1000 Antworten

SWR
735
21.10.2026
Beschreibung
Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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Episoden
  1. 18.08.2025
    3 min

    Aus Magma entstanden Sand, Schluff und Ton Aus Magma sind zunächst Steine entstanden, die dann verwitterten: Die Sonne schien darauf, es war warm, es war kalt und Wasser hat die Steine zermahlen. Das Material wurde immer feiner und es entstanden Sand, Schluff und Tonpartikel. Das ist das Ausgangsmaterial, aus dem Böden entstanden. Boden ist aus 3 verschiedenen Korngrößen aufgebaut Bodenwissenschaftler unterscheiden verschiedene Körnungen von mineralischem Material. Wenn Sie etwas Boden in die Hand nehmen und zwischen den Fingern verreiben, spüren Sie kleine Körner. Was Sie in dieser Größenordnung spüren ist das, was Bodenkundler als Sand ansprechen. Was in Ihren Fingerrillen hängen bleibt und was Sie durch Abschlagen nicht wieder loswerden – das ist Schluff. Schluff hat eine mehlige Korngröße. Noch feiner und von seiner Struktur nicht mehr eher rund, sondern plättchenförmig, sind die Tonteilchen. Man erkennt die Unterschiede unter einem stark vergrößernden Mikroskop. Aus diesen drei Korngrößen sind die mineralischen Bestandteile unserer Böden aufgebaut – in unterschiedlicher Zusammensetzung. Mal dominiert das eine, mal das andere. Zusammensetzung bestimmt die Eigenschaft der Böden Die Zusammensetzung hat wesentlichen Einfluss auf die Struktur der Böden und auf ihre Eigenschaften: Wie viel Wasser sie speichern können, wie gut sie sich erwärmen, wie viel Luft sie enthalten, ob sie sich gut eignen als Pflanzenstandort oder andere gute Eigenschaften haben.

  2. 16.08.2025
    1 min

    "Unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis" Wir suchen in der Medizin immer nach ganz klaren Definitionen. Wir hätten immer gerne etwas Messbares: den Blutzuckerspiegel oder einen Blutdruckwert, um darauf mit einem Medikament reagieren zu können. Schmerz ist nach internationaler Definition "ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis". Es kommt darauf an, was man mit dieser Sinnesinformation macht und sich z.B. die Frage stellt, wie viel Angst das macht. "Schmerz ist immer subjektiv" In der internationalen Definition ist auch folgende Formulierung enthalten: "Schmerz ist immer subjektiv." Das bedeutet, dass man von außen niemals beurteilen kann, welche Schmerzen ein Mensch hat. Das ist die wesentliche Kernbotschaft: Was mir ein Patient rückmeldet, das hat er! Das darf ich als Arzt nicht anzweifeln, denn sonst kann ich keine wirksame therapeutische Beziehung zu dem Patienten aufbauen.

  3. Fische ruhen an ruhigen Stellen mit geringer Strömung Wenn Forellen schlafen, suchen sie im Fluss ruhige Stellen auf – Unterstände, wo die Strömung nahezu null ist. Das kann in kleinen Nischen sein oder auch nahe am Boden des Flusses, wo die Strömung sehr viel geringer ist als nahe an der Oberfläche. Deshalb ist es wichtig, dass bei der Renaturierung von Flüssen dafür gesorgt wird, dass solche ruhigen Unterstände vorhanden bleiben. Die Fische können dort ruhen, ohne weggetrieben zu werden. Zebrafische: Sekundenschlaf schützt vor weitem Abdriften Es gibt aber offenbar noch einen anderen Mechanismus, auf den mich der Fischwissenschaftler Robert Arlinghaus vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie aufmerksam gemacht hat: Man hat bei Zebrafischen festgestellt, dass die nicht nur nachts schlafen, sondern auch tagsüber kurze Schlafphasen haben, die oft nur ein paar Sekunden dauern und dann abgelöst werden von Phasen mit sehr hoher Aktivität. Der Schlaf ist also ein Sekundenschlaf und so kurz, dass die Fische nicht weit verdriftet werden können. Bei Zebrafischen sind die Brustflossen auch im Schlaf aktiv Außerdem hat man beim Zebrafisch festgestellt, dass die Brustflossen auch im Schlaf aktiv sind – zumindest aktiv genug, dass die Fische die Stellung halten können. Bei den Forellen ist das weniger gut erforscht, aber der Zebrafisch wird in der Wissenschaft sehr häufig benutzt, um allgemeine Mechanismen bei Fischen zu erforschen. Insofern ist zu vermuten, dass es bei der Forelle ähnlich sein wird. Wie schaffen es die Fische, sich zu orientieren und ihre Position zu halten? Fische haben ganz andere Sinnesorgane als wir. Sie können sich optisch sehr gut orientieren und verfügen über ein eigenes Sinnesorgan, das sogenannte Seitenlinienorgan. Das heißt so, weil es wie ein Kanal ist, der sich an der Seite des Fisches entlang zieht und mit dem sie extrem gut feinste Strömungsunterschiede erfassen können.

  4. Das kann vieles bedeuten – oder gar nichts. Richtig ist: Briefmarken wurden, vor allem früher, für mehr oder weniger geheime Liebesbotschaften verwendet. Es gibt auch Anleitungen, welche Briefmarkenposition was zu bedeuten hat. Briefmarkensprachen-"Übersetzungshilfen" sind nicht einheitlich In der einen Anleitung bedeutet die schräge Briefmarke: "Komm bald", nach einer anderen bedeutet sie "Treffpunkt wie immer". Bei manchen kommt es darauf an, ob die Briefmarke rechtsrum schräg ist oder linksrum schräg. Oder ob das Motiv auf dem Kopf steht – das kann dann auch eine negative Bedeutung haben wie: "Warum schreibst Du nicht?" Diese Briefmarkensprachen entwickelten sich Anfang des 20. Jahrhunderts. Das erste Heftchen mit Deutungshilfen erschien um das Jahr 1900, später wurden sie ersetzt durch einfache Karten, auf denen für alle erdenklichen Briefmarkenpositionen die "Übersetzung" stand. Die Frage ist, inwieweit diese Briefmarkensprache in der Praxis wirklich genutzt wurde, oder ob das einfach nur ein Verkaufs-Gag war. Denn letztlich nützte diese Briefmarkensprache ja nur dann etwas, wenn das Gegenüber wusste, was damit gemeint war. Und das war nun mal nicht einheitlich geregelt. Falls Sie heute einen Brief mit schräger Briefmarke bekommen, ist es wohl das Beste, sich nicht den Kopf darüber zu zerbrechen – vermutlich bedeutet es einfach nur: "Ich hatte es eilig".

