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- 21.07.20252 min
Beim Erwärmen intensivieren sich Aromen Die Frage lässt sich nur schwer wissenschaftlich beantworten. Denn schließlich gilt beim Geschmack: Er ist subjektiv. Doch manchen Menschen schmeckt aufgewärmtes Essen einfach besser. Ob Gulasch, Linsen oder die Bolognese vom Vortag. Verantwortlich für den veränderten Geschmack beim Aufwärmen sind weitere chemische Reaktionen. Weitere, weil beim Kochen bereits Reaktionen im Essen ablaufen. So zum Beispiel die Maillard-Reaktion: Beim Kochen reagieren Aminosäuren und reduzierende Zucker unter der Hitze zu neuen Verbindungen. Beispielsweise zu Röstaromen. Beim Aufwärmen intensivieren sich diese Röstaromen durch weitere Reaktionen oder anders verteilte Aromastoffe. Parallel dazu läuft oft eine Karamellisierung ab. Vor allem bei Speisen mit viel Kohlenhydraten: Unter Hitze brechen die Zuckermoleküle auf, das Wasser verdampft und die verbleibenden Atome ordnen sich zu neuen Geschmacksrichtungen. Das macht das Essen herzhaft und umami-artig. Fleisch wird zarter, Kartoffeln werden cremiger Ob uns etwas schmeckt, hängt jedoch nicht nur vom Aroma ab, sondern auch von der Textur. Beim wiederholten Erwärmen von Fleisch – etwa beim Schmorbraten – zersetzt sich das Kollagen im Fleisch weiter und der Braten wird umso zarter. Auch bei stärkehaltigen Speisen wie Kartoffeln verändert sich die Textur. Beim erneuten Erhitzen verändert sich die Struktur der Stärke – Kartoffeln werden weicher, cremiger. Außerdem sind aufgewärmte Kartoffeln sind gut für die Darmflora. Kohl schmeckt milder, wenn Senföle entweichen Eben geht mit einem Teller Witwe Bolte in den Keller, Dass sie von dem Sauerkohle Eine Portion sich hole, Wofür sie besonders schwärmt, Wenn er wieder aufgewärmt. Quelle: Wilhelm Busch: Max und Moritz Gute Nachrichten für die Kohlhasser unter uns: Bei Speisen mit Blumen- oder Rosenkohl entweichen die Senföle, dadurch schmecken sie milder. Manches verdient also eine zweite Chance – zumindest beim Kochen. Vorsicht bei nitrathaltigen Speisen Doch es gibt auch Essen, bei dem man vorsichtig sein sollte: Spinat, Rote Beete, Kohl und Fenchel enthalten Nitrat. Beim Aufwärmen wird aus Nitrat Nitrit. Für einen Erwachsenen ist die Menge meist ungefährlich, für Babys und Kleinkindern nicht. Denn das Nitrit hemmt die Sauerstoffzufuhr ins Blut. Na dann, guten Appetit!
Im Schwäbischen sind diese Namen sehr häufig. Wenn man mit dem Zug von Stuttgart nach Tübingen fährt, gibt es außer Bad Canstatt praktisch keine Station, die nicht auf -ingen endet. Aber es gibt sie auch anderswo. In Hessen gibt es Städte wie Büdingen, im Badischen gibt’s Söllingen. Und wenn man nach Bayern geht, findet man diese Ortsnamen auch, allerdings enden sie da nur auf -ing: Garching, Ismaning, Schwabing und so weiter. Das ist letztlich das gleiche. Weiter Richtung Norden findet man statt -ingen -ungen: Bad Wildungen oder Kaufungen. Das sind alles Varianten der Wortendung -ingen. Diese Wortendung geht auf die Zeit der Völkerwanderung zurück. Sie verweist häufig auf Orte, die von den eingewanderten Franken gegründet wurden. Also auf das 6./7. Jahrhundert. Wortendung "-ingen" drückt Zugehörigkeit aus Dieses -ingen ist eine Wortendung, die so etwas wie eine Zugehörigkeit ausdrückt – fast immer zu einer bestimmten Person, einem Anführer. So lebten in Sigmaringen die Angehörigen eines Sigmars. Jetzt werden vielleicht manche sagen: Ich hab gelernt, dass die fränkischen Siedlungen oft auf die Silbe -heim enden. Also Rüsselsheim, Sinzheim, Durmersheim. Das ist genauso richtig, wobei diese Ortsnamen auf -heim von Anfang an Ortsnamen waren. Also anders als bei den Namen auf -ingen leitet sich die Bezeichnung nicht von einem Anführer hab, sondern beschreibt meist direkt eine geografische Stelle: Steinheim, Hügelsheim. Das waren zwei alternative Vorgehensweisen, um in der Zeit der Völkerwanderung neue Ortsgründungen zu bezeichnen. Ein Blick auf die Landkarte zeigt: In den Gegenden, wo die Orte auf -heim häufig sind, kommen wie im Hessischen oder im Badischen die -ingens nur sehr selten vor und umgekehrt. Dort, wo es viele Orte auf -ingen gibt – wie eben im Schwäbischen – gibt es nur ganz wenige Orte auf -heim. Das waren offenbar regional unterschiedliche Moden: Hier hat man es so gemacht und dort eben so. In ein paar ganz wenigen Fällen kommt sogar beides zusammen: Bietigheim und Besigheim wären so Beispiele, in denen noch ein verkümmertes "-ing" steckt, gefolgt von einem "-heim".
