1000 Antworten

SWR
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22.10.2026
Beschreibung
Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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Episoden
  1. Es gibt schon noch mehr, aber das sind diejenigen, die unter Alltagsbedingungen auftreten, in denen wir es mit "normalen", also intakten Atomen beziehungsweise Molekülen zu tun haben. Was diese drei Zustände unterscheidet, ist die Art, wie die Moleküle zusammenhängen. Im gasförmigen Zustand sind die einzelnen Moleküle nicht miteinander verbunden; jedes Molekül fliegt in seinem eigenen Tempo durch die Gegend, unabhängig davon, was die anderen machen. In Flüssigkeiten sind die Moleküle zwar miteinander verbunden, können sich aber gegeneinander verschieben. Das heißt, sie wechseln sozusagen ständig ihre Nachbarn. Sie bleiben zwar nicht an einem Ort, aber sie entfernen sich auch nicht aus dem Verbund. Bei Festkörpern dagegen sind die Moleküle ortsfest und oft in einer Art Gerüst angeordnet. Die Moleküle wackeln zwar ein bisschen – das ist die Brownsche Molekularbewegung – aber sie bewegen sich nicht davon, sondern bilden ein relativ starres Gitter. Dadurch ist die Materie fest und zerfließt nicht. Weitere Aggregatzustände: Plasma und Neutronensterne Diese drei Aggregatzustände sind uns vertraut, weil normale Moleküle auch keine anderen Alternativen haben: Entweder sie sind miteinander verbunden oder nicht. Oder eben ein bisschen. Immer vorausgesetzt, wir haben es mit normalen intakten Molekülen und Atomen zu tun. Ist diese Voraussetzung nicht gegeben, können auch andere Materieformen auftreten bzw. man kann sie technisch erzeugen – zum Beispiel: Plasma. Ein Plasma ähnelt einem normalen Gas. Mit dem Unterschied, dass die Atome und Moleküle zerfallen sind in geladene Teilchen. Auch die Elektronen sind nicht mehr im Atomverbund, sondern fliegen eigenständig umher. Ein solches Plasma hat deshalb besondere Eigenschaften – es kann beispielsweise Strom leiten oder Licht emittieren – deshalb betrachten es viele auch als einen eigenen Aggregatzustand. Solche Plasmen kann man unter irdischen Bedingungen noch relativ leicht erzeugen – sonst gäbe es ja keine Plasmabildschirme. Neutronensterne sind ein Beispiel für einen Materiezustand, der nur unter Extrembedingungen im Weltraum vorkommt. Neutronen kennen wir normalerweise als Teil von Atomen. Sie bilden zusammen mit den Protonen den Atomkern, während die Atomhülle aus Elektronen besteht. Die Materie in einem Neutronenstern besteht dagegen nicht aus Atomen, sondern aus lauter Neutronen. Wie kann das sein? Neutronensterne entstehen, wenn ein relativ schwerer Stern in sich zusammenfällt. Der Druck kann dann so groß werden, dass auch die Atome kollabieren. Dabei werden auch die Elektronen mit den Protonen zu Neutronen zusammengepresst, sodass von den Atomen nur die Neutronen übrig bleiben. Dass das eine besondere Materieform ist, merkt man schon am Gewicht: Ein Kubikzentimeter eines Neutronensterns wiegt nämlich 100 Millionen Tonnen! Plasma und Neutronensterne sind somit zwei Beispiele für Materieformen jenseits der klassischen Aggregatzustände fest, flüssig und gasförmig.

  2. Worauf es wirklich ankommt: Flasche oder Fass Was besser schmeckt, ist natürlich Geschmackssache, aber es gibt in der Tat einen kleinen Unterschied. Und auch wenn der Ausdruck "frisch gezapft" lecker klingt, der Vorgang des Zapfens spielt gar keine Rolle. Entscheidender ist, wo sich das Bier vorher befindet – in einer Flasche oder einem Fass. Der Unterschied besteht darin, dass Fassbier ein bisschen mehr Kohlensäure enthält – etwa 5 Prozent. Es bilden sich also mehr Bläschen; dadurch wirkt es im Mund frischer, es bizzelt mehr. Oder, wie der Fachmensch sagt: Es hat eine höhere "Rezenz". Bierfass hält mehr Druck aus Fassbier enthält mehr Kohlensäure, weil das Fass den entsprechenden Druck aushält, während in der Flasche ein zu starker Gasdruck Probleme beim Verschluss hervorrufen kann. Die Gefahr ist dann größer, dass die Flüssigkeit bzw. der Schaum den Kronkorken heraussprengt – vor allem wenn das Bier geschüttelt wird. Deshalb setzt man dem Flaschenbier etwas weniger Kohlendioxid zu als dem Fassbier. Wenn das Fassbier schal schmeckt Dennoch kann es vorkommen, dass Fassbier gar nicht so sehr bizzelt, sondern im Gegenteil sogar etwas lascher wirkt. Das kann zwei Gründe haben: Es könnte an der Schankanlage liegen: Je mehr sich ein Fass leert, desto mehr Luft enthält es im Verhältnis zum Bier. In diese Luft können dann bereits im Fass immer mehr Gasbläschen entweichen – jedenfalls dann, wenn nicht gleichzeitig ein entsprechender Druck im Fass aufrecht erhalten wird. Eine gute Schankanlage sorgt für den nötigen Druck. Aber die Fässer, die man als Privatmensch beim Getränkehändler kaufen kann – da ist kein Druck dahinter. Deshalb kann es passieren, dass das Bier umso schaler schmeckt, je leerer das Fass bereits ist. Das ist eine Erklärung dafür, dass auch Fassbier mitunter wenig „rezent“ schmeckt. Ein anderer Grund könnte sein, dass es eben nicht ganz frisch gezapft ist, sondern dass z.B. auf einem Fest die Leute an der Bar das Bier auf Vorrat gezapft haben und es schon eine Weile herumstand, wenn man es bestellt.