  5. Mal mehr, mal weniger: Testosteron steuert Haarwuchs je nach Körperstelle Das Thema betrifft vor allem Männer. Viele wundern sich über den Widerspruch, dass auf dem Kopf die Haare weniger werden und an anderen Körperstellen der Haarwuchs zunimmt. Der Hautarzt Gerhard-Alfons Lutz erklärt, dass zwei Faktoren eine Rolle spielen: der Hormonhaushalt und die genetische Programmierung der Haarfollikelzellen. Mit Hormonen ist vor allem Testosteron gemeint, denn es wirkt an unterschiedlichen Stellen der Haut verschieden: Auf dem Kopf sind die Hautzellen so programmiert, dass Testosteron die Haare ausfallen lässt, während im übrigen Körper das Testosteron zu verstärktem Haarwachstum führt. Das heißt, auf dem Kopf hat das Testosteron eine wachstumshemmende, in der Nase, zwischen den Augenbrauen oder auch auf der Brust, dem Rücken und dem Bauch dagegen eine wachstumsfördernde Funktion. Erblich bedingt: Reaktion der Haarwurzeln auf das Testosteron So kommen Jungs in der Pubertät zu ihrer Körper- und Schambehaarung, weil das Testosteron das Haarwachstum am ganzen Körper anregt. Gleichzeitig fängt bei manchen jungen Männern das Haar schon mit Anfang 20 an, sich zu lichten – es klingt widersprüchlich, aber beides ist eine Folge von Testosteron. Wie stark die Haarwurzel aber – in die eine oder andere Richtung – auf Testosteron reagieren, ist sehr stark erblich bedingt. Glatze: Wenn die Haare nicht mehr nachwachsen Es gibt eine US-Studie, die gezeigt hat, wie Glatzen entstehen. Zu einer Glatze kommt es ja nicht deshalb, weil Haare ausfallen – das tun sie ohnehin regelmäßig – sondern weil sie nicht mehr nachwachsen. Und das wiederum liegt offenbar daran – zumindest ergab das die Studie – dass die entsprechenden Stammzellen in der Kopfhaut sich nicht weiterentwickeln. Das heißt, in der Kopfhaut gibt es Stammzellen, die sich normalerweise weiterentwickeln und zu Haarfollikelzellen spezialisieren. Manchmal tun sie das aber nicht; dann bleiben die Zellen in ihrem unreifen Stammzellstadium und entwickeln sich nicht weiter. Warum das aber so ist, dass Stammzellen nicht weiter reifen, ist noch nicht geklärt. Evolution: Nicht jede Entwicklung bringt einen Überlebensvorteil Warum aber hat es die Natur so eingerichtet, dass Männer einerseits Glatzen bekommen, andererseits sich die Körperbehaarung jedoch verdichtet? Das konnte mir niemand sagen, auch beim Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie hatten sie keine Erklärung dafür. Vermutlich ist der zunehmende Körperhaarwuchs eher eine Begleiterscheinung. Also einfach die Fortsetzung dessen, was in der Pubertät unter dem Einfluss von Testosteron sehr schnell geht – nämlich dass überall am Körper plötzlich verstärkt Haare wachsen. Das hört nicht auf, sondern geht einfach verlangsamt weiter und stört ansonsten nicht. Es ist ja häufig so in der Evolution, dass man bestimmte Phänomene nicht damit erklären muss, dass sie einen unmittelbaren Überlebensvorteil bringen. Sondern in der Evolution kann sich auch manches entwickeln, was als Nebeneffekt von etwas anderem entsteht, solange es nicht weiter stört bzw. das Überleben und die Fortpflanzung nicht beeinträchtigt. Dazu gehören eben auch Haare auf dem Rücken oder auf den Ohren ebenso wie die berühmten dichten Augenbrauen von Theo Waigel – sie haben noch keinen Mann umgebracht geschweige denn davon abgehalten, Kinder in die Welt zu setzen. Und das ist das, worauf es in der Evolution ankommt.

  6. Schon Humor oder noch Reflex? Entwicklungspsychologen konnten zeigen: Das geht schon im ersten Lebensjahr los. Wobei man genau hingucken muss: Wenn ein Baby lacht, wenn man es kitzelt – und das tut es schon mit vier Monaten – ist das wirklich schon Humor? Oder nur ein Reflex oder einfach soziales Lachen? Das ist nicht so ganz klar. Aber dann kommen schon im frühen Alter auch andere Situationen, in denen es eindeutiger ist. Eltern kennen das, wenn sie zum Beispiel gegenüber ihren Kleinkindern eine pseudo-fiese Grimasse ziehen oder sie es zum Schein durchs Zimmer jagen. Das finden Kinder in der Regel ja auch schon lustig – solange es die eigenen Eltern sind, erkennen sie: Die wollen mir jetzt nicht wirklich was böses, sondern das ist nur Spaß. Humor durch Beobachtung erlernen Wenn dagegen ein Fremder eine fiese Grimasse zieht, macht ihnen das eher Angst. Und das deutet auch auf die soziale Bedeutung von Humor hin. Gemeinsames Lachen verbindet ja auch. Und da konnte man zeigen, dass diese Art von Humor tatsächlich schon im Säuglingsalter beginnen kann, bei etwa sechs bis acht Monaten. Dass es da aber auch sehr darauf ankommt, was sie an Humor bei ihren Eltern beobachten können. Das heißt, sie lernen Humor am Anfang vor allem auch durch Nachahmung: Sie machen die Erfahrung, dass Eltern in bestimmten Situationen lachen. Oder die Augen aufreißen und so tun, als würden sie dem Kind die Rassel wegnehmen wollen, wo aber offensichtlich ist: Sie wollen es nicht wirklich, sie machen nur einen Spaß. Humor ist der Bruch mit Erwartungen Grundsätzlich gibt es sehr viele Arten von Humor, auch bei Kindern. Aber wenn man nach einem gemeinsamen Nenner sucht, dann ist es vielleicht der: Humor bricht immer mit irgendeiner Form von Erwartung. Psychologen nennen das das "Inkongruenzprinzip". Das gilt für den Slapstick-Humor bis zum Sprachwitz. Ob sich das Kind einen Topf über den Kopf zieht und damit lachend durchs Zimmer läuft oder ob es, wenn es ein bisschen älter ist, ein Wortspiel macht oder eine ironische Bemerkung – jede humorvolle Situation beinhaltet irgendeinen Bruch mit Erwartungen, irgendwas fällt aus dem Rahmen. Das gilt auch, wenn sich ein Kind darüber königlich amüsieren, wenn es mit kleinen Tabus bricht – also zum Beispiel böse Wörter wie "Kacka" in den Mund nimmt oder seine Eltern sonst wie veralbert. Dieses Brechen von Erwartungen, das Umdeuten eines Kontextes, ist eine kognitive Leistung, die ein Kind erst mal lernen muss. Auf einer kognitiven Ebene bedeutet Humor haben also: zu verstehen, dass eine Handlung auch mal nicht ernst gemeint ist. Das ist ja das Wesen der Ironie: Ich sage etwas, meine aber das Gegenteil, und das zu verstehen, ist eine Voraussetzung von Humor. Sofern es sich um sprachliche Äußerungen handelt, können Kinder das etwa im Alter von 2 bis 3 Jahren lernen. Aber andere Formen von Humor, wo es einfach darum geht, unernste Situationen als solche zu erkennen, das geht schon im ersten Lebensjahr los. So verfeinert und erweitert sich der Humor im Lauf der weiteren Entwicklung.

