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- 22.01.20254 min
Nehmen wir irgendeine Gaswolke am Rand des Universums und machen in dieser Gaswolke Sterne. Das heißt, wir lassen einen Teil dieser Gaswolke unter ihrem eigenen Gewicht zusammenfallen. Die Gaswolke fällt nicht insgesamt als Kugel in sich zusammen, sondern es bilden sich Brocken – hier und da und dort. Überall, wo es ein bisschen dichter ist, bilden sich etwas dichtere Brocken. Die Gravitation, also die Schwerkraft, hängt ja davon ab, wie viel Masse in einem Volumen drin ist. Also ist da, wo es dichter wird, die Schwerkraft auch stärker. Und da, wo es dichter ist, zieht das Material noch mehr Material zu sich. Materielle Strukturen im Universum haben Drehimpuls Jetzt passiert etwas ganz Irres: Die Brocken, die da entstehen, spüren sich gegenseitig – so wie die Erde den Mond spürt oder Erde und Mond beide die Sonne spüren und so weiter. Also: Auch diese beiden Brocken spüren etwas voneinander. Sie üben eine Kraft aus, die man Gezeitenkraft nennt. Diese Gezeitenkraft führt nun dazu, dass die einzelnen Brocken – auch wenn die ganze Wolke, in der die Brocken entstehen, überhaupt keine Rotation hat und sich nicht dreht – anfangen, sich zu drehen. Warum? Weil sie nämlich nicht symmetrisch angestoßen werden, sondern völlig asymmetrisch. Da gibt es mal Zug auf der linken Seite, ein bisschen weniger Zug auf der rechten Seite, und diese einzelnen Brocken fangen an sich zu drehen. So kann man das im Universum von den Sternen bis runter zu den allerkleinsten Strukturen berechnen und bis hinauf zu den allergrößten Struktur. Wir wissen natürlich nicht, ob Galaxienhaufen sich auch drehen. Denn wenn die sich drehen, dann drehen die sich so langsam, das man das nicht sehen kann. Aber alles, was wir im Universum an materiellen Strukturen sehen, hat tatsächlich das, was wir in der Physik einen Drehimpuls nennen. Das kommt dadurch zustande, dass bei der Entstehung dieser Objekte – Galaxien, Sterne, Planeten, Monde und so weiter – immer so viele von diesen Brocken entstehen, dass sie sich gegenseitig andrehen und ein Drehmoment ausüben. Deswegen dreht sich alles. Heraklit hat mal gesagt: "Alles fließt" – Panta rhei. Eigentlich müsste uns aber jemand sagen, was "alles dreht sich" auf Griechisch heißt. Ist der Gesamtdrehimpuls des Universums 0? Über den Gesamtdrehimpuls des Universums weiß ich nichts zu sagen, denn dazu müssten wir uns das Universum von außen angucken. Das können wir nicht; wenigstens nicht zu unseren Lebzeiten. Über die Gesamteigenschaften des Universums etwas auszusagen, ist schwierig. Wir können ein bisschen was sagen über die inneren Eigenschaften, aber den Gesamtdrehimpuls kann man nur von außen beobachten. Ich glaube, eine vernünftige Annahme wäre: Das Universum dreht sich nicht. SWR 2008
Früher hieß er "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten." Mittlerweile ist Pluto weggefallen und man kann sagen: "Mein Vater erklärt mir jeden Samstag unseren Nachthimmel." – Merkur – Venus – Erde – Mars – Jupiter – Saturn – Uranus – Neptun. Warum zählt Pluto nicht mehr zu den Planeten? Man geht davon aus, dass im Sonnensystem noch viele Körper sind, die dem Pluto ähneln, und zwar im sogenannten Kuipergürtel. Als man immer mehr davon entdeckte, stellte man sich die Frage, ob man die Zahl der Planeten um all diese Körper erweitert. Oder ob man eine Klasse von Körpern einführt. Für letzteres hat man sich dann entschieden und Pluto ist der erste, den es dann „getroffen“ hat. Inzwischen haben wir sogar vier dieser Zwergplaneten, zu denen im Lauf der Zeit sicher noch weitere dazukommen werden.
Nichts außer elektromagnetischen Feldern Da ist nichts – nichts außer Feldern. Das ist eine aberwitzige Situation. Schauen wir ein einfaches Wasserstoffatom an. Das kennt man, wenn man das Periodensystem der Elemente auswendig gelernt hat. Wasserstoff und Helium sind ganz oben; die oberste Periode. Bei der nächsten Periode wird es schon schwieriger: Lithium, Beryllium usw. Nehmen wir nun ein Wasserstoffatom und sagen wir: Ein Wasserstoffatom sei so groß wie ein Bundesliga-Stadion. Das Elektron saust in seiner innersten Bahn, so nahe es nur irgendwie dem Kern kommen kann, auf dem innersten Tribünenrang im Stadion. Wie groß ist dann ein Atomkern? Ein Atomkern wäre in diesem Stadion-Bild ein Reiskorn am Anstoßpunkt im Mittelkreis. Das heißt, das Elektron rast draußen herum und in der Mitte liegt ein winzig kleines Reiskörnchen. In diesem Reiskörnchen sind 99,99 Prozent der Masse des Atoms. Draußen saust das Elektron herum und ist für die entsprechenden chemischen Verbindungen und so weiter zuständig. Und dazwischen ist: nichts. Das einzige, was da ist, ist das Kraftfeld, das elektromagnetische Feld, das das Elektron am Kern hält. Denn das Elektron ist negativ geladen, der Atomkern ist positiv geladen. Wir bestehen also eigentlich nur aus Feldern, zumindest auf dieser quantenmechanischen Ebene. Materie besteht fast nur aus Bindungsenergie Das Proton, das im Atomkern steckt (beim Wasserstoff gibt es nur ein Proton, ein positiv geladenes schweres Teilchen), besteht seinerseits wieder aus Teilchen. Diese Teilchen sind die sogenannten Quarks. Der Hammer ist: Das Proton ist fast 2000 Mal schwerer als das Elektron. Aber eigentlich besteht das Proton auch wieder nur aus Energie, denn die Massen der beiden Quarks reichen nicht aus, um die Masse des Protons zu erklären. Die Verbindung der beiden Quarks, die Bindungsenergie, die zwischen diesen beiden Elementarteilchen existiert, kann man in Masse umrechnen. Denken wir an Einstein: E = mc2 (Energie = Masse x Lichtgeschwindigkeit im Quadrat) Wenn man nun Energie in Masse umrechnet, stellt man fest: Die ganze Materie auf der Welt besteht fast ausschließlich aus Bindungsenergie. Es gibt also gar nicht so richtig was, das man anfassen kann. In dieser materiellen Welt ist praktisch nur noch Energie. Energie heißt ja erst mal nur: Möglichkeiten und die Fähigkeit, Arbeit zu leisten. Leben – eine besonders seltene Form der Materie im Universum Wenn diese Atome sich zu Molekülen verbinden, entstehen zum Beispiel Zellen. Und wenn die Zellen sich verbinden, entstehen mehrzellige Lebewesen. Was wir darstellen, ist eine besonders hoch strukturierte Form von Materie, die sich aber letztlich von keiner anderen Materie im Universum unterscheidet – nur durch ihre besondere Form der Verbindung. Deswegen sollte man Leben oder Lebewesen ganz besonders behandeln, denn es ist eine ganz besonders seltene Form der Materie im Universum. SWR 2008
- 20.01.20254 min
