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Bayerischer Rundfunk
2197 Folgen · Zuletzt aktualisiert am 06.11.2026
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- Der soziale Umgangston - Einfach unsäglich?
06.10.2025 · 23 Min.
Pöbeleien und Shitstorms anstelle von Debatten und ernsthaften Argumenten: Der soziale Ton scheint zu entgleisen. Was sagt das veränderte Kommunikationsverhalten über unsere Gesellschaft aus, über die Grundfesten unserer Demokratie? Von Daniela Remus (BR 2021) Credits Autorin dieser Folge: Daniela Remus Regie: Sabine Kienhöfer Es sprachen: Hemma Michel, Stean Wilkening Technik: Regine Elbers Redaktion: Susanne Poelchau Im Interview: Prof. Nicole Deitelhoff, Politikwissenschaftlerin, Leibniz Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Frankfurt/M. Prof. Heidrun Kämper, Philologin, Leibniz Institut für Deutsche Sprache, Mannheim Prof. Jörg Kilian, Sprachwissenschaftler, Universität Kiel Prof. Simon Meier-Vieracker, Sprachforscher, TU Dresden Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 radioWissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnah nimmt Euch „Wie wir ticken“ mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek. ZUM PODCAST Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
- Qualzucht - Tierleid für menschliche Bedürfnisse
04.10.2025 · 24 Min.
Qualzucht, also züchterisch bedingte Deformation, betrifft die unterschiedlichsten Tierarten. Die Liste ist erschreckend lang, sie reicht vom Goldfisch bis zum arabischen Vollblut. Wozu brauchen Menschen Tiere, die nur unter körperlichen Beeinträchtigungen leben können? Von Christiane Seiler (BR 2024) Credits: Autorin dieser Folge: Christiane Seiler Regie: Silke Wolfrum Es sprachen: Ruth Geiersberger, Christian Schuler Technik: Winfried Messmer Redaktion: Bernhard Kastner Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. RadioWissen hat noch weitere hörenswerte Folgen zum Thema: Das Tierschutzgesetz – Leitfaden zum Wohl des Tieres? JETZT ANHÖREN Als das Tier zum Freund wurde - Geschichte des Haustieres JETZT ANHÖREN Freundschaft mit Tieren - Eine uralte Beziehung JETZT ANHÖREN Das Tier und die Religion - Mitgeschöpf oder Mahlzeit? JETZT ANHÖREN Literaturtipps: Norbert Sachser (HG.): Das unterschätzte Tier. Was wir heute über Tiere wissen und im Umgang mit ihnen besser machen müssen. Hamburg, Rowohlt Verlag, 2022 Übersichtskapitel zu verschiedenen Aspekten der Mensch-Tier-Beziehung aus verhaltensbiologischer Sicht Beryl Eusemann: The Influence of Egg Production, Genetic Background, Age, and Housing System on Keel Bone Damage in Laying Hens Beryl Eusemanns Doktorarbeit zu Brustbeinfrakturen bei Legehennen EXTERNER LINK | https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/28838 Ida C. N. Thøfner ,Jan Dahl,Jens Peter Christensen: Keel bone fractures in Danish laying hens: Prevalence and risk factors Dänische Studie zu Brustbeinbrüchen bei Legehennen EXTERNER LINK | https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0256105 Alina Bauer: Tierschutzrelevante Zuchtprobleme beim Milchvieh - Interaktion zwischen dem Zuchtziel „Milchleistung“ und dem vermehrten Auftreten von Produktionskrankheiten, ein systematischer Review Doktorarbeit von Alina Bauer zu Zuchtproblemen bei Milchkühen Komplette Doktorarbeit: EXTERNER LINK | https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/31629 Doktorarbeit zusammengefasst in einem Artikel: EXTERNER LINK | https://www.vetline.de/system/files/frei/BMTW-10.23761439-0299-2021-5-Bauer.pdf Prof. Dr. Holger Martens: Das Dilemma der Milchkuh, Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA); Steinfurt, 2022 Zusammenfassender Artikel: EXTERNER LINK | https://qualzucht-datenbank.eu/wp-content/uploads/2022/01/Martens-Buch-Milchkuh-FlyerFin.pdf Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN
- Hip-Hop - Straßenkultur aus der Bronx
02.10.2025 · 22 Min.
Eine Teenagerparty von Kool DJ Herc, Jamaicanischer Auswanderer in New York, war der Ort, an dem Hip-Hop geboren wurde in den 1970er Jahren. Dort, in der Bronx, trafen sich die ersten DJs, Rapper, Breaker und Sprayer. Hip-Hop entwickelte sich bald von der Untergrundkultur zum globalen Business. Autor: Lukas Grasberger (BR 2025) Credits Autor/in dieser Folge: Lukas Grasberger Regie: Martin Trauner Es sprachen: Peter Weiß, Katja Bürkle, Werner Härtl Technik: Wolfgang Lösch Redaktion: Katharina Hübel Im Interview: Prof. Oliver Kautny, Cologne Hip Hop Institute, Universität zu Köln Cologne Hip Hop Institute – Center for Research, Education, and Practice Prof. em. Murray Forman, Kommunikationswissenschaftler und Hip-Hop-Forscher, Northeastern University, Boston https://camd.northeastern.edu/people/murray-forman/ Bruce Smolanoff, „Loose Bruce“ Breakdancer Douglas Colón, „Dancin Doug“, Breakdancer Mehr Wissen über Hip-Hop aus der ARD gibt es hier: https://www.ardmediathek.de/hiphop und https://www.ardkultur.de/hiphop Hier geht’s zu unseren Podcast-Tipps: Lindy Hop - Der gleichberechtigte Swing-Tanz Es ist ein Tanz, der lässige Lebensfreude versprüht. Doch Lindy Hop macht nicht nur Spaß. Entstanden aus improvisierter Musik und Bewegung schwarzer Sklaven, transportiert er bis heute auch Werte der afroamerikanischen Emanzipation wie Freiheit, Minderheiten-Rechte oder Gleichberechtigung der Geschlechter. Hier geht’s zu der Radiowissen-Folge über den Lindy Hop: https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:09d3b72e52e87c28/ Eine heilsame Kunst - Was Tanz mit uns macht Tanz ist eine Rundumversorgung für Körper, Psyche und Geist. Neben dem Nutzen für das körperliche Wohl, kann er vor allem seelische Wunden lindern und neurologische Kompetenzen fördern. Daher wird er auch in der Therapie eingesetzt. Trotz seiner positiven Effekte wird Tanz in der westlichen Kultur zu wenig geachtet. Hier geht es zur Tanzforschungs-Folge bei „IQ. Wissenschaft und Forschung“: https://www.br.de/mediathek/podcast/iq-wissenschaft-und-forschung/eine-heilsame-kunst-was-tanz-mit-uns-macht/2056720 Link-Tipps der Redaktion: Zum Interview mit dem legendären Rapper der ersten Stunde, Coke La Rock, vom 4. März 2025 für das „Bronx Hip Hop Oral History Project“ der Bronx County Historical Society Research Librarx und den Bronx County Archives, das wir in dieser Folge Radiowissen erwähnen: https://www.youtube.com/watch?v=O2SbVBqDwW0 Hip-Hop ist längst Teil der globalen Kultur und des Mainstream geworden, aber auch Teil von Forschung, Wissenschaft und Museumskultur. Hier geht es zur Seite des New Yorker Hip-Hop-Museums mit vielen tollen Eindrücken aus der Geschichte des Hip Hop: https://thhm.org/ Linktipps: Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. DAS KALENDERBLATT Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
- Goldener Oktober - Blattfärbung und Laubbläser
02.10.2025 · 24 Min.
Der Herbst ist für viele eine schöne Zeit: An den Bäumen färben sich die Blätter herrlich gelb und rot. Aber warum ist das eigentlich so? Wenn das Laub dann abfällt, ist es vorbei mit der Idylle - und das hat auch mit einer Erfindung zu tun, die noch gar nicht so alt ist: Der Laubbläser. Von Hellmuth Nordwig. Autorin: Hellmuth Nordwig Regie: Sabine Kienhöfer Sprecher:innen: Rahel Comtesse und Johannes Hitzelberger Technik: Monika Gsaenger Redaktion: Iska Schreglmann Im Interview: Hubert Siegler, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Veitshöchheim Christian Fabris, Umweltbundesamt - Lärmminderung Adam Sweeting, Division of Humanities, Boston University Dr. Christian Zohner, Klimawandelökologie, ETH Zürich Literatur-Tipp: - Adam Sweeting, Beneath the Second Sun: A Cultural History of Indian Summer (Hanover: University Press of New England) – zur Frage, welche Bedeutung der "Indian Summer" in Literatur und Kunst Nordamerikas hat und warum der Begriff ausgedient hat Weiterführende Links: Internetseite von Gesprächspartner Constantin Zohner: https://constantinzohner.com/ BR Retro und Kurioses: Karl Valentin - Die Vier Jahreszeiten (1939): https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:section:881d53a4f382840d/ Hörtipps: IQ - Wissenschaft und Forschung · Waldmedizin - So kann der Wald uns heilen · Podcast in der ARD Audiothek IQ - Wissenschaft und Forschung · Der Bergwald - Schutzbedürftiger Schutzwall · Podcast in der ARD Audiothek IQ - Wissenschaft und Forschung · Klimawandel im Garten - so pflanzt man für extreme Bedingungen · Podcast in der ARD Audiothek IQ - Wissenschaft und Forschung · Farben in der Natur - Warum ist alles bunt? | Sommer-Spezial (7) · Podcast in der ARD Audiothek Linktipps: Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. DAS KALENDERBLATT Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
- Jane Goodall - Primatologin und Botschafterin des Friedens
02.10.2025 · 23 Min.
Zum Tod von Jane Goodall. Die Primatenforscherin, Umweltschützerin, Humanistin und Autorin ist schon zu Lebzeiten Legende geworden. Die Grand Dame des Umweltschutzes engagierte sich bis zum Schluss für eine lebenswerte Zukunft. Von Geseko von Lüpke (BR 2019) Autor dieser Folge: Geseko von Lüpke Regie: Sabine Kienhöfer Es sprachen: Rahel Comtesse, Friedrich Schloffer, Irina Wanka Technik: Daniela Röder Redaktion: Bernhard Kastner Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Eine faszinierende Bildstrecke zu Jane Goodall gibt es bei BR Wissen: BR Wissen | Jane Goodall - ein Leben für die Menschenaffen JETZT ANSEHEN Das Jane Goodall Institut widmet sich heute der Förderung des respektvollen Umgangs mit Menschen, Tieren und der Natur: EXTERNER LINK | JANE GOODALL INSTITUT - DEUTSCHLAND
- Mahatma Gandhi - Revolution ohne Gewalt
02.10.2025 · 23 Min.
Ohne einen einzigen Schuss abzugeben, brachte er das britische Weltreich ins Wanken. Mahatma Gandhi ist die Leitfigur der gewaltfreien Revolte. (BR 2018) Autor/in dieser Folge: Frank Halbach Regie: Frank Halbach Es sprachen: Hemma Michel, Reinhard Glemnitz, Oliver Nägele Technik: Susanne Harasim Redaktion: Thomas Morawetz Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Weitere hörenswerte Folgen über faszinierende Persönlichkeiten: Der 14. Dalai Lama - Göttliches Mitgefühl und irdische Politik JETZT ANHÖREN Mutter Teresa - Ein Porträt JETZT ANHÖREN Nelson Mandela - Der lange Weg zur Freiheit JETZT ANHÖREN Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN Interviewpartner dieser Folge: Prof. Dr. Gita Dharampal-Frick, Historikerin und Leiterin der Abteilung Geschichte am Südasien-Instituts der Universität Heidelberg
- Die Geschichte der Rohrpost – Vom Nachrichtenversand bis Hyperloop
01.10.2025 · 23 Min.
Transportzylinder sausen per Luftdruck durch Röhren: So funktionierte schon 1853 die erste Rohrpostanlage in London. Manche Städte bauten Rohrpostnetze mit hunderten Kilometern Länge. Heute nutzt man das Prinzip fast nur noch in Krankenhäusern, Apotheken und für Bargeldtransport - sowie als Anregung für den Hyperloop.Autor: David Globig (BR 2025) Hinter allem steckt Geschichte und wir erzählen sie euch - euer History-Podcast. https://1.ard.de/alles-geschichte Credits Autor/in dieser Folge: David Globig Regie: Kirsten Böttcher Es sprachen: Katja Bürkle Technik: Simon Lobenhofer Redaktion: Yvonne Maier Im Interview: Markus Lang, Klinikum Großhadern, TUM Ingmar Arnold, Historiker, Buchautor: „Luft-Züge" Wenke Wilhelm, Kustodin für Transportgeschichte und Verkehr bei der Museumsstiftung Post- und Telekommunikation Domenik Radeck, Leiter der Forschungsgruppe Hyperloop an der Technischen Universität München Literatur: Ingmar Arnold: Luft-Züge. Die Geschichte der Rohrpost, 2. Auflage, Ch. Links Verlag, Berlin 2016 Weiterführende Links: Museum für Kommunikation Berlin TUM Hyperloop The Museum of Retro Technology – Pneumatic Networks Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Hinter allem steckt Geschichte und wir erzählen sie euch - euer History-Podcast. Diese hörenswerten Folgen könnten Sie auch interessieren: Der Brennerbasistunnel - Rekordbaustelle unter den Alpen Die Straßenverbindung über den Brenner ist völlig überlastet. Abhilfe soll der Brennerbasistunnel schaffen. Seit 2007 wird an der 64 km langen Eisenbahnstrecke unter den Alpen gebaut. Das Projekt ist allein schon durch seine Dimensionen eine Herausforderung. [HIER] Und noch mehr kuriose Infos zu Rohrposttechnikern findet ihr im Kalenderblatt: 22.08.1933: Rohrpostzuschlag für eilige Briefsendungen Linktipps: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: Alles Geschichte – Der History-Podcast Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
- Sollte jeder Mensch anders essen? Genbasierte Ernährung, Low Carb & Co.
01.10.2025 · 25 Min.