  7. Vertikalbeschleunigung ist hinten am geringsten Wenn sich Schiffsbauer fragen, wohin die Brücke soll, gibt es mehrere Kriterien. Wichtigstes Kriterium: Wo steuert es sich am angenehmsten? Das ist ganz klar: hinten. Denn dort ist die sogenannte Vertikalbeschleunigung am geringsten, dort müssen die Kapitäne also die geringsten Auf- und Abbewegung verkraften – das ist nicht nur magenfreundlich, sondern erleichtert bei starkem Seegang auch die Steuerung. Warum ist es hinten am angenehmsten? Schiffe bewegen sich im Seegang auf und ab – diese Bewegung setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Zum einen kippt ein Schiff vor und zurück: Der Bug geht hoch, das Heck geht runter und umgekehrt. Diese Kipp-Bewegung ist das so genannte "Stampfen". Daneben bewegen sich Schiffe aber auch als Ganzes auf und ab – das bezeichnet man als "Tauchen". Diese beiden Bewegungen überlagern sich – und im Ergebnis führt das dazu, dass sie sich vorne addieren, also verstärken – und hinten subtrahieren, also sich eher gegenseitig aufheben. Stellen Sie sich ein Schiff vor: Es fährt vorwärts gegen eine Welle. Die Welle hebt nun zum einen das Schiff als Ganzes an, aber den Bug ganz besonders. Deshalb addieren sich vorne beide Aufwärtsbewegungen – während das Heck zum selben Zeitpunkt eher nach unten kippt und dadurch die Aufwärtsbewegung des Schiffes ein wenig ausgleicht. Deshalb ist es hinten grundsätzlich angenehmer, denn das Auf und Ab ist gedämpfter. Sinnvolle Raumnutzung spielt eine Rolle Vor allem Fracht- und Containerschiffe haben das Führerhaus hinten. Bei anderen Schiffen geht das aber nicht immer, denn da kommen weitere Kriterien ins Spiel, etwa die Raumnutzung. Es bringt nämlich auch Vorteile, wenn die Brücke möglichst nah am Maschinenraum ist. Wenn Schiffe aber schnell sein sollen, brauchen sie einen umso größeren Maschinenraum. Dafür reicht dann oft hinten der Platz nicht. Also werden Maschinenraum und Brücke dann in der Mitte des Schiffes angeordnet, wo es am breitesten ist. Und es gibt Schiffe, die einen großen Maschinenraum brauchen und außerdem eine große, freie Decksfläche. Das sind zum einen Passagierschiffe, zum anderen Schwergutfrachter, wo die Deckfläche auch für Kräne benötigt wird. In diesen Fällen wird die Brücke, trotz der ungünstigeren Vertikalbeschleunigung, nach vorne gelegt. Danke an: Prof. Dr.-Ing. Stefan Krüger, Naval Architect, Head of Institute, TU Hamburg-Harburg, Institute of Ship Design and Ship Safety / Lisa Hofmann

  8. Gaza: schmaler Küstenstreifen zwischen Israel und Ägypten Schon beim Blick auf die Landkarte wirkt der Gazastreifen merkwürdig. Ein kleiner schmaler Küstenstreifen, eingekapselt zwischen Israel und Ägypten. Der Gazastreifen ist 40 km lang – das ist weniger als die Strecke von Heidelberg bis Karlsruhe. Im Norden ist er nur 6 km breit, im Süden 14 km. Doch in diesem schmalen Streifen leben 2 Millionen Menschen – er ist somit dichter bevölkert als eine deutsche Großstadt. Balfour-Erklärung 1917: "Heimstätte" für das jüdische Volk soll in Palästina errichtet werden Die Geschichte im Schnelldurchlauf: Bis zum Ersten Weltkrieg gehörte Palästina zum Osmanischen Reich. Das Osmanische Reich gehörte aber zu den Kriegs-Verlierern und hat sich aufgelöst. Palästina wurde Mandatsgebiet von Großbritannien. In dieser Zeit, aber auch schon vorher, wanderten viele Juden nach Palästina aus. Großbritannien hatte schließlich den Juden schon 1917 versprochen, in Palästina eine Heimstätte für das jüdische Volk zu schaffen. Das war die berühmte Balfour-Erklärung. Das führte allerdings zu schweren Konflikten mit den dort ebenfalls lebenden Arabern und führte auch zu Aufständen. Speziell aus Gaza zum Beispiel wurden 1929 alle Juden vertrieben. Großbritannien war mit den wachsenden Spannungen überfordert und stand unter Druck, das Mandat für Palästina an die Bevölkerung zurückzugeben, also Palästina in die Unabhängigkeit zu entlassen. Aber die Bevölkerung bestand zu diesem Zeitpunkt aus Arabern und Juden, und die hatten sehr unterschiedliche Vorstellungen. Also übergab Großbritannien das Problem an die Vereinten Nationen; diese verabschiedeten einen Teilungsplan. Teilung Palästinas in einen arabischen und einen jüdischen Staat Palästina wurde also auf dem Papier in einen jüdischen und einen arabischen Staat geteilt. In diesem Teilungsplan zerfiel übrigens auch der jüdische Staat in einen nördlichen und einen südlichen Teil. Jerusalem gehörte in diesem Plan nicht zum jüdischen Staatsgebiet, sondern sollte unter internationale Kontrolle gestellt werden. Bei diesem Teilungsplan wurde auch berücksichtigt, wo die Juden damals hauptsächlich lebten. In Gaza lebten sie nicht, denn von dort waren sie ja 1929 bei arabischen Aufständen vertrieben worden. Deshalb wurde das Gebiet des heutigen Gazastreifens dem palästinensischen Staat zugeschlagen – aber der Gazastreifen war in diesem Teilungsplan noch nicht isoliert, sondern Teil eines etwas größeren zusammenhängenden Gebietes, das zu einem künftigen arabischen Staat gehören sollte. Israel wird 1948 unabhängig 1948 erklärte Israel seine Unabhängigkeit. Kurz darauf wurde es von seinen Nachbarn angegriffen und konnte sich behaupten. Das war der israelische Unabhängigkeitskrieg oder auch Palästinakrieg. In der Folge dieses ersten Krieges wurde die Landkarte nochmal neu gezeichnet – und der Gazastreifen ist ein Ergebnis davon. Denn Israel vereinbarte einen Waffenstillstand mit Ägypten. Israel konnte sein Gebiet zwar ausdehnen, aber Ägypten bekam die Kontrolle über den Gazastreifen. Das bedeutet nicht, dass die Menschen im Gazastreifen dort zu Ägyptern wurden. Sie wurden zwar von Ägypten verwaltet, hatten aber keine staatsbürgerlichen Rechte. Ebenfalls infolge des Palästinakriegs flohen Hunderttausende Palästinenser aus dem Staatsgebiet Israels oder wurden vertrieben ("Nakba"). Etwa ein Drittel von ihnen ging in dieses kleine, von Ägypten verwaltete Gebiet, das seitdem auch als "Gazastreifen" bezeichnet wird. Palästinensische Autonomiegebiete nach Osloer Friedensabkommen Aber er blieb nicht bei Ägypten: Im Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzt Israel den Sinai, den Gazastreifen und das Westjordanland. 1979 schließen Ägypten und Israel Frieden, der Sinai geht an Ägypten zurück, der Gazastreifen bleibt unter israelischer Besatzung, die dort auch jüdische Siedlungen zulässt. Mitte der 1990er schließen Israel und die Palästinenser einen formalen Frieden im Osloer Friedensabkommen. Dabei entsteht das, was heute als "palästinensische Autonomiegebiete" bekannt ist. Der größte Teil des Gazastreifens und Teile des Westjordanlands kommen unter die Verwaltung der palästinensischen Autonomiebehörde. Der Gazastreifen ist zwar das kleinere der beiden Gebiete, besteht aber aus einer zusammenhängenden Fläche – im Gegensatz zum administrativ zersplitterten Westjordanland. Im Westjordanland bleiben die israelischen Sicherheitskräfte und Verwaltung präsent. Dort entstehen immer neue illegale israelische Siedlungen. Aus dem Gazastreifen dagegen zieht sich Israel bis 2005 zurück und räumt dort auch die jüdischen Siedlungen. Auch politisch entwickeln sich beide Gebiete auseinander. Im Westjordanland dominiert die gemäßigte Fatah, im Gazastreifen wächst die Macht der radikalislamischen Hamas. 2006 fanden in den palästinensischen Gebieten Wahlen statt. Die Hamas gewann diese Wahlen. Weil sie aber Israel nicht anerkennt und bekämpft, wird sie international isoliert. Kurzfristig gibt es eine gemeinsame Regierung mit der gemäßigten Fatah, die im Westjordanland stark ist. Aber die scheitert, die Hamas wirft die Fatah aus dem Gazastreifen raus, herrscht seitdem faktisch alleine, beschießt Israel mit Raketen und erntet Gegenschläge. Das alles hat dazu geführt, dass der Gazastreifen weitgehend abgeschnitten ist, sowohl nach Israel als auch nach Ägypten. Entsprecht kritisch ist die Versorgungslage. Die Bevölkerung ist auf humanitäre Hilfslieferungen angewiesen. Wenn man also fragt, wann das alles begonnen hat, ist die Antworten: Mit den Ereignissen nach der Staatsgründung und dem Palästinakrieg. Seitdem ist der Gazastreifen das, was er bei allem politischen Hin und Her heute noch ist: Ein kleiner, schmaler, eingekastelter Flecken Erde mit misstrauischen Nachbarn, von denen er aber gleichzeitig extrem abhängig ist.