  3. 30.11.2024
    2 min

    Barbarischer Baustil, da ohne Bezug zur Antike Er stammt von dem Wort "Goten"; eine germanische Bezeichnung für die Leute, die von Gotland kamen. Die Gotiker selber haben sich nicht als gotisch bezeichnet; das war eher ein Schimpfwort, denn der Geschmack war ab der Renaissance wieder ganz auf die Antike ausgerichtet. Da empfand man diese Baukunst – der einzige Stil in Europa, der sich nicht von der Antike herleiten lässt – als barbarisch. Das Wort "barbarisch" steckt auch in "gotisch", während "romanisch", "römisch" sich auf die Antike bezieht. Gotisch ist der barbarische Baustil in der nachgotischen Zeit gewesen und eigentlich ein Schimpfwort, aber die allgemeine Bezeichnung für den Stil. Keine Eigenbezeichnung für den gotischen Stil Für die Gotiker war das einfach ihr Stil; es gab keine Stilbezeichnung. Später, noch bis ins 18. Jahrhundert hinein, hielt man den gotischen Stil für den adäquaten Kirchenstil. Es gibt noch im 18. Jahrhundert die Bezeichnung Kirchenfenster. Und ein Kirchenfenster war ein gotisches Maßwerkfenster. Eine Eigenbezeichnung für den eigenen Stil gab es also nicht.

  4. So sehr ärgern, als sei man geschlagen worden Das ist eine Übertagung, da es hier eigentlich um eine Drohung geht: "Ich werde dich grün und blau schlagen". Das hieß natürlich, jemanden so zu hauen, dass er Hämatome, also Blutergüsse davonträgt, die sich im Laufe der Zeit dann auch noch verfärben. Das ist sehr unschön. Wenn sich jemand nun grün und blau ärgert, dann hat er das auf diese Ärgersituation übertragen. Er ärgert sich so sehr, als hätte ihn jemand grün und blau geschlagen.

  5. Geometrische Parallaxe Es gibt viele Methoden, die aufeinander aufbauen. Die erste ist die sogenannte geometrische Parallaxe. Das ist das, was Sie mit beiden Augen machen, wenn Sie z.B. die Entfernung von einem Tisch, der etwa 5 Meter vor Ihnen steht, abschätzen. Sie können das deshalb so genau machen, weil Ihre Augen zwei unterschiedliche Bilder in Ihr Hirn senden. Die Augen haben einen Abstand von 6 oder 7 Zentimetern. Und wenn wir mal das linke oder rechte Auge zukneifen, sehen wir, wie die Bilder hin- und herspringen. Unser Hirn verarbeitet diese beiden unterschiedlichen Bilder zu einem Entfernungseindruck. Und genau das machen wir in der Astronomie auch. Die Erde bewegt sich um die Sonne herum. Das heißt, im Herbst oder im Frühjahr hat sie eine andere Position. Das führt dazu, dass zumindest die nahen Sterne ebenfalls ein wenig verrutscht scheinen. Je näher der Sern an uns dran ist, umso mehr "verrutscht" er. Das kann man benutzen, um die Entfernung zu messen. Der Bereich, den wir damit überdecken können, hat durchaus einen Durchmesser von 2.000 Lichtjahren. Leuchtkraft Für größere Entfernungen klappt das aber nicht mehr; da muss man andere Methoden anwenden, die auf den vorherigen aufbauen. Man hat ja mit der geometrischen Methode schon mal ein Volumen von ein paar Tausend Sternen. Dann stellt man fest, dass Sterne von einem ganz bestimmten Typ gelblich leuchtend, so wie die Sonne, und die Leuchtkraft haben. Jetzt sehe ich einen ganz weit entfernten Stern, der genauso gelb leuchtet wie unsere Sonne, also genau die gleichen Charakteristika hat, mir aber lichtschwächer erscheint. Dann kann ich das sofort umrechnen, denn in Wahrheit ist er ja eigentlich so hell, ich sehe ihn aber nur so schwach, der muss so und so weit weg sein. Ist das abhängig von der Größe des Sterns? Wenn der Stern hundertmal so groß ist, kann er ja weiter weg sein, um gleich hell zu leuchten. Aber wenn er hundertmal so groß ist, würde er – das sagt die Physik – gar nicht mehr gelb leuchten, sondern blau. Ein gelb leuchtender Stern ist immer gleich groß, das heißt, zu jeder Farbe gibt’s genau einen Sterntyp.

  6. 28.11.2024
    3 min

    Teilchen und Kräfte Die Fragen aller Fragen ... Dabei kommt es auf den Blickwinkel an. Das erste und vielleicht anschaulichste Modell wäre, sich die Welt als aus Teilchen zusammengesetzt zu denken. Die Frage "Woraus besteht die Welt?" zielt ja auf irgendeine Form von "Substanz", und bei Substanz denken wir zunächst an Materie. Wir wissen, dass es vor allem die Atome gibt, aber die Atome bestehen ihrerseits aus kleinsten Teilchen. Im Kern befinden sich die Protonen und die Neutronen, und in der sogenannten Elektronenhülle sind die Elektronen. Die Elektronen sind nach allem, was man weiß, tatsächlich kleinste Teilchen. Aber die Protonen und die Neutronen sind aus noch kleineren Teilchen, den sogenannten Quarks, aufgebaut. Von denen gibt es verschiedene Sorten. Aber diese Elektronen und Quarks sind die wesentlichen Teilchen, die die Materie, die wir kennen, aufbauen. Es reicht aber nicht zu sagen, dass es diese Teilchen gibt und sie das Universum aufbauen. Sondern sie tun es nach bestimmten Regeln. Da wirken Kräfte, wie z.B. die Gravitationskraft, also die Massen-Anziehungskraft. Oder es gibt die Kraft, die die Atomkerne zusammenhält. Die Protonen und Neutronen hängen ja im Kern so fest zusammen, als seien sie miteinander verklebt. Gravitonen und Teilchenzoo Jetzt wäre die nächste Frage: Woraus besteht der Kleber? Das ist ja kein echter Klebstoff, sondern das sind Kräfte. Und all diese Kräfte müssen irgendeine Grundlage haben, müssen auch aus etwas bestehen. Die Teilchenphysiker denken sich das so, dass diese Kräfte auch in Form von Teilchen übertragen werden. Zum Beispiel: Das Photon im Lichtteilchen ist das Teilchen, das die elektromagnetische Kraft überträgt. Und ähnlich stellen sie sich das bei der Gravitationskraft vor. Wenn sich also Erde und Mond anziehen, dann deshalb, weil – so die Hypothese – zwischen den beiden Himmelskörpern Gravitonen unterwegs sind, die diese Anziehungskraft übertragen. Mit der Zeit haben die Physiker einen beachtlichen – sie nennen das Teilchenzoo – zusammengetragen. Es kommt aber noch etwas hinzu: Diese vielen Teilchen bewegen sich in etwas, was wir Raum und Zeit nennen. Woraus bestehen die nun wieder? Auch da sagen uns die Physiker, Raum und Zeit sind nicht etwa eine unabhängige Größe, also kein sozusagen geometrisches Gerüst im "luftleeren Raum". Sondern Raum und Zeit werden ihrerseits von der Materie "aufgespannt". Das ist die eine Blickweise. Das Universum besteht aus im weitesten Sinne Teilchen – bzw. eben Energie. Energie und Materie sind ja nach Einstein nur zwei Seiten derselben Medaille. Das Universum besteht aus vielen Rätseln Manche Physiker meinen inzwischen auch, dass sie der Wahrheit noch näher kommen, wenn sie sich das Universum nicht als aus Energie oder Materie zusammengesetzt vorstellen, sondern aus Information im Sinne der Informationstheorie, also aus Bits. Auch das ist eine Möglichkeit, das Weltall zu beschreiben. Aber im Grunde sind das alles verschiedene Brillen, um in den Kosmos zu blicken. Wenn Sie also fragen, woraus das Universum besteht, dann gibt es darauf eigentlich nur eine mit Sicherheit richtige Antwort: Es besteht aus vielen Rätseln.