Das hat mir jedenfalls Martin Haspelmath gesagt – er forscht am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Und wenn sich einer in Deutschland mit vergleichender Sprachforschung auskennt, dann er. Diese Antwort stützt sich deshalb vor allem auf ihn. Beispiel Chinesisch: einfache Wortbildung, aber Ton ändert Wortbedeutung Es gibt sehr verschiedene Merkmale, die eine Sprache – unabhängig davon, wer sie lernt – schwieriger machen als andere. Sie kann eine komplizierte Grammatik oder ein schwieriges Vokabular haben – mit großem Wortschatz, feinen Differenzierungen usw. Oder sie kann schwierig auf der lautlichen Ebene sein. Chinesisch ist so ein Fall: Von der Wortbildung ist sie eher einfach, ähnlich wie das Englische – da muss man ja bei den Verben nicht viele Formen lernen. Aber von den Lauten ist Chinesisch schwierig, weil die Bedeutung eines Wortes viel von der Melodie abhängt. Besonders komplex: Burushaski, Copainalá Zoque und Khoekhoe Es gibt eine Liste in einem Aufsatz des schwedischen Linguisten Mikael Parkvall. Er hat Sprachen nach 53 Merkmalen ausgewertet, zum Beispiel: Wie viele unterschiedliche Konsonanten verwenden sie? Welche Rolle spielen nasalierte Vokale? Wie viele grammatische Geschlechter gibt es? Wo muss man diese berücksichtigen? Wie viele Zeitformen gibt es? Wie viele Möglichkeitsformen? Es gibt auch Sprachen wie das Japanische, wo es viele unterschiedliche Höflichkeitsformen zu berücksichtigen gilt. So entstand eine Liste von Sprachen, geordnet nach Komplexität: Oben stehen die Sprachen, bei denen die meisten Regeln berücksichtigt werden müssen. Ganz oben steht Burushaski, das ist eine Sprache, die im Norden Pakistans, im Karakorum-Gebirge, von immerhin 100.000 Sprechern gesprochen wird. An zweiter Stelle steht Copainalá Zoque, eine indigene Sprache in Mexiko. Und an dritter Stelle Khoekhoe, eine Sprache aus der Grenzregion Namibia/Botswana. Die komplexen Sprachen verteilen sich über alle Kontinente. Komplex bedeutet nicht zwangsläufig schwierig Auch eine Sprache mit einfachen Regeln kann viele Unregelmäßigkeiten haben und dadurch schwierig sein. Oder sie kann leicht zu lernen sein, weil gesprochene und geschriebene Sprache einen klaren Bezug haben. Spanisch zum Beispiel ist laut der besagten Liste eine relativ komplexe Sprache – trotzdem vergleichsweise leicht zu lernen, weil sie recht regelmäßig ist, und weil gesprochene und geschriebene Sprache recht stark angeglichen sind. Wenn man also die Ausspracheregeln kennt, muss man nicht rätseln, wie ein Wort ausgesprochen wird. Das Gegenbeispiel ist das Chinesische mit seinen Tausenden von Schriftzeichen. Besonders komplexe Sprachen eher in kleinen Sprachgruppen Die großen Weltsprachen sind meist deshalb so verbreitet, weil diese Sprachen in der Geschichte anderen Völkern aufgedrängt wurden. Das Latein war komplex, solange es in und um Rom herum gesprochen wurde. Als dann die Gallier, die Iberer usw. diese Sprache übernommen haben, haben sie aber nicht das komplizierte Hochlatein übernommen, sondern vereinfachte Varianten. Daraus entstanden dann Französisch, Italienisch und Spanisch, die grammatisch nicht mehr ganz so komplex sind wie es das Latein war. Insofern kann man grob sagen: Je mehr sich eine Sprache ausbreitet, je mehr unterschiedliche Völker sie übernehmen, desto einfacher wird sie mit der Zeit. Und so findet man die besonders komplexen Sprachen eher unter den kleinen Sprachgruppen.
Es klingt zunächst wie eine Fangfrage: Das Chamäleon ist ja sprichwörtlich das Tier, das sich immer seiner Umgebung anpasst. Wenn diese Umgebung nur aus seinem eigenen Spiegelbild besteht – was ist dann sozusagen die Basisfarbe? Jetzt muss man erstmal sagen: Die Voraussetzung stimmt so gar nicht – also es ist eben nicht so, dass das Chamäleon automatisch die Farbe seiner Umgebung annimmt, sondern die Tarnung spielt nur eine untergeordnete Rolle beim Farbwechsel eines Chamäleons. Chamäleons setzen ihre Farben hauptsächlich ein, um mit Artgenossen zu kommunizieren. Beispiel: Treffen sich zwei Chamäleonmännchen, entsteht eine Konkurrenzsituation. Je nachdem, ob das Chamäleon Kampfbereitschaft zeigen will oder Unterwerfung, signalisiert es das mit der Farbe. Das kann dann wirklich in Sekundenschnelle passieren. Das Chamäleon im Spiegelsaal erkennt sich nicht selbst Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Farbe das Chamäleon in einem Spiegelsaal annehmen würde, ganz anders. Nämlich die Frage ist dann: Wie erlebt es sein eigenes Spiegelbild und in welchen Kommunikationsmodus tritt es mit ihm? Da gilt für Chamäleons das, was bis auf wenige Ausnahmen für die meisten Tiere gilt: Sie können sich im Spiegel nicht selbst erkennen. Was also sieht das Chamäleon, wenn es in den Spiegel guckt? Es sieht, aus seiner Wahrnehmung, ein fremdes Chamäleon. Darüber sind Chamäleons in der Regel nicht so erfreut. Denn sie sind, außer zum Paaren, am liebsten allein. Und wenn das männliche Chamäleon also ein Ebenbild von sich sieht, dann sieht es einen Konkurrenten. Das bedeutet Stress – und die typische Stressfärbung. Die ist in der Regel ziemlich leuchtend-grell. Diese Stressfärbung dient auch dazu, den vermeintlichen Gegner im Spiegel einzuschüchtern. Welche Farbe nimmt das Chamäleon beim Anblick seines Spiegelbildes an? Das ist nicht bei allen Chamäleons gleich: Bei vielen ist es so ein leuchtendes Grün-Gelbes Muster, aber es hängt auch von der Art des Tiers ab. Es gibt auch Chamäleons, deren Farbe sich kaum verändert. Was auch eine Rolle spielt, ist die Jahreszeit. In der Balzzeit sind sie allgemein aggressiver und daher stärker gefärbt. Dann kommt es darauf an, wie nahe das Chamäleon vor dem Spiegel steht. Je näher, desto näher auch der vermeintliche Rivale, und desto stärker ist die Reaktion. Wenn man tatsächlich davon ausgeht, dass es ein kompletter Raum voller Spiegel ist und das Tier vielfach gespiegelt wird, wird es wahrscheinlich komplett überwältigt werden, resignieren oder gar buchstäblich umfallen. Dieses Experiment ist aber offenbar noch nicht gemacht worden. Zumindest haben wir bei einem Experten angerufen, Frank Glaw von der zoologischen Staatssammlung in München. Der hat geholfen, diese Frage zu beantworten – aber von einem Experiment, bei dem Chamäleons wirklich mal zu Forschungszwecken in einen Spiegelsaal gestellt worden wären, war ihm auch nichts bekannt. Danke an: Janika Müller
- 18.01.20252 min
Der Reihe nach: Wann entstehen überhaupt Regenbögen? – Wenn der Betrachter auf eine Wolkenfront blickt und gleichzeitig die Sonne im Rücken hat. Dann nämlich werden die Sonnenstrahlen in den einzelnen Regentropfen gebrochen und in das Auge des Betrachters reflektiert. Stellen wir uns vor, wir könnten den Weg des Lichtstrahls im Tropfen unterm Mikroskop verfolgen. Dann würden wir Folgendes sehen: Der Lichtstrahl tritt in den Regentropfen ein, er wird dabei gebrochen und in die verschiedenen Spektralfarben aufgespalten, also von Violett bis Rot. Anschließend fliegen diese farbigen Strahlen dann weiter durch den Tropfen, bis ans hintere Ende des Tropfens, quasi an die Rückwand. Dort werden sie reflektiert, also gespiegelt, treten aus dem Tropfen wieder aus und gelangen so in unser Auge. Der Lichtstrahl kann ein Mal oder doppelt gespiegelt werden Jetzt ergibt sich aus den Brechungseigenschaften des Wassers, dass der Lichtstrahl, wenn er diesen Weg durch den Tropfen nimmt, immer in einem Winkel von 42 Grad austritt, verglichen mit der Richtung der Sonne. Das bedeutet, der Regenbogen ist die Verbindungslinie aller Tropfen, die mit mir als Betrachter und der Sonne einen Winkel von 42 Grad bilden. Diese Linie bildet einen Kreis, beziehungsweise einen Halbkreis, einen Bogen. Ein doppelter Regenbogen kommt nun dadurch zustande, dass der Lichtstrahl im Tropfen nicht nur ein Mal, sondern zwei Mal gespiegelt wird. Dann tritt er nämlich in einem anderen Winkel aus dem Tropfen wieder aus, in einem 51-Grad-Winkel. Die Verbindungslinie all dieser Tropfen, in denen sich die Lichtstrahlen zwei Mal spiegeln, bilden nun ihrerseits einen eigenen Bogen. Dieser zweite Bogen ist größer, er umschließt den ersten. Wegen der doppelten Spiegelung sind die Spektralfarben umgekehrt angeordnet. Beim Hauptregenbogen ist innen Violett und außen Rot, beim zweiten Regenbogen ist es umgekehrt. Und der zweite Regenbogen ist immer auch ein bisschen schwächer.