Kohlenhydrate-, Fett- oder Protein-Typ - welcher Ernährungstyp bin ich? Machen fettarme oder fettreiche, rein pflanzliche oder ausschließlich eiweißhaltige Nahrungsmittel Sinn? Eine verbindliche Aussage versprechen Anbieter von Gentests für personalisierte Ernährung. Doch diese sind höchst umstritten. Von Bernd-Uwe Gutknecht (BR 2024) Credits Autor dieser Folge: Bernd-Uwe Gutknecht Regie: Martin Trauner Es sprachen: Susanne Schroeder, Thomas Birnstiel, Rahel Comtesse Technik: Anton Wunder Redaktion: Iska Schreglmann Im Interview: Prof. Dr. Hans Hauner, Institut für Ernährungsmedizin, TU München Monika Bischoff, Diplom-Ökotrophologin, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder München Caroline Rauscher, Pharmazeutin und Ernährungsberaterin Kelheim Einige ältere Damen im „Dorf der Hundertjährigen“ in Japan Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Was ist dran am "Urgetreide"? - Alles Natur Dinkel liegt schon länger im Trend, auch Emmer und Einkorn machen Karriere - alle drei sind nahe Verwandte des Weizens. "Urgetreide" sorgt für mehr Vielfalt auf dem Acker und auf dem Tisch. Es gibt inzwischen Gebäck und Bier daraus und auch die Forschung interessiert sich für die alten Sorten. Von Renate Ell JETZT ENTDECKEN Was bringt nachhaltige Ernährung? Alles Natur Im Kampf gegen die Erderwärmung geraten zunehmend die Ernährungsgewohnheiten der Menschheit in den Fokus. Der Heißhunger auf Fleisch gilt als wahrer Klimakiller. Ist eine überwiegend pflanzenbasierte Diät die Lösung, um die Klimakatastrophe abzuwenden? Von Lukas Grasberger JETZT ENTDECKEN Die Wurst - Von Tradition bis Tofu Wenn es um der Deutschen liebste Speisen geht, landet man schnell bei der Wurst. Mehr als 27 Kilogramm Wurst und Schinken verzehrt jeder von uns durchschnittlich im Jahr. Und die Auswahl ist schier unübersichtlich. Radiowissen rückt der Wurst als Nahrungsmittel und Kulturgut auf die Pelle. Von Susanne Hofmann JETZT ENTDECKEN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Vegane Wurst und Burger - Wieviel Chemie und Technik braucht es für Fleischersatz? Fleisch ist für viele ein Grundnahrungsmittel. Doch die Viehzucht schadet Umwelt und Klima. WissenschaftlerInnen suchen deshalb nach umweltschonenden Alternativen zu Steak und Schnitzel. Wie bekommen Hersteller es hin, dass eine Wurst aus Erbsenprotein schmeckt und sich anfühlt wie Fleisch? Das wollen wir in dieser Podcast Folge wissen und außerdem fragen wir: sind diese hochverarbeiteten Lebensmittel dann noch gesund? JETZT ENTDECKEN I will survive - Der Kampf gegen die AIDS-Krise München, 80er, Disco-Ära: Die queere Szene blüht und Weltstars wie Freddie Mercury machen hier Party. Aber plötzlich ist Schluss. Ein mysteriöses Virus erreicht die Stadt. In "I Will Survive" sprechen wir mit den Menschen, die als Erste und vielleicht am härtesten von der AIDS-Krise getroffen wurden. Der Podcast erzählt von ihrer Angst, ihren Verlusten und ihrem Widerstand in einer Zeit, als Bayern als einziges Bundesland auf Ausgrenzung statt auf Aufklärung setzt. Und es geht um die Frage: Welches Vermächtnis haben die Menschen von damals der queeren Community heute hinterlassen? Ein Podcast von Bayern 2 Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Erzählerin: „Stoffwechseltyp bestimmen und passende Gen-Diät finden!“ Erzähler: „DNA- und Bioage-Test - tiefe Einblicke in deine Genetik für nur 229 Euro!“ Erzählerin: „Mehr Wohlbefinden mit unseren Stoffwechselanalysen und Bluttests“. Erzähler: „All in one DNA-Test für nur 399 Euro!“. MUSIK 1 hochziehen Erzählerin: Wer sich im Internet über gesunde Ernährung informiert, stößt zwangsläufig auf Werbeversprechen bezüglich personalisierter, genbasierter Ernährung. Sie suggerieren, dass mit einer einfachen Speichel- oder Urinprobe die DNA des Kunden ermittelt und daraus der perfekte Ernährungsplan entwickelt werden kann. Das Ziel: Traumkörper, unlimitierte Leistungsfähigkeit, quasi ewige Jugend. MUSIK 1 hochziehen und aus Erzähler: Angeblich sind die DNA-Tests und die daraus abgeleiteten Ernährungstipps von Experten zertifiziert und garantiert. Erzählerin: Wissenschaftlich belegt und anerkannt ist die Tatsache, dass die individuelle Genzusammensetzung Einfluss darauf hat, wie der Körper mit verschiedenen Nahrungsmitteln klarkommt. Professor Dr. Hans Hauner leitet das Institut für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München: Zusp. 1 Gene: „Die Verdauung und Verwertung von Nahrungsmitteln ist natürlich ein sehr komplexes Geschehen. Der Stoffwechsel, den wir haben, ist Tag und Nacht damit beschäftigt, Energie bereitzustellen und zu funktionieren. Die Organe müssen ja auch optimal funktionieren, dazu sind viele Nährstoffe notwendig. Und das ist natürlich reguliert durch eine Vielzahl von Genen, die daran beteiligt sind.“ Erzähler: Die Fachbereiche, die sich mit den Zusammenhängen von Genen und Essen beschäftigen, heißen Nutrigenetik und Nutrigenomik. Darauf spezialisierte Wissenschaftler haben etwa herausgefunden, dass gewisse Gen-Variationen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an Adipositas, also Fettleibigkeit oder Diabetes Typ 2 zu erkranken. Zusp. 2 Bandbreite: „Was wir wissen – und wir haben das selber in verschiedenen Studien angesehen – ist: wenn wir wirklich die identische Mahlzeit zehn oder 20 Personen geben, und schauen uns dann an, wie verändert sich der Blutzucker, das Insulin, Aminosäuren, was auch immer, sehen wir doch eine große Bandbreite der Antwort von Mensch zu Mensch.“ Erzählerin: 99,7 Prozent der Gene sind bei allen Menschen identisch. Aber die 0,3 Prozent Unterschiede können große Auswirkungen haben. Ein gut untersuchtes Beispiel ist der Melanocortin-4-Rezeptor: Er wird im Normalfall von 333 Aminosäuren gebildet. Bei einem Mangelzustand an diesen Proteinen kann die Signalweiterleitung des Sättigungsgefühls gehemmt sein. Und das kann zu ständigem Appetit und somit zu Übergewicht führen. Zusp. 3 Zeit: „Wir kennen die wichtigsten Stoffwechselprozesse und wissen auch, dass die zum Teil durch Genvarianten beeinflusst werden können. Bisher ist es uns noch nicht gelungen, diese Information zu nutzen, um vielleicht eine spezifische, individuelle Ernährung abzuleiten. Dazu stehen wir noch viel zu sehr am Anfang, das wird noch einige Zeit brauchen.“ Erzähler: Dass eine über Gentests personalisierte Ernährung den Menschen leistungsfähiger oder generell gesünder werden lässt, hält Hauner für eine Marketing-Lüge. Er und sein Team haben in eigenen Studien die Aussagekraft solcher Gentests analysiert: Zusp. 4 Gentests: „Diese genbasierten Diäten sind wirklich durch die Bank völlig unseriös. Wir haben uns das auch angeschaut: was weiß man über bestimmte Gene und gibt´s da wirklich einen erkennbaren Zusammenhang zur Verarbeitung von Mahlzeiten oder zur Präferenz bestimmter Nährstoffe? Wir haben da kein konsistentes Muster gesehen. Das, was die Firmen behaupten, ist mehr oder weniger an den Haaren herbeigezogen oder ohne wirklich wissenschaftliche Substanz. Man kann davon wirklich nur abraten, es ist reine PR, um Produkte zu verkaufen.“ MUSIK: „The vote“ - Länge 0:36 Erzählerin: Warum fallen aber dennoch viele Menschen auf die Werbung bezüglich Gentests herein? In einer Umfrage der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft gab fast jeder Fünfte an, sich vorstellen zu können, eine kostenpflichtige DNA-basierte Diät auszuprobieren. Fast jeder Zweite glaubt, dass er sich allein aufgrund der Informationen zu diesem Thema gesünder ernähren würde. Erzähler: Obwohl wir bei der Herausgabe unserer Geninformationen normalerweise sehr vorsichtig sind, scheint die Hemmschwelle bei der Aussicht auf einen optimierten Ernährungsplan zu sinken. Für medizinische DNA-Tests schreibt das Gendiagnostikgesetz eine ausführliche Aufklärung durch eine Medizinerin oder einen Mediziner zwingend vor. Erzählerin: Für die frei verkäuflichen Gentests zur Ernährung gilt das Gesetz nicht, weil diese Speichelproben als Lifestyle-Produkte deklariert werden. Die Gesellschaft für Humangenetik warnt seit Jahren davor, seine DNA von fragwürdigen Labors bestimmen und womöglich speichern zu lassen. Denn diese Genom-Proben unterliegen dann nicht dem Datenschutz und könnten zum Beispiel an werbetreibende Pharma-Unternehmen verkauft werden. Zusp. 5 Betrug: „Meine Erklärung ist dabei, dass wir ja das Phänomen haben, Ernährungsberatung für einen Menschen zu bekommen, ist zeitaufwendig, kostet Geld, und da klingt´s natürlich gut, wenn ich sage: ich messe deine Gene und dann kann ich dir sagen, was du brauchst und was für dich gesund ist. Aber schaut man sich diese Empfehlungen an nach den Gentests, so sind die alle eigentlich sehr ähnlich und gehen in die gleiche Richtung, die wir ohnehin empfehlen würden, nämlich eine gesunde, eher pflanzlich basierte Kost. Also das ist wirklich fast Betrug!“ MUSIK: „Straight oddity“ - Länge 0:34 Erzähler: Von Marketingangeboten unabhängig beraten werden Patienten oder an sinnvoller Ernährung Interessierte zum Beispiel am Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention, das zum Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in München gehört. Personen, die unter Essstörungen oder ernährungsbedingten Krankheiten leiden, werden hier behandelt und versorgt. In Seminaren und Kochkursen können auch andere Gäste viel über eine sinnvolle Auswahl von Nahrungsmitteln und ihre schonende Zubereitung lernen. Erzählerin: Die Leiterin des Zentrums, die Diplom-Ernährungswissenschaftlerin Monika Bischoff, hat also regelmäßig Kontakt mit vielen Betroffenen. Sie betont, dass durchaus Unterschiede bei der Verwertung von Lebensmitteln bestehen. Um mögliche daraus folgende gesundheitliche Probleme herauszufinden, setzt sie auf klassische medizinische Analysen wie etwa ein großes Blutbild und die Bio-Impedanz: Zusp. 8 Impedanz: „Es gibt ja schon einige Messverfahren, die man kombinieren kann. Es gibt einmal das klassische klinische Labor. Und es gibt die bioelektrische Impedanzanalyse. Das ist eine Messung, bei der man hauptsächlich den Körperfettgehalt zur Muskelmasse messen kann, aber eben auch durch den Phasenwinkel, das an speziellen Vektorenmessungen auch sehen kann: wie ist denn meine Zelle ernährt? Und im Verlauf, wenn ich diese Messung alle drei Monate mache, dann kann ich mit einer qualifizierten Ernährungs-Fachkraft oder auch mit einem Ernährungsmediziner hier auch schon gute Daten bekommen, wie ich auf Lebensmittel reagiere.“ Erzähler: Oftmals hilft es schon, wenn Menschen mit Essstörungen, mit Übergewicht oder Magersucht, detailliert über einen längeren Zeitraum aufschreiben, was sie wann essen und wie viel davon. Dabei geht es nicht nur ums Kalorienzählen, sondern auch um die Zusammensetzung des eigenen Speiseplans, also wie viel Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate sowie existentielle Vitalstoffe nimmt man zu sich? Einen Gentest braucht es laut Monika Bischoff dafür nicht: Zusp. 9 Typen: „Es ist mit Sicherheit so, dass jeder seinen eigenen Esstypus, Nahrungsmittelaufnahme-Typus hat, würde ich aber auch ohne solche Tests bestimmen können durch reine Beobachtung. Durch ein vernünftiges Ernährungs-Tagebuch können wir ganz genau feststellen, ok, ich bin eher der Kohlenhydrate-Typ oder der Eiweiß-Typ!“ Erzählerin: Das trifft ebenfalls auf Lebensmittel-Unverträglichkeiten zu. Laktose-, Fruktose-und Histamin-Intoleranzen sind bei uns die häufigsten. Auch hier empfiehlt Monika Bischoff Ernährungs- und Symptom-Tagebücher. So können Betroffene zusammen mit den Medizinern analysieren, welche Bestandteile für sie problematisch sind. Zusp. 10 unverträglich: „Bei den Lebensmittel-Unverträglichkeiten – das ist per se erstmal keine Erkrankung, sondern es ist hauptsächlich ein Essfehler – das ist bestimmt auch durch die Enzymaktivität, hat ja auch mit den Genen zu tun, es ist schon festgelegt in uns, aber das kann man auch jetzt schon beeinflussen durch eine gute Ernährungsberatung und zu wissen, was kann ich wie essen? Aber in erster Linie ein Essfehler und das ist jetzt schon ohne personalisierte Ernährung oder Gene sehr gut zu behandeln.“ Erzähler: Auch das Abnehm-Versprechen der Anbieter von Gentests ist für die Ernährungswissenschaftlerin nur Werbetrick und ohne Evidenz. Von Mode-Diäten aus Lifestylemagazinen hält sie generell nicht viel. Letztlich geht es darum, weniger Kalorien zu sich zu nehmen als man verbrennt. Und sich bewusst zu machen, was man sich in den Mund steckt: MUSIK: „Blurred vision“ - Länge 0:39 ATMO 1 Chips Erzählerin: Eine Tüte Chips beim abendlichen Fernsehschauen... ATMO 2 Cola Erzähler: ...und dazu eine Flasche Cola landen natürlich sofort im Fettdepot des eigenen Körpers. Vermutlich kämen die Wenigsten auf die Idee, Chips mit Cola bei einem schön zubereiteten Mittagessen zu genießen. Das heißt: die ungesunden und überflüssigen Dinge konsumieren wir oft eher aus Gewohnheit als wegen des Genusses... Erzählerin: ...und in geselliger Runde. Da ist die Karotte weniger üblich als die Cola. Gegen solche kulinarischen Ausrutscher ist ab und zu auch nichts einzuwenden, meint Monika Bischoff, aber die Regel sollte es nicht sein. MUSIK: „Futen god of the wind“ Länge: 0:52 Erzähler: Ganz ohne DNA-Tests, Kalorienzähler und Lifestyle-Diäten ernähren sich viele Bewohner der japanischen Insel Okinawa auf natürliche, gesunde Art und Weise und schaffen es damit, sehr alt zu werden. Ogimi (sprich: Ogimi, Betonung auf erstem i), eine Ortschaft auf der Insel, hat den Spitznamen „Dorf der Hundertjährigen“, weil hier außergewöhnlich viele Menschen 90 Jahre und älter sind und sich guter Gesundheit erfreuen. Erzählerin: Die Dorfstraße ist blitzblank gefegt, die kleinen rot, gelb und weiß getünchten Steinhäuser sind mit Blumenkästen und Pflanzentöpfen liebevoll verziert. In einem blumigen Kleid geht die 94-Jährige Frau Masago (Betonung auf erstem a) Richtung Dorfausgang. Zusp. 11 Oma OV-Sprecherin.: „Da vorne, das ist mein Feld. Da baue ich seitdem ich ein Mädchen bin, Gemüse an. Früher haben wir damit die ganze Familie ernährt, jetzt bin ich ja alleine hier, deshalb baue ich nur noch wenig an. Aber ich bin jeden Tag hier und arbeite.