- 18.07.20252 min
Funkstandard für die Übertragung von Daten auf kurze Distanz Stark heruntergebrochen ist Bluetooth eine Funkverbindung zwischen zwei Bluetooth-Geräten. Über die kabellose Bluetooth-Verbindung können sie gegenseitig Daten – z.B. Musik oder Bilder – übermitteln. Nehmen wir als Beispiel ein Handy und eine Musikbox. In ihnen eingebaut ist ein Chip. Der kann Bluetooth-Signale senden und gleichzeitig empfangen. Das geht aber nur, wenn man Bluetooth aktiviert. Handy und Box senden so jeweils eine eindeutige 48 Bit lange Seriennummer nach außen – individuell wie ein Fingerabdruck. Dann beginnt die Suche nach dem passenden Gerät: Ein bisschen wie bei der Partnersuche, müssen sich Handy und Musikbox gegenseitig entdecken. Das Handy fängt die Seriennummer der Box auf und kann sich dann damit verbinden. Daten-Hopping soll vor Störungen und Abhören schützen Die beiden gekoppelten Geräte erzeugen eine Funkverbindung von 2.4 GHz, eine sogenanntes Wireless Personal Area Network, also eine kabellose Kurzstrecken-Funkverbindung. Das Problem: WLAN nutzt die gleiche Bandbreite von 2.4G Hz. Um Frequenzstörungen zu vermeiden, macht Bluetooth Frequenz-Hopping: Die Verbindung zwischen Handy und Box springt also innerhalb des Frequenzbands von einem Unterkanal zum nächsten. Nicht ab und an, sondern bis zu 1.600-mal pro Sekunde. Das Hopping schützt nicht nur vor Störungen, sondern auch vor ungewollten Abhöhrern. Anders als beim Walkie-Talkie früher, bei dem plötzlich ein fremdes "Hallo" durch den Hörer funken konnte, stehen bei Bluetooth-Verbindungen die Frequenzen nur dem Sender und dem Empfänger zur Verfügung. Anders als bei alten Walkie-Talkies, bei denen man plötzlich fremde Gespräche mithören konnte, sind Bluetooth-Frequenzen nur für Sender und Empfänger zugänglich. So können wir die Musik von unserem Handy auf unserer Box hören – zumindest in einer Distanz zwischen einem und 100 Metern. Je nach Geräteklasse. Namensgeber: König Harald Blauzahn aus Dänemark Der Name Bluetooth kommt übrigens vom dänischen König Harald Blauzahn. Blauzahn war bekannt für seine kommunikationsfreudige Art und schaffte es sogar, Norwegen und Dänemark zu verbinden. So wie Handy und Musikbox heute miteinander verbunden sind.
- 15.07.20251 min
Alkohol verdampft nicht vollständig Ich habe, auch als Kind, den Alkohol herausgeschmeckt. Allerdings wurde damals immer gesagt, das sei nur noch der Geschmack, der Alkohol sei verdampft. Man hat das aber nachgemessen und ausgerechnet. Dabei hat sich herausgestellt, dass der Alkohol nicht vollständig verdampft. Flambierter Pudding enthält noch viel Alkohol Das hängt ein bisschen von den Bedingungen ab, also zum Beispiel davon, ob beim Kochen der Deckel auf dem Topf ist oder nicht, wie warm es ist usw. Aber man hat bei verschiedenen Speisen festgestellt, dass immer ein Restalkohol übrig bleibt. Manchmal sind es nur 4 Prozent von der ursprünglichen Menge, manchmal aber auch 50 Prozent. Und in flambiertem Pudding hat man sogar noch 80 Prozent des ursprünglichen Alkohols gemessen. Bedenklich für Kinder und trockene Alkoholiker Das ist mit Sicherheit nichts für Kinder. Und vor allem ist es nichts für trockene Alkoholiker, die ja ein Suchtgedächtnis haben, das sehr schnell durch auch nur geringste Mengen von Alkohol wieder reaktiviert werden kann. Es ist also nicht nur der Geschmack, sondern es ist tatsächlich der Alkohol selbst, der noch in den Speisen verblieben ist. Und wenn man z.B. Kuchen kauft, sollte man immer fragen, ob Alkohol enthalten ist.
