sich im deutschsprachigen Raum lange gehalten, doch Belege dafür gibt es keine. Ohne Beleg: Die "Buchdrucker-Hypothese" Das gleiche gilt für eine weitere Hypothese, auf die uns zahlreiche Nutzer aufmerksam gemacht haben. Demnach soll die frühe Buchdruckerbranche in New York von deutschen Buchdruckern dominiert gewesen sein. Sie hätten ein druckfertiges Werk mit dem Kürzel "o.K." abgesegnet - das habe für "ohne Korrektur" gestanden. Eine verlässliche Quelle dafür habe ich allerdings nicht gefunden. Gegen diese Hypothese spricht zum einen, dass der älteste schriftliche Beleg nun einmal 1839 aus Boston stammt, wo deutsche Auswanderer um diese Zeit nur eine untergeordnete Rolle spielten. Der bedeutendenste deutsche Buchdrucker vor diesem Zeitpunkt Johann Christoph Sauer, der im 18. Jahrhundert in Germantown (Philadelphia) Bibeln druckte. Sollten er oder andere seiner Zunft "o.K." verwendet haben, wäre zu erwarten, dass es dafür eine Beleg oder einen klaren Hinweis gibt. Und selbst wenn es ein internes Kürzel gewesen wäre - wie gelangte es dann in die breite nicht-deutschsprachige Öffentlichkeit? Insofern gehört auch diese Hypothese zu den zahlreichen Mutmaßungen, für die es allerdings wenig Belege gibt.

  3. Man muss sich das so vorstellen: Kein Haar wächst ewig. Bei den meisten Menschen wächst ein Haar 2 bis 6 Jahre lang. Diese Zeit des Wachstums heißt auch "Anagen". Danach gehen die Haarfollikel – also die Stellen in der Haut, aus der die Haare herauswachsen – in eine Ruhephase über – das "Telogen". Sie hören dann auf, Haare zu produzieren, das Haar dünnt dann an der Haarwurzel aus, verliert an Halt – und fällt irgendwann aus. Spätestens dann, wenn das Haarfollikel in die nächste aktive Phase übergeht, ein neues Haar produziert, verdrängt das neue Haar das alte. Dieser Erneuerungsprozess passiert grundsätzlich immer und ständig – ungefähr ein Siebtel unserer Haarpracht, sofern vorhanden, befindet sich im Schnitt jeweils in dieser Erneuerungsphase, in der das Wachstum aufhört, Haare ausfallen und neue nachkommen. Warum verstärkt sich der Haarausfall im Herbst? Im Spätsommer und Herbst gehen überdurchschnittlich viele Haarfollikel in diese Ruhephase über. Und zwar deshalb, weil das Haar und die Haarwurzel im Sommer überdurchschnittlich stark belastet wird, vor allem durch viel Sonne und UV-Strahlung, zum anderen durchs Baden in gechlortem Wasser oder in Salzwasser. Vor diesen Belastungen schützen sich die Haarfollikel, indem sie im Sommer in die Ruhephase gehen, und nach ein paar Wochen – also im Herbst fallen dann vermehrt Haare aus. Möglicherweise gibt es auch andere Gründe – eine hormonelle Umstellung im Herbst, aber diese Zusammenhänge sind weniger klar. Individuell ist das aber sehr unterschiedlich. Die einen merken von diesem saisonalen Haarausfall gar nichts, bei anderen bleiben dagegen im September auffallend mehr Haare in der Bürste oder im Abfluss der Dusche zurück. Das Phänomen gibt es übrigens auch nochmal weniger ausgeprägt im Frühjahr. Das könnte damit zusammenhängen, dass der Körper, wenn die Tage länger werden, weniger vom Hormon Melatonin produziert, das beim Haarwuchs eine Rolle spielt. Aber diese Zusammenhänge sind noch nicht so gut erforscht. Gibt es Möglichkeiten, den saisonalen Haarausfall zu stoppen? Wenn man den saisonalen Haarausfall verhindern will, geht das eigentlich nur, indem man das Haar weniger stresst, also weniger der Sonne aussetzt – sprich: Mütze tragen. Und wenn man weniger im Meer oder im Schwimmbad baden geht. Aber wozu? Man muss sich klarmachen: Bei diesem saisonalen Haarausfall handelt es sich NUR um einen Erneuerungsprozess. Anstelle der ausgefallenen Haare kommen ja in der Regel wieder neue nach. Der Versuch, den herbstlichen Haarausfall zu verhindern, bringt also nicht viel; man verschiebt dadurch den Haarausfall bestenfalls ein paar Wochen oder Monate nach hinten. An der Haarpracht selbst ändert das langfristig aber nichts.

  4. 20.09.2025
    3 min

    Wasser kühlt Einfach gesagt: Weil Wasser kühlt. Das überrascht vielleicht, denn intuitiv würden die meisten Menschen wohl denken: Dass Wasser Feuer löscht, liegt daran, dass das Wasser selbst nicht brennbar ist. Und wenn es ein Stück Holz benetzt und durchfeuchtet, kann das nasse Holz aus diesem Grund nicht mehr brennen. Wasser entzieht dem Feuer Energie Der eigentliche Grund, warum Wasser Feuer löscht: Wasser entzieht dem Feuer Energie. Nämlich dann, wenn es verdampft. Wasser zum Verdampfen zu bringen, braucht unheimlich viel Energie. Das macht man sich oft nicht klar. Das liegt an den berühmten Wasserstoffbrücken: Wasser, also H2O, ist eine Verbindung aus Wasserstoff und Sauerstoff. Es sind aber nicht lauter einzelne H2O-Moleküle, die da vor sich hintreiben. Die einzelnen Moleküle hängen durch jene Wasserstoffbrücken stark aneinander: Das wirken sozusagen elektrische Anziehungskräfte zwischen den Wasserstoff- und den Sauerstoffatomen. Wasserstoffbrücken "sprengen" kostet Energie Wenn man Wasser verdampfen will, muss man diese Brücken sprengen, und dazu braucht man viel Energie, sprich Wärme: Um einen Liter Wasser zu verdampfen – also um lediglich der Übergang vom flüssigen in den gasförmigen Aggregatzustand herbeizuführen – benötigt man 7-mal so viel Energie wie nötig ist, um die gleiche Menge Wasser von Zimmertemperatur auf 100 Grad Celsius zu erhitzen. Deswegen ist es eine große Energieverschwendung, Wasser im Topf ohne Deckel zum Kochen zu bringen. Da verdampft viel Wasser unnötig, und beim Verdampfen wird mehr Energie verbraucht als durch das reine Erhitzen. Dieser Effekt greift also auch beim Feuer: Wenn man Wasser über einen brennenden Gegenstand kippt, verdunsten Teile des Wassers, und dabei wird dem heißen Stück Holz oder der Kohle so viel Energie entzogen, dass es für das Feuer nicht mehr reicht. Das ist der entscheidende Grund dafür, dass Wasser zumindest in vielen Fällen Feuer löschen kann.