  7. In der Maya-Stätte Chichén Itzá gibt es ein bemerkenswertes Phänomen: Wenn man dort vor der großen Pyramide in die Hände klatscht, entsteht ein Geräusch, das an den Ruf des Quetzals erinnert – ein heiliger Vogel bei den Mayas. Händeklatschen vor Maya-Pyramide erzeugt "Ruf des Quetzals" Bei diesem Phänomen handelt es sich um die Theorie des amerikanischen Akustikers David Lubman. Der hat sich bei der großen Maya-Pyramide an die steile Treppe gestellt, in die Hände geklatscht und das Echo mit einem Mikrofon aufgenommen. Dabei stellte er fest, dass dieses Geräusch auffallende Ähnlichkeit mit dem Ruf des Quetzals hat, eben jenes Vogels, der in den Nebelwäldern Guatemalas unterwegs ist. Seine Aufnahmen stehen auch im Netz, und die Ähnlichkeiten sind tatsächlich frappierend. Pyramidenstufen zerlegen Echo des Klatschgeräuschs Die Erklärung ist etwas kompliziert: Wenn ich in die Hände klatsche, enthält das Klatschgeräusch im Grunde alle Tonfrequenzen. Es ist kein klarer Ton; ähnlich wie weißes Licht eine Mischung aller sichtbaren Lichtfrequenzen ist. Und so wie ein Prisma das weiße Licht in seine Bestandteile zerlegt, zerlegen die vielen Stufen der Pyramide das Echo des Klatschgeräusch ebenfalls in seine Bestandteile. Denn an jeder einzelnen Stufe wird das Klatschgeräusch zurückgeworfen. Wenn ich aber unten an der Pyramide stehe, sind die einzelnen Stufen unterschiedlich weit von mir weg. Im Ergebnis führt das dazu, dass die hohen Frequenzanteile schneller wieder bei mir sind als die tiefen, und so entsteht dieser abfallende Ton, der an den Vogel erinnert. Ob die Mayas die Pyramiden absichtlich so gebaut haben, dass dieser Ruf des Quetzal-Vogels entsteht, ist umstritten. Es gibt dafür keine schriftlichen Hinweise, die die hinterlassen hätten, insofern könnte es auch ein unbeabsichtigter Nebeneffekt sein. Anderseits gibt es vergleichbare akustische Effekte auch an anderer Stelle auf dem Gelände Chichén Itzá, etwa bei dem großen Ballspielplatz. Griechische und römische Theater: Akustik-Phänomene weltweit Bekannt sind natürlich auch die griechischen Theater. Die sind oft kreisförmig an einen Hügel gebaut. Dort hatten bis zu 15.000 Zuschauer Platz gehabt und die Akustik – das kann man heute noch erleben, wenn man solche Theaterbauten besucht – war fantastisch. Da hätten die Schauspieler keine Mikrofone gebrauchen können – die waren selbst in den letzten Reihen gut verständlich. Die Römer wiederum haben im Theater an ganz bestimmten Stellen Vasen aus Bronze aufgestellt. Die Vasen dienten als Resonanzverstärker. Die Stimmen der Schauspieler waren dadurch sehr klar und deutlich verständlich. Höhle von Hypogäum auf Malta Es gibt aber noch ältere Beispiele, etwa die Höhle von Hypogäum auf Malta. Sie ist 4 ½ tausend Jahre alt. Dort gibt es eine Kammer, in der sich auf Kopfhöhe eine Aushöhlung befindet. Die sorgt dafür, dass die tiefen Anteile der Stimme verstärkt werden. Wenn ein Sprecher spricht, dann wirkt seine Stimme tiefer, dröhnender und somit imposanter. Das Prinzip ist das gleiche wie wenn man über eine offene Flasche bläst und dadurch einen Ton erzeugt. Technisch wird so etwas als „Helmholtz-Resonator“ bezeichnet. Menschen verstanden Raumakustik schon sehr früh Man kann noch weiter zurückgehen, in die Steinzeit. In England und Frankreich gibt es Hügelgräber mit langgezogenen Grabkammern. Auch diese haben einen ähnlich resonanzverstärkenden Effekt, der vor allem dann zum Tragen kommt, wenn man am Eingang zu diesen Grabkammern trommelt. Dann entsteht zusammen mit dem Echo aus der Kammer ein richtig lauter Klangteppich. Ein weiteres Beispiel sind die Höhlenmalereien in Frankreich – z.B. in Lascaux – oder in den Pyrenäen. Dort haben die Wissenschaftler festgestellt, dass die Malereien sich immer genau an den Stellen befinden, wo es am meisten dröhnt, wo es also ein intensives Klangerlebnis gibt. Zwar wurden diese Höhlen nicht gezielt nach akustischen Kriterien gebaut, aber all diese Beispiele zeigen, dass die Menschen schon ganz früh sehr viel von Raumakustik verstanden.