- 11.07.20253 min
Fjord und Förde entstanden in der Eiszeit Das kommt darauf an, welche Sprache man spricht. Beide Wörter haben den gleichen Ursprung. Eigentlich könnte man sagen: Förde ist nur das deutsche Wort für das, was auf Dänisch oder Norwegisch Fjord heißt. Doch genau dadurch hat sich auch ergeben, dass beide Wörter in der Geologie inzwischen eine unterschiedliche Bedeutung haben. Erstmal die Gemeinsamkeiten: Beide Begriffe, Fjord und Förde, bezeichnen bestimmte Landschaftsformen, nämlich Täler, die in der Eiszeit entstanden sind. In beiden Fällen waren Gletscher am Werk, die die Landschaft in gewisser Weise ausgeschürft haben. In der Eiszeit war auch der Meeresspiegel bis zu hundert Meter tiefer als heute – eben weil eine Menge Wasser, was sich über die Erde verteilt, in diesen Gletschern gebunden war. Es gab damals, mit anderen Worten viel Gletscher und wenig Ozean. Als die Gletscher am Ende der Eiszeit geschmolzen sind, stieg der Meeresspiegel und die ausgeschürften Landschaften haben sich mit Wasser gefüllt. So sind die heutigen Fjorde und Förden entstanden. Es sind Meeresarme, die ins Land hineinragen und davon zeugen, dass dort früher einmal Gletscher und die unter ihnen fließenden Gletscherflüsse die Landschaft ausgeschabt haben. Bewegung der Gletscher unterschiedlich bei Fjord und Förde Der große Unterschied zwischen Fjord und Förde: Beim Fjord hat sich der Gletscher landauswärts bewegt, also von den Bergen Richtung Meer. Bei den Förden, an der Ostküste von Schleswig-Holstein und Dänemark, war es umgekehrt. Dort kam der Gletscher von Osten und hat sich aufs heutige Festland geschoben. Wenn man also auf eine Karte guckt, dann kam das Eis aus Skandinavien. Dort sind die Berge hoch, es ist kalt, der Eispanzer war wirklich dick und mächtig. Die Gletscher haben lange, tiefe und breite Täler geformt, eben die Fjorde mit ihren steilen Bergflanken. Das Eis hat sich dann aber weitergeschoben, unter anderem über den Boden der heutigen Ostsee hinweg nach Schleswig-Holstein. Dort wurde das Eis dünner und die Landschaft ist eher flach. Deshalb hat der Gletscher nicht die gleiche Wirkung gehabt wie in Skandinavien. Er hat sich vor allem landeinwärts bzw. bergauf, von "unten" nach "oben" bewegt. Dadurch entstehen etwas andere Landschaftsformen. Man kann es vielleicht vergleichen mit einer Scheibe Brot, über die man mit ein bisschen Druck ein stumpfes Messer zieht. Das stumpfe Messer entspricht dem Gletscher. Wenn man das Messer vom Brot herunterzieht, verformt sich das Brot in einer anderen Weise als wenn man das Messer zum Brot hinführt. Wenn man es runterzieht, entsteht ein langer eher scharfer Schnitt. Wenn man das Messer von unten zum Brot hinführt, wird das Brot im Zweifel eher gequetscht. Ein bisschen so ist das mit Landschaften auch. Die Fjorde entsprechenden eher den scharfen tiefen Schnitten. Die Förden dagegen haben eine andere Form; sie sind eher trichterförmig und verengen sich schnell Richtung Land. Und sie sind auch nicht so lang. Unterscheidung vor allem im deutschsprachigen Raum Man muss aber auch sagen, dass dieser sprachliche Unterschied vor allem im deutschsprachigen Raum gemacht wird. In Dänemark werden auch die Landschaften, die geologisch gesehen Förden sind, als Fjorde bezeichnet.
Mikrowelle bringt Wassermoleküle zum Schwingen Das Prinzip der Mikrowelle ist: Sie bringt Wassermoleküle zum Schwingen. Wassermoleküle sind in praktisch allen Nahrungsmitteln drin. Selbst trockenes Knäckebrot enthält noch 10 Prozent Wasser. Und wenn die Mikrowellen die Wassermoleküle in Schwingung versetzen, entsteht Wärme. Bzw. genauer: Die Bewegung der Moleküle ist die Wärme. Je schneller sie sich bewegen oder schwingen, desto höher ist die Temperatur, die wir fühlen. Mikrowellen dringen nicht tief ein – Essen bleibt kalt Das ist das Grundprinzip: Die elektromagnetischen Wellen regen die Wassermoleküle im Essen an, dadurch wird das Essen heiß. Allerdings dringen die Wellen oberflächlich in eine Substanz ein. Stellen wir also eine Suppe in die Mikrowelle, wird zunächst die Oberfläche erhitzt, aber der Rest braucht eine Weile. Deshalb kann es passieren, dass uns die Suppe, wenn wir sie zu früh rausholen und nicht zwischendurch umrühren, kalt vorkommt. Wasser dringt schnell in Risse der Keramik-Glasur ein Warum aber ist der Teller heiß? Weil die Glasur in einem Keramikteller oft viele winzige Risse enthält, in die ebenfalls Flüssigkeit eindringt. Und gerade weil die Risse so fein sind, kommt die Mikrowelle dort überall schnell hin und erhitzt das Wasser dort recht schnell, und entsprechend schnell verteilt sich die Wärme in der Keramik. Und das Ergebnis kann dann eben sein: Der Teller ist schneller heiß, als das Essen.
- 06.07.20252 min
Auf Geld halten sich nur wenige Bakterien Die Frage ist berechtigt. Nicht nur beim Bäcker, sondern auch beim Metzger kann es vorkommen, dass Wurst und Geld vom Verkaufspersonal angefasst werden. So wird im Lebensmittelhandel Hygiene häufig falsch verstanden, wenn auch unabsichtlich. Denn wenn man zwar Handschuh trägt, damit aber alle Arbeiten verrichtet – die Wurst nimmt, die Tüte, sich am Kopf kratzt etc. – nützt der Handschuh nichts. Geld wird von vielen Menschen als unhygienisch empfunden, weil es durch viele Hände geht. Trotzdem halten sich daran nur verhältnismäßig wenige Bakterien. Deshalb muss man vor Geld keine große Angst haben. Auf Münzen und Geldscheinen halten sich Keime schlecht Zwar hängen viele Keime an Münze und Scheinen. Die Frage ist aber, ob es Keime sind, die uns krank machen. Das kann man nicht pauschal beantworten. Durch Münzgeld, das Kupfer enthält – Silber und Kupfer setzen Ionen frei, die Bakterien abtöten – reduziert sich die Menge an Keimen. Sowohl Papier- als auch Münzgeld ist aber trocken. Und Trockenheit ist der Feind der meisten Bakterien; die sterben auf einer trockenen Oberfläche, weil sie dort keine Nährstoffe finden. Wir brauchen aber für Beschäftige im Lebensmittelbereich eine bessere Hygieneausbildung, sodass es da nicht zu Fehlern kommt.