- 18.01.20256 min
Naturwissenschaft ist transparent und steht allen offen Ein wesentlicher Unterschied ist die Transparenz. Die Naturwissenschaften stehen allen offen. Wir sind kein Geheimclub. Wir sind kein Club, der von seinen Mitgliedern irgendwie fordern würde: "Glaube!" Sondern wir sind vor allen Dingen Zweifler. Der Zweifel ist die Methode, mit der wir arbeiten. Wir nehmen nichts hin, sondern wir versuchen, soweit es nur irgendwie geht, Aussagen von anderen oder von Experimenten selbst zu überprüfen, um herauszufinden, ob denn das, was da gesagt oder behauptet worden ist, auch stimmt. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir dann die Wahrheit kennen. Aber wir kommen auf diese Art und Weise zumindest dieser naturwissenschaftlichen Realität, die um uns herum ist, etwas näher. Wir können eine ganze Menge verstehen, aber wir können nicht alles verstehen. Das Problem ist nun, dass, je länger die naturwissenschaftliche Forschung andauert, sich immer dabei mehr auch sprachlich etwas tut. Wir entwickeln Begriffe wie dunkle Materie, dunkle Energie, schwarze Löcher und so weiter. Für uns Naturwissenschaftler haben diese Begriffe eine gewisse Bedeutung, weil sie im Rahmen von naturwissenschaftlichen Theorien entwickelt worden sind oder einfach mal geformt worden sind. Das ist ein bisschen wie die Fachsprache anderer Handwerker, die natürlich auch ihre Abkürzungen haben. Wenn Sie sich mit einem Maschinenbauer unterhalten und sagen: "Gib mir mal einen 14er Schlüssel" – dann weiß der gleich, worum es geht und das weiß auch jeder, der mit solchen Schlüsseln zu tun hat. Ich würde also einen deutlichen Schnitt machen wollen zwischen Naturwissenschaft und Theologie. Die Naturwissenschaften waren im Abendland eine Gegenbewegung zu jeder Art von Religion. Die Naturwissenschaften haben versucht, die Deutungshoheit der Amtskirchen zu bekämpfen. Das ist ihnen auch offenbar sehr gut gelungen. Denn große Teile der letzten 400 Jahre europäischer Kulturgeschichte waren ein einziges Rückzugsgefecht für die Theologie, weil sie sich auf den Gedanken eingelassen hat, man könne Gott als Lückenbüßer hernehmen. Denn überall da, wo das Wissen der Menschen nicht ist, da sei Gott. Diese Auseinandersetzung würde heute dazu führen, dass wir eine Gottesvorstellung hätten, die nur noch eine Bonsai-Variante von Gott wäre. Das hat zumindest mit meinem christlichen Gottesverständnis überhaupt nichts mehr zu tun. Aber das nur am Rande. Mathematik als Sprache der Naturwissenschaften Der wirkliche Unterschied ist die Transparenz. Naturwissenschaften kann jeder durchführen. Alle sind eingeladen, an die Universitäten, an die Hochschulen zu kommen und Naturwissenschaften zu studieren. Das ist am Angang ein etwas steiniger Weg, weil man eine "Sprache" lernen muss. Denn die Naturwissenschaften sind auch eine sprachliche Auseinandersetzung. Weil wir eine quantitative, also messende und berechnende Wissenschaft sind, ist die Sprache, mit der wir uns mit der Natur auseinandersetzen, die Mathematik. Die Mathematik macht uns immer die größten Schwierigkeiten. Aber wir müssen in der Lage sein, zu erklären, was wir tun. Jeder Mann und jede Frau kann sich beteiligen, die Laboratorien und Universitäten stehen allen offen. Das unterscheidet uns schon von jeder Religion, die ja gewissermaßen verlangt, das zu glauben, was an Glaubenssätzen irgendwann mal definiert worden ist. Und da sind wir in den Naturwissenschaften natürlich eher in einem Prozess. Wir haben kein Weltbild in dem Sinne "Das ist so und so und so." Sondern es ist ein Prozessbild. Es gibt durchaus naturwissenschaftliche Überlegungen zur Bedeutung von Religion; die sogenannte Prozesstheologie, wonach sich nicht nur unser Gottesbild verändert, sondern sich unser gesamtes Weltverständnis nicht zuletzt dadurch verändert, dass wir Naturwissenschaften betrieben und festgestellt haben, wie wunderbar die Welt ist. Stoßen auch Astrophysiker an Grenzen des Verstehbaren? Ja, natürlich. Man darf nicht unterschätze: Ein großer Teil der Naturwissenschaften ist Handwerk. Das Handwerkszeug gehört dazu und man lernt erst mal, mit den Dingen umzugehen, sie erst mal zu handhaben, bevor man sie durchdringt und bevor man auch versteht: "Mensch, das eine hängt mit dem anderen ja so und so zusammen!" Bis dahin vergeht eine Zeit. Kenntnisse verwandeln sich in Erkenntnisse Man kann es auch vergleichen mit jemand, der ein Musikinstrument spielt. Da müssen Fingerübungen gemacht werden und Kompositionslehre. Erst, wenn du das einigermaßen kannst, kannst du anfangen zu improvisieren. Ein großer Teil von "Erkenntnis" hat ja mit "Kenntnis" zu tun. Das heißt, man muss erst einmal Kenntnisse haben, die sich dann in Erkenntnisse verwandeln. Ich glaube, dass viele da sehr ungeduldig sind. Sie wollen sofort etwas sein, anstatt etwas zu werden. Dieser Werde-Vorgang, gerade wenn man Naturwissenschaften oder Philosophie betreibt, dieses langsame Werden, dieses langsame Wachsen – das ist so wichtig, um a) anzuerkennen: Es gibt Grenzen. Aber b) auch zu wissen, was man kann – und was man nicht kann. SWR 2008
Da gibt es eine ganz einfache Technik. Dabei geht es darum, bei jedem Schüler ein ganz besonderes Merkmal ausmachen zu können, vielleicht eine Brille oder eine abgefahrene Frisur. Dieses Merkmal verbindet man dann mit dem Namen. Anna balanciert vielleicht eine Ananas auf dem Kopf, auf Thomas´ Brille hüpfen Tomaten, Sabine rennt einer Biene hinterher. Man kann auch Namen von Prominenten oder Bekannten nehmen, und diese in Gedanken mit den Namen, die man sich merken möchte, verknüpfen. Man kann seiner Kreativität freien Lauf lassen. Irgendwann hat das Gehirn wirklich einen kleinen Baukasten, aus dem es dann schöpfen und sich immer wieder neue Bilder holen kann.