“ Erzähler: Stolz erzählt Frau Masago, dass sie schon öfters den Dorf-Wettbewerb für die besten Bittergurken gewonnen hat. Für die Bewohner des Dorfes ist das die wichtigste Auszeichnung des Jahres. Erzählerin: Wo die Gemüse-Beete der Dorfbewohner aufhören, fangen die Mandarinen-, Bananen- und andere Obstbäume an. Von der naheliegenden felsigen Meeresküste bringen Fischer täglich Meeresfrüchte und Fische in die örtlichen Lebensmittelläden. Eine nahrhafte Kost liegt den Menschen auf Okinawa quasi in den Genen. Erzähler: Die Hundertjährigen setzen auf regionale und saisonale Produkte und geben ihr Wissen und ihre Einstellung bzgl. Essen jeweils an die nächste Generation weiter. Das beliebteste Lokal des Ortes heißt „Bei Emi“. Emi ist die Köchin und zählt mit ihren 73 Jahren quasi zum jungen Gemüse: Zusp. 12 Köchin OV-Sprecherin.: „Obst und Gemüse wachsen hier einfach anders. Wir sind zu 360 Grad von Meer umgeben. Dank des tropischen Klimas haben wir das ganze Jahr über frische Früchte. Und wir kochen sehr gesund, nehmen z.B. Zitronensaft statt Essig, keine künstlichen Geschmacksmittel, sondern Kräuter, Algen oder Seetang. Und unser Fleisch kommt von glücklichen Tieren.“ MUSIK: „Doa“ Länge: 0:34 Erzählerin: Und dann serviert Frau Emi Tapiokabällchen in Sesamsauce, eingelegten Rettich mit Ingwer, Tofu in Algenblättern, Süßholzwurzeltee, alles Vitaminbomben, sagt sie. Und selbst das Dessert, grüne Eiskugeln, sind aus heimischem Gemüse gemacht. MUSIK: „Futen god of the wind“ Länge: 0:52 Erzähler: Für Sportlerinnen und Sportler ist eine ausgewogene und leistungsfördernde Ernährung besonders wichtig. Deshalb sind gerade Athleten darauf aus, zu erfahren, welche Nahrungsmittel ihnen Energie bringen und welche ihnen evtl. Energie rauben. Caroline Rauscher aus Kelheim ist Pharmazeutin und Ernährungscoach und betreut viele Profisportler: Triathleten, Biathleten, Radfahrer, Langläufer usw. Erzählerin: Eine individualisierte Ernährung hält sie für existenziell, gerade im Spitzensport. Von manchen Mode-Diäten wie etwa Low-Carb, also dem Trend, wenig Kohlenhydrate zu essen, rät sie allerdings ab: Zusp. 13 Kohlenhydrate: „Man hat eine Trainingseinheit, die sehr intensiv ist, dann ist es absolut wichtig, dass man als Treibstoff, als Nahrungsreiz die Kohlenhydrate zur Verfügung hat. Und die braucht man dann, um diese Trainingsadaption zu bewirken, aber auch um physiologische Systeme wie Immunsystem, Eisenstoffwechsel, Hormonsysteme etc. zu schützen.“ Erzählerin: Egal ob jemand ein Kohlenhydrate-, Protein-oder Fett-Typ ist, was seine effektivsten Nahrungsenergiequellen angeht, einen gewissen Mix aus Nährstoffen braucht jeder Körper. Viele Kraftsportlerinnen und Sportler meinen, dass sie für den Aufbau von Muskelkraft fast ausschließlich Eiweiß bräuchten und führen überdosierte Proteinmittel zu: Zusp. 14 Krafttraining: „Es ist falsch, beim Krafttraining nur den Fokus auf die Proteine, sprich die Eiweiße zu legen! Weil Krafttraining braucht ja ebenfalls Treibstoff, deswegen ganz wichtig vor dem Krafttraining schauen, dass ausreichend Kohlenhydrate aber auch Eiweiß-Komponenten gegessen werden. Je nach Intensität und Dauer auch darauf achten, auch während dem Training Kohlenhydrate zuzuführen, damit man in der Muskulatur sogenanntes anaboles Milieu schafft, das bedeutet, dass der Trainingsreiz perfekt umgesetzt werden kann und nach dem Training liegt der Fokus auf den Eiweißen.“ Erzähler: Immer öfters kommen Sportlerinnen und Sportler auf die Ernährungstrainerin zu, die ihren Ernährungsstil auf vegan umstellen wollen. Dagegen spricht für Caroline Rauscher nichts, aber es bedarf einer großen Aufmerksamkeit für den Speiseplan, um keine Mangelzustände zu erzeugen – was natürlich auch für Nicht-Sportler gilt: Zusp. 15 Leucin: „Wenn man vegan unterwegs ist, ist es total wichtig, die pflanzlichen Eiweißquellen intelligent miteinander zu kombinieren, damit man die Lücken, die in dem Aminosäuren-Spektrum von den pflanzlichen Eiweißquellen sind, ausgleicht durch Mixturen. Da bietet sich z.B. an, in Richtung Erbseneiweiß zu gehen, weil diese Erbsenproteine einen hohen Anteil an der Aminosäure Leucin haben, die in diesem Kontext eine Trigger-Aminosäure darstellt.“ MUSIK: „Blurred vision“– Länge 0:17 Erzählerin: Vegan oder vegetarisch? Die Ernährungsberaterin Monika Bischoff tendiert zu einer flexiblen Mischform, dem Flexitarismus: Zusp. 16 Flexitarier: „Wenn wir uns vernünftig ausgewogen ernähren, tierisch und pflanzlich, dann ernähren wir uns tatsächlich am besten. Weil Fleisch auch ein sehr wertvoller Energie-und Vitamin-Lieferant ist, das ist Fakt. Nur ist es halt von bestimmten Lebensmitteln zu viel. Die Tendenz einer pflanzenbasierten Ernährung macht für unsere Gesundheit schon auch Sinn und dazu gibt’s auch die besten Daten, was die Gesundheit betrifft. Also Flexitarier würde ich eher unterstreichen und bin ich selbst auch, mein Mann auch, also wir essen wenig Fleisch, aber ich würde nicht gerne auf Fleisch oder tierische Lebensmittel verzichten wollen.“ Erzähler: Von anderen extremen Ernährungs-Stilen raten die meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ab. Von einigen reichweitenstarken Influencern werden diese aber beworben und finden genügend Nachahmer. Zum Beispiel die Paläo-oder Steinzeitdiät, deren Verfechter fast ausschließlich Fleisch, Fisch und rohes Gemüse essen. Auf Getreide- und Milchprodukte verzichten sie komplett. Zusp. 17 Paläo: „Das ist natürlich sehr einseitig, das ist eine sehr eiweißbetonte, fettbetonte Ernährung. Man kann damit sicher zunächst mal abnehmen, aber es ist eine sehr restriktive Kost. Man weiß, dass man bei extremer Kost dieser Art sich auch nicht wohlfühlt und die Leute deshalb doch wieder versteckt anfangen, Kohlenhydrate zu essen und das ist gut so! Kohlenhydrate liefern z.B. auch über die Produkte Ballaststoffe, das fehlt etwa bei der Paläo-Kost und der Mensch braucht wirklich Ballaststoffe!“ Erzählerin: Generell warnt Ernährungsmediziner Hans Hauner davor, Kohlenhydrate zu verteufeln und gänzlich vom Speiseplan zu verbannen. Wie das auch die Anhänger der zurzeit viel diskutierten Keto-Diät tun, bei der die Energie vorwiegend durch Fette aufgenommen wird: Zusp. 18 Keto: „Die ketogene Diät ist eigentlich dadurch definiert, dass man die Kohlenhydrat-Zufuhr deutlich senkt, in der Regel auf unter zehn Prozent der Gesamtenergie-Aufnahme. Davon halte ich auch wenig, das mag sinnvoll sein bei bestimmten Krankheiten, wir wissen gut, dass bei nicht behandelbarer Epilepsie bei Kindern, wenn Medikamente nicht mehr wirken, eine solche Diät wirklich hilfreich sein kann. Ansonsten halte ich das für kritisch und gefährlich, weil man damit unter Umständen auch eine Mangelernährung auslösen kann. Der Mensch braucht eine bestimmte Menge an Kohlenhydraten, beispielsweise kann das Gehirn nur Zucker verbrennen, also 30 Prozent der Kalorien, die wir aufnehmen, sollten aus Kohlenhydraten bestehen.“ Erzähler: Statt Keto-, Paläo-, Low Carb und Co. setzt Hauner auf eine omnivore Ernährung. Omnivor heißt, möglichst vielfältig zu essen, aber von allem etwas weniger, sofern man keinen besonders hohen Kalorienverbrauch hat wie etwa Profisportler oder körperlich schwer arbeitende Menschen: Zusp. 19 omnivor: „Der Mensch ist eigentlich ein Allesesser, weil er in seiner Evolutionsgeschichte ja immer darauf angewiesen war, das was für ihn sozusagen in der Umgebung verfügbar war, dann auch für seine Ernährung zu nutzen. Und das waren natürlich tierische Lebensmittel, also er hat Tiere gejagt, und wenn er sie erwischt hat auch maximal verzehrt. Er hat aber natürlich auch pflanzliche Lebensmittel um sich herum gesammelt und genutzt. Das hat wahrscheinlich auch den größeren Anteil gehabt, weil es auch leichter verfügbar war. Das hat ihn aber gezwungen, z.B. den ganzen Tag zu kauen, um aus diesen Graskörnern wirklich das bisschen Stärke, das da drin war, herauszuholen.“ Erzählerin: Und so hat sich zuletzt eine neue Diät etabliert, bzw. eine Anti-Diät: das intuitive Essen! Erzähler: Statt auf Vorgaben aus Lifestyle-Magazinen sollten wir verstärkt auf unser Bauchgefühl hören. Der menschliche Körper weiß eigentlich sehr gut, was er braucht und was ihm nicht gut tut. Nur haben viele von uns verlernt, auf dieses Körpergefühl zu hören. MUSIK: „Blurred vision“ - Länge 1:16 Erzählerin: Nur dann essen, wenn man wirklich Hunger hat! Erzähler: Nur das essen, worauf man richtig Appetit hat! Erzählerin: Nur soviel essen, bis man tatsächlich satt ist! Erzähler: Und gelegentlich einfach nach Lust und Laune schlemmen! Zusp. 20 persönlich: „Ich bin ja auch in Bayern aufgewachsen, sozialisiert worden mit viel Wurst und Fleisch und allerdings auch Süßspeisen, da gab´s ja früher noch viele und die haben wirklich toll geschmeckt. Wir haben aber die Ernährung die letzten Jahrzehnte schon umgestellt. Wir essen deutlich weniger Fleisch, aber wenn dann gutes Fleisch, und natürlich auch mit Genuss und eher fettarm zubereitet.“ Zusp. 21 Leberkäs: „Gleiches gilt für die Leberkässemmel, die in Bayern ja so beliebt ist. Die braucht man nicht zu verbieten, aber die Qualität einer Leberkässemmel ist natürlich sehr sehr bescheiden, um das mal freundlich zu formulieren. Das kann man einmal im Monat machen, wenn man gerade wirklich Lust hat, aber das würde ich nicht zur Gewohnheit werden lassen.“
- Mythos Musen - Töchter der Erinnerung
30.09.2025 · 24 Min.
Die Worte "Museum" und "Musik" sind nach ihnen benannt: den Musen. Die neun Schwestern werden einem illustren Elternpaar geboren. Ihr Vater ist Zeus, ihre Mutter die Göttin der Erinnerung, Mnemosyne. Sie beschützen und inspirieren in der griechischen Sagenwelt die Künste, und bis heute bringt man sie mit Kreativität in Verbindung. Von Julia Devlin (BR 2025) Credits Autor/in dieser Folge: Julia Devlin Regie: Susi Weichselbaumer Es sprachen: Friedrich Schloffer, Thomas Birnstiel, Irina Wanka Technik: Frank Brunier Redaktion: Bernhard Kastner Im Interview: Prof. Dr. Jan Söffner, Lehrstuhlinhaber für Kulturtheorie und Kulturanalyse, Zeppelin Universität Friedrichshafen Literatur: - Raoul Schrott: Die Musen. München 2000 - ausführliches wissenschaftliches Werk - Jan Söffner: Musen. In: Maria Moog-Grünewald (Hrsg.): Mythenrezeption. Die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Die ägyptische Göttin Isis - Tochter von Himmel und Erde Wir kennen die Göttin Isis als Göttin des Lebens und des Todes aus der Ägyptischen Mythologie. Isis kann heute als Verkörperung einer Sehnsucht nach der ursprünglichen Muttergottheit verstanden werden, die über die Jahrtausende einem überwiegend männlichen Gottesbild weichen musste. Von Andreas Hauber (BR 2022) Die Magie der Steine - Mineralien in Kult und Mythologie Mineralien und Steine gehören zu den ältesten Rohstoffen, die sich der Mensch nutzbar gemacht hat. Beim Einsatz für kultische Zwecke spielt die Form der Steine ebenso eine Rolle wie ihre Farbe und die Beschaffenheit. Von Carola Zinner (BR 2019) Linktipps: Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
- Wie wir Menschen wurden - Kochen, Nahrung und Gehirn
30.09.2025 · 24 Min.
Der aufrechte Gang kam zuerst, danach entwickelte sich das menschliche Gehirn in Millionen Jahren zu der Größe und Leistungsfähigkeit, wie es den modernen Menschen auszeichnet. Ist der Grund dafür ein Wechsel in der Ernährung oder haben veränderte Lebensbedingungen den Ausschlag dafür gegeben? Autorin: Daniela Remus Credits Autor/in dieser Folge: Daniela Remus Regie: Irene Schuck Es sprachen: Katja Amberger Technik: Regina Staerke Redaktion: Yvonne Maier Im Interview: Dr. Philipp Gunz, Paläoanthropologe, Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig; Prof. Ottmar Kullmer, Paläoanthropologe, Senckenberg-Forschungsinstitut und Naturkundemuseum, Frankfurt; Prof. Gerhard Weber, Paläoanthropologe, Universität Wien Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Zubeißen - Die Entwicklung der Zähne JETZT ANHÖREN Was bleibt von Darwin - Forschung zur Evolution heute JETZT ANHÖREN Der Beginn der Landwirtschaft - Alles Natur JETZT ANHÖREN Was macht uns aus? - Der feine Unterschied zwischen Mensch und Tier JETZT ANHÖREN Neuroplastizität - Wie das Gehirn sich neu strukturiert JETZT ANHÖREN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: ARD Audiothek | Der KI-Podcast Künstliche Intelligenz ist kein Zukunftsthema mehr – KI prägt unsere Gegenwart. Künstlich generierte Texte, Bilder und Stimmen sind überall ... und werden wöchentlich besser. Welche Auswirkungen bringt die KI in Arbeitswelt, Bildung und Gesellschaft mit sich? Wie kann man künstliche Intelligenz selbst im Alltag nutzen? Und was passiert, wenn jeder Inhalt im Internet auch ein KI-Fake sein könnte? Gregor Schmalzried, Marie Kilg und Fritz Espenlaub stellen sich jeden Mittwoch den großen und kleinen Fragen der KI-Revolution – und trennen die Fakten vom Hype. Ein ARD-Podcast von BR24 und SWR. JETZT ANHÖREN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.
- Helene Kottannerin - Die Kammerfrau, die Ungarns Krone stahl
29.09.2025 · 23 Min.
Es sind die frühesten deutschsprachigen Memoiren einer Frau dazu noch ein Text von schier unglaublichem Inhalt: Helene Kottannerin, Hofdame Königin Elisabeths von Luxemburg, erinnert sich um 1450 daran, wie sie im Auftrag ihrer Herrin die legendäre Heilige Stephanskrone stahl. Mit ihr wurden die ungarischen Könige gekrönt. Von Carola Zinner (BR 2023) Credits Autorin dieser Folge: Carola Zinner Regie: Christiane Klenz Es sprachen: Udo Wachtveitl, Irina Wanka, Carsten Fabian Technik: Roland Böhm Redaktion: Thomas Morawetz Im Interview: Professorin für Geschichte des Mittelalters unter besonderer Berücksichtigung des Spätmittelalters an der Ludwig-Maximilians-Universität München Diese hörenswerte Folge von radioWissen könnte Sie auch interessieren: Liselotte von der Pfalz - Ungeschminktes aus Versailles JETZT ANHÖREN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Zeitzeichen - Der Geschichts-Podcast des WDR 22.02.1440: Helene Kottannerin - die Kammerfrau, die Ungarns Krone stiehlt JETZT ENTDECKEN Linktipps: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. DAS KALENDERBLATT Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Literaturtipp: Julia Burkhardt, Christina Lutter: Ich, Helene Kottannerin - Die Kammerfrau, die Ungarns Krone stahl. Wbg Theiss, 2023 Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER
- Ganz schön zwanghaft: Von Ticks, Spleens und echten Zwängen
26.09.2025 · 25 Min.