- 06.07.20254 min
Evolution folgt dem Prinzip der Sparsamkeit Die unterschiedliche Fingerlänge entspricht am besten unseren Bedürfnissen. Andernfalls wären sie ja entweder alle gleich lang oder gleich kurz. Lauter kurze Finger wären unpraktisch, denn zum Greifen, zum Anfertigen von Werkzeugen oder zum Werfen von Speeren brauchen Finger nun mal eine gewisse Länge. Wären dagegen alle Finger so lang wie der Mittelfinger, wäre das eine Verschwendung von Ressourcen. Die Evolution – also die natürliche Selektion – folgt dem Prinzip der Sparsamkeit: Sie kräftigt nur die Strukturen, die wirklich benötigt und belastet werden. Die anderen bleiben klein oder schrumpfen – denn das Material und die Energie, die dabei gespart werden, kann der Organismus anderswo sinnvoller einsetzen. So hat sich eine Hand entwickelt, bei der die Länge der Finger auch die durchschnittliche Belastung spiegelt. Wenn Sie einen Ball werfen oder an einem Ast Klimmzüge machen, ist der Mittelfinger am stärksten belastet, am zweitstärksten der Ringfinger. Anschließend kommt der Zeigefinger, der bei manchen, vor allem feinmotorischen Tätigkeiten, stärker beansprucht wird. Man kann sich das übrigens schön veranschaulichen: Nehmen Sie einen Tennisball oder einen Apfel in die Hand. Wenn die Finger bequem den Ball umfassen, sind die Fingerkuppen etwa auf einer Linie. Der lange Mittelfinger nämlich sucht sich die Stelle mit dem größten Umfang, sozusagen den Äquator. Von ihm geht beim Halten die meiste Kraft aus. Eine Ausnahme ist der Daumen, aber der ist ohnehin ein Sonderfall, weil er ja in Opposition zu den anderen Fingern steht, beim Greifen also den Gegendruck erzeugt. Der Daumen ist etwas dicker. Und er ist in Wirklichkeit gar nicht so kurz, wie er aussieht, denn der eigentliche Daumenansatz sitzt ja viel tiefer in der Hand als die Ansätze der anderen Finger. Messen Sie mal mit der linken Hand ab, wie lang Ihr rechter Daumen vom Ansatz – vom ersten Gelenk – bis zur Spitze ist und vergleichen Sie das mit dem Mittelfinger – der Daumen zieht da in der Regel keineswegs den Kürzeren. Wie der Finger des Mannes ... Bei Männern ist meist der Ringfinger länger. Bei Frauen sind die Finger eher gleich lang, oft ist der Zeigefinger sogar länger. Und die Anatomen haben in den letzten Jahren noch viel mehr herausbekommen: Es gibt zumindest bei Männern eine Korrelation: Je länger der Ringfinger im Verhältnis zum Zeigefinger, desto größer sind die Hoden und der Penis. Einfluss von Testosteron und Östrogen Die Ringfingerlänge korreliert auch mit Karriere-Erfolg. In Orchestern haben die ersten Geiger signifikant längere Ringfinger als die zweiten Geiger. Man ahnt inzwischen auch die Gründe: All diese Eigenschaften – die Länge des Ringfingers, die männlichen Geschlechtsteile wie auch die berufliche Durchsetzungskraft – sind im wahrsten Sinne des Wortes testosterongesteuert und werden somit auch von den gleichen Genen kontrolliert. Das weibliche Hormon Östrogen wiederum beeinflusst das Wachstum des zweiten Fingers – das ist durch Tierversuche belegt. Diese Zusammenhänge hat man erst in den letzten Jahren entdeckt. Nun versucht man zu verstehen, welche tieferen Hintergründe sie haben bzw. was sich die Evolution dabei "gedacht" hat.
Augenschließen bei Fischen nicht nötig Kaum ein Fisch kann die Augen schließen. Das ist aber auch nicht nötig, weil die Augen ja unter Wasser nicht austrocknen können. Landtiere schließen die Augen hauptsächlich, weil sie austrocknen, wenn sie nicht immer wieder benetzt werden. Das ist im Wasser nicht nötig. Papageifische: zum Schlafen abends ab in den Schleim-Kokon Trotzdem können Fische schlafen, und fast alle Fische tun das auch. Papageifische in den indopazifischen Korallenriffen zum Beispiel bauen sich jeden Abend einen Kokon aus Schleim, in dem sie sich einigeln, damit Moränen sie über Nacht nicht fressen können. Außerdem gibt es nachtaktive Fische, die am Tag schlafen. Im Korallenriff: "Schlafanzug" in Tarnfarben Die buntgefärbten Fische im Korallenriff haben nachts fast immer eine unscheinbare Tarnfärbung, mit deren Hilfe sie sich verstecken.