- 16.01.20252 min
Der Druck spielt eine wichtige Rolle Mit der Höhe nimmt der Druck ab. Je höher wir über dem Meeresspiegel sind, desto dünner ist die Atmosphäre, desto weniger Luft lastet über uns. Druck und Temperatur wiederum hängen zusammen – das kennen wir von der Fahrradpumpe: Wenn wir drücken und dadurch der Druck zunimmt, wird’s wärmer. Umgekehrt: Wenn sich Luft ausdehnt und dünner wird, dann lässt der Druck nach und die Temperatur sinkt. Das passiert im Hochgebirge oder überhaupt in höheren Luftschichten: Es wird kühler. Woher bekommt denn die Luft um uns herum ihre Temperatur? Sie bekommt sie hauptsächlich von der Erdoberfläche. Das heißt: Sonnenlicht scheint auf den Erdboden, wird dort kurzfristig absorbiert und dann als Wärme zurück in die Atmosphäre gestrahlt. Das heizt die Luft auf. Die Luftschichten unmittelbar über dem Erdboden werden dabei natürlich am stärksten erwärmt. Ein weiterer Faktor: Wasserdampf. Auch der hängt mit dem Druck zusammen: Je höher der Druck ist, desto mehr Wasserdampf kann die Luft aufnehmen. Das heißt: Die unteren Luftschichten können mehr Wasserdampf speichern. Also: Die Erdoberfläche strahlt Wärme in die Atmosphäre zurück,. Die unteren Luftschichten nehmen – weil mehr Dampf drin ist – mehr Wärme auf als die oberen Luftschichten. Deshalb ist es auf Meeresniveau wärmer als 1.000 oder 2.000 Meter darüber.
Griechen – Meister der Geometrie Die Griechen waren Meister der Geometrie und dabei spielen die Zahlen gar keine entscheidende Rolle. Ansonsten bewegten sie sich aber wie wir oder auch die Römer in einem Dezimalsystem. Benutzten die Griechen wie die Römer zum Beispiel ein "X" für die Zahl 10? Nein, die Griechen hatten zwei Zahlensysteme. Zunächst benutzten sie einfach Abkürzungen der Buchstaben. In dem Alphabet, das die Griechen im 5. Jahrhundert in Athen hatten, hieß "hekatón" (ἑκατόν) zum Beispiel 100. So stand "H" einfach für 100. Oder Pi (π), die Kreiszahl, war "pente", 5. Somit schrieb man die Zahl 500 mit einem großen H und einem kleinen π. Später nahm man einfach die Buchstaben, wie das noch in der orthodoxen Kirche üblich ist, entsprechend ihrer Reihenfolge. Da war Alpha (α) 1, Beta (β) 2 usw., einfach nach dem Alphabet. Die Griechen hatten also ein Dezimalsystem, wobei aber die Zahl 0 nicht vorkam. Somit hatten die Griechen noch nicht das Problem der Zahl 0 entdeckt? Nein, das kam später aus Indien.
- 14.01.20253 min
Kälteempfinden: Muskeln, Haut und Fett spielen eine Rolle Das Kälteempfinden hängt von vielen Faktoren ab. Einer ist der Körperbau. Wer kräftige Muskeln hat, friert nicht so schnell, weil die Muskeln, auch wenn sie nicht stark beansprucht sind, Wärme produzieren. Das ist auch ein Grund, weshalb tendenziell Frauen schneller frieren als Männer – sie haben im Schnitt nicht so viel Muskelmasse. Männer haben tendenziell auch eine dickere Haut – auch dadurch kühlen sie nicht so schnell aus. Ein anderer Faktor ist Fett: Ein Fettpolster hat eine isolierende Wirkung. Dickere Menschen haben bei Kälte also einen kleinen Vorteil. Abhärtung: Kann man sich das Frieren abtrainieren? Bis zu einem gewissen Grad schon. In Skandinavien oder Schottland sieht man häufiger Menschen mit kurzen Hosen und T-Shirts bei Temperaturen, bei denen das hierzulande eher unüblich ist. Wenn wir regelmäßig kalten Temperaturen ausgesetzt sind, bildet sich mehr Unterhautfettgewebe, dadurch werden wir weniger empfindlich. Auch regelmäßige kalte Duschen können einen solchen Effekt auslösen. Hilft Bewegung gegen Frieren? Auf jeden Fall. Bewegung hält warm. Also wer lange am Schreibtisch sitzt und anfängt zu frösteln, könnte mal die Treppe rauf- und runterlaufen oder einmal um den Block, das kann dann schon kurzfristig helfen. Ein bisschen Gymnastik oder Yoga helfen übrigens auch, wenn man abends im Bett kalte Füße hat – im Zweifel sogar besser als warme Socken. Natürlich sollte man sich nicht verausgaben, denn die Muskeln produzieren bei Bewegung zwar Wärme, dadurch hört das Frieren auf. Aber der Körper gibt dann ja auch diese Wärme ab. Deshalb ist es auch hilfreich, wenn man sich mit Bewegung warmhält, darauf zu achten, dass die Wärme am Körper bleibt – also keine kurzen Sachen tragen oder sich, wenn man sich wieder an den Schreibtisch setzt, eine Decke über den Schoß legen. Aber grundsätzlich schützt Bewegung vorm Frieren – und das ist übrigens auch ein Grund, weshalb jüngere Menschen – vor allem Männer – oft nicht so schnell frieren wie ältere. Das klingt jetzt etwas klischeehaft, aber sie sind tendenziell „hibbeliger“, was die Muskeln eben auch aktiv hält. Frieren wir mehr, wenn wir müde sind? Ja, das ist so. Das liegt daran, dass der Körper dann auch etwas erschöpft ist und die Temperatur nicht mehr so gut reguliert. Zum anderen, dass er den Stoffwechsel insgesamt etwas runterfährt und dadurch eben auch weniger Wärme produziert. Was kann man noch machen gegen das Frieren? Die richtigen Stellen warmhalten. Die richtigen Stellen, das sind eben zum einen Rumpf und Oberschenkel – deshalb hilft die warme Decke auf dem Schoß. Zum anderen Kopf und vor allem Hals und Nacken: Denn dort haben wir die meisten Kälterezeptoren. Deshalb kann ein Schal oder Rollkragenpullover wirklich gegen das Frieren helfen. So wie umgekehrt bei sehr heißen Tagen ein nasses Tuch um den Hals eine kühlende Wirkung hat. Warum warme Socken nur bedingt gegen kalte Füße helfen Natürlich schützen warme Socken vor Kälte. Aber sie helfen meist nur wenig gegen die typisch kalten Füße, die man hat, wenn man friert. Denn kalte Füße kommen nicht nur daher, dass es speziell an den Füßen kalt ist. Sondern daher, dass der Körper, wenn es insgesamt kalt ist, die Extremitäten weniger durchblutet, um Energie zu sparen. Davon lässt er sich auch durch warme Socken im Zweifel nicht abbringen.