  5. Woher weiß die Spinne, dass da noch ein anderer Stamm ist? Sie weiß es nicht. Anders als Tarzan, der mit einer Liane in einer Baumkrone steht und die andere schon im Visier hat, hat die Spinne, die auf einem Ast sitzt, keine Ahnung, wie weit der nächste Baum entfernt ist. Deshalb lässt sie es einfach mal darauf ankommen. Zunächst wartet die Spinne ab, bis ein leichter Wind weht – nur ein leichter, es darf nicht stürmen – streckt ihren Hintern in die Luft, sodass der Spinnfaden austritt. Also ein bisschen wie Rapunzel, nur dass die Spinne nicht ihr Haar herunterlässt, sondern einen Spinnfaden. Der Wind kommt, nimmt den Faden mit und zieht dabei den Faden immer weiter aus der Spinne heraus. Jetzt hat die Spinne entweder Pech, das heißt: weit und breit erwischt sie keinen Anknüpfungspunkt, an dem der Faden hängen bleibt. Das ist aber nicht schlimm: Dann holt sie den Faden einfach wieder ein, recycelt das Material und versucht es unter Umständen von neuem. Oder aber der Faden bleibt tatsächlich an einem benachbarten Baum oder Ast hängen. Wenn die Spinne merkt, dass Spannung auf den Faden kommt, macht sie weiter und läuft über den Faden ans andere Ende. Das ist natürlich ein Balanceakt, deshalb zieht sie einen Sicherheitsfaden hinter sich her – wenn sie abstürzt, kann sie sich daran wieder hochziehen. Wenn sie aber nicht abstürzt und heil über den Faden ans andere Ende gelangt, hat sie einen ersten Rahmen- oder Brückenfaden, mit dem sie dann weiter machen kann. Wie weit darf der Nachbarbaum höchstens entfernt sein, damit die Spinne zwischen den Bäumen ein Netz aufspannen kann? Das hängt von der Spinnenart ab. Das können schon mehrere Meter sein, zumal der Brückenfaden sehr stabil ist. Es gibt sogar Spinnen in Madagaskar – die wurden erst kürzlich wissenschaftlich beschrieben – die regelmäßig Netze produzieren, die ein ganzes Flussufer überspannen. Ausgangspunkt sind auch hier Äste, die über dem Fluss hängen, aber diese Spinne schafft es tatsächlich, über die gesamte Flussbreite ein Netz aufzuziehen und dabei 25 Meter zu überbrücken. Diese Spinnenart heißt Caerostris darwini – einen offiziellen deutschen Namen gibt es noch nicht, in Presseberichten wird sie als "Darwins Rindenspinne" bezeichnet. Was bei ihr auch bemerkenswert ist: Ihre Spinnseide ist extrem reißfest. Sie ist überhaupt nicht zu vergleichen mit normalen Spinnenfäden, sondern eher so wie die Saiten bei einem Tennisschläger. Die Forscher sagen, es ist das zäheste von der Natur produzierte Material, das bisher bekannt ist. Klar: Es muss ja auch so fest sein. Ein solche großes und schweres Netz, in dem sich dann auch noch richtig große fette Beute-Insekten verfangen, würde ja sonst reißen.

  6. In den mittleren Breiten kommt der Wind meist aus West Das ist nicht überall auf der Erde so. Aber gerade in den mittleren Breiten, in denen wir leben, kommt tatsächlich der Wind meist aus West. Das hängt zum einen mit der Erddrehung zusammen – also damit, dass sich die Erde von West nach Ost dreht. Zum anderen mit unserer Position auf der Erde. Im Grenzgebiet zweier Zonen Wir leben klimatisch in einer Gegend, in der sich immer wieder Hoch- und Tiefdruckgebiete abwechseln – das kennen wir aus dem Wetterbericht. Das liegt daran, dass wir uns in einem Grenzgebiet befinden zwischen zwei Zonen, die sich wie Gürtel um die Erde ziehen. Südlich von uns – in Südeuropa und vor allem Nordafrika – befindet sich eine Hochdruck-Zone. Deshalb ist es in Nordafrika so heiß und trocken. Nördlich von uns dagegen – Richtung Skandinavien, oder allgemein Richtung nördlicher Polarkreis – befindet sich ein Gürtel mit überwiegend Tiefdruckwetterlagen. Corioliskraft lenkt Luftströmungen ab Zwischen diesen beiden Zonen – platt gesagt: zwischen der Sahara und dem Polarkreis – herrscht somit tendenziell ein Druckgefälle. Infolgedessen strömen Luftmassen vom Hochdruck- zum Tiefdruckgebiet – das wäre also eigentlich von Süd nach Nord. Diese Luftströmungen werden allerdings nach Osten abgelenkt; Wetterexperten sprechen von der Corioliskraft. Daran ist die Erdrotation schuld, aber auch die Trägheit der Luftmassen. Und das kommt so: Die Erde dreht sich bekanntlich in 24 Stunden einmal um sich selbst. Angenommen, Sie befinden sich am Äquator – der hat einen Umfang von 40.000 Kilometern. Da Sie sich mit der Erde drehen, bewegt sich jeder Punkt auf dem Äquator – somit auch Sie – faktisch mit einer Geschwindigkeit von 40.000 km pro Tag nach Osten, nämlich einmal um die Erdachse. Anderswo bewegen sie sich langsamer. Am Äquator sind sie ja weit weg von der Erdachse. Entfernen Sie sich vom Äquator und bewegen sich Richtung Nordpol, rücken Sie immer näher an die Erdachse ran; am Nordpol selbst stehen Sie ja direkt auf ihr. Zwar bewegen wir uns auch in Deutschland an jedem Tag einmal um die Erdachse – nämlich entlang des, sagen wir, 50. Breitengrads. Aber in Kilometern beträgt dieser "Weg" nur 26.000 km – ist also viel kürzer als am Äquator. Was hat das nun mit dem Wind zu tun? Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Luftmolekül in der Sahara und fliegen nach Norden – weil da der Luftdruck niedriger ist. Sie starten also in Afrika, nicht weit vom Äquator, und haben dort eine relativ hohe Bahn-Geschwindigkeit. Der Standort unter Ihnen – und damit auch Sie – bewegen sich wegen der Erddrehung mit vielleicht 36.000 km pro Tag nach Osten. Diese Geschwindigkeit behalten Sie auf Ihrem Weg nach Norden bei, denn Sie haben, wie jeder Körper, eine Trägheit. Doch kommen sie jetzt in eine Gegend, in der sich die Erdoberfläche verglichen mit Ihnen immer langsamer bewegt. Umgekehrt heißt das: Sie bewegen sich in Relation zur Erde unter Ihnen schneller. Ähnlich wie jemand, der aus einem fahrenden Zug springt. Für einen Beobachter auf der Erde fliegen Sie – als Luftmolekül – Richtung Osten. Und wenn man sich das jetzt in groß vorstellt, mit ganz vielen Luftmolekülen, dann bedeutet das, dass der Wind, der von Süden nach Norden "will", scheinbar nach Osten abgelenkt wird. Der Wind weht dann im Ergebnis von West nach Ost. Das ist der wesentliche Grund, weshalb bei uns der Wind überwiegend aus dem Westen kommt.