  8. Dass die Lichtgeschwindigkeit eine Grenze ist, hat auch etwas mit Einstein zu tun, aber nur mit seiner speziellen Relativitätstheorie. Dort wird gesagt: In einem Raum ist die maximale Geschwindigkeit, mit der sich Information oder Licht ausbreiten kann, irgendwo begrenzt, auf eben genau diese 300.000 Kilometer pro Sekunde. Aber für den Weltraum an sich gilt im Rahmen dieser allgemeinen Relativitätstheorie, dieser Schwerkrafttheorie, dieser Satz nicht. Das Universum an sich kann sich, wie eben erläutert, anhand der Gummihaut, durchaus schneller ausdehnen als das Licht. Das heißt, das Licht muss auf seinem Weg durch das Universum gegen dieses Ausdehnen ankämpfen. Es kann sein, dass es tatsächlich Bereiche gibt, die sehr weit von uns entfernt sind und die sich von uns mit einer größeren Geschwindigkeit entfernt haben, sodass uns von dort Licht niemals erreicht, weil es gegen dieses Ausdehnen nicht genügend ankämpfen kann.

  9. Kein Reich, das je die ganze Welt beherrscht hätte Das hängt von der Definition ab. Der Begriff "Weltreich" weckt die Vorstellung eines Reiches, das die ganze Welt beherrscht hat. Ein solches Reich hat es nie gegeben. Schon allein deshalb, weil bis Kolumbus die alte Welt – sprich Eurasien – und die neue Welt – Amerika – zwei politisch völlig getrennte Hemisphären waren. Auch das Afrika südlich des Sahel gehörte bis zur Kolonisierung nie zu einem der großen Imperien, an die wir so denken – also etwa dem Reich Alexanders des Großen, dem Römischen Reich, dem Umayyaden- oder dem Mongolenreich. Britisches Empire umfasste rund ein Viertel der Weltbevölkerung Wenn man sich die Grenzen dieser Reiche auf einer Weltkarte ansieht, so waren die zwar groß, aber umfassten geographisch trotzdem immer nur einen kleinen, umrissenen Teil des Globus. Erst in der Neuzeit gab es Imperien, die sich über alle Kontinente erstreckten – vor allem natürlich das Britische Empire. Aber auch zur Zeit seiner größten Ausdehnung war es weit davon entfernt, die ganze Welt zu beherrschen. Mittel- und Südamerika, Russland, China – da hatten die Briten nichts zu sagen, vom Rest Europas ganz zu schweigen. Anders gesagt: Nie beherrschte das sogenannte Britische Weltreich mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung. Insofern gibt es kein klares Kriterium, welche Größe eine Macht haben muss, um die Bezeichnung "Weltreich" zu verdienen. Weltreich: durch Eroberung weite Teile der "bekannten" Welt angeeignet Trotzdem wird dieser Begriff nun einmal verwendet. Was wir in der Regel damit meinen, sind Imperien, die sich über einen großen Teil der damals jeweils bekannten Welt erstreckten. Wobei auch diese Definition den Schönheitsfehler hat, dass sie die jeweils eigene Sichtweise zum Maßstab macht. Denn was heißt schon "der damals bekannte Teil der Welt"? Amerika war ja zur Zeit des Römischen Reiches auch schon bekannt – nur eben nicht den Römern, aber zum Beispiel den Maya. Perserreich umfasste Gebiet zwischen Balkan, Sudan und Pakistan Wenn man sich aber auf diese Definition einlässt – eine Macht, die vor allem auch durch Eroberung weite Teile der ihr damals bekannten Welt angeeignet hat – dann könnte man als erstes Weltreich der Geschichte das Perserreich ausmachen. Es erstreckte sich um Anfang des 5. Jahrhunderts vor Christus vom Balkan bis nach Pakistan und im Süden bis in den Sudan. Historisch ist diese Zeit auch deshalb bedeutsam, weil damals zum ersten Mal in der Geschichte der Gegensatz Ost/West, Orient/Okzident und letztlich auch Europa/Asien eingeführt wurde. Der Westen – das waren eben die Griechen – bekämpfte das Perserreich in den berühmten Schlachten bei Marathon und Salamis, und schließlich war es Alexander der Große, der die Perser bei Issos besiegte und sich ihr – damals allerdings schon geschrumpftes – Reich einverleibte. So wurde dieses "erste Weltreich" der Perser ziemlich bald durch das zweite – das Alexanderreich – abgelöst, das allerdings nicht lange hielt.