- 14.01.20255 min
Kein Hinweisschild "Kalender" auf Monumenten oder Felszeichnungen Wie es bei solchen Fragen nach dem "ältesten" Irgendwas ist, muss man sie alle paar Jahre neu beantworten, weil die Forschung etwas findet, was noch älter ist. Und so ist das auch bei den Kalendern. Wenn es um frühe Kalender geht, denken viele Menschen an steinerne Monumente wie Stonehenge und England. Stonehenge ist ungefähr 5.000 Jahre alt. Dass die Menschen, die Stonehenge errichtet haben, sich an Sonne und Mond orientierten, gilt heute als unstrittig. Doch es gibst längst noch viel ältere Kandidaten – andere Monumente oder auch Felszeichnungen in Steinzeithöhlen. Allerdings ist das immer Interpretationssache: Nirgendwo steht dick und fett "Kalender" drauf. Archäologen legten 12 ungewöhnliche Gruben in Schottland frei Als ich diese Frage vor ein paar Jahren schon mal beantwortet habe, bin ich bei der Recherche auf eine steinerne Anlage in Schottland gestoßen, in Warren am River Dee. Dort hatten Archäologen ab 2004 etwas Ungewöhnliches freigelegt, nämlich 12 tiefe runde Gruben. Sie verteilen sich über eine Länge von etwa 50 Metern und bilden zusammen einen leichten Bogen. Die größten Gruben befinden sich in der Mitte des Bogens und haben einen Durchmesser von 2 Metern. Wenn man den Bogen entlangläuft, werden die Löcher also erst größer, dann wieder kleiner. Datierungen ergaben, dass die Gruben 10.000 Jahre alt sind. 12 Gruben – 12 Mondzyklen? 2013 ging der britische Landschaftsarchäologe Vincent Gaffney mit der These an die Öffentlichkeit: Bei dieser Struktur handele es sich um den ältesten bisher bekannten Kalender der Welt. Wenn man den Bogen entlanggeht, werden die Löcher erst immer größer, dann wieder kleiner – das steht für die verschiedenen Mondphasen, also den zunehmenden und abnehmenden Mond. Da es 12 Gruben sind, legt nahe, dass es etwas mit den 12 Mondzyklen eines Jahres zu tun hat. Und es gab noch eine Reihe weiterer Hinweise. Der Mond nimmt im Laufe eines Monats zu und wieder ab. Das ist bekannt und das haben auch schon die Steinzeitmenschen beobachtet. Im Alltag hat sie wohl aber nicht so sehr die Frage interessiert, ob nun gerade Halb- oder Vollmond ist. Relevanter zum Beispiel für die Jagd waren die Jahreszeiten. Auch da kann der Mond helfen. Denn der Mond geht übers Jahr an verschiedenen Stellen am Horizont auf. Der Halbkreis, in dem die Gruben angeordnet sind, könnte das zum Ausdruck bringen. Vincent Gaffney ist auch deshalb von seiner Interpretation überzeugt, weil die Erbauer der Gruben anscheinend auch gleich ein Problem berücksichtigt haben. Denn die Rechnung 12 Mondzyklen = 1 Jahr geht nicht ganz auf. Das Kalenderjahr ist in Wahrheit 11 Tage länger. Also mussten sie in ihren Mond-Kalender einen Korrekturfaktor einbauen. Hier weist die Struktur der Gruben eine interessante Linie auf, die genau auf den Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende zeigt. Vermutlich haben die Menschen also immer im Winter ihren Mondkalender quasi auf Null gestellt, damit er mit dem Sonnenjahr wieder im Einklang ist. Altsteinzeitliche Kalender in den Höhlen von Lascaux und Altamira? Wie gesagt, diese schottische Anlage ist etwa 10.000 Jahre alt. Möglicherweise gab es die ersten Kalender aber schon viel früher. Die neuesten heißen Kandidaten sind nämlich mehr als dreimal so alt – und zwar handelt es sich um Höhlenmalereien in Frankreich und Spanien. Die Malereien zum Beispiel in den berühmten Höhlen von Lascaux oder Altamira kennt man schon lange, aber sie enthalten einige Elemente, die man früher nicht recht deuten konnte und die einige Forscher jetzt als Kalender interpretieren. Die Steinzeitmenschen haben in den Höhlen bekanntlich viele Tiere gemalt: Auerochsen, Pferde, Rotwild, Fische. Wenn man aber genau hinguckt, sind diese Tiere zusätzlich oft mit einer Reihe von Punkten oder kurzen Strichen markiert oder auch mal mit einer Figur, die an ein Y erinnert. Darauf konnte sich die Forschung früher keinen Reim machen. bzw. man hat gedacht, die Punkte zeigen z.B. die Zahl der erlegten Tiere an – aber das konnte nicht recht stimmen. Forscher vermuten Paarungszeit von Tieren als Orientierung 2023 aber haben Forschende aus Cambridge einen Artikel veröffentlicht, in der sie diese Punkte und Y glauben erklären zu können. Die Punkte, sagen sie, stehen für den Monat, in dem sich die entsprechenden Tiere paaren. Das Y wiederum ist das häufigste Zeichen in diesen altsteinzeitlichen Bildern überhaupt. Und manchmal taucht es in solchen Punkt- oder Strichreihen auf. Die Vermutung ist nun, dass das Y den Monat anzeigt, an dem die jeweiligen Tiere ihren Nachwuchs bekommen. Mit "Monat" sind dabei immer Mond-Monate gemeint, also 28 Tage. Die Forschenden haben geschaut, ob das stimmen kann. Wann paaren sich die Bisons? Im September/Oktober. Wann bekommen sie Nachwuchs? Im Juli – das haben sie Tier für Tier ermittelt. Das passte gut mit der Zahl der Punkte bzw. der Platzierung des entsprechenden Y zusammen, unter der Voraussetzung, dass die Steinzeitmenschen mit der Zählung im späten Frühjahr beginnen – also um den heutigen Mai herum. Das macht durchaus Sinn, denn aus der Sicht eines Steinzeitmenschen fängt im Frühjahr gefühlt alles an – es sprießt und blüht. Wenn diese Interpretation stimmt, waren also die ersten Kalender bereits in den berühmten Höhlenmalereien von Frankreich und Spanien enthalten. Eins wird die Archäologie vermutlich aber nie endgültig klären können: Hatten die frühen Kalender eine praktische Funktion – also benutzte man in dem Fall das Wissen über die Paarungszeiten, weil es bei der Jagd geholfen hat? Oder hatten das Ganze in erster Linie eine spirituelle Funktion? Brachten die Menschen dadurch ihre Verbundenheit mit der natürlichen Umwelt zum Ausdruck? Dieselbe Frage stellt sich auch bei den späteren Kalendern, den Anlagen, die nach bestimmten Sonnen- und Mondständen ausgerichtet sind. Diente das nur der zeitlichen Orientierung oder brachten die Menschen ihre Verbundenheit mit dem Gang der Gestirne zum Ausdruck? Da sie ihre Motive nicht aufgeschrieben haben, wird man das nie endgültig sagen können.