  9. "Schamloser Finger" schon bei den Römern der Antike Das geht auf die Antike zurück. Die Römer kannten den Finger als digitus impudicus, also digitus: Finger; und impudicus heißt im wahrsten Sinne des Wortes schamlos oder "unverschämt" – der unverschämte Finger. Das war er nicht nur im Volksmund, sondern auch in der Literatur. Der Dichter Martial erwähnt den Finger gleich mehrfach: Eines seiner Epigramme handelt z.B. von einem Menschen, der so kerngesund war, dass er seinem Arzt den Stinkefinger gezeigt hat: Ostendit digitum sed inpudicum. Und da wusste offenbar jeder, was damit gemeint war. Erfinder der Geste ist unbekannt Wer diese Geste genau erfunden hat, weiß man nicht, das war wohl eine Volksgeste. Es hat wohl auch damit zu tun, dass die Gesamtkonstellation aus ausgestrecktem Mittelfinger und den angewinkelten Nachbarfingern eine "phalloide Anmutung" hat. Dass der Finger schon bei den Römern ganz klar eine sexuell aufgeladene Bedeutung hatte, wird an einer anderen Stelle bei Martial ebenfalls deutlich: Rideto multum, qui te, Sextille, cinaedum dixerit: Lache jeden aus, Sextilus, der dich weibisch oder verweichlich genannt hat – et digitum porrigito medium – und strecke ihm den Mittelfinger entgegen. Und was in dem Text danach kommt, ist wirklich nicht mehr jugendfrei. Erkennungszeichen für männliche Prostituierte Manche Quellen berichten auch davon, dass römische Strichjungen sich auf den Straßen zu erkennen gaben, indem sie den Mittelfinger in ihr Kopfhaar schoben. Der Mittelfinger hatte also schon damals eine anstößige Bedeutung. Das hat sich übers Mittelalter bis heute durchgezogen – auch mit der Folge übrigens, dass man an diesem Finger eher keinen Ring trägt. Heute hat sich das zwar etwas gelockert und Menschen tragen Ringe überall. Aber man sieht nur wenige Leute, die nur einen Ring tragen und diesen dann an den Mittelfinger stecken. Die Aufmerksamkeit auf diesen Finger zu lenken wäre für das Empfinden der meisten Menschen noch immer etwas merkwürdig.

  10. Man hat solche Schauergeschichten vielleicht schon einmal gehört, dass irgendwelche Bewegungen während einer Organentnahme plötzlich aufgetaucht sind. Der Hintergrund ist aber recht einfach: Wenn man einen Menschen kräftiger berührt, dann kann es sein, dass der Körperstamm – Arme und Beine sind da eingeschlossen – reflexartige Bewegungen zeigt. Jeder Mensch hat Reflexe, und das Rückenmark an sich schließt den Reflexbogen. Das heißt, wenn man eine Sehne am Arm ein bisschen kräftiger berührt oder wenn man auch am Bauch eine Berührung kräftiger Art durchführt, dann kann es sein, dass Muskeln, die diesem Reflexbogen zugeordnet sind, eine Zuckung zeigen. Gehirntoter Mensch kann keine Schmerzen empfinden Aber das ist keine bewusste Bewegung des Patienten, sondern ist eher mit einer Reflexsituation zu vergleichen, wie sie auch Insekten zeigen können. Das Hirn ist trotzdem tot und der Patient kann Schmerzen, wenn man ihn jetzt schneidet, nicht realisieren. Die Wahrnehmung von Schmerz findet ja nicht auf der Ebene des Reflexbogens und auf der Rückenmarksebene statt, sondern die Wahrnehmung von Schmerz findet eindeutig im Gehirn statt. Und da das Gehirn in allen Arealen funktionsuntüchtig ist, kann der tote Mensch keine Schmerzen empfinden.

