Auf den Punkt

Süddeutsche Zeitung
237823.10.2026
Beschreibung
Die Nachrichten des Tages – von der Süddeutschen Zeitung als Podcast auf den Punkt gebracht. Bleiben Sie auf dem Laufenden mit aktuellen Meldungen, Interviews und Hintergrundberichten. Kostenlos und immer aktuell: Sonntags bis freitags um 17 Uhr, samstags um 7 Uhr. Zusätzlich gibt es werktags um 7 Uhr ein kurzes Nachrichten-Update.
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Episoden
  1. "Bloß nicht langweilen", ist der aktuelle Claim des Rundfunks Berlin-Brandenburg. Und langweilig ist es beim RBB seit zwei Monaten nicht mehr. Ende Juni hat das Online-Magazin Business Insider erstmals über Ungereimtheiten in der Chefetage des RBB berichtet. Die inzwischen geschasste Intendantin und die Führungsetage sollen sich Boni weit über ihre Jahresgehälter hinaus zugeschanzt haben. Zudem gibt es Berichte über gediegene Abendessen privater Natur, die aber über den Sender als Geschäftsessen abgerechnet worden sein sollen. Außerdem geht es unter anderem um Schlesingers mondänen Dienstwagen, die Luxusrenovierung der Chefetage sowie Beraterverträge auch für Schlesingers Ehemann. Offenbar haben die Kontrollinstanzen des RBB versagt. Aber: Es gilt die Unschuldsvermutung, Schlesinger und andere bestreiten die Vorwürfe. "Der RBB ist ein Laden, bei dem die Tür offen stand und man nicht genau weiß, was in der Zeit passiert ist, als die Tür offen stand", sagt SZ-Medienredakteurin Claudia Tieschky. Ihre fristlosen Kündigung sei mit dem Verlust des Vertrauens begründet worden. Und wichtig sei gewesen, "der Öffentlichkeit zu signalisieren, dass es keine Abfindung für sie geben wird". Dabei sei juristisch völlig unklar, was von den Vorwürfen Bestand haben wird. Derzeit prüfen das die Generalstaatsanwaltschaft Berlin, Anwälten und nicht zuletzt die Journalisten des RBB selbst. Der einhellige Vertrauensentzug ARD-Intendantinnen und -Intendanten sei "ein einmaliger Vorgang". Aber sie habe "auch den Verdacht, dass man damit sagen wollte, das was im RBB passiert, das hat mit uns gar nichts zu tun", sagt Tieschky. Grundsätzlich sei es ein Problem, dass "die ARD so hermetisch wirkt", "extrem undurchsichtig ist" und man kaum verstehe, wie die öffentlich-rechtlichen Sender kontrolliert würden. "Ich glaube, die Leute brauchen einfach Klarheit. Die Beitragszahler, die jeden Monat das Geld überweisen wollen wissen, dass damit nicht Verschwendung stattfindet." Weitere Nachrichten: Ukraine-Krieg, Urteile im Fall Lübcke bestätigt. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried Produktion: Benjamin Markthaler Zusätzliches Audiomaterial über RBB, NDR, ARD

