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- 27.07.202212 Min.
Mehr als zwei Millionen Menschen suchen in Deutschland Hilfe bei den Tafeln. Das sind so viele wie nie zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Bedürftigen verdoppelt. Es ist ein Konglomerat aus hohen Mieten, zu wenig staatlicher Hilfe, schlechter Bezahlung und geringer Rente, sagt Axel Schweiger vom Vorstand der Münchner Tafeln. Vor allem aber würden die aktuellen Preissteigerungen die Menschen in Schwierigkeiten bringen. Schweiger, 65, ist einer von mehr als 800 Helfern, die an mehr als 23 000 Menschen in Bayerns Hauptstadt jährlich etwa 6,5 Millionen Tonnen Lebensmittel verteilen. Neu seien die Geflüchteten aus der Ukraine dazugekommen, sagt Schweiger weiter. Zuvor habe die Corona-Pandemie auch Freiberufler, Studenten und alte Leute zu Hilfsbedürftigen gemacht. Auch sei inzwischen spürbar, dass die Spendenbereitschaft abnehme und Discounter knapper kalkulieren würden. "Der Staat versagt, da er sich nicht bewegt und zusieht, dass das Existenzminimum nicht mehr das Existenzminimum ist", kritisiert Schweiger. Auch würden die Entlastungspakete bei diesen Menschen nicht ankommen, das habe "nur eine Alibifunktion". Stattdessen müsste man "konkret die Gruppen stützen, die Schwierigkeiten haben." Die Regierenden müssten auch die "immer im Auge haben, die nichts einsparen können, weil sie eh schon nichts haben", so der ehrenamtliche Helfer. Weitere Nachrichten: Bundesregierung will Opfer des Olympia-Attentats von 1972 entschädigen, Impfpflicht gegen Masern. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried Produktion: Benjamin Markthaler
- 26.07.202211 Min.
Gazprom liefert immer weniger Gas über die Pipeline North Stream 1. Ab Mittwoch würden nur noch 20 Prozent der üblichen Menge Gas durch die wichtigste Versorgungsleitung nach Deutschland fließen. Grund sei die Reparatur einer weiteren Turbine. Doch das nimmt dem russischen Staatskonzern kaum jemand ab. Die EU-Staaten fürchten bald einen vollständigen Stopp der Lieferungen aus Russland. EU-Energie-Kommissarin Kadri Simson hat dazu aufgerufen, dass die EU-Staaten einheitlich und solidarisch zusammenstehen müssen. Am Dienstag haben die EU-Energieminister dafür einen Notfallplan auf den Weg gebracht. Dabei geht es vor allem ums Sparen. Wie kompliziert es ist, für das Gasproblem eine gemeinsame Lösung zu finden, zeigt beispielhaft ein Gasspeicher in Österreich, sagt SZ-Wirtschaftsredakteur Caspar Busse. Der Gasspeicher Heidach nahe Salzburg versorge vor allem Haushalte und die Industrie in Bayern. Doch in einer Mangelsituation ist "jeder natürlich erst mal auf sein eigenes Wohl angewiesen". Und auch Österreich benötige dringend Gas. Wie in Bayern gebe es "dort keine großen Häfen, wo Flüssiggas angeliefert werden kann". Dazu komme, dass es in Bayern nicht so viele Kohlekraftwerke wie in anderen Bundesländern gebe. Auch sei die Windenergie nicht so ausgebaut worden wie anderswo, weil die CSU den Ausbau gebremst habe. "Insofern ist Bayern jetzt in einer ernsten Lage." Weitere Nachrichten: Verdi-Warnstreik behindert Flugverkehr massiv, Würzburger Messerstecher kommt in die Psychiatrie. Unsere neue Serie “The Great Firewall” finden Sie hier. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Franziska von Malsen, Pauline Graf. Produktion: Imanuel Pedersen _Zusätzliches Audiomaterial über EU-Debattes.TV _
- 25.07.202213 Min.