- 13.01.20253 min
Old Tjikko: ältester Klonbaum der Welt steht in Schweden Bäume, die ein paar Jahrhunderte auf dem Buckel haben, sind keine Seltenheit. Eine Fichte im schwedischen Nationalpark Fulufjället bringt es sogar auf knapp 10.000 Jahre. Allerdings bezieht sich dieses Alter nicht auf einen einzelnen Stamm, der heute aus dem Boden ragt, sondern auf das ganze Wurzelsystem, aus dem immer wieder neue Bäume sprießen. Das sind lauter Klone, die zusammenhängen und einen großen Organismus bilden. Grannenkiefern sind älteste Einzelbäume Die ältesten bekannten Einzelbäume sind Exemplare der langlebigen Grannenkiefer, heimisch im Hochgebirge der kalifornischen White Mountains. Sie schaffen es sogar auf 5.000 Jahre und mehr. Davon können wir Menschen nur träumen. Und das hat mehrere Gründe. Mensch ist komplexer und hat viele Organe Menschen, aber auch Wale und Riesenschildkröten sind viel komplexer und damit anfälliger als ein Baum. Wir besitzen viele Organe: Herz, Lunge, Blutgefäße, ein Gehirn – und die müssen alle funktionieren. Eine halbe Minute kein Sauerstoff im Gehirn und es ist vorbei. Unsere Zellen altern. Sie erneuern sich zwar ständig, aber bei jeder Zellteilung verkürzt sich die DNA. Die Zellen alter Menschen teilen sich langsamer und sind insgesamt nicht mehr so leistungsfähig. Baum: am Ende hohl, aber noch nicht tot Bei Bäumen ist es anders. Denn der größte Teil eines Baumstamms lebt gar nicht. Die Rinde ist totes Material und das Innere des Stamms besteht aus leblosem Holzgewebe. Die Zellen betreiben keinen Stoffwechsel mehr, sie lassen nur noch passiv Wasser durch. Was an einem Baum lebt, sind die Blätter und vor allem die dünne Schicht unterhalb der Rinde, also zwischen Borke und Stamm. Hier bildet sich das neue Holz, hier wächst der Baum in die Breite. Und hier entstehen durch den Wechsel von Sommer und Winter die Jahresringe. Dieses neue Gewebe, das sich da bildet, besteht aus jungen, embryonalen Zellen, denen man das Alter des Baums praktisch nicht ansieht. Die alten Zellen eines Baums wiederum befinden sich in der Mitte des Stamms und sind dort vor Pilzen und anderen Schadorganismen gut geschützt. Selbst wenn sie angegriffen und von Pilzen verschmaust werden, dann ist der Stamm am Ende vielleicht hohl – aber der Baum noch lange nicht tot. Vorteil Konifere: Nadelbäume werden älter als Laubbäume Es fällt auch auf, dass Nadelbäume potenziell ein höheres Alter erreichen als Laubbäume. Die Mammutbäume der Gattung Sequoia oder die 5.000 Jahre alten Grannenkiefern in Kalifornien sind Koniferen, also Nadelbäume. Der Grund fürs Älterwerden ist, dass Nadelbäume ein etwas anderes Wasserleitsystem haben als Laubbäume. Das Wasser bewegt sich langsam durch relativ enge Zellwände. Dadurch sind die Nadelbäume auch gut geschützt gegen Trockenperioden und können Wasserverbrauch gut regulieren.
- 12.01.20253 min
Strom leitende Schicht aus Metalloxid auf der Glasplatte Was ich wissen muss: Der Bildschirm auf meinem Smartphone ist das, was die Bilder erzeugt. Wenn ich aber mit meinem Finger die Oberfläche berühre, dann berühre ich streng genommen nicht den Bildschirm selbst, sondern eine transparente Schicht über dem Bildschirm. Das heißt, ich habe zwar den Eindruck, dass ich auf ein Symbol drücke, aber in Wirklichkeit berühre ich eine berührungsempfindliche Glasplatte über dem Bildschirm. Das ist eine besondere Glasplatte. Nicht nur, weil sie sehr hart ist, sondern weil auf ihr eine hauchdünne, Strom leitende Schicht aus einem Metalloxid aufgetragen ist. Die ist so dünn, dass sie ebenfalls durchsichtig ist. An den vier Ecken dieser Schicht ist eine elektrische Spannung angelegt, sodass die Oberfläche elektrisch geladen ist. Blitzschnelles Errechnen, wo sich der Finger befindet Angenommen, ich habe das Gerät nur in der Hand, mache aber noch nichts, dann ist die Bildschirmoberfläche an jeder Stelle gleichmäßig elektrisch aufgeladen. In dem Moment, wo ich sie mit dem Finger berühre, wandert ein Teil der Ladung über den Finger in meinen Körper. Der Finger "saugt" sozusagen Ladung auf. Das wiederum erzeugt ein "Ladungsloch" auf der obersten Schicht des Bildschirms. Gleichzeitig liegt ja nach wie vor eine Spannung an. Die sorgt dafür, dass dieses Ladungsloch mit neuer Ladung aufgefüllt wird. Je nachdem, an welcher Position mein Finger auf dem Bildschirm liegt, bekommen das die vier Ecken unterschiedlich stark zu spüren. So rechnet der interne Rechner blitzschnell aus, wo sich der Finger befindet. Resistive Touchscreens: In Kaffeemaschinen kommt andere Technik zum Einsatz So ist es zumindest bei Smartphones. Es gibt aber noch eine andere Technik, die beim Smartphone inzwischen nicht mehr zum Einsatz kommt, jedoch z.B. bei Kaffeemaschinen oder anderen Geräten; lange Zeit auch bei Fahrkartenautomaten. Bei diesen Touchscreens spürt man, dass man ein bisschen drücken muss, da die auf Druck reagieren. Bei Smartphones spielt der Druck keine Rolle; die reagieren schon auf leichteste Berührungen. Das liegt daran, dass die Touchscreens von Kaffeemaschinen usw. eine andere Technik verwenden. Da sind meist zwei elektrisch leitende Platten in einem winzigen Abstand übereinander montiert. Wenn man die mit dem Finger berührt, drückt man die Platten genau an der Stelle zusammen. So kommt es zum Kontakt zwischen den Platten und es fließt Strom. Das ist das Signal, um die entsprechende Funktion auszulösen. Nachteil dieses Verfahrens ist, dass diese Touchscreens den Punkt der Berührung nur grob erkennen. Was bei diesen einfachen Touchscreens ("resistive Touchscreens") auch nicht geht: Ich kann den Bildschirm nicht mit mehreren Fingern so berühren, dass sich daraus neue Funktionen ergeben – etwa dass ich ein Bild größer machen oder verschieben kann. Das funktioniert nur mit der Technik, die bei Smartphones eingesetzt wird ("oberflächen-kapazitive Touchscreens"). Die heißen deshalb auch Multitouchscreens.