  7. Ich erinnere mich, dass auch unsere Biolehrerin in der Unterstufe uns genau das auch erzählt hat: Dass also der Apfelbaum eine apfelförmige Krone habe und der Birnbaum eine birnenförmige. Das gehört für mich zu den wenigen Dingen, die ich aus dem Pflanzenkundeunterricht noch in Erinnerung habe. Ich habe jetzt bei verschiedenen Botanikern Meinungen eingeholt. Manche meinten, das sei nur ein alter Volksmythos, an dem nichts dran sei. Solche Ähnlichkeiten zwischen Blatt und Baum oder Frucht und Baum seien reiner Zufall. Mal kommt’s vor, mal aber auch nicht. Kein Naturgesetz Bei einer Kastanie etwa sehen die Blätter nicht unbedingt aus wie der Baum, auch nicht bei der Esche mit ihren gefiederten Blättern. Die haben gar keine Ähnlichkeit hat mit dem Erscheinungsbild des gesamten Baums. Also ein echtes Naturgesetz steckt da sicherlich nicht dahinter. Umweltfaktoren können Blätter und Baumform gleichermaßen prägen Aber die interessante Frage ist ja: Wenn es solche Ähnlichkeiten gibt, ist das wirklich reiner Zufall oder könnte da irgendein Zusammenhang bestehen? Und da haben mir tatsächlich einige Botaniker eine plausible Erklärung gegeben. Nämlich, dass die äußere Umwelt – also die Klimabedingungen, in der eine Pflanze wächst – einen Anpassungsdruck ausübt, der manchmal Blätter und Krone in die gleiche Form bringt. Spitze Formen als Schutz vor Schneebruch Ein Beispiel, das mir der Forstwirt und Botanikprofessor Stefan Ruge aus Rottenburg genannt hat: Nehmen Sie Nadelbäume im Hochgebirge. Die haben in der Regel eine schlanke spitze Krone und einen geraden Stamm, um wenig Angriffsfläche für den Schnee zu bieten – damit es also nicht zum Schneebruch kommt. Und die gleichen Bäume haben auch schlanke, schmale elastische Nadeln – aus dem gleichen Grund, damit sie nicht unter der Last des Schnees brechen. Das Gleiche mit den Zapfen bzw. Früchten dieser Bäume. Eine große Zapfenoberfläche birgt die Gefahr, dass die Zapfen bei schwerem Schnee abfallen, bevor sie reif sind. Also sind die Zapfen schmal und hängen nach unten. Trockenheit begünstigt Forrmen mit kleinen Oberflächen Oder nehmen Sie einen anderen Umweltfaktor: Trockenheit. In trocken-heißen Klimazonen haben vor allem solche Bäume überlebt, die im Verhältnis zum Volumen eine kleine Oberfläche haben, von der wenig Wasser verdunstet, sodass die Pflanzen viel Wasser speichern können. Dieser Selektionsdruck kann sowohl auf den gesamten Baum wirken als auch auf die einzelnen Blätter. Noch ein drittes Beispiel, das mir Peter Groth von der Universität Konstanz genannt hat: Wenn zum Beispiel beim Baum das Blatt groß ist, dann kann es relativ viel Sonnenlicht einfangen. Außerhalb von Trockengebieten ist es also wichtig, große Blätter zu haben, damit diese viel Sonnenlicht einfangen können. Das Gleiche gilt dann natürlich für den ganzen Baum. Mit Fantasie lassen sich Ähnlichkeiten erkennen Über solche Zusammenhänge kann man also manche Ähnlichkeiten erklären, aber man muss auch sagen: Mitunter ist es wirklich Interpretationssache. Wenn wir Ahorn und Linde nehmen, werden die Meinungen schon auseinandergehen. Hat der Ahornbaum wirklich Ähnlichkeit mit diesem gezackten Blatt? Oder wie ist es bei der Linden? Das Lindenblatt ist vorne recht spitz, der Baum selbst ist oben eher ein bisschen rundlich. Das ist also eher eine Sache der Fantasie, inwieweit man diese Ähnlichkeit sehen will oder auch nicht. Auf jeden Fall ist es ein interessantes Phänomen und die Erklärungen, die ich gefunden habe, sind ganz hilfreich, um zumindest manche Ähnlichkeiten zu erklären.

  8. Der entscheidende Unterschied ist, dass man das Papiertaschentuch nach Benutzung normalerweise wegwirft, das Stofftaschentuch dagegen nicht. Nur deshalb spielt das Material überhaupt eine Rolle. Virus oder Allergie? Auf die Art des Schnupfens kommt es an Zusätzlich kommt es auf die Art des Schnupfens an. Bei einem infektiösen Virus-Schnupfen ist Zurückhaltung geboten mit Stofftaschentüchern, die man sich nach Gebrauch in die Hosentasche steckt. Nicht, weil man sich selbst nochmal anstecken könnte. Das passiert nicht. Die Erreger sind ja längst im Körper und der hat schon angefangen, Abwehrkräfte dagegen zu entwickeln. Da machen ihm die paar zusätzlichen Keime im Taschentuch auch nichts mehr aus. Anderen Menschen allerdings schon. Ein benutztes Taschentuch in der warmen Hosentasche ist ein Paradies für Krankheitserreger. Wenn man es zum nächsten Schnäuzen aus der Tasche holt, wedelt man die Keime unter Umständen durch die Luft und stecken andere Menschen an. Heuschnupfen ist nicht ansteckend Anders ist es bei Allergien: Heuschnupfen ist nicht ansteckend. Ebenso wenig eine winterliche Triefnase, die einfach nur auf Kälte reagiert, bei der aber keine Krankheitserreger im Spiel sind. In solchen Fällen kann man guten Gewissens zum Stofftaschentuch greifen. Sicherheitshalber sollte man aber auch die regelmäßig waschen – und wenn man auf Nummer sicher gehen will – bügeln. Kein Witz! Nicht aus Ordnungsliebe, sondern weil das Bügeln mögliche Keime, die die 60-Grad-Wäsche überlebt haben, auf jeden Fall vernichtet.