Erst letzten Freitag haben Russland und die Ukraine ein Abkommen getroffen. Darin haben sie festgelegt, dass über 20 Millionen Tonnen Getreide aus den ukrainischen Häfen exportiert werden sollen. Aber schon am Samstag hat Russland die Abmachung gebrochen und den Hafen von Odessa angegriffen. SZ-Korrespondentin Cathrin Kahlweit sagt: “Es war klar, dass dieser Deal nicht lange halten wird.” Russland habe mit dem Abkommen versucht, sein Image auf der Weltbühne zu polieren und sich als seriösen Verhandlungspartner darzustellen. “Diese Narrativ funktioniert”, sagt Kahlweit. Tatsächlich habe der Kreml aber keinerlei Interesse daran, dass die Ukraine die angestaute Ernte exportieren kann. Im Gegenteil: “Russland hat ein Interesse daran, die Ukraine von Meerzugängen fernzuhalten.” Der Angriff auf Odessa war laut der Korrespondentin eine reine Machtdemonstration. Weitere Nachrichten: Streik bei Lufthansa, Scholz offen für AKW-Verlängerung. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Antonia Franz, Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Benjamin Markthaler Zusätzliches Audio-Material über ARD, ZDF
- 22.07.202212 Min.
Drei Atomkraftwerke erzeugen in Deutschland noch Strom. Sie alle sollen Ende 2023 vom Netz gehen – eigentlich. Denn in den vergangenen Wochen wird immer intensiver darüber diskutiert, ob die AKWs nicht doch noch weiterlaufen sollten. Wegen der aktuellen Gaskrise und weil deshalb auch der Strom im kommenden Winter knapp werden könnte. Aber könnten die Atomkraftwerke mögliche Engpässe überhaupt gut ausgleichen? SZ-Redakteur Christoph von Eichhorn sagt: “Nur sehr begrenzt.” Denn: Dass Strom diesen Winter kurzfristig knapp wird, hält er für unwahrscheinlich. Vielmehr fehle es an Gas – das Atommeiler wiederum nicht ersetzen könnten. Und er sagt auch: Um den Strom aus den Gaskraftwerken zu ersetzen eignen sich Braunkohlekraftwerke besser als Atomkraftwerke – auch wenn sie schlechter für das Klima sind. Denn der Weiterbetrieb der Atommeiler über 2023 hinaus würde viel Aufwand bedeuten: neue Brennstäbe, aufwendige Wartung und Sicherheitschecks. Außerdem müsste der Staat die komplette Verantwortung für die Kraftwerke übernehmen. Langfristig sei die einzige Lösung der Ausbau der erneuerbaren Energien. Weitere Nachrichten: Scholz zu Energiepolitik, Einigung bei Getreideexporten. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Laura Terberl, Antonia Franz, Charlotte Honold Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
- 21.07.202213 Min.
Jetzt tritt er also doch zurück: Italiens Ministerpräsident Mario Draghi. Nachdem er eigentlich schon letzte Woche seinen Rücktritt eingereicht hatte, dann aber von Staatspräsident Sergio Mattaralla wieder ins Parlament zurückgeschickt worden war. Nun ist aber auch Draghis zweiter Versuch gescheitert, die Mehrparteienregierung geschlossen hinter sich zu bringen. Am Ende sei es vor allem an einem wichtigen Gesetzespaket gescheitert, sagt Andrea Bachstein, SZ-Italien-Expertin. Das sei zumindest der offizielle Grund, warum drei der mitregierenden Parteien Draghi das Vertrauen verweigert hätten. Tatsächlich, sagt Bachstein, hätte es aber auch noch einen anderen Grund gegeben: “Die Rechtsparteien haben im Moment die größten Aussichten, Neuwahlen zu gewinnen.” Für Italien sei die Situation gefährlich: Die Regierung von Mario Draghi hätte trotz allem einige wichtige Reformen auf den Weg gebracht. Jetzt sei fraglich, ob das alles auch umgesetzt werde. Und auch über Italien hinaus sieht Bachstein negative Auswirkungen: Eine rechtsorientierte italienische Regierung sei für ganz Europa schlecht. Weitere Nachrichten: EZB erhöht Leitzins um 0,5 Prozentpunkte, Nord Stream 1 wieder in Betrieb. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Franziska von Malsen, Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über Prime Ministry of Italy
- 20.07.202212 Min.