Pflastersteine zählen, die Bettdecke richtig ausrichten, den Herd mehrfach prüfen. Harmlose Eigenarten oder bedenkliche Zwänge? Fast jeder Mensch hat Spleens, Ticks oder Marotten. Manche sind den Betroffenen nicht mal bewusst. Wie bedenklich sind solche Spleens, und inwiefern lassen sie sich von Zwangsstörungen abgrenzen, die man behandeln sollte? Überraschend ist: Bis zu einem gewissen Grad kann Zwangshaftigkeit sogar positive Effekte haben. Von Susanne Brandl Credits Autorin dieser Folge: Susanne Brandl Regie: Kirsten Böttcher Es sprachen: Andreas Neumann, Peter Veit Technik: Lorenz Kersten Redaktion: Susanne Poelchau Im Interview: Fanny Jimenez, Psychologin und Journalistin, Michael Kellner, Psychiater und Psychotherapeut, Universitätsklinikum Rechts der Isar, Katharina Bey, Psychologin und Psychotherapeutin, Universitätsklinikum Bonn; Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: WDR5 Innenwelt - das psychologische Radio HIER ENTDECKEN Psychologie fasziniert mit Einblick in unsere Innenwelt. Was passiert in unserem Kopf, welche Phänomene begleiten den Alltag? Und was, wenn etwas verkehrt läuft? Bei psychiatrischen Krankheiten ist Hinschauen ein erster wichtiger Schritt. oder Zeit für Bayern: Zwänge: Wie es sich anfühlt, mit Zwangsstörungen zu leben - Bayern2 Radio Literatur: Ich und mein Spleen. Was wir tun, wenn wir alleine sind. Die Autorin Fanny Jimenez erklärt psychologisch fundiert, dass kleien Zwänge, Spleens oder Marotten uns keine Sorgen machen müssen, im GegenteiL: sie sind gesund, weil sie dabei helfen dabei, uns zu regulieren. Zwangsstörungen: Die Autorin Katharina Bey geht hier auf theoretische Grundlagen zu Erscheinungsformen, Diagnostik, Entstehung und Aufrechterhaltung der Zwangsstörung ein und stellt Psychotherapiemaßnahmen vor. Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: SPRECHER: Es beginnt schon früh morgens, noch vor dem Aufstehen. O-TON A Ich stelle mir den Wecker oft ein, zwei Stunden früher als ich tatsächlich aufstehen muss. Einfach weil ich das Gefühl liebe, noch nicht aufstehen zu müssen. Dieser Moment, zu sehen, ah du kannst noch weiterschlafen, das genieße ich total. ATMO Teller + Besteck SPRECHER: Und wenn es dann so weit ist und der Tag beginnt, dann steht erst mal das Frühstück an. O-TON B „Beim Essen muss der letzte Bissen der beste Bissen vom ganzen Essen sein und dann esse ich drum herum, um möglichst sicher zu stellen, dass ich nicht mit einem unzufriedenen Gefühl aus dem Essen rausgehe.“ Atmo Geschirr in die Spülmaschine sortieren SPRECHER: Dann folgt das Tischabräumen. O-TON C „Die Geschirrspülmaschine muss immer ordentlich eingeräumt sein. Links die Messer, rechts das gebogene Besteck.“ ATMO Schranktür SPRECHER: Daraufhin steh ich vor dem Kleiderschrank und überlege. Oder auch nicht. Denn eigentlich ist klar: O-TON D „dass ich nur weiße Socken trag.“ Atmo Zähneputzen SPRECHER: Schnell noch Zähneputzen! O-TON E „Ich putz immer in der gleichen Reihenfolge, in dem gleichen Tempo Zähne. Genau nach dem gleichen Prinzip, sonst fühlt sich das nicht richtig an.“ ATMO Schritte SPRECHER: Und auf dem Weg in die Arbeit sind da diese Pflastersteine: O-TON F „Ich trete nicht auf die Linien von den Steinen auf den Boden, wenn es so große Steine sind, nicht auf die Linien. Warum nicht? Dann hat man irgendwie was zu tun.“ Musik aus SPRECHER: Manchmal sind wir seltsam. Wir folgen pedantisch ungeschriebenen Regeln oder Mustern. Wir kontrollieren Herd und Haustür oft mehrfach hintereinander. Wir zählen Autos, Straßenpfeiler oder Fenster. Kleine Zwänge, die uns komische Dinge machen lassen: O-TON 1 JIMENEZ: Viele Menschen sind sich ihres Spleens gar nicht bewusst bis es ihnen jemand sagt. Weil die eben so automatisch kommen. Unser Gehirn stellt das sozusagen einfach so zur Verfügung und oft erscheint uns das überhaupt nicht so irrational oder überflüssig wie es anderen erscheint. Und solange uns das keiner sagt, ist es meistens auch nicht peinlich.“ SPRECHER: Fanny Jimenez, Psychologin und Journalistin. In einer Kolumne befasste sie sich mit Marotten, Schrullen und Fimmeln, die man unter dem Begriff „Spleen“ zusammenfassen kann. Sie analysierte eigenartige Verhaltensmuster, trug Forschungserkenntnisse zusammen und veröffentlichte ihr Wissen in dem Buch. „Ich und mein Spleen.“ Darin bekräftigt sie: Kleine Zwänge müssen uns zunächst mal keine Sorgen machen. Im Gegenteil: O-TON 2 JIMENEZ: „Die helfen uns nämlich, unsere Ängste auszuhalten, sie helfen uns dabei, uns ein Gefühl von Kontrolle zu geben, vor allem wenn wir uns überfordert fühlen oder ohnmächtig. Und sie machen die unüberschaubare, unvorhersehbare Welt ein bisschen überschaubarer. Das ist zwar ne Illusion, aber unser Gehirn hat den Eindruck, dass alles ein bisschen sortierter und planbarer und vorhersehbarer funktioniert. Das heißt: Spleens und Marotten beruhigen und trösten uns und nehmen uns Angst und Unsicherheit. Musik 2: Goldberg-Variationen (Bach) – 35 Sek SPRECHER: Woher diese eigenartigen Bewältigungsstrategien kommen, das ist nicht so leicht zu entschlüsseln. Zunächst einmal zur Wortbedeutung: Der Begriff Spleen kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt: Milz - ein Organ, das in der Bauchhöhle in der Nähe unseres Magens liegt. Die Milz galt bis ins 19. Jahrhundert als verantwortlich für schwermütige Gefühlslagen, für hypochondrische Verstimmungen und alles, was an komischen Marotten so vorlag. Heute versteht man unter einem Spleen ein harmloses zwanghaftes Verhalten und verortet das vor allem im Gehirn. O-TON 3 JIMENEZ: „Das ist ja unsere große Problemlösemaschine - jetzt mal aus evolutionärer Sicht gesprochen - und das Gehirn weiß um bestimmte Phänomene, die uns helfen, die wir manchmal gar nicht wissen. Einfaches Beispiel: Putzen beruhigt enorm.“ SPRECHER: Das bestätigt eine Studie von der Universität Connecticut aus dem Jahr 2015. In Zeiten hohen Stresses greifen Menschen zu sich wiederholenden Verhaltensweisen wie Putzen, weil sie dadurch ein Gefühl der Kontrolle und Ruhe haben. O-TON 4 JIMENEZ: Das heißt, unser Gehirn weiß, was uns hilft, wenn wir überfordert sind oder ängstlich und nutzt diese verschiedenen Wege je nach Persönlichkeit. Mal ist es Putzen, mal ist es irgendwie was essen. Also über Spleens, um uns zu helfen und uns zu unterstützen. SPRECHER: Umgangssprachlich sprechen wir auch gerne von Ticks, und meinen damit schrullige, leicht zwanghafte Attitüden, die wir als unbedenklich einstufen. In der Medizin hingegen steht der Tick für ein neuro-psychiatrisches Krankheitsbild, so der Psychiater und Psychotherapeut Michael Kellner. Er leitet die Spezialambulanz Angst und Zwang an der Münchner Klinik rechts der Isar. O-TON 5 KELLNER „Aus medizinischer Sicht ist ein Tick eine motorische oder verbale kurzfristige Entäußerung, zum Beispiel, dass man kurz ne Grimasse macht oder das Augenlid zuckt etcetera. Es gibt aber auch komplexere Ticks wie zum Beispiel Grunzen oder Schimpfwörter rausschreien und die Verknüpfung zur Zwangsstörung: es gibt eine seltene Erkrankung, das „Gilles de la Tourette's syndrome“, bei dem neben Ticks auch sehr häufig Zwangsphänomene zustande kommen. Mutmaßlich Funktionsstörungen an sogenannten Basalganglien, ein tieferes Hirngebiet, wo auch Koordination von Bewegungen mitvermittelt wird und das wäre ne Brücke zwischen Tick und Zwangsstörung.“ SPRECHER: Zwangsstörungen sind von unproblematischen Zwängen klar zu unterscheiden. Was aber bedeutet unproblematisch? O-TON 6 KELLNER: „Es gibt keine klare Trennung zwischen Zwangsphänomenen und wirklicher Zwangsstörung, das ist ein Kontinuum. D.h. man muss da mindestens eine Stunde jeden Tag mit Zwangsphänomenen sich beschäftigen. Und vor allem eine Erkrankung wird bei uns erst eine Erkrankung, wenn das psychosoziale Leistungsvermögen in verschiedenen Rollen bis in den Beruf, Partnerschaft, Familie durch den Zwang beeinträchtigt wird.“ Musik 3: Twelve Month – 50 Sek SPRECHER: Herd und Haustür sind die wohl meist kontrollierten Gegenstände auf Erden. Fast jeder kennt das Innehalten und das Zweifeln. Manch einer kehrt noch einmal um. Zwangsneurotiker aber müssen mehrfach kontrollieren und glauben trotzdem noch nicht, dass der Herd aus ist und die Tür verschlossen. Dann sind sie gefangen in Gedanken- und Handlungsschleifen. Diese Art der Erkrankung betrifft circa zwei Prozent der Bevölkerung. Die Wahrscheinlichkeit, eine Zwangsstörung zu bekommen steigt, wenn in der eigenen Kernfamilie schon eine solche Erkrankung vorliegt. Wenn beispielsweise Vater oder Mutter betroffen sind, ist das Risiko für die Kinder, selbst auch zu erkranken, vier Mal so hoch wie das Risiko der Gesamtbevölkerung. O-TON 7 KELLNER: „Dann ist es so, dass man gehäuft schwere lebensgeschichtliche Ereignisse, Traumata, besondere Stressoren auch zusätzlich in Vorgeschichten der Patienten findet und manchmal ist es auch nur dummer Zufall, dass ein Zwangsphänomen nicht mehr aufhört, sondern Schleifen dreht.“ Musik 4: Twelve Month – 22 Sek SPRECHER: Das heißt, tatsächlich kann ein zunächst unbedenklicher Spleen irgendwann zur Zwangsstörung werden, vor allem, wenn Ängste größer werden. Hat man beispielsweise große Angst vor einem Tennisturnier, dann kann der Spleen, vor dem Spiel alle Spielfeldlinien betreten zu müssen, besonders stark ausgeprägt sein. Verzögert sich aber das Turnier immer öfter, da man bestimmte Linien noch nicht betreten hat, dann wird es problematisch. Der Übergang ist fließend. Ob Fimmel vererbbar sind, dazu gibt es bislang kaum Forschungsergebnisse. Es scheint aber auch bei harmlosen Zwängen eine genetische Komponente zu geben, so die Psychologin Fanny Jimenez. O-TON 8 JIMENEZ: „Was man weiß, ist, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, die eine Rolle spielen bei Spleens, dass die relativ hochgradig vererbbar sind wie z.B. Ängstlichkeit. Jeder Mensch hat ein Angstlevel, mit dem er oder sie auf die Welt kommt, das ändert sich auch oft nicht über die Lebensspanne. D.h. so eine Grundbereitschaft sich zu fürchten oder sich Sorgen zu machen. Und das ist tatsächlich zu einem sehr großen Teil vererbt.“ SPRECHER: Ängstlichere, kontrollbedürftige Menschen tendieren wohl eher dazu, einen Spleen zu entwickeln, so Jimenez, wobei sie hier darauf hinweist, dass dies wissenschaftlich noch nicht bewiesen ist. Bestätigt aber ist: Es gibt eine Gruppe von Menschen, die besonders spleen-anfällig ist. O-TON 9 JIMENEZ: „Das sind zum Beispiel Menschen, die ganz allein leben. Der Grund dafür ist, dass Menschen, auch als Erwachsene, immer noch andere Menschen brauchen, die ihnen helfen, ihre Gefühle zu regulieren. Also zum Beispiel Angst und Unsicherheit auszuhalten oder eben zu beruhigen und zu trösten, also gegenzusteuern.“ Musik 5: Brautlied – 40 Sek SPRECHER: Auch Kinder bewältigen ihre Ängste häufig mit leicht zwanghaften Verhaltensweisen. Oft sind es Begrüßungs- oder Verabschiedungsrituale, die stattfinden müssen, bevor der nächste Schritt erfolgen kann. Musik weiter O-TON JIMENEZ 10: „Als Kind kann man sich noch erinnern, wie wichtig das war, dass die Abende denselben Ablauf hatten, dass es die Gutenachtgeschichte gab, dass immer der Teddy mit dabei war.“ SPRECHER: In der noch magischen kindlichen Welt verschafft sich das Kind durch immer gleiche Abläufe Orientierung. O-TON 11 KELLNER: „In der Kindheit haben die allermeisten von uns meistens so im einstelligen Lebensalter eine kleine zwanghafte Phase hinter sich gehabt, wenn man durch gewisse Berührungsfolgen oder gewisse Rituale vielleicht die Welt oder das Schicksal scheinbar etwas berechenbarer macht. Das ist ein Übergangsstadion, und wenn es kurz ist, sollten sich Eltern da keine großen Sorgen machen.“ SPRECHER: So der Psychiater Michael Kellner, der noch eine weitere Gruppe nennt, die mit Verunsicherung und Neuorientierung konfrontiert ist: O-TON 12 KELLNER: „Interessanterweise sind insbesondere schwangere Frauen und Frauen im Wochenbett durchaus etwas gefährdeter, Zwangsphänomene zu entwickeln.“ SPRECHER: Eine gewisse Sensibilität ist ebenfalls ein Persönlichkeitsmerkmal, das ein zwanghaftes Verhalten wahrscheinlicher macht, so die Psychologin Katharina Bey von der Universität Bonn: O-TON 13 BEY: Sensibilität gegenüber Gefahren oder auch Überschätzungen der eigenen Verantwortlichkeit. Manchmal ist es auch so ein Anspruch, dass man die eigenen Gedanken kontrollieren muss, dass es über die eigene Persönlichkeit etwas aussagt, welche Gedanken man hat, das sind so ganz viele, ja verschiedene Bewertungsprozesse, die damit auch einhergehen. Musik 6: Twelve Month – siehe vorn – 15 Sek SPRECHER: Ein Beispiel: Fast jeder, der ein Messer in der Hand hatte, kam schon mal auf den Gedanken, dass man mit diesem Messer jemanden erstechen könnte. O-TON 14 BEY: „Aber die meisten denken ja, das mache ich ja sowieso nicht, das wird nicht passieren, ich bin ja kein gewalttätiger Mensch, also warum sollte ich das machen und dann gehen Sie direkt zum nächsten Gedanken. Aber Menschen, die eben sehr sensibel sind, deren Alarmsensor, wie man das vielleicht nennen möchte, im Gehirn besonders sensibel ist, die machen sich dann gleich Gedanken, vielleicht bin ich dann wirklich ein schlechter Mensch, vielleicht gibt’s da einen Anteil in mir, der das tun möchte, vielleicht verliere ich die Kontrolle und könnte sowas tun und das ist dann natürlich total bedrohlich.