  11. Batterie ist geschlossenes System Das Wörtchen "leer" führt an dieser Stelle auf eine falsche Fährte. Wir sprechen von "vollen" und "leeren" Batterien, dabei sind "leere" Batterien nicht wirklich "leer" in dem Sinn, dass weniger "drin" ist als vorher. Die Batterie ist ein geschlossenes System – da tritt im Normalfall nichts aus. Wenn Batterien in Betrieb sind, findet nur eine elektrochemische Reaktion statt, bei der Elektronen von einem Ende der Batterie zum anderen wandern. Aber die Masse, also die Zahl der Atome in der Batterie, bleibt erhalten. So gesehen verlieren die Batterie nicht an Gewicht. Einstein und die Relativitätstheorie Eine winzige Einschränkung kommt aber durch Albert Einsteins Relativitätstheorie und seine berühmte Gleichung E = mc². Das E in der Gleichung ist die Energie eines Systems im Ruhezustand. Einstein sagt mit der Gleichung: Je größer die Masse eines Körpers, desto größer ist seine Ruheenergie. Im Umkehrschluss heißt das: Wenn ein Körper – in dem Fall die Batterie – Energie verliert, also in Form von Strom an die Umgebung abgibt, verliert sie Masse. Das ist jedoch so wenig, dass man das praktisch nicht messen kann; es bewegt sich im Bereich von Milliardstel Gewichtsprozenten. Insofern müsste die ganz korrekte Antwort lauten: Ja, eine verbrauchte Batterie ist laut Relativitätstheorie um einen winzigen Bruchteil leichter, aber damit kann man im Alltag nichts anfangen. Es hilft leider nicht, volle und leere Batterien durch Abwiegen voneinander zu unterscheiden.

  12. Immer im Wandel – die menschliche Stimme Wenn wir Leute im Radio oder am Telefon hören, machen wir uns schnell ein Bild, insbesondere über ihr Alter. Wir hören eine "junge" oder eine "alte" Stimme – aber woran machen wir das fest? Und wir reden hier nicht über den Stimmbruch in der Pubertät – das ist ein Thema für sich – sondern über Stimmen von eben jüngeren oder älteren Erwachsenen. Es gibt mehrere Eigenschaften, die sich im Alter verändern. Oft klingen die Stimmen leiser und rauer. Manchmal brechen sie beim Sprechen auch einfach weg, zumindest bei sehr alten Menschen werden die Stimmen oft schwächer. Auch die Tonhöhe kann sich im Alter verändern. Ältere Frauen klingen häufig tiefer als junge. Bei den Männern ist es hingegen oft umgekehrt, sie klingen eher höher und manchmal ein bisschen fistelig. Man bezeichnet diese stimmliche Veränderung als Alters-, gelegentlich auch als "Greisenstimme". Herausströmende Luft bringt Stimmbänder in Schwingung Aber wodurch kommt das alles? Die entscheidenden Veränderungen passieren an den Stimmlippen. Die sitzen im Kehlkopf am oberen Ende der Luftröhre. Die Stimmlippen bestehen aus kleinen Knorpeln, Muskeln und den beiden Stimmbändern. Sie sind sehr elastisch und mit Schleimhaut bedeckt. Wenn wir still sind und nur ein- und atmen, bleiben die Stimmbänder locker. Wenn wir einen Ton erzeugen, spannen wir sie an. Die Luft wird dann gebremst, die Stimmlippen fangen an zu vibrieren – sie gehen auf und zu – und diese Schwingungen erzeugen den Ton. Regulation der Stimmhöhe über Spannung und Länge der Stimmbänder Wie hoch ein Ton ist, hängt davon ab, wie schnell die Stimmbänder auf und zu flattern. Das wiederum hängt von zwei Faktoren ab: Wie lang die Stimmbänder sind und wie gespannt sie sind. Generell gilt: Ein Mensch mit kürzeren und schmaleren Stimmlippen hat eine höhere Stimme als jemand mit langen und dicken. Denn hier schwingen die Stimmlippen mit einer größeren Frequenz. Bei Männern sind die Stimmbänder ein paar Millimeter länger als bei Frauen, deshalb ist ihre natürliche Stimme tiefer. Manchmal bis zu einer Oktave. Über die Spannung wiederum beeinflussen wir die Tonhöhe beim Sprechen und Singen. Das regulieren vor allem zwei Knorpel, die sogenannten Stellknorpel. Über Muskeln und Bänder miteinander verbunden, verändern die beiden Stellknorpel die Spannung und Position der Stimmbänder. Wir können das bewusst steuern. Sind die Stimmbänder entspannt, schwingen sie langsamer und erzeugen tiefere Töne. Gestraffte Stimmbänder schwingen in einer höheren Frequenz. Dann erklingen höhere Töne. Diese bisher beschriebenen Mechanismen beziehen sich vorwiegend auf die Tonhöhe. Es gibt aber noch weitere Faktoren, die die Eigenschaften unserer Stimme beeinflussen. So prägen Resonanzräume – also die Hohlräume im Kopf- und Rachenraum – maßgeblich die Klangfarbe. Die Artikulation betrifft die konkrete Lautbildung, etwa bei Vokalen und Konsonanten, und bezeichnet die gezielte Formung von Lauten durch Bewegungen der Sprechorgane, was sich direkt auf Verständlichkeit und Klangfarbe der Stimme auswirkt. Muskelschwund und Hormone verändern die alternde Stimme Im jungen Alter sind unsere Stimmbänder sehr elastisch, unser Tonumfang ist entsprechend groß, und die Stimme klarer, weil wir die Stimmbänder wirklich gut anspannen können. Werden Menschen älter, verhärten die beiden Knorpel allmählich und die Muskeln im Kehlkopf bauen ab. Wir können die Stimmlippen nicht mehr so stark anspannen – dadurch verringert sich der Tonumfang insgesamt, und die Stimme wird tendenziell tiefer. Und auch die Schleimdrüsen der Stimmlippen lassen nach. Das führt dazu, dass die Stimmbänder trockener werden und immer starrer. Sie können schlechter auf- und zu-schwingen und schließen sich nicht mehr vollständig. Deshalb klingen ältere Menschen oftmals brüchiger oder belegt, ihre Stimmen ermüden schneller. Es kommt aber noch etwas hinzu: Mit dem Alter verändert sich der Hormonhaushalt. Das wirkt sich bei Frauen und Männern unterschiedlich stark aus. Bei Frauen sinkt insbesondere in den Wechseljahren der Östrogen- und Progesteronspiegel und ihre Stimmen werden hörbar tiefer. Diese Hormone helfen eigentlich dabei, den Stimmapparat geschmeidig zu halten. Fehlen sie, werden die Stimmlippen härter und rauer. Hinzu kommt, dass auch der Frauenkörper immer eine kleine Menge Testosteron bildet. Bei niedrigem Östrogen- und Progesteronspiegels hat stattdessen das Testosteron einen stärkeren Einfluss auf die Stimmlippen. Es macht diese tendenziell dicker – die Stimme wird tiefer, – im Schnitt um 14 Hz, das entspricht ungefähr einem Ganztonschritt. Analog produziert der männliche Körper im Alter weniger Testosteron. Weniger Testosteron geht mit einer Verringerung der Stimmbandmuskulatur einher. In der Folge wird die Stimme etwas höher. Der Effekt ist allerdings deutlich geringer als bei den Frauen, und macht sich erst in ganz hohem Alter klanglich bemerkbar, wenn die Stimmlippen bereits sehr verknöchert und starr sind. Sie können dann weniger weit auf und zu schwingen. Die Stimme klingt dann fistelig und höher – man spricht vom sogenannten "Greisendiskant". Die Stimme als Altersindikator Dass wir eine Stimme oft recht schnell als jung oder alt wahrnehmen, hängt übrigens nicht nur von ihrem Klang ab. Ältere Menschen sprechen im Schnitt auch langsamer und neigen zu längeren Pausen. Auch das nehmen wir unbewusst als Hinweis aufs Alter wahr. Interessanterweise ist unser Gehör da recht zuverlässig: nur um etwa plus/minus 5 Jahre vertippen wir uns, wenn wir das Alter anhand der Stimme ausmachen wollen – das konnte eine Studie der TU Berlin zeigen. Ein herzliches Dankeschön an Walter Sendlmeier, Professor für Sprach- und Kommunikationswissenschaft an der TU Berlin, für die Hilfe bei der Beantwortung der Frage.