Glatze bei Männern: Verantwortliches Gen liegt auf dem X-Chromosom Diesen Effekt kann es geben, und man kann es sogar noch genauer sagen: Es geht in diesen Fällen immer um die Opas mütterlicherseits. Anders gesagt: Wenn jungen Männern schon relativ früh die Haare ausfallen und man sich fragt, woher sie das haben, lohnt es sich, einen Blick auf den Vater der Mutter zu werfen, bei dem das möglicherweise auch schon so war. Dieser Zusammenhang ist als Erfahrungswert seit Jahrzehnten bekannt. Eine Studie von 2005 liefert die Erklärung. Denn es drängen sich ja Fragen auf: Warum hat der Opa eine Glatze, die Mutter aber nicht, ihr Sohn aber dann doch wieder? Warum muss eine Generation übersprungen werden Warum tritt dieser Effekt nicht auch beim Opa väterlicherseits auf? Die kurze Antwort ist: Weil das verantwortliche Gen auf dem X-Chromosom liegt. Frühzeitiger Haarausfall ist meist hormonell bedingt Der Zusammenhang ist folgender: Der frühzeitige Haarausfall ist in der Regel hormonell bedingt und wird durch Androgene ausgelöst – eine bestimmte Sorte von männlichen Sexualhormonen. Das besagte Gen fördert die Rezeptoren für diese Hormone in der Kopfhaut. Es sorgt also dafür, dass diese Hormone dort eine besonders starke Wirkung entfalten und die Haare früher ausfallen als bei anderen biologischen Männern. Ich habe schon gesagt, dass dieses Gen auf dem X-Chromosom liegt. Wir erinnern uns: Das X-Chromosom ist das, wovon biologische Frauen zwei haben. Männer dagegen haben nur ein X-Chromosom, dafür noch ein Y-Chromosom. Wenn Opa das Glatzen-Gen hat Nehmen wir also an, Opa hat dieses Glatzen-Gen. Jetzt können wir mehrere Szenarien durchspielen: Szenario 1: Opa zeugt mit Oma einen Sohn. Der Sohn hat typischerweise ein Y- und ein X-Chromosom in seinen Zellen. Das X-Chromosom bekommt er von der Mutter, vom Vater bekommt er das Y-Chromosom. Damit ist er fein raus, denn das Glatzen-Gen sitzt ja bei Opa auf dem X-Chromosom, das wird aber eben nicht vererbt und bleibt somit auf der Strecke. Opas Sohn, nennen wir ihn "Papa", bekommt dieses Glatzen-Gen also gar nicht erst und kann es entsprechend auch nicht an seine eigenen Kinder weitervererben. Deshalb spielt die väterliche Linie bei der Vererbung des Glatzen-Gens keine Rolle. Szenario 2: Opa zeugt mit Oma eine Tochter. Die Tochter, nennen wir sie Mama, bekommt zwei X-Chromosomen vererbt – eins von Oma und eins von Opa. Auf dem X-Chromosom von Opa sitzt nun das Glatzen-Gen. Das macht sich aber bei Mama nicht bemerkbar, weil Mama gar nicht so viel von diesen männlichen Sexualhormonen produziert, die für den Haarausfall verantwortlich sind. Mama hat also das Gen in ihrem Erbgut, aber es schlummert bei ihr nur und hat keinen sichtbaren Effekt. Bekommt Mama aber einen Sohn, vererbt sie eins ihrer beiden X-Chromosomen. Auf einem davon sitzt das Glatzen-Gen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 50:50 vererbt Mama dieses Chromosom an ihren Sohn, also an Opas Enkel. Dort entfaltet das Gen dann seine Wirkung und macht sich in Form von verfrühtem Haarausfall bemerkbar. Aber es ist eine Lotterie, denn genauso groß ist die Chance, dass der Enkel von Mama das andere X-Chromosom abbekommt. Was aber, wenn Mama eine Tochter bekommt und die dann erst in der nächsten Generation einen Sohn? Auch bei diesem Urenkel kann sich die genetische Veranlagung zu frühzeitigem Haarausfall durchschlagen - dann aber nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent. Und so geht es weiter. Über eine konsequent mütterliche Linie kann Opa das Gen noch über viele Generationen an irgendeinen Urururenkel vererben - nur halbiert sich die Wahrscheinlichkeit dafür mit jeder "Tochter"-Generation. Jetzt muss man sagen: Dieses Gen ist zwar ein wichtiger, aber nicht der einzige Faktor, der für vorzeitigen Haarausfall verantwortlich ist. Insofern bleibt als Fazit: Die Wahrscheinlichkeit, dass Opa mütterlicherseits seine Glatze an den Enkel vererbt, ist deutlich erhöht, aber es ist kein Automatismus.
- 10.01.20253 min
Eigentlich sagen Biologen sogar, Pilze sind den Tieren ähnlicher als den Pflanzen. Wenn man im Wald unterwegs ist, sieht man Bäume, Sträucher, Gräser und dazwischen auch Pilze. Die wachsen so schön nach oben wie ein Baum. Daher könnte man denken, dass die Pilze zu den Pflanzen gehören. Allerdings fallen doch ein paar Unterschiede auf. Keine Blätter, keine Nadeln – Pilze machen keine Photosynthese Pilze haben nichts Grünes. Keine Blätter, keine Nadeln. Das ist keine belanglose Äußerlichkeit, sondern das liegt daran, dass Pilze einen völlig anderen Stoffwechsel haben und auch ihre Energie ganz anders gewinnen. Pflanzen haben grüne Blätter, weil sie mit dem Chlorophyll in den Blättern Sonnenlicht in Energie umwandeln. Und sie bauen aus dem Kohlendioxid in der Luft ihre Biomasse auf. Sie wachsen sozusagen mit Sonnenlicht und Luft. Pilze sind Schmarotzer – sie bauen fremde Biomasse ab Pilze können das nicht. Sie sind, wenn man es negativ sagen will, Schmarotzer – genau wie Tiere und Menschen auch. Wir beziehen unsere Energie eben nicht aus Sonnenlicht, sondern wir müssen essen. Wir gewinnen Energie, indem wir bereits vorhandene Biomasse chemisch abbauen. Und so geht auch der Pilz vor: Auch er ernährt sich, indem er fremde Biomasse abbaut und verstoffwechselt. Das sind entweder abgestorbene Pflanzenreste, die er sich aus dem Boden holt. Oder er hängt sich an eine lebende Pflanze und geht mit ihr eine Art Partnerschaft ein, eine Symbiose. Aber entscheidend ist, er baut fremde Biomasse ab, genau wie Tiere. Zellaufbau unterscheidet Pilz vom Tier Ein Tier ist der Pilz aber auch nicht. Denn er bewegt sich nicht von der Stelle. Aber das ist nicht das ausschlaggebende Kriterium – Korallen zählt man auch zu den Tieren, obwohl sie sich nicht fortbewegen. Der entscheidende Unterschied zu den Tieren ist der Zellaufbau. Hier wiederum sind die Pilze den Pflanzen ähnlicher, denn sie haben zusätzlich zur Zellmembran noch eine feste Zellwand. Das haben tierische Zellen nicht. Pilze bilden ein eigenes Reich Außerdem vermehren sich Pilze auch ganz anders als Tiere. Deshalb bilden sie eine Gruppe für sich; ein, wie Biologen sagen, eigenständiges Reich – parallel zum Reich der Tiere und dem Reich der Pflanzen.