Das bezieht sich auf eine unangenehme Praxis von jungen Barbiergesellen oder Barbierlehrlingen, also jungen Herrenfrisören, die die Leute noch nicht so gut rasieren konnten. Eingefallene Wangen bei der Rasur über einem Löffel straff ziehen Wenn man in früheren Zeiten sehr alt war, dann hatte man ja meist sehr eingefallene Wangen, die schwierig zu rasieren waren. Diese Jungens haben es einfach so gemacht, dass sie einen Löffel nahmen und ihn den Leuten mit der Laffe nach außen in den Mund steckten. So nutzten sie diese Rundung, um die Wange nach außen zu drücken, wodurch eine schöne glatte Fläche entstand. Bedeutungswandel setzt mit der Zeit ein Diese Bedeutung – also die umstandslose Art, mit den Leuten umzugehen, die ja auch recht frech ist – hat sich im Lauf der Zeit verändert und es kam dann zu der Bedeutung im Sinne von "Betrug, Übervorteilung".
Meeresschnecke verstärkt Umgebungsgeräusche Nein, das Rauschen, das wir in Muscheln hören, ist nicht das des Meeres. Wie soll das auch gehen? Geräusche bleiben nicht in einem Hohlraum gespeichert. Es ist auch nicht das, was gelegentlich behauptet wird: Der Blutfluss in unseren Adern, der in der Muschel angeblich reflektiert wird. Was wir in der Muschel hören, sind vielmehr die Geräusche aus der jeweils aktuellen Umgebung. Diese können sich in der Muschel – bzw. der Meereschnecke – verstärken. Je nachdem, wo wir uns gerade befinden, können die ziemlich ähnlich klingen wie Meeresrauschen. Das liegt am Hohlkörper des Schneckengehäuses; das wirkt akustisch wie eine Resonanzkammer. Die Schallwellen von außen schwingen in der Luftsäule hin und her, und diese Frequenzen treffen dann wieder auf unser Gehör. Je nachdem, wie groß so ein Gehäuse ist, ist auch der Ton eher höher oder tiefer. Gleicher Effekt bei Gläsern und Dosen Nicht nur die Meeresschnecke, sondern auch andere Hohlräume, wie Gläser oder Dosen, können diesen Effekt auslösen. Sogar unsere Hände können, wenn wir sie richtig formen, solch ein "Rauschen" erzeugen. Sobald wir aber mit der Muschel in einen schalldichten Raum gehen, verschwindet dieses angebliche Meeresrauschen.
- 29.06.20253 min
Rotwerden ist ein Zeichen dafür, dass unser Gesicht stärker durchblutet wird. Und das passiert bei Stress oder wenn wir uns schämen – z.B. in einer peinlichen Situation. Es fällt ja auf, dass wir das gar nicht steuern können. Das liegt daran, dass das Ganze über das vegetative Nervensystem läuft. Das vegetative Nervensystem reguliert Abläufe im Körper, die wir normalerweise nicht bewusst kontrollieren können, wie z.B. den Herzschlag oder die Atmung. Und genauso ist es hier. Das Schamgefühl selbst entsteht im Emotionszentrum des Gehirns, dem limbischen System. Von hier aus empfängt das vegetative Nervensystem die Signale und leitet sie an den ganzen Körper weiter. Diese Nervenimpulse sorgen dafür, dass sich die feinen Blutgefäße im Gesicht weiten – dadurch strömt mehr Blut in Wangen und Stirn, manchmal auch in Hals und Ohren oder den ganzen Kopf. Bei Menschen mit heller Haut lässt sich das besonders gut erkennen. Ist Rotwerden immer ein Zeichen für Scham? Nein, nicht nur Scham führt zum Erröten: Andere Auslöser können Sport, starke Temperaturschwankungen und Bluthochdruck sein. In diesen Fällen hat das Rotwerden einen klaren physiologischen Sinn, z.B. den Temperaturausgleich. Welche Funktion hat das Rotwerden bei Scham? Die Schamesröte hat vor allem eine soziale Funktion. Mit ihr signalisieren wir unserem Gegenüber: "Das ist mir peinlich." oder "Ich erkenne, dass ich einen Fehler gemacht habe." oder: "Komm mir nicht zu nah!" Wir kommunizieren also über Körpersprache. Eine Studie aus den Niederlanden fand sogar heraus, dass wir durch Schamesröte mehr Empathie in anderen auslösen können: So betrachteten Versuchspersonen diejenigen Menschen wohlgesinnter, die in einer unangenehmen Situation rot wurden, als die Menschen, die keine Röte zeigten. Eigentlich ist Rotwerden also sinnvoll. Kann es auch zum Problem werden? Wer übermäßig viel Angst vorm Erröten hat, leidet laut Psychologie an einer Erythrophobie. Ein Teufelskreis beginnt: Die Angst vorm Erröten führt nur umso schneller dazu, dass Betroffene rot werden. Daraufhin schämen sie sich noch mehr und erröten umso stärker. Im schlimmsten Fall führt dies zu einer sozialen Phobie, einer bestimmten Form der Angststörung. Betroffene meiden dann schambehaftete Situationen und sind in ihrem Alltag stark eingeschränkt. Helfen können z.B. Medikamente zur Lösung der Angstzustände und eine kognitive Verhaltenstherapie. Ziel ist dann, Stress auslösende Situationen im Alltag wieder zu meistern. Und eine Neubewertung des Rotwerdens an sich – eben als eine ganz natürliche Körperfunktion, für die wir uns nicht schämen müssen.