  10. Signalfarben Rot und Grün sind meist gut zu unterscheiden Am Anfang war nur Rot und Grün. Warum die beiden Farben? Der wichtigste Grund ist wohl, dass das die beiden wichtigsten Signalfarben sind. Es sind die Farben, auf die unser Auge am stärksten reagiert und die es gleichzeitig – wenn wir nicht gerade rotgrün- oder farbenblind sind – am besten unterscheiden kann. Physiologisch kann man das gut erklären: Für die Farbwahrnehmung in unserem Auge sind bestimmte Sinneszellen auf unserer Netzhaut zuständig, nämlich die sogenannten Zapfen. Verschiedene Zapfentypen Von denen gibt es drei verschiedene Sorten, die heißen L-, M- und S-Zapfen. Was diese drei Zapfentypen vor allem unterscheidet, ist die Lichtfrequenz, auf die sie besonders stark reagieren. Das heißt, die L-Zapfen reagieren besonders stark auf rotes Licht, die M-Zapfen auf grünes Licht und die S-Zapfen auf blau-violettes Licht. Allerdings ist es so, dass die – nennen wir sie jetzt einfach: Rot- und Grün-Zapfen – sehr viel empfindlicher sind als die Blauzapfen. Das bedeutet umgekehrt, dass uns Rot und Grün als besonders intensive Farben erscheinen, die sehr stark wirken. Und weil unterschiedliche Zapfen zuständig sind, können wir diese Farben gleichzeitig gut unterscheiden – es sind ja auch Komplementärfarben. Man kann jetzt spekulieren, warum die Natur unser Auge so eingerichtet hat. War es zum Beispiel für unsere Vorfahren wichtig, dass sie sofort gesehen haben, wenn irgendwer verletzt war und geblutet hat, sodass wir deshalb auf Rot so stark reagieren? Oder können wir Rot und Grün deshalb so gut auseinanderhalten, um rote Früchte zwischen grünen Blättern schnell zu finden? Das ist aber Spekulation. Signalfarben schon zu den Anfängen der Eisenbahn Das mit den Signalfarben begann schon lange vor den elektrischen Ampeln. Wenn man zum Beispiel an die Anfänge der Eisenbahn denkt: Da wurden noch farbige Scheiben oder Flaggen benutzt, auch Rot und Grün. Oder Gaslaternen, vor die eine rote oder grüne transparente Glasschreibe montiert war. Oder auch ganz durchlässiges Glas; das war dann eben ein weißes Signal. Gelb wurde damals extra noch nicht genommen, weil man das leicht mit Weiß oder auch mit Rot verwechseln konnte, wenn die Gaslaterne mal nicht so stark geflackert hat. Da wurde das Gelb schnell mal sehr rötlich, das war unpraktisch. Im Vordergrund standen damals schon Rot und Grün und das wurde übernommen, als die ersten elektrischen Lichtsignalanlagen gebaut wurden, eben die Ampeln. Die allererste von dieser Sorte stand 1914 in Cleveland, Ohio. Auch die war schon rot und grün. Weiß verschwand als Signalfarbe Das Weiß hat sich in der Seefahrt gehalten, ansonsten aber ist es als Signalfarbe verschwunden, denn als das elektrische Licht kam und elektrische Lampen Einzug hielten in die Städte, da gab’s auf einmal so viele weiße Lichter, dass sich weiße Signallampen nicht mehr genug von anderen Lichtern in der Umgebung unterschieden haben. Das war die Chance für das Gelb. Denn das elektrische Licht war so hell, dass es möglich war, ein gelbes Licht zu erzeugen, das sich klar und deutlich vom Rot abgegrenzt hat. So hat man dann, als die ersten dreifarbigen elektrischen Ampeln kamen, das Gelb zwischen das Rot und das Grün gesetzt – wo es im Spektrum der Regenbogenfarben auch hingehört. So haben wir seit 1920 in Amerika und kurz darauf in Deutschland dreifarbige Ampeln in Rot, Gelb und Grün. Rot, Grün und Gelb auch im politischen Spektrum: SPD, FDP und Grüne Wenn die evolutionären Theorien stimmen, dass wir deshalb auf Rot und Grün so stark reagieren, weil das was mit Blut zu tun hat bzw. mit dem Grün der Pflanzen, und wenn wir dann daran denken, dass das Rot der SPD bzw. überhaupt aller linken Parteien ursprünglich für das Blut der geschundenen Arbeiter stand und dass die Farbe der Grünen natürlich etwas mit dem Grün in der Natur zu tun hat, dann gibt es da schon Verbindungen. Die FDP hat sich das Gelb nicht ausgesucht, weil es irgendeine symbolische Bedeutung hat, sondern weil die Werbestrategen irgendwann in den 1970ern erkannt haben, dass mit der Signalfarbe Gelb die Wahl-Plakate stärker ins Auge stechen. Insofern hätten die Farben auf der Straßenampel und die politischen Ampelfarben letztlich die gleichen evolutionären Ursprünge.

  11. Die Fähigkeit, aktuelle Geschehnisse abzuspeichern, wird im Alter schlechter. Daher hat in der Beurteilung von Situationen das, was wir schon mal erlebt und gelernt haben, ein stärkeres Gewicht. Wir haben eine rechte und eine linke Großhirnhemisphäre. Während die rechte Großhirnhemisphäre vor allem etwas mit Neugierde zu tun hat und damit, Neues zu wagen, macht die linke Großhirnhemisphäre eine Musteranalyse anhand dessen, was wir schon alles gelernt haben. Dort stecken also verstärkt diese Langzeiterinnerungen. Rechte Großhirnhemisphäre altert schneller Wenn wir älter werden, altert die rechte Großhirnhemisphäre etwas schneller als die linke, sodass wir etwas weniger neugierig werden und wir uns stärker darauf verlassen, eine neue Situation dadurch zu beurteilen, was wir schon einmal erlebt haben, sodass es uns so vorkommt, als wenn diese älteren Erinnerungen uns eher ins Gedächtnis kommen, unsere Erinnerung daran quasi besser wird. Der Suchfilter unseres Gehirns geht eben dahin, eine neue Situation anhand von dem zu beurteilen, was man schon erlebt hat. Erfahrung als wichtiger gesellschaftlicher Beitrag Das ist eine ganz wichtige Funktion, die ältere Menschen in unserer Gesellschaft haben: All das, was für viele Menschen neu oder schon Gewohnheit ist, mit Erfahrung zu beurteilen aufgrund dessen, was man in seinem Leben schon erlebt hat.

  12. In der Tat ist die Idee bei der Kernfusion, die Vorgänge auf der Sonne zu kopieren. Die Energie, die uns die Sonne schenkt, beruht auf der Kernfusion: Jeweils vier Wasserstoffkerne verschmelzen zu einem Heliumkern und dabei werden enorme Mengen an Energie frei. Energie, die die Sonne dann zu uns abstrahlt. Erde hat weniger Masse als die Sonne – daher fehlt es ihr an Druck Im Inneren der Sonne passiert das bei etwa 15 Millionen Grad Celsius. Wenn man das aber auf der Erde imitieren will, braucht man Temperaturen, die zehnmal so hoch sind. Das liegt daran, dass wir auf der Erde nicht den Druck herstellen können, der im Inneren der Sonne herrscht. Der liegt bei 250 Milliarden bar. Das liegt an der schieren Masse der Sonne, die im Sonnenkern diesen Druck ausübt – 250 Milliarden mal mehr als an der Erdoberfläche. Höhere Temperatur muss auf der Erde fehlenden Druck ersetzen In einem technischen Fusionsreaktor kann man diesen Druck unmöglich herstellen; da würde uns alles um die Ohren fliegen. Im Gegenteil, der Druck z.B. beim Reaktor "Wendelstein 7-X" in Greifswald liegt bei 1 bis 2 bar, also nicht viel höher als der Druck, dem wir normalerweise auf der Erde ausgesetzt sind. Aber das, was an Druck fehlt, muss dann durch Temperatur ersetzt werden. Auch wenn man also die Kernfusion auf der Erde immer mit den Vorgängen auf der Sonne vergleicht, gibt es diesen wesentlichen Unterschied: In der Sonne ist der Druck extrem viel höher, dafür die Temperatur niedriger. In einem irdischen Fusionsreaktor ist der Druck niedrig, dafür müssen höhere Temperaturen erzeugt werden. Warum müssen Druck bzw. Temperatur überhaupt so hoch sein? Die Voraussetzung dafür, dass die Atomkerne überhaupt zusammenkommen können, sind der hohe Druck bzw. die hohe Temperatur. Man kann sich ein Wasserstoffatom vorstellen wie eine Kirsche: in der Mitte der Kern, außen herum die Hülle. Der Kern ist positiv geladen, die Hülle negativ. Wenn sich zwei Atome näherkommen, müssen die Kerne zusammenkommen. Spontan würden sie das aber nicht tun, dann dazwischen sind die Hüllen – bei der Kirsche also das Fruchtfleisch. Da die Hüllen bei den Atomen beide negativ geladen sind, würden sie sich abstoßen. Die Kerne können deshalb nur dann zusammenkommen, wenn die Atome – also in unserem Bild die Kirschen – schnell oder eben kräftig genug aufeinander prallen. Dazu braucht man entweder viel Druck oder entsprechend hohen Temperaturen – denn je höher die Temperatur, desto schneller bewegen sich die Atome. Und nur dann haben die Wasserstoffkerne überhaupt eine Chance, zusammenzukommen.