  9. Wenn von Wasserknappheit die Rede ist, geht es meist um einzelne Regionen; das kann mal Kalifornien sein, mal Ostafrika. An manchen Stellen ist der Wassermangel chronisch – mit der Folge, dass große Binnengewässer wie etwa der Aralsee oder das Tote Meer austrocknen. In all diesen Fällen hat das nichts damit zu tun, dass sich die Gesamtmenge an Wasser auf dem Globus ändern würde. Ausschlaggebend ist vielmehr die Verteilung des Wassers. Klimawandel: Wüstenzone Nordafrikas hat sich nach Südeuropa ausgedehnt Das kann zum einen mit dem Klima zusammenhängen. Weltweit gesehen nehmen die Niederschläge infolge des Klimawandels tendenziell zu – der Wasserkreislauf wird beschleunigt, es verdunstet mehr und infolgedessen regnet es auch mehr. Nur regnet es eben nicht überall auf der Erde gleichmäßig, sondern an manchen Stellen mehr, an anderen weniger. Selbst wenn übers Jahr gesehen die Niederschläge in einer Gegend gleich bleiben, kann es passieren, dass es mal wochenlang nicht regnet – dann herrscht dort Wasserknappheit. Durch den Klimawandel beispielsweise hat sich die Wüstenzone Nordafrikas schon nach Südeuropa ausgedehnt, sodass dort das Wasser verstärkt knapp ist. Anderswo auf der Erde regnet es dafür mehr. Kurz: Regionale Wasserknappheit kann einfach durch eine ungünstige Verteilung der Niederschläge entstehen. Landwirtschaft und Wassernutzung haben großen Einfluss auf Wasserknappheit Ein aber fast noch wichtigerer Auslöser für Wasserknappheit ist die Art der Wassernutzung. Warum trocknet der Aralsee aus? Weil riesige Mengen an Wasser, die früher in den See geflossen sind, abgezweigt werden zur Bewässerung der Baumwollplantagen. Und alles Wasser, das ich für Landwirtschaft verwende, geht in dem Sinne verloren, dass es nicht mehr für andere Zwecke zur Verfügung steht – auch nicht als Trinkwasser. Natürlich transpirieren die Baumwollpflanzen das Wasser, das sie zum Wachsen benötigen auch wieder in die Atmosphäre – aber es regnet dann eben nicht über dem Aralsee nieder – wo es normalerweise hingeflossen wäre – sondern anderswo. Das ist global gesehen das Problem: Eine immer größere Menschheit benötigt immer größere Ackerflächen. Deshalb wird immer mehr Regenwasser oder Flusswasser zur Bewässerung von Pflanzen eingesetzt. Es verdunstet, gleichzeitig sinkt der Grundwasserspiegel – so entsteht Wasserknappheit.

  10. Tendenz: Frühherbst Ich habe drei Statistiken gefunden, zwei aus den USA und eine aus Österreich: Schon die Zahlen aus den USA widersprechen sich ein wenig. Zum einen gab es die Statistik der (inzwischen eingestellten) Internetseite anybirthday.com. Das war eine Seite, die man u. a. als Erinnerungskalender nutzen konnte, um Geburtstage von Freunden und Angehörigen nicht zu vergessen. Nach der Statistik dieser Seite ist der Rekordhalter der 5. Oktober. Diese Daten beruhen allerdings auf freiwilligen Angaben von Millionen von Nutzern. Daneben hat die New York Times eine Statistik der Geburten zwischen 1973 und 1999 veröffentlicht. Dort stand der 16. September auf Platz 1. Nach der österreichischen Studie – sie beruht auf amtlichen Zahlen – gibt es ebenfalls eine Häufung von Geburten im frühen Herbst. Allerdings ist da der häufigste Geburtstag am 22. September. Weihnachtszeit inspiriert möglicherweise zur Familiengründung Auf jeden Fall zeigen die Zahlen sehr schön einen Anstieg bei den Geburten zwischen Juli und Oktober. Und Ende September/Anfang Oktober kommen bis zu 15 Prozent mehr Kinder auf die Welt als im Jahresdurchschnitt. Wenn wir 9 Monate zurückzurechnen, stellen wir fest, dass diese Kinder vor allem in den Weihnachtsferien gezeugt wurden. Wenn man es noch genauer macht und die Durchschnittsdauer einer Schwangerschaft von 266 Tagen ansetzt, landet man ausgehend vom 22. September ziemlich genau bei Neujahr. Nun kann man spekulieren, ob an diesem Tag viele Menschen schon einen ersten guten Vorsatz fürs neue Jahr umsetzen wollen oder ob generell die Weihnachtszeit eine überdurchschnittliche Zahl von Leuten zur Familiengründung inspiriert. Was die Geburten in Deutschland betrifft, weist das statistische Bundesamt nur eine Monatskurve aus – der Trend ist ähnlich. Anmerkung zur Grafik: Die Zahl 1.000 für den Jahresdurchschnitt bedeutet nicht, dass im Schnitt 1.000 Kinder pro Tag geboren werden. Vielmehr dient die Zahl der Vergleichbarkeit – die Bevölkerung und damit die Geburten schwanken ja von Jahr zu Jahr. Deshalb wurden jeweils die Geburtenzahlen jedes Jahres auf "1.000" heruntergerechnet, um die Häufigkeiten vergleichbar zu machen. Die Kurve verdeutlicht auch sehr schön, dass sich die Kurven über die Jahre verändern. Früher in der Zeit vor der Pille sind in Deutschland die meisten Kinder noch im März/April geboren worden. Man könnte sie als Produkte von starken "Frühlingsgefühlen" im Vorjahr deuten. Zwar gab es auch damals schon eine zweite kleine Spitze im September, aber erst in den letzten Jahrzehnten wurde der September zum geburtenstärksten Monat.