- 28.06.20253 min
Hahnenschrei: Inbegriff des Tagesbeginns Hähne krähen nicht nur bei Sonnenaufgang, sondern über den Tag hinweg immer wieder. Nur nachts legen sie eine Krähpause ein. Deshalb fällt es morgen umso mehr auf; zu Sonnenaufgang ist ja noch nicht viel los. Hähne krähen somit in die Stille hinein. Deshalb ist das Krähen zum Inbegriff des Tagesbeginns geworden. Das Krähen dient dabei hauptsächlich als Imponiergehabe. Die Hähne markieren auf diese Weise ihr Revier, signalisieren ihren potentiellen Rivalen ihre Kampfbereitschaft und den Hennen, wie stark und toll sie sind. Gockel-Verhalten eben. Hähne folgen ihrer inneren Uhr und nicht dem Tageslicht Lange glaubte man, dass die Tiere mit dem Krähen beginnen, wenn sie die ersten Sonnenstrahlen registrieren. Aber offenbar brauchen sie die Sonne gar nicht. Tatsächlich fangen sie oft ja auch schon vor der Dämmerung, also vor den ersten Sonnenstrahlen an zu krähen. Es gab 2013 eine Studie japanischer Wissenschaftler. Die haben Hähne unter Laborbedingungen beobachtet. Einige dieser Hähne haben sie einem konstanten Dämmerlicht ausgesetzt, sodass sie objektiv gar nicht mehr die Tageszeit erkennen konnten. Und trotzdem haben sie zuverlässig frühmorgens gekräht. Das deutet darauf hin, dass sie hauptsächlich ihrer inneren Uhr folgen – das funktioniert sogar über Wochen hinweg. Bei hellerem Licht wird häufiger gekräht Natürlich wird diese Innere Uhr wie bei Menschen auch regelmäßig durch das Tageslicht geeicht – aber die Hähne brauchen am jeweiligen Morgen kein Licht als Startsignal. Trotzdem hat das Licht insgesamt einen gewissen Einfluss. Die Forscher haben geschaut, was passiert, wenn sie die Lichtverhältnisse variieren, es also mal ein bisschen heller, mal ein bisschen dunkler werden lassen. Da zeigte sich schon, dass die Hähne bei hellerem Licht häufiger krähten. Ein Hahn wird offenbar auch dann zum Krähen animiert, wenn er einen anderen Hahn krähen hört. Das kann durchaus auch früh morgens der Fall sein. Auf dem Land fällt das auf: Wenn einer anfängt, kräht bald der zweite hinterher. Aber einer muss ja den Anfang machen – und das funktioniert offenbar über die innere Uhr, also den biologischen Tag- und Nachtrhythmus.
- 28.06.20252 min
"Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen" Das geht zurück auf die berühmte Geschichte im Neuen Testament, in der Jesus dem Petrus prophezeit: "Du wirst mich dreimal verleugnen, ehe der Hahn kräht". Und so ist es dann ja auch gekommen. Mahnmal für Aufrichtigkeit Jesus wird gefangen genommen, Petrus wird gefragt, ob er zu ihm gehört, streitet es dreimal ab – und anschließend kräht der Hahn. An diese Geschichte erinnert der Hahn auf den Kirchtürmen – man könnte ihn also als Mahnmal für Aufrichtigkeit interpretieren. Abgesehen davon zeigt er – sofern er beweglich ist – praktischerweise auch den Wind an, dient also als Wetterhahn. Und wenn jemand sich windet und wie Petrus aus Opportunismus seine Identität verleugnet und man sich nicht auf ihn verlassen kann, sagt man ja auch: Der dreht sich wie der Hahn im Wind. Je nach Region: Hahn steht auf katholischen und evangelischen Kirchtürmen Es ist übrigens nicht so, wie oft behauptet wird, dass der Hahn immer ein Erkennungszeichen einer katholischen Kirche ist. Das hängt vielmehr von der Region ab. In Süddeutschland steht der Hahn tatsächlich hauptsächlich auf den katholischen Kirchtürmen – wie auch sonst in weiten Teilen der Welt. Auf den evangelischen ist dagegen ein Kreuz angebracht. Nur in Norddeutschland ist es zum Teil umgekehrt. Dort haben die katholischen Kirchen auch Kreuze – während der Hahn dort wiederum Kennzeichen reformierter Gemeinden ist.
- 25.06.20251 min
Wenn Sie fürchten, dass sich auf der Kleidung Keime befinden, waschen Sie die Wäsche bei 60°C mit einem Vollwaschmittel. Dabei werden die Bakterien zerstört. Das wird noch unterstützt, wenn sie die Wäsche im Sommer beim Trocknen der Sonne aussetzen; die Sonne tötet auch einen Teil der Bakterien ab. Auch das Bügeln trägt dazu bei. Auf Vorwäsche verzichten und Vollwaschmittel verwenden Auf eine Vorwäsche sollten sie dabei verzichten, denn die Vorwäsche verteilt die Bakterien eher in der Maschine und bringt sie auch auf Kleidungsstücke, die vorher nicht belastet waren. Bei Schuhen reicht es aus, die Sohle mit Wasser und Seife abzuwischen. Haben Sie keine Angst vor diesen Krankenhauskeimen. Was man in den Medien dazu liest macht oft Angst. Diese Krankenhauskeime sind aber häufig im Privatbereich kein Problem. Sie sind ein Problem des Krankenhauses.