  13. Gebrühter Frischkäse zum Schneiden – "mozzare" Die Faserigkeit des Mozzarella hängt mit seiner Herstellung zusammen. Es gibt ja verschiedene Sorten von Käse: Hartkäse, Weichkäse, Frischkäse. Mozzarella ist ein Frischkäse, der im Gegensatz zu anderen Frischkäsesorten bei 70 bis 80 °C aufgebrüht wurde. Dieses Aufbrühen sorgt für eine noch stärkere Verklumpung der Eiweißmoleküle. Das macht den Käse so fest, dass man ihn schneiden kann – italienisch "mozzare". Außerdem wird er – und das bewirkt die faserige Struktur – beim Brühen geknetet und gezogen. Früher hat man das per Hand gemacht, heute übernehmen das Maschinen. Danach wird der Käse mit kaltem Wasser abgeschreckt. Das alles zusammen – die Kombination aus der Eiweißgerinnung und diesem Ziehen – ergibt die faserige Struktur. Manchmal ist der Käse trotzdem etwas pappig, bröselig und eher matschig. Das kann daran liegen, dass er alt ist. Irgendwann bildet sich dieses Faserige wieder zurück. Es kann aber auch daran liegen, dass man am Kneten und Ziehen gespart hat bzw. dass man es nicht mit der Sorgfalt gemacht hat, mit der man es eigentlich machen sollte. Konsistenz erinnert an Hähnchenfleisch Übrigens habe ich bei einem namhaften Mozzarella-Hersteller angerufen. Der Techniker sagte mir, dass sich im Optimalfall die Struktur im Mund so anfühlen soll wie Hähnchenfleisch. Daran können Sie beim nächsten Mal den Mozzarella messen – falls Sie Lust haben, bei Mozzarella an Hähnchenfleisch zu denken.

  14. Keine Vollwert-Nahrung, aber nährstoffhaltiger als Pappe Das stimmt so pauschal nicht. Cornflakes sind keine Vollwert-Nahrung, aber sie enthalten im Vergleich zu Pappe immerhin mehr Mineralien, Vitamine und Eisen – zumal bei bestimmten Cornflakes Eisen extra zugesetzt wird. Trotzdem geistert seit Jahren im Internet diese Behauptung herum, allerdings ohne Quellenangabe. Wenn man diese Seiten chronologisch zurückverfolgt, sieht man, dass sich die Behauptung im Lauf der Jahre leicht verändert hat. Auf älteren Seiten ist nämlich weniger von Nährstoffen die Rede als vielmehr vom Nährwert. Vermutlich hat es sich da mal jemand leicht gemacht und den Nährwert einfach gleichgesetzt mit dem Brennwert – also den Kalorien. Und dann stimmt das – fast. Brennwert ist vergleichbar, aber Nährwert ist nicht gleich Brennwert Cornflakes liefern, je nach Hersteller, Energie von rund 270 bis 370 Kilo-Kalorien pro 100 Gramm, in Joule umgerechnet sind das 1.100 bis 1.500 kJoule. Die oberen Werte werden vor allem dann gemessen, wenn die Cornflakes gezuckert sind. Wenn man Pappe verbrennt, beträgt der Brennwert auch etwa 1.500 kJoule, eher leicht darüber. Ja, das kann man vergleichen, da auch Nahrung im Körper chemisch "verbrannt" wird. Man kann also sagen: Der Brennwert von gezuckerten Cornflakes ist mit dem Brennwert von Pappe vergleichbar, nicht gezuckerte Cornflakes liegen sogar darunter. Brennwert ist aber nicht gleich Nährwert. Der Nährwert soll ja auch etwas darüber aussagen, wie gesund ein Nahrungsmittel ist. Da geben Cornflakes zwar nicht viel her – aber Pappe ist wirklich nicht besser. Künstlich zugesetztes Eisen kann negativ wirken Ein Wort noch zum Eisen: Es gibt schöne Filmchen im Internet, die zeigen, dass Cornflakes, die im Wasser schwimmen, sogar von Magneten angezogen werden – so viel Eisen enthalten die! Das funktioniert nicht mit allen Cornflakes, aber tatsächlich gibt es Cornflakes-Hersteller, die ihre Cornflakes extra mit Eisen anreichern, um hinterher auf die Verpackung zu schreiben: Enthält viel Eisen. Das Problem ist nur, dass Mediziner davon gar nicht viel halten. Es ist ja inzwischen bekannt, dass Nährstoffe, die der Nahrung künstlich in hohen Mengen zugefügt werden, oft gar nicht gut vom Körper aufgenommen werden. Und was das Eisen in Cornflakes betrifft, sagt das Bundesamt für Risikobewertung: Das viele Eisen in den Cornflakes ist nicht unbedingt gesundheitsgefährdend, aber es könnte die Aufnahme anderer Spurenelemente wie Zink verhindern. Fazit: Cornflakes enthalten in der Summe mehr Nährstoffe als die Pappe und eignen sich als Nahrungsmittel auf jeden Fall besser. "Gesund" sind sie deshalb aber nicht.