  11. Die Zeit zwischen Altertum und Neuzeit Wir können heute vom Mittelalter sprechen, weil wir in der "Neuzeit" leben. Aber natürlich hat um 1000 n. Chr. niemand gesagt, "Ich lebe im Mittelalter." – Der Begriff ergibt nur Sinn aus der Perspektive einer späteren Zeit, die sich selbst als "Neuzeit" definiert hat. Für uns beginnt die "Neuzeit" mit der Renaissance und der Rückbesinnung auf das Erbe der Antike. Dadurch ergibt sich die etablierte Dreiteilung. Es gibt das Altertum – die "gute alte Antike", also die Zeit bis zum Ende des Römischen Reiches; es gibt die "Neuzeit" – eben die Zeit ab der Renaissance. Man kann auch sagen: Die Zeit seit der europäischen Expansion nach Amerika, Asien und Afrika. Und die Zeit zwischen Altertum und Neuzeit nannte man dann einfach Mittelalter. Augustinus: sechs Zeitalter vom Anfang bis zum Ende der Welt Im Mittelalter sprach man nicht vom Mittelalter, man sah sich aber auch nicht als Neuzeit. Zumindest in der Welt der Kirche hatte man eine ganz andere Zeitrechnung, nämlich die von den sechs bzw. sieben Weltzeitaltern. Die Idee geht zurück auf den Heiligen Augustinus, der im fünften Jahrhundert lebte. Augustinus formulierte die Theorie, dass vom Anfang bis zum Ende der Welt sechs Zeitalter vergehen, jedes 1.000 Jahre lang. Und nach dieser Theorie lebten die Menschen in der Zeit, die wir heute Mittelalter nennen, im sechsten und damit letzten Weltzeitalter – das heißt, man steuerte aufs Ende der Welt und somit aufs Jüngste Gericht zu. Wie ist Augustinus darauf gekommen? Die Grundlage für seine Theorie war eine Stelle aus dem 2. Brief des Petrus, wo es heißt, dass "beim Herrn ein Tag wie 1.000 Jahre und 1.000 Jahre wie ein Tag sind". Also: 1000 Jahre sind mit einem Tag zu vergleichen. Nun steht in der Bibel, Gott habe die Welt in sechs Tagen erschaffen. Der Analogieschluss war nun: Wenn man einen Tag mit 1.000 Jahren gleichsetzt, und in dieser Sechs-Tages-Logik denkt, kommt man auf 6.000 Jahre. Diese Zahl passte wiederum ganz gut zu den Zeitangaben in der Bibel. Da steht ja genau drin, wer von wem abstammt und wer wie lange gelebt hat. Als die frühen Christen das bis Adam zurückrechneten, haben sie ermittelt, dass von Beginn der Welt grob 5.000 Jahre vergangen sind. Und so kam die Theorie: 5.000 Jahre entsprechen fünf Zeitaltern von je 1.000 Jahren. Diese Rechnung steht im Gegensatz zu der, die dem jüdischen Kalender zugrunde liegt und die Schöpfung im Jahr 3761 Jahre v. Chr. ansetzt. Letztes Zeitalter beginnt nach Augustinus mit Christi Geburt Das erste Zeitalter dauerte von Adam bis zur Sintflut. Das zweite von der Sintflut bis zu Abraham – und so ging das weiter. Das fünfte Zeitalter wiederum endete laut Augustinus schließlich mit der Ankunft von Jesus Christus. Und also begann damit auch das sechste und letzte Zeitalter. Eben das christliche Zeitalter – Aetas Christiana. Und wenn das vorbei ist, dann – so die Vermutung – kommt der Jüngste Tag. Und das war’s dann. Renaissance: Mittelalter wird als Mittelalter definiert Doch der Jüngste Tag kam dann doch nicht, die Welt drehte sich weiter und so verschwand diese Art der Zeitrechnung in der Versenkung – bis in der Renaissance das Mittelalter als "Mittelalter" definiert wurde.

  12. Man kann sich kaum vorstellen, dass man dieses Schiff wirklich an eine Waage gehängt hat. Aber man kann ein Schiff ganz einfach "wiegen", indem man die Auftriebskraft nutzt – also den Grund, warum ein Schiff überhaupt schwimmt. Die Auftriebskraft kompensiert die Gewichtskraft. Sie ist also genauso groß wie das Gewicht des Schiffes. Nun gilt das Prinzip des Archimedes – das Prinzip ist also schon mehr als 2.000 Jahre bekannt: Die Auftriebskraft ist genauso groß wie die Masse der vom Schiff verdrängten Flüssigkeit. Auftriebskraft = Gewicht Da die Auftriebskraft gleich der Gewichtskraft ist, muss man diese messen. Dazu müssen Sie wissen, wie viel Wasser die Titanic verdrängt. Das können Sie sich folgendermaßen überlegen: Die Titanic war 269 Meter lang und im Durchschnitt 20 Meter breit. Vorne war sie etwas schlanker, in der Mitte etwas breiter, aber im Durchschnitt 20 Meter breit. Sie hatte 10 Meter Tiefgang. Wenn Sie diese drei Zahlen miteinander multiplizieren, kommt 53.800 raus. Jetzt müssen Sie nur noch wissen, dass 1 Kubikmeter Wasser eine Tonne wiegt. Das ergibt 53.800 Tonnen. Ein Liter Wasser wiegt ein Kilogramm Ein Liter entspricht sozusagen 10 x 10 x 10 Zentimeter – wie ein kleiner Würfel. Den müssen Sie in jeder Dimension um zehn verlängern. Das heißt, da kommt ein Faktor 1.000 raus. Also ist eine Tonne = 1.000 Kilo und 1.000 Kilo entsprechen einem Kubikmeter.

  13. Das Wort "Studentenfutter" taucht schon im 17. Jahrhundert auf. Konkret: 1691 in einem deutschen Wörterbuch von Kaspar von Stieler mit dem Titel "Der Teutschen Sprache Stammbaum und Fortwachs". Dort findet sich ein Eintrag "Studentenfutter" und dazu die lateinische Erklärung: "amygdala cum uvis passis mixta" – also: "Mandeln, gemischt mit Rosinen". Was haben Studenten mit dem Studentenfutter zu tun? Das wird in einem Buch über Kochkunst Anfang des 19. Jahrhunderts erklärt. Dort wird Studentenfutter als typische "Schleckerei" von Studenten beschrieben. Quasi als Snack der Gymnasiasten und Studenten. Der Nuss-Frucht-Mix ist zu dem Zeitpunkt aber lange noch nicht so ausgefallen wie heute und besteht ausschließlich aus Rosinen und Mandeln. Warum ist die Mandel-Rosinen-Mischung bei Studenten so beliebt? Das lag einerseits an den schlechten Essensmöglichkeiten auf dem Campus von Gymnasien und Universitäten. Die Schulen waren nämlich nicht wie heute mit Mensen oder Cafeterien ausgestattet. Da haben sich die Schüler ihre "Schleckereien" eben von zu Hause mitgebracht. Neben süßen Backwaren waren es dann auch mal Mandeln und Rosinen. Studenten kamen außerdem meist aus wohlhabenden Familien. Nun waren Nüsse und Trockenobst recht teuer – es waren Luxusartikel, die sich nur gehobene Gesellschaftsschichten mit genügend Geld leisten konnten. Und weil es vor allem in reicheren Familien möglich war, die Söhne auf Gymnasien zu schicken, etablierte sich gerade in diesen Kreisen das sogenannte "Studentenfutter". Spielten gesundheitliche Überlegungen eine Rolle? Ja, man ist damals davon ausgegangen, dass Nüsse gut für die Konzentration seien. Trockenobst wiederum sollte gegen verschiedene Krankheiten helfen. So wurde den Studenten zum Beispiel in Gesundheitsratgebern empfohlen, gegen Schwindsucht oder Verstopfung Rosinen oder getrocknete Pflaumen zu essen.