- 24.06.20251 min
Das ist leider ganz schwierig. Die Nase gehört zu den Sinnessystemen, die nie schlafen, die 24 Stunden aktiv sind und auch während der Nacht arbeiten. Denn mit jedem Atemzug nehmen Sie auch Duftmoleküle auf. Das heißt, solange Sie atmen, riechen Sie auch. Sie müssen ja atmen, damit Sie überleben können. Deswegen kann man das Riechen im Vergleich zu den Augen nicht abstellen. Die Augen kann man zumachen, die Ohren kann man sich zuhalten. Aber das Atmen lässt sich leider – oder manchmal Gott sei Dank – nicht abstellen. Wäscheklammern oder Mundatmung sind kaum Alternativen Leider gibt es auch keine guten Tricks. Sie können natürlich mit einer Wäscheklammer die Nase zumachen. Die Atmung durch den Mund ist auch nicht so gesund, wie wenn man durch die Nase atmet. Denn die Nase hat ja nicht nur etwas mit dem Riechen zu tun, sondern sie ist durch die Schleimhäute auch ein Staubfilter, wärmt die Luft an und hat viele andere Funktionen. Daher sollte man über die Nase atmen. In manchen Extremsituationen hilft natürlich nichts anderes; da hält man sich die Nase am besten einfach zu.
- 23.06.20251 min
Taue wurden von Seeleuten repariert Mein Vater war selbst Seemann; deshalb weiß ich sehr genau, woher das kommt. Mein Vater hat nämlich Taue spleißen müssen. Das tut man auf dem Festland eher selten. Es geht dabei darum, Taue in einer komplizierten Art und Weise der Flechttechnik wieder zu verbinden. Diese Taureparatur oder neue Taue flechten hat man miteinander an Bord gemacht und sich dabei Geschichten erzählt – Döntjes, wie man im Norden sagt. Es war also genau wie in den Spinnstuben. Deshalb hat man auch auf dem Festland "Garn spinnen" gesagt und meinte genau das Gleiche: irgendwelche Geschichten erzählen, die zwar nicht immer wahr waren, aber jedenfalls nett. Abenteuerliche Geschichten sorgten für Unterhaltung bei der Arbeit Bei den Seeleuten war das natürlich noch viel mehr. Man fuhr ja früher nicht in Urlaub, sondern war hauptsächlich daheim. Die Seeleute kamen aber viel rum und erzählten dann manchmal ganz unglaubliche Geschichten, wie sie eben auch beim Spleißen oder Taureparieren erzählt und ausgedacht wurden. Und so sagt man dann eben auch "Seemannsgarn spinnen".
Adaptation: Wir gewöhnen uns an Gerüche Hier gilt das gleiche wie für alle Düfte, die man permanent um sich hat: Man nimmt sie irgendwann nicht mehr wahr. Das ist auch beim Parfüm so: Man trägt es auf, riecht es nach ein paar Minuten schon gar nicht mehr, sprüht nach – und am Schluss stinkt man wie ein Iltis. Die anderen merken es, man selber nicht. Wie alle Sinnessysteme hat unsere Nase die Fähigkeit, sich an bestimmte Reize zu gewöhnen und abzuschalten. Sie meldet dann dem Gehirn gar nicht mehr, dass Düfte in der Luft sind. Denn was die ganze Zeit da ist, muss dass Gehirn nicht ständig erfahren, sonst wird es völlig überlastet. Man nennt das Adaptation. In mancher Hinsicht ist das ein Geschenk, denn wenn es besonders stinkt, kann man sicher sein, dass man sich mit der Zeit auch daran gewöhnt und man diesen Duft nicht mehr riecht. Hunde laufen Zickzack, um die Spur nicht zu verlieren Hunde können das übrigens auch. Wenn sie einer Beute folgen, laufen sie irgendwann Zickzack. Denn wenn sie immer in der Duftspur blieben, würden sie sich ebenfalls an den Geruch gewöhnen und den Hasen nicht mehr riechen können. Sie laufen also ein Stückchen raus, nehmen eine Prise frische Luft und kommen wieder zurück. Wenn wir einen Raum, in dem es stinkt, verlassen und wieder zurückkommen, bemerken wir auch den Geruch wieder.