  15. Hydraulis: erstes orgelartiges Tasteninstrument Die Orgel ist eines der Instrumente, welches am besten dokumentiert ist. Die Orgel wurde im 3. Jahrhundert vor Christus von einem Ingenieur entwickelt, der viel mit Wasserkraftwerken zu tun hatte. Er hat verschiedene Blechblasinstrumente, verschiedene Posaunen, auf einen Kasten gestellt und diese mit Luft angeblasen. Die Luft musste einen gewissen Druck haben. Dieser Druck wird heute mit Bleigewichten auf den Magazinbalg bewirkt – im 3. Jahrhundert vor Christus hatte man das ganz kompliziert gemacht. Dort hat man eine Wasserregelung entwickelt und mit dem Wasserdruck den Luftdruck bewirkt. Die Orgel bestand also aus verschiedenen Pfeifen, die auf dem Kasten standen, auf dieser Windlade. Man konnte im Gegensatz zu heute nicht nur einzelne Pfeifen spielen, sondern man hat immer ein ganzes Register gezogen und dann gab es einen recht massiven Klang von verschiedenen Intervallen gleichzeitig. Man konnte am Anfang nur den Klang regulieren, aber man konnte eigentlich nicht die Tonhöhe oder die verschiedenen Töne verändern. Das Instrument nannte man Hydraulis, weil es durch diesen Wasserdruck zum Klingen gebracht wurde. Orgel kündigte den Kaiser an Man hat die Orgel früher hauptsächlich zu repräsentativen Zwecken eingesetzt, insbesondere im Byzantinischen Reich, wenn der Kaiser seine Audienz hielt. Erklang dann zum ersten Mal die Orgel, wussten die Anwesenden: Jetzt kommt der Kaiser, jetzt habe ich mich zu erheben und jetzt kommt diese besondere Stimmung auf. – Das war auch der Grund dafür, dass die Orgel das erste und lange Zeit das einzige Instrument war, das auch in der Kirche gespielt werden durfte. Orgel als Repräsentationsinstrument für Papst und Kirche Die Herrschaft der Kirche und die Gewaltenteilung spielten eine große Rolle. Und es gab große Diskussionen, gerade im 10. und 11. Jahrhundert, ob denn die Orgel überhaupt in der Kirche gespielt werden darf. Zugelassen wurde sie, weil die Orgel ein Repräsentationsinstrument ist und somit auch die Kirche, den Vatikan und den Papst repräsentiert hat. Lehrwerke für die Orgel bereits im 12. Jahrhundert Es gab bereits damals sehr große Orgeln, jedes Instrument war individuell gefertigt. Besonders ist auch, dass es bereits im 12. Jahrhundert eigene Lehrwerke gab, wie man die Orgel zu spielen hat. Hier wurde bereits mit Pedal gespielt. Das lernt man auch heute im Orgelunterricht gleichzeitig mit den Händen.

  16. 24.11.2024
    3 min

    Für dieses Phänomen gibt es eine physikalische Erklärung und eine psychologische. Lichtstreuung: Blaue Lichtanteile werden stark abgelenkt Die physikalische Erklärung hat mit der Lichtstreuung zu tun: Das Sonnenlicht muss auf seinem Weg zur Erde durch die Atmosphäre. Die Atmosphäre ist wiederum voll mit allen möglichen Gasmolekülen. Wenn das Sonnenlicht auf diese kleinen Teilchen trifft, wird es gestreut, d.h. umgelenkt. Dabei wird das weiße Licht gleichzeitig in seine Bestandteile zerlegt, wie bei einem Prisma. Es wird also aufgespalten in die Regenbogenfarben: blau, grün, gelb, orange, rot. Die verschiedenen Farben werden unterschiedlich stark gestreut. Die Streuung ist umso stärker, je kleiner die Wellenlänge ist oder anders gesagt, je energiereicher die Strahlen sind. Nun sind blaue Strahlen energiereicher als rote. Die blauen Lichtanteile werden deshalb viel stärker bei der Streuung abgelenkt. Stellen wir uns nun einen wolkenfreien Himmel vor. Irgendwo an diesem Himmel steht die Sonne; die ist weiß bis gelb, auf jeden Fall ziemlich hell. Sie strahlt aber in alle Richtungen, nicht nur in unser Auge, sondern auch in die übrige Atmosphäre. Einige dieser Strahlen werden in der Atmosphäre so stark gestreut, dass sie wieder in unsere Richtung zurückgelenkt werden, also unser Auge treffen. Das sind aber nur die stark gestreuten Lichtstrahlen, sprich die eher blauen Anteile. Die roten Lichtstrahlen dagegen werden nicht so stark abgelenkt, das heißt, die erreichen uns gar nicht mehr. Der Himmel ist also blau, weil nur die blauen Lichtstrahlen so stark gestreut und abgelenkt werden, dass sie auf unser Auge treffen. Das Blau von Babyaugen erklärt sich übrigens nach dem gleichen Prinzip. Sprache prägt Wahrnehmung: Wir kennen ein Wort für die Farbe "Blau" Der Himmel erscheint uns auch deshalb blau, weil wir ein eigenes Wort für die Farbe Blau haben. Das sagt uns die Sprachwissenschaft: Es gibt Sprachen auf der Welt, die unterscheiden nicht zwischen Grün und Blau, sondern haben dafür nur ein Wort. Man kann davon ausgehen, dass diese Menschen Grün und Blau nicht als zwei verschiedene Farben wahrnehmen, sondern eher als verschiedene Schattierungen eines Farbtons. Es gibt sogar Sprachen, die nur drei Farbwörter haben, nämlich Schwarz, Weiß und Rot – wobei Schwarz und Weiß dann mehr oder weniger gleichbedeutend sind mit dunkel oder hell. Wenn man Menschen in diesem Sprachraum fragt, welche Farbe der Himmel hat, dann ist für sie der Himmel meist dunkel, gelegentlich hell und abends vielleicht auch mal rot. Aber einen "blauen" Himmel kennen sie nicht, weil sie kein Wort für Blau haben und offenbar Blau auch nicht als eine eigenständige Farbe wahrnehmen. In dem Sinn prägt die Sprache wohl tatsächlich die Wahrnehmung.

  17. Ja, das ist richtig und das gilt übrigens auch für den Stephansdom in Wien. Der Grundbucheintrag lautet: die Hohe Domkirche. Die Hohe Domkirche ist eine Institution, sozusagen eine Art öffentliches Recht. Verwaltet bzw. betreut wird das vom Metropolitankapitel, das aber nicht wirklich der Besitzer ist. Es könnte zum Beispiel den Dom nicht verkaufen. Denn der Dom gehört sich selbst. Und wer ist der Rechtsvertreter? Immer das Domkapitel.

  18. Ja, erstaunlicherweise scheinen wir in einem Mittelpunkt zu sein. Wenn wir uns das Ausdehnen des Universum anschauen, streben die Galaxien von uns weg. Und dann sieht es so aus, als ob wir in einem Zentrum wären. Alles strebt von uns weg. Nun ist aber die Sache so: Jeder im Universum sieht genau das gleiche Phänomen. Jeder meint, er sei im Zentrum. Und das erscheint irgendwie widersinnig. Veranschaulichen mithilfe eines Lufballons Man kann sich das verdeutlichen mit dem Modell eines Luftballons, der sich ausdehnt. Auf diesen Luftballon macht man mit einem Filzstift kleine Pünktchen – das sind die Galaxien. Wenn sich der Luftballon aufbläht, dann bewegen sich die Pünktchen auf dem Luftballon eigentlich gar nicht, aber trotzdem streben sie voneinander weg, weil die Gummihaut sich ausdehnt. Genau so ist es mit unserem Weltraum auch. Der dehnt sich aus und treibt alles voneinander weg. Wenn man sich gedanklich auf einen von diesen Filzstiftpunkten draufsetzt, kann man überlegen: Was sieht denn jetzt ein Bewohner dieser kleinen Filzstiftgalaxie? Der sieht, dass alle Nachbarpunkte sich von ihm wegbewegen. Er scheint sich gedanklich in einem Zentrum zu befinden. Allerdings kann das eigentlich jedes Pünktchen behaupten. Und trotzdem gibt es ja auf der ganzen Oberfläche dieses Luftballons keinen Mittelpunkt.

  19. Heizung abstellen verbraucht weniger Energie Wenn man nur die Energie betrachtet, ist es günstiger, die Heizung abzustellen. Es stimmt zwar, dass das Wiederaufheizen der Räume viel Energie kostet, weil ja auch die Wände abgekühlt sind, trotzdem braucht es eben nicht so viel, wie wenn man durchheizen würde. Das ist auch logisch, denn: Wir müssen in jedem Fall so viel heizen, wie die Wohnung an Wärme in der Zwischenzeit verliert. Und die Wohnung und auch die Wände geben immer Wärme nach draußen ab. Dieser Wärmeverlust ist sogar umso größer, je größer der Temperaturunterschied zwischen Innen- und Außentemperatur ist. Halte ich die Temperatur in der Wohnung bei 20 Grad, ist der Wärmeverlust höher als wenn ich die Heizung ausstelle. Ein Loch ist im Eimer Man kann das Prinzip mit einem Eimer vergleichen, der an der Seite einen Riss hat, sodass er immer wieder Wasser verliert. Wenn der Pegel im Eimer konstant bleiben soll, muss immer etwas Wasser nachfließen, sonst läuft er leer. Wenn ich den Eimer aber eine Zeitlang nicht brauche, wäre es dumm, den Pegel in der Zwischenzeit konstant zu halten. Wenn ich den Eimer einfach stehen lasse, ohne dass Wasser nachfließt, verliert der Eimer Wasser – aber höchstens so viel, wie drin ist. Und je weniger drin ist, desto weniger verliert er auch. Am Schluss brauche ich zwar viel Wasser, um ihn wieder aufzufüllen, aber nie so viel, wie wenn ich den Pegel konstant gehalten habe. Vorsicht Schimmelbildung So ist das bei der Heizung auch. Deshalb ist es rein energetisch gesehen günstiger, die Heizung beim Verlassen der Wohnung oder auch im Urlaub komplett abzustellen. Allerdings sprechen zwei Gründe dafür, doch ein gewisses Temperaturniveau zu halten: Abgestellte Heizungsrohre, vor allem, wenn sie schlecht isoliert sind, können bei Frost kaputtgehen. Wenn warme Raumluft abkühlt, kondensiert Feuchtigkeit an den Wänden, was zu Schimmelbildung führen kann. Deshalb raten Expertinnen und Experten, die Raumtemperatur in den Wohnräumen, die sonst warm sind, nicht unter 15 bis 16 Grad sinken zu lassen. Denn sonst besteht die Gefahr, dass das, was man an Energiekosten vermeintlich spart, hinterher wieder für Renovierungsarbeiten draufgeht. Sonderfall Fußbodenheizung Fußbodenheizungen sind ein Sonderfall. Denn sie reagieren sehr langsam. Nach dem Abschalten kann der Boden Stunden brauchen, bis er abkühlt. Und oft dauert es ebenso lang, um wieder die Regeltemperatur zu erreichen. Das ist nur sinnvoll, wenn man diesen zeitlichen Verzug beim Verlassen der Wohnung einkalkuliert und die Zeitschaltung entsprechend plant.

  20. Materie verdünnt sich, Wellenlänge der Strahlung wird gedehnt Das Universum wird durch die Ausdehnung kälter. Alle Galaxien streben voneinander weg, und damit dehnt sich das Universum aus. Alle Materie verdünnt sich, und die Wellenlänge der Strahlung, die im Universum vorhanden ist, wird auseinander gedehnt. Strahlung mit einer längeren Wellenlänge hat gewissermaßen Energie verloren. Man kann dem Universum eine Temperatur zuordnen. Früher war die sehr hoch, Millionen Grad. Sie hat sich jetzt so weit abgekühlt, dass das Universum eine Temperatur von -270°C hat. Sie liegt also 3°C über diesem absoluten physikalischen Nullpunkt. Und das wird immer weniger werden. Wohin diese Energie geht, ist unklar. Es ist nämlich nicht klar, ob auf den Kosmos bezogen der Energieerhaltungssatz gelten soll. Man weiß nicht, ob man dem Universum überhaupt eine gewisse Energiemenge absolut zuordnen kann. Denn nur unter dieser Bedingung könnte man die Frage formulieren: Wohin geht diese Energie? Wir können nur Folgendes feststellen: Das Universum war früher heißer, es kühlt immer mehr ab und es wird sich weiterhin abkühlen. Das ist alles, was wir sagen können. Wohin die Energie geht, ist tatsächlich eine knifflige Frage.