  13. 02.08.2025
    1 min

    Wimper: 100 bis 200 Tage Wachstum Ja, Wimpern wachsen. Und sie fallen bekanntlich auch aus. Wenn sie nur ausfallen würden, ohne nachzuwachsen, wären sie irgendwann alle weg. Unsere Wimpern erneuern sich ungefähr dreimal im Jahr. Das heißt, eine Wimper wächst 100 bis 200 Tage, bevor sie ausfällt – das ist natürlich auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Aber das heißt auch, dass Wimpern relativ langsam wachsen, nämlich ungefähr einen Millimeter in drei Wochen. Kopf- und Barthaar wächst schneller Zum Vergleich: Kopf- und Barthaare wachsen wesentlich schneller, etwa fünf- bis zehnmal so schnell, je nach Typ. Aber das sind nur Mittelwerte. Denn Haare – egal ob Wimpern oder Barthaare – wachsen nicht gleichmäßig. Am Anfang wachsen sie relativ schnell, dann fängt das Wachstum an zu stagnieren. Schließlich verkümmert die Haarwurzel und das Haar fällt aus. Bei langen Kopfhaaren dauert dieser Zyklus relativ lange; er geht über Jahre. Bei Wimpern geht es schneller; die erneuern sich alle drei bis vier Monate.

  14. Mount Everest mit 8.849 Metern höchster Berg über dem Meeresspiegel Der derzeit höchste Berg der Erde ist der Mount Everest mit einer Höhe von 8.849 Metern. Ob es in der Erdgeschichte jemals höhere Berge gegeben hat oder ob es künftig höhere Berge geben wird, darüber lässt sich nur spekulieren. Dennoch: Sehr viel höher dürften sie nicht gewesen sein, denn es gibt tatsächlich eine Obergrenze für die Höhe von Gebirgen. Eines vorab: Es geht um Berge an Land, also um die Gipfelhöhe über dem Meeresspiegel. Man könnte die Höhe von Bergen auch so verstehen, dass damit die Höhe von der Basis gemeint ist – in diesem Sinn ist der Mauna Kea auf Hawaii der höchste Berg. Zwar liegt sein Gipfel nur auf einer Meereshöhe von 4.200 Metern – aber der größte Teil dieses Vulkans liegt unter der Wasseroberfläche. Und wenn man vom Meeresgrund rechnet, ist er über 10.000 Meter hoch. Ich rede hier aber nur über die Gipfel von Bergen an Land: Warum sind die nie höher als 9.000 Meter? Plattentektonik: Mount Everest wächst jährlich Was den Mount Everest betrifft: Der wächst immer noch; er wird jedes Jahr ein paar Millimeter höher. Der Everest ist Teil des Himalayas. Dort stoßen zwei riesige Kontinentalplatten aufeinander. Nämlich die südliche indische Platte und die nördliche eurasische Platte. Der Druck der Kollision schiebt die Gesteine immer weiter übereinander und lässt so das Gebirge weiter anwachsen. Erosion, Erdbeben und Schwerkraft lassen Berge schrumpfen Gleichzeitig gibt es aber Gegenspieler – Kräfte, die die Berge wieder schrumpfen lassen. Zum einen gibt es die Erosion. Also Wind, Regen und sorgen dafür, dass das Gestein zerbröselt und abgetragen wird oder dass immer wieder ganze Hänge und Bergflanken abrutschen. Je exponierter der Gipfel, desto stärker wirken diese Kräfte. Ein weiterer Faktor sind Erdbeben. Wo Kontinentalplatten kollidieren und sich übereinander schieben, kommt es regelmäßig zu Erdbeben. Und auch diese führen meist zu einem Absinken, wie es etwa durch Messungen beim Beben in Nepal im Jahr 2015 gut dokumentiert werden konnte. Und es gibt noch eine weitere Gegenspielerin, die verhindert, dass Berge ins Unendliche wachsen: Die Schwerkraft! Massige Berge werden durch hohen Druck plastisch Die Schwerkraft, also die Anziehungskraft der Erde, ist hauptverantwortlich dafür, dass sämtliche Gebirge auf der Erde eine natürliche Höhengrenze haben. Denn ein Berg ist ja nicht nur hoch, sondern auch schwer – er bildet eine gewaltige Masse, die die Erdkruste nach unten drückt. Ab einer mittleren Höhe von 5.000 Metern wird dieser Druck so hoch, dass das Gestein in der Tiefe plastisch wird. Es ist dann noch fest – also kein glutflüssiges Magma – kann sich aber trotzdem verformen und sogar fließen. Allerdings ganz langsam und zäh. Durch den Druck des eigenen Gewichtes beginnt also das Gestein in der Tiefe seitlich abzufließen. Und damit ergibt sich eine natürliche, sozusagen physikalisch-chemische Höhenbegrenzung. Die Folge: Selbst für die höchsten Bergspitzen ist bei etwa 10.000 Metern Schluss! Olympus Mons auf dem Mars ist über 20 Kilometer hoch Ganz anders dagegen auf dem Mars: Der Olympus Mons erreicht hier eine Höhe von über 20 Kilometern! Der Hintergrund: Auf dem kleineren Mars ist die Schwerkraft deutlich geringer. So kann sich hier viel mehr Gestein übereinander türmen, bis es durch den Druck seines Gewichtes plastisch wird.