Es ist das Ende der Nullzinsära, wenn die EZB am Donnerstag nach elf Jahren eine Zinserhöhung verkünden wird. Doch vor allem der rasante Anstieg der Energiepreise hat die Inflation im Euro-Raum auf ein neues Rekordniveau getrieben. Die US-Notenbank Fed hat viel früher auf die anhaltende Inflation mit höheren Zinsen reagiert. Die EZB hat das verschlafen, kritisiert Markus Zydra, SZ-Finanzkorrespondenten in Frankfurt am Main. Es gebe eine "goldene Zentralbank-Regel, wenn die Inflation steigt, dann muss die Notenbank den Leitzins hochsetzen". Die EZB sei die einzige der großen Notenbanken, die noch nicht erhöht habe. Dabei sei der Leitzins "die Elle der Geldwirtschaft". Banken werden ihre Zinsen erhöhen - schon die Ankündigung habe die Immobilien-Zinsen steigen lassen und Verbraucher-Kredite verteuert. Sehr wahrscheinlich werde es deshalb bald auch schon erste Verkäufe geben. "Denn viele Kredite wurden ja an Kunden vergeben, die Spitz auf Knopf praktisch ihre gesamten Finanzen kalkuliert haben." Manche Haushalte würden sich Finanzierung ihres Immobilienkredits bald nicht mehr leisten können. Allerdings sei dann auch die Zeit der Negativzinsen vorbei, sagt Zydra. Weitere Nachrichten: Gaslieferung aus Russland, Dieter Wedel tot. Den neuen Podcast “München persönlich” finden Sie hier. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried Produktion: Imanuel Pedersen
- 19.07.202210 Min.
In weiten Teilen Europas herrschen gerade Rekordtemperaturen. In Großbritannien steigen sie zum ersten Mal seit Beginn der Wetteraufzeichnungen auf mehr als 40 Grad Celsius. Auch Deutschland stöhnt unter hohen Temperaturen. Sozialverbände wie der VdK fordern Hitzeschutzpläne. An solchen Plänen hat Franziska Matthies-Wiesler vom Helmholtz Institut mitgearbeitet. Dies sei "ein Bündel von Maßnahmen, damit die Auswirkungen von Hitze auf die Menschen möglichst gering gehalten werden". Von der kommunalen Verwaltung bis zum Gesundheitswesen solle bei solchen Temperaturen zusammengearbeitet werden, um den Tod durch Hitze zu verhindern. Doch das sei in der Vergangenheit zu wenig passiert. "Deutschland hat sich nicht vorbereitet auf diese Hitzewelle", kritisiert Matthies-Wiesler. Besonders ältere Mitbürger und Mitbürgerinnen, Menschen mit Vorerkrankungen, aber auch für Säuglinge und Schwangere sei die Hitze gefährlich. Zentral ist der Klimaschutz, um solchen Extremwetterereignissen entgegenzuwirken. "Klimaschutz ist Gesundheitsschutz", sagt die Biologin. Weitere Nachrichten: Petersberger Klimadialog, Halbzeit 9-Euro-Ticket. Den Text von Dunja Ramadan darüber, was wir von Menschen in nordafrikanischen Ländern lernen können, für die diese Temperaturen ganz normal sind, finden Sie hier. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Franziska von Malsen, Joschka Moravek Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über BR1, BR2, BR3, BR 34, SWR 3, SWR1
Im Kampf gegen Corona scheint Gesundheitsminister Karl Lauterbach scheint zu denken "viel hilft viel" - und so empfiehlt der SPD-Politiker den zweiten "Booster" auch jungen Menschen. "Ist man zum vierten Mal geimpft, dann infiziert man sich nicht so schnell." Widerspruch kommt von der Ständigen Impfkommission. Denn die Stiko empfiehlt einen zweiten Booster bislang nur Über-70-Jährigen - und einigen anderen Risikogruppen. "Karl Lauterbach hat da seine persönliche Meinung propagiert", sagt auch SZ-Wissensredakteurin Christina Berndt. Bei Älteren sei der zweite Booster durchaus sinnvoll. Berndt erwartet, dass die