  14. Aggressionsneigung bei allen Menschen vorhanden Man kann sagen, dass Aggression ein verbindendes Element der Kulturen ist. Zwar gibt es keinen Aggressionstrieb im engeren Sinn, wie das früher vielleicht behauptet wurde. Aber es gibt bei allen Menschen eine gewisse Aggressionsneigung. Außerdem kann man feststellen, dass diese Neigung bei Männern tendenziell höher ist als bei Frauen, wenn wir Aggression nicht nur als Aggression mit Worten oder durch Witze auffassen, sondern als körperliche Gewalt. Diese Tendenz ist bei Männern eindeutig quer durch alle Kulturen gleich. Kulturen gehen unterschiedlich mit Gewalt um Kulturen unterscheiden sich sehr stark darin, inwiefern sie dieses Verhalten fördern oder etwas dagegen tun. Es gibt Kulturen, die die Männlichkeit ganz explizit unterstützen, indem sie Jungen verbieten zu weinen, sehr früh Kampfspiele einführen usw. und das bei Mädchen anders handhaben. Allerdings gibt es auch Kulturen, die genau das Gegenteil machen. Dort versucht man, sehr ausgleichend zu wirken und sogar Aggression bei Konflikten zu verhindern. Aber es gibt kein Volk, das als glückliche, friedliche Ethnie vom Himmel gefallen ist. Das ist die interessante Erkenntnis: Alle Kulturen müssen gegen Aggression explizit aktiv werden, wenn sie sie einschränken wollen. Mit Ritualen und Gesprächen gegen Aggression In Malaysia gibt es zum Beispiel Kulturen, die, wenn ein gewaltsamer Konflikt droht, die beiden Parteien zusammenführen und in einem Ritual die Wichtigkeit des friedlichen Umgangs für die ganze Gruppe betonen. Das wird sehr aktiv mit viel Aufwand, vielen Ritualen und vielen Gesprächen betrieben und zwar so, dass jeder der beiden Kontrahenten mit geradem Rückgrat aus diesen Verhandlungen wieder herausgehen kann. Auf diese Weise wird Aggression abgebaut bzw. verhindert.

  15. Wichtig: richtiges Verhältnis von Wasser und Salz Durst signalisiert uns: Wir sollten etwas trinken. Also könnte man denken, der Körper stellt irgendwie fest, dass Wasser fehlt. Aber so einfach ist es nicht. Denn unser Körper braucht nicht nur Wasser, sondern auch Salz. Und das Verhältnis zwischen beiden muss stimmen – es sollte weder zu viel Wasser noch zu viel Salz da sein. Deshalb muss unser Körper das ständig ausbalancieren. Man kann sich das am Beispiel einer Brühe auf dem Herd vorstellen: Wenn Wasser beim Kochen verdunstet, schmeckt die Brühe salziger; dann muss man Wasser hinzufügen. Die Brühe kann man im Beispiel gleichsetzen mit unserem Blut. Und jetzt kommt das Gehirn ins Spiel: Das untersucht, wie viel Salz im Blut ist. Wenn zu viel Salz im Blut ist, heißt das: Wir brauchen mehr Wasser. Diese Information wird an andere Regionen im Gehirn weitergeleitet. Die sorgen dafür, dass wir Durst empfinden. Außerdem geht ein Signal an unsere Nieren raus. Die leiten normalerweise überschüssiges Wasser aus dem Blut in den Urin ab. Aber wenn das Durstsignal kommt, leiten sie nur noch so viel Wasser ab, wie unbedingt nötig. Unser Urin wird dadurch salziger, konzentrierter – und bekommt eine starke gelbe Farbe. Wie sorgt der Körper dafür, dass wir nicht zu viel trinken? Nicht zu viel zu trinken ist eine Herausforderung, denn es kann schon mal eine halbe Stunde dauern, bis das Wasser nach dem Trinken im Blut angekommen ist. Bis dahin würde das Gehirn ja das Signal bekommen, dass Wasser fehlt. Und wir würden weiter Durst haben und Wasser trinken. Zu viel Wasser kann aber auch gefährlich sein. Deswegen kommen noch andere Sensoren ins Spiel. Die messen, wie viel Wasser ungefähr durch unseren Mund und unsere Kehle kommt. Und es gibt Sensoren im Darm, die registrieren, was wir getrunken haben – also wie viel Salz da drin ist. Das geht schnell: Innerhalb weniger Sekunden kommt diese Info im Gehirn an und sorgt dafür, dass das Durstsignal gestoppt wird. Kann man diesen Mechanismus manipulieren? Die Sensoren in Mund und Kehle, die messen, wie viel wir trinken, reagieren auch auf Temperatur. Vermutlich liegt das daran, dass wenn wir viel trinken, unser Mund dabei kühler wird. Das heißt: Wenn man den Mund kühlt, kommt das gleiche Signal an, wie wenn wir etwas getrunken haben. Das sollte man nur machen, wenn es nicht anders geht, zum Beispiel wenn man im Krankenhaus ist und nichts trinken darf. Dann kann es helfen, einen Eiswürfel zu lutschen, um das Durstgefühl zu stillen.