  15. Bisher keine "Originalaufnahmen" der Milchstraße von außen Manchmal sieht man Bilder, die unsere Milchstraße von außen zeigen. Doch hier handelt sich nie um "Originalaufnahmen". Es sind allenfalls mehr oder weniger realistische Projektionen auf der Basis dessen, was die Astronomie heute über die Verteilung der Sterne weiß. So wie die Menschen schon vor dem Satellitenzeitalter Landkarten zeichnen konnten, ohne dass sie die Erde "von oben" hätten sehen können. Um solche Karten zu zeichnen, genügen ja die Informationen, die man auf der Erde sammelt. So ist das mit der Milchstraße auch. Astronomen können in den Himmel blicken, sie können die Sterne und ihre jeweiligen Entfernungen von der Erde bestimmen. Mit diesen Informationen können sie Himmelskarten zeichnen und mithilfe von Computern ausrechnen, wie die Milchstraße von außen aussehen müsste. Aber fotografiert hat das natürlich noch niemand – außer vielleicht außerirdische Zivilisationen, von denen wir aber noch nichts wissen. Wird es irgendwann solche Aufnahmen geben? Zumindest bei den Sonden, die heute unterwegs sind, dürfen wir keine große Hoffnung haben. Am ehesten kämen dafür ja die Voyager-Raumsonden in Betracht, die 1977 auf ihren Weg ins All geschickt wurden. Aber die haben es bisher gerade mal an den Rand des Sonnensystems geschafft. Voyager 1 hat im Jahr 1990 ein sogenanntes "Familienporträt" unseres Sonnensystems aufgenommen. Es zeigt immerhin 6 der 8 Planeten. Aber das ist im Moment das Höchste der Gefühle in Bezug auf "Blicke von außen" auf die Erde. Erst 2013 hat Voyager 1 die Heliosphäre verlassen – den inneren Bereich des Sonnensystems, insofern ist in den nächsten Jahren vielleicht noch mehr zu erwarten. Dass Voyager-Sonden irgendwann auch mal die Milchstraße verlassen könnten und ein Foto von außen machen – das werden wir leider nicht erleben. Rein rechnerisch müssten die Sonden bei ihrer jetzigen Geschwindigkeit noch viele Milliarden Jahre unterwegs sein und höchstwahrscheinlich werden sie auch dann die Milchstraße nicht verlassen, sondern zu einem Teil von ihr werden – sprich, wie die Sonne und all die anderen Sterne der Milchstraße auch um deren Zentrum kreisen.

  16. 31.07.2025
    3 min

    Weil es ohne das Salz gar keine Tränenflüssigkeit gäbe. Die Tränenflüssigkeit entsteht in den sogenannten Tränendrüsen, die sich sich oberhalb des Auges befinden. Um Flüssigkeit zu erzeugen, müssen sie irgendwo Wasser herbekommen. Da es keine "Wasserleitung" im Körper gibt, kann das Wasser nur aus dem umliegenden Gewebe kommen. Und um das Wasser anzuziehen, sondert die Tränendrüse Salz ab. Nicht reines Kochsalz, sondern eine Mischung aus verschiedenen Elektrolyten – auch Kalium ist viel drin. Flüssigkeit wird geleitet durch Osmose Dieses Salz zieht Flüssigkeit aus dem umliegenden Gewebe; genau wie eine aufgeschnittene Tomate Wasser verliert, wenn man sie salzt. Das ist der Effekt der sogenannten Osmose: Flüssigkeit drängt immer dorthin, wo die Salzkonzentration höher ist. Und das passiert auch in der Tränendrüse: Sie sondert Mineralsalze ab, diese Salze ziehen die Flüssigkeit aus dem umliegenden Gewebe, die sich dann in der Drüse sammelt und als Tränenflüssigkeit ausgeschieden werden kann. Die Tränenflüssigkeit dient allerdings nicht in erster Linie dem Erzeugen von Tränen. Der eigentliche Zweck der Tränenflüssigkeit ist es vielmehr, die Hornhaut feucht zu halten, sie mit Nährstoffen zu versorgen und auch zu reinigen – sozusagen als Scheibenwischerflüssigkeit des Augenlides. Ein Teil dieser Tränenflüssigkeit verdunstet, ein anderer Teil verschwindet auf der Innenseite des Auges im Tränenkanal bzw. im Tränensack. Richtige Tränen, die uns über die Wange kullern, entstehen nur bei einer Überproduktion, also wenn die Hornhaut z.B. durch Schmutz oder durch kalten Wind besonders gereizt wird – oder natürlich beim Weinen. Dann produziert die Tränendrüse mehr Flüssigkeit als über den Tränenkanal wieder verschwinden kann – das Auge "läuft über": Das sind dann die Tränen. Aber warum produzieren wir überhaupt Tränen, wenn wir traurig sind? Das weiß bis heute niemand so richtig. Es ist nicht erkennbar, dass das Weinen irgendeine physiologische Funktion hat im Sinne eines unmittelbaren "Überlebensvorteils". Deshalb glauben viele, dass es ein angeborenes Kommunikationssignal ist. Die Erzeugung von Tränen diene vor allem dazu, anderen zu signalisieren: Ich bin jetzt wirklich richtig traurig bzw. – denn Freudentränen gibt es ja auch – freudig erregt. Tränen wären somit eine Art Authentizitätsbeweis – ein trauriges Gesicht kann jeder machen, aber willentlich Tränen zu erzeugen, das schaffen die wenigsten. Wie ein alter Schlager sagt: "Tränen lügen nicht". Wenn jemand weint, dann wissen die anderen: Der tut nicht nur so, mit dem ist jetzt wirklich was los. Aber wie gesagt, das ist nur eine Theorie – handfeste Beweise gibt es dafür nicht.

  17. Keine Sorge, Sie werden nicht dicker, wenn Sie Essen erhitzen. Natürlich führen Sie beim Kochen Energie zu, aber bei dieser Energie handelt es sich um thermische, also um Wärmeenergie. Wärme verwandelt sich nicht zurück in Fett, sondern bleibt als thermische Energie erhalten. Ein einfaches Beispiel: Sie bringen einen Liter Wasser zum Kochen, von 20°C auf 100°C. Dabei benötigen Sie 80 kcal. Denn genau so ist die Kalorie definiert: Es ist die Energiemenge, die man braucht, um ein Gramm Wasser um ein Grad zu erhitzen. Energie steckt in Kohlenhydraten, Eiweiß und Fett – nicht in der Hitze Wenn Sie das heiße Wasser schlürfen, nehmen Sie dadurch 80 kcal mehr auf, als wenn das Wasser kalt wäre. Aber diese Kalorien wandern als Wärme in ihren Körper. Ihnen wird warm. Sie gewinnen jedoch keine Energie, die Sie zum Beispiel in Muskelkraft umsetzen können. Bei allen Diätbetrachtungen können Sie diese Wärmeenergie, die sie beim Kochen zuführen, also getrost ignorieren. Hier ist immer nur die chemische Energie entscheidend, die Sie über die Nahrung zuführen. Und die steckt in den Kohlenhydraten, in den Eiweißen und im Fett – aber nicht in der Hitze. Beim Garen werden Zellen aufgebrochen Die Temperatur spielt also an sich keine Rolle – aber der Garvorgang als solcher kann schon einen Unterschied machen. Nehmen wir Gemüse. Gemüse ist im Rohzustand hart, im gegarten Zustand weich. Das liegt daran, dass beim Garen die Zellen im Gemüse aufgebrochen werden. Dadurch wird das Gemüse leichter verdaulich. Leichter verdaulich heißt: Der Körper braucht weniger Energie, um das Gewebe aufzubrechen Der Körper kann die im Gemüse enthaltenen Kalorien leichter aufnehmen Das Kochen bewirkt also, dass der Körper mehr Kalorien aufnimmt als beim rohen Gemüse – auch dann, wenn das bereits gekochte Essen wieder abgekühlt ist. Auf die Umstände kommt es an Nehmen wir noch ein anderes Beispiel: Rohe Nudeln enthalten pro 100 Gramm etwa 380 kcal, gekochte Nudeln nur noch 150 kcal, also weniger als die Hälfte. Die Erklärung ist leicht: Wenn man 100 Gramm Nudeln zum Kochen bringt, nehmen diese Nudeln beim Kochen Wasser auf und wiegen hinterher mehr als das Doppelte. Da die Kalorienangaben sich aber immer auf 100 Gramm beziehen, enthalten 100 Gramm gekochte Nudeln weniger Kalorien – weil mehr als die Hälfte des Gewichts aus Wasser besteht. Man kann also nicht pauschal sagen, dass gekochtes Essen kalorienreicher oder kalorienärmer ist. Es kommt immer auf die genauen Umstände an. Beim Gemüse ist die Frage, ob roh oder gekocht sicher relativ unwichtig gegenüber der Frage: In wie viel Fett brate ich es und mit welchen Saucen serviere ich es?