- 21.06.20254 min
Da gehen die Meinungen auseinander. Die meisten Verhaltensbiologen sagen eher, dass Tiere zwar durchaus Schmerz und Gefühle empfinden und auch so etwas wie Trauer fühlen können, dass sie aber deswegen nicht weinen. Das „Heulen“ vor Schmerz oder Rührung ist nach gängiger Lehrmeinung eine spezifisch menschliche Eigenschaft. Krokodilstränen: kein Ausdruck von Trauer Es gibt Krokodilstränen – also nicht nur in der Redensart, wo die Krokodilsträne ja der Inbegriff der Heuchelei ist – sondern Krokodile produzieren tatsächlich Tränen. Das war lange nicht klar, weil sich Krokodile ja viel im Wasser bewegen und deshalb immer wieder irgendwelche Tropfen an ihnen herunterkullern. Vor ein paar Jahren haben Forscher den Nachweis erbracht, dass das, was man schon seit Jahren für Krokodilstränen hielt, tatsächlich welche sind. Die entscheidende Frage ist aber: Was löst diese Tränen aus? Das hat wahrscheinlich nichts mit Trauer oder Schmerz oder sonstigen Gefühlsausbrüchen zu tun, sondern mit Druck. Die Krokodile produzieren die Tränen nämlich beim Fressen. Da sperren sie bekanntlich ihr Maul weit auf. Dies drückt nach hinten aufs Auge bzw. die dort befindlichen Tränendrüsen. Tränen: Auge befeuchten, reinigen, mit Nährstoffen versorgen Tiere haben also Tränendrüsen, aber hauptsächlich, um die Augen zu befeuchten, zu reinigen und um die Hornhaut mit Nährstoffen zu versorgen – wie beim Menschen auch. Wir produzieren ja auch ständig Tränenflüssigkeit, ohne dass wir gleich weinen. Die Wissenschaft unterscheidet übrigens zwei Arten von Tränen. Das eine sind die sogenannten reflektorischen Tränen. Die produzieren wir, wenn wir z. B. Schmutz im Auge haben oder beim Zwiebelschneiden. Das ist die ganz normale Tränenflüssigkeit. Wenn wir aber weinen, dann sind das emotionale Tränen. Die haben eine etwas andere chemische Zusammensetzung; insbesondere enthalten sie mehr Proteine, mehr Mineralstoffe und eine erhöhte Konzentration an Serotonin. Das ist ein Botenstoff im Gehirn, der unter anderem bei Schmerz ausgeschüttet wird. Man kann Tränen also chemisch unterscheiden. Emotionale Tränen bei Tieren? Standardlehrmeinung ist, dass Tiere keine emotionalen Tränen produzieren. Aber beweisen kann man es nicht. Denn nur weil man es noch nie wissenschaftlich beobachtet hat, kann man ja nicht ausschließen, dass es solche Tränen in ganz bestimmten Situation nicht doch gibt. Es gibt einen schönen Film: "Die Geschichte vom weinenden Kamel". Das ist ein ganz ruhiger, halb fiktiver, halb dokumentarischer Film, der in der Mongolei spielt – eine deutsch-mongolische Produktion. Es geht um Nomaden in der Wüste Gobi. Die haben ein Kamel, das ein Fohlen zur Welt bringt, allerdings unter so starken Schmerzen, dass es das Fohlen verstößt und nicht säugen will. Das Fohlen droht also zu verhungern. Am Ende gelingt es mithilfe von Musik, speziell einer mongolischen Geige, die Kamelstute in eine Stimmung zu versetzen, die dazu führt, dass sie ihr Junges doch wieder annimmt. Und in dem Moment kullert der Kamelmutter tatsächlich eine Träne aus dem Auge. Das ist ein sehr rührender Moment. Natürlich ist das ein Film, aber eben mit einem hohen dokumentarischen Anteil. Die Regisseure beteuern, dass diese Reaktion des Kamels, diese Tränen echt waren. Das sei nicht inszeniert gewesen – also keine Zwiebel oder sonst was –, sondern eine authentische Reaktion. Insofern: Wer weiß? Früher haben die Wissenschaftler gesagt, Tiere haben keine Gefühle. Heute sieht man das anders. Und möglicherweise ist auch bei den Tränen der Tiere das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Alpen haben Zeitgliederungsdimension Alpen haben immer auch etwas mit dem Kalender zu tun. Schon in prähistorischer Zeit waren die Alpen zum Beispiel eine ganz gute Möglichkeit, die Zeit einzuordnen – nicht umsonst gibt es Gipfel in den Alpen, die etwa Mittagsspitze heißen. Ich kenne Bauern, etwa im Engadin in der Schweiz, die sich auf einen bestimmen Punkt auf ihrer Alb stellen, und dann können die einem auf zehn Minuten genau sagen, wie viel Uhr es ist. Die Alpen haben also alleine durch die Konturierung des Horizonts eine Zeitgliederungsdimension. Dass man natürlich Winter- und Sommersonnenwende in den Alpen ganz genau beobachtete, ist klar. Und dass man das dann mit bestimmten Festen markierte, ist ebenfalls klar. Höhenfeuer zu entzünden ist eine Möglichkeit, diese Feste zu begehen. Johannistag am 24. Juni – Achse durchs Kirchenjahr Speziell beim 24 Juni, von dem Sie sprechen, ist die Sache ein bisschen komplizierter. Heute ist ja am 21. Juni Sommersonnenwende, allerdings war es nach altem Kalender tatsächlich der 24. Dieser 24. Juni ist auch der Johannistag, also der Tag Johannes des Täufers. Dieser Johannes bildet sozusagen die Achse durchs Kirchenjahr. Wenn Sie das Jahr zyklisch anordnen, eine Achse durchs Jahr legen, dann kommen Sie vom 24. Juni auf den 24. Dezember. Feuer- und Lichtsymbolik Johannes, so steht's in der Bibel, geht Christus sechs Monate voraus; dieses Fest weist sozusagen auf Weihnachten. Und die Feuer, die am Johannistag entzündet werden, jenseits dieser kalendarischen Feuer, sind auch christliche Symbolik. Denn Johannes sagt ja von sich, er sei noch nicht das Licht der Welt, er solle nur Zeugnis von dem Lichte geben. Oder ein anderes Johanneswort: Er selber taufe mit Wasser; nach ihm aber werde einer kommen, der mit Feuer und Geist taufe. Diese Feuersymbolik, die Lichtsymbolik wird im Johannesbild schon vorausgenommen. Und dass wir an Weihnachten ganz stark in der Dunkelheit des Winters mit der Lichtsymbolik arbeiten, dass auch der christliche Gott von sich sagt: "Ich bin das Licht der Welt" – das ist die zweite Dimension dieser Sonnwendfeuer oder Johannisfeuer. Sehr interessant wäre in diesem Zusammenhang die Frage, wie zum Beispiel die Nationalsozialisten versucht haben, diese christlichen Bräuche ins Heidnische zurückzutransponieren.



