“ SPRECHER: Im Falle einer Zwangsstörung kann sich der Betroffene nicht mehr von diesem Gedanken lösen, dass er oder sie jemanden erstechen könnte und entwickelt darüber hinaus extreme Schuldgefühle. Die Angst vor dem Messer kann allerdings auch als subklinischer, einfacher Spleen auftreten, den Fanny Jimenez an sich selbst entdeckt hat: O-TON 15 JIMENEZ: „Womit ich so ein bisschen Schwierigkeiten habe, ist, wenn mir Menschen gegenübersitzen, zum Beispiel beim Mittagessen, und das Messer des Gegenübers zeigt auf mich. Es ist irgendwie unangenehm, ich würde es auch aushalten, also es ist jetzt nicht so, dass ich mich dann gar nicht mehr konzentrieren kann. Aber es ist unangenehm und ich schieb dann meistens ne Wasserflasche oder den Brotkorb oder so dazwischen und dann ist es wieder gut. Das ist auch eine ganz typische Vorsichtsmaßnahme, weil das Gehirn antizipiert, dass dieses Messer potenziell ein gefährlicher Gegenstand sein könnte und daher sicherstellen will, dass wir das im Blick haben.“ SPRECHER: Damit benennt Jimenez eine von mehreren Kategorien, in die man Spleens unterteilen kann. Sie können potentiellen Gefahren einen Riegel vorschieben, auch wenn die Gefahr selbst heutzutage wenig realistisch erscheint. Unsere Vorfahren waren einst wirklich gezwungen, Messern mit Misstrauen zu begegnen. So kann der Zwang, einem Messer eine Barriere vorzuschieben vor tausenden von Jahren ganz vernünftig gewesen sein - heute scheint er übertrieben, eigenartig, seltsam. Eine weitere Kategorie: Das Zählen von Objekten. Musik 7: Gimme that shimmy – 32 Sek O-TON G „Ich zähle Treppenstufen. Wenn man fünf, sechs Stockwerke hat, dann macht‘s das angenehmer, mitzuzählen im Kopf.“ SPRECHER: Andere Menschen bilden Quersummen aus den Nummernschildern, wenn sie im Stau stehen. Oder sie zählen die vorbeifahrenden Autos. Das sind Beschäftigungsmechanismen, die unser Gehirn anschaltet, wenn es sich langweilt, so Jimenez. Das Gehirn hat zudem eine ganz große Vorliebe für Symmetrie. O-TON 16 JIMENEZ: „Und das ist im Gehirn sehr eng verbunden mit Konzepten, nämlich mit dem Konzept von Gerechtigkeit oder Ausgewogenheit, weswegen es z.B. zu solchen Spleens kommt: wir hatten vorhin die Treppenstufen, die man hochgeht und dabei zählt. Wenn man dabei eine Treppenstufe auslässt, weil man darüber springt, dann gibt es Menschen, die sagen, ich bin noch mal zurückgegangen, weil es war die einzige Treppenstufe, auf die ich nicht getreten bin.“ SPRECHER: Ein amüsantes, populäres Beispiel für den Zählzwang: Musik 1: Und ich zähle: 1,2,3,4 Shrimps zum essen, 1 Regenschirm nicht zu vergessen, 1,2 Segelboote, wunderbar, 1,2 Pelikane fliegen da… ist das beste tief im Meer, schwimmen Fische hin und her,, die ich zählen kann, haha!“ SPRECHER: Das ist Graf Zahl aus der Sesamstraße. O-TON 17 JIMENEZ: „der ja davon lebt, dass er zählt, das sagt er ja auch: Ich lebe wenn ich zähle und der ist halt super spleenig als Figur, aber trotzdem lebt er ganz gut in der Sesamstraße und hat Freunde und kann seinen Alltag bewältigen.“ Musik 8: Immerzu – 21 Sek SPRECHER: Nicht ganz so amüsant sind die Spleens, die mit dem Aufstehen und dem Schlafengehen verbunden sind. Sie entstehen oft aus einem Bedürfnis nach Struktur, Sicherheit und Stabilität. O-TON H „Wenn ich schlafen gehe, muss das Rollo immer gleich sein, die gleiche Höhe, ja. Es gibt mir Sicherheit, dann schlafe ich ruhiger ein.“ SPRECHER: Spleens können also durchaus zur Routine werden. Und sie helfen auch hier dabei, sich zu regulieren. O-TON 18 JIMENEZ: „Um Handlungen einen verlässlichen Rahmen zu geben, der gerade abends - Einschlafen war für unsere Vorfahren oft ein sehr gefährliches Unterfangen – die uns helfen einzuschlafen und uns sicher zu fühlen. Musik 9: Greenhouse – 30 Sek SPRECHER: Viele Eigenheiten drehen sich besonders um den Bereich der Hygiene. Der Putzfimmel ist ein weit verbreiteter Begriff. Die Betroffenen brauchen das Reinigen, um zur Ruhe kommen oder bei sich anzukommen. Ein Beispiel hierfür ist der Bericht eines Lufthansa Piloten, der nach langen Reisen wieder in seine vier Wände kam: O-TON 19 JIMENEZ: „Und der hat mir erzählt, dass er, wenn er nach Hause kommt und todmüde ist und eigentlich nur schlafen will, dass er, bevor er sich hinlegen kann, anfängt zu putzen. Der Mensch ist ja ein territoriales Wesen, wie auch viele andere Säugetiere und viele andere Tiere, also wie so ein Vogel, der, wenn er zurückkommt, sein Nest putzt, damit es wieder ihm gehört und alles wieder so ist, wie er es braucht. SPRECHER: Ein Putzbedürfnis, das grenzwertig werden kann, wenn der Schlaf zu kurz kommt. Dann kann ein Putzzwang vorliegen, der sich auch dadurch äußert, dass der Betroffene ständig desinfizieren muss, aus der Angst heraus sich anzustecken. Aber es gibt noch mehr krankhafte Zwangsphänomene, die in der Spezialambulanz rechts der Isar erfasst werden: O-TON 20 KELLNER: „Die Fragebögen, die wir den Patienten hier geben, ist ne Unterteilung bezüglich einerseits: Furcht vor Keimen beziehungsweise Kontaminationen. Die zwanghafte Befürchtung, am Unglück anderer Schuld zu sein. Dann die für die Patienten inakzeptablen Gedanken oder Befürchtungen. Und zum vierten: die neudeutsch „Not just right“-Phänomene, wo man so das Gefühl hat, die Sachen sind nicht ganz in Ordnung, man muss sie zurechtrücken, Symmetrie oder eine andere Ordnung herstellen.“ SPRECHER: Bis in die 80er Jahre hinein meinten Mediziner und Psychologen, dass Zwangsneurosen kaum zu heilen seien. Inzwischen aber gibt es vielversprechende Therapieerfolge, so der Psychotherapeut Michael Kellner. O-TON 21 KELLNER „Erste Wahl sind definitiv verhaltenstherapeutische Psychotherapien. Sowohl die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie, wo es sehr viel um Bewertungen von Gedanken, von Situationen, von Handlungen geht, um Neubewertung, die eben gegen die Zwangsrichtung zu einer realistischeren, zwangsferneren Einschätzung führen können. Aber insbesondere auch die sogenannten Expositions- oder Konfrontationstherapien bei der Zwangsstörung, die aber ne sehr gute Vorbereitung brauchen, bis der Patient diese teilweise sehr belastenden Therapien auch mitmacht, also zum Beispiel bei einer Kontaminationsangst. SPRECHER: Bei einer solchen Exposition wird der Patient in therapeutischer Begleitung mit der belastenden Situation konfrontiert. Bei dem Zwang, exzessiv zu waschen und zu desinfizieren, kontaminiert der Therapeut den Patienten stückweise durch Türklinken, Geldscheine oder durch Kontakt zur Toilette, bis die Anspannung heruntergeht, und der Betroffene lernt, die Restunsicherheit besser zu ertragen. Bei harmlosen Zwangsgedanken gelingt die Distanzierung von ganz alleine. Vorausgesetzt, dem Betroffenen ist sein Spleen bewusst. O-TON 22 JIMEMEZ: „Es ist nicht ganz leicht, weil man muss sich dabei ertappen und wahrscheinlich sucht sich die Psyche dann einen anderen Weg, um zu beruhigen oder die Funktion zu erreichen, die es damit eigentlich erreichen wollte. Aber ja, das geht schon und das ist vielleicht auch ein wichtiger Punkt: wenn das nicht mehr geht, also wenn man einen Spleen so gar nicht abstellen kann, dann wird es schwierig und dann sind wir so ein bisschen in dem Graubereich: Ab wann ist es vielleicht nicht nur ein Spleen, sondern tatsächlich ja eher ein Symptom einer psychischen Erkrankung? SPRECHER: Eine Frage, die sich auch 2020 gestellt hat, als die Corona-Pandemie ausbrach. Innerhalb kurzer Zeit fingen die Menschen damals an, wie wild einzukaufen. Katharina Bey und ihre Kollegen von der Universität Bonn wollten genauer wissen, wer besonders zu Hamsterkäufen neigt. O-TON 23 KATHARINA BEY: „zu Beginn der Pandemie haben wir da eine Online-Umfrage durchgeführt, um dieses Thema der in den Medien damals sehr ja heiß diskutierten Hamsterkäufe aufzugreifen. Und da hat sich tatsächlich gezeigt, dass ein Faktor, der das begünstigen kann oder der damit zumindest korreliert ist, subklinische Zwangssymptome sind, also eine Person, die eher dazu tendiert, Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen zu haben, die hat dann in unserer Umfrage auch eher zu Hamsterkäufen tendiert.“ Musik 10: Twelve Month – siehe vorn – 19 Sek SPRECHER: Können bestimmte gesellschaftliche Bedingungen, globale Bedrohungslagen, unsichere Zeiten oder eine unvorhersehbare Zukunft dazu führen, dass Menschen zunehmend Zwangsverhalten entwickeln? O-TON 24 KATHARINA BEY: „Nicht jeder Mensch nimmt ja dieselbe Situation gleich wahr. Es ist erst kürzlich eine Metaanalyse erschienen. Da gab es große Schwankungen zwischen unterschiedlichen Kulturen und Personen, insbesondere bei Schwangeren war die Quote deutlich erhöht, was ja auch sehr nachvollziehbar ist. Also so, dass man schon gesehen hat, dass während der Pandemie Zwangsverhalten ja doch deutlich verstärkt war. Was sich aber dann mit Abklingen der Pandemie auch wieder reduziert hat. SPRECHER: Ob das Coronavirus zu einer Zunahme von ernsthaften Zwangserkrankungen in der Gesamtbevölkerung geführt hat, ist eher umstritten, so Michael Kellner vom Klinikum rechts der Isar. Was die Pandemie aber deutlich gezeigt hat: dass Verhalten, das als krank gilt, in einem Ausnahmezustand plötzlich selbstverständlich wird. Häufiges Desinfizieren hat damals eine eklatante Umdeutung erfahren hin zu einem vernünftigen Verhalten in einer bedrohlichen Lage. Ob Pandemie oder nicht: Menschen, die von ihrem Zwang so stark beeinträchtigt sind, dass sie ihren Alltag nicht mehr bewältigen können und dadurch Leidensdruck verspüren, sollten sich in Behandlung begeben. Musik 11: Spaziergang – 20 Sek Was aber ist mit denen, die einfach nur ihre Spleens haben? Schadet ihnen oder ihrem Umfeld ihr zwanghaftes Verhalten, sollten sie sich ihre Eigenarten abtrainieren? Und wer bestimmt, was noch normal ist und was nicht? Musik aus O-TON 25 JIMENEZ: Also normal ist immer das, was eine Gesellschaft für normal hält. Und das bedeutet, dass das im Grunde ne große Verhandlungssache ist. Und mir war eben ein ganz großes Anliegen, mit diesem Buch zu zeigen, dass nicht alle Verhaltensweisen, die sich uns nicht auf Anhieb erschließen oder die für uns nicht Sinn ergeben, nicht automatisch bedeuten, dass derjenige ein Problem hat oder eben psychisch erkrankt ist. Ich würde da immer sehr vorsichtig sein, da so zu überpathologisieren und erstmal zu schauen, gibt es nicht vielleicht doch was, das dieses Verhalten, was derjenige zeigt, leistet? Weil meistens tut es das. SPRECHER: Das zeigt auch eine Studie, die der schottische Neuropsychologe David Weeks in den 90er Jahren durchgeführt hat. O-TON 26 JIMENEZ: „Und zwar hat er sich über 1000 Exzentriker gesucht, in England und in den USA, und hat die mehr als 10 Jahre lang begleitet, und seine Schlussfolgerung war, dass Menschen, die ihre Spleens eben ausleben und vielleicht sogar ein bisschen kultivieren, - denen es also nicht so wichtig ist, konform zu sein - dass die weniger Druck verspüren, dass sie ihrer Psyche eben regelmäßig etwas Gutes tun und dass sich das am Ende auf ihre Gesundheit auszahlt. Das heißt, die waren nicht nur seltener psychisch krank als andere Menschen, sondern sie hatten auch ein sehr gutes Immunsystem und sind seltener zum Arzt gegangen.“ Musik 12: Spaziergang – siehe vorn – 43 Sek SPRECHER: Alle, die hier und da ein bisschen verrückt sind, und keinen Leidensdruck verspüren, können also beruhigt weiter ihren Marotten, Fimmeln, Ticks oder Spleens frönen. Und womöglich liegt sogar ein wenig Schönheit darin. So jedenfalls sah es der Maler Vincent van Gogh. Ihm wird ein Zitat zugeschrieben, das den kleinen Zwängen einen wunderbar ästhetischen Wert beimisst: ZITATOR: „Die Normalität ist eine gepflasterte Straße; man kann gut darauf gehen – doch es wachsen keine Blumen auf ihr.“
- Unsere Luft - was in ihr steckt
25.09.2025 · 22 Min.
Die Luft, die uns auf der Erde umgibt, ist ein Gasgemisch und unerlässlich für jedes Leben. Frische Luft ist sauerstoffreich, farb- und geruchsfrei. Aber vor allem in den Städten sind neben Sauerstoff, Stickstoff und den anderen natürlichen Bestandteilen auch Schadstoffe in der Luft. Autorin: Katrin Kellermann Autor/in dieser Folge: Roana Brogsitter Regie: Frank Halbach Es sprachen: Ditte Ferrigan, Xenia Tiling, Karin Schumacher, Andreas Discherl Technik: Andreas Lucke Redaktion: Matthias Eggert Literatur-Empfehlungen: · Buch „Staub. Alles über fast nichts“, Jens Soentgen, dtv Verlag Witzig und eloquent geschrieben, absolutes Lesevergnügen über Wollmäuse und andere Erkenntnisse über den Staub! · Buch „Ein Meer von Luft: Eine Naturgeschichte der Atmosphäre“, Gabrielle Walker, Berlin Verlag 2007. Eine spannend geschriebene Wissenschaftsgeschichte, sehr umfangreich! Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung: BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG Hör-Tipps: IQ - Wissenschaft und Forschung · Feinstaub - Der Kampf gegen den Dreck in der Luft · Podcast in der ARD Audiothek radioWissen · Dicke Luft - Wie schädlich ist Feinstaub? · Podcast in der ARD Audiothek radioWissen · Höhenluft - ganz schön gut, ganz schön schlecht · Podcast in der ARD Audiothek IQ - Wissenschaft und Forschung · Methan - Das unterschätzte Klimagas · Podcast in der ARD Audiothek radioWissen · Photosynthese - Das wundersame Pflanzenkraftwerk · Podcast in der ARD Audiothek radioWissen · Was der Wind zu uns trägt - Von Samen, Staub und anderen Passagieren der Lüfte · Podcast in der ARD Audiothek radioWissen · Zug um Zug - wie die Lunge uns Leben "einhaucht" · Podcast in der ARD Audiothek Blitze – Extrem und zunehmend gefährlich Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.