  2. Vom 22. bis zum 26. August 1992 tobt in Rostocker Stadtteil Lichtenhagen ein rechter Mob. Der Zorn von Hunderten entlädt sich gegen Geflüchtete, die dort seit Wochen vor der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber campieren. Erst fliegen Steine, dann Molotowcocktails, Bürger applaudieren. Nachdem die Unterkunft geräumt ist, richtet sich die Wut gegen das benachbarte Wohnheim vietnamesischer Vertragsarbeiter. Das Haus wird gestürmt, Feuer gelegt. Eine völlig überforderte Polizei kapituliert, die Feuerwehr ist hilflos. 150 Menschen sind in Todesangst. Nur knapp entkommen sie über einen Notausgang aufs Dach dem Tod. Erst nach vier Tagen und Nächten des Pogroms bekommt ein massives Polizeiaufgebot die Lage unter Kontrolle. "Das aggressive Grundrauschen, das immer mehr anschwoll", habe sie schon in ihrer Kindheit erlebt, sagt die gebürtige Rostockerin und SZ-Redakteurin Ulrike Nimz. Lichtenhagen sei deshalb auch so "ein Fanal" gewesen, "weil das Versagen von Politik und Behörden so allumfassend war". Auch habe der damalige Kanzler Helmut Kohl (CDU) von einem Staatsnotstand beim Thema Asyl gesprochen. Man habe danach die Gelegenheit genutzt, um das Asylrecht zu verschärfen. "Das grenzt natürlich an Täter Opfer Umkehr. Und was noch viel schlimmer ist: Aus Sicht der Täter war Lichtenhagen ein Erfolg." Lichtenhagen erschien "wie ein Solitär". Aber bereits ein Jahr zuvor gab es in Hoyerswerda ähnliche Ausschreitungen. "Bürger konnten Seite an Seite mit Neonazis Steine schmeißen." Auch habe es die Morde von Mölln und Solingen und vor zwei Jahren in Hanau gegeben. "Von Einmaligkeit kann man ganz und gar nicht sprechen." Teilweise gebe es einen "Reflex, das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen zu einer Sache zu machen, die nichts mit den Rostock zu tun" habe. Es seien angereiste Neonazis gewesen. "Das stimmt teilweise, aber eben nicht nur. Also gerade am Anfang waren es Lichtenhagen und Rostocks Bürger, die da standen, geklatscht haben, als wäre das ein Happening." Die Erfahrung der Selbstermächtigung, das Erbe von Lichtenhagen, wirke bis heute bei diesen Leuten. "Die haben gelernt, dass man nur Steine schmeißen und ein paar Mollis basteln muss, um zu bekommen, was man will, nämlich eine vermeintlich ausländerfreie Stadt." Wichtig sei Zivilcourage um eine Wiederholung zu verhindern, aber auch konsequente Strafverfolgung und konsequente Ahndung von rassistischen Übergriffen - auch im Internet. Weitere Nachrichten: Neue Corona-Regeln, Missbrauchsfall im Trierer Bistum fehlt in Zwischenbericht. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Franziska von Malsen Produktion: Immanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über Spiegel TV

  3. Besonders Robert Habeck hat sich seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine als Weltreisender bei der Suche nach Energie-Alternativen hervorgetan. Jetzt ist der grüne Wirtschaftsminister gerade mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) und einer deutschen Wirtschaftsdelegation für drei Tage in Kanada. Der Krieg in der Ukraine macht das riesige Land plötzlich auch für die deutsche Industrie äußerst interessant. Die Aussage dieser langen Reise von Scholz und Habeck ist: "Wir nehmen Kanada sehr ernst und wichtig", sagt Daniel Brössler, Berlin-Korrespondent der SZ. Er begleitet den Kanzler und Wirtschaftsminister. Kanada sei wie Russland ein ressourcenreiches Land, "nur ist es eben eine Demokratie", sagt Brössler. Die bestehende Partnerschaft solle ausgebaut werden. Kanada solle helfen, "das auszugleichen, was durch den Krieg in der Ukraine wegfällt". In Neufundland schaut sich die Delegation auch die Entwicklung der Energiegewinnung aus Wasserstoff an. "Die Hoffnung ist, dass 2025 das schon ernsthaft losgehen könnte mit Lieferungen aus Kanada." Allerdings müsse dafür die Infrastruktur erst noch geschaffen werden. Die Terminals, die gerade in Deutschland schon für LNG-Flüssiggas gebaut werden, sollen künftig auch für Wasserstoff nutzbar sein. Derzeit sei Kanada noch ein riesiger Produzent von fossilen Brennstoffen, aber auch Kanada will auf saubere Energie umsteigen. Bislang hieß es, dass Flüssiggas-Lieferungen über den Atlantik unrentabel seien. Aber angesichts der Gaspreise in Europa wolle der kanadische Premier Justin Trudeau die Möglichkeiten dafür nochmals prüfen lassen. In Kanada gebe es aber auch Kritik, weil dort eigentlich Konsens bestehe, von den fossilen Brennstoffen weg zu wollen. Und, weil auch dort die Technologie des Fracking sehr umstritten ist. Den Link zum Aktuellen Lexikon über Wasserstoff finden Sie hier und den Link zum Abschied von Anthony Fauci hier. Weitere Nachrichten: Arbeitnehmer verdienen weniger, gute Ernte trotz Dürre, Fauci tritt ab. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried, Nadja Schlüter Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über dpa

  4. An diesem Mittwoch dauert der russische Angriff auf die Ukraine genau sechs Monate an. Aber der 24. August hat für die Menschen in der Ukraine noch eine andere Bedeutung. Seit 1991 feiern sie an diesem Tag nämlich ihre Unabhängigkeit. Damals hatte das Parlament fast einstimmig den Austritt aus der UdSSR erklärt. In der Ukraine befürchten deshalb viele, dass es an diesem Tag zu mehr Angriffen kommen könnte – weil Russland so seine Macht demonstrieren will. Aktuell wird vor allem im Donbass im Osten und im Süden der Ukraine gekämpft. Dort steht auch das Atomkraftwerk Saporischschja. Aber diese Woche werden auch Raketenangriffe auf Städte abseits der Front erwartet. Davor hat der ukrainische Präsident Selenskij in einer Videobotschaft gewarnt. SZ-Redakteur Christoph Koopmann sagt, dass der Krieg nach einem halben Jahr festgefahren ist. Er erwartet aber auch nicht, dass sich die Situation bald lösen könnte: “Beide Seiten lassen keine Bereitschaft erkennen, über einen Waffenstillstand oder ein Ende des Kriegs zu verhandeln.” Die Gefahr von vermehrten Anschlägen in dieser symbolträchtigen Woche hält er für real. Deshalb gibt es in vielen großen ukrainischen Städten Ausgangsbeschränkungen. Weitere Nachrichten: Anschlag auf Putin-Unterstützerin, Bundesbank erwartet Rezession. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Laura Terberl Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über The presidential office of Ukraine

  5. Molkereien beziehen 80 Prozent ihrer Energie aus Gas. Ein Gas-Lieferstopp könnte die ganze Branche also in eine schwere Krise stürzen. SZ-Reporter Josef Wirnshofer hat sich angeschaut, wie sich die Unternehmen auf den Ernstfall vorbereiten. Wirnshofer sagt, die Molkerei Berchtesgadener Land horte gerade alles: Öl, Flaschen, Deckel, Europaletten. Denn wenn die Energie knapp wird, fehlt es an allem. “Man muss sich so eine Molkerei wie ein Uhrwerk vorstellen – sobald ein Rädchen streikt, funktioniert das ganze Werk nicht.” Vor allem für die Kühlung der Milch wird extrem viel Energie gebraucht. Und die kommt eben vor allem aus Gas. Um das notfalls ersetzen zu können, hat die Molkerei außerdem eine Million Liter Heizöl gekauft, die im Notfall so schnell wie möglich zum Werk gebracht werden. “Das reicht dann ungefähr für 40 bis 50 Tage,” so Wirnshofer. Im schlimmsten Fall müssten die Bauern allerdings Milch wegschütten – denn dann würde die Produktion in den Molkereien stillstehen und die Milch nicht transportiert werden können. Wirnshofer schätzt aber, dass die Lebensmittelbranche bei akuter Gasknappheit wahrscheinlich entsprechend priorisiert versorgt werden würde: “Da geht es dann um die Versorgung der Bevölkerung.” Weitere Nachrichten: Scholz bestreitet Einflussnahme im Cum-Ex-Skandal, Apple warnt vor Sicherheitslücken. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Antonia Franz, Nadja Schlüter Produktion: Imanuel Pedersen

  6. Für nur 9 Euro im Monat konnte im Juni, Juli und August jeder und jede den Regionalverkehr in ganz Deutschland nutzen: Ein so großes Verkehrexperiment hat es in Deutschland lange nicht gegeben. In zwei Wochen endet es und auf den ersten Blick war es ein großer Erfolg. 38 Millionen 9-Euro-Tickets wurden verkauft. Aber wem hat die Aktion tatsächlich geholfen – dem Klima, der Gesellschaft oder nur dem Geldbeutel? Hat das Ticket für soziale Teilhabe gesorgt? Sind mehr Menschen vom Auto auf den ÖPNV umgestiegen? Und: Was kommt eigentlich danach? Immerhin wünscht sich eine Mehrheit der Bevölkerung eine Fortsetzung. „Für den Klimaschutz hat das Ticket relativ wenig gebracht“, sagt Christina Kunkel, die für die SZ über Mobilität berichtet. Es seien vor allem zusätzliche Fahrten mit der Bahn unternommen worden. Die Züge waren also voller als sonst – und die Straßen immer noch genauso voll. Aber für viele Menschen, die sonst teure Monatsabonnements für den ÖPNV zahlen, sei das Ticket eine große finanzielle Entlastung gewesen. Für eine Fortsetzung müsse nun vor allem die Frage geklärt werden, wie ein Nachfolgeprojekt auf Dauer finanziert werden könnte. Links zu den Inhalten über den Fall Genditzki: https://www.sueddeutsche.de/panorama/sz-podcast-das-thema-fall-genditzki-mord-oder-justizskandal-1.4605485 https://www.sueddeutsche.de/bayern/justiz-badewannenmord-genditzki-mord-1.5640894 Weitere Nachrichten: Masern-Impfpflicht verfassungsgemäß, Mehrwertsteuer auf Gas soll sinken. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Laura Terberl, Nadja Schlüter Produktion: Benjamin Markthaler Zusätzliches Audiomaterial über jung&naiv

  7. Die aktuelle Bilanz des Fischsterbens in der Oder: hundert Tonnen tote Fische. Eine riesige Umweltkatastrophe. Mittlerweile sind schon 500 von 800 Flusskilometern betroffen. Auch ein Abschnitt an der Grenze zwischen Deutschland und Polen, der sogar Naturschutzgebiet ist. Das jetzt zum Katastrophengebiet geworden ist. Warum so viele Fische in dem Fluss zwischen Deutschland und Polen sterben, das ist immer noch nicht klar. Viktoria Großmann, SZ-Korrespondentin in Polen, sagt: “Das Problem ist, dass die Forscher nicht wissen, wonach sie suchen sollen.” Es sei aber davon auszugehen, dass mehrere Faktoren zusammenkommen – und vor allem die Trockenheit und der niedrige Wasserstand der Oder die Probleme noch verstärkt haben. Die polnischen Behörden hätten die Probleme außerdem zu lange heruntergespielt, so Großmann. Aktuell werde vor allem versucht, die toten Fische aus dem Wasser herauszuholen und durch Ölsperren nicht ins Stettiner Haff gelangen zu lassen. Link zum Text zur Olympia-Bewerbung: https://www.sueddeutsche.de/meinung/european-championships-muenchen-olympische-spiele-joachim-herrmann-ioc-1.5640180 Weitere Nachrichten: Scholz bedauert späte Reaktion auf Abbas-Äußerungen, Trump-Kritikerin Cheney verliert Vorwahlen. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Antonia Franz, Nadja Schlüter Produktion: Justin Patchett Zusätzliches Audiomaterial über ARD

  8. 16.08.202212 Min.

    Die Gasimporteure haben gerade eine unangenehme Sandwichposition: Sie müssen das Gas, das sie normalerweise aus Russland beziehen, teuer am Weltmarkt einkaufen. Teilweise um fast das Dreifache wie vor dem russischen Überfall auf die Ukraine. Sie können die höheren Kosten aber nicht an ihre Kunden weitergeben, da sie langfristige Lieferverträge haben. Um die Importeure zu entlasten, soll es jetzt ab Oktober die Gasumlage geben. Sie wird Millionen deutscher Gaskunden um mehrere Hundert Millionen Euro belasten. Und das, obwohl die Gaspreise sowieso schon steigen. Michael Bauchmüller, Redakteur im Parlamentsbüro der SZ, erklärt im Podcast, warum die Umlage trotzdem ein notwendiges Übel ist - und mögliche Alternativen noch ungerechter gewesen wären. Weitere Nachrichten: Amokfahrer von Trier verurteilt, Rekord-Tiefstände im Rhein. Wie Mieter Energie sparen können. Moderation, Redaktion: Laura Terberl Redaktion: Antonia Franz Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über Reuters

  9. Vor einem Jahr haben die Taliban in Afghanistan wieder die Macht übernommen – nach einem 20 Jahre langen Einsatz des Westens. Der Abzug der Truppen verlief besonders zum Schluss chaotisch – und viele Ortskräfte konnten nicht rechtzeitig evakuiert werden. SZ-Redakteur Tobias Matern sagt, dass es heute schwierig ist, mit Menschen in Afghanistan Kontakt zu halten. Viele fürchten Repressalien der Taliban. Die hätten im vergangenen Jahr ein rigoroses Regime installiert und vor allem die Rechte von Mädchen und Frauen stark eingeschränkt. Matern zieht deshalb ein ernüchterndes Fazit aus dem Einsatz: “Die vielen Milliarden Dollar und Euro, die nach Afghanistan geflossen sind, die zahlreichen Menschenleben, die geopfert wurden während dieses 20-jährigen Krieges auf allen Seiten, die stehen in keinerlei Verhältnis zu dem, was jetzt rausgekommen ist.” Weitere Nachrichten: Bundeswehreinsatz in Mali ausgesetzt, Habeck kündigt Energiesparvorschriften an. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Laura Terberl Produktion: Justin Patchett Zusätzliches Audiomaterial über ARD, CNN und Deutschlandfunk

  10. Kanzler Olaf Scholz hat am Donnerstag die Tradition der Sommer-Pressekonferenzen fortgesetzt und zu allen aktuellen Fragen Stellung bezogen. Dabei lobt er die Steuerentlastungspläne von Bundesfinanzminister Christian Lindner - auch wenn die bei den Grünen und SPD auf Kritik stoßen. Gleichzeitig betont Scholz die Versuche seiner Regierung, die Energieversorgung sicherzustellen und bestreitet jegliche politische Einflussnahme im Fall der Cum-Ex-Affäre um die Hamburger Warburg Bank - auch von ihm persönlich. SZ-Redakteur Stefan Braun findet, dass Olaf Scholz bei der Pressekonferenz insgesamt einen sehr erschöpften Eindruck macht. Scholz bemüht sich offenbar, nahbar zu wirken und Klartext zu reden - kommt aus seiner "Scholzomat"-Rolle aber nicht so wirklich raus. Im Podcast erklärt Braun, welche Fehler Scholz in den letzten Monaten gemacht hat und was ihn bei der Pressekonferenz am meisten überrascht hat. Weitere Nachrichten: Verluste bei Siemens, viele Ärztinnen und Ärzte sind unzufrieden. Moderation, Redaktion: Laura Terberl Redaktion: Tami Holderried, Joschka Moravek Produktion: Justin Patchett _Zusätzliches Audiomaterial über phoenix _

  11. In den vergangenen Tagen wurden neue Details im Zusammenhang mit den Untersuchungen zur Cum-Ex-Affäre öffentlich: E-Mails von Bundeskanzler Scholz wurden durchsucht. Im Bankschließfach eines ehemaligen SPD-Politikers wurden 200 000 Euro gefunden. Und eine Hamburger Finanzbeamtin soll in einem Chat über einen “teuflischen Plan” geschrieben haben. Einer der größten deutschen Steuerskandale ist also aktuell wieder im Fokus und neben der juristischen Aufarbeitung läuft nun auch die politische weiter: Am 19. August soll Olaf Scholz das nächste Mal vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Hamburger Senat als Zeuge aussagen. Er war 2016 und 2017, als der in Cum-Ex-Geschäfte verwickelten Warburg-Bank mutmaßlich von der Hamburger Finanzverwaltung geholfen wurde, Bürgermeister der Hansestadt. Wie er und weitere politische Akteure in die Affäre verwickelt sein könnten, das erklärt SZ-Korrespondenten Peter Burghardt. Bei den Untersuchungen, sagt er, kämen immer wieder neue, merkwürdige Details ans Licht. Weitere Nachrichten: Entlastungspaket von Christian Lindner (mehr dazu unter diesem Link); Angriffe auf die Krim. Moderation, Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Redaktion: Nadja Schlüter Produktion: Imanuel Pedersen

  12. Der Krieg in der Ukraine dauert bereits mehr als fünf Monate. Seit diesem Wochenende steht nun auch wieder Europas größtes Kernkraftwerk im Fokus. Das steht in Saporischschja, im Südosten der Ukraine, und zuletzt sollen dort immer wieder Geschosse und Raketen eingeschlagen haben. Wie gefährlich ist die Lage also? Das erklärt in dieser Episode von „Auf den Punkt“ der SZ-Politikredakteur Christoph Koopmann. Experten würden ihm zufolge davon ausgehen, dass die wichtigsten Gebäude auch Raketen oder Geschossen bis zu einem gewissen Maß standhalten dürften. Doch die Lage sei sehr angespannt – gerade auch für Menschen, die auf der Anlage noch arbeiten müssen. Weitere Nachrichten: Kämpfe in der Ukraine; Militärmanöver Taiwan; Durchsuchung bei Trump. Moderation, Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Redaktion: Nadja Schlüter, Antonia Franz Produktion: Jakob Arnu

  13. Am Freitag ging es los mit der sogenannten “Operation Morgengrauen”. Da tötete die israelische Armee mit einem gezielten Militärschlag in Gaza-Stadt den Militärchef des Islamischen Dschihad. Es folgten weitere Angriffe auf hochrangige Mitglieder der Terrororganisation. Die Terrororganisation hat natürlich auch direkt auf die Angriffe reagiert. Laut israelischen Angaben sind seit Freitag mehr als 900 Raketen auf Israel abgefeuert worden. Rund 160 sollen fehlgeleitet im Gazastreifen selbst eingeschlagen haben. Nach palästinensischen Angaben wurden mindestens 44 Menschen bei den israelischen Angriffen getötet, darunter mehrere Kinder. Mehr als 360 Menschen sollen verletzt worden sein. In Israel gab es mindestens drei Verletzte. In der Nacht zum Montag trat dann kurz vor Mitternacht eine von Ägypten vermittelte Waffenruhe in Kraft. Was die erneuten Angriffe für die Region bedeuten, darüber spricht im Podcast SZ-Expertin Alexandra Föderl-Schmid: “Das Ziel war durch gezielte Tötungen den militärischen Arm des Islamischen Dschihad zu treffen. Und nachdem, was man bisher weiß, ist zumindest das gelungen. Aber natürlich um den Preis, dass auch Zivilisten umgebracht worden sind.” Weitere Nachrichten: Schröder darf in SPD bleiben; US-Klimapaket. Moderation, Redaktion: Antonia Franz Redaktion: Tami Holderried Produktion: Imanuel Pedersen

  14. Zum zweiten Mal seit Beginn des Ukraine-Kriegs treffen sich Russlands Präsident Putin und der türkische Staatschef Erdoğan. Die Türkei will auch im Ukraine-Krieg vermitteln. SZ-Korrespondent Tomas Avenarius sagt, am Ukraine-Konflikt zeige sich die ganze “paradoxe Politik” von Erdoğan: “Er steht offiziell zur Ukraine im Angriffskrieg Russlands, hat aber gleichzeitig beste Beziehungen zu Moskau.” Die Türkei betreibe eine Schaukelpolitik – mit dem Ziel, immer das Beste für sich selbst rauszuholen. Beim aktuellen Treffen in Sotschi geht es um den Ukraine-Krieg, aber auch um die Konflikte in Syrien und Bergkarabach. Dabei will Erdoğan von Putin die Erlaubnis, eine neue Militäroffensive in Syrien zu starten. Putin wiederum erhofft sich, dass die Türkei Kampfdrohnen an Russland liefert. Avenarius sagt: “Ich glaube nicht, dass Erdoğan diese Drohnen nach Russland liefern wird.” Beiden Kriegsparteien Waffen zu liefern – das ginge nicht. Aber: Über die Energiefrage könne Putin enorm Druck auf die Türkei ausüben. Denn auch an die Türkei liefert Russland wichtiges Gas. Link zum Podcast “Vor aller Augen”: https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/vor-aller-augen-podcast-serie-ueber-sexuelle-gewalt-an-kindern-e000844/ Weitere Nachrichten: Sanktionen gegen Pelosi, Feuer in Berlin großteils unter Kontrolle. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Jakob Arnu

  15. Nach einigen Wochen mit zähen Verhandlungen hat die Bundesregierung einen Entwurf für das neue Infektionsschutzgesetz vorgestellt. Darin stehen Maßnahmen, die Deutschland sicher durch den Corona-Herbst und -Winter bringen sollen. Einerseits sollen von Oktober bis Ostern wenige bundesweite Regeln gelten: Dazu gehört insbesondere die FFP2-Maskenpflicht im Fernverkehr und bei Flügen. Wer in Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen will, muss sich außerdem testen lassen. Die Maskenpflicht entfällt wiederum für Menschen, die frisch geimpft oder genesen sind. Sollte das Infektionsgeschehen im Land zunehmen, sollen zusätzliche Maßnahmen in Kraft treten. Welche, das erklärt in dieser Folge von „Auf den Punkt“ Angelika Slavik, die für die SZ aus Berlin über Gesundheitspolitik berichtet. Sie spricht auch über die Schwachstellen des Gesetzesentwurfs und die Rolle der Bundesländer. Weitere Nachrichten: Brand in Berlin; Chinesische Militärübung vor Taiwan; Söder und Merz bei Isar 2 Moderation, Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Redaktion: Tami Holderried Produktion: Imanuel Pedersen