  16. Heiße Tage und kalte Nächte auf dem Mond Ja, auf dem Mond gibt es Jahreszeiten. Allerdings fallen die auf dem Mond nicht so auf. Denn dort lebt nichts. Es gibt keine Blätter, die gelb werden, keine Tiere, die Winterschlaf halten und kein Knospen, die im Frühling sprießen würden. Aber Jahreszeiten haben vor allem physikalische Aspekte. Das fängt bei den Tageslängen an: Im Sommer sind die Tage lang, im Winter sind sie kurz. Diese Unterschiede sind um so stärker, je näher man an den Polen ist. Der zweite Aspekt ist die Temperatur. Im Sommer ist es eher warm, im Winter kalt – jedenfalls in unseren Breiten. Das hängt mit den Tageslängen zusammen, aber auch damit, dass die Sonne im Sommer höher über dem Horizont steht als im Winter. Das liegt daran, dass die Erdachse geneigt ist, und zwar um etwas mehr als 23 Grad. Deshalb bekommt ein halbes Jahr lang die Nordhalbkugel und ein halbes Jahr die Südhalbkugel mehr Sonne ab. Und daher erleben wir auf der Erde Sommer und Winter. Auch die Mondachse ist geneigt, allerdings viel schwächer. Statt über einen Winkel von 23 Grad reden wir hier über 1,5 Grad. Daher sind die Unterschiede zwischen Sommer und Winter auf dem Mond viel geringer. Was nicht heißt, dass es auf dem Mond nicht auch krasse Temperaturschwankungen gibt. Aber die kommen vor allem durch den Unterschied zwischen Tag und Nacht. Der Mond hat keine Atmosphäre, die Wärme speichern könnte. Darum sind die Nächte auf dem Mond immer sehr kalt, in manchen Kratern bis zu minus 233 Grad Celsius. Die Tage dagegen sind immer sehr heiß, nämlich bis zu 123 Grad Celsius. Wichtig für Mondmissionen: im Winter mehr Eis Und es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen dem Mondwinter und Mondsommer. Für den interessiert sich auch die NASA sehr. Und wie auf der Erde macht sich der Unterschied zwischen Sommer und Winter am stärksten bemerkbar an den Polen. Die obersten Bergspitzen der polaren Mondkrater bekommen zwar fast ganzjährig Sonnenlicht ab und nur ein sehr kleiner Teil fällt im Winter tatsächlich dauerhaft ins Dunkle. Der ist aber besonders interessant, weil die NASA in diesen schattigen Regionen rund um die Pole kürzlich Eisvorkommen nachgewiesen hat, also tatsächlich gefrorenes Wasser auf dem Mond. Die Menge dieser gefrorenen Wasservorkommen vor allem an der Oberfläche schwankt tatsächlich mit den Jahreszeiten. Im Winter gibt es also etwas mehr Eis als im Sommer. Das ist eine kleine, aber für Mondmissionen sehr wichtige Gemeinsamkeit mit den Jahreszeiten auf der Erde. Quellen Seasons of Ice: Water Ice Migration and Seasonal Transient Shadow at the Lunar Poles Moon Essentials: Seasons Der Mond: Gravitation und Temperatur

  17. Kuhlose Milch gibt es ja insofern, als es heute in jedem Supermarkt all diese Milchersatzprodukte gibt: Sojamilch, Hafermilch, Mandelmilch – und wie sie alle heißen. Das geht ja eigentlich schon in die Richtung: Man hat eine pflanzliche Basis, zum Beispiel eingeweichte und ausgepresste Sojabohnen oder pürierte Mandeln, und versetzt diese mit genau der Menge Wasser, die nötig ist, damit die Mischung zumindest dem Eiweiß- und Fettgehalt der Milch möglichst nahe kommt. Die Beispiele machen aber auch zugleich die Schwierigkeit deutlich: Soja- oder Hafermilch schmeckt deutlich anders als Milch und enthält vieles eben nicht, was Kuhmilch enthält. Deshalb werden diese Getränke oft zusätzlich angereichert, zum Beispiel mit Kalzium. Milch enthält neben Wasser hunderte weitere Substanzen Mit anderen Worten: Die Hauptbestandteile der Milch sind zwar Wasser, Milchzucker, Fett und Eiweiß, aber daneben stecken hunderte weitere Substanzen in der Milch drin. Allein unter den Eiweißen sind es mehr als hundert verschiedene. Und selbst das Fett ist nicht einfach so als Fett drin. Die winzig kleinen Fettkügelchen bekommen vielmehr im Euter noch ein paar dünne Schichten umgelegt, damit das Fett in Emulsion gehen kann, sodass sich das Fett und das Wasser mischen. Guter Milchersatz nur durch hohen Ressourcenverbrauch zu erzielen Die Herstellung von künstlicher Milch, die wirklich der echten Milch noch näher kommt als Soja- oder Hafermilch, würde am Ende auch ziemlich aufwändig werden – so aufwändig, dass es vom Ressourcenverbrauch nicht unbedingt sparsamer wäre. Und je nachdem, was es dann kostet, müssten sich ja genügend Leute finden, die den Preis auch bereit wären zu zahlen. Es ist aber nicht so, dass man es nicht probiert hätte. Ich habe einen ZEIT-Artikel aus dem Jahr 1962 gefunden. Der berichtet von Experimenten in England, wo Wissenschaftler großspurig angekündigt haben, Milch aus genau dem Rohmaterial herzustellen, von dem sich auch die Kuh ernährt, nur eben ohne den Umweg über die Kuh. Stattdessen werde das Gras destilliert und hinterher mit Kohlenhydraten, pflanzlichen Fetten und Mineralsalzen angereichert. Noch im selben Jahr, wie gesagt, das war 1962, sollte mit der Massenproduktion begonnen werden – aber ich habe nichts darüber gefunden, ob da jemals etwas draus geworden ist. Und so wie es beschrieben ist, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass das milchähnlicher gewesen wäre als Sojamilch.

  18. 20.08.2025
    2 min

    Krümmung des Haars hängt von mehreren Faktoren ab Die Haare entstehen im Haarfollikel. Das ist der kleine Sack, der sich unterhalb der Haut befindet. Die Krümmung der Haare hängt dabei von mehreren Faktoren ab. Das Wichtigste ist der Querschnitt des Haares im Haarfollikel. Er kann rund sein – dann werden die Haare glatt. Ist der Querschnitt oval bzw. elliptisch, bekommen die Haare einen Drall. Rund oder oval – auf den Querschnitt des Haars kommt es an Das ist ungefähr so wie beim Geschenkeverpacken: Wenn man das Geschenkband über eine Schere zieht, dehnt man es an einer Seite. Dadurch bekommt es die Krümmung. Wenn das Haar nun also einen elliptischen Querschnitt hat, bekommt es diese Krümmung mit. Als weiterer Aspekt kommt die Schwerkraft hinzu. Das heißt, in den ersten Zentimetern zieht das Haar mit seinem Eigengewicht noch ein bisschen. Dann aber reicht das Gewicht des Haars nicht mehr, um es glatt zu ziehen. Und dann krümmt es sich. Das erklärt auch, wie es kommt, dass sich aus vielen Haaren eine Locke bildet, sie sich also scheinbar synchron krümmen. Woher weiß ein Haar, in welche Richtung sich sein Nachbar krümmt? Die Antwort: Die Haare krümmen sich eben nicht erst "draußen", sondern die die Krümmung ist schon im Haarfollikel angelegt. Da die Haare einer Person eine ähnliche Struktur haben – und für alle das Gravitationsgesetz gilt – zeigen sie ein ähnliches Wachstum.