- 09.01.20254 min
Die Hirnforschung hat in den letzten Jahren ein paar interessante Dinge über das Schlafwandeln herausgefunden. Zum einen: Schlafwandeln ist kein "gelebter Traum". Es gibt im Schlaf ja die Tiefschlaf- und die REM-Phasen (Rapid eye movement), wenn sich die Augen schnell bewegen. In der REM-Phase träumen wir. Aber: Schlafwandeln passiert, wenn, dann in der Tiefschlafphase oder allenfalls im Übergang vom Tiefschlaf zum Aufwachen. Nur deshalb ist Schlafwandeln überhaupt möglich. Wenn wir träumen, sind fast alle Muskeln (bis auf die Augenmuskeln) gelähmt. Dadurch verhindert der Körper, dass wir Traumbewegungen in der Wirklichkeit umsetzen. In der Tiefschlafphase dagegen sind die Muskeln nicht gelähmt – deshalb können Leute dann auch aufstehen und schlafwandeln. Auslöser des Schlafwandelns Schlafforscher haben ein paar Auffälligkeiten im Gehirn von Schlafwandlern beobachtet. Schließt man Menschen an ein EEG an und misst die Hirnströme, dann ist der normale Tiefschlaf durch sogenannte "Deltawellen" geprägt. Das sind gleichmäßige, langsame Frequenzen. Bei Schlafwandlern werden diese Deltawellen etwas unruhig und es mischen sich schnelle Frequenzen dazwischen. Einfach gesagt, geraten die Gehirnströme etwas aus dem Takt. Zweite Auffälligkeit: Es gibt einige Regionen im Inneren des Gehirns, die im Tiefschlaf normalerweise nicht benötigt werden und deshalb relativ wenig aktiv sind. Dazu gehört auch der Thalamus, der bei der Verarbeitung von äußeren Reizen eine wichtige Rolle spielt. Und bei Schlafwandlern ist der eben doch aktiv. Diese Befunde kann man etwa so deuten, dass Schlafwandeln ein Phänomen an der Grenze zwischen Tiefschlaf und Wachbewusstsein ist. Man kann es als ein unvollständiges Aufwachen interpretieren. Und tatsächlich verhalten sich die Betroffenen oberflächlich, als wären sie wach. Meist fängt es damit an, dass sie sich im Bett aufrichten. Sie können sinnvolle Sätze sagen. Sie können zum Kühlschrank gehen und sich etwas zu essen machen. Oder das Haus verlassen, was ja gefährlich sein kann. Bei Menschen, die gefährdet sind, ist es deshalb durchaus sinnvoll, Haus- und vor allem Balkontüren abzuschließen und den Schlüssel zu verstecken. Phänomen triff am häufigsten bei Kindern auf Nach Angaben des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie tritt das Phänomen übrigens am häufigsten bei Kindern zwischen dem 4. und 8. Lebensjahr auf, gar nicht so oft im Erwachsenenalter. Aber etwa jedes sechste Kind, heißt es, ist bis zum Alter von acht Jahren wenigstens einmal geschlafwandelt. Möglicherweise hängt das damit zusammen, dass sich in dieser Phase das Gehirn noch stark entwickelt. Schlafstörungen: zwischen schlafen und wach sein Es gibt auch andere, schwächere Varianten von Schlafstörungen, die ähnliche Ursachen haben. Das bekannteste ist das Zähneknirschen. Manche Leute schlagen auch um sich oder schrecken nachts auf und schreien. Das sind alles Schlafstörungen an dieser Grenze zwischen Schlafen und Wachsein, die Schlafforscher als Parasomnien bezeichnen. Und wenn es da gefährliche Formen annimmt, sollte man auch wirklich einen Arzt aufsuchen. Dank an: Jürgen Zulley und Imke Franzmeier
- 08.01.20252 min
Missverständnis in England: Teebeutel gedacht als leichte Verpackung Die Idee, Tee in Beutel zu packen, entstand eher zufällig. Anfang des 20. Jahrhunderts verschickten Teehändler ihren Tee meist in Blechdosen. Die waren aber schwer und teuer. Und so kam ein gewiefter Teehändler namens Thomas Sullivan auf die Idee, den Tee in kleine Stoffsäckchen zu packen und zu verschicken. Die Kunden dachten, dass man diesen Tee in Mullsäckchen einfach in Teegläsern mit heißem Wasser aufkochen könnte, ohne daran zu denken, den Tee aus diesen Mullsäckchen rauszunehmen. So entstand die Idee des Teebeutels. Quelle: Mirjana Ćulibrk, Leiterin Ostfriesisches Teemuseum So erzählt es die Leiterin des Ostfriesischen Teemuseums Mirjana Ćulibrk. 1903 wurde schon das erste Patent auf kleine Tee-Baumwollsäckchen in den USA anmeldet. Heißgetränk für Soldaten: Deutsches Tee-Handelshaus portioniert im Ersten Weltkrieg Doch zur Industriereife brachte sie nicht etwa die Engländer, sondern das Dresdner Handelshaus Teekanne. Anlass ist diesmal der Erste Weltkrieg. Um den Tee für die Soldaten an der Front zu portionieren, verpackt ihn Teekanne in kleine handgenähte Mullsäckchen. Die Soldaten konnten sie ins heiße Wasser fallen lassen, das sich anschließend rund um den Beutel tiefbraun zu färben begann. Deshalb nannten sie die Beutel auch gerne "Teebombe". Geschmeckt hat der Tee nicht besonders, weil sich aus den Stoffbeuteln heraus das Aroma nicht gut entfalten konnte, dafür aber die Mullbeutel ihr eigenes Aroma ins Wasser abgaben. Adolf Rambold erfindet den Doppelkammerbeutel Doch 1924 kam Adolf Rambold in die Firma. Bis 1929 entwickelte er die erste Teebeutelpackmaschine; seine Teebeutel waren aus geschmacksneutralem Pergament. Schon damals entwickelt er auch die noch heute am meisten verbreiteten zweigeteilten "Doppelkammerbeutel", in denen sich das Aroma besonders gut entfalten kann. Andere Formen wie die tetraederförmigen Pyramidenbeutel kamen erst viel später dazu.
- 06.01.20253 min
Da ist tatsächlich was dran. Es geht dabei um sogenannte Casomorphine. Das sind Stoffe, die beim Abbau von Kasein – einem Bestandteil von Milcheiweiß – entstehen. Sie gehören zu den Peptiden. Diese Morphine haben eine opiatähnliche Wirkung. Morphin ist die neuere Bezeichnung für Morphium. Milch trotz Casomorphinen als Rauschmittel ungeeignet Allerdings sagt die Alltagserfahrung, dass sich Milch als Rauschmittel nicht wirklich eignet – und das deutet ja schon darauf hin, dass die Mengen sich in Grenzen halten. In Käse und Schokolade ist die Konzentration ein bisschen höher, aber natürlich noch immer weit unterhalb dessen, was unter das Betäubungsmittelgesetz fallen würde. Haben also rein von den Fakten her Veganer-Seiten im Internet recht? Die Aussage: Milch enthält Morphium ist nicht falsch. Nur wäre es etwas schief, daraus ein Argument gegen Milch und für vegane Ernährung zu konstruieren. Ähnliche Morphine finden sich auch in Getreide Zum einen gibt es ähnliche Morphine auch in Getreide. Dort sind es die Abbauprodukte vom Gluten; sie heißen entsprechend Gluteomorphine. Wenn man Mehlprodukte isst, nimmt man im Verhältnis mehr Morphin zu sich, als wenn man Milch trinkt. Muttermilch wirkt beruhigend Außerdem kommen diese Morphine nicht nur in der Kuhmilch vor, sondern auch in der Muttermilch. Forscher vermuten sogar, dass es unter anderem diese Casomorphine sind, weshalb Muttermilch auf Säuglinge so wirkt, wie sie wirkt: Beruhigend, vielleicht auch ein bisschen beglückend und übrigens auch schmerzlindernd. Dafür wird Morphium ja in der Medizin eingesetzt: zur Bekämpfung unerträglicher Schmerzen. Die winzige Dosis in der Milch bzw. der Muttermilch könnte somit auch ein paar Schmerzen lindern. Genaue Zusammenhänge bei Schizophrenie und Autismus noch unklar Allerdings haben diese Morphine in der Milch und im Mehl möglicherweise auf manche Menschen auch negative Wirkungen. Es gibt Hinweise darauf, dass sich bei schizophrenen Patienten der Zustand bessert, wenn sie auf milch- und glutenhaltige Nahrung verzichten. Ähnliches glauben Forscher bei Autisten beobachtet zu haben. Zwar kann man nicht sagen, dass diese Morphine Autismus und Schizophrenie "auslösen" – da spielen auch viele andere Faktoren eine Rolle. Aber sie können anscheinend die Symptome verstärken. So richtig viel weiß die Wissenschaft darüber allerdings noch nicht.
- 05.01.20251 min
Dieser Ausdruck wird oft falsch geschrieben, wenn man nicht weiß, dass der Ausdruck von der Hainbuche kommt und nicht vom Hahn. "Hanebüchen" kommt von der Hainbuche Das Holz der Hainbuche fand vielfältige Verwendung. Auch Holzschnitzer bearbeiteten es, aber es ist sehr knorrig und schwer zu bearbeiten. Deswegen gebrauchte man früher den Ausdruck "hanebüchen" von "Hainbuchen" bzw. dem Holz der Hainbuchen herkommend. Es hat sich dann lautlich ein bisschen verändert. Hanebüchen hieß zunächst knorrig, derb oder grob. Dann sagte man oft: "Das ist hanebüchener Unsinn" – also grober Unfug. Weil jeder wusste, dass das die typische Kombination war, konnte man das Wort "Unfug", "Unsinn" oder "Blödsinn" weglassen und nur noch sagen: "Das ist hanebüchen."



