  18. Schweißig oder geduscht: Menschen riechen für Fliegen lecker Fliegen sind häufig auf der Suche nach Nahrung, und wir riechen für die Fliegen unglaublich attraktiv. Die Fliegen gehen also nach Körpergerüchen, auch nach Schweißgerüchen. Sie haben hochempfindliche Sinnesorgane. Sie fliegen nicht nur an Menschen, die nach Schweiß riechen, sondern sie können auch bei Menschen, die regelmäßig duschen und sehr auf ihre Hygiene achten, von den normalen Körperdüften extrem angezogen werden. In der Wohnung beispielsweise sind wir konkurrenzlos attraktiv. Es sind keine anderen Tiere da, die auch gut riechen. Wenn wir uns aber beispielsweise eine Wiese im Sommer anschauen, die von Kühen übersäht ist, dann sehen wir: Es gibt noch viele andere Tiere, die ungleich attraktiver auf Fliegen wirken. Buschfliegen im Outback Australiens umschwärmen Menschen Das kann auch uns Menschen passieren, wenn wir in Gegenden sind, in dem es keine oder wenig Großtiere gibt. Beispielsweise gibt es im australischen Outback Buschfliegen, die einen Menschen zu Hunderttausenden umschwärmen, in Nasen und Gehörgänge kriechen können oder auch in die Augen, was sehr unangenehm ist. Wenn wir das also mit anderen Ländern vergleichen, werden wir hier in Deutschland noch relativ wenig von den Fliegen belästigt.

  19. 25.07.2025
    1 min

    Berliner Dialekt und Humor Das kann ich leicht erklären, denn mein Vater ist in Berlin groß geworden. Dort gab es in alten Zeiten Zustellbezirke. Die wurden erst eingeführt, als Berlin immer größer wurde. Dann gab es zum Beispiel den Zusatz "s. w." Das war dann einfach der Südwesten. In dieser Art sagte man dann irgendwann "janz weit draußen". Und hiervon hat man die Abkürzung ähnlich wie diese Postzustellungsbezirke genannt, nämlich "j. w. d."

  20. Nase wächst noch nach der Pubertät Wie jedes Körperteil wächst auch die Nase meistens bis zum Ende der Pubertät. Bei Mädchen endet die in der Regel mit 16, bei Jungen etwas später, mit 19 Jahren. Doch bei der Nase ist dann noch nicht Schluss. Das belegen Studien. Das Institut für Medizinische Genetik in Zürich untersuchte zum Beispiel 2.500 Gesichter. Fazit: Die Durchschnittsnase nimmt nach dem 30. Lebensjahr um 0,8 Zentimeter an Länge zu. Eine ähnliche Vergrößerung sah das Forschungsteam bei Ohren. Die vergrößern sich im gleichen Zeitraum um etwa einen Zentimeter. Knorpel verliert Elastizität, Bindegewebe erschlafft Nase und Ohren enthalten Knorpel- und Bindegewebe. Die Nase besteht aus einem Nasenknorpel, der mehrere einzelne Knorpelelemente enthält. Das elastische Knorpelgewebe und das Nasenskelett geben der Nase ihre Form. Das straffe Bindegewebe findet sich in der Nasenhaut und um die Knorpel herum. Es verbindet die einzelnen Knorpelelemente der Nase. Im Alter wird das Gewebe im Körper schwächer, auch das Bindegewebe in der Nase. Eigentlich sorgt das Strukturprotein Kollagen für die Zugfestigkeit und Spannkraft des Gewebes. Aber die Kollagenproduktion nimmt mit steigendem Alter ab. Ein 40-jähriger Mensch hat bereits 10 bis 20 Prozent des Kollagens in seiner Haut verloren. Beim Kollagenverlust wird das früher straffe Bindegewebe zwischen Knorpelelementen der Nase weicher und dehnt sich aus. Das Resultat: Die Nasenspitze senkt sich ab. Auch das Knorpelgewebe verliert seine Eigenschaft: Die Elastizität. Der Knorpelzellverbund lockert sich also mit der Zeit wie ein Gummi, das sich bei langem Gebrauch ausdehnt. Der eigentlich stützende Nasenknorpel stützt dann eben nicht mehr und das schlaffe Bindegewebe drumherum kann sich noch mehr ausdehnen. So wird die Nase im Alter um ein paar Millimeter größer. Bei den Ohren ist es genauso: Das Gewebe erschlafft, dehnt sich aus und hängt durch die Schwerkraft nach unten. Deshalb haben alte Menschen größere Nasen und Ohren. Akromegalie führt zu Überproduktion eines Wachstumshormons Bei einigen Menschen kann man doch sagen, dass die Nase nach der Pubertät wächst. Das Phänomen heißt "Akromegalie". Der Begriff kommt aus dem Griechischen und heißt wörtlich etwa "Vergrößerung der Extremitäten". Ein gutartiger Tumor an der Hirnanhangdrüse führt zur Überproduktion eines Wachstumshormons. Dadurch wachsen Knochen und Gewebe weiter. Das ungewöhnliche Wachstum kann nicht nur die Nase betreffen, sondern auch Hände, Füße, das Kinn und sogar die Zunge. Akromegalie ist jedoch selten: Pro Jahr erkranken etwa drei bis fünf Menschen pro einer Million Einwohnerinnen und Einwohner daran. Forschende aus China arbeiten übrigens an einer biometrischen Erkennung anhand der Nasenlöcher – die sollen fast so individuell wie ein Fingerabdruck sein. Blöd nur, dass die Nase stets größer wird.