  19. "Brennen" ist das falsche Wort für das, was auf der Sonne passiert. Verbrennung wäre ein chemischer Prozess, bei dem bestimmte Atome mit Sauerstoff reagieren und sich verbinden. Dabei wird Energie frei, aber die Masse als solche – die Atome und somit die Materie – bleiben erhalten. Wenn z.B. Wasserstoff verbrennt, verbindet er sich mit Sauerstoff, daraus entsteht Wasser. Aber es sind hinterher noch genauso viele Sauerstoff- und Wasserstoffatome wie vorher. Wasserstoffatome fusionieren zu Heliumatom Auf der Sonne dagegen passiert etwas ganz anderes. Dort verschmelzen kleine Atome zu neuen, großen Atomen. Konkret: Jeweils vier Wasserstoffatome fusionieren zu einem Heliumatom. Jedesmal wird dabei ein Hundertstel der ursprünglichen Masse in Energie umgewandelt. Wir wissen von Albert Einstein, dass Masse auch eine Form von Energie ist. Das heißt: Bei Umwandlung von einem Gramm Wasserstoff in Helium entsteht eine Energie von 180.000 Kilowattstunden. Wie gesagt, bei einem Gramm. Es sind aber 6 Milliarden Tonnen Wasserstoff, die die Sonne in Helium umgewandelt, und das Sekunde für Sekunde. Dadurch entsteht im Inneren der Sonne diese Hitze, die wir uns gar nicht vorstellen können: 15 Millionen Grad. Dagegen sind die 6.000 Grad an der Sonnenoberfläche vergleichsweise wenig. Wird die Kernfusion auf er Sonne irgendwann enden? In etwa fünf Milliarden Jahren geht der Wasserstoffvorrat allmählich zur Neige. Je mehr Wasserstoff zu Helium verschmilzt, desto mehr dehnt sich die Sonne aus. Dann bläht sie sich auf zu einem sogenannten "roten Riesen" – 150 Mal so groß wie heute. Die Erde ist bis dahin längst unbewohnbar. Der Druck im Inneren der Sonne ist in der Zwischenzeit so groß geworden, dass die Helium-Atome ihrerseits weiter miteinander zu noch größeren Atomen verschmelzen, nämlich zu Kohlenstoff und Sauerstoff. Am Ende wird aus der Sonne ein Weißer Zwerg Wenn dann auch das Helium aufgebraucht ist, fällt die Sonne in sich zusammen und endet in 8 Milliarden Jahren als Weißer Zwerg. Sie wird dann etwa so groß sein wie die Erde heute, aber ein würfelzuckergroßes Stück dieses Weißen Zwerges würde 2 Tonnen wiegen. Das ist das typische Ende eines durchschnittlichen Sterns, wie die Sonne einer ist.

  20. Zündquelle und trockenes Brennmaterial sind Voraussetzung für Waldbrand Grundsätzlich führt mehr Hitze zu mehr Waldbränden, aber die Zusammenhänge sind nicht ganz so simpel, wie man denken könnte. Lassen wir den Klimawandel kurz beiseite und klären: Was hat Hitze mit Waldbränden zu tun? Durch heißes Wetter allein fängt kein Wald an zu brennen. Selbst Hitzetage von 40°C reichen nicht, das müssen schon 200°C, eher 300°C Grad sein. Sprich: Es braucht eine Zündquelle – also eine weggeworfene Zigarette oder einen Idioten, der absichtlich ein Feuer legt. Manchmal entstehen Waldbrände auch durch Blitzeinschlag, aber das sind im Vergleich sehr wenige. Und entgegen landläufiger Meinung spielen Glasscherben eine vernachlässigbare Rolle. Ohne eine Zündquelle entstehen keine Waldbrände, egal wie heiß es ist. Es braucht ausgetrocknetes, leicht entzündliches Brennmaterial. Waldbrände entstehen in der Regel nicht an den Bäumen, sondern am Boden – an herumliegendem Laub und anderen toten Pflanzenresten. Und die sind vor allem dann besonders trocken, a) wenn sie schon lange dort liegen und b) wenn es lange nicht geregnet hat. Das unabhängig von der Temperatur. Ein Waldbrand kann auch nach längerer Trockenheit im Winter entstehen, wenn die Pflanzenreste vom Vorjahr noch kaum zersetzt, aber schon ziemlich ausgetrocknet sind, und gleichzeitig noch nichts Neues, Lebendiges von unten nachgewachsen ist. Hitze entzieht dem Waldboden Feuchtigkeit Waldbrände entstehen aber auch im Sommer, und an der Stelle kommt die Hitze doch ins Spiel. Hätten wir jeden Tag einen schönen Sommerregen, wäre die Hitze kein Problem. Sie spielt aber eine Rolle, wenn es länger nicht regnet. Denn je heißer es ist, desto mehr Feuchtigkeit kann die Luft aufnehmen, desto schneller verdunstet der Rest an Feuchte, der im Boden oder in der Bodenauflage ist. Bei anhaltenden Dürreperioden trocknet der Boden deshalb bei heißen Temperaturen schneller aus und, das, was am Boden rumliegt, kann sich in der Folge umso leichter entzünden. Und wenn erstmal ein kleiner Brandherd entstanden ist, breitet sich das Feuer umso schneller aus. Das hängt aber auch vom Wind ab, der ist ein wesentlicher Faktor bei der Ausbreitung von Bränden. Mehrere Faktoren spielen zusammen, damit es zum Waldbrand kommt Die Hauptfaktoren bei Waldbränden sind also Dürren – egal zu welcher Jahreszeit – sowie die Zahl von Leuten, die absichtlich oder versehentlich Feuer legen. Hitze spielt nicht die wichtigste Rolle. Trotzdem, wenn alle anderen Faktoren gleichbleiben – die Zahl der weggeworfenen Kippen, die Zahl der regenfreien Tage und so weiter, dann erhöht Hitze das Risiko von Bränden, weil die Böden schneller austrocknen. Waldbrandrisiko steigt durch längere Dürreperioden Jetzt zum Klimawandel. Der Klimawandel könnte durchaus die Wahrscheinlichkeit von Waldbränden erhöhen. Und zwar gar nicht so sehr wegen der höheren Temperaturen. Klimawandel heißt ja nicht einfach, dass jeden Tag alles ein bisschen wärmer wird. Der Klimawandel verändert aber die Verteilung von Niederschlägen. Er führt dazu, dass wir im Schnitt häufigere, teilweise lokale Starkregen haben, dazwischen aber längere Dürreperioden. Das ist der eigentliche Faktor, der dazu führen könnte, dass bei steigenden globalen Temperaturen das Waldbrandrisiko steigt. Außer, wenn die Vernunft der Menschen im Umgang mit Brandgefahren im gleichen Maße wächst.