  16. Am Dienstagabend ist die US-Politikerin Nancy Pelosi in Taiwan gelandet. China hatte die USA vorher ausdrücklich vor einem solchen Besuch gewarnt. Und Pelosi war nicht nur vor Ort: Sie hat Taiwan auch ganz konkret die Unterstützung der USA angesichts der Bedrohung durch China versprochen. Das ist für China eine riesige Provokation. Die chinesische Führung sagt, dass Taiwan zu ihnen gehört und hat auch direkt auf Pelosis Besuch reagiert: Die chinesische Armee hat gezielte Manöver und Schießübungen in Meeresgebieten um Taiwan gestartet. Kriegsschiffe sind nahe der Küste patrouilliert und Flugzeuge und Kampfjets in Taiwans Luftüberwachungszone geflogen. Und: China hat auch die Geschäfte mit Taiwan teilweise ausgesetzt. SZ-China-Experte Florian Müller sagt: Eine Seeblockade Taiwans hätte für die Weltwirtschaft schlimmere Auswirkungen als die Corona-Pandemie. Denn in Taiwan werden wichtige Halbleiter hergestellt. Wird der Handel zwischen China, Taiwan und den USA unterbrochen, würden ganze Lieferketten zusammenbrechen. Eine militärische Eskalation hält er aber aktuell für wenig wahrscheinlich. Weitere Nachrichten: Scholz besichtigt Gasturbine, Infektionsschutzgesetz. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Antonia Franz, Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über The Guardian

  17. Die USA haben den Al-Qaida-Anführer Aiman al-Zawahiri getötet. Er sei schon am Wochenende bei einem Drohnenangriff ums Leben gekommen, so US-Präsident Joe Biden am Montag. Lange wusste man nicht, wo er ist. Aber Anfang dieses Jahres habe es laut Biden Hinweise darauf gegeben, dass er sich in Kabul aufhält. Und dort sei er dann auch am 31. Juli um 6:18 Uhr morgens Ortszeit getötet worden. Zawahiri war lange Zeit der Stellvertreter von Osama bin Laden. Und Biden sagt, er sei auch tief in die Planungen der Terroranschläge vom 11. September 2001 involviert gewesen. Bin Laden, den hatten die USA 2011 getötet. SZ-Experte Tobias Matern sagt: Zawahiris Tod sei ein “schwerer Rückschlag” für die Taliban. Die Terrororganisation sei auf charismatische Köpfe wie ihn angewiesen – und verliere sowieso an Macht und Strahlkraft. Dass Zawahiri sich mitten in Kabul aufgehalten hat zeigt laut Matern, dass die Taliban durchaus noch Terroristen Unterschlupf gewähren. Obwohl das eigentlich im Abkommen von Doha ausgeschlossen worden war. Das belaste das Verhältnis zu den USA schwer. “Die Taliban haben einen schweren strategischen Fehler begangen,” so Matern. Link zum Podcast “The Great Firewall”: https://www.sueddeutsche.de/thema/The_Great_Firewall_Podcast Weitere Nachrichten: Getreideexport aus der Ukraine läuft an, Ärger um Pelosis Asienreise Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über The White House

  18. Noch überwiege die Traurigkeit. So hat das Martina Voss-Tecklenburg, die deutsche Bundestrainerin, nach dem verlorenen Finale der Fußball-EM gesagt. Das 2:1 der Engländerinnen in der 110. Minute hatte die Träume vom deutschen Titel kurz vorher beendet. In einem Jahr sei aber schon Weltmeisterschaft, so Voss-Tecklenburg, und viele Spielerinnen habe die Europameisterschaft nochmal vorangebracht. Am Ende fällt die sportliche Bilanz des Turniers auch bei Expertinnen und Experten sehr positiv aus. Und vielleicht noch wichtiger: genauso die gesellschaftliche. Nach Rekordzahlen bei den Zuschauerinnen und Zuschauern vor Ort und bei den Fernsehübertragungen, ist die Hoffnung groß, dass der Hype jetzt auch in die Bundesliga und die kleinen Sportvereine überschwappt. Doch wie realistisch ist das und was muss dafür passieren? Das erklärt in dieser Folge Anna Dreher, die die vergangenen vier Wochen aus England über die Fußball-EM berichtet hat. Besonders von den Europameisterinnen aus England und deren Verband könne der DFB demnach etwas lernen. Die neue Folge von "Und nun zum Sport" finden Sie hier. Den SZ-Beitrag zu Reisen und Corona-Regeln, können Sie hier sehen. Weitere Nachrichten: Erste Getreideexporte aus der Ukraine; Spannungen zwischen Serbien und Kosovo; Corona und Reisen. Moderation, Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Redaktion: Tami Holderried und Miriam Dahlinger Produktion: Justin Patchett Zusätzliches Audiomaterial über die UEFA

  19. Zwei Stunden und 17 Minuten soll das Telefonat der Staatschefs von China und den USA gedauert haben. Eigentlich ja viel Zeit, in der man so einiges besprechen kann. Aber was Xi Jinping und Joe Biden da jetzt besprochen haben, das wissen wir nur grob. Details wurde nämlich kaum bekannt. Zentrale Message ist vllt auch einfach die: Sie reden miteinander. Das letzte Telefonat war im März, da hat Biden Xi davor gewarnt, Russland im Krieg gegen die Ukraine zu unterstützen. Bei dem Telefonat jetzt ging es vor allem um Taiwan. Denn Nancy Pelosi, Bidens Parteifreundin und Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, will dort hinfahren. Deshalb war es diesmal Xi, der Biden gewarnt hat: Wenn Pelosi tatsächlich fährt, dann sei das in den Augen Chinas eine Provokation. SZ-Korrespondentin Lea Sahay erklärt, warum Taiwans Status für China so eine große Rolle spielt und ob es zu einer Konfrontation mit den USA kommen könnte. “Der größte Grund, warum Taiwan China überhaupt so ein Dorn im Auge ist, ist ja, dass die chinesische Regierung sagt: Demokratie ist nichts Chinesisches”, sagt Sahay. Und wenn Taiwan dann daherkomme mit der Aussage: Wir sollen mal ein Teil von euch gewesen sein, wir sprechen Chinesisch, wir sehen aus wie ihr und Demokratie funktioniert bei uns ganz super, dann sei das eben ein Problem und eine Bedrohung für Xi. Den Text über das Urteil zu gendersensiblen Sprache finden Sie hier.

  20. In Europa brennt es wie schon lange nicht mehr. Diese Saison ist aus zwei Gründen außergewöhnlich: Die Feuer in Europa brennen deutlich früher als sonst. Und sie vernichten mehr Landflächen. Nicht nur in Frankreich, Spanien und Griechenland, sondern auch hierin Deutschland. SZ-Reporter Benjamin von Brackel war gerade in Brandenburg, wo die Feuer derzeit besonders wüten. Er sagt: Dort herrschen ideale Bedingungen für Waldbrände. Zum einen sei es dort generell sehr trocken. Zum anderen “gibt es dort vor allem Kiefernforste. Die brennen wie Zunder.” Die Waldbrandgefahr liegt laut von Brackel auch am Wald selbst. Die Ursache für einen Waldbrand sei am Ende aber meistens der Mensch selbst: “Camper oder Besucher, die ein Lagerfeuer nicht richtig auslöschen. Oder eben eine weggeworfene Zigarette.” Von Brackel sagt auch, dass die Feuerwehren vor immer neue Herausforderungen gestellt würden: “Heute gibt es eigentlich kein Patentrezept mehr.” Deutschland müsse sich aber auf weitere Brände in der Zukunft einstellen, da der Klimawandel das sogenannte Feuerwetter begünstige. Deshalb müssten die Feuerwehren besser ausgestattet und die Wälder anders zusammengesetzt werden. Weitere Nachrichten: Gasumlage, Erdüberlastungstag Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb, Charlotte Honold Produktion: Carlo Sarsky