- Orchideen - Spektakel der Farben und Formen
23.09.2025 · 22 Min.
Leuchtende Farben, betörender Duft: Orchideen gelten als wunderschön - aber auch als selten. Viele glauben, es gäbe sie vor allem in den Tropen. Dabei sind diese spektakulären Pflanzen auch in Bayern zu entdecken. Man muss nur wissen, welche Vorlieben sie haben und wo sie deshalb zu finden sind. (BR 2022) Autor/in dieser Folge: Bettina Weiz Regie: Irene Schuck Es sprachen: Berenike Beschle Technik: Wolfgang Lösch Redaktion: Matthias Eggert Das Manuskript zur Folge finden Sie HIER. Hier gibt es eine weitere interessante Folge von radioWissen: Nachtaktive Pflanzen – Was uns im Dunkeln blüht JETZT ANHÖREN Wie sollte man Orchideen schneiden? Und vor allem: was sollte man schneiden? Blütenstiele, Wurzeln oder Blätter? Sabrina Nitsche von Querbeet hat die Antworten: Querbeet | Phalaenopsis - Orchideen richtig schneiden ZUM ARTIKEL Literaturtipps: Helmut Presser, Orchideen. Die Orchideen Mitteleuropas und der Alpen, Landsberg am Lech, 2000: ecomed-verlagsgesellschaft Eric Hansen, Orchideen-Fieber. Die Geschichte einer Leidenschaft, Stuttgart 2002: J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger J. G. Williams, A E. Williams, N. Arlott, Orchideen Europas mit Nordafrika und Kleinasien, München et al 1979: BLV Verlagsgesellschaft
- Russland und seine Geheimdienste - Der lange Schatten des KGB
22.09.2025 · 23 Min.
Putin ist ehemaliger KGB-Agent. Das beeinflusst seine Politik und sein Weltbild. Doch wie einflussreich sind die russischen Geheimdienste bis heute? Haben sie den russischen Staat gekapert? Ein ehemaliger Spion kannte Putin persönlich und berichtet über den langen Schatten des KGB. Von Jerzy Sobotta Credits Autor dieser Folge: Jerzy Sobotta Regie: Frank Halbach Es sprachen: Hemma Michel, Andreas Neumann Technik: Monika Gsaenger Redaktion: Thomas Morawetz Im Interview: Sergei Jirnov, ehem. KGB-Agent Mark Galeotti, britischer Geheimdienst- und Russland-Experte † Andreas Hilger, Historiker und ehem. Leiter der Max-Weber-Stiftung in Tbilissi, Georgien Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Die Russische Welt aus Sicht des Kremls - Ruskij Mir HIER Literatur: Catherine Belton, „Putins Netz. Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste.“ – ein beeindruckend recherchiertes Standartwerk über Putin, sein KGB-Netzwerk und den Aufstieg im Kreml. Ein Heft der Zeitschrift Osteuropa (11/2022) zu Russlands Geheimdiensten: „Mit Mord und Tat“. Eine aktuelle Bestandaufnahme über Geschichte und Gegenwart der russischen Geheimdienste. „Schwarzbuch Putin“, herausgegeben von Stéphane Courtois und Galia Ackermann mit wertvollen Beiträgen unter anderem zu Putins Zeit beim KGB und den Geheimdienstaktionen Russlands im Westen und der Ukraine. Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
- Der Traum vom Weltfrieden - Der chinesische Utopist Kang Youwei
21.09.2025 · 23 Min.
Eine Weltgemeinschaft in Frieden und Gerechtigkeit, ohne Diskriminierung und Ausbeutung, ohne Hierarchien und Grenzen. Diese Utopie hat der Philosoph und Reformer Kang Youwei um 1900 in China niedergeschrieben. Seiner Zeit weit voraus schuf er eine Philosophie, die zum Weltfrieden führen sollte. Autor: Thomas Grasberger (BR 2021) Credits Autor dieser Folge: Thomas Grasberger Regie: Sabine Kienhöfer Es sprachen: Hemma Michel, Christian Baumann, Friedrich Schloffer Technik: Regine Elbers Redaktion: Bernhard Kastner Im Interview: Thomas Heberer (Professor für Politik und Gesellschaft Chinas an der Universität Duisburg-Essen) Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Frieden - Persönliche Sehnsucht - Politische Utopie JETZT ANHÖREN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 radioWissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnah nimmt Euch „Wie wir ticken“ mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek. ZUM PODCAST Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Musik: M0007510001 Imperial city 1‘00 Erzähler Als der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Dezember 2018 zum Staatsbesuch in die Volksrepublik China reiste, stand auf dem Programm auch ein Besuch der Sichuan-Universität in Chengdu. In seiner Rede appellierte Steinmeier an die Studierenden: Zitator „Nutzen Sie das, wofür Generationen gekämpft haben – eine globale Ordnung, die Frieden und Zusammenarbeit erst möglich macht!“ Erzähler In einer Zeit, in der nationale Egoismen und Konflikte weltweit auf dem Vormarsch sind, erinnert der deutsche Bundespräsident also an das Gemeinsame. Und zitiert einen chinesischen Gelehrten namens Kang Youwei, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine bedeutende Schrift verfasst hat. Das „Datongshu“, die Utopie einer „Großen Gemeinschaft“, Zitator „die die Grenzen von Nation, Rasse, Geschlecht und Hierarchie überwindet.“ Erzählerin: Den Studierenden der Sichuan-Universität dürfte der Name Kang Youwei geläufig gewesen sein. Schließlich gilt er als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des modernen China. Manche sehen in ihm gar den „Martin Luther der konfuzianischen Lehre“. Und Chinas Parteichef Xi Jinping lobt Kang immer wieder als einen fortschrittlichen Denker. ZSP 1 aktuell in China 0,20 In China ist Kang Youwei und sein Begriff des "Datong" Gegenstand der permanenten Auseinandersetzung über ein neues Wertesystem, ein innerchinesisches Wertesystem, aber auch ein globales Wertesystem. Nur bei uns spielt diese Debatte in China keine Rolle, weil sie auch gar nicht bekannt ist. Erzähler: Deshalb hat Thomas Heberer, Professor für Politik und Gesellschaft Chinas an der Universität Duisburg-Essen, die Schrift von Kang Youwei neu herausgegeben: „Datongshu“ - „Das Buch von der Großen Gemeinschaft“ sucht Antworten auf höchst aktuelle Fragen. Erzählerin: Wie werden wir in Zukunft zusammenleben? In Frieden und Gerechtigkeit? Oder im Chaos? Musik: CD603340003 Waves 0‘25 Die Menschheit ist zur Schicksalsgemeinschaft geworden. Größere Konflikte könnten schnell unsere letzten sein. Die globalen Probleme gemeinsam zu lösen, ist heute also eine Überlebensfrage. Erzähler: Kang Youwei hat das bereits vor mehr als 100 Jahren erkannt. Und seine Anleitung zum Weltfrieden geschrieben. Inspiriert wurde er zu dieser Utopie schon in jungen Jahren. Kang las ein Buch über die „Schlacht bei Sedan“, die im deutsch-französischen Krieg 1870/71 stattfand. Diese Lektüre erschütterte den jungen Mann sehr; das „große Leid der Welt“ verfolgte ihn bis in seine Träume, sagt Thomas Heberer. ZSP 2 Sedan 0,16 Diese Brutalität dieser Schlacht, und die vielen Soldaten, die dort gestorben sind, haben in ihm ein bestimmtes Nachdenken hervorgerufen, dass man eigentlich Friede in der Welt braucht und dafür sorgen muss, dass Kriege abgeschafft werden. Das war wohl ein Schlüsselerlebnis. Musik: CD603340008 Song oft he dragon and phoenix 0‘42 Erzählerin: Geboren 1858 in einem Dorf in der südchinesischen Provinz Guangdong, wächst Kang Youwei in einer angesehenen Familie von gelehrten Beamten auf. Es versteht sich von selbst, dass auch er eine klassisch-konfuzianische Erziehung genießen und die Beamten-Laufbahn einschlagen soll. Erzähler: Doch das enge Korsett des alten Konfuzianismus, mit seinem starren Pauken und auswendigen Herunterbeten von Texten, passt dem jungen Kang gar nicht. Er zieht sich zurück und studiert die großen Philosophien des Ostens, den Taoismus und den Buddhismus. ZSP 3 Visionär 0,32 Er hat diese verschiedenen religiösen und philosophischen Komponenten Chinas alle studiert, weil er als junger Mann auf der Suche war nach einer Vision. Und um auf der Suche nach einer Vision zu sein, ist es ganz wichtig, dass man sich mit den ganzen Geistesströmungen über die Geschichte hinweg auseinandersetzt. Und auch kritisch. Er hat sich ja selbst als ein Visionär begriffen, der die Mission vom Himmel erhalten habe, praktisch eine Utopie zu verfassen für die Menschheit. Musik: Z9316499107 Through the bamboo forest 0‘32 Erzähler: China steckte seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in einer tiefen Krise. Das Land war in einem desaströsen Zustand, rückständig, politisch verkrustet, gedemütigt und schikaniert von ausländischen Mächten. Nach einer Reihe militärischer Niederlagen gegen England, Frankreich, Japan und Russland war klar: China brauchte ein umfassendes gesellschaftlich-politisches Reformprogramm und eine weitreichende Vision. Erzählerin: Kang Youwei sollte zu einem Vordenker dieses Reformprojekts werden. Er schlug zum Beispiel vor, den Konfuzianismus als Kirche neu zu organisieren und zur Staatsreligion zu machen. ZSP 4 Staatsreligion 0,36 Diese Idee kam ihm von Europa: Der Staat in Europa zuständig für Recht und Ordnung, und die Kirche für die Moral. Das war bei uns getrennt. In China gab es keine Kirche, da war der Staat für alles zuständig, für die Moral und für die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung. Und dass er wahrscheinlich gesehen hat, das funktioniert besser in Europa. Und wir brauchen eine Institution, die identitätsstiftend wirkt, Sinn gibt. Und auf der anderen Seite auch diese Moralerziehung wahrnehmen kann. Dass der Staat sich auf die Aufgaben konzentrieren kann, die eigentlich seine Kernaufgaben sind, nämlich die Aufrechterhaltung der Ordnung. Erzähler: Kangs Idee einer konfuzianischen Staatsreligion wird auch heute wieder ernsthaft diskutiert in China, sagt Ostasienexperte Thomas Heberer. Zu Lebzeiten jedoch wurde Kang Youwei dafür von jungen Intellektuellen kritisiert, dass er die alte Lehre reformieren wollte. Konfuzius war für Kang nämlich keineswegs jener Reaktionär, der für die Rückständigkeit Chinas verantwortlich war. Man müsse ihn halt nur als Reformer lesen und verstehen, meinte Kang Youwei. Musik: Z9458720002 The eternal vow 0‘35 Erzählerin: Kangs politischen Reformideen stießen im ausgehenden 19. Jahrhunderts für kurze Zeit auf allerhöchstes Interesse. Der Kaiser selbst begeisterte sich dafür. Aber dieser Kaiser Guangxu war politisch schwach. Und so folgte auf den kurzen Frühling der 100-Tage-Reform bald eine neue Eiszeit. Die konservativen, reform-feindlichen Kräfte am Hof setzten sich durch und schlugen unerbittlich zurück. ZSP 5 Exil 0,28 Und sie haben diese Reformer verhaftet. Kang Youwei und Liang Qichao ist es gelungen, nach Japan zu fliehen; die meisten anderen sind hingerichtet worden. Darunter ein Bruder Kang Youweis. Er war dann bis zur Revolution 1911/12, Ende der Kaiserdynastie, nicht mehr in China, sondern in Japan und hat auch andere Länder bereist, vor allem Länder, in denen Auslandschinesen gelebt haben, um zu werben für sein Reformprogramm für die Zukunft Chinas. Erzählerin: Kang Youwei bereiste fast alle Kontinente, war in über 60 Ländern, allein elf Mal in Deutschland. Als er in München sein erstes Bier trank, war er nachhaltig begeistert - vom Geschmack, den Trinksitten und von den großen Gläsern. Erzähler: Erstaunlicher mag erscheinen, dass Kang auch das damalige politische System Deutschlands gut fand. Das konstitutionelle Kaiserreich erschien ihm offenbar fortschrittlich, verglichen mit dem damaligen China. Für die Zukunft jedoch waren Parlamentarismus und Demokratie für Kang die erstrebenswerten politischen Ziele. Weltweit. Musik: Z8030896105 Genetics (reduced) 0‘38 Erzählerin: Denn Kang dachte nie nur an China, sondern immer an die ganze Menschheit. Vor diesem Hintergrund schrieb er 1902 einen ersten Entwurf von „Datongshu“. Intellektuell beeinflusst war seine Utopie nicht nur von alten östlichen Traditionen, sondern auch von modernen westlichen Denkern wie Immanuel Kant oder Karl Marx. Dazu kommen noch Gedanken des Darwinismus und vieler japanischer Wissenschaftler, sagt Thomas Heberer. Kangs Kosmos ist ein Sammelsurium von Ideen unterschiedlicher Epochen und Weltgegenden. ZSP 6 Einflüsse 0,15 Und auf diese Weise hat er eine Utopie für die Menschheit entwickelt. Und das finde ich doch etwas Besonderes, weil Chinesen auch heute sich in der Regel primär befassen mit der Entwicklung Chinas, und relativ selten mit der Entwicklung der Menschheit. Wo soll die Menschheit hin? Erzähler: Für Kang steht das Ziel fest: Zum Datong soll die Menschheit eines fernen Tages gelangen. Dieses Datong, sagt Thomas Heberer, könne man übersetzen mit „Große Gemeinschaft“ oder „Große Harmonie“. Im Grunde ist es eine uralte Idee vom paradiesischen Zustand des Friedens, die die ganze philosophische und politische Geschichte Chinas durchzieht. Bis heute. Musik: CD603340015 Wang Ji 0‘43 Erzähler: Kang Youwei beschreibt seinen Fahrplan zum Weltfrieden in zehn