Stiko das bald auch Über-60-Jährigen empfehlen wird. Aber sollen sich auch Jüngere zum vierten Mal impfen lassen? "Keinesfalls!" sagt Berndt. Eine Impfung sei immer ein medizinischer Eingriff und es gebe einfach keine Studien über die Wirkung der zweiten Booster-Impfung für jüngere, gesunde Menschen. Immungesunde Unter-60-Jährige seien bestens geschützt mit drei Impfungen, diese würden zu einer langanhaltenden Immunität führen. "Viel hilft hier nicht viel", sagt die SZ-Expertin. Die dritte Impfung sei ein wirklicher Booster, die vierte Impfung aber setze da nur wenig oben drauf. Wer sie aber brauche, der solle sie sich bereits schon jetzt vom Hausarzt holen und nicht auf einen Omikron-Booster warten, empfiehlt Berndt. Es ergebe keinen Sinn noch länger zu warten - und so das Risiko einer Infektion in Kauf zu nehmen. Weitere Nachrichten: Milliardenkosten durch Klimawandel auch in Deutschland, Hitze, Ukraine. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried, Joschka Moravek Produktion: Benjamin Markthaler Zusätzliches Audiomaterial über ZDF
US-Präsident Joe Biden reist gerade durch den Nahen Osten. In Israel ging es unter anderem um die Bedrohung Israels durch Iran. Die USA sagen Israel deswegen weiter Militärhilfe zu: 3,8 Milliarden Dollar pro Jahr. Möglich sind darüber hinaus auch Extrazahlungen, insbesondere für die Raketenabwehr. Sowohl Joe Biden, als auch der Israelische Premierminister Lapid wollen außerdem verhindern, dass Iran Atomwaffen herstellen kann. Ungemütlicher wird es für den US-Präsidenten nun allerdings bei seinem nächsten Halt: In Saudi-Arabien. Das liegt unter anderem an einem geplanten Treffen mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Und daran, dass Saudi Arabien derzeit weniger Öl fördert als es könnte. Die dadurch gestiegenen Ölpreise setzen Biden auch innenpolitisch unter Druck. Was ist also von dem Treffen zu erwarten? Und warum sieht Biden trotzdem schon jetzt einen “historischen Erfolg”? Das erklärt in dieser Folge die SZ-Expertin Dunja Ramadan. Weitere Nachrichten: Urteil gegen Franco A., Regierungskrise in Italien. Den Podcast “Vor aller Augen” finden Sie hier unter sz.de/voralleraugen. Moderation, Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Redaktion: Tami Holderried Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über den Youtube Kanal des Weißen Hauses
- 14.07.202214 Min.
Exakt ein Jahr ist es jetzt her, als im Westen von Deutschland, in der Region zwischen Bonn und Trier, die Ahr durch krassen Starkregen über die Ufer getreten ist. Das kleine, eigentlich unauffällige Flüsschen wird in nur Stunden zu einer reißenden Flut, die einen ganzen Landstrich mit sich reißt. Mehr als 180 Menschen sterben. Jana Stegemann, SZ-Korrespondentin in NRW, war seit der Flut mehrmals in der Region unterwegs. Sie spricht darüber, wie es den Menschen dort seither ergangen ist und ob die Hilfe wirklich ankommt. Sie sagt: "Es gibt Leute, die haben ihre Anträge gestellt und haben relativ schnell und unkompliziert das Geld auch bekommen. Es gibt Leute, die haben monatelang immer wieder ihre Anträge zurückbekommen, mussten wirklich kleinteilig da Dinge aufführen, ausweisen. Das hat zu viel Frust geführt.” Wie ein Polizei-Taucher duzenden Menschen das Leben gerettet hat. Weitere Nachrichten: Inflation in der EU, Waldbrände Moderation, Redaktion: Franziska von Malsen Redaktion: Tami Holderried, Joschka Moravek Produktion: Imanuel Pedersen _Zusätzliches Audiomaterial über _ AFP, dpa
- 13.07.202212 Min.
Fast alles wird ständig teurer. 7,6 Prozent, das ist die Inflationsrate von Juni. Nur in einem Bereich ist gerade nicht so leicht vorherzusehen, wie sich die Preise entwickeln: Und zwar beim Wohnen. Vor allem bei den Immobilienpreisen. Wer sich eine Wohnung oder ein Haus kaufen will, der muss dafür in der Regel bei der Bank einen Kredit aufnehmen. Anfang des Jahres, also vor dem Angriffskrieg auf die Ukraine, lagen die Zinsen für solche Kredite noch bei um die 1% bei 10 Jahren Zinsbindung, mit Glück sogar etwas drunter. Inzwischen liegen sie bei rund 3,5%. Ein enormer Anstieg für so wenige Monate. Gleichzeitig könnten die Preise für Immobilien zum ersten Mal seit vielen Jahren nach unten gehen. Ob es so kommt und was dabei eine Rolle spielt, darüber spricht Stephan Radomsky aus dem SZ-Wirtschaftsressort. Sein Fazit: “Für Mieter wird es vor allem in den Großstädten schwierig bleiben in den kommenden Jahren. Für Immobilienkäufer ist es eine sehr persönliche Abwägung. Da muss man auch sehr genau regional gucken, wo kauft man, wie viel Geld hat man auf der Seite und wie viel Geld braucht man von der Bank?” Den Text von Marlen Weiß über die sensationellen Fotos aus dem All, lesen Sie hier. Weitere Nachrichten: Katastrophenschutz, Biden in Israel Moderation, Redaktion: Franziska von Malsen Redaktion: Tami Holderried, Joschka Moravek Produktion: Benjamin Markthaler
- 12.07.202210 Min.
41,2 Grad. Das ist bislang die höchste Temperatur, die in Deutschland je gemessen wurde. 2019 war das. Kommende Woche könnte dieser Rekord aber überholt werden: 45 Grad tauchen in Modellrechnungen zum ersten Mal als mögliches Szenario auf. Was bedeuten diese Rechnungen? Darüber spricht Marlene Weiß, Leiterin des SZ-Ressorts Wissen. Sie sagt: “Die 45 Grad, die sind das Ergebnis einer Modellrechnung. Das ist nicht die fertige Vorhersage, aber es ist trotzdem was Neues, dass das einfach in den Bereich des Möglichen rückt.” Daran sehe man sehr deutlich, wie sehr die Klimakrise selbst Mitteleuropa jetzt schon verändert habe. Das Wichtigste sei jetzt, das Schlimmste noch zu verhindern, so Weiß. SZ-Klimatool, mit dem Sie schauen können, wie sich das Wetter am Ort Ihrer Wahl verändert. Weitere Nachrichten: Misstrauensvotum UK, weltweiter Hunger Sie haben Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie uns: podcast@sz.de. Moderation, Redaktion: Franziska von Malsen Redaktion: Tami Holderried Produktion: Jakob Arnu
- 11.07.202213 Min.
Seit Montagmorgen fließt kein Gas mehr durch die Pipeline Nord Stream 1. Das war zuletzt die wichtigste Erdgasverbindung von Russland nach Deutschland. Jetzt ist sie wegen geplanter Wartungsarbeiten für mindestens zehn Tage abgeschaltet. Aber viele befürchten, dass Russland auch danach kein Gas nach Deutschland schicken könnte. Russland hatte die Gaslieferungen nach Deutschland ja sowieso schon seit Mitte Juni reduziert. Zuletzt kamen nur noch 40 Prozent der Menge an, die eigentlich vereinbart ist. Offiziell wegen “technischer Probleme”. Tatsächlich aber wohl als Reaktion auf die Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs. Und jetzt befürchten eben viele, dass Russland die aktuelle Wartung auch wieder als Vorwand benutzt, um einfach dauerhaft kein Gas mehr nach Deutschland zu schicken. Wie wahrscheinlich das ist und welche Folgen das haben würde, darüber spricht Roland Preuß, SZ-Korrespondent in Berlin. “Russland ist kein zuverlässiger Lieferant mehr”, so Preuß. Der Kreml werde immer Vorwände finden, um die Gaslieferungen zu reduzieren oder sogar ganz einzustellen. Preuß sagt, dass niemand sicher sagen kann, ob in zehn Tagen wieder Gas durch Nord Stream 1 läuft. Die Politik habe “viel getan” um sich auf den schlimmsten Fall vorzubereiten – aber das reiche nicht aus, um sicherzustellen, dass wir gut durch den Winter kommen. Das Problem sei auf die Schnelle kaum zu lösen. Die neuen Gesetze und Sonderregelungen seien dazu da “die Not zu lindern, aber sie können sie nicht abwenden.” Es drohe ein harter Winter, in dem das Gas im schlimmsten Fall nicht mal mehr für alle Privathaushalte reichen könnte. Die Gasknappheit könnte außerdem eine Wirtschaftskrise auslösen. Preuß sagt aber auch: “Es gibt verschiedene Szenarien” – und es hänge alles von Russland ab. Weitere Nachrichten: Ukrainischer Botschafter Melnyk abberufen, Baerbock in Tokio. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Franziska von Malsen, Joschka Moravek Produktion: Benjamin Markthaler Zusätzliches Audiomaterial über ARD
- 08.07.202211 Min.
In den USA verbieten immer mehr Bundesstaaten Abtreibungen, seit der Supreme Court das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche gekippt hat. So musste bereits Mississippis letzte Abtreibungsklinik nach New Mexiko umziehen. Die Unsicherheit sei groß, sagt SZ-Korrespondent Fabian Fellmann in Washington. Viele Frauen wissen nicht, ob sie sich überhaupt noch über Abtreibungen informieren können. In naher Zukunft stehen aber noch weitere wichtige Urteile des Obersten US-Gerichts an. Unter anderem eine Entscheidung über den Ablauf der Wahlen - und die könnte den Republikanern künftig einen Vorteil verschaffen. Das könnte auch Donald Trumps Ambitionen, noch einmal Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden, stärken. Fellmann ist sich sicher, dass die (erz-)konservative Ausrichtung des Obersten Gerichtshofs die politischen Vorhaben des demokratischen Präsidenten Joe Biden weiterhin erschweren wird. Weitere Nachrichten: Japans Ex-Premier Abe stirbt nach Attentat, Lawrow sorgt bei G20 für Eklat. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried, Joschka Moravek Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über RNC Research
- 07.07.202213 Min.
Am Ende war der Druck zu groß: Boris Johnson gibt am Donnerstagnachmittag bekannt, dass er zurücktritt – als Vorsitzender der konservativen Partei und als Konsequenz auch als britischer Premierminister. Stefan Kornelius, Leiter des SZ-Politikressorts, sagt: “Boris Johnson hatte gar keine andere Chance, als zurückzutreten.” Der Premier habe keinerlei Rückhalt mehr gehabt, weder im Kabinett noch in der eigenen Partei “und nun war der Moment, wo er das selbst auch einsehen musste”. Dabei hätten die Tories sehr lange zu Johnson gehalten. Die Partei, so Kornelius, “war gefangen von ihm”. Johnson habe wie kein anderer den Brexit verkörpert und die britische Politik habe sich in den vergangenen Jahren auf dieses eine Thema verengt. Nun stünden die Tories aber vor dem nächsten Dilemma: Denn Johnson will solange Premierminister bleiben, bis ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gefunden ist. Viele Parteikollegen und -kolleginnen wollen ihn aber lieber heute als morgen abgelöst sehen. Allerdings: Die Suche könnte schwierig sein: “Es gibt keine beherrschende Strömung innerhalb der Tories,” so Kornelius. Die nächste Führungsfigur entscheide deshalb auch über den zukünftigen Charakter der Partei und der Regierung. Podcast “München persönlich”: https://www.sueddeutsche.de/thema/SZ-Podcast_-_M%C3%BCnchen_pers%C3%B6nlich Weitere Nachrichten: Gesetzespaket zu Wind- und Solarenergie, Impfpflicht für Soldaten bestätigt. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb, Joschka Moravek Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über BBC
- 06.07.202214 Min.
Die russische Armee hat am Sonntag die seit Wochen umkämpfte Stadt Lyssytschansk eingenommen. Damit befindet sich die gesamte Region Luhansk unter der Kontrolle Russlands. SZ-Korrespondentin Cathrin Kahlweit erklärt, was das bedeutet und wie die Stimmung im ukrainischen Militär ist. Sie war bis vor kurzem in der Ukraine. Dort hat sie unter anderem auch einen Ort besucht, den die Ukraine wieder zurückerobern konnte. Das Ausmaß der Zerstörung, das sie dort gesehen hat, beschreibt sie als eines der “grauenhaftesten Erlebnisse”. Die ukrainische Regierung schätzt die bis jetzt entstandenen Schäden aktuell auf 720 Milliarden Euro. Anfang dieser Woche hat sie sich mit Vertretern von rund 40 Staaten und internationalen Organisationen zu einer Konferenz in Lugano getroffen, um den Wiederaufbau des Landes nach dem Krieg zu planen. Beim Treffen in der Schweiz wurden sieben Prinzipien festgelegt, die nach dem Krieg gelten sollen. Dabei geht es um Themen wie Digitalisierung oder die Bekämpfung von Korruption. Weitere Nachrichten: Boris Johnson unter Druck, Gas- und Atomstrom gelten in der EU als nachhaltig. Den Klima-Rechner finden Sie hier. Moderation, Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Redaktion: Antonia Franz, Joschka Moravek Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über dpa
- 05.07.202212 Min.
Lange Warteschlangen, abgesagte Flüge und Menschen, die ihre Koffer suchen. An Deutschlands Flughäfen herrscht Chaos. In sämtlichen Bereichen fehlt es an Personal: bei Sicherheitskräften, Flugbegleiterinnen und Piloten. In Europa sind ungefähr ein Drittel aller Arbeitsplätze in der Luftfahrt verloren gegangen. Diese wieder aufzubauen, dauert länger als gedacht. Aus der Politik gibt es Vorschläge, die Probleme mit Arbeitskräften aus dem Ausland lösen. Mittelfristig sei das sinnvoll, sagt SZ-Frankfurt-Korrespondent Jens Flottau. “Man muss sich aber von der Illusion verabschieden, dass das jetzt im Sommer noch irgendwas bringt.” Er rät Reisenden, möglichst kein Gepäck aufzugeben, sich zu überlegen, ob man nicht noch auf das Auto oder die Bahn umsteigen kann. Wer doch fliegen will oder muss, sollte möglichst viel Zeit einplanen. Erst ab Herbst könnte sich die Situation wieder normalisieren. Weitere Nachrichten: Bluttat in Chicago, Notstand wegen Dürre in Norditalien. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Franziska von Malsen, Joschka Moravek Produktion: Benjamin Markthaler Zusätzliches Audiomaterial über ARD und Die Welt
- 04.07.202210 Min.
Die Inflation treibt die Preise. Die Löhne aber bleiben gleich. Viele fürchten ihre Lebenshaltungskosten nicht mehr zahlen können. Höhere Löhne würden helfen. Doch wegen höherer Löhne können Unternehmen wieder höhere Preise für ihre Produkte verlangen. Montagnachmittag haben Spitzenvertreter der Arbeitnehmer, Unternehmerverbände und Bundesbank im Kanzleramt deshalb Lösungsansätze aus der Preisspirale diskutiert. Vorbild ist die sogenannte “Konzertierte Aktion”, die 1967 der damalige SPD-Wirtschaftsminister Karl Schiller erfunden hatte und die unterschiedlichen Interessen "an den runden Tisch der Vernunft gebracht” hatte. Diesmal hat Kanzler Olaf Scholz (SPD) zur Konzertierten Aktion gerufen. Mit der Beteiligung an diesem Treffen habe man zunächst erstmal "guten Willen" zeigen wollen, sagt SZ-Hauptstadt-Korrespondent Roland Preuß. Ergebnisse seien erst im Herbst zu erwarten. Die Liste der Vorschläge reiche von Umverteilung, einer steuerbefreiten Einmalzahlung bis hin zu Steuererleichterungen. Zudem habe SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil den Vorschlag eines "sozialen Klima-Geldes" unterbreitet. Demnach solle man Bürgerinnen und Bürgern mit niedrigen und mittleren Einkommen gestaffelt eine Summe zukommen lassen, um die Preissteigerungen auszugleichen. Bei vielen Wirtschaftswissenschaftlern aber gehe die Meinung "ziemlich weit auseinander", so Preuß, welcher nun der sinnvollste Hebel sei. Weitere Nachrichten: Russland erobert ukrainische Region Luhansk, Amoklauf in Dänemark. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried Produktion: Justin Patchett Zusätzliches Audiomaterial über Bundesregierung und Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
- 01.07.202213 Min.
Sommer drei mit dem Coronavirus, der erste General-Lockdown liegt zweieinviertel Jahre und einige Virus-Varianten zurück. Von allgemeiner Maskenpflicht bis Impfnachweis: Die meisten Maßnahmen kommen einem ziemlich lang her vor. Und die wenigen, die es noch gibt, laufen Ende September erstmal aus, da endet das Infektionsschutzgesetz in seiner aktuellen Fassung. Was kommt dann? Um das möglichst gut vorzubereiten, hat die Bundesregierung einen Sachverständigenausschuss beauftragt. Der sollte beurteilen: Welche Corona-Maßnahme hat wie gut geholfen? Und welche nicht? Über die Ergebnisse und was von ihnen zu halten ist, spricht die promovierte Immunbiologin Christina Berndt. Und sie sagt: “Tatsächlich sind wir noch nie besonders gut aufgestellt gewesen in Deutschland bei Daten und vor allem nicht bei Daten und Gesundheit.” Das liege auch daran, dass der Datenschutz hier sehr, sehr stark sei, sagt Berndt, “das ist ja auch was Positives”. Aber es stünde dann eben umgekehrt einer vernünftigen Evaluierung auch im Weg. Weitere Nachrichten: Schulleistungen von Kindern, Bundeshaushalt Den Text von Nele Pollatschek, was Jüdischsein in Deutschland bedeutet, lesen Sie hier. Moderation, Redaktion: Franziska von Malsen Redaktion: Tami Holderried, Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Imanuel Pedersen
Seit Dienstag treffen sich Vertreterinnen und Vertreter der 30 Nato-Mitgliedsländer in Madrid. Und wenn man die Ergebnisse des Gipfels am Donnerstagnachmittag kurz zusammenfassen will, dann vllt so: Die Mitglieder im Bündnis sind so geeint wie nie. Und wollen überall in Europa ihre Kräfte ausbauen. Außerdem kommen zwei neue Mitglieder dazu: Schweden und Finnland. Wie reagiert Putin auf die neue Nato-Positionierung? Und was bedeuten die geplanten Verstärkungen für die Bundeswehr in Dtl? Darüber spricht EU-Korrespondent Matthias Kolb, der den Gipfel für die SZ in Madrid beobachtet hat. “Wenn es darum geht, einen Bündnispartner zu verteidigen, dann muss man schon dafür sorgen, dass die Truppen, die man versprochen hat, dass die auch wirklich bereit sind innerhalb der vorgesehenen Zeit”, sagt Kolb. Für die Bundeswehr sei das wirklich eine Zeitenwende. “Und ich glaub, dass das sehr vielen in Politik und Bevölkerung noch nicht so ganz klar ist.” Weitere Nachrichten: Selbstbestimmungsgesetz, kein neues Entlastungspaket Moderation, Redaktion: Franziska von Malsen Redaktion: Tami Holderried Produktion: Justin Patchett _Zusätzliches Audiomaterial über _ Phoenix, Nato




