Einzelschritten. Er beginnt mit dem Leiden der Welt und der Fähigkeit des Menschen zum Mitleiden. Erzählerin: “Ren“ - das chinesische Wort für (Mit-)Menschlichkeit - ist ein zentraler Begriff in Kangs konfuzianisch geprägter Utopie. In einem ersten Schritt seien die großen und kleinen Egoismen zu überwinden, zugunsten einer staatsbürgerlichen Gesinnung. Aber dabei darf es nicht bleiben. Deshalb erklärt Kang im zweiten Teil des Buches: Zitator: Wie man die nationalen Grenzen abschafft und die Welt zur Einheit bringt Erzählerin: So etwas geht natürlich nicht von heute auf morgen. Kang Youwei denkt in langen Zeiträumen. Und bedient sich dabei der alten konfuzianischen Vorstellung von den drei Zeitaltern. Sie sind die Generallinie auf dem Weg zur „Großen Gemeinschaft“. Erzähler: Im ersten „Zeitalter der Unordnung“ gibt es noch Einzelstaaten, die ihre nationalen Egoismen durchboxen. Chaos und Krieg herrschen auf der Welt, aber es kommt zu ersten Bündnissen und internationalen Konferenzen. Voraussetzung für den künftigen Frieden ist eine konsequente weltweite Abrüstung. Erzählerin: Im zweiten „Zeitalter der Festigung des Friedens und der Gleichheit“ entwickelt sich die Weltgemeinschaft dann weiter. Neue Gemeinschaftsstaaten, Gemeinschaftsregierungen und Parlamente werden gegründet. Erste Territorien werden einer Gemeinschaftsregierung unterstellt. Erzähler: Im dritten „Zeitalter des ständigen Friedens und der völligen Gleichheit“ wird die "Großen Gemeinschaft dann vollendet. Staaten und Grenzen sind abgeschafft, es gibt nur noch den Weltstaat. Und die Erde wird von einer Gemeinschaftsregierung verwaltet. Keine Monarchen mehr, keine Präsidenten oder Geschäftsführer. Nur noch Gesetze, die von Parlamentariern erlassen werden; die Exekutive erledigen dann Verwaltungsbeauftragte. Und alle wichtigen Angelegenheiten werden durch Mehrheitsbeschluss entschieden. Musik: CD603340018 Azalea 0‘9 Zitator: Wie man die Klassenschranken abschafft und alle Menschen gleichstellt. Erzähler: Auf dem Weg zum irdischen Paradies müssen auch Stände, Privilegien und Hierarchien abgeschafft werden. Mit dieser rechtlichen Gleichheit aller Menschen geht er weit über den traditionellen Konfuzianismus hinaus. Dessen streng hierarchisches Denken ersetzt Kang Youwei durch seine Reformidee einer konfuzianischen Staatskirche, meint Thomas Heberer. In dieser sind grundsätzlich alle gleich. Herausgehoben werden nur diejenigen, die sich durch ihr Verhalten Meriten verdienen. Ein Prinzip, das die heutige chinesische Führung mit dem sozialen Kreditsystem bereits wieder aufgegriffen hat. Musik: Z8024906103 Without you 0‘28 Erzähler: Das problematischste Kapitel in Kang Youweis „Datongshu“ behandelt die Abschaffung der Rassenschranken. Kang ist hier ganz ein Kind des 19. Jahrhunderts, in dem Darwinismus und biologisches Denken weit verbreitet sind. Kang ist zwar alles andere als ein Rassist. Doch in Kategorien der Rasse zu denken, ist damals ganz normal gewesen. Erzählerin: Nach reiflicher Überlegung hat Herausgeber Thomas Heberer entschieden, dieses Kapitel nicht ganz herauszunehmen. Auch wenn manches in heutigen Ohren seltsam klingt, etwa, wenn Kang zur Überwindung des Rassismus vorschlägt, die Weltbevölkerung durch Vermischung praktisch zu Weißen zu machen. ZSP 7 Rassen 0,32 Und dass man vielleicht nachdenken kann, ob man nicht durch ständige Vermischung die Rassen soweit angleicht, dass es keine Diskriminierung mehr gibt. Das ist ein gewagtes Vorhaben, weil das kann auch sehr leicht in Totalitarismus umschlagen. Heute würde man sagen, ja warum kann man das nicht, indem man die ganze Diskriminierung beseitigt und die Menschen aufklärt, dass Schwarze, Weiße, Gelbe, Braune gleichberechtigt sind. Und dass es keine Unterschiede, Rassenunterschiede gibt, sondern nur im Kopf, und nicht in der Realität. Musik: C1454340013 Mandarin 0‘15 Zitator: Das Recht des Menschen auf Unabhängigkeit ist ihm vom Himmel übertragen worden, und auch den Frauen stehen gleiche Rechte zu. Erzählerin: Man beachte das Jahr, in dem Kang Youwei das postuliert hat. 1902 war die völlige Gleichstellung der Frau durchaus noch eine revolutionäre Idee, nicht nur in China. Und auch heute ist diese Forderung nur in den allerwenigsten Weltgegenden tatsächlich verwirklicht. Die Schranken zwischen den Geschlechtern müssen abgeschafft werden, schreibt Kang. Ebenso die traditionelle Form der Ehe. Der Gelehrte fordert stattdessen eine Art Versuchs-Ehe auf Zeit. Wenn einer der Partner nach einem Jahr erkenne, dass man nicht zusammenpasst, könne man sich wieder trennen. Ohne Scheidung und großes Trara! Erzähler Noch moderner erscheint Kangs Haltung zu sexuellen Beziehungen. Auch da war er seiner Zeit weit voraus. Die Akzeptanz von Homosexualität etwa erschien ihm als eine natürliche Selbstverständlichkeit. Zitator: „Was hat es für einen Sinn, Gebote und Verbote auf geschlechtlichem Gebiet zu erlassen? Wälle und Deiche werden doch durchbrochen, wenn sich die Natur ihr Recht verschafft und die Flut hereinbricht.” Erzähler: Ist erst einmal das Zeitalter der Großen Gemeinschaft angebrochen, schreibt Kang, brauche die Gesellschaft ohnehin keine Strafen und Gerichte mehr. In jenem Zeitalter werde dann auch sexuelle Freizügigkeit herrschen. Zumindest für Erwachsene ab dem 20. Lebensjahr. Musik: Faces of Asia 2 C1454340030 0‘10 Zitator: Wie man familiäre Schranken abschafft und wie die Menschheit ein „Volk des Himmels“ wird Erzähler: Auch das ein revolutionärer Gedanke! Denn in China war das Korsett der traditionellen Familie zu Kangs Zeiten noch besonders eng. Ganz oben thronte der Patriarch, der Älteste der Sippe, der alles bestimmte. Männer, die es sich leisten konnten, durften sogar mehrere Ehefrauen haben. Ganz am unteren Ende der Hierarchie standen die Schwiegertöchter. Absoluter Gehorsam gegenüber den Höheren und Älteren war gefordert. Ein starres System also, zu dessen entschiedenen Kritikern Kang Youwei zählte. Musik: C1454340031 Faces of Asia 3 0‘11 Zitator: Wie man durch eine gemeinschaftliche Regelung der Erwerbsverhältnisse einen einheitlichen Lebensstandard schafft Erzähler: Kang Youweis Vision der weltweiten „Großen Gemeinschaft“ basiert auf konkreten ökonomischen Vorstellungen. Wobei im Wirtschaftsteil seiner Utopie ganz deutlich Ideen von Karl Marx durchscheinen. Die Industrieproduktion vergesellschaften, das Privateigentum an Produktionsmitteln abschaffen – und stattdessen Planwirtschaft! Dass diese im 20. Jahrhundert im Systemvergleich krachend scheitern würde, konnte Kang noch nicht wissen. Erzählerin: Eines aber war ihm klar: Herrschen weiterhin Ungleichheit und Unterernährung, wird ein friedliches Zusammenleben der Menschen langfristig nicht möglich sein. Daher Kangs Forderung nach gemeinschaftlicher Agrarwirtschaft und gemeinsamen Bodenbesitz. Eine Idee, die in China in den vergangenen 2.500 Jahren immer wieder auftauchte, sagt Thomas Heberer: ZSP 8 Bodenreform 0,24 Weil man gesehen hat, immer wenn der Boden wieder in Privateigentum übergeht, dann verarmt ein großer Teil der Landbevölkerung, es gibt Aufstände, Rebellion. Und jede neue Dynastie hat den Boden neu an die Bauern verteilt, gleichmäßig. Und diese Idee wollte Kang auch in China wieder realisieren: Gemeineigentum an Boden und jeder kriegt eben sein eigenes Stück Land, das er bewirtschaften kann, für die Verbesserung der Lebensbedingungen. Erzähler: Wie aber wird ein Weltstaat eines Tages aussehen, der nach den Prinzipien Frieden und Gleichheit regiert wird? Es muss in jedem Fall eine einheitliche Weltsprache geben, schreibt Kang Youwei. Und ein einheitliches und gerechtes Verwaltungssystem. Dazu wird die Welt in Planquadrate eingeteilt. Zitator: „Jedes Planquadrat wird ein gemeinschaftliches Selbstverwaltungsgebiet; es richtet Gemeinschaftsinstitutionen ein und verwaltet die Landwirtschaft, die Industrie und den Handel in öffentlicher Regie." Erzähler Die alltäglichen Probleme werden also nicht von oben, von der Weltregierung gelöst, sondern von den Menschen vor Ort. ZSP 9 unten nach oben 0,28 Das kann nur auf der lokalen Ebene entschieden werden und deswegen war die Idee grundsätzlich erstmal im Allgemeinen gut zu sagen: Unten gibt es starke Autonomie, Selbstverwaltung. Aber es gibt eine Weltregierung, die eben die globalen Probleme lösen muss. Und die sollen sich auch nicht ins Gehege kommen, dafür gibt es Parlamente, die stufenweise nach oben gehen, und wo immer Vertreter der einzelnen Planquadrate dann der Großregion und so weiter sitzen, die mitentscheiden, wie die Weltregierung agieren soll. Erzähler: Ein föderaler, demokratischer Weltstaat, der dauerhaft Frieden und Gleichheit bringt. Diese menschenfreundliche Vision ist vermutlich ein Projekt für die fernere Zukunft! Aber der Utopist Kang Youwei geht sogar noch weiter. Er fordert eine Ausdehnung der allumfassenden Güte und Liebe - auf alle Lebewesen. Tiere zu schlachten und zu essen? Für Kang ist das ein Zeichen von ethischer Rückständigkeit. Und in Zukunft nicht mehr denkbar. Zitator: "Die Menschen werden einmal den Fleischgenuss verabscheuen, wie sie auch das Schlachten von Haustieren abgeschafft haben. Die Haustiere werden dann als Dienerschaft betrachtet; man wird sie nutzbringend einsetzen, aber auch pflegen und Zuneigung zu ihnen gewinnen." Musik: C1454340013 Mandarin 0‘30 Erzähler: Die Fesseln des Leidens abzustreifen, und den Menschen materiell und sozial zu einer höheren Glücksstufe zu verhelfen, im Einklang mit allen Lebewesen! Erzählerin: Es ist ein großes Projekt, das Kang Youwei da skizziert. Trotz vieler Details ist seine Utopie aber keine konkrete Handlungsanweisung, meint Herausgeber Thomas Heberer. Das „Datongshu“ ist mehr als Impuls gedacht – als Denkanstoß. ZSP 10 Anregung 0,30 Ihm war auch klar, dass man das nicht eins zu eins umsetzen kann. Und dass es zu seinen Lebzeiten sowieso nicht mehr geht, sondern dass es einen Diskurs mit dem Westen auslösen sollte, dass man überhaupt die Fragen mal diskutiert. Dass er vielleicht Anregungen geben wollte. Man legt ein Programm vor und sagt: So, jetzt sagt mal bitte, was ihr dazu meint. Und ihr könnt andere Ideen einbringen. So entwickeln wir das weiter. Ich glaube, als Anregung gedacht und nicht als ein Ziel, das alle jetzt gemeinsam Schritt für Schritt erreichen müssen. Erzähler Als Kang Youwei 1927 im ostchinesischen Qingdao stirbt, hat er das Manuskript seines Buches längst fertiggestellt, aber nicht veröffentlicht. Erst 1935 wird das Datongshu der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Erzählerin: Zur Zeit der Kulturrevolution in den 1960er und 70er Jahre war Kang als reaktionärer Konfuzianer verpönt. Sein Grab wurde zerstört, seine Schriften verboten. Erst seit den 1980er Jahren sind Texte wie das „Datongshu“ in Chinas Buchläden wieder erhältlich. Erzähler Heute gibt es nicht nur ein Kang-Youwei-Museum in Qingdao, sondern vor allem eine höchst lebendige Diskussion der Ideen des großen Reformers und Philosophen. Bis hinauf in die obersten Etagen der Partei- und Staatsführung. Erzählerin: Was aber kann der Rest der Welt von Kang-Youwei und seiner Utopie heute lernen? Zum einen, meint Thomas Heberer, sind viele Forderungen Kangs immer noch unerfüllt. Etwa die Gleichberechtigung der Frau, die Abschaffung von Hunger und Krieg. Und zum anderen zeige das Beispiel Kang Youweis, dass nicht nur der Westen aufgeklärte Geister hervorbringt. ZSP 11 chinesische Aufklärung 0,19 Es entsteht immer der Eindruck, die Chinesen sind ein homogenes Konglomerat, oben entscheidet der Führer. Und sonst sind sie keine Querdenker, keine Freidenker, sondern machen, was der Staat sagt. Und das ist so nicht richtig. Denn es gibt eine lebhafte Diskussion in China und es gab die schon immer in der chinesischen Geschichte. Musik: CD433040112 Desert Cappriccio 0‘56 Erzähler: Diese Ideen-Geschichte und ihre Denker gilt es zu entdecken. Für einen Dialog der Kulturen auf Augenhöhe. Damit wir künftig nicht nur über machtpolitische Gegensätze und ökonomische Bedrohungen sprechen, sondern über gemeinsame Werte und Ziele der gesamten Menschheit. Erzählerin: Höchstwahrscheinlich hatte Bundespräsident Steinmeier dieses globale Miteinander im Sinn, als er im Dezember 2018 den großen Philosophen Kang Youwei zitierte und an die Studierenden der Sichuan-Universität appellierte: Zitator: „Die Zukunft, die vor Ihnen liegt, wird kein Einzelner, kein Volk, keine Nation für sich allein gewinnen. Die Zukunft wird nicht im Kampf Jeder gegen Jeden liegen.“
- Fleetwood Mac - Von der British-Blues Band zum Mainstream Pop
20.09.2025 · 22 Min.
"Sex, drugs, and rock‘n roll" - Kaum eine Band verkörpert dieses Lebensmotto mehr als erstaunlicherweise die britische Band "Fleetwood Mac". Gegründet von Peter Green als reine Bluesband in den 1960er Jahren, entwickelte sich die Band zu einer der erfolgreichsten Musikgruppen ihrer Zeit. Ihr neuer Stil, eine Mischung aus Pop - und Rock, macht weltweit Furore. (BR 2025) Credits Autor/in dieser Folge: Martin Trauner Regie: Martin Trauner Es sprachen: Herbert Schäfer, Caroline Ebner, Heiko Ruprecht Redaktion: Bernhard Kastner Im Interview: Karl Bruckmaier - Musikjournalist Adrian Wiedenmann – Kenner und Fan Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Ralphs Relevante Rätsel - Wissen mit Ralph Caspers Kann ein Herz wirklich brechen? Und zerbricht man sich tatsächlich den Kopf, wenn man zu lange über so etwas nachdenkt? Hoffentlich nicht, sonst müsste Ralph Caspers sich wirklich langsam Sorgen um seinen machen... Denn in 'Ralphs Relevante Rätsel' tut er nämlich genau das: sich für uns den Kopf zerbrechen, damit wir unsere Wissenslücken füllen können. Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Country-Musik - Der Blues des weißen Mannes Es gibt wohl nur wenige Musikrichtungen, die so polarisieren wie Country-Music. Ihre Fans lieben sie als Inbegriff einer patriotisch-konservativen heilen Welt, Skeptiker betrachten sie als verlogene Cowboy-Romantik und reaktionären Farmer-Kitsch. Doch die Ursprünge der weißen Popularmusik liegen nicht in Nashvilles Tonstudios, sondern in der Wildnis der Appalachen. Von Markus Vanhoefer (BR 2022) Der Blues - Feeling so Black and Blue? Der Blues. Ende des 19. Jahrhunderts im Süden der Vereinigten Staaten aus afrikanischen, europäischen und karibischen Musikelementen entstanden, tritt der Blues im frühen 20. Jahrhundert seinen Siegeszug an. (BR 2016) Autor: Markus Mähner Literatur: · Mick Fleetwood: „Play on“ – Mick Fleetwoods Autobiografie; Deutsche Ausgabe beim Heyne Verlag · Donald Brackett: „Fleetwood Mack: 40 years of creative Chaos“ Linktipps: Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: 01 Zsp Fleetwood Mac (Adrian Wiedenmann) Es gibt einfach so Sachen, wo das ganze Album gepasst hat und „Rumours“ war so eines … SPRECHER … sagt Adrian Wiedenmann. Und meint das Album „Rumours“ der englischen Band Fleetwood Mac. MUSIK hoch 02 Zsp Fleetwood Mac (Karl Bruckmaier) Das erschien Mitte der 70er Jahre: „Rumours“ - und hat, glaube ich, 20 Millionen Stück verkauft. Bis zum Michael Jackson Thriller (…) war es auf jeden Fall das am meisten verkaufte Album. Also, das war so eine Konsensplatte von Leuten, die Rockmusik hören wollten, ohne Rockmusik wirklich zu mögen … SPRECHER … meint der Musikkritiker Karl Bruckmaier. MUSIK kurz hoch 03 Zsp Fleetwood Mac (Adrian Wiedenmann) Ja, ja, aber das war auch, ich meine, das war zuvor damals, das war geiler „Mainstream“, das kannst du nicht anders sagen, und ich meine, das war richtig schöne, gute Musik … 04 Zsp Fleetwood Mac (Mick Fleetwood - Rechtefrei) – Fleetwood Mac is a pop band, really. I mean, we play popular music. We're not a jazz band, we're not a full-on, heavy rock and roll band, but sort of. We're more of a rock and roll band than many people think. Overvoice männlich: Fleetwood Mac ist eigentlich eine Popband. Ich meine, wir spielen populäre Musik. Wir sind keine Jazzband und auch keine Heavy-Rock-and-Roll-Band, Aber: Wir sind mehr Rock-and-Roll-Band, als viele Leute glauben. SPRECHER Mick Fleetwood. Schlagzeuger. Er ist eines der Gründungsmitglieder von Fleetwod Mac. MUSIK hoch und aus SPRECHERIN „Fleetwood Mac“, eine Band aus England. Man glaubt, den Sound zu erkennen, wenn man ihre Musik, ihre Songs hört … Irgendwie hat man die Stücke im Ohr, auch wenn man sich nicht an alle Titel erinnern kann ... MUSIKMIX aus den Hits von Fleetwood Mac 05 Zsp Fleetwood Mac (Adrian Wiedenmann) „Go Your Own Way“ ist sicherlich ihr bekanntester Song und er ist ganz großartig, aber auch „Don't Stop“ oder „You Make Love“, „Loving Fun“ und „Oh Daddy“ ist ein wunderbares, ganz langsames getragenes Lied. Die stehen für sich alleine, die sind schon gut. MUSIKMIX Ende SPRECHER Klingt alles irgendwie bekannt. SPRECHERIN Doch Fleetwood Mac hat eine musikalische Vergangenheit hinter sich, die mal ganz anders klang ... SPRECHER … eine Vergangenheit, die aus dem Blues kommt … SPRECHERIN Und die Adrian Wiedenmann seiner Zeit nicht so schätzte … 06 Zsp Fleetwood Mac (Adrian Wiedenmann) Na, die Bluesband hat mich nicht so interessiert, weil: da habe ich angefangen, einen richtigen Blues zu hören… SPRECHERIN: Und dennoch: Fleetwood Mac hat nun mal ihre Ursprünge im britischen Blues, im so genannten „White Blues“. MUSIK (Fleetwood Mac - Bluesstück) 07 Zsp Fleetwood Mac (Karl Bruckmaier) Ja, die erste ist die Fleetwood Mac Inkarnation, die man unter British Blues einordnen würde. Ausgehende 60er Jahre … SPRECHERIN … so der Musikkritiker Karl Bruckmaier. SPRECHER Fleetwood Mac hat mindestens zwei Inkarnationen, also zwei Geburtsstunden hinter sich. Und die erste Geburtsstunde, also Teil eins der Inkarnation dieser Band, wie Karl Bruckmaier es ausdrückt: Na ja: - das ist der Blues… der kommt ja ursprünglich aus Amerika. Der Blues ist die Musik der Afroamerikaner. MUSIK: Elmore James SPRECHER Ende des Zweiten Weltkriegs bringen amerikanische Soldaten den Blues nach England, erzählt Mick Fleetwood. Und er, einer der Namensgeber der Band „Fleetwood Mac, sehe sich in der zweiten Generation der englischen Bluesmusiker. SPRECHERIN Schreibt Mick Fleetwood in seiner Autobiografie. Titel: „Play on“ SPRECHER „Spiel weiter“… MUSIK: 1960er Jahre England SPRECHERIN Im England der 1960er Jahre existiert eine bunte Musikszene. Vor allem junge Männer, meist noch keine 20 Jahre alt, gründen Bands, lösen die auch bald wieder auf, um dann in anderen Musikgruppen anzuheuern. Oder um dann wieder neue Bands zu formieren ... SPRECHER Aber eines bleibt immer gleich: Der Blues… SPRECHERIN In diesem Umfeld treibt sich auch Mick Fleetwood herum. Er hat sich, weil er keine Lust auf Schule hatte, autodidaktisch Schlagzeugspielen beigebracht. In der Garage seiner Eltern im Londoner Stadtteil Notting Hill kann er sich austoben. Er übt wie besessen, bis er von einem 20-jährigen Nachbarn angesprochen wird, ob er nicht mal Lust auf einen Gig, auf einen Auftritt hätte. SPRECHER Natürlich hat Mick Fleetwood Lust. Und so wird er, gerade mal 17 Jahre alt, Schlagzeuger einer Londoner Band. Mit regelmäßigen Auftritten in den Londoner Clubs. SPRECHERIN Und da lernt er, der Fleetwood, den Mac kennen. Genauer gesagt den Bassisten John McVie. MUSIK: Bluesbreakers SPRECHER John McVie ist nur zwei Jahre älter als Mick Fleetwood, er ist aber zu seiner Zeit schon eine kleine Berühmtheit. Spielt er doch bei den damals legendären „Bluesbreakers“. Zusammen mit dem Gitarristen Eric Clapton. SPRECHERIN Den kennt man ja heute noch … MUSIK Bluesbreakers hoch SPRECHERIN Fleetwood und Mac. Klingt viel versprechend. Für die künftige Band gibt es jetzt den Schlagzeuger Mick Fleetwood und den Bassisten McVie, aber es braucht noch einen Gitarrenspieler … Dafür fehlt noch der dritte im Bunde. Die treibende Kraft. 08 Zsp Fleetwood Mac (Karl Bruckmaier) Und dann kam Peter Green stilbildend mit an Bord, der, ich sage jetzt mal, ein britischer BB King Verschnitt vielleicht war, aber natürlich wie alle anderen jungen Briten in der Zeit, ich zitiere jetzt Keith Richards, gemeint haben, es sei ziemlich gut, wenn man diese langweilige Altmänner der schwarzen Musik ein bisschen auf Speed bringt und einem neuen Publikum erschließt und da hat sich eben dieser Peter Green ganz wunderbar eingereiht … SPRECHER Peter Green, eigentlich heißt er Peter Greenbaum, ist der Mastermind der neu zu gründenden Band. Auch er half mal kurzzeitig bei den Bluesbreakers aus, als Ersatz für Eric Clapton. Und dieser Peter Green, der Gitarrist und Sänger gründet 1967 eine neue Band. 09 Zsp Fleetwood Mac (Karl Bruckmaier) … er war ja jemand, der damals nicht umsonst seine Band Fleetwood Mac genannt hat und nicht: „Green Green Green“. Der ist ungern vorne gestanden, der ist ungern als Aushängeschild der Band aufgetreten. Ich kenne sonst niemanden, der als Bandnamen die „Rhythm-Section“ Namen verwendet hätte, um daraus einen klingenden und erfolgreichen Namen zu basteln. … MUSIK „My heart beats like a hammer“ SPRECHER Die Rhythmusgruppe der neuen Band, das ist: John McVie und Mick Fleetwood. Der „Frontman“ soll der nicht im Vordergrund stehen wollende Peter Green werden. Also beschließt man, noch einen Gitarristen an Bord zu holen: den erst 18 Jahre alten Jeremy Spencer. SPRECHERIN Und der wird neben Peter Green zu einem der treibenden und kreativen Köpfe der Band. SPRECHER Anfang 1968 nimmt Fleetwood Mac die erste Schallplatte auf. Mit einigen selbst geschriebenen Songs und mit Coverversionen bekannter amerikanischer Bluesstücke … 10 Zsp Fleetwood Mac (Karl Bruckmaier) … und sie waren ja dann als Rockband mit starken Blues-Anklängen sehr erfolgreich. SPRECHERIN So erfolgreich, dass sie in Fernsehshows auftreten. Und sich im selben Jahr auf eine Amerikatour begeben. Es geht bergauf. Bald verkaufen sie mehr Schallplatten als die Beatles oder die Rolling Stones. SPRECHER Was soll da also noch schief gehen? MUSIK: „The world keep on turning“ (1968er Version) SPRECHERIN Na ja, so ziemlich alles geht schief… SPRECHER Und das liegt ein bisschen an der Hippiezeit und an den Charakteren der beiden Gitarristen … Peter Green und Jeremy Spencer … 11 Zsp Fleetwood Mac (Mick Fleetwood - Rechtefrei) (Karl Bruckmaier) Und dann ereilte auch wieder so ein typisches spät 60er, früh 70er Phänomen, die Religiosität, die Band, zuerst Peter Green und dann auch den Spencer, die wurden in diverse Sekten aufgenommen und meinten etwas für ihr ganzheitliches Seelenheil tun zu müssen und haben also die Musik erst einmal weitgehend vernachlässigt (…) MUSIK aus SPRECHERIN Wie kommt es dazu? SPRECHER Spurensuche: Die Liveauftritte von Fleetwood Mac waren damals sehr skurril, oft provokativ. So hängt Jeremy Spencer an seinen Gitarrenhals mit Bier oder Milch gefüllte Kondome. Mick Fleetwood lässt zwei Holzeier an seinem Gürtel baumeln. Oder es steht auch mal ein 40 Zentimeter großer Dildo auf der Bühne, der im Takt der Bluesrocker mitwippt. SPRECHERIN Jeremy Spencer gibt zwar abends den Spaßvogel, reißt derbe Sprüche, tagsüber aber liest er zunehmend in der Bibel. Und auch Peter Green fängt an, christliche Texte zu rezitieren … MUSIK: „Albatross“ (Fleetwood Mac) SPRECHER Dazu kommen die Drogen. Begnügte man sich in England mit Haschisch und Alkohol, lernt die Band in den USA „Lysergsäurediethylamid“ kennen. Kurz: LSD. – Um das Bewusstsein zu erweitern. So meint man. SPRECHERIN Mick Fleetwood erinnert sich in seiner Autobiografie, soweit das Erinnern da noch möglich war, sie alle hätten zu dieser Zeit LSD genauso regelmäßig konsumiert wie Alkohol und Haschisch. Die beiden Gitarristen und Frontmänner Peter Green und Jeremy Spencer hätten noch ein wenig mehr zugegriffen als die anderen. MUSIK Albatross frei SPRECHER Mit der Single „Albatross“ landet Fleetwood Mac Ende 1968 einen Hit. Aber jetzt klingt der Sound schon ganz anders als bei den früheren Rock and Roll und Bluesnummern. Moderner, berauschter … MUSIK aus SPRECHERIN Mit der nächsten Single aber wird klar: Peter Green plagen dunkle Gedanken. In „Man of the world“ singt er davon … MUSIK: „Man of the world“ (MUSIK und Text koordinieren) SPRECHERIN Shall I tell you about my life They say I'm a man of the world SPRECHER Soll ich Dir von meinem Leben erzählen. Man sagt, ich sei ein Mann von Welt. (…) Ich glaube, ich habe alles, was ich brauche. Ich könnte mir nichts Besseres wünschen. Und es gibt niemanden, der ich lieber wäre. Aber ich wünschte nur, ich wäre nie geboren … SPRECHERIN Peter Green, der sensible Künstler, beginnt an allem zu zweifeln. An seiner Rolle als Musiker. Er will nicht jeden Abend die gleichen Songs spielen. Er will mit seiner Musik kein Geld verdienen. Er würde gerne das ganze Vermögen, das Fleetwood Mac mittlerweile eingespielt hat, spenden. Und er und die anderen Bandmitglieder sollen fortan als Mönche in Armut leben … MUSIK aus SPRECHERIN Na ja. Doch damit steht er alleine da. Die anderen Bandmitglieder wollen das nicht! SPRECHER Endgültig verloren haben sie Peter Green, so erinnert sich Mick Fleetwood, bei einem Konzert in München Anfang 1970. MUSIK (Rolling Stones She is a Rainbow“ nur instrumental ab 1:35) SPRECHERIN Da hätte ihn „eine Gruppe wohlhabender Hippies in die Finger bekommen“, hätten Peter Green in ein großes Haus gelockt, wo er mit den Münchner Hippies tagelang Trips eingeschmissen habe. - Einige dieser Hippies sind bekannt:
- Zivilcourage - Der Mut des Bürgers
19.09.2025 · 22 Min.
Zivilcourage - klingt gut, fällt aber vielen nicht leicht. Es kostet Überwindung, ohne Rücksicht auf eigene Nachteile für andere und deren Unversehrtheit einzutreten. Dabei ist das Plädoyer danach ziemlich alt. (BR 2017) Autorin: Daniela Remus Credits Autor/in dieser Folge: Daniela Remus Regie: Frank Halbach Es sprachen: Hemma Michel, Jerzy May, Silke v. Walkhoff Technik: Cordula Wanschura Redaktion: Nicole Ruchlak Im Interview: Prof. Simone Dietz, Philosophin, Düsseldorf; Prof. Gerd Meyer, Historiker, Tübingen; Prof. Michael Wolffsohn, Historiker, München; PD, Nils Zurawski, Kriminologe Hamburg Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Retterinnen ohne Ruhm - Zivilcourage im Nationalsozialismus JETZT ANHÖREN Der Zuschauer-Effekt - Warum wir oft gaffen, aber nicht helfen JETZT ANHÖREN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 radioWissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnah nimmt Euch „Wie wir ticken“ mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek. WIE WIR TICKEN - EUER PSYCHOLOGIE-PODCAST Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.
- Leo von Klenze - Der Mann, der Münchens Bild prägte
19.09.2025 · 22 Min.
Er hat das Stadtbild Münchens geprägt wie kein Zweiter: Leo von Klenze. Er war der Star unter den Architekten seiner Zeit, getrieben vom Traum einer modernen Wiedergeburt griechischer Kunst. Autorin: Brigitte Kohn (BR 2013) Credits Autor/in dieser Folge: Brigitte Kohn Regie: Eva Demmelhuber Redaktion: Brigitte Reimer Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: Alles Geschichte – Der History-Podcast Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung: BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG Linktipps: Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
- KI-Pionier Joseph Weizenbaum - ELIZA und ihre Tücken
17.09.2025 · 22 Min.
Joseph Weizenbaum war der selbsternannte Ketzer und Dissident der "künstlichen Intelligenz" - die er selbst mitentwickelt hatte. Er hielt Computer für bessere Schreibmaschinen. Sein Programm "ELIZA" aus den 1960er Jahren war der erste "Chatbot", der mit Menschen sprechen konnte. Und zugleich eine Parodie auf den Fortschrittsglauben. Von Martin Trauner (BR 2024) Credits Autor und Regie dieser Folge: Martin Trauner Es sprachen: Susanne Schroeder, Burchard Dabinnus Redaktion: Karin Becker Im Interview: Dr. Christian Strippel, Forschungsgruppenleiter am Weizenbaum Institut in Berlin Literaturtipps: Joseph Weizenbaum: Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft– Suhrkamp 1977 Gunna Wendt: Computermacht und Vernunft: Gespräche und Geschichten. Hommage an Joseph Weizenbaum zu seinem 100. Geburtstag – Limbus Preziosen